#englandwalesroadtrip – Letzter Halt: Liverpool

Im Normalfall sind Urlaube ja immer viel zu kurz und spätestens ab dem Bergfest kann man nur noch daran denken, dass es ja bald vorbei ist. Zu diesem Umstand kommt für mich bei Roadtrips noch dazu, dass ich sie chronologisch plane. Die ersten Tage sind daher meistens komplett bis in alle Einzelheiten durchgeplant und ich habe die entsprechenden Seiten der Reiseführer ausführlichst studiert. Irgendwann verlässt mich dann aber die Planungslust und so kommt es, dass die letzten Tage oft eher improvisiert ist, was mal mehr und mal weniger gut klappt. Dieses Mal hatte ich allerdings Glück und konnte das Urlaubsenddilemma und die Trauer über das Verlassen von Wales geschickt mit einem wahren Highlight überspielen, auf das ich mich schon seit Monaten gefreut habe – einen Besuch bei einem meiner Lieblingsmenschen verbunden mit einem Beatles-Wochenende in Liverpool. Nix mit Urlaubsendstimmung – das war ein würdiger Abschluss!

19. August, nachmittags

Wir fahren von Llandudno aus Richtung Osten und lassen Wales mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinter uns. Je näher wir England kommen, desto voller wird es auf den Straßen, dazu kommen Baustellen und Freitagabendstaus auf der Autobahn. Der Hase ist dann doch sehr froh, als wir Liverpool endlich erreicht haben und er das Autofahren Autofahren sein lassen kann. Wir stehen vor der Wohnung meines guten Freundes Igor (Wer erinnert sich noch?) und seiner Freundin und Bandkollegin Ibone. Ich habe Igor vor 4,5 Jahren in Sevilla kennengelernt, ein halbes Jahr später habe ich ihn in London besucht. Jetzt hat es dank glücklicher Fügung endlich mit einem Wiedersehen geklappt – vor ein paar Monaten sind die beiden gemeinsam mit ihrer Mitbewohnerin, die wie sie aus dem Baskenland stammt, nach Liverpool gezogen und damit praktischerweise auf unserer Reiseroute gelandet. Die Wiedersehensfreude ist groß!

Wie immer, wenn wir uns sehen, geht es sehr viel um Musik und die Beatles sind auch immer dabei. In Sevilla tranken wir Tee aus Beatles-Tassen, in London kauften wir ein Beatles-Poster für sein Wohnheimzimmer, besuchten die Abbey Road Studios sowie das Haus in der Savile Row, auf dem das Konzert auf dem Dach stattfand (beides von außen) und aßen im Ravi Shankar 😉 Hier in Liverpool drehen wir die Beatlemanie natürlich bis auf 11 hoch. Gleich auf dem Whiteboard in der Küche emfangen uns Paul und John, die Ibone dort hingemalt hat. Sie arbeitet übrigens (natürlich!) im Café des Beatles-Museums “The Beatles Story” und bietet uns sofort kostenlose Tickets an. Yes, please!

 

Da die Wohnung direkt in Chinatown liegt, ist die Abendessenplanung recht einfach. Wir gehen zur Big Bowl Noodle Bar und essen leckere große Nudelsuppen. Dazu gibt es für mich einen schönen heißen Bubble Tea, hier Milky Pearl Tea genannt. Was muss, das muss. Wir haben uns viel zu erzählen und sind auf dem Heimweg mitten ins Gespräch vertieft, als mich plötzlich etwas heftig an der Schulter trifft. Erst denke ich, der Hase hätte mich ruckartig nach hinten gezogen, damit ich nicht irgendwo dagegen laufe (es wäre nicht das erste Mal), dann fängt es an, wehzutun. Mir gehen die wildesten Gedanken durch den Kopf, doch dann entdecken wir unten auf dem Boden ein kaputtes Ei. Jemand muss es aus einem fahrenden Auto nach mir geschmissen haben. Liverpool kann sehr merkwürdig sein an einem Freitag Abend! Auf den Schreck geht der todmüde Hase zuhause gleich erstmal ins Bett, ich sitze mit den beiden noch ein paar Stunden zusammen, bevor auch mir langsam die Augen zu fallen.

 

20. August

Am nächsten Morgen gibt es ein gemütliches Frühstück mit spanischen Anteilen (Kekse und Instant-Kaffee) und englischen Komponenten (Tee mit Milch, Lemon Curd, Marmelade und Käse auf Brot – die Reste unserer Roadtrip-Verpflegung). Da unsere Gastgeber keinen Toaster besitzen, röste ich die Brotscheiben in der Pfanne an, was prompt den Rauchmelder auslöst. Zum Glück läuft Ibone derzeit auf Krücken, so dass wir den Alarm relativ unproblematisch von unten aus ausschalten können. Nach dem Essen ziehen der Hase, Igor und ich los und machen ein wenig Sightseeing, bis der Bus zur Magical Mystery Tour losfährt.

Wir laufen durch Chinatown bis zur Liverpool Cathedral, der fünftgrößten Kathedrale der Welt, die uns alle schwer beeindruckt. Igor und mich vor allem durch ihre schiere Größe und den Fakt, dass sie erst in den 70ern fertiggestellt wurde. Igor findet außerdem, dass man mit all dem Geld viel sinnvollere Dinge hätte tun können. Der Hase ist eher von ihrer (subjektiv von ihm so empfundenen) Hässlichkeit beeindruckt, immer wieder vergleicht er sie mit einem großen Kackehaufen. Auch dass es drinnen ein Café und einen gut gehenden Souvenirladen gibt, ist irgendwie merkwürdig. Da das Wetter eher trübe ist und wir Geld sparen wollen, sparen wir uns die Besteigung des Turms. Vor sechs Jahren war ich schon einmal da oben, bei gutem Wetter lohnt sich das durchaus. Nach der Kathedrale laufen wir durch die Duke Street, die für ihre alternativen Läden bekannt ist – hier gibt es alles, was man in einem gut sortierten Hipsterviertel erwarten würde. Weiter geht es hinunter zum Hafen. Es fängt an zu regnen und verbunden mit dem Wind hat der Mersey River einen ganz schönen Wellengang. Auf die Minute rechtzeitig erreichen wir die Haltestelle der Magical Mystery Tour am Albert Dock.

Zum zweiten Mal in meinem Leben mache ich diese Tour, zum zweiten Mal regnet es dabei. Für die Jungs ist die Tour durch das Liverpool der Beatles eine Premiere. Wie auch beim letzten Mal habe ich etwas zwiespältige Gefühle während der Tour. Zum Einen ist es ganz schön toll, die Orte zu sehen, an denen Musikgeschichte geschrieben wurde und sich ein Bild machen zu können, wie das damals wirklich war, in den 50ern und 60ern, als die Beatles zusammenkamen. Man sieht Teile der Stadt, die definitiv ohne die Beatles auf keinem Touristenprogramm wären, man bekommt neue Bilder zu den Songs, die man seit Jahrzehnten kennt. Zweimal kommt der Bus zum Beispiel an dem “shelter in the middle of a roundabout” vorbei, der in Penny Lane besungen wird. Der ebenfalls besungene Friseurladen existiert immer noch, auch wenn er inzwischen den Besitzer gewechselt hat. Man hält an Strawberry Field an und kann sich vorstellen, wie John Lennon dort im Baum saß und nach den Mädchen Ausschau hielt. Man sieht die Häuser, in denen die Beatles als Kinder und Jugendliche und am Anfang ihrer Karriere gewohnt haben. Man steht vor den Fenstern, hinter denen Welthits geschrieben worden. Man lernt einiges interessantes über die Geschichte von Liverpool und vor allem: man ist in einem Bus mit lauter anderen Leuten, die das alles mindestens genauso spannend und aufregend finden und die bei den gleichen Anspielungen lachen, die jemand, der sich mit den Beatles weniger gut auskennt, nicht verstehen würde. Schön, Teil von so etwas zu sein.

Aber andererseits: Man sitzt in einem Bus und bestaunt relativ profane und banale Dinge aus dem Leben von weitgehend ganz normalen Menschen, die eben zufällig erfolgreich und berühmt geworden sind. Der Bus hält an einem Straßenschild an, damit sich jeder, der es möchte auf der “Penny Lane” fotografieren kann, auch wenn der Begriff und der Song sich eben gar nicht auf die Straße allein, sondern auf einen ganzen Stadtteil bezieht. Man glotzt auf Häuser, in denen ganz normale Menschen wohnen. Die Häuser von John und Paul sind Museen des National Trust, die anderen sind einfach Wohnhäuser, an denen täglich mehrere 100 Leute vorbeikommen, um zu staunen und Fotos zu machen. Täglich! Nachdem ich die Tour zweimal gemacht habe, weiß ich jetzt, in welchem Park sich die Eltern von John Lennon kennengelernt haben, wo das Standesamt war, in dem John und Cynthia geheiratet haben und in welchem Haus der Klavierlehrer von Paul McCartney lebte. Das ist doch irgendwie auch ganz schön krank. Und dann sitzt neben mir ein Musiker, der vielleicht auch irgendwann mal mehr Erfolg als heute haben wird und wir fragen uns, wie er sich fühlen würde, wenn später (später, aber auch: zu seinen Lebzeiten!) einmal Busse durch seine Heimatstadt fahren und Touristen vor seiner Musikschule stehen, um Fotos zu machen. Es ist verrückt, aber es ist eben auch wie der berühmte Autounfall – man kann nicht weggucken.

Die Tour endet nach zwei Stunden am Cavern Club in der Mathew Street, die inzwischen schon inoffiziell in Beatle Street umbenannt ist und wo sich jede Menge Beatles-Wahnsinn konzentriert. Die Cafés und Restaurants heißen nach Beatles-Songs, es gibt Statuen und Bilder der Beatles, wohin man auch blickt und aus offenen Türen schallen laute Beatles-Songs. An der Ecke befinden sich das A Hard Day’s Night Hotel und ein zweistöckiger Beatles-Souvenir-Shop. Eigentlich ist das alles viel zu viel, andererseits ist es auch toll und aufregend, zumindest für mich. Den Souvenirshop heben wir uns dann aber für den nächsten Tag auf, denn Ibone wartet bereits mit unseren Freikarten am Albert Dock auf uns.

Wir verbringen zwei weitere Stunden im The Beatles Story, das die Geschichte der Beatles von den Anfängen bis zum Ende thematisiert. Es gibt jede Menge Themenräume, die einen zum Beispiel in die Casbah, in den Hamburger Star Club, in den Cavern Club oder in die Swinging Sixties entführen. Der Audioguide erzählt einem mehr, als man aufnehmen kann und wer wirklich alles lesen und erleben will, verbringt hier sicherlich mehr als zwei Stunden. Allerdings gibt es für Leute wie mich, die sich bereits ausführlich mit der Geschichte der Beatles beschäftigt haben, keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse mehr. Zudem gibt es ein paar unnötige Lücken und Zeitsprünge, die man durchaus detaillierter hätte darstellen können. Aber ein paar Kleinigkeiten habe ich dann doch noch gelernt, zum Beispiel, dass man damals im Cavern Club keinen Alkohol trinken durfte und die Bands deswegen zwischen den Auftritten im Pub gegenüber saßen. Im Ticket enthalten sind auch noch eine “4D-Experience” und wechselnde Ausstellungen, aber auch die müssen bis zum nächsten Tag warten, denn erstens sind wir inzwischen ganz schön platt und zweitens sind wir in England und alles Interessante macht um 17 Uhr zu. Wir entscheiden uns also, zuerst einmal heimzugehen und zu essen.

Der Hase und ich stellen uns an den Herd und improvisieren aus den vorhandenen Zutaten Nudeln mit typischer DDR-Tomatensauce für unsere Gastgeber, die ganz begeistert sind. Danach trinken wir noch einen Tee und hören Musik zusammen, unter anderem die eigene von Evil Pink Machine, denen auch der Hase noch eine große Karriere voraussagt. Gegen halb 11 raffen wir uns dann doch noch zu einem kleinen Pub Crawl auf. Auf dem Programm stehen der Philharmonic Pub, der vor allem wegen seiner Inneneinrichtung spektakulär ist – man schaue sich nur das Bild der Urinale an, das durchaus repräsentativ ist. Ansonsten ist zum Philharmonic noch zu sagen, dass John Lennon in einem Interview einmal gesagt hat, das Nervigste am Berühmtsein sei, nicht mehr einfach im Philharmonic trinken zu können.
Philharmonic

Wenn ich jetzt schreibe, dass auch der zweite Pub des Abends, das Ye Cracke ein Stammlokal von John Lennon war, ist jetzt keiner mehr überrascht, oder? Gut so. In guter alter englischer Pub-Tradition werden wir dort gegen Mitternacht hinauskomplimentiert und gehen dann auch bald ins Bett. Igor muss nämlich am nächsten Tag früh aufstehen und arbeiten – das Leben als angehender Rockstar ohne Plattenvertrag ist ganz schön hart.
Ye Cracke

 

21. August

Wir hingegen schlafen ziemlich lange aus. Dann packen wir unsere Rucksäcke, um sie später nur noch abholen zu müssen und geben unser Mietauto ab. Von dort aus laufen wir ins Zentrum, um bei Maggie Mays Scouse zu essen, DAS Liverpooler Gericht, von dem auch die Liverpudlians selbst und ihr Dialekt ihren Namen haben. Scouse ist mit Labskaus verwandt und hat auch ähnliche Ursprünge, aber anders als der in Deutschland übliche Labskaus wird Scouse als Eintopf serviert und enthält keinen Fisch. Stattdessen gibt es Kartoffeln, Möhren, Rüben und Fleisch – normalerweise Lamm, Hammel oder, wie in unserem Fall, Rind. Besonders spannend gewürzt war es nicht, aber dazu gab es Brot mit gesalzener Butter und sauerscharf eingelegten Rotkohl bzw. süßsauer eingelegte Rote Bete. Gemeinsam verzehrt ergibt das genug Geschmack, um nicht unbedingt nachwürzen zu müssen. Ich fand das Essen an sich nicht aufregend, aber doch angenehm. Spannend fand ich, dass ich mich über das Essen irgendwie mit der Vergangenheit der Stadt, speziell dem Leben der Hafenarbeiter und vor allem Seeleute verbunden fühlte. Klingt pathetisch, stimmt aber trotzdem. Essen als Zeitreise – fetzt.

Als Gegengewicht zum Arme-Leute-Essen gabs dann zum Nachtisch für mich noch eine Lemon Meringue Pie, die sah einfach so verdammt gut aus in der Vitrine.

 

Den regnerischen Nachmittag verbrachten wir zum größten Teil im World Museum, in dem man auf 5 Etagen alles mögliche lernen kann, von den Fischen im Mersey River über heimische exotische Tierarten bis hin zu chinesisch-britischem Kulturaustausch, indigenen Völkern in Ozeanien, den verschiedenen kulturellen Gruppen Afrikas und Weltraumtechnologie. Ein beeindruckender Rundumschlag, der wie die meisten Liverpooler Museen keinen Eintritt kostet. Als wir wieder das Tageslicht erreichen, hat es aufgeklart und wir können die restlichen Beatles-Stationen nachholen. Zunächst geht es in den riesigen Souvenir-Shop, in dem ich mir gerne wieder etwas zum Anziehen und außerdem ein Geburtstagsgeschenk für die Teenie-Cousine gekauft hätte. Aber leider flasht mich nichts so richtig, alles ist mir zu knallig und vordergründig, wobei der modische Aspekt leider auf der Strecke bleibt. Muss ich mir wohl doch noch ein anderes Geschenk überlegen…

Dann laufen wir weiter zum Pier Head, wo ich mithilfe des gestrigen Tickets noch in den Genuss weiterer Ausstellungen komme. Eine beschäftigt sich mit der so genannten British Invasion, also den verschiedenen Wellen britischer Bands, die in den 60ern und 70ern großen Erfolg in Amerika hatten und die dortige Musikwelt gehörig aufmischten. Die andere aktuelle zeigt Fotos von Pattie Boyd, Ex-Frau von sowohl George Harrison als auch Eric Clapton, Model, Schauspielerin und die Layla aus Claptons gleichnamigem Lied. Die Fotos zeigen Momente aus ihrem Leben mit den beiden Gitarrengöttern und deren illustren Umfeld. War auch sehr spannend und nicht zu voyeuristisch und zeigte einmal mehr, dass auch Götter normale Menschen sind. Die Beatles 4D-Experience kann man sich hingegen schenken, es sei denn, man steht auf 3- und 4D-Effekte – mit den Beatles hat das kurze Filmchen nichts weiter zu tun, bis auf ein paar Songs und Figuren aus Beatles-Songs, die darin auftauchen.

Albert Dock

Es ist inzwischen später Nachmittag. In wenigen Stunden müssen wir zum Bahnhof aufbrechen, um zurück nach Birmingham, zu Bruder und Schwägerin zu fahren. Von dort werden wir am nächsten Tag zurück nach Berlin fliegen. Aber bevor wir unsere Rucksäcke holen wollen wir noch etwas essen. Eine Freundin hat mir ein paar Tipps für Cafés im Baltic Triangle gegeben, gleich um die Ecke von Chinatown, aber leider haben drei davon tatsächlich schon wieder zu – das fiese 17-Uhr-Ding. Aber die Betreiberin des einen Cafés gibt uns einen entscheidenden Tipp und so landen wir völlig unverhofft zwischen alten Lagerhallen in einem bunt dekorierten Innenhof, der eine Gin-Bar beherbergt. Dort hat für den Sommer ein kubanischer Streetfood-Stand seine Zelte aufgeschlagen und so kommen wir mehr als ein Jahr, nachdem uns bei Chef das Wasser im Mund zusammenlief endlich in den Genuss eines echten Cubanos – ein getoastetes Sandwich mit langsam gegartem Pulled Pork, mit Agavensirup glasiertem Schinken, süßem Senf, Käse und süßsaurem Gürkchen. Traumhaft gut. Auch die Süßkartoffel-Pommes, die wir dazu bestellen, sind ein Gedicht und ausnahmsweise einmal nicht matschig, sondern schön knusprig und mit einer Limetten-Knoblauch-Mayonaise und herrlichen süß-scharfen Chilis dekoriert. Ein traumhaftes Ende für einen traumhaften Roadtrip!

Und damit dieser Liverpool-Post nicht mit kubanischen Sandwiches endet, hier noch mein liebstes Beatles-Foto: Ein riesiges Porträt der Fab Four aus 15.000 Jelly Beans. Süße Träume wünsche ich Euch!

Queere deutsch-französische kirchliche Trauung mit Zitaten von Yoda und Mr. Spock

Der Pfarrer war nervös, aber enthusiastisch, als er am Samstag vor der Aufgabe stand, meine beiden Freundinnen kirchlich zu trauen. Nervös war er vor allem, weil der Gottesdienst zweisprachig, auf Deutsch und Französisch stattfinden würde, er selbst aber gar nicht Französisch sprach. Enthusiastisch war er, weil er sich gemeinsam mit dem Brautpaar im Vorfeld auf ein Science-Fiction-Thema für den Gottesdienst geeinigt hatte und er so Referenzen auf Star Wars und Star Trek in seine Predigt einbauen konnte. Dass das vor ihm stehende Paar aus zwei Frauen bestand und er somit die erste kirchliche Trauung eines lesbischen Paares in Offenburg durchführen würde, spielte in all dem nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Das Science-Fiction-Thema zog sich nun tatsächlich durch den gesamten Gottesdienst. Anhand von sieben Etappen (ich hätte sie ja Episoden genannt, aber wer möchte perfektionistisch sein), verglich der Pfarrer die Ehe mit dem Aufbruch in eine neue Galaxie, mit dem Ausfechten von Konflikten, mit dem gemeinsamen Bestehen von Abenteuern… Ich habe mir nicht alles merken können, es endete aber mit der siebten Etappe, mit der Macht (der Liebe), die mit dem Brautpaar sein solle. „Möge die Macht (der Liebe) mit Euch sein“, ist ein wortwörtliches Zitat.

In den Trauversprechen kamen sowohl die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich als auch die ganz individuellen zwischen zwei Menschen zum Tragen. So versprach die eine Braut der anderen, niemals ein deutsches Bett mit zwei Matratzen statt einer durchgängigen zu kaufen, die andere wiederum versprach der einen, sie immer ausschlafen zu lassen. Dann folgte der Star-Trek-Bezug. Die eine Braut erzählte, wie sie gewusst hatte, dass die andere Braut für immer an ihrer Seite sein sollte, als diese nach dem gemeinsamen Anschauen von 200 Folgen Star Trek anfing, klingonisch zu sprechen. Sie versprach ihr ein gemeinsames „Live long and prosper“ und hob dabei die Hand zum entsprechenden Spock-Gruß (leider hatte niemand rechtzeitig die Kamera am Start).

Es gab vier Fürbitten, zwei auf Deutsch und zwei auf Französisch, die von vier Weggefährtinnen der Bräute verlesen wurden. Hier hatte ich meinen Einsatz und bat vor lauter Muttersprachlern in meinem dilettantischen Schulfranzösisch (und als Atheistin!) für die Familien und Freunde der Bräute.

Am Ende spielten Sohn (und Tochter?) des Pfarrers auf dem Klavier vierhändig den Cantina Song, den sie dann in Hevenu Shalom Alechem münden ließen, das zuvor bereits gesungen worden war und zu dem wir dann aus der Kirche auszogen. Zum Cremant-Empfang erklärte die Braut dann noch, dass der Mr.-Spock-Gruß aus der jüdischen Tradition stammt und im Prinzip auch Shalom Alechem, also „Friede sei mit Dir“ bedeutet. Dann aßen wir eine köstliche Regenbogen-Torte mit Erdbeeren, lauschten dem Gitarrenspiel und Gesang von Brautstiefvater und Brautonkel und machten Fotos.

Am Abend gab es dann Flammkuchen und Schokoladensoufflés, bevor wir auf dem gerade stattfindenden Stadtfest noch ein paar Songs einer Rockabilly-Soul-Blues-Country-Band beklatschten, zu denen Brautmutter und Brautstiefvater noch eine flotte Sohle aufs Parkett legten. Noch später fanden sich dann Bräute und Trauzeuginnen zu viert auf der heimischen Couch ein, pflegten ihre wunden Füße und ließen den wunderschönen Tag mit ein paar Folgen Gilmore Girls ausklingen.

img_2684

Momente 17.4.16

In meinem Feedreader befinden sich viele Blogs mit mindestens täglichen tagebuchähnlichen Einträgen, die ich sehr gerne lese, etwa von Kaltmamsell, Miz Kitty, Novemberregen, Frau Brüllen, diplix… Ein bisschen neidisch bin ich darauf auch. Wirklich jeden Tag zu bloggen habe ich das eine oder andere Mal probiert, aber nie wirklich lange durchgehalten – schon alleine aus Zeit- und Motivationsgründen. Aber nicht nur. Auch inhaltlich habe ich nicht jeden Tag blogbares und blogwürdiges zu sagen. Einiges landet dann bei Twitter, Instagram, Facebook oder Snapchat, anderes bleibt völlig undokumentiert. Und zeitgleich zahle ich viel zu oft 5 € in die Iron Blogger-Kasse, weil ich wieder eine ganze Woche lang keinen Blogeintrag zu Stande gebracht habe, obwohl ich doch durchaus was zu sagen gehabt hätte.

Mit den Momenten möchte ich dem jetzt entgegen wirken: Alltagsnotizen, Links und Fragmente, die nicht für einen ausgewachsenen monthematischen Text reichen. Ohne feste Form, ohne vorgegebenen Rhythmus, unsortiert und ohne Zwang, ergebnisoffen und nicht immer bis ins Ende ausformuliert und durchdacht. Mitunter ergibt sich dann ja ein Austausch, der dazu führt, dass ich mich doch mal etwas länger mit einem der Themen auseinandersetze, so wie neulich mit dem Daraufherumdenken, warum ich Sorbisch lerne

Da ich den Momente-Gedanken jetzt schon eine Weile mit mir herumtrage, hier jetzt eine lose Sammlung von mentalen Notizen der letzten Tage:

•••

Gestern Abend saßen wir hier um die Ecke im Garten von Freunden um den Feuerkorb herum und quatschten bis nach Mitternacht – zwar warm angezogen, aber eben draußen. Die Sonne ging erst nach 20 Uhr unter, die Äste und Zweige über uns waren voller Blüten, es war eindeutig Frühling. Ein wundervolles Gefühl, zu wissen, dass dies erst der Anfang der Draußensaison war, dass das jetzt noch die nächsten 5-6 Monate so weitergehen kann. Und auch, dass dieser Garten und diese Freunde und ein schönes Feuerchen nur ein paar Gehminuten entfernt sind. Nur eine Kreuzung muss dafür überwunden werden und auf der ist zumindest außerhalb des Berufsverkehrs nicht viel los. Und das in Berlin. Luxus!

  
•••

Diese Woche war unsere vierte Sorbischstunde und endlich hatte ich dabei wieder das Gefühl, Fortschritte zu machen und nicht mehr nur hinterherzulaufen. So langsam kommt etwas System in die Fälle und Zeitformen und ich konnte den einen oder anderen Satz bilden, ohne dabei hektisch durch meine Aufzeichnungen blättern zu müssen, um für jedes Verb, Substantiv und Adjektiv die richtige Form herauszusuchen. Natürlich sind das noch Einzelfälle, aber zumindest weiß ich jetzt, dass es möglich ist und sie mit Zeit und Übung normaler werden werden.

  
Außerdem habe ich mir die Wokabulary-App heruntergeladen und mit den bisherigen 138 Vokabeln gefüttert. Die kann ich jetzt mit Eintippen oder als Karteikarten lernen, die App merkt sich, wie gut ich die Wörter kann und zeigt mir meine Lernfortschritte. Dabei wandern Wörter auch wieder eine Stufe zurück, wenn ich sie nicht richtig habe. Schonmal sehr cool und empfehlenswert – mit den Konjugationen und Deklinationen hilft es aber noch nicht zu richtig weiter. Vielleicht finde ich dafür auch noch ein gutes System – das oben auf dem Bild ist ja recht aufwändig.

•••

Bereits am Montag habe ich Reiseführer für England und Wales bei Amazon bestellt. Ja, ich weiß, als Buchhändlerinnenkind sollte ich dazu eigentlich in einen Buchladen meines Vertrauens gehen, aber irgendwie fand ich es so einfacher und schneller. Ich kenne es eigentlich so, dass Artikel, die auf Lager sind, am nächsten (bei rechtzeitiger Bestelluhrzeit) oder übernächsten Tag da sind. So wunderte mich die voraussichtliche Lieferung am Donnerstag bereits, ich nahm sie aber nicht für voll. Versandt wurde dann aber tatsächlich erst am Mittwoch. Angekommen ist Stand heute, Sonntag, allerdings immer noch nichts. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass man durch Verschlechterungen im Lieferablauf die Kunden zu Amazon Prime zwingen will. (Oder habe ich einen Streik verpasst?) Wird bei mir aber nicht klappen, dann bestelle ich demnächst einfach wirklich im Laden nebenan oder gehe zu Dussmann. Amazon nutze ich dann wohl nur noch zum Verwalten meiner Wunschzettel. Kaufen kann man die Produkte ja dann woanders, trotzdem vom Wunschzettel löschen geht ja inzwischen auch für die Schenkenden.

•••

Neulich ein Gespräch belauscht, bei dem moniert wurde, dass auf dem Alex ja nur noch der Bodensatz der Gesellschaft herumgammeln würde und Verbrechen an der Tagesordnung wären. Mich sehr darüber gewundert, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist. Ich freue mich seit Monaten täglich darüber, wie lebendig der Alex geworden ist, wie viele Leute dort nicht nur vorbeirennen, sondern sich dort treffen und Zeit dort verbringen, wie viele Straßenkünstler und -musiker es dort gibt und dass sich Berlin dort endlich einmal wie eine moderne, weltoffene Großstadt anfühlt. Früher war der Alex eine öde Betonfläche, mit dem einen oder anderen Punk, ein paar nervigen Händlern, Touristengruppen und Rush Hour-Berlinern oder eben kaum begehbares Weihnachts-Oster-Herbst-Irgendwasmarktgelände. Heute ist er zu jeder Jahreszeit ein Treffpunkt und ein Schauspiel und irgendwann demnächst setze ich mich auch mal dazu und spiele Bodensatz. So.

•••

Heute Abend schläft die (französische) Frau einer guten Freundin bei uns. Sie spricht gut Englisch und lernt gerade mit großen Fortschritten Deutsch. Ich hoffe, dass wir trotzdem einen multilingualen Abend vor uns haben und wir uns auch noch ein bisschen besser kennenlernen können.

•••

Da wir gerade ungewöhnlich viele Wochenenden zuhause in Berlin verbringen, schaffe ich es, selbst Sauerteigbrot zu backen – ein bis zwei davon pro Wochenende. Inzwischen allerdings ohne Honig und angereichert mit Leinsamen und Haferflocken. Eins reicht etwa bis Donnerstag (der Hase schmiert sich Stullen für die Arbeit), das zweite wird eingefroren und bei Bedarf schnittenweise aufgetaut.

•••

Am Donnerstag habe ich aus Resten gekocht und es war unverhofft wahnsinnig lecker: 4 Anchovis in Olivenöl zergehen lassen, 2 Zehen Knoblauch pressen und dazugeben, 3 Hände voll Pflücksalat dazugeben (war ne wilde Mischung mit Rucola, Sauerampfer usw.) und zusammenfallen lassen. 1 Handvoll Rosinen dazugeben und andünsten. 1 Packung Ricotta dazugeben und verühren. 250 g al dente gekochte Spaghetti und eine Kelle Nudelwasser dazugeben, vermischen und nochmal kurz aufkochen. Ordentlich pfeffern und servieren.

  
•••

Heute morgen in der Küche das Radio angemacht, die letzten Tage von Lovefool gehört und spontan gute Laune bekommen. Ihr auch?

Der obligatorische Jahresrückblick

So langsam muss die Schreibfaulheit mal wieder aufhören, die in den letzten Wochen eingesetzt hat und jetzt sogar dafür sorgte, dass ich mal wieder 5 € bei den Iron Bloggern löhnen musste. All diese Termine vor Weihnachten, Geburtstage, eine Hochzeit, Geschenkebesorgungen und dann eben Weihnachten selbst bei den Haseneltern haben dafür gesorgt, dass ich kaum mal Muße hatte, irgendetwas aufzuschreiben und wenn habe ich das nur kurz bei Twitter getan. Gekocht habe ich auch nicht wirklich, was ja sonst immer ein ganz guter Anreiz zum Bloggen ist. So langsam geht es damit wieder los: Übermorgen kommen Silvestergäste und die sollen natürlich verköstigt werden. Deswegen habe ich mich dann heute aufgerafft, in Rezepten gestöbert und ein Büffet zusammengestellt, das auch einiges aufgreift, was dieses Jahr passiert ist. Doch dazu demnächst, erstmal muss noch der obligatorische Jahresrückblick her:

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Darüber habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und hätte spontan irgendwas bei 2 gesagt. Dann sind mir zum Glück noch eine ganze Menge schöne Sachen eingefallen, die auch passiert sind, damit rettet sich das Jahr auf eine 6, würde ich sagen.

Zugenommen oder abgenommen? 

Darüber könnte ich jetzt nur spekulieren, denn ich habe maximal 1-2 Mal in diesem Jahr auf einer Waage gestanden und das war eher irgendwann am Anfang – ich schätze mal, dass ich auf Sizilien ein wenig zugenommen habe, sich das dann aber wieder relativiert hat.

Haare länger oder kürzer? 

Irgendwann im Frühling wurden mal so 10 cm abgeschnitten, seitdem wächst es wieder, keine Ahnung, ob der Vorzustand schon wieder erreicht ist?

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Obwohl ich das Gefühl habe, im Laufe der Jahre graduell etwas kurzsichtiger zu werden, kann ich das auch nicht mit Zahlen belegen, weil ich schon seit Jahren nicht beim Augenarzt war. (Asche über mein Haupt, wohl ein Vorsatz für 2016…)

Mehr Geld oder weniger?

Von Monat zu Monat relativ gleich, da hat sich nicht viel geändert. Allerdings haben die Urlaube dieses Jahr ganz schön reingehauen, so dass der Berg im Geldspeicher um einiges geschrumpft ist.

Mehr ausgegeben oder weniger? 

Durch besagte Urlaube, häufiges Essen gehen usw. wahrscheinlich etwas mehr. Noch ein Vorsatz für 2016: Noch mehr selber kochen und dann mit ins Büro nehmen!

Der hirnrissigste Plan?

Puh – da gab es so einige, die sich im Nachhinein aber doch irgendwie als goldrichtig erwiesen haben – zum Beispiel, für das gleiche Geld, das ich für einen zweiwöchigen Jamaika-Urlaub ausgegeben habe für 5 Tage nach Sizilien zu fliegen. Wer auch so was hirnrissiges machen will – im Juni habt Ihr die Gelegenheit dazu: The Language of Food. Was dabei so rauskommt, kann man hier nachlesen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Trotz mündlicher Warnung vor Strömungen und Schildern auf die eigene Einschätzung (und die der Mitreisenden) zu vertrauen und das flache Wasser zu verlassen. Fünfmal dumme Touristen vorm Ertrinken retten an Strandaufgang 1, bitte!

Die teuerste Anschaffung?

Da ein Urlaub nicht als Anschaffung gilt, würde ich sagen, ein paar Winterstiefeletten für 60 €. Es sind eher die vielen, vielen kleinen Dinge, die meinem Geldspeicher wehtun…

Das leckerste Essen?

Die Frage ist sowas von gemein. Wie soll ich da entscheiden? Weit oben sind definitiv verschiedene sizilianische Köstlichkeiten, etwa die frittierten Artischocken, der Schwertfisch mit Kräuterkruste, die Bruschette mit rohen Sardinen… Und die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist, natürlich. 😉

Das beeindruckendste Buch? 

Das ist immer sehr schwer zu sagen, aber ich finde gerade beeindruckend, dass ich mit 32 immernoch Anne of Green Gables und die Folgebücher lesen kann, ohne mich zu langweilen. Viele andere Bücher haben mich hingegen dieses Jahr nicht so wirklich fesseln können, einiges liegt noch halb angelesen auf dem Nachttisch, aber Anne geht irgendwie immer.

Der ergreifendste Film? 

Besonders oft waren wir dieses Jahr nicht im Kino und viele der großen Hits des Jahres habe ich noch nicht gesehen. Aber schön und aus Gründen auch ergreifend fand ich Pride.

Die beste Serie?

Am schnellsten schaue ich immer die neuesten Folgen von The Good Wife, weil ich da am meisten Angst vor Spoilern habe. Sehr gern gesehen habe ich dieses Jahr aber auch die aktuellen Staffeln von The Americans, Orange is the new Black, Transparent, The Mindy Project, Switched at Birth und überraschenderweise Madam Secretary. Gilmore Girls und Bunheads gehen natürlich in jedem Jahr, ebenso wie Friends, das ich gerade nochmal schaue (9. Staffel inzwischen). Achja und Weissensee haben wir dieses Jahr endlich gesehen und waren auch schwer begeistert.

Die beste CD?

Ich glaube die einzige CD, die ich dieses Jahr physisch gekauft habe, war die Irish Christmas von Angelo Kelly und Family. 😉 Ansonsten höre ich Spotify rauf und runter (jetzt ja endlich auch die Beatles) und da fällt es gar nicht so sehr auf, ob ein Album neu oder alt ist. Und ich höre in letzter Zeit auch wahnsinnig viele Podcasts und Hörbücher… Früher war mehr CD-Lametta, fürchte ich.

Das schönste Konzert?

Hmm… Da muss ich mal kurz rekapitulieren, vermutlich das Abschiedskonzert von Supershirt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Den Katzen. Danach dem Hasen. Danach den Kollegen.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

In den ersten beiden Punkten ähnlich. Dann natürlich dem Rest der Familie, lieben Freunden und den Language of Food-Mädels auf Sizilien.

Vorherrschendes Gefühl 2015? 

Es reicht jetzt langsam.

2015 zum ersten Mal getan?

In Jamaika gewesen (dabei am Mittwoch davon erfahren und am Samstag losgeflogen, beinahe ertrunken, eine Marihuana-Plantage gesehen, Chocho gegessen, aus einer Kokosnuss getrunken…), Gdánsk, Sopot und das polnische Dorf besucht, aus dem meine Uroma stammte, einen Food Writing-Workshop besucht (dabei alleine durchs nächtliche Palermo gelaufen, ein Hostelzimmer mit einem betrunkenen fremden Mann geteilt, jemandem mit meinem Schreiben Tränen in die Augen gezaubert…), alleine in einem Hotelzimmer übernachtet (auf einer Dienstreise und dann neulich bei der Hochzeit), Reutlingen besucht, Heidelberg besucht, Mannheim besucht, Schwetzingen besucht, mich mit dem Thema Massenentlassungen auseinandersetzen müssen, zu einer kirchlichen Beerdigung gegangen (und dann gleich zweimal), einer Erdbestattung beigewohnt, eine längere Paddeltour gemacht, mit Freunden essen gewesen und die einzige Nicht-Elter gewesen, Couchsurfer aufgenommen, Flüchtlingen geholfen.

2015 nach langer Zeit wieder getan?

Eine Pressemitteilung verfasst und veröffentlicht, mich tiefergehend mit HTML befasst (CSS folgt), Hexenbrennen gefeiert, Punkte mit Zahlen dran zu Bildern verbunden, meinen Geburtstag als Gartenparty gefeiert, Urlaub mit den Eltern gemacht, Quarkkeulchen gebacken, in Straßburg und Offenburg gewesen.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Tode unserer Omas, die Beziehungsdramen und Lebenskrisen im Freundeskreis, all den Krieg und Terror

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Den Hasen, dass es OK ist, so viel Geld für Language of Food auszugeben, war dann aber ganz einfach.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Einfach da sein, für so viele Menschen in diesem Jahr. Oder aber die Angelo Kelly-Karte für eine Freundin oder die Paddy-Kelly-Karte für eine andere Freundin 😉

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Als ich am Tag vor meinem Geburtstag aus Sizilien zurückkam, blitzte und strahlte die Wohnung und der Balkon war wunderschön eingerichtet – das haben der Hase und seine “Schwesta” für mich gemacht und es hat mich umgehauen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Wortwörtlich fällt mir da spontan ein: “Und wer fängt mich auf?”, immer und immer wieder, mit dem süßesten Grinsen der Welt. Das war der Sohn von @leitmedium und @fraumierau. 🙂

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? 

Irgendwas des Inhalts, dass das alles OK ist und ich die Person trotzdem lieb habe, nehme ich an. Zu mehreren.

Besseren Job oder schlechteren?

Den gleichen, auch wenn er sich aufgrund der Umstände im letzten Quartal schlechter anfühlte. Ich hoffe da auf 2016.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Das Kneipenquiz (nur einmal, wir waren aber auch nur sechsmal da), den Oscar-Pool, und sonst glaube ich nichts. Außer Erfahrungen.

Mehr bewegt oder weniger?

Ich mich? Zunächst mehr (regelmäßiges Kieser Training, im Sommer viel geschwommen), danach dann eher weniger (Stress, Krankheiten, keine Lust… muss wieder anfangen).

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Mit Krankmeldung deutlich weniger als die letzten Jahre, vielleicht 3 oder 4. Wenn man allerdings jedes kleine Wehwehchen mitzählt, dann gleichbleibend viele…

Davon war für Dich die Schlimmste?

Da war jetzt, anders als in Vorjahren, nichts Herausragendes dabei, mich nervt eher die Häufigkeit.

Dein Wort des Jahres?

Essen 😉

Dein Unwort des Jahres?

Tod

2015 war mit 1 Wort…?

Anstrengend

Tagebuch-5 im Dezember – Plätzchen-Edition

Es ist mal wieder der 5. und wie üblich fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Ich wache das erste Mal gegen halb 8 auf, weil der Hase aufstehen muss. Er fährt über das Wochenende zu seinen Eltern. Dort muss der Garten umgegraben werden und die Haseneltern sind wegen Hand bzw. Rücken derzeit nicht selbst dazu in der Lage. Außerdem ist dann wohl auch noch Preisskat vom Angelverein, was man eben so hat, wenn man als Dorfkind aufgewachsen ist. Zum Glück bin ich ja ein Waldkind und habe keine größeren Verpflichtungen dieser Art, so dass ich mich einfach umdrehen und weiterschlafen kann. Für mich steht ein gemütliches Sturmfreie-Bude-Wochenende an.

Gegen 10 wache ich auf wird das Nachbarskind so laut, dass ich es nicht mehr ignorieren kann. Ich lese mich durch meine morgendliche Timeline und stehe erst auf, als die Blase drückt. Dann hole ich den Faulenzer-Tee aus meinem Adventskalender (“Wie passend!” denke ich.) und koche mir eine Tasse davon.

  
Derweil bekommen die Katzen ihr Frühstück verabreicht. Ich setze mich aufs Sofa und verbringe 10 Minuten mit Meditation. Nein, wirklich. Ich hab mir da schon vor einiger Zeit eine App heruntergeladen und werde das jetzt wirklich mal durchziehen – zumindest die 10 Minuten pro Tag, 10 Tage lang, um zu schauen, ob das was für mich ist. Die erste Session war schon mal sehr gut. Der Tee ist inzwischen ausreichend abgekühlt, so dass ich ihn gemütlich trinken kann, während ich mir To-Do-Listen und Einkaufszettel aus den Rippen sauge. Nikolaus, Geburtstage, Redaktionsbrunch, eine Hochzeit, Weihnachten, Silvester… Da kommt einiges zusammen und dieses Wochenende ist eine der wenigen Gelegenheiten, etwas vorzubereiten.

Währenddessen hat die Katze auf meinem Schoß Platz genommen, weswegen ich natürlich nicht sofort mit meinen To-Dos loslegen kann -Ihr kennt das. Ich nehme mir also meine neueste nicht-digitale Lieblingsbeschäftigung hervor und zeichne das Taj Mahal. Diese Punkte-verbinden-Bilder habe ich schon als Kind total gerne gemacht, mit Zahlen bis 400 und mehr und evtl. zusätzlichen Buchstaben-Linien macht das dann auch in meinem Alter noch Spaß. Ich muss mich etwas bremsen, sonst habe ich das Buch bald durch. Mittendrin klingelt es an der Tür und der Paketbote bringt eine neue Jeans für den Hasen. Ein guter Anlass, jetzt doch mal den Arsch hochzukriegen, sich anzuziehen und zu frühstücken.

Es gibt zwei Kartoffelpuffer und Apfelmus, beides selbstgemacht und Reste, und hinterher noch eine Apfelsine. Dazu trinke ich den Holunder-Minze-Tee aus dem 4. Türchen, lese in meinem Feedreader und höre die wunderbaren Talking To Turtles, die übrigens nächsten Freitag im Lido spielen. Als ich schließlich zum Einkaufen aufbreche ist es nach halb 2. Keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist. 😉

Anderthalb Stunden später sind die Einkäufe eingeräumt. Ich habe Back-, Koch- und Smoothie-Zutaten für eine ganze Kompanie gekauft, außerdem Füllung für den Nikolausstiefel des Hasen und Geschenkpapier für die drei Geburtstage nächste Woche. Jetzt bin ich platt und gönne mir erstmal eine Verschnaufpause mit Tee und Schmusekatzen auf dem Sofa. Dazu höre ich das Album von Evil Pink Machine, dem Projekt meines Freundes Igor und seiner Liebsten. Scheinbar ist heute Tag der Pärchenbands… Die Mieze hat sich auf meinem Schoß eingerollt und schläft, der Kater liegt neben mir auf dem Rücken, streckt alle Viere in die Luft und lässt sich laut schnurrend den Bauch kraulen. Wieder aufstehen geht also erstmal nicht. Zum Glück habe ich keinen Termindruck.

Bernd hält die Kräuter frisch, die ich für das Redaktionsbrunch am Dienstag brauche – besonders glücklich sieht er dabei aber nicht aus.
Nach einer Stunde gleite ich vorsichtig unter den kuschelnden Katzen hervor und schleiche mich in die Küche. Die Vorbereitung aufs Plätzchenbacken umfasst drei Schritte: Butter aus dem Kühlschrank holen, Tee kochen (Grüner Tee aus Indien) und Abwaschen. Dann kann die wilde Backerei auch schon losgehen. Ich habe mir für dieses Wochenende zwei Rezepte von Italy On My Mind vorgenommen, nämlich die Taralli al Limone und die Biscotti. Taralli liebe ich ja in jeder Geschmacksrichtung und Zitronen machen mich seit meinen Besuchen an der Amalfi-Küste und auf Sizilien auch zuverlässig glücklich. Es war also klar, dass ich diese beiden Dinge in Kombination definitiv probieren musste:

 

Taralli al Limone

 

Zitroniger Teig, zitroniger Guss, was will man mehr? Sie sind wirklich unglaublich köstlich geworden. Für die Biscotti ging es danach auch zitrussig weiter – je zwei Orangen, Zitronen und Limetten mussten geschält werden, was ganz schön lange gedauert hat. Dazu kamen dann noch Mandeln (für dieses eher rustikale Rezept ausnahmsweise mal ungeknipst), Pistazien, Vanille und ein kräftiger Schluck Strega. (Im Rezept stand Sambuca, aber den hatte ich nicht da und Strega benutzt man eh nur alle Jubeljahre mal zum Backen, da freute ich mich über die Gelegenheit, ihn mal wieder zu verwenden – passte auch sehr gut, denn neben tausend anderen Sachen ist da ja auch Fenchel mit drin, der die Anisnote des Sambuca zumindest nachempfindet.)

 

Nackte Zitrusfrüchte

 

Die Klamotten der Zitrusfrüchte, plus Mandeln und Pistazien

 

Fertige Biscotti – zu Deutsch so viel wie “zweimal gebacken” – macht aber bisschen mehr her, als ein profaner Zwieback, oder?

 

Weil vom Biscotti-Backen noch zwei Eiklar übrig waren und ich vom Taralli-Verzieren noch einen Rest Puderzucker hatte, verbrauchte ich schnell noch sämtliche Reste mit ein paar leckeren Kokos-Vanille-Makronen. Die brachten mich dann gedanklich noch fix nach Jamaika, was ja im dunklen Dezember auch nicht zu verachten ist.

 

Bei all der Bäckerei samt Kosten bekam ich irgendwie gar keinen richtigen Hunger, so dass ich mir nur schnell zwischendurch noch einen kleinen Rest Nudeln mit Tomatensauce warm machte. Morgen wird dann wieder etwas aufwendiger gekocht, denke ich. Als alles fertig gebacken, die Küche wieder in Ordnung gebracht und dieser Blogpost geschrieben ist, ist es schon 22 Uhr. Ich werde mir jetzt noch ein paar Folgen Friends reinziehen, dabei ein paar weitere Punkte verbinden, und dann nicht allzu spät ins Bett verschwinden. Backen macht müde und morgen muss noch jede Menge gebastelt und verpackt werden!

#12v12 im August – Von Röcken, Antifaschisten und dem Weißen See

Wieder ein Zwölfter, wieder zwölf Bilder, die anderen gibt es wie immer bei Caro.
Die Katzen wünschen einen guten Morgen!
In unserem Kiez sind die Straßen nach Antifaschisten benannt, seit ein paar Tagen hängen überall auf meinem Weg zur Tram diese Texte über Erich Weinert.

Wie lange wird es wohl noch Erdbeeren geben? Ich kaufe gleich mal ein Kilo. Die Frau da trägt den gleichen Rock, den ich gestern anhatte.

Im Konferenzraum im Büro läuft grad ein Video vom Auftritt der Beatles im Shea Stadium. Wahrscheinlich nur, um den Sound zu testen, aber hey, so kann der Tag doch gut anfangen.
Ich kaufe mir beim Brötchenmann eine Quark-Stulle mit Gemüse und einen Grießbrei mit Kirschgrütze

In der Mittagspause laden mich die Eltern auf ihren Balkon ein. Es gibt Zucchini mit Ei und zum Nachtisch frisch gebackenen Pflaumenkuchen.

Feierabend-Fahrstuhl-Füße

In der U-Bahn noch ein Rock, den ich mal besessen habe (also das Modell), wer mich aus Rostocker oder Torontoer Zeiten kennt, erinnert sich vielleicht noch.

Ich fahre vom Büro aus wie gestern an den Weißen See und gehe schwimmen.

Nach einer knappen halben Stunde werden mir die Arme schwer – temperaturmäßig hätte ich noch gekonnt, das Wasser war toll! Ich setze mich noch mit ein paar Erdbeeren ans Ufer und blicke auf den See hinaus.

Im Park am Weißen See stehen diese beiden Arbeiter rum, muss mal recherchieren, wer die sind…

Diese kleine niedliche Apotheke in der Berliner Allee ist mir gestern schon aufgefallen. Direkt gegenüber befindet sich übrigens der Kinderladen Miekematze.

Zuhause gibt es ein schnelles, sehr leckeres Abendbrot: Spaghetti mit Tomatensaucenresten, Pecorino fresco, Oliven und Artischocken.

Vieles im Kopf und nichts will raus

In den letzten Tagen war mein Blog oft und viel Thema, nicht bei Euch im Internet, sondern hier bei mir zuhause und in der Kommunikation mit Freunden. Ständig fange ich im Kopf Einträge an, die ich dann aber doch nicht schreibe. Es gibt so viele kleine Fitzeligkeiten, über die ich gerne schreiben würde, aber wie ein rundes Etwas fühlt es sich nicht an und so schreibe ich dann besser gar nicht. Muss ja aber auch nicht so sein, denke ich mir. Man kann ja auch schön hin und her mäandern, so macht das zum Beispiel Miz Kitty ja auch gerne. Dann mal los damit.

Zum Einen möchte ich Euch nochmal ganz ausdrücklich auf zwei reisebloggende Freundinnen von mir hinweisen. Susanne (derzeit in Vancouver) schreibt darüber, was Reisen mit einem macht. Mich machen ihre Texte auf jeden Fall immer reisefreudig – und ein bisschen neidisch, weil sie wirklich toll schreibt. Mutzelchen ist seit ein paar Tagen alleine mit ihrem Fahrrad in Südfrankreich unterwegs und schreibt und dichtet über ihre Erlebnisse mit Fahrradfeinden, Couchsurfing-Gastgebern und widrigen Winden. Sie kenne ich übrigens schon seit der 5. Klasse (man traut es sich kaum, das zu schreiben, aber es ist tatsächlich fast 21 Jahre her).

Kurz darauf, in der 6. Klasse und zwar genau jetzt Anfang März, habe ich mich übrigens selbst zum Kelly-Fan gemacht, irgendwie. Ich war bei einer Klassenkameradin und mir fiel ein Video der Kellys auf und da mir die Band grundsätzlich sympathisch war, ich aber kaum etwas von ihnen kannte, bat ich sie, das Video einzulegen. Ab diesem Tag hab ich es rauf und runter gesehen und alles was danach und davor kam natürlich auch. Obwohl ich dieser Jungendliebe heute nur noch ab und zu fröhne (ja, tue ich, immernoch, manchmal!), muss es Anfang März immer irgendwie sein. So auch heute, als ich den Vormittag mit demselben Video – inzwischen aber auf Youtube – verbrachte und es mich irgendwie noch genauso gekriegt hat wie damals. Es ist nicht die Musik, es ist das Gesamtkunstwerk, möchte ich anmerken 😉

Susanne kenne ich aus meiner Rostock-Zeit und da direkt seit dem ersten Semester. An Rostock musste ich am Mittwoch ganz stark denken, als ich auf dem Weg zum Hausarzt durch die Dunckerstraße mit ihren bunten Häusern lief. Der Himmel war blau, die Sonne schien und ein leichtes Lüftchen wehte. Ich fühlte mich direkt in die KTV versetzt und wurde extrem nostalgisch. Spontan fand ich es unerträglich, dass ich nicht einfach noch zehn Minuten bis zum Stadthafen weiterlaufen konnte und dass Berlin eben leider nicht am Meer liegt. Die sofortigen Umzugspläne an die Ostsee sind dann aber doch im Sande verlaufen, als ich an der Danziger ankam und dort dann zum Beispiel den neapolitanischen Pizzaladen sah, in dem wir neulich waren. So etwas gibt es in Rostock nun mal nicht. Trotzdem muss ich ganz bald wieder da hochfahren, aber eben nur zu Besuch.

Eine dritte Nostalgiewelle erreichte mich dann heute Abend, als ich nach einem Essen im Atame noch ein wenig um den Hackeschen Markt spazierte, wo ich früher immer meine Mittagspausen verbrachte. Hachseufz. Und dann gibt es da inzwischen wieder einen Bubble Tea-Laden, und zwar einen richtig guten und auch gut besuchten. Laut Foursquare-Bewertungen ist das Comebuy sehr authentisch taiwanesisch und ich bin guter Hoffnung, dass es sich eine Weile halten wird. An mir soll es nicht liegen, mein Triple Q Maracuja-Tee mit Ananas-Kokos-Gelee, Litschi-Gelee und Tapioka-Perlen war ohne Witz der beste Bubble Tea, den ich je getrunken habe.

So, da habe ich ganz schön was vor mich hin mäandert. Morgen treffen wir uns übrigens zum Wochenausklang noch mit dem Frühen Vogerl, seinen Eltern und dem Schurkenbeardie und dann beginnt nach einer Woche Erkältungsausfall wieder einmal der sogenannte “Ernst des Lebens”. Ernst war heute sogar im Fernsehen. So long!