Tagebuch-5 im April 2017

Wer regelmäßig bloggen will, dem kommen solche schönen Aktionen wie WMDEDGT natürlich entgegen, die übrigen Beiträge gibts wie immer bei Frau Brüllen.

Gegen 7 werde ich vom mir ins Ohr brüllenden Kater geweckt. So langsam gewöhne ich mich an die von der Hasenkrankheit bedingten Nächte im Katzenbett. (Exkurs: Die Katzen schlafen am liebsten in unserem Gästezimmer, in das ich momentan auch nachts ausweiche, um die Mandelentzündung des Hasen von mir fernzuhalten. Zwischen dem Schlafzimmer und den Katzen sind nachts zwei Türen, so dass wir sie quasi nie hören, ihr nächtlicher Aktionsradius aber ganz schön eingeschränkt ist. Ich möchte sie daher nicht auch noch aus dem Gästezimmer und teile großzügig die 90 x 200 cm Bett mit ihnen.) Abends lasse ich mich von Noosa in den Schlaf schnurren, die dazu direkt neben meinem Kopf liegt, des Nächtens muss ich mich ab und zu um die zwei Schlafnasen drumherum wickeln und morgens werde ich dann von Nimbin geweckt. Aber um 7 ist eine okaye Zeit, 30 Minuten später klingelt der Wecker sowieso.

Ich lese Nachrichten und Benachrichtigungen (Reihenfolge: Messenger aller Art, E-Mails, Facebook, Instagram, Twitter) und dann ein wenig in den Timelines (Facebook, Instagram, Twitter). An manchen Morgenden reicht es dann noch für SPON oder den Feedreader, heute aber rennt mir die Zeit davon. Um 7:45 wird meditiert (heute schon den 7. Tag in Folge wieder, juhu!) und 8:00 dann aufgestanden. Es folgt: Bad, anziehen, Katzen füttern, Wassernäpfe auffrischen, Sachen zusammensammeln, vom Hasen verabschieden und gegen 8:30 das Haus verlassen.

Eigentlich möchte ich mir Frühstück in einem meiner Stammcafés holen, aber das hat wieder einmal noch zu. Also nehme ich die Ringbahn zur Schönhauser Allee, hole mir eine Johannisbeerschnecke und setze mich schon dort in die U2. So richtig mit Sitzplatz, den kriege ich am Alex tatsächlich eher selten noch ab.

Corporate Identity
Im Büro angekommen gibt es ein paar letzte Besprechungen zum heutigen Wahlkampfauftakt, dann koche ich mir meinen Tee und fahre den Rechner hoch. E-Mails bearbeiten, Dinge abarbeiten, ein kleines Brainstorming-Meeting mit dem Team… Der Vormittag geht ganz schön schnell vorbei.

In der Mittagspause kaufe ich Brot, Käse, Duschgel und eine Überraschung für den kranken Hasen ein und hole noch zwei Onigiris, die ich dann wieder zurück am Arbeitsplatz verspeise.

Onigiri
Um 15 Uhr gibt es eine Sitzung des Personalausschusses, bei der ich Protokoll führe. Danach trifft sich unsere Wahlliste zu einer kleinen Werbeaktion. Hinterher sind weite Teile des Büros mit unseren Plakaten zugekleistert. Noch eine halbe Stunde Tagesgeschäft, dann wird der Rechner wieder runtergefahren und alles versammelt sich zum vierteljährlichen All-Hands-Meeting, bei dem es einen Über- und Ausblick zu aktuellen Geschehnissen und Projekten gibt. Danach laufen wir alle gemeinsam hinüber in unsere neuen Büroräume, die der Großteil der Belegschaft heute zum ersten Mal besichtigen kann. Noch ist alles im Rohzustand, bis wir dann in ein paar Monaten einziehen wird noch viel passieren.

Trotzdem genießen wir die Ausblicke aus dem Dachgeschoss und von der Terrasse, erkunden das Gebäude und unsere zukünftigen Arbeitsbereiche und unterhalten uns bei Pizza, Snacks, Bier, Sekt und Softdrinks. Auffallend oft sind Wahlkampf und Wahlen das Thema und es gibt viel positives Feedback zu unserer Aktion. “Ihr habt wohl mehr Marketing-Budget als ganz EMEA!” und “Ich wähle Euch hundertprozentig!” sind meine beiden Lieblingszitate dazu.

Aussicht
Nach etwas über zwei Stunden mache ich mich dann auf den Heimweg und nutze dieselbe Route wie morgens. In der S-Bahn drücke ich einem Obdachlosen den Inhalt meines Kleingeldfachs in die Hand (knappe 3 €, gestern früh waren es noch über 10 in viel zu vielen Münzen) und jetzt habe ich wieder ein verschließbares Portemonnaie. Ich laufe durch den Frühling nach Hause, packe die Einkäufe aus und begrüße den Hasen. Wir erzählen uns gegenseitig von unserem Tag und gehen dann noch ein paar Dinge durch, die dringend noch zu besprechen sind (beides sehr Bürokratie- und Papierkram-lastig heute…).

Dann ziehe ich mich mit dem Laptop auf die Couch zurück, lese ein wenig im Internet herum, kümmere mich um Korrespondenz und schreibe diesen Text …und spätestens um 11 lasse ich mich dann wohl wieder von Noosa in den Schlaf schnurren!

 

Tagebuch-5 im September 2016

Es ist der 5. und wie in jedem Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Ich wache eine knappe halbe Stunde vor dem Weckerklingeln auf und habe direkt Kopf und Rückenschmerzen. Das zieht sich schon ein paar Tage und will mir wahrscheinlich sagen, dass es mal wieder Zeit für Sport ist, immerhin sitze ich seit zwei Wochen wieder im Büro herum. Zum Glück ist der Hase auch schon wach, obwohl er eigentlich ausschlafen könnte, und so komme ich in den Genuss einer morgendlichen Massage, nach der es mir schon deutlich besser geht. Obendrein mixt er mir dann auch noch einen Smoothie zum Frühstück – so könnte eigentlich jeder Tag anfangen! Fürs zweite Frühstück im Büro nehme ich mir selbstgemachte durchs nicht-Öffnen und Liegenlassen einer Flasche Milch entstandene Dickmilch mit Brombeermarmelade mit, in die ich vor Ort noch ein paar Haferflocken streuen werde.

Draußen herbstelt es gewaltig, was angesichts des Datums klar geht, aber gleichzeitig auch irgendwie unpassend erscheint, denn für die nächsten Tage ist wieder schönstes Hochsommerwetter mit bis zu 32 Grad angesagt. Wahrscheinlich möchte der Wettergott den Berlinern den ersten Montag nach den Ferien nicht zu schön machen, damit keiner bedauert, nicht mehr frei zu haben. Apropos Ferienende: Auf einen Schlag sind die Bahnen morgens wieder knackevoll – in der Tram bekam ich in den letzten Wochen immer einen Sitzplatz, heute ist nicht daran zu denken. Die erste U-Bahn lasse ich dann auch völlig überfüllt wegfahren, bevor ich in der zweiten einen Stehplatz ergattere. Und so geht das jetzt wieder monatelang…

Im Büro erst einmal große Freude, denn die beste Kolleginnenfreundin ist aus dem Urlaub zurück und es gibt gleich erstmal viel zu erzählen und eine Verabredung zum Mittagessen. Leider ist ein Kollege weiterhin krank, so dass ich auch diese Woche wieder mehrere Personen und Aufgabenbereiche vertreten werde. So komme ich in den Genuss eines wichtigen Meetings und zweier kürzerer Arbeitsaufgaben, die ich neben dem Tagesgeschäft angehen muss. Abgesehen davon geht der Tag einigermaßen entspannt voran.

Mittags schnippeln die Freundin und ich uns Salat und essen den gemeinsam, während wir uns über unsere jeweiligen Urlaubserlebnisse austauschen. Danach bleiben nur noch 2,5 Stunden Arbeit übrig, denn durch das wichtige Meeting essen wir erst ziemlich spät. Pünktlich um 17:30 verlasse ich das Büro und fahre zum Sport. Dabei muss ich am Alex umsteigen und freue mich wieder einmal, wie bunt und lebendig er doch in den letzten Monaten geworden ist – viele Leute aus allerlei Kulturen und Szenen sitzen herum und unterhalten sich, Straßenmusiker und -künstler zeigen ihr Können und obwohl es Montag ist, gibt es heute keine Demo von besorgten Bürgern und ein Volksfest ist auch gerade nicht. Toll!

Beim Sport mache ich nach nun mehr als 4 Wochen Pause eine unerwartet gute Figur, so dass ich danach sehr zufrieden mit mir nach Hause gehen kann. Dort füttere ich die Katzen, ruhe mich kurz vor dem Internet aus, tippe diesen Blogpost und mache dann gleich noch eine Mangold-Tortilla zum Abendbrot. Der Mangold kam gestern gemeinsam mit Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Äpfeln, Roter Bete, Kohlrabi, Zucchini, Bohnen, Eiern, Kuchen und (gekauftem) Schafs- und Ziegenkäse gemeinsam mit den Haseneltern hier bei uns an, die uns einen Sonntagsbesuch abstatteten. Die nächsten Wochen müssen wir also kaum Lebensmittel kaufen und können viel leckeres und selbstgezogenes verbrauchen. Juhu!

Beim Kochen schaue ich weiter Gilmore Girls und warte auf den Hasen, der gerade noch mit einem Freund zusammen an einem Projekt arbeitet, dass ich wohl nachher auch noch einmal begutachten und lektorieren werde. Dann endet der Abend wie üblich mit den Katzen auf der Couch. Ein guter Montag!

 

Tagebuch-5 im Juni 2016: Syrisches Essen und Rücken

Es ist mal wieder der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Es ist heiß in Berlin. Gegen 10 wachen wir auf und stehen auch recht bald auf, da wir zum Mittagessen in Neukölln verabredet sind. Duschen, Zähneputzen, Anziehen, Katzen füttern… Zum Frühstück für uns gibts es einen schnellen Smoothie aus Pfirsichen, Aprikosen, Erdbeeren, Bananen und Eiswürfeln.

Smoothie

Dann gehen wir los zur S-Bahn und fahren mit der Ringbahn zum Treptower Park. Hier müssen wir in den Bus umsteigen und kaufen in einem Späti an der Bushaltestelle schnell noch eine Wassermelone. Ich trage sie ein paar Schritte lang (hauptsächlich um später sagen zu können: “Ich habe eine Wassermelone getragen.”), merke aber schnell, dass das meinem bereits schmerzenden Rücken nicht so richtig gut tut.

Melone

Wir fahren weiter nach Neukölln zu unseren syrischen Freunden. Gemeinsam mit einem befreundeten Paar sind wir dort heute zum Essen eingeladen. Während wir auf die beiden anderen warten unterhalten wir uns mit den Gastgebern über ihre Sprachfortschritte. Gerade der Vater ist erstaunlich weit, besonders im Lesen und Schreiben, weniger im Sprechen. Er spricht außer Syrisch und Englisch auch ganz gut Französisch und Spanisch, kein Wunder, dass er mit dem Deutschen so gut vorankommt. Leider wird er trotz sehr guter Leistungen in der Sprachschule eher zurückgehalten als gefördert und ist sehr enttäuscht darüber. Auch die beiden Jungs verstehen uns jetzt schon deutlich besser, aber sie sprechen trotzdem größtenteils Englisch mit uns, während wir versuchen, möglichst auf Deutsch zu antworten. Sprachpraxis ist schließlich alles. Im Fernsehen läuft Panda, Gorilla & Co., das ist schonmal ein guter Schritt 😉

Ich blättere durch die Lehrbücher aus der Sprachschule, finde sowas ja generell immer spannend. Als eines der Bücher droht, zu Boden zu fallen, beuge ich mich schnell vor, um es zu retten. Ab diesem Moment sind meine Bewegungen nur noch sehr eingeschränkt möglich und tun größtenteils weh. Die Kombination aus temperaturbedingtem Flip Flops tragen, Schwimmen am Donnerstag, Kieser Training am Samstag, Melone tragen und dieser plötzlichen Bewegung scheint meiner Lendenwirbelsäule mal wieder den Rest gegeben zu haben.

Da wir zu siebt und damit ein Stuhl zu wenig in der Wohnung vorhanden ist, setzt unsere Freundin auf dem Couchtisch. “Ist das OK?” fragt sie. Ihr Freund witzelt: “Klar ist das OK, die Ms. sind doch Christen, da ist alles OK.” T. reagiert prompt lachend: “Yes, we’re not Daesh!”

Mit Mühe schaffe ich es vom Sofa an den Esstisch. G. serviert heute gefüllte geschmorte Zucchini, die sehr interessant gewürzt sind und mit den Fingern gegessen werden, außerdem einen Gericht aus Zuckerschoten und Hackfleisch mit Reis. Zum Nachtisch gibt es unsere Melone sowie zwei verschiedene Süßigkeiten. Kleine runde Pfannkuchen werden an einer Seite zusammengedrückt wie Tüten. Die andere Seite wird gefüllt – einmal mit einer Creme und gehakten Pistazien, einmal mit Walnüssen. Über beide Varianten wird flüssiger Honig gegossen. Irgendwann zeigt G. mir, wie man das alles zubereitet, hat er versprochen.

Zucchini

Zuckerschoten

Syrisch

Walnuss

Pistazie
Während des Essens beginnt es draußen zu Donnern. Die drei Syrer zucken zusammen, bei ihnen löst das Geräusch Erinnerungen an Bomben in Damaskus aus. Sie erzählen uns in wenigen nüchternen Worten, was sie gesehen haben – viele viele Tote, darunter Freunde, Nachbarn, Kollegen, Kinder auf dem Schulweg… Es ist schwer, dazu etwas zu sagen, mehr als unser Mitgefühl und Verständnis auszudrücken, können wir nicht tun. Der Moment geht schnell vorüber und dann scherzen wir schon wieder und reden über die Arbeit. Unser Freund hat einen neuen Job bei einer Firma, die mit “IS…” anfängt, auch das wieder ein Anlass für ein wenig Galgenhumor.

Nach dem Essen lege ich mich und meinen Rücken ein wenig auf den Fußboden, in der Hoffnung, dass die Schmerzen doch noch nachlassen und ich mit den anderen zum Fußball gehen kann. Sie wollen zum Auswärtsspiel von TeBe beim BSV Hürtükel, hier um die Ecke. Leider macht mein Rücken da nicht mit – ich kann mich nicht gerade auf den Beinen halten. Also beschließe ich, stattdessen nach Hause zu fahren. Wir verabschieden uns alle gemeinsam von G. und bedanken uns für das tolle Essen. Auf dem Weg die Treppe hinunter merke ich, dass es illusorisch ist, mit Bus und Bahn nach Hause zu fahren – jede Treppenstufe ist eine Qual und solange ich stehe, muss ich gebückt bleiben, alles andere tut zu sehr weh.

Also nutze ich die Gelegenheit, endlich mal die myTaxi-App auszuprobieren. Die anderen gehen los zum Spiel und ich setze mich vor die Haustür und warte die fünf Minuten, bis mein Taxi da ist. Der Fahrer ist Türke und wir fachsimpeln über Fußball, den heute beginnenden Ramadan, Ischias-Nerven, Taxifahren in Berlin, die Flüchtlingssituation, den Krieg in Syrien und die Politik Erdogans. Bis auf den letzten Punkt sind wir uns sehr einig über alles, aber er ist überzeugt davon, dass Erdogan kein Diktator ist und die Medien sowohl hier als auch in der Türkei nicht die Wahrheit sagen. Nunja, in meiner Situation möchte ich mich nicht streiten und er bekommt natürlich trotzdem ein gutes Trinkgeld von mir.

Berlin
Ich schleppe mich zuhause die Treppen hoch, bringe meinen neuen Laptop, ein paar Bücher und etwas zu trinken zum Sofa und lege mich hin, eigentlich in der Hoffnung heute nicht noch einmal aufstehen zu müssen. Meine Eltern haben mir das Manuskript für ihr nächstes Buchprojekt geschickt, dass ich jetzt lese und kommentiere. Dabei merke ich schon, dass das Sofa für meine Situation suboptimal ist: Die Katzen lagern um mich herum und schränken meine Bewegungsfreiheit zusätzlich ein. Ich muss aber ab und an mal die Position wechseln, was so nicht gut möglich ist. Ich überlasse den Katzen also den Rest der Wohnung und verziehe mich aufs Bett im Schlafzimmer. Viel besser!

Ich schaue auf Netflix Blue Valentine und dann mehrere Folgen House of Cards. Irgendwann zwischendurch kommt der Hase mit unserem heutigen Übernachtungsbesuch nach Hause, der von einem Wochenendtrip nach Riga zurückgekommen ist und erst morgen weiter nach Hause fährt. Da ich immer noch liegen muss, schauen die beiden alleine einen Film und bringen mir zwischendurch noch ein wenig aufgewärmte Reis-Gemüse-Pfanne.

House of Cards
Solange ich liege, geht es mit den Schmerzen einigermaßen, ich hoffe also, morgen wieder einigermaßen beweglich zu sein. Ansonsten wird wohl diese Woche, ähnlich wie der heutige Tag, ganz anders ablaufen müssen als geplant…

 

Tagebuch-5 im April 2016

Es ist mal wieder der 5. und Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

Der Hasenwecker klingelt um 6, aber da er ganz leise ist, schlafe ich heute wieder ein und wache erst eine Stunde später auf. Das lässt mir genug Zeit, um noch ordentlich das Internet leer zu lesen, bis mein eigener Wecker halb 8 klingelt. So startet es sich doch recht entspannt in den Tag und ich kann in Ruhe duschen, Frühstück einpacken, Katzen kuscheln und den Müll runterbringen.

In der Bahn stelle ich mal wieder fest, dass Passagierkompetenz nicht gleichverteilt ist, aber andererseits ist ja auch der wärmste Tag des Jahres und eindeutig Frühling und da lasse ich mir die Laune nicht von Idioten, die im Weg stehen verderben. Der nächste Versuch kommt dann vom Bürofahrstuhl, der einfach mal morgens zur Rush Hour den Geist aufgibt. Hat aber auch nicht funktioniert – ich laufe hoch in den 5. Stock. Allerdings bin ich nach der Anstrengung auf leeren Magen so außer Puste, dass ich beschließe, dringend etwas an meiner Fitness machen zu müssen. Ab jetzt gilt Fahrstuhl- und Rolltreppenverbot (bis auf Widerruf). Während der Rechner hochfährt koche ich mir die erste Kanne Tee des Tages, schäle mir eine Papaya und kippe nach dem Fotomachen Aprikosen-Rosen-Joghurt darüber. Der Joghurt hilft über die pfeffrige Schärfe der Kerne hinweg, die ich so in all ihrer gesundheitsfördernden Pracht mitessen kann.

 

Ich arbeite eine Weile fleißig vor mich hin und höre dabei den neulich bei der Kaltmamsell eingesammelten Podcast Schwester Doris – Braumeisterin, in dem sich Holgi mit einer bayerischen Nonne und Bierbrauerin unterhält. Sehr hörenswert mit interessanten Einblicken ins Klosterleben und Hintergundinformationen zur bayerischen Biertradition und ihrem Verhältnis zum aktuellen Craft Beer-Trend.

Um 11 wird es Zeit für die Betriebsratssitzung, bei der ich heute aufgrund der Krankheit meiner Kollegin Protokoll führe. Ich schaffe es gleich am Anfang, meinen Tee über Laptop, Handy, Anwesenheitsliste, Tagesordnung und Anträge zu verteilen, aber zum Glück bleibt die Technik innerlich trocken und der Papierkram kann durch auf-die-Heizung-legen gerettet werden. Der Rest der Sitzung verläuft dann unspektakulär (und vertraulich).

Kurz nach 12 bin ich zurück an meinem Arbeitsplatz und wurschtele dort weiter fleißig vor mich hin. Zwei Stunden später gehe ich dann mit einer guten Freundin (und Kollegin) zum ersten Mal dieses Jahr für die Mittagspause in den Park. Ich habe Reste von gestern dabei (Nudeln mit Spinat, Fava-Bohnen, Bärlauch und Ricotta) und für hinterher gibt es ein Erdbeertörtchen – die Saison fängt ja schließlich bald an, da kann ich mich schon mal fast guten Gewissens ein bisschen einstimmen. Zwischendurch geht mir auf, dass ja heute der 5. ist und ich wohl mal bisschen aufpassen muss, was ich heute so tue.

 

Nach der Pause verlege ich meinen Arbeitsplatz ins Betriebsratsbüro und stelle das Protokoll fertig, das dann anschließend ausgedruckt und mit Kopien der Einladung, Tagesordnung, Anwesenheitsliste, Anträgen und Beschlüssen abgeheftet werden muss. Die deutsche Gesetzgebung sorgt so dafür, dass ich im Büro regelmäßig Papier in die Hand nehme und ab und zu auch an Drucker und Kopierer stehe. Für meinen eigentlichen Job braucht es all das nämlich nicht. Als das Protokoll fertig ist, bespreche ich noch meine Aufgaben für den Rest der Woche mit dem Vorsitzenden. Da diese recht umfangreich sind, ist es fast 18 Uhr, als ich zurück an meinen Schreibtisch komme – Zeit für den Feierabend. Ich frage den Hasen, was er heute Abend gerne essen möchte und fahre dann nochmal schnell einkaufen.

 

In der Tram ist wieder ein sehr intelligente Mitfahrer unterwegs. Erst regt er sich lautstark (und allein) über die zwei Fahrradfahrer auf, die ihre Gefährte in der Tram untergebracht haben, dann holt er eine Packung Tsatsiki hervor und verzehrt sie vor unseren Augen. Ich bin nicht traurig, die Tram dann zu verlassen, auch wenn ich selbst vermutlich auch ein wenig nach Bärlauch rieche. Am Planetarium ist der Frühling ausgebrochen und in der BioCompany gibt es heute Mispeln.

 

Zuhause angekommen füttere ich als erstes die Katzen. Dann räume ich die Einkäufe weg, setze eine Waschmaschinenladung an und mixe mir einen Spritz. Den gibt es dann zusammen mit ein paar Taralli als Aperitivo auf dem Balkon. Es ist nämlich der kurze Moment im Jahr, an dem es abends noch warm genug zum Draußensitzen ist, aber der Hase den Balkon noch nicht in einen unbegehbaren Dschungel verwandelt hat. Die vorgezogenen Tomaten, Paprika und Chilis warten noch brav drinnen aufs Auspflanzen.

 

Während ich draußen sitze mache ich die Post auf, die sehr vielversprechend aussah. Ich war schon in freudiger Erwartung einer Nachbarschaftsparty oder Hausgeburtsankündigung, aber in dem handschriftlichen Umschlag befand sich dann doch nur ein Gutschein. Immerhin ist der für das neue Kosmetikstudio bei uns im Haus, aber ich bin da nicht Zielgruppe. Möchte vielleicht jemand von Euch den lokalen Handel in der Wohnstadt Carl Legien stärken?

 

Die Katzen finden die Post ebenfalls langweilig und zeigen das durch desinteressierte Gesichter und demonstratives Blumenerdepinkeln. Immerhin dorthin, wo noch nichts gepflanzt ist und die Erde noch zusätzlichen Dünger gebrauchen kann.

 

Als der Hase nach Hause kommt, bereiten wir uns ein schnelles Abendessen aus Salat, Spiegelei, Käse und Taralli und bringen uns auf den neusten Stand über das Tagesgeschehen. Zum Nachtisch gibt es Mispeln, eine Premiere für den Hasen. Danach kümmert er sich um das Ziehen weiterer Chilipflanzen (er hat neun verschiedene Samensorten aus dem Pfefferhaus am Alex mitgebracht. Ich mache indes den Abwasch und hänge die Wäsche auf. Dann noch schnell das hier bloggen, während er das Katzenklo saubermacht und dann fallen wir um halb 11 ins Bett…

Tagebuch-5 im Dezember – Plätzchen-Edition

Es ist mal wieder der 5. und wie üblich fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Ich wache das erste Mal gegen halb 8 auf, weil der Hase aufstehen muss. Er fährt über das Wochenende zu seinen Eltern. Dort muss der Garten umgegraben werden und die Haseneltern sind wegen Hand bzw. Rücken derzeit nicht selbst dazu in der Lage. Außerdem ist dann wohl auch noch Preisskat vom Angelverein, was man eben so hat, wenn man als Dorfkind aufgewachsen ist. Zum Glück bin ich ja ein Waldkind und habe keine größeren Verpflichtungen dieser Art, so dass ich mich einfach umdrehen und weiterschlafen kann. Für mich steht ein gemütliches Sturmfreie-Bude-Wochenende an.

Gegen 10 wache ich auf wird das Nachbarskind so laut, dass ich es nicht mehr ignorieren kann. Ich lese mich durch meine morgendliche Timeline und stehe erst auf, als die Blase drückt. Dann hole ich den Faulenzer-Tee aus meinem Adventskalender (“Wie passend!” denke ich.) und koche mir eine Tasse davon.

  
Derweil bekommen die Katzen ihr Frühstück verabreicht. Ich setze mich aufs Sofa und verbringe 10 Minuten mit Meditation. Nein, wirklich. Ich hab mir da schon vor einiger Zeit eine App heruntergeladen und werde das jetzt wirklich mal durchziehen – zumindest die 10 Minuten pro Tag, 10 Tage lang, um zu schauen, ob das was für mich ist. Die erste Session war schon mal sehr gut. Der Tee ist inzwischen ausreichend abgekühlt, so dass ich ihn gemütlich trinken kann, während ich mir To-Do-Listen und Einkaufszettel aus den Rippen sauge. Nikolaus, Geburtstage, Redaktionsbrunch, eine Hochzeit, Weihnachten, Silvester… Da kommt einiges zusammen und dieses Wochenende ist eine der wenigen Gelegenheiten, etwas vorzubereiten.

Währenddessen hat die Katze auf meinem Schoß Platz genommen, weswegen ich natürlich nicht sofort mit meinen To-Dos loslegen kann -Ihr kennt das. Ich nehme mir also meine neueste nicht-digitale Lieblingsbeschäftigung hervor und zeichne das Taj Mahal. Diese Punkte-verbinden-Bilder habe ich schon als Kind total gerne gemacht, mit Zahlen bis 400 und mehr und evtl. zusätzlichen Buchstaben-Linien macht das dann auch in meinem Alter noch Spaß. Ich muss mich etwas bremsen, sonst habe ich das Buch bald durch. Mittendrin klingelt es an der Tür und der Paketbote bringt eine neue Jeans für den Hasen. Ein guter Anlass, jetzt doch mal den Arsch hochzukriegen, sich anzuziehen und zu frühstücken.

Es gibt zwei Kartoffelpuffer und Apfelmus, beides selbstgemacht und Reste, und hinterher noch eine Apfelsine. Dazu trinke ich den Holunder-Minze-Tee aus dem 4. Türchen, lese in meinem Feedreader und höre die wunderbaren Talking To Turtles, die übrigens nächsten Freitag im Lido spielen. Als ich schließlich zum Einkaufen aufbreche ist es nach halb 2. Keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist. 😉

Anderthalb Stunden später sind die Einkäufe eingeräumt. Ich habe Back-, Koch- und Smoothie-Zutaten für eine ganze Kompanie gekauft, außerdem Füllung für den Nikolausstiefel des Hasen und Geschenkpapier für die drei Geburtstage nächste Woche. Jetzt bin ich platt und gönne mir erstmal eine Verschnaufpause mit Tee und Schmusekatzen auf dem Sofa. Dazu höre ich das Album von Evil Pink Machine, dem Projekt meines Freundes Igor und seiner Liebsten. Scheinbar ist heute Tag der Pärchenbands… Die Mieze hat sich auf meinem Schoß eingerollt und schläft, der Kater liegt neben mir auf dem Rücken, streckt alle Viere in die Luft und lässt sich laut schnurrend den Bauch kraulen. Wieder aufstehen geht also erstmal nicht. Zum Glück habe ich keinen Termindruck.

Bernd hält die Kräuter frisch, die ich für das Redaktionsbrunch am Dienstag brauche – besonders glücklich sieht er dabei aber nicht aus.
Nach einer Stunde gleite ich vorsichtig unter den kuschelnden Katzen hervor und schleiche mich in die Küche. Die Vorbereitung aufs Plätzchenbacken umfasst drei Schritte: Butter aus dem Kühlschrank holen, Tee kochen (Grüner Tee aus Indien) und Abwaschen. Dann kann die wilde Backerei auch schon losgehen. Ich habe mir für dieses Wochenende zwei Rezepte von Italy On My Mind vorgenommen, nämlich die Taralli al Limone und die Biscotti. Taralli liebe ich ja in jeder Geschmacksrichtung und Zitronen machen mich seit meinen Besuchen an der Amalfi-Küste und auf Sizilien auch zuverlässig glücklich. Es war also klar, dass ich diese beiden Dinge in Kombination definitiv probieren musste:

 

Taralli al Limone

 

Zitroniger Teig, zitroniger Guss, was will man mehr? Sie sind wirklich unglaublich köstlich geworden. Für die Biscotti ging es danach auch zitrussig weiter – je zwei Orangen, Zitronen und Limetten mussten geschält werden, was ganz schön lange gedauert hat. Dazu kamen dann noch Mandeln (für dieses eher rustikale Rezept ausnahmsweise mal ungeknipst), Pistazien, Vanille und ein kräftiger Schluck Strega. (Im Rezept stand Sambuca, aber den hatte ich nicht da und Strega benutzt man eh nur alle Jubeljahre mal zum Backen, da freute ich mich über die Gelegenheit, ihn mal wieder zu verwenden – passte auch sehr gut, denn neben tausend anderen Sachen ist da ja auch Fenchel mit drin, der die Anisnote des Sambuca zumindest nachempfindet.)

 

Nackte Zitrusfrüchte

 

Die Klamotten der Zitrusfrüchte, plus Mandeln und Pistazien

 

Fertige Biscotti – zu Deutsch so viel wie “zweimal gebacken” – macht aber bisschen mehr her, als ein profaner Zwieback, oder?

 

Weil vom Biscotti-Backen noch zwei Eiklar übrig waren und ich vom Taralli-Verzieren noch einen Rest Puderzucker hatte, verbrauchte ich schnell noch sämtliche Reste mit ein paar leckeren Kokos-Vanille-Makronen. Die brachten mich dann gedanklich noch fix nach Jamaika, was ja im dunklen Dezember auch nicht zu verachten ist.

 

Bei all der Bäckerei samt Kosten bekam ich irgendwie gar keinen richtigen Hunger, so dass ich mir nur schnell zwischendurch noch einen kleinen Rest Nudeln mit Tomatensauce warm machte. Morgen wird dann wieder etwas aufwendiger gekocht, denke ich. Als alles fertig gebacken, die Küche wieder in Ordnung gebracht und dieser Blogpost geschrieben ist, ist es schon 22 Uhr. Ich werde mir jetzt noch ein paar Folgen Friends reinziehen, dabei ein paar weitere Punkte verbinden, und dann nicht allzu spät ins Bett verschwinden. Backen macht müde und morgen muss noch jede Menge gebastelt und verpackt werden!

Tagebuch-5 im November

Wie jeden 5. fragt Frau Brüllen auch dieses Jahr wieder WMDEDGT? und ich antworte brav:

Anders als an den letzten Tagen, an denen ich morgens ganz gemächlich in den Tag starten konnte, quäle ich mich heute erst  um 8, also auf den allerletzten Drücker aus dem Bett. Zum Glück steht auf dem Wohnzimmertisch direkt der Quark-Birnen-Kuchen, den der Hase gestern Abend gebacken hat und von dem ich mir ein dickes Stück fürs Frühstück einpacke.

Quark-Birnen-Kuchen

Außerdem wandert auch ein kleines Glas Birnenkompott, das beim Einkochen nicht richtig zugegangen ist, als Nachmittagssnack in meinen Beutel. Wir hatten hier in den letzten Wochen nämlich eine regelrechte Birnenschwemme in der Nachbarschaft. Der Hase hat dreimal Kuchen gebacken, zwei groß angelegte Kompottaktionen durchgeführt und unzählige Liter Saft gepresst, von denen wir vielleicht 5 oder 6 getrunken haben, der Rest gärt gerade fröhlich im Weinballon vor sich hin. Gestern wurde dann allerdings Rasen gemäht und mit Birnen aufsammeln ist dann jetzt wohl Schluss.

Ich ziehe mir den kuscheligen #rp15-Hoodie über, füttere die Katzen und koche mir noch meinen Standard-“Tee” für unterwegs: frischer Ingwer, überbrüht mit kochendem Wasser und gesüßt mit jamaikanischem Honig, über den ich demnächst nochmal gesondert schreiben muss. Da ich gestern noch Curcuma gekauft habe, wandert auch endlich wieder ein Stück davon in den Tee und ich laufe heute wieder mit gelben Fingern durch die Stadt. Gelb macht ja gute Laune und Curcuma-Gelb ist neben Mango-Gelb meine Lieblingsfarbe (ja, ich bin eine Essensfetischistin, aber das wusstet Ihr ja bereits).

Curcuma-Daumen

Auf dem Alex läuft mir dann übrigens ein Pärchen über den Weg, bei dem beide die gleiche Jacke in eben jenem Gelb tragen. Das scheint ja gerade sehr in zu sein, gelbe Klamotten könnten mir auch gefallen. Wenn der Hase aber dann das Gleiche anziehen wollte, müssten wir uns wohl drum prügeln. Zum Glück ist seine Lieblingsfarbe Blau.

Im Büro angekommen checke ich meine Mails und fange dann an zu arbeiten, während ich den äußerst leckeren Kuchen frühstücke. Ich werde kurz unterbrochen, als ein Kollege und Freund mir sein diesjähriges Geburtstagsgeschenk übergibt – haltet Euch zurück mit Gratulationen, mein Geburtstag war im Juni und die Verspätung angekündigt. Ich habe nun also ein Buch, von dem ich noch nicht genau weiß, was ich damit anstelle. Also, außer lesen natürlich. Es handelt sich um einen dystopischen Roman aus den 70ern, der gerade von der rechten Szene hoch gelobt wird. Mein Freund und Kollege, der sich in seinem Studium auf Dystopien spezialisiert hat, hat es mir sozusagen aus literaturwissenschaftlichen Aspekten geschenkt (und auch, weil er es selbst lesen möchte ;)) und thematisch hat es viel mit der aktuellen Flüchtlingssituation zu tun.

Leider hat er mir nun, ohne es zu bemerken, ein frisch erschienenes Exemplar aus einem Verlag bestellt, der eindeutig der rechten Szene zuzuordnen ist und ärgert sich nun natürlich darüber. Und ich mich auch, denn so ein Buch möchte ich mir nun nicht ins Regal stellen, aber eben auch nicht einfach so weitergeben. Ein zerfleddertes antiquarisches Exemplar wäre uns  beiden lieber gewesen.

Ich werde das Buch nun also erstmal unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten lesen – zuhause, wo es keiner mitbekommt, und nicht etwa in der Bahn. Vielleicht kann man dann ja noch den Kaufpreis für ein Flüchtlingsprojekt spenden, oder direkt der Antifa? 😉 Vielleicht habt Ihr ja noch eine Idee für mich, was ich mit dem Buch hinterher anstellen kann? (Bücherverbrennung ist keine Option, der Hase schlug jedoch Büchervergrabung vor…)

Mit Musik auf den Ohren groove ich mich durch den Vormittag. Mittags gehe ich nach draußen, wo die Sonne am wunderbaren blauen Novemberhimmel strahlt, und hole mir ein leckeres Kichererbsencurry.

Blauer Himmel am Hausvogteiplatz

Dann geht es mit Tee, Schoki und Birnenkompott sowie mehr Musik auf den Ohren in den Nachmittag. Zwischendurch habe ich eine großartige Idee, wie ich relativ spontan ein Konzert besuchen und damit noch mehreren Leuten eine Freude machen kann – das muss ich aber heute Abend noch zu Ende ausbaldowern.

Kurz vor Feierabend besucht mich eine Kollegin, die gerade aus dem Londoner Büro zu Besuch ist und früher zu meinen regelmäßigen Mittagspausenpartnerinnen hier in Berlin gehörte. Wir plauschen kurz und verabreden uns für die morgige Pause. Dann geht es zum quartalsmäßigen Global All Hands Meeting. Hinterher ist der Arbeitstag zwar vorbei, aber eine Freundin und Kollegin hat noch ihre Urlaubsfotos aus Südafrika dabei, so dass wir zu dritt noch “Überstunden” machen und über Elefanten, Warzenschweine und Giftschlangen staunen.

Als ich zuhause ankomme hat der Hase den Kartoffel-Brokkoli-Auflauf schon fast fertig. Ich mache noch schnell einen Salat dazu und dann essen wir uns erzählen uns von unserem Tag. Unter anderem zeigt er mir das Foto eines Babies, das heute im Freundeskreis geboren wurde und erzählt außerdem von seinem Arbeitseinsatz im Flüchtlingsheim. Dort haben heute drei der Bewohner eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis bekommen, sehr schön! Zum Nachtisch essen wir jeder noch ein Stück vom leckeren Kuchen und zwei Freunde schneien für ein paar Minuten herein. Dann heißt es nur noch abwaschen, Katzenklo saubermachen und diesen Text fertig schreiben, bevor es pünktlich um 10 “mit Buch ins Bett” geht, wie Herr Buddenbohm zu sagen pflegt.

Tagebuch-5 im Oktober, langweilige Alltags-Edition

Wie immer am 5. eines Monats fragt Frau Brüllen auch im Oktober wieder: WMDEDGT und ich antworte, auch wie immer. Diesmal ist der 5. seit gefühlt langer Zeit mal wieder ein stinknormaler All- und Arbeitstag…

Der Wecker des Hasen klingelt früh, weil er einen Termin hat. Ich werde so halbwach und entdöse mich so ganz allmählich aus dem Traumland hinaus und in die harte, vor allem kalte – brrr – Realität. Als Augen und Gehirn wach genug sind, checke ich meine Mails auf dem iPhone und lese mich durch meine Timelines und Filterblasen. Gegen 8 stehe ich dann auch auf, füttere die Katzen und mache mich fertig für den Tag. Einen Becher voller weißem Tee mit Zitrone in der Hand laufe ich alsdann durch die buntblättrige Umgebung und freue mich über den hohen Prozentsatz an Ahornbäumen in unserer Nachbarschaft. Solange der Herbst noch bunt und sonnig ist, kann ich die fehlenden Grade auf dem Thermometer einigermaßen verschmerzen.

In der Bahn lese ich dann in meinem Buch weiter. The Duppy von Anthony C. Winkler handelt von einem jamaikanischen Ladenbesitzer, der stirbt und dann in den Himmel kommt. Es ist in der Ich-Perspektive und schönstem jamaikanischen Patois geschrieben und versetzt mich direkt zurück in unseren Jamaika-Trip im Februar. Immer wieder muss ich vor mich hinschmunzeln und einmal fast laut lachen – da beschreibt Winkler wie sein Protagonist Taddeus Baps als frisch verstorbene herumwandernde Seele frohen Mutes über Stock und Stein hüpft “wie eine Ziege, die einen Ganja-Strauch leergefressen hat” [meine Übersetzung]. Durch diese Metapher beflügelt laufe ich nun deutlich wacher und motivierter ins Büro.

Kurz nach 9 möchte ich runter ins Foyer und mir einen Grießbrei mit Kirschen zum Frühstück kaufen. Das stellt sich als ein langwierigerer Ausflug heraus, als sonst, weil einer der beiden Fahrstühle defekt ist und der andere darauf scheinbar nicht eingestellt. Mehrfach beobachte ich, wie er bis zum Stockwerk unter meinem und dann wieder nach unten fährt. Insgesamt warte ich etwa 7 Minuten, bis er es endlich bis zu mir schafft. Natürlich hätte ich in der Zeit auch die Treppe hinunter und wieder herauf nehmen können, aber ich wollte das Schauspiel weiter beobachten und evtl. hinter den gestörten Rhythmus kommen. Hat aber nicht geklappt.

Mit Grießbrei und mehr Tee gestärkt mache ich mich ans Tagwerk, das relativ ereignislos verläuft und deswegen hier nicht näher beschrieben werden muss. Mittags hole ich mir einen Reisbandnudelsalat mit Frühlingsrollen und dann geht es weiter. Nebenbei höre ich mich weiter durch den Gilmore Guys-Podcast, morgen oder übermorgen spätestens habe ich die Jungs wohl eingeholt und kann die Episoden dann direkt hören, wenn sie erscheinen und mich an den Diskussionen beteiligen. Heute vor 15 Jahren lief übrigens die erste Folge Gilmore Girls im amerikanischen Fernsehen. Am selben Tag bekam ich meinen ersten Kuss, was der Beginn meiner ersten Beziehung war. Zufall? Aber klar doch 😉

Nach der Arbeit gehe ich zur Wohnung meiner Eltern, hole die Post aus dem Briefkasten und gieße die Blumen. Auf dem Heimweg von dort kaufe ich unterwegs noch ein paar leckere Dips. In der Bahn sitzt ein kleines Kind neben mir, dass von einem äußerst wackeligen Pappteller Kartoffeln mit Quark isst, während seine Mutter Taschen und das Kinderfahrrad in Schach hält, indem sie sich einfach draufsetzt.

Zuhause erwartet mich der Hase mit Ofengemüse aus Kartoffeln, Roter Beete, Kohlrabi und Möhren mit Stangenselerie und frischen Kräutern. Die Dips passen gut dazu (außer der mit Feta, Ananas und Datteln – merkwürdige Kombinaton, finden wir beide) und wir haben ein sehr leckeres Abendbrot.

Die Wohnung steht derweil voller Eimer mit Birnen und Äpfeln von den uns umgebenden Hinterhöfen, denn der Hase ist heute groß in die Birnenwein-Produktion eingestiegen. Zehn Liter frisch entsafteter Most gären nun fröhlich im Weinballon vor mich hin.

Ich schreibe schnell diesen Blogpost, dann werde ich noch etwas aufräumen, mit dem Hasen eine Folge Bunheads gucken und mir dann vor dem Schlafengehen noch ein Bad gönnen. Nebenbei durchzieht die Wohnung neben Knoblauch- und Birnenduft nun auch noch eine Brise Brot aus dem Backofen. So lässt es sich leben!