Reisetagebuch 6. September 2019 – Rom #loosinterrail

Nach einer weiteren sehr erholsamen Nacht im kleinen Dorf erwache ich, um mir heute das krasse Gegenteil zu geben: Rom! Eigentlich widerspricht dieser Abstecher ja meinen Vorsatz, mich drei Wochen lang am Meer oder zumindest in unmittelbarer Umgebung des Meeres aufzuhalten. Aber wie das so ist: Alle Wege führen nach Rom, zumindest in Italien. Es gibt tatsächlich keine vernünftige Zugverbindung vom Nordwesten in den Südwesten, ohne dass man über Rom fährt. Und da kann ich doch auch gleich die Gelegenheit nutzen, mich ein wenig dem römischen Essen zu widmen. Seit ich 2015 den Language of Food-Workshop bei ihr gemacht habe, lese ich in ihren Kochbüchern, Artikeln im Guardian, Instagram-Posts und in Rachel Roddys Blog regelmäßig über das Leben und Essen in Rom und besonders in Testaccio, dem Viertel, in dem sie lebt. Also dachte ich mir, ich schau mir das ganze mal aus der Nähe an, und habe mir ein AirBnB gleich dort in der Nähe ausgesucht.

Denn in Rom selbst war ich schon zweimal – erst 2009 mit Il Professore, als ich ihn auf einem Forschungsaufenthalt begleitet habe und dann 2013 nochmal mit dem Hasen, als wir Il Professore über Pfingsten dort besucht haben, der für mehrere Monate in der Stadt weilte. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten – Kolosseum, Petersdom, Vatikanische Museen, Forum, Capitol, Pantheon usw., habe ich also alle schon einmal oder gar zweimal gesehen. Das gibt mir die Freiheit, sie dieses Mal links liegen zu lassen und mich auf die mir wichtigen Dinge zu konzentrieren.

Gegen Mittag komme ich an und stelle als erstes fest, dass der Bahnhof Ostiense, in der Nähe meines AirBnBs und von Testaccio, keine Gepäckaufbewahrung besitzt. Da noch nicht klar ist, ab wann ich einchecken kann – der Host hat meine Buchung zwar schon vor Tagen angenommen, aber sich bisher noch nicht persönlich bei mir gemeldet oder auf Nachrichten reagiert, fahre ich also weiter zum Hauptbahnhof Termini, um dort mein Gepäck abzugeben. Ähnlich wie in La Spezia aber anders als in Palermo gibt es auch hier keine Schließfächer, sondern drei Schalter, an denen man Gepäck abgeben und wieder abholen kann – nicht ohne vorher eine Nummer zu ziehen und gemeinsam mit diversen anderen Reisenden ewig in der Schlange zu stehen. Zwanzig Minuten dauert es, dann bin ich mein Gepäck los und trete aus dem Bahnhof. In diesem Moment meldet sich dann mein Gastgeber und ich will mich schon ärgern, dass ich jetzt umsonst angestanden und Geld bezahlt habe. Aber nein, er ist ans Meer gefahren und wird erst heute Abend zurück sein. Also doch alles richtig gemacht. Übrigens findet die Konversation per WhatsApp und auf Italienisch statt – ich bin ein bisschen stolz, dass ich das kann.

Jetzt liegen also ein paar freie Stunden in Roms Zentrum vor mir, außerdem ist es langsam Zeit etwas zu essen. Logischerweise mache ich mich also zunächst auf zu Giolitti, in die beste Eisdiele der Stadt. Ein schönes Gefühl, an den Menschenmengen vorbeizulaufen, die in Scharen zur Fontana di Trevi oder zur Piazza Navona laufen. Been there, done that, thanks. Bei Giolitti bin ich auch zum dritten Mal, aber dieses Vergnügen ist ja dank der vielen Sorten jedes Mal ein anderes. Ich habe Glück und nur wenige Menschen vor mir in der Schlange. Für meine coppa grande wähle ich die vier Sorten Granatapel, Brombeere, Wildkirsche und Birne-Walnuss-Karamell, dazu gibt es natürlich noch eine Portion Sahne. Das muss bei Giolitti sein, denn erstens ist sie im Preis inbegriffen und zweitens schmeckt sie leicht angefroren vom Eis wirklich vorzüglich. Der Eismensch fragt mich übrigens auf Englisch nach meinen Wünschen, ich antworte auf Italienisch und bekomme das Eis dann mit deutschen Worten überreicht. Einen Akzent habe ich also ganz eindeutig, auch wenn mir nicht klar ist, an welchen Lauten er festzumachen ist, habe ich doch mein Italienisch hauptsächlich aus kampanischen Mündern, also quasi mit süditalienischem Dialekt gelernt.

Als ich die Eisdiele verlasse stehen draußen schon wieder Menschenmassen in der Schlange, mein Timing war also wirklich perfekt. Ich suche mir eine ruhige Ecke zum Hinsetzen und löffle genüsslich mein Eis. Hier muss ich die Zero-Waste-Sache leider mal aufgeben, denn vier Kugeln schmelzen schnell und ich esse Eis eher langsam, eine Waffel wäre also sicherlich durchgeweicht und außerdem mit der Sahne dazu dann doch etwas viel gewesen. Nach dem Aufessen sehe ich auf Google Maps, dass ich mich schon fast am Tiber-Ufer befinde und spaziere also dort hin und dann im Schatten der Platanen am Fluss entlang – beginnend an der Engelsburg und endend am Ponte Sisto.

Von dort geht es durch enge Gassen mit eher alternativen Läden und Streetart zum Campo dei Fiori, wo gerade der Markt abgebaut wird. Ich nicke Giordano Bruno einen Gruß zu – pflichtbewusst, denn nichts anderes hätte Il Professore von mir verlangt, wäre er dabei – und spaziere weiter zum Largo di Torre Argentina, wo in einer archäologischen Ausgrabungsstätte viele, viele Katzen leben. Auch sie wollen jedes Mal besucht werden, wenn ich in Rom bin. Inzwischen gibt es dort auch einen Verein, der die Katzen füttert, impft und sterilisiert. Man kann gegen Spenden Souvenirs erwerben, eine Katze aus der Ferne adoptieren oder einfach so Spenden da lassen.

Dann bewege ich mich langsam und gemächlich wieder in die grobe Richtung Termini und komme dabei fast zufällig am Capitol und der Trajan-Säule vorbei. Als ich in der Ferne das Kolosseum entdecke, schreibt mir mein Host, seine ungefähre Ankunftszeit, die bedeutet, dass ich mich so langsam auf den Weg machen kann. Bis Termini habe ich noch ein wenig zu laufen,

Ich stelle mich wieder in die Schlange an der Gepäckaufbewahrung, habe meinen Rucksack diesmal aber schon nach etwa zehn Minuten wieder. Dann schaue ich in meiner Interrail-App nach dem nächsten Zug nach Ostiense – es fährt von hier aus zwar auch eine U-Bahn, die nur fünf Minuten braucht, aber für die müsste ich ein Ticket kaufen und mich erstmal in das U-Bahn-System einfuchsen. Der Regionalzug hingegen ist schon bezahlt und da er einen großen Bogen ums Zentrum fährt und 15 Minuten braucht, sehe ich auch noch etwas von der Stadt, zum Beispiel den riesigen Parco Regionale Appia Antica, der mich kurz überlegen lässt, ob ich wirklich noch in Rom bin oder aus Versehen den falschen Zug erwischt habe. Aber nein, es hat alles seine Richtigkeit.

In Ostiense steige ich aus und laufe vorbei an der Pyramide, die den Eingang zu Testaccio markiert, zu dem alten Palazzo, in dem mein Host lebt. Er empfängt mich an der Straße, dann steigen wir erst eine Treppe hinauf, um in den sehr grünen Innenhof zu gelangen, von dem die verschiedenen Aufgänge zu den Wohnungen führen. Sie sind alphabetisch benannt und wir müssen zum Aufgang O. Oben erwartet mich ein kleines Studio-Apartment mit Wohnküche, Bad und Schlafzimmer. Mein Host selbst wird das Wochenende über nicht da sein, so dass ich die komplette Wohnung für mich haben werde. Aber erst putzt er noch schnell das Bad fertig und gibt mir Tipps, wo ich in der Nähe gut und authentisch römisch essen gehen kann.

Ich ruhe mich ein wenig aus und mache mich frisch, dann laufe ich gegen 20 Uhr hinaus ins römische Nachtleben. Ich freue mich über die hiesige Streetart mit einem Portrait von Antonio Gramsci – eine weitere Erinnerung an Il Professore. Dann erreiche ich die von meinem Host empfohlene Pizzeria, die “günstig, aber sehr gut” ist und außer Pizza auch Bruschetta, Fritti, Pasta (4 traditionelle römische Sorten und Gnocchi, aber die nur donnerstags), Fleisch, Fisch und Desserts serviert. Sie ist sehr groß, laut und hektisch, aber so stelle ich mir das in Rom auch vor. Ich bekomme einen Tisch gleich am Eingang und in der Nähe des Pizzaofens und kann den Pizzaioli bei der Arbeit zusehen. Beim Bestellen erinnere ich mich wieder an alles, was ich je bei Rachel gelesen habe und entscheide mich für Supplì, Fiore di Zucca, Cacio e pepe und weil das alles ziemlich teig- und fettlastig ist noch eine Insalata Mista. Sie kommt als eine große Schüssel voll verschiedener Blattsalate und Tomatenstücke auf den Tisch, dazu gibt es Olivenöl, Balsamico und Salz. Achja und ein Viertel vom roten Hauswein habe ich natürlich auch bestellt – der erste Rotwein auf dieser Reise.

Es ist alles wahnsinnig lecker und unglaublich schnell auf dem Tisch. Die beiden Fritti esse ich natürlich stilecht mit den Fingern, die dabei schön ölig werden. Der Mozzarella zieht eine lange Schnur zwischen Supplì und meinem Mund, bei der Fiore di Zucca werden Erinnerungen an meine erste – damals bei der Hochzeitsfeier auf dem Rasen einer Villa bei Bologna – wieder wach (und an meinen eigenen bisher einzigen Versuch, das nachzukochen) und bei der ersten Gabel Cacio e pepe überlege ich kurz, ob man Nudeln heiraten kann. Auch der Salat ist lecker und knackig-frisch und die perfekte Ergänzung. Der Wein ist einfach aber stimmig und so bin ich schnell sehr zufrieden und sehr satt. Ein Dessert schaffe ich nicht mehr, also bezahle ich schnell – mit Trinkgeld 20 € für dieses Festmahl – und gehe wieder zurück auf die Straße, wo inzwischen an die 40 Leute auf einen Tisch oder ihre Pizza zum Mitnehmen warten. Wieder perfektes Timing! Ich laufe zurück in meine Unterkunft und kehre noch kurz bei einem Obst- und Gemüseladen ein, den ich auf dem Hinweg bereits gesehen hatte. Als leichten Nachtisch und Snack für morgen früh hole ich mir ein paar Pflaumen und Trauben. Und dann geht es auch schon sehr schnell ins Bett.

Ein rundherum toller Tag

Obwohl das heute ein sehr müder Tag war, bin ich doch rundherum zufrieden mit ihm. Weil ich morgen erst so spät zuhause war, habe ich heute morgen erst die Post aufgemacht – darin einerseits ein wichtiges Papier, dass zur Organisation der nächsten Wochen hier benötigt wird und andererseits mein Ticket fürs Immergut. Vorfreude!

Auf dem Weg ins Büro schickt mir die zukünftige Mitbewohnerin Fotos aus Frankreich, von Kaffee und Gebäck. Natürlich muss ich mir dann auch gleich selbst was Süßes vom Bäcker holen, womit ich dann im Büro gleich Neid unter meinen zuckerfastenden Kolleg*innen hervorrufe. Selbst Schuld, Ihr Lieben 😉

Mittags hole ich mir im Supermarkt ein Süppchen. Anders als sonst gehe ich aber an den klassischen Mittagspausensnackangeboten vorbei und schaue mal, was sich bei den Konserven verbirgt. Und siehe da: Dort gibt es Bio-Suppen im Glas, zum gleichen Preis wie die Nicht-Bio-Suppen vorne in den Plastikverpackungen. Ich gönne mir eine Erdnusssuppe und dazu ein Mango-Lassi (das leider noch nicht ohne Plastik erhältlich ist, aber dringend sein muss – überhaupt gibt es trinkbaren Joghurt irgendwie nirgends im Glas…). Das Ganze esse ich dann mit zwei lieben Kollegen bei netten Gesprächen.

Nach der Arbeit lese ich zum ersten Mal seit Wochen in einem Buch – nämlich auf dem Weg, um mich dann endlich einmal wieder mit dem besten aller Fräuleins, diesmal auf eine große Portion Sushi, und natürlich wird es ein ganz zauberhaft wundervoller Abend und Mensch, bin ich dankbar, dass ich dieses Fräulein allzeit in meinem Team habe ❤

Und dann bin ich doch tatsächlich um 10 schon wieder zuhause und habe noch Zeit, in Ruhe zu duschen und Haare zu waschen, zu bloggen und trotzdem früh genug im Bett zu liegen, um den fehlenden Schlaf der letzten Nacht noch aufzuholen. In diesem Sinne: Gute Nacht!

Asiatische Lebenshilfe und 1000 Fragen

Nachdem es gestern mit der fernöstlichen Unterstützung schon so gut geklappt hat und mein heutiger Tag schon ziemlich toll war – mein Schlafdefizit ist fast weg, ich habe meditiert und Dinge erledigt, die Arbeit war entspannt und hat Spaß gemacht und nebenbei habe ich wieder gute Gespräche geführt und positive – oder zumindest konstruktive – Erkenntnisse gewonnen – habe ich große Hoffnungen, dass es genauso weitergeht.

Gerade sitze ich in einem Café und genieße zum Feierabend meine liebste taiwanesische Spezialität: Den Bubble Tea. Und zwar nicht diese quietschbunte, knallsüße Zeug, aufgrund dessen Ihr Euch ja fast zu Recht wundert, dass es Bubble Tea noch gibt, sondern authentischen, Tee-farbenen und normalsüßen (hätte auch wenig oder keinen Zucker bestellen können, aber da ich etwas hungrig bin…). Ich habe mich für gerösteten Oolong-Tee mit Aloe-Vera-Stückchen als Topping entschieden. Und jetzt findet Ihr Bubble Tea plötzlich auch wieder ganz verlockend, oder?

Und gleich treffe ich mich dann mit einer koreanischen Freundin zum koreanischen Essen. Das wird bestimmt auch wieder sehr super – und das erste einer langen Reihe von Dinner Dates diese Woche. Deswegen gibt es jetzt auch nur noch den nächsten Teil der 1000 Fragen für Euch…

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

141. In welche Länder möchtest du noch reisen?

Oh, eine ganze Menge! In Europa alleine fehlen mir noch Portugal, Finnland, Griechenland und weite Teile Ost- und Südosteuropas. In Nord- und Mittelamerika warten Mexiko und Kuba noch auf mich sowie Teile der USA (vor allem die Westküste, der Südosten und Hawaii). In Kanada wäre die Westküste auch irgendwann mal dran und ich hätte auch nichts daran, nochmal nach Jamaika zu kommen… In Südamerika lockt mich vor allem Peru, schon aus kulinarischen Gründen, und von Chile und Argentinien kenne ich bisher auch nur den äußersten Süden… In Afrika fände ich vor allem die Gegenden spannend, in denen der Verein aktiv ist, für den ich mich engagiere, ich bin aber sichtbar, das vieles anderes auch toll wäre. In Asien locken mich vor allem Indien, Sri Lanka und der Südosten – wiederum vor allem aus kulinarischen Gründen. Außerdem ist eine liebe Freundin gerade nach Nepal gezogen und vielleicht besuche ich sie da einfach! Irgendwann würde ich gerne auch nochmal mehr von Australien sehen und wenn ich schon dabei bin vielleicht doch mal nach Neuseeland. Achja und Fiji wäre ganz schön, irgendwann…

142. Welche übernatürliche Kraft hättest du gern?

Beamen, das würde vieles (u. a. die obige Antwort) viel leichter machen.

143. Wann wärst du am liebsten im Erdboden versunken?

Neulich gab es da so eine Situation auf einer Parkbank, aber nur für eine Zehntelsekunde. Danach wurde alles sehr entspannt. Eine ernsthaft hochnotpeinliche Situation fällt mir grad nicht ein, ich bin da recht schmerzbefreit.

144. Welches Lied macht dir immer gute Laune?

Tonight I Have To Leave It von den Shout Out Louds wirkt wirklich jedes einzige Mal.

145. Wie flexibel bist du?

In den allermeisten Dingen bin ich sehr flexibel (also außer körperlich), in einigen sehr sehr wenigen gar nicht – daraus resultiert auch die Entwicklung der letzten Wochen.

146. Gibt es eine ungewöhnliche Kombination beim Essen, die du richtig gern magst?

Brot mit Quark, Ketchup und Kräutern der Provence. Brot mit Teewurst und dazu Obstsalat. Überhaupt Obst in der Kombination mit Herzhaftem – alles aus der Richtung Toast Hawaii (mit Salami und Apfel, Apfelsine oder Pfirsich unter dem Käse) zum Beispiel. Und natürlich Ananas und anderes Obst auf Pizza (außer auf italienischer, ich bin ja keine Barbarin).

147. Was tust du, wenn du in einer Schlange warten musst?

Wozu habe ich ein Smartphone? An der Supermarktkasse sonst auch gerne die Einkäufe der Anderen analysieren.

148. Wo siehst du besser aus: im Spiegel oder auf Fotos?

Eindeutig im Spiegel. Bewegte Bilder sind besser für meinen Look als Momentaufnahmen. Und mein Gesicht gefällt mir spiegelverkehrt auch besser, aber das geht uns ja vermutlich allen so – eine Frage der Gewöhnung.

149. Entscheidest du dich eher für weniger Kalorien oder mehr Sport?

Weder noch!

150. Führst du oft Selbstgespräche?

Mit zunehmendem Alter wird man wunderlich;)

Japanisch voran mit KonMari und Sokoban

Die Zeiten gerade sind ein wenig herausfordernd. Da ist auf der einen Seite die sehr große Entscheidung, die vor zwei Wochen getroffen wurde und die bis jetzt in ihren Auswirkungen erstaunlich glimpflich abgegangen ist. Auf der anderen Seite sind da eine Menge verlockender Pläne, deren Umsetzung aber aus Gründen noch einige Wochen warten müssen. Dieses “dazwischen” Sein, das hat mir in den letzten Tagen mehr und mehr zugesetzt. Was dabei hilft, sind unter anderem diverse Freizeitaktivitäten. Erlebnisse und Gespräche mit denen sich die Zeit füllen lässt, bis ich soweit bin und die Umstände soweit sind, dass ich richtig mit den Plänen loslegen kann. Meine gesamte nächste Woche ist zum Beispiel nach Feierabend bereits komplett ausgebucht, kein Tag an dem noch nichts im Kalender stünde.

Heute allerdings war dann ausnahmsweise doch mal kein Termin, zum ersten Mal seit vielen Tagen und auch zum letzten Mal für eine ganze Weile. Und wie ich so in den Tag startete, vor mich hin überlegte, was ich denn mit dem großen Batzen unverplanter Zeit so anstellen könnte und den Katzen dabei zusah, wie sie sich neue Räume eroberten, da formte sich in meinem Kopf langsam ein kleines Projekt. Ein Etappenziel nur und erstmal auch nur ein Provisorium. Aber trotzdem würde es einige Stunden Arbeit bedeuten, einiges von der To-Do-Liste nehmen, die sich für mich “in einigen Wochen” bedrohlich lang und länger vor meinem geistigen Auge aufbaut, mir eine neue Perspektive ermöglichen und schonmal einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft gehen.

 

Um mich in die richtige Stimmung zu bringen, schaute ich eine Marie-Kondo-Folge auf Netflix – ich bin ja von bewegten Bildern immer leicht zu beeinflussen und heute machte ich mir das zu Nutze*… Dann habe ich mir schöne Musik angemacht, laut mitgesungen und NICHT alle meine Klamotten auf einen großen Haufen geschmissen und nach Freudefunken bewertet, sondern in dem Raum, in dem ich gerade am meisten Zeit und vor allem auch die Nächte verbringe, neue Zeiten eingeläutet. Ich habe Dinge entsorgt, zum Weggeben bereitgestellt und jede Menge Zeug wenigstens schon einmal vorsortiert. Dann habe ich Sokoban-style einiges aus dem Zimmer heraus- und kreuz und quer durch die Wohnung geschafft, um Platz zum Rangieren zu haben. Und dann habe ich tatsächlich schonmal die Mehrzahl der Möbel in diesem Zimmer verrückt, komplett neu angeordnet und dann teilweise wieder neu mit Dingen bestückt.

Provisorisch ist das Ganze weiterhin, denn einige der Möbel werden hier bald ausziehen, ebenso wie viel Kram, der sich immer noch im Zimmer befindet. Und einige der jetzigen Möbel sind auch nur Ideen im platonschen Sinne für die tatsächlichen Möbel, die hier in einigen Wochen dann stehen werden. Aber so kann ich schon einmal ausprobieren, wie mir diese neue Raumverteilung so zusagt, meine Sichtweise auf dieses Zimmer verändern (das hat sofort und sehr radikal schon gut geklappt) und auch für mich selbst ein Zeichen setzen: Ich muss nicht abwarten, ich kann auch jetzt schon aktiv werden und Dinge so anpassen, wie sie für mich am besten funktionieren. Und ich kann zum Beispiel ganz alleine Schränke, Kommoden, Regale und Betten bewegen, und zwar ohne mir wehzutun und ohne dass die Katzen Sorgen haben müssen, ich würde danach nicht mehr aufstehen können.

Nach der großen Sokoban-Aktion bleibt ein kleiner Schrank jetzt schon einmal permanent draußen, der hätte nur im Weg rumgestanden und und ich habe sogar einen Platz gefunden, wo er das nicht tut und thematisch gut aufgehoben ist. Dafür sind der Schaukelstuhl und ein bunter Läufer eingezogen, der in einem anderen Raum in letzter Zeit nicht genug Wertschätzung erfahren hatte. Natürlich alles erst, nachdem jede Menge Staub gewischt und gesaugt und das Bett neu bezogen wurde. Bis jetzt gefällt mir meine neue Sichtweise auf die Welt sehr gut – ich sehe jetzt vom Bett aus noch viel mehr von dem wunderschönen Blau, das ich vor über 5 Jahren für einen Teil der Wände hier ausgesucht habe, dass ich aber dann die meiste Zeit vor allem im Rücken hatte. Und stünde gegenüber nicht gleich das nächste Haus, dann könnte ich jetzt abends vom Bett aus direkt in den Sternenhimmel gucken…

 

*Ich folge der Methode nicht, lasse mich aber von den Folgen gerne zu etwas Aktionismus in Sachen Haushalt motivieren. Klappt auch gut mit der FlyLady, aber die hat weniger Action, da weniger Bewegtbilder.

Schlemmereien aus dem Salento

Am Donnerstag war ich auf Vermittlung der lieben Claudia von Holy Fruit Salad! bei einer Pressekonferenz in einem italienischen Restaurant in Kreuzberg 61 eingeladen. Bei leckeren Weinen, Olivenöl, Käse, Honig, Pizza und diversen anderen Leckereien aus dem Salento, der “Stiefelspitze” Italiens im äußersten Südosten der Region Apulien, erfuhren die anwesenden Journalist*innen, Blogger*innen, Instagramer*innen & Co. einiges über die touristisch interessanten Orte dieser Gegend. Im Rahmen der ITB hatten die Kultur- und Tourismuszeitschrift Spiagge und verschiedene Vertreter der Provinz und einzelner Städte wie Otranto, Melendugno und Gallipoli zu diesem Abend eingeladen. Unter anderem stellten sich dort dann auch verschiedene Produzenten typischer Produkte des Salento vor.

Für mich versprach der Abend die Verbindung dreier meiner Leidenschaften: Bloggen und neue liebe Menschen aus der Blogosphäre zu treffen, Reisen und neue Gegenden kennenzulernen (Apulien steht schon lange auf meiner To-Do-Liste!) und natürlich italienisches Essen und Wein. Der perfekte Abend also, der in allen drei Bereichen glänzte und Lust auf mehr machte. Besonders gefreut habe ich mich übrigens über den Fiano, den es als Aperitif während der Vorträge gab – eine meiner liebsten Weißweinsorten, auch wenn ich ihn bisher nur aus Avellino und nicht aus dem Salento kannte. Der Negroamaro, den es dann zum Essen selbst gab, war übrigens auch extrem gut und ich werde demnächst mal versuchen, von beiden ein Fläschchen zu ergattern. Wir verkosteten auch zwei verschiedene Olivenöle und besonders das zweite (neue Ernte, sehr grün, dickflüssig, grasig und mild, von einer Sorte, die ursprünglich aus Frankreich stammt) war der Hammer.

Ein toller Abend, von dem mir außer den leckeren Flüssigkeiten vor allem die guten Gespräche in Erinnerung bleiben werden, und aus dem sich hoffentlich noch viele weitere kulinarische Gelegenheiten für die Zukunft entwickeln werden…

Warum singen mich gesund macht oder Reise in die Vergangenheit

Nach dem Konzertbesuch neulich und besonders seit dem konspirativen Musizieren am Mittwoch musste ich wieder öfter an meine Chor-Vergangenheit denken, in der solche musikalische Zusammenkünfte zu meinen regelmäßigsten Freizeitbeschäftigungen gehörten. War das schön damals! Nun muss man wissen, dass ich eigentlich mit einem großen dicken Vorurteil gegenüber Chören aufgewachsen bin. Die Chormusik, die ich kannte, fand ich weitestgehend langweilig. Und die Chorleute, die ich kannte, kamen immer ziemlich sektenmäßig rüber. Das mag daran gelegen haben, dass die einzigen Chorleute, die ich bewusst wahrnahm, die von Ten Sing waren, einem kirchlich angehauchten Chorprojekt, aus dem bei uns zuhause z. B. Silbermond hervorgingen. Das wirkte von außen immer wie eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich relativ undurchlässig nach außen hin abgrenzte und untereinander eine Friede-Freude-Eierkuchen-Gemeinschaft lebten, die mir irgendwie suspekt vorkam. Ein paar Jahre später gehörte ich dann zu genau so einer eingeschworenen Gemeinschaft, nur ohne den kirchlichen Aspekt. Die Gründe dafür? Freundschaft, Musik und Alkohol…

Wir schreiben das Jahr 2004 und ich studiere in Rostock. Die beste Kolleginnenfreundin (damals noch beste Kommilitoninnenfreundin) und ich gehen mindestens einmal pro Woche abends zusammen in unserem Lieblingsclub tanzen. Seit sie vor ein paar Monaten angefangen hat, in einem Chor zu singen, sind immer öfter auch verschiedene Chormitglieder dabei, die ebenfalls zu Freunden werden. Nach und nach entwickelt sich eine gewisse Routine: Montags Filmabend bei dem Freund, von dem ich bald erfahre, dass er der Chorleiter ist. Dienstags Tanzen im Club. Mittwochs Kneipenabend in der Chor-Stammkneipe und entweder donnerstags, freitags oder sonnabends nochmal Tanzen, je nach aktuellem Clubprogramm. Es sind übrigens Semesterferien, während des Semesters waren wir unter der Woche meist nur einmal tanzen… 😉 Jedenfalls, da Semesterferien sind, finden keine Chorproben statt, wohl aber die Nachprobenabende in der Kneipe. So lernen mein damaliger Freund und ich nach und nach den halben Chor schon auf freundschaftlicher Basis kennen, ohne jemals einer Probe beigewohnt zu haben. Bei den Abenden ist immer eine Gitarre dabei und irgendwann wird gesungen – Gassenhauer aus “Das Ding“, ein paar der Chorlieder (I Will Sing Hallelujah, Your Shining Eyes, Lift Your Head Up High…) und am Ende des Abends immer Nothing Else Matters in der Akustikversion inkl. jedes einzelnen Gitarrentons.

Am Ende der Semesterferien sind mein Freund und ich weichgeklopft und ab der ersten Chorprobe sind wir dabei. Ich weiß noch genau, dass wir an jenem ersten offiziellen Abend das bereits genannte I Will Sing Hallelujah endlich richtig lernten, außerdem Money Money Money von ABBA und You’re The One That I Want vom Grease-Soundtrack. Und nach der Probe ging es natürlich wieder in die Stammkneipe. Ab da gehörten wir endgültig dazu und für die nächsten 2-3 Jahre bestimmten der Chor und seine Mitglieder einen großen Teil meiner/unserer Freizeitgestaltung und weite Teile des Freundeskreises. Egal, was man geplant hatte – für jede Aktivität fanden sich Leute, die mitmachten. Zu den offiziellen Chorproben, Kneipenabenden, Chorfahrten, Probentagen und Konzerten kamen diverse Spieleabende, Filmabende, Parties aller Art, Grill-Sessions am Strand und im Stadthafen, Ausflüge zu Konzerten nach Stralsund oder Berlin… Dazu kam unser Forum auf der Chor-Webseite sowie ICQ und Co., über die wir miteinander kommunizierten, wenn wir uns nicht sahen.

Aber eigentlich sahen wir irgendjemanden aus dem Chor ohnehin jeden Tag. Mein damaliger Freund und ich wohnten sehr zentral in Rostock und so war unsere Wohnung oftmals der Treff- und Ausgangspunkt – mal geplant, mal spontan – für diverse Aktivitäten. Es gab eine Zeit, in der es täglich um ungefähr die gleiche Zeit klingelte und wir einfach nur noch die Tür öffneten. Eines der Chormitglieder wohnte quasi bei uns, weil wir ein Klavier hatten. Und eine Gitarre. Und eine Ukulele. Es bedurfte keiner Begrüßung oder Bedienung mehr, sie waren bei uns einfach zuhause, wussten wo alles war und gehörten quasi zum Inventar der Wohnung. Ich habe jede Menge tolle Leute über diesen Chor kennengelernt und einige davon gehören auch heute noch zu meinen engsten Freund*innen.

Aufgelöst hat sich das Ganze für mich irgendwann nach und nach, als sich auch der Rest meines Lebens änderte. Mit dem Freund war Schluss, irgendwann war ein neuer da. Ich lebte in einer WG, lernte neue Leute kennen und verbrachte sehr viel Zeit auf Konzerten, Festivals und in anderen Clubs als dem alten Stammclub. Eine Zeit lang ging ich noch regelmäßig zu den Proben, dann irgendwann nur noch unregelmäßig, dann nur noch zu den Kneipenabenden und irgendwann hörte auch das auf. Es hat halt alles seine Zeit. Und so ein Studierendenchor hat eine hohe Fluktuation. Menschen ziehen weg, neue kommen dazu, außerdem gibt es natürlich wie in jeder größeren Clique den einen oder anderen Konflikt aufgrund von geschlossenen und wieder gelösten Beziehungen einzelner… Irgendwann war es einfach nicht mehr das, was es mal war.

Heute aber habe ich mir die alten Noten nochmal vorgeholt. Mir ist nämlich in der letzten Zeit wieder bewusst geworden, wie gut mir dieses gemeinsame Musik machen tut. Und das Singen im Allgemeinen. Gestern und vorgestern war ich lange zu Fuß in der Stadt unterwegs und da ich meine Kopfhörer gerade irgendwie versaubeutelt habe, musste ich mir selbst was vorsingen. Da fallen mir dann oft die alten Chorlieder ein – Bohemian Rhapsody und Don’t Stop Me Now natürlich, aber auch viele andere, die ich nicht wie diese aus dem Stegreif auswendig zusammenbekomme. Deswegen also heute nochmal das Herausholen und Absingen des gesamten Repertoires – der Hase war nicht da und die Katzen sind mittlerweile relativ resistent meinem schiefen Gesang gegenüber. Und wieder einmal merkte ich: Singen ist gesund und wirkt ausgleichend und aufmunternd auf mich. Daher freue ich mich sehr auf die nun folgende Woche, in der ich nicht nur Besuch von meiner Musikstudentinnencousine bekomme, mit der ich bestimmt das eine oder andere Liedchen schmettern werde, sondern auch noch eine lustige Karaoke-Runde angesetzt ist. Denn wie sangen schon die Wise Guys:

Wenn die Luft aus der Lunge Richtung Kehlkopf fließt,
wenn das Stimmbandsystem alles gut verschließt,
wenn die Stimmlippen mitwippen, bis sie richtig schwingen,
bezeichnet man den Vorgang allgemein als ‘Singen’.
Der Kehlkopf ist dabei der Tongenerator,
die Stimmbänder sind gewissermaßen der Vibrator.
Über sechzig Muskeln geben Gas,
doch das Allerbeste: Singen macht Spaß!

Sing!
Sing mal wieder –
Bach-Choräle, Pop oder Kinderlieder!
Sing (Sing mit)!
Band oder Chor,
oder sing dir in der Dusche selbst was vor.
Sing!
Sing wenn du verlierst!
Singen hilft immer. Aber nur wenn du’s probierst.
Sing (Sing mit)!
Auch wenn du gewinnst,
sing auch dann, wenn alle Leute denken, dass du spinnst.

Wer nicht schön singen kann – na, der singt halt laut,
denn die Hauptsache ist, dass man sich was traut.
Nur mit Scheuklappen rumtappen? Was soll das denn bringen?
Mach’ dich einfach locker und fang an zu singen!
Wer singt, bei dem kann man ohne Sorge pennen,
weil böse Menschen eben keine guten Lieder kennen.
Das Singen, das öffnet dir Tor und Tür.
Und manche Leute kriegen sogar Geld dafür…

Sing!
Sing mal wieder –
Rock, Punk, Soul oder Weihnachtslieder!
Sing (Sing mit),
Singen ist gesund!
Sperr die Ohren auf und benutz deinen Mund.
Sing!
Sing wenn du gewinnst!
sing, wenn alle Leute denken, dass du spinnst.
Sing (Sing mit)!
Auch wenn du verlierst,
Sing deinen Frust weg, bevor du explodierst.

Sing im Stadion,
sing im Friseursalon,
sing in der Warteschlange,
sing trotz Zahnarztzange!
Sing im Abendrot,
sing auf’m Segelboot,
sing, wenn du spontan verreist,
sing, außer wenn du Dieter Bohlen heißt!
Sing, wenn du bei ‘ner Taufe bist,
sing, wenn die Taufe schon gelaufen ist,
sing zur Beförderung,
sing auch bei ‘ner Beerdigung!

 

Noosas großes Abenteuer, Frühling in Berlin und ausgiebiges Couchen

Noosa ist ja bekanntlich die allersüßeste Katze auf der ganzen weiten Welt, aber ganz einfach ist sie auf jeden Fall nicht. Alle, die schon einmal hier in der Wohnung waren, wissen das. Denn von denen hat sie kaum jemand so richtig gesehen, geschweige denn angefasst. Während die kleine freche Miez das allerkuscheligste Wesen ist, wenn nur der Hase und ich zuhause sind, so wird sie zu einem Phantom, das schneller verschwindet, als sein Schatten, wenn andere Leute da sind. Ein paar Ausnahmen gibt es inzwischen: Wer häufig hier ist, eine angenehme Stimme, ein ruhiges Wesen und einen entspannten Gang hat, kann Noosa sehen und manchmal sogar streicheln. Es gibt aber auch Leute, die sie noch nie aus der Nähe gesehen haben, obwohl sie regelmäßig hier sind. So ging es sogar uns in den ersten Wochen.

Als Noosa und Nimbin vor fast 6 Jahren bei uns einzogen, lebte Noosa die erste Zeit unter dem Schrank und kam nur raus, wenn wir im Bett lagen. Erst nach mehreren Wochen traute sie sich, von uns gesehen zu werden. Irgendwann fraß sie sogar in unserer Gegenwart. Streicheln ließ sie sich vielleicht nach einem halben Jahr zum ersten Mal und es dauerte mindestens drei Jahre, bis wir sie hochnehmen und ein paar Schritte tragen konnten. Lange macht sie das bis heute nicht mit, sie ist eine sehr selbstbestimmte Miez. Wenn es klingelt, wenn jemand außer uns an der Wohnungstür ist, wenn der Staubsauger läuft oder wenn fremde Menschen da sind, dann hockt sie hinter der Couch und kommt mitunter auch halbe Tage nicht dahinter hervor, bis alles wieder so ist, wie sie es mag.

So kann man vielleicht verstehen, dass wir auf Tierarztbesuche mit ihr bisher weitestgehend verzichtet haben. Sie hat alle Grundimpfungen mitgemacht und wurde nach ihrer ersten Rolligkeit kastriert, aber in den letzten Jahren haben wir ihr den Stress dann nicht mehr angetan. Nimbin übrigens auch nicht, aber der hatte immerhin noch einen heldenhaften Auftritt als Blutspender, bei dem er auch nochmal durchgecheckt wurde. Gesundheitlich ging es den beiden Biestern eigentlich immer ziemlich gut, soweit wir das mitbekommen haben. Und da sie nunmal reine Wohnungs- bzw. Balkonkatzen sind, hörten wir auch irgendwann auf, uns über Impfungen Gedanken zu machen – hinzu kam, dass unser Tierarzt uns nicht besonders sympathisch war…

In letzter Zeit aber merkten wir, dass Noosa vermehrt sabberte und vor ein paar Tagen fand der Hase dann beim Aufräumen einen Katzenzahn. Beide Katzen lassen sich von uns ungern ins Maul gucken, daher war klar, dass beide endlich mal wieder einen Tierarztbesuch gewonnen hatten. Noosa sollte anfangen, da es bei ihr wahrscheinlich schwieriger werden würde und wenn sie erst einmal Nimbin in der Box aus der Wohnung verschwinden sähe, für einige Zeit wahrscheinlich völlig unmöglich geworden wäre, sie einzufangen. Als der Hase sie zur Kastration brachte, dauerte es über eine Stunde, sie in die Kiste zu bekommen und hinterher waren seine Unterarme komplett zerkratzt.

Zum Glück ist sie in den letzten Jahren sehr viel entspannter geworden und lässt sich von mir eigentlich fast immer gerne hochheben und streicheln. Deswegen habe ich es heute mit nur zwei Versuchen und innerhalb von wenigen Minuten geschafft, sie einzufangen und in die Transportbox zu sperren. Vielleicht haben auch ihre Kuscheldecke und ein Katzenminzekissen in der Kiste dabei geholfen.

Der neue Tierarzt ist auch nur 700 m entfernt, aber da der Weg dorthin an einer sehr viel befahrenen und damit lauten Straße entlangführt, habe ich mir doch für beide Wege ein Taxi genommen. Der Taxifahrer auf dem Hinweg war ein großer Tierfreund, machte sofort sein Radio aus und erzählte mir dann von seiner patentierten Katzenklo-Erfindung (mit Sensor, über den die Halter*innen informiert werden, wenn das Klo benutzt wurde und der eine Lüftung anstellt, die solange läuft, bis der Geruch verschwunden ist).

Auf dem Rückweg hingegen nahm mich erst der zweite Fahrer mit – der erste beschwerte sich, dass ich die Katze nicht angekündigt hätte und er jetzt ganz umsonst gekommen wäre. Ich finde es übrigens ganz großartig, in der Zukunft zu leben: Ich sage meinem Handy, dass ich ein Taxi brauche und 1-3 Minuten später, steht es vor mir. Am Ende bezahle ich mit einmal Display-Wischen und wenn ich nicht möchte, muss ich mich nichtmal groß mit dem Fahrer unterhalten (mache ich aber doch fast immer, außer ich bin zu müde).

Beim Tierarzt waren vor uns bereits ein Mann mit zwei Katzen (in zwei Transportboxen übereinander, in einen typischen Prenzlauer-Berg-Buggy gestapelt) und eine Frau mit Hund da. Die Frau erzählte sehr laut und ausschweifend von ihrem Hund und ihrer verstorbenen Katze. Der Mann antwortete sparsam und eher leise. Ich sagte gar nichts und versuchte, für die aufgeregte Noosa (starr vor Angst mit weit aufgerissenen Augen und ab und zu mit kläglichen Lauten, wie ich sie seit Jahren nicht von ihr gehört hatte) Ruhe auszustrahlen. Zum Glück kam die Hundefrau als nächstes dran, danach waren wir Katzenmenschen unter uns und es war still.

Während der Untersuchung war Noosa dann erstaunlich kooperativ, obwohl ihr Herz vor Aufregung ganz schön schnell schlug. Durch unsere Tierarztscheu ist uns leider entgangen, dass sie in den letzten Jahren schon einige Zähne verloren hat (kommt von nicht behandeltem Zahnstein). Das ist aber zum Glück relativ unproblematisch und beeinträchtigt sie nicht sehr. Nur wenn sich im Kiefer verbleibende Wurzeln entzünden sollten, könnte es zu Problemen kommen, deswegen müssen wir ihr jetzt wohl doch ab und zu mal ins Maul gucken.

Außerdem wurde sie entwurmt und geimpft (in 4 Wochen ist Auffrischung) und wird jetzt, wo sie so tapfer war, wieder eine regelmäßige Patientin werden, dann sollte es auch mit dem Zahnstein besser werden. Ich habe ihr dann später am Tag noch spezielle Zahnpflege-Snacks gekauft, von denen bekommen beide Miezen jetzt täglich einen. Und demnächst ist dann Nimbin dran mit dem Arztbesuch. (Das wird ein Spaß, schon unserer kleinen, zarten Noosa wurde heute ein Übergewicht von etwa 500 g attestiert, wie soll das erst bei ihrem großen, kräftigen Bruder werden?)

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Zum Glück wird da draußen ja gerade vehement Frühling. Wie schon gestern waren auch heute zu Hochzeiten 13 Grad draußen und die Sonne schien die ganze Zeit. Es war richtig warm, die Straßencafés voll und selbst im Gras lagen schon Leute und sonnten sich. Wenn das so weiter geht, können die Balkontüren bald wieder den ganzen Tag offen stehen und die Katzen sich im Kreis rein und raus jagen, dann machen sie auch wieder etwas mehr Sport. Ich nutzte die Sonne ebenfalls noch für einen ausgedehnten Spaziergang und schaute mir mal wieder eine neue Gegend an. Wir wohnen ja im Prenzlauer Berg, aber nur wenige Meter weiter ist es schon Weißensee bzw. Pankow. In Weißensee bin ich noch relativ häufig unterwegs, da gibt es schließlich Seen und ein schönes Café mit leckerem Kuchen. In Pankow hingegen bin ich fast nie, deswegen lenkte ich meine Schritte vom Haustiergeschäft aus heute mal in diese Richtung. An der Brotfabrik am Caligariplatz vorbei ging es erst einmal ein Stück nach Norden und als es dort zu ungemütlich wurde, einmal mitten durch bis zum U-Bahnhof Vinetastraße, wo ein lieber Freund früher im Blumenladen gearbeitet hattet, dann durch die gleichnamige Straße zurück und am Ende hinunter zur Wisbyer, wo ich im Bioladen meine Einkäufe erledigte.

Nebenan gibt es ein Geschäft für mediterrane Delikatessen, das da schon ewig ist, aber in dem ich noch nie war (in dem Bioladen hingegen zumindest alle paar Monate mal). Diesmal ging ich spontan rein, um mich “nur mal umzusehen”. Zum Glück hatte ich schon einen schweren Beutel dabei, sonst hätte ich wahrscheinlich viel zu viel eingekauft. Mitnehmen musste ich aber den Leone und den Lamùri, meine beiden sizilianischen Lieblingsweine vom Weingut der Familie meiner lieben Freundin Fabrizia. Diese Weine findet man in Berlin relativ selten im Laden, selbst der italienische Supermarkt, in dem ich regelmäßiger einkaufe, führt sie nicht. Also griff ich schnell jeweils zu einer Flasche und verließ dann den Laden umgehend, aus Angst, noch mehr Geld auszugeben. Ich werde aber demnächst mit dem Hasen wiederkommen und dann auch mal die Frischfischtheke genauer in Augenschein nehmen.

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Als ich wieder zuhause war, wurde es endlich Zeit, auf der Couch zusammenzuklappen und all die Serien zu gucken, die ich diese Woche noch nicht geschafft hatte. Der Rest des Wochenendes ist dem Auskurieren meiner diversen Wehwehchen gewidmet.