Vier Tage Stockholm – Essen, Sightseeing und Bemerknisse #loostockholm

Mittwoch morgens hinfliegen, Samstag abends zurück – eigentlich sind es nur zwei ganze und zwei halbe Tage, die wir in Stockholm verbringen. Und obwohl wir im Laufe der Zeit einige Punkte aus unserer To-Do-Liste werfen, haben wir in dieser kurzen Zeit wahnsinnig viel erlebt, wie ich beim Durchschauen der Fotos resümiere…

Essen

Da ich bei Facebook vor allem die Fotos vom Essen geteilt habe, kam bei einigen meiner Freunde scheinbar der Eindruck auf, dass wir die ganze Zeit nur mit Essen beschäftigt waren. Wer mir auf Twitter oder Instagram folgt, hat zumindest noch ein bisschen was drumherum mitbekommen. Nichtsdestotrotz war das Essen natürlich wie immer ein Schwerpunkt unserer Reise, gerade wo Stockholm für sein gutes Essen bekannt und die neue nordische Küche gerade so im Trend ist. Wir hielten es denn auch die ganze Zeit nordisch, aber schon eher traditionell als neu. Es gab:

  • Einen typisch schwedischen Lunch in der Gaststätte um die Ecke unseres AirBnBs. Traditionell bieten die meisten Restaurants einen Mittagstisch an, bei dem man ein Tagesgericht samt Salat, Brot, Butter und Kaffee zu einem vergleichsweise günstigen Preis bekommt. Der Hase nahm Fischrouladen in einer Schnittlauch-Sahne-Sauce mit Kartoffelbrei, für mich gab es gepökelten Schweinebauch mit Meerettich-Sauce und Salzkartoffeln. Außerdem gab es für mich einen Erdbeer-Cidre, der Hase begnügte sich mit Wasser.

Lunch

  • Eis im im Reiseführer hochgelobten Café Järntorget in Gamla Stan, das aber nicht so gut war, wie sein Ruf (auch wenn die Sorte Safran-Honig tatsächlich etwas für sich hatte).

Eis

  • Für den Hasen noch einen der allgegenwärtigen Hotdogs, nämlich beim Pølsemannen auf dem Medborgarplatz in Södermalm, genau da wo dieser Tage gegen Abschiebungen nach Afghanistan demonstriert wird und am Tag danach ein Jugendlicher einen Polizisten mit einem Messer angriff. Als wir da waren, war alles recht ruhig und wir freuten uns über die Demonstration. Der Hase wählte weiches Tunnbröd mit Chorizo, Kartoffelbrei, Ketchup, Senf und Röstzwiebeln

Hotdog

  • Ein Frühstück mit dunklem Brot, Västerbotten-Käse, Marmelade, Müsli und Joghurt bei unserer Gastgeberin
  • Traditionelle Fika mit Kaffee und diversen Sorten Kuchen und Gebäck (Blaubeertorte, Mandeltorte, Zimtschnecke…) vom Buffet im Freiluftmuseum Skansen

Fika

  • Ein Menü im Pelikan in Södermalm. Der Hase hatte Heringshappen und Käse zur Vorspeise sowie Rentierbraten mit Pilzen, Kartoffelkuchen und Rowanbeerengelee und ich ließ mir einen klassischen Toast Skagen und einen Krabbensalat mit Avocado und Ei sowie das lokale Pale Ale “100 Watt” schmecken

Rentier

  • Ein Menü an Bord des Dampfers S/S Storskaer, mit dem wir am Freitag durch einen Teil des Schärengartens schipperten. Hier teilten wir uns zur Vorspeise Heringshappen und eine Västerbotten-Käse-Pie mit Kaviar, dann gab es für mich kaltgeräucherten Lachs mit warmen Sahne-Dill-Kartoffeln und für den Hasen gebratenen Hering mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren. Ich gönnte mir dann noch einen wundervollen Nachtisch mit einem mit Schokolade umwickelten Brownie, Vanille-Eis, Erdbeer-Coulis und frischen Beeren

Lachs

  • Am Freitagabend gab es für mich Filmjölk mit Blåbärssoppa, wie früher immer bei unseren Schwedenaufenthalten (ich war als Kind immer mal “nur kurz auf der Durchreise” in Schweden und einmal dann auch etwas länger, da hatten wir 38°C im heißesten Sommer der schwedischen Wetteraufzeichnung) und für den Hasen eigentlich nichts mehr.

Filmjölk

  • Dann aber kam unsere Gastgeberin von einer Freundin zurück und brachte uns Surströmming mit, den berühmten fermentierten Fisch, der ganz fürchterlich stinkt, wenn man die Dose öffnet. Den servierte sie uns auf knusprigem Tünnbröd mit gekochten Kartoffeln, Schmand und roten Zwiebeln. Wenn man die Nase beim Essen “zu macht” schmeckt das ganz lecker, sehr umami. Außerdem sollte man die Dosen unter Wasser öffnen und nach dem Essen Geschirr, Besteck und sich selbst sofort sehr gründlich reinigen, sonst hat man noch tagelang Freude an dem Geruch!

Surströmming

  • Sonntag trafen wir Berliner Freunde, die am Vorabend angekommen waren in einem Café derselben Kette, deren Södermalmer Filiale das Stammcafé von Stieg Larsson war. Dort gab es Kardamomschnecken (nicht ganz so allgegenwärtig wie, aber noch leckerer und traditioneller als Zimtschnecken) und belegte Brote, die unabhängig vom sonstigen Belag alle eine Schicht Kalles Kaviar abbekommen hatten.

Frühstück

  • Mittags holte sich der Hase endlich einen Brathering-Burger von Nystekt Strömming an der Tunnelbana-Station Slussen, nachdem wir schon drei Tage lang unverrichteter Dinge um diesen Brathering-Stand herumgeschlichen waren. Für mich hingegen gab es Blaubeer-Sorbet und Birne-Kardamom-Eis bei StikkiNikki am Mariatorget

Brathering

  • Ganz zum Schluss gab es von unserer Gastgeberin noch Möhren mit auf den Weg, die sie gerade in ihrem Schrebergarten geerntet hatte. Dorthin hatte sie uns eigentlich noch für ein Stündchen einladen wollen, das haben wir dann aber zeitlich nicht mehr geschafft.

 

Sightseeing

Eigentlich waren unsere Sightseeing-Pläne noch viel größer, aber dann haben wir teilweise wegen Wetter, teilweise wegen Unlust und müder Füße doch ziemlich zusammengestrichen und waren zum Beispiel außer in Skansen in keinem einzigen Museum und sahen auch sonst keine Kirchen, Schlösser und ähnliches von innen. Übrig geblieben sind:

  • Spaziergänge rund um den Hafen, durch Gamla Stan, durch Södermalm und Norrmalm und durch den Wald und am Ufer bei unserer Unterkunft

Årstavik

  • Ein ausführlicher Besuch des Freiluftmuseums Skansen mit der Besichtigung von diversen Häusern aus unterschiedlichen Regionen und geschichtlichen Epochen Schwedens, dem Begucken von Elchen, Rentieren, Wölfen, Robben, Ottern und einem Vielfraß und der oben bereits beschriebenen Fika

Skansen

  • Die Millenium-Walking-Tour durch Södermalm, entlang an wichtigen Locations aus den Büchern und Filmen samt spannenden Hintergrundinformationen zu Leben und Werk von Stieg Larsson (nicht nur als Schriftsteller, sondern vor allem auch ls politischer Journalist und Aktivist gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Nationalismus) sowie zur Geschichte des Viertels selbst. Dabei wurde unsere Gruppe von einem französischen Fernsehteam begleitet und demnächst wird man uns dann wohl dort im Fernsehen sehen können – der Hase wurde sogar interviewt! Wir bekommen einen Link zugeschickt, wenn es soweit ist.

Millennium

  • Eine dreieinhalbstündige Dampfertour durch den Schärengarten, bei der wir neben dem Essen viel Zeit darauf verwendeten, uns zu überlegen, auf welcher der Schären und in welchem der Häuser wir denn gerne wohnen würden.

Schären

 

Bemerknisse

  • Ja, in Schweden gibt es tatsächlich überdurchschnittlich viele gut aussehende Menschen, da fühlten wir uns gleich wie zuhause.
  • Was Gleichberechtigung der Geschlechter angeht, ist man dort tatsächlich schon ein wenig weiter. Immer wieder begegneten uns zum Beispiel die Plakate für ein Festival, bei dem an zwei von drei Tagen Frauen die Headlinerinnen waren. Auf Festivals in Deutschland muss man ja hingegen ganz schön suchen, um überhaupt Frauen auf der Bühne zu finden.
  • Dass in Schweden vieles so fortschrittlich läuft, hat natürlich auch damit zu tun, wie gut es dem Land seit langer Zeit geht. Der letzte Krieg ist mehr als 100 Jahre her, nach dem zweiten Weltkrieg wurde man mit dem Wiederaufbau Europas und der großen Nachfrage nach den zwei Hauptressourcen, Holz und Eisen, reich und konnte sich so in aller Ruhe den vielgerühmten Sozialstaat aufbauen. Laut unserer Gastgeberin hat sich das in den letzten 20-30 Jahren allerdings wieder relativiert und auch in Schweden gibt es Gentrifizierung und eine sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich.
  • Religion spielt im Alltag so gut wie keine Rolle und ist in jedem Fall Privatsache. Zitat unserer Walking-Tour-Führerin: “Ich bin in meinem Berufsleben bestimmt viermal öfter danach gefragt worden, was ich verdiene, als ob ich religiös bin.”
  • Kaum ist man aus der Innenstadt raus, gibt es in Stockholm jede Menge Natur: Felsen, Bäume, Flechten… Und das Wasser ist ja sowieso überall, da die Stadt auf 14 Inseln liegt und davor dann noch bis zu 24.000 Schären “im Meer verstreut” sind.
  • Stockholm ist voller Kunst. Bauprojekte werden nur genehmigt, wenn ein gewisser Prozentsatz des Budgets für öffentlich zugängliche Kunst ausgegeben wird. Die Folge sind Skulpturen überall. Schizophrenerweise sind gleichzeitig Streetart und Graffiti nicht erlaubt und werden innerhalb von 24 Stunden entfernt, wenn sie gemeldet werden. Für das Melden gibt es sogar eine eigene App.
  • Unsere Gastgeberin war ein totaler Glücksgriff und wir hoffen, sie bald hier in Berlin wieder treffen zu können. Solltet Ihr demnächst ein AirBnB in Stockholm suchen, sagt Bescheid, ich empfehle sie gerne weiter!

Tschüß Stockholm

Tagebuch-5 im Mai 2017 #WMDEDGT

Wie das immer so ist mit den hehren Vorsätzen zum regelmäßigen Bloggen: Es ist mal wieder ein ganzer Monat vergangen. Dabei habe ich einen Post ja schon eine ganze Weile im Hinterkopf und frickele in Gedanken auch immer mal wieder daran herum, aber noch fehlte die Muße des tatsächlichen Aufschreibens. Nun jedenfalls erstmal wieder, und sogar noch um einen Tag verspätet, der 5. des Monats und was ich so gemacht habe. Der Rest findet sich wie immer bei Frau Brüllen.

Die Frühlingsmorgen beginnen dieser Tage eigentlich immer damit, dass unser kleiner Nachbarsjunge, der sein Zimmer praktischerweise genau unter unserem Schlafzimmer zu haben scheint, aufwacht und lautstark nach Mama, Oma oder Papa ruft. Inzwischen baue ich das oft einfach schon in meine Träume ein und werde gar nicht mehr richtig wach. Irgendwann kommt dann aber der Wecker des Hasen dazu und ich kann nicht mehr dagegen ankämpfen, dass die Nacht vorbei ist. Immerhin kann ich aber noch eine ganze Weile liegen bleiben. Der Hase steht auf und ich werfe erste verstohlene Blicke auf das Handy. Es ist kurz nach 7. Ich checke Mitteilungen, scrolle mich durch Timelines, lese Nachrichten und döse dabei immer mal wieder weg, bis dann um 7:30 auch mein Wecker klingelt.  Ein paar Minuten unter der Bettdecke gebe ich mir noch, während ich überschlage, was heute alles auf dem Programm steht und was ich dafür brauche. Der Hase kommt noch einmal kurz rein, um sich ins Büro zu verabschieden und dann öffne ich die Headspace-App und meditiere. Momentan habe ich das Focus-Package am Start, was auch dringend nötig ist. Immerhin schaffe ich es, mir die zehn Minuten täglich auch wirklich zu nehmen.

Kurz nach 8 stehe ich dann auf, gehe ins Bad, lasse mir von den Katzen bei den morgendlichen Verrichtungen zusehen und ziehe mich dann an. Zwischendurch bekommen die Miezen noch ein wenig extra Trockenfutter, weil sie momentan mit dem Nassfutter nur so semizufrieden sind und außerdem leichten Durchfall haben, der sich aber zum Glück schon deutlich gebessert hat. Dann dürfen sie noch einmal kurz auf den Balkon, während ich meine Sachen fürs Büro zusammenpacke, lüfte und das Bett mache. Dann werden die Katzen wieder reingeholt und noch einmal ausgiebig bekuschelt, bevor ich kurz nach halb 8 die Wohnungstür hinter mir zuziehe.

Ich laufe durchs kühle, leicht regnerische aber frühlingsgrüne Berlin voller blühender Blumen zur Tram. Dort erkämpfe ich mir relativ schnell einen Sitzplatz und kann dann in aller Ruhe im Ulysses weiterlesen. Am Alex wechsle ich in die U-Bahn, finde wieder direkt einen Sitzplatz (der Vorteil, wenn man nicht genau zu um 9 ins Büro fährt, sondern 1-2 Bahnen später dran ist) und lese weiter. Im Büro angekommen schnappe ich mir direkt am Empfang ein paar Haribo-Frösche als Wegzehrung bis zu meinem Platz in der fast hintersten Ecke des verwinkelten Gebäudes. Dort angekommen gibt es einen kurzen Plausch mit den Kollegen. Ich koche mir eine Kanne Earl Grey und bereite mir aus Haferflocken, Milch, Banane und Zimt in der Mikrowelle ein Porridge zu. Das esse ich dann am Platz, während ich E-Mails beantworte und ein paar über Nacht eingetroffene Aufgaben abarbeite.

Gegen 11 wechsle ich “nur mal kurz” hoch ins Betriebsratsbüro und bereite die Übergabe von einigen Tätigkeiten vor, die ich nächste Woche aufgrund meines Bildungsurlaubs re:publica-Besuchs nicht selbst wahrnehmen kann. Dazu bastele ich ein paar Vorlagen, überlege mir, wie ich meine Vertretung (die noch kaum Vorkenntnisse hat) am besten in die Thematik einarbeite und räume mein Archiv auf. Dabei fallen mir direkt noch ein paar Details auf, die uns in einem aktuellen Vorgang weiterhelfen können und stelle nochmal einige Fragen in der Personalabteilung. Aus “nur mal kurz” wird dann so doch schnell mal wieder eine Stunde, aber die war immerhin sehr produktiv. Zurück an meinem eigentlichen Arbeitsplatz (ich nenne es seit neuestem liebevoll meinen “day job“, gerade weil der andere in den letzten Wochen deutlich an Volumen zugenommen hat, widme ich wieder dem Tagesgeschäft.

Um 13:15 gehe ich mit der besten Kolleginnenfreundin in die Pause. Wir holen uns einen Burrito bei Chupenga und erzählen uns die neuesten Entwicklungen aus unserem Freundeskreis. Es tut gut, zwischendurch mal über was ganz anderes reden zu können als immer nur über die Arbeit. Ich kann jedem und jeder nur empfehlen, sich Freunde an den Arbeitsplatz zu holen…

14:00 bin ich dann mit den anderen wieder im Betriebsratsbüro verabredet. Wir müssen lachen, weil drei von vier Leuten sich ihr Mittagessen (oder in meinem Fall die Reste davon) dazu mitgebracht haben. Über Arbeitspausen und unsere Vorbildwirkung bei der Einhaltung derer müssen wir wohl nochmal ein ernstes Wörtchen reden. Immerhin hat jemand Muffins und Brownies mitgebracht, so dass wir gut durch den Nachmittag kommen. Wir haben einiges zu besprechen und planen, dann halten wir offiziell die heutige Sitzung des Personalausschusses ab. Danach führe ich meine Vertretung in die Geheimnisse der Protokollführung bei Personalausschuss- und Betriebsratssitzungen ein. Drei Tage re:publica bedeuten auch, dass drei Protokolle ohne mich erstellt werden müssen. Am Ende ist es schon 16:45, als ich wieder an meinem Arbeitsplatz bin und nochmal eine Dreiviertelstunde an meinen täglichen Aufgaben sitze.

Zwischendurch schreibt der Hase und fragt, ob wir uns gleich kurz noch treffen können, mein Arbeitsplatz liegt genau auf seinem Weg von seinem neuen Büro zum Ort der heutigen Betriebsfeier und er möchte mir noch schnell Käse und Brot übergeben, die er heute morgen gekauft hat und nicht mit zur Party nehmen will. Um 17:45 verlasse ich das Büro und hole noch schnell Geld am Automaten und neues Duftöl zur Bekämpfung des Katzenklo-Dufts zuhause. Dann treffen wir uns am Alex kurz beim Umsteigen, erzählen uns von unserem Tag und packen Dinge von seinem Rucksack in meinen. Auf dem Heimweg in der Tram lese ich ein wenig im Internet herum.

Kurz vor 19:00 bin ich dann zuhause. Als erstes wollen die Katzen ihr Abendbrot haben, dann mache ich es mir mit Laptop und Katzen auf der Couch bequem. Eigentlich wollte ich jetzt mit einer guten Freundin telefonieren, von der ich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört hatte, aber irgendwie bin ich schon completely talked out heute. Hunger habe ich nach Burrito und Teilchen auch keinen mehr. Also lasse ich mich einfach von meinen Serien berieseln und schaue die in den letzten Wochen verpassten Folgen von The Americans, Modern Family, Speechless, The Big Bang Theory und Scandal (Madam Secretary und Jane the Virgin hatte ich gestern schon “abgearbeitet”). Dann wechsle ich von der Couch in die Badewanne und die Serie zu Crazy Ex-Girlfriend. Als ich schrumplig bin (und das Wasser zu kalt), steige ich aus, putze mir die Zähne, mache das Katzenklo sauber und gehe ins Bett. Ich versuche es noch einmal kurz mit Lesen, muss aber schnell aufgaben und schlafe kurz nach Mitternacht tief und fest.

Keine Fotos heute.

Idee: Weltbürgertum – Das Refugee-Theaterprojekt Letter to the World

Dies ist nun einer der seltenen Momente, in denen dieser*s Blog einen eindeutigen Spannungsbogen hat (Insider-Witz für Frau Brüllen). Aufmerksame Leser werden sich erinnern, dass ich hier schon einmal über das Theaterstück geschrieben habe, das von Deutschen und Geflüchteten gemeinsam entwickelt wurde. Gestern hatten wir nun endlich die Gelegenheit, Letter to the World zu sehen, nachdem die Premiere vorgestern restlos ausverkauft war. (Ausverkauft heißt in diesem Fall, dass alle Plätze reserviert waren – der Eintritt war kostenlos, eine Spendenbox wurde aber aufgestellt.)

Die beiden bisherigen Vorstellungen fanden im Mensch Meier statt, einem Club an der Storkower Straße, in unmittelbarer Nähe zu der Flüchtlingsunterkunft, in der der Hase ab und zu aushilft. Der Club ist eine beliebte Anlaufstelle vor allem der jüngeren Geflüchteten und hat sich ihnen von Anfang an aktiv geöffnet. Unser Freund M., über den ich im oben verlinkten Post bereits geschrieben habe, verbringt ganz Berlin-typisch seine Wochenenden größtenteils (und schlaflos) dort. Sowohl er selbst  als auch der Chef des Mensch Meier gehören zu den Protagonisten von Letter to the World.

 

In diesem Stück arbeiten junge Syrier und Iraker ihre Erfahrungen mit den Bürgerkriegen in ihren Ländern, mit der Flucht und dem Ankommen hier in Deutschland auf. Es richtet sich hauptsächlich an ein deutsches Publikum, aber unter den Zuschauern waren auch viele Bewohner der Unterkünfte in der Nähe. Auf der Bühne wird Deutsch, Englisch und Arabisch gesprochen und gesungen. Für Arabisch und Deutsch gibt es jeweils eine Simultan-Übersetzung mit Einblendungen, das Englische wird vorausgesetzt, ist aber nicht so kompliziert, dass es der durchschnittlich gebildete Deutsche nicht verstehen würde.

Bevor es losging, wurden einige Ansagen gemacht: Zum Einen wurde darum gebeten, während der Vorstellung weder Fotos noch Videos zu machen und auch die Handys komplett auszustellen. Da ich nichts zu Schreiben zur Hand hatte, muss ich mich also beim Aufschreiben meiner Eindrücke auf mein Gedächtnis verlassen. Die andere wichtige Ankündigung war der Hinweis auf die drei Notausgänge, die genutzt werden konnten, wenn einem das Ganze zu sehr zu Herzen ginge. Ein paar der (geflüchteten?) Zuschauer haben im Laufe des Stücks diese Möglichkeit genutzt, aber ich denke, dass Durchschnittsdeutsche ohne direkte Erfahrungen mit Krieg, Terror oder dem gewaltsamen Tod von nahestehenden Personen das Stück gut aushalten können. Die eine oder andere Träne wird sicherlich trotzdem verdrückt, aber es gibt auch immer wieder Momente zum Freuen und ein sehr optimistisches, lebensbejahendes Ende.

Das Szenenbild ist sehr spartanisch gehalten – eine weiße Wand, ein paar offene schwarze Kisten und eine Rolle leeres Papier schaffen den Hintergrund und werden mit Kreide und Farbe in die Handlung und Aussagen mit einbezogen. Die Kisten werden Szene für Szene neu angeordnet und mal als Sitzgelegenheit, mal als Mauer, Ruine, Boot, Rednerpult oder Sarg verwendet – und stehen sicherlich auch als Symbol für den stetigen Neuanfang und das sich immer wieder neu Sortieren oder gar neu Erfinden müssen.

 

Neben den eigenen (oder zusammen geschriebenen) Erfahrungen der Protagonisten werden auch Texte von Ghayath Almadhoun, Hannah Arendt, Rose Ausländer, Ingeborg Bachmann, Dietrich Bonhoeffer, Hilde Domin, Erich Kästner, Klaus Mann, Selma Meerbaum-Eisinger, William Shakespeare und Kurt Tucholsky in die Handlung eingewoben. Dass das so nahtlos geht, macht deutlich, dass Krieg, Terror, Flucht und Vertreibung universelle Erfahrungen sind, die jedem Menschen “passieren” können und dass wir hier in Deutschland im Moment einfach nur verdammtes Glück haben, dass wir diesmal nicht betroffen sind.

Warum es nun gerade Syrien (und den Irak) trifft, ist eine unbeantwortete Frage, die immer wieder aufgeworfen wird: Warum ausgerechnet unser Land, warum ausgerechnet wir? Warum müssen wir auf einmal Flüchtlinge sein? Warum lebt ein 14-jähriger allein in der Fremde, ohne seine Familie? Es ist ungerecht, wahllos, zufällig. Dass dieses Geschehen eine Zäsur ist, dass das alte Leben endet und ein neues beginnt, wird immer wieder betont. Der Körper ist auf der Flucht, während Herz, Gedanken und Seele in der Heimat bleiben. Eine Heimat, in die man so schnell wie möglich zurückkehren will, weil man sie nun einmal liebt und sie Teil von einem Selbst ist.

Die Unsinnigkeit der ganzen Situation wird zum Beispiel deutlich, als die Geschichte eines Anwalts erzählt wird, vor dessen Haus Männer in “afghanischer Kleidung” und langen Bärten auftauchen, die ihn für einen Beamten gleichen Namens halten. Er zeigt ihnen Papiere, die beweisen, dass er nicht Beamter, sondern Anwalt ist. Allerdings können die Männer nicht lesen. Sie durchsuchen das ganze Haus nach Beweisen und nehmen ihn schließlich mit, während Frau und Kinder zurück bleiben. Eine Odyssee beginnt, weil diejenigen mit den Waffen in der Hand nicht lesen können.

Das Stück beleuchtet diverse Aspekte der Flüchtlingserfahrung und lässt die Zuschauer ganz nah teilhaben, etwa dabei, wie es ist, nachts im Dunkeln in einem Schlauchboot auf dem Meer zu sein und zu glauben, dass der eigene Tod nahe ist. Die Erleichterung, als die türkische Küstenwache auftaucht, wird hautnah miterlebt. Doch diese Rettung ist nur eine kurze Erleichterung, eine Etappe auf der “Todesreise”.

Was man über die Flüchtlinge liest, oder sich vorstellt, wird mit der Realität abgeglichen. Gleichzeitig wird aber auch deutlich gemacht, dass man ihr Schicksal eben nicht nachempfinden kann: Auch die Protagonisten selbst haben einmal wie wir ungläubig die Schicksale anderer Geflüchteter verfolgt, in dem Glauben, ihnen selbst könne das nie passieren. Niemand weiß, wie das ist, bis man es nicht selbst erlebt hat.

Eigentlich traurig, denke ich, dass das Stück immer mal wieder den Zeigefinger heben und Missverständnisse aufklären muss. Wie so oft ist es Sache der Opfer, zusätzlich zum Ertragen ihrer misslichen Situation auch noch Aufklärungsarbeit leisten zu müssen und uns, die wir frei von ihren Sorgen sind, diese Aufgabe abzunehmen. Aber gerade weil das Stück genau diese Aufklärung schafft, und zwar ohne dabei allzu belehrend und anklagend zu werden, waren wir uns hinterher einig, dass noch viel mehr Leute die Gelegenheit bekommen sollten, es zu sehen. Wenn es nach mir ginge, sollte es Pflichtveranstaltung an Schulen werden und durch Aufführungen auf diversen Bühnen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Einige weitere Vorstellungen sind wohl auch bereits in Planung.

Am Ende von Letter to the World hat man jeden der Protagonisten etwas besser kennengelernt, versteht die Vielzahl der Schicksale und eben auch, wie ähnlich wir uns eigentlich sind. Ganz zum Schluss erlebt das Publikum dann, wie aus der tiefsten Verzweiflung und Trauer Hoffnung und gar Euphorie werden kann, wenn wir uns alle als Menschen begreifen, die zusammen in einem Boot sitzen. Die letzten Tränen sind Freudentränen.

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Tagebuch-5 im März – Syrisches Festmahl-Edition

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie jeden Monat: WMDEDGT? Das gibt mir Gelegenheit zu einem sanften Wiedereinstieg in die zuletzt so sträflich vernachlässigte Bloggerei. Zumal ich heute sogar noch etwas Spannendes erlebt habe. Aber first things first…

Gegen 9 wachen der Hase und ich auf, aber das Bett ist wahnsinnig gemütlich, der Hunger noch nicht so groß und das Internet spannend, so dass wir tatsächlich erst gegen 11 den Weg in die Vertikale finden (abgesehen von einer kurzen Episode Katzenfütterei natürlich). Dann gibt es ein relativ unspektakuläres Frühstück mit Cappuccino, Brot, Käse, Marmelade und Obst, gefolgt von einer fleißigen Runde Haushaltszeugs. Der Hase saugt, bringt Müll weg und kauft Katzenfutter und Katzenstreu. Ich wasche jede Menge Geschirr (was so diese stressige Woche über anfiel, so schön, dass wir ab Montag wieder eine Spülmaschine haben…), wische Bad und Küche und räume ein wenig auf.

Dann schnappen wir uns ein paar aussortierte Klamotten, DVDs und CDs und machen uns auf den Weg in das Flüchtlingsheim, in dem der Hase in den letzten Monaten oft ausgeholfen hat. Er wird von allen Seiten freudig begrüßt, während es mein erster Besuch dort ist. Wir unterhalten uns mit verschiedenen Leuten im Aufenthaltsraum. Ein älterer Mann aus Syrien entschuldigt sich bei mir, weil er mir aufgrund seiner Religion nicht die Hand gibt und nicht möchte, dass ich das in den falschen Hals bekomme. Ein junger Bekannter von ihm zeigt uns Fotos aus seiner Heimatstadt Aleppo (sein Haus ist zwar bisher nicht zerstört, aber Aleppo existiert für ihn nicht mehr wirklich – alles ist kaputt und sieht aus wie Deutschland nach dem Krieg, sagt er) und berichtet von der drei Monate dauernden Flucht über die so genannte Balkanroute. Ein Pakistani bittet uns um Mithilfe bei der Suche nach einem Deutschkurs – er hat ein Arbeitsangebot, soll aber erst seine Sprachkenntnisse verbessern. Der ältere Mann bleibt übrigens der Einzige, der mir nicht die Hand gibt. 

Wir beobachten eine Horde Kinder beim wilden Spielen und Schokolade erbetteln in der Küche und warten auf unseren Freund M. aus Damaskus. Mit ihm und seiner Familie sind wir heute zum Essen verabredet. M. hat Glück. Er hat eine Aufenthaltsgenehmigung, besucht einen Integrationskurs und ist vor ein paar Wochen mit seinem Vater und seinem Bruder in eine eigene Wohnung gezogen. Seine Mutter und Schwester sind noch in Damaskus und bisher ist nicht klar, ob und wann sie nachkommen können.

M. hat letzte Nacht nicht geschlafen – er war in einem Club tanzen, wo sie Techno spielen und Geflüchtete verbilligt hineinkommen. Eine typische Freitagnacht in Berlin eigentlich, für einen Anfang-20-jährigen. Heute morgen ist er von dort direkt zur Probe eines Theaterstücks, an dem Deutsche und Refugees zusammen arbeiten und das zu Ostern Premiere haben wird, gegangen. Danach trifft er uns und gemeinsam fahren wir nun nach Neukölln, wo die – im Moment noch nur – dreiköpfige Familie in einer 2-Zimmer-Wohnung wohnt. M.s Vater G. hat uns zum Essen eingeladen, zum Dank für die Hilfe, die der Hase zusammen mit anderen beim Beziehen und Einrichten der Wohnung geleistet hat. Ich erkenne in der Wohnung einiges wieder – ein alter Couchtisch, ein Fernseher, ein DVBT-Receiver, ein Wäscheständer, Biergläser, eine Auflaufform… Lauter Zeug, das sinnlos bei uns rumstand und verstaubte. Hier hat es nun einen guten Platz gefunden. Auch sonst ist die Wohnung liebevoll eingerichtet – Blumen stehen in einer Vase, eine schöne Tischdecke liegt auf dem Esstisch, ein Heiligenbild hängt an der Wand – die Familie ist christlich und wenn man nach ihren Facebook-Profilen  geht auch sehr religiös.

Während G. die letzten Handgriffe in der Küche tut, M. unter der Dusche verschwindet und der Hase zusammen mit T. versucht, die auf eBay ersteigerte PlayStation zum Laufen zu kriegen, schaue ich mich noch weiter in der Wohnung um, mache Fotos von interessanten Zetteln an der Wand und stelle mir vor, wie es ist, in einem Land gestrandet zu sein, dessen Sprache man nicht spricht.

Dann gibt es Essen und was G. auftafelt ist wirklich fantastisch. Ich glaube, gerade weil wir alle Gerichte auch aus hiesigen Restaurants und Imbissen kennen, fällt uns auf, wie großartig sie selbst- und nach authentischen Rezepten gemacht schmecken. Es gibt Tabouleh, Hummus, Pide, Kibbeh und Weinblätter, die mit Reis und Hackfleisch gefüllt sind und warm serviert werden. G. hat auch einige vegetarische Weinblätter gemacht – für mich und ihn, die wir beide nicht so oft Fleisch essen. Er selbst verzichtet im Moment wegen der Fastenzeit völlig. Auch der von uns mitgebrachte Wein bleibt für heute unangerührt.


  

G. ist ein wundervoller Gastgeber, der ständig in die Küche eilt und Nachschub holt und uns auffordert, immer mehr und noch mehr zu essen, während seine Söhne lachend mit den Augen rollen. Aber sie stopfen sich genau wie wir den Wanst voll und geben mit den Kochkünsten ihres Vaters an – “Das Beste vom Besten für die Besten.”. Ich finde interessant, dass die nicht nur den Hummus auf das Brot streichen, sondern auch alle Komponenten in Brot einrollen oder das Brot wie beim Äthiopier als Besteck benutzen. Zwischendurch wird auch eine Gabel benutzt, es scheint da keine genauen Regeln zu geben oder zumindest bleiben sie mir verborgen. 

Obwohl ich sehr neugierig bin, stelle ich keine Fragen, denn wir haben leider nur sehr wenig Zeit – die Jungs und der Hase sind zum Wrestling gucken im Huxley’s verabredet. Als wir uns anziehen, fällt M. mein Hoodie auf, auf dem “Revolution” und “The Beatles” steht. Ich bekomme ein Kompliment dafür, aber auch die Frage, was das ist. Die Beatles kennt er nicht. G. hingegen freut sich über die zwei mitgebrachten Beatles-CDs, die wir zuhause doppelt hatten und fühlt sich an seine Jugend erinnert. Wir laden alle drei für demnächst zu einem Essen bei uns ein und machen uns auf den Weg.

Am Hermannplatz ist ordentlich Trubel und M. beschwert sich über die “vielen Araber” hier. Vor dem Huxley’s treffen wir den Rest der Wrestling-Meute und unterhalten uns noch, bis der Einlass beginnt. Dann nehme ich die U-Bahn zum Alex und von dort die Tram nach Hause. In der Tram treffe ich zufällig auf eine Freundin, mit der ich über M., T. und G., einen Sushi-Geheimtipp bei uns im Kiez und ihren Sunday-Dinner-Club plaudere.

Zuhause angekommen füttere ich die Katzen und beziehe, da meine Abendverabredung wegen Migräne abgesagt hat, Stellung auf der Couch. Die aktuellen Folgen von Girls, Call The Midwife, New Girl und Modern Family wollen geguckt werden. Die gesättigten Katzen nehmen dabei auf und neben mir Platz und laden ihre Gekuschelt-werden-Akkus auf, die in der letzten Woche gefährlich leer geworden sind. Ich tippe diesen Blog-Eintrag mit einer Mieze auf meinem Unterarm, die zwischendurch auch selber tippt und auch schon mal den Bildschirm um 90° dreht. Zeit, den Blogpost abzuschließen, den Brot-Teig für morgen anzusetzen und noch einen Film bei Netflix auszusuchen…

 

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#12von12 im Januar 2016

Nachdem es hier die letzten Tage über sehr schläfrig zuging (sowohl im Blog als auch im wahren Leben), nutze ich Caros Aufruf, zwölf Bilder von meinem 12. zu machen, um wieder ein bisschen Schwung in die Bude zu kriegen (also in den Blog, im Real Life wechsle ich gleich von der Couch in die Wanne und dann ins Bett – Winterschlafzeit, nehme ich an).

Nimbin wartet, dass ich endlich meine Meditation beende und ihm sein Frühstück gebe
Zum Frühstück mische ich mir Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Lein- und Chiasamen, Sesam, Ahornsirupflocken und frisch gemahlene(n) Vanille und Zimt. Im Büro kommen später noch Milch und Banane hinzu.
Regen auf Hagebutten vor Schneematsch auf dem Weg zur Tram
Im Büro ist der Fahrstuhl kaputt und ich muss die Treppe in den 5. Stock nehmen
Der Kollege wird Zwillingspapa und schmeißt deswegen ne Runde Donuts
Beim Mittagsdate mit dem Hasen treffen wir zufällig den Sauerteig-Meister @leitmedium und fachsimpeln ein wenig. Hier ist er schon wieder weg.
Für mich gibt es gedünstetes Gemüse mit Mangosauce und Reis
Feierabend, es ist dunkel und regnerisch – ich nehme die U-Bahn
Ich steige am Alex von der U-Bahn in die Tram und winke dem Fernsehturm zu
Zuhause angekommen hänge ich erstmal die Wäsche auf, bzw. baue eine Burg für Noosa.
Zum Abendbrot gibt es Reste: Einen Schluck Rote-Bete-Suppe mit gerösteten Semmelbröseln und Pizza von gestern mit Rucola

Französische Hochzeit: Check

So kurz vor Weihnachten mal eben durch das ganze Land gurken, um dann im Nachbarland an einer Hochzeit teilzunehmen und gleich am nächsten Tag wieder zurückhechten, weil ich keine Urlaubstage mehr übrig habe? Das kam mir sehr sportlich vor, als ich die Einladung zur Hochzeit einer meiner besten Freundinnen erhielt. Aber natürlich schlage ich so eine Einladung auch nicht einfach aus! Jetzt im Nachhinein kann ich sagen: Es hat sich gelohnt, sehr sogar. Nicht nur kann ich jetzt das Beiwohnen einer französischen Hochzeitszeremonie von meiner Bucket List streichen (eine italienische habe ich bereits 2010, am Tag des Spiels um Platz 3, erlebt), ich habe auch sehr viel Glück gesehen, nach sechs Jahren nun endlich auch einmal die Familie meiner Freundin kennengelernt, meiner Reiselust gefröhnt, witzige Zugbekanntschaften gemacht, ein neues Kleid gekauft und ausgeführt, zum ersten Mal ein Land im Notstand erlebt (ohne eine einzige Ausweiskontrolle oder sonstige Anzeichen zu sehen), ein unverhofft sonniges Wochenende erlebt, heute seit langem mal wieder ausgeschlafen – und das in einem Hotelbett! – und natürlich: sehr gut gegessen und ein paar Inspirationen für zukünftige Kochereien eingesammelt.

Heute konnte ich dann noch in Ruhe etwas Zeit mit den Jungvermählten verbringen, bekam eine köstliche Tarte und Matcha vorgesetzt, sah eineinsiebtel Filme mit ihnen und fasste den Entschluss, dass mein Französisch mal wieder aufpoliert werden muss – ständig wollte ich etwas sagen, aber mein Gehirn konnte nur italienische Sätze bauen. Wie ist nochmal der Trick, ähnliche Sprachen gleichzeitig zu lernen? Bei Schwedisch und Niederländisch habe ich das Problem auch. Nur Englisch gelingt mir unfallfrei, dafür schwappt es mir aber zunehmend in mein Deutsch hinein – I blame the Internet!

Ein paar mehr Eindrücke des Wochenendes könnt ihr bei Twitter und Instagram unter dem Hashtag #alienne finden.

Félicitations, mes chères!!

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Wie Maid Marian, sagt der Hase…

Riesige Rote Bete: Suppe und Kuchen

Am Freitagabend hatte ich nach einer anstrengenden Arbeitswoche ein wenig Zeit und Muße und stellte mich der Aufgabe, unsere Rote Bete-Vorräte zu dezimieren. Von unserem letzten Besuch bei der Hasenfamilie hatten wir vier riesige Beten (?) mitgebracht. Die erste landete in einer Ladung Ofengemüse, die zweite wollte ich mir nun vorknöpfen. Fürs Wochenende hatte sich Besuch angesagt, daher wollte ich auf jeden Fall diesen Rote Bete-Kuchen backen, da gehören immerhin 250 g hinein. Ich suchte mir also die kleinste der Monster-Beten heraus:

Schnell stellte sich heraus, dass sie deutlich mehr als 250 g wog, ich beschloss also, aus dem Rest eine Suppe zu kochen. Nach dem Schälen wog das Monster immernoch 700 g.

Ich wog also ein 250 g-Stück ab und garte es laut Rezept vor, den Rest schnitt ich für die Suppe klein.

Rote Bete-Suppe mit Ingwer, Wasabi und Koriander 

Ca. 4 Portionen, ca. 30 Minuten

  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • Olivenöl
  • Ca. 450 g Rote Bete 😉
  • 3 mittelgroße Kartoffeln
  • Salz und Pfeffer
  • Wasabi-Paste (profaner weißer Meerrettich geht auch, macht aber optisch weniger her)
  • Koriandergrün

Rote Bete und Kartoffeln schälen und würfeln. Knoblauch und Ingwer schälen, zerkleinern und in einem Topf in Olivenöl anschwitzen. Kartoffel- und Bete-Würfel hinzugeben und anbraten. Mit warmem Wasser ablöschen (so dass das Gemüse knapp bedeckt ist) und zum Kochen bringen. Ordentlich salzen und pfeffern und köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist. Vom Feuer nehmen und fein pürieren, dann nochmal aufkochen lassen. Je zwei Kellen Suppe in einen tiefen Teller geben, mit Wasabipaste abschmecken und mit frischem Koriandergrün dekorieren.

Während das Gemüse garkocht, kann man super den Rest gegarte Rote Bete reiben, den Kuchenteig anrühren und den Kuchen in den Ofen  schieben. Ich musste die Backzeit deutlich verlängern, aber nach 55 Minuten war er dann fertig.