Jahresrückblick 2017

Traditionen sind Traditionen und auch wenn dieses Blog in den letzten Monaten so gut wie verwaist ist, so gehört doch ein Jahresrückblick her. Einen Vorsatz zum häufigeren Bloggen im nächsten Jahr spare ich mir aber – das wirkt dann so albern, wenn es doch schon wieder nicht klappt. Und weil ich keine Lust auf das Jahresendstöckchen habe, gehe ich einfach monatsweise vor und konzentriere mich ab dem Februar nur noch auf die positiven Erlebnisse…

Januar

Dieses Jahr brachte schon in den ersten zwei Wochen das größtmögliche emotionale Auf und Ab des Jahres mit sich (Herz schlägt! Herz schlägt nicht mehr…), verbunden mit körperlichen Beschwerden aus der Hölle. Losgelassen hat mich das ganze auch ein knappes Jahr später noch nicht, was wohl auch mit ein Grund dafür ist, warum es im Blog so still war. Ich bin allen sehr dankbar, die in dieser Scheißzeit für mich da waren.

In Woche 3 wurde dann Trump vereidigt, was sich nahtlos in mein seelisches Tief einfügte. Laut dem Hasen war ich wochenlang geladen. Schönes gabs aber dann auch noch: Anti-Trump-Proteste, Vogelhochzeitssüßigkeiten und die Geburt des zweiten Kindes der besten Freundin.

Februar

Im Februar ging es zum ersten Mal in diesem Jahr nach Rostock, wo ein lieber Freund mein neues zweites Wohnzimmer eröffnete, das Törtchenlokal Waldenberger. Am Abend tanzte ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder, bis das Licht anging und am nächsten Morgen lernte ich endlich die Tochter eines alten Freundes kennen und machte mit ihr den Warnemünder Strand unsicher.

Außerdem heiratete im Februar mein Bruder nach über 18 Jahren Beziehung meine Schwägerin. Wir schenkten eine Torte und die Nutzung unserer Wohnung als Partylocation.

März

Ich nenne den März 2017 meine “irischen Wochen”. Direkt am Anfang ging es für mich dienstlich nach Dublin. Dann war ich mit einer lieben Freundin beim Konzert von Jimmy Kelly, verbrachte den St. Patrick’s Day feuchtfröhlich mit dem Hasen im Pub und schließlich erschien die neue Kelly-Family-CD, die aus nostalgischen Gründen natürlich den Rest des Monats rauf und runter lief – so sehr, dass sie in meinen Spotify-Jahrescharts ganz oben landete, auch wenn ich sie in der zweiten Jahreshälfte deutlich seltener gehört habe.

April

Der April war politisch geprägt und ich wurde offiziell in ein Ehrenamt gewählt, das spätestens seitdem einen beachtlichen Teil meiner Zeit und Energie bündelt. Abgesehen davon feierten wir die Wohnungseinweihung zweier lieber Freundinnen, die nun endlich auch in Berlin wohnen, besuchten das Hasenpatenkind in Leipzig und aßen Waffeln im Garten. Am Ende des Monats verbrachten wir ein langes Wochenende auf einem Naturcampingplatz in der Mecklenburgischen Seenplatte. Dort begann ich passend zu den vorgenannten irischen Wochen it der Lektüre von Ulysses – die natürlich auch jetzt noch nicht beendet ist.

Mai

Im Mai fing der Hase seinen neuen Job an, mit dem er noch immer sehr sehr glücklich ist. Ich hatte viel Spaß auf der re:publica und die Erdbeerhäuschen kehrten endlich nach Berlin zurück. Außerdem kam meine geliebte Rostocker Indie Night für einen Abend nach Berlin und ich tanzte zum zweiten Mal in diesem Jahr bis zum Schluss. Und dann fuhren wir selbst nach Rostock, wo es unglaublich heiß war, so dass ich direkt anbaden konnte. Natürlich trafen wir auch viele liebe Freunde und sahen drei Bands live, unter anderem Zen Bison.

Juni

Der Juni brachte ich mich in eine noch ältere Heimat, zum 15-Jahre-Abi-Klassentreffen in Bautzen. Anlässlich meines Geburtstags gab es dann später ein Picknick bei uns im Hof –mit internationalen Gästen, vielen Kindern und sogar einem Hundekampf. Und Live-Musik war auch wieder dabei: Wir tanzten mit den Skatalites im Yaam.

Juli

Gleich zu Beginn des Monats feierten wir den 30. Geburtstag meiner Cousine mit einer großen Gartenparty und ich tankte ganz viel Familienfeeling mit meinen Cousins und Cousinen. Auch das nächste Wochenende wurde sehr flauschig – in einer auf Twitter organisierten Hilfsaktion bearbeiteten wir einen Schrebergarten in Pankow-Rosenthal, lernten dort unter anderem die wundervolle Mademoiselle Read On kennen und bekamen am Ende auch noch zwei Himbeerpflanzen für den Balkon geschenkt. Überhaupt war das ein Sommer voller Obst, der Hase hat literweise Saft, Apfelmus, Marmelade und Kompott hergestellt – komplett mit mundgeraubten Früchten aus den Innenhöfen der Umgebung (die sonst nicht geerntet werden). Achja, ein tolles weiteres Rostock-Wochenende mit der lieben Susanne war ebenfalls noch drin in diesem wunderschönen Sommermonat!

August

Im August fand unser alljähliches Cousins- und Cousinentreffen statt. Wir backten Pizza, schauten Filme, jagten uns um die Tischtennisplatte, schwitzten in der Sauna, tranken jede Menge Mate und quatschten bis tief in die Nacht. Später im Monat verbrachte ich beruflich eine Woche in Timmendorfer Strand und konnte dort nach Feierabend trotz kühlerer Temperaturen ein weiteres Mal in der Ostsee baden (und zum ersten Mal seit langem wieder Minigolf spielen). Zum Monatswechsel ging es dann für 4 Tage mit dem Hasen nach Stockholm.

September

Zurück aus Stockholm ging es mit dem Team direkt wieder aufs Wasser, und zwar bei einer Floßtour auf der Havel. Kurz danach ging es schon wieder nach Rostock, zu einem Kabarett-Abend mit Fiete und Schiete, viel Zeit mit Freunden und natürlich Strand und Törtchen. Als ich heimkam, überraschte mich der Hase mit Unmengen selbst gebackenen schwedischen Zimt- und Kardamomschnecken, die in den Folgetagen noch häufig Neid unter meinen Kolleg*innen hervorriefen. Dann ging es im September noch auf einen weiteren Business-Trip, diesmal nach Brüssel.

Oktober

Das Highlight des Oktobers war unser zweiwöchiger Roadtrip durch Sardinien, bei dem ich so viel gegessen habe, dass ich mir kurz vor Schluss noch den Magen verdarb und ein paar Tage so gut wie gar nichts mehr herunterbekommen habe. Ansonsten gab es viel Meer, Berge, Bäume und Getier zu sehen und vor allem jede Menge Erholung und Abschalten.

November

Anfang November war mein Bruder in Berlin und wir lösten gemeinsam sein Geburtstagsgeschenk ein: Ein Doppelkonzert von Dritte Wahl im Astra. Mitte des Monats besuchte ich eine liebe Freundin in Basel und verbrachte genau einen Tag mit Sightseeing, den Rest der Zeit mit Filme- und Serienschauen und jeder Menge Gesprächen. Am Wochenende drauf ging es wieder einmal nach Rostock, zu 20 Jahre Indie Night mit Live-Auftritten von Mortenson und Das Paradies – die nächste durchtanzte Nacht.

Dezember

Der Dezember war wie jedes Jahr geprägt von einerseits stressiger Arbeit und andererseits stressiger Vorweihnachtszeit – nur unterbrochen vom Geburtstag des Hasen, den wir mit einer spontanen Party doch ziemlich gut gefeiert haben. Dann sahen wir uns Das Paradies noch einmal gemeinsam in Berlin an und feierten den Hasengeburtstag noch ein zweites Mal, nämlich mit seiner Familie. Darauf folgten meine letzte Dienstreise des Jahres, die mich nach Nürnberg führte, die Firmenweihnachtsfeier, die Bescherung mit Bruder und Schwägerin und das Weihnachtsfest mit der Hasenfamilie. Das Jahr endete mit einem spontanen weiteren Rostock-Besuch am zweiten Weihnachtsfeiertag (mit einer weiteren durchtanzten Indie Night und einem Wiedersehen mit Cousins und Onkel) sowie zwei faulen Sofa-Tagen mit dem Hasen, bevor wir uns heute auf den Weg machten, um in einer Ferienwohnung in Vorpommern ganz still und leise zu zweit das Jahr zu verabschieden.

Wenn ich so zurückschaue, hat sich 2017 nach dem miesen Start deutlich gesteigert, jetzt bin ich gespannt, was 2018 bringt!

Silvester

Wie, Weihnachten?

Irgendwas ist dieses Jahr anders. Heute ist der dritte Advent und ich habe dieses Jahr noch kein einziges Mal meine Weihnachtsplaylist angemacht. Ich habe keine Lust auf Weihnachtsschmuck, keine Lust aufs Plätzchenbacken (essen schon, versteht sich, habe ich aber bisher auch so gut wie nicht), keine Lust auf Weihnachtsmarkt (außer mal kurz gebrannte Mandeln holen oder Käsespätzle essen in der Mittagspause) und keine Lust auf meine obligatorischen Filme für die Vorweihnachtszeit (Love Actually, The Holiday und The Family Stone). Mit Mühe und Not habe ich dem Hasen kurz vor knapp noch einen Adventskalender besorgt und ihm ein Ergebnis des letztwochenendlichen Schokoladenworkshops am Nikolausmorgen überreicht. Geschenke werde ich auch noch rechtzeitig besorgt haben und ich freue mich auf die Zeit mit der Familie. Aber alles drumherum muss dieses Jahr irgendwie nicht sein oder könnte noch ein paar Monate warten. Dieses Jahr bin ich wohl der Grinch, fürchte ich.

Nikolauskatze

Tagebuch-5 im Dezember – Plätzchen-Edition

Es ist mal wieder der 5. und wie üblich fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Ich wache das erste Mal gegen halb 8 auf, weil der Hase aufstehen muss. Er fährt über das Wochenende zu seinen Eltern. Dort muss der Garten umgegraben werden und die Haseneltern sind wegen Hand bzw. Rücken derzeit nicht selbst dazu in der Lage. Außerdem ist dann wohl auch noch Preisskat vom Angelverein, was man eben so hat, wenn man als Dorfkind aufgewachsen ist. Zum Glück bin ich ja ein Waldkind und habe keine größeren Verpflichtungen dieser Art, so dass ich mich einfach umdrehen und weiterschlafen kann. Für mich steht ein gemütliches Sturmfreie-Bude-Wochenende an.

Gegen 10 wache ich auf wird das Nachbarskind so laut, dass ich es nicht mehr ignorieren kann. Ich lese mich durch meine morgendliche Timeline und stehe erst auf, als die Blase drückt. Dann hole ich den Faulenzer-Tee aus meinem Adventskalender (“Wie passend!” denke ich.) und koche mir eine Tasse davon.

  
Derweil bekommen die Katzen ihr Frühstück verabreicht. Ich setze mich aufs Sofa und verbringe 10 Minuten mit Meditation. Nein, wirklich. Ich hab mir da schon vor einiger Zeit eine App heruntergeladen und werde das jetzt wirklich mal durchziehen – zumindest die 10 Minuten pro Tag, 10 Tage lang, um zu schauen, ob das was für mich ist. Die erste Session war schon mal sehr gut. Der Tee ist inzwischen ausreichend abgekühlt, so dass ich ihn gemütlich trinken kann, während ich mir To-Do-Listen und Einkaufszettel aus den Rippen sauge. Nikolaus, Geburtstage, Redaktionsbrunch, eine Hochzeit, Weihnachten, Silvester… Da kommt einiges zusammen und dieses Wochenende ist eine der wenigen Gelegenheiten, etwas vorzubereiten.

Währenddessen hat die Katze auf meinem Schoß Platz genommen, weswegen ich natürlich nicht sofort mit meinen To-Dos loslegen kann -Ihr kennt das. Ich nehme mir also meine neueste nicht-digitale Lieblingsbeschäftigung hervor und zeichne das Taj Mahal. Diese Punkte-verbinden-Bilder habe ich schon als Kind total gerne gemacht, mit Zahlen bis 400 und mehr und evtl. zusätzlichen Buchstaben-Linien macht das dann auch in meinem Alter noch Spaß. Ich muss mich etwas bremsen, sonst habe ich das Buch bald durch. Mittendrin klingelt es an der Tür und der Paketbote bringt eine neue Jeans für den Hasen. Ein guter Anlass, jetzt doch mal den Arsch hochzukriegen, sich anzuziehen und zu frühstücken.

Es gibt zwei Kartoffelpuffer und Apfelmus, beides selbstgemacht und Reste, und hinterher noch eine Apfelsine. Dazu trinke ich den Holunder-Minze-Tee aus dem 4. Türchen, lese in meinem Feedreader und höre die wunderbaren Talking To Turtles, die übrigens nächsten Freitag im Lido spielen. Als ich schließlich zum Einkaufen aufbreche ist es nach halb 2. Keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist. 😉

Anderthalb Stunden später sind die Einkäufe eingeräumt. Ich habe Back-, Koch- und Smoothie-Zutaten für eine ganze Kompanie gekauft, außerdem Füllung für den Nikolausstiefel des Hasen und Geschenkpapier für die drei Geburtstage nächste Woche. Jetzt bin ich platt und gönne mir erstmal eine Verschnaufpause mit Tee und Schmusekatzen auf dem Sofa. Dazu höre ich das Album von Evil Pink Machine, dem Projekt meines Freundes Igor und seiner Liebsten. Scheinbar ist heute Tag der Pärchenbands… Die Mieze hat sich auf meinem Schoß eingerollt und schläft, der Kater liegt neben mir auf dem Rücken, streckt alle Viere in die Luft und lässt sich laut schnurrend den Bauch kraulen. Wieder aufstehen geht also erstmal nicht. Zum Glück habe ich keinen Termindruck.

Bernd hält die Kräuter frisch, die ich für das Redaktionsbrunch am Dienstag brauche – besonders glücklich sieht er dabei aber nicht aus.
Nach einer Stunde gleite ich vorsichtig unter den kuschelnden Katzen hervor und schleiche mich in die Küche. Die Vorbereitung aufs Plätzchenbacken umfasst drei Schritte: Butter aus dem Kühlschrank holen, Tee kochen (Grüner Tee aus Indien) und Abwaschen. Dann kann die wilde Backerei auch schon losgehen. Ich habe mir für dieses Wochenende zwei Rezepte von Italy On My Mind vorgenommen, nämlich die Taralli al Limone und die Biscotti. Taralli liebe ich ja in jeder Geschmacksrichtung und Zitronen machen mich seit meinen Besuchen an der Amalfi-Küste und auf Sizilien auch zuverlässig glücklich. Es war also klar, dass ich diese beiden Dinge in Kombination definitiv probieren musste:

 

Taralli al Limone

 

Zitroniger Teig, zitroniger Guss, was will man mehr? Sie sind wirklich unglaublich köstlich geworden. Für die Biscotti ging es danach auch zitrussig weiter – je zwei Orangen, Zitronen und Limetten mussten geschält werden, was ganz schön lange gedauert hat. Dazu kamen dann noch Mandeln (für dieses eher rustikale Rezept ausnahmsweise mal ungeknipst), Pistazien, Vanille und ein kräftiger Schluck Strega. (Im Rezept stand Sambuca, aber den hatte ich nicht da und Strega benutzt man eh nur alle Jubeljahre mal zum Backen, da freute ich mich über die Gelegenheit, ihn mal wieder zu verwenden – passte auch sehr gut, denn neben tausend anderen Sachen ist da ja auch Fenchel mit drin, der die Anisnote des Sambuca zumindest nachempfindet.)

 

Nackte Zitrusfrüchte

 

Die Klamotten der Zitrusfrüchte, plus Mandeln und Pistazien

 

Fertige Biscotti – zu Deutsch so viel wie “zweimal gebacken” – macht aber bisschen mehr her, als ein profaner Zwieback, oder?

 

Weil vom Biscotti-Backen noch zwei Eiklar übrig waren und ich vom Taralli-Verzieren noch einen Rest Puderzucker hatte, verbrauchte ich schnell noch sämtliche Reste mit ein paar leckeren Kokos-Vanille-Makronen. Die brachten mich dann gedanklich noch fix nach Jamaika, was ja im dunklen Dezember auch nicht zu verachten ist.

 

Bei all der Bäckerei samt Kosten bekam ich irgendwie gar keinen richtigen Hunger, so dass ich mir nur schnell zwischendurch noch einen kleinen Rest Nudeln mit Tomatensauce warm machte. Morgen wird dann wieder etwas aufwendiger gekocht, denke ich. Als alles fertig gebacken, die Küche wieder in Ordnung gebracht und dieser Blogpost geschrieben ist, ist es schon 22 Uhr. Ich werde mir jetzt noch ein paar Folgen Friends reinziehen, dabei ein paar weitere Punkte verbinden, und dann nicht allzu spät ins Bett verschwinden. Backen macht müde und morgen muss noch jede Menge gebastelt und verpackt werden!

Stollen und Stollenkuchen

Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen überhaupt ist das Mandelnknipsen. Jedes Jahr Ende November, wenn es draußen ungemütlich und kalt wurde, saßen wir zusammen um einen großen Tisch – einmal bei uns in der Küche, einmal bei Oma in der Wohnstube – und befreiten Mandeln von ihren braunen Häutchen, damit sie dann gemahlen werden und in den Stollen wandern konnten. 24 Stollen hat meine Oma jedes Jahr gebacken, für die ganze große Familie, liebe Freunde und Kollegen – und zwar dies- und jenseits der Mauer. Der Dank von “Drüben” kam dann prompt in Gestalt von Westpaketen mit Kaffee, Schokolade und allerlei mehr, die an Heiligabend geöffnet wurden.

Heute werden weit weniger Stollen gebacken und die Töchter meiner Oma müssen es inzwischen selbst erledigen. Zu diesem Zweck schickte ich meiner Mutter dieser Tage übrigens ein paar abgezählte bittere Mandeln in einem wattierten Briefumschlag nach Kanada, denn so etwas Giftiges bekommt man dort nicht zu kaufen. Auch hierzulande wird es inzwischen schwierig. Vor einem Monat hatten wir weder in der Delikatessenabteilung noch im Bioladen hier in Berlin Glück. Jetzt aber gibt es sie laut meiner Tante sowohl im Reformhaus, als auch in Apotheken und wohl auch Supermärkten, zumindest in den traditionellen Stollengegenden.

Bittere Mandeln für den besonderen Kick

 

Süße und bittere Mandeln gehören wie gesagt geschält in den Stollen. In der DDR konnte man Mandeln nur mit Schale kaufen, also verbrachten wir lange Nachmittage damit, kiloweise Mandeln aufzukochen und aus der dann locker sitzenden Schale zu schnipsen, idealerweise in die Hand oder Schüssel, all zu oft auch auf den Boden, wo sich dann sofort Dackel Poldi darüber hermachte. Auch wir Menschen naschten die eine oder andere Mandel und erzählten dabei Geschichten, während eine um die andere Ladung Mandeln gebracht wurde. (Wenn die bitteren dran waren, gab es eine Warnung, ich habe trotzdem ab und zu mal eine gekostet, der Wissenschaft halber. Geschadet hat es mir wohl nicht, obwohl mein Bruder beim Lesen schon aus Prinzip widersprechen wird.)

Meditatives Mandelnknipsen – leider habe ich kein Foto der Unmengen Rosinen, die zeitgleich in kubanischem braunem Rum eingelegt wurden

 

Als wir letztes Wochenende in das Haus am Wald fuhren, freute ich mich sehr, dass wir zufällig genau zum Stollenbacken da sein würden, denn nichts ist schöner, beruhigender und meditativer, als sich an kalten Tagen bei schummrigen Licht im Familienkreis heiße Mandeln in den Händen wie Kiesel hin und her gleiten zu lassen und ab und zu eine in den Mund zu stecken. Schon allein deswegen werden wir wohl nie geschälte oder gar gemahlene Mandeln für den Stollen kaufen. Meine Tante, die sonst gerne über von mir fotografiertes und gepostetes Essen spottet, war diesmal sehr darauf erpicht, dass ich auch wirklich jeden Schritt der Stollenzubereitung fotografiere und ich tat ihr den Gefallen, an mein Blog denkend, natürlich gerne.

Orangen- und Zitronenzesten in braunem Zucker – früher gab es keine ungespritzten Südfrüchte, da wurde das fertig in Tüten gekauft

 

Orangeat und Zitronat im Urzustand – die kandierten Schalen von Orangen und Cedratfrüchten
Der Hefeteig wird angesetzt

 

Gemahlene Mandeln und jede Menge Butter

 

Milch, Zitronensaft und Teig werden in der mollig warmen Wohnstube auf die gleiche Temperatur gebracht
Der Teig wird vermischt, zunächst für Stollenkuchen

 

Teig aufs Blech, Zucker und Butter drüber, fertig

 

Stollenkuchen werden in der Adventszeit gegessen, der eigentliche Stollen muss vier Wochen ziehen, bevor er zu Weihnachten angeschnitten wird.
Köstlicher warmer Stollenkuchen als Nachmittagssnack, dazu gehört ein Glas Schwarzer Tee
Aus dem restlichen Teig wird später der Stollen geformt
Vor dem Backen einmal einschneiden, damit er weiß, wo er im Ofen hinwachsen soll

 

Nach dem Backen mit Butter bestreichen – vor dem eigentlichen Essen vier Wochen später kommt dann nochmal eine Schicht flüssige Butter drauf, damit der viele Puderzucker auch gut hält 😉

 

Bei nur wenigen Stollen kann man das Ganze natürlich zuhause machen, bei größeren Mengen gehen die Leute damals wie heute am Montag nach Totensonntag zum Bäcker (denn montags haben echte Bäcker ja traditionell zu, das vergisst man nur in der Stadt immer) und lassen die Stollen in der Backstube backen. Ich erinnere mich noch, wie wir früher am Wochenende vor dem ersten Advent eimerweise Zutaten herstellten und zusammenstellten und dann mit den vielen Eimern zum Bäcker fuhren. Die Stollen wurden vor Ort geformt und bekamen Schildchen aus Metall, so dass sie später wieder den einzelnen Familien zugeordnet werden konnten. Am Nachmittag konnten wir die fertigen Stollen abholen, die dann in einem kühlen Raum bis Weihnachten gelagert oder eben in Paketen verpackt und verschickt wurden.

Leider kann ich Euch mit dem tatsächlichen Rezept nicht dienen, denn obwohl meine Tante auf all den Fotos bestand, war sie, genau wie meine Cousine, der Meinung, dass dieses Rezept ein Familiengeheimnis sei und bleiben müsse…

Wochenende im Wald

Gerade sind wir wieder zuhause in Berlin angekommen, so dass ich schnell noch ein paar Highlights dieses Wochenendes verbloggen kann, bevor die unbarmherzige Iron Blogger-Uhr Mitternacht schlägt. Wieder 5 € gespart… 😉 Wir verbrachten dieses wunderschöne Wochenende mal wieder im Haus am Wald, sozusagen dem Familiensitz, unten in der Oberlausitz, im eigentlichen Failed State Sachsen. Dort trafen wir natürlich jede Menge Familie, vertieften uns in die jahreszeittypischen Traditionen (Kaminfeuer, Waldspaziergang, Stollenbacken, Friedhofsbesuch, Adventskranz winden und Laub rechen…), aßen regionale Köstlichkeiten (Pellkartoffeln mit buntem Quark, Stollenkuchen und Pflaumenknödel) und superleckeren Apfelstrudel, den die Teeniecousine gebacken hatte, streichelten diverse Katzen und genossen die Ruhe abseits des Berliner Großstadtlärms. Speziell über das Stollen- und Stollenkuchen backen wird demnächst noch einmal ausführlicher zu reden sein, jetzt ist nur Zeit für ein paar Eindrücke drum herum…

Der Kamin im Haus vertreibt jede Winterdepression  – an beiden Abenden saßen wir hier gemütlich beisammen und erzählten alte und neue Familiengeschichten.

 

Die Teeniecousine und ihre Freundin hatten das Feuer auch beim Adventskranzwinden an (im Vordergrund übrigens noch ein Rest Vanillesauce vom köstlichen Apfelstrudel.

 

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Diese zwei riesigen Steinpilze wurden am Freitag gefunden.

 

Gestern Abend gab es Pellkartoffeln mit buntem Quark, in den unter anderem Eier, saure Gurken, Äpfel, Tomaten, Zwiebeln und Paprika hingehören.

 

Das Brüderchen bei der Steinpilzzubereitung

 

Und weil sich dieser Blogpost um Wochenende, Familie und Bilder dreht, reihe ich mich direkt noch in Susannes Liste der Wochenenden in Bildern ein 😉

Wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wär…

…dann würde ich heute wahrscheinlich sowieso arbeiten und nicht krank auf der Couch liegen. Aber nehmen wir einmal an, ich wäre nicht krank und hätte trotzdem frei. Dann würde ich heute wahrscheinlich nochmal eine ordentliche Portion Plätzchen backen oder panisch rumlaufen und kleine Mitbringsel für die kommenden weihnachtlichen Besuche besorgen.

Denn morgen früh geht der Trubel los – Familie und Freunde, wohin man blickt. Zum Glück nicht allzu viele Autobahnkilometer, dafür aber bestimmt Unmengen an Essen, Geschichten, Weihnachtsfilmen und für mich neuen Traditionen. Zum ersten Mal werde ich zu Weihnachten eine Kirche betreten und neben der Befürchtung, dass es kalt oder zu langatmig werden könnte und der inneren Ermahnung, bloß die Atheistin nicht zu sehr raushängen zu lassen, finde ich das ganze auch sehr spannend. So vom ethnologischen Standpunkt aus betrachtet.

Ansonsten sind alle Geschenke bereits gepackt und die zwei Weihnachtskarten (Premiere auch das) und das Paket fürs Brüderchen und seine Freundin sind verschickt – man hat ja Zeit, wenn man krank ist und sich die letzten harten Tage im Büro spart. Ist auch ein schönes As im Ärmel, wenn mir der Trubel jetzt zuviel wird. Dann leg ich mich nämlich einfach mit einem guten Buch für ne Weile hin und fröhne meiner eigenen Weihnachtstradition: Lesen, lesen und lesen. Hab ich lesen schon erwähnt?

Spätestens, wenn meine Ma nachher gleich noch ihren selbstgebackenen Stollen vorbeibringt, ist wirklich Weihnachten. Und mit den vielen freien Tagen, ist es dann fast wie in den Weihnachtsferien früher: Keine Verpflichtungen, gutes Essen, nette Menschen und einfach ganz viel Zeit. Ein Traum!

Adventskalender 24.12.

Huch, is ja schnell vorbei gegangen: Christmas is in da house. Da ich noch so viele Schmankerl übrig habe, gibt es heute gleich die dreifache Ladung, ist immerhin der letzte Adventskalendertag. 🙂 A very merry Christmas! (Und Happy Birthday, Melli!!)

Billy Mack – Christmas Is All Around

The Pogues and Kirsty McColl – Fairytale Of New York

Jon Stewart and Stephen Colbert – Can I Interest You in Hannukah

The Colbert Report Mon – Thurs 11:30pm / 10:30c
A Colbert Christmas: Jon Stewart
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