28.05.2026 – Immergut Tag 1

Die Nacht unter Schlafsgesichtspunkten nach den ersten drei Stunden wieder vernachlässigbar. Noosa zeigt ihre Liebe durch Anstupsen und das Anstupsen beinhaltet Krallen und die Krallen tun weh und davon werde ich wach. Hier nochmal ein bisschen dösen, da nochmal kurz wegnicken, aber irgendwann ist die Nacht dann endgültig vorbei und der morgendliche Reboot beginnt so früh, dass ich mit allem (außer dem Liebstentelefonat) fertig bin, als um 8 der Wecker klingelt. Dann telefonieren wir und danach gibt es Frühstück auf dem Balkon.

Es folgt eine Phase relativ hektischer Betriebsamkeit mit Sachen packen, Pflanzen gießen, Katzenklo sauber machen, Müll wegbringen, Noosa bespielen… Kurz noch 10 ein Abschiedstelefonat bis Sonntag, bevor ich wieder dahin reise, wo es wenig Empfang gibt und Akku gespart werden muss. Dann laufe ich schwer bepackt (Rucksack, Proviantbeutel, Shoulder Bag, Zelt, Schlafsack, Isomatte) zur S-Bahn und fahre mit umsteigen nach Oranienburg (die Bausituation verdoppelt die Reisezeit nach Neustrelitz fast). In der Bahn mit mir eine amerikanische Touristenfamilie auf dem Weg zu einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ich beobachte und höre zu und schließe aus optischen und akustischen Hinweisen darauf, wer da wie familiär zusammenhängt und wo geboren ist und denke mir im Kopf bereits einen halben Familienroman aus.

Dann sind wir aber schon da und ich treffe auf zwei Personen der Festivalbezugsgruppe, im RegionalExpress sind zwei weitere. Der Zug kam verspätet an und fährt verspätet los, die Reisezeit inzwischen fast die dreifache der normalen (wenn die denn planmäßig ginge). Im Zug wird so bereits eine Flasche Prosecco geleert, außerdem eine Flasche Weißwein, zur Schorle verdünnt. In Neustrelitz steigen wir in den Pendelzug um, plaudern mit der Zugbegleiterin und plötzlich haben wir alle einen Schnaps in der Hand. Zum Glück in der Flasche, den hebe ich mir für später auf.

Dann Ankommen, Bändchen holen, Rest der Bezugsgruppe finden, Zelt aufbauen, sitzen. Es gibt Geburtstagskarottenkuchen und die erste Flasche Crémant wird aufgesäbelt. Ich esse schnell noch Brot, Wurst und Ei hinterher und traue mir dann noch den Schnaps zu. Dann reicht es aber für heute bereits mit Alkohol (für mich) und weil der Liebste ja gesagt hat, ich solle mich auf dem Festival schön ausschlafen, lege ich mich erstmal für einen Power Nap hin und ratze 20 Minuten weg, das klappt erstaunlich gut.

Danach wieder sitzen, erzählen, Musik hören. Zwischendurch kommen die Platzwächterinnen vorbei und wir müssen zwei Zelte, darunter meines, noch einmal versetzen. Gut, dass der Nap schon hinter mir liegt! Ich trinke Wasser gegen die Histamine und lausche Gesprächen und Musik, bis es mir zu laut und anstrengend wird und ich mich aufs noch ruhige Festivalgelände zurück ziehe. Hier gibt es ein Maracuja-Eis (Vitamin C!) und zirpende Grillen. Ab 18:20 dann Musik und Menschen.

Erst spielen Snuggle aus Kopenhagen zu zweit verträumten Gitarrenpop mit schönem Gesang am Birkenhain, dann eröffnet Ellis-D aus Brighton die große Bühne – richtige rotzige Rockband mit fünf Leuten auf der Bühne! Hinterher hole ich mir eine Dosa mit Kartoffelcurry, Koriander und Chutneys, unbedingt zu empfehlende Bereicherung des Immergut-Speiseplans, bevor ich weiter zu Gelée laufe, einem poppigen Duo aus Rostock, dessen Sängerin eine Wahnsinnsstimme hat und die Menschen zum Tanzen bringt. Dann die erste große Neuentdeckung des Abends: Heidi Curtis aus Nordengland auf der Waldbühne.

Sie sagt, sie hat noch nie ein Open Air mitten im Wald gespielt und findet, wir sehen alle toll aus. Außerdem erscheint um Mitternacht ihre erste EP und wenn wir noch nichts vorhaben, sollen wir die dann doch hören. Und sie rockt richtig los und auch sie hat eine Wahnsinnsstimme, Typ folkige Rockröhre. Das passt dann auch gut zum ersten Coversong des Festivals: Because the Night in der Patti-Smith-Version. Spätestens da hat sie das Publikum, ich war schon ein paar Songs früher überzeugt und bin versucht, dem Liebsten eine Empfehlung zu schicken – kein Netz.

Als Nächstes spielen Waving the Guns aus Rostock stabil antifaschistischen Hip Hop, holen dazu auch die zwei Gelée-Menschen mit auf die Bühne, wodurch auch dieser Auftritt Frauenanteil hat, und zeigen auch so, dass es in MV jede Menge gute Leute gibt, die es wichtig ist, zu unterstützen, z. B. in dem das Immergut, das in diesem Jahr zum letzten Mal in der angestammten Art stattfindet, in irgendeiner Form erhalten bleibt und den Menschen Kraft geben kann, für das was kommt.

Inzwischen ist es sehr kalt geworden, zum Glück steht das Publikum sehr eng und tanzt, so dass ich noch bis zum Headliner des Abends, Die Höchste Eisenbahn, aushalte – die einzige der heutigen Bands, die ich vorher wirklich kenne (peinlich, dass WTG unter meinem Radar gelaufen ist) und die einzige ohne weibliche Menschen auf der Bühne – sind halt schon etwas älter, die Herren. Macht trotzdem sehr viel Spaß und spätestens bei den großen Hits wird nochmal ausgiebig getanzt, bevor ich mich dann sehr schnell ins Zelt verziehe, gegen halb 1 die Augen zu mache und dann erstaunlich gut schlafe, während draußen noch Karaoke und Disco laufen.

27.05.2026 – Off Day, Bienenstich, Projekt

Noosa ist sehr erfreut, dass ich wieder da bin, und lässt mich das die ganze Nacht über immer wieder wissen. Entsprechend gerädert bin ich am Morgen, aber ich habe ja zum Glück frei. Ausführlicher morgendlicher Reboot, dann Frühstück auf dem Balkon mit Restekuchen und Espresso Tonic. Es hochsommert immer noch, aber bei Temperaturen, die eher zum Mai passen.

Gegen Mittag bin ich bereit für einen kleinen Ausflug in die Stadt. An der Straßenbahnhaltestelle krabbelt mich etwas im Nacken und als ich es wegwedeln will, sticht mich die Biene in den linken Ringfinger. Hmpf. Leicht panisch entferne ich den Stachel schnell mit dem Finger, aber es scheint nochmal gut gegangen zu sein, der Finger schwillt nur in erträglichem Maße an und mit Kühlung durch eine kalte Dose Oolong-Pfirsich-Tee aus dem Asiamarkt geht es bald wieder. Trotzdem ein unnötiger Schreck und Schmerz und Bienentod.

Im Asiamarkt hole ich außerdem Dashi, im Sportladen eine neue Trinkflasche und ein neues Bikini-Oberteil. Eine Trinkflasche ging letzte Woche auf dem Heimweg von der re:publica Verschütt, die andere liegt beim Liebsten und morgen brauche ich eine. Das Bikini-Oberteil passt jetzt in der dritten Größe wirklich. So langsam ist ja jetzt auch Saison, vielleicht bekomme ich inzwischen online auch nochmal Alternativen zum Wechseln. Auf jeden Fall für nächsten Dienstag wieder Wasserstrampeln gebucht (für das Planschen im See zu Pfingsten reichte noch das ausgeleierte).

Auf dem Rückweg Proviantkäufe fürs Festivalwochenende. Wieder zuhause setze ich mich an mein Projekt und komme den Nachmittag über sehr gut voran. Dann Tratsch mit der Mitbewohnerin und letzte Kartoffeln, Quark und Leinöl, dazu Balkonkräuter.

Es folgt eine frühe Badewanne und dann ein weiterer italienischer Film, diesmal Il Treno dei Bambini, der in der Nachkriegszeit spielt und zeigt, wie die Kommunist*innen im Norden arme Kinder aus dem Süden zu sich einluden, um sie aufzupäppeln und welche emotionalen Nachwirkungen das für alle Beteiligten hatte. Schön zu sehen auch die verschiedenen Dialekte und Kulturen, damals noch viel ausgeprägter als heute.

Letztes Liebstentelefonat für heute, frühes Schlafengehen. Die ersten drei Stunden klappen ohne Unterbrechung…

26.05.2026 – Und zurück

Frühes Aufwachen in der Hütte, der Liebste ist schon wieder im Abreisemontag, lässt sich aber noch eine ganze Weile mit Kaffee im Bett halten. Dann aber bewegen wir uns alle drei nacheinander durchs Bad und wer nicht im Bad ist, packt und räumt. Beim Ausräumen des Kühlschranks wird ein Rühreibeschluss gefasst und Kuchen ist auch noch da – es gibt also noch zusätzliche Frühstücksgäste.

Danach geht das Rückbauen der Hütten in den Originalzustand weiter, es ist ganz erstaunlich, wie sehr wir uns in nur vier Tagen breitgemacht haben. Irgendwann ist alles fertig, wir checken aus und treffen uns mit dem Rest der Bande erst auf dem Campingplatz und kurz darauf am See, der heute ohne Feiertag schön leer ist.

Der Liebste und das Teilzeitkind gehen nochmal bis zu den Knien rein, dann verabschieden wir uns endgültig und steigen ins Auto. Da wir diesmal direkt zu mir fahren, ist die Route komplett anders als auf der Hinfahrt. Es geht eine lange Zeit über Land hinüber nach Mecklenburg und dann nähern wir uns Berlin von Norden über die Autobahn. Gegen 16 Uhr hilft mir der Liebste mein Gepäck hoch tragen und verabschiedet sich dann für die Weiterfahrt nach Südberlin.

Noosa bleibt unterm Bett, bis ich fast mit dem Auspacken fertig bin (die Mitbewohnerin ist auch gerade am Räumen und raschelt mit großen Mülltüten, das ist alles unheimlich) und die Waschmaschine läuft, kommt dann aber raus und dann wird erstmal gekuschelt und gespielt, als gäbs kein Morgen. Wir halten fest: 4 Tage weg ist machbar, wenn die Mitbewohnerin zuhause ist.

Ich erledige meinen morgendlichen Reboot am frühen Abend und bestelle mir dann hitzeentsprechend vietnamesisches Essen. Dazu gibt es der Wissenschaft halber nochmal Regionalfernsehen aus Westdeutschland, zum Vergleich.

Irgendwann will Noosa dann die große Kuschelspielwiese und wir wandern vom Balkon aufs Bett. Da kann sie sich richtig an mir austoben und ich nebenbei den Film Mio Papà sehen (auf Italienisch, aber mit englischen Untertiteln, weil der Dialekt ziemlich stark ist und ich alles mitbekommen will), der ganz gut ist, mich aber mit einem offenen Ende ziemlich irritiert zurück lässt.

Dann noch ein letztes Telefonat mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind und dann ist für alle auch schon Schlafenszeit.

25.05.2026 – Teilzeitkindgeburtstag

Da ich ja so früh ins Bett gegangen bin, startet der Teilzeitkindgeburtstag um Mitternacht zwar mit einem Stille-Post-Happy-Birthday am Lagerfeuer, aber leider ohne mich. Zum Glück haben wir vorher noch den offiziellen Geburtstagsspruch festgelegt: „Hör auf mich zu reizen, ich bin jetzt dreizehn!“ Passend können wir!

Der Tag beginnt trotz allem früh. Der Liebste kocht Kaffee, ich gratuliere dem Kindelein und dann liegen wir noch einen Moment wie früher zu dritt im Bett und gucken uns Fotos aus des Teilzeitkinds Wirken der frühen Jahre an. Dann fahren die Beiden in die Stadt zum Telefonempfang und telefonieren mit der Teilzeitkindmama, während die Liebstenschwester und ich den Geburtstagstisch vorbereiten.

Als die Beiden zurück sind, holen wir das Nifftenkind dazu, zünden die Kerzen auf dem Kuchen an und dann darf das Teilzeitkind Geschenke auspacken. Es folgt ein großes Frühstück mit Pancakes, Rührei und insgesamt vier Kuchen – Quarktorte ohne Boden von mir, Zitronenkuchen mit Schokoladenchips vom Liebsten, Brownies mit Nutella, Erdbeeren und Puderzucker von den Kindern und einer Frischkäsetorte mit Erdbeeren von einer der anderen Familien.

Natürlich lassen die anderen 12 Kinder und ihre Eltern nicht lange auf sich warten und es gibt mehr Gratulationen und Geschenke im Tausch gegen Kuchen.

Danach verteilen sich die Meuten wieder ein wenig und ich gehe erstmal in Ruhe zum Internet und erledige meinen morgendlichen Reboot, bevor ich mich den anderen am See anschließe und auch wieder eine Weile schwimme.

Als es vom See zurück geht, werden die Kinder an einem der Zelte mit Nudeln verköstigt, während die (meisten) Väter (und einige Mütter/Kinder) sich mit dem Boccia-Spiel einmal um den See battlen.

Der Liebste, ich und eine andere Mutter schnappen uns dann sieben Kinder und fahren mit ihnen ins Städtchen zur Eisdiele. Je nach Alter gibt es eine oder zwei Kugeln in Becher oder Waffel (dem Nifftenkind reicht noch eine) und dann sitzen die großen Kinder mit ihrem Eis in einem großen schattigen Baum während die Erwachsenen es sich unten mit dem Nifftenkind bequem machen.

Nach dem Eis ist vor dem Grillen und so fahren wir bald wieder zurück. Der Liebste baut unsere Hütte und Terrasse zur Public-Viewing-Area um, während ich mit einigen der anderen Erwachsenen eine Runde Hitster spiele.

Um 19:30 dann großes Fernseh-Event: Einer der Väter war am Nachmittag aufgebrochen, um im Fernsehstudio Dienst zu tun und wir gucken ihm jetzt eine halbe Stunde live beim Arbeiten zu und zählen, wie oft er vorher mit uns vereinbarte Stichwörter in der Sendung unterbringen kann. Also die Kinder zählen, die Erwachsenen trinken jedes Mal einen Schluck und sind dann schon sehr heiter, bevor die ersten Würste fertig sind. (28, insgesamt.)

Zum Glück müssen wir jede Menge Reste weggrillen, so dass der Alkohol im Nachhinein eine Basis bekommt.

Irgendwann kommen die Kinder und wollen Filmabend machen. Es gibt ja wie gesagt kein Internet, von daher sind sie etwas irritiert, dass sie einfach den Fernseher manchen und zappen sollen. „Aber dann können wir uns ja gar keinen Film aussuchen? Können wir uns nicht einfach irgendwo einloggen?“ – die Jungend von heute!

Zwei Stunden nach Sendungsende (die Kinder sind bei einer Reality-Dating-Show gelandet) kommt der Fernsehvater wieder an und wir feiern gemeinsam seine Glanzleistung. Dann bringt er sein kleines Kind ins Bett und nach und nach verschwinden auch alle anderen Kurzen in den Federn. Das Teilzeitkind dürfte noch aufbleiben, findet es aber alleine unter Erwachsenen dann doch zu langweilig und geht gegen 23 Uhr auch schlafen und ich folge ihm um Mitternacht.

24.05.2026 – Anbaden

Komisch kurze, stückige Nacht, trotz abwesender Katzenkrallen. Dann aber irgendwann doch Aufstehen, Großfamilienfrühstück, hinüber zur Terrasse mit dem WLAN. Der morgendliche Reboot startet spät und dauert lang, aber dann bin ich wieder auf Stand und kann mich dem anderen am See anschließen und Anbaden gehen.

Zwischendurch wird Wassermelone gereicht

Nach dem See gehen der Liebste und ich in die Kuchenproduktion für den Teilzeitkindgeburtstag morgen. Er bäckt einen Zitronenkuchen mit Schokodrops und ich eine klassische Quarktorte ohne Boden. Die Wartezeiten zwischendurch nutze ich zum Schnippeln von jeder Menge Gemüse für eine riesige Schüssel Salat. Irgendwann wird zwei Hütten weiter zu Nudeln mit Bolognese gerufen, kurz darauf noch ein paar Hütten weiter zu Waffeln mit Puderzucker. Die Kinderschar läuft von Hütte zu Hütte und futtert sich durch, wir kriegen jeweils auch ein paar Brocken. Und die Kinder backen dann auch noch Brownies und dekorieren mit Nutella, Erdbeeren und Puderzucker. An Kuchen wird es morgen jedenfalls nicht mangeln.

Als die Kuchen und das Salatdressing fertig sind, treffen sich einige von uns zum Hitster spielen auf der WLAN-Terrasse, heute in der Soundtrack-Variante und kooperativ gespielt. Geht auch gut und mit vereinten Kräften raten wir ganz gut. Dann werden irgendwo die Grills angeworfen und wir ziehen wieder eine Terrasse weiter. Das Highlight heute: Gegrillte Ananas von unserer mexikanischen Kohorte.

Irgendwann ziehen wir dann alle weiter vom Grill zur Feuerschale auf dem Zeltplatz – Stockbrot und Marshmallows für die Kinder, die den ganzen Nachmittag über auch fleißig Stöcker gesucht und zurechtgeschnitzt haben. Als es gegen 10 langsam dunkel wird, verabschieden sich mein überhistaminisierter Körper und ich ins Bett…

23.05.2026 – Am Arsch der Heide

Trotz fehlender Katze zwischen 4 und 5 aufgewacht, aber dann zumindest nochmal nachhaltig weggedöst. Nächstes Aufwachen gegen 7, als das Teilzeitkind aufsteht und anfängt, die Terrasse aufzuräumen, bis es für halb 8 zum Joggen verabredet ist. Die Jugend von heute! Ungefähr da steht dann auch der Liebste auf und macht Kaffee und die nächste Stunde über werde ich dann langsam richtig wach. Leider ohne Internet, was den Prozess des Aufstehens womöglich beschleunigt.

Gegen 9 geht der Liebste die bestellten Brötchen und Croissants abholen, dann treffen wir uns mit Liebstenschwester, deren Mann und dem Nifftenkind zum Frühstück. Der Vormittag vergeht so vor sich hin. Wir versuchen, in der Nähe der Rezeption ausreichende WLAN-Abdeckung zu finden, was aber scheitert, und gehen dann eine Weile an den See.

Baden hebe ich mir aber noch für morgen auf. Dann große Runde über den Platz, überall nach Einkaufsbedürfnissen fragen. Der Liebste und ich fahren in die Stadt und kaufen in zwei verschiedenen Supermärkten ein, bevor wir ins Eiscafé einkehren und ich endlich den morgendlichen Reboot nachholen kann – bzw. die wichtigsten Teile davon: Internet leer lesen, Bloggen und die Streaks von Duolingo und Babbel retten.

Pfirsich-Erdbeer-Eisbecher

Danach geht es zurück zum Platz, Einkäufe werden verräumt und verteilt, erste alkoholische Getränke gereicht und ein Rasen-Boccia gespielt, das man sich im Sitzen spielen kann, was unserem Energielevel sehr zugute kommt.

Um 17 Uhr gibt es dann eine Geburtstagskuchenrunde an einer der Hütten, bei der sich herausstellt, dass dort ein WLAN-Repeater ist und es tatsächlich Internet gibt. Wir bleiben den Rest des Abends da, spielen Hitster, Grillen und haben es schön. Eine Runde gewinne ich, die andere die Liebstenschwester. Das Gleichgewicht im Universum bleibt ungestört und so kann ich gegen 1 zufrieden ins Bett fallen.

Die Lammlachse braucht noch einen Moment

22.05.2026 – Ab ins Funkloch

Mehrfach von Noosa unterbrochene Nacht plus längere Wachphase in den Morgenstunden – zum Frühstück nach dem morgendlichen Reboot gibt es erstmal einen starken Matcha Latte. Dann pünktlicher Arbeitsanfang um 9 mit erheblichem Frust über LinkedIn, das nicht so funktioniert wie es soll. Aber ich wäre ja kein Digital Native, wenn ich nicht ihrendwann einen zufriedenstellenden Workaround finden würde…

Matcha Latte und Restefrühstück

Der Rest des Arbeitstages ist dann unauffällig – ein Meeting mit London, eins mit Berlin, zwischendurch Urlaubsübergaben, Abwesenheitsnotizen, Terminabsagen… Nebenbei noch Noosa bespielen, Grill aus dem Keller holen, Sachen packen, Katzenklo durchsieben, Pflanzen gießen… Am frühen Nachmittag sind alle beruflichen und privaten Vorbereitungen abgeschlossen und ich verabschiede mich in eine Woche Urlaub.

Der beginnt mit einer voll bepackten Fahrt mit zwei S-Bahnen nach Südberlin. Das Teilzeitkind holt mich ab und hilft mir tragen, während der Liebste seinen Arbeitstag ebenfalls beschließt und nebenbei das Auto packt. Letzter Kontrollgang durch die Wohnung und dann sind wir auf dem Weg zum Arsch der Heide.

Knappe vier Stunden Autofahrt später, die wir mit Musik und Känguru bestreiten, rollen wir auf den Hof unseres diesjährigen Pfingstdomizils. Da sich dieses direkt neben einem Militärstützpunkt befindet, gibt es keinen Telefonempfang und das angebotene WLAN ist so schwach und spotty, das nur selten eine Nachricht durchdringt. Eher semipraktisch für eine Reisegruppe aus um die 30 Erwachsenen, 13 Kindern und einem Hund, die sich auf 6 Hütten und mehrere Camper auf einem riesigen Gelände mit diversen anderen Menschen verteilen. Wir schaffen es dann aber doch, uns halbwegs zu koordinieren und irgendwann steht der Grill.

Der Abend vergeht wie immer mit Grillen, Erzählen und Wiedersehensfreude. Die Musikauswahl ist eingeschränkt, da wir auf bereits runtergeladene Songs angewiesen sind. Hitster spielen wird dieses Wochenende wohl auch nichts und fürs Bloggen und die Duolingo-Streaks werden wir wohl immer ins Eiscafé im nächsten Ort fahren müssen… Es ist geradenach ein Elend!

Gegen 11 zieht es die letzten, größten Kinder ins Bett, zu denen auch das Teilzeitkind gehört, und mich dann auch.

21.05.2026 – Zurück ins Büro

Wieder kurze, früh beendete Nacht. Aber immerhin ohne nachts aufstehen und mit Noosa spielen zu müssen, es reichte im Bett mit ihr zu kuscheln. Irgendwann dann morgendlicher Reboot inklusive Verbloggen des letzten re:publica-Tages (meine re:publica-Bloggerei wurde mehrfach von Felix Schwenzel zitiert, ich bin Fame! Im Ernst, danke!)

Dann geht es zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten wieder ins Büro. Eine kurze Recherche zeigt, dass mein letzter richtiger Bürotag der 23. April war. Danach war immer irgendwas – zwei Wochen war ich krank, dann ein Handwerkertermin, dann die re:publica. Jetzt aber! Ich freue mich ein bisschen, wieder die Brücke über den Fluss zu nehmen, die Siebträgermaschine zu bedienen und vor allem, die lieben Kolleg*innen in echt zu sehen.

Es gibt viel zu erzählen, dann einen Call mit Frankfurt, dann kommt eine Kollegin in Elternzeit vorbei (bzw. rein rechtlich gesehen noch im Mutterschutz) und hat ihr Baby dabei, das an dem Tag geboren wurde, an dem ich zuletzt im Büro war. Verrückt. Es ist sehr niedlich.

Drei Kolleginnen und ich verlagern danach ein Meeting direkt ins Restaurant und besprechen bei fruchtigen Getränken, Sushi oder Vietnamesischem Dinge im Sonnenschein.

Hinterher geht es nochmal kurz zurück ins Büro, was ausdrucken, alles wichtige einpacken und dann nutze ich die eigentliche Mittagspause, um nach Hause zu fahren. Ich habe am späten Nachmittag noch ein sehr langes Meeting nach dessen Ende eh niemand mehr im Büro wäre und Noosa freut sich auch, wenn ich sie heute mal nicht ganz so lange alleine lasse, wie die letzten Tage.

Coworking zuhause

Als auch das Meeting geschafft ist, telefoniere ich mit dem Liebsten, finalisiere die Pläne fürs Wochenende, telefoniere mit dem Bruder, räume ein bisschen auf, esse den Rest Suppe von gestern, schaue die Colbert-Folge von vorgestern und dann lege ich mich mit Stanley Tucci in die Badewanne, also mit der neuen Staffel seiner Serie Tucci in Italy, bzw. den ersten beiden Folgen davon, die sich praktischerweise um meine beiden Lieblingsregionen, Kampanien und Sizilien drehen. Und was soll ich sagen, in beiden Folgen kommen Lieblingsorte vor!

In Kampanien kehrt Stanley bei Da Girone in Procida ein und isst Pasta mit Procida-Zitronenpesto und Muscheln, wie ich 2022:

Auf Sizilien besucht er den Giardino della Kolymbethra, einen meiner Happy Places, in dem habe ich schon 2014 und 2015 gegessen.

Orangen frisch vom Baum 2014
Picknick 2015

Große Italienvermissung, vielleicht klappt es ja 2027 endlich wieder mal! Aber schön ist: Ich kann der kompletten Doku folgen, auf Englisch UND Italienisch, ohne auf die Untertitel zu achten. Ottimo!

20.05.2026 – Optimismus! – re:publica 2026 Tag 3 #rp26

Heute Nacht sind Noosas Pfoten und Krallen wieder sehr anhänglich, der Schlaf wird ziemlich oft unterbrochen und die Nacht ist dann sehr früh vorbei. Ich mache mir einen weißen Tee und lege mich für den morgendlichen Reboot wieder hin. Ausführliches Internetleerlesen und Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel. Dann stehe ich auf, ziehe mich an, telefoniere mit dem Liebsten und frühstücke Rosinenstuten mit Erdnussbutter und Marmeladen und Mispeln auf dem Balkon.

Heute schaffe ich es pünktlich um 10 zur ersten Session, es geht um die Young-Adult-Serie „A Good Girl‘s Guide to Murder“, die eine Koproduktion von BBC, Netflix und dem ZDF ist, und ihren Weg vom erfolgreichen Buch über BookTok ins Fernsehen und Streaming nahm. Vier Frauen vom ZDF erklären, wie es dazu kam und dann auch, wie die Vermarktung über soziale Medien stattfand und dem ZDF eine eher ungewöhnliche neue Zielgruppe erschlossen wurde. Neben mir sitzt Yasmina Benz, mit der ich mich hinterher noch ausführlicher über dies und das unterhalte. Fortsetzung folgt hoffentlich bald.

Es folgt eine Session mit Marcus Beckedahl und Henning Besser von Deichkind, der Einblicke in die Entstehung der Werke und Shows des Projekts (nicht: der Band) gibt. Sehr interessant, aber ich muss nebenbei den Laptop rausholen und ein paar Arbeitsdinge klären, deswegen kriege ich nicht alles mit.

Danach nutze ich die Gunst der Stunde, das eine Session supervoll ist, und gehe raus auf den Hof und hole mir eine frühe Pizza. Die mediterrane ist alle, also gibt’s eine Margherita mit witzigem Dialog: „Mit Oregano? Mit Chili-Öl? Nimm Dir gerne Basilikum dazu!“ „Mit alles und scharf!“ „So Schaf ist das nicht, eher Ziege.“ Beim Essen lese ich dann auf dem Instagram-Kanal einer meiner beiden Lieblingspizzerien in Procida (nicht die, in der Stanley Tucci gerade gedreht hat, sondern in der mit dem besten Dessert der Welt), das ihnen eine Tochter geboren wurde. Sie heißt – Trommelwirbel – Margherita. Und absolut niemand macht in den Kommentaren einen Witz darüber. Italiener*innen sind anders. Oder der Name ist dort normaler als hier.

Während ich esse fängt es außerdem an, zu regnen, so dass ich mich nach Drinnen retten muss. Ich hole mir einen weiteren Iced Matcha Latte (das Erdbeerpüree ist alle) und dazu ein Himbeercroissant gegen das Pizzakoma. Das in der Hand treffe ich am Affenfelsen auf die Kaltmamsell und setze mich einfach zu ihr. Wir unterhalten uns gut, während ich esse und wir auf unsere jeweilige nächste Session warten. Vielen Dank dafür!

Dann schaue ich mir an, wie Katharina Dröge und Karl Lauterbach darüber streiten, ob man auf X bleiben darf. 98 % der Menschen im Publikum sind schon weg und unterstützen Katharina Dröge lautstark mit Applaus, aber Karl Lauterbach bleibt bei seiner Haltung und seinen Argumenten, in Verkennung der technischen Tatsachen. Man fragt sich aber auch, warum Katharina Dröge (und der Rest der lautstark wechselnden Spitzenpolitiker*innen von SPD, Grünen und Linken) auf der Suche nach einem besseren Algorithmus nicht direkt bis zu Mastodon wandern, wo es schlicht keinen gibt.

In der nächsten Session sprechen Julius Geiler und Robert Ide über die fehlenden Nachrichtenmedien in und über Ostdeutschland, stellen ein paar Positivbeispiele vor (auch Podcasts, Newsletter, Blogs etc.) und blicken am Ende hoffnungsvoll in die Zukunft: Das Problem ist erkannt, immer mehr Medien nehmen sich der Sache an und dann kann man auch eine Ostdeutsche Allgemeine dazwischen aushalten.

Ich ziehe weiter zur Spezial-Podcastfolge von Battle of the Nerds, mit dem Pool Artists gerade den Deutschen Podcastpreis für Innovation erhalten haben (eine liebe Kollegin von mir saß in der Regie). Als ich ankomme, endet gerade die TINCON und ich sehe erstmals auf dieser re:publica Tanja und Johnny Haeusler auf dem Gelände, was sehr schön ist. Dann Nerdwissen testen – ich bin so im Mittelfeld, was aber an der Auswahl an Nerddoms liegt, die abgefragt werden.

Dann „Die Entkrempelung der Welt“ mit Gabriel Yoran, von dem ich schon vieles auf den sozialen Medien mitbekommen habe. Live und ausführlicher auch sehr erkenntnisreich und unterhaltsam. Mitgenommen: Wir sollten Produktdesign von Frauen machen lassen, die haben weniger Zeit für unnütze Spielerei. Und: Wir opfern unsere Zeit und Nerven unnützen oder schlecht gemachten Produkten, steigern damit die Umsätze der Unternehmen, in die wir mit unseren ETFs investieren und sichern durch den ganzen Schlamassel unsere Altersvorsorge. Es ist eine Abwägung…

Dann wird es kurz nochmal ernst, vier weiße blonde Frauen diskutieren über die Auswirkungen des autoritären Backlashes auf die DEI-Bemühungen von Unternehmen und Institutionen. Vor ein paar Jahren war die Welt noch eine bessere, inzwischen wird viel gekürzt und verwässert oder zumindest hinter neuen Labels versteckt. Gutes Tun wird schwieriger in diesen Zeiten.

Dann aber Closing Ceremony, bei der das Publikum (und Markus Beckedahl?) ordentlich gerickrolled werden. Außerdem wieder ermutigende Zahlen (deutlich mehr als die Hälfte der Besucher*innen und Speaker*innen sind weiblich), ein ordentlicher Abschied für Johnny und Tanja (der bei der Opening Ceremony schlicht gefehlt hatte) und schöne, hoffnungsvolle Worte von den Beiden. Darüber, wie es die Welt besser macht, wenn man Räume so gestaltet, dass sich Frauen dort wohl fühlen, weil sie dann für alle ein besserer Ort sind. Darüber, dass sich bei der re:publica alle auf einen Mindestkonsens (Menschenrechte, Demokratie und sowas) einigen können. „Wir haben alle unterschiedliche politische Ansichten, da hinten sitzt vielleicht jemand, der wählt FDP, aber alle anderen eben nicht.“ Und natürlich keine AfD auf den Bühnen. Johnny zitiert Joe Strummer und Woody Guthrie und sagt, dass wieder bessere Zeiten kommen werden und wir uns auf die vorbereiten müssen. Dann singen Hunderte Menschen zusammen Bohemian Rhapsody und ich denke, so lange all das möglich ist, werden die Faschisten wirklich nicht gewinnen. (Fingers crossed.)

Dann aber schnell um Nieselregen nach Hause. Ich kaufe noch schnell was im Asiamarkt ein und bin dann kurz vor 9 zuhause. Noosa will kuscheln und spielen, ich koche mir eine Misosuppe mit Algen, Seidentofu und Ramen und trinke dazu Mangostane-Saft.

Ich schaue Colbert-Highlights von gestern (vorletzte Sendung!), telefoniere mit dem Liebsten und schaue dann noch die Session von Arne Semsrott nach, deren Applaus mich in der DEI-Session immer abgelenkt hat und die inhaltlich perfekt in die optimistische Stimmung passt. Dann aber ab ins Bett, morgen geht’s wieder ins Büro!

19.05.2026 – Willkommen im Cottage – re:publica 2026 Tag 2 #rp26

Trotz oder wegen einiger Noosa-förmiger Unterbrechungen bis kurz vorm extra spät gestellten Wecker geschlafen. Da das Verbloggen eines re:publica-Tages länger dauert, zieht sich der morgendliche Reboot ziemlich lange hin, was ich nur dadurch kompensieren kann (und will), dass ich zwei mögliche erste Sessions um 10 sausen lasse (beide online nachguckbar) und noch ein kurzes Balkonfrühstück mit Müsli und Mate einlege.

Dann aber geht es zurück zur Station und trotz wieder längerer Taschenkontrollschlange bin ich pünktlich da, um mich halb 11 dann von Dirk Meyer-Claassen aus der Senatskanzlei über den Stand der Verwaltungsreform in Berlin informieren zu lassen. Zum Glück hat am Ende jemand nachgefragt, was das denn nun für die Bürger*innen bedeutet, denn der Vortrag selbst strotzte vor Fachsprache und Verwaltungsbegriffen und da muss man glaube ich schon ein ziemlicher Nerd sein, um dem mit Interesse und Erkenntnisgewinn folgen zu können. Ich habe nebenbei die Rätsel gemacht, die ich morgens nicht geschafft hatte.

Als Nächstes dann Kontrastprogramm mit einem Talk von Tim Stark und Leonie Heims zu rechtsradikaler Netzkultur und dem Phänomen „Agartha“, das von lächerlichen Memes über sehr viel menschenverachtende Codes bis zu realen Amokläufen reicht. Fühlte mich an die Debatten über den Charlie-Kirk-Attentäter erinnert, auf den wird aber nicht explizit referiert, vielleicht gehört er in eine andere irre Ecke des Netzes.

Nach diesen Schauergeschichten in einem viel zu warmen, dunklen und eng bestuhlten Raum brauche ich Luft. Draußen ist es inzwischen auch sehr warm, aber die Menschenmengen verlaufen sich ein wenig. Ich setze mich kurz mit dem Laptop hin und beantworte Arbeitsmails, dann nutze ich die antizyklische Gunst der Stunde und hole mir ein vegetarisches Pulled Beef Sandwich mit Coleslaw, BBQ-Sauce, Röstzwiebeln, Käse und Chips zum Mittagessen.

Das verspeise ich im sehr interessanten Gespräch mit Horax und weiteren Menschen. Es geht um Ost-West-Geschichte, Currywürste und Craftbeer mit korrekter sorbischer Aussprache. Den Rest des Sandwiches verspeise ich dann schon auf dem Boden sitzend in bester Festivalmanier vor einer Open-Air-Bühne bei einem Talk von Lilith Boettcher über das Für und Wider von Nostalgie.

Danach kommt der jahrelang obligate und dieses Jahr endlich wieder angekündigte Talk von Felix Schwenzel, darüber, warum es OK ist, dass alles scheiße ist und wir deswegen ja was tun können. Und darüber, wie man damit umgehen könnte, was alles scheiße ist. Gleichmut, not giving a fuck und all das. Lohnt sich, da immer wieder mal dran zu denken. Zum Glück hat Felix das Ganze direkt online gestellt, so können nicht nur die vorbeilaufenden Passanten die klugen Gedanken mitbekommen, sondern auch ihr alle, die ihr nicht dabei wart.

Nach einer Stunde in der prallen Sonne brauche ich dann dringend Abkühlung und mache mich auf die Suche nach dem Iced Strawberry Matcha Latte, über den sich Sven Dietrich gestern etwas echauffiert hatte und werde zum Glück schließlich fündig.

Mit Kaltgetränk geht es dann zu einem Talk über KI-Suchmaschinen und ihre Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt. Wissenschaftliche Einordnung von Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Erläuterungen von Eva-Maria Sommer von der Landesmedienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. Gut, dass ich mich vorher an Gleichmut erinnert habe.

Weiter geht’s dann mit dem aktuellen Stand zum Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte zur Verfassungsfeindlichkeit des Bundesverbands der AfD. Bijan Moini und Valentina Chiofalo erklären, wie dabei vorgegangen wird und warum das alles juristisch viel komplexer ist, als man es sich mit Laienverstand ausmalt. Die Veröffentlichung des Gutachtens ist in den nächsten Wochen geplant, was am Ende dabei herauskommt, ist aber noch ungewiss.

Und weil wir grad so schön im Rechtsruckthema stecken, bleibe ich dann noch bei Siri Hummel sitzen, die erklärt, wie stark die Zivilgesellschaft weltweit unter Druck ist und auch für Deutschland erschreckende Zahlen parat hat. Richtig gut geht’s der Zivilgesellschaft aktuell aber auch nur in Kanada, Skandinavien und einigen anderen ausgewählten Ländern. Deutschland ist auf der Skala aktuell nur noch im Mittelfeld, was mit den Reaktionen auf Fridays for Future, Die Letzte Generation, Gaza-Proteste und der Infragestellung oder Aberkennung der Gemeinnützigkeit von NGOs zu tun hat. Siri Hummel zeigt auf, wie krass AfD und in ihrem Gefolge auch CDU und FDP gegen NGOs hetzen und erinnert daran, dass auch Sportvereine, Kulturvereine und Fördervereine NGOs sind, keineswegs alle linksprogressiv.

Danach bekomme ich Gelegenheit, meinen Matcha-Pfandbecher abzugeben, denn ich will zur Bühne nebenan, wo Frau Mierau nach 12 Jahren ein Update zu Eltern, Kindern und dem Internet gibt. Ich erinnere mich noch gut an den Vortrag von damals, der heute hat naturgemäß einige neue Aspekte wie Momfluencer oder gefährliche Informationen von selbst erklärten Expert*innen zur Folge, die sogar zu Todesfällen bei Geburten oder im Wochenbett führen können.

Hinterher stolpere ich fast aus Versehen in ein Blogger*innen-Meet-up, das nach dem Stand der Hoffnung unter Bloggenden fragt und sich haltungsmäßig sehr ins gestrige Blogpanel einreiht: Die Anwesenden schreiben halt einfach gerne ins Internet, für die meisten ist das nur ein Hobby und Vernetzung und Reichweitenstärkung sind nicht so wichtig. Liegt aber vermutlich in beiden Fällen an der Zusammensetzung der Anwesenden – Blogs zu Fachthemen oder mit Monetarisierungsziel sind etwas ganz anderes als so ein kleines Tagebuchblog wie das hier. (Wobei ich schon schlucken musste, als einer der bekannteren Blogger von „damals“ etwas von organischen vierstelligen Besucherzahlen am Tag erzählt.)

Naja, dafür kriege ich viel Feedback im realen Leben zu dem, was ich hier schreibe. Auch heute auf der re:publica wieder, als ich mich mit einem Bekannten aus der Blog-und-Twitter-Bubble von damals unterhalte, den ich schon lange nicht mehr in echt gesehen habe, der aber regelmäßig hier mitliest und also gut Bescheid weiß über mein Leben. Hui sind seine Kinder groß geworden, das eine war doch neulich noch ein Baby, das mittlere ein Kleinkind und mit dem großen habe ich damals schwimmen geübt. Jetzt stehen da zwei ausgewachsene Teenies und ein ganz schön großes Grundschulkind vor mir. Eieiei.

Ich laufe dann ein bisschen übers Gelände, komme an Ständen in Gespräche und lasse mir einen Beerensmoothie schenken, der mir hilft, die Zeit bis zum Abendbrot zu überbrücken.

Dann ist es Zeit für das Treffen mit den Flippies, die eben ihre Session beendet haben. Munterer Austausch mit Teilnehmerinnen der Session, den Veranstalterinnen selbst und anderen Alumnas – über die re:publica, über Arbeit im Allgemeinen und über weirde Bewerbungsprozesse im Besonderen. Und ein Gruppenfoto mit Sonnenbrillen gibt es auch noch.

Die Runde löst sich rechtzeitig auf, so dass ich noch zu meiner letzten Session des Tages komme, in der es um Heated Rivalry, Fanfiction, Boys Love, BookTok und so weiter geht. Achan Malonda begrüßt uns grinsend mit „Willkommen im Cottage“ und gibt dann eine kulturhistorische Einordnung des Phänomens und der verschiedenen Genres von Japan in den 70ern über China, Thailand, 50 Shades of Grey, BTS, Bridgerton und jetzt Heated Rivalry. Super spannend in dieser Tiefe und mit der Mut machenden Schlussfolgerung, dass diese Fandoms politische Macht entwickeln können (siehe Geldspenden der BTS Army an Black Lives Matter oder die Sichtbarmachung diverser marginalisierter Gruppen im popkulturellen Mainstream) und wir vielleicht genau das gut gebrauchen angesichts des weltweiten autoritären Backlashs.

So verlasse ich die re:publica an Tag 2 beschwingt, höre auf dem Heimweg noch einen Podcast über einen sorbischen Chor und lasse mir zuhause von Noosa erstmal erzählen, dass ich ja ganz schön lange weg gewesen wäre. Ich setze also schnell Kartoffeln auf, dann wird erstmal ausgiebig gespielt. Zu den Kartoffeln gibt es einen Quark mit Balkonkräutern und ordentlich Meerrettich (der Podcast wirkt nach) und natürlich Leinöl.

Ich schaue noch ein bisschen Colbert und Stewart von gestern nach, telefoniere mit dem Liebsten und dann liegen Noosa und ich nach einer weiteren Spielrunde gegen 23 Uhr im Bett und eine von uns hofft auf viel Schlaf.