#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 21: Abschiedstag und Verona

Unser letzter ganzer Tag in Italien war ein Tag voller letzter Male. Zunächst begann er aber in einem Palazzo in Chioggia, wo wir vom nebenstehenden Glockenturm geweckt wurden. Wir frühstückten in einer Bar am Corso und dann führen wir über diverse Brücken, die über Flüsse, Kanäle und Lagune führten, zurück aufs Festland und nach Padua. Dort machten wir unseren Mietwagen, den zuverlässigen Baobao, abgabefertig und verteilten unsere Habe final auf unsere beiden Reiserucksäcke, meine Handtasche, den Tagesrucksack des Hasen und zwei Leinenbeutel. Dann gaben wir die Autoschlüssel ab und fuhren mit dem Regionalexpress nach Verona. Den ersten Teil der Zugfahrt verbrachten wir stehend, denn gefühlt Milliarden Student*innen wollten nach Vicenza. Direkt nach Vicenza hatten wir dann Sitzplätze und jede Menge Platz für unsere verschiedenen Gepäckstücke. In Verona checkten wir in unserem Quartier ein, machten uns einen Plan für den Rest des Tages und liefen dann los in die Stadt.

 

Zunächst ging es zum Schloss und der daran angrenzenden Ponte Scaligero, auf der wir den Adige/die Etsch überquerten. Dann liefen wir am Fluss entlang, der das historische Zentrum auf drei Seiten umschließt. Bereits gestern waren wir (kurz nach dem Po) über die Etsch gefahren, die uns bisher vor allem aus nationalistischem Liedgut ein Begriff war. “Living on the Edge” ist da die viel angenehmere Assoziation. Oder man sagt halt einfach Adige. Auf jeden Fall kann man verstehen, warum die Deutschen früher gerne Anspruch auf diesen Fluss erhoben, er und Verona selbst sind nämlich ganz schön schön.

 

 

Mit einem letzten italienischen Eis gestärkt ging es dann zum Dom, den wir uns mal wieder nur von außen ansahen. Sieht auch so beeindruckend genug aus!

 

Wir entschieden uns dann dagegen, mit der Standseilbahn nach oben zum Amphitheater zu fahren, um für viel Geld einen Blick auf die Stadt zu erhaschen, den sämtliche andere Besucher*innen auch haben, und spazierten stattdessen lieber durch die Altstadt.

 

 

Auf einem Markt – der erste, den wir erlebten, der auch am späten Nachmittag noch frisches Obst und Gemüse anbot, kauften wir Trauben, Tomaten und Gurken als Reiseproviant sowie einen schönen großen Granatapfel als Mitbringsel für unsere Wohnungssitterin. Den ganzen Urlaub über hatten wir immer wieder Granatapfelbäume gesehen, aber leider immer hinter Gartenzäunen, so dass wir nicht wie letztes Jahr in Sardinien einfach einen mundrauben konnten.

 

Dann kamen wir zum Touristenmagnet schlechthin, dem Balkon, den man an ein altes Haus angebaut hat und als Julias Balkon deklariert hat. Romantik-Fans aller Altersklassen machten dort Fotos, hinterließen Liebesbriefe und träumten von Romeo und Julia. Der Hase tat sich das Spektakel gar nicht erst an. Ich schlenderte für zwei Minuten näher heran und machte ein Foto von den Massen. Sehr süß fand ich ein älteres schwules Pärchen aus dem asiatischen Raum, das ein Selfie vorm Balkon machte, sehr creepy hingegen den Typen, der sich hinter die Julia-Statue stellte und sich dabei fotografieren ließ, wie er ihre Brüste angrabschte. Schnell wieder weg hier!

 

 

Wir kauften noch Proviantbrötchen und fotografierten ein wenig Streetart und dann machten wir uns auf Richtung Arena. In deren Nähe nahmen wir unseren letzten Aperitivo zu uns – der Hase mit Südtiroler Bier, ich mit einem alkoholfreien Fruchtcocktail. Das kostete jeweils um die 4 € und dazu konnte man sich am Snackbuffet einen Teller voll Leckereien zusammenstellen. Unser letzter Aperitivo war damit nicht nur der günstigste, sondern auch der Leckerste.

 

Hinterher ging es fürs letzte Abendmahl in eine Pizzeria, die uns die Hasenschwägerin empfohlen hatte. Sie hat regelmäßig beruflich in Verona zu tun und ihre Kolleg*innen sind der Meinung, dort gäbe es die beste Pizza Veronas. Nun was soll ich sagen, es war schon ganz lecker, aber Norditalien ist einfach nicht der Ort für neapolitanische Pizza. Die beste Pizza Berlins schlägt die beste Pizza Veronas definitiv. Trotzdem genoss der Hase seine Boscaiola mit diversen Pilzen und meine Friarielli mit Rübstielen und süßer Salsiccia war auch sehr schmackhaft. Danach ging es schnell ins Bett, denn ein langer Reisetag lag vor uns.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 20: Po-Delta und Chioggia

Wir schlafen in Ruhe aus und dann beginnt der Tag begann mit einem ähnlichen Frühstücksszenario wie der davor: Ich gönnte mir bereits in der Unterkunft eine Tasse Tee und ein paar Kekse, der Hase bekam sein herzhaftes Frühstück in der Bar nebenan. Für ihn gab es Zucchini-Pizza und für mich dann auch noch eine Piadina und zwar mit Pilzcreme und rohem Schinken, schließlich verließen wir das Piadina-Land Emilia-Romagna nun wieder Richtung Veneto.

Als erstes wollten wir noch ein bisschen Natur und Weite genießen und so fuhren wir zurück an die Küste, besser gesagt ins Delta des Po. (Man stelle sich diverse Heiterkeitsausbrüche meinerseits vor, jedes Mal wenn der Po erwähnt wird.) Wir folgen einer relativ einsamen Straße immer am Wasser entlang, von dem sich schwer sagen lässt, wo der Po aufhöhrt (hihihi) und das Delta, die Lagune oder die Adria selbst anfängt. Das Wasser ist größtenteils flach und relativ ruhig, wo es fluss- oder kanalähnlich ist, hängen Senknetze an Masten, wo es weiter ist, stehen Reusen. Die einzigen anderen Menschen hier sind Fischer und Angler, die sich an Bootshäusern, auf Booten, an den Netzen oder eben mit der Angel am Ufer stehend zu schaffen machen. Wir fragen einen der Angler, was man denn hier so fangen kann und erhalten “branzini, orate, anguille” zur Antwort, also Wolfsbarsche, Doraden und Aale. Dem Hasen läuft bereits das Wasser im Munde zusammen.

An Tieren sehen wir zum Einen jede Menge Vögel, vor allem Möwen und Kormorane, wobei letztere sehr witzig immer mal wieder in Reihe irgendwo sitzen und die Flügel zum Trocknen ausbreiten. Zum Anderen ist die Straße voller totgefahrener Bisamratten in unterschiedlichen Verwesungszuständen. Die waren uns gestern schon auf dem Weg von Ravenna nach Ferrara aufgefallen, der uns weiter im Landesinneren ebenfalls durch das Po-Delta führte.

In Porto Viro machen wir Rast und gönnen uns ein schönes Eis in der örtlichen Gelateria. Dann fahren wir weiter zu unserem heutigen Tagesziel. Chioggia steht nicht in unserem Reiseführer, wurde uns aber von mehreren Stellen als “das schönere Venedig” empfohlen. Es liegt größtenteils auf Inseln in der Lagune, an der auch Venedig selbst liegt und man kann mit dem Vaporetto von der einen Stadt zur anderen fahren. Auch Chioggia hat einige Kanäle und Architektur und Stadtbild sind daher recht ähnlich wie in der Serenissima. Da hören die Gemeinsamkeiten dann aber schon auf. Chioggia ist viel kleiner, zieht weit weniger Tourist*innen an und es gibt seit einigen Jahrzehnten auch eine Verbindung zum Festland und Autos in der Stadt. Parken dürfen im historischen Zentrum trotzdem nur die Einheimischen, daher müssen wir auf einer Nachbarinsel das Parkhaus benutzen.

Von dort aus laufen wir mit Sack und Pack zu dem Treffpunkt, den unser Gastgeber uns genannt hat. Da werden wir bereits von seiner halben Familie erwartet. Sie laden unser Gepäck ins Auto und während seine Eltern das Auto zur Wohnung fahren spazieren wir mit dem Gastgeber selbst am Wasser entlang dorthin und bekommen eine erste Einführung in die Geographie der Stadt. Wir bekommen das Fischgrätenmuster der Gassen erklärt, erfahren etwas vom Kampf der Einheimischen gegen das Aufstellen riesiger Gastanks nur wenige hundert Meter von bewohnten Häusern und über die angeblich älteste Uhr der Welt, die den Glockenturm von Chioggia ziert.

Unsere Unterkunft befindet sich in einem traditionellen Palazzo und umfasst auch eine Dachterrasse, von der aus man bei gutem Wetter bis nach Venedig schauen kann. Heute ist es leider etwas diesig, so dass selbst der Sonnenuntergang unspektakulär ausfällt.

Wir spazieren also einfach nur gemütlich durch die Altstadt und sparen uns den Fahrradausflug entlang der Lagune oder zum Strand. Stattdessen finden wir bald eine kleine Osteria, aus der laut Bob Marley schallt und bekommen da einen Aperitivo mit einem Spritz mit Vermouth, gerösteten Kartoffeln, Crostine mit süßsauren Sardinen und Chips. Danach laufen wir weiter die Gassen ab auf der Suche nach einem Restaurant, dass lokale Küche serviert und weder zu touristisch, noch zu teuer aussieht. Das von unserem Gastgeber empfohlene Nachbarschaftslokal ist nämlich heute leider geschlossen. Die Osteria, die wir schließlich finden, ist dann auch schön versteckt und voller italienischer Familien, allerdings gibt es auch eine deutsche direkt am Nebentisch und eine zweisprachige Karte. Nun ja, man kann nicht alles haben. Geschmeckt hat es trotzdem. Es gab für den Hasen gebackene Sardinen, für mich gebackene Jakosmuscheln, für ihn Spaghetti mit cozze und vongole und für mich Bigoli mit Sardinen. Dazu gibt es einen Pinot Grigio (den vino bianco della casa) und zum Nachtisch gönne ich mir noch ein Blätterteigtörtchen (“scriglio”) mit Creme und frischen Früchten, der Hase hingegen ist müde und möchte nur noch ins Bett.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 9: San Marino, Urbino und zwei Menüs

Heute trat dann tatsächlich der Ernstfall ein: Mittags und abends wurden jeweils drei Gänge gegessen. Dafür haben wir das Frühstück ausfallen lassen und zwischendurch “nur noch” ein Eis gegessen. Ich fürchte, nach unserer Rückkehr leben wir ein paar Wochen erstmal nur von Wasser und Brot, sowohl aus biologischen, als auch aus pekuniären Gründen…

Heute morgen sah San Benedetto ohne den Regen schon deutlich einladender und idyllischer aus als gestern und ich war fast traurig, dass wir keine Zeit hatten, die Wanderung zum Wasserfall eben heute anzutreten. Das kommt davon, wenn man die Übernachtungen im Voraus bucht: Einerseits verzettelt man sich unangenehm, andererseits ist man eben ein wenig unflexibel, wenn das Wetter nicht mitspielt. Egal. Wir fuhren ohne Frühstück und auf verschlungenen Pfaden (das Navi ist manchmal etwas kreativ in der Auslegung von “Straßen” erst die Berge hinunter und dann wieder hinauf – nach San Marino nämlich, die älteste Republik der Welt und unser “neues Land” für dieses Jahr. Auch diesen Grenzübergang bemerkte man kaum, nur hatten auf einmal die Autos andere Kennzeichen und die Damen und Herren von der Polizei hießen anders und trugen andere Uniformen.

Hoch oben in San Marino Città gab es für uns nicht nur wundervolle Ausblicke – immerhin Unesco Weltkulturerbe – sondern auch großartiges Essen. An der Piazza della Libertà hat Sternekoch Luigi Sartini sein Restaurant im ersten Stock – und dankenswerterweise auch eine preiswertere Osteria mit lokalen Spezialitäten für den schmalen Geldbeutel im Erdgeschoss. In dieser nahmen wir Platz und ließen uns – laut Lonely Planet – sanmarinesische Küche schmecken. Als Antipasto teilten wir uns verschiedene Cassoncini, frittierte Teigtaschen mit Käse, Feldkräutern, Squaquerone und Anchovi, Zwiebel und Salsiccia bzw. sautiertem Mangold. Beim Hauptgang entschied sich der Hase für die Passatelli mit Thymian und Pilzen und ich mich für den schwarzen Reis mit Kichererbsen, Pilzen, gratiniertem Gemüse und noch mehr Mangold. Beim Nachtisch streikte der Hase dann, ich hingegen genehmigte mir Vanilleeis mit Pfirsichen in Rotwein und Pistazien-Waffel. Den Kaffee nahmen wir hingegen beide dankend an, es hatte ja schließlich kein Frühstück und damit auch keinen Kaffee gegeben.

Nach dem Essen spazierten wir noch ein wenig durch San Marino und amüsierten uns über die Vorliebe der Einheimischen für Frauenstatuen mit nackten Brüsten. Dann stiegen wir wieder ins Auto und fuhren den Berg hinab – und später wieder hinauf – nach Urbino. Damit haben wir nun die Region Marche erreicht, auch für mich zum ersten Mal. Morgen verlassen wir sie zwar schon wieder, aber wir kommen im Laufe der Reise nochmal ausführlich zurück. Urbino ist vor allem als die Stadt der Renaissance bekannt. Im 15. Jahrhundert holte der damalige Herzog Federico da Montefeltro Künstler und Wissenschaftler in die Stadt und umgab sich so mit herausragender Kunst und Kultur und einer bedeutenden Universität. Außerdem ist Raffaello hier geboren, also weder die Praline noch der Turtle, sondern der Maler, nachdem beide heißen. Mir war Urbino vor allem als der Ort bekannt, an dem Luisa die Sommer ihrer Kindheit verbrachte und von dem ich von ihr schon viel gehört und gelesen habe. Ich weiß nicht mehr, ob sie die Gelateria empfohlen hatte, oder ob sie über den Reiseführer auf meiner To-Do-List gelandet war, aber jedenfalls holten wir uns bei unserer Passegiata durch Urbino ein köstlich-cremiges Eis.

In Urbino war dieses Wochenende ein großes Fest zu Ehren des Bio-Lebensstils und von ganzheitlicher Wellness. Ist also auch in Italien ein Trend. Wir freuten uns dabei besonders über den kleinen Markt, über den wir schlenderten, aber auf dem wir weder kosteten noch kauften. Außerdem interessant: Ein Laden für Cannabis-light-Produkte. Die sind in Italien gerade voll der Renner. Dank einer Lücke im Gesetz ist der Verkauf von Cannabis bis 0,2% THC erlaubt. Der Konsum hingegen nicht. Trotzdem boomt das Geschäft und auch Urbino hat einen Laden mit einer großen Auswahl direkt im Schaufenster.

Kurz nach Ablauf unserer Parkuhr, aber bevor dies jemand bemerkte, verließen wir dann Urbino in Richtung unseres heutigen Agriturismo, der weitab der Straße und inmitten von Natur liegt. Auf dem Weg dorthin sahen wir, wie Polizisten ein Auto angehalten hatten. Dessen Fahrer entpuppte sich später als Mitarbeiter des Agriturismo und unser Kellner für den heutigen Abend. Außer uns und einer weiteren Gästegruppe ist heute vor allem eine große Familienfeier hier vor Ort, die das komplette Restaurant einnahm. Wir und die anderen Gäste bekamen daher Tische direkt im Treppenhaus, ruhig aber rustikal. Dafür war die Speisekarte dann aber so überzeugend, dass wir entgegen unseres Vorsatzes, nur etwas leichtes zu essen, doch wieder schwach wurden und ein zweites Mal heute zum Menü griffen.

Als Vorspeise hatte ich einen hervorragenden Rindertartar mit Granatapfelsauce, gerösteten Haselnüssen und wildem Fenchel, während sich der Hase durch verschiedene Aufschnitt- und Käsesorten probierte. Dann gab es für ihn ein Perlhuhn nach Jägerart – das bedeutet hier: mit Pilzen, Rotweinsauce und Oliven – und diesmal für mich die Passatelli, mit Kichererbsen und Speck. Zum Nachtisch entschied ich mich für ein raffiniertes Tiramisù mit Pistaziencreme und der Hase schlemmte eine göttliche gekühlte Panna Cotta mit heißer Brombeersauce. Wir hätten trotz voller Mägen definitiv nochmal die doppelte Menge des Desserts essen können, so großartig war das. Und das ist dann eben wieder der Vorteil von langfristiger Planung: Man hat Zeit, zu vergleichen und sich das absolut Beste vom Besten auszusuchen…

#WMDEDGT – Tagebuch-5 im Mai 2018

In den letzten Wochen habe ich so oft gedacht, dass man das ja bloggen könnte und dann habe ich es doch immer nicht getan. Vielleicht gibt mir die re:publica ja jetzt den nötigen Schwung, wieder in einen regelmäßigen Rhythmus hineinzufinden. Praktisch ist auf jeden Fall, dass ich gerade in der Sonne auf dem Balkon sitze und Kaffee trinke, dass gestern der 5. war und Frau Brüllen deswegen mal wieder fragte: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Die anderen Antworten gibt es dort, meine hier:

Der 5. Mai 2018 ist ein Sonnabend und ich verbringe ihn in Berlin. Er beginnt genau genommen in der Bahn nach Hause von der re:publica Abschluss-Party, aber wir wollen mal nicht pingelig sein. Morgens wache ich etwas unwillig schon gegen 8 auf, während der Hase neben mir noch schläft. Zum Glück zwingt mich ja niemand zum Aufstehen und ich kann erstmal in aller Ruhe das Internet leer lesen (E-Mails, Facebook, Instagram, Twitter, Feedly, Pocket und nochmal von vorn). Kurz vor 10 wird dann auch der Hase wach und wir tauschen uns erst einmal über die letzten Tage aus, an denen wir uns re:pulica-bedingt eigentlich so gut wie nie (wach) gesehen haben. Als nächstes planen wir den heutigen Tag, beziehungsweise das Wochenende. Als wichtigste Aufgaben kristallisieren sich einkaufen, Wäsche waschen, Muffins backen, aufräumen und Bad putzen heraus. (Bleibt dran und schaut, wie viel wir davon geschafft haben…)  Außerdem sind wir zum Mittagessen verabredet, der Hase möchte Nachtangeln gehen und Sonntagabend erwarten wir Besuch.

Da das Mittagsdate schon gefährlich nahegerückt ist, mache ich uns dann Tee und Obstsalat zum Frühstück, während der Hase zum Bäcker radelt (der macht sonnabends um 1 zu) und noch Brot von gestern kauft. Und weil der Hase der Hase ist und ich ich bin, bringt er auch noch zwei Stück Kuchen mit (Pflaume-Streusel und Apfel mit Decke). Die teilen wir uns dann noch zusätzlich zum Obstsalat. Dann mache auch ich mich ausgehfein, hole den Handgepäck-Trolley hervor, den wir unseren Freunden für ihren Urlaub leihen und wir laufen gemeinsam los zum Lecker Song in der Schliemannstraße. Ausgesucht habe ich das aus meiner Foursquare-Liste Berlin nach den Filtern “In meiner Nähe”, “Noch nicht besucht” und “Sitzplätze draußen” und meinem persönlichen Filter “Darauf hab ich jetzt Lust”. Es gibt leckeren Tee mit Sesam, Chrysanthemen, Litschis und anderem Zeug drin aus zauberhaften Teeschalen mit Fischen als Relief im Boden.

Teetasse

(Ich musste gerade nach Drinnen wechseln, weil es in der prallen Mai-Sonne draußen einfach zu heiß wurde.)

Wir teilen uns dann vier Vorspeisen (Edamame, Gurkensalat mit Chili, Bohnensalat mit Senfkraut und Ingwer sowie eine Wan-Tan-Suppe) und fünf verschiedene Dumpling-Sorten (Allesamt vegetarisch, aber schon beim Essen können wir nicht mehr alles auseinanderhalten. Kürbis-Curry ist dabei, Wildgemüse-Morcheln, Tofu-Shitake und noch zwei andere.)

Gurkensalat

Dumplings

Alles ist extrem lecker und wir unterhalten uns nebenbei über jede Menge Themen von schlecht gelaunten Menschen über Hip Hop über Antisemitismus über Berlin bis hin zu Waldorfschulen und zurück. Dann entscheiden wir uns gegen noch mehr süße Dumplings zum Dessert und für einen kurzen Verdauungsspaziergang um die Ecke zu Hokey Pokey. Dort gibt es für einen kein Eis, für eine zwei Kugeln und für den Hasen und mich je drei. Meine sind Kokos-Mango, Weiße Schokolade mit gesalzenen Pistazien und Karamell und Blaubeer-Baiser).

Wir schlecken unser Eis im Laufen und bringen die beiden zurück zum S-Bahnhof. Dann geht es ans Einkaufen. In zwei Supermärkten ist der Rhabarber, den ich für die Muffins brauche bereits ausverkauft, im dritten werde ich fündig. Vorher überschlage ich kurz die Alternativen im Kopf und bin dann aber beruhigt: Im Umkreis unserer Wohnung gibt es 13 Supermärkte, die ich innerhalb von 10 Minuten zu Fuß erreichen kann. Drei davon sind Bio-Supermärkte (Hallo, Prenzlauer Berg!). Nichtsdestotrotz leben wir in einer grünen, ruhigen Oase und ich höre zum Beispiel gerade nicht als Vögelgezwitscher und Stühlerücken bei den Nachbarn über uns.

Grün

Wieder zuhause verlangt dann das ganze Essen seinen Tribut und ich werde unglaublich, unglaublich müde. Ich schaffe es gerade noch, eine Waschmaschine anzusetzen, dann muss ich mich zur Siesta hinlegen. Als ich nach über zwei Stunden wieder erwache, ist der Hase bereits zum Angeln aufgebrochen. Ich bin noch nicht wieder so ganz wach und stelle fest, dass da heute bei mir wohl auch nicht mehr viel passieren wird. Also lege ich nur Wäsche zusammen, hänge die frisch gewaschene Wäsche auf, setze eine zweite Maschine an und verziehe mich dann mit Laptop und Miezen auf die Couch. Es müssen ja schließlich noch einige Serienfolgen weggeguckt werden.

Zwischendurch esse ich die Tafel Vollmich-Kardamom-Schokolade zu Ende, die ich auf der re:publica angebrochen habe und mache mir noch eine Stulle mit Fenchelsalami und Tomaten. Außerdem bekommen die Katzen Abendbrot und ein sauberes Klo und die zweite Ladung Wäsche wird aufgehängt. Als ich bei allen Serien wieder auf dem neusten Stand bin (teilweise hinkte ich mehrere Folgen hinterher), ist es schon weit nach Mitternacht. Ich erkundige mich beim Hasen nach seinem Temperaturempfinden. Er ist noch nicht erfroren, sitzt immer noch am Kanal in Baumschulenweg, fängt Fische wie nix Gutes und die Nachtigallen führen einen Gesangswettstreit. Dann kann ich ja beruhigt schlafen gehen. Morgen ist auch noch ein Tag.

#englandwalesroadtrip – Aberystwyth und Snowdonia Nationalpark

Ich liege zwar schon wieder mit den Katzen zuhause auf der Couch, im Blog ist es aber gerade erst letzten Sonntag. Zum Glück hatte ich vorhin im Flugzeug ein wenig Zeit und konnte unsere nächste Etappe verbloggen…

15. August

Wir starten früh in unsere zweite Urlaubswoche, denn kurz nach 11 Uhr wollen wir meinen Bruder und seine Freundin (eigentlich sollte ich wohl Verlobte sagen, aber nach fast 18 Jahren fällt die Umstellung schwer ;)) im zwei Stunden entfernten Aberystwyth abholen. Die nächsten vier Tage werden wir gemeinsam im Snowdonia Nationalpark, auf Anglesey und an der walisischen Nordküste unterwegs sein.

Wir stellen uns also einen Wecker, frühstücken kurz, verabschieden uns von unseren neuen Freunden und nehmen dann die wunderschöne Küstenstraße nach Norden. Die Sonne scheint und wir fahren auf gewundenen Wegen durch verträumte Fischerdörfer und kleine Städtchen auf und ab die steile Küste entlang – die wahlweise an das Mittelmeer, Nova Scotia oder die Gaspésie erinnert. 

Irische See

Pinie

Die Kiefern erinnern an Pinien und in den Städtchen steht auch die eine oder andere Palme herum. Wir kommen überpünktlich in Aberystwyth an, einem Badeort mit nur 13.000 Einwohnern, aber auch einer Universität, die gemeinsam mit den Touristen für ein gewisses Großstadtflair sorgt.

Als die beiden ankommen, freuen sie sich über die unerwartete Wärme – ihr Zug war auf bibberige 17 Grad heruntergekühlt gewesen – und ziehen sich erst einmal kurze Hosen an. Dann spazieren wir gemeinsam zur Promenade und besorgen uns Kaffee (die beiden), Pommes (der Hase) und ein Tomaten-Mozzarella-Baguette (ich), bevor wir uns ein gemütliches Plätzchen am Strand suchen. Für die nächsten Tage sollte sich die regelmäßige Kaffeebeschaffung als fester Programmpunkt auf unseren Fahrten erweisen – hat jemand Junkies gesagt? 😉 Der Strand in Aberystwyth bietet vor allem schöne Ausblicke auf die Steilküste, das Meer und das verfallene Schloss, aber zum Baden ist er nicht besonders schön. Der Sand ist eher grau und kieselig. 

Aberystwyth

Deswegen beschließen wir, noch kurz zum Schloss zu laufen und dann weiterzufahren – zu einem laut Reiseführer schöneren Strand in Fairbourne.

Die Badenden

Dort gibt es außer dem kilometerlangen Strand so gut wie nichts, aber mehr brauchen wir ja auch nicht. Die ersten Meter müssen wir über große Kiesel klettern, danach folgt dank Ebbe ein breiter Streifen feiner Sandstrand. Da meine Erkältung mich immer noch quält, passe ich auf unsere Sachen auf, während sich die anderen drei sich stolz in die Fluten der Irischen See stürzen. Ich kümmere mich derweil um unsere weitere Tagesplanung und entdecke einen Wanderweg, der halbwegs auf unserem Weg zum nächsten Hostel mitten im Snowdonia Nationalpark liegt. Dreieinhalb Meilen sollten auch für mich zu schaffen sein, immerhin ist das nur halb so lang wie der mit den Wasserfällen in den Brecon Beacons.

Die anderen sind einverstanden und so fahren wir endlich so richtig hinein in Wales’ größten, spektakulärsten und leider auch vollsten Nationalpark. Zum Glück haben wir am ersten Tag noch nicht so viel mit den Menschenmassen zu tun, da wir uns vornehmlich im südlichen Teil und noch nicht so nah am Snowden selbst aufhalten. Passenderweise entdeckt der Hase mal wieder ein Schild am Straßenrand und hält an einem Holztisch mit abgepackten Beutelchen voller Pflaumen und einer Kasse des Vertrauens an. Für 1 Pfund nehmen wir einen Beutel mit.

Schaf an See

Der „Precipice Walk“ beginnt dann recht gemütlich entlang von Bäumen, Himbeersträuchern und einem lang gestreckten hübschen See, bevor dann ein jäher Anstieg über Schafweiden nach oben führt. Schnell erreichen wir eine Höhe, auf der es keine Bäume mehr gibt und folgen einem schmalen Pfad durch Heidekraut und diverse ungefähr knie- bis hüfthohe Gewächse um einen Berg herum. 

Mauerhase

Rechts geht es steil bergauf, links steil bergab und dazwischen laufen wir über mehr oder weniger unwegsames Gelände. Ich bin froh über meine langen Hosen, denn mitunter piksen die Pflanzen sogar durch diese durch und ich glaube unsere beiden Kurzhosigen haben ganz schön unter ihnen gelitten. Dafür waren aber die Ausblicke und das Wetter wunderschön, wir hatten spaßige Unterhaltungen mit Schafen und je weiter nach oben wir kamen, desto mehr reife Blaubeeren konnten wir pflücken und naschen. Alles in allem war das ein guter Einstieg für unsere Neuankömmlinge, würde ich sagen.

Blaubeeren

Südfranzösisches Wales

Als wir nach überraschend langer Zeit (wandern dauert halt irgendwie doch immer länger als erwartet), wieder am Auto landen, ist es schon relativ spät, so dass wir beschließen, direkt weiter ins Hostel zu fahren. Nur an einem Supermarkt halten wir zwischendurch noch an und besorgen Zutaten für das heutige Abendessen, neues Brot und Käse fürs Frühstück, Kaffee, Milch und Bier (Dinge, die der Hase und ich alleine nicht gebraucht hatten ;)). 


Meer und Berge

Unser Hostel liegt einige Autominuten von Blaenau Ffestiniog entfernt ziemlich einsam in den Bergen. Gäbe es nicht noch ein weiteres Gästepaar, wären wir so weit das Auge reicht nur von Schafen umgeben. Selbst der Betreiber des Hostels kommt auf unseren Anruf hin erst mit dem Auto angefahren, um uns den Schlüssel für unser Vierbettzimmer zu übergeben und uns in die örtlichen Gegebenheiten einzuweisen. Ich kümmere mich ums Essen, während die anderen auspacken, den Kühlschrank einräumen und auf dem Fernseher die Olympiaberichterstattung finden. Es gibt Spaghetti mit einer Spinat-Estragon-Feta-Caerphilly-Sauce und danach Olympia und Bier.

Pasta und Bier

 Während die anderen fernsehen, versuche ich, zu bloggen. Leider komme ich nur mit dem Telefon, aber nicht mit dem Laptop online und da ich darauf nicht vorbereitet war, habe ich auch keine Möglichkeit, meine vorgeschriebenen Texte der letzten Tage aufs Handy zu schieben, um sie von dort in die Welt hinauszuposaunen. So endet der Abend für mich relativ früh mit Buch und Bett.

16. August

Am nächsten Morgen erwachen wir gegen 9 Uhr bei strahlendem Sonnenschein. Die anderen Hostelgäste sind bereits ausgeflogen und so haben wir Haus und Picknicktische draußen für uns allein und können ganz schamlos ein ausführliches Frühstück im Schlafanzug draußen zu uns nehmen. Bis wir alle fertig sind, der zweite Kaffee getrunken, der Tisch abgeräumt, das Geschirr abgewaschen und alle abfahrbereit sind, ist es 12 Uhr mittags. Upsi!

Für heute haben wir uns eine im Lonely Planet vorgeschlagene Driving Tour rund um den Snowdon vorgenommen, inklusive Wanderung und See. Unser Anfangsort auf der Route ist das quirlige Beddgelert, wo wir unseren ersten Eindruck von der schieren Menge der Touristen bekommen, unsere ersten geschriebenen Postkarten einwerfen und einen Eisladen entdecken, den mein Bruder schlauerweise aus Belohnung für die erfolgreich zurückgelegte Wanderung, die ganz in der Nähe auf uns wartet, auslobt.

Wanderweg

Es ist nicht ganz einfach, den richtigen Startpunkt für den Wanderweg zu finden, so dass wir erst einmal zwanzig Minuten lang umsonst durch die Gegend laufen und dann selbst als wir auf dem richtigen Weg sind immer noch unsicher sind, ob wir hier richtig sind. Wir einigen uns darauf, dass entweder die Karte schlecht gemacht oder die Markierungen schlecht gemalt sind – oder eben beides, was ich vermute. Als wir den Weg erstmal haben, ist er dann aber sehr schön, wenn auch sehr anstrengend. Wieder geht es erst einmal über Schafweiden in die Höhe. Dann folgt ein kleiner Wasserfall. Bruder und ich sind uns einig, dass uns die isländischen Wasserfälle versaut haben und es jetzt relativ schwer für uns ist, von so einem Minifutziwasserfall beeindruckt zu sein. Allerdings können wir unsere Trinkflaschen auffüllen, schon dafür hat sich der bisherige Weg gelohnt.

Wasserfall
Tor

Ein wenig später geht es durch einen lichten Laubwald und dann hinauf auf den Gipfel des Dinas Enrys, unter dem damals der rote keltische Drache und der weiße sächsische Drache so lange miteinander gekämpft haben und dabei so viel Unruhe und Lärm verursachten, dass Merlin sie freiließ. Seitdem kämpfen Kelten und Angelsachen überirdisch über die Vorherrschaft auf den britischen Inseln.

Oben auf dem Gipfel machen wir wohlverdiente Rast. Dann geht es wieder zurück zum Auto und mit dem Auto zurück nach Beddgelert und zum Eisladen, der mit spannenden Sorten wie Himbeer-Pavlova, Quadruple-Chocolate oder Mango-Erdbeere-Cointreau aufwartet. Das Eis ist dann auch ganz lecker, aber 2 Pfund pro Scoop ist dann doch irgendwie übertrieben – leider kostet gutes Eis hier drüben überall ganz schön viel, so dass einem das eigentlich sauteure (aber wundervolle) Hokey Pokey im Prenzlauer Berg gerade zu preiswert vorkommt. Dann fahren wir durchs Gebirge bis zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen guten Blick auf den Snowdon hat – wenn man denn sicher sein kann, welcher Gipfel welcher ist. Außer dem Snowdon gibt es hier nämlich noch einige andere Berge, die fast genau so hoch sind und Schnee lag im August auch nicht mehr drauf. Wir glauben aber, ihn korrekt identifiziert zu haben.

Snowdon

Den nächsten Halt machen wir im Städtchen Llanderis, es wird Zeit, die Koffeinspeicher aufzufüllen. Für den Hasen und mich gibt es stattdessen eisgekühlte Limonaden in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Limo

Wir beschließen, nicht nach Caernarfon hinein und zum dortigen Schloss zu fahren, sondern naturnah zu bleiben. Meine Schwägerin-in-spe möchte nämlich gerne noch in einen See hüpfen. Das gibt unsere Route auch her. Wir landen am wunderschön gelegenen Bergsee Llyn Cwellyn und parken auf einem toll gelegenen Zeltplatz mit Badestelle, der in mir sofort schöne Erinnerungen an frühere Zelturlaube in Skandinavien und Patagonien weckt. 

Llyn Cwellyn

Das Wasser des Sees ist eisig kalt und gleichzeitig recht flach, so dass aus der geplanten Schwimmung eher eine kurze Planschung wird. Bei einem Erkundungsgang in ein nahegelegenes Gebüsch entdeckt der Hase einen im Baum hängenden frischen Lachs, der dort wahrscheinlich geparkt wurde, während seine Bezwinger wandern sind. Das weckt natürlich seinen Angelehrgeiz und so werden Bruder und Baldschwägerin auch einmal Zeugin eines Angelversuchs. Wir können zwar jede Menge kleine Fische sehen, die kurz unter und auch über der Wasseroberfläche herumtollen, aber an die Angel gehen weder sie noch irgendwelche Lachse.

Lachs

So bleiben wir bei unserem ursprünglichen Plan, nach Harlech in ein vom Lonely Planet empfohlenes jamaikanisches Restaurant zu fahren. Wir erreichen das Städtchen kurz vor Sonnenuntergang und sind schwer von der über allem thronenden Schlossruine begeistert. Leider können wir sie nicht in Ruhe besichtigen, da im Schlosshof eine Theateraufführung stattfindet. 

Harlech Castle

Also machen wir uns auf die Suche nach dem Restaurant, das leider inzwischen an eine andere Adresse umgezogen und außerdem heute geschlossen ist. Wir haben einfach kein Glück mit den jamaikanischen Restaurants im Moment und wie schon neulich in Birmingham holen wir uns stattdessen Pizza, diesmal in Blaenau Ffestiniog, das vom Schieferbergbau lebt und im von brotlos geliehenen DuMont-Kunstreiseführer in verschiedensten Grautönen beschrieben wird. Mit Pizza bewaffnet geht es zurück ins Hostel, wo der Abend wieder vor dem Fernseher endet. Ein neues zweites Gästepärchen gibt es auch, die gucken aber genauso begeistert Olympia wie meine Mitreisenden, so dass es zu keinem Streit um die Macht auf der Couch kommt.

Sonnenuntergang

 

#englandwalesroadtrip – Die Brecon Beacons, Teil 1

Ich bin ein wenig hinterher in meiner Berichterstattung, hoffe aber, in den nächsten Tagen aufholen zu können…

10. August

Heute geht es in den ersten der drei Waliser Nationalparks, die Brecon Beacons. Diesen Namen kenne ich schon seit dem Englischunterricht der 5. oder 6. Klasse, glaube ich, deswegen war es klar, dass er auf die Reiseroute gehört, selbst wenn er laut Reiseführer etwas weniger beeindruckend ist, als die beiden anderen, die natürlich auch noch folgen. Nach dem Frühstück im Hostel mit Tee, Cornflakes, selbst gepflückten Brombeeren und jeder Menge Marmeladentoast fahren wir also los.

Frühstück

Unterwegs halten wir aber noch in Caerphilly an, einem kleinen Städtchen, das vor allem für sein verfallenes Schloss aus dem 13. Jahrhundert und seinen Käse bekannt ist. Wir laufen einmal um Schloss und Schlossgraben herum und erfreuen uns neben der Ruine vor allem der vielen Vögel, die sich hier herumtreiben: Möwen, Kanadagänse, Enten, Gänse… Alle sehr zahm und unerschrocken.

Gänse

Dann gehe ich erst einmal in eine Apotheke und hole mir Lutschtabletten und etwas Schleimlösendes für meine Nebenhöhlen. Weiter gehts durch die Straßen der Stadt auf der Suche nach Käse – leider erfolglos. Später erfahren wir, dass wir dafür in die Touristeninformation hätten gehen müssen, wohin denn auch sonst? Leider ist es da schon zu spät und wir haben uns bereits im Supermarkt mit dem Nötigsten für die nächsten Tage eingedeckt – Continental Bread, Peanut Butter, Lemon Curd, Erdbeermarmelade, zwei Sorten Käse (Caerphilly pur und Caerphilly mit Schnittlauch und Knoblauch), Orangensaft, Tee, Honig, Spaghetti, Baked Beans, ein paar Weintrauben und jede Menge Taschentücher.
So ausgerüstet begeben wir uns auf den Weg auf einer Route durch den östlichen Teil des Nationalparks, die Black Mountains. Wir nehmen dafür eine Tour, die der Lonely Planet vorschlägt, allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Unser erster Stopp ist eine kleine Kirche, die Patrishow Church, für die wir von der Hauptstraße abbiegen müssen und gefühlt ewig lang eine schmale Straße zwischen Hecken viele Berge rauf und runter fahren und dabei immer wieder mit entgegenkommenden Autos darüber verhandeln müssen, wer jetzt ein Stück zurück zur letzten Ausweichmöglichkeit fährt. Der Hase ist irgendwann schon richtig genervt und glaubt, wir seien zu weit gefahren. Also schalte ich das Navi an und siehe da: noch um zwei Kurven und dann sind wir da. An einem grünen Hang steht das alte Kirchlein, umgeben von einem Friedhof mit krumm und schief stehenden Grabsteinen. Drinnen gibt es mittelalterlicher Wandmalereien und tolle filigrane Schnitzereien in Eichenholz zu bestaunen. Das hat sich dann doch gelohnt!

Partrishow Church

Zudem hat uns die Fahrt schon mal auf die Straßenverhältnisse für die nächsten Tage vorbereitet: Meistens sind die Straßen einspurig, oft links und rechts mit Hecken begrenzt, ab und zu fährt man über Viehgitter und gar nicht selten stehen plötzlich Schafe auf der Straße oder Pferde am Wegesrand. Drumherum ist es sehr grün, es gibt Felder, Wiesen, Laubwälder und angelegte Nadelwälder, Bäche, Flüsse und dazu immer wieder kleine Dörfer, Kirchen oder Ruinen. So eine ist unser nächster Halt, die Ruine der Llanthony Priory. Hier lebten früher Priester ähnlich wie in einem Kloster zusammen, nur dass sie eben keine Mönche waren, sondern auszogen um in den umliegenden Gemeinden zu predigen. Als die Anglikanische Kirche sich immer mehr ausbreitete, wurde das Gebäude verlassen und verfiel zusehends. Seit dem 19. Jahrhundert wird der jetzige Zustand erhalten und ähnlich wie die Tintern Abbey ist die Priory seit Jahrhunderten Ziel von Wanderern, Malern, Dichtern und sonstigen Romantikern.

Von Llanthony aus geht es hoch in die Berge und über den Gospel Pass, eine Gegend, wo kein Baum mehr steht und hauptsächlich Heidekraut und ähnliche Pflanzen wachsen. Außer Schafen, Pferden, Felsen und dem einen oder anderen Paraglider gibt es hier oben gar nichts. Schön!

Gospel Pass

Dann fahren wir wieder hinab und landen im legendären Hay-on-Wye, das Literaturfreunden aufgrund seines Festivals und seiner unzähligen Antiquariate und Second-Hand-Buchläden ein Begriff ist. Leider haben wir nur noch zwei Pfund in Münzen dabei, was unsere Hay-Zeit auf zwei Stunden beschränkt. Wir durchstöbern einige Buchläden auf der Suche nach Second-Hand-Ausgaben einiger Bücher von meinem Wunschzettel, haben aber kein Glück. Da wir disziplinierte Reisende sind, kaufen wir auch nichts anderes, obwohl das sehr schwer fällt.

Hay-on-Wye
Stattdessen gönnen wir uns aber in Shepherds Ice Cream Parlour köstliches Eis aus Schafsmilch. Für mich gibts Stachelbeere-Custard und Mango-Sorbet, der Hase nimmt Honeycomb-Taffy und Peanutbutter-Choc.
Eis
Dann wollen wir noch ein bisschen mehr Essen und vor allem Tee trinken (meine Erkältung nervt zusehends). Dafür gehen wir in die Granary und nehmen – der Erfahrung wegen – unseren ersten Cream Tea zu uns. Es gibt also Scones mit Clotted Cream und Marmelade, dazu Earl Grey für mich und Erdbeer-Früchtetee für den Hasen. Sehr lecker, auch wenn ich gerne noch ein paar Finger Sandwiches dazu gehabt hätte, war doch alles sehr süß so.

Cream Tea
Dann müssen wir zurück zum Auto und fahren wieder gen Süden, fast bis an den Ausgangspunkt der Tour zurück, wo sich unser Bunkhouse für die nächsten zwei Nächte befindet. Der Besitzer hatte mir eine ausführliche Anfahrtsbeschreibung geschickt, für die wir sehr dankbar waren, denn das Wern Watkin Bunkhouse liegt wirklich sehr abgelegen in den Bergen. Begrüßt werden wir zunächst von Pferden und Hunden. Als wir aus dem Auto steigen, sehen wir das Betreiberpaar, das uns zuruft, wir müssten noch ein paar Minuten warten, sie müssten zwei Schafe wieder einfangen. Wir bieten unsere Hilfe an, die dankbar angenommen wird. Zu viert laufen wir nun über die Wiesen des Gehöfts und versuchen, die beiden Schafe zurück zu treiben. So richtig gelingt es uns nicht, aber es war wohl vor allem wichtig, sie vom Haus und Garten wegzubekommen, sie gehörten nämlich den Nachbarn und hatten hier nichts verloren. Zum Dank für unsere Hilfe bekamen wir dann auch direkt ein Upgrade unserer Buchung und somit ein Zimmer ganz für uns alleine. Dafür war besonders ich dankbar, denn inzwischen war ich so kaputt, dass ich nur noch ins Bett und schlafen wollte. Das Abendessen fiel an diesem Tag aus.

Wern Watkin

Neun Eise beim Gelato Festival

Endlich mal wieder ein Sonntag, an dem ich Blogbares zu berichten habe und auch noch die Zeit habe, das etwas ausführlicher auszuformulieren. Liegt wahrscheinlich auch mit daran, dass ich während der Woche krankheitsbedingt mal wieder sehr wenig erlebt habe, bis auf die Krankenbesuche lieber Freundinnen natürlich. Von denen abgesehen habe ich hauptsächlich geschlafen, gelesen und Gilmore Girls geguckt, so dass ich gar keine Gelegenheit hatte, in Stress zu verfallen. Aber eigentlich soll es hier ja nicht um Stress-, sondern um Eis-Assessment gehen. Derzeit findet nämlich auf dem Gelände der Arena das Gelato Festival statt, bei dem man nach Zahlen des Eintrittspreises an zehn Ständen verschiedene Eiskreationen probieren kann und dann am Ende seinen Favoriten aus den sechs am Wettbewerb teilnehmenden Sorten küren kann. Das Festival tourt durch diverse Städte in Europa, bevor dann die besten Zwei aus jeder Stadt beim großen Finale in Florenz gegeneinander antreten. Eise essen und bewerten? Genau die richtige Veranstaltung für den Hasen und mich!

Ich hatte jobbedingt schon vor ein paar Wochen von dem Festival erfahren und direkt vergünstigte Tickets gekauft, der Termin stand also felsenfest im Kalender und war selbst von meiner hartnäckigen Sinusitis nicht mehr daraus verdrängbar. Wir nahmen also gestern ein eher spartanisches Frühstück zu uns und fuhren dann gemeinsam mit einer lieben Freundin, deren Kollegin und deren (der Kollegin) Mann zur Arena. Dort wandelten wir an einem Automaten unsere Ticketcodes in eine Gelato Card um und schon konnte der Spaß beginnen. Deutsch, korrekt und wissenschaftlich orientiert, wie wir sind (zumindest, wenn es ums Essen geht), nahmen wir uns die Stände der Reihe nach vor – evtl. nicht ganz optimal, wie wir noch feststellen sollten.

Eis Nummer 1 war die “Seduzione di Aphrodite”, die Verführung der Aphrodite, mit einer Basis aus griechischem Joghurt, Moosbeeren und Nüssen. Hat uns sehr gut geschmeckt, war schön cremig und joghurtig-säuerlich und wurde vom Hasen als seine Nummer 1 gekürt. Die Kreation stammt vom Eiscafé Venezia in Kirn (von Berlin ausgesehen: irgendwo in Rheinland-Pfalz).

 

Nummer 2 war “Valle dei Templi”, das Tal der Tempel. Natürlich hatten wir daran sehr große Erwartungen, denn das Tal der Tempel in Agrigento zählt zu unseren gemeinsamen und einzelnen schönsten Urlaubserinnerungen. Diese Kreation vereinte Mandeln, Pistazien und Zitronen, also drei der vorstechendsten sizilianischen Aromen, ging mir aber ein kleines bisschen zu sehr in Richtung Marzipan. Gut, aber hinter den – zugegebenermaßen sehr hohen – Erwartungen zurückbleibend. Diese Kreation stammte aus der Gelateria Cristallino in Bad Tölz (von Berlin aus gesehen: irgendwo in Bayern).

 

Nummer 3 hieß schlicht und einfach “Ginger Lemon” enthielt aber außer köstlichem Ingwer-Zitrone-Eis auch noch Preiselbeeren. Sehr lecker, fruchtig frisch, zitrussig, scharf und ein bisschen süß-bitter. Der Favorit des Mannes der Kollegin der Freundin war der erste Lokalmatador vom Fantasia del Gelato in den Spandauer Arkaden (von Berlin ausgesehen: da hinten in Spandau).

 

Nummer 4 war ein weiteres Heimspiel, “EisQueen Summer Garden” von der EisQueen in Rangsdorf (von Berlin ausgesehen: da unten bei Schönefeld) und die wohl spannendste Kreation im Wettbewerb: Limetteneis mit kandierten Karotten. Hätte man es bei dieser wirklich wohlschmeckenden Kombination belassen, hätte das Eis echte Chancen auf einen Preis gehabt, leider gab es aber obendrauf noch eine irgendwie nach Babybrei schmeckende pürierte Möhrensauce und riesige Stücken gefrorener Möhre, die das Essen unnötig erschwerten. Die (schwangere) Kollegin der Freundin hat das Eis sehr schnell entsorgt, wir anderen haben versucht, die Sauce schnell hinter uns zu bringen oder unterzurühren, danach gings dann. Schade um die schöne Idee!

 

Nummer 5, “Crazy Choc” wurde mit italienischem Akzent immer wieder marktschreierisch angepriesen als würden nicht der Charakter des Festivals und die Kombination aus Schokoladeneis, Himbeersorbet, Brownie, Himbeer- und Schokoladensauce sowie gefrorener Sahne ohnehin für freudige Abnehmer sorgen. Es war aber auch wirklich superlecker und der Hase und ich überlegten beide krampfhaft, wo wir schon einmal so eine Schokohimbeer-Kombination gegessen hatten. Eingefallen ist es uns nicht, aber sei’s drum. Auch Nummer 5 war übrigens wieder das Produkt eines Eiscafé Venezia (hat ja auch jede Stadt), diesmal aus Birkenfeld (von Berlin aus: auch irgendwo in Rheinland Pfalz).

 

Direkt daneben und deutlich ruhiger dann Nummer 6, der Favorit von mir und der Freundin: das “Mediterraneo” vom Erste Sahne in Neukölln (von Berlin aus: im In-Bezirk, südlich der Hasenheide). Ein veganes Sorbet aus Bronté-Pistazien, parfümiert mit Orangenblütenwasser, mit kalabrischem Olivenöl aus der Produktion des Vaters des Gelatiere, Karamellsauce und getoasteten Mandeln. Wundervoll, leicht, cremig, unglaublich aromatisch und auch der klare Sieger der beiden Pistazieneis-Variationen. Wie schön, dass mein Favorit auch der für mich am verkehrsgünstigsten gelegene ist, da schauen wir demnächst nochmal vorbei!

 

Nach den sechs Wettbewerbseisen waren wir schon ganz schön platt, aber es gab nun einmal noch mehr Stände und wir hatten sowohl Appetit als auch Ehrgeiz genug, sie alle abzugrasen. Nummer 7 gab es Cookies Eis in zwei Variationen – Original und Black. Ich entschied mich für Black, kostete aber bei der Freundin auch die Original-Sorte, die ein wenig an Pudding erinnerte. Beides nett, aber nicht preisverdächtig.

 

Nummer 8, Buontalenti, eine “Spezialität aus Sahne und Rahm” von der Florentiner Eisdiele Badliani und benannt nach dem angeblichen Erfinder des Gelato, war skandalöserweise leer (später habe ich über Instagram erfahren, dass nachmittags wieder aufgefüllt wurde, aber da war ich schon lange wieder zuhause in Stars Hollow…). So mussten wir wohl oder übel ein Eis auslassen und gingen direkt zum Trüffeleis von Savitar über. Nicht was wir uns unter Trüffeleis vorstellen, sondern wirklich Eis aus weißen, toskanischen Trüffeln. Eine überraschende und erstmal fremde Mischung aus herzhaftem Trüffelgeschmack (evtl. auch Knoblauch?) und normal-süßem Sahneeis. Nachdem wir uns daran gewöhnt hatten, war das Eis doch erstaunlich lecker und der Hase und ich aßen ohne zu Murren und mit Genuss auf – die anderen hatten in Erwartung des letzten Eisstands ausgesetzt.

 

Dort, bei Pernigotti, gab es nämlich fünf verschiedene wundervolle Schokoladeneissorten mit herkunftsreinem Kakao aus Santo Domingo, Ecuador, Peru, Sao Tomé oder Kuba. Ich entschied mich mit Peru für die dunkelste Schokolade aus 80%igem Kakao und wurde nicht enttäuscht. Enttäuscht war ich eher darüber, dass man uns Nummer 8 vorenthalten hatte, obwohl uns angeboten wurde, einfach noch eine weitere Portion eines anderen Eises zu kosten, was wir aufgrund mangelnder Magenkapazitäten dann doch abgelehnt haben. Ich hätte gerne zum Abschluss nochmal ein leichtes, fruchtiges und nicht zu saures Sorbet gehabt, um eine Balance zur Schokolade zu schaffen. Aprikose, weiße Traube oder Feige wäre toll gewesen. So ein ausgleichendes Eis fehlte mir auch insgesamt ein bisschen in der Auswahl und ich war fast versucht, auf dem Heimweg noch irgendwo anzuhalten. Die Vernunft siegte dann aber doch und so stimmten wir nur noch schnell ab und rollten dann unsere eisigen Bäuche nach Hause.

Das Festival geht heute zu Ende, aber Ihr habt ja noch den ganzen Sonntagnachmittag, um vorbeizuschauen, wozu wir hiermit ausdrücklich raten!

Edit: Die Eise 1 und 3 belegten die beiden ersten Plätze und werden am Finale in Florenz teilnehmen.