Finales Aufwachen um 9, da ist der Liebste schon hellwach und berichtet, dass eben schon jemand mit Kaffee vorbeigelaufen ist (wir schliefen in einem Durchgangszimmer). Ich glaube ihm das mal unbesehen und dann steht er auf und holt uns auch Kaffee. Gemütlicher morgendlicher Reboot zu zweit im Bett, während Teile der Partygesellschaft schon beim Frühstück sitzen oder sogar schon auf dem Weg nach Hause sind. Kurz nach 10 dann habe ich gebloggt und meine Sprachaufgaben erfüllt und wir stehen auf und setzen uns zum Rest.
Es gibt mehr Kaffee, Brötchen, Eier von eigenen Hühnern, selbst gemachte Marmelade und einiges mehr. Zum „Nachtisch“ servieren die Kinder Pudding mit eigenen Erdbeeren und, Schlagsahne und österreichischen Waffeln.
Es ist ein Kommen und Gehen an der Frühstückstafel, als immer mehr Feiergestalten auftauchen und andere abreisen. Zwischendurch machen wir uns auch fertig und dann wird der Liebste, der noch Pläne zuhause hat, mit zwei anderen Gästinnen zum Bahnhof gebracht. Ich hingegen bleibe noch da und genieße eine gewisse Nachfeiersonntägliche Sommerträgheit, räume ein bisschen mit auf, spiele ein bisschen Karten, nicke beim Rätseln fast weg… Dann habe ich noch einen Auftrag, fahre mit meinem Onkel zur nächstgelegenen Packstation und helfe ihm mit meinem Handy, ein Päckchen auszulösen, dass dort entgegen vorheriger Absprachen abgeliefert wurde.
Danach gibt es Mittagessen – mehr Spargelsuppe für die Anderen, lokale Räucherforelle und diverse Salatreste von gestern.
Der Nachmittag tröpfelt gemütlich weiter vor sich hin, die Zahl der Anwesenden schrumpft weiter. Am Ende bringt die Cousine, mit der wir gestern gekommen sind, die feiernde Cousine, ihren Freund und mich zum Bahnhof und wir fahren zurück nach Berlin. Dabei nehmen wir eine andere Route als gestern, denn der RegionalExpress ist Sonntag abends so voll. Wir fahren mit einer Regionalbahn nach Potsdam und wollen von dort mit einem anderen RegionalExpress in die Bundeshauptstadt. Da der aber Verspätung hat, sind wir mit der S-Bahn schneller und zuckeln langsam aber mit Sitzplätzen nach Mitte.
Am Alex trennen sich unsere Wege. Ich fahre mit der Straßenbahn nach Hause und treffe am Briefkasten die Nachbarin samt Sohn, die ich auch gestern bei der Abfahrt schon getroffen habe und wir erzählen uns von unseren Wochenenden. Alles sehr familiär hier. Oben begrüßt mich Noosa mehr enthusiastisch als schimpfend, das ist auch sehr angenehm. Ich bestelle Essen (Sommerrollen, Pad Thai mit Hähnchen, Mango-Lassi), telefoniere nochmal mit dem Liebsten und lasse dann das Wochenende zur neuen Staffel The Four Seasons ausklingen. Passt alles gut zusammen.
Gar nicht ganz so furchtbar geschlafen, übrigens! Gegen 8 muss ich aufs Klo und nutze die Gelegenheit gleich, um Noosa zu füttern und mir einen Matcha Latte zu machen und statt mich damit wieder ins Bett zu legen setze ich mich auf den Balkon und mache den morgendlichen Reboot da. Gut fürs Gesamtgefühl und schnelleres Hereinkommen in den Tag.
Das ist auch nötig, denn bis alles erledigt ist, was zum Morgen dazugehört, muss ich schon fast los. Halb 12 gibt es ein Frühstückssandwich mit veganem Rinderschinken, Schafskäse, Gurke und Sahnemeerrettich und den Rest Paprika und dann verlasse ich kurz darauf das Haus und fahre zum Alex. Dort steige ich entspannt in den (leicht verspäteten) RegionalExpress ein, finde meine Cousine und als der Liebste zwölf Minuten später dazusteigt, haben wir schon eine ganze Menge erzählt und eine Chipspackung geöffnet. Es folgt eine Ananas-Limetten-Limo.
Nach gar nicht allzu langer Zeit steigen wir aus und werden von einer weiteren Cousine abgeholt. Auf der Fahrt zum Tantenhaus machen wir einen Umweg und kaufen geräucherte Forellen direkt ab Teich. Die Gespräche mäandern wild von Kindergeburtstagen bis zu Baseballschlägerjahren und setzen damit ungefähr den Ton für den Rest des Tages.
Am Tantenhaus angekommen treffen wir die dritte Cousine, die heute ihren Geburtstag nachfeiert und einen Teil ihrer Gäst*innen. Wir kommen pünktlich zum Mittagessen – Spargel aus dem Garten, als Suppe und Stangen, dazu Kartoffeln und Rührei (auf Kinderwunsch mit Pesto). Der Liebste traut sich an Spargelsuppe, ich an den grünen Spargel. Um den weißen machen wir beide wie gehabt einen großen Bogen und essen uns an Kartoffeln und Ei satt.
Spannende Gespräche um Lokalgeschichte mit ausufernden Theorien und Einwürfen vom Onkel, der hier ja seit Generationen verwurzelt ist und sich ausführlich beschäftigt hat. Die Themen reichen zurück bis 1100 C.E. Währenddessen trudeln immer mehr Gäst*innen ein. Irgendwann wechseln wir aus der Weinlaube hinüber an den Teich, wo zwei der Jüngsten sich ins kühle Nass trauen (das älteste Kind und der jüngste Erwachsene). Andere Festteilnehmende sind zu einem See in der Nähe gefahren.
Am frühen Abend wird der Grill angeworfen. Es gibt jede Menge Brot, Salate und Vegetarisches, wer Fleisch und Wurst will, hat sich etwas mitgebracht. Was für ein Festmahl! Ich traue mich an ein bisschen Alkohol – ein Glas Cidre, ein Glas Kirschbowle, aufgetaut vom großen Fest letzten Sommer.
Nach dem Essen wird die Feuerstelle frequentiert. Die drei anwesenden Kinder und einige Erwachsene machen Stockbrot und Marshmallows und Stockbrot mit Marshmallows.
Am Feuer sitze ich dann – bei einem Glas Weißwein – bis ungefähr 2 Uhr und gehe als eine der letzten ins Bett. Der Liebste und der ganz harte Kern halten noch länger durch, die haben aber auch keine kleine Katze zuhause…
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihrhier.
Nicht mehr über schlechten Schlaf zu bloggen hat den Vorteil, dass ich weniger drüber nachdenke und er mich weniger stört. Andererseits erinnere ich mich halt auch am nächsten Morgen nicht mehr, wie denn die vorletzte Nacht war. (Shrug-Emoji) Irgendwann jedenfalls bin ich wach und beginne den Tag. Da viele der Menschen mit denen ich, intern wie extern, zusammenarbeite, heute einen Brückentag genießen, steht mir ein Arbeitstag bevor, der meetingfrei und deadlinefrei ist, mit zusätzlichem Input ist auch nicht zu rechnen. Ich lasse es also ruhig angehen.
Balkonfrühstück zu ausführlichem morgendlichen Reboot auf dem Balkon. Es gibt Rosinenstuten mit Feigenkonfitüre bzw. Pflaumenmus, Pfirsich und Ostfriesentee mit Erbsenmilch und Kluntje.
Der Gang zum Schreibtisch fällt dann schwer, auch weil Noosa viel lieber hätte, wenn sie auf mir liegen könnte, während ich auf der Couch liege. Ich hätte aktuell aus Gründen lieber, dass sie auf meinem Schoß liegt, während ich am Schreibtisch sitze. Wir einigen uns auf einen Kompromiss: Sie liegt vor mir auf dem Schreibtisch, während ich versuche, trotzdem an Tastatur und Maus zu kommen.
Mit guter Musik auf den Ohren geht es durch die Aufgaben des Tages.
Mittags mache ich mir eine grüne Minestrone: halbe Zwiebel, Olivenöl, Grünzeug aus dem TK (Porree, Sellerieblätter, Erbsen, Bohnen) und vom Balkon (Rosmarin, Oregano, Thymian, Petersilie), eine Grana-Padano-Rinde, Bohnenkraut und einen Rest zerkleinerte Eiernudeln), schmeckt gut!
Ich mache früh Feierabend (das Diensthandy bleibt trotzdem bis 18 Uhr auf Empfang) und gönne mir ein Nachmittagsschläfchen. Nachmittags schläft Noosa ruhiger als nachts, wir bekommen also beide noch ein bisschen Schlaf aufgeholt.
Dann gibt es für mich einen Smoothie aus Pfirsich und TK-Beeren und Vanilleeis, für Noosa ein Leckerli.
Da das Diensthandy weiter stumm bleibt, gehe ich endgültig in den Wochenendmodus und nähre meinen Geist mit weiteren Folgen von Tucci in Italy, nämlich Le Marche, Sardegna, Veneto, Toscana, Lombardia und Trentino-Alto Adige. Ich lerne mal wieder viel, unter anderem, warum in Sardinien so wenig Fisch gegessen wird (Die Römer sind Schuld, natürlich!) und bekomme genug Hunger für den Rest Minestrone.
Badewanne, Bett, Buch, aber geschlafen wird dann erst wieder nach Mitternacht.
Wir sprechen ja nicht mehr über den Schlaf. Der Morgen wird dann trotz Homeoffice ein bisschen hektisch, weil ich aus Gründen direkt stadtfein sein muss, bevor es an den Schreibtisch geht. Ich löffle Müsli mit Pfirsich und trinke weißen Tee mit Aloe Vera, während ich den Über-Nacht-Input aus Mexiko in das Projekt von gestern einarbeite und es dann termingerecht abschließe und veröffentliche. Und dann muss ich auch schon fast los, denn heute habe ich mal wieder einen Facharzttermin.
Die Fahrt mit zwei Straßenbahnen nutze ich für Französisch, Italienisch und Rätsel. Dann bin ich die 20 geforderten Minuten vorher da, ziehe eine Wartenummer, werde genau passend zur Terminzeit aufgerufen, dann aber erstmal ins System eingetöckelt und in ein zweites Wartezimmer geschickt. Immerhin das für Kinder mit lustigen Tierbildern an der Wand. Dort muss ich dann gar nicht mehr so lange warten. Dann wird ausführlich untersucht, beraten, abgewogen und ein Schlachtplan für nächste Schritte aufgestellt. Komplizierte Terminabsprache, noch ein weiteres Zimmer mit Erledigungen, dann Dinge zum Einscannen bringen und nach knapp zwei Stunden verlasse ich das Gebäude wieder.
Noch bevor ich in die Straßenbahn steige, bestelle ich ein Bành mì mit Aubergine zum Abholen. Auf das muss ich dann nochmal kurz warten, dann laufe ich damit zuhause, mache mir noch ein Tonic mit Yuzu dazu und habe ein sehr leckeres spätes Mittagessen am Laptop, dafür auf dem Balkon.
Der Nachmittag ist dann unauffällig. Nach Feierabend gehe ich aber mit der Nachbarin von nebenan zu einer Veranstaltung in der Bibliothek. Die Bewohner*innen der Siedlung sind eingeladen, ihre Meinung zum Wohnen einzubringen, bevor der neue Denkmalpflegeplan erstellt wird, der unser Weltkulturerbe mit notwendigen Klimaschutzmaßnahmen in Einklang bringen soll.
Es sind wahnsinnig viele Leute gekommen, das Interesse ist hoch, die Nachbarschaft interessiert und engagiert. Wir bekommen Input von Expert*innen zu Denkmalschutz, Klima und dem architektonischen Hintergrund und diskutieren dann miteinander und mit Vertreter*innen des zu enteignenden Vermieters (Hallo, Senat, es gab da diesen erfolgreichen Volksentscheid, remember?), was gut ist und was nicht und wie man Dinge besser machen könnte. Dazwischen gibt es Freigetränke und Fingerfood, da wir im Prenzlauer Berg sind alles in vegan und vegetarisch, worüber sich nichtmal die ältesten Mitbürger*innen mit ihren Gehhilfen beschweren.
Nach Abschluss der Veranstaltung laufen wir alle in die gleiche Richtung nach Hause und es ergeben sich in verschiedensten Grüppchen nochmal Gespräche, auch über Themen, die heute nicht im Vordergrund standen und ich lerne auch mal Leute aus den anderen Aufgängen in meiner Straße kennen. Mal sehen, ob da regelmäßigere Kontakte entstehen und wie viele Leute im Stadtbild ich jetzt neu grüßen werde können. Insgesamt auf jeden Fall eine tolle Veranstaltung, auch wenn ich feststellen musste, das einige meiner Meinungen auch ganz schön kontrovers sind. Das ist das schwierige mit der Demokratie…
Zuhause dann fragt Noosa, warum ich immer noch nicht mit ihr auf dem Sofa liege und das machen wir dann ausführlich. Nebenbei Liebstentelefonat und dann ganz bald auch wieder Bett, möglichst viel Schlaf unterkriegen, bevor das Katz wieder nachtaktiv wird…
Wir machen das jetzt hier im Blog so wie in den Gesprächen mit dem Liebsten: Ich erzähle einfach, WENN ich gut und ausreichend geschlafen habe und ansonsten gehen alle einfach davon aus, dass es nicht so war und verhalten sich entsprechend. Morgendlicher Reboot noch vollständig im Bett, dann Arbeitsbeginn und Frühstück auf dem Balkon. Es gibt Kaffee mit Mandelmilch und Rosinenstuten mit Feigenkonfitüre bzw. Pflaumenmus, einen Apfel und einen Pfirsich. Noosa hilft mir kräftig bei der Arbeit und sitzt viel auf meinem Schoß.
Als ein zweiter Bildschirm nötig wird, wechsele ich an den Schreibtisch und mache mir vorher noch eine große Kanne „Tee“: Ingwer und Kurkuma aus dem Kühlschrank, Melisse, Minze, Salbei und Thymian vom Balkon, Honig vom Hasenbruder.
Am späten Vormittag ein Meeting mit Bayern, ansonsten bleibt der Tag meetingfrei. Ich vertiefe mich ordentlich in eine Aufgabe, die an sich nicht umfangreich scheint, aber dann doch in vielen kleinteiligen Details jeden Monat länger dauert, als gedacht.
Zwischendurch ist Mittagspause. Ich esse ein Sandwich und Gemüse und widme mich dann so Life-Admin-Sachen, die mit Geschirr, Wäsche, Pflanzen und dem Katzenklo zu tun haben.
Dann weiter im Text, produktiv bis in den Feierabend. Anlässlich diesem geht es dann mit Straßenbahn und U-Bahn nach Mitte, bei den Ellis nach Post und Blumen gucken – jetzt ja nur einmal, aber bald wieder wöchentlich und dann monatelang, kann ich ja schon mal üben…
Dann von Mitte weiter nach Weißensee, zu einem Mitglied der Immergut-Bezugsgruppe, meine Camping-Ausrüstung abholen. Wir schwatzen noch kurz und ich freue mich wieder einmal über den vielleicht schönsten Innenhof Berlins.
Nach Hause kann ich dann laufen und dann ist auch schon Abendbrotzeit. Ich mache mir Pasta mit Bottarga, Kapern, Knoblauch und Petersilie und setze mich zum Essen und für die Zeit danach bis es dämmert wieder auf den Balkon.
Der Abend vergeht mit noch ein paar Erledigungen, sowohl online als auch am Müllplatz bzw. in der Wohnung. Dann noch Haarewaschen, Noosa müde spielen und gegen halb 11 liegen wir wieder im Bett und schlafen vor.
Die Nacht ein bisschen besser, die Schlafphasen sind länger und Noosa und ich schlafen bei jedem Aufwachen schnell wieder ein. Entsprechend erholter fühle ich mich am Morgen, auch wenn der Wecker wegen Bürotag früher klingelt. Der Großteil des morgendlichen Reboots erfolgt noch im Bett, nur das Liebstentelefonat erst auf dem Weg zur Bahn und die Rätsel in der Bahn. Vom Aufstehen bis zur Ankunft im Büro höre ich den Podcast, in dem Nilz Bokelberg von seinem kürzlich verstorbenen Bruder erzählt (aktuelle Folge Gästeliste Geisterbahn bzw. Niemand wird verurteilt) und das ist sehr berührend aber auch sehr lustig. Im Büro gibt es dann den guten Kaffee und den Rest vom Rhabarber Crumble zu ersten Aufgaben des Tages.
Dann das gemeinsame Bürofrühstück, heute eher kurz, weil dann der Meeting-Marathon losgeht. Zunächst mit Berlin und Frankfurt, dann nur mit Berlin, dann Mittagspause. Ich hole mir mit einer Kollegin einen Salat und dann sitzen wir draußen, essen und schauen aufs Wasser. Die Gespräche drehen sich um die großen Themen – Behinderungen, Abtreibungen, Leihmutterschaft, Altern, Tod, Beziehungsanfänge unserer Großeltern, deutsch-deutsche Geschichte. Wow.
Dann geht der Meeting-Marathon weiter. Nach einem Call mit dem tiefen Westen des Landes schenken mir die zwei Kolleginnen, die gerade zusammen Urlaub in Griechenland gemacht haben ein Armband, das perfekt zu meinem heutigen Outfit passt – die anderen Kolleg*innen im Team bekamen natürlich auch welche – und Klebe-Tattoos, aber da verzichte ich dankend.
Danach back to back Meetings vor Ort in verschiedensten Konstellationen, nebenbei sammle ich Infos für ein Dokument das ich gerade erstelle.
Das zweite Highlight des Tages ist dann das Kind einer Kollegin, das Mama abholt (gemeinsam mit Papa natürlich) und erstens sehr süße Wassermelonenschuhe anhat und zweitens so herzig mit unseren Büromaskottchen spielt, dass es eins davon leihweise mit nach Hause bekommt – ob und wann wir das wiederbekommen erscheint zumindest fraglich, so innig wird es beim Gehen umklammert.
Irgendwann ist dann Feierabend und ich laufe mit einer Kollegin rüber nach Friedrichshain und dann alleine weiter nach Lichtenberg, endlich wieder Wasserstrampeln! Heute ist überraschend ein anderer Trainer dran, nämlich der von damals hier, der in diesem Fitnessstudio und mit diesem abendlichen Publikum noch etwas mehr aus der Art geschlagen wirkt als in dem anderen mit dem seniorigen Vormittagskurs. Witzig und gut schaffbar, das Training. Ich mag den Opi.
Weil es heute eh so warm ist und ich so müde bin, klemme ich mir Dampfbad und Sauna und mache mich nach dem Duschen direkt auf den Heimweg. Dort angekommen schreit mich Noosa erstmal an, warum ich so spät komme, kuschelt dann aber ausgiebig mit mir. Ich telefoniere mit dem Liebsten, brate mir ein Omelette mit Schafskäse und getrockneten Tomaten, dazu gibt es Gurke mit etwas Artischocken-Dip von gestern und die restlichen Taralli.
Noosa und ich bleiben kuschelnd bzw. spielend auf dem Balkon, bis es ernsthaft dunkel wird und gehen dann gegen 10 mit Buch ins Bett. Ich schaffe ein Kapitel, bis mir die Augen zu fallen.
Neuer Monat, neues Glück also? Beim Schlafen eher nicht. Diese Nacht wird bestimmt von einer aufgeregten kleinen Katze, die mich ständig am wieder Einschlafen hindert. 2-3 Stunden am Anfang und 1-2 Stunden am Ende sind recht erholsam, dazwischen viel Wachliegen, Herumwälzen und liebevolle Krallen abwehren. Entsprechend gerädert bin ich am Morgen und froh, dass der Wecker spät klingelte und ich im Homeoffice bleibe.
Nach morgendlichem Reboot sitze ich pünktlich mit Tee und Müsli am Schreibtisch und arbeite E-Mails und Nachrichten der Urlaubswoche nach. Dann ein erstes Meeting mit Berlin. Zwei Meetings mit dem fernen Westen Deutschlands fallen aus, so dass ich genügend Zeit für meine Aufgaben habe. Mittags gibt es Käsebrot und Radieschen und danach eine Einkaufsrunde für Lebensmittel und Katzenfutter.
Am Nachmittag bin ich schrecklich müde und brauche eine Mate, damit mir die Augen nicht zufallen. Wieder wach machen mich dann die letzten drei Meetings – nochmal Berlin, dann Mexiko City, dann global mit allen. Und dann ist auch schon Feierabend. Ich erledige noch ein paar private Sachen am Laptop und widme mich dann dem Abendbrot.
Es gibt endlich eine frische Artischocke – zum ersten Mal dieses Jahr lachte mich eine gut aussehende beim Einkauf an, dabei ist die Saison vermutlich eigentlich schon wieder längst vorbei. Ich rühre mir dazu einen sehr einfachen Dip an aus Mayonnaise, Dijon-Senf, Gurkenwasser, Limettensaft, Oregano, Thymian, Petersilie und Estragon. Zur Sättigung gibt’s noch Fenchel-Taralli dazu.
Und zum Nachtisch gibt es Rhabarber-Crumble – auch erst der zweite und vermutlich schon wieder letzte selbst zubereitete Rhabarber des Jahres, mit Crumble aus Mehl, Butter, Zucker und Haferflocken, dazu Vanilleeis.
Der Abend vergeht ansonsten mit Podcasts und Telefonaten mit dem Liebsten und dem Bruder. Und dann gebe ich der Müdigkeit einfach nach und liege schon kurz vor 10 im Bett, draußen ist es noch hell. Neuer Versuch mit dem Schlafen, Noosa bringt sich schon in Kuschelstellung…
Der Plan mit dem richtig viel Schlafen hat nicht ganz so gut geklappt wie gestern. Irgendwie habe ich beim Einschlafen die Ohropax vergessen und war dann ab 3 eine Zeitlang knallewach, als der nächste DJ anfing. Bis ich das mit den Ohropax gemerkt habe, dann bin ich nochmal eingeschlafen, aber nicht mehr so tief, wohl auch, weil die Musik am letzten Tag dann eben bis um 6 ging und um 8 die Nacht wärme- und blasenbedingt vorbei ist.
Ich erledige wenig vom morgendlichen Reboot, da kaum Internet ins Zelt zu kriegen ist. Dafür stehe ich früh auf, gehe Zähneputzen, ziehe mich an und packe dann meine Sachen und baue das Zelt ab. Kurz nach 9 sitze ich dann als eine der ersten beim Frühstück, kriege direkt Kaffee und esse mich durch einen Großteil der mir verbliebenen Vorräte. Gegen halb 11 sind auch die letzten der Anderen wach. Ich räume meinen Platz, gehe Müll sammeln und tausche meine fast nicht gefüllten Mülltüten gegen einen neuen Immergut-Beutel ein, statt die 5 Euro Müllpfand zurückzunehmen.
Dann verabschiede ich mich direkt von der Bezugsgruppe, lade meine Campingtasche in den Bus der Beinahe-Nachbarin und mache mich mit leichtem Gepäck auf den Heimweg. Shuttle-Bus (Der Zug ist kaputt), lange Umsteigezeit am Bahnhof, die genau zum Bloggen reicht, RegionalExpress nach Oranienburg, der zum Rätseln reicht, S-Bahn nach Gesundbrunnen, S-Bahn in den Pberg, Heimweg. Das leichte Gepäck ist am Ende trotzdem ganz schön schwer.
Nach insgesamt gut drei Stunden habe ich es geschafft und lasse mich ausgiebig von Noosa anschreien, die einerseits empört ist, dass ich schon wieder so lange weg war, andererseits froh über meine Rückkehr. Wir spielen und kuscheln erstmal eine Runde. Dann packe ich meine Sachen aus und telefoniere zum ersten Mal seit Donnerstagvormittag mit dem Liebsten – ein Hoch auf Telefon- und Internetempfang! Wir erzählen uns die letzten Tage und kommen dann überein, den Rest des Sonntags ganz hart zu chillen.
Ich für meinen Teil komme diesem Anspruch so gar nicht nach, stattdessen
wasche ich Wäsche und hänge sie auf
mache ich meine Französisch- und Italienisch-Aufgaben
lasse ich den Geschirrspüler durchlaufen und räume ihn aus
mache ich ausführlichen Katzensport mit Noosa
koche ich mir Spaghetti mit einer Marcella-Hazan-inspirierten Sauce aus Dosenkirschtomaten plus Basilikum, einem Rest Käsewürstchen und Parmesan
plane ich meine Geburtstagsparty und schreibe die Einladungen
beende ich das Katalogisieren der Plattensammlung der Liebsteneltern und finde dabei noch einige Schätze
setze ich mich nochmal für zwei Stunden oder so an mein Projekt und dann ist es plötzlich fertig und ich habe jetzt ein neues Zertifikat, mit dem ich mich und meinen Lebenslauf schmücken kann
Dann ist es plötzlich schon halb 10, wo ist die Zeit nur hin? Höhö. Ich lege mich mit einem Wildberry Lillet in die Badewanne, stoße remote mit der Familie auf Oma an, die heute vor 14 Jahren gestorben ist, und denke nach über die Zeit, die vergeht.
Der Mai hat insgesamt ganz schön beschissen angefangen (tatsächlich begannen die Einschläge schon im April, um Ostern herum), so viel privaten, gesundheitlichen und beruflichen Mist auf einmal hatte ich glaube ich noch nie zur gleichen Zeit. Dafür waren die letzten zwei Wochen des Mais dann wohl der Ausgleich, denn plötzlich ging es aufwärts, stimmungsmäßig und in den Entwicklungen. Jetzt noch unverhofft den Projektabschluss schon zum Monatsende und deutlich vor der veranschlagten Zeit geschafft. Vielleicht kann der Monatswechsel auch ein Perspektivwechsel werden und der Rest des Jahres wird jetzt besser? Darauf einen Wildberry Lillet, gute Musik und Noosa kraulen!
Aufwachen ist gegen halb 9, als die Sonne aufs Zelt knallt. Habe also mehr als acht Stunden geschlafen und diese Nacht auch überhaupt nicht gefroren. Konzept „auf dem Festival mal so richtig ausschlafen“ funktioniert ganz gut. Ich blogge vor, was mit wenig Internet vorzubloggen geht, dann die üblichen Verrichtungen des Morgens, Ausflug zu Waschen und Zähneputzen, Frühstück in der Bezugsgruppe, aber weil heute alles etwas später dran ist, warte ich nicht mehr, dass der Kaffee fertig wird, sondern hole mir eine Mate bei der offiziellen Frühstücksrunde, die wieder ähnlich lustig wird wie gestern.
Danach ein Diskussionspanel zu den Krisen in der Welt und wie man mit ihnen umgeht. Unter den Speakern ein Achtklässler, der in Neustrelitz Jugendpolitik macht. Mal gucken, ob das Känguru-sozialisierte Teilzeitkind, das schon ordentlich Meinung zu Parteien hat und bald in die siebte Klasse kommt, auch demnächst was Engagiertes ausbrütet, denke ich mir.
Es folgt ein Workshop zur Zukunft des Immerguts, die anscheinend doch gar nicht so unrosig aussieht, wie befürchtet: Es soll auf jeden Fall weitergehen, über das Wie wird noch diskutiert und wir lassen ein paar Ideen da. Dann zieht es mich aber aufs Gelände, bewaffnet mit einem Chai Latte mit Espresso-Shot.
Dort liest jetzt Sonja Eismann aus ihrem Buch „Candy Girls“ und referiert nebenbei über Seximus und andere -Ismen in der Musikbranche, teils Bekanntes, teils Unbekanntes.
Dann die erste Musik des Tages, Peki Momés aus Leipzig, mit schön entspanntem träumerischen Immergut-Nachmittagssound. Mit ein bisschen mehr Sonne wäre es perfekt gewesen. Direkt danach kommt ein Live-Podcast von Too Many Tabs, der sich sehr witzig mit den Wise Guys und dem Perfekten Dinner beschäftigt, zwei Themen, die bei mir durchaus anschlussfähig sind. Ich esse dazu einen okayen Burrito.
Dann eröffnen La Securité aus Montreal die Zeltbühne für den Tag mit Dance Punk und machen dabei richtig Spaß.
Hinterher geht es zu Dressed Like Boys zurück zum Birkenhain, mit wirklich wirklich schöner Musik aus Belgien, große Empfehlung!
In ähnlichem Stil geht es danach auf der Waldbühne weiter, mit Quickly, Quickly aus Portland, Oregon allerdings verliert sich das Ganze auf der großen Bühne ein wenig und bleibt mir nicht so nachhaltig im Ohr.
Hinterher geht es zurück ins Zelt, zu Blvth aus Berlin, der mir noch von einem der letzten Immerguts ein Begriff ist, aber keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat – heute auch nicht.
Das geht dem Großteil der Bezugsgruppe auch so, ziemlich schnell treffen wir uns draußen wieder. Ich trinke einen Vodka mit Blutorangenlimo (erster Alkohol seit Freitagnachmittag, ich Spießerin) und esse Pommes mit Mango-Chili-Mayo und Aioli.
Dazu höre ich mir Sorry aus London auf der Waldbühne an, aber so langsam ist die Luft raus und der Histaminspiegel ist schon wieder weit über Gut. Trotzdem interessante Band, muss ich zuhause nochmal reinhören.
Danach noch ein bisschen Brockhoff aus Hamburg im Zelt, bzw. davor, weil es mir drinnen heute echt zu laut ist (Evtl. werde ich nicht nur spießig, sondern auch alt?). Brockhoff kenne ich auch vom Immergut von vor ein paar Jahren, kann man durchaus machen, auch hier wieder: Zuhause nochmal rein hören!
Mir reicht es für heute, die noch folgenden Bands und Acts sagen mir nichts und bis zum Italo-Pop um 2 halte ich eh nicht durch. Also gleiche Nummer wie gestern, gegen 23 Uhr liege ich im Zelt und schlafe vor, für die Zeit in der Noosa mich wieder wachhalten wird.
Erstaunlich, dass Lautstärke den Nachtschlaf weniger stört, als Katzenkrallen im Gesicht. Wenn ich nicht die ganze Zeit gefroren hätte, mit kurz vor 8 immer noch kalten Füßen, hätte ich locker sieben Stunden Schlaf zusammen gehabt, als es gegen 8 plötzlich knalleheiß im Zelt wird und ich endgültig wach werde. Ein kurzer Gang zum Kompostklo, dann mache ich es mir auf dem Schlafsack gemütlich und versuche, den morgendlichen Reboot zu bestreiten, soweit das hier in der Empfangwüste möglich ist. Zum Glück bin ich vom langen Wochenende in der Heide bereits trainiert. Dazu gibt es ein erstes Frühstück mit Müsli und Hafermilch aus dem Becher und einem Apfel.
Als alles erledigt ist, was ich erledigen kann, ziehe ich mich an, gehe Zähne putzen und setze mich dann auf einen Kaffee zur Bezugsgruppe, die auch nach und nach wach wird. Zu 11:30 geht es dann hinüber zur offiziellen Frühstücksrunde mit Uli Brase und Sam Vance-Law, die wieder extrem lustig ist und ein Gespräch mit Moritz Krämer von Die Höchste Eisenbahn und eins mit Future Franz enthält, außerdem einen Tischtennis-Dribbelwettbewerb, die Verkostung von alkoholfreien Cocktails, ein Horoskop und natürlich das Wetter, dass nach scheißekalter Nacht einen schweineheißen Tag verspricht (wörtliches Zitat). Außerdem gibt es hier WLAN, so dass ich hinterher gleich sitzen bleibe und den Reboot finalisiere.
Es folgt eine Gesprächsrunde zur anstehenden Wahl in MV mit einer SPD-Ministerin, Vertreter*innen von Grünen, Linken und Zivilgesellschaft. Der CDU-Mann hat leider abgesagt, die FDP läuft in MV unterm Radar und die andere Partei wurde nicht eingeladen und würde wohl auch nicht kommen. Es moderiert der Chefredakteur von Katapult. Inhaltlich läuft das Gespräch wie die meisten dieser Art, gleiche angedachte Strategien, ein bisschen Hoffnung, ein bisschen Angst vorm Wahlergebnis, echte Lösungen nicht in Sicht.
Ich gehe hinterher zurück zum Zelt und esse ein zweites Frühstück mit Käsebrot, Ei, Würstchen und Radieschen, dann geht es zur Diskussionsrunde um den Wert von Kultur angesichts von Förderungskürzungen, Streamingdiensten, KI und Plattformlogiken. Hier sprechen eine Vertreterin von Audiolith, die Sängerin Mine und mein ehemaliger Minigolf-Buddy Hendrik Menzl vom Kulturland MV (Ex-Supershirt) miteinander. Auch hier ist die Stimmung wenig optimistisch, am Ende muss man auf mündige Konsument*innen, alternative Bezahlmodelle und gesetzliche Regelungen auf EU-Ebene hoffen.
Nochmal kurz zum Zelt, Wasserflasche ablegen, Programmheft holen und dann ist es auch schon Zeit fürs Festivalgelände. Ich hole mir für weiteren Vitaminkick eine alkoholfreie Erdbeerbowle und setze mich zur unterhaltsame Lesung von Magda Wystub, die über „Queere Tiere“ informiert. Klingt nach einer guten Geschenkidee für Menschen, die schon alles haben. Danach spielt Future Franz aus Hamburg und das bemerkenswerteste daran ist der Arc de Triomphe, den er das Publikum nachstellen lässt. Ein bisschen cringe, wie viele da mitmachen, aber es ist ja noch sehr früh am Tag, später am Abend hätte ich das vielleicht anders wahrgenommen.
Danach wieder Lesung – Sveamaus liest aus „Image“ und eigentlich wollte ich dabei gemütlich wegdösen (hatte ja keinen Mittagsschlaf heute), aber sie liest so mitreißend und der Text ist so witzig, dass ich hellwach bleibe und mich wieder aufsetzen muss. Das Buch wandert stantepede auf meinen Wunschzettel.
Als Nächstes eröffnen Rip Magic aus London die Zeltbühne, es ist mir aber zu „noisig“ und generell noch zu dunkel da drinnen. Ich hole mir Pasta mit Pistazienpesto und sitze lieber weiter draußen und belausche den Soundcheck von Kapa Tult aus Leipzig. Die machen dann auch genauso viel Spaß, wie der Indiejunge mir seit Jahren versichert, erstes musikalisches Highlight des Tages. Ich bin aber immer noch sehr müde und hole mir dann einen Espresso Tonic, mit dem ich mich vor die Waldbühne stelle und die große musikalische Neuentdeckung des Tages anhöre.
The Tullamarines aus Adelaide, Australien, spielen Indie Rock als wären die letzten 20 Jahre nie passiert. The Hives meets The Wombats meets Arctic Monkeys meets… Ihr wisst schon. Ganz groß und wir tanzen uns trotz einsetzendem, nicht angekündigtem, Regen die Seele aus dem Leib. Überhaupt ist dieses Immergut wieder wohltuend rockig und es gibt wieder viel mehr „echte“ Bands mit mindestens drei Mitgliedern, viele davon Frauen. Und viel internationaler ist es auch wieder geworden, so schön!
Danach geht es direkt mit Ebbb aus London im Zelt weiter, auch gut tanzbar, aber etwas weniger fröhlich und wieder ganz schön laut, zumindest da vorne an der Bühne. Ich streiche nach der Halbzeit die Segel und laufe nochmal bisschen draußen rum.
Dann der Programmpunkt „Kenne ich vom Immergut und ist jetzt Mit-Headliner“: Die großartige Fuffifuffzich aus Berlin, die seit dem letzten Jahr ihre Show nochmal mehr professionalisiert hat und mit noch mehr Attitüde auftritt, aber eben auch das ganze Publikum hinter sich hat. Sie liefert auch den täglichen Festival-Coversong, heute ist es „Alkohol“ von Grönemeyer, der aber kaum wiederzuerkennen ist, so viel Fuffi-Sound steckt drin.
Danach Programm-Geshuffle: Mine hat nach der Gesprächsrunde vorhin festgestellt, dass ihre Kehlkopfentzündung noch nicht auskuriert ist und musste ihren Auftritt absagen, stattdessen wird erstmal der Auftritt von Kabeaushé aus Kenia vorgezogen, der mir ein bisschen too much ist. Leider regnet es inzwischen richtig ergiebig. Mir fehlt die Geduld, auf Chloe Slater (aus Manchester) zu warten und ich weiß zu wenig über die neu eingesprungenen GiGi Girls, dafür finde ich die Vorstellung von mehr Schlaf diese Nacht sehr verlockend und ich laufe durch den Regen schnell zurück zum Zelt. In Schlafanzug und Schlafsack stelle ich schnell noch fest, dass die GiGi Girls eine Italo-Pop-Band aus Köln sind, die ich bestimmt gerne gesehen hätte, aber da ist es schon zu spät und außerdem regnet es immer noch. Dann also Augen zu gegen 23 Uhr!