16.09.2026 – Büro und Zug

Heute wiederholt sich eine Situation, wie ich sie vor knapp einem Monat schon einmal hatte, morgens ins Büro, nachmittags in den Zug, abends ins Hotel. Da mir die Strecke jetzt öfter bevorsteht, werde ich versuchen zukünftig besser zu planen, die Nachmittage solcher Tage meetingfrei zu halten und nicht erst mitten in der Nacht erschöpft anzukommen.

But first things first, erstmal gibt es eine ganz okaye Nacht mit Noosa, außer, als sie zwischendurch dringend eine Motte jagen muss, die sich frech und prominent durchs Zimmer bewegt. Dann morgendlicher Reboot und Aufbruch mit nur kurzem Liebstentelefonat, weil der auch sehr froh los muss. Mit zwei S-Bahnen nach Friedrichshain, über die Brücke nach Kreuzberg und rin ins Büro.

Schön, die Kolleg:innen seit drei Wochen das erste Mal wieder zu sehen und bei der Gelegenheit gleich ein paar Neue kennenzulernen. Also, einen neuen und zwei, die ich halt vorher noch nie gesehen hatte. Es gibt Milch ins Müsli (mit Hofbirne) und den guten Kaffee. Dann emsiger Arbeitstag mit vier stattfindenden und einem ausgefallenen Meeting. Dazwischen gemeinsame Mittagspause, bei Regen drinnen, mit Pastaresten für mich.

Nach dem letzten Meeting mache ich mich um 16 Uhr auf den Weg zum Hauptbahnhof, habe dann dort noch Zeit, mir Abendbrot zu besorgen und dem Brüderchen kurz vorm Nordpol (man ist gerade bei 84 Grad nördliche Breite) zum Geburtstag zu gratulieren. Ich sinne darüber nach, dass ich 2026 glasklar mit der hohen Arktis telefonieren kann, mein Zug aber trotzdem zehn Minuten zu spät losfährt.

Im Zug arbeite ich dann erstmal noch ein Stündchen Sachen ab, dann zelebriere ich den Feierabend mit dem gekauften Abendbrot.

Sandwich und Mango-Bowl, Chips und Schorle sind für später im Hotel

Dabei höre ich Podcast und irgendwie bleibt es dann beim Podcast Hören und dabei Rätseln, statt mich irgendwann aufs mitgenommene Buch zu verlegen – es gibt so Tage, viele davon.

Mit einer halben Stunde Verspätung fahren wir in Frankfurt ein. Also, in die Stadt. Es dauert dann noch einmal fast eine halbe Stunde länger, bis wir auch wirklich am Bahnhof ankommen und aussteigen dürfen. Fahrgastrechteformular als To-Do für Freitag, denn das Ticket hat die Firma gekauft und morgen ist Team-Tag.

Zum Glück läuft danach alles wie am Schnürchen, zwanzig Minuten später bin ich mit der S-Bahn gen Westen gefahren, zum Hotel gerollkoffert, habe eingecheckt und bin auf meinem Zimmer. Jetzt nochmal längeres Liebstentelefonat, aber wir sind beide schon sehr müde, dann noch fix die Bahnfahrt abduschen und kurz vor 23 Uhr ist schon wieder Licht aus.

15.09.2026 – Es wird

Nach einer ersten längeren Wachphase kurz nach 5 schlafen Noosa und ich einträchtig nochmal ein und werden halb 8 vom Wecker geweckt. Noosa, die auf dem weckenden Handy schläft, reagiert besonders pikiert mit lautem Schimpfen, so dass ich lachen muss und gar nicht mehr böse sein kann auf diesen Wecker.

Entspannter morgendlicher Reboot, bis ich um 9 pünktlich mit Tee (heute Sencha, kein Mate), Müsli und Hofbirne am Schreibtisch sitze. Das erste (von sechs) Meetings ist erst halb 10, so kann ich vorher schon ein paar Dinge erledigen, unter anderem der Welt nun ganz (LinkedIn-)offiziell die berufliche Veränderung mitteilen, woraus sich einige interessante Interaktionen ergeben. Unter anderem telefoniere ich in einer Meetingpause zehn Minuten lang mit Uganda.

Über den Tag verteilt, schaffe ich es dann, die meisten Dienste und Funktionen aus dem alten Job auf den neuen Laptop umzuziehen, so dass ich es wagen kann, morgen nur mit einem Laptop auf Dienstreise zu gehen – was dann nicht geht, muss eben bis nächste Woche liegenbleiben.

Nach drei Meetings mache ich eine ganz reguläre Mittagspause, in der ich in die Apotheke und zum Haustierbedarf gehe, Vorräte auffülle und mir dann noch ein Sandwich aus Ciabatta, Frischkäse, Radicchio, veganem Schinken, Schafskäse und Tomate zubereite, dass ich dann im vierten Meeting nebenbei esse.

Während des sechsten Meetings klingelt es an der Tür und der DHL-Bote hat drei Pakete für mich, die er mir relativ wortlos („Hallo… Tschüß“) vor die Füße fallen lässt. Ich schaue ihm relativ entgeistert hinterher, während er relativ lässig die Treppe runtergeht. So schwer waren die gar nicht, aber zum Glück auch nichts zerbrechliches dabei…

Nach dem sechsten Meeting habe ich noch zwei Stunden für weiteres Abarbeiten aufgelaufener Dinge und dann ist Feierabend. Ich packe die Pakete aus, weihe den neuen Biomülleimer ein und fahre dann mit Straßenbahn und U-Bahn nach Mitte, um Pflanzen zu gießen, nach Post zu sehen und mir ein Belohnungseis in der Sonne auf dem Balkon zu gönnen.

Nebenbei habe ich einen Telefontermin mit meinem Coach-Buddy aus dem Kurs, der sehr angenehm und vorschriftsgemäß verläuft, wir schaffen es trotz Smalltalk übers Abendessen sogar in sechs statt zehn Minuten und haben viel zu lachen.

So gestärkt mache ich mich dann auf den Heimweg. Zuhause angekommen stelle ich mich an den Herd und bastle aus Olivenöl, roter Zwiebel, Radicchio, Rosinen und Prosecco-Rest (das riecht alles sehr nach dem Veneto, was?) eine Pastasauce zu Fusilloni, dazu gibt es geröstete Walnüsse, Parmesan (OK, der kommt aus Emilia-Romagna) und den allerletzten Rest vom Prosecco.

Ich telefoniere beim Essen nochmal mit dem Liebsten. Nach dem Essen erledige ich noch Papierkram und mache einen spätabendlichen Ausflug im Dunkeln zu Papiermüll und Briefkasten, ohne die beiden Dinge schrecklich durcheinanderzubringen – zum Glück.

Dann noch Küche aufräumen, Katzenklo reinigen, Wassernäpfe auffüllen, Koffer für morgen packen und ein bisschen mit Handy und Proseccoglas auf der Couch sitzen und das Schlafengehen prokrastinieren und dann ist auch dieser Tag schon wieder vorbei und ich liege kurz nach 23 Uhr im Bett.

14.09.2026 – Auf geht’s

Frühes Aufwachen, aber nicht zu früh vor dem Wecker. Dann ein morgendlicher Reboot, nicht ganz vollständig, ein Liebstentelefonat beim Aufstehen und Anziehen, ein Müsli mit Joghurt und ein Mate, beides an den Schreibtisch tragen und dann geht er pünktlich los, der neue Job.

Er beginnt mit einem Anruf von der IT, zur Einrichtung des neuen Laptops. Als der im WLAN hängt, wechseln wir zum Videotelefonat und melden mich an diversen Diensten an. Danach direkt Videotelefonat mit der Personalabteilung zur Einführung in weitere Themen, nebenbei fahre ich Laptop und Handy aus dem alten Job hoch, der mich noch weiter beschäftigten wird.

Kurze Biopause, dann Videotelefonat mit der Person, die mich fachlich einarbeitet und ein kurzer Überblick über das Aufgabengebiet, erste Aufgabenstellungen für heute und morgen und Organisatorisches – eine spontane Dienstreise noch diese Woche steht an und verlangt einiges an Umplanung im Privaten. Hui. Nach drei Stunden schwirrt mir der Kopf und ich brauche eine Bio-Pause und neuen Mate.

Dann erstmal die dringendsten Aufgaben erledigen bis zur eigentlichen Mittagspause. Die verschwimmt mir aber vor lauter noch zu klärenden Dingen, zu lesenden E-Mails in zwei Postfächern, zu beantwortenden Nachrichten in zwei Systemen, noch zu organisierenden Zugängen und technischen Problemen, die einen weiteren Call mit der IT erforderlich machen. Als gute Homeoffice-Katze ist Noosa selbstverständlich in allen Calls dabei und unterhält mich und andere. Ich esse zwischendrin die Reste von gestern (Brokkoli mit Mandeltofu) am Schreibtisch.

Dann ist es schon wieder kurz vor Feierabend und ich lasse die Pause sausen und logge mich früher aus (Nicht nachmachen, liebe Kinder, Pausen gehören nach sechs Stunden gemacht und nicht ausgelassen, das ist heute eine Ausnahmesituation und ab morgen wird das wieder anders!)

Ich erledige ein paar Haushaltsdinge, packe die zwischenzeitlich eingetroffenen Crowdfarming-Mangos aus – alle müssen noch nachreichen, eine gute Nachricht angesichts der anstehenden Dienstreise – telefoniere wieder mit dem Liebsten und breche dann nach Neukölln auf, zum Communityabend im Kursraum. Unterwegs hole ich mir in einer türkischen Bäckerei eine gefüllte Pide mit Kräutern, die ich dann vor Ort esse, bis die anderen eintrudeln.

Es wird ein toller Abend und ich bin sehr froh, mich aufgerafft zu haben und von so vielen tollen Menschen umgeben zu sein, statt zuhause zu hocken, mich über die vielen technischen Hickhacks des Tages zu ärgern und über anstehenden To-Dos zu brüten. Kurz nach 9 werde ich dann aber sehr schnell sehr müde und nach baldiger Verabschiedung fahre ich zurück in den Pberg.

Bis ich im Bett liege ist es halb 11. Noch ein Liebstentelefonat und dann geht es ins Traumland, den Wecker vorsorglich auf eine Stunde später stellend, morgen geht der Arbeitstag entspannter los.

13.09.2026 – Ausruhtag

Da ist er nun, der lange avisierte Sonntag, auf den ich diverse Tätigkeiten der letzten zwei Wochen inklusive des Ausruhens mental abgelegt hatte. Mal sehen, wie das klappt. Erstmal schlafe ich mit Unterbrechungen bis kurz nach 8, dann beginnt ein ausführlicher morgendlicher Reboot im Bett, den ich mehrmals für andere Tätigkeiten unterbreche. Die erste Pause bringt den ersten richtigen selbst gekauften und zubereiteten Mate. Allerdings habe ich den Dreh noch nicht so richtig raus oder brauche doch eine richtige Kalabasse, damit es wie bei den Profis aussieht. Schmecken tut es aber schon.

Die Bombilla drehe ich vor dem Trinken noch um!

Die zweite Pause ist ein längeres Liebstentelefonat, mit kurzer Zuschaltung des Teilzeitkinds zur gemeinsamen Planbesprechung. Ein bisschen witzig dabei: Heute hat ein Teilzeitgeschwister Geburtstag und laut meinem Kalender einen Tag danach das Großnifftenkind. In meinem Kopf ist aber heute der 14., weswegen ich davon überzeugt bin, dass das Geschwister schon gestern hatte und das Großnifftenkind dann schon heute, dieser Irrtum klärt sich erst auf, als ich blogge und dabei das korrekte Datum feststelle. Der Liebste korrigiert daraufhin seine Geburtstagsnachricht an seine Cousine, die ihn dann darüber aufklärt, dass das Großnifftenkind weder heute noch morgen Geburtstag hat, sondern – tada – gestern hatte. Upsi. Einen Tag vor dem Geschwister also, nicht danach. Ich aktualisiere sowohl den mentalen als auch den digitalen Kalender.

Zwischendurch hat die Nachbarin geschrieben, sie steht gerade mit dem Birnenpflücker im Hof und fragt, ob ich auch welche will – die Bäume sind so hoch, das alles was runterfällt immer direkt vergammelt. Ich nehme freundlich an und bekomme wenig später vom Nachbarskind (gerade eingeschult) ein paar besonders schöne Exemplare gebracht.

Frühstück im Bett gibt es dann auch noch, ich stehe erst gegen 13 Uhr auf und mache dann erstmal eine Runde Yoga, zum ersten Mal seit, uff, viel zu langer Zeit. Bei der Gelegenheit zünde ich eins von den Räucherstäbchen an, die ich gestern gekauft habe und die seitdem auch durch die geschlossene Verpackung hindurch die ganze Wohnung beduften, jetzt halt noch intensiver und mit leicht anderem Aroma.

Danach beginnt der praktische Teil der To-Do-Liste mit Katzenklo reinigen, Katzenbrunnen reinigen, Biomüll runterbringen (Ich entsorge den Eimer gleich mit, der hat seine besten Tage auch hinter sich, und bestelle online einen neuen.), Nachttisch aufräumen, Schreibtisch aufräumen, Kursmaterial sortieren und verräumen, neuen Arbeitslaptop und alten Arbeitslaptop nebeneinander auf dem Schreibtisch platzieren, für ein Foto den privaten Laptop noch danebenlegen…

Sind sie nicht niedlich?

Während all dem höre ich verschiedene Podcasts und in einer weiteren Pause kümmere ich mich um die gestern gekauften Pflaumen – der eine Teil wird entsteint und für den Winter eingefroren, der andere Teil wird entsteint und wandert in einen Crumble mit Zimt und Kardamom, dazu gibt es später Vanilleeis.

Wäsche wasche ich nebenbei auch noch und nachdem die aufgehängt ist, kümmere ich mich schon ums Abendbrot. Es gibt Brokkoli, scharf angebraten mit Ingwer, und dazu Mandeltofu aus dem Speiseföhn und verschiedene Toppings.

Zum Essen gucke ich Wunderschöner, der das Konzept „Episodenkomödie auf Deutsch und alle hängen irgendwie zusammen“ um die Komponente Feminismus erweitert. Ziemlich gut gemacht. Mir fällt ein, dass es dazu einen ersten Teil gab, den ich aber nicht gesehen habe. Muss ich wohl mal noch machen.

Beim Filmgucken knacke ich Walnüsse und fülle mein Nussglas auf, muss aber irgendwann aufhören, weil mein improvisierter Interimsbiomülleimer schon wieder voll ist. Reicht aber wieder eine Weile.

Dann noch Badewanne und mit Buch ins Bett, denn der letzte Punkt der To-Do-Liste heißt: Weiterlesen!

12.09.2026 – Demokratischer Sonnabend

Hach so ein ruhiges Wochenende wäre jetzt genau angebracht, nach zwei Wochen Utopie im Kurs und vor dem Start in den neuen Job am Montag. Aber weil ich Timing so gut kann, habe ich heute die Wahlhelfenschulung für die die Wahl zum Abgeordnetenhaus und zur Bezirksverordnetenversammlung nächste Woche und dann muss ich also doch noch einmal aus dem Haus – zum Glück erst mittags! Bis dahin gemütliches morgendliches Herumsandeln mit komplettem Reboot und Frühstück auf dem Balkon (warm eingepackt, bis die Sonne rauskommt und es auch im T-Shirt geht).

Bereits gestern hat sich in meinem Kopf ein Plan geformt, was ich morgen noch alles erledigen kann, wenn ich schonmal in der Ecke bin. Da kommt eine ganze Menge zusammen mal wieder, ich bin aber so träge heute Morgen, dass ich zumindest den Programmpunkt „Vielleicht noch ins Kino gehen?“ direkt mal von der Liste streiche, obwohl meine Kino-Liste schon wieder ziemlich lang ist, vielleicht finden sich da in der nächsten Woche ja Gelegenheiten. Kurz nach 12 geht es dann jedenfalls nach draußen und zu Fuß bis hinüber in die Schönhauser, wo die Schulung im Kino (nämlich) stattfindet.

Vieles wiederholt sich aus der Online-Schulung und von den vorherigen Wahlen, aber ein paar Änderungen gibt es doch und die Antworten auf Fragen aus dem Publikum bringen auch noch einmal neue Erkenntnisse (und ein bisschen Sorge bei einigen Fragen… eieiei). Mit etwas über zwei Stunden ist die Schulung allerdings ziemlich lang für meinen ruhigen Sonnabend und die viel zu kalt eingestellte Klimaanlage tut ein Übriges – ich bin hinterher wie durch den Wolf gedreht und schniefig und spiele mit dem Gedanken, den Rest der Planungen über Bord fallen zu lassen. Und Hubger habe ich auch schon wieder.

Dann will ich aber doch erstmal noch fix die Räucherstäbchen besorgen, die ich schon lange auf meiner Wunschliste hatte – mit dem Duft nämlich, nach dem es – womöglich, das Internet ist sich uneins – auch im Vabali riecht. Mehr Wellness zuhause, immer eine gute Idee. Das ist schnell erledigt, der Fachhandel ist gleich um die Ecke. Die Sonne ist inzwischen auch wieder da und ich leidlich aufgetaut. Ich beschließe zu schauen, ob es mir nach Nahrunhsaufnahme besser geht und spaziere zum Kollwitzmarkt. Es werden koreanische Jap-Chae Hotteok und ich nehme sie mit zum Park am Wasserturm, setze mich dort in der Sonne auf die Wiese und esse. Sehr gute Idee!

Danach habe ich genügend Energie für den nächsten Programmpunkt und kaufe mir nach eingehender Beratung eine kleine Packung leichten Bio-Mate im Mate-Fachhandel. Morgen wird matiert!

Von da aus ist es nicht mehr weit nach Mitte und so laufe ich erstmal zur Volksbühne, um mir das Volksbad in Natur anzusehen, solange es noch da ist. Außer den vielen Schlagzeilen der letzten Wochen hat eben auch Das Nuf darüber geschrieben und das passte sehr gut zu den Diskussionen, die wir im Kurs in den letzten Tagen hatten. Tolle Idee, insgesamt!

Dann brauche ich noch etwas Flüssigkeit und Zucker, laufe vom Rosa-Luxemburg-Platz zur Karl-Liebknecht-Straße (See what I did there?) und hole mir dort einen großen Bubble Tea mit diversen Toppings.

Damit geht’s dann weiter zur Abschlusskundgebung der Sterndemo, die auch gleichzeitig PRÜFDemo ist. Schön zu sehen, wie viele bunte Menschen sich vor dem Roten Rathaus versammelt haben, auch wenn es sich langsam schon etwas verläuft und auflöst. Noch schöner, dass ich insgesamt gleich acht bekannte Gesichter sehe – vier aus dem Kurszusammenhang, einen ehemaligen Kollegen und drei aus meiner Immergutbezugsgruppe. Nur von einer Person wusste ich sicher, dass sie da sein würde.

Nachdem der Chor der Statistik gesungen hat, ist die Demo vorbei und ich richte meine Schritte Richtung Alex, um auf verschlungenen Wegen (meine Straßenbahn hat immer noch SEV) den Heimweg anzutreten und unterwegs noch Einkäufe zu erledigen. Gegen 20 Uhr bin ich nach fast 13.000 Schritten wieder zuhause, koche mir Pellkartoffeln und Kohlrabi zum Resthalloumi und versacke dann bis Mitternacht auf dem Sofa. Morgen dann aber wirklich Ausruhen!

11.09.2026 – Erinnerungen und Abschlussabend

Noosa weckt mich wieder zwischen 4 und 5 das erste Mal, danach gibt es nur noch kurze Döseeinheiten, bis es eh nicht mehr lange bis zum Weckerklingeln ist. Kurz vor 6 beginne ich den morgendlichen Reboot, lese das Internet leer, blogge, mache Französisch und Italienisch. Nur die Rätsel muss ich mir für die Bahnfahrt aufheben, bei zu kurzer Nacht braucht mein Kopf morgens noch zu lange dafür.

Ich gehe ins Bad und mache mich fertig, dann ruft der Liebste an und ich telefoniere mit ihm, während ich Noosa füttere, mein eigenes Frühstück einpacke und losdüse. Auf dem Weg zur S-Bahn verabschieden wir uns. In der Bahn mache ich die Rätsel, dann laufe ich durch Neukölln und bin als eine der ersten beim Kurs, so dass noch Zeit bleibt, Müsli mit Apfel zu essen, Kaffee zu trinken und ein bisschen zu quatschen.

Unweigerlich landen die Gespräche beim 11. September 2001 und wir erzählen uns einige unserer Geschichten von diesem Tag. Dann geht es aber los mit Check-in, Rekapitulation, mehr Theorie, Planung der nächsten Kurswochen, die nicht mehr in Präsenz stattfinden, und nochmal erstaunlich viel Denken und Schreiben.

Zwischendrin gehe ich mit einer anderen Teilnehmerin in einem nahegelegenen Foodcourt Sandwiches holen, meins ist mit paniertem Auberginenschnitzel und Chipotle-Miso-Lime-Mayo und wirklich sehr lecker. Wir sitzen zum Essen nochmal draußen und es gibt auch nochmal Trauben direkt von der Rebe. Die werde ich vermissen, wir haben sie aber in den zwei Wochen auch fast alle abgeerntet.

Zum Feierabend räumen wir dann auf, sammeln alle unsere Siebensachen auf, räumen unsere Fächer aus, geben unsere Klemmbretter ab und rollen unsere Ergebnisse ein und nehmen sie mit. Eine gewisse Melancholie macht sich breit – nächste Woche geht es zurück in den Alltag bzw. für zwei von uns in neue Alltage. Wieder ein Abschnitt vorbei. Damit wir nicht zu traurig werden, gehen wir aber noch in ein französisches Bistrot und können sogar noch – vielleicht ein letztes Mal dieses Jahr? – draußen zu Abend essen.

Es wird ein schöner Abend und am Ende fahre ich noch mit zwei anderen Teilnehmenden mit der Bahn zurück in den (Nord-)Osten. Gegen 22 Uhr bin ich zuhause und gönne mir noch die letzte pinke Pitahaya mit Noosa auf der Couch.

Ich lese und schaue noch ein bisschen im Internet herum. Unter anderem hat die Freundin in Leipzig ihre Erinnerungen zu 9/11 geteilt und entweder hatte ich ihr Erleben in den 25 Jahren vergessen, oder sie hatte mir das nie erzählt. Ich hatte an dem Tag eigentlich Wandertag, war aber dann krank zuhause. Sie hingegen war in der Schule und mit der Schülerzeitung beschäftigt, deren Chefredaktion ich (wenn ich mich richtig erinnere) gerade zum Beginn des Schuljahres an sie abgegeben hatte? Sie lief jedenfalls durchs Schulhaus und sammelte Stimmen ein, die dann später in der Zeitung erschienen und spätestens aus heutiger Sicht sehr nachdenklich machen, wenn man bedenkt, wie sich die Welt, die Stadt und die Schule inzwischen entwickelt haben…

Irgendwann ist es Mitternacht und mir fallen schon wieder die Augen zu. Ab ins Bett!

10.09.2026 – Reise in die Zukunft

Ein etwas hektischer Morgen mit allem, was dazu gehört und dann bin ich am Ende doch sehr pünktlich beim Kurs und frühstücke noch eben zwei unterwegs gekaufte Croissants (mit Pistazien- bzw. Beerencreme gefüllt), einen Pfirsich und eine Kaktusfeige, dazu doppelten Espresso macchiato.

Es folgt eine sehr interessante Übung, nämlich das detaillierte Protokollieren eines imaginierten schönen Tages genau heute in zehn Jahren, im Präsens, beginnend mit dem Aufwachen, endend mit dem Einschlafen und die Ergebnisse unserer Arbeit der letzten Wochen enthaltend. Ich muss schon beim Anhören der Aufgabe sehr schmunzeln. Wer beschreibt schon einen kompletten Tag im Detail im Präsens vom Aufwachen bis Einschlafen? Also außer mir, täglich. Tagebuchbloggen in die Zukunft also, das mache ich doch mit links und Augen zu. Also fast.

Aber tatsächlich habe ich quasi den gesamten Plot direkt schon im Kopf und mache mir keine Sorgen, das nicht in zweieinhalb Stunden runterschreiben zu können, wenn auch mit der Hand. Ich richte mich also erstmal gemütlich ein, wähle passende Musik aus, koche mir einen Tee, mache es mir auf dem Sofa mit Decke bequem, lese noch ein bisschen auf dem Telefon herum und dann schreibe ich „10.09.2036 – Ein schönster Tag“ in einem Rutsch runter, nur unterbrochen vom ohrenbetäubenden Warntagalarm inkl. in Neukölln auch Sirenen.

Ich brauche wie erwartet weniger als zweieinhalb Stunden und hole mir dann erstmal Mittagessen aus dem thailändischen Imbiss – heute habe ich extra mehr Bargeld dabei. Es gibt Hühnchen mit Ingwer, Ananas und Morcheln, wobei ich keine Morcheln entdecken kann und nur ganz vielleicht Ananassaft, aber keine Stücke. Dafür viel anderes Gemüse und es schmeckt schon auch echt gut. Trotzdem interessante Preispolitik: Auf der Webseite stehen sehr günstige 6 Euro für das Gericht, im Imbiss angeschlagen sind 10,50 €, verlangt werden dann 11. In bar, wohlgemerkt. Ein Schelm, …

Am Nachmittag werden unsere aufgeschriebenen Visionen dann nochmal in Gruppen weiter bearbeitet, was sehr viel Spaß macht. Der Tag klingt dann in allgemeinen Gesprächen aus und obwohl der Arbeitsteil schon kurz nach 17 Uhr vorbei ist, kann ich mich dann doch erst mehr als eine Stunde später losreißen und den Heimweg antreten. Es ist so schön da und die Leute so toll!

Eigentlich bin ich aber schon sehr vorfreudig auf den freien Abend heute. Zuhause angekommen gibt es einen kurzen Schwatz mit der Mitbewohnerin, dann durchsiebe ich das Katzenklo und mache mir danach Abendbrot. Es gibt einen Maiskolben mit Basilikumbutter und dazu Halloumi aus dem Speiseföhn mit Ayvar und Sweetfern-Tee aus der Bucht.

Für größere intellektuelle Sprünge ist dann heute Abend keine Kraft mehr. Ich telefoniere mit dem Liebsten und lasse dann Bücher, Filme und Serien links liegen und mich einfach vom Internet, der Nachrichtenlage usw. berieseln. Bettgehzeit ist 23 Uhr.

09.09.2026 – Nkölln, Fhain, Pberg

Munteres Kätzchen, müdes Loosy. Ich komme aber ganz gut aus dem Bett und habe auf der S-Bahnfahrt nur noch die täglichen Rätsel zu erledigen. Bin sogar als eine der ersten beim Kurs und kann erstmal in Ruhe Müsli mit Pfirsich essen und Kaffee trinken, bevor wir loslegen.

Heute entwickeln wir erstmal eine Geschichte zum Aufwärmen, dann geht es tief hinein ins Innere. Gelacht wird aber auch die ganze Zeit viel und statt einer Matrix erstellen wir heute eine Fühlix.

In der Mittagspause ziehe ich los und will mir eigentlich etwas Thailändisches holen, aber die Preise sind andere als auf der Webseite und ich habe nicht genügend Bargeld dabei. So wird es stattdessen usbekisch bzw. uigurisch, den/die/das Laghman kann ich mit Karte bezahlen. Schmeckt nicht ganz so spannend wie beim ehemaligen Stammuiguren von der Kaltmamsell und Herrn Rau, aber doch auch sehr gut. Dazu gibt es kostenlosen Tee und zum Nachtisch wieder frisch gepflückte Trauben.

Am Nachmittag dann nach erstem Einchecken viel intensive Freiarbeit, ich setze mir die Kopfhörer auf und höre zum ersten Mal seit langem (drei Wochen oder so?) wieder Musik beim Arbeiten. Gleich mal dran erinnert, wie schön das ist und aufs Homeoffice nächste Woche gefreut.

Richtung Feierabend planen wir noch den Ablauf unseres Abschlussabends am Freitag (der Rest des Kurses findet dann im Oktober wieder remote statt) und suchen ein Restaurant in der Nähe aus, auf das ich mich anhand der Karte schon sehr freue.

Dann fahre ich vom Nkölln nach Fhain und sehe beim Brüderchen nach dem Rechten, bevor ich im argentinischen Eisladen nebenan je eine Kugel Mate und Dulce de Leche bestelle. Eigentlich will ich da ja auch direkt Mate kaufen, es gibt aber nur Kilopackungen, das ist mir zu viel auf einmal. Das Eis ist aber wirklich gut!

Ich löffle es in der Straßenbahn nach Pberg und bin dann wirklich wirklich froh, zuhause zu sein. Der Kopf schwirrt und weht ein wenig. Ich telefoniere mit dem maladen Liebsten und mache mir aus Pommesresten, Kidneybohnen, Tomaten und Käse im Speiseföhn eine Art Tex-Mex-Poutine (Kanadier*innen würden mich steinigen).

Dazu gibt es die neue Folge Ted Lasso und das dieswöchige Special von Josh Johnson, passenderweise aus Montreal. Hinterher nur noch Badewanne und Bett.

08.09.2026 – Dolce Vita in Neukölln

Nächte weiter unruhig, der morgendliche Reboot dauert dementsprechend länger und ich nehme mir auf den Weg zum Kurs in Neukölln eine Mate mit. Der Liebste ist am Telefon auch noch ganz verschnuffelt.

Beim Kurs angekommen gibt es erstmal Müsli mit Pfirsich und Gespräche mit den anderen, dann legen wir irgendwann los und vertiefen uns wieder in Einzel- und Gruppenarbeiten. Heute gibt es wieder Sonne (und am Ende 27 Grad) und so können wir auch wieder viel draußen sitzen und Trauben pflücken – von der Hand in den Mund und so.

Mittags folge ich einer Empfehlung und gönne mir den Mittagstisch in einem kleinen italienischen Restaurant in der Nähe. Es gibt Auberginenauflauf (quasi Parmigiana von den Zutaten her, aber hier wurde nix frittiert und die Aubergine im Ganzen (Halben) gelassen) und dazu im Preis inbegriffen ein Glas Wein. Passende Lektüre fange ich auch an. Danach brauche ich für das volle italienische Erlebnis noch Obst und Espresso. Den Espresso gibt’s beim Kurs, für das Obst gehe ich in einen örtlichen Supermarkt mit ausschweifendem Angebot und nehme dann gleich noch ein paar mehr Dinge mit.

Die Feigen und Kaktusfeigen sind großartig und viel reifer und aromatischer als aus dem herkömmlichen deutschen Supermarkt. Hochgenuss, dies das. Ich nehme mir vor, auch zukünftig mehr hier in der Gegend einkaufen zu gehen – muss nur Anlässe suchen!

Dann geht es weiter im Kurs und nach einer Weile ist auch die Weinschwere verflogen und nur die beflügelte Kreativität bleibt. In einer Pause lasse ich mich vom argentinischen Kursteilnehmer ausführlich zu Mate (also, echtem Mate, nicht die Limo) beraten und weiß jetzt einiges über Bezugsquellen, Zubereitung nach verschiedenen Traditionen etc. Eine bombilla nenne ich ja schon länger mein Eigen, jetzt weiß ich auch, dass ich den Mate selbst gut in dem argentinischen Eisladen beim Bruder um die Ecke kaufen kann und nehme mir das für diese Woche vor. Ab nächste Woche wieder lange Homeoffice-Tage, da bietet sich Mate natürlich an!

Kurz nach 18 Uhr löst sich die Runde auf. Ich fahre mit zwei U-Bahnen nach Mitte, schaue bei den Ellis nach dem Rechten und fahre dann, baustellenbedingt immer noch umwegig, mit U-Bahn und Straßenbahn in den Pberg. Weitere Einkäufe im Drogeriemarkt, dann geht es nach Hause.

Neukölln-Haul: Die restlichen Kaktusfeigen, pinke Pitahayas, weiße Zucchini, frischer Mais, Orangenblütenwasser und Rosenblütenwasser (waren beide alle)

Dann mache ich mir zum Abendbrot Zucchini-Pommes aus dem Speiseföhn mit Aioli und löffle zum Nachtisch die erste Pitahaya, beides sehr, sehr gut!

Ich telefoniere nochmal kurz mit dem Liebsten, dann werde ich unglaublich müde, mache erst ein kurzes Nickerchen und begebe mich dann nach ausführlicher Körperpflege ohne weitere Umwege direkt ins Bett.

07.09.2026 – Trotzdem weiter

Unruhige Nacht dank unruhiger Katze und unruhiger politischer Lage. Ich bin dann morgens aber erstmal relativ fit, packe meinen Kram, ziehe mich herbstlich an und fahre nach Liebstentelefonat wieder nach Neukölln zum Kurs. Immerhin ist das heute ein sehr guter Ort zum Sein, denn ich bin unter Gleichgesinnten und wir bauen uns gegenseitig auf, in Gesprächen und mit den Kursinhalten.

Frühstück mit Leipziger Lerche, letzten Pistazien, Obst und Kaffee

Ansonsten geht der Kurs genauso intensiv weiter, wie er letzte Woche gestartet ist. Nur ist es irgendwie kälter und herbstlicher und ich brauche viel Tee und immer wieder eine warme Decke zum Wohlfühlen. Möchte mir fast vornehmen, mich morgen noch wärmer anzuziehen, aber da sollen es nochmal 27 Grad werden wegen Hitzewelle weiter südlich.

18 Uhr ist der Kurs heute vorbei. Viele von uns fahren zur Anti-AfD-Demo am Brandenburger Tor, ich hingegen spaziere ein paar Häuser weiter zum jemenitischen Restaurant, wo schon der pakistanische Ex-Mitbewohner auf mich wartet. Wir bestellen Lamm, Reis und Fattoush und reden über die Gesamtsituation – Politik, deutsche Bürokratie, Arbeitswelt, Familie, Wohnen, Essen… Weniges davon ist wirklich uneingeschränkt schön (das Essen, hauptsächlich), das meiste ziemlich bedrückend.

Den Nachtisch essen wir nochmal ein paar Häuser weiter in einer arabischen Bäckerei mit opulent-kitschigem Interieur aber sehr leckeren Speisen. Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hätte, denke ich mir.

Danach laufen wir noch zusammen zur S-Bahn, dann fährt er rechtsherum nach Südberlin und ich linksherum zurück in den Pberg. Ich nutze die Bahnfahrt, um dem neuen tunesischen Tandempartner zu antworten, wir schreiben über Essen und Jobsuche.

Zuhause telefoniere ich nochmal kurz mit dem Liebsten, dann haben Kopf und Mund für heute Aufnahmestop. Ich lasse mich noch ein wenig auf dem Sofa von TikTok berieseln, streichle die Katze und warte auf den Moment, in dem ich genügend Energie habe, um ins Bett zu gehen.