Vier Tage Stockholm – Essen, Sightseeing und Bemerknisse #loostockholm

Mittwoch morgens hinfliegen, Samstag abends zurück – eigentlich sind es nur zwei ganze und zwei halbe Tage, die wir in Stockholm verbringen. Und obwohl wir im Laufe der Zeit einige Punkte aus unserer To-Do-Liste werfen, haben wir in dieser kurzen Zeit wahnsinnig viel erlebt, wie ich beim Durchschauen der Fotos resümiere…

Essen

Da ich bei Facebook vor allem die Fotos vom Essen geteilt habe, kam bei einigen meiner Freunde scheinbar der Eindruck auf, dass wir die ganze Zeit nur mit Essen beschäftigt waren. Wer mir auf Twitter oder Instagram folgt, hat zumindest noch ein bisschen was drumherum mitbekommen. Nichtsdestotrotz war das Essen natürlich wie immer ein Schwerpunkt unserer Reise, gerade wo Stockholm für sein gutes Essen bekannt und die neue nordische Küche gerade so im Trend ist. Wir hielten es denn auch die ganze Zeit nordisch, aber schon eher traditionell als neu. Es gab:

  • Einen typisch schwedischen Lunch in der Gaststätte um die Ecke unseres AirBnBs. Traditionell bieten die meisten Restaurants einen Mittagstisch an, bei dem man ein Tagesgericht samt Salat, Brot, Butter und Kaffee zu einem vergleichsweise günstigen Preis bekommt. Der Hase nahm Fischrouladen in einer Schnittlauch-Sahne-Sauce mit Kartoffelbrei, für mich gab es gepökelten Schweinebauch mit Meerettich-Sauce und Salzkartoffeln. Außerdem gab es für mich einen Erdbeer-Cidre, der Hase begnügte sich mit Wasser.

Lunch

  • Eis im im Reiseführer hochgelobten Café Järntorget in Gamla Stan, das aber nicht so gut war, wie sein Ruf (auch wenn die Sorte Safran-Honig tatsächlich etwas für sich hatte).

Eis

  • Für den Hasen noch einen der allgegenwärtigen Hotdogs, nämlich beim Pølsemannen auf dem Medborgarplatz in Södermalm, genau da wo dieser Tage gegen Abschiebungen nach Afghanistan demonstriert wird und am Tag danach ein Jugendlicher einen Polizisten mit einem Messer angriff. Als wir da waren, war alles recht ruhig und wir freuten uns über die Demonstration. Der Hase wählte weiches Tunnbröd mit Chorizo, Kartoffelbrei, Ketchup, Senf und Röstzwiebeln

Hotdog

  • Ein Frühstück mit dunklem Brot, Västerbotten-Käse, Marmelade, Müsli und Joghurt bei unserer Gastgeberin
  • Traditionelle Fika mit Kaffee und diversen Sorten Kuchen und Gebäck (Blaubeertorte, Mandeltorte, Zimtschnecke…) vom Buffet im Freiluftmuseum Skansen

Fika

  • Ein Menü im Pelikan in Södermalm. Der Hase hatte Heringshappen und Käse zur Vorspeise sowie Rentierbraten mit Pilzen, Kartoffelkuchen und Rowanbeerengelee und ich ließ mir einen klassischen Toast Skagen und einen Krabbensalat mit Avocado und Ei sowie das lokale Pale Ale “100 Watt” schmecken

Rentier

  • Ein Menü an Bord des Dampfers S/S Storskaer, mit dem wir am Freitag durch einen Teil des Schärengartens schipperten. Hier teilten wir uns zur Vorspeise Heringshappen und eine Västerbotten-Käse-Pie mit Kaviar, dann gab es für mich kaltgeräucherten Lachs mit warmen Sahne-Dill-Kartoffeln und für den Hasen gebratenen Hering mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren. Ich gönnte mir dann noch einen wundervollen Nachtisch mit einem mit Schokolade umwickelten Brownie, Vanille-Eis, Erdbeer-Coulis und frischen Beeren

Lachs

  • Am Freitagabend gab es für mich Filmjölk mit Blåbärssoppa, wie früher immer bei unseren Schwedenaufenthalten (ich war als Kind immer mal “nur kurz auf der Durchreise” in Schweden und einmal dann auch etwas länger, da hatten wir 38°C im heißesten Sommer der schwedischen Wetteraufzeichnung) und für den Hasen eigentlich nichts mehr.

Filmjölk

  • Dann aber kam unsere Gastgeberin von einer Freundin zurück und brachte uns Surströmming mit, den berühmten fermentierten Fisch, der ganz fürchterlich stinkt, wenn man die Dose öffnet. Den servierte sie uns auf knusprigem Tünnbröd mit gekochten Kartoffeln, Schmand und roten Zwiebeln. Wenn man die Nase beim Essen “zu macht” schmeckt das ganz lecker, sehr umami. Außerdem sollte man die Dosen unter Wasser öffnen und nach dem Essen Geschirr, Besteck und sich selbst sofort sehr gründlich reinigen, sonst hat man noch tagelang Freude an dem Geruch!

Surströmming

  • Sonntag trafen wir Berliner Freunde, die am Vorabend angekommen waren in einem Café derselben Kette, deren Södermalmer Filiale das Stammcafé von Stieg Larsson war. Dort gab es Kardamomschnecken (nicht ganz so allgegenwärtig wie, aber noch leckerer und traditioneller als Zimtschnecken) und belegte Brote, die unabhängig vom sonstigen Belag alle eine Schicht Kalles Kaviar abbekommen hatten.

Frühstück

  • Mittags holte sich der Hase endlich einen Brathering-Burger von Nystekt Strömming an der Tunnelbana-Station Slussen, nachdem wir schon drei Tage lang unverrichteter Dinge um diesen Brathering-Stand herumgeschlichen waren. Für mich hingegen gab es Blaubeer-Sorbet und Birne-Kardamom-Eis bei StikkiNikki am Mariatorget

Brathering

  • Ganz zum Schluss gab es von unserer Gastgeberin noch Möhren mit auf den Weg, die sie gerade in ihrem Schrebergarten geerntet hatte. Dorthin hatte sie uns eigentlich noch für ein Stündchen einladen wollen, das haben wir dann aber zeitlich nicht mehr geschafft.

 

Sightseeing

Eigentlich waren unsere Sightseeing-Pläne noch viel größer, aber dann haben wir teilweise wegen Wetter, teilweise wegen Unlust und müder Füße doch ziemlich zusammengestrichen und waren zum Beispiel außer in Skansen in keinem einzigen Museum und sahen auch sonst keine Kirchen, Schlösser und ähnliches von innen. Übrig geblieben sind:

  • Spaziergänge rund um den Hafen, durch Gamla Stan, durch Södermalm und Norrmalm und durch den Wald und am Ufer bei unserer Unterkunft

Årstavik

  • Ein ausführlicher Besuch des Freiluftmuseums Skansen mit der Besichtigung von diversen Häusern aus unterschiedlichen Regionen und geschichtlichen Epochen Schwedens, dem Begucken von Elchen, Rentieren, Wölfen, Robben, Ottern und einem Vielfraß und der oben bereits beschriebenen Fika

Skansen

  • Die Millenium-Walking-Tour durch Södermalm, entlang an wichtigen Locations aus den Büchern und Filmen samt spannenden Hintergrundinformationen zu Leben und Werk von Stieg Larsson (nicht nur als Schriftsteller, sondern vor allem auch ls politischer Journalist und Aktivist gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Nationalismus) sowie zur Geschichte des Viertels selbst. Dabei wurde unsere Gruppe von einem französischen Fernsehteam begleitet und demnächst wird man uns dann wohl dort im Fernsehen sehen können – der Hase wurde sogar interviewt! Wir bekommen einen Link zugeschickt, wenn es soweit ist.

Millennium

  • Eine dreieinhalbstündige Dampfertour durch den Schärengarten, bei der wir neben dem Essen viel Zeit darauf verwendeten, uns zu überlegen, auf welcher der Schären und in welchem der Häuser wir denn gerne wohnen würden.

Schären

 

Bemerknisse

  • Ja, in Schweden gibt es tatsächlich überdurchschnittlich viele gut aussehende Menschen, da fühlten wir uns gleich wie zuhause.
  • Was Gleichberechtigung der Geschlechter angeht, ist man dort tatsächlich schon ein wenig weiter. Immer wieder begegneten uns zum Beispiel die Plakate für ein Festival, bei dem an zwei von drei Tagen Frauen die Headlinerinnen waren. Auf Festivals in Deutschland muss man ja hingegen ganz schön suchen, um überhaupt Frauen auf der Bühne zu finden.
  • Dass in Schweden vieles so fortschrittlich läuft, hat natürlich auch damit zu tun, wie gut es dem Land seit langer Zeit geht. Der letzte Krieg ist mehr als 100 Jahre her, nach dem zweiten Weltkrieg wurde man mit dem Wiederaufbau Europas und der großen Nachfrage nach den zwei Hauptressourcen, Holz und Eisen, reich und konnte sich so in aller Ruhe den vielgerühmten Sozialstaat aufbauen. Laut unserer Gastgeberin hat sich das in den letzten 20-30 Jahren allerdings wieder relativiert und auch in Schweden gibt es Gentrifizierung und eine sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich.
  • Religion spielt im Alltag so gut wie keine Rolle und ist in jedem Fall Privatsache. Zitat unserer Walking-Tour-Führerin: “Ich bin in meinem Berufsleben bestimmt viermal öfter danach gefragt worden, was ich verdiene, als ob ich religiös bin.”
  • Kaum ist man aus der Innenstadt raus, gibt es in Stockholm jede Menge Natur: Felsen, Bäume, Flechten… Und das Wasser ist ja sowieso überall, da die Stadt auf 14 Inseln liegt und davor dann noch bis zu 24.000 Schären “im Meer verstreut” sind.
  • Stockholm ist voller Kunst. Bauprojekte werden nur genehmigt, wenn ein gewisser Prozentsatz des Budgets für öffentlich zugängliche Kunst ausgegeben wird. Die Folge sind Skulpturen überall. Schizophrenerweise sind gleichzeitig Streetart und Graffiti nicht erlaubt und werden innerhalb von 24 Stunden entfernt, wenn sie gemeldet werden. Für das Melden gibt es sogar eine eigene App.
  • Unsere Gastgeberin war ein totaler Glücksgriff und wir hoffen, sie bald hier in Berlin wieder treffen zu können. Solltet Ihr demnächst ein AirBnB in Stockholm suchen, sagt Bescheid, ich empfehle sie gerne weiter!

Tschüß Stockholm

Lebensrealitäten

Dieses Wochenende wird mir trotz G20 in Erinnerung bleiben als eines voller Herzlichkeit, spannender neuer Menschen und extrem gegensätzlicher Lebensrealitäten. 

Am Freitagabend trikontinentales Dinner in einer doppelstöckigen Altbaudachgeschosseigentumswohnung in Ku’dammnähe, gekocht im Schatten einer Kitchen Aid und unter Verwendung von gefühlt der Gesamtkollektion von Le Creuset. Samstags im Schrebergarten Werkeln und Grillen in Pankow-Rosenthal mit DDR-Geschirr. Südafrikanisches Bobotie mit KaDeWe-Chutney und Curcuma-Pulver von Ja! im Dachgeschoss und Milchreis mit Apfelmus, Mandel-Aprikosen-Kuchen, Johannisbeer-Baiser-Kuchen und Kokoswasser im Garten.

Weltbürgertum und Einsatz für Opfer von Ausbeutung, Verfolgung und sexueller Gewalt zum Einen (in Pankow wie in Charlottenburg), Verschwörungstheorien und Angst vor Islamisierung in Deutschland zum Anderen. Linksgrünversiffte unterbezahlte Kunst-Wissenschaft-Sozialberufe-Twitter-Bubble mit viel Flausch auf der einen Seite, Startup-Gründer-nach-Millionen-Exit mit ebenso viel Flausch auf der anderen. 

Der gefühlte aktuelle Stern der deutschen Bloggerszene kennt die Dörfer der Hasenheimat ebenso gut wie indische Slums und sudanesische Kriegsgebiete; der Urberliner CPO volunteert in afrikanischen Schulen und sein ehemaliger Mitschüler und sehr guter Freund arbeitet bei einem Anzeigenblatt in Köpenick. Beim gemeinsamen Unkraut jäten zeigt sich, dass vor den Unbillen von Natur und Medizin alle gleich sind.

Dazwischen viele kleine niedliche Babies und viel zu lachen. Am Ende sind sich alle gar nicht so unähnlich, wie man vermuten würde. Der Islamistenfürchter grillte bereitwillig koschere Grillspieße, obwohl er “noch nie einen Juden gesehen hatte”; Südafrikaner und Australier lachten gemeinsam mit Deutschen über nicht jugendfreie Witze und amerikanische Rednecks und über die Bedeutung von gutem Essen waren sich sowieso alle einig. 

Vielleicht muss man die einfach alle mal zusammenbringen, dann gibt es Hoffnung.

Alles hängt mit allem zusammen
Alles hängt mit allem zusammen

Klassentreffen nach 15 Jahren

Beim Lesen meines Feedreaders stelle ich fest, dass die Kaltmamsell recht hat, ”’tis the season“, die Zeit der Abitur-Jubiläen und damit verbundenen Klassentreffen. Frau Nessy war gerade sehr lesenswert beim Zwanzigjährigen, bei mir sind es immerhin 15 Jahre gewesen. Wie wahrscheinlich so gut wie alle Menschen blicke auch ich mit gemischten Gefühlen auf die Schulzeit zurück und ergo auch auf anstehende Klassentreffen. Da es aber vor drei Jahren beim zwanzigjährigen Grundschulabschlusstreffen gar nicht mal so wehgetan hatte, war ich nun einigermaßen entspannt und bereit, mich dem Aufeinandertreffen zu stellen. 

Bautzen
Ich machte mir im Gegensatz zu diversen ehemaligen Mitschüler*innen nicht einmal groß Gedanken darüber, was ich anziehen sollte. Meine Meinung dazu war, dass ich sehen wollte, wer meine ehemaligen Klassenkamerad*innen heute sind, nicht als wär sie gerne rüberkommen wollten. Insofern regte ich an, sich doch bitte nicht in Schale zu werfen, sondern einfach das anzuziehen, was man auch sonst im Alltag trägt. Dass sich alle daran gehalten haben, hat mich positiv überrascht. Die Einzige, die sich extra neue Schuhe zugelegt hatte, ist auch im Alltag sehr auf stimmige Outfits bedacht, so dass das auf jeden Fall klar ging. Ansonsten gab es von kurzen Hosen und Sonnenhut bis barfuß im schwarzen Kleid geballte Individualität und Unverstelltheit, danke dafür!

Um über alle etwas zu lernen und trotzdem dem Klischee “Mein Haus, mein Auto, meine Yacht” zu entgehen, wurden drei Fragen vorgegeben. “Wo wohnst Du mit wem?”, “Womit verdienst Du Deine Brötchen” und das unsägliche “Mit welchem Auto fährst Du gerne wohin?”, das dann doch das Thema leicht verfehlte. Dankenswerterweise gab es einige, die noch das gleiche Auto aus der Abizeit fuhren oder wie ich mit Bus und Bahn unterwegs sind, aber trotzdem habe ich während der Vorstellungsrunde mehr über Autos gehört, als sonst in Monaten. (Zum Ende des Statussymbols Auto erschien heute ein erhellender Text von Modeste.) Applaus erhielt dafür die erste in der Runde, die nach ca. 20 Versionen von “mit Ehegatt*in und 1-3 Kindern” sagte, dass sie weder verheiratet sei, noch Kinder habe. Von den rund 30 Teilnehmern gab es maximal 4 ohne Kinder, die meisten Nicht-Singles waren verheiratet und ein Großteil der Gattinnen hatte den Namen des Mannes angenommen. Das mag allerdings auch daran liegen, dass ein Großteil der Teilnehmenden noch im selben Landkreis oder nur wenig entfernt davon wohnte. Möglicherweise ist die Quote bei den weiter entfernt Lebenden geringer.

Interessant war, dass ich tatsächlich alle auf den spätestens zweiten Blick direkt mit Vor- und Nachnamen zuordnen konnte und dass die Cliquen von damals auch die Cliquen von heute sind, auch wenn die Animositäten sich mittlerweile weitgehend in Luft aufgelöst haben. Wer dem Treffen aufgrund solcherlei Bedenken ferngeblieben ist oder zumindest mit dem Gedanken spielte, kann unbesorgt und beim nächsten Mal dabei sein.

Traurig war, vom Tode zweier Lehrerinnen und einer Mitschülerin zu erfahren – so früh geht es also los.

Sehr schön waren das allgemeine Wohlwollen und die Erfahrung, von Leuten, mit denen man schon in der Schule wenig zu tun hatte auf Details von früher angesprochen zu werden. Das doppelte Abiballkleid (zum Glück in einer anderen Farbe) ist ein Beispiel. Oder als mir ein damaliger Chaot und heutiger Unternehmensberater sagte, ich sähe genau wie damals aus, nur ohne Brille. Oder als ich scherzhaft auf einige frühere Situationen anspielte, in denen ich von den anderen “gedisst” wurde und sich einer der schon immer sympathischsten männlichen Mitschüler beeilte, mir zu versichern, dass er da nie mitgemacht hätte. 

Auch den Abend und den nächsten Tag mit meiner damals besten Freundin zu verbringen und trotz zwischenzeitlich jahrelanger Funkstille über so viele gemeinsame, auch und vor allem außerschulische Erinnerungen zu reminiszieren war toll, ebenso mit einer durchgehend sehr guten Freundin zwischendurch mal hinauszugehen und aktuelle Lebensereignisse auszutauschen und sich gegenseitig beim Verarbeiten des Abends zu unterstützen (alte Fehden, frühere Schwärmereien, abgekühlte Freundschaften und aufgefrischte Attraktivitätsempfindungen waren unter anderem Thema).

Am Ende bleibt bei allen Teilnehmenden (zumindest nach meinem Empfinden und den Äußerungen in der korrespondierenden WhatsApp-Gruppe) ein sehr positives Gefühl und einiger Enthusiasmus für weitere Treffen. Mal gucken, was wird.

PS: Im Gegensatz zum Grundschultreffen diesmal kein einziger als fremdenfeindlich zu interpretierender Kommentar. Mutmaßungen über den Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Rassismusanfälligkeit drängen sich leider auf…

PPS: Und Kuchen können sie in der Lausitz wirklich hundertmal besser als in Berlin, geschweige denn Rostock, muss neidlos anerkannt werden.

re:publica 17 – Love Out Loud #rp17 – Tag 1

Nur kurz, weil müde:

Außerdem noch: Schön, so viele bekannte Gesichter zu sehen, auch wenn ich nur mit einem bisher unbekannten richtig geredet habe. Zweimal in Sessions aufgefordert worden, die Augen zu schließen. Beide Male mit darauf folgendem Erkenntnisgewinn.

Vorsatz für morgen: 1. mehr mit Leuten reden, 2. mich nicht mit verkürzten Urteilen im Vorbeigehen zwecks Smalltalk zum Löffel machen. 3. 15 Sessions besuchen. Und Karaoke. Mal gucken, wie das alles zusammenpasst…

Tagebuch-5 im Mai 2017 #WMDEDGT

Wie das immer so ist mit den hehren Vorsätzen zum regelmäßigen Bloggen: Es ist mal wieder ein ganzer Monat vergangen. Dabei habe ich einen Post ja schon eine ganze Weile im Hinterkopf und frickele in Gedanken auch immer mal wieder daran herum, aber noch fehlte die Muße des tatsächlichen Aufschreibens. Nun jedenfalls erstmal wieder, und sogar noch um einen Tag verspätet, der 5. des Monats und was ich so gemacht habe. Der Rest findet sich wie immer bei Frau Brüllen.

Die Frühlingsmorgen beginnen dieser Tage eigentlich immer damit, dass unser kleiner Nachbarsjunge, der sein Zimmer praktischerweise genau unter unserem Schlafzimmer zu haben scheint, aufwacht und lautstark nach Mama, Oma oder Papa ruft. Inzwischen baue ich das oft einfach schon in meine Träume ein und werde gar nicht mehr richtig wach. Irgendwann kommt dann aber der Wecker des Hasen dazu und ich kann nicht mehr dagegen ankämpfen, dass die Nacht vorbei ist. Immerhin kann ich aber noch eine ganze Weile liegen bleiben. Der Hase steht auf und ich werfe erste verstohlene Blicke auf das Handy. Es ist kurz nach 7. Ich checke Mitteilungen, scrolle mich durch Timelines, lese Nachrichten und döse dabei immer mal wieder weg, bis dann um 7:30 auch mein Wecker klingelt.  Ein paar Minuten unter der Bettdecke gebe ich mir noch, während ich überschlage, was heute alles auf dem Programm steht und was ich dafür brauche. Der Hase kommt noch einmal kurz rein, um sich ins Büro zu verabschieden und dann öffne ich die Headspace-App und meditiere. Momentan habe ich das Focus-Package am Start, was auch dringend nötig ist. Immerhin schaffe ich es, mir die zehn Minuten täglich auch wirklich zu nehmen.

Kurz nach 8 stehe ich dann auf, gehe ins Bad, lasse mir von den Katzen bei den morgendlichen Verrichtungen zusehen und ziehe mich dann an. Zwischendurch bekommen die Miezen noch ein wenig extra Trockenfutter, weil sie momentan mit dem Nassfutter nur so semizufrieden sind und außerdem leichten Durchfall haben, der sich aber zum Glück schon deutlich gebessert hat. Dann dürfen sie noch einmal kurz auf den Balkon, während ich meine Sachen fürs Büro zusammenpacke, lüfte und das Bett mache. Dann werden die Katzen wieder reingeholt und noch einmal ausgiebig bekuschelt, bevor ich kurz nach halb 8 die Wohnungstür hinter mir zuziehe.

Ich laufe durchs kühle, leicht regnerische aber frühlingsgrüne Berlin voller blühender Blumen zur Tram. Dort erkämpfe ich mir relativ schnell einen Sitzplatz und kann dann in aller Ruhe im Ulysses weiterlesen. Am Alex wechsle ich in die U-Bahn, finde wieder direkt einen Sitzplatz (der Vorteil, wenn man nicht genau zu um 9 ins Büro fährt, sondern 1-2 Bahnen später dran ist) und lese weiter. Im Büro angekommen schnappe ich mir direkt am Empfang ein paar Haribo-Frösche als Wegzehrung bis zu meinem Platz in der fast hintersten Ecke des verwinkelten Gebäudes. Dort angekommen gibt es einen kurzen Plausch mit den Kollegen. Ich koche mir eine Kanne Earl Grey und bereite mir aus Haferflocken, Milch, Banane und Zimt in der Mikrowelle ein Porridge zu. Das esse ich dann am Platz, während ich E-Mails beantworte und ein paar über Nacht eingetroffene Aufgaben abarbeite.

Gegen 11 wechsle ich “nur mal kurz” hoch ins Betriebsratsbüro und bereite die Übergabe von einigen Tätigkeiten vor, die ich nächste Woche aufgrund meines Bildungsurlaubs re:publica-Besuchs nicht selbst wahrnehmen kann. Dazu bastele ich ein paar Vorlagen, überlege mir, wie ich meine Vertretung (die noch kaum Vorkenntnisse hat) am besten in die Thematik einarbeite und räume mein Archiv auf. Dabei fallen mir direkt noch ein paar Details auf, die uns in einem aktuellen Vorgang weiterhelfen können und stelle nochmal einige Fragen in der Personalabteilung. Aus “nur mal kurz” wird dann so doch schnell mal wieder eine Stunde, aber die war immerhin sehr produktiv. Zurück an meinem eigentlichen Arbeitsplatz (ich nenne es seit neuestem liebevoll meinen “day job“, gerade weil der andere in den letzten Wochen deutlich an Volumen zugenommen hat, widme ich wieder dem Tagesgeschäft.

Um 13:15 gehe ich mit der besten Kolleginnenfreundin in die Pause. Wir holen uns einen Burrito bei Chupenga und erzählen uns die neuesten Entwicklungen aus unserem Freundeskreis. Es tut gut, zwischendurch mal über was ganz anderes reden zu können als immer nur über die Arbeit. Ich kann jedem und jeder nur empfehlen, sich Freunde an den Arbeitsplatz zu holen…

14:00 bin ich dann mit den anderen wieder im Betriebsratsbüro verabredet. Wir müssen lachen, weil drei von vier Leuten sich ihr Mittagessen (oder in meinem Fall die Reste davon) dazu mitgebracht haben. Über Arbeitspausen und unsere Vorbildwirkung bei der Einhaltung derer müssen wir wohl nochmal ein ernstes Wörtchen reden. Immerhin hat jemand Muffins und Brownies mitgebracht, so dass wir gut durch den Nachmittag kommen. Wir haben einiges zu besprechen und planen, dann halten wir offiziell die heutige Sitzung des Personalausschusses ab. Danach führe ich meine Vertretung in die Geheimnisse der Protokollführung bei Personalausschuss- und Betriebsratssitzungen ein. Drei Tage re:publica bedeuten auch, dass drei Protokolle ohne mich erstellt werden müssen. Am Ende ist es schon 16:45, als ich wieder an meinem Arbeitsplatz bin und nochmal eine Dreiviertelstunde an meinen täglichen Aufgaben sitze.

Zwischendurch schreibt der Hase und fragt, ob wir uns gleich kurz noch treffen können, mein Arbeitsplatz liegt genau auf seinem Weg von seinem neuen Büro zum Ort der heutigen Betriebsfeier und er möchte mir noch schnell Käse und Brot übergeben, die er heute morgen gekauft hat und nicht mit zur Party nehmen will. Um 17:45 verlasse ich das Büro und hole noch schnell Geld am Automaten und neues Duftöl zur Bekämpfung des Katzenklo-Dufts zuhause. Dann treffen wir uns am Alex kurz beim Umsteigen, erzählen uns von unserem Tag und packen Dinge von seinem Rucksack in meinen. Auf dem Heimweg in der Tram lese ich ein wenig im Internet herum.

Kurz vor 19:00 bin ich dann zuhause. Als erstes wollen die Katzen ihr Abendbrot haben, dann mache ich es mir mit Laptop und Katzen auf der Couch bequem. Eigentlich wollte ich jetzt mit einer guten Freundin telefonieren, von der ich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört hatte, aber irgendwie bin ich schon completely talked out heute. Hunger habe ich nach Burrito und Teilchen auch keinen mehr. Also lasse ich mich einfach von meinen Serien berieseln und schaue die in den letzten Wochen verpassten Folgen von The Americans, Modern Family, Speechless, The Big Bang Theory und Scandal (Madam Secretary und Jane the Virgin hatte ich gestern schon “abgearbeitet”). Dann wechsle ich von der Couch in die Badewanne und die Serie zu Crazy Ex-Girlfriend. Als ich schrumplig bin (und das Wasser zu kalt), steige ich aus, putze mir die Zähne, mache das Katzenklo sauber und gehe ins Bett. Ich versuche es noch einmal kurz mit Lesen, muss aber schnell aufgaben und schlafe kurz nach Mitternacht tief und fest.

Keine Fotos heute.

Tagebuch-5 im April 2017

Wer regelmäßig bloggen will, dem kommen solche schönen Aktionen wie WMDEDGT natürlich entgegen, die übrigen Beiträge gibts wie immer bei Frau Brüllen.

Gegen 7 werde ich vom mir ins Ohr brüllenden Kater geweckt. So langsam gewöhne ich mich an die von der Hasenkrankheit bedingten Nächte im Katzenbett. (Exkurs: Die Katzen schlafen am liebsten in unserem Gästezimmer, in das ich momentan auch nachts ausweiche, um die Mandelentzündung des Hasen von mir fernzuhalten. Zwischen dem Schlafzimmer und den Katzen sind nachts zwei Türen, so dass wir sie quasi nie hören, ihr nächtlicher Aktionsradius aber ganz schön eingeschränkt ist. Ich möchte sie daher nicht auch noch aus dem Gästezimmer und teile großzügig die 90 x 200 cm Bett mit ihnen.) Abends lasse ich mich von Noosa in den Schlaf schnurren, die dazu direkt neben meinem Kopf liegt, des Nächtens muss ich mich ab und zu um die zwei Schlafnasen drumherum wickeln und morgens werde ich dann von Nimbin geweckt. Aber um 7 ist eine okaye Zeit, 30 Minuten später klingelt der Wecker sowieso.

Ich lese Nachrichten und Benachrichtigungen (Reihenfolge: Messenger aller Art, E-Mails, Facebook, Instagram, Twitter) und dann ein wenig in den Timelines (Facebook, Instagram, Twitter). An manchen Morgenden reicht es dann noch für SPON oder den Feedreader, heute aber rennt mir die Zeit davon. Um 7:45 wird meditiert (heute schon den 7. Tag in Folge wieder, juhu!) und 8:00 dann aufgestanden. Es folgt: Bad, anziehen, Katzen füttern, Wassernäpfe auffrischen, Sachen zusammensammeln, vom Hasen verabschieden und gegen 8:30 das Haus verlassen.

Eigentlich möchte ich mir Frühstück in einem meiner Stammcafés holen, aber das hat wieder einmal noch zu. Also nehme ich die Ringbahn zur Schönhauser Allee, hole mir eine Johannisbeerschnecke und setze mich schon dort in die U2. So richtig mit Sitzplatz, den kriege ich am Alex tatsächlich eher selten noch ab.

Corporate Identity
Im Büro angekommen gibt es ein paar letzte Besprechungen zum heutigen Wahlkampfauftakt, dann koche ich mir meinen Tee und fahre den Rechner hoch. E-Mails bearbeiten, Dinge abarbeiten, ein kleines Brainstorming-Meeting mit dem Team… Der Vormittag geht ganz schön schnell vorbei.

In der Mittagspause kaufe ich Brot, Käse, Duschgel und eine Überraschung für den kranken Hasen ein und hole noch zwei Onigiris, die ich dann wieder zurück am Arbeitsplatz verspeise.

Onigiri
Um 15 Uhr gibt es eine Sitzung des Personalausschusses, bei der ich Protokoll führe. Danach trifft sich unsere Wahlliste zu einer kleinen Werbeaktion. Hinterher sind weite Teile des Büros mit unseren Plakaten zugekleistert. Noch eine halbe Stunde Tagesgeschäft, dann wird der Rechner wieder runtergefahren und alles versammelt sich zum vierteljährlichen All-Hands-Meeting, bei dem es einen Über- und Ausblick zu aktuellen Geschehnissen und Projekten gibt. Danach laufen wir alle gemeinsam hinüber in unsere neuen Büroräume, die der Großteil der Belegschaft heute zum ersten Mal besichtigen kann. Noch ist alles im Rohzustand, bis wir dann in ein paar Monaten einziehen wird noch viel passieren.

Trotzdem genießen wir die Ausblicke aus dem Dachgeschoss und von der Terrasse, erkunden das Gebäude und unsere zukünftigen Arbeitsbereiche und unterhalten uns bei Pizza, Snacks, Bier, Sekt und Softdrinks. Auffallend oft sind Wahlkampf und Wahlen das Thema und es gibt viel positives Feedback zu unserer Aktion. “Ihr habt wohl mehr Marketing-Budget als ganz EMEA!” und “Ich wähle Euch hundertprozentig!” sind meine beiden Lieblingszitate dazu.

Aussicht
Nach etwas über zwei Stunden mache ich mich dann auf den Heimweg und nutze dieselbe Route wie morgens. In der S-Bahn drücke ich einem Obdachlosen den Inhalt meines Kleingeldfachs in die Hand (knappe 3 €, gestern früh waren es noch über 10 in viel zu vielen Münzen) und jetzt habe ich wieder ein verschließbares Portemonnaie. Ich laufe durch den Frühling nach Hause, packe die Einkäufe aus und begrüße den Hasen. Wir erzählen uns gegenseitig von unserem Tag und gehen dann noch ein paar Dinge durch, die dringend noch zu besprechen sind (beides sehr Bürokratie- und Papierkram-lastig heute…).

Dann ziehe ich mich mit dem Laptop auf die Couch zurück, lese ein wenig im Internet herum, kümmere mich um Korrespondenz und schreibe diesen Text …und spätestens um 11 lasse ich mich dann wohl wieder von Noosa in den Schlaf schnurren!

 

Doppeldecker-Waffeln mit Brombeer-Quark-Füllung

Waffeln

Letztes Wochenende waren wir in Leipzig und besuchten das Hasenpatenkind samt Familie. Eines der Highlights des Besuchs war das gemeinsame Waffelnbacken und -essen auf der Terrasse. Nun ist es so, dass ich mich ja an sich über jedes Waffelessen freue, dann aber doch oft enttäuscht bin. Gut schmecken sie ja meistens, aber eben nicht so, wie ich das aus meiner Kindheit kenne. Und weil ich also letztes Wochenende ein wenig herumwimmerte, dass die Waffeln zu knusprig und trocken sein, habe ich dann dieses Wochenende “richtige” Waffeln gebacken. So wie Waffeln zu sein haben. 😉

Das Teig stammt aus dem klassischen “Das Backbuch” des Verlags für die Frau, das meine Mama im Küchenregal stehen hatte und in dem ich oft fasziniert blätterte. Zwei Seitenzahlen konnte ich damals auswendig (Heute nicht mehr so ganz, aber man könnte mal auf 208 und 11 nachgucken. Oder 108 und 211? Irgendwie so…), nämlich die für unseren Plätzchenteig (“Zauberkekse”) und die für den Waffelteig (“Festtagswaffeln”). Diese beiden Rezepte habe ich mir dann auch zu meinem Auszug nach dem Abitur in so ein kleines Heftchen abgeschrieben, aus dem nach und nach mein eigenes Rezeptbuch werden sollte.

Die Zutaten konnte ich schon in recht jungen Jahren zusammenrühren und durfte dann auch ganz schnell alleine auf dem alten gelben Kontaktgrill die Waffeln backen. Da dieser keine spezielle Form hatte, sah jede Waffel individuell aus und die Größen variierten beachtlich. Für unsere Variante der Waffeln, die es so wahrscheinlich in keinem Backbuch gibt, wurden größere Waffeln halbiert und kleinere einfach so aufeinander gestapelt. Dazwischen kam jeweils eine Schicht Quarkspeise (mit Milch glattgerührter Quark vermischt mit Marmelade, typischerweise selbstgemachte Brombeer-, Johannisbeer- oder Erdbeermarmelade aus dem Garten). Diese Doppeldeckerwaffeln konnte man dann wie eine Klappstulle ganz einfach aus der Hand essen (und sich dabei herrlich mit Quarkspeise einsauen).

Die Herstellung dieser Waffeln hat etwas meditatives – erst kommt ein Klecks Teig auf den Grill, der sich dann beim Zuklappen zurechtquetscht. Dann kommt ein Klecks Quarkspeise auf die untere Waffel, der sich dann wiederum beim Zuklappen zurechtquetscht. Am Ende hatte man lauter Unikate, an deren Rand gerne mal Quarkspeise hervorquoll. Wie eine Klappstulle konnte man diese dann noch schön heiß essen und sie schmeckten wirklich sehr anders, als was ich später im Leben als “Waffeln” vorgesetzt bekam.*

Der alte Kontaktgrill hat nun schon eine ganze Weile das Zeitliche gesegnet und ich buk dann heute mit unserem standardisierten Waffeleisen in Herzchenform. Ging aber erstaunlicherweise ganz genauso gut. Glücklicherweise war der Hase dann auch ebenso glücklich über die Waffeln wie ich, obwohl er letztes Wochenende noch sagte, dass er ja vor allem knusprig gebackene Waffeln mag und diese innen drin eher weich sind. Darf und werde ich also wieder backen!

Rezept: Doppeldecker-Waffeln mit Brombeer-Quark-Füllung

Zutaten Waffelteig

  • 150 g Margarine (es ist ein DDR-Kochbuch 😉 Ich habe Butter genommen)
  • 125 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker (ich habe unseren selbstgemachten Vanillezucker verwendet und direkt 150 g davon genommen)
  • 3 Eier
  • 1 Prise Salz
  • 3 geriebene Bittermandeln (Die sind nichtmal zur Stollenzeit leicht zu bekommen und Bittermandelaroma hatte ich nicht im Haus, aber ohne schmecken die Waffeln auch super!)
  • 125 g Mehl
  • 75 g Stärkemehl
  • 1/2 TL Backpulver
  • 4 EL saure Sahne

 

Zutaten Füllung

  • 500 g Quark (Es bleibt etwas übrig, aber Quarkspeise kann man ja auch super später noch essen oder weiterverarbeiten)
  • ca. 100 ml Milch zum Glattrühren
  • 3 EL Brombeermarmelade (selbstgemachte von der Tante)

 

*Die zweitbesten Waffeln meines Lebens gab es übrigens im Urlaub an der schwedisch-norwegischen Grenze, mit oberfruchtiger Erdbeermarmelade drauf!