06.09.2026 – Leipzig die Zweite und das Drumherum auch

Mitten in der Nacht schallt ein Waches-Kleinkind-Ruf durch die Wohnung, da kann ich mich aber nochmal umdrehen. Das zweite Aufwachen beim zweiten Ruf ist dann ungefähr zur täglichen Weckerzeit und unumkehrbar, auch weil dann langsam Leben in die Bude einzieht. Ich kann aber noch liegen bleiben und ganz langsam das Land der Träume verlassen. Irgendwann steht dann das Kleinkind im Raum und guckt verwundert, wer da wohl auf der Couch liegt. Bald darauf trägt es mir vorsichtig einen Kaffee an die Schlafstätte und ab da wird alles gut.

Kurz nach 7 sitzen wir zu viert am Frühstückstisch. Es gibt selbst gebackenen Milchzopf, tschechische Aprikosenmarmelade und viel frisches Obst. Das Kleinkind frühstückt viel Gesundes und darf dann auch ein S-C-H-O-K-O-L-A-D-E-N-brot. Gegen halb 10 verlassen wir zu dritt die Wohnung, laufen bzw. laufradeln zum Park und vergnügen uns nacheinander an verschiedenen Spielplätzen. An einem kommen wir mit einem Papa ins Gespräch, während die Kinder abwechselnd rutschen, an einem anderen mit einem etwas älteren Mädchen, das Rutschenprofi ist. Dazwischen viel sporttreibendes Erwachsenenvolk.

Beim letzten Spielplatz dann gibt es Pommes, Brause und mehr Kaffee für mich. Danach ist das Kleinkind kaputtgespielt und wird zum Mittagsschlaf nach Hause gekarrt, was den Vorteil hat, dass auch die Erwachsenen sich nochmal hinlegen können. Ich penne komatös nochmal so richtig weg.

Danach erst Puzzlen, dann wieder Aufbruch im schicken Ausgeh-Outfit. Wir nehmen den Bus in die Innenstadt und setzen uns ins Kaffeehaus!

Es gibt Tee und Torte in verschiedenen Ausführungen. Kurz nach 16 Uhr verabschieden sich meine Gastgeber*innen und ich bleibe noch eine Weile sitzen, mache den stillen Teil des morgendlichen Reboots und trinke meine Kanne Tee aus.

Dann zieht es mich nach draußen. Auf dem Markt setze ich mich nochmal in die Sonne und lese. Links von mir videotelefoniert jemand in einer mir fremden Sprache mit der weit entfernten Familie. Rechts von mir sitzt ein südländisch aussehender Mann, schaut sich ein Deutschlernvideo auf YouTube an und spricht die Phrasen mit arabischem Akzent nach. Alles sehr idyllisch. Ich denke daran, dass wenige Kilometer von hier gerade die AfD an die Macht gewählt wird und mir wird ein bisschen schlecht.

Dann spricht mich der Lerner an und fragt, ob ich Französisch spreche. „Un peu.“ sage ich und wir kommen ins Gespräch. Das ganze Duolingo zeigt Wirkung, ich verstehe, dass er aus Tunesien kommt, seit drei Wochen in Leipzig ist, um Deutsch zu lernen und dann in der Stadtplanung arbeitet, nachdem er vorher einige Zeit in der Elfenbeinküste gelebt hat und dort ein U-Bahnnetz mit entworfen hat. Dann muss ich zum Zug. Wir tauschen Nummern aus und schreiben den Rest des Tages immer wieder hin und her, er auf Deutsch, ich auf Französisch. Die Autokorrektur sorgt dafür, dass sich Beides ziemlich professionell liest.

Am Bahnhof kaufe ich noch eine Leipziger Lerche fürs Frühstück morgen, dann warte ich am Gleis auf den pünktlich abfahrenden (!) Zug. Kurz bevor der einfährt, kommt die Prognose aus Magdeburg und ich bin ziemlich geschockt. Bis zum Schluss habe ich irgendwie damit gerechnet, dass die AfD am Ende doch unter 40 Prozent bleibt, Der Hase, der ja inzwischen wieder in Sachsen-Anhalt lebt, hatte eher 50 Prozent prognostiziert, was in seinem Wahlkreis auch nahezu stimmen wird, das hielt ich für zu pessimistisch. Immerhin haben SPD und Grüne von taktisch Wählenden halbwegs okaye Stimmanteile bekommen.

Mit Beklemmung steige ich in den Zug, finde einen Platz im Familienabteil, kann mein Handy aufladen und endlich Duolingo machen. Nebenbei bekomme ich mit, wie um mich herum die Erwachsenen fassungslos in ihre Handys starren und auf Nachfragen der Kinder erklären, was da gerade vor sich geht. Ein Kind fragt nach dem Ergebnis der SPD, ein anderes sagt, dürften Kinder wählen, hätten die Grünen gewonnen. Diejenigen, die nicht über das Wahlergebnis sprechen, reden Englisch und Italienisch miteinander – eine bilinguale Familie. Mein Abteil ist eine Bubble. Wir halten ereignislos in Bitterfeld und Wittenberg, aber ich bin doch ganz froh, Geld in ein ICE-Ticket investiert zu haben und nicht in Dessau oder Wittenberg umsteigen und ggf. stranden zu müssen, während drumherum evtl. blaue Horden siegestrunken feiern. Ich sehe aber zumindest an den Bahnsteigen keine.

Wir kommen sogar pünktlich in Berlin an. Danach wird es mit der Straßenbahn nochmal sportlich, aber kurz nach 20 Uhr bin ich zuhause, werfe ein paar Reste in den AirFryer, mache einen schnellen Tomatensalat dazu, telefoniere mit dem Liebsten und haue mich dann aufs Sofa und gucke Wahlberichterstattung, bis ich mich gegen 22 Uhr losreißen kann und in der Badewanne lande. Hier lese ich Yael van der Woudens The Safekeep zu Ende, in dem es um enteigneten jüdischen Besitz während des Holocausts geht – how topical!

05.09.2026 – Jazz in Hypezig #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Die Nacht zwischen Noosa links und dem Liebsten rechts ist schon wieder viel zu früh vorbei. Ich bin aber schon mit einem Teil des morgendlichen Reboots durch, bis der Liebste aufwacht und nach Kaffee verlangt. Der steht dann am Bett, bevor die Mitbewohnerin zur Frühschicht aufbricht und irgendwann schlafen wir dann doch alle nochmal ein. Aufgestanden wird dann aber trotzdem nicht allzu spät, denn ich habe noch viel vor.

Balkonfrühstück

Halb 12 brechen wir auf und fahren mit zwei Straßenbahnen zum Hauptbahnhof. Der Liebste fährt von da aus weiter nach Südberlin, ich hole mir einen frisch gepressten Saft und eine Zeitschrift auf meinen natürlich verspäteten Zug nach Leipzig.

Ist aber alles nicht so schlimm, ich habe ja Zeit. In Leipzig angekommen bummele ich ein bisschen ziellos durch die Innenstadt, das neue Farin-Urlaub-Album auf den Ohren. Ich laufe an Nikolai- und Thomaskirche und an Auerbachs Keller vorbei und bewundere jeweils die langen Schlangen davor. Dann richte ich meine Schritte Richtung Südvorstadt und Karli, laufe an Ladenjubiläen und einem Flohmarkt vorbei (auch überall viele Menschen) und lande schließlich mit baskischem Käsekuchen und Matcha Latte vor einem Kaffee. Kein Hypezig ohne gehypetes Essen!

Ich trinke und esse und lese in meinem Buch weiter, bis es mir zu windig und frisch zum Sitzen wird. Dann laufe ich weiter in den Park und finde dort ein sonniges Plätzchen auf der Wiese zwischen Grillenden und Kubbspieler*innen, wo ich noch ein wenig weiterlesen kann, bis sich der Himmel vollends zuzieht.

Dann lenke ich meine Schritte Richtung frühes Abendbrot und verzehre lesend eine Pho, eine Limettenlimonade und einen vietnamesischen Kaffee, bis es Zeit ist, zum Anlass meines Ausflugs weiterzugehen.

Ich spaziere an weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei zu einem kleinen Theater, in dem der Mann der Musicousine heute sein Master-Abschlusskonzert als Komponist und Arrangeur eines Jazz-Oktets gibt.

Draußen treffe ich die Eltern der Musicousine, sie selbst hat leider selbst einen Auftritt in einer anderen Stadt. Wir updaten uns kurz und suchen uns Plätze und dann geht auch schon das Konzert los, mit eigenen und neu interpretierten Stücken, arrangiert für Flügel, Posaune, Saxofon, Trompete, Querflöte, Violine, E-Bass und Schlagzeug. Sehr beeindruckend, da geht ordentlich die Post ab.

Hinterher gibt’s Getränke und Gespräche mit weiteren bekannten Gesichtern, bis mich die Leipziger Freundin abholen kommt, die selber gerade von einem musikalischen Auftritt von einer Veranstaltung kommt. Gemeinsam laufen wir zurück in die Südvorstadt, trinken dort noch bis kurz nach Mitternacht etwas zusammen, dann bezieht sie mir ihr Sofa und dann ist Schlafenszeit…

04.09.2026 – Kursfreitag und Date Night

Heute Morgen das klassische Szenario: Ich bin kurz nach 3 kurz wach und will mich gerade wieder umdrehen, da schreit das Baby von unten drunter wodurch Noosa wach wird und dann meine Aufmerksamkeit braucht. Irgendwann schläft sie wieder, dann versuche ich wieder zu schlafen. Kurz bevor das klappt ist sie schon wieder wach. Repeat. Irgendwann nach 5 döse ich nochmal kurz weg, aber auch nicht bis zum Weckerklingeln halb 7.

Dementsprechend langsam bin ich dann beim morgendlichen Reboot. Ich komme trotzdem pünktlich los, aber dann verschwören sich S-Bahn und BVG gegen mich. Die S-Bahn, in dem sie einfach nicht kommt – Notarzteinsatz -, die BVG dadurch, dass immer noch Schienenersatzverkehr auf der Strecke zum Alex ist. Ich nehme dann aber die 12, die aus anderen Baustellengründen gerade hier langgeführt wird, fahre bis fast in den Wedding und dann mit U8 und U7 zum Kurs. Am Ende bin ich nur fünf Minuten zu spät.

Wir starten den Tag mit einem Warm-up, dann arbeiten wir erst alleine, so dass ich nebenbei Kaffee trinken kann. Puh! Das zweite Frühstück nach einem schnellen Pfirsich zuhause sind Pflaumen, Pistazien und Trauben.

Auf die Einzelarbeit folgt Gruppenarbeit, irgendwann unterbrochen von Mittagspause mit den Curry-Resten von gestern und wie immer spannenden Gesprächen.

Nach der Pause eine andere Gruppenarbeit und dann am späteren Nachmittag „Bastelzeit“ – es gibt einiges zu basteln, vorbereiten und zusammenzustellen, alle in ihrem Tempo. Die langwierigste aber auch schönste Aufgabe ist das Zusammenstellen einer Collage von Orten und Räumen, die wir mögen. Meine sieht am Ende so aus (über das mit dem Sinn nicht so viel nachdenken!)

Dann ist Check-out und Wochenende. Während des Bastelns hat in Berlin ein Sturm getobt, die S-Bahn fährt schon wieder nicht, diesmal witterungsbedingt, und ich nehme den gleichen Weg nach Hause wie morgens hin. Der Liebste leidet ebenfalls unter dem Chaos und kommt so erst später bei mir an, als geplant war. Aber ist alles kein Problem, wir wollten ja eh Essen bestellen. Erstmal aber gibt’s Aperitivo auf dem Balkon, bis seine Allergietablette wirkt und er sich den Katzenhaaren aussetzen kann.

Bald darauf trudelt das Essen ein – Burger mit diversen Extras (meiner mit Ananas, Bacon und Sucuk, dazu Halloumi-Sticks und Pommes) – und dann schauen wir drei Folgen Being Erica.

Während Essen und Fernsehen geht die Familienthreema-Gruppe steil und es kommen quasi Live-Bilder und Videos vom Nordpol rein, ohne das jemand dafür schlimm frieren oder körperliche Unbill ertragen musste. Es ist wirklich 2026!

Dann verziehen wir uns aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer, weil die Mitbewohnerin morgen Frühschicht hat. Eigentlich wollen wir im Bett noch eine Folge gucken, aber als ich aus dem Bad komme schläft der Liebste bereits und mir fallen dann auch bald die Augen zu.

03.09.2026 – 15.000 Schritte und noch mehr Gedanken

Heute dann also der große „Ausgehtag“, der Tag im Kurs, an dem wir erstmals mit dem Gelernten rausgehen und versuchen, es anzuwenden. Dafür haben wir uns gestern ein paar Proband*innen überlegt und weil mein erster Proband hier im Haus zu finden ist, stelle ich mir keinen Wecker und starte gemütlich in den Tag.

Was in diesem Fall bedeutet, dass ich trotzdem um 6 aufwache, dann aber eben ohne Hektik den morgendlichen Reboot mache, mir in aller Ruhe Frühstück und das Mittag für unterwegs zubereite, auf dem Balkon frühstücke und erst dann aufbreche, als ich sicher bin, mit allem fertig und gut vorbereitet zu sein.

Mango-Maracuja-Quarkspeise, Müsli mit gelben Früchten, Guave. Dazu Sencha.

Dann laufe ich runter ins Stammcafé, nur um festzustellen, dass der Proband noch nicht da ist und auch unklar ist, ob er bald kommt. Hmpf. Das wirft mich in meiner Planung ein wenig zurück. Aber dann laufe ich eben los zur Station 2, einem Ladengeschäft, nicht ohne dabei zu vergessen, dass auf dem Weg eine riesige Baustelle ist und ich einen ziemlichen Umweg machen muss. Als ich ankomme, schnaufe ich erst kurz durch, sammle mich und trete dann ein. Intuitiv suche ich mir die richtige Probandin aus, führe ein mustergültiges Gespräch und laufe dann ganz beflügelt und mit frischen Ideen wieder raus, schreibe ein Gedächtnisprotokoll und schlendere breit grinsend zur U-Bahn.

Mit zwei U-Bahnen geht es dann hinaus nach Alt-Tempelhof. Hier hat die dritte geplante Probandin ihr Büro. Der Methode entsprechend darf ich mich nicht vorher ankündigen, so bin ich nicht überrascht, als ich nach einer kurzen Busfahrt und einem langen Fußmarsch vor einer verschlossenen Bürotür stehe, drinnen ist es dunkel, alle sind ausgeflogen. Aber auch das ist in Ordnung und gehört zum Prozess. Also laufe ich wieder zurück, diesmal ohne den Bus, der natürlich nicht dann kommt, wenn er kommen soll, steige wieder in die U-Bahn und fahre auf einer anderen Route nach Kreuzberg zu der Probandin, die mir Propandin 2 vorhin empfohlen hat.

Als ich an deren Arbeitsstelle ankomme, muss ich feststellen, dass diese erst ab 14 Uhr besetzt ist. Um 14 Uhr muss ich schon wieder zurück im Kurs sein. Das war dann also heute auch nichts, aber auch das darf so sein. Ich laufe auf neuen Routen durch Kreuzberg und fahre dann mit zwei U-Bahnen nach Neukölln, setze mich aufs Sofa und esse mein Mittagessen (Stullen und Obst).

Nach und nach trudeln alle Teilnehmer*innen ein. Wir werden mit leckerem Kuchen zur Belohnung versorgt und berichten uns dann unsere jeweiligen Erlebnisse, vergleichen Erfahrungen, arbeiten Tipps und Strategien fürs nächste Mal aus und vertiefen uns nochmal in die Theorie.

So vergeht die Zeit wie im Fluge und plötzlich ist es schon wieder 18 Uhr. Ich fahre mit der S-Bahn zurück in den Pberg, hole in der Apotheke Bestelltes ab, laufe nach Hause, füttere Noosa, koche mir Abendbrot (und Mittag für morgen) und telefoniere mit dem Liebsten.

Kichererbsen-Tomaten-Pfirsichcurry auf Basmati-Wildreis-Mischung

Dann bin ich mit der Freundin in Madrid verabredet und wir reden tatsächlich auf die Minute genau zwei Stunden darüber, was in den letzten Wochen seit kurz vor meinem Urlaub (dem ersten, dem in Kanada) in unseren Leben so passiert ist – es ist eine Menge!

Danach nochmal kurzer Check-in mit dem Liebsten, kurzes Versacken auf der Couch und irgendwann kurz nach 11 falle ich dann ins Bett und schlafe sofort tief und fest ein.

02.09.2026 – Trockenübungen

Aus mir nicht bekannten Gründen werde ich heute schon deutlich vor 6 wach und starte in den morgendlichen Reboot, obwohl der Wecker erst halb 7 klingelt. Noch eins ungewöhnlicher ist, dass ich schon hungrig bin und kurz nach 6 in der Küche am Herd stehe und mir Porridge koche – mit Butter, Mandelmilch, Zimt, Kardamom und Apfel. Den gibt es dann mit einer Tasse schwarzen Tee auf dem Balkon, in eine Decke gekuschelt.

Dort finalisiere ich den Reboot in aller Ruhe und habe dann immer noch Zeit, mir einen Matcha Latte to go zu machen, mir Kartoffelsalat, Würstchen, geschnittenen Pfirsich und Pistazien einzupacken, mich tagfein zu machen, den Müll wegzubringen und überpünktlich zur Bahn loszugehen. Auf dem Weg telefoniere ich mit dem Liebsten, der gerade erst wach geworden ist.

Ich fahre nach Neukölln zum Kurs und dann gibt es erstmal gemütliches Ankommen und Einchecken mit den anderen, ein Warm-up-Spiel und dann die mir schon von der re:publica und aus dem Tagesworkshop bekannte „Trockenübung“. Nach einer ersten Pause folgt eine große Ladung Theorie, dann die Mittagspause, in der ich mich mit einem Teilnehmer ausführlich über Argentinien (Land, Leute, Geschichte und natürlich Kulinarik und wie all das zusammenhängt) unterhalte.

Es folgt nochmal eine Runde Theorie und dann geht es ans Vorbereiten der praktischen Übungen, die morgen anstehen. Alles sehr aufregend, ich werde berichten.

Zum Feierabend mache ich Foodie-Dinge: Ich verabrede mich mit dem Ex-Mitbewohner für nächste Woche in einem Restaurant um die Ecke, über das wir schon oft gesprochen haben, kaufe mir beim Gemüsehändler spontan zwei Guaven (Neukölln lebe hoch!) und hole mir dann zuhause im Pberg noch gutes Kakaopulver, Erbsenmilch und Sanddornsaft im Supermarkt. Dann ernte ich einen Basilikomtopf ab und mache mir Pesto zum Abendessen.

Der Abend endet mit Liebstentelefonat, der neuen Folge Ted Lasso und ein paar Seiten The Safekeep, bevor ich schon um 22 Uhr hundemüde im Bett liege.

01.09.2026 – Neuanfang

Hui, neuer Monat, neuer Arbeitsvertrag – und neuer Urlaub. Ich bin quasi Schrödingers Angestellte, da aber nicht da. Der Tag beginnt mit späterem Weckerklingeln, trotzdem leicht hektischem morgendlichen Reboot, einem schnellen Pfirsich auf die Hand und einer Fahrt nach Moabit, wo ich zu spät zum Arzttermin komme, weil sowohl auf der Ringbahn als auch in der U-Bahn mal wieder Chaos ist. Stört in der Praxis zum Glück niemanden, ich komme trotzdem ziemlich schnell dran, alles verläuft nach Plan und dann bin ich bald schon wieder auf der Straße.

Mit zwei U-Bahnen geht es weiter nach Neukölln, wo der Kurs heute ohne mich begonnen hat. Ich stolpere direkt in die erste Pause, was mir Gelegenheit zu einem Kaffee (doppelter Espresso, viel Hafermilch), ein paar gelben Pflaumen, Mandeln und Pistazien gibt.

Dann geht es weiter mit dem Kurs bis zur richtigen Mittagspause. Ich esse Kartoffelsalat, vegane Bratwürstchen, Sriracha-Sauce (kein Senf oder Ketchup im Kühlschrank, dit is Neukölln hier) und Trauben frisch von der Rebe. Dazu natürlich tolle Gespräche und Septembersonnenschein.

Am Nachmittag gibt es nach dem Warm-up erst Einzel-, dann Gruppenarbeit, die superintensiv und spannend ist. In der Zwischenzeit bäckt jemand Pflaumencrumble und davon genehmige ich mir in der Kaffeepause ein Stück. So, so gut!

Danach weiter Gruppenarbeit – mit viel Anstoß zum Nachdenken und Reflektieren für mich – Check-out und Heimweg. Mit der Ringbahn (wieder unregelmäßig) geht es zurück in den Pberg. Kurzer Stopp in der Apotheke und beim Nachbarn, das Paket von gestern abholen.

Dann höre ich Podcasts und putze die Wohnung – es war dringend wieder nötig – bevor ich mir Schnittchen mache und den Abend lesend beende.

31.08.2026 – Präsenz

Der Wecker klingelt früh an diesem letzten Urlaubstag vom einen Urlaub (morgen dann erster Urlaubstag vom nächsten Urlaub, man urlaubt sich hier im Moment einiges zusammen…) Der morgendliche Reboot erfolgt komplett im Bett und dann wird es fast schon wieder ein bisschen hektisch, bis ich aus dem Haus komme. Das Frühstück ist eine Banane auf dem Weg, auf dem ich auch mit dem Liebsten telefoniere.

Morgendliches S-Bahn-Chaos ist auch wieder, aber am Ende komme ich pünktlich, wenn auch nicht trocken (Regen und Wind, es wird Herbst…) in Neukölln an und trinke mit den anderen Kursteilnehmer*innen erstmal einen Kaffee, snacke Mandeln und Apfel und dann kann der Kurs auch schon losgehen. Es wird wieder viel geredet, gedacht und mit der Hand geschrieben. Wichtigste und schwerste Aufgabe für diese Chronistin: „Versucht, NICHT den Überblick zu behalten.“

Als der Regen vorbei ist, sitzen wir auch immer wieder draußen im Hof und naschen Trauben – ich time meine Kurse hier scheinbar stets sehr günstig, das war auch letztes Jahr schon so praktisch – von der Rebe in die Hand in den Mund.

Mittags hole ich mir einen vegetarischen Gemüsedöner mit Falafel und ein Stück Pflaumenkuchen, beides sehr gut.

Während des Essens kommt eine Nachbarin vorbei und fragt nach ihrer entlaufenen Katze. Ich kann eine positive Geschichte dazu erzählen und sie aufmuntern. Wenig später ist die Katze tatsächlich gefunden, eine Runde gute Laune für alle!

Nach Kursende für heute fahre ich mit zwei U-Bahnen nach Kreuzberg, laufe rüber nach Mitte und statte der Wohnung der Eltern einen Besuch ab. Auf dem Balkon gibt’s noch ein Eis – das muss ja auch irgendwann weg – und ein Liebstentelefonat. Auf dem Heimweg dann noch schnelle Einkäufe, bevor ich schon wieder platschnass werde.

Zuhause wartet ein Paket auf mich, bzw. eigentlich bei den Nachbarn, die aber nicht da sind. Hmpf. Gut, dass ich Urlaub habe und es erst in zwei Wochen brauche. Dafür kümmere ich mich um andere Post. Und ums Abendbrot. Es gibt Zuckermais, Pellkartoffeln, Tomaten und Rostbratwürstchen aus dem Speisefön mit Curry-Ketchup.

Nach dem Essen bastele ich aus weiteren Kartoffeln einen Salat für morgen, dann mache ich noch Hausaufgaben – morgen komme ich später, ich muss also vorarbeiten.

Gegen 10 geht es dann in die Badewanne. Ich lese endlich Mein Opa, der Widerstand gegen die Nazis und ich aus, so richtig mit einmal heißes Wasser auffüllen. Dann noch Haare waschen usw. und ab ins Bett, da ist es dann schon Mitternacht. Ich fange trotzdem noch ein neues Buch an, schaffe aber nur ein paar Seiten, bis mir die Augen zu fallen.

30.08.2026 – Zurück in Berlin

Hui, nach dem gestrigen Ritt brauche ich heute Morgen ziemlich lange, um erstens wach zu werden, zweitens in die Gänge zu kommen und drittens den morgendlichen Reboot abzuschließen. Überhaupt war es ja auch nicht nur gestern, sondern hinter mir liegt eine Woche mit jeder Menge Unternehmungen, Treffen und Menschen. Könnte heute eigentlich auch den ganzen Tag nur rumliegen, aber ich habe auch den Liebsten schon wieder eine ganze Woche nicht gesehen und das Teilzeitkind sogar schon vier Wochen nicht und das geht ja so auch nicht.

Während des Balkonfrühstücks gegen 11 formiert sich der Plan und kurz vor 13 Uhr gehe ich dann tatsächlich aus dem Haus. Auf dem Weg zur Straßenbahn mache ich einen Schlenker durch den Park und schaue mir die Blumen, Kerzen und Briefe an, die an der Fundstelle der getöteten Frau in der Nachbarschaft abgelegt worden sind – die Nachbarinnenkollegin hatte davon berichtet. Fühlt sich merkwürdig an, eine Mischung aus letzten Grüßen von Menschen, die das Opfer offensichtlich kannten und von Wildfremden, die betroffen sind oder das Thema für eigene Agenden nutzen. Schön finde ich, dass dort auch Fotos sind, die das Opfer in früheren Zeiten zeigen und ein anderes Bild zeichnen als das leicht derangiert wirkende Foto aus den Zeitungen und Polizeiplakaten.

Mit der Straßenbahn geht es dann nach Friedrichshain, in der Wohnung von Brüderchen und Freundin nach dem Rechten sehen. Beim dritten Mal in ebenso vielen Wochen gehen die fünf Altbauetagen schon etwas lockerer, mal sehen, zu welch körperlicher Fitness der Einsatz mich noch bringt. Danach wollen der Liebste und ich dem Teilzeitkind eigentlich das Yaam zeigen, aber da dort heute kein Getränkeausschank ist, vertagen wir das und gehen stattdessen früher auf den eigentlich hinterher geplanten RAW-Flohmarkt.

Ich esse erstmal eine Bubble-Waffel mit Mandelmus und Beeren, während die anderen schon bummeln. Das Teilzeitkind ist erst fasziniert von den vielen schönen Klamotten, dann aber auch frustriert, weil die Auswahl auf dem Flohmarkt eben auch begrenzt sind, manche Sachen nicht in der richtigen Größe da sind, andere gar nicht und vieles auch nach Handeln noch zu teuer bleibt. Wir ziehen vom RAW-Gelände weiter zum Boxi, da erhandelt es sich dann erstmals eine – 100prozentig echte, da gibt es gar keine Frage – Designersonnenbrille für 5 Euro und ist ganz zufrieden mit der Welt. Der Liebste findet einen neuen Nachttisch fürs Schlafzimmer und so ist der eigentliche Zweck des Ausflugs schonmal erfüllt.

Zurück auf dem RAW-Flohmarkt teilen wir uns zu dritt eine Tüte Churros und dann bekommt das Kindelein an einem Stand noch eine Tasche geschenkt und kauft aus Höflichkeit direkt noch ein passendes Top dazu. Auf den letzten Metern sehe ich auch noch eine schöne Jacke, die mir wie angegossen passt und ebenfalls mitkommen darf.

Hochzufrieden mit der Ausbeute und mit großen Plänen für zukünftige Flohmarktsonntage fahren wir mit zwei U-Bahnen nach Südberlin und legen uns erstmal zu einer Siesta hin – also, wir Großen. Das Teilzeitkind hat noch Hausaufgaben zu machen und mealpreppt sich außerdem sein Mittagessen für die Schule morgen, weil ihm das Mensaessen nicht behagt.

Und dann geht es zum Stammitaliener, der auch aus den Ferien zurück ist – es gibt ein großes Hallo und wir sind nicht die einzigen Stammgäst*innen an den Tischen. Wir essen Carpaccio mit Pfifferlingen, hausgemachte Pasta bzw. Pizza mit Pfifferlingen und Scampis. Meine Pasta ist schwarz, mit Fischfarce gefüllt und in Hummersauce serviert. Schmeckt gut!

Nach dem Essen verabschieden wir uns und ich fahre mit zwei S-Bahnen zurück nach Hause, wo Noosa mich schon sehnsüchtig erwartet. Wir fläzen uns auf die Couch und schauen Sterling Point zu Ende (sieht aus, als ob da noch eine weitere Staffel folgen sollte, mindestens) und dann ist es auch schon Mitternacht und dringend Bettgehzeit.

29.08.2026 – Fish out of Water

Trotz spätem Schlafens wache ich schon halb 8 final auf, wohl weil ich ein bisschen aufgeregt bin. Heute ist ein Tag, auf den ich seit Monaten gespannt und ein wenig nervös blicke: Ich fahre mit zwei Kolleg*innen zum Book Bash Festival in Altes Lager, bzw. im Marketing-Sprech im „Secret Forest bei Berlin“. Seit ich beruflich in der Buchbranche unterwegs bin, sind mir die Ausmaße der Subkultur rund um BookTok und Bookstagram erst so richtig bewusst geworden.

Zwar habe ich schon vor Jahren die Cosplayer auf der Leipziger Buchmesse leicht irritiert angestaunt, aber was sich da in den letzten Jahren entwickelt hat, ist nochmal ein ganz anderer Schnack. Wirklich, wirklich viele Menschen lesen und hören wirklich, wirklich viele Bücher, davon sehr viele aus den Genres Romance, Dark Romance und Romantasy. Sie lesen, hören, machen Content darüber, kaufen die Bücher in manchmal sogar mehreren Ausgaben (viele davon mit fantasiereichen Farbschnitten), bilden on- und offline Comminities, cosplayen Charaktere und sind überglücklich, wenn sie Autor*innen, Sprecher*innen oder Menschen in Charakterkostümen live sehen und sich Autogramme holen können. Es ist eine für Außenstehende ziemlich verrückt wirkende Bubble, aber auch ein superherzlicher und liebevoller Safespace für wirklich, wirklich viele, größtenteils als FLINTA gelesene Personen.

Und jetzt haben die also erstmals ein Open Air Festival, mit Lesungen, Signierstunden, Gesprächsrunden, Schwertyoga, Hexenzirkeln, Cosplay Contests, Bobbycar-Rennen, Bastel- und Malrunden, Gruselparcours und Taylor-Swift-Parties. Das musste ich in echt sehen und durch die Arbeit ergab sich die Gelegenheit, das auch noch umsonst und mit einem Mitarbeiterbändchen, Catering und Zugang zum Backstage-Bereich zu tun.

Erstmal aber morgendlicher Reboot und Balkonfrühstück. Dann ein bisschen Haushaltsadmin, Sachen packen und kurz nach 11 mache ich mich auf den Weg. An der Straßenbahn (einer anderen als sonst, wegen SEV) treffe ich die eine Kollegin. Wir fahren zum Hauptbahnhof, holen uns Kaffee bzw. Mango Matcha Latte (Ihr dürft raten…) und steigen in den RegionalExpress. An einer anderen Station steigt die andere Kollegin dazu. Wir fahren bis Jüterbog, wechseln dort in einen Shuttlebus nach Altes Lager, landen schließlich auf dem alten Flughafengelände und haben vom Parkplatz noch ordentlich zu laufen, bis wir am Einlass sind und unsere Bändchen bekommen.

Wir verschaffen uns erstmal einen kleinen Überblick über das Gelände und meine Kolleginnen lassen sich, weil nur gerade jetzt ein Slot frei ist, spontan bzw. halbspontan kleine Tattoos stechen (ein Ahornblatt und einen Mond, respectively) während ich mich weiter umschaue, herausfinde, für wen da gerade eine lange Autogrammschlange ansteht (Lin Dox) und nebenbei an den verschiedenen Stände der Verlage und Autor*innen die Merch-Klamotten abchecke. Wir werden nämlich länger bleiben, als ich eingeplant habe und ich hätte gerne noch einen Hoodie für später in der Nacht. Die meisten sind von den Motiven aber irgendwie nicht zu mir passend oder sind zu spezifisch irgendwelchen Buchreihen zugeordnet, die ich aber ja alle nicht kenne. Einen mit „Take Me to the Book Shop“ nehme ich beinahe, aber der Spruch geht mit „and tell me I‘m pretty“ und das ist mir wieder viel zu Bubble-spezifisch und missverständlich im Real Life.

Als die beiden fertig tätowiert sind, treffen wir uns mit der Kundin, die uns hierher eingeladen hat, und bekommen eine Führung durch die VIP-Bereiche, ein kühles Getränk und den Weg zu separaten Klos und dem Catering gezeigt. Dort unterhalten wir uns mit einer Creatorin und Bloggerin, die für einen Verlag hier ist und arbeitet, aber nebenbei auch cosplayed. Außerdem besprechen wir den Plan für später. Dann essen wir erstmal zu Mittag, holen uns koffeinhaltige Getränke (für mich einen Espresso Tonic) und bummeln weiter übers Gelände.

Ich finde dann doch noch ein passenden Hoodie – mit aufgestickten Büchern und Ottern, ohne Spruch. Im Backstage treffen wir auf einen amerikanischen Star der Szene, mit dem meine Kolleginnen ein Foto machen. Und dann geht’s tatsächlich ein bisschen an die Arbeit, trotz Urlaub bzw. Wochenende. Meine eine Kollegin wird gleich einen Talk moderieren, die andere Kollegin und ich assistieren ein bisschen bei der Orga. Wir treffen wieder auf die Menschen vom Hörbuchverlag, dazu auf eine Autorin und insgesamt sechs Sprecher*innen. Die heißt es zu briefen und rechtzeitig zur entsprechenden Bühne zu bringen.

Im letzten Moment ändern die Veranstalter*innen noch den Plan. Auf der Bühne ist kein Platz für sieben Menschen, also lassen sie zwei Militärfahrzeuge auffahren, auf und neben denen sie dann Platz nehmen – es passt augenscheinlich, weil die neue Buchreihe, um die es geht als Military Romance gilt. Spielt aber eher in den USA und dreht sich um Kampfjet-Piloten, nicht in der NVA…

Der Talk ist eine Mischung als Leseszenen und Interviews und daher sehr kurzweilig. Ich werde diese Bücher definitiv niemals lesen, verstehe aber ein bisschen den Appeal, vor allem als Hörbuch.

Hinterher gibt es noch eine Signierstunde, während wir drei und einer der Sprecher, der spontan eingesprungen ist und hier keine Fans hat, schonmal zum Catering gehen und Abendbrot essen.

Hinterher hören wir der Band ELL zu, die auf der Hauptbühne gerade schönen feministischen Krachpop spielt – Musik gibt’s hier nämlich zwischendurch auch immer wieder. Dann ruhen wir uns eine Weile im Backstagebereich aus, während es langsam dunkel wird.

Schließlich wird es Zeit, den letzten Programmpunkt für heute vorzubereiten – eine Gruselparty. Dabei besteht unser Teil vor allem im Goodie Bags packen, Candy Bar befüllen, Goodie Bags durch den dunklen Gruselpfad im Wald zum Thron des Lords bringen, den die Besucher*innen finden sollen und dann wieder in Künstler*innenbetreuung. Ab 22 Uhr werden die Besucher*innen, die sich rechtzeitig ein Ticket gesichert haben, in kleinen Gruppen auf den Gruselpfad geschickt, zwischendurch ordentlich erschreckt und dann mit Goodie Bag auf eine kleine Lichtung geführt, wo sie Gummibonbons kaufen und einer weiteren Lesung lauschen können. Dann geht es von dort weiter ans Lagerfeuer, wo aber erst ab Mitternacht zur Gitarre gesungen werden kann, weil vorher alles von der Taylor-Swift-Party nebenan übertönt wird.

Gegen Mitternacht aber brechen wir auf. Der letzte Shuttlebus soll halb 1 fahren und wir haben noch einen ordentlichen Weg bis zum Parkplatz vor uns. Im Stockdunklen. Dann stehen wir dort fast eine halbe Stunde, aber es taucht kein Bus auf. Allerdings ist diese Bubble hier so lieb, dass wir keine Skrupel haben, zwei Besucher*innen anzusprechen, die gerade in ihr Auto steigen, und die uns ganz selbstverständlich zum Bahnhof fahren.

Der RegionalExpress hat dann natürlich Verspätung, so dass wir nochmal fast eine halbe Stunde auf dem fast leeren Bahnsteig in Jüterbog stehen, bis viertel 2 der Zug losfährt. Die Rückfahrt zieht sich und wir nicken alle immer mal weg. Am Südkreuz steigt die eine Kollegin aus, mit der anderen fahre ich bis zum Hauptbahnhof, dann sprinten wir zur M10 und am Ende laufen wir durch den nächtlichen, aber sehr belebten Pberg nach Hause. Kurz vor 3 liege ich als letzte erschöpft aber zufrieden in meinem Bett. What a day.

28.08.2026 – Freitagsfreuden

Wieder bis kurz nach 8 geschlafen, es geht doch! Dann erstmal britisch schwarzen Beuteltee mit Milch (Erbse) zubereitet und damit zurück im Bett den morgendlichen Reboot durchgezogen. Also nicht komplett, denn irgendwie habe ich Hunger und stehe dann doch recht bald auf und mache mir ausführliches Urlaubsfrühstück – mit Pfifferlingsomelette, Käsebrot, Obstteller und Ingwer-Limetten-Tee.

Ansonsten geht heute alles etwas langsamer, ich schaffe es aber, den Reboot zu beenden, noch ein bisschen aufzuräumen und meine Kurshausaufgaben zu machen, bevor dann wieder zwei Stunden Kurs anstehen.

Dann ist es schon fast 15 Uhr. Ich mache mir Vanillepudding mit Rosinen, esse den komplett auf und schlafe quasi sofort ein.

Wieder wach bleibt noch Zeit für ein bisschen mehr Haushaltsmaintenance, ein bisschen Orgakram und dann kämpfe ich mich durchs Berliner ÖPNV-Chaos rüber nach Friedrichshain. Wegen Personen im Gleis fährt die S-Bahn nicht, die Straßenbahn fährt nicht da lang, wo sie sonst langfährt, mir fahren eine Straßenbahn und eine U-Bahn direkt vor der Nase weg und am Ende bin ich fast eine Stunde unterwegs und mehr als 20 Minuten zu spät zur Verabredung mit der besten Freundin.

Macht aber nix, wir sind froh, uns endlich mal wieder alleine zu zweit zu sehen (außerhalb beruflicher Kontexte), das letzte Mal ist erschreckenderweise schon fast sechs Monate her. Es war aber zwischendurch auch wirklich viel los, bei beiden.

Wir bestellen sardische Antipasti, sizilianische Caponata und apulische Burrata, dazu gibt es für mich einen Negroni sbagliato. Und dann heißt es erstmal anstoßen – auf meinen neuen Job und ihren Doktortitel. Bäm! Danach essen wir und erzählen uns die letzten sechs Monate, die Reisen, die Kinder, die Konzerte. Dazu rutschen wir immer wieder ins Politische ab, versuchen da aber schnell wieder rauszukommen und uns auf positive Dinge zu konzentrieren. Wir sind uns aber einig, dass vor 2016 die Welt eine bessere war.

Kurz vor 23 Uhr ist das Tiramisù verspeist, die Getränke sind alle und wir sind schon wieder beide todmüde, also brechen wir auf. Wir spazieren noch gemeinsam bis zur Straßenbahn, dann verabschieden wir uns. Und natürlich fährt dann auch diese Straßenbahn nicht die komplette Stammstrecke, sondern ich muss in Weißensee nochmal umsteigen und bin dann erst ganz kurz vor Mitternacht zuhause.

Aus Trotz und weil morgen Wochenende ist, gucke ich dann aber noch anderthalb Folgen Sterling Point, bevor ich fast im Sitzen einschlafe und endgültig ins Bett krieche.