Als ich nach etwa zwei Stunden wieder wachwerde, ist mein Film längst zu Ende und der Liebste guckt neben mir aus dem Fenster, wo es schon heller wird. Bald sind wir über Irland. Ich werfe meinen Film wieder an und schaue also immerhin Hamnet noch zu Ende auf diesem Flug. Dazu gibt es Tee und O-Saft und einen Karottenmuffin, den ich mir aber für später einstecke. Überpünktlich landen wir in Frankfurt. Die Einreise geht digital schnell, der Weg bis zu den Koffern ist lang, dafür kommen sie dann aber auch recht schnell, unter den ersten acht sind unsere vier. Das Teilzeitkind verabschiedet sich noch mit Umarmung von seiner neuen Bekanntschaft (man hat sich auf Snapchat vernetzt) und dreht wie versprochen eine Runde auf den Händen durch die Gepäckhalle, von der Bekanntschaft begeistert gefilmt.
Dann laufen wir hinüber in dem Bahnhofsbereich. Die anderen setzen sich in die Nähe des Abfahrtsgleises der Liebstenmama, ich gehe zum REWE und kaufe eine Runde Proviant. Bald darauf steigt die Liebstenmama in ihren Zug und wir rollkoffern zu unserem Gleis. Am Gebäckband noch habe ich uns drei Sitzplätze in einem Abteil reservieren können. Wir reisen pünktlich ab, mit nur einer weiteren Mitreisenden statt den reservierten drei, was sehr angenehm ist. So können wir uns ganz gut ausbreiten und zumindest das Teilzeitkind und ich schlafen auch nochmal.
Die Zugfahrt dauert gute fünf Stunden, weil wir zwischendurch bei Hannover auf offener Strecke halten und dann nochmal kurz vor dem Hauptbahnhof, weil kein Bahnsteig frei ist. Dann ist auch noch die Rolltreppe hoch und der Liebste trägt heldenmutig die Koffer ein Stockwerk höher. Dort verabschieden wir uns. Die Beiden nehmen die U-Bahn, ich gehe weiter hoch zur S-Bahn, zum Glück mit funktionierenden Rolltreppen. Es sind 37 Grad in Berlin. Die S-Bahn gleicht einer Sauna, in der Straßenbahn geht es.

Das Treppenhaus ist dann eine willkommene Abkühlung, allerdings muss ich zweimal gehen, bis ich das Gepäck alles oben habe. Noosa und die Mitbewohnerin begrüßen mich auf einem der Hitze angemessenen Enthusiasmuslevel. Ich überreiche der Mitbewohnerin Schokolade mit Ahorncreme, streichele die Katze und checke kurz, was in meiner Abwesenheit passiert ist. Ein Kräutertopf hat sich endgültig verabschiedet, Noosa hat zwei Balkonkästen als nicht länger benötigt deklariert – da muss ich morgen bisschen hinterherarbeiten. Ansonsten keine größeren Verluste zu beklagen, es ist nur schweineheiß – 28 Grad in Wohn- und Schlafzimmer.

Bis ich lüften kann, dauert es also noch etwa fünf Stunden, ab 22 Uhr soll die Außentemperatur soweit sinken. Ich packe aus, werfe die erste Waschmaschine an, sortiere Post vor. Verrückt: Gleich zwei Institutionen informieren mich über Datenschutzvorfälle, von denen meine Daten betroffen sein könnten, in einem Fall wird konkret ein OpenAI-Datencrawler benannt, der Zugriff auf meine Daten hatte. Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Ansonsten nichts Wildes, die Krankenkasse will auch was mit Daten, die Rauchmelder werden gewartet und demnächst wird mal der Strom abgestellt, weil die Solaranlage auf dem Dach ans Netz angeschlossen wird. Alltag im Jahr 2026.
Apropos moderne Zeiten – ich bin viel zu müde und es ist viel zu heiß, um nochmal rauszugehen. Also bestelle ich mir Lebensmittel über eine App und die sind innerhalb von einer halben Stunde da. Ich gebe aber immerhin ordentlich Trinkgeld. Um die Lieferkosten zu sparen, bestelle ich gleich ein paar Sachen mehr. Und eine Bäckerei-Rettertüte ist auch dabei, Inhalt ein Baguette, ein Walnussbrot und drei Walnussbrötchen. Das Brot wird direkt in Scheiben geschnitten und eingefroren.

Irgendwann ist die Wäsche fertig und wird aufgehängt, das kühlt hoffentlich gleich das Schlafzimmer ein bisschen herunter. Dann gibt es Abendbrot auf dem Balkon – Baguette mit Tomate-Mozzarella, Nektarine und Aprikose, dazu einen Piccolo Bellini, den ich mir noch vor dem Urlaub zu diesem Behufe besorgt hatte.

Und dann ist plötzlich auch schon nach 22 Uhr und ich kann ins Bett gehen. Die Hitze, eine ungestüme Noosa und meine Immernoch-Erkältung sorgen für eine unruhige Nacht, die fehlende letzte Nacht sorgt dafür, dass ich trotzdem immer wieder einschlafe…




































































































