Der gestrige Tag war so intensiv, dass ich unruhig schlafe, wenn ich schlafe wild träume und zwischendurch auch einfach wachliege. Den Wecker habe ich mir noch auf 10 neue Zeit gestellt (was kurz vor 2 neue Zeit eine beachtliche Hirnleistung darstellte), aber endgültig wach bin ich dann doch schon gegen 8 (neu). Das gibt mir Gelegenheit, den ersten Teil des morgendlichen Reboots (Internet leer lesen, Bloggen, mit dem Liebsten telefonieren) abzuschließen, mich anzuziehen und gegen 10 beim Hotelfrühstück zu erscheinen, das wirklich ziemlich gut ist. Da das Hotel Italienisch geführt ist, gibt es guten Aufschnitt, gute Cornetti und der Obstsalat ist saisonal und auch sonst gibt es eine große Auswahl. Ich nehme ungefähr einmal alles, inklusive eines zelebratorischen Frühstückssekts und schicke ein Foto an den Liebsten und das Teilzeitkind.

Daraufhin schickt das Teilzeitkind, das ebenfalls gerade beim Hotelfrühstück sitzt, ein Fotos mit jeder Menge Kohlenhydraten inkl. Churros zurück und der Liebste, der bis dahin mit einer Tasse Kaffee im Bett lag, rafft sich auf und bastelt sich ebenfalls einen ansehnlichen Frühstücksteller. Gemeinsame Mahlzeit über Länder- und Zeitzonengrenzen hinweg, wie schön.
Ich brauche etwa 40 Minuten, um alles aufzuessen und auszutrinken und dabei die täglichen Rätsel zu lösen. Dann geht es zurück aufs Zimmer, Koffer packen und Französisch und Italienisch üben. Kurz vor 12 checke ich aus und rollkoffere zum Bahnhof. Ursprünglich wollte ich noch bei der von der Kaltmamsell empfohlenen Bäckerkette Brezn für die Rückfahrt kaufen, aber das hätte hin und zurück nochmal eine halbe Stunde mehr Regen bedeutet. Also stelle ich mich bei einer anderen sehr präsenten Bäckerkette direkt im Bahnhof an, kaufe einen Butterring und einen Kirschplunder und hocke mich dann in Gleisnähe auf meinen Koffer.
Die Bahn-App überschlägt sich gerade zu mit Schreckensmeldungen zu meinem Zug. Im ersten Schritt heißt es, dass ein Zugteil fehlt, nämlich genau der mit meinem reservierten Platz. Dann wird die Zugbindung aufgehoben, aber nur bis Nürnberg, so dass ich keine der früheren (verspäteten) Verbindungen nach Berlin nehmen kann – ein Ticket dafür würde mich spontan 400 Euro kosten oder gar nicht mehr verfügbar sein. Ich stelle mich also auf eine chaotische Fahrt ein, evtl. im Gepäcknetz. Dann kommt die Info, dass der zweite Zugteil in Nürnberg angehängt würde. Na immerhin.
Als der Zug eintrudelt laufe ich ganz nach hinten, in der Hoffnung auf mehr freie Sitzplätze dort als am Kopf und habe Glück – ich komme an einem für Bonuskund*innen reservierten Platz zu sitzen. Um mich herum zetert eine Gruppe von aufgeregten Seltenreisenden sehr laut. Eine andere Mitfahrerin erklärt ihnen ruhig, dass sowas eben manchmal vorkommen könnte, vielleicht sei ja jemand vom Personal krank geworden und man könne ja trotz aller Unbill respektvoll bleiben. Der lauteste Zeterer antwortet, dass wenn man zu viel Respekt zeige, nur Schindluder getrieben würde.“ Das ist dann der Moment, meine Noise Cancelling Headphones aufzusetzen und mich auf mein Buch zu konzentrieren. Darin finde ich die schöne Stelle „Ich nahm ihm viele Minuten Einsamkeit ab durch die Möglichkeit einer längeren Erklärung“, die ich umgehend zur zukünftigen Anwendung notiere.
In Nürnberg steige ich um, muss dabei einmal auf dem Bahnsteig den ganzen Zug entlang laufen, weil der neue Teil doch am anderen Ende angehängt wird. Dann laufe ich im Zug noch bis ganz nach hinten, in den Wagen, wo mein eigentlich reservierter Platz wäre. Die Reservierungen sind längst aufgehoben, aber der Platz ist frei und jetzt sitze ich im Ruhewagen am Fenster, das ist deutlich angenehmer.
Ich esse meinen Kirschplunder, es ist ja quasi Kaffeezeit, lese noch ein bisschen und dann fallen mir die Augen zu. Ich höre Musik und lasse mich zwischen Franken und Thüringen sanft in den Schlaf schaukeln.
Dann wache ich rechtzeitig für schönen Thüringer Herbstwald wieder auf.

Nochmal schlafen bis Bitterfeld, dann bleibe ich wach, begucke mir den vollen Jägermond und verfolge auf Mastodon, wie die anderen Blogmenschen den gestrigen und heutigen Tag erlebt haben.

Fast pünktlich erreichen wir dann Berlin und ich nehme von Gesundbrunnen die S-Bahn nach Hause, hole noch ein Päckchen bei der Nachbarin ab und lasse mich dann ausführlich von Noosa begrüßen, die mich sichtlich vermisst hat.

Aus dem Briefkasten habe ich außerdem eine Karte vom Nordpol gefischt, über die ich mich sehr freue.


Ich esse meinen Butterring, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und lasse dann die neue Staffel Nobody Wants This laufen, die genau das nötige Level an Banalität und Gefühl hat, um das Hintergrundrauschen für weitere Nachberichterstattung zu liefern:
Die Lesung hat anscheinend wieder eine kleine Tagebuchbloggen- und Blogkommentierenwelle ausgelöst… Wie schön!
Gegen 23 Uhr reiße ich mich los und versuche, langsam schlaffähig runterzukommen. Morgen ist wieder Arbeit dran.






















































