Tagebuchbloggerei

Ob ich es wirklich wieder zum täglichen Bloggen schaffe, weiß ich nicht. Aber zumindest werde ich versuchen, in regelmäßig-unregelmäßigen Abständen ein paar Bemerknisse festzuhalten…

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Neulich durfte ich als Versuchskaninchen herhalten und ein neues Kommunikationsformat in unserer Firma ausprobieren – um der gefühlten Distanz durch das Homeoffice entgegenzuwirken und gleichzeitig Inklusion und Diversität zu stärken, wurden die Teilnehmenden einer Zoom-Konferenz per Zufallsgenerator in spontane Breakout-Sessions geschickt. 11 Minuten hatte man Zeit, um die Kolleg*innen kennenzulernen, als Icebreaker wurden ein paar Gesprächsthemen vorgeschlagen, von denen wir aber schnell abwichen. In der ersten Session traf ich dabei witzigerweise auf die Chefin der Chefin meiner Chefin, die in Nashville sitzt – und die ich durch monatliche Team-Meetings und natürlich E-Mails bereits ganz gut kannte. Zu uns gesellten sich dann aber noch eine Entwicklerin in Chicago und eine Projektmanagerin in Bristol. Nach kurzer Vorstellung sprachen wir über gendergerechte Sprache im Deutschen und Englischen im Vergleich – ergab sich ganz spontan. In der zweiten Session traf ich auf einen aus Indien stammenden Grafiker in Dublin, dem ich zwar bereits ein paar mal in riesigen Zoom-Konferenzen begegnet war, mit dem ich aber noch nie ein direktes Wort gewechselt hatte, und eine Recruiterin in San Francisco. Wir kamen kaum über die Vorstellungsrunde hinaus und sprachen sonst vor allem darüber, wie cool es ist, in so einer internationalen Firma zu arbeiten. Ich hoffe, dass das Feedback der anderen Teilnehmenden ähnlich gut war wie meines (ich hätte mir die Sessions einen Tick länger gewünscht und gerne noch eine dritte angeschlossen), und dass dieses Format dann auch bald für die gesamte Firma ausgerollt wird und regelmäßig stattfindet.

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Echtes Tagebuchbloggen von heute, 6. Oktober 2020:

  • Endlich endlich die Steuererklärung (die in diesem Jahr etwas komplizierter ausfiel als sonst immer) abgeschlossen
  • Gemeinsam mit der neuen Mitbewohnerin die Wohnung geputzt und andere Haushaltsdinge getan und uns auf einen Modus für die Zukunft geeinigt, der für uns beide passt – zum Glück haben wir sehr ähnliche Vorstellungen und Schmerzgrenzen
  • Endlich die Traditionsbäckerei hier um die Ecke ausprobiert, in der noch alles selbst gebacken wird und kurz vor Ladenschluss auch nur noch ein paar Reste da sind – es gab Pfannkuchen als Nachtisch fürs Abendbrot. Von der Bäckerei weiß ich seit ein paar Monaten, obwohl ich bereits seit fast sieben Jahren hier wohne – sie liegt in einer Nebenstraße, durch die ich nie komme und erst durch einen Zeitungsartikel wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es sie gibt. Ab jetzt werden Backwaren nur noch dort gekauft – zumindest für den Prenzlberger Haushalt.
  • Gemeinsam mit der Mitbewohnerin gekocht – individuelles Restgemüse auf den Tisch und los gehts – es entstanden ein Salat aus Rucola, Tomaten und Feta und eine Minestrone aus Kartoffeln, Süßkartoffeln, Petersilienwurzeln, Steckrübe, Spinat, Erbsen und Buchstabennudeln. Die angebrochene Flasche Pflaumenwein haben wir auch noch platt gemacht und zum Nachtisch gabs eben die Pfannkuchen.
  • Grund für das Verputzen der Gemüsereste war a) dass ich die nächsten Tage im Steglitzer Haushalt verbringen werde und b) dass wir ab Freitag eine wöchentliche Biokiste bestellt haben. Jetzt wo ich wieder viel zu Hause koche und auch noch eine zweite Person da ist, die beim Essen der vielen Dinge hilft, die der Liebste verschmäht, lohnt sich das wieder – und reduziert vielleicht die Gänge in den Supermarkt während der erhöhten Infektionszahlen.
  • Der Senat beschloss heute endlich ein paar zusätzliche Maßnahmen – von 23-6 Uhr Sperrstunde für Läden und Lokale, keine Treffen mit mehr als 5 Personen oder zwei Haushalten draußen und maximal 10 Personen drinnen – hoffen wir, dass es hilft
  • Besorgte Blicke hinüber in die USA, all day, every day.

Öfter bloggen? Ha!

Anfang des Monats hatte ich gehofft, wieder mehr zu bloggen und jetzt ist der Monat schon fast wieder rum und gebloggt habe ich… nichts. Dabei hatte ich zwischendurch immer wieder Momente, in denen ich mir in der Rolle der Tagebuchbloggerin gefallen hätte. Ob ich es mal mit Monatsbuchbloggen versuche?

Nun will ich zumindest versuchen, ein paar Dinge festzuhalten, die in den letzten Wochen irgendwie (zumindest für mich) bemerkenswert waren.

  • Anders als erwartet war es noch vielfach deutlich heißer, so dass statt warm eingepackten Treffen mit Menschen wieder Flipflops und Sommerkleidchen angesagt waren, das scheint jetzt aber endgültig vorbei zu sein.
  • Am Geburtstag des Brüderchens konnten wir deswegen jedenfalls noch ganz entspannt bis spät abends vor einem sehr zu empfehlenden levantischen Lokal sitzen. Zum Merken fürs nächste Mal: 12 Mezze, 2 Hauptgerichte und 2 Desserts sind für fünf Personen schaffbar, aber mächtig. Lieber geht man zu sechst hin oder bestellt ein-zwei Dinge weniger. Den Halloumi zum Beispiel, den kann man weglassen, der schmeckt auch nicht besser als woanders, das Shawarma hingegen ist das Beste, das ich je hatte. Muss ja auch mal gesagt werden, auch wenn Artischocken- und Löwenzahnsalat die besondereren (?) Gerichte waren.
  • Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie war ich in einem (nachmittaglich leeren) Restaurant drinnen essen (außer zweier Hotelfrühstücke) und nach einem gewissen Unwohlsein und vor einer “Jetzt-aber-schnell-raus”-Hektik am Ende fühlte es sich durchaus normal und OK an. Jetzt zum Herbst und Winter hin werde ich das wohl aber nicht mehr so leichtfüßig machen.
  • Wenn das Teilzeitkind verstimmt ist, helfen u. a.: in den Park gehen und Kastanien sammeln, gemeinsam backen, laute Kinderlieder und dazu singen und tanzen
  • Die Lieblingschefin und ihre Familie hatten Corona und haben es allem Anschein nach allesamt ohne größere Probleme überstanden – hoffentlich kommt es auch nicht zu Spätfolgen
  • Das neben der Pandemie größte Kummerthema der letzten Monate bäumte sich noch einmal kurz auf, wurde jetzt aber von mir – zumindest vorerst – mit Hilfe technischer Grenzen in seine Schranken verwiesen, gut für die seelische Gesundheit
  • Ich wurde zum ersten Mal für einen Podcast interviewt und es gelten ähnliche Regeln, wie bei allem öffentlichen Reden: Gute Vorbereitung ist gut, aber wenn es ernst wird, besser von den Notizen lösen und frei sprechen, dann klappts auch mit der Aufregung und Authentizität. Zu hören sein wird das Ganze nur für einen beschränkten Hörer*innenkreis.
  • Gestern legten der Liebste und ich einen faulen Sonntag ein, an dem wir größtenteils im Bett lagen und lasen, nur zu den Mahlzeiten auf die Couch wechselten und abends noch einen schönen Film sahen.
  • Bei der Gelegenheit vermissten wir unsere gemeinsam liebgewonnene Spa-Tradition, die wir zu Beginn unserer Beziehung (also Ende des letzten und Anfang des aktuellen Jahres) entwickelt hatten. Sauna und Co. fallen für uns momentan (noch) aus, aber zumindest den wichtigen Teil der Entspannung im Ruheraum haben wir gestern gut nachstellen können.
  • Die neue Mitbewohnerin zog ein und alles ist sehr schön. Nimbin hat sie noch am ersten Abend in die Familie aufgenommen und nach ein paar Tagen (und zweimaligem Füttern) geht jetzt auch Noosa zu ihr, wenn sie Hunger hat. Auch wenn es für Streicheln und Kuscheln noch zu früh ist, findet Noosa zumindest.
  • Die ehemalige Teeniecousine besuchte mich mit ihrem Ehemann (OMG) und nach einem ausgiebigen Frühstück haben sie sehr schön auf meinem Klavier musiziert und das war der erste Pandemie-Besuch in meiner Wohnung, bei dem nicht die ganze Zeit die Fenster und Balktontüren offen waren, weil es draußen einfach arschkalt war.
  • Es sieht so aus, als müsste ich für die nächsten Monate die Balance zwischen einer gewissen Gelassenheit/Unbeschwertheit und der Pandemie angemessener Vorsicht finden… Das Leben in zwei WGs, als Patchwork-Famile und mit einem Schulkind wird mir die Option der gemeinsamen Verpuppung mit dem Liebsten und rein virtuellen Kontakten nach außen nicht erlauben.
  • Auch deswegen gibt es direkt nächstes Wochenende ein Abenteuer: Ein Wochenende in einer anderen Stadt, mit Anreise im Auto, Hotelzimmer und (Distanz?)Treffen mit verschiedenen Freundinnen. Andere Leute machen viel schlimmere Sachen, muss ich mir immer wieder sagen.

Im September werde ich…

  • hoffentlich wieder etwas öfter bloggen
  • mich oft warm anziehen, um trotz Pandemie weiterhin Zeit mit Freund*innen und der Familie zu verbringen – langsames Eingrooven für Herbst und Winter
  • meine neue Mitbewohnerin willkommen heißen und zum ersten Mal seit 12 Jahren wieder mit “jemand Fremdem” zusammenleben – meine damalige Rostocker WG war ziemlich angenehm, ich bin also frohen Mutes, zumal sie auch von der Ostsee stammt, wenn auch von einer gänzlich anderen Küste 😉
  • weiterhin im Homeoffice arbeiten und nur zu dringend notwendigen Terminen ins Büro fahren
  • zum Beispiel zur Grippeschutzimpfung
  • meine Steuererklärung fertigstellen und abgeben, obwohl das Finanzamt in diesem Jahr noch gar nicht gedrängelt hat (wahrscheinlich auch #aufgrundderaktuellenSituation)
  • wenn das Wetter mitspielt, zu einem runden Geburtstag im Familienkreis fahren und das Teilzeitkind einem weiteren Zweig der Familie vorstellen (und andersherum natürlich – “Ich wusste gar nicht, dass ich soooo eine große Familie habe!”)

Die Liste ist ganz schön kurz, im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten. Die Abwesenheit von Terminen im Kalender ist immer noch verblüffend. Keine Konzerte, keine Dienstreisen, keine Wochenendtrips (der einzige geplante wurde wegen Terminkollisionen anderer Teilnehmender verschoben), keine von langer Hand geplanten Treffen im Freundeskreis, da alles wetterabhängig ist… Es ist ein ganz neues In-den-Tag-hinein-leben, mit allen Vor- und Nachteilen, die das so mit sich bringt.

Mein persönliches Corona-Update und #b2908

Gerade beim morgendlichen Blogs lesen hatte ich mal wieder große Lust, selbst etwas zu schreiben. Das geht jetzt schon seit Wochen immer mal wieder so, aber dieses Mal habe ich dann mal wieder – zum ersten Mal seit Monaten – hier im Blog vorbeigeschaut, aus Neugierde, was und wann ich denn das letzte mal geschrieben habe. Silvester war das, der Jahresrückblick auf 2019. Das ist einerseits verdammt lange her, andererseits auch irgendwie bezeichnend. Am 8. Januar lasen wir erstmals von dieser mysteriösen Lungenkrankheit in Wuhan und dann nahmen die Dinge bekanntlich ihren Lauf.

Da der Liebste wenige Wochen zuvor beruflich für zehn Tage in Wuhan war (und wie sich später herausstellte sowohl räumlich als auch zeitlich sehr nah am damals noch unbekannten Geschehen), verfolgten wir die Situation von Anfang an mit größter Aufmerksamkeit. Nachdem es ihm aber gesundheitlich nach seiner Rückkehr gut ging (bis auf den Jetlag), machte ich mir zunächst noch nicht allzu große Sorgen. Bei einem Mittagessen Anfang Februar berichtete mir ein Kollege, er hätte gerade aus Sorge um die Auswirkungen des Virus alle seine Aktien verkauft. Damals dachte ich noch vor allem an Schwierigkeiten in den Lieferketten aus China. Zeitgleich machte das Teilzeitkind Skiurlaub in Südtirol und damit waren wir ein zweites Mal in unmittelbarer zeitlicher und räumlicher Nähe zum Infektionsgeschehen – kurz danach wurde dort alles dicht gemacht. Ich war auf einer Konferenz, als große Messen in Mailand abgesagt wurden, das gleiche Schicksal traf die ITB in Berlin, auf die wir im Büro hingearbeitet hatten.

Ende Februar waren wir auf eine Geburtstagsfeier in Nordrhein-Westfalen eingeladen und fuhren hin, obwohl Heinsberg bereits ein Hotspot war – wir waren davon einigermaßen weit entfernt und in Berlin war noch nicht viel los – bisher war nur eine einzige Infektion bekannt, die ein Großraumbüro in Quarantäne geschickt hatte. Am Vorabend der Reise ging ich noch mit der besten Kolleginnenfreundin auf ein Konzert. Wir sprachen auf dem Weg über Testkits, hatten aber keine Bedenken, uns mit Hunderten anderen in einem geschlossenen Raum zu befinden. Es war das letzte Konzert für eine sehr lange Zeit.

Die Geburtstagsfeier fand in einem Hotel statt, wir bzw. am zweiten Tag nur noch ich, nutzten Sauna und Pool ausgiebig – ebenfalls vorerst zum letzten Mal. Der Liebste blieb stattdessen mit Fieber und Erkältungssymptomen vorsichtshalber auf dem Zimmer, während ich mit seiner Familie und den anderen Gästen aß – darunter viele Mediziner*innen, die altersmäßig zur Risikogruppe gehörten. Während ich aufgrund der Symptome des Liebsten bereits zu allen Abstand hielt, wurde ich von seinem Cousin – den ich vorher nicht kannte – enthusiastisch umarmt.

Natürlich fing ich mir die – harmlose – Erkältung des Liebsten ein und meldete mich nach unserer Rückkehr für drei Tage krank. Den Rest der Woche verbrachte ich im Homeoffice, um nicht aus Versehen noch jemanden anzustecken. Während der Woche kristallisierte sich heraus, dass wir das Büro vorübergehend schließen würden, da es den Verdacht gab, ein Kollege hätte sich über Umwege mit Corona infiziert haben können. Zwei Wochen lang war das Berliner Büro als Vorsichtsmaßnahme zu, dann kam aus unserem globalen Headquarter die Ansage, dass alle Büros bis auf weiteres geschlossen sind.

Beim Liebsten ging dieser Prozess fast parallel vonstatten, die Kita des Teilzeitkinds folgte auf dem Fuß und nachdem die Befürchtungen um einen echten Lockdown unbegründet waren, erklärten wir unsere beiden Wohnungen zu einem gemeinsamen Haushalt. Da das Teilzeitkind im Wechselmodell lebt, gehörte seine zweite Wohnung natürlicherweise auch noch dazu und schon waren wir im Grunde etwa 10 Personen mit unterschiedlichstem Kontakt nach außen (teils normal berufstätig, teils in Elternzeit, teils im Homeoffice bzw. zuhause betreut), die eine Pandemie-Schicksalsgemeinschaft bildeten, auch wenn eigentlich nie alle auf einem Fleck waren.

Ich bin das Arbeiten von Zuhause bzw. anderen Orten seit jeher gewöhnt und arbeite eigentlich nur mit Laptop, neu war nur, dass ich jetzt nur noch in absoluten Ausnahmefällen ins Büro durfte. Der Liebste hingegen arbeitete vorher nur in Ausnahmefällen von Zuhause aus und braucht dafür deutlich mehr Equipment als ich. Von daher war er während der Woche auf seine Wohnung festgelegt, während ich mal hier, mal da war – teilweise im improvisierten Großraumbüro gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin in der Küche. Da alle Erwachsenen viele Videocalls hatten, verteilten wir uns mitunter über die verschiedenen Räume seiner Wohnung, ab und zu arbeitete ich dann eben im Bett des Teilzeitkinds.

Weil unser “Haushalt” schon so viele Personen beinhaltete, reduzierten wir die Kontakte darum herum zunächst vollständig. In der ersten Zeit trafen wir eigentlich niemanden von außerhalb. Später sah ich meinen Bruder ein paar mal auf Abstand, dann zog die Mitbewohnerin des Liebsten aus (und eine neue ein) und kam trotzdem weiterhin ab und an vorbei. Dann kam Ende Mai der Geburtstag des Teilzeitkinds, bei dem der gesamte erweiterte Haushalt zusammenkam, und erst danach besuchte ich meine Eltern zum ersten Mal seit Mitte Februar wieder (wir saßen auf dem Balkon).

Inzwischen ist es so, dass Leute treffen nicht mehr ganz so ungewöhnlich ist, es findet aber im Normalfall draußen oder eben auf Balkons statt. An meinem Geburtstag Ende Juni kamen wir erstmals wieder mit meinem Bruder UND meinen Eltern zusammen und saßen drinnen (mit weit geöffneten Fenstern), um über Zoom mit weiteren Gäst*innen sprechen zu können. Tags darauf hielt ich ein WG-Casting ab und hatte tatsächlich drei fremde Menschen bei mir in der Wohnung (nacheinander, mit Abstand und offenen Fenstern). Bei den wenigen Malen, die ich im Büro war, traf ich auch jeweils auf mehrere Menschen und versuchte, so gut es ging, Abstand zu halten und in Meeting-Räumen zusätzlich Maske zu tragen.

Ich habe in dieser Zeit mein Fahrrad wieder aus dem Keller geholt, bin aber auch ab und zu mit den Öffis gefahren – immer versucht, Zeiten abzupassen, in denen sie leer genug für Abstand waren. Einmal ging es mit einem fast voll besetzten Zug eine halbe Stunde lang raus aufs Land, das war schon aufregend. Die Hochzeit der ehemaligen Teenie-Cousine besuchten wir von außen und auf Abstand bedacht. Urlaub machten wir in einer Ferienwohnung in Mecklenburg und des Liebsten Familienurlaubsdomizil in Franken. Ein Restaurant von innen habe ich seit Februar nur bei den Hotelfrühstücken am Hochzeitswochenende gesehen. Den Schulanfang des Teilzeitkinds feierten wir in Großfamilie draußen – mit Großeltern, Tante, Onkel usw. Und ein Wochenende drauf haben dann meine Eltern auch endlich mal das Teilzeitkind kennengelernt. Dass es jetzt täglich mit 25 anderen Kindern in einem Raum ist, ohne Abstand und Maske, reicht mir allerdings schon wieder, um kontaktmäßig ansonsten keine großen Sprünge zu machen.

Und irgendwie ist das meistens alles sehr OK. Ich habe das Glück, dass ich seit ich Teenager war die Kommunikation aus der Ferne (schriftlich, telefonisch, per Video) als der in der Kohlenstoffwelt gleichwertig empfinde. Dass ich einen Job habe, der sich von überall auf der Welt aus erledigen lässt. Dass ich den Liebsten, das Teilzeitkind und die Katzen habe und dadurch auch keinen Mangel an physischen Kontakten. Dass ich gut allein sein kann und mich mit Dingen beschäftigen kann. Dass wir hier keinen echten Lockdown hatten, jederzeit raus gehen konnten und zwischen den Wohnungen wechseln konnten. Dass ich eine Wohnung mit Balkon habe. Dass der Liebste einen Park vor der Tür hat, in dem das Teilzeitkind auf Bäumen klettern konnte, als die Spielplätze zu waren. Dass es einen steten Wechsel zwischen Alleinzeit, Paarzeit und Familienzeit gab und gibt. Alles beste Voraussetzungen, um #dieaktuelleSituation gut zu überstehen. Was mir fehlt, sind Konzerte und die Aussicht darauf, irgendwann wieder mit Rucksack und Zug bzw. Bus durch die Gegend zu reisen und in Hostels zu übernachten, ohne bei der Vorstellung direkt Phantomsymptome zu bekommen. Das ist aber beides auch OK und Luxus und kann noch eine Weile warten.

Ich sehe allerdings, dass viele andere dieses Glück nicht haben und viel schlechter damit zurechtkommen, Abstand zu halten. Ich versuche, Verständnis dafür aufzubringen und mich nicht zu sehr über Bilder von Bekannten aufzuregen, die sich in großen Gruppen und mit wenig Abstand treffen, in Restaurants und Bars hocken oder “ganz normal” verreisen. Ich atme tief durch, und tue das, was ich tun kann. Und ich sehe mit Schrecken, was das mit einigen von ihnen macht. In meinem Facebook-Feed habe ich einige Kontakte, die Verschwörungstheorien glauben und weiterverbreiten. Die Entwicklung vom Impfskeptiker zum QAnon-Gläubigen und Reichsbürgersympathisanten virtuell mitzuerleben ist extrem gruselig… Heute demonstrieren sehr viele, die vom Verschwörungsvirus infiziert sind in Berlin und ich hoffe, möglichst wenige von ihnen zu kennen. In normaleren Zeiten würde ich an einer Gegendemonstration teilnehmen, mir ist heute allerdings das persönliche Ansteckungsrisiko zu hoch und so rette ich die Welt diesmal, indem ich #staythefuckathome.

Jahresrückblick 2019

Ich habe mir gerade zur Einstimmung die Jahresrückblicke der letzten Jahre durchgelesen und mir ist aufgefallen, wie viel Negatives da so passiert ist, wie oft ich von dunklen Wolken, Krankheiten und Zeiten schrieb, die “weg können”. Trotz all der guten Dinge, die auch passiert sind. Ich habe den Verdacht, dass es dieses Jahr ganz ähnlich werden wird, aber irgendwie fühle ich mich an diesem Jahresende deutlich positiver gestimmt. Das Jahr hat mich ordentlich durchgerüttelt, am Ende ist jetzt kaum noch ein Stein auf dem anderen und es gab Tiefpunkte ohne Ende. Die Höhepunkte jedoch haben Weichen gestellt, die auf eine bessere Zukunft hindeuten… Also, für mich persönlich. Gesamtkonstellationsmäßig siehts ja eher schlecht aus für die Menschheit. Es folgt ein chronologischer Rückblick und am Ende die Liste der konsumierten Kultur.

 

Januar

Der Monat beginnt noch mit ein paar Urlaubstagen, die ich für Besuche bei Freund*innen und deren Kindern nutze, dann geht das Arbeitsleben wieder los. Ich schaffe es bis weit in den Mai hinein, täglich zu bloggen. Es wird viel Leckeres gekocht (u. a. Caesar’s Salad und Pancakes Galore beim Mobster Dinner), auf Arbeit findet eine wegweisende Woche statt, in deren Organisation ich unverhofft eingebunden werde, und es etabliert sich eine neue Mittagspausenrunde. Der Hase und ich versuchen, mit schönen gemeinsamen Erlebnissen und neuen Wegen aus dem Stimmungstief der letzten Monate herauszufinden. Wir demonstrieren gemeinsam bei Wir haben es satt und ich alleine gegen den Paragraphen 219a. Außerdem trete ich einem Verein bei und sehe die Happy Disharmonists live.

 

Februar

Der Februar geht weiter wie der Januar aufhörte. Es wird gekocht, die Arbeit macht Spaß, der Hase und ich laborieren weiter herum. Gegen Ende des Monats, nach einigen Tagen intensiven Nachdenkens und Diskutierens und eher zufällig am Morgen nach einem legendären Karaoke-Abend, folgt dann die sehr erwachsene Entscheidung, dass wir das verflixte 7. Jahr nicht gemeinsam beenden werden. Niemand ist irgendjemandem böse und bis auf ein paar Nickeligkeiten in der Organisation in den folgenden Monaten geht alles sehr zivilisiert und freundschaftlich zu. Trotzdem ist es natürlich ein wirklich, wirklich krasser Umbruch. Direkt am übernächsten Tag fliege ich beruflich nach London, was mich aber auch nicht wirklich ablenken kann.

 

März

Der März ist geprägt davon, mich in der neuen Realität zurecht zu finden. In der Wohnung wird viel hin und her gerückt und ein Provisorium nach dem Anderen geschaffen. Das Schlafzimmer wird zu meinem Zimmer unser neuen vorübergehenden WG und damit auch Teil des Einzugsbereichs der Katzen. Abseits vom vielen Organisieren verbringe ich viel Zeit mit Freund*innen und Gesprächen mit Essen. Eines davon ist mit dem lieben Fräulein, das auch in diesen schweren Zeiten großartig ist. Ich ahne noch nicht, dass das unser letztes Treffen wird und gehe beseelt nach Hause. Den neuen Feiertag nutze ich übrigens für die große Frauentagsdemo. Und am vorletzten Märzwochenende fahre ich wieder nach Rostock und hole nach, was nachzuholen ist.

 

April

Der Monat beginnt mit Dienstreisen nach Hamburg, Bochum, München und Nürnberg und Konzerten von Bob Dylan und Maite Kelly. Ich schaffe mir ein neues Bett und meinen ersten eigenen Kühlschrank an. Ostern verbringe ich in Rostock mit all den Dingen, die dazugehören, inkl. am Strand liegen, denn der Sommer beginnt dieses Jahr früh. Gleich danach sehe ich Millencolin live und später in der Woche noch Mortenson und Galactic Attack aka Mumpel Murks und die Herrscherin der Galaxis. Am Ende des Monats zieht die Mitbewohnerin ein und nach dem Hasen verlassen auch seine Besitztümer nach und nach die Wohnung.

 

Mai

Aus Gründen lade ich mir eine neue App herunter, die mich im Laufe des Jahres einige interessante Menschen kennenlernen lassen wird. Außerdem beginnt der Mai wie eigentlich immer mit der re:publica. Später im Monat kaufe ich meine erste eigene Waschmaschine und gehe zu einem Konzert von Dritte Wahl. Eine Idee keimt auf, die Auswirkungen auf den Rest des Jahres (und die folgenden) haben wird. Außerdem sehe ich Michael Krebs und später Wenzel & Mensching live und ein Mensch tritt in mein Leben, der sich dort in den nächsten Wochen/Monaten sehr breit macht – am Anfang sehr schön, am Ende mehr als letztlich gut für mich ist, aber das ahnt man ja vorher nicht. Am Ende des Monats fahre ich wieder zum Immergut und gleichzeitig braut sich in Dublin und dem Internet ein Sturm zusammen.

 

Juni

Der Juni ist geprägt von diesem neuen Menschen (High- und Lowlights wechseln sich ab) und außerdem meinem Geburtstag, tollen Konzerten (Bloc Party! Glen Hansard! Eddie Vedder!) und dem Bewerbungsprozess für eine berufliche Veränderung. Bis auf die Lowlights ist es ein großartiger Monat und ich befinde mich in Hochstimmung. Unter anderem auch, weil mein Noch-Team einfach wundervoll ist und wir zum Beispiel auch ein superschönes Wochenende im Brandenburgischen verbringen, bei dem ich bereits etwas wehmütig ob des möglicherweise bevorstehenden Wechsels werde. Rundherum ist alles weitgehend toll und ich blicke optimistisch in mein neues Leben.

 

Juli

Der Bewerbungsprozess ist erfolgreich und läutet das Ende einer Ära ein. Die High- und Lowlights setzen sich den Monat über fort – bis zu einem jähen Ende, das mich völlig aus der Bahn wirft. Blöderweise auch noch fast zeitgleich mit dem Ende des Sturms von Mai, der tragischerweise mit dem Tod des liebsten Fräuleins endet. Während beruflich alles unglaublich großartig läuft, ist der Rest erstmal eine völlige Katastrophe. Der Monat endet mit verheulten Tagen im Bett, dem Abschied vom alten Job und einer sehr emotionalen Beerdigung.

 

August

Der neue Job fängt an und fordert mich vom ersten Tag an, was auch gut ist, sonst würde mich das private Elend vollends schaffen. So reiße ich mich zumindest tagsüber zusammen und habe Spaß und Erfolg, auch wenn außerhalb des Büros vieles schrecklich bleibt. Selbst die Urlaubsplanung macht nicht wirklich Spaß, denn ich reise jetzt doch unerwartet alleine. Dafür treffe ich aber immerhin meine lieben Cousins und Cousinen zum alljährlichen Treffen – definitiv ein Highlight! – und außerdem lerne ich in diesem Monat meine neue Chefin von Angesicht zu Angesicht kennen und die ist nun wirklich ein Hauptgewinn! Feine Sahne Fischfilet sehe ich auch noch live – wenn auch nicht mit der Person, mit der ich es geplant hatte. Am letzten Tag des Monats folgt das zweite Ghosting des Jahres, live und vor versammelter Mannschaft, was schon spektakulär ist. Zeit, abzuhauen!

 

September

Morgens am 1. September sitze ich im Zug Richtung Genua (über Mannheim, Basel, Lugano und Mailand) und wenn ich auch den seelischen Ballast nicht hinter mir lassen kann, so wird ab jetzt doch vieles besser. Italien, Sonne, Essen, Meer und frei eingeteilte Zeit bestimmen für die nächsten drei Wochen mein Leben. Völlig überraschend kommt es gleich zu Beginn noch zu einer weiteren großen Umwälzung (dieses Jahr ist wahrlich nicht arm daran), die dazu führt, dass mich mein Bruder für ein paar Tage im Urlaub begleitet. Geschwisterurlaub ist ne coole Sache und führt dazu, mich soweit wieder in Balance zu bringen, dass ich beschließe, Bygones Bygones sein zu lassen und den Blick nach vorne zu richten. Genau im richtigen Moment, denn so erreicht mich am Strand von Milazzo eine schicksalshafte Nachricht. Bevor diese jedoch ihre volle Wirkung entfalten kann, besuche ich Fabrizia noch in Case Vecchie und dann geht es auf einer langen, 36-stündigen Zugfahrt zurück nach Berlin. Und weil sich in diesem Jahr so oft die Ereignisse überschlagen, habe ich direkt am nächsten Tag ein Date und bevor der Monat vorbei ist noch zwei weitere und eine neue Zeitrechnung beginnt, sich anzukündigen. Eine erste Dienstreise im neuen Job steht auch noch an. So ein Monat ist das.

 

Oktober

Im Oktober beginnt die Zeit der langen Telefonate. Auf die drei Dates folgt nämlich eine Zeit, in der ich auf Dienstreisen erst in Madrid und dann Paris weile. An jedem Abend verlängert sich die Telefonatdauer um mindestens eine halbe Stunde, am Ende sind wir bei über vier Stunden. So lange habe ich zuletzt wohl in den 90ern telefoniert. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass hier etwas ganz Entscheidendes passiert oder passieren wird. Ich komme zurück nach Berlin und dann ist da wieder diese Gleichzeitigkeit in diesem Jahr: An einem einzigen Tag unterstütze ich erst die beste Freundin und ihre Familie auf einer Beerdigung, feiere dann mit einem Kollegen den Einzug in seine Wohnung und habe dann das lang erwartete Date Nummer 4, bei dem mit einem Kuss alles weitestgehend besiegelt wird. Die darauf folgenden Wochen erfüllen alle Klischees des frisch Verliebtseins (bis heute gänzlich ohne Lowlights) und sollen daher hier nicht allzu weit ausgewalzt werden. Erwähnenswert ist noch, dass ich relativ zügig Teil einer Patchwork-Familie werde und dass ab Halloween die gute alte Kneipenquiz-Tradition wieder aufgenommen wird. Beruflich geht es genauso spannend weiter, wie vor dem Urlaub.

 

November

Der November beginnt mit einem Ausflug in die ganz alte Heimat und zehn Tagen weiterer Telefonate, weil diesmal er dienstreist. Außerdem steht das erste Riesenprojekt im neuen Job an, das jede Menge Aufmerksamkeit verlangt. Danach wird es zumindest beruflich alles etwas ruhiger und entspannter, wenn auch nicht weniger interessant. Privat hingegen lerne ich den Alltag mit Kind kennen, befinde mich quasi mal wieder in einer Fernbeziehung (zwei völlig verschiedene Enden Berlins, über eine Stunde voneinander entfernt…) und habe ein großartiges Erlebnis nach dem Anderen. Zu den Highlights gehören am Monatsende auf jeden Fall das Konzert von We Are Scientists und das große Thanksgiving-Dinner mit den Mobstern.

 

Dezember

Beruflich steht der Monat ganz im Zeichen von Rückblick und Vorausschau: Reporting, Reviews, Feedback und die Planung für nächstes Jahr stehen im Vordergrund. Dazu kommen die eine oder andere kleine weihnachtliche Aktion sowie ein Glühweintrinken mit dem Ex-Team zur Einstimmung auf die Feiertage. Privat steht ein erstes echtes Patchworkfamilien-Event an. Hui, geht das alles schnell! Heiligabend lassen Brüderchen und ich dann Urlaubserinnerungen aufleben und ich koche uns ein sizilianisches Menü – natürlich mit Antipasti, Primo, Secondo, Dolce, Wein und Grappa! Am ersten Weihnachtsfeiertag gehts zur Familie in Brandenburg, am zweiten zur Familie nach Rostock, dem alljährlichen Nachweihnachtsurlaub – zum ersten Mal zu zweit! Danach nur noch faulenzen, Bilanz ziehen und heute Abend feiern, dass das nächste Jahr hoffentlich ein viel großartigeres wird!

 

Ausgelesene Bücher:

  • Katharina Hagena: Der Geschmack von Apfelkernen.
  • David Lagercrantz (nach Stieg Larsson): Verfolgung.
  • Juna Grossmann: Schonzeit vorbei. Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus.
  • Anne Stern: Das Glück ist ein flüchtiger Vogel.
  • Leo Tolstoi: Familienglück.
  • Sarah Kuttner: 180 Grad Meer.
  • Matthias Dettmann (Hrsg.): Rostock, mein Arkadien.
  • Lukas Rietzschel: Mit der Faust in die Welt schlagen.
  • Stefan Zweig: Die Welt von gestern.
  • Rob Sheffield: Love is a Mixtape.
  • Alissa Jung & Richard Kropf: Ameisenknochen.
  • Cheryl Strayed: Wild.
  • Sarah Kuttner: Kurt.
  • Marion Brasch: Lieber woanders.
  • Mike Gayle: Half a World away.
  • Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus.
  • Ayelet Gundar-Goshen: Eine Nacht, Markowitz.
  • Margarete Stokowski: Untenrum frei.
  • Giles Blunt: Crime Machine.
  • Beate Bukowski: So oder so.
  • Stefan Zweig: Schachnovelle.
  • Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit.
  • Michelle Obama: Becoming.
  • Han Kang: Die Vegetarierin.
  • Hermann Korte: David und Johannes Fabricius und der Roman meines Vaters. Eine biographische Erzählung.
  • Marc-Uwe Kling: Die Känguruh-Trilogie.

 

Im Kino gesehene Filme:

  • Green Book im UCI Colosseum
  • Captain Marvel im Sony Center
  • Yesterday im Central in den Hackeschen Höfen
  • Joker im Cinesa Manoteras in Madrid
  • Das perfekte Geheimnis im UCI Colosseum

 

Im Theater gesehene Stücke:

  • The Situation im Gorki-Theater
  • Fame im Admiralspalast
  • Ick & Berlin im Ratibor

 

Beendete Serienstaffeln:

  • The Affair 4 (Staffel 5 grad mittendrin)
  • Marvelous Mrs Maisel 2
  • Grace & Frankie 5
  • Suits 8 & 9
  • Sex Education 1
  • I’m Sorry 2
  • Call The Midwife 8
  • The Good Place 3
  • This Is Us 3
  • Unbreakable Kimmy Schmidt 4
  • Arrested Development 5
  • Mord mit Aussicht 1-3
  • Crazy Ex-Girlfriend 4
  • Speechless 3
  • Derry Girls 1 & 2
  • Madam Secretary 5
  • Modern Family 10
  • The Big Bang Theory 12
  • Brooklyn Nine-Nine 6
  • The Good Fight 3
  • How To Sell Drugs Online (Fast) 1
  • You Me Her 4
  • Bonusfamiljen 3
  • Jane The Virgin 5
  • Orange Is The New Black 7
  • The Ranch 4
  • The Crown 3
  • Hjem Til Jul 1
  • Gilmore Girls (1-4 im traditionellen Trennungsmodus alleine, bisher 1-2 im traditionellen Beziehungsstartmodus zu zweit)

 

Erlebte Konzerte:

  • The Happy Disharmonists
  • Bob Dylan
  • Botschaft & Monako beim Immergut Warm-up
  • Maite Kelly (Support: Linda Hesse)
  • Millencolin (Support: Such Gold, Woes)
  • Mortenson (Support: Galactic Attack aka Mumpel, Murks & die Herrscherin der Galaxis)
  • Pari San & Tubbe auf der re:publica
  • Dritte Wahl
  • Michael Krebs
  • Wenzel & Mensching
  • Monako, Some Sprouts, International Music, Die Wände, Alli Neumann, Kala Brisella, Mavi Phoenix, Karies, Leoniden, Isolation Berlin, Frittenbude, Children, Die Kerzen, Shelter Boy, Sophia Kennedy, Nilüfer Yanya, Kommode, The Screenshots, Balthazar, Hope, Roosevelt, Dagobert, Fenster, Cate Le Bon, Priests und Boy Harsher auf dem Immergut.
  • Eric Clapton (Support: Marc Amacher, Special Guest: Kurt Rosenwinkel)
  • Bloc Party (Support: Joan, Razz)
  • Eddie Vedder (Support & Special Guest: Glen Hansard)
  • Feine Sahne Fischfilet (Support: Kaput Krauts & Zugezogen Maskulin)
  • Tönlein Brilliant & Fran Cis
  • We Are Scientists (Support: October Drift)
  • The Kelly Family

Wochenende 14.-15. Dezember 2019

  • 4,5 Stunden in einer Turnhalle irgendwo im Südwesten verbracht, 4x 1 Minute dem Teilzeitkind aus zweiter Hand bei sportlichen Betätigungen zugesehen, 15 Minuten eine Vorführung der Turnelite des Vereins bewundert, eine halbe Stunde lang die Siegerehrung beklatscht, Rest rumgesessen und erzählt
  • Gemeines Patchworkfamilienfrühstückbrunch
  • Jede Menge Paw Patrol – ich bin hooked (Stockholm-Syndrom)
  • Kleine Einkaufstour mit Halt am Bärenland-Stand (Erdbeer-Rhabarber-Bären einhellig für gut befunden und gekauft)
  • Nudeln mit veganer Bolognese zum Abendbrot
  • Den kranken Freund gegen Widerstände mit Obst gefüttert
  • 2,5 Folgen Gilmore Girls geguckt
  • Sonntagmorgen lange im Bett geblieben, dann spätes Frühstück
  • Ausflug fiel aus Krankheitsgründen aus, dafür viel gelesen, gespielt und geguckt
  • Nachmittagsspaziergang zum Tortencafé und ausführliche Tortenessung
  • Getrennte Spiel-/Lese-Sessions – eines der 5 Bücher ausgelesen, die ich gerade parallel lese: Hermann Korte: David und Johannes Fabricius und der Roman meines Vaters. Eine biographische Erzählung.
  • Schatzsuche im Wohnzimmer
  • Steak mit Kräuterbutter, Honigmöhren und Kartoffelecken
  • Noch mehr Paw Patrol
  • Nach Feierabend vorgelesen bekommen und dann noch gemeinsames paralleles Lesen im Bett

13. Dezember 2019 – Freitage, ey

In letzter Zeit mache ich freitags ziemlich oft Homeoffice (wir nennen es offiziell Remote Work, weil leider zu viele Leute denken, man würde zuhause nur rumgammeln und nicht arbeiten), weil ich durch das Einsparen des Arbeitsweges Zeit für andere Erledigungen habe, nebenbei Wäsche waschen und aufhängen kann und freitags traditionell viele Videokonferenzen anstehen. Wenn ich eh in Meetingräumen und Telefonboxen rumhänge, statt mit den Kolleg*innen im Großraumbüro, dann kann ich auch gleich zuhause bleiben.

So also auch heute. Zehn Minuten vor Arbeitsbeginn lag ich noch in der Badewanne, dann machte ich es mir mit Laptop, Katzen, Porridge und Tee auf der Couch gemütlich und arbeitete los. Ich hatte zwei sehr angenehme und produktive 1:1-Calls mit meiner Chefin in Spanien und meiner Chefchefin in Großbritannien (inkl. Diskussion des Wahlergebnisses), konnte in Ruhe einen Newsletter verfassen und versenden, mit diversen Kolleg*innen Dinge klären, an Konzepten und Plänen fürs nächste Jahr feilen, Zellen hin und her schieben und lustig einfärben und in den Pausen, in denen ich auf Rückmeldungen wartete, in dem Buch schmökern, das mir meine Chefin halb als Weihnachtsgeschenk und halb als Arbeitsaufgabe geschickt hat.

Das Mittagessen (Empanadas) ließ ich mir liefern, so fiel die Mittagspause selbst Homeoffice-typisch sehr kurz aus. Dafür nahm ich zwischendrin eine Ladung Wäsche ab und hängte eine auf und legte meine Sachen fürs Wochenende am anderen Ende der Stadt zurecht.

Ein wenig hatte ich ja gehofft, früh Feierabend machen zu können und dann in aller Ruhe hauszuelfen (Saugen, Bad putzen, Müll wegbringen, Geschirrspüler anstellen, Katzenklo sauber machen, Katzenfutter für anderthalb Tage hinstellen, da die Mitbewohnerin erst Sonntag wieder da ist), meine Sachen zu packen, mich umzuziehen und so loszufahren, dass ich rechtzeitig zum Abendessen mit dem Teilzeitkind aus zweiter Hand am anderen Ende der Stadt wäre.

Und dann kam alles anders. Am mittleren Nachmittag ploppten auf einmal mehrere zeitintensive To Dos auf, ich sagte dem frühen Feierabend “Auf Wiedersehen”, ebenso wie dem gemeinsamen Abendessen, und richtete mich auf einen hektischen Start ins Wochenende ein. Zur regulären Feierabendzeit (zumindest, wenn ich eine reguläre Mittagspause gemacht hätte, also eigentlich schon drüber), war ich mit den To Dos gerade durch, als eine letzte E-Mail einging, die aus Gründen sofort bearbeitet werden musste. Die Freuden des Arbeitens über mehrere Zeitzonen hinweg…

Dann aber: Laptop zu, Diensthandy aus, einmal komplett rumwirbeln, bloß nix vergessen und dann los zur Bahn. Jetzt kann ich dem Teilzeitkind aus zweiter Hand immerhin noch “Gute Nacht” sagen, bevor ich mein Abendbrot bekomme, damit es heute Nacht oder morgen früh nicht ob meiner Gegenwart im väterlichen Bett verwirrt ist.*

*Ich mache dieses ganze Vereinbarkeitsding (vor allem diktiert durch die Uhrzeiten für Abendbrotzeit, Schlafenszeit und Kitabeginn) gerade im Schnelldurchlauf, merke ich. Unter den erschwerten Bedingungen von “am anderen Ende der Stadt”. Dafür halt nicht jeden Tag. Große Bewunderung an dieser Stelle für alle echten Vollzeit-aus-erster-Hand-Eltern, wo nehmt Ihr nur die Energie her?!

Donnerstag, 12. Dezember 2019 – Der Wille war da

Heute sollte ja dieser hochsportliche Tag werden. Mittags Yoga im Büro, abends Schwimmen hier um die Ecke. Sollte ist dabei das entscheidende Wort…

Eine Viertelstunde vor dem Beginn der Yoga-Stunde wurde ein dringendes Meeting anberaumt, mit Kolleg*innen in insgesamt sechs Ländern. Nix mit Yoga.

Immerhin kam kurz darauf eine Kollegin in Elternzeit mit ihrem Baby vorbei, mit der ich als einzige ausführlich quatschen konnte, weil die anderen aus dem alten Team ja alle beim Yoga kamen.

Abends stand ich dann halb ausgezogen in der Umkleidekabine der Schwimmhalle und stellte fest, dass ich nur die Hälfte meiner Badesachen eingesteckt hatte. Anders als bei dem Spa letztes Wochenende ist Nacktschwimmen bei den Berliner Bäderbetrieben eher ungern gesehen, weswegen ich unverrichteter Dinge wieder ging.

Sicherlich wäre Badesachen holen und zurückgehen eine Option gewesen, aber wenn das Universum mir mitteilt, dass ich heute lieber auf der Couch liegen, lesen und Wein trinken soll, wer bin ich, dem zu widersprechen?

Nächste Woche neuer Versuch!

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Nur kurz, ist spät:

  • Seit langem mal wieder Bento-Box essen gewesen
  • Durch präzise Auswahl unverpackter Kartoffeln einen Gesamteinkaufswert von 5,00 € erreicht. Die Kassiererin und ich haben uns beide sehr gefreut
  • Von Frau Novemberregens DOzember angesteckt viel sortiert, entrümpelt und sauber gemacht und einen neuen Besteckkasten bestellt – Bambus statt kaputter und fleckiger Plaste
  • Aufgrund voller Wäscheständer auf dem Trockenboden meine Wäsche auf den Heizungsrohren verteilt, mal gucken ob wer was sagt
  • Schön in der Badewanne gelegen und Sprechfunk gehört
  • Jetzt gleich von Miezekatzen bekuschelt einschlafen – einzige Solonacht diese Woche in 3… 2… 1…

Dienstag, 10. Dezember 2019

  • Heute zum ersten Mal ganz alleine ein Kind in die Kita gebracht. Das war gut und sinnvoll für alle Beteiligten und die Gruppendynamik und ich glaube das mache ich jetzt öfter…
  • Auf dem Weg zur Bahn zufällig Il Professore auf der Straße getroffen, das letzte Treffen war verabredet und ist etwa 6 Jahre her. Ein schöner Zufall, der hoffentlich dann doch mal wieder ein verabredetes Treffen nach sich ziehen könnte.
  • Den ganzen Tag an einem Spreadsheet gebastelt und immer, wenn ich kurz Luft hatte und überlegte, Pause zu machen, war Zeit für das nächste Meeting.
  • Statt Mittagspause also früher Feierabend und letzte E-Mails aus der Bahn.
  • Durch günstige Fügung komme ich Donnerstag doch noch spontan zu einer Yoga-Einheit in der Mittagspause. Zusammen mit dem geplanten Schwimmen wird das der sportlichste Tag seit langem.
  • Statt Mittagessen gab es dann zum ersten Abendbrot Bratnudeln mit Fleischwurst und Tomatensauce und zum zweiten Abendbrot Bulgursalat. Läuft bei mir.