Reisetagebuch 16. September 2019 – Oliveri und Tindari #loosinterrail #eatalien

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen des Geburtstags meines Bruders. Wir frühstücken im Agriturismo unter anderem Schokocroissants und solche mit Pistazienfüllung und traditionelle sizilianische Brioche mit köstlicher Aprikosenmarmelade. Eine der vielen Katzen kommt auch vorbei, macht uns ihre Aufwartung und lässt sich für ein paar Streicheleinheiten auf meinem Schoß nieder.

Dann fahren wir zu einem Strand in der Nähe und verbringen ein paar Stunden mit Baden, Lesen, Dösen und Sonnen. Als es uns zu heiß wird, geht es in eine Pasticceria für eine Art improvisierten Geburtstagskaffee. Es gibt Granità mit Pistazien-, bzw. Pfirsichgeschmack, eine Cassatina, Paste di Mandorle und natürlich Kaffee.

Gestärkt machen wir uns dann auf unseren touristischen Verpflichtungen nachzukommen und machen eine kleine Miniwanderung (ambitioniertere Touristen würden es wohl einen Spaziergang nennen) zu den Laghetti di Marinello, ein paar Süßwasserseen am Strand – unter Vermeidung des Anstiegs, der nötig wäre um ein Sanctuario oder griechische Ruinen oben auf der Steilküste zu besichtigen. Natur und Wasser reicht ja auch.

Es folgt eine weitere Bade- und Lesesession am Strand, dann fahren wir zurück in die Unterkunft, duschen uns das Salz vom Leib und begeben uns dann zum abendlichen Geburtstagsfestmahl in eine Trattoria in Milazzo.

Es gibt marinierten Fisch – Sardellen auf Rucola mit einem Tomaten-Relish, Shrimps auf Orangenscheiben mit Zwiebeln und Schwertfisch auf Gurkenscheiben mit Orangenstückchen und einem Hauch Schokolade.

Ich lasse mir danach Spaghetti mit Thunfischrogen schmecken, der Bruder bestellt Trenette mit Schwertfisch, Auberginen, Pinienkernen und Minze.

Zum Hauptgang gibt es Schwertfisch-Involtini und einen Salat.

Den Nachtisch klemmen wir uns, bekommen aber jeder noch ein kleines Zitronensorbet aufs Haus. Dann geht es müde und vom Weißwein leicht angeheitert nach Hause und ins Bett.

Reisetagebuch 15. September 2019 – Milazzo #loosinterrail #eatalien

Nach dem Aufwachen fühlt sich mein Magen immer noch nicht wieder richtig an. Erste Maßnahme ist also, Kamillentee zu kochen – auf dem Gasherd, in einem Topf. Logischerweise werden die Griffe des Topfes dabei ganz schön heiß und jetzt habe ich zum leicht erbosten Magen noch einen verbrannten linken Zeigefinger. Aber irgendwas ist ja immer.

Beim Frühstück gibt es für mich dann auch Tee statt Kaffee und dann vor allem leckeren frisch gemachten Ricotta von heute morgen auf Zwieback.

Wir packen unsere sieben Sachen zusammen und begeben uns wieder auf die Straße, denn heute geht es nach Sizilien! In Villa San Giovanni setzen wir mit der Fähre nach Messina über. Sizilien liegt hier so unglaublich nahe, dass man fast hinüberspucken kann – das Foto mache ich, als die Fähre noch im Hafen liegt.

Auf der anderen Seite angekommen fahren wir nur noch ein kleines Stück, bis nach Milazzo, und gehen dort dann am Lungomare spazieren – schon wieder wahnsinnig blaues, klares Wasser und in unserem Rücken wenn man ganz genau hinsieht, kann man den Ätna erahnen. Auf dem Foto nicht, denn das zeigt ja nach vorne.

In einer Bar am Wasser gibt es dann frisch gepressten O-Saft und eine geteilte Pizza alla Norma, also mit frittierten Auberginen und Ricotta salata auf der Tomatensauce und dem Mozzarella – typisch sizilianisch, auch wenn das normalerweise ein Pastagericht ist. Mein Magen erholt sich langsam wieder.

Nach einem kleinen Bummel durch Milazzo, das auf einer Landzunge liegt und außer dem Hafen im Osten auch noch eine lange Strandpromenade im Westen hat, checken wir erst einmal in unserem Agriturismo für die nächsten beiden Nächte ein. Dann lassen wir uns einen schönen Strandabschnitt empfehlen und verbringen dort die letzten beiden Stunden bis zum Sonnenuntergang. Auch hier gibt es wieder Kiesel, wenn auch weniger fein, als am Tag zuvor, und sehr klares türkisblaues Wasser. Wir schwimmen und reden und ich sortiere nebenbei Kiesel nach Farben.

Nach dem Sonnenuntergang geht es zurück in den Agriturismo, wo wir heute auch das Abendbrot einnehmen. Es kostet weniger als in der letzten Unterkunft und ist damit auch etwas weniger reichhaltig, aber trotzdem ziemlich gut. Ein Antipasto entfällt, wir steigen gleich mit Nudeln ein, und zwar mit Zucchini, Speck und Semmelbröseln.

Dann gibt es eine Art überbackene Involtini und dazu Caponata und eingelegte Oliven. Wein und Wasser sind natürlich im Preis inbegriffen, allerdings ist der Rotwein gerade alle und wir trinken Rosé.

Unseren (deutschen) Tischnachbar*innen ist das Essen zu viel, einer von ihnen isst nicht einmal die Pasta komplett auf. Wir können darüber nur vorsichtig schmunzeln, ist es doch alles so viel weniger und leichter als in unserem letzten Quartier.

Als Absacker gibt es für das Brüderchen noch einen Amaro und für mich einen Malvasia von den der Küste vorgelagerten liparischen Inseln. Dann gehen wir aufs Zimmer und schauen noch einen Film, mit dem wir es heute schaffen, bis Mitternacht wachzubleiben und in den Brudergeburtstag “reinzufeiern” (nach dem Gratulieren war umdrehen und schlafen).

Reisetagebuch 13. September – Zaccanopoli #loosinterrail #eatalien

Wir brechen nach dem wieder hammerguten Frühstück zeitnah auf, denn vor uns liegt heute ein langer Autofahrtag: Vom Absatz des Stiefels im Salento in Apulien geht es bis fast zur Stiefelspitze nach Kalabrien – dabei kommen wir nochmal kurz durch die Basilikata, aber der eigentlich geplante Zwischenstopp in der Europäischen Kulturhauptstadt 2019, Matera, wird uns dann doch zu stressig bzw. ein zu großer Umweg. Zwischendurch machen wir dafür eine Mittagspause auf gut Glück – in einem Ort am Strand, der auf Google Maps nett aussah und ungefähr in der Mitte zwischen Abfahrts- und Zielort liegt. In einer Bar mit Blick auf das Wasser essen wir Insalata mista und Melone mit Schinken.

Dann geht die Fahrt weiter und immer höher in die Berge, bis wir unseren Agriturismo in Zaccanopoli erreichen – eine Farm mit ca. 1000 Schafen, einer Schweineherde, Wildschweinen und einem großen Garten. Als wir ankommen ist niemand da, aber der Schlüssel steckt an einem der beiden Gästeapartments und wir können uns schon einmal einrichten. Später trifft einer der Besitzer ein, kredenzt uns einen Aperitivo und gibt uns wertvolle Tipps für die nächsten Tage.

Dann kommen die Schafe von der Weide nach Hause und wir beginnen eine kleine Führung über den Agriturismo.

Im Schweinestall schaffen wir es beide, in übelriechende Dinge am Boden zu treten, so dass eine der Aufgaben der nächsten Tage wird, unsere Schuhe wieder zu entstinken.

Die kleinen Lämmer sind gerade einmal zwei Tage alt, storkeln aber schon wie die Großen.

Unser Gastgeber fährt mit uns noch zu einem schönen Aussichtspunkt, an dem der Heilige Francesco de Paola angeblich seine Fußabdrücke hinterlassen hat, als er übers Meer aus Sizilien zurückkam. Wir haben auf jeden Fall einen schönen Blick nach Westen auf die untergehende Sonne.

Zum Abendbrot gibt es dann das volle Programm, begonnen mit einer Art Zwiebelpuffer aus den roten Tropea-Zwiebeln, die besonders süß sind.

Darauf folgen Erzeugnisse des Agriturismo: verschiedene Aufschnittsorten vom Schwein, Ricotta, Primo Sale und Pecorino aus Schafsmilch, frittierte Auberginen- und Kartoffelbällchen, eingelegte Oliven und Peperoncino-Creme.

Zum Primo gibt es hausgemacht Pasta mit einem Ragù aus Tomaten und verschiedenen Fleischsorten.

Als Secondo möchte man uns dann eine gemische Grillplatte mit Lamm, Schwein und Salsiccia servieren, aber eigentlich sind wir schon pappsatt, deswegen kann ich auf “ein bisschen Lamm” herunterhandeln, das dann auch wirklich sehr lecker ist.

Zum Nachtisch gibt es noch Cannoli mit eigenem Ricotta, einen selbst gemachten und eisgekühlten Finocchietto (Fenchellikör) und einen dringend benötigten Espresso, dann wanken wir hinüber in unser Zimmer und fallen ins Bett.

Reisetagebuch 14. September 2019 – Parghelia und Tropea #loosinterrail #eatalien

Der Morgen beginnt mit einem ausführlichen Frühstück – Agriturismo-Style. Erst stehen nur Brot, Wasser, Kuchen und Nutella auf dem Tisch. Dann bringt man uns Kaffee, Käse und Aufschnitt und fragt, ob wir Obst wollen. Wir bejahen und kurz danach stellt man uns riesige Wassermelonenstücke hin. Noch einmal fünf Minuten später bringt man uns große, noch warme Croissants gefüllt mit Pistaziencreme. Und als wir dann schon zu platzen drohen, steht plötzlich noch ein Teller frisch gepflückter Feigen vor uns. Man hatte das Gefühl, dem jungen Mann, der uns bediente, fällt einfach immer noch etwas ein, womit er uns erfreuen kann.

Nach dem Frühstück gehe ich die gefühlten Milliarden Tipps durch, die wir gestern von unserem Gastgeber bekommen haben und stelle einen Plan für den Tag zusammen. Zunächst geht es nach Parghelia und dort an den Michelino-Strand, der sich als der vielleicht schönste entpuppt, an dem wir je waren. Auf dem Bild sieht man die etwas mehr besuchte Bucht, wir entschieden uns unten angekommen für die daneben, an der nochmal weniger los war. Kleine Kiesel, Schatten werfender Bambus und Pinien, wahnsinnig türkisblaues Wasser, sanfter Einstieg und ein paar große Felsen, die man aber auch rechtzeitig erkennt, weil das Wasser einfach mal komplett klar ist und man auch weit draußen bis auf den Grund hinuntersehen kann.

Wir verbringen mehr als drei Stunden mit Baden, Lesen, Sonnen und Dösen.

Dann geht es wieder hoch ins Dorf, wo es in der örtlichen Bar hervorragendes Eis geben soll. Wir werden nicht enttäuscht. Typisch für die Gegend hier ist Tartufo, das natürlich probiert wird. Außerdem schmecken uns Pistazie mit ganzen “Früchten”, Mirtillo und eine Mischung aus verschiedenen sizilianischen Zitrusfrüchten.

Dann geht es weiter ins Nachbarstädtchen Tropea, das wie Parghelia weit über dem Meer liegt und tolle Ausblicke bietet. Unterwegs sehen wir überall die berühmten süßen, roten Tropea-Zwiebeln.

An einem Aussichtspunkt mitten in der Altstadt blickt man hinunter auf das klare, türkisblaue Wasser.

Wir genehmigen uns einen Aperitivo in einer Bar, leider diesmal ohne Knabberkram dazu, aber da mein Bauch mir schon signalisiert, dass er eigentlich gar nicht mehr so viel Nahrung braucht, finde ich das nicht schlimm.

Zurück im Agriturismo gibt es den gleichen Snack und Antipasto wie gestern – angereichert mit gebratener Paprika und Kartoffeln und gebackenen Auberginenscheiben mit Parmesan.

Dann entscheiden wir uns für hausgemachte Pasta mit Gemüse aus dem Garten…

…und hausgemachte Pasta mit Tropea-Zwiebeln und Guanciale.

Hinterher gibt es dann noch eine gemischte Grillplatte – heute nicht nur mit Lamm, sondern auch mit Schwein und Salsiccia – aber als “kleine” Portion, weil in mich einfach nichts mehr hineingeht. Scheinbar waren die Gelage der letzten Tage doch irgendwann zu viel oder die Sonne dazu. Ich lege mich jedenfalls schonmal hin und lese, während Brüderchen noch mit der Grillplatte kämpft.

Reisetagebuch 12. September 2019 – Gallipoli #loosinterrail #eatalien

Nach gut durchgeschlafener Nacht morgens vom Hahn geweckt zu werden, ist schon ganz in Ordnung. Ebenso das reich gedeckte Frühstücksbuffet des Agriturismo, auf dem u. a. verschiedene selbst gebackene Kuchen, hausgemachte eingelegte Gemüse und selbstgemachte Marmeladen stehen. Wir lassen es uns zum Frühstück so richtig gut gehen und auch der Kaffee fließt in Strömen.

Nach dem Essen nehmen wir erst einmal auf der Terrasse Platz. Mein Bruder, der Wissenschaftler, muss nämlich noch ein bisschen arbeiten, bevor sein Urlaub so richtig anfangen kann. Ich nutze die Zeit erst zum Bloggen und dann für einen Spaziergang über den Agriturismo, auf dem neben Wein und Oliven unter anderem auch Granatäpfel, Feigen, Kaktusfeigen, Kakis, Quitten und verschiedene Zitrusfrüchte wachsen.

Als die Arbeit beendet ist, fahren wir an einen nahegelegenen Strand, an dem wir, ganz deutsche Urlauber zur schönsten Mittagshitze ankommen. Immerhin haben wir einen Schattenplatz ergattert. Bis ungefähr 15 Uhr liegen wir am Strand, lesen, sonnen uns, baden und beobachten später, als der Wind auffrischt, unzählige Kitesurfer beim Üben ihrer Kunststücke.

Dann geht es zurück zum Agriturismo: duschen, umziehen und kurz etwas ausruhen, bevor wir nach Gallipoli hineinfahren, um die Stadt noch einmal bei Tageslicht zu sehen. Erster Halt ist eine Bar, in der es Kaffee und Codine mit Schoko- bzw. Cremefüllung gibt.

Danach bummeln wir in die Altstadt und suchen uns ein schönes Plätzchen für einen Aperitivo bei Sonnenuntergang und finden es genau an der Westspitze der Insel, auf der die Altstadt liegt. Es gibt Aperol Spritz bzw. Martini Spritz und dazu Friselle mit Kirschtomaten, Tramezzini mit Käse und Thunfisch, Oliven, Erdnüsse, Taralli und Chips.

Irgendwann haben wir ausgetrunken und suchen uns dann noch eine Trattoria fürs Abendbrot – so ein Urlaubstag ist echt anstrengend!

Es gibt dann aber nur ein relativ leichtes Abendbrot mit Burrata, Coppa, Caciocavallo und eingelegten Gemüsen, bevor wir zurück zum Agriturismo fahren und ins Bett fallen – morgen wird ein langer Auto-Tag, denn es geht vom Absatz des Stiefels bis zur Spitze!

Reisetagebuch 11. September 2019 – Alberobello und Gallipoli #loosinterrail #eatalien

Die Nacht im Sechsbettzimmer, bei offenem Fenster direkt neben der Straße und den Bahngleisen, ist weniger schlimm als erwartet. Trotzdem wache ich ungefähr alle zwei Stunden auf. Gegen sieben ist die Nacht dann endgültig vorbei, weil der erste Wecker klingelt und die ersten Zimmernachbarinnen aufstehen, packen und gehen. Ich lasse mir noch etwas mehr Zeit und lese erstmal gemütlich das Internet leer und verblogge den gestrigen Tag. Dann stehe auch ich auf und setze mich in die Küche, um meine Vorräte zu frühstücken. Aus dem letzten AirBnB habe ich mir noch ein Cornetto mit Schokofüllung und ein paar Waffeln mitgenommen, außerdem habe ich noch Trauben von gestern Abend. In der Küche finde ich noch eine aufgeschnittene Wassermelone, die an der sich alle bedienen dürfen und eine brasilianische Mitgästin hat gerade Kaffee gekocht. Es wird also ein entspanntes und sogar relativ ausgewogenes Frühstück. Danach nehme ich meine getrockneten Sachen von der Leine, ziehe mich an, packe meinen Rucksack und mache mich auf Richtung Bahnhof. Heute geht die Zugfahrt allerdings nicht weit, denn ich muss nur zum Flughafen, um meinen Bruder abzuholen.

Der kommt auch ganz planmäßig an und wir gehen erstmal zur Bar, um Cappuccino und frisch gepressten Orangensaft zu trinken. Danach holen wir unseren Mietwagen ab und der Roadtrip beginnt. Für die nächsten acht Tage hat mein Interrail-Ticket Pause und wir übernachten in schönen Agriturismi, deswegen gesellt sich zum #loosinterrail jetzt auch der von meinem Bruder vorgeschlagene #eatalien. Unsere erste Station ist Alberobello, dessen Altstadtviertel mit diversen Trulli zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Leider wissen das außer uns auch jede Menge anderer Touristen und das ganze Viertel wirkt eher wie Disneyland. Überall kleine Lädchen, die Kitsch verkaufen und mit dubiosen Angeboten leichtgläubige Touris anlocken.

Wir verziehen uns recht schnell in die “normaleren” Viertel der Stadt, denn wir haben Lust auf Panzerotti, typisch apulisches Streetfood, die wir in einer Bar mit einer Tomaten-Mozzarella-Füllung bekommen.

Ein paar Meter weiter gibt es einen Belvedere, von dem man noch einmal einen schönen Blick von oben auf die Trulli bekommt.

Dann fahren wir weiter Richtung Salento, die Gegend, die den Absatz des italienischen Stiefels einnimmt. Auf den ersten Kilometern gibt es noch hier und da Trulli, die etwas authentischer wirken und sich organisch in die Landschaft einfügen. Dann geht es vor allem durch Obstwiesen und Olivenhaine. Unser Ziel ist heute Gallipoli, wo wir uns auf einem Agriturismo eingemietet haben, der von Reben und Olivenbäumen umgeben ist. Leider ist das hauseigene Restaurant derzeit geschlossen. Wir ruhen uns kurz aus und fahren dann nach Gallipoli, um der Empfehlung unseres Gastgebers entsprechend in einer Trattoria zu essen.

Wir teilen uns die Antipasti des Hauses, die aus gratinierten Miesmuscheln, Tintenfisch-Bällchen, mariniertem Schwertfisch, Auberginentarte, Gemüsepastete und den typischen Friselle besteht – eingeweichtem trockenem Brot mit Olivenöl und Kirschtomaten. Dazu gibt es einen schönen Negroamaro aus der Gegend.

Als Hauptgang wähle ich die Orecchiette mit Cime di Rapa und mein Bruder Ravioli mit einer Burrata-Füllung und Tomatensauce und eine Insalata Mista. Für einen Fisch- oder Fleischgang sind wir dann leider zu vollgefressen, ebenso wie für den Nachtisch. Wir entscheiden uns stattdessen für einen Spaziergang durch die Altstadt von Gallipoli, die auch hier der eigentlichen Stadt vorgelagert auf einer Insel liegt, die nur über eine Brücke zu erreichen ist. Obwohl ich eigentlich satt bin, passt eine Granità aus frischem Zitronensaft dann doch noch rein, bevor es “nach Hause” und ins Bett geht.

 

Reisetagebuch 10. September 2019 – Bari #loosinterrail

Nachdem ich ja gestern Abend blöderweise im Arbeitstunnel gelandet war und dann ewig nicht einschlafen konnte, wache ich nach unruhiger Nacht auch noch viel zu früh wieder auf. Im Halbschlaf schaue ich mir meinen Reiseplan für den heutigen Tag an und stelle fest, dass meine ausgesuchte Verbindung ja gar nicht mit dem Zug, sondern mit dem Bus stattfindet und außerdem ganz schön spät losgeht und ich noch jede Menge Zeit zu vertrödeln hätte. Also vergleiche ich nochmal mit Verbindungen mit Reservierungen und finde einen Zug, der zwei Stunden früher fährt und der den Vorteil hat, dass ich damit dann auch zwei Stunden früher in Bari bin. Da heute Waschtag ist und ich ja trotzdem noch etwas von der Stadt sehen möchte, ist das auf jeden Fall günstig. Ich buche also die Reservierung (gar nicht so einfach, die Usability der entsprechenden Webseite ist der Horror und über die App klappt es gleich noch viel weniger) und beschließe dann gegen halb sieben, dass die Nacht jetzt wirklich beendet ist und verblogge den gestrigen Tag.

Dann stehe ich tatsächlich auf. Mit Musik, einer Dusche und Kaffee komme ich gut in einen erträglichen Wachmodus. Ich frühstücke Cornetto mit Aprikosenmarmelade und weiteren Süßkram, den der Host bereitgestellt hat und trinke neben dem Kaffee noch sowohl Birnen- als auch Pfirsichsaft. Dann packe ich ganz entspannt meine sieben Sachen zusammen und komme langsam wieder zurück in das Urlaubsgefühl, das mich durch die Tunnelsache und die unruhige Nacht irgendwie verlassen hatte. Ich laufe zum Bahnhof und besteige zunächst den InterCity nach Taranto. Durch meine sehr späte Reservierung habe ich leider keinen Fensterplatz bekommen und da alle Rollos unten sind, sehe ich kaum etwas von der Landschaft des Cilento und von den Appeninen, durch die wir fahren (Kampanien, dann kurz Basilicata, dann Apulien). Stattdessen beschäftige ich mich mit Lesen und immer mal wieder Wegdösen. Irgendwann bekomme ich Hunger und halte es auch nicht mehr bis Taranto aus. Also futtere ich das Tütchen spanisches Studentenfutter mit Meersalz aus Ibiza auf, dass mir meine neue Chefin geschenkt hatte und dass ich mir schon für den ersten Zugtag als Reiseproviant eingesteckt hatte. Zum Glück, denn der Bahnhof in Taranto ist gastronomisch eher unterwältigend.

Dort steige ich dann aber wieder in einen Bummelzug um, der mich in knappen anderthalb Stunden nach Bari bringt. Vor dem Zugfenster ziehen Olivenhaine und Obstwiesen vorbei und es sieht alles schon wieder ganz schön schön aus, dieses Apulien. In Bari geht es dann zunächst einmal ins Hostel, das in einer klassischen italienischen Altbauwohnung in einem Palazzo eröffnet wurde. Es gibt drei Dorms mit jeweils sechs Betten, eine Küche, ein Bad mit Wanne, einen Aufenthaltsraum, ein Büro und vor jedem Zimmer einen Balkon. Der Mitarbeiter, der mich empfängt, ist Holländer und erzählt, dass er zur Crew eines Schiffes gehört, dass Geflüchtete im Mittelmeer rettet. Als er zuletzt nach Italien einreiste, wurde er am Flughafen erst einmal für fünf Tage in einer engen Zelle festgesetzt, bevor er dann doch hineingelassen wurde. Jetzt verbringt er eine Weile hier in Bari und ab Oktober geht es für die nächste Tour aufs Schiff. Außer ihm gibt es noch die italienische Inhaberin des Hostels mit ihren zwei kleinen Hunden, die mir und anderen Gästinnen erst einmal etwas von ihrer Hackfleischpastete abgibt und allen Kaffee serviert.

Wir müssen nämlich noch warten, das Buchungssystem erlaubt Check-ins erst ab 17 Uhr. Zeit, im Internet herumzuklicken, mit den anderen zu quatschen und Wäsche zu waschen. Die Waschmaschine steht, wie in Süditalien anscheinend häufiger, auf einem der Balkons. Ich ziehe mich schnell noch um und werfe dann alles, was ich in den letzten 10 Tagen anhatte hinein. Das Programm dauert nur eine halbe Stunde. Danach kann ich die Wäsche auf dem Balkon meines Dorms aufhängen und dann auch schon offiziell einchecken. Und dann geht es hinaus in die Stadt. Über den Corso Cavour (italienische Straßen heißen ja alle gleich – überall gibt es eine Via Roma und Straßen oder Plätze, die nach Garibaldi, Cavour, Mazzini oder Vittorio Emanuele benannt sind) laufe ich hinunter zum Wasser. Hallo Adria, da bin ich wieder!

Ich liebe ja Städte, in denen man einfach am Ufer entlang laufen kann, sei es nun an einem Fluss, am See oder am Meer. Bari ist nun eine derer, in denen die komplette Altstadt auf einer Art vorgelagerten Halbinsel liegt – ähnlich wie zum Beispiel Siracusa auf Sizilien oder Cádiz in Andalusien. Ich laufe also zunächst einmal schön am Wasser entlang und fast um die ganze Altstadt herum, bevor ich mich in das Gassengewirr weiter drinnen stürze, dass mich mit seinen hellen Steinen und dem labyrinthischen Gewirr irgendwie auch an Eivissa, den Hauptort auf Ibiza erinnert.

Der Reiseführer und mein Appetit sagen, dass ich bei Maria einkehren und Sgagliozze essen soll – also in Sonnenblumenöl frittierte Polenta-Stückchen mit Salz. Aber als ich vor dem Laden ankomme – eigentlich ist es ein klassisches “Hole-in-the-wall”, sitzen Maria und ihre Kumpan*innen noch gemütlich davor auf einer Bank – aufgemacht wird hier erst um 18 Uhr. Also spaziere ich noch ein wenig weiter durch die Gassen und setze mich dann an die Basilica St. Nicola, um etwas über die Geschichte der Stadt zu lesen. Dabei erfahre ich, dass hier tatsächlich die Gebeine vom Nikolaus bestattet sind, irgendwie passend, dass er auf dem Stiefel liegt, oder?

Als die Glocken dann 18 Uhr läuten, laufe ich zurück zu Maria, wo inzwischen das Öl erhitzt wird und erste Sgagliozze darin baden. Bis die fertig sind, dauert es aber noch eine ganze Weile. Hinter mir bildet sich schnell eine Schlange, die dann zu einem Menschenauflauf wird und irgendwann taucht auch noch ein Fernsehteam von Rai 1 auf, dass scheinbar eine Doku über Bari dreht und Maria unbedingt dabei haben will. Evtl. kann man mich jetzt am 28. September gegen Mittag im italienischen Fernsehen sehen.

Ich bin dann jedenfalls die erste, die ihre sechs heißen, fetttriefenden und salzigen Sgagliozze für einen Euro in einer Papiertüte überreicht bekommt. Ich setze mich damit auf ein Mäuerchen an der Basilika, auf dem sich bald noch mehr von Marias Kund*innen zu mir gesellen.

Was soll ich sagen, die Dinger sehen gut aus – goldgelb und ein bisschen wie SpongeBob, wie ein Freund auf Facebook kommentiert. Da, wo sie richtig schön knusprig sind, schmecken sie lecker – halt knusprig, fettig und salzig. Wo es weniger knusprig ist, ist es halt herzhafter Grießbrei mit Sonnenblumenöl. Kann man machen, muss man aber nicht. Aber dafür bin ich jetzt für einen Euro schon wieder ziemlich satt. Ich beschließe, mir für den Abend kein Restaurant zu suchen, sondern einfach noch eine Rispe Kirschtomaten und zwei Handvoll Trauben zu kaufen (macht zusammen ebenfalls nochmal einen Euro) und mich damit ans Wasser zu setzen.

Auf dem Weg dorthin komme ich an einem weiteren, etwas improvisierteren und weniger berühmten Sgagliozze-Stand vorbei und sehe, wie die Polenta-Stückchen entstehen.

Dann setze ich mich auf die Hafenmauer, beobachte einen Angler, gucke aufs Wasser und wasche meine Tomaten, die ganz erdig sind, mit dem Wasser aus meiner Wasserflasche. Bis zum Sonnenuntergang habe ich mein Mahl beendet – die zweite Handvoll Trauben lasse ich mir fürs morgige Frühstück.

Da ich an der Ostküste bin, findet der Sonnenuntergang natürlich nicht über dem Meer statt, aber das habe ich auf dieser Reise hoffentlich noch ein- bis zweimal. So sieht zumindest der Himmel schön aus. Ich laufe zurück zum Hostel und setze mich dort mit dem Laptop nochmal eine Weile in den Gemeinschaftsraum. Aber irgendwie bin ich zu müde (kein Wunder, nach vier Stunden Schlaf) und lege mich schnell ins Bett. Meine Wäsche ist übrigens nach knappen drei Stunden an der Luft schon so gut wie trocken, aber da es nachts nicht regnen soll, beschließe ich, sie noch hängen zu lassen und erst morgen abzunehmen. Noch ein halber Film auf Netflix und dann wird geschlafen.