19.05.2026 – Willkommen im Cottage – re:publica 2026 Tag 2 #rp26

Trotz oder wegen einiger Noosa-förmiger Unterbrechungen bis kurz vorm extra spät gestellten Wecker geschlafen. Da das Verbloggen eines re:publica-Tages länger dauert, zieht sich der morgendliche Reboot ziemlich lange hin, was ich nur dadurch kompensieren kann (und will), dass ich zwei mögliche erste Sessions um 10 sausen lasse (beide online nachguckbar) und noch ein kurzes Balkonfrühstück mit Müsli und Mate einlege.

Dann aber geht es zurück zur Station und trotz wieder längerer Taschenkontrollschlange bin ich pünktlich da, um mich halb 11 dann von Dirk Meyer-Claassen aus der Senatskanzlei über den Stand der Verwaltungsreform in Berlin informieren zu lassen. Zum Glück hat am Ende jemand nachgefragt, was das denn nun für die Bürger*innen bedeutet, denn der Vortrag selbst strotzte vor Fachsprache und Verwaltungsbegriffen und da muss man glaube ich schon ein ziemlicher Nerd sein, um dem mit Interesse und Erkenntnisgewinn folgen zu können. Ich habe nebenbei die Rätsel gemacht, die ich morgens nicht geschafft hatte.

Als Nächstes dann Kontrastprogramm mit einem Talk von Tim Stark und Leonie Heims zu rechtsradikaler Netzkultur und dem Phänomen „Agartha“, das von lächerlichen Memes über sehr viel menschenverachtende Codes bis zu realen Amokläufen reicht. Fühlte mich an die Debatten über den Charlie-Kirk-Attentäter erinnert, auf den wird aber nicht explizit referiert, vielleicht gehört er in eine andere irre Ecke des Netzes.

Nach diesen Schauergeschichten in einem viel zu warmen, dunklen und eng bestuhlten Raum brauche ich Luft. Draußen ist es inzwischen auch sehr warm, aber die Menschenmengen verlaufen sich ein wenig. Ich setze mich kurz mit dem Laptop hin und beantworte Arbeitsmails, dann nutze ich die antizyklische Gunst der Stunde und hole mir ein vegetarisches Pulled Beef Sandwich mit Coleslaw, BBQ-Sauce, Röstzwiebeln, Käse und Chips zum Mittagessen.

Das verspeise ich im sehr interessanten Gespräch mit Horax und weiteren Menschen. Es geht um Ost-West-Geschichte, Currywürste und Craftbeer mit korrekter sorbischer Aussprache. Den Rest des Sandwiches verspeise ich dann schon auf dem Boden sitzend in bester Festivalmanier vor einer Open-Air-Bühne bei einem Talk von Lilith Boettcher über das Für und Wider von Nostalgie.

Danach kommt der jahrelang obligate und dieses Jahr endlich wieder angekündigte Talk von Felix Schwenzel, darüber, warum es OK ist, dass alles scheiße ist und wir deswegen ja was tun können. Und darüber, wie man damit umgehen könnte, was alles scheiße ist. Gleichmut, not giving a fuck und all das. Lohnt sich, da immer wieder mal dran zu denken. Zum Glück hat Felix das Ganze direkt online gestellt, so können nicht nur die vorbeilaufenden Passanten die klugen Gedanken mitbekommen, sondern auch ihr alle, die ihr nicht dabei wart.

Nach einer Stunde in der prallen Sonne brauche ich dann dringend Abkühlung und mache mich auf die Suche nach dem Iced Strawberry Matcha Latte, über den sich Sven Dietrich gestern etwas echauffiert hatte und werde zum Glück schließlich fündig.

Mit Kaltgetränk geht es dann zu einem Talk über KI-Suchmaschinen und ihre Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt. Wissenschaftliche Einordnung von Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Erläuterungen von Eva-Maria Sommer von der Landesmedienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. Gut, dass ich mich vorher an Gleichmut erinnert habe.

Weiter geht’s dann mit dem aktuellen Stand zum Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte zur Verfassungsfeindlichkeit des Bundesverbands der AfD. Bijan Moini und Valentina Chiofalo erklären, wie dabei vorgegangen wird und warum das alles juristisch viel komplexer ist, als man es sich mit Laienverstand ausmalt. Die Veröffentlichung des Gutachtens ist in den nächsten Wochen geplant, was am Ende dabei herauskommt, ist aber noch ungewiss.

Und weil wir grad so schön im Rechtsruckthema stecken, bleibe ich dann noch bei Siri Hummel sitzen, die erklärt, wie stark die Zivilgesellschaft weltweit unter Druck ist und auch für Deutschland erschreckende Zahlen parat hat. Richtig gut geht’s der Zivilgesellschaft aktuell aber auch nur in Kanada, Skandinavien und einigen anderen ausgewählten Ländern. Deutschland ist auf der Skala aktuell nur noch im Mittelfeld, was mit den Reaktionen auf Fridays for Future, Die Letzte Generation, Gaza-Proteste und der Infragestellung oder Aberkennung der Gemeinnützigkeit von NGOs zu tun hat. Siri Hummel zeigt auf, wie krass AfD und in ihrem Gefolge auch CDU und FDP gegen NGOs hetzen und erinnert daran, dass auch Sportvereine, Kulturvereine und Fördervereine NGOs sind, keineswegs alle linksprogressiv.

Danach bekomme ich Gelegenheit, meinen Matcha-Pfandbecher abzugeben, denn ich will zur Bühne nebenan, wo Frau Mierau nach 12 Jahren ein Update zu Eltern, Kindern und dem Internet gibt. Ich erinnere mich noch gut an den Vortrag von damals, der heute hat naturgemäß einige neue Aspekte wie Momfluencer oder gefährliche Informationen von selbst erklärten Expert*innen zur Folge, die sogar zu Todesfällen bei Geburten oder im Wochenbett führen können.

Hinterher stolpere ich fast aus Versehen in ein Blogger*innen-Meet-up, das nach dem Stand der Hoffnung unter Bloggenden fragt und sich haltungsmäßig sehr ins gestrige Blogpanel einreiht: Die Anwesenden schreiben halt einfach gerne ins Internet, für die meisten ist das nur ein Hobby und Vernetzung und Reichweitenstärkung sind nicht so wichtig. Liegt aber vermutlich in beiden Fällen an der Zusammensetzung der Anwesenden – Blogs zu Fachthemen oder mit Monetarisierungsziel sind etwas ganz anderes als so ein kleines Tagebuchblog wie das hier. (Wobei ich schon schlucken musste, als einer der bekannteren Blogger von „damals“ etwas von organischen vierstelligen Besucherzahlen am Tag erzählt.)

Naja, dafür kriege ich viel Feedback im realen Leben zu dem, was ich hier schreibe. Auch heute auf der re:publica wieder, als ich mich mit einem Bekannten aus der Blog-und-Twitter-Bubble von damals unterhalte, den ich schon lange nicht mehr in echt gesehen habe, der aber regelmäßig hier mitliest und also gut Bescheid weiß über mein Leben. Hui sind seine Kinder groß geworden, das eine war doch neulich noch ein Baby, das mittlere ein Kleinkind und mit dem großen habe ich damals schwimmen geübt. Jetzt stehen da zwei ausgewachsene Teenies und ein ganz schön großes Grundschulkind vor mir. Eieiei.

Ich laufe dann ein bisschen übers Gelände, komme an Ständen in Gespräche und lasse mir einen Beerensmoothie schenken, der mir hilft, die Zeit bis zum Abendbrot zu überbrücken.

Dann ist es Zeit für das Treffen mit den Flippies, die eben ihre Session beendet haben. Munterer Austausch mit Teilnehmerinnen der Session, den Veranstalterinnen selbst und anderen Alumnas – über die re:publica, über Arbeit im Allgemeinen und über weirde Bewerbungsprozesse im Besonderen. Und ein Gruppenfoto mit Sonnenbrillen gibt es auch noch.

Die Runde löst sich rechtzeitig auf, so dass ich noch zu meiner letzten Session des Tages komme, in der es um Heated Rivalry, Fanfiction, Boys Love, BookTok und so weiter geht. Achan Malonda begrüßt uns grinsend mit „Willkommen im Cottage“ und gibt dann eine kulturhistorische Einordnung des Phänomens und der verschiedenen Genres von Japan in den 70ern über China, Thailand, 50 Shades of Grey, BTS, Bridgerton und jetzt Heated Rivalry. Super spannend in dieser Tiefe und mit der Mut machenden Schlussfolgerung, dass diese Fandoms politische Macht entwickeln können (siehe Geldspenden der BTS Army an Black Lives Matter oder die Sichtbarmachung diverser marginalisierter Gruppen im popkulturellen Mainstream) und wir vielleicht genau das gut gebrauchen angesichts des weltweiten autoritären Backlashs.

So verlasse ich die re:publica an Tag 2 beschwingt, höre auf dem Heimweg noch einen Podcast über einen sorbischen Chor und lasse mir zuhause von Noosa erstmal erzählen, dass ich ja ganz schön lange weg gewesen wäre. Ich setze also schnell Kartoffeln auf, dann wird erstmal ausgiebig gespielt. Zu den Kartoffeln gibt es einen Quark mit Balkonkräutern und ordentlich Meerrettich (der Podcast wirkt nach) und natürlich Leinöl.

Ich schaue noch ein bisschen Colbert und Stewart von gestern nach, telefoniere mit dem Liebsten und dann liegen Noosa und ich nach einer weiteren Spielrunde gegen 23 Uhr im Bett und eine von uns hofft auf viel Schlaf.

18.05.2026 – Bloggediblog und Meta-Kram – re:publica 2026 Tag 1 #rp26

Eine sehr minimalistische Nacht, schlaftechnisch betrachtet. Tiefschlaf von 22-23:50. Zweite Phase bis 1:30, dritte Phase bis irgendwann zwischen 4 und 5, dann wache Noosa, re:publica-Aufregung und Tagesbeginn.

Ausführlicher morgendlicher Reboot aber und auch richtiges Frühstück – richtig gekochtes Porridge mit TK-Blaubeeren und frischem Apfel auf dem Balkon.

Beim Anziehen telefoniere ich mit dem Liebsten, dann Rucksack packen, Kaffeebecher mitnehmen und los mit Straßenbahn und U-Bahn zur re:publica. Trotz Check-in gestern reicht die Schlange bis zum U-Bahnhof, weil erst die mit und ohne Bändchen gemischt stehen und außerdem hat der Einlass eben erst begonnen und die Taschenkontrolle braucht schon etwas. Ich habe es ja aber zum Glück nicht eilig und auf dem Gelände geht mir dann schon ein wenig das Herz auf. Bzw. beim Betreten der Halle, die gestern ja noch zu war und jetzt noch frisch nach Holz riecht. Jede Menge Erinnerungen aus den letzten 12 Jahren (minus dreimal Remote und zweimal Arena).

Ich verschaffe mir einen Überblick und laufe bis ganz nach hinten durch. Dort setze ich mich in die Sonne, hole meinen Laptop raus und arbeite ein paar E-Mails etc. ab. Das passiert mir im Laufe des Tages noch mehrmals, dass ich Sachen nicht mal eben einfach am Diensthandy machen kann. Bin froh, den Laptop dabei zu haben, aber schwer ist er schon auch.

Eine Viertelstunde vor Eröffnung suche ich mir einen Platz drinnen vor Stage 1 und vermisse dann nicht nur Johnny und Tanja (und Marcus, der wahrscheinlich tausend andere Dinge zu tun hat ohne die Beiden), sondern bewundere auch Nilz, der trotz familiärem Trauerfall gewohnt routiniert und fröhlich seine Show abzieht. Uiuiui. Schon komisch, so viel über die Leute zu wissen. Dieses Internet. Neu und schön ist, dass wir diesmal gleich am Anfang singen, nämlich das Motto der ganzen Sause, das bringt gleich die richtige Stimmung rein.

Dann geht es schnell weiter zu Stage 2, wo Luisa Neubauer, Carolin Ehmcke, Alice Hasters und Constanze Kurz moderiert von Isabella Herrmann über die verschiedenen Krisen und ihre aktivistischen Themengebiete sprechen und wie sie es schaffen, sich uns uns dabei nicht aufzugeben. Ein schöner Einstieg ins Thema.

Danach habe ich schon wieder Hunger, mein Porridge ist lange her, und ich hole mir eine persische Safranreis-Bowl mit Linsen und Auberginen, die ziemlich lecker und ziemlich teuer ist. Überhaupt ist das Essen dieses Jahr gefühlt noch teurer geworden, aber das passt ja auch zur Gesamtweltlage. Ich denke darüber nach, mir morgen selbst etwas mitzubringen und checke mal wieder, wie privilegiert ich bin, dass das eine Überlegung ist und kein Automatismus.

Nach dem Essen laufe ich wieder durch die Halle und direkt den Damen aus der Flipperia in die Arme, witzigerweise fast genau dort, wo sie letztes Jahr ihren Stand hatten. Das gibt natürlich ein großes Hallo und true to form werde ich gleich noch mit einer anderen Flippie vernetzt, proof of concept. Dann eilen alle weiter zu ihren nächsten Sessions, wir sind aber für morgen Abend eh noch verabredet.

Für mich geht es dann im Loft weiter und quasi dienstlich. Yasmina Benz spricht über den aktuellen Dark-Romance-Trend und was daran problematisch ist, wenn er aus dem geordneten digitalen Raum in den chaotischen rechtsfreien analogen Raum des stationären Buchhandels schwappt. Witzig, dass wir im Jahr 2026 in diese Richtung diskutieren. Yasmina Benz hat in diesem Jahr ihren Nachnamen ändern lassen, was ich mitbekommen habe, weil ich ihr seit Jahren als lasershushi in diversen Netzwerken folge. Das Interessehalber ecosiae ich während ihres Talks nochmal ihren alten Namen, Yasmina Banaszuk, und stolpere dabei direkt auf Seite 1 auf einen alten Blogartikel von mir auf der re:publica 2014. Kreise schließen sich.

Dann geht es auf der gleichen Bühne weiter mit dem Rechtsruck und dem Osten und Social Media. Luna Möbius ist die Social-Media-Beauftragte von Ricarda Lang und erklärt sehr pointiert, was Politiker*innen in den sozialen Medien anders machen müssen, um dort genauso erfolgreich zu sein, wie die AfD und vielleicht das Ruder noch rumzureißen. Sehr sehr guter Vortrag und sehr witzige Gen-Z-Vortragende, nach der Jahrtausendwende geboren. („Ich bin checkend.“)

Als Nächstes will ich gleich nebenan in einen Workshop, der ist aber so überfüllt, dass ich den Raum schnell wieder verlasse (direkt nach einer Frau, die laut Namensschild einen der Jobs bekommen hat, auf die ich mich vor ein paar Monaten beworben hatte – witzig!).

Jetzt habe ich also wieder ein bisschen Luft und laufe durch die Gegend. Ich hole mir einen schönen warmen Meta Mate aus dem Makerspace, tanke mein Kaffeinlevel auf und lade nebenbei meinen Handyakku auf dem Affenfelsen bei weiterer Lohnarbeit. Dann geht es zum Vortrag von Bernhard Pörksen übers Zuhören. Habe neulich schon einen Podcast mit ihm darüber gehört, aber das kann man immer wieder hören. Bin nur leider so müde, dass mir beim Mittelteil die Augen zufallen und ich ein paar Minuten verpasse. So viel zum Zuhören.

Dann geht es an gleicher Stelle weiter mit dem von Geraldine de Bastion moderierten Gespräch zwischen Mareice Kaiser und Hanno Sauer, die anhand ihrer beiden aktuellen Bücher über Klassismus diskutieren – sie von unten und er von oben. Ziemlich schnell übernimmt Mareice dann aber die Regie, führt Hanno regelrecht vor und holt dann unabgesprochen eine Küchenkraft aus der Charité auf die Bühne, die dem feinen Herrn Professor mal erklärt, wie das Leben in der Unterschicht wirklich ist und auch dem geneigten und faszinierten Publikum wieder seine Privilegien vorführt. Großes Kino, unbedingt nachschauen!

Bald darauf bin ich mit meiner Internetbekanntschaft Rpunkt von Verwaltet.com zum Flammkuchen testen verabredet. Er hatte sich zur Mittagszeit auf Mastodon beschwert, dass ich noch keine Food-Rezensionen gepostet hatte. Wir treffen uns zum ersten Mal bewusst in der Kohlenstoffwelt und sprechen natürlich erstmal über meine Katzensituation, dann über Rostock und gemeinsame Bekannte. Wir teilen uns je einen halben Flammkuchen mit Kartoffeln und Trüffelcreme und einen mit Apfel, Karamell und Zimt. Sehr lecker, wenn auch wieder sehr teuer. Danke für die Einladung an dieser Stelle!

Während wir da stehen und reden kommen die Flippies wieder vorbei. „Natürlich trifft man Dich am Food-Stand!“ Ich habe einen Ruf zu verteidigen!

Dann ziehen wir zu zweit weiter zur nächsten und letzten Session des Tages, einem Gespräch zwischen Alex Matzkeit, Franziska Bluhm, Felix Schwenzel und der Kaltmamsell über den Mythos Blogosphäre. Ich werde dabei ganz nostalgisch, nicht nur, weil ich die teilweise seit über 20 Jahren lese, sondern weil mir klar wird, dass ich da am Rande auch schon fast genauso lange dazugehöre. Nach ersten Homepage-Erfahrungen Ende der 90er und dann wöchentlichen Rundmails an Freunde und Familie Anfang der 00er Jahre habe ich auch schon 2005 mein erstes Blog aufgesetzt und war seitdem mehr oder weniger regelmäßig immer dabei. Hach.

Wir sitzen um die vier herum wie am Lagerfeuer und ich sehe viele bekannte Gesichter aus meinem Feedreader. Heimelig. Hinterher noch kurzer Schnack mit Horax, der sich sehr lieb nach Noosa und meinem Gesundheitszustand erkundigt und dann nochmal ausführlicher mit Das Nuf und Marcus Richter. Sehr schöner Ausklang des re:publica-Tages!

Ich fahre auf dem gleichen Wege heim, wie ich hergekommen bin, hole ein Paket bei den Nachbarn ab und werde dann von Noosa angepöbelt, warum ich jetzt erst nach Hause komme, was das für neue Sitten sind und wann ich gedenke, mit ihr zu spielen. Ich lade mein Telefon auf, füttere das Katzentier, das aber erstmal Zuwendung will und erst frisst, als ich mit dem Liebsten telefoniere. Dann ausführliche Spielrunde, während ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann. Muss aber sein, sonst darf ich gleich nicht schlafen. Es wird dann aus Gründen trotzdem alles noch später als gedacht, aber gegen Mitternacht liege ich dann doch im Bett.

17.05.2026 – Sonntag und pre:publica #rp26

Gut, dass ich gestern beim Liebsten so viel geschlafen habe, heute bei Noosa läuft es nämlich wieder nicht so doll. Ich hole mir dann mitten in der Nacht die Angel ins Bett, damit ich im Liegen ein bisschen mit ihr spielen kann, und schlafe später auch nochmal ein bisschen ein. Trotzdem insgesamt nicht genug. Es reicht dann später auch erstmal nur für Tee mit Milch auf dem Balkon, erst deutlich später gibt’s das komplette Frühstück – Kartoffeln und Tomaten von gestern mit Ei und Avocado, Joghurt mit Pflaumenmus und Müsli, Yuzu-Tee.

Dann ist erstmal das Bad besetzt und ich nutze die Wartezeit, um meine Amazon-Wunschliste endlich komplett auf Wishlephant umzuziehen – rechtzeitig vor dem anstehenden Geburtstagsmonat.

Das Bad ist frei, ich ziehe mich an und setze mich dann projektproduktiv an den Schreibtisch. Als ein Meilenstein geschafft ist, geht es hinaus in die Stadt.

Ich fahre zu den Ellis und treffe dort auch noch meinen Bruder. Es gibt Kaffee und Kuchen und Erzähltes, ich vergesse vor lauter Müdigkeit, den Kuchen zu fotografieren (Quarktorte mit Rosinen und Bananen).

Am späten Nachmittag weiter zur pre:publica, ich hole mir mein Bändchen und mein Schildchen ab, laufe eine Runde über den Hof, checke erste Essensoptionen für die nächsten Tage (Burritos, Flammkuchen, Persisches), nicke bekannten Gesichtern zu und merke sehr schnell, dass ich für heute schon genug geredet habe.

Also fahre ich stantepede wieder zurück nach Hause, spiele eine Runde mit Noosa, um sie auszupowern, bestelle mir eine Poké Bowl zum Abendbrot und gehe dann zeitnah in Wanne und Bett, um möglichst viel Schlaf rauszuquetschen, bevor das Katzentier die Morgengymnastik beginnt.

16.05.2026 – Sonnabend

Ich wache einmal kurz gegen 6 auf, schlafe dann fast umgehend wieder ein und falle dann nach 8 meinem Fehler zum Opfer, die Nicht-Stören-Funktion am Telefon nicht eingeschaltet zu haben. Es kommen mehrere Signal-Nachrichten an, in einer Frequenz, die mich nachhaltig aus dem Schlaf reißt. Ich döse aber weiter, bis der Liebste aufsteht und Kaffee macht und dann noch ein bisschen weiter. Schlafen ist ne gute Sache,

Es gibt dann Kaffee im Bett, kompletten morgendlichen Reboot, immer wieder unterbrochen vom gegenseitigen Internetzeigen. Als der Hunger uns aus dem Bett treibt ist es fast 12.

Die Gespräche beim Frühstück drehen sich um die großen Dinge – die Soziologie des Essens im Altertum, rund ums Mittelmeer, in Osteuropa und Skandinavien. Worüber wir zwei so sprechen, wenn wir ungestörte Zeit für uns haben.

Bald darauf heißt es Aufbruch, ich fahre zurück in den Pberg und schaue nach Noosa. Sie guckt mit einem halben Auge unterm Bett vor, als ich komme, ist aber kurz darauf wieder um mich herum und auf mir drauf, als wäre ich nicht weggewesen. Die Mitbewohnerin wird später erzählen, dass sie gestern Abend und heute Morgen die ganze Zeit unterm Bett geblieben ist. Hmm.

Wir setzen uns warm eingemummelt auf den Balkon, aber da draußen will sich die Produktivität nicht so richtig einstellen. Ich bestelle Dinge im Internet, wasche Wäsche und verabrede für mich später, aber dann wechsele ich doch an den Schreibtisch und komme im Projekt weiter.

Am späten Nachmittag treffe ich den Lieblingsnachbarn auf einen ausführlichen Spaziergang durch den Pberg, heute sogar ohne Eis, denn es ist im Schatten geradezu fröstelig und er war grad Döner essen.

Wieder zuhause mache ich mir zum Abendbrot Kartoffelecken mit Safransalz und mit Ziegenkäse überbackene Tomaten, dazu Radieschen, Gurke und Avocado und einen Dark & Stormy (mit weißem Rum, ich habe keinen braunen da), dessen Austrinken sich den ganzen Abend hinziehen wird.

Danach höre ich ein wenig Podcast und versuche, noch ein Nickerchen zu machen, aber Noosa braucht Bespaßung und so klappt es nicht richtig mit dem Einschlafen. Es ist dann aber auch schon fast Zeit fürs ESC-Finale und dann ist es jetzt eben so. Ich mache mir einen Snackteller und dann sitze ich mit tausenden anderen Menschen gleichzeitig vor dem Fernseher.

Der Snackteller reicht nur eine gute Stunde, ich halte trotzdem die ganzen viereinhalb Stunden durch (nachdem ich beim ersten Halbfinale zwischendurch lieber gelesen und das zweite Halbfinale ignoriert habe). Mit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit macht es auch mehr Spaß, nur bei Tschechien und dem nachfolgenden Beitrag muss ich nebenbei mit Noosa spielen (Die neue Spielangel ist der Wahnsinn, findet sie, jetzt brauche ich nur noch ein Spielzeug, mit dem sie ganz alleine anfängt zu spielen. Davon stehen und liegen einige rum, allein ihre Motivation ist nicht mehr wie früher…)

Am Ende könnte knapp Israel gewinnen und ich mag mir nicht ausmalen, was das für Auswirkungen gehabt hätte, nach den Kampagnen-Kontroversen im Vorfeld und den fünf Ländern, die wegen der Teilnahme Israels den Wettbewerb boykottierten), zum Glück zieht dann Bulgarien noch vorbei. Nächstes Jahr dann also Schopska-Salat!

Die Mitbewohnerin kommt zum Ende der Punktevergabe nach Hause, hat keinen einzigen Beitrag gesehen, kann aber trotzdem kundig mitreden, immerhin.

Halb 2 liegen Noosa und ich dann im Bett und schlafen schnell und tief ein.

15.05.2026 – Koffeinpegeln

Die heutige zu kurze Nacht liegt nur partiell an Noosa. Gegen 3 wache ich auf, weil das Kätzchen im Schlaf Geräusche macht – irgendwas zwischen Schnarchen, Seufzen und Gurren – und zwar direkt neben meinem Ohr. Es schläft aber einfach tief und fest weiter, während ich wach liege und nicht wieder in den Schlaf finde. Zwei Stunden wälzen, lesen, Kreuzworträtsel lösen und dösen, dann ist es 5 und Noosas normale Wachphase beginnt, auch die heute aber überschaubar. Sie geht hauptsächlich im Wohnzimmer spielen, nachdem sie sich davon überzeugt hat, dass ich noch lebe. Dann schläft sie auch wieder ein und ich gebe die Nacht als verloren hin und beginne meinen morgendlichen Reboot. Der Freitag ist dann also von Energiemanagement bestimmt.

Zum Frühstück kurz nach 8, bei noch nur 7 Grad in eine warme Decke eingewickelt, gibt es einen großen Matcha Latte, der ja bekanntlich sein Koffein retardierend über einen längeren Zeitraum freisetzt. Um 9 geht es an den Schreibtisch. Zum Glück ist Brückentag und die meisten haben frei, die direkten Interaktionen und dringenden Erledigungen halten sich in Grenzen. Ich arbeite in dem mir möglichen Tempo die Dinge ab, die heute wichtig sind und verschiebe alles, was verschoben werden kann, auf einen Tag mit mehr Gehirnschmalz. Dann gieße ich dem Matcha Latte eine Mate hinterher,

In der Mittagspause gehe ich nach draußen und zum Haustierbedarf, neue Katzenfuttersorten für Noosa kaufen (den Abnehmplänen angemessen und für Seniorinnen im Indoorbereich konzipiert), außerdem Katzenstreu und eine neue Spielangel, das Sportprogramm soll (für mich) einfacher und (für sie) spannender werden.

Der Arbeitsnachmittag geht dann auch irgendwann vorbei und ich starte in ein Experiment – eine Woche nach Nimbins Tod soll Noosa das erste Mal über Nacht alleine bleiben (die Mitbewohnerin wird gemeinhin nur als solche akzeptiert, wenn ich mehrere Tage weg bin und sie die Fütterpflichten übernimmt). Deshalb packe ich meinen Kram zusammen und fahre nach Südberlin. Ich komme beim Liebsten an, lasse mich auf sein Bett fallen und schlafe erstmal anderthalb Stunden komatös, bis er mich weckt und es Zeit fürs Ausgehen ist.

Wir feiern das Wochenende mit einem sehr leckeren koreanischen Barbecue um die Ecke – nächstes Mal müssen wir seine Mitbewohnerin mitnehmen, damit sie uns sagen kann, ob es neben lecker auch gut und authentisch ist. Heute aber wieder zu zweit, mit Schweinebauch, dünn geschnittenem Rindfleisch und den üblichen Beilagen und Banchans, dazu koreanisches Bier für den Liebsten und Aloe-Vera-Saft für mich.

Hinterher gehen wir noch in den Supermarkt und holen uns ein paar Kleinigkeiten, dann liegen wir vollgefressen und faul im Bett, zeigen uns das Internet, naschen Mochis mit Mango-Maracuja-Eis-Füllung und trinken Wein, bis bei mir gegen 23 Uhr wieder die Lichter ausgehen. Ich schicke Entspannungsvibes zu Noosa und schlafe schnell ein.

14.05.2026 – Feiertag

Ich bin ja ein großer Fan vom Mai, aus Gründen. Die ganzen Feiertage, die ersten richtigen Erdbeeren, die re:publica, das Immergut… Es schleicht sich gar kein richtiger Alltag ein. Wobei mich das diesen Mai ein bisschen stresst, weil so viel Zeug anliegt, für das ich eigentlich Alltag gut gebrauchen könnte. Nicht zuletzt eine kleine niedliche, anhängliche und aufmerksamkeitsheischende Katze, die mich heute Nacht ungefähr jede Stunde wieder wach macht.

Morgendlicher Reboot mit viel Ruhe, teils weil ich die Zeit habe, teils weil ich so müde bin und nicht schneller kann. Dann ist irgendwann Frühstückszeit auf dem Balkon – warm eingepackt bei 9 Grad. Das Wetter ist eine Mischung aus eisheilig und aprilig – Sonne, Regen, Hagel wechseln sich ab.

Bagel mit Avocado und Radieschen, Bagel mit Schafskäse und Feigenmarmelade, Mispel, Apfel, Kaffee mit Hafermilch, Ingwer-Kurkuma-Zitrone-Thymian-Minze-Melisse-Tee

Vom Balkon geht es dann mit dem Rest Kaffee und einem Podcast in die Badewanne – dazu bin ich gestern Abend irgendwie nicht mehr gekommen. Um 14 Uhr schließlich sitze ich am Schreibtisch und stecke ein paar produktive Stunden in mein Projekt.

Als mir der Kopf raucht und der Regen pausiert, drehe ich eine kurze Runde draußen, bringe eine Retoure zur Packstation und mache mir dann den Rest Bacon-Pommes von gestern warm, dazu Avocado-Tomaten-Salat mit Limettensaft und Koriander.

Am frühen Abend dann noch ein interessanter Videocall und danach ist mein Hirnschmalz für heute auch aufgebraucht. Ich lasse mich ein wenig berieseln (Netflix, TikTok) und falle gegen 23 Uhr ins Bett – Noosa lässt mir ein wenig Platz auf dem Kopfkissen.

13.05.2026 – Durchhalten

Wieder ein durcheinanderer Morgen mit Katzenturnen im Morgengrauen. Den Wecker habe ich diesmal gleich weitergestellt und kann so nochmal ein bisschen weiterdösen. Schlafen, wenn das Baby schläft und so. Nur ist dieses Baby eben eine 13jährige Katzendame, die gerade ihren zweiten Frühling erlebt respektive als frische Single Lady wieder auflebt. Ich hoffe, das relativiert sich irgendwann wieder, sonst wird das ein harter Sommer. Andererseits ist es auch toll zu sehen, wie sie plötzlich eine laute Stimme entwickelt und durch die Gegend wetzt.

Ich schaffe es dann halbwegs pünktlich an den Schreibtisch (mit Obst und Marmeladenbrot) und mache vor meinem ersten Meeting noch etwas gestern angefangenes fertig, da über Nacht die Zuarbeit aus Mexiko eingetroffen ist. Dann Meeting mit München, kurz darauf Meeting mit Köln und München.

In der Mittagspause esse ich mehr Borschtsch, lasse noch eine Portion für morgen übrig und friere den Rest ein. Passt, denn es ist immer noch kalt auf dem Balkon, ich muss mich warm einpacken, um draußen essen zu können. Das Wetter hält sich an die Bauernregel, aber ab morgen geht’s bergauf.

Der Nachmittag hat dann noch ein Meeting mit Berlin und einen großen Call mit vielen Menschen in Deutschland und Guatemala. Nebenbei trudeln zum ersten Mal seit langem wieder gute Nachrichten ein, gleich zwei, und so kann ich recht frohen Mutes in den Feierabend starten.

Ich bestelle mir zur Feier des Tages ein Festmahl aus Hot Dog, Corn Dog, Pommes mit Bacon und Blaubeer-Eistee.

Dazu gibt es sanfte Unterhaltung – eine Folge Letterkenny, die neue Folge Scrubs, Eat, Pray, Bark und dann noch jede Menge TikTok.

Zwischendurch nochmal Sport mit Noosa. Es stellt sich heraus, dass das auch mit Trockenfutter-Bröckchen klappt, ich muss gar nicht die noch ungesünderen Leckerlis verwenden und kann das einfach von ihrer Tagesration nehmen – die Diätassistentin in mir freut sich.

Halb 12 gehen wir dann ins Bett, in Erwägung dass der Katzenwecker wieder früh gehen wird. Immerhin kann ich diesmal hinterher noch ausschlafen.

12.05.2026 – Dienstag im Homeoffice

Heute trotz Dienstag kein Büro, denn es hat sich nach langem Warten ein Handwerker angekündigt, der „zwischen 12 und 18 Uhr“ kommen soll. Dafür verpasse ich wohl oder übel das Bürofrühstück und die Mittagsrunde mit den lieben Kolleg*innen. Der Vorteil aber ist, dass ich, als Noosa mich wieder zwischen kurz nach 4 und kurz nach 6 wachhält, einfach den Wecker auf eine Stunde später stellen und mich nochmal umdrehen. Das macht dann, dass ich einigermaßen frisch und erholt aufstehe und mich mit Marmeladenbrot und Matcha Latte an den Schreibtisch setze – zu eisheilig für das Balkon-Office heute!

Ich habe einen Call mit einem Berliner Kollegen, dann einen Call mit Frankfurt. Schon bevor der zu Ende ist (und weit vor 12) klingelt der Handwerker, weil ihm andere Terme ausgefallen sind. Ich vertröste ihn auf gleich, beende in Ruhe meinen Call und dann werden die Fenster der Wohnung inspiziert, dokumentiert und zum wiederholten Male ein Angebot an die Hausverwaltung gestellt. Der Handwerker meint aber direkt, dass er nicht davon ausgeht, dass der Auftrag auch wirklich erteilt wird. Der Vorteil, bei der größten Wohnungsgesellschaft des Landes zu wohnen ist, dass man nicht in Gefahr lebt, kurzfristig seine Wohnung zu verlieren. Und dass die Miete eh so hoch ist, dass sie nicht plötzlich gesteigert wird. Der Nachteil – alles andere.

Als der Handwerker weg ist, besprechen sich die Mitbewohnerin und ich kurz über das weitere Vorgehen bezüglich Fenster, Lüften und Noosa-Versorgung, dann geht es zurück an den Schreibtisch und zur Nachbereitung der Morgencalls.

Dann knurrt der Magen, ich esse erst die Bratkartoffelreste von gestern und gehe dann einkaufen – Obst, Gemüse, Quark, Hafermilch… Wieder zurück ein Snack aus Mispeln und Schokolade und dann fleißig weiter ans Werk.

Noosa kommt den ganzen Arbeitstag über immer wieder vorbei, will über den Tisch laufen, auf meinem Schoß sitzen oder mit mir spielen. Erst am späten Nachmittag holt sie die Tiefschlafphase nach, die ich für sie morgens zwischen 4 und 6 bräuchte.

Nach Feierabend breche ich nicht zum Sportkurs auf, nach den letzten schlafarmen Nächten habe ich den heute Morgen zwischen 4 und 6 spontan abgesagt. Stattdessen habe ich Zeit zu kochen und bereite aus Resten der letzten Gemüsekiste und heute frisch gekauftem eine Art Borschtsch zu, mit roten Zwiebeln, Knoblauch, Porree, Karotten, Weißkohl, roter Bete, roter Paprika, Tomate, Tomatenmark, Sellerieblättern statt Lorbeerblatt, viel Dill, Gemüsebrühe statt Rindleisch… Dazu Smetana.

Es ist sehr rot und sehr lecker und dann auch noch sehr viel übrig. Mal sehen, ob die Mitbewohnerin sich beteiligt oder ob es zu weit entfernt vom Original ist.

Dann lese ich Pfefferminzhimmel von Alfred Roesler-Kleint zu Ende. Sogar die fiktive Katze in dem Buch kenne ich noch, als sie stirbt, verdrücke ich aus Gründen eine Träne. Auch, wenn man keinen persönlichen Bezug zu Autor und Plot hat, kann ich dieses Buch allen empfehlen, die in den 80ern nicht Teil der Ostberliner Kulturszene waren, sich aber dafür interessieren, wie das Leben zu dieser Zeit und dann um und nach der Wende dort war, abseits der üblichen Klischees. Wer ein bisschen Bezug zum Thema hat, hat bestimmt auch Spaß daran, die verschiedenen Figuren zu entschlüsseln und mit realen Vorbildern übereinzubringen und sich zu überlegen, ob bestimmte Begegnungen wirklich so stattgefunden haben.

Nebenbei läuft ab 21 Uhr das erste Halbfinale des ESC, aber das Buch ist dann doch spannender und so gehe ich gegen 23 Uhr ins Bett, ohne das Ende der Abstimmung abzuwarten.

11.05.2026 – Arbeitsmontag mit Katze

Noosa weckt mich wieder zwischen 4 und 5, aber heute gibt es kein Vormittagsschläfchen zum Ausgleich. Stattdessen normaler Montagmorgen mit Reboot und Frühstück am Schreibtisch. Nach zwei Wochen Krankheit gibt es erstmal Informationen einzusammeln und aufzuholen und dann Recherchearbeit für ein anstehendes Meeting. Den ganzen Arbeitstag über immer wieder unterbrochen von Noosa, die auf meinen Schoß oder über den Schreibtisch laufen will. Das lässt sich allerdings ganz gut mit der Arbeit und den nötigen Denkpausen vereinbaren.

Am frühen Nachmittag dann Aufbruch zum jährlichen Augenarzttermin. Der ist dieses Mal ausführlicher und mit mehr Wartezeit verbunden, aber auch dieses Jahr gibt es wieder das all clear. Auf dem Heimweg noch ein kurzer Einkauf und dann bin ich rechtzeitig wieder am Schreibtisch für das Meeting mit México.

Nebenbei habe ich schon die verschiedenen Möglichkeiten der auswärtigen Abendgestaltung abgesagt, nach Feierabend zieht es mich direkt auf die Couch, Noosa nimmt auf mir Platz und dann schläft sie und ich lese weiter in dem Buch dessen Figuren Dinge erleben, die ich von Menschen aus meinem Leben kenne. Und lerne dabei noch ein paar Dinge dazu, die ich noch nicht wusste.

Irgendwann bekomme ich Hunger und mache mir zum Abendbrot Bratkartoffeln mit Zwiebeln, Räuchertofu und Ei. Dazu saure Gurken und zum Nachtisch die ersten heimischen Erdbeeren. Die erste haut mich um und ich sehe schon meine Vorsätze schwinden, dieses Jahr kein Vermögen ins böse Erdbeerimperium aus Rövershagen zu investieren. Vermutlich wird mich am Ende wieder nur der Histamingehalt bremsen.

Ich lese bis zwei Drittel des Buches vorbei sind und es schon reichlich spät ist, dann geht es ins Bett, Noosa wartet schon.

10.05.2026 – Familiensonntag

Erstes Aufwachen zwischen 4 und 5, zu der Zeit also, in der das Katzenenergielevel am höchsten ist. Leider (?) gibt es in meiner Wohnung keine Mäuse zu jagen, also muss Noosa halt mich wecken für ein bisschen Spaß und Rauferei. Ich bin danach so wach, dass ich in einen frühen morgendlichen Reboot starte, dann aber nochmal einschlafe. Auch dieser Schlaf wird nach kurzer Zeit von ihr beendet und dann ist es aber auch schon nach 8 und ich mache uns Frühstück.

Währenddessen irgendwann Liebstentelefonat und Beendigung des morgendlichen Reboots. Kurz nach 10 lege ich mich nochmal hin und jetzt schlafen Noosa und ich beide gute zwei Stunden tief und fest. Es lebe der Sonntag.

Danach dauert es nicht mehr lange, bis der Liebste und das Teilzeitkind eintreffen. Wir trinken einen Tee zusammen, schauen ob Noosa die beiden begrüßen will (Nein, wo kämen wir denn da hin!) und widmen uns dann dem weiteren Wohnungsputz. Der Liebste übernimmt das Bad, das Teilzeitkind die Küche und ich räume umher, reinige den Katzenbrunnen, assistiere hier und da und reiche Putzutensilien an.

Gegen 3 fahren wir dann gemeinsam nach Mitte zu meinen Eltern und feiern endlich den Geburtstag von Papa nach, wozu wir aus allen Gründen in den letzten zwei Wochen nicht gekommen sind. Es gibt Kuchen und Geschenke und Gespräche und Urlaubsplanungen.

Zwischendurch beschließen wir, gleich auch noch Sushi essen zu gehen. Damit das klappt, gibt es für die, die wollen erstmal noch einen leichten Gin Tonic als Aperitif – mit dem guten Gin aus Nova Scotia.

Das Sushi gibt es dann in dem vietnamesischen Restaurant um die Ecke vom alten Büro, für mich mit einer Butterfisch-Rolle und eine Avocado-Gurke-Mango-Rolle. Mama und das Teilzeitkind essen auch Sushi, der Liebste und Papa bleiben beim vietnamesischen Curry.

Um 19 Uhr dann allgemeiner Aufbruch. Die Ellis laufen nach Hause, der Liebste und das Teilzeitkind fahren nach Südberlin und ich fahre zurück zu Noosa, die sehr erfreut ist, mich zu sehen. Wir kuscheln eine Runde, dann setze ich noch einen wichtigen LinkedIn-Post ab und fange dann ein neues Buch an: Alfred Roesler-Kleint – Pfefferminzhimmel. Schon witzig, die Geschichten, mit denen man aufgewachsen ist plötzlich in Romanform zu lesen und dabei Figuren wiederzuerkennen. Ist aber natürlich alles fiktiv und nur an die Realität angelehnt, versteht sich.

Zwischendurch muss ich unterbrechen, weil Noosa spielen will. Sie scheint jetzt alles nachzuholen, was ihr in den Wochen mit krankem Spielkameraden an Bewegung entgangen ist. Wir spielen Leckerlis jagen. Eine abgezählte Anzahl Leckerlis wird von mir nacheinander durch die Wohnung geworfen und die 13jährige Katzendame wetzt hinterher und mampft sie auf. Kalorientechnisch vermutlich nicht ausgeglichen, aber da ihre sonstigen Futterportionen jetzt streng rationiert sind, konzentrieren wir uns dabei auf den Bewegungsaspekt. Vielleicht kann ich ihr noch ein paar andere Spielzeuge nahebringen, bevor ich das nächste Mal längere Zeit weg bin…

Gegen 11 fallen mir dann beim Lesen die Augen zu und wir wechseln vom Sofa ins Bett. Ab morgen dann wieder ganz „normaler“ Alltag!