Ein wenig unruhige Nacht, des ungewohnten Ortes und der Aufregung wegen, aber als der Wecker um 6 klingelt, bin ich schon ein paar Minuten wach und es ist okay. Morgendlicher Reboot im Hotelbett, wobei ich für die täglichen Französischaufgaben etwas länger brauche als sonst, weil der Kopf noch nicht ganz bei der Sache ist. Kurz vor 7:30 gehe ich runter zum Frühstück, wo ich mit einer Kollegin verabredet bin, die auch schon früh ihren ersten Termin hat. Wie gestern abgesprochen halten wir Gespräche auf einem Minimum, bis Koffein und Zucker wirken. Dann geht es hauptsächlich darum, was wir wann gerne lesen.

Nochmal hoch aufs Zimmer, in die sauberen Klamotten für den Tag werfen, mit dem Liebsten telefonieren und dann treffen wir uns 8:30 in der Lobby wieder, eine andere, nicht frühstückende, Kollegin im Schlepptau. Zu dritt geht es zu Fuß zur Messe und dann für zwei von uns erstmal an den Gemeinschaftsstand zum offiziellen Kick-off der Firma. Als sich alle ins Gewusel stürzen, suche ich mir erstmal kurz ein ruhiges Eckchen und kümmere mich um einen Social-Media-Post, der so früh wie möglich raus muss. Dann ziehen ein Kollege und ich ein wenig gemeinsam durch die Halle, er zeigt mir Dinge und wir treffen ein paar Menschen. Es ist unglaublich laut und warm und voll. Nach einer Weile suche ich mir eine noch ruhigere Ecke, atme durch und löse die Rätsel, für die es heute Morgen noch zu früh war.

Um 12 haben wir einen Termin mit einer Geschäftspartnerin, die ich heute dann zum ersten Mal „live“ treffe – ein Phänomen, das mir in diesen Tagen ständig passiert. Danach begleite ich den Geschäftsführer zu einer Preisverleihung, veröffentliche nebenher einen weiteren Social-Media-Post, treffe diesmal sowohl bekannte Gesichter erstmals live als auch Menschen nach langer Zeit wieder und es ist alles sehr nett. Hinterher gehe ich mit einer Kollegin, die weit weg wohnt und die ich daher schon seit Monaten nicht gesehen habe, etwas essen. Wir sitzen im sonnigen Innenhof und ich entscheide mich für die Chili Cheese Pommes.

Danach wieder mit zwei Kollegen durch die Halle, eine andere Kollegin bei einem Talk supporten, bevor ich eine Lücke im Zeitplan nutze, um zurück zum Hotel zu gehen, meinen Laptop abzuwerfen, mich minimal umzuziehen und mit Beutel und wärmerer Jacke zurück zur Messe zu laufen. Dort spaziere ich dann noch kurz in einer anderen Halle herum und schaue mir Stände mir sympathischer Organisationen an und staune dabei, wie groß der Stand von Katapult ist (ich kenne ja die Preise). Correctiv ist direkt nebenan, das passt.



Wieder bei uns am Stand noch ein paar Gespräche mit verschiedenen Kolleg*innen, dann breche ich mit vier Kolleginnen mit der S-Bahn wieder auf zur Location für den Abend. Wir treffen den Manager, besprechen Details für Aufbau und Ablauf und gehen dann erstmal noch etwas zu Abend essen. Eigentlich wollen wir in ein kleines, verstecktes chinesisches Lokal mit handgemachten Nudeln, das die chinesischstämmige Kollegin empfohlen hat, aber dort sind leider alle Tische belegt, so dass wir bei einem Dönerladen landen und dann vielleicht zum wirklich letzten Mal in diesem Jahr draußen zu Abend essen. Ich entscheide mich für Linsensuppe und hausgemachten Ayran.

Schmeckt sehr gut und eigentlich wäre das Ambiente auch nett, aber leider ist nur wenige hundert Meter weiter eine sehr laute, sehr aggressive Free-Palestine-Demo, die am dritten Jahrestag des 7. Oktobers lautstark „From the River to the Sea“ skandiert.
Nach dem Essen geht es zurück zur Location und dann trudeln nach und nach mehr Leute ein. Ich übernehme mit einer Kollegin die erste Einlassschicht, hake Namen von Listen ab, verteile Bändchen und trinke nebenbei Unmengen Yuzu-Limonade.

Dann habe ich eigentlich Feierabend und socialize mit aktuellen und Ex-Kolleg*innen, Geschäftspartner*innen und für mich neuen Menschen in der Branche, u. a. mit einer Frau, die entscheidend an der Marketingkampagne fürs aktuelle Känguru-Buch beteiligt war. Sehr schön.
Irgendwann gegen 22 Uhr denke ich, dass es schlau wäre, jetzt langsam ins Hotel zu verschwinden, denn es liegen ja noch zwei weitere anstrengende Messetage vor mir. Aber dann fällt jemand aus und ich übernehme noch eine zweite Einlassschicht. Die ist dann um 23:45 vorbei. Ich schnappe mir meine warme Jacke, verabschiede mich für heute und laufe im Regen zur U-Bahn. Einmal Umsteigen, noch einige Minuten laufen, insgesamt dreimal angesprochen werden, einmal für Geld/Essen, zweimal für unklare Dinge, und dann bin ich im Hotel, tippe mit letzter Kraft den Zahlencode fürs Zimmer ein und falle mit schmerzenden Beinen ins Bett (nach 17.000 Schritten heute). Mit dem Einschlafen dauert es natürlich noch eine Weile, aber morgen klingelt der Wecker zum Glück noch später…
































