Wir sprechen ja nicht mehr über den Schlaf. Der Morgen wird dann trotz Homeoffice ein bisschen hektisch, weil ich aus Gründen direkt stadtfein sein muss, bevor es an den Schreibtisch geht. Ich löffle Müsli mit Pfirsich und trinke weißen Tee mit Aloe Vera, während ich den Über-Nacht-Input aus Mexiko in das Projekt von gestern einarbeite und es dann termingerecht abschließe und veröffentliche. Und dann muss ich auch schon fast los, denn heute habe ich mal wieder einen Facharzttermin.
Die Fahrt mit zwei Straßenbahnen nutze ich für Französisch, Italienisch und Rätsel. Dann bin ich die 20 geforderten Minuten vorher da, ziehe eine Wartenummer, werde genau passend zur Terminzeit aufgerufen, dann aber erstmal ins System eingetöckelt und in ein zweites Wartezimmer geschickt. Immerhin das für Kinder mit lustigen Tierbildern an der Wand. Dort muss ich dann gar nicht mehr so lange warten. Dann wird ausführlich untersucht, beraten, abgewogen und ein Schlachtplan für nächste Schritte aufgestellt. Komplizierte Terminabsprache, noch ein weiteres Zimmer mit Erledigungen, dann Dinge zum Einscannen bringen und nach knapp zwei Stunden verlasse ich das Gebäude wieder.
Noch bevor ich in die Straßenbahn steige, bestelle ich ein Bành mì mit Aubergine zum Abholen. Auf das muss ich dann nochmal kurz warten, dann laufe ich damit zuhause, mache mir noch ein Tonic mit Yuzu dazu und habe ein sehr leckeres spätes Mittagessen am Laptop, dafür auf dem Balkon.

Der Nachmittag ist dann unauffällig. Nach Feierabend gehe ich aber mit der Nachbarin von nebenan zu einer Veranstaltung in der Bibliothek. Die Bewohner*innen der Siedlung sind eingeladen, ihre Meinung zum Wohnen einzubringen, bevor der neue Denkmalpflegeplan erstellt wird, der unser Weltkulturerbe mit notwendigen Klimaschutzmaßnahmen in Einklang bringen soll.


Es sind wahnsinnig viele Leute gekommen, das Interesse ist hoch, die Nachbarschaft interessiert und engagiert. Wir bekommen Input von Expert*innen zu Denkmalschutz, Klima und dem architektonischen Hintergrund und diskutieren dann miteinander und mit Vertreter*innen des zu enteignenden Vermieters (Hallo, Senat, es gab da diesen erfolgreichen Volksentscheid, remember?), was gut ist und was nicht und wie man Dinge besser machen könnte. Dazwischen gibt es Freigetränke und Fingerfood, da wir im Prenzlauer Berg sind alles in vegan und vegetarisch, worüber sich nichtmal die ältesten Mitbürger*innen mit ihren Gehhilfen beschweren.

Nach Abschluss der Veranstaltung laufen wir alle in die gleiche Richtung nach Hause und es ergeben sich in verschiedensten Grüppchen nochmal Gespräche, auch über Themen, die heute nicht im Vordergrund standen und ich lerne auch mal Leute aus den anderen Aufgängen in meiner Straße kennen. Mal sehen, ob da regelmäßigere Kontakte entstehen und wie viele Leute im Stadtbild ich jetzt neu grüßen werde können. Insgesamt auf jeden Fall eine tolle Veranstaltung, auch wenn ich feststellen musste, das einige meiner Meinungen auch ganz schön kontrovers sind. Das ist das schwierige mit der Demokratie…
Zuhause dann fragt Noosa, warum ich immer noch nicht mit ihr auf dem Sofa liege und das machen wir dann ausführlich. Nebenbei Liebstentelefonat und dann ganz bald auch wieder Bett, möglichst viel Schlaf unterkriegen, bevor das Katz wieder nachtaktiv wird…

















































