Im Dunkeln aufgewacht, aber zu einer vertretbaren Zeit, wenn ich ausblende das Sonntag ist. Also gleich wachgeblieben und in den morgendlichen Reboot gestartet, denn es läuft heute Vormittag eine Uhr mit: Liebstenverabredung um 12 und vorher noch den gestern prokrastinierten Wohnungsputz erledigen.

Beim ersten Liebstentelefonat während des ersten Frühstücks kurz vor 10 sehen wir unseren Planungsfehler ein und verschieben das Date auf unbestimmte Zeit nach hinten. Jetzt putzt es sich ganz ungestraft und am Ende liegen wir uns gerade mal eine Stunde später als geplant in den Armen – Zaubertrick und wieder ein Geheimnis unserer gelingenden Beziehung entlockt!
Wir spazieren zu dem Bagel- und Pastramiladen, den ich neulich entdeckt habe und bestellen uns ebendieses zum zweiten Frühstück. Der Teil mit der Getränkebestellung gestaltet sich witzig:
„Einen frisch gepressten Apfel-Ingwer-Saft bitte.“ „Den haben wir heute nicht…. Keine frischgepressten Säfte heute.“ „OK, dann den Pfirsichsaft aus der Flasche.“ „Flaschengetränke bitte selbst aus dem Kühlschrank nehmen.“ „Da ist kein einziger Saft.“ „Dann sind die auch alle.“ „OK, dann einen Matcha Latte bitte.“ „Matcha ist aus, Chai Latte auch.“ „OK, dann eine Limonade.“ (Ich nehme mir eine Apfelschorle…) Aber das Essen schmeckt!

Auf dem Rückweg laufen wir am Quarkbällchenstand vorbei und kaufen uns spontan sechs davon. Drei sind ja zu zweit zu wenig. Der Quarkbällchenmann stimmt zu und scheint uns der gleichen Schule zu entstammen wie der QBM vom Südberliner Markt. Wir spekulieren, ob sich die beiden von der QBM-Gewerkschaft kennen. Die QBs selbst sind dann OK, nicht so lecker quarkschlonzig wie die in Südberlin und auch ohne Rosinen, was der Liebste goutiert, ich eher nicht so.

Zuhause auf dem Sofa gibt es dazu Kaffee und dann ordentlich Quality Time mit sehr vielen Folgen Being Erica, die uns auch zu jeder Menge Gedankenaustausch zwischendurch anregen. Ein hervorragender Sonntagnachmittag! Einen kleinen mindfuck gibt es, als die Zeitreisenden aus 2009 nach 2019 reisen und das total futuristisch ist, für uns 2026 aber eine Reise in die ferne, präpandemische Vergangenheit. Ich stelle mir kurz vor, wie störend und unrealistisch es erst gewesen wäre, wenn sie nach 2020 gereist wären und dort alles „normal“ wäre.
Gegen Abend bestellen wir uns Algensalat und Jaozi mit Schweinefleisch und trinken dazu Aperol Spritz (gibt noch so viele Vorräte, auch wenn ich andere Spritze bevorzuge, nicht erst seit die Firma Campari, die dahinter steht, die letzte Inauguration von Trump mitfinanziert hat…

Gegen halb 9 verabschiedet sich der Liebste nach Südberlin, weil er morgen früh raus muss. Ich schnappe mir Alice Horáčkovás Geteiltes Haus und lese die letzten gut 300 Seiten bis kurz vor Mitternacht zu Ende. Wirklich gutes, spannendes Buch, vor allem, wenn man grob in der Gegend aufgewachsen ist. Wirklich sehr grob, aber teilweise eben geprägt von dem, was dort geschah, viele bei uns hatten Großeltern, in oder nach den Kriegsjahren aus den Sudeten in die Lausitz kamen und Zweisprachigkeit und -nationalität war uns auch nicht fremd. Dazu noch ein Interview mit der Autorin, das ich nach Mitternacht dann zum Einschlafen höre…







































