Diese Nacht ist wieder sehr kurz, bei einer der verschiedenen Aufwachsituationen gegen halb 4 fällt mir auf, dass das Katerchen extrem lethargisch da liegt, flach wie eine Flunder, und auf mein Streicheln dann auch quasi nicht reagiert. Ich mache mir große Sorgen, vermutlich aus einer Mischung aus ungewohntem Katerverhalten, der Gesamtsituation (das Tier hat schon wieder zwei Tage quasi Nix gegessen) und der Uhrzeit, die ja für drohende Gedankengebilde prädestiniert ist. Ich bleibe dann wach, mache Kreuzworträtsel und beobachte.
Als ich schon ganz verzweifeln will, steht das Katerchen im Morgengrauen einfach auf, streckt sich, hüpft vom Bett, geht Katzengras fressen, etwas trinken, aufs Klo und legt sich dann zum Kuscheln zu mir. Ja was denn nun?
An Einschlafen ist trotzdem nicht mehr zu denken, der Morgen wird heute zu spannend. Ich starte früh in den morgendlichen Reboot und irgendwann gegen 8 stehe ich dann auf, dusche, frühstücke, telefoniere mit dem Liebsten und dann geht’s los.

Ich bereite alles für den Tierarztbesuch vor, stecke als letztes den sich nur begrenzt wehrenden Kater in die Transporttasche, die mit einem Handtuch und Katzenminze ausgestattet ist und trage ihn nach unten vors Haus. Er maunzt von da an regelmäßig ängstlich. Unten rufe ich per App ein Taxi, das in zwei Minuten ankommt, und wir fahren quer durch den Kiez zu der Praxis, die die fahrende Tierärztin mir empfohlen hat, um die Ecke von meiner Physiopraxis.
Ich hatte mich auf lange Wartezeiten eingestellt, aber da wir die ersten sind und die Praxis groß, kommen wir gleich in ein Extra-Wartezimmer und sind dann schon nach 20 Minuten dran. Im Untersuchungsraum darf Nimbin aus der Tasche und ist wie verwandelt. Zwar noch ängstlich und aufgeregt, aber sehr aktiv, Augen weit geöffnet (auch die dritten Lider, die seit Tagen nicht mehr richtig aufgingen). Die Tierärztin und ihre Assistentin streicheln und untersuchen ihn. Dann kommt der Ultraschall.
Das Katerchen wird auf den Rücken in ein Schaumstoffkissen gelegt, die Assistentin hält die Hinterbeine fest und streichelt da, ich halte die Vorderbeine fest und streichle den Kopf. Die Tierärztin rasiert ihm den Bauch, desinfiziert, tut Gel drauf und führt den Ultraschall durch. Wir alle reden beruhigend auf Nimbin ein und die Tierärztin meint, wenn es doof ist, soll er sich gerne ihr Gesicht merken. Nach guten 10 Minuten sind wir fertig. Das Gel wird weggewischt und dann darf Nimbin zurück in die Tasche. Dann besprechen wir den Befund.
Es gibt mehrere Auffälligkeiten und Veränderungen beim Kater, die auf drei mögliche Diagnosen hindeuten, die verschiedene Behandlungswege ermöglichen würden. Es seien vermutlich alle gut behandelbar, aber erst muss man herausfinden, was genau los ist und dafür muss nochmal in eine Spezialpraxis untersucht werden, hoffentlich mit Punktion, evtl. auch mit Biopsie. Ich bekomme am Montag Befund, Ultraschallbilder und Überweisung und soll dann einen Termin dort ausmachen.
In der Zwischenzeit soll der Kater weiter zum Essen (in kleinen Portionen) animiert und vom Kotzen abgehalten werden. Deswegen gibt es weitere Anti-Übelkeitstabletten und neu ein appetitanregendes Gel, das in die Ohren geschmiert wird und dass die fahrende Tierärztin leider nicht dabei hatte. Ich bekomme noch gezeigt, wie man das genau appliziert, darf dann bezahlen (immerhin nur etwas über die Hälfte von der Untersuchung am Mittwoch, aber die war ja auch für beide Katzen) und dann geht es mit dem nächsten Taxi zurück nach Hause.
Nimbin ist ganz froh, wieder zu Hause zu sein. Ich auch, aber meine Sorgen sind nicht unbedingt weniger geworden. Die ganze Situation ist ziemlich überwältigend – der Aufwand, die Kosten, die Verantwortung, die Emotionen… Und der nagende Gedanke, dass das alles anders verlaufen würde, wenn Nimbin und ich noch auf dem Land leben würden – da kommen wir ja beide her, auch wenn ich 30 Jahre älter bin als er. Die Option, dass er sich einfach irgendwann der Situation ergibt und sich irgendwo draußen verzieht und nicht mehr wiederkommt, die haben wir hier nicht, hier muss jeder Schritt gemacht, entschieden und am Ende auch bezahlt werden und das von mir. Zu einer Zeit, in der eh schon alles trubelig und viel ist und ich demnächst auch viele Pläne habe, unterwegs zu sein, verhandelbare und unverhandelbare.
Vielleicht bin ich auch einfach gerade zu krank und zu müde. Immerhin war heute der RSV-Test negativ, so dass ich ohne Maske unterwegs sein konnte. Damit Nimbin endlich wieder was frisst, bekommt er dann die Salbe ins Ohr, was ganz gut funktioniert. Angeblich soll sie nach einer Stunde wirken, aber da passiert erstmal gar nix. Dafür wirkt er aber erstmal ganz entspannt mit seinem rasierten Bauch und ich kann mich erstmal beruhigt zum Mittagsschlaf hinlegen.

Als ich wieder wach werde (nach viel zu kurzer Zeit), mache ich mir ein Sandwich und versuche erfolglos, Nimbin was zum Essen anzubieten. Er sitzt nämlich ganz interessiert an den Fressnäpfen, aber findet dann doch nichts gut – keine Schleckies (die habe ich ihm vielleicht mit der Tablettenaktion vorgestern versaut), kein Thunfisch, keine Leckerlis, keine der zwei Sorten Nass- und Trockenfutter… Hmpf. Er legt sich dann aber an einen seiner Lieblingsplätze und das schafft eine gewisse Normalität.

Ich versuche mich abzulenken und schaue die beiden nächsten Folgen der neuen Scrubs-Staffel und dann sehe ich, dass auf dem gleichen Streaming-Dienst gerade Die Manns verfügbar sind. Das passt ja ganz gut zur Lektüre der letzten Tage und verdient in der aktuellen Situation einen Rewatch.
Zwischendrin ist es nach 24 Stunden wieder Zeit für eine Tablette für den Kater und weil er grad so schön im Blumenkasten liegt, versuche ich es da. Dreimal. Er wehrt sich mit Händen und Füßen und spuckt die Tablette wieder aus. Mist. Zum Glück steht er dann aber wenig später in der Küche und acht Stunden nach der Appetitsalbe knabbert er ein bisschen Trockenfutter und mampft ein bisschen Nassfutter, geht dann aufs Klo und kuschelt sich zu mir ins Bett. Vielleicht braucht er die Tablette dann ja heute gar nicht.
Noch ein bisschen später esse ich eine Ramen-Suppe, dann sind die Manns vorbei, ich mache mich bettfertig, lese noch ein paar Seiten und mache dann gegen halb 11 das Licht aus.
































