Den zweiten Urlaubstag lasse ich etwas ruhiger angehen. Das fängt schon mit dem Schlafen an – bis kurz nach 8! War ja aber auch erst spät im Bett. Sehr geruhsamer Morgen, ausführlicher Reboot, gemütliches Frühstück auf dem Balkon, dazu jede Menge Podcasts.
Joghurt, Granola, Pfirsich, Kaktusfeige, Cappuccino mit Erbsenmilch in neuer Tasse
Danach schaue ich mir die Aufzeichnung eines Webinars an, das ich neulich verpasst hatte. Dann noch Haushausaufgaben für den Kurs und später zwei Stunden genau diesen, zum vorletzten Mal remote, bevor es nächste Woche all in geht. Hinterher großer Hunger, der mit Nudeln, Tomaten und Käse bekämpft wird.
Ich schluffe noch ein wenig herum, dann heißt es fertig machen für den Abendtermin – Sommerfest meines Berufsverbands. Mit der Ringbahn geht es einmal in den Süden und dann durch ein spektakuläres Treppenhaus hinauf auf die Dachterrasse.
Es gibt einen Rückblick, eine Wahl, Gegrilltes und gute Gespräche mit neuen und alten Kontakten. Immer wieder spannend, die ganz verschiedenen Hintergründe zu hören, da wir alle in unterschiedlichen Umfeldern arbeiten, mit denen ich mich mal mehr und mal weniger identifizieren kann. Ich lande am Ende in einer Runde mit NGO, Gewerkschaft und nachhaltiger Industrie, da fühle ich mich ganz gut aufgehoben.
Mitgliedsbeitrag gut investiert
Bevor es richtig dunkel wird, mache ich mich schon wieder auf dem Heimweg und komme dann zu fast Vollmond wieder zuhause an.
Eine weitere Parallele zu gestern Abend: Die heutige Todeseilnachricht prominenter Achtzigjähriger betrifft Tim Curry. Ach, ach. Direkt nochmal den Rocky Horror Picture Show Soundtrack anmachen! Morgen Abend bin ich wieder unterwegs, wenn da wieder ein 80jähriger Promi sterben soll, ich hätte da einen besseren Vorschlag… Der Abend endet dann jedenfalls mit Badewanne und dann Buch im Bett.
Wie an jedem guten ersten Urlaubstag habe ich vergessen, den Wecker auszuschalten. Normalerweise schlafe ich ja eh nie bis dahin, aber heute weckt er mich tatsächlich aus dem Tiefschlaf. Mist. Andererseits gut, denn ich habe heute ungewöhnlich viel vor für einen Urlaubstag zuhause.
Nach dem morgendlichen Reboot gibt es Frühstück auf dem Balkon – Joghurt mit Kirsch-Johannisbeer-Marmelade und Granola, Hofbirne, Kaktusfeige und Trauben, Cappuccino mit Erbsenmilch. Dann schnell Sachen packen für die verschiedenen Sidequests des Tages los.
Zu spät fällt mir ein, dass auf der Straßenbahnstrecke gerade Schienenersatzverkehr ist und der Umweg mit S- und U-Bahn macht, dass ich erst zehn Minuten zu spät zum Sportkurs in Mitte ins Wasser gleite – mit Anraunzer durch eine andere Teilnehmerin, die jetzt weniger Platz zur Verfügung hatte, als erwartet. Etwas angefressen sportele ich los – der Trainer meint es richtig ernst heute, es ist – für mich – von 0 auf 100 anstrengend. Witzig ist hingegen, als zehn Minuten später noch ein Zuspätkommer ins Wasser steigt und besagte Mitteilnehmerin vollends eskaliert, weil sie jetzt genauso wenig Platz hat wie alle anderen… Sie verlässt dann das Becken irgendwann vorzeitig.
Nach dem Kurs geht’s in den Whirlpool – der Vorteil des Studios in Mitte – und das tut richtig gut. Ich entspanne mich soweit, dass ich Dampfbad und Sauna links liegen lasse und lieber früher wieder aufbreche und so ein bisschen Tempo aus dem Rest des Tages nehme. Beim Anziehen lausche ich besorgniserregenden Gesprächen in der Umkleide – die Stimmung im Land (der Welt!) ist wirklich am Kippen, zumindest in Teilen der Bevölkerung.
Dann geht’s weiter zu den Ellis, Post und Blumen bedienen und dann am Ende doch kein Eis essen, weil noch so viel mehr Essen heute ansteht. Mit U- und S-Bahn geht es nach Lichtenberg und dort mit der Lichtenberger Freundin erstmal ins indische Restaurant, Mittag essen und Neuigkeiten erzählen, Nachbarschaftspflege betreiben für sie.
Salat mit tropischen Früchten, Paneer und Joghurt-Dressing, Guavensaft, Papadams
Dann gehen wir hoch zu ihr in die Wohnung und verkosten die Kardamom- und Rhaberberschnecken, die sie aus dem Dänemarkurlaub mitgebracht und eingefroren hatte. Wir sind uns einig, dass unsere eigenen Kardamomschnecken letztes Jahr besser geschmeckt haben, dass die Kombination mit Rhabarber aber eine gute Idee ist, man braucht nur mehr davon. Ein Projekt fürs nächste Frühjahr also!
Dann muss ich auch schon wieder weiter, mit zwei S-Bahnen weiter nach Kreuzberg, ins Büro. Ja, an meinem Urlaubstag. Wir müssen noch eine technische Sache klären, die gestern nicht ging, weil die beiden dafür erforderlichen Kolleg*innen nicht verfügbar waren. Ich wäre aber auch so gekommen, denn eine andere Kollegin hat ihren letzten Bürotag und das begehen wir mit Geschenken, Fotos und Champagner. Dann geht es mit dem ganzen Team weiter in den Biergarten.
Veganer Burger mit Pommes
Wir sitzen und erzählen, essen und trinken ein paar Stunden. Gegen halb 9 trennen sich die Wege, genau als die Nachricht vom Tod von Dolly Parton eintrifft. Uff. Drei von uns fahren mit zwei S-Bahnen zurück in den Nordosten. Finale Verabschiedung am heimischen S-Bahnhof. Zuhause erstmal aufs Sofa. Die sozialen Medien sind voller Reaktionen auf Dolly Parton, die Musik, der Mensch, die Legende. Ich lasse mich eine Weile mittreiben und werde in den nächsten Tagen mutmaßlich mehr Musik von ihr hören als sonst – „9 to 5“ und „Jolene“ sind eh in meinen alltäglichen Playlists…
Und weil ich ja Urlaub habe und morgen ausschlafen kann, fange ich dann noch Sterling Point an, amerikanische Teenieserie, die in Kanada spielt, gut geschrieben auch noch und mit einigen Highlights im Cast. What‘s not to like? Nach drei Folgen schaffe ich den Absprung ins Bett.
Nochmal eine unruhige Nacht, aber die Chancen für Besserung stehen gut. Ein früher Wecker, ein morgendlicher Reboot, ein Rest Tee und ein Dubaischokoladenriegel zum Frühstück, mehr will mein Magen gerade nicht haben. Ich beginne den Arbeitstag am Schreibtisch, denn es ist ziemlich frisch draußen. Den ganzen Tag gibt es wichtige E-Mails und Meetings, der Kopf bleibt beschäftigt.
Zum Mittag kann ich dann essen – Brot mit veganer Salami und Dillkäse, ein riesiger reifer Pfirsich, den mir die Mitbewohnerin geschenkt hat, ein Rest Waldmeistersirup in Wasser, der eine sehr merkwürdige Farbe ergibt. Mein selbstgemachter ist leider irgendwann geschimmelt.
Nachmittags geht es auf der Couch weiter mit der Arbeit und dann ist relativ früh Feierabend und direkt auch ein Abschnitt offiziell beendet. Die nächsten Tage habe ich Urlaub und dann fängt offiziell ein neuer Abschnitt an, wenn auch zu großen Teilen im gleichen Gewand. Kein Abschied also, zum Glück.
Am frühen Abend schaue ich mir die Aufzeichnung eines verpassten Webinars an, dann geht es bald mit Liegestuhl und Kuscheldecke nach unten in den Hof, wo heute das diesjährige Hofkino anfängt, bei Popcorn und Softdrinks.
Wir schauen 25 km/h, den ich zwar vor Jahren schonmal gesehen habe – im Flugzeug oder im Streaming, jedenfalls nicht mit voller Aufmerksamkeit – und der beim Rewatch witziger ist als erwartet. Wie ich vorher in die Nachbar*innen-Chatgruppe schrieb: Bjarne Mädel geht immer. Bin etwas überrascht, dass Sandra Hüller auch mitspielt. Und Franka Potente. Quasi internationales Kinoflair bei uns im Hof. Der Film ist klassisches Freiluftkino-Futter, würde in der Videothek früher unter „sehenswert“ oder „anspruchsvoll“ gestanden haben, aber Komödie und nur wenig klamaukig. Der Liebste hingegen würde bestimmt sagen „Problemfilm mit mangelnder Produktionsqualität“, aber der hat auch einfach lange keine deutschen Filme mehr gesehen, aus eben diesen Gründen, und wäre vielleicht positiv überrascht. Nicht positiv überrascht bin ich davon, dass der Film nur mit Ach und Krach und viel Augen zudrücken den Bechdel-Test besteht.
Anyway, wir haben Spaß und es ist auch eine schöne Gelegenheit, sich mal wieder mit den Nachbar*innen zu unterhalten. Oder von ihnen unterhalten zu werden, denn neben mir sitzen vier kleine italienischsprachige Kinder, die die ganze erste Hälfte vom Film schnattern und Quatsch machen und anstrengend laut sind, bis sie von ihren Eltern aus der Situation entfernt werden.
Kurz nach 10 ist der Film vorbei, wir verabschieden uns und gehen wieder nach oben. Noch ein halbes Stündchen auf der Couch und dann gehe ich dank zufallender Augen trotz morgigem Urlaub einfach gegen 11 ins Bett.
Nach dem langen Abend schlafe ich heute außergewöhnlich lange und Noosa lässt mich sogar einigermaßen. So starten wir erst gegen 9 in den morgendlichen Reboot und bis ich mit meinem Frühstück (das gewisse Brunch-Qualitäten hat) auf dem Balkon sitze, ist es nach 12. Dazu läuft der letzte radioeins-Sommersonntag des Jahres und unterstreicht die nostalgische Berlinigkeit dieses Wochenendes.
Omelett mit den Salatresten von gestern und Brot, Obstteller mit Apfel, Pfirsich, Trauben und Kaktusfeige, Earl Grey
Es ist geradezu kühl heute auf dem Balkon, keine 20 Grad und schattig. Ich lege mich dann also nochmal schön aufs Sofa, höre weiter Radio, mache die täglichen Rätsel und gleite mit Noosa im Arm sanft in einen Mittagsschlaf über…
Am Nachmittag dann irgendwann der Ernst des Alltags – Abrechnung des Kanada-Urlaubs finalisieren, dann anziehen und rausgehen, Dinge tun. Ich fahre mit zwei Straßenbahnen nach Friedrichshain, steige fünf Altbaustufen hinan und betreue die Wohnung von Brüderchen samt Freundin. Weil dazu auch ordentlich Durchlüften gehört, mache ich es mir aber bald auch wieder mit Buch auf diesem Sofa gemütlich, allerdings ohne einzuschlafen.
Irgendwann dann laufe ich wieder los, in die Gegend von gestern Nachmittag, und treffe den Liebsten zur Date Night aus Anlass. Wir starten mit einem Aperitif und Frittiertem (endlich frittierte Zucchiniblüten ohne Anchovi, nur mit Käse!) und setzen dann mit Pizza bzw. Pasta und Falanghina fort.
Im Tischgespräch viel Politik, Berliner, deutsche, kanadische… Außerdem der heutige imaginäre 98. Geburtstag von Oma. Und die Nachricht, dass die ermordete Frau, die hier (im Pberg) um die Ecke am Freitag entdeckt wurde, um zwei Ecken einen Bezug zu uns hat. Puh.
Nach dem Essen spazieren wir noch ein Stück gemeinsam und essen ein Hipstereis unter Diskussion der umhängenden Wahlplakate. Meins heißt Ananas-Petersilie.
Danach fährt der Liebste zurück nach Südberlin und ich zurück in den Pberg, mit einem Umweg über den Nordkiez, weil die Tram zwar die richtige Nummer hat, aber trotzdem einen falschen Weg fährt. Dafür Regenbogen und ziemlich spektakulären Sonnenuntergang gesehen.
Zuhause wieder mit Noosa auf die Couch. Wir schauen noch den französischen COVID-Satire-Film zu Ende und dann geht’s ins Bett. Morgen neue, aber sehr andere Woche.
Also eigentlich Berliner Sonnabend, versteht sich. Die Samstagisierung schreitet aber stark voran, selbst im ostdeutschen Teil des Umfelds.
Heute kann ich ganz wochenendlich den Morgen mal etwas ruhiger angehen lassen und gönne mir ausführlichen Reboot im Bett, Duschen mit Haarewaschen und dann ausführliches Frühstück auf dem Balkon, bis es ans Tagwerk geht.
Das beginnt heute mit einem Einkauf – ein paar Kleinigkeiten fehlen für den Alltag, aber vor allem habe ich heute Abend einen Salat auf eine Party mitzubringen und brauche dafür noch Zutaten. Als ich wieder da bin, habe ich noch genügend Zeit, den Salat zuzubereiten (Süßkartoffel, schwarze Bohnen, Mais, Paprika, Gurke, Tomate, rote Zwiebel mit einem Avocado-Limetten-Dressing und Koriander), bis ich mich wieder auf dem Balkon in meinen Kurs einwähle. Heute sind wir etwas schneller durch als gestern, so dass ich dann kurz nach 14 Uhr meine Sachen zusammenpacken und nach Friedrichshain fahren kann.
Erste Station ist eine Buchhandlung, in der ich nach Geschenken für die beiden Geburtstagskinder auf der Party nachher stöbere und auch bald gut fündig werde, auch wenn das ursprünglich avisierte Buch gerade ausverkauft ist. Beim Stöbern fällt mir auf, wie viel besser als früher ich über die aktuellen Neuerscheinungen informiert bin, seit ich in der Buchbranche arbeite. Immer wieder schön, wie da angenehmes Wissen in mich hineindiffundiert.
Aus der Buchhandlung geht es dann weiter in ein Café. Ich bestelle Chai Latte, Schokoladentorte mit Sanddorn und Käsekuchen mit Apfel und Mandeln und verbringe gute anderthalb Stunden mit Genießen, Schlürfen und Buchlesen – mit Musik auf den Ohren allerdings, weil ich sonst die Gespräche um mich herum nicht ausblenden und mich aufs Buch konzentrieren kann… Nicht ganz das ideale Bild, aber manchmal muss man sich an die Situation anpassen und ich schaffe immerhin einige Kapitel am Stück, juhu!
Nach dem letzten Schluck ist es auch schon fast Zeit, aufzubrechen und so laufe ich voll bepackt weiter nach Lichtenberg, sitze dort noch kurz auf einer Parkbank, bis es auch wirklich 18 Uhr ist, und dann klingele ich und steige hoch zur Doppelgeburtstagsparty.
Das erwachsene Geburtstagskind hat deutlich mehr Gäste als das zehnjährige Geburtstagskind – es sind eben noch Ferien. Der Vorteil ist, dass der Lautstärke- und Hektikpegel deutlich niedriger ist als letztes Jahr und es keine Spiele gibt, sondern einfach nur Gespräche. Und gutes Essen sowieso.
Gegen 21 Uhr ist der offizielle Teil der Party vorbei, was aber hauptsächlich bedeutet, dass das kleinere Geburtstagskind mit seinem Papa nach Hause geht und die anderen Erwachsenen weiterfeiern. Ich gehöre dann kurz nach 1 zu den letzten, die gehen und liege erst gegen 2 mit Noosa im Bett. Aber so soll ein Sonnabend in Berlin ja auch eigentlich sein…
Wieder eine katzige Nacht, das Noosalein ist dieser Tage insgesamt sehr aktiv, frisst viel mehr als in den letzten heißen Wochen und braucht tags wie nachts viel Aufmerksamkeit. Ich bräuchte mal wieder richtig langen, guten Schlaf, aber die sicherste Methode – eine Nacht außerhalb, hätte zur Folge, dass sie danach erstmal noch anhänglicher ist… Zum Glück gibt es bald öfter die Gelegenheit zum Mittagsschlaf.
Heute jedoch nicht. Heute gibt es nach dem morgendlichen Reboot Balkonoffice und gleich um 9 ein Kurstreffen. Ich entschuldige mich direkt, dass ich noch beim Frühstücken bin, aber den anderen geht es ganz genauso und so essen wir erstmal auf und smalltalken dabei, bevor wir uns an die Arbeit machen. Danach übliche Arbeitsdinge, E-Mails, ein Meeting…
Zum Mittagessen gibt es eine schnelle Sesam-Ramen-Suppe und den Rest Hofbirnen mit Joghurt und Zimt, dazu Maracujaschorle.
Als es dann doch Feierabend und Wochenende ist, fahre ich mit der S-Bahn rüber nach Charlottenburg und treffe die dortige Freundin mit ihren Kindern. Wir haben uns schon wieder ewig nicht gesehen, es gibt sehr viel zu erzählen. Erstmal aber vor allem Kinderbespaßung, die haben wenig Verständnis für Erwachsenenredebedarf. Wir spielen Kaufladen, Knoten knüpfen und entwirren, beim Hopsen und Herumturnen zusehen und bewundern… Nebenbei kocht meine Freundin Abendbrot und dann wird gegessen.
Das kleine Kind will danach direkt ins Bett gebracht werden, mit dem großen Kind lese ich derweil Bücher und wir sprechen über die nächstes Jahr anstehende Schule und über seine Heirats- und Ranzenpläne. Man ist nämlich bereits verlobt!
Später kommt die Freundin wieder dazu und wir sitzen noch zu dritt auf dem Sofa, erzählen vom Urlaub und lustige Witze, bis auch das große Kind bereit ist, auf dem Mamadrachen ins Bett zu fliegen. Die Zeit nutze ich, um kurz mit dem Liebsten zu telefonieren, danach haben die Freundin und ich endlich Zeit für ausführlichen Austausch, nur unterbrochen vom ersten nächtlichen Aufwachen des kleinen Kindes. Gegen 11 verabschiede ich mich dann und wir wünschen uns gegenseitig möglichst viel zusammenhängenden Schlaf diese Nacht.
Diese Nacht ist wieder sehr zerstückelt, da Noosa und ich versetzte Schlaf- und Wachphasen haben, am Morgen bin ich dann ziemlich gerädert und sie schläft einfach, während ich nach dem morgendlichen Reboot aufstehe, uns Frühstück mache und mich auf dem Balkon-Office einrichte. Das Wetter ist auch eher merkwürdig – zwischen Jacke überziehen und in Decke kuscheln bei bedecktem Himmel und alles abwerfen und schwitzen, sobald die Sonne rausguckt.
Heute wird wieder viel kommuniziert – ein Arbeitstag mit einigen Meetings, nebenher Textnachrichten mit dem Polarmeer, mit dem Berliner Westen, mit dem Liebsten, der sich durch Baustellengewirr ins Büro und zurück kämpft, mit Kanada natürlich und mit dem Lieblingsnachbar auch noch… Gegen Mittag gibt es dann Stullen, einen Obstlesegang im Hof (ein paar Birnen sind einigermaßen mitnahmewert) und einen Einkauf im Haustierbedarf.
Zum Feierabend fahre ich mit Sporttasche und S-Bahn nach Lichtenberg, turne eine ziemlich kräftezehrende Runde im Wasser (mit einem Trainer, der aussieht wie Bad Bunny) und hänge dann für eine längere Session im Dampfbad rum. Sauna hätte ich auch noch gemacht, aber irgendwie habe ich in der Eile das Handtuch vergessen und könnte so nicht liegen, das ist ja dann auch nix.
So also direkt wieder nach Hause und noch in der S-Bahn Sushi fürs Abendbrot bestellen. Zuhause gibt’s Abendessen für Noosa, dann Hausaufgaben für den Kurs morgen und dann endlich das Sushi.
Dazu fange ich auf Netflix einen französischen Film an (auf Französisch, mit französischen Untertiteln), der eine Hausgemeinschaft während des COVID-Lockdowns „begleitet“. Mir den Untertiteln verstehe ich ziemlich viel, aber schon nach der Hälfte fallen mir die Augen zu und ich mache mich bettfertig. Den ganzen Tag über denke ich immer wieder darüber nach, was in den letzten drei Wochen, seit wir wieder in Deutschland gelandet sind alles schon passiert ist und was in den nächsten Wochen alles so ansteht und wie voll mein Kalender ist und dann werde ich noch viel müder. Urlaubsgefühl endgültig vorbei, passend zum Kalender echtes Back-to-School-Feeling…
Trotz katzenfreiem Bett nicht so wahnsinnig viel geschlafen, dafür aber am Stück, was sich gleich viel erholsamer anfühlt. Zeit für langen und langsamen morgendlichen Reboot, nachdem ich mich mit der Kaffeemaschine im Hotelzimmer auseinandergesetzt habe. Das Konzept mit den Kapseln ist ja relativ easy zu durchschauen, ich hatte aber drei verschiedene Farben zur Auswahl, ohne Erklärung, was was ist und auch online ließ sich keine Übersicht finden (waren nicht vom Marktführer). Keine Ahnung also, ob ich da jetzt etwas starkes, schwaches oder gar koffeinfreies trinke, ich kippe auf Verdacht einfach mal Kaffeeweißer und Zucker hinzu und denke irgendwas davon wird schon helfen.
Irgendwann ist dann Aufstehzeit, Liebstentelefonat, Fertigmachen zum Frühstück. Das Buffet ist sehr erfreulich, auch wenn die Backzeit der Waffeln auf zu lang eingestellt ist. Selbes Prinzip wie neulich in Fredricton, allerdings gibts hier ein Porzellankännchen für den Teig, statt multipler Pappbecher. Außerdem echten Ahornsirup und falls man den nicht mag sage und schreibe drei Sorten Honig.
Ebenfalls im Raum: Eine Reisegruppe von etwa zehn- bis zwölfjährigen Jungs aus dem fernen Osten, die sehr viel Spaß mit dem Waffeleisen haben und auch sonst den Frühstücksraum zu ihrer Spielwiese machen. Zum Glück bin ich schon eine Weile wach, sonst wäre ich vielleicht nicht nur amüsiert gewesen.
Frühstück vorbei, Zähne putzen, businessfein machen, Koffer packen, auschecken. Der Weg ist nicht weit und so bin ich pünktlich bei meinem ersten Termin, dem ersten von sieben heute. Dazwischen noch fix etwas abarbeiten und ab und an durchatmen, Getränke holen oder wegbringen. Der fünfte Termin ist dann zum Glück ein Business Lunch mit leckeren Tagliatelle mit Pesto und Burrata.
Der letzte Termin geht bis 16 Uhr, dann nehme ich den RegionalExpress zum Hauptbahnhof, besorge mir noch eine Blaubeermilch für die Fahrt (Joghurt war aus) und besteige den Zug, der dank Startbahnhof schon deutlich früher da steht und auch fast pünktlich losfährt. Natürlich gibt es unterwegs wieder die üblichen Verspätungen, aber insgesamt sind es dann doch wieder nur 20 Minuten oder so. Ich vertreibe mir die Zeit mit der aktuellen Folge des Alles gesagt?-Podcasts mit Katja Hoyer und setze nebenbei Bücher von ihr auf meine Wunschliste.
Endlich zuhause bin ich dann kurz vor 22 Uhr. Noch eben Koffer auspacken, Noosa versorgen, mit dem Liebsten telefonieren und dann gibt es zum Runterkommen nach diesen zwei anstrengenden Tagen noch die neue Folge Ted Lasso – genau das Richtige dafür.
Schwierige Nacht, weil unruhiges Katz und genug im Kopf, um von jeder Bewegung nachhaltig wach zu werden. Dementsprechend langsam bin ich dann beim morgendlichen Fertigmachen, das heute neben dem normalen Reboot noch Bürovorbereitung und Kofferpacken enthält. Nebenbei schlürfe ich eine Mate, das hilft ein bisschen.
Wegen des Koffers nehme ich eine leicht andere Route zum Büro als sonst, mit weniger Treppen. Und am Ende mit U-Bahn statt Fußweg über den Fluss, weil es wirklich schon ganz schön spät ist. Das Büro ist dann vergleichsweise leer – mehr von „uns“, aber weniger von den anderen als letzte Woche – die Urlaubszeit schlägt sich nieder. Gibt auch kein Bürofrühstück, aber anlassbezogenen Kuchen von einer Kollegin und ich habe eh noch Müsli und Feigen dabei.
Das übliche Dienstagvormittagsmeeting, dann Bäckergang mit einer Kollegin und Mittagessen in „unserer“ Runde, immerhin durchs Fenster mit Blick auf den Fluss. Es ist kühl heute für Mitte August – morgens waren es nur 14 Grad, später immerhin knapp 20 aber bei grauem Himmel.
Am frühen Nachmittag verabschiede ich mich, rollkoffere jetzt doch über den Fluss und fahre mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Der Zug nach Frankfurt fährt auf die Minute pünktlich ab und das muss man ja auch mal positiv erwähnen. Er ist auch halbwegs leer, kein Vergleich zu unseren Erlebnissen am Wochenende.
Er bleibt aber auch, wie vom Liebsten prognostiziert, vor dem Frankfurter Hauptbahnhof noch einmal stehen und landet so am Ende bei 20 Minuten Verspätung. Alles beim Alten also.
Und dann gibt es eine Premiere: Erstmals steige ich in Frankfurt nicht einfach um – etwa in den Zug nach Köln oder das Flugzeug nach Kanada oder irgendwo anders hin, sondern bleibe einfach da. Mit der S-Bahn geht es noch ein paar Stationen – auch der Frankfurter Hauptbahnhof kann kaputte Rolltreppen – und dann bin ich da. Das echte Frankfurt empfängt mich mit einem nicht barrierefreien, dafür sehr bunten S-Bahnhof.
Dann geht es noch durch einen kleinen Park und schließlich ins Hotel, auch das überall mit Stufen, zum Glück bin ich ja seit längerem wieder gut zu Fuß und der Koffer ist leicht.
Der Concierge scheint noch recht frisch zu sein, er weist mich nicht deutlich genug darauf hin, dass mein Zimmer im Erdgeschoss (bzw. Hochparterre) ist UND codiert meine Karte falsch, so dass ich erst vor dem falschen Zimmer im falschen Stockwerk stehe und dann nochmal vor dem richtigen mit der falschen Karte.
Dann klappt es aber und ich kann mein Zuhause für diese Nacht beziehen, mit dem Liebsten telefonieren und mich fürs Abendessen fertig machen.
Die Kolleg*innen hatten mir verschiedene Tipps für Abendessenspots gegeben, aber es ist jetzt schon 20 Uhr, ich bin hundemüde und habe morgen wieder einen langen Tag vor mir, also gehe ich einfach ins Hotelrestaurant, die haben auch Äppelwoi und grie Soß.
Leider nicht mit den angekündigten Handkäsknödeln, was man mir aber erst eine ganze Weile später mitteilt. Nochmal eine ganze Weile später kann ich alternativ das Frankfurter Schnitzel bestellen, was meinen Schnitzelcount für dieses Jahr (evtl. sogar das Jahrzehnt?) innerhalb von vier Tagen von 0 auf 2 bringt. Schmeckt aber ganz gut.
Die grüne Sauce ist wirklich lecker, das Schnitzel auch. Die Kartoffeln und der Salat haben sehr gute und weniger gute Bissen. Alles bisschen halbherzig zubereitet, fürchte ich. Der Apfelwein ist… interessant. Ich mag ja cider und cidre ich mag auch ab und an den Apfelwein, den ich von zuhause kenne, der aber eigentlich keine Kohlensäure hat, sondern eher wie Weißwein, nur halt aus Äpfeln statt Trauben, schmeckt. Der hessische Äppelwoi ist hingegen irgendwas dazwischen, wie sehr saure, etwas schal gewordene Apfelschorle. Muss ich jetzt nicht in Mengen trinken und ist wahrscheinlich der Auslöser für eine ziemlich starke Histaminreaktion, die mir für den Abend dann den Rest gibt.
Ich bin froh, als ich auf dem Zimmer bin, dusche noch ausführlich und lege mich dann bereits kurz vor 10 final ins Bett, ohne mir noch Lesen oder eine Serie vorzunehmen. Lieber das wirklich gemütliche Hotelbett und die katzenfreie Umgebung nutzen, um ein wenig Schlaf nachzuholen!
Der Wecker klingelt heute halb 7, damit genug Zeit für alles bleibt, bevor ich ein Meeting um Punkt 9 Uhr habe. Eigentlich kein Problem, hätte Noosa mich nicht wieder die halbe Nacht beschäftigt und würde dann gemütlich neben und auf mir pennen, während ich meinen morgendlichen Reboot durchziehe. Ich schaffe es trotzdem und bin sogar ausreichend vor 9 am Schreibtisch, um schnell noch etwas Nahrung einzuwerfen und die E-Mails durchzugehen.
Nach dem Meeting dann Nachbereitungen und Dringendes, bevor ich die Mittagspause vorziehe und nach Mitte fahre, um in der Wohnung der Ellis nach dem Rechten zu sehen und auf dem Rückweg Einkäufe zu erledigen. Dann mit zweitem Frühstück zurück ans Werk.
Am frühen Nachmittag anderthalb Stunden Kurstreffen über Zoom, dann zum Mittag die Poké-Reste von gestern, danach ein Telefonat, dann nochmal weiter bis zum Feierabend. Um 19 Uhr dann noch ein Webinar, bei dem ich mir nebenbei noch Abendbrot mache.
Und dann ist endlich Feierabend, Noosa und ich gucken Anne with an E zu Ende und gehen gegen halb 11 ins Bett und starten einen neuen Anlauf für gutes Co-Sleeping, denn morgen wird es wieder lang und ich schlafe dann auch wieder woanders. Die Woche gibt alles für den Plot!