Der Wecker steht trotz Sonnabend auf 7:30, Noosa will aber ganz sicher gehen, dass ich nicht verschlafe und schnurrt mir schon gegen 7 ausführlich ins Gesicht. Ich kann mit ziemlicher Sicherheit ausschließen, dass es mir mal wie Lorelai in „The Lorelais‘ First Day at Chilton“ geht, wo sie verschläft, weil ihr Fellwecker nicht geschnurrt hat. Auch mein Wecker ist jedenfalls wegen Elternpflichten gestellt, genauer gesagt Bonusmamapflichten. Damit ich denen nachkommen kann, gibt es erstmal Koffein in Form von Espresso Tonic zum Internet leerlesen und Bloggen im Bett.

Zwischendrin ruft der Liebste an und teilt mit, dass alles noch viel früher losgeht, als gedacht – über die Organisations- und Kommunikationsfähigkeiten des Teilzeitkinds diskutieren wir dann an anderer Stelle nochmal. Ich schwinge mich also aus dem Bett, ziehe mich schnell an, füttere Noosa, nehme eine Scheibe Rosinenstuten auf die Hand mit und laufe los zur Bahn. Mit S- und U-Bahn geht es in den Nordwesten, nebenbei Französisch und Italienisch erledigend. Dann noch einen guten Kilometer laufen (mit Barfußschuhen auf Kopfsteinpflaster ein ordentliches Workout) und dann bin ich nur kurz nach der offiziellen Eröffnung beim Kindermehrfachwettkampf (?) diverser Westberliner Sportvereine.
Das Teilzeitkind und die zwei älteren seiner jüngeren Geschwister messen sich heute in verschiedenen Disziplinen mit anderen Kindern: Weitsprung, Sprint, Bodenturnen und Reck. Eigentlich wäre noch Schwimmen dabei, aber das Wasser im Pool ist abgelassen, das entzerrt das Ganze ein bisschen, wird aber zumindest das Teilzeitkind wertvolle Punkte kosten. Während es mit cooleren Menschen als uns herumhängt (13, duh!) kümmern der Liebste, die Teilzeitkindmama und ich uns größtenteils um die beiden Kleinen, sprechen Mut zu, trösten, feuern an, reichen Getränke und Essen an. Es ist ganz schön frisch, morgens noch 15, später 19 Grad, und ich leihe dem Liebsten zwischenzeitlich mehrfach meine Jacke. (War nicht vor einer Woche noch Höllenhitze? Das Wetter ist etwas… unausgeglichen, ist es nicht?)
Zwischendurch gibt es lange Wartezeiten, aber irgendwann sind alle drei Kinder mit allen Disziplinen durch. Erstmal Futter!

Dann müssen wir nochmal eine ganze Weile warten, bis alles ausgewertet und alle Urkunden geschrieben sind. Wir müssen die gesamte Siegerehrung durchhalten (es geht von Klein nach Groß und wir haben in beiden Extremen Kinder dabei), während sich der Himmel immer weiter zuzieht und es zum Schluss anfängt zu regnen. Am Ende haben wir ein äußerst zufriedenes Kind, ein sehr trauriges Kind und ein etwas aufgebrachtes Kind, sind aber alle heilfroh, endlich los zu können. Die Reisegruppe Südberlin/Brandenburg steigt ins Auto, ich laufe zurück zur Bahn.
Selber Weg zurück, im Sprühregen. Dann fix was einkaufen und nach Hause. Andere Leute würden sich jetzt ausruhen, ich aber habe gestern noch einen weiteren Programmpunkt zugesagt. Also schnell Handy laden, Essen machen (Gnocchi und Zucchini aus dem Speiseföhn, mit Olivenöl, Parmesan und Basilikum – ziemlich gut aber noch ausbaufähig.), Cola hinterkippen (bin auf dem Rückweg in der Bahn mehrfach fast eingeschlafen) und dann wieder los.

Diesmal geht es mit zwei S-Bahnen nach Kreuzberg, zum Tempodrom. Ich treffe auf die Lichtenberger Freundin und zwei ihrer anderen Freundin und wir schauen uns den Auftritt von Ali Wong (und ihren Opener Sheng Wang, der das macht, obwohl er schon zwei Netflix Specials hat) an. Beide sind natürlich sehr witzig, sie noch etwas mehr als er, hat aber natürlich auch mehr Zeit, eine Story aufzubauen, während er irgendwie Highlights seines Programms lose miteinander verbinden muss. Wahrscheinlich gucke ich nochmal in seine Specials rein, um mir ein endgültiges Bild zu machen.

Ali Wong jedenfalls sehr sehr unterhaltsam, an vielen Stellen provokant und bissig. Bei einem sehr langen Stück frage ich mich die ganze Zeit, ob sie gleich den Bogen zu Trump schlägt, das kommt dann aber leider nicht. Insgesamt mir ein bisschen zu brav, trotz teilweise sehr explizitem Inhalt. Aber ich bin auch nicht die Hauptzielgruppe, das Tempodrom ist voller asiatischstämmiger Menschen (und Müttern in den 40ern) und die haben sich auf jeden Fall alle köstlich amüsiert.
Nach gerade mal anderthalb Stunden war alles schon wieder vorbei – amerikanische Verhältnisse eben, aber diesmal bin ich gar nicht böse drüber, denn seit einer guten halben Stunde spielt Kanada im Achtelfinale gegen Marokko. Da es schon wieder regnet und die anderen keine Anstalten machen, zum Public Viewing zu wollen, mache ich mich auf den schnellsten Weg nach Hause und sitze pünktlich vor der zweiten Trinkpause vor dem Fernseher. Da steht es schon 1:0 für Marokko.

Ich nutze die Trinkpause, um vorhin gekaufte vegane Dingsis mit angeblichem Chimichurri-Geschmack in den Speiseföhn zu werfen. Die gibt es dann mit Gewürzketchup und schmecken ziemlich gut, wenn auch nicht nach Chimichurri. So gestärkt verkrafte ich die nächsten beiden Tore und das erwartbare aber trotzdem traurige Ausscheiden von Kanada. Werde ich sie wohl ab heute in einer Woche in bisschen trösten müssen.

Den Rest des Abends bestreite ich mit Buch, Katze und Wildberry Lillet, bis mir schon wieder die Augen zu fallen und ich gegen 23 Uhr ins Bett krieche, obwohl gleich Frankreich gegen Paraguay spielt…







































