18.07.2026 – Ein Sidequest, zwei DJs, drei Tim Hortons und jede Menge Wasser

Der heutige Tag beginnt mal etwas anders, wir beeilen uns nämlich am Morgen, frühstücken schon um 9 und steigen schon um 10 ins Auto und fahren los. Der Liebste, das Teilzeitkind und ich haben einen Sidequest in einer anderen Provinz! Also ganz traditionell im Auto, vor uns die Straße, hinter uns ein Teilzeitkind, das sich durch den mitgebrachten Proviant knuspert und um uns herum das Känguru, das die Rebellion plant.

Nach zwei Stunden gibt es einen ersten Toilettenstopp bei Tim Hortons, allerdings ist die Schlange für Essen und Getränke so lang, dass sie lieber weiter fahren. Nochmal anderthalb Stunden später dann pausieren wir wirklich und kaufen uns Kaffee, Quenchers, Sandwiches (Crispy Chicken, Turkey Club, BLT) und natürlich Timbits.

Dann geht es über die „Grenze“ hinüber nach New Brunswick und der Unterschied ist deutlich: Die Provinz hat zwei Amtssprachen und das sieht man auf jedem einzelnen Schild. In Nova Scotia steht das Französische vor allem auf Lebensmittelpackungen und eben in den akadischen Gebieten, ansonsten gibt es eher mal Mi‘kmaq-Beschilderung. In New Brunswick ist alles konsequent auf Englisch und Französisch, Mi‘kmaq sieht man aber auch ab und zu. Außerdem rollen wir jetzt durch flaches Farmland, mit Laub- statt Nadel- oder Mischwald und kaum Felsen links und rechts des Highways. Der Liebste, der zum ersten Mal hier ist, ist etwas unterwältigt – sieht ja aus wie in Ostwestfalen – und ich muss ihm versichern, dass die Provinz auch schönere Ecken hat.

Gegen 16 Uhr kommen wir in der Hauptstadt Fredericton an und checken in unserem Hotel ein – drei Queensize-Betten auf zwei Räume verteilt, wir sehen einer luxuriösen Nacht entgegen. Erstmal geht es allerdings mit dem Taxi ins Zentrum. Wir sehen uns ein bisschen um, jagen erfolgreich (puh!) einen Geocache und kehren dann zur Freude des Teilzeitkinds in einem sehr leckeren Ramen-Restaurant ein.

Draußen beginnt es jetzt zu regnen, was ein bisschen ungünstig ist, weil wir wegen eines Open-Air-Konzerts hier sind. Der Liebste ist ein großer Fan des indigenen DJ-Kollektivs The Halluci Nation, bekannt unter anderem vom Soundtrack von Killers of the Flower Moon oder von Auftritten in Stadien bei großen Sportevents. Heute spielen die zwischen zwei Hallen-Gigs ein kleines Set umsonst und draußen und wir sind dabei, mit knapp 100 anderen, von denen die überwiegende Mehrzahl First Nations sind.

Wir kommen etwas später als zum angekündigten Beginn um 18 Uhr an, da fängt gerade eine Support-DJ ein Set an, das sehr fluffig klingt und die Menschen gut unterhält. Es folgt ein weiterer DJ kurz nach 19 Uhr, den wir quasi schon als Wegbereiter des Hauptacts wahrnehmen, während wir immer nasser und frösteliger werden. Tatsächlich ist dann aber nochmal 20 Minuten Stille, bevor Halluci Nation kurz vor halb 9 wirklich die Bühne betreten, auch erstmal langsam starten und dann aber zu voller Form auflaufen. Es ist aber nass und kalt und so hat der Genuss es etwas schwer, bei uns anzukommen – wir drängen uns unter einem Schirm und gehen nur ab und zu vor die Bühne, um ein wenig Stimmung einzufangen.

Irgendwann machen das Teilzeitkind und ich einen Sidequest-Sidequest und holen einen Block weiter bei Tim Hortons drei riesige heiße Schokoladen, danach ist alles besser.

Zum Glück sind wir rechtzeitig zurück, um die großen Hits mitzubekommen und spätestens jetzt hat sich das alles gelohnt.

Das letzte Stück ist dann ein Remix eines Songs von Northern Cree (Der Liebste kennt sie Setlist quasi auswendig), bei dem zu einem Round Dance eingeladen wird, dem sich trotz Regens fast alle enthusiastisch anschließen. Wir halten uns vornehm zurück.

Und dann ist das Konzert vorbei, wir rufen uns ein Taxi, fachsimpeln mit dem Fahrer über Musik und Hauptstädte und sind dann gegen 22 Uhr wieder im Hotel – Sachen trocknen, heiß duschen oder baden und dann geht es in die luxuriösen Betten. Guter Tag, insgesamt!

17.07.2026 – Leben am Wasser

Heute wieder gemütlicher Morgen, bis irgendwann der Rest der Reisegruppe auftaucht, dann hektisches Herumwuseln und gegen 13:00 sind wir unterwegs und machen Touristisches. Es geht die Lighthouse Route entlang nach Nord(ost)en, mit einem ersten Zwischenstopp am Stammcafé. Heute bestelle ich mir dort einen London Fog auf Eis („lokale“ Spezialität aus Vancouver) und einen Lemon Poppyseed Scone, den ich aber dann gegen den Lemon Bar des Nifftenkinds eintausche, dem seine Auswahl nicht mundet. Ich finde zum Glück alles lecker.

Dann nehmen wir die kostenlose Kabelfähre über den Fluss und betreten damit für alle außer mich neues Terrain. Ich war auch seit 2013 nicht mehr in dieser Gegend.

Wir fahren weiter bis zum Strandfriedhof, wo die einen besonders vom Strand und dem Steineflitschen, die anderen vom Friedhof selbst begeistert sind. Ein lohnender Stopp in jedem Fall!

Die Fahrt geht dann weiter nach Lunenburg. Heute ist weder die Blue Nose im Hafen, noch sind Kreuzfahrtschiffe da, die Stadt ist also nicht so überfüllt wie sonst und wir finden für beide Autos gut einen Parkplatz. Als erstes geht es ins Fischereimuseum, in dem man viel über die marine Fauna, aber auch die lokale Geschichte erfährt. Die beiden Kinder jagen 54 der 55 verteilten Funky Fish Facts, bis das Museum um 17 Uhr schließt und langweilen sich kein Stück.

Kanada ist so woke, da fällt der stockkonservative Premierminister von Nova Scotia gar nicht so ins Gewicht

Nach dem Museum noch ein kleines Ründchen durch den Hafen, dann ist Essenszeit. Wir finden mit etwas Glück und Gedränge einen Tisch mit Hafenblick und speisen Maritimes – Fish & Chips für fast alle, die Liebstenschwester nimmt frittierte Jakobsmuscheln, ich eine Lobster Roll und nur das Teilzeitkind bleibt heute beim Hamburger.

Ich trinke endlich meinen ersten Caesar, im 30. Jahr meiner Kanadareisen, davon immerhin 26 Jahre im trinkfähigen Alter – 12 Staffeln Letterkenny haben den Boden bereitet.

Zum Nachtisch teilen wir uns zu siebt vier Stücke aus der Kuchenvitrine – Cherry Pie, Key Lime Pie, Oreo Cheesecake und Chocolate Chip Cookie Cheesecake.

Dann brauchen wir dringend einen Verdauungsspaziergang, Lunenburg bietet dafür perfektes Terrain.

Wir suchen noch vergeblich einen sehr neuen Geocache unten am Hafen, dann steigen wir in die Autos. Auch ein zweiter Geocache am Fluss bleibt unauffindbar, es ist ein wenig frustrierend. Unverrichteter Dinge fahren wir zurück zu meinen Eltern, erzählen vom Tag, planen die nächsten und fallen zwischen 22 und 23 Uhr alle in die Betten.

16.07.2026 – Pflichtprogramm

Wer frisch nach Nova Scotia kommt, der muss im Nationalpark wandern gehen und vom Strand aus Robben gucken, so will es das Gesetz. Erstmal aber gibt es morgendlichen Reboot, Frühstück, alle machen sich fertig usw.

Dann irgendwann Aufbruch, erstmal ins Städtchen. Der Liebste macht Besorgungen im Baumarkt, der Rest geht zum Bäcker und kauft verschiedene Sauerteig- und Vollkornbrote (ze Germans are here) sowie Kekse und Scones als Wegzehrung. Und nochmal eine halbe Stunde Fahrt, dann sind wir da. Nochmal Sonnencreme nachlegen und auf geht’s. Eine halbe Stunde lang durch den Wald und über die Heide und dann sieht man schon das Meer und den Strand.

Das Teilzeitkind erinnert sich, dass es genau hier vor Jahren einen seiner ersten kanadischen Geocaches gefunden hat und greift gezielt und ohne GPS an die richtige Stelle, um ihn den anderen zu zeigen. Dann geht es weiter bis ans Wasser.

Strand und Wasser sind sehr schön, die Robben weiter hinten mit bloßem Auge zu erkennen (kaum aber durch Kameralinsen). Arschkalt ist das Wasser allerdings auch, trotzdem müssen alle zwischen 6 und 85 einmal rein – mindestens bis zu den Knöcheln. Nur das Nifftenkind – qua Größe – und das Teilzeitkind – qua Teenagerwagemut – schaffen es tiefer.

Wenig später kündigen eisige Winde einen Wetterumschwung an und wir machen uns auf den Rückweg. Der Liebste, das Teilzeitkind und ich machen noch einen Abstecher zum Supermarkt, werden auf dem Weg zum Auto ein bisschen nass, dann treffen wir uns alle wieder im Haus in der Bucht und schauen von innen zu, wie außen die Welt untergeht.

Zum Abendessen gibt es die lokale Sommerspezialität Hodge Podge, für ze Germans noch mit extra Bratwürsten dazu (Honig-Knoblauch bzw. Tomate-Basilikum).

Dann sitzen wir noch ein wenig zusammen und erzählen, bis das Nifftenkind fast auf mir einschläft und von seinen Eltern ins Cottage gefahren wird. Der Rest hält heute bis gegen halb 11 durch.

15.07.2026 – Reisegruppe vollständig

Heute ist es diesig, der Heat Dome weiter westlich und die Waldbrände, ebenfalls westlich aber näher dran, sorgen dafür, dass die Somme am Morgen nicht durchkommt. Wir frühstücken also drinnen. Ansonsten ist aber gerade high tide und fast windstill – perfekte Bedingungen also, um das Kanu der Nachbarn hierher zu überführen. Mein Papa fährt den Liebsten und das Teilzeitkind rüber, das Kanu wird zu Wasser gelassen und die Beiden paddeln es, immer am Ufer entlang, zu uns. Ich wasche in der Zwischenzeit Wäsche und setze mich dann auf einen Felsen und erwarte die Ankunft. Dabei werde ich von Robben beobachtet, die heute ganz schön aktiv sind.

Als das Kanu sicher an Land ist, machen wir uns schnell fertig und fahren los zum Farmer‘s Market und rollen dort zeitgleich mit einem Auto auf den Hof, das aus Richtung Halifax kommt. Darin die Liebstenschwester samt Mutter, Mann und Nifftenkind. Es gibt ein großes Hallo. Dann suchen wir Obst, Gemüse und Eis aus.

Erdbeer-Matcha und Black Raspberry Cheesecake

Nach dem Eis geht’s zurück zu meinen Eltern, erstmal ankommen, Kaffee trinken, Wassermelone und Gebäck einnehmen. Dann fahren der Liebste und ich mit der Schwesterfamilie rüber in deren Zuhause für die nächsten zweieinhalb Wochen, schalten den Strom an, lüften, beziehen Betten usw. Das Nifftenkind und ich setzen uns zwischenzeitlich runter ans Wasser, naschen Blaubeeren und beobachten die Umgebung mit dem Fernglas.

Dann werden wir zwei wieder bei den anderen abgesetzt, während die anderen drei einkaufen fahren. Wir setzen uns zu Teilzeitkind und Großelterngeneration auf die Terrasse. Die Kinder machen Yogaübungen, die Erwachsenen erzählen und gucken aufs Wasser. Zwischendurch ist die Wäsche trocken und kann abgenommen werden.

Als die anderen zurückkommen, brechen wir zu siebt zum Stammstrand auf, den wir dieses Jahr noch gar nicht besucht haben. Es ist windig, wellig und das Wasser hat 15 Grad. Alle gehen nur bis zu den Knien rein, nur dass das beim Nifftenkind quasi schon bis zum Popo ist und das Teilzeitkind sich natürlich todesmutig komplett in die Fluten wirft (nachdem eine Welle es erstmal umgeworfen hatte).

Für das Nifftenkind ist es das erste Mal Ozean, ebenso wie gestern der erste Flug war, die Liebstenmama ist sehr glücklich, die nächsten zwei Wochen in Strandnähe zu verbringen, alle anderen ebenfalls. Wir entsanden uns bestmöglich und fahren dann zurück zu meinen Eltern in die Bucht, wo der Liebste und ich das Abendbrot zubereiten, während der Tisch für Neun gedeckt wird. Es gibt Linguine mit Pesto und wahlweise Lachs mit Limette, Knoblauch-Garnelen, Feta, Tomaten und/oder Sataraš.

Als sie fertig sind, entschwinden erst die Kinder, dann die Elterngeneration und schließlich alle nach draußen – Felsen klettern und Robben beobachten. Das Nifftenkind darf die Lachshaut auf den Opferstein legen, für die Vögel und Tiere des Waldes.

Kurz vor Sonnenaufgang bricht der Bremer Teil der Familie auf ins Cottage, um die Fahrt durch die Wildnis beim ersten Mal alleine noch im halbwegs Hellen anzutreten. Wir anderen fliehen vor den Mücken nach Drinnen und sitzen noch eine gute Stunde zusammen, bis sich nach und nach alle in die Betten verabschieden.

14.07.2026 – Mall Rats

Heute mal ein bisschen kanadischen Alltag leben, so wie er auch fernab vom Meer stattfinden könnte.

Beim morgendlichen Kaffeekochen gesehen, dass jemand die nachreifenden Tomaten draußen vergessen hat und ein anderer jemand (höchstwahrscheinlich Waschbär), das ganz nett von uns fand.

Frühstück dann heute mal drinnen, weil es regnet, danach in Ruhe den morgendlichen Reboot beenden und ein bisschen lesen, während meine Mama und das Teilzeitkind Hummus zubereiten und dann drei Varianten zum Taste Test anbieten.

Kurkuma, Paprika, Petersilie

Bald darauf brechen wir zu dritt ins andere Städtchen auf. Erst geht es in den Baumarkt, ein paar Dinge holen, die es gerade im Sale gibt. Dann fahren wir weiter zur Mall und frequentieren verschiedene Klamottenläden. Ich hatte Hosen auf meinem inneren Einkaufszettel – Kleidung in Nordamerika ist ja vergleichsweise immer so schön günstig – und werde im gleichen Laden, in dem ich auch die letzten Jahre immer war fündig. Am Ende sind es zwei Hosen, ein Rock und zwei Tops, die in meine Tüte wandern. Das Teilzeitkind probiert auch einiges an und bekommt zwei Tops. Währenddessen hat der Liebste sich Socken gekauft und dann bekommen wir im Laden nebenan jede*r noch einen Hoodie. Läuft bei uns.

Um 16 Uhr wollen wir im Pub sitzen und das Halbfinale Spanien-Frankreich gucken. Da wir bis dahin noch ein bisschen Zeit totzuschlagen haben, jagen wir noch eben erfolgreich zwei Geocaches.

Im Pub dann sind wir neben einer anderen Person die einzigen, wie wirklich wegen des Fußballs da sind. Ein paar Stammgäste an der Bar sind wegen des Bieres da und gucken nebenbei Fußball, bleiben aber nicht bis zum Ende. Der Tenor ist: „Viel zu lasch die Profis heutzutage“, weil die Fußballer halt schon sehr leiden für ihre Freistöße und überhaupt wäre sowas Harmloses im Hockey ja noch lange kein Foul! Wir amüsieren uns und freuen uns nebenbei über erstes kanadisches Essengehen in diesem Urlaub.

Einmal Burger-Pommes, zweimal Grilled Reuben mit Poutine
Lokales Bier
Blaumbeeren mit Dumplings und Sahne, hinten frittierte S‘mores

Da Frankreich überraschend schlecht spielt, braucht es keine Verlängerung und wir können gegen 18 Uhr den Pub verlassen und in den Supermarkt fahren. Hier noch eben weitere Einkäufe erledigen und dann geht es zurück nach Hause.

Unser Mall Haul

Wir setzen uns noch ein Weilchen auf die Terrasse, essen Erdbeeren, trinken Bier und gucken aufs Wasser. Es ist Flut und leicht diesig von den Waldbränden weiter westlich. Die Robben sind ausgelassen und kommen relativ nah ans Ufer.

Kurz vor 9 wird es frisch draußen und wir wechseln nach Drinnen, lesen und halten noch bis gegen 22 Uhr aus, bevor wir schon wieder hundemüde ins Bett fallen.

13.07.2026 – Kopf langsam runterfahren

Das zweite Aufwachen im Haus in der Bucht, heute schon etwas später und nach mehr Schlaf. Dafür vergeht der Tag dann auch schneller, Gewöhnung setzt ein, Gedankenkarussell von Zuhause rückt in den Hintergrund.

Wir frühstücken später als gestern, an einem anderen Platz auf der Terrasse. Danach Bloggen mit Meerblick, Französisch, Italienisch. Kurz bevor ich mich dazu durchringe, evtl. die Yogamatte zu benutzen schlägt der Liebste einen Ausflug vor und schon sind wir zu dritt wieder on the road.

Wir fahren die Küste entlang und fachsimpeln über die vielen Geocaches entlang der Strecke und welche wir schon gefunden haben. Obwohl es drei Jahre her ist, dass die beiden hier waren, erinnern sich der Liebste und das Teilzeitkind erstaunlich gut.

Wir kehren im Stammcafé ein, trinken Blaubeerlimonade und essen Cinnamon Bun (Teilzeitkind), Lemon Square (Liebster) und Butter Tart (ich).

Dann geht es an den nächsten Strand, den kennen die zwei noch nicht, weil hier die letzten Male noch Orkanschäden behoben worden, ich war hingegen vor zwei Jahren schon da. Ähnlich wie gestern ist der Strand ziemlich voll, zumindest am Aufgang. Es ist aber auch windiger und das Wasser hat nur 15 Grad, deswegen hält heute nur der Liebste die Füße ins Wasser und das Teilzeitkind hat heute keine Lust zu baden.

Spazieren ist aber auch schön und auf dem Rückweg nehmen wir den Boardwalk durchs Naturschutzgebiet.

Wieder zuhause ist dann der Kuchen schon fertig – mehr Quarktorte, Erdbeerkuchen, Kaffee mit Vanilleeis.

Nach dem Essen geht es wieder los – einmal das Cottage abchecken, in dem die Liebstenschwester, der Liebstenschwager und das Nifftenkind unterkommen werden. Zehn Minuten Fahrt mit dem Auto, gehört zum selben Dorf ist quasi direkte Nachbarschaft.

Alles sieht gut aus, es ist genug Bettzeug für alle da, der Strom geht auch, die Familie kann anreisen!

Nächster Stop sind weitere Nachbarn, von denen wir uns ein Kanu leihen werden, da unseres aktuell nicht fahrtüchtig ist. Der Liebste und das Teilzeitkind werden es überführen, aber nicht heute, heute ist zu viel Gegenwind.

Noch ein kurzer Schnack mit den Nachbarn, dann fahren wir wieder heim und der Liebste und ich stellen uns in die Küche und bereiten aus Hirschhackfleisch von noch einem anderen, jagenden, Nachbarn, eine Bambi-Bolognese zu.

Hinterher lümmeln wir zu fünft im Wohnzimmer rum, verteilt auf verschiedene Sofas und Sessel, und schauen in Bücher oder Endgeräte. Ab und an liest jemand was vor, ansonsten genießen wir die Stille. Ab 22 Uhr tröpfeln wir nacheinander in die Betten, der Jetlag ist immer noch stark in uns…

12.07.2026 – Endlich wieder Kanada

Hallo, Haus in der Bucht! Hallo, Jetlag! Die Nacht ist kurz und vor allem sind diesmal das Teilzeitkind und der Liebste dabei und auch früh wach und dadurch meine Eltern dann auch so und kommt es, dass wir schon zu Hause quasi nachtschlafener Zeit draußen beim Sonntagsfrühstück sitzen, natürlich mit den subtil übers Blog bestellten Schwarzwälder-Kirsch-Cupcakes, außerdem ersten Streifenhörnchen-Sichtungen und viel Vogelgeschnatter und -geplansche.

Um 9 ist das Frühstück schon beendet und alle machen erstmal irgendwas. Ich zum Beispiel bleibe draußen sitzen, beende meinen morgendlichen Reboot und gucke aufs Wasser, das Teilzeitkind nutzt meine letztes Mal gekaufte Yogamatte für Akrobatikübungen.

Dann ein wenig Liegestuhl und Lesen mit dem Liebsten, bis uns die Hummeln im Hintern packen und wir was erleben wollen. Wir schnappen uns das Kindelein und fahren an einen der umliegenden Strände. Am Parkplatz erstmal große Sorge ob der vielen Autos – es ist Sonntag und bestes Wetter – aber am Strand selbst ist die Menschendichte dann gut ertragen…

Wir krempeln die Hosenbeine hoch und laufen ordentlich weit in den Atlantik, ist ja gerade Ebbe. Ebbe am Atlantik ist viel toller als im Wattenmeer. Die Möwen machen ordentlich Rabatz und fangen, zerhacken und fressen Krabben. Das Teilzeitkind geht dann in Badesachen noch viel weiter rein als wir, so kalt ist der Atlantik hier im sonnigen Süden ja auch gar nicht. Dann klettern der Liebste und das Teilzeitkind auf Felsen, weil die sind ja da.

Irgendwann gehen wir dann zurück zum Parkplatz und essen unterwegs noch das erste kanadische Eis. Ich nehme pflichtbewusst die lokale Sorte Moon Mist (Banane, Traube und Kaugummi), die ungefähr so schmeckt wie sie klingt und aussieht, aber eben hier das Ding ist.

Wir fahren weiter ins Städtchen und suchen den ersten kanadischen Geocache. Beim ersten geben wir auf, weil alle möglichen Verstecke mit Hornissennestern versehen sind, der zweite ist am Leuchtturm und dann viel entspannter zu finden.

Nächster Programmpunkt ist der Supermarkt. Wir erledigen weite Teile des elterlichen Einkaufszettels, kaufen ein paar uns-spezifische Ergänzungen und das Teilzeitkind erkundet die Welt der nordamerikanischen Süßigkeiten und darf ausnahmsweise auch ein paar Sachen aus den USA einpacken, weil die in seinem Internet total gehypet sind. Ansonsten kaufen wir natürlich nur Kanadisches, elbows up und so!

Wir setzen das Teilzeitkind mit seinen Snacks draußen hin und gehen dann zusammen in den Liquor Store, in den man erst ab 19 darf. Im Einkaufswagen landen lauter Alkoholika aus Nova Scotia – Bier, Wein, Cider und Gin, denn ab Mittwoch sind wir ja noch vier mehr, da muss man vorsorgen. Die Gummibonbons, die wir auch noch kaufen, kommen nicht aus Nova Scotia, aber immerhin aus Kanada.

Wieder zuhause gibt es Quarktorte, Erdbeeren und mehr Eis, nachdem die Ellis von ihrem eigenen Strandausflug zurück sind, bei dem sie zufällig die Nachbarn getroffen haben und organisiert haben, dass wir uns deren Kanu ausleihen können (unser eigenes ist kaputt).

Jetzt aber erstmal Siesta! Alle sitzen oder liegen irgendwo rum und bis auf Mama schlafen auch alle irgendwann ein. Ich zum Beispiel auf dem Sofa im Wohnzimmer mit dem Meerblick, meinem natürlichen Habitat, wenn ich hier bin. Nach etwa einer Stunde weckt mich eine sanfte Brise, die von draußen durch die screen door hinein weht. Vor der Siesta waren der Liebste und das Teilzeitkind noch voller Tatendrang für den Nachmittag, davon ist jetzt nicht mehr viel übrig und wir setzen das Herumliegen einfach fort, bis es Zeit fürs Abendbrot ist.

Es gibt Bison-Buletten, Reis mit Wildreis, Mais mit Knoblauchbutter, Wachsbohnen und Sprossensalat mit Mango und Honig-Senf-Dressing. Das Teilzeitkind verabschiedet sich noch während wir essen hundemüde ins Bett. Wir anderen halten es noch ein Weilchen aus und lesen. Gegen 22 Uhr geht der Liebste schlafen, gegen halb 11 ich. Die Freuden des Jetlag!

11.07.2026 – Reisetag

Natürlich schlafen Noosa und ich nicht durch, aber diesmal bin ich halt auch einfach aufgeregt und kann ihr auch nicht böse sein, weil ich sie jetzt erstmal knapp drei Wochen alleine lasse. Letztes Aufwachen gegen 5, eine halbe Stunde vorm Weckerklingeln. Ich mache mir Kaffee, lese noch ein bisschen im Bett, telefoniere halb 6 mit dem Liebsten und dann geht es los. Aufstehen, anziehen, letzte Sachen packen, Noosa füttern, Pflanzen gießen, Bett machen, Proviant nicht vergessen, nochmal Katze kuscheln und dann los zur Bahn.

Mit dem schweren Koffer dauert das bisschen länger als sonst, aber ich nehme dann an Start- und Endpunkt der S-Bahn den Fahrstuhl und bleibe zweimal nicht stecken, yay! Dann sitze ich 20 Minuten in der Sonne auf dem Bahnsteig bis der Zug kommt. Einsteigen, Plätze suchen, Internet leer lesen. Wir fahren fast pünktlich los. Zwei Stationen später steigen der Liebste und das Teilzeitkind ein und wir frühstücken Iced Matcha Latte bzw. Eiskaffee, Kirschen, Himbeeren, Laugengebäck, ein Sandwich für den Liebsten, Kekse und Gummibärchen fürs Kind, Cashews und Cranberries für mich… So rollen wir gen Südwesten.

Ich blogge, mache Französisch und Italienisch, lese ein bisschen und unterhalte mich sehr viel mit dem Teilzeitkind. Unter anderem über einen eventuellen City Trip nach Paris, vielleicht im nächsten Jahr. Mit guten 40 Minuten Verspätung kommen wir in Frankfurt an, nehmen dann den nächstbesten Zug zum Flughafen (11 glorreiche Minuten zu dritt in einem Sechserabteil der 1. Klasse), droppen unser baggage off und haben dann noch gute drei Stunden bis zum Boarding. Wir spazieren ein wenig über den Flughafen, reisen dann aus Deutschland aus (das Teilzeitkind ist jetzt alt genug für die elektronische Passkontrolle, wir müssen uns nicht mehr anstellen, yay!), spazieren noch ein bisschen, gehen durch die Security (nix mehr auspacken und auseinandernehmen, einfach alles aufs Band und dann durch den Nacktscanner, ungewohnt aber schön schnell). Der Liebste und das Teilzeitkind müssen dann trotzdem nochmal ihr Handgepäck aufmachen, weil Dinge verdächtig aussahen, es aber gar nicht sind, und dann sind wir quasi schon am Gate. Noch zwei Stunden rumbringen. Wasserflasche auffüllen, Toilette, Duty-Free- und Souvenirshop erkunden, ohne was zu kaufen…

Ein bisschen Zeit vergeht auch, weil schonmal alle zur Pass- und Bordkartenkontrolle gehen sollen und einen Sticker auf den Pass bekommen. Damit gehen wir dann einfach durch, als das Boarding wirklich startet. Rin ins Flugzeug, gemütlich machen, fast pünktlicher Start. Als wenig später Getränke und Essen serviert werden, sind wir alle drei schon in unseren jeweiligen ersten Film vertieft, meiner ist Song Sung Blue, der anders als erwartet, aber so gut wie medial berichtet ist. Die beiden Hauptdarsteller*innen haben ja neulich zusammen bei mir im Bürogebäude gesungen (als ich noch nicht dort gearbeitet habe).

Caserecce mit Paprikasauce, Gurkensalat, Brötchen mit Butter und Weichkäse, Apfelkuchen. Die beiden anderen haben Hühnchen mit Reis und ich bekomme von beiden Seiten Brokkoli und Weichkäse und von einer Seite Gurkensalat angereicht. Bin dann pappsatt und muss mich mit dem Aufessen sputen, bevor abgeräumt wird.

Nach dem Film bin ich ganz schön müde, ich mache mir erst eine Doku über David Bowie an, schlafe dabei aber für eine halbe Stunde ein. Dann wechsle ich erst zu einem Bruce-Springsteen-, dann zu einem Iggy-Pop-Konzert, für jeweils ein paar Lieder. Bis ich mich wieder munter genug für einen Film fühle und dann schaue ich Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, der auch wirklich so gut ist, wie es die Kritiken sagen. Ich muss sehr viel lachen über die Großeltern und kann Parallelen zu Personen meines Umfelds ziehen. Besonders als auf dem Schreibtisch des Großvaters ein Buch liegt, dass der Liebste in der gleichen Ausgabe im Regal stehen hat und auf dessen Autors Knien er schon gesessen hat.

Als der Film zu Ende ist, gibt es eine kleine Margherita-Pizza und für den Liebsten und mich Cola, zur Stärkung für den dritten Teil der Reise. Wir fliegen noch eine knappe Stunde, dabei lasse ich The Devil Wears Prada laufen, der geht immer. Über dem Ozean ist der Himmel fast wolkenleer und wir werden ganz aufgeregt, als wir die Umrisse von Cape Breton sehen und bald darauf über Truro hinweggleiten.

Pünktliche Landung in Halifax, Ortszeit 18 Uhr, in Deutschland jetzt 23 Uhr. Die Einreise geht relativ schnell, die Koffer kommen relativ schnell, beim Mietwagenverleih ist nur eine Person vor uns. 18:45 könnten wir vom Platz rollen, aber der Mietwagen ist noch gar nicht fertig, so schnell waren wir. 19:15 ist es dann aber soweit. Bei strahlendem Sonnenschein geht es auf die letzten anderthalb Stunden Straße. Das Teilzeitkind ist nach gut 20 Minuten eingeschlafen, der Liebste und ich hören Musik, freuen uns, wo wir sind und verfolgen nebenbei im Live-Ticker das Spiel England-Norwegen.

Zehn vor 9 sind wir da, Norwegen ist raus, das Teilzeitkind schläft direkt auf der Couch weiter und wir trinken mit meinen Eltern zum Sonnenuntergang Campari Orange auf der Terrasse, dazu gibt es selbstgemachte Käsestangen mit Knoblauchbutter, immerhin ist Mama ja schon drei Tage vor uns angekommen. 😉

Als die Sonne weg ist, gehen wir rein – es ist so windstill, dass die Mücken sich sehr wohl fühlen. Wir sitzen noch ein wenig zusammen und erzählen, beziehen dann die Betten, das Teilzeitkind zieht ins Bett um und gegen 23 Uhr (4 Uhr in Deutschland), liegen auch wir…

10.07.2026 – Letzter Tag vor Urlaub

Noosa coacht mich weiterhin zum frühen Aufwachen, aber auch heute schlafen wir beide nochmal ein. Dann Wecker, Frühstück auf dem Balkon beim morgendlichen Reboot.

Und dann geht es an den Schreibtisch, letzte Erledigungen, ein letztes Meeting, Abwesenheitsnotiz einrichten, solche Sachen. Nebenbei läuft schon das Urlaubsvorprogramm – Katzenklo runderneuern, Müll wegbringen, Katzenbrunnen reinigen, Packliste überprüfen.

Restemittag

Am Nachmittag treffe ich den Lieblingsnachbarn auf eine Eisrunde, um seinen Geburtstag nachzufeiern. Auf dem Heimweg Proviantkäufe für die Zugfahrt morgen. Teenies brauchen konstanten Zugang zu Nahrung, sonst werden sie schnell ungemütlich!

Bienenstich und Limette-Rosmarin

Zuhause dann endgültiger Abschied von der Arbeit, Dienstlaptop runterfahren, Diensthandy ausschalten. Urlaub!

Ich verschnaufe mich kurz, dann geht es ans Packen, untermalt von den neuen Alben von Jack White und den Stones.

Möglicherweise habe ich zu viele Klamotten dabei, aber so ein großer Koffer verführt halt auch… Während ich mir das Abendbrot warm mache (Reste von gestern, dazu Weinschorle) bespreche ich mit der Mitbewohnerin alles Nötige für meine Abwesenheit.

Zum und nach dem Essen gibt es Fußball (Belgien-Spanien) und danach heißt es straight to bed, denn der Wecker klingelt morgen früh!

09.07.2026 – Der Countdown läuft

Eben Gestern noch einen 3-Tage-Countdown für die Ankunft in der Bucht in die Insta-Story gepostet, heute dann die Frage: „Wann fliegt Ihr?“ schon mit „Übermorgen“ beantwortet. Hui, es wird jetzt wirklich sehr schnell sehr real!

Noosa weckt mich wieder kurz nach 4, diesmal spiele ich ein bisschen mit ihr und dann wird sie wieder müde und ich schaffe es auch, bis zum Weckerklingeln weiter zu schlafen. Dafür dann leicht derangiert während des morgendlichen Reboots. Ich freue mich, bald fast drei Wochen ohne Katze im Bett zu schlafen, dann haben auch meine vielen Kratzwunden (Ich verstehe einfach nicht, wie lieb sie mich hat!) Zeit, mal abzuheilen. Vermissen werde ich die kleine Flauschmaus natürlich trotzdem.

Espresso Tonic, Porridge mit TK-Beeren und Ahornsirup

Frühstück auf dem Balkon, Arbeiten dann heute mal auf der Couch, da ich keinen zweiten Bildschirm, aber Gemütlichkeit brauche. Nebenbei stöbere ich im Project Gutenberg und lade mir weiteren (gemeinfreien) Lesestoff auf den eBook-Reader. Seit ich nicht mehr mit dem Amazon-Produkt unterwegs bin, sind diese Dinge deutlich einfacher geworden.

Für einen Call wechsle ich dann doch nochmal an den Schreibtisch, alles für den professionellen Auftritt! Danach mache ich mir aus Mu-Err-Pilzen, TK-Bohnen und Reis ein feines Fresschen, bevor es noch ein Webinar zum Abschluss gibt.

Seit dem Nachmittag trudeln übrigens sonnige Fotos aus der Bucht ein, die Ellis sind wach, angekommen und waren schon beim Stammbäcker und haben Scones gekauft. Könnte jetzt gut die Uhr noch ein bisschen vordrehen und platziere hier jetzt mal subtil den Wunsch nach Schwarzwälder-Kirsch-Muffins vom Farmstand zum Frühstück am Sonntag, mal gucken, ob das klappt…

Zum Feierabend lege ich mich dann erstmal kurz in die Badewanne und schaue dann frisch duftend Am I OK?, den mir der Indiejunge empfohlen hat und den man wirklich sehr gut gucken kann. Zwischendurch Telefonate mit dem Liebsten und dem Bruder und dann ab 22 Uhr Fußball. Frankreich gegen Marokko und obwohl ich erst für Marokko bin, gewinnt Frankreich dann doch verdient und gnädigerweise in der regulären Spielzeit. Ab ins Bett!