Heute trotz Dienstag kein Büro, denn es hat sich nach langem Warten ein Handwerker angekündigt, der „zwischen 12 und 18 Uhr“ kommen soll. Dafür verpasse ich wohl oder übel das Bürofrühstück und die Mittagsrunde mit den lieben Kolleg*innen. Der Vorteil aber ist, dass ich, als Noosa mich wieder zwischen kurz nach 4 und kurz nach 6 wachhält, einfach den Wecker auf eine Stunde später stellen und mich nochmal umdrehen. Das macht dann, dass ich einigermaßen frisch und erholt aufstehe und mich mit Marmeladenbrot und Matcha Latte an den Schreibtisch setze – zu eisheilig für das Balkon-Office heute!
Ich habe einen Call mit einem Berliner Kollegen, dann einen Call mit Frankfurt. Schon bevor der zu Ende ist (und weit vor 12) klingelt der Handwerker, weil ihm andere Terme ausgefallen sind. Ich vertröste ihn auf gleich, beende in Ruhe meinen Call und dann werden die Fenster der Wohnung inspiziert, dokumentiert und zum wiederholten Male ein Angebot an die Hausverwaltung gestellt. Der Handwerker meint aber direkt, dass er nicht davon ausgeht, dass der Auftrag auch wirklich erteilt wird. Der Vorteil, bei der größten Wohnungsgesellschaft des Landes zu wohnen ist, dass man nicht in Gefahr lebt, kurzfristig seine Wohnung zu verlieren. Und dass die Miete eh so hoch ist, dass sie nicht plötzlich gesteigert wird. Der Nachteil – alles andere.
Als der Handwerker weg ist, besprechen sich die Mitbewohnerin und ich kurz über das weitere Vorgehen bezüglich Fenster, Lüften und Noosa-Versorgung, dann geht es zurück an den Schreibtisch und zur Nachbereitung der Morgencalls.
Dann knurrt der Magen, ich esse erst die Bratkartoffelreste von gestern und gehe dann einkaufen – Obst, Gemüse, Quark, Hafermilch… Wieder zurück ein Snack aus Mispeln und Schokolade und dann fleißig weiter ans Werk.


Noosa kommt den ganzen Arbeitstag über immer wieder vorbei, will über den Tisch laufen, auf meinem Schoß sitzen oder mit mir spielen. Erst am späten Nachmittag holt sie die Tiefschlafphase nach, die ich für sie morgens zwischen 4 und 6 bräuchte.
Nach Feierabend breche ich nicht zum Sportkurs auf, nach den letzten schlafarmen Nächten habe ich den heute Morgen zwischen 4 und 6 spontan abgesagt. Stattdessen habe ich Zeit zu kochen und bereite aus Resten der letzten Gemüsekiste und heute frisch gekauftem eine Art Borschtsch zu, mit roten Zwiebeln, Knoblauch, Porree, Karotten, Weißkohl, roter Bete, roter Paprika, Tomate, Tomatenmark, Sellerieblättern statt Lorbeerblatt, viel Dill, Gemüsebrühe statt Rindleisch… Dazu Smetana.

Es ist sehr rot und sehr lecker und dann auch noch sehr viel übrig. Mal sehen, ob die Mitbewohnerin sich beteiligt oder ob es zu weit entfernt vom Original ist.
Dann lese ich Pfefferminzhimmel von Alfred Roesler-Kleint zu Ende. Sogar die fiktive Katze in dem Buch kenne ich noch, als sie stirbt, verdrücke ich aus Gründen eine Träne. Auch, wenn man keinen persönlichen Bezug zu Autor und Plot hat, kann ich dieses Buch allen empfehlen, die in den 80ern nicht Teil der Ostberliner Kulturszene waren, sich aber dafür interessieren, wie das Leben zu dieser Zeit und dann um und nach der Wende dort war, abseits der üblichen Klischees. Wer ein bisschen Bezug zum Thema hat, hat bestimmt auch Spaß daran, die verschiedenen Figuren zu entschlüsseln und mit realen Vorbildern übereinzubringen und sich zu überlegen, ob bestimmte Begegnungen wirklich so stattgefunden haben.
Nebenbei läuft ab 21 Uhr das erste Halbfinale des ESC, aber das Buch ist dann doch spannender und so gehe ich gegen 23 Uhr ins Bett, ohne das Ende der Abstimmung abzuwarten.



























