25.07.2026 – Inselleben

Nach etwas unruhiger Nacht wegen lautem Motel (Klimaanlagen, Toilettenspülungen, Zimmernachbarn) bin ich ziemlich früh wach und erledige schon den Großteil des morgendlichen Reboots, bevor der Liebste aufwacht und uns unseren Morgenkaffee nebenan bei Tim Hortons holt. Damit gibt es dann noch Kuscheln im Bett und Rätseln, bis auch alle anderen wach sind. Wir bereiten uns auf einen langen Ausflugstag vor, spielen mit den Motelkatzen, füllen an der Tanke nebenan noch unsere Wasser- und Taschentuchvorräte auf und fahren dann ein paar Minuten zum von mir ausgesuchten, supermausigen Frühstückscafé.

Dort gibt es jede Menge Sachen zu entdecken und eine wirklich unterhaltsame Bedienung („My name is Hannah Banana, we have two Hannahs, sooo…“) und eine Speisekarte, die für lange Überlegungen sorgt.

Ich entscheide mich schließlich für einen Chai Latte mit Honig und Ingwer und das „Cabot Park Karen“, weil ich den Namen so witzig finde. Dazu altmodische, für die Gegend traditionelle Baked Beans. Sehr lecker!

Wir sind alle högscht angetan und planen schon einen zweiten Besuch morgen, bis uns auffällt, dass der nicht in unseren engen Zeitplan passen wird. Schade!

Wir bezahlen und fahren weiter zum Anne of Green Gables Museum, in dem Haus in dem die Autorin Lucy Maud Montgomery die meiste Zeit ihrer Jugend verbracht hat und das bis heute von Teilen ihrer Familie geleitet wird. Es gibt eine Führung durchs Haus, einen geführten Weg durch den Wald und die Möglichkeit, mit echten Verwandten zu sprechen und sich von ihnen Bücher signieren zu lassen – ein bisschen cringe. Ich schaue mir nur fleißig alles an und kaufe mir dann ein Kochbuch mit angeblichen Originalrezepten aus Tante Mauds Küche, ohne Autogramm.

Dann geht es weiter zur offiziellen Green Gables Heritage Site. Erst fahren wir aber an Lucy Mauds Montgomerys Geburtshaus vorbei, vor dem gerade mindestens ein Reisebus japanischer Tourist*innen parkt und Fotos macht. Wir hingegen bleiben nicht stehen und sind dann etwas überwältigt von dem gewaltigen Visitor Centre, das die kanadische Regierung da vor das historische Green Gables gestellt hat. Da wir ja alle immer noch #CanadaStrong sind, ist der Eintritt hier aber immerhin frei. Drinnen gibt es Infos zu Montgomerys Leben und der Geschichte von Prince Edward Island zu der Zeit.

Mein Gehirn explodiert ein bisschen, als es eine Familie Mennoniten/Hutterer/Amische (?) sieht, deren Vater sich per Audioguide informiert und deren Töchter (?) allesamt mit Stanley Cups und Smartphones ausgestattet sind. Ansonsten sind sie optisch gar nicht so leicht von den verkleideten Angestellten zu unterscheiden, die draußen im Garten als Charaktere aus Anne of Green Gables ein Picknick machen, Hufeisen werfen, sich in altertümlicher Sprache mit den Besucher*innen unterhalten und für Fotos posieren. Die sind ziemlich witzig!

Richtig schön ist dann Green Gables selbst, samt Garten. Auch hier darf man einmal durchs Haus spazieren, das das literarische Vorbild für die Bücher war (das Museum, in dem wir vorher waren war immerhin das Vorbild für New Moon). Wir spazieren noch ein wenig die Lovers Lane hinab und fliehen dann bald wieder ins kühle Visitor Centre, wo sich das Nifftenkind fleißig mit Lego beschäftigt.

Als alle ihre Besichtigungen abgeschlossen haben, fahren wir weiter zum North Rustico Beach, nicht dem schönsten der Insel, aber einem, der auf dem Weg liegt und dank der Lage am Golf nochmal deutlich wärmer ist als alle bisherigen. Diesmal gehen das Teilzeitkind, die Liebstenschwester und der Liebstenschwager richtig tief rein und schwimmen. Wir anderen sind etwas weniger gut vorbereitet, waten aber immerhin lange am Ufer hin und her und bauen Kleckerburgen mit dem Nifftenkind.

Als alle genug haben, getrocknet und entstandet sind, fahren wir mit Anne auf Green Gables auf den Ohren weiter in die Provinzhauptstadt Charlottetown, in der vor 150 Jahren und 24 Tagen Kanada gegründet wurde. Im Hafen ergattern wir einen Tisch in einem Restaurant und essen moderne Interpretationen lokaler Küche. Für mich gibt es Patatas Bravas aus P.E.I.-Kartoffeln und ein Thubfisch-Ceviche mit Mango und Ananas – leider gab es vor Ort nicht die online beworbenen Austern, die auch sehr typisch für die Insel sind.

Als wir fertig sind gucke ich kurz aufs Handy und sehe die schrecklichen Nachrichten vom Berliner CSD. Im Laufe des Abends schaue ich immer wieder nach Neuigkeiten, sage auch dem Liebsten und seiner Schwester Bescheid. Später erzählen wir es noch dem Teilzeitkind, damit es nicht unvorbereitet mit den Nachrichten konfrontiert wird, wenn es nachher im Motel-WLAN zum Handy greift. Ansonsten thematisieren wir das Ganze nicht groß, schlechte Nachrichten verbreiten sich noch früh genug. Immerhin lese ich am nächsten Morgen einige Statusmeldungen von Besucher*innen, die ich kenne und denen nichts passiert ist.

Die Reisegruppe jedenfalls hat heute noch einen Programmpunkt offen: Den Nachtisch gibt’s in der Stammfiliale von Cows, DEM legendären Eisladen in den Maritimes! Vorher holen wir uns nebenan bei Anne of Green Gables Chocolates noch ein paar Leckereien (Kartoffelchips mit Vollmilchschokolade überzogen!!), dann geht es durch die Merch-Abteilung von Cows. Der Liebste und ich greifen wieder Klamotten ab, das Teilzeitkind einen Squishie und Mitbringsel für seine Geschwister. Erst dann geht es in die Schlange fürs Eis, ich entscheide mich heute für ein Erdbeersorbet aus lokalen Beeren.

Nach dem Eis fahren wir zurück nach Summerside und ins Motel, sitzen dann wieder bei Bier und Wein draußen auf der Terrasse zusammen, während das Nifftenkind den Spielplatz unsicher macht und gehen dann früh schlafen, als die Mücken überhand nehmen. Was für ein Tag!

24.07.2026 – Auf die Straße und hoch hinaus

Nach frühzeitig beendeter Nacht und also wenig Schlaf ist heute dann also wieder Roadtrip-Zeit, nicht aber vor dem Frühstück. Kurz nach 10 sind wir auf der Straße und sausen mit Musik den Highway entlang nach grob Norden. Irgendwann habe ich den Liebsten und das Teilzeitkind soweit, dass ich das „Anne of Green Gables“-Hörspiel anmachen darf, dass ich heute Nacht heruntergeladen habe. Die Beiden hören mich und die Liebstenschwester zwar schon seit Monaten über Anne reden und das Teilzeitkind hat nicht eine, sondern zwei Ausgaben bereits als Buch geschenkt bekommen (eine auf Deutsch und eine zweisprachig Deutsch-Englisch), aber Beide haben sich bisher nicht mit dem Stoff beschäftigt und der Liebste hat auch meine regelmäßigen Hinweise auf „Anne with an E“ auf Netflix bisher ignoriert.

Aber besser spät als nie, beide haben sehr viel Spaß mit dem Hörspiel, es wird ordentlich gelacht und möglicherweise haben die Zwei jetzt mehr davon, wenn wir sie morgen durch all die Anne-Sehenswürdigkeiten schleppen.

Ansonsten wird die Fahrt nur durch zwei Toilettenstopps (mit Kaffee/Donuts/Softdrinks natürlich) unterbrochen und führt uns von Nova Scotia wieder nach New Brunswick und dann über die Brücke (deutlich länger als die Öresund-Brücke, wir haben das überprüft) nach Prince Edward Island – neue Provinz unlocked!

Danach fahren wir durch einen bunt besiedelten Kartoffelacker mit roter Erde, während uns Anne weiter von der Schönheit der Insel vorschwärmt, bis zu einem Kletterpark. Hier soll die Kletterpremiere des Nifftenkinds stattfinden, weil ausnahmsweise schon Sechsjährige klettern dürfen. Das Teilzeitkind klettert zur seelisch-moralischen Unterstützung mit und erklärt geduldig, feuert an und ist insgesamt ganz wunderbar. Das Nifftenkind hat den Dreh nach wenigen Minuten raus und klettert bald wie ein Profi. Hachz.

So vergehen gute anderthalb Stunden und danach fahren wir nochmal eine Dreiviertelstunde bis zu unserem heutigen Motel. Wir kommen gerade rechtzeitig an, um mit etwas Beeilung noch einchecken und zum letzten seating um 19:45 im Grillrestaurant schräg gegenüber aufzuschlagen. Viel länger hat hier kaum was auf, aber es geht auch die räumliche Nähe: So können die beiden Fahrer erstmals in diesem Urlaub zum Abendbrot beide ein Bier trinken.

Für mich gibt es ein Fried Clam Dinner mit Tartar Sauce, Coleslaw und zwei frei wählbaren Beilagen. Ich entscheide mich für Garlic Mashed Potatoes und saisonales Gemüse. Den Caesar trinke ich heute ohne Alkohol, schmeckt aber auch sehr gut. Dieser hat noch „Dill Juice“, also Gurkenwasser aus dem Glas als weitere Zutat dabei. Das Teilzeitkind darf probieren und findet es supereklig. Hihi.

Beim Bezahlen werden wir gefragt, wo wir übernachten und bekommen dann eine interessante Ermahnung, gut auf uns acht zu geben. In einem Teil des Motels, in dem wir schlafen, würden sich merkwürdige Gestalten befinden und sie wäre überrascht, dass die dort überhaupt Buchungen von Tourist*innen annehmen. Wir sind gespannt. Tatsächlich sehen wir bei unserer Ankunft dann, dass sich an unseren Zimmerkomplex und einen Bereich mit Ferienhütten ein weiterer Zimmerkomplex anschließt, vor dem viele einzelne Männer sitzen – mutmaßlich Handwerker auf Montage, Trucker oder Leute, denen das Leben übel mitgespielt hat und die deswegen eine temporäre Bleibe suchen. Wirken aber harmlos.

Wir hingegen machen etwas für kanadische Verhältnisse total merkwürdiges, gießen uns vom mitgebrachten Wein in unsere Zahnputzbecher und setzen uns raus auf die Veranda, während die Kinder über das nigelnagelneue Klettergerüst turnen. Gegen 10 wird es dann langsam dunkel und weil es eh nichts mehr zu tun gibt, verschwinden alle Sieben schnell in ihren Betten.

23.07.2026 – Halb und Halb

Der Tag beginnt mit Regen und weiter ordentlich Erkältungssymptomen, deswegen lege ich mich nach dem Frühstück erstmal weiter ins Bett und lese.

Irgendwann am späten Mittag klart es dann auf, sowohl draußen als auch in meinem Kopf, und ich dusche und setze mich zu den anderen ins Wohnzimmer. Bevor meine Eltern mit den Muffins vom Einkaufen zurückkommen, decken das Nifftenkind und ich den Tisch und dann gibt es drei Sorten Muffins (Schoko-Banane, Cranberry-Zitrone und Blaubeere) und Blaubeer-Danishes – das Foto habe ich schon wieder vergessen.

Dann wird es aber endlich sonnig draußen und wir fahren an den Strand. Die anderen spazieren den Strand entlang, Kneippen in den Wellen, spielen mit Strandspielzeug oder bauen Sandburgen, während ich einfach nur da stehe oder sitze, versuche, die ganze Bande im Auge zu behalten und nebenbei tief die Meeresluft einatme und Meerblick tanke.

Zum Abendbrot geht es in ein Restaurant in der Nähe. Ich entscheide mich wieder für einen Caesar, außerdem eine Seafood Chowder und Muscheln in Weißwein mit Knoblauch, zum Nachtisch Blaubeer-Pfirsich-Crumble. Nachdem ich seit Jahren keine Gelegenheit hatte, das Restaurant auszuprobieren bin ich jetzt ein klein wenig unterwältigt von zu viel Sahne in der Chowder und einigen sich nicht geöffnet habenden Muscheln, die auf meinem Teller gelandet sind. Aber Getränk und Dessert sind sehr gut!

Nach dem Essen fahren wir wieder nach Hause und kommen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang an.

Dann sitzen wir noch bei einem Getränk zusammen und planen den morgen beginnenden Roadtrip, bevor wieder alle nach und nach in die Betten tröpfeln.

22.07.2026 – Endlich Faultag

Heute ist endlich mal Nichtstun angesagt. Das hätten wir eigentlich schon nach Roadtrip 1 brauchen können, dann war aber das Wetter zu gut, so dass wir Roadtrip 2 direkt anschließen mussten, jetzt regnet es aber erstmal zwei Tage, bevor wir zu Roadtrip 3 aufbrechen, zum Glück!

Die Liebstenschwester, der Liebste und ich haben allesamt Erkältungen in verschiedenen Phasen auszukurieren, auch der Rest freut sich über möglichst wenige To Dos. Die Waschmaschine dreht sich fleißig, der Liebstenschwager fährt einmal in den Baumarkt, der Liebste einmal in den Supermarkt, ansonsten ist alles ganz heimelig.

Zwischenzeitlich wird es sogar so frisch, dass wir verantworten können, den Kamin anzumachen, ein großer Gemütlichkeitsgewinn!

Ich komme zum zweiten Mal in diesem Urlaub zum Roman lesen und gedenke, das auch morgen fortzusetzen. Zwischenzeitlich wird auch mal geschlafen und gegessen – nachmittags gibt es Kuchen und Wassermelone, abends Hühnereintopf mit Kartoffeln und Karotten. Ich vergesse, zu fotografieren, das muss an dem ganzen Schleim in meinem Kopf liegen. Achja, viel Tee gibt es auch, mit Ingwer und mit frischem Thymian aus dem Garten.

Die Kinder bauen Lego und toben sich in einer Regenpause draußen aus, ansonsten passiert wirklich rein garnichts und hach ist das schön!

21.07.2026 – Abenteuer im Westen

Also im Westen von Nova Scotia, was gesamtkanadisch betrachtet natürlich immer noch ganz im Osten und ganz im Süden ist. Nach Osten geht auch unser Hotelzimmer, so dass der Liebste leider die Vorhänge nicht ganz aufziehen kann, als er uns Kaffee kocht, weil ihn sonst die Sonne blendet. Gegen 9 dann machen wir uns auf den Weg zum Frühstück, wobei es einen dicken Pullover für den klimatisierten Frühstücksraum braucht, während es draußen im T-Shirt fast zu warm ist. So ist das im Süden halt.

Pancakes mit Würstchen und Obst, Tee mit Milch, Beerensmoothie

Nach dem Frühstück packen wir zusammen, checken aus und fahren hinaus auf eine Landzunge, um der Familie das Freiluftmuseum zu zeigen, das wir drei noch von unserem Besuch von vier Jahren kennen. Es ist der fast 100jährige Nachbau einer mehr als 400 Jahre alten habitation französischer Siedler, die hier einigermaßen friedlich hausten und mit den Mi‘kmaq Handel und freundschaftliche Beziehungen pflegten. Nach wenigen Jahren wurde die Siedlung aber dann im Krieg gegen englische Truppen zerstört.

Vor dem dem Museum finden wir erfolgreich einen Geocache, im Museum haben die Kinder wieder ein Suchspiel zu erfüllen. Der Eintritt ist übrigens diesen Sommer frei, weil zur Förderung der kanadischen Wirtschaft (Danke, Donald!) das inländische Reisen für die Bevölkerung attraktiver gemacht werden soll und daher viele Attraktionen, die auf föderaler Ebene verwaltet werden, kostenlos sind – auch für Tourist*innen.

Nach dem Museum fahren wir ins nahe gelegene Annapolis Royal und sind bereit für eine Stärkung in der sächsischen Bäckerei (Ich bloggte schon vor zwei Jahren darüber). Es gibt deutsches Gebäck, echten Eiskaffee und verbrüdernde Witze über amerikanischen Iced Coffee von der Bedienung.

Echter Eiskaffee, aber im kanadischen Bierglas

Danach teilen wir uns ein wenig auf – der Liebste geht mit Mama und Schwager das Fort besichtigen, ich gehe mit der Liebstenschwester und den Kindern die lokalen Geschäfte besichtigen, wir kaufen ein paar Andenken, bekommen ein Wasser geschenkt und kaufen uns ein Eis. Überraschend spricht auch die Eisverkäuferin Deutsch, sie hat vor 50 Jahren ein Austauschjahr im Schwarzwald verbracht.

Dann schnappen wir uns die Liebstenmama, lassen die beiden Herren auf einer Parkbank sitzen und besichtigen die Historschen (quasi botanischen) Gärten, der wirklich bezaubernd ist und den ich auch bisher nicht kenne.

Akadisches Haus im Historischen Garten

Die Kinder arbeiten eine Liste zu findender Feenhäuschen ab, die Erwachsenen freuen sich über Kühle, Grün und Rosenduft. Dann nochmal Andenken – ich finde leider den ganzen Tag keine Ansichtskarte vom Fort Anne und muss am Abend dann eine elektronische Postkarte an meine Freundin Anne schicken. Dann fahren wir alle zusammen wieder los, einmal quer über die Halbinsel zurück in den Osten (höhö), mit Zwischenstopp an einem Geocache (eine Anwohnerin gibt uns den entscheidenden Tipp) und dem Liquor Store.

Zuhause erwarten uns meine Eltern in der Küche, die erste Pizza wird gerade belegt, insgesamt werden es fünf, so dass alle mehr als satt werden.

In guter alter Tradition werden dann direkt noch die nächsten Abenteuer (aka der nächste Road Trip) geplant, dazu gibt es Wein, Bier oder Gin Tonic. Nach und nach verabschieden sich alle in die Betten, ich ziehe meine Erkältung noch eben durch die Badewanne und dann ist kurz nach 23 Uhr mal wieder Schicht im Schacht.

20.07.2026 – Buckelfest / Humpback Day

Heute ist Urlaubsbergfest, zumindest für die Reisegruppe Berlin, wir überqueren den Buckel des Urlaubs. Auf Englisch ist die Mitte der Woche der Hump Day. Ein guter Tag, uns nach Buckelwalen/Humpback Whales umzusehen, oder?

Nach dem Frühstück packen wir unseren Kram zusammen und fahren einmal quer durchs Landesinnere der Halbinsel an die andere Küste. Dort Mittagsstopp und Proviantfassen bei Tim Hortons. Der Liebste besorgt auch noch Bier und Snacks für uns und ein Sandwich für die Liebstenmama.

Wir checken in unserem Hotel ein, stellen sicher, dass die Liebstenmama einen gemütlichen Platz zum Lesen hat und dann fährt die U51-Generation weiter auf die Inseln.

Eine Fährfahrt, einmal Tickets abholen, warm anziehen, ein Stündchen warten (und dabei einen Weißkopfseeadler beobachten) und schon sind wir auf unserem Whalewatching-Boot, gemeinsam mit Schiffshund Hank.

Während wir raus in die Bucht fahren, wackelt es ordentlich, einige von uns haben mit Übelkeit zu kämpfen, es bleibt aber alles drin. Als das Nifftenkind erstmal gecheckt hat, wie gut so ein Blick auf den Horizont tut, ist es sehr angetan vom Bootfahren – mehr als einige der Anderen.

Dann das erste Highlight: Delfine begleiten unser Boot – mit bloßem Auge viel beeindruckender, als es die Handykamera vermuten lässt.

Das zweite Highlight sind dann aber wirklich Buckelwale, auch hier wieder: Die Handykamera wird dem Ganzen nicht gerecht und ich bin eh nicht schnell genug.

Da war er grad gesprungen…
Tail! Tail! Tail!

Wir lernen nebenbei viele Buckelwalfakten und haben auch einiges zu lachen. Dann sind die nächsten Boote dran und wir machen uns auf den langen Weg zurück, begegnen auch nochmal den Delfinen…

Nach drei Stunden stehen wir wieder auf wackeligen Beinen an Land, fahren zurück zur Fähre und dann zurück ins Hotel. Die Liebstenmama sitzt mit ihrem Neufundland-Krimi zufrieden in der Lobby, nachdem es draußen am Wasser zu kühl und dunkel wurde.

Es gibt noch Bier oder Cider vor der Tür, dann werden die Mücken zu nervig und ich gehe ins Bett.

19.07.2026 – Sidequest retour

Was haben wir gut geschlafen in unseren luxuriösen Hotelbetten, und so warm und trocken auch! Dafür sind wir dann recht früh recht ausgeschlafen und können schon gegen 9 nach unten zum Frühstück gehen. Das ist… mittel. Ein bisschen Jugendherbergenatmosphäre, aber liebloser und mit weniger Platz. Mit ein bisschen Glück ergattern wir den letzten Platz und können uns dem Buffet widmen, für das es auch einige Skills braucht, um sich ein schmackhaftes Frühstück zusammenzustellen. Die habe ich natürlich…

Der Liebste und das Teilzeitkind fühlen sich weit weniger wohl als ich und finden auch weniger leckeres vor, „Gefängnisatmosphäre“ und „faschistische Fernsehbeiträge“ werden verlautbart, tatsächlich läuft eine Doku über Grenzkriminalität, die eindeutig rassistisch erzählt wird.

Also schnell wieder nach oben, Sachen packen und dann auschecken. Bei strahlendem Sonnenschein (dieser Hohn!) verlassen wir Fredericton und fahren zur Bay of Fundy, um dem Ausflug noch ein touristisches Highlight anzufügen. Bei den Hopewell Rocks war ich einmal vor 30 und zuletzt vor 13 Jahren, die beiden Anderen haben ähnliches bei Burntcoat Head in Nova Scotia gesehen, aber das ist auch schon vier Jahre her. Also nochmal auf dem Meeresboden herumspazieren, bevor später 15 Meter hoch die Tide hereinkommt!

Danach beschließen wir, weitere Zwischenstopps auszulassen, um rechtzeitig zum Familienabendbrot wieder zu Hause zu sein. Also Känguru an und rauf auf die Straße – natürlich doch mit Stopps, nämlich bei Tim Hortons (Chicken Cilantro Lime Wrap, Boston Cream Donut, Strawberry Watermelon Quencher, Timbits) und später noch bei insgesamt sechs Geocaches, die wir heute alle finden. Juhu!

Gegen 19 Uhr, kurz vor Ende des WM-Finales, sind wir dann zurück im Haus in der Bucht. Die Wetterzentrale (meine Mama) weist an, dass morgen der richtige Tag fürs Whale Watching ist, also buchen wir schnell noch eine Tour, bevor wir uns an den Esstisch setzen und verwerfen resignierend unsere Pläne von einem Chilltag morgen. Dann gibt es Schellfisch (haddock) mit Kartoffeln, Möhren, Zucchini und Ei für die, denen etwas davon nicht schmeckt.

Hinterher sitzen wir noch zusammen, buchen eine Übernachtung für nach dem Whale Watching und gehen dann angesichts des ganzen Road-Trip-Stresses früh schlafen. Um 22 Uhr liege ich in den Federn.

18.07.2026 – Ein Sidequest, zwei DJs, drei Tim Hortons und jede Menge Wasser

Der heutige Tag beginnt mal etwas anders, wir beeilen uns nämlich am Morgen, frühstücken schon um 9 und steigen schon um 10 ins Auto und fahren los. Der Liebste, das Teilzeitkind und ich haben einen Sidequest in einer anderen Provinz! Also ganz traditionell im Auto, vor uns die Straße, hinter uns ein Teilzeitkind, das sich durch den mitgebrachten Proviant knuspert und um uns herum das Känguru, das die Rebellion plant.

Nach zwei Stunden gibt es einen ersten Toilettenstopp bei Tim Hortons, allerdings ist die Schlange für Essen und Getränke so lang, dass sie lieber weiter fahren. Nochmal anderthalb Stunden später dann pausieren wir wirklich und kaufen uns Kaffee, Quenchers, Sandwiches (Crispy Chicken, Turkey Club, BLT) und natürlich Timbits.

Dann geht es über die „Grenze“ hinüber nach New Brunswick und der Unterschied ist deutlich: Die Provinz hat zwei Amtssprachen und das sieht man auf jedem einzelnen Schild. In Nova Scotia steht das Französische vor allem auf Lebensmittelpackungen und eben in den akadischen Gebieten, ansonsten gibt es eher mal Mi‘kmaq-Beschilderung. In New Brunswick ist alles konsequent auf Englisch und Französisch, Mi‘kmaq sieht man aber auch ab und zu. Außerdem rollen wir jetzt durch flaches Farmland, mit Laub- statt Nadel- oder Mischwald und kaum Felsen links und rechts des Highways. Der Liebste, der zum ersten Mal hier ist, ist etwas unterwältigt – sieht ja aus wie in Ostwestfalen – und ich muss ihm versichern, dass die Provinz auch schönere Ecken hat.

Gegen 16 Uhr kommen wir in der Hauptstadt Fredericton an und checken in unserem Hotel ein – drei Queensize-Betten auf zwei Räume verteilt, wir sehen einer luxuriösen Nacht entgegen. Erstmal geht es allerdings mit dem Taxi ins Zentrum. Wir sehen uns ein bisschen um, jagen erfolgreich (puh!) einen Geocache und kehren dann zur Freude des Teilzeitkinds in einem sehr leckeren Ramen-Restaurant ein.

Draußen beginnt es jetzt zu regnen, was ein bisschen ungünstig ist, weil wir wegen eines Open-Air-Konzerts hier sind. Der Liebste ist ein großer Fan des indigenen DJ-Kollektivs The Halluci Nation, bekannt unter anderem vom Soundtrack von Killers of the Flower Moon oder von Auftritten in Stadien bei großen Sportevents. Heute spielen die zwischen zwei Hallen-Gigs ein kleines Set umsonst und draußen und wir sind dabei, mit knapp 100 anderen, von denen die überwiegende Mehrzahl First Nations sind.

Wir kommen etwas später als zum angekündigten Beginn um 18 Uhr an, da fängt gerade eine Support-DJ ein Set an, das sehr fluffig klingt und die Menschen gut unterhält. Es folgt ein weiterer DJ kurz nach 19 Uhr, den wir quasi schon als Wegbereiter des Hauptacts wahrnehmen, während wir immer nasser und frösteliger werden. Tatsächlich ist dann aber nochmal 20 Minuten Stille, bevor Halluci Nation kurz vor halb 9 wirklich die Bühne betreten, auch erstmal langsam starten und dann aber zu voller Form auflaufen. Es ist aber nass und kalt und so hat der Genuss es etwas schwer, bei uns anzukommen – wir drängen uns unter einem Schirm und gehen nur ab und zu vor die Bühne, um ein wenig Stimmung einzufangen.

Irgendwann machen das Teilzeitkind und ich einen Sidequest-Sidequest und holen einen Block weiter bei Tim Hortons drei riesige heiße Schokoladen, danach ist alles besser.

Zum Glück sind wir rechtzeitig zurück, um die großen Hits mitzubekommen und spätestens jetzt hat sich das alles gelohnt.

Das letzte Stück ist dann ein Remix eines Songs von Northern Cree (Der Liebste kennt sie Setlist quasi auswendig), bei dem zu einem Round Dance eingeladen wird, dem sich trotz Regens fast alle enthusiastisch anschließen. Wir halten uns vornehm zurück.

Und dann ist das Konzert vorbei, wir rufen uns ein Taxi, fachsimpeln mit dem Fahrer über Musik und Hauptstädte und sind dann gegen 22 Uhr wieder im Hotel – Sachen trocknen, heiß duschen oder baden und dann geht es in die luxuriösen Betten. Guter Tag, insgesamt!

17.07.2026 – Leben am Wasser

Heute wieder gemütlicher Morgen, bis irgendwann der Rest der Reisegruppe auftaucht, dann hektisches Herumwuseln und gegen 13:00 sind wir unterwegs und machen Touristisches. Es geht die Lighthouse Route entlang nach Nord(ost)en, mit einem ersten Zwischenstopp am Stammcafé. Heute bestelle ich mir dort einen London Fog auf Eis („lokale“ Spezialität aus Vancouver) und einen Lemon Poppyseed Scone, den ich aber dann gegen den Lemon Bar des Nifftenkinds eintausche, dem seine Auswahl nicht mundet. Ich finde zum Glück alles lecker.

Dann nehmen wir die kostenlose Kabelfähre über den Fluss und betreten damit für alle außer mich neues Terrain. Ich war auch seit 2013 nicht mehr in dieser Gegend.

Wir fahren weiter bis zum Strandfriedhof, wo die einen besonders vom Strand und dem Steineflitschen, die anderen vom Friedhof selbst begeistert sind. Ein lohnender Stopp in jedem Fall!

Die Fahrt geht dann weiter nach Lunenburg. Heute ist weder die Blue Nose im Hafen, noch sind Kreuzfahrtschiffe da, die Stadt ist also nicht so überfüllt wie sonst und wir finden für beide Autos gut einen Parkplatz. Als erstes geht es ins Fischereimuseum, in dem man viel über die marine Fauna, aber auch die lokale Geschichte erfährt. Die beiden Kinder jagen 54 der 55 verteilten Funky Fish Facts, bis das Museum um 17 Uhr schließt und langweilen sich kein Stück.

Kanada ist so woke, da fällt der stockkonservative Premierminister von Nova Scotia gar nicht so ins Gewicht

Nach dem Museum noch ein kleines Ründchen durch den Hafen, dann ist Essenszeit. Wir finden mit etwas Glück und Gedränge einen Tisch mit Hafenblick und speisen Maritimes – Fish & Chips für fast alle, die Liebstenschwester nimmt frittierte Jakobsmuscheln, ich eine Lobster Roll und nur das Teilzeitkind bleibt heute beim Hamburger.

Ich trinke endlich meinen ersten Caesar, im 30. Jahr meiner Kanadareisen, davon immerhin 26 Jahre im trinkfähigen Alter – 12 Staffeln Letterkenny haben den Boden bereitet.

Zum Nachtisch teilen wir uns zu siebt vier Stücke aus der Kuchenvitrine – Cherry Pie, Key Lime Pie, Oreo Cheesecake und Chocolate Chip Cookie Cheesecake.

Dann brauchen wir dringend einen Verdauungsspaziergang, Lunenburg bietet dafür perfektes Terrain.

Wir suchen noch vergeblich einen sehr neuen Geocache unten am Hafen, dann steigen wir in die Autos. Auch ein zweiter Geocache am Fluss bleibt unauffindbar, es ist ein wenig frustrierend. Unverrichteter Dinge fahren wir zurück zu meinen Eltern, erzählen vom Tag, planen die nächsten und fallen zwischen 22 und 23 Uhr alle in die Betten.

16.07.2026 – Pflichtprogramm

Wer frisch nach Nova Scotia kommt, der muss im Nationalpark wandern gehen und vom Strand aus Robben gucken, so will es das Gesetz. Erstmal aber gibt es morgendlichen Reboot, Frühstück, alle machen sich fertig usw.

Dann irgendwann Aufbruch, erstmal ins Städtchen. Der Liebste macht Besorgungen im Baumarkt, der Rest geht zum Bäcker und kauft verschiedene Sauerteig- und Vollkornbrote (ze Germans are here) sowie Kekse und Scones als Wegzehrung. Und nochmal eine halbe Stunde Fahrt, dann sind wir da. Nochmal Sonnencreme nachlegen und auf geht’s. Eine halbe Stunde lang durch den Wald und über die Heide und dann sieht man schon das Meer und den Strand.

Das Teilzeitkind erinnert sich, dass es genau hier vor Jahren einen seiner ersten kanadischen Geocaches gefunden hat und greift gezielt und ohne GPS an die richtige Stelle, um ihn den anderen zu zeigen. Dann geht es weiter bis ans Wasser.

Strand und Wasser sind sehr schön, die Robben weiter hinten mit bloßem Auge zu erkennen (kaum aber durch Kameralinsen). Arschkalt ist das Wasser allerdings auch, trotzdem müssen alle zwischen 6 und 85 einmal rein – mindestens bis zu den Knöcheln. Nur das Nifftenkind – qua Größe – und das Teilzeitkind – qua Teenagerwagemut – schaffen es tiefer.

Wenig später kündigen eisige Winde einen Wetterumschwung an und wir machen uns auf den Rückweg. Der Liebste, das Teilzeitkind und ich machen noch einen Abstecher zum Supermarkt, werden auf dem Weg zum Auto ein bisschen nass, dann treffen wir uns alle wieder im Haus in der Bucht und schauen von innen zu, wie außen die Welt untergeht.

Zum Abendessen gibt es die lokale Sommerspezialität Hodge Podge, für ze Germans noch mit extra Bratwürsten dazu (Honig-Knoblauch bzw. Tomate-Basilikum).

Dann sitzen wir noch ein wenig zusammen und erzählen, bis das Nifftenkind fast auf mir einschläft und von seinen Eltern ins Cottage gefahren wird. Der Rest hält heute bis gegen halb 11 durch.