#12von12 im November, Was schön war und ein bisschen Hoffnung

Gestern war der 12. und ich habe es diesmal wieder geschafft, zwölf Bilder von meinem Tag zu machen, wenn auch nicht, sie rechtzeitig zu verbloggen und bei #12von12 zu verlinken. Außerdem ist mir aufgefallen, dass sie gut in die Kategorie “Was schön war” passen, die ja vor einiger Zeit von Anke Gröner von Anke Gröner als Blog-Idee verfolgt wird. Danke für die Inspiration! Und weil es so schön war und ich gestern sogar einen kurzen Herzschmelz-Moment hatte, was ich angesichts der Nachrichtenlage diese Woche kaum für möglich gehalten hätte, fungiert dieser Text jetzt hier gleich für beide Reihen…
Puzzle-Buch

Wir wachen heute bei unseren Freunden, der Familie vom Patenkind des Hasen auf. Das Patenkindchen wachte bereits um 5:13 auf, aber ich schaffte es noch, immer mal wieder einzudösen, bis dann um halb 9 die Tür aufging und seine große Schwester mit einem Puzzle-Buch an unserem Bett auftauchte. Der Tag begann also mit Puzzlen und Vorlesen, immerhin konnten wir so noch eine gute halbe Stunde länger liegen bleiben.

 

Frühstück

Dann gab es ein tolles Frühstück in großer Runde, mit aufgeschnittenem Obst, aber ohne Obstmandala. Sie sind eben nicht bei Instagram 😉

 

Hase und Patenkind

Hase und Patenkind saßen natürlich nebeneinander an der Stirnseite des Tisches, wie sich das gehört.

 

Orangen-Feigen-Marmelade

Es gab superleckere Orangen-Feigen-Marmelade von der Patenkindoma, die beide Früchte im eigenen, sachsen-anhaltinischen (!), Garten geerntet hat.

 

Geschenk auspacken

Nach dem Frühstück durfte das Patenkind sein Geburtstagsgeschenk auspacken. Ein Jahr ist es jetzt schon alt! Die große Schwester hilft beim Auspacken. Natürlich haben wir ihr auch etwas mitgebracht – einen Plüschhasen, der jetzt Glocke heißt.

 

Fernsehturm

Der Fernsehturm zum Zusammenstecken kommt sehr gut an und soll das Patenkind optimal auf seine zukünftigen Besuche bei uns vorbereiten.

 

Doktorspiele

Dann wird aber erstmal Arzt gespielt und mir wird ein grüner, sternförmiger Fleck herausoperiert, zum Glück gibt es für die Wunde ein monstermäßig cooles Pflaster (und ne Narkose habe ich auch bekommen, aus der Fernsehturmspitze!)

 

Schaukeln

Dann heißt es bald anziehen und rausgehen. Der Hase und das große Kind schaukeln, während das Patenkindchen immer müder wird. Nach einer guten halben Stunde müssen wir wieder rein, damit es seinen Mittagsschlaf machen kann.

 

Faultier

Vorher bekommt es noch ein Fläschchen. In der Zwischenzeit spielen Papa, Hase und das große Kind zusammen. Der Hase ist, wie man leicht sieht, ein Faultier, das von Löwen angegriffen wird. Dann hat das Patenkindchen ausgetrunken und verabschiedet sich von allen. Die große Schwester ist sehr ins Spiel vertieft und möchte der Kleinen keinen Kuss geben. Aber dann springt sie doch schnell auf und reicht ihr Glocke als Bewacher zum Mittagsschlaf. “Ich leih Dir meinen Glocke zum Kuscheln, aber nur ausnahmsweise!” Hachz! Diese kleine Geste gab mir ein kleines bisschen Hoffnung, dass die Menschheit zwar egoistisch, aber nicht von Grund auf schlecht ist. Gut zu wissen mit Blick auf die weltpolitische Lage!

 

Völkerschlachtdenkmal

Wir brechen auf und fahren quer durch die Stadt zu sEB, dem wir auch noch einen Besuch abstatten wollen, wenn wir schon in Leipzig sind. Unterwegs kommen wir am Völkerschlachtdenkmal vorbei.

 

Gemüse-Lasagne

sEB empfängt uns mit einer leckeren Gemüse-Lasagne. Nach dem Essen und einem gemütlichen Plausch fahren wir dann wieder gen Norden.

 

Kitty

Bevor es zurück nach Berlin geht, halten wir auch noch beim Hasenbruder und den Haseneltern an – wenn man schonmal in der Gegend ist. Bei Hasenbruders werden wir von Kitty empfangen, die nach Besuchern Ausschau hält, während ihre felinen Mitbewohner:innen Dietmar und Frau Katzenberger das Sofa vorziehen.

Der Tag ging dann noch etwas weiter: Wir gabelten zwei Freunde des Hasen auf, fuhren gemeinsam zurück nach Berlin und der Hase ging dann mit ihnen zu einem Konzert, während ich es mir mit Katzen, Serien und einem Seitan-Burger auf der Couch bequem machte. Das wären dann aber vermutlich die Bilder 13 bis 20 gewesen…

Ein Hauch von Sizilien im grauen Berlin – Unser Wochenende mit der TomatenMarkGräfin

Die älteren Mitlesenden werden sich erinnern, letztes Jahr im Herbst verbrachte ich eine der schönsten und inspirierendsten Wochen meines Lebens beim The Language of Food Workshop mit Luisa Weiss und Rachel Roddy in der Anna Tasca Lanza Cooking School auf dem riesigen Weingut Regaleali der Familie Tasca d’Almerita auf Sizilien (in chronologischer Reihenfolge nachzulesen hierhier, hier, hier, hier, hier und hier). Ein großer Teil des Zaubers der Kochschule liegt in der Persönlichkeit ihrer Leiterin, Fabrizia.

Die charismatische Marchesa (Markgräfin) lässt ihren aristokratischen Hintergrund kein bisschen heraushängen, sondern interessiert und engagiert sich mit voller Leidenschaft für die traditionelle Küche der eher ärmlichen Bevölkerung Siziliens. Wer sie in ihrer Schule besucht, lernt nicht nur kochen, sondern erfährt auch, wie das Essen seinen Weg auf den Teller findet – von der Beschaffenheit des Bodens über den Anbau der Pflanzen hin zum Arbeitsalltag des Schäfers und der Süßigkeitenproduktion an Feiertagen. Die Tischgespräche gehören zu den spannendsten, die ich bisher erlebt habe und Fabrizia schafft es, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen, Leute miteinander zu verbinden, zu bilden und dann mit sarkastischen Einwürfen die ganze Gesellschaft zum Lachen zu bringen. Ich wollte schon am ersten Abend nie wieder abreisen und am Ende der Woche hatte ich das Gefühl, zur Familie zu gehören.

Fabrizia
Umso mehr freute es mich dann vor ein paar Wochen zu lesen, dass Fabrizia im Rahmen der Cheese Berlin zu einer Käse- und Weinverkostung nach Berlin kommen würde. In wenigen Sekunden hatte ich den Hasen überredet, zwei 15 € teure Tickets zu kaufen, obwohl wir ja eigentlich gerade sparen wollen.* Ich schrieb Fabrizia, dass ich zum Tasting kommen würde und hoffte insgeheim, vielleicht hinterher noch ein paar Worte mit ihr wechseln zu können. Vor ein paar Tagen dann fragte Fabrizia auf Facebook nach Tipps, was sie denn in Berlin auf jeden Fall anschauen sollte und ich traute mich, sie zu fragen, ob wir uns nicht auch außerhalb des Tastings treffen sollten. Überraschenderweise sagte sie sofort erfreut zu und wir verabredeten uns für den Samstagabend. Ich recherchierte schon einmal kurz, welche für sie interessanten Restaurants man denn aufsuchen könnte, nur für den Fall, dass sie Lust hätte, mit mir essen zu gehen.

Am Freitagnachmittag saß ich dann im Büro und war völlig in die Arbeit vertieft, als mein Handy klingelte und eine italienische Nummer angezeigt wurde. “Ciao, Susanne, it’s Fabrizia! I’ve arrived in Berlin and I have a little problem. I won’t have time tomorrow night, but I was wondering if you were free today? I’d like to grab a bite to eat!” Puh, zum Glück hatte ich nichts weiter vor und auch noch in ein paar Minuten Feierabend! Wir verabredeten uns vor ihrem AirBnB (sie hatte keine Lust auf die teuren, hässlichen Hotels, die ihr vom Veranstalter angeboten wurden). Die Begrüßung war so herzlich, als hätten wir uns nicht anderthalb Jahre nicht gesehen und wir redeten sofort wie alte Freundinnen. Mit der Tram fuhren wir zum Schusterjungen in der Danziger, einer “urigen” Alt-Berliner Gaststätte, die schon vor dem ganzen Prenzlauer-Berg-Hype existierte. Dort aß die sizilianische Markgräfin stilecht Soljanka und Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl (gut, aber mit Olivenöl hätte es ihr wohl besser geschmeckt).

Leinöl
Im Verlauf des Essens haben wir dann auch einige Ideen für mögliche gemeinsame Projekte in der Zukunft diskutiert, über die noch im Detail zu reden sein wird –  unter anderem wurden der Hase und ich aber zum Beispiel eingeladen, sie in der Kochschule zu besuchen – kostenfrei natürlich! (Die Kurse lohnen sich definitiv, sind aber doch deutlich teurer als es unser Geldbeutel normalerweise vertragen würde; der Workshop im letzten Jahr riss ein tiefes Loch in meine Ersparnisse…) Außerdem verabredeten wir uns direkt für den nächsten Morgen, um gemeinsam die Domäne Dahlem zu besichtigen und hinterher beim Mittagessen ihren in Berlin lebenden Schwiegersohn kennenzulernen. Nach dem Essen brachte ich sie zur Tram-Haltestelle und machte mich dann sehr vergnügt auf den Heimweg.

Am Samstag morgen klingelte der Wecker früh, damit der Hase und ich Fabrizia bereits gegen 9:30 am Hauptbahnhof treffen konnten. Gemeinsam fuhren wir dann mit S-Bahn und Bus raus nach Dahlem. Während der Fahrt sprachen Fabrizia und der Hase über ihre gemeinsame Leidenschaft – rauszugehen, ungewöhnliche Zutaten einzusammeln und daraus Lebensmittel, Waschmittel oder Seife herzustellen. Er überreichte ihr ein Glas von seinem Ebereschen-Chutney, sie revanchierte sich mit einem Glas ihres berühmten Estrattos – einem Tomatenextrakt (oder Tomatenmark ;)), dass in der glühenden sizilianischen Augustsonne hergestellt wird, indem kiloweise Tomaten kleingeschnitten auf Holztischen lagernd in der Sonne trocknen.

Domäne Dahlem
In Dahlem angekommen, sahen wir uns gemeinsam die Ausstellung “From Farm to Fork” im Culinarium an (passend zu Fabrizias Projekt “Farm to Table“), spazierten an Gärten, Weiden und Feldern vorbei, sahen Schafe, Kühe und Schweine (ein Ferkel knabberte liebevoll an Fabrizias langem Wintermantel) und bummelten über den Markt und durch den Farmshop. Nebenbei schmiedeten wir weitere Pläne für nächstes Jahr und sammelten Ideen. Danach trafen wir im Alten Europa in Mitte Luca, in Rom aufgewachsener Berliner Filmemacher und der Freund von Fabrizias Tochter. Was soll ich sagen – schon wieder einen tollen Menschen kennengelernt, mit dem wir uns sehr gut verstanden haben und mit dem wir hoffentlich in Kontakt bleiben werden! Nach dem Essen verabschiedeten wir uns für diesen Tag von den beiden.

Verkostung
Heute war nun der Tag der eigentlichen Verkostung. Kurz vor 11 betraten wir die Vineria Gallina gegenüber der Markthalle Neun und wurden von Fabrizia freudig begrüßt. Man war gerade dabei, den Käse aufzuschneiden und die passenden Weine auszusuchen. Dazu waren ein Sommelier und der Vertreter der Tasca-Weine in Berlin anwesend. In der Familie Tasca ist es so, dass sich die Männer um die Weine kümmern und die Frauen ums Kochen. Fabrizia erklärte daher dann ganz pragmatisch: “It’s a cheese tasting, the wines do what the cheeses want.” Ursula Heinzelmann von Heinzelcheese hatte das Event organisiert und führte gemeinsam mit Fabrizia durch die Verkostung. Fabrizia hatte fünf verschiedene Käsesorten aus Sizilien mitgebracht, der Sommelier servierte dazu passend fünf Weine vom Weingut ihrer Cousins, Tasca d’Almerita. Es gab:

  1. Provola delle Madonie – einen recht jungen Provola aus dem Madonie-Gebirge – mit einem blumig-runden Chardonnay
  2. Provola dei Nebrodi – einen länger gereiften Provola aus dem Nebrodi-Gebirge – mit einem vollmundig-würzigen Syrah (“La Monaca”)
  3. Fiore Sicano – einen kräftig-cremigen Weichkäse mit Schimmelrinde aus dem Sicano-Gebirge – mit einem mineralisch-trockenen Grillo aus Mozia
  4. Caciocavallo Ragusano – einen leichten Käse aus der Gegend um Modica – mit einem Perricone mit holzigen Noten, starken Tanninen und dem Aroma schwarzer Beeren
  5. Pecorino vom Tasca d’Almerita Weingut – 12 Monate gereifter Schafskäse mit dem Rosso del Conto (ein Cuvée aus Nero d’Avola und Perricone), dem “Mercedes” unter den Tasca Weinen

 

Grillo, Nero d’Avola und Perricone sind übrigens Rebsorten, die ausschließlich auf Sizilien wachsen. Nach dem vierten verkosteten Wein waren der Hase und ich beide schon leicht angetüdert – anders als einige Tischnachbarn war uns der Wein nämlich definitiv zu schade, um ihn einfach auszuspucken oder wegzugießen. Aber natürlich haben wir auch bis nach dem fünften durchgehalten! Interessant fand ich, dass ich vier der Weine sofort wieder erkannt habe, sobald ich sie auf der Zunge hatte – vermutlich habe ich sogar alle fünf in Regaleali getrunken.

Nebenbei erfuhren wir noch jede Menge spannende Details rund um die Käseherstellung, etwa dass Schafsmilch fetter als Ziegenmilch und Ziegenmilch fetter als Kuhmilch ist oder dass Toto, der Schäfer der Tascas, alle seine Schafe von Hand melkt, auch um jeden Tag jedes einzelne Tier zu treffen und zu wissen, wie es ihm geht. Ursula erzählte außerdem, dass die Menschen ursprünglich Käse allein deswegen hergestellt haben, weil sie so die wertvolle Milch haltbar machen konnten und die Proteine so auch in den Monaten verfügbar waren, in denen keine Jungtiere geboren worden. Fabrizia, ganz Kulturhistorikerin, warf an dieser Stelle ein, dass bereits der Zyklop in Homers Odyssee Käse herstellte. Muss ich auf jeden Fall mal nachrecherchieren!

Am Ende der Verkostung fragte Fabrizia uns, welcher Käse uns am besten geschmeckt habe und übergab uns dann ohne jeden weiteren Kommentare je einen halben Laib Provola dei Nebrodi und Fiore Sicano. Die drei restlichen Käsehälften bekam Luca, der inzwischen auch wieder aufgetaucht war. Dann sollten wir noch sämtliche bereits geöffneten Weinflaschen mit nach Hause nehmen, was wir uns natürlich auch nicht zweimal sagen ließen. Gemeinsam mit Luca und Fabrizia verließen wir dann die Vineria und schlenderten noch ein wenig durch die Markthalle, besichtigten die verschiedenen Käsestände und kosteten hier und da. Dann spazierten wir noch ein wenig gemeinsam durch Kreuzberg, bis es Zeit für uns war aufzubrechen (wir waren mit Bruder und Schwägerin zum Kaiserschmarrn-Essen im Jolesch verabredet).

Ich bin immer noch überwältigt davon, wie toll dieses Wochenende war und wie sehr meine Erwartungen an ein Wiedersehen mit Fabrizia übertroffen wurden. Es war eine kleine Zeitreise zurück nach Sizilien und zur Kochschule, mitten im tristen Berliner Spätherbst. Und das Beste: Wir sind bereits für nächsten November wieder verabredet. Das Zweitbeste: 1,7 kg Käse und vier fast volle Flaschen Wein warten noch darauf, von uns konsumiert zu werden. 🙂

Ausbeute 

*Fabrizia schimpfte später mit mir, warum ich denn nichts gesagt hätte, sie hätte uns doch Freikarten besorgen können.

#12von12 im Oktober 2016 – Herbstwetter-Edition

Immer am 12. eines Monats machen Blogger:innen zwölf Fotos von ihrem Tag. Diesmal bin ich auch wieder dabei, die anderen gibt es wie immer bei Caro.


Honibuftis

Der Hase hat in meiner Abwesenheit Lust auf klebrig süße Frühstückscerealien bekommen und einfach mal welche gekauft, was ich aber erst gestern Abend gesehen habe. Heute morgen habe ich mir dann direkt ein Tupperdöschen voll mitgenommen, die Milch dazu gibts im Büro. So hatte ich seit langem mal wieder “Honibuftis”, wie sie bei uns in der Familie heißen. Standen früher immer bei Oma in der Wohnstube herum und wurden von Enkeln und (mindestens) einer Tante trocken aus der Hand genascht. Erinnerungen!

 

Mittag

Der Vormittag im Büro plätschert ohne besondere Vorkommnisse vor sich hin. Früher als sonst bekomme ich wieder Hunger, woran das wohl liegt 😉 Zum Mittag mit der besten Kollegin-Freundin gibt es vom Hasen zubereitete Kartoffelsuppe und für sie Pellkartoffeln mit Quark. Die frischen Komponenten spendiert der Arbeitgeber dazu.

 

Photoshop

Kaum wieder am Platz taucht dieses von Photoshop arg verunstaltete Foto auf und sorgt für Heiterkeit – kommt uns natürlich nicht auf die Seite!

 

Kicker

Zum Feierabend laufe ich durch unseren neu gestalteten Eingangsbereich und amüsiere mich über das Schild am Kickertisch, das darum bittet, nicht zu viel Lärm zu machen. Wer schonmal gekickert hat, weiß, wie sinnvoll und zielführend das ist…

 

Verspätung

Die U2 verkehrt pünktlich zum Feierabend unregelmäßig. Ich warte also zunächst erstmal 12 Minuten auf eine Bahn, diese ist dann natürlich brechend voll. Ebenso die drei Minuten später. In die dritte passe ich dann hinein (genau wie gestern….).

 

Laub

Als ich zum Sport laufe, dämmert es bereits. Was hier wie buntes Herbstlaub aussieht, ist allerdings in Wirklichkeit noch grün und wird nur von orangenen und roten Neonschildern erleuchtet.

 

Sport

Auf dem Weg zum Sport bin ich allerdings in meine erste Herbstpfütze getreten und durfte feststellen, dass Schuhe aus Baumwolle natürlich nicht wasserfest sind.

 

Kastanien

Als ich das Sportstudio verlasse, ist es endgültig dunkel. Zuhause erwartet mich der Anblick eines kompletten Esstisches voller zerkleinerter trocknender Kastanien. Aus denen will der Hase den Winter über immer nach Bedarf nachhaltiges Waschmittel herstellen.

 

Kater

Der Hase ist heute Abend bei unseren syrischen Freunden. Ich nehme mir also die neuesten Serienfolgen mit in die Küche und koche mir was schönes. Der Kater ist wie immer neugierig.

Gemüse

Heute verarbeite ich letztes Gemüse – Paprika vom Balkon, Zucchini und Tomaten aus dem Garten der Hasenfamilie. Eine Schale voller Cocktailtomaten vom Balkon haben wir dann noch übrig, die halten sich aber noch eine Weile.

 

Gebackenes Gemüse

Inspiriert von Rachels dieswöchigem Rezept im Guardian Cook wird das Gemüse mit viel Olivenöl, Salz, Pfeffer, Knoblauch und Oregano ganz langsam im Ofen geröstet. Am Ende ist es so weich, dass es auf der Zunge zergeht und wahnsinnig aromatisch. Besonders die Paprika und Tomaten werden regelrecht süß und leicht rauchig, genau wie Rachel es beschreibt. Dazu esse ich Couscous. Die Reste bleiben für das Mittagessen morgen, dann wahrscheinlich kalt, denn laut Rachel schmeckt das dann sogar noch besser!

 

Kuchen

Und weil mir so herbstelig ist, mache ich mir zum Nachtisch das letzte Stück des Apfel-Streusel-Kuchens, den der Hase am Wochenende gebacken hat, warm und mahle mir frischen Zimt darüber. Wie schon Sookie über den Gurkenduft sagte: If you can’t fight it, embrace it! Die Heizung haben wir jedenfalls inzwischen auch angemacht…

Tagebuch-5 im Oktober 2016: #cousiniza Hippie-Watching auf Ibiza

Es ist mal wieder der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT? Ich habe heute auf Ibiza Hippie-Watching betrieben…

Nach einer sonnenbrandbedingt etwas unruhigen Nacht wachen die Twencousine und ich so gegen 8 Uhr in unserem AirBnB-Zimmer in Eivissa auf. Etwa eine Stunde später sind wir beide abmarschbereit, das dauert vor allem deshalb so lange, weil mit uns noch eine wechselnde Anzahl anderer AirBnB-Gäste plus ab und zu auch der Gastgeber in diesem (wunderschönen und toll gelegegen!) Apartment haust, es aber nur ein Bad gibt. Kurz nach 9 sitzen wir dann jedenfalls in einem Café an der Flaniermeile Vara de Rey und ich bestelle mir das perfekte Frühstück: Churros mit heißer Schokolade und einen großen frisch gepressten Orangensaft.

Churros

Während ich in diesen Köstlichkeiten schwelge, starrt die Twencousine fasziniert auf einen süßen Welpen am Nachbartisch (sie ist eine Hundenärrin). Als dessen Besitzerin mal kurz verschwinden muss, bekommt sie die ehrenvolle Aufgabe, den Hund namens Cor zu beaufsichtigen und löst diese mit Bravour – Streicheleinheiten gegen freundliche Knabbereien an den Cousinenfingern.

Hund

Als Cors Frauchen zurück ist, nehmen wir dann den Bus nach Es Canar, einem kleinen Badeörtchen etwas die Küste hinauf, das für seinen jeden Mittwoch stattfindenden “Hippie-Markt” bekannt ist. Ibiza war ja schon weit vor der aktuellen Elektro-Party-Szene eine Hochburg der Subkulturen und besonders der Norden ist auch heute noch von den Hippies geprägt, die seit den 60ern ihr Lager hier aufschlugen.

Es Canar

Allerdings hat der Hippie-Markt, oder wie hier geschrieben “Hippy Market” (sic) nicht mehr viel von authentischer Hippie-Kultur. Die Subkultur wird zum Tourist:innen-Ereignis und alle paar Meter hört man Leute im breitesten süddeutschen Dialekt miteinander reden. Das reißt uns dann auch regelmäßig aus der entspannten Urlaubsstimmung heraus. Ich frage mich auch, wie viele der Tourist:innen, die hier im knalligen Ganzkörper-Batik-Outfit herumlaufen, zuhause auch so herumlaufen und wie viele von ihnen sich zuhause wieder in massentauglichere Alltagsklamotten schmeißen, die BILD lesen und AfD wählen… (Ja, der Satz “Isch guck mal, ob isch ne BILD-Zeitung finde.” fiel vor ein paar Tagen in unserer Hörweite.) Angesichts der Mehrzahl des Publikums ist dieses Foto leider sehr treffend:

Hippie-Markt

Es ist aber nicht alles schlecht und neben allerlei Tand und Tinnef gibt es dann doch auch einige Stände mit schönen Waren und authentisch wirkenden Verkäufer:innen und Kund:innen. An solchen kaufe ich mir dann einen mangogelben Pareo mit türkisfarbenen Eidechsen drauf, die Cousine schlägt bei Schmuck und Hunde-Equipment (natürlich!) zu und als wir einen Stand mit handgemachten peruanischen Schuhen aus Baumwolle mit traditionellen Mustern und Sohlen aus recycletem PVC vorbeikommen, werden wir sogar beide fündig.
Hippie-Markt

Voll bepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen besteigen wir einen Bus nach Santa Eulalia des Rio, wo wir in einen weiteren nach San Carles umsteigen. Dort befindet sich die Bar Anita, die sich als zentrale Anlaufstelle für alle Hippies bewährt hat, die im Norden von Ibiza relativ abgeschieden leben und die Bar als ihre Postadresse benutzen – der eine oder andere von ihnen bezahlt seine Rechnung gerne in Kunstwerken, so dass die Wände des gemütlichen Lokals voll hängen.

Bar Anita

Hier gibt es laut der Twencousine das beste Allioli (katalanische Schreibweise) der Welt, was natürlich sofort überprüft werden muss. Und wirklich, es ist verdammt lecker! Die Oliven auch, was mich sehr freut, denn da die Cousine diese nicht mag, hab ich sie ganz für mich allein.

Allioli

Zum Hauptgang gibt es dann ausnahmsweise mal nichts Spanisches, sondern kubanischen Reis mit Ei, Bacon, Bananen und Tomatensauce. Ist ganz OK, aber ich bin dann doch traurig, dass ich mich nicht an die lokalen Gerichte getraut habe. Das auf Foursquare hochgelobte Gericht mit rotem Reis, Pute und gegrillten grünen Tomaten fand ich nicht auf der Karte und bei den Fisch- und Fleischgerichten steht jeweils nur die Hauptkomponente da, die mich weniger interessiert als die eventuellen Beilagen. So habe ich gekniffen und schaue dann nur neidisch auf die Teller an den Nebentischen, die durchaus appetitlich aussehen. Bis wir am Sonnabend wieder abfliegen, muss ich auf jeden Fall nochmal authentische ibizenkische Küche ausprobieren (was in einem Touristenort wie Eivissa nicht ganz trivial ist: Überall gibt es italienische Restaurants, Burger, Sandwiches, Sushi und Tapas, aber die Restaurants mit lokaler Küche sind rar gesät und sehr sehr klein – als wir am ersten Abend zu einem wollten, stand schon zehn Minuten bevor es um 20:30 Uhr aufmachte eine lange Schlange davor.

Arroz Cubano

Wenigstens zum Nachtisch wird es dann doch noch ibizenkisch – zum Kaffee gibt es Flao, einen Käsekuchen mit Minze und Thymian und hinterher Hierbas, den hiesigen Kräuterlikör, von dem ich auch unbedingt noch ein Fläschchen kaufen muss.

Flao und Hierbas

Kugelrund und leicht angetüdert (die Cousine mag keinen Alkohol, so dass ich den Großteil ihres Glases mit austrinken muss) verlassen wir nach über zwei Stunden die Bar und sehen uns draußen noch die Kirche von San Carles an. Vor ihr steht ein riesiger alter Johannisbrotbaum, an dem 1936, während des spanischen Bürgerkriegs, die Republikaner den Pfarrer und seinen Vater aufhängten, die sie zuvor vom Glockenturm aus beschossen hatten.

San Carles

Im Schatten des Baumes warten wir dann auf den Bus zurück nach Eivissa, der uns in etwa einer Stunde wieder zurück bringt. Wir laufen mit einem kleinen Umweg über den Rolex-Laden (die Cousine lernt Uhrmacherin und kann sich stundenlang Uhren ansehen) zurück zum Apartment. Hier packen wir unsere Einkäufe aus und ich mache ein Foto von meiner Beute für den Hasen und das Internet. Dann wird gebloggt und gleich schauen wir noch, was Netflix uns für den Rest des Abends zu bieten hat, wenn wir schon ausnahmsweise mal früh “zuhause” sind.


Schuhe und Pareo

#cousiniza – Business Class Leaks

Disclosure: Teile dieses Texts wurden auf bequemen Business-Lounge-Möbeln und unter der Einwirkung kostenloser alkoholfreier Getränke und Gummiflugzeugchen geschrieben.

Heute beginnt mein relativ spontaner Trip nach Ibiza mit meiner Twen-Cousine. Aus Gründen (geringe Verfügbarkeit von Flügen, bei denen man innerhalb eines Tages und unterhalb von zwei Zwischenstopps bzw. der 600-€-Grenze ankommt) haben wir für den Hinflug die Business Class gebucht. Für sie ist es das erste Mal, für mich das erste Mal bei Bewusstsein. Vor vielen, vielen Jahren kam ich mal in den Genuss eines kostenlosen Upgrades wegen eines – mitten in der Nacht – um sechs Stunden verspäteten Flugs, das habe ich dann allerdings komplett verschlafen. Jetzt nun also Business-Class-Premiere. Auf den ersten Blick wirkt das alles recht vertraut – es gibt ein Flugzeug, man sitzt drin und irgendwann kommt man woanders an. Auf den zweiten ist dann doch so einiges anders.


Wer beruflich viel fliegt oder ein deutlich höheres Einkommensniveau als ich hat, wird die Privilegien der Business-Class-Reisenden kennen, für mich sind diese Annehmlichkeiten ganz ungewohnt. Hier einmal eine chronologisch sortierte Liste der gravierendsten Unterschiede.

  • kostenfreie Auswahl der Sitzplätze schon Tage vor dem Flug und nicht erst beim Online-Check-in (Die Auswahl ist allerdings gering, denn die Business Class auf unserem Flug hat nur 12 Sitze, von denen mehrere Tage vorher die meisten bereits reserviert sind.)
  • kurze Schlange beim Gepäck aufgeben
  • als erste im Flugzeug und wieder draußen sein, ergo nur kurz sinnlos rumstehen
  • standardmäßig ein Platz frei zwischen einem selbst und der/m Nebenfrau/-mann
  • auf dem Kurzstreckenflug Berlin-München, bei dem es in der Economy Class gerade mal ein paar Nüsse oder ähnliches gibt, ein komplettes Frühstück serviert bekommen

  • kein Plastikgeschirr, kein Plastikbesteck, Stoffservietten
  • frisch aufgebackenes Brötchen, guter Käse
  • frisches, perfekt reifes Obst (Mango, Papaya, Trauben, Blaubeeren, Brombeere, Himbeere, Johannisbeeren)
  • Mini-Pancakes mit Quarkcreme und Puderzucker
  • mehr als 3 Stunden Aufenthalt in München nicht auf unbequemen Stühlen im Gewusel des Flughafens verbringen, sondern in der Business Lounge

  • bequeme Lounge-Möbel – Sessel, Stühle, Arbeitsplätze, sogar Liegen
  • viel Platz, Ruhe und entspannte Atmosphäre
  • großes Büffet mit Frühstück, Snacks, Obst, Säften, Softdrinks, Bier, Wein, Sekt, Spirituosen, Tee- und Kaffee-Spezialitäten, alles zur freien Verfügung

  • ausreichend Steckdosen überall, schnelles WLAN und für den Notfall fest installierte Computer, Drucker etc.
  • Duschen
  • kostenlose Zeitungen und Zeitschriften (auch internationale, haben der Teeniecousine eine japanische mitgenommen)
  • 5 Wanduhren mit verschiedenen Uhrzeiten – von Glashütte
  • gegen Mittag wechselt der Büffet-Inhalt – statt Rührei gibt es jetzt Leberkäs, Zucchini-Creme-Suppe, Brezn, Kartoffelsalat, Fleischpflanzerl, Grießbrei… Man könnte sich hier dumm und dämlich fressen, aber es gibt ja auf dem Weiterflug noch Mittagessen

  • die ganze Zeit über keine nervigen Sicherheitsansagen, sondern Ruhe bzw. (auf dem Klo) sanfte, leise Musik
  • zum Mittagessen bei Flug 2 gibt es einen Salade Nicoise mit frischem Brötchen und ein Creme-Dessert mit Cantuccini, außerdem zwei Mozartkugeln
  • am Gepäckband kommen unsere Koffer mit als erstes an – sie tragen ein rotes Label mit Priority-Schriftzug

Fazit: Die Business Class hat durchaus so einige Vorteile, besonders der dreistündige Aufenthalt in der Lounge hat den anstrengenden Reisetag extrem entstresst. Das ganze gute Essen ist natürlich obendrein noch ein dickes Plus. Trotzdem würde ich mir, hätte ich die Wahl, wahrscheinlich nie von alleine ein Upgrade leisten, ich gebe mein Geld dann doch lieber am Urlaubsort aus, als bei Anreise und Unterkunft. Der Rückflug ist auch wieder ganz normal in der Holzklasse gebucht.Sollte mich aber jemand mit kostenlosen Upgrades bewerfen wollen, hätte ich nach der heutigen Erfahrung zumindest keine Standesdünkel-basierten Skrupel mehr. 😉

Tagebuch-5 im September 2016

Es ist der 5. und wie in jedem Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Ich wache eine knappe halbe Stunde vor dem Weckerklingeln auf und habe direkt Kopf und Rückenschmerzen. Das zieht sich schon ein paar Tage und will mir wahrscheinlich sagen, dass es mal wieder Zeit für Sport ist, immerhin sitze ich seit zwei Wochen wieder im Büro herum. Zum Glück ist der Hase auch schon wach, obwohl er eigentlich ausschlafen könnte, und so komme ich in den Genuss einer morgendlichen Massage, nach der es mir schon deutlich besser geht. Obendrein mixt er mir dann auch noch einen Smoothie zum Frühstück – so könnte eigentlich jeder Tag anfangen! Fürs zweite Frühstück im Büro nehme ich mir selbstgemachte durchs nicht-Öffnen und Liegenlassen einer Flasche Milch entstandene Dickmilch mit Brombeermarmelade mit, in die ich vor Ort noch ein paar Haferflocken streuen werde.

Draußen herbstelt es gewaltig, was angesichts des Datums klar geht, aber gleichzeitig auch irgendwie unpassend erscheint, denn für die nächsten Tage ist wieder schönstes Hochsommerwetter mit bis zu 32 Grad angesagt. Wahrscheinlich möchte der Wettergott den Berlinern den ersten Montag nach den Ferien nicht zu schön machen, damit keiner bedauert, nicht mehr frei zu haben. Apropos Ferienende: Auf einen Schlag sind die Bahnen morgens wieder knackevoll – in der Tram bekam ich in den letzten Wochen immer einen Sitzplatz, heute ist nicht daran zu denken. Die erste U-Bahn lasse ich dann auch völlig überfüllt wegfahren, bevor ich in der zweiten einen Stehplatz ergattere. Und so geht das jetzt wieder monatelang…

Im Büro erst einmal große Freude, denn die beste Kolleginnenfreundin ist aus dem Urlaub zurück und es gibt gleich erstmal viel zu erzählen und eine Verabredung zum Mittagessen. Leider ist ein Kollege weiterhin krank, so dass ich auch diese Woche wieder mehrere Personen und Aufgabenbereiche vertreten werde. So komme ich in den Genuss eines wichtigen Meetings und zweier kürzerer Arbeitsaufgaben, die ich neben dem Tagesgeschäft angehen muss. Abgesehen davon geht der Tag einigermaßen entspannt voran.

Mittags schnippeln die Freundin und ich uns Salat und essen den gemeinsam, während wir uns über unsere jeweiligen Urlaubserlebnisse austauschen. Danach bleiben nur noch 2,5 Stunden Arbeit übrig, denn durch das wichtige Meeting essen wir erst ziemlich spät. Pünktlich um 17:30 verlasse ich das Büro und fahre zum Sport. Dabei muss ich am Alex umsteigen und freue mich wieder einmal, wie bunt und lebendig er doch in den letzten Monaten geworden ist – viele Leute aus allerlei Kulturen und Szenen sitzen herum und unterhalten sich, Straßenmusiker und -künstler zeigen ihr Können und obwohl es Montag ist, gibt es heute keine Demo von besorgten Bürgern und ein Volksfest ist auch gerade nicht. Toll!

Beim Sport mache ich nach nun mehr als 4 Wochen Pause eine unerwartet gute Figur, so dass ich danach sehr zufrieden mit mir nach Hause gehen kann. Dort füttere ich die Katzen, ruhe mich kurz vor dem Internet aus, tippe diesen Blogpost und mache dann gleich noch eine Mangold-Tortilla zum Abendbrot. Der Mangold kam gestern gemeinsam mit Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Äpfeln, Roter Bete, Kohlrabi, Zucchini, Bohnen, Eiern, Kuchen und (gekauftem) Schafs- und Ziegenkäse gemeinsam mit den Haseneltern hier bei uns an, die uns einen Sonntagsbesuch abstatteten. Die nächsten Wochen müssen wir also kaum Lebensmittel kaufen und können viel leckeres und selbstgezogenes verbrauchen. Juhu!

Beim Kochen schaue ich weiter Gilmore Girls und warte auf den Hasen, der gerade noch mit einem Freund zusammen an einem Projekt arbeitet, dass ich wohl nachher auch noch einmal begutachten und lektorieren werde. Dann endet der Abend wie üblich mit den Katzen auf der Couch. Ein guter Montag!

 

#englandwalesroadtrip – Anglesey, Conwy und Llandudno

Puh, jetzt sind wir schon fast eine Woche wieder zuhause und noch immer habe ich es nicht geschafft, die Reiseberichterstattung fortzusetzen. Die Arbeit hat mich wieder, außerdem fraßen Steuererklärung, Treffen mit Freunden und Familie sowie der plötzlich wieder störungsfreie Zugang zum Internet gehörige Brocken Zeit… Aber jetzt ist es soweit und der vorletzte Teil der Reise ist da…

18. August

Wir versuchen, etwas früher aufzustehen, um mehr vom Tag zu haben und schaffen heute das Aufstehen, Frühstücken und Auto packen schon bis halb 12 😉 Dann fahren wir los gen Westen, denn heute wollen wir auf Anglesey, die größte Insel von Wales und die größte Insel rund um Großbritannien, die nicht zu Schottland gehört oder Irland heißt. Die Route führt über eine Schnellstraße, denn viele Menschen nutzen den Hafen Holyhead auf Holy Island, einer weiteren Insel, die Anglesey vorgelagert ist, um von dort aus die Fähre nach Irland zu nehmen. So sind wir ratzfatz drüben am anderen Ufer und machen unseren ersten Halt in Llanfair­pwllgwyngyll­gogery­chwyrn­drobwll­llan­tysilio­gogo­goch, dem Ort mit dem längsten Ortsnamen der Welt – 58 Buchstaben, ich habe sie alle gezählt. Natürlich fahren wir hier hauptsächlich hin, um die Ortsschilder als Beweise zu fotografieren, besonders aber auch, weil es bereits Fotos von mir und meinem Bruder aus dem Ort mit dem kürzesten Namen der Welt gibt, aus Å (wie ich der Wikipedia entnehme gibt es diesen Ortsnamen allerdings noch ein paar mal öfter, was man von Llanfair­pwllgwyngyll­gogery­chwyrn­drobwll­llan­tysilio­gogo­goch nun nicht behaupten kann.

Llanffairdingsda

Llanffairdingsda

Wie zu erwarten war, ist der Ort und besonders der Bahnhofsvorplatz voller Touristen, teils im eigenen Auto, teils als Rucksacktouristen unterwegs, teils in Reisebussen… Wir halten uns also nicht lange auf, machen ein paar Fotos und fahren direkt weiter, weg von den Menschenmassen und hin zu einem steinzeitlichen Rundgrab namens Bryn Celli Ddu, bei dem sich außer uns nur noch drei andere Leute (und natürlich ein Hund) aufhalten. Liegt vielleicht daran, dass man vom Parkplatz aus noch ein Weilchen an einer Weide voller Stiere entlanglaufen muss, die sehr neugierig am Elektrozaun stehen, sich aber dann doch nicht streicheln lassen wollen.

Stiere

Badestiere

Auf der anderen Wegseite gibt es dafür wieder unzählige superreife Brombeeren zu naschen. Das Grab selbst ist übrigens schon alleine deswegen besonders, weil es nicht komplett ausgegraben wurde, sondern immer noch mit Gras bewachsen ist und somit äußerlich immer noch so aussieht wie damals. Drinnen haben Touristen die eine oder andere Opfergabe in Form von Muscheln, Blumen, Münzen oder kleinen Flachmännern da gelassen.

Steinzeitgrab

Unser nächster Stopp ist der Strand von Rhosneigr, der vor allem bei Surfern sehr beliebt ist. Als erstes gibt es für unsere Junkies die nächste Kaffee-Dosis, dann gehen wir an den Strand. Es ist heute etwas kühler und windiger, so dass niemand Lust auf Baden hat und wir uns einfach an den Strand legen und aufs Wasser schauen oder lesen.

Rhosneigr

Danach essen wir Mittag in einem Surfer-Café. Der Hase und die Schwägerin vertreiben sich die Wartezeit mit weiterem Lesen, während der Bruder und ich das WLAN nutzen. Die Schwägerin nimmt eine Suppe mit Linsen, Kastanien und Minze, die superlecker ist und unbedingt nachgekocht werden muss.

Die Lesenden

Nach dem Essen fahren wir weiter auf Holy Island, um in Holyhead die längste Mole von Wales zu erlaufen – sie ragt zwei Kilometer weit in die Irische See hinein und dient als Wellenbrecher für die Marina. Zwei Kilometer ziehen sich ganz schön hin, aber am Ende können wir immerhin sagen, dass wir auf der längsten Mole waren und die Schrittzähler-App ist auch zufrieden mit uns. Bei gutem Wetter soll man vom Leuchtturm aus übrigens bis zum Snowdon gucken können. Heute ist es allerdings zu diesig dafür. Schön sieht es aber trotzdem aus.

Holyhead Breakwater

Holyhead

Ganz in der Nähe der Mole sind wir auf dem Hinweg bereits an einer Schweineherde vorbeigekommen. Auf dem Rückweg nehmen wir uns die Zeit, halten an, streicheln und machen Fotos.

Schweinebande

Zum Übernachten fahren wir nochmal ein Stück in den Nationalpark hinein, nach Capel Curig. Im Plas Curig Hostel haben wir die tollsten Hostel-Betten des gesamten Urlaubs. Nichts quietscht und knarrt, es ist sehr bequem und man kann seine Schlafkoje mit einem Vorhang abtrennen und hat so etwas mehr Privatsphäre und stört gleichzeitig die anderen nicht, wenn man mitten in der Nacht lesen will. Echt ein tolles Konzept, auch wenn es hinter dem Vorhang bei sommerlichen Temperaturen ganz schön heiß und stickig wird. Wir beschließen den Abend im Inn ein paar Häuser weiter und gönnen uns noch einmal moderne walisische Küche mit u.a. Black Beef Burger und Holunderblüten-Prosecco-Jelly mit Erdbeeren.

Traumbetten

 

19. August

Unser letzter Tag in Wales beginnt mit einem letzten Hostel-Frühstück, einem letzten Mal Autopacken und der Fahrt nach Conwy. Das mittelalterliche Städtchen an der Mündung des gleichnamigen Flusses ist vor allem für sein Schloss (UNESCO-Weltkulturerbe) und seine fast vollständig erhaltene Stadtmauer bekannt. In einem Coffee-Shop gibt es Kaffee und WLAN, dann laufen wir zum Schloss, das wirklich beeindruckend aussieht. Den Hasen zieht es aber zunächst zum Wasser – ein schöner Naturhafen, überspannt von mehreren Brücken und voller kleiner Segelboote.

Conwy Harbour

Am Kai angeln jede Menge Kinder mit an Schnüren baumelnden Fleischresten nach Krebsen, die sie in Eimern sammeln und zählen, bevor sie sie zurück ins Wasser schütten. Das scheint hier eine beliebte Beschäftigung zu sein, mehrere Läden verkaufen Eimer, Schnüre und Köder. Witzig finden wir, dass die Kids zwar völlig enthusiastisch bei der Sache sind, aber auch laut aufkreischen und sich verstecken, als sich ein Krebs befreit und einfach so durch die Gegend läuft.

Krebse angeln

Wir laufen weiter zum Schloss, haben aber keine Lust, den Eintritt zu bezahlen. Stattdessen entern wir die Stadtmauer, laufen eine Weile darauf entlang und fühlen uns wie in einem Mittelalter-Film.

Conwy Castle

Stadtmauer in Conwy

Da wir nur einen Parkplatz für eine Stunde haben, brechen wir dann schnell wieder auf und fahren weiter ins nahe gelegene Llandudno, das größte Seebad von Wales, das mich sehr an Brighton, Eastbourne und andere Seebäder erinnert. Viel monumentaler als das niedliche Aberystwyth, mit breiter Promenade, einer Seafront voller mehr oder weniger runtergekommenen Hotels und einem Pier mit allen Arten von unnützen Vergnügungen. Alles ist voller Rentner, Kinder und Möwen und überall sitzen Leute und essen Fish und Chips aus Pappkartons. Genau so stellt man sich ein englisches Seebad vor, nur dass dieses eben in Wales liegt. Auf unserer Suche nach einem Parkplatz sehen wir, wie gerade ein Bestatter eine(n) Tote(n) auf einer Bahre aus einem Hotel schafft – das Klischee ist perfekt. Wir lassen den fußlahmen Hasen an der Promenade sitzen und schauen uns den Pier an.

Llandudno Pier

Hier gibt es alles von Glücksspielen über “Wildwasserkanufahrten” und Airhockey bis hin zu Krabbenständen, Snowcones und frisch gemachten Donuts. Sollte man mal gesehen haben, aber im Prinzip ist es egal, welchen Pier in welchem Seebad man dafür aussucht. Typischer für Llandudno sind die von Lewis Carroll inspirierten Statuen, die Alice, das weiße Kaninchen und den verrückten Hutmacher zeigen. Die echte Alice, die ihn zu den Büchern inspiriert hat, hat nämlich mit ihrer Familie immer hier in Llandudno Urlaub gemacht.

Mad Hatter

Alice

White Rabbit

Wir essen in einem alteingesessenen Lokal zu Mittag und ich bin sehr begeistert von meinem Panino mit Ziegenkäse und Mango-Limetten-Chutney.

Panino

Dann bringen wir unsere beiden Mitreisenden, die bereits heute zurück nach Birmingham fahren, zum Bahnhof, bevor wir zu zweit noch hoch auf den Great Orme fahren, einen hohen Gipfel über der Stadt, der ein beliebtes Ausflugsziel ist. Man kann hoch wandern, die Seilbahn nehmen oder mit einer Schmalspurbahn fahren. Wir nehmen trotzdem das Auto. Oben gibt es eine mittelalterliche Kirche, ein steinzeitliches Grab und eine Kupfermine aus der Bronzezeit. Wir suchen vor allem noch einmal ein Stückchen Natur und Ruhe mit Blick auf das Meer.Eigentlich gibt es hier oben auch wilde Ziegen, aber von denen sehen wir leider nur die getrockneten Kötel überall. Für eine gute halbe Stunde sitzen wir relativ ungestört dort oben und gucken aufs Meer gen Liverpool. Dann verabschieden wir uns vom wunderschönen Wales und fahren auf viel befahrenen Straßen voller Staus und Baustellen genau dort hin – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden 😉

Schmalspurbahn

Great Orme