Dienstag, 10. September 2019

  • Heute zum ersten Mal ganz alleine ein Kind in die Kita gebracht. Das war gut und sinnvoll für alle Beteiligten und die Gruppendynamik und ich glaube das mache ich jetzt öfter…
  • Auf dem Weg zur Bahn zufällig Il Professore auf der Straße getroffen, das letzte Treffen war verabredet und ist etwa 6 Jahre her. Ein schöner Zufall, der hoffentlich dann doch mal wieder ein verabredetes Treffen nach sich ziehen könnte.
  • Den ganzen Tag an einem Spreadsheet gebastelt und immer, wenn ich kurz Luft hatte und überlegte, Pause zu machen, war Zeit für das nächste Meeting.
  • Statt Mittagspause also früher Feierabend und letzte E-Mails aus der Bahn.
  • Durch günstige Fügung komme ich Donnerstag doch noch spontan zu einer Yoga-Einheit in der Mittagspause. Zusammen mit dem geplanten Schwimmen wird das der sportlichste Tag seit langem.
  • Statt Mittagessen gab es dann zum ersten Abendbrot Bratnudeln mit Fleischwurst und Tomatensauce und zum zweiten Abendbrot Bulgursalat. Läuft bei mir.

1000 Fragen nach langer Pause

Im Moment reflektiere ich sehr viel. Vor allem über all das, was in diesem Jahr so passiert ist. In Gedanken versuche ich mich schon an meinem Jahresrückblickpost. Damit der nicht so ganz aus der Kalten kommt und weil ich heute morgen spontan Lust aufs Tagebuchbloggen hatte, steige ich mal ganz sanft wieder ein. Nicht am 1. Januar, sondern sofort. Mit der gleichen Motivation, mit der ich auch diese Woche zum Sport gehen werde und nicht erst nach dem 1. Januar: Klischees vermeiden und intrinsische Motivation ausnutzen.

Weil der Einstieg aber sanft werden soll, gibts erstmal nur drei Highlights des Tages:

  • Schönstes gemeinsames Aufwachen nach ausreichend Schlaf und ein sonniger Tag ganz ohne Montagsblues
  • Ich werd jetzt berühmt in diesem Internet – auch beruflich
  • Unweit vom Büro hat ein guter, authentischer und günstiger Bubble-Tea-Laden aufgemacht, der Jasmin-Tee mit Blaubeersirup und Litschi-Jelly ohne Eis und zusätzlichen Zucker ist sehr gut

Und damit ich mal weiterkomme mit den 1000 Fragen, hier die nächsten 10: Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

491. Kommt es dir so vor, als wäre das Gras des Nachbarn immer grüner?

Nein, eigentlich fast nie. Die Lebenserfahrung zeigt immer wieder, dass bei den anderen auch immer irgendwas ist. Vergisst man nur manchmal, dann hilft Reden.

492. Welchen gesunden Snack magst du am liebsten?

Obst jeder Art.

493. Wie fest ist dein Händedruck?

Nicht so fest, dass es wehtut, nicht so lasch, dass man das Gefühl hat, einen toten Fisch in der Hand zu halten. Zumindest ist das das Ziel und ich hoffe, das klappt auch so.

494. Schreibst du häufig etwas auf, damit du es dir besser merken kannst?

Beruflich ja, da ich von Meeting zu Meeting hetze und sonst nach dem zweiten schon wieder vergessen hätte, was im ersten besprochen wurde. Und ebenso alles, was zwischendurch an Aufgaben hereinflattert, damit nichts untergeht. Privat eigentlich nur To-Do-Listen wenn irgendwas besonderes ansteht oder Einkaufszettel, die meisten anderen Dinge merke ich mir auch so ziemlich gut.

495. Worauf hast du zuletzt mit Ja geantwortet?

Ob ich Zeit und Lust habe, heute zu dritt einkaufen zu gehen. Lebensmittel.

496. Welche Mahlzeit am Tag magst du am liebsten?

Das kommt ganz drauf an, wann es das Leckerste gibt und ich am meisten Zeit habe und wo ich die Mahlzeit zu mir nehme – ich bin da flexibel.

497. Schläfst du manchmal beim Fernsehen ein?

Ganz selten mal, außer wenn ich mir bewusst eine Serie zum Einschlafen anmache, dann natürlich idealerweise nicht nur manchmal, sondern immer.

498. Wie stark ist deine Sammelleidenschaft?

Nicht mehr so stark wie früher. Es gibt nur noch wenige Autor*innen oder Bands, deren Oeuvre ich gerne komplett und physisch besitze. Ansonsten bin ich gerade eher dabei, Dinge loszuwerden, als sie anzusammeln.

499. Hältst du dich immer an den Plan, den du gemacht hast?

Nein, auch wenn es mir manchmal sehr schwer fällt.

500. Welches Kunstwerk hat dich stark beeindruckt?

Das da. 🙂

Reisetagebuch 21. September 2019 – Neapel, Bologna, München und Berlin #loosinterrail

Ich schlafe erstaunlich viel in dieser ruckeligen Nacht im Liegewagen, auch wenn ich zwischendurch immer mal wieder kurz wach werde. Endgültig erkläre ich die Nacht gegen halb sieben beendet, etwa eine halbe Stunde, bevor mein Wecker sowieso geklingelt hätte. Kurz vor halb acht sollen wir in Neapel ankommen, aber ein Abgleich von Google Maps und der Interrail App sagt mir, dass wir schon wieder mit einer halben Stunde Verspätung unterwegs sind – natürlich, das passt ja zum Beginn der Reise gestern. Ich “frühstücke” einen Cantuccino und ein Päckchen Pfirsichsaft, die alle nebst etwas was Wasser hingestellt bekommen haben, und benutze das ebenfalls zur Verfügung gestellte Erfrischungstuch, um mich halbwegs wach und wohlriechend zu machen. Über den kleinen Plastikkamm lachen meine Haare nur, aber die bändige ich erstmal mit einem Haargummi.

In Neapel habe ich aufgrund der Verspätung keine Zeit mehr für ein vernünftiges Bar-Frühstück, kann mir aber am Gleis noch einen Automaten-Cappuccino ziehen – vom Vollautomaten aus frisch gemahlenen Bohnen und für nur 80 Cent. Zero Waste ist auf dieser Zugreisende erstmal leider nicht mehr drin. Nachdem ich meinen Platz bezogen und die Fahrkarte vorgezeigt habe, verziehe ich mich für die Morgentoilette auf eben jene und sehe dann wieder halbwegs vorzeigbar aus, wenn auch müde und leicht zerknittert.

Das Bordfernsehen berichtet über den Klimastreik und das Klimapaket der GroKo. Na immerhin sind wir pünktlich losgefahren. Ich besorge mir zum zweiten Frühstück ein Sandwich mit Tofu und Gemüse und beschäftige mich dann vor allem mit Lesen, Dösen und Bloggen.

In Bologna wird es nochmal spannend, denn natürlich haben wir inzwischen wieder eine Verspätung aufgebaut, die dazu führt, dass ich statt sechzehn nur sechs Minuten habe, um vom einen Ende des Bahnhofs zum anderen zu sprinten und den Zug nach München zu erwischen. Klappt aber auf die Minute genau und ich lasse mich in die weichen Polster der Österreichischen Bundesbahn sinken. Mist, eigentlich hatte ich gehofft, ich könne noch ein letztes italienisches Festmahl im Speisewagen zu mir nehmen. Stattdessen gibt es dort ein österreichisches Herbstmenü. Mist, auf einmal ist der Urlaub vorbei und Herbst ist auch noch.

Draußen sieht es inzwischen auch viel weniger italienisch aus – die Alpen nahen. Damit ich nicht völlig im Urlaubsend- und Herbstblues versinke, bestelle ich mir halt was sehr österreichisch-herbstliches. Es gibt Erdäpfelsuppe mit Schwammerl, einen eher langweiligen Gemüsegulasch und köstlichen Mohnschmarrn mit Weichselkompott.

Wir erreichen München mit fast vernachlässigbarer Verspätung, geraten dort aber mitten in den Oktoberfesttrubel. Der ganze Bahnhof ist voller angetrunkener Gestalten in merkwürdigen Kostümen.

Ich kaufe mir noch eine Butterbreze und dann geht es in den ICE nach Berlin, der zwar pünktlich losfährt, aber schon das nächste Abenteuer bereit hält: Aufgrund von Böschungs- und Kabelbrand werden zwei Bahnhöfe nicht an- sondern umfahren, woraus sich eine Verspätung von ca. zwei Stunden ergibt und auch der Halt in Berlin-Gesundbrunnen entfällt. Eine Gruppe Oktoberfestbesucher*innen aus Erfurt unterhält den ganzen Wagen mit ihrem Frust, während diejenigen, die noch deutlich weiter zu fahren eher resigniert und still sind. Am Ende komme ich statt kurz vor Mitternacht erst gegen zwei Uhr morgens in Berlin an und muss dann statt fünf Minuten Ringbahn noch eine halbe Stunde fahren. Kurz vor drei liege ich mit beiden Katzen im Bett.

Reisetagebuch 20. September 2019 – Case Vecchie und Catania #loosinterrail

Der Tag beginnt recht faul. Der Großteil der Mannschaft ist ausgeflogen, um einen Schäfer zu besuchen und ihm beim Melken und der Zubereitung von Ricotta und Belegschaft zuzusehen. Ich frühstücke Pasta di mandorle und Obst und lausche Fabrizia und dem Freund der Gärtnerin, die ein trilinguales Gespräch über Gastronomie, Meditation und christliche Hippies führen.

Dann schnappe ich mir Fabrizias neues, autobiographisches Buch und verziehe mich damit an meinen Lieblingsplatz im Garten. Es ist auf Italienisch, so dass ich nur die Basics verstehe, aber nach 46 Seiten beschließe ich, es mir zu kaufen und demnächst noch einmal mit einem Wörterbuch bewaffnet genauer zu lesen, um die Feinheiten mitzubekommen.

Dann möchte ich eigentlich eine Runde in den Pool springen, aber der wird gerade noch gereinigt. Als er fertig ist, kommt gerade eine ganze Gruppe an Gäst*innen an, um zu baden und ich verschiebe das Schwimmen auf den Nachmittag.

Als nächstes steht eine Käseverkostung an, bei der sechs verschiedene Kuh- und Schafsmilchkäse aus Sizilien probiert werden und die verschiedenen Arten der Käsezubereitung und ihre Auswirkung auf Konsistenz und Geschmack diskutiert werden. Dazu gibt es einen Chardonnay.

Auf den Käse folgt dann nur ein leichtes Mittagessen – mit Parmesan überbackene Auberginen, blanchierter Mangold und gedünsteter Cavolo Nero, dazu einen Salat. Bis auf den Parmesan stammt natürlich alles aus dem Garten.

Nach Melone mit Minze zum Dessert kaufe ich mir noch ein paar Dinge aus dem Laden – Textilien mit einem von Fabrizia gemalten Design mit Zucchiniblüten (einen Schal und ein Topflappen-Set) sowie das berühmte Tomatenextrakt, das hier jeden August hergestellt wird. Dann hüpfe ich noch für ein paar Bahnen in den Pool, lasse mich von der Sonne trocknen und als es anfängt zu regnen, packe ich meine Sachen und werde zum Bahnhof gefahren.

Es beginnt eine lange Heimreise, zum Glück hatte mir Fabrizia geraten, schon einen früheren Zug zu nehmen, wer weiß, ob sonst alles gut gegangen wäre. Der erste Zug hat 18 Minuten Verspätung beim Losfahren und 41 Minuten bei der Ankunft – auf der Zugstrecke gibt es ein Problem mit der Stromleitung, deswegen muss langsam gefahren und immer wieder gehalten werden. Eigentlich hätte ich damit direkt meinen ersten Anschlusszug verpasst, aber der hat das gleiche Problem und somit ebenso Verspätung – als ich ankomme bereits 29 Minuten, abfahren tun wir dann mit über 80 Minuten Verspätung. In Catania habe ich dann aber trotzdem noch zweieinhalb Stunden Zeit. Diese nutze ich, um Bargeld zu besorgen – gar nicht so leicht im Bahnhofsviertel der zweitgrößten sizilianischen Stadt – mich ordentlich zu verlaufen und am Ende immerhin noch einen leckeren Arancino mit Spinat und Mozzarella zum Abendbrot zu verspeisen.

Dann geht es zurück zum Bahnhof, wo der Nachtzug nach Neapel ebenfalls Verspätung hat, aber nur so 15 Minuten oder so – geradezu lachhaft. Ich beziehe mein Liegewagenabteil, das ich mir mit zwei anderen Frauen teile, warte noch auf die Fahrkartenkontrolle und schlafe dann überraschend schnell ein, noch bevor wir Messina und die Fähre zum Festland erreichen.

Reisetagebuch 19. September 2019 – Case Vecchie #loosinterrail #eatalien

Nach der gestrigen Herausforderung des späten Frühstücks stellen sich unsere Gastgeber*innen heute einer neuen: Frühstück um 6. Eigentlich hatte ich nur gefragt, ob es möglich ist, dass wir uns morgens um 6 einen Kaffee machen, aber davon wollten sie nichts hören: Sie würden ja sowieso früh aufstehen und wir bekämen natürlich ein komplettes Frühstück, man kann doch nicht ohne aus dem Haus!

Mit Mühe können wir sie morgens davon abhalten, uns Rühreier zu servieren. Nach einem schnellen Frühstück fahren wir halb 7 los: Der Bruder muss zum Flughafen, ich muss rechtzeitig den Shuttle-Bus nach Catania erwischen und das Mietauto muss auch noch abgegeben werden. Zum Glück klappt alles wie am Schnürchen, so dass ich in Catania in den Zug steigen kann, der mich nach Case Vecchie bringt. Was das ist und wie es dort ist, findet man, wenn man in diesem Blog nach Geburtstagswoche sucht.

Unterwegs habe ich noch einen zweistündigen Aufenthalt auf einem fast verlassenen Provinznestbahnhof, aber dann steige ich in den nächsten Zug und irgendwas in mir erkennt die Landschaft wieder (obwohl ich letztes Mal aus der anderen Richtung kam) und die Vorfreude steigt ins Unermessliche. Ich werde am Bahnhof abgeholt und stehe auf einmal wieder vor dem blauen Tor. Es ist, wie nach Hause zu kommen. Als ob ich plötzlich durch all die Fotos laufe, die ich vor vier Jahren gemacht habe. Ich atme tief ein und komme an – so richtig und ganzheitlich.

In der Küche sitzen bereits alle beim Essen: Fabrizia, ihr Team, der Freund der Gärtnerin und drei Kochschüler*innen. Ich werde freudig begrüßt und dann gibt es Mittagessen: Ricotta-Gnocchi mit Sugo, Kaninchen in Mostarda-Sauce mit Kartoffeln und einem Salat aus bunten, gehäuteten Tomaten, Obst (Jujube, Erdbeertrauben), Feigen-Trauben-Tarte und Kaffee. Zum Essen gibt es Grillo, einen autochthonen sizilianischen Weißwein. Ein ganz normales Mittagessen in Case Vecchie eben…

Nach dem Essen besprechen Fabrizia und ich kurz unsere Pläne für meinen Aufenthalt, dann legt sie sich zur Siesta hin und ich begebe mich zu meinem Lieblingsort im Garten, genieße die Aussicht, atme den Duft von Blumen und Kräutern, meditiere, reflektiere und lese.

Irgendwann fängt es an zu regnen, so dass unsere Gartenarbeitspläne ins Wasser fallen. Stattdessen lese ich noch ein wenig in der Bibliothek weiter und abends plaudern Fabrizia und ich dann über dies und das – vom Catch-up seit unserem letzten Treffen im November über Lebensphilosophien, die politische Entwicklung in Deutschland und Italien, Familiengeschichten und Berufliches bis hin zu unseren Lieblingsserien. Der Rest der Gesellschaft ist auf einem Pizza-Workshop im Dorf, deswegen sitzen wir alleine am riesigen Esstisch und essen Reste – frischen Ricotta und älteren Schafskäse, eingelegte gegrillte Auberginen, getrocknete Tomaten, Sauerteigbrot, Macco aus eingefrorenen Fava-Bohnen – schön grün und aromatisch, anders als vorgestern – und eine Cassatina. Alles aus eigenen Zutaten und selbst hergestellt, inklusive des Weins, eines Nero d’Avola.

Nach dem Essen darf ich dann noch in die Badewanne – immerhin zum ersten Mal seit fast drei Wochen – und dann geht es müde und zufrieden ins Bett.

Reisetagebuch 18. September 2019 – Modica, Scoglitti und Comiso #loosinterrail #eatalien

Der Tag beginnt – wie auch sonst – mit einem Frühstück. Bei dem haben wir unsere Gastgeber*innen zeitlich ein wenig herausgefordert, denn eigentlich gibt es Frühstück nur bis 9:30 Uhr, ich bestellte es aber unwissend für 9:30 Uhr und so geschieht es dann auch und ist sehr reichhaltig und lecker:

Nicht im Bild: Rührei, Käse, Schinken…

Nach dem Essen brechen wir nach Modica auf, das nicht nur mit seinem barockem Stadtbild, sondern auch seiner berühmten Schokolade lockt. Eifrige Leser wissen, wo meine Prioritäten liegen… Und bei Katzen:

Als wir unseren Spaziergang durch die Altstadt beenden ist es schon ganz schön heiß, zu heiß für Schokolade – Zeit für ein Eis, mit besagter Schokolade (für den Bruder mit Pistazie).

Dann brauchen wir dringend eine richtige Abkühlung und fahren an den südlichsten Punkt der gesamten Reise, nach Scoglitti, und gehen dort an den Strand. Dieser erinnert in Aufbau und Sandbeschaffenheit an den Strand unserer Kindheit in Warnemünde und macht damit schonmal vieles richtig. Dazu ist das Wasser auch noch angenehm warm und türkisfarben und es gibt sowohl Algen als auch Muscheln und knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen kleine Mini-Fischlein, die uns zwar regelmäßig anstupsen, aber sich nicht fangen lassen. Haben wohl Angst, dass wir ihnen gleich den Kopf abbeißen und/oder ne Zitrone aus der Badehose holen.

Als es das nächste Mal zu heiß wird, gibt es eine Granità. Pistazie für den Bruder (erkennt man ein Muster?) und Maulbeere für mich:

Dann geht es für eine weitere Badung bis kurz vor Sonnenuntergang zurück an den Strand, bevor wir für ein frühes Abendessen nach Comiso fahren. Das ist ein Tipp von Rachel, die hier in der Nähe ihr Sommerhaus hat. Wir haben zunächst Schwierigkeiten, die Cantunera zu finden, was daran liegt, dass sich das Lokal über drei Ecken einer Kreuzung erstreckt. An der einen Ecke bestellt man die Arancini und Getränke, eine andere beherbergt den Außenbereich und die dritte den Innenbereich samt Toiletten. Wir bestellen liebe Grüße von Rachel und werden dann sehr zuvorkommend beraten.

Zu sizilianischem Craftbeer gibt es für mich Arancini mit Salsiccia und Radicchio bzw. Apfel, Speck und Asiago. Der Bruder nimmt zwei andere, aber da ich erst Tage später zum Bloggen komme, habe ich leider vergessen, welche das sind. Nach dem Essen geht es zurück nach Hause und früh ins Bett – nicht ohne die Reste des Weißweins zu trinken, die wir am Brudergeburtstag noch mitgenommen hatten.

Reisetagebuch 17. September 2019 – Zafferana Etnea und Ätna #loosinterrail #eatalien

Heute ist wieder ein Reisetage, aber zwischen Frühstück und Autofahren passt immer noch ein bisschen Meer. Findet zumindest das Brüderchen und dieser Meinung schließe ich mich gerne an. Wie schon vorgestern fahren wir dazu zur Baia di Tono, wo türkisblaues unglaublich klares Wasser auf helle Kiesel treffen. Selbst wenn man ewig weit rausschwimmt und schon lange lange nicht mehr stehen kann, sieht man noch den Grund. Ich bedauere ein wenig, keine Unterwasserkamera dabei zu haben. Es gibt zwar weder Pflanzen noch Tiere zu sehen hier – was mich ein wenig stutzig macht – aber alleine der Anblick meiner vergleichsweise immer noch käsigen Beine vor diesem Hintergrund wäre ein Bild wert.

Wir lassen uns von der Sonne trocknen und dann geht es los – wir wollen vom Norden Siziliens hinunter in den Süden, da braucht man eine Weile. Einen ersten Stop machen wir in Zafferana Etnea an den Hängen des Ätna. Die Stadt ist für ihren Honig bekannt und der Bruder möchte aus Gründen welchen kaufen (irgendwas mit einem Hobby-Honigforscher in seinem Kollegenkreis, Geografen sind mitunter anders). Obwohl ich mich nicht mehr genau erinnere schaffen wir es, in dem selben Honigladen einzukehren wie der Hase und ich vor 5 Jahren. Diesmal schlage ich nicht ganz so exzessiv zu, aber Zitronenhonig, Eukalyptushonig, Thymianhonig, Pistazienpesto, Olivenöl mit Zitrone und verschiedene Honigseifen müssen trotzdem mit.

Danach kehren wir in einer Bar ein, wo es für den Bruder Caprese und für mich eine “Pizza Siciliana” mit Mortadella, Mozzarella und Pistazien gibt – eigentlich wollte ich ja Arancini, aber die waren aus, ebenso wie die Pizza mit Zucchiniblüten und wildem Fenchel und das Lemonsoda. Aber Oransoda hatten sie da. Die Pizza Siciliana ist übrigens eine Art frittierte Calzone und verlangt mir einiges ab – es bleibt wenig Hunger fürs Abendbrot übrig.

Dann geht es hinauf auf den Ätna, wo wir uns ein wenig Vulkanatmosphäre geben wollen. Auf dem Weg zu den Crateri Silvestri nehmen wir einen Tramper mit, der sich als Ätna-Guide entpuppt, welcher spontan eine Wanderroute geändert hatte und nun zurück zu seinem Auto möchte. Wir nehmen ihn mit und bekommen auf dem Weg eine volle Dosis an Tipps – leider viel zu viel für unsere knappe Zeit. Aber wir steigen dann auf den größeren der Crateri und machen eine Menge schöner Fotos – ist ja für uns beide bei weitem nicht der erste Vulkan, da muss man es auch nicht übertreiben.

Mit Bimssteinchen in den Schuhen und “I Bims”-Witzen auf den Lippen geht es dann weiter nach Süden, bis in die Nähe von Modica, wo wir im Agriturismo schon erwartet werden. Wieder ergießt sich ein Schwall italienischer Fragen und Tipps über uns – auch noch in starkem sizilianischem Dialekt – aber die wichtigsten Informationen bekomme ich gefiltert: Wann gibt es Frühstück und wo ist die nächste Trattoria?

Zum Glück nur etwa 700 m entfernt, so dass wir uns einfach zu Fuß auf den Weg machen können. Wir kommen dort gegen halb 9 an und sind neben den anderen deutschen Gästen des Agriturismo die einzigen. Da ich immer noch voll von der Pizza bin, teilen wir uns die gemischten Antipasti und ich esse danach “nur” noch eine Suppe – eine Macco aus Fava-Bohnen mit ordentlich Olivenöl drauf. Leider wurden hier getrocknete Bohnen verwendet, so dass die Suppe eher langweilig schmeckt und bei weitem nicht so gut, wie mein erstes Macco damals 2015.

Brüderchen hat mehr Hunger als ich und isst noch Cavatelli alla Norma, Caponata und eine Insalata mista. Dazu gibt es einen lokalen Rotwein, der nicht näher benannt wird, es aber auch nicht lohnt nachzufragen. Als wir fertig sind ist es halb 11 und inzwischen sind viele Tische besetzt – in Sizilien isst man spät. Wir laufen zurück zum Agriturismo und fallen müde ins Bett.