Ein müder Tag und 1000 Fragen

Heute ist ein müder Tag. Ein sehr müder Tag. Obwohl ich um 10 im Bett lag und trotz Tolstoi-Hörbuch (Familienglück) war ich auch um 1 noch wach und wieder wach dann gegen 6. Keine Ahnung wieso, Vollmond war jedenfalls nicht. Allerdings hatte das den Vorteil, dass ich ohne Hetzen schon halb 9 im Büro war und dann ganz easy um 5 Feierabend machen konnte. Auf dem Heimweg habe ich noch schnell zwei Jacken aus der Schneiderei geholt (jetzt habe ich wieder eine heile Winterjacke!). Und dann war ich trotzdem schon deutlich vor 6 zuhause. Da der Hase da noch lange nicht Feierabend machen konnte, fiel mir die Aufgabe zu, Staub zu saugen. Ich hasse es so sehr (80qm, 7 Räume, jede Menge Winkel, Katzenhaare, Katzenstreu, 1000 Sachen auf dem Boden, die zur Seite oder hochgenommen werden müssen…). Eigentlich ist das Staubsaugen zum Glück selbstgewählte Hasenaufgabe, aber was will man machen, wenn die Brotarbeit ruft.

Zur Belohnung gibt es für uns beide dann heute Essen von auswärts, den nächsten Oscar-Film und ganz viel Katzenkuscheln heute Nacht. Normalerweise schlafen die Miezen ja in dem Teil der Wohnung, in dem wir nicht schlafen, aber zu besonderen Anlässen schlagen wir auch mal das “Familienbett” im Wohnzimmer auf und da dürfen sie dann durchaus mit rein und freuen sich jedes Mal sehr (und ich mich auch). Nimbin schlüpft so gern mit unter die Decke und nichts bringt mich zuverlässiger zum Einschlafen als Noosa, die sich neben mein Gesicht kuschelt und schnurrt wie zehn Sägewerke. Apropos Noosa – heute vor 6 Jahren waren wir in Noosa, sagt Facebook. Neben Nimbin war das für uns einer der schönsten Orte in Australien.

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Ansonsten habe ich heute aber müdigkeitsbedingt nicht viel zu erzählen, deswegen gehts direkt weiter mit den nächsten 10 der 1000 Fragen an mich selbst.

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

 

31. Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Zuletzt IN einem Buch gelesen habe ich in Matthias Dettmann (Hrsg.): Rostock. Mein Arkadien, heute in der Mittagspause. Das letzte ausgelesene Buch war Anne Stern: Das Glück ist ein flüchtiger Vogel.

 

32. Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?

a. Aus Faulheit. Ich habe mir zuletzt vor etwa 4 Jahren die Haare schneiden lassen (und auch da nur die Spitzen). One less thing to think about.

b. Weils gut aussieht – wenn die Haare frisch gewaschen und einigermaßen gekämmt sind, kann man die offen tragen und das gefällt nicht nur mir immer sehr gut.

c. Weil die langen Haare alles mögliche kaschieren.

 

33. Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig?

In einem ganz wahrhaftigen Sinne sicher nicht, ich könnte schon ohne überleben, wenn ich müsste. Solange ich es aber in der Nähe und unter Strom habe: Ja, sehr.

 

34. Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto?

Das schwankt im Laufe eines Monats ganz schön. Grad auf jeden Fall genug.

 

35. In welchen Laden gehst du gern?

In den italienischen Supermarkt an der Greifswalder, in Asiamärkte und andere kulinarische Spezialitätenläden und natürlich in Buchhandlungen. Alles andere hat über die Jahre irgendwie seinen Reiz verloren.

 

36. Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe?

Auf jeden Fall kein Langweiliges. Außer ich bin irgendwo auf dem Land und es gibt nur Apfelschorle oder KiBa oder so. Ansonsten suche ich mir gerne etwas aus, was ich woanders nicht bekomme – hausgemachte Limonaden oder Eistees, besondere Teesorten oder Säfte… Und in Kneipen natürlich auch gerne mal Craft Beer oder Cocktails. Wein eher zum Essen.  Und generell achte ich auswärts meist darauf, dass ich viel Flüssigkeit für mein Geld bekomme. Kurze sind also eher selten und auch bei Cocktails bevorzuge ich die in den großen Gläsern.

 

37. Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen?

Wenn ich mich (körperlich und mit den Menschen um mich herum) wohlfühle, bleibe ich meist bis zum Schluss. Also nein, nicht wirklich.

 

38. Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit?

Wenn ich spontan Geld verdienen müsste, vermutlich als Übersetzerin, Texterin, Lektorin. Auch wenn man da viel Akquise betreiben muss, um über die Runden zu kommen. Das kann ich halt am Besten. Ansonsten spielen der Hase und ich ab und zu mal mit Ideen, wie man sich ein Leben in schönen Gegenden finanzieren könnte. Das hat dann meist was mit Gästen, Essen und Lebensgefühl zu tun.

 

39. Willst du immer gewinnen?

Nee, dafür tu ich das zu selten, das wäre ernüchternd. Einen gewissen Ehrgeiz entwickle ich beim Tischtennis oder bei Spielen, die was mit Wissen und/oder Worten zu tun haben. Tabu, Cranium, Cards Against Humanity… Da bin ich vorne mit dabei.

 

40. Gehst du in die Kirche? 

Ich habe mit 22 in Toronto zum ersten Mal eine Kirche während eines Gottesdienstes betreten. Und zwar um mir meine Weltoffenheit zu beweisen und weil ich neugierig war. Seitdem war ich – wenn ich richtig zähle – auf drei Taufen, drei Beerdigungen und zwei Hochzeiten in der Kirche. Und zwei oder dreimal zu Weihnachten mit der Hasenfamilie. Ich denke ich kann reinen Herzens behaupten: Nein.

Diskriminierungsfreie Sprache für Einsteiger

Ich beschäftige mich ja schon seit Jahren – mal mehr und mal weniger tiefgründig – mit den sogenannten Ismen (bzw. der *istischen Kackscheiße), mit geschlechtergerechter Sprache, mit diskriminierungsfreien Begriffen usw. Rassismus, Sexismus, Ableismus, Homosexuellenfeindichkeit, Heteronormativität… You name it. Das Thema begegnet mir auf Schritt und Tritt auf meinen Streifzügen durchs Internet, in den Podcasts, die ich höre, in meinen Facebook- und Twitter-Timelines oder ganz einfach im Freundes- und Bekanntenkreis, in dem es z. B. schwule, lesbische und bisexuelle Menschen gibt, transidente und nichtbinäre Menschen, Menschen verschiedenster Hautfarben und ethnischer Hintergründe sowie diverser Religionen. Interessanterweise sind die meisten Menschen in meinem Umfeld noch nicht behindert, aber ich denke mal, je älter ich werde, desto höher wird auch der Anteil von Menschen mit Behinderung werden.

Jedenfalls bewege ich mich relativ sicher in all den theoretischen Hintergründen und Begrifflichkeiten und gelte oft auch als diejenige, vor der eins auf seine/ihre Sprache besonders achtgeben muss, damit eins keinen auf den Deckel bekommt… Was das allerdings mit sich bringt, ist, dass vieles davon für mich völlig selbstverständlich ist (auch wenn natürlich auch mir immer noch regelmäßig Fehler unterlaufen) und ich irgendwie davon ausgehe, dass es für andere auch so ist. Und dann schmeiße ich manchmal auch mit Begriffen um mich wie Deadnaming oder Blackfacing oder Misgendering oder Cis-Mann/-Frau und dann gucken die Leute ganz oft wie Autos, verstehen nicht, was ich meine und wenden sich dann lieber anderen Themen zu.

Deswegen hat es mich heute ganz besonders gefreut und inspiriert, mal einen ganz niedrigschwelligen und leicht zugänglichen Einstieg in das Thema zu hören. Zunächst stellte sich eine Person hin und zählte all die Punkte auf, für die sie in ihrem Leben bereits diskriminiert wurde oder in denen sie diskriminierbar ist (Frau, im Vergleich zum Umfeld alt, klein, Ausländerin, nichtdeutscher Nachname). Man merkte direkt, wie es bei der Zuhörerschaft im Kopf ratterte und einige dieser Punkte ihr gar nicht bewusst gewesen waren. Und das irgendwie auch zu Recht, denn wie sie richtig sagte, ist es ja für die Zusammenarbeit zumindest theoretisch völlig egal, ob jemand jung oder alt, weiblich oder männlich, transgender, schwul, lesbisch oder polyamourös ist. Dann stellte sich eine zweite Person hin (männlich, weiß, heterosexuell, deutsch) und spielte den Erklärbär (man könnte jetzt Mansplaining unterstellen, aber ich glaube in der Konstellation waren die Geschlechterrollen nur zufällig passend verteilt):

Wenn wir im Alltag auf unsere Mitmenschen treffen, wissen wir in den allermeisten Fällen nicht alles über sie. Wir kennen weder ihre sexuelle Identität noch ihre Religion, wahrscheinlich nicht ihre ethnische Herkunft oder den Grad einer eventuellen Behinderung, wir wissen nichts über vergangene oder aktuelle traumatisierende Erfahrungen und wir wissen auch nicht, in welchem sozialen und kulturellen Umfeld sie aufgewachsen sind. Worte, Stereotype und Witze, die für uns in unserem gesellschaftlichen Kontext völlig normal und harmlos sind, können für unser Gegenüber daher verletzend sein, ohne dass wir das wissen oder gar beabsichtigen. Dessen sollten wir uns stets bewusst sein und uns immer wieder hinterfragen und das, was uns manchmal einfach so herausplatzt vielleicht vorher noch einmal filtern.

Bäm. So einfach erklärt, so schwierig einzuhalten. Ich fand das einen extrem guten Auftritt von den beiden in diesem Kontext und ich hoffe, dass ihre Worte auch beim Rest des Publikums einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich möchte mir diesen einfachen Erklärungsansatz jedenfalls gerne aufschreiben (erledigt) und in Zukunft verwenden, wenn ich mit Menschen über das Thema spreche, die weder feministische Blogs noch Texte zu Genderthemen oder Blackfacing-Debatten verfolgen. Danke Ihr beiden!

 

PS: Aufgefallen ist mir, dass als Beispiele für Religionen in dem Zusammenhang nur Christentum, Islam und Atheismus genannt wurden. Nun wird man für Buddhismus, Hinduismus oder Pastafarianism zumindest hier in Deutschland selten diskriminiert, aber dass das Judentum in dem Vortrag keine Rolle spielte, zeigt einmal mehr, wie unsichtbar Juden und Jüdinnen in unserem Alltag sind. Dazu und zu dem wachsendem Antisemitismus in Deutschland lese ich gerade das erschütternde und unbedingt empfehlenswerte Buch “Schonzeit vorbei. Über das Leben mit dem alltäglichen Antisemitismus” von der wundervollen Juna Grossmann, dass ich Euch allen gerne ans Herz legen möchte (unbezahlte Werbung, ich bekam das Buch zu Weihnachten geschenkt).

PPS: Jeder Blogbeitrag braucht ein Bild, ich habe aber bei der Veranstaltung keins gemacht, stattdessen gibt es einen schönen Noosa-Schnappschuss. Passt immer.

Angeblich spiele ich April Nardini

in den neuen Gilmore-Girls-Folgen. Sagt zumindest Bettie. Ob das nun in irgendeine Richtung wertend ist, muss ich mir noch überlegen, denn April ist ja nicht gerade unstrittig im Fandom (was Bettie aber vielleicht nicht weiß?), während Vanessa Marano ja schon ganz gut aussieht… Da denke ich nochmal drüber nach.

Mehr zu den neuen Folgen und den beiden anderen kulturellen Ereignissen dieser Woche (die Buchpremiere von Luisas “Classic German Baking”) und die lange Nacht des Videoschnipselvortrags mit Kuttner, Funny van Dannen, der Volksband und dem Chor der Werktätigen der Volksbühne schreibe ich demnächst auf, wenn ich den Schlaf endlich nachgeholt habe und ihr die final four words auch alle kennt…

#englandwalesroadtrip – Von Birmingham nach Cardiff

Wie es scheint, bleibt die Internet-Situation auch weiterhin angespannt – ziemlich oft gibt es keinen oder nur sehr schlechten Empfang auf dem iPhone und auch in den Unterkünften ist das WLAN bisher nur in den Gemeinschaftsräumen einigermaßen stark. Deswegen zeige ich hier im Blog weiterhin nur wenige Bilder – mehr könnt Ihr auf Instagram unter #englandwalesroadtrip sehen, denselben Hashtag verwende ich auch auf Twitter.

7. August

Den Sonntag verbringen wir weiterhin bei Bruder und Schwägerin, allerdings lassen wir es heute ein klein wenig ruhiger angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück und ein wenig Olympia im Fernsehen nehmen wir gegen Mittag den Bus in die Innenstadt. Der Hase braucht eine neue Hose (eine, die er eigentlich mitnehmen wollte, hängt zuhause vergessen auf dem Wäschetrockner) und ich möchte mir nun endlich Harry Potter and the Cursed Child kaufen. Da wir in England sind, ist das auch an einem Sonntag kein Problem – alle Läden haben offen. Bei Waterstones werde ich schnell fündig, ein paar ramponierte Exemplare von Cursed Child liegen auf dem Half-Price-Tisch direkt am Eingang. Für 10 Pfund (etwa 11,80 €) schlage ich zu und bin in unter zwei Minuten wieder aus dem Laden raus. Dann geht es weiter zu Urban Outfitters, eine Premiere für mich. Hui ist das ein krasser Hipsterladen, aber doch mit einigen Annehmlichkeiten. Es läuft gute Musik (viel zu laut), zwischen den Klamotten liegen Vinyl-LPs, die man kaufen kann, es gibt auch Haushaltsgegenstände, Accessoires und Bücher (hauptsächlich zu Themen wie Achtsamkeit ;)) und eine Produktlinie, bei der alte Kleidung recycelt und zu neuen Teilen geschneidert wird. Da der Hase sehr konkrete Vorstellungen hat (eine Jeans in Nicht-Blau), verschwindet er schnell mit den beiden einzigen Modellen in seiner Größe in der Umkleidekabine. Ich schaue mich weiter im Laden um, Bruder und Schwägerin kaufen nebenan ein paar Laufschuhe, die die Schwägerin schon seit Wochen im Auge hatte. Der Hase kommt mit zwei passenden Hosen wieder aus der Umkleide, eine von beiden ist nicht ausgepreist, kommt aber vom Rabatt-Tisch. Die nächsten zehn Minuten verbringen die Jungs an der Kasse vergeblich damit, einen Preis dafür zu ermitteln. Dann bieten sie sie ihm für 10 Pfund an („Ist aber ohne Umtauschrecht!“) und wir verlassen mit zwei neuen Hasenhosen den Laden.

Dann ist erst einmal Stärkung geboten und wir holen uns Kaffee (Bruder und Schwägerin), Frozen Yoghurt (Bruder, Schwägerin und Hase) sowie Bubble Tea (ich) und verschnaufen ein wenig. Als nächstes wollen wir zum „Secret Garden“ auf der Bibliothek, aber ausgerechnet die hat am Sonntag natürlich zu. Macht nichts, der kommt auf die Liste für unseren nächsten Birmingham-Besuch, genau wie das Museum of the Jewellery Quarter und die Backs-to-Backs-Tour, das irische Viertel Digbeth und die ehemalige Custard Factory, in der heute Bars, Gallerien und kleine Läden sind).

Botanischer Garten


Wir fahren mit dem Bus zum Botanischen Garten und verbringen dort ein paar tolle Stunden zwischen Tropenhaus, Bambus-Labyrinth und Kräutergarten. Eine Weile liegen wir auch einfach mit diversen anderen Sonnenhungrigen auf der Wiese und erfreuen uns des Sommers. Dann kehren wir zurück nach Hause, trinken Tee und beschäftigen uns mit Olympia bzw. Cursed Child, bis der Hunger anfängt zu nagen. Als ich das Buch zu etwa zwei Dritteln bezwungen habe, gehen wir wieder raus. Wir wollen zu einem jamaikanischen Restaurant um die Ecke. Leider hat auch das heute zu und muss also auf die Liste. Stattdessen holen wir uns leckere Deep Pan Pizza und essen sie zuhause mit einem Salat.

Der Tag endet mit Buch und Olympia, das letzte Drittel schaffe ich natürlich auch noch.

8. August

Heute beginnt unser Roadtrip so richtig. Nach einem frühen Frühstück packen wir unsere Rucksäcke und laufen eine knappe halbe Stunde zur Autovermietung in der Innenstadt. Mein Bruder lässt sich als zweiter Fahrer mit eintragen, denn in einer Woche treffen wir die beiden an der Westküste von Wales wieder. Dann verabschieden wir uns und der Hase und ich wagen uns in den Linksverkehr von Großbritanniens zweitgrößter Stadt. Nach einer knappen Viertelstunde hat das Navi dann auch erkannt, wo es ist und wir können relativ zügig die Autobahn gen Süden nehmen.

Kurz vor Wales halten wir an einer Tankstelle an, da das schlaue Auto uns auf einen unzureichenden Reifendruck im rechten Vorderreifen hinweist. Für 20p überprüft der Hase den Druck, pumpt den Reifen auf und wir bestätigen dem Auto, dass jetzt alle Reifen in Ordnung sind. In der Zwischenzeit lockt mich das Schild mit „Homemade Snacks“ und ich kaufe uns ein Cornish Pasty, eine Pork Pie und ein Scotch Egg. Letzteres wollte ich schon einige Zeit lang probieren, der Hase war wegen eines Fotos im Reiseführer scharf auf das Pasty und Pie geht ja sowieso immer. Wir fahren noch ein kleines Stück weiter und suchen uns dann einen Picknickplatz im Grünen.

Dann halten wir, schon in Wales, kurz in Monmouth und spazieren durchs Stadtzentrum, bevor wir durchs wunderschöne Wye-Tal zur Tintern Abbey fahren. Dort halten wir länger und ich mache diverse Fotos und erzähle dem Hasen von der Bedeutung dieser Ruine für die englische Romantik, Malerei und Tourismus-Industrie. Mein Professor für englische Literatur wäre stolz auf mich gewesen, auch wenn ich damals für das Referat zu einem hier entstandenen Wordsworth-Gedicht nur eine 3 bekommen habe…

Tintern Abbey


Weiter geht es nach Chepstow, an die Mündung des Severn, wo wir von weitem einen beeindruckenden Blick auf eine der beiden Brücken haben, die England und Wales hier „unten“ miteinander verbinden. Dann fahren wir weiter zu unserem heutigen Domizil, einem Guesthouse in Newport. Wir haben „Glück“: aufgrund einer Umleitung wird der gesamte Durchgangsverkehr an unserer Unterkunft vorbeigeleitet, deswegen brauchen wir zunächst einmal deutlich länger, um überhaupt hinzukommen und haben dann eben jenen Durchgangsverkehr direkt vor unserem Fenster. Abgesehen davon ist es im Guesthouse sehr schön – viktorianische Einrichtung, gemütliches Zimmer, Guest Lounge mit WLAN und Sofas und ein putziger Betreiber. Leider stellt sich dieser schnell als Leave-Befürworter heraus. Im Fenster hängt ein Aufruf, für den Brexit zu stimmen, an der Rezeption liegen Flugblätter mit einem unsäglich schlechten Schmähgedicht auf die EU und an der Pinnwand ein diffamierender Zeitungsartikel über den „betrunkenen Rüpel“ Jean-Claude Juncker.

Obwohl unsere Sympathien für den Betreiber sofort zurückgehen – wir können halt auch nicht aus unserer Haut – folgen wir seinem Tipp fürs Abendessen und gehen ins „The Pen and Wig“, ein Pub, das echtes englisches Ale serviert („und nicht diesen kohlensäurehaltigen Mist!“). Wir essen Fish and Chips und Cottage Pie und hinterher einen Apple Crumble mit Custard und trinken Bass Ale, Strongbow Dark Fruits Cider und ein zweites Ale mit Hopfenaromen von tropischen Früchten. Zurück im Guesthouse buche ich noch schnell zwei Hostels für die letzte Phase des Riadtrips und dann geht es, unterstützt von den gratis verteilten Ohropax, in die Heia.


9. August

Trotz Autos vor dem Fenster schlafen wir beide erstaunlich gut und auch das Full English Breakfast am Morgen sorgt für einen guten Start in den Tag. Ich nehme die vegetarische Version mit Tomate, Bohnen, Pilzen und Potatoe Cake zum pochierten Ei, der Hase wählt Rührei, Bacon und Würstchen mit Tomate und Bohnen, lässt aber die Blutwurst aus. Dazu gibt es Toast mit Marmelade, Orangensaft und für ihn Tee und für mich heiße Schokolade (immerhin Fairtrade!).

Wir packen unsere Sachen, verabschieden uns und fahren nach einem kurzen Blick auf die Newporter Transporter Bridge weiter nach Caerleon. Hier gibt es die Überreste einer alten römischen Stadt zu besichtigen, mit Amphitheater, Barracken und Bad. Gerade im Bad wird die Geschichte sehr schön und medial aufbereitet. Es gibt Projektionen von Wasser und Schwimmenden, Spuren von Hunden und Katzen in den Steinen, kurze Filme und Computerspiele zum Lernen und es riecht sogar ein wenig nach Sauna, finde ich.

Caerleon Roman Baths


Von Caerleon geht es dann direkt weiter nach Cardiff. Wir beziehen unser Hostel und laufen dann in die Innenstadt, wo wir einer Route unseres Lonely-Planet-Reiseführers folgen, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten komprimiert zu sehen. Es beginnt mit Gerichtshof, Rathaus und den Gorsedd Gardens. Dann geht es weiter zur Universität, durch deren Hauptgebäude wir auch laufen. Danach folgen die Alexandra Gardens, die Hochschule für Musik und Theater, der Bute Park samt Kanal, Steinkreis, Ruinen und gerade vorbereitetem Festival und das Schloss mit seiner Animal Wall. Auf der sitzen Steinfiguren von Bären, Robben, Löwen, Adlern, Ottern, Bibern und mehr, die angeblich nachts zum Leben erwachen. Lebendig genug sehen sie in jedem Fall aus. Durch eine Straße mit Clubs und Kneipen und vorbei am Millennium Rugby-Stadion geht es weiter zur Fußgängerzone. Dort müssen wir uns schwer zusammenreißen, nicht ins jamaikanische Restaurant zu gehen und betreten stattdessen die Hallen des Cardiff Markets. Hier kaufen wir fürs Abendessen Auberginen, Tomaten und Knoblauch sowie Brot und Pfirsiche ein, bewundern den Fischstand und snacken ein paar köstliche Welsh Cakes.

Dann laufen wir durch das alte, heruntergekommene, Hafenarbeiterviertel Bute Town zur Cardiff Bay, dem aufgemotzten ehemaligen Kohlehafen. Es gibt köstliches Eis (Honeycomb-Mango und Double Choc-Nut) mit Blick auf das Wasser, ein Riesenrad, eine norwegische Kirche, in der Roald Dahl getauft wurde und die heute vor allem als Galerie und Kulturzentrum dient und eine Doctor-Who-Experience. Da wir (noch) keine Fans des Doctors sind, laufen wir an der und den dazugehörigen Studios von BBC Wales relativ unbeeindruckt vorbei. Spannender finde ich das Gebäude des Waliser Parlaments, das mit geschwungenem, maritimen Holzdach und dunklen Steinen ebenso wie zwei Statuen von Minerva und Neptun, die wir in der Innenstadt gesehen haben, die zwei Säulen der (vergangenen) Waliser Wirtschaftsmacht – die Kohle und die Seefahrt – repräsentiert.

Cardiff Bay

Auf der Suche nach einer schöneren Route zurück zum Hostel laufen wir am Atlantic Wharf vorbei, einer riesigen Wasserfläche mitten in der Stadt voll mit Möwen, Enten und Kormoranen. Am Ufer wachsen Brombeerhecken (wie überhaupt überall, wo wir bisher waren) und wir essen die eine oder andere, während wir unsere klugerweise mitgeführte Tupperdose füllen.

Zurück im Hostel ist die Küche bereits relativ voll. Zum Glück hat noch niemand den Ofen in Beschlag genommen, so dass wir unsere Auberginen einfach in einer Auflaufform hineinschieben können. Die nächste gute halbe Stunde beschäftigen wir uns mit dem (langsamen) Internet. Dann backe ich das Brot auf, schneide die Tomaten und den Knoblauch klein, mache einen Tomatensalat, schäle und zerkleinere die Auberginen und mische sie mit Knoblauch sowie Öl und einer italienischen Würzmischung aus Hostel-Beständen und einem Spritzer Zitrone von einem Mitbewohner, der damit gerade sein Steak Tatar würzt.

Immer mehr macht sich (schon wieder!) eine Erkältung bei mir bemerkbar. Schon den ganzen Tag habe ich Halsschmerzen und die Nase läuft. Deswegen geht es nach dem Essen für mich direkt und warm eingepackt ins Bett – immerhin nach über 17 Kilometern zu Fuß heute!

 

Auch heute bleibt die Blogküche kalt

Nach einer Woche mit krankheitsbedingtem Schonungsgebot (samt ärztlicher Anweisung, möglichst wenig zu lesen und “fernzusehen”), meinem Geburtstag, Brexit-Schockstarre und der gestrigen Nachfeier im Volkspark Friedrichshain, habe ich heute wieder nur ein paar Fotos für Euch – der Iron Blogger wegen. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich demnächst auch mal wieder etwas mehr zu schreiben habe…

Noosa
Noosa beim Lage checken
Geburtstag
Geburtstagsfrühstück im Bett
Geschenke
Geburtstagsgeschenke I
Gutschein
Geburstagsgeschenke II
Post
Geburtstagspost
Geburtstag
Sizilianische Geschenke
Rucksack
Neuer Rucksack
Europeada
Doch mal kurz “ferngesehen”
Miezen
Hungrige Miezen
Grill
Heiße Sounds auf dem Grill
Gäste
Süße Geburtstagsgäste

Der obligatorische Jahresrückblick

So langsam muss die Schreibfaulheit mal wieder aufhören, die in den letzten Wochen eingesetzt hat und jetzt sogar dafür sorgte, dass ich mal wieder 5 € bei den Iron Bloggern löhnen musste. All diese Termine vor Weihnachten, Geburtstage, eine Hochzeit, Geschenkebesorgungen und dann eben Weihnachten selbst bei den Haseneltern haben dafür gesorgt, dass ich kaum mal Muße hatte, irgendetwas aufzuschreiben und wenn habe ich das nur kurz bei Twitter getan. Gekocht habe ich auch nicht wirklich, was ja sonst immer ein ganz guter Anreiz zum Bloggen ist. So langsam geht es damit wieder los: Übermorgen kommen Silvestergäste und die sollen natürlich verköstigt werden. Deswegen habe ich mich dann heute aufgerafft, in Rezepten gestöbert und ein Büffet zusammengestellt, das auch einiges aufgreift, was dieses Jahr passiert ist. Doch dazu demnächst, erstmal muss noch der obligatorische Jahresrückblick her:

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Darüber habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und hätte spontan irgendwas bei 2 gesagt. Dann sind mir zum Glück noch eine ganze Menge schöne Sachen eingefallen, die auch passiert sind, damit rettet sich das Jahr auf eine 6, würde ich sagen.

Zugenommen oder abgenommen? 

Darüber könnte ich jetzt nur spekulieren, denn ich habe maximal 1-2 Mal in diesem Jahr auf einer Waage gestanden und das war eher irgendwann am Anfang – ich schätze mal, dass ich auf Sizilien ein wenig zugenommen habe, sich das dann aber wieder relativiert hat.

Haare länger oder kürzer? 

Irgendwann im Frühling wurden mal so 10 cm abgeschnitten, seitdem wächst es wieder, keine Ahnung, ob der Vorzustand schon wieder erreicht ist?

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Obwohl ich das Gefühl habe, im Laufe der Jahre graduell etwas kurzsichtiger zu werden, kann ich das auch nicht mit Zahlen belegen, weil ich schon seit Jahren nicht beim Augenarzt war. (Asche über mein Haupt, wohl ein Vorsatz für 2016…)

Mehr Geld oder weniger?

Von Monat zu Monat relativ gleich, da hat sich nicht viel geändert. Allerdings haben die Urlaube dieses Jahr ganz schön reingehauen, so dass der Berg im Geldspeicher um einiges geschrumpft ist.

Mehr ausgegeben oder weniger? 

Durch besagte Urlaube, häufiges Essen gehen usw. wahrscheinlich etwas mehr. Noch ein Vorsatz für 2016: Noch mehr selber kochen und dann mit ins Büro nehmen!

Der hirnrissigste Plan?

Puh – da gab es so einige, die sich im Nachhinein aber doch irgendwie als goldrichtig erwiesen haben – zum Beispiel, für das gleiche Geld, das ich für einen zweiwöchigen Jamaika-Urlaub ausgegeben habe für 5 Tage nach Sizilien zu fliegen. Wer auch so was hirnrissiges machen will – im Juni habt Ihr die Gelegenheit dazu: The Language of Food. Was dabei so rauskommt, kann man hier nachlesen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Trotz mündlicher Warnung vor Strömungen und Schildern auf die eigene Einschätzung (und die der Mitreisenden) zu vertrauen und das flache Wasser zu verlassen. Fünfmal dumme Touristen vorm Ertrinken retten an Strandaufgang 1, bitte!

Die teuerste Anschaffung?

Da ein Urlaub nicht als Anschaffung gilt, würde ich sagen, ein paar Winterstiefeletten für 60 €. Es sind eher die vielen, vielen kleinen Dinge, die meinem Geldspeicher wehtun…

Das leckerste Essen?

Die Frage ist sowas von gemein. Wie soll ich da entscheiden? Weit oben sind definitiv verschiedene sizilianische Köstlichkeiten, etwa die frittierten Artischocken, der Schwertfisch mit Kräuterkruste, die Bruschette mit rohen Sardinen… Und die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist, natürlich. 😉

Das beeindruckendste Buch? 

Das ist immer sehr schwer zu sagen, aber ich finde gerade beeindruckend, dass ich mit 32 immernoch Anne of Green Gables und die Folgebücher lesen kann, ohne mich zu langweilen. Viele andere Bücher haben mich hingegen dieses Jahr nicht so wirklich fesseln können, einiges liegt noch halb angelesen auf dem Nachttisch, aber Anne geht irgendwie immer.

Der ergreifendste Film? 

Besonders oft waren wir dieses Jahr nicht im Kino und viele der großen Hits des Jahres habe ich noch nicht gesehen. Aber schön und aus Gründen auch ergreifend fand ich Pride.

Die beste Serie?

Am schnellsten schaue ich immer die neuesten Folgen von The Good Wife, weil ich da am meisten Angst vor Spoilern habe. Sehr gern gesehen habe ich dieses Jahr aber auch die aktuellen Staffeln von The Americans, Orange is the new Black, Transparent, The Mindy Project, Switched at Birth und überraschenderweise Madam Secretary. Gilmore Girls und Bunheads gehen natürlich in jedem Jahr, ebenso wie Friends, das ich gerade nochmal schaue (9. Staffel inzwischen). Achja und Weissensee haben wir dieses Jahr endlich gesehen und waren auch schwer begeistert.

Die beste CD?

Ich glaube die einzige CD, die ich dieses Jahr physisch gekauft habe, war die Irish Christmas von Angelo Kelly und Family. 😉 Ansonsten höre ich Spotify rauf und runter (jetzt ja endlich auch die Beatles) und da fällt es gar nicht so sehr auf, ob ein Album neu oder alt ist. Und ich höre in letzter Zeit auch wahnsinnig viele Podcasts und Hörbücher… Früher war mehr CD-Lametta, fürchte ich.

Das schönste Konzert?

Hmm… Da muss ich mal kurz rekapitulieren, vermutlich das Abschiedskonzert von Supershirt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Den Katzen. Danach dem Hasen. Danach den Kollegen.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

In den ersten beiden Punkten ähnlich. Dann natürlich dem Rest der Familie, lieben Freunden und den Language of Food-Mädels auf Sizilien.

Vorherrschendes Gefühl 2015? 

Es reicht jetzt langsam.

2015 zum ersten Mal getan?

In Jamaika gewesen (dabei am Mittwoch davon erfahren und am Samstag losgeflogen, beinahe ertrunken, eine Marihuana-Plantage gesehen, Chocho gegessen, aus einer Kokosnuss getrunken…), Gdánsk, Sopot und das polnische Dorf besucht, aus dem meine Uroma stammte, einen Food Writing-Workshop besucht (dabei alleine durchs nächtliche Palermo gelaufen, ein Hostelzimmer mit einem betrunkenen fremden Mann geteilt, jemandem mit meinem Schreiben Tränen in die Augen gezaubert…), alleine in einem Hotelzimmer übernachtet (auf einer Dienstreise und dann neulich bei der Hochzeit), Reutlingen besucht, Heidelberg besucht, Mannheim besucht, Schwetzingen besucht, mich mit dem Thema Massenentlassungen auseinandersetzen müssen, zu einer kirchlichen Beerdigung gegangen (und dann gleich zweimal), einer Erdbestattung beigewohnt, eine längere Paddeltour gemacht, mit Freunden essen gewesen und die einzige Nicht-Elter gewesen, Couchsurfer aufgenommen, Flüchtlingen geholfen.

2015 nach langer Zeit wieder getan?

Eine Pressemitteilung verfasst und veröffentlicht, mich tiefergehend mit HTML befasst (CSS folgt), Hexenbrennen gefeiert, Punkte mit Zahlen dran zu Bildern verbunden, meinen Geburtstag als Gartenparty gefeiert, Urlaub mit den Eltern gemacht, Quarkkeulchen gebacken, in Straßburg und Offenburg gewesen.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Tode unserer Omas, die Beziehungsdramen und Lebenskrisen im Freundeskreis, all den Krieg und Terror

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Den Hasen, dass es OK ist, so viel Geld für Language of Food auszugeben, war dann aber ganz einfach.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Einfach da sein, für so viele Menschen in diesem Jahr. Oder aber die Angelo Kelly-Karte für eine Freundin oder die Paddy-Kelly-Karte für eine andere Freundin 😉

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Als ich am Tag vor meinem Geburtstag aus Sizilien zurückkam, blitzte und strahlte die Wohnung und der Balkon war wunderschön eingerichtet – das haben der Hase und seine “Schwesta” für mich gemacht und es hat mich umgehauen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Wortwörtlich fällt mir da spontan ein: “Und wer fängt mich auf?”, immer und immer wieder, mit dem süßesten Grinsen der Welt. Das war der Sohn von @leitmedium und @fraumierau. 🙂

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? 

Irgendwas des Inhalts, dass das alles OK ist und ich die Person trotzdem lieb habe, nehme ich an. Zu mehreren.

Besseren Job oder schlechteren?

Den gleichen, auch wenn er sich aufgrund der Umstände im letzten Quartal schlechter anfühlte. Ich hoffe da auf 2016.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Das Kneipenquiz (nur einmal, wir waren aber auch nur sechsmal da), den Oscar-Pool, und sonst glaube ich nichts. Außer Erfahrungen.

Mehr bewegt oder weniger?

Ich mich? Zunächst mehr (regelmäßiges Kieser Training, im Sommer viel geschwommen), danach dann eher weniger (Stress, Krankheiten, keine Lust… muss wieder anfangen).

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Mit Krankmeldung deutlich weniger als die letzten Jahre, vielleicht 3 oder 4. Wenn man allerdings jedes kleine Wehwehchen mitzählt, dann gleichbleibend viele…

Davon war für Dich die Schlimmste?

Da war jetzt, anders als in Vorjahren, nichts Herausragendes dabei, mich nervt eher die Häufigkeit.

Dein Wort des Jahres?

Essen 😉

Dein Unwort des Jahres?

Tod

2015 war mit 1 Wort…?

Anstrengend

Tagebuch-5 im November

Wie jeden 5. fragt Frau Brüllen auch dieses Jahr wieder WMDEDGT? und ich antworte brav:

Anders als an den letzten Tagen, an denen ich morgens ganz gemächlich in den Tag starten konnte, quäle ich mich heute erst  um 8, also auf den allerletzten Drücker aus dem Bett. Zum Glück steht auf dem Wohnzimmertisch direkt der Quark-Birnen-Kuchen, den der Hase gestern Abend gebacken hat und von dem ich mir ein dickes Stück fürs Frühstück einpacke.

Quark-Birnen-Kuchen

Außerdem wandert auch ein kleines Glas Birnenkompott, das beim Einkochen nicht richtig zugegangen ist, als Nachmittagssnack in meinen Beutel. Wir hatten hier in den letzten Wochen nämlich eine regelrechte Birnenschwemme in der Nachbarschaft. Der Hase hat dreimal Kuchen gebacken, zwei groß angelegte Kompottaktionen durchgeführt und unzählige Liter Saft gepresst, von denen wir vielleicht 5 oder 6 getrunken haben, der Rest gärt gerade fröhlich im Weinballon vor sich hin. Gestern wurde dann allerdings Rasen gemäht und mit Birnen aufsammeln ist dann jetzt wohl Schluss.

Ich ziehe mir den kuscheligen #rp15-Hoodie über, füttere die Katzen und koche mir noch meinen Standard-“Tee” für unterwegs: frischer Ingwer, überbrüht mit kochendem Wasser und gesüßt mit jamaikanischem Honig, über den ich demnächst nochmal gesondert schreiben muss. Da ich gestern noch Curcuma gekauft habe, wandert auch endlich wieder ein Stück davon in den Tee und ich laufe heute wieder mit gelben Fingern durch die Stadt. Gelb macht ja gute Laune und Curcuma-Gelb ist neben Mango-Gelb meine Lieblingsfarbe (ja, ich bin eine Essensfetischistin, aber das wusstet Ihr ja bereits).

Curcuma-Daumen

Auf dem Alex läuft mir dann übrigens ein Pärchen über den Weg, bei dem beide die gleiche Jacke in eben jenem Gelb tragen. Das scheint ja gerade sehr in zu sein, gelbe Klamotten könnten mir auch gefallen. Wenn der Hase aber dann das Gleiche anziehen wollte, müssten wir uns wohl drum prügeln. Zum Glück ist seine Lieblingsfarbe Blau.

Im Büro angekommen checke ich meine Mails und fange dann an zu arbeiten, während ich den äußerst leckeren Kuchen frühstücke. Ich werde kurz unterbrochen, als ein Kollege und Freund mir sein diesjähriges Geburtstagsgeschenk übergibt – haltet Euch zurück mit Gratulationen, mein Geburtstag war im Juni und die Verspätung angekündigt. Ich habe nun also ein Buch, von dem ich noch nicht genau weiß, was ich damit anstelle. Also, außer lesen natürlich. Es handelt sich um einen dystopischen Roman aus den 70ern, der gerade von der rechten Szene hoch gelobt wird. Mein Freund und Kollege, der sich in seinem Studium auf Dystopien spezialisiert hat, hat es mir sozusagen aus literaturwissenschaftlichen Aspekten geschenkt (und auch, weil er es selbst lesen möchte ;)) und thematisch hat es viel mit der aktuellen Flüchtlingssituation zu tun.

Leider hat er mir nun, ohne es zu bemerken, ein frisch erschienenes Exemplar aus einem Verlag bestellt, der eindeutig der rechten Szene zuzuordnen ist und ärgert sich nun natürlich darüber. Und ich mich auch, denn so ein Buch möchte ich mir nun nicht ins Regal stellen, aber eben auch nicht einfach so weitergeben. Ein zerfleddertes antiquarisches Exemplar wäre uns  beiden lieber gewesen.

Ich werde das Buch nun also erstmal unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten lesen – zuhause, wo es keiner mitbekommt, und nicht etwa in der Bahn. Vielleicht kann man dann ja noch den Kaufpreis für ein Flüchtlingsprojekt spenden, oder direkt der Antifa? 😉 Vielleicht habt Ihr ja noch eine Idee für mich, was ich mit dem Buch hinterher anstellen kann? (Bücherverbrennung ist keine Option, der Hase schlug jedoch Büchervergrabung vor…)

Mit Musik auf den Ohren groove ich mich durch den Vormittag. Mittags gehe ich nach draußen, wo die Sonne am wunderbaren blauen Novemberhimmel strahlt, und hole mir ein leckeres Kichererbsencurry.

Blauer Himmel am Hausvogteiplatz

Dann geht es mit Tee, Schoki und Birnenkompott sowie mehr Musik auf den Ohren in den Nachmittag. Zwischendurch habe ich eine großartige Idee, wie ich relativ spontan ein Konzert besuchen und damit noch mehreren Leuten eine Freude machen kann – das muss ich aber heute Abend noch zu Ende ausbaldowern.

Kurz vor Feierabend besucht mich eine Kollegin, die gerade aus dem Londoner Büro zu Besuch ist und früher zu meinen regelmäßigen Mittagspausenpartnerinnen hier in Berlin gehörte. Wir plauschen kurz und verabreden uns für die morgige Pause. Dann geht es zum quartalsmäßigen Global All Hands Meeting. Hinterher ist der Arbeitstag zwar vorbei, aber eine Freundin und Kollegin hat noch ihre Urlaubsfotos aus Südafrika dabei, so dass wir zu dritt noch “Überstunden” machen und über Elefanten, Warzenschweine und Giftschlangen staunen.

Als ich zuhause ankomme hat der Hase den Kartoffel-Brokkoli-Auflauf schon fast fertig. Ich mache noch schnell einen Salat dazu und dann essen wir uns erzählen uns von unserem Tag. Unter anderem zeigt er mir das Foto eines Babies, das heute im Freundeskreis geboren wurde und erzählt außerdem von seinem Arbeitseinsatz im Flüchtlingsheim. Dort haben heute drei der Bewohner eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis bekommen, sehr schön! Zum Nachtisch essen wir jeder noch ein Stück vom leckeren Kuchen und zwei Freunde schneien für ein paar Minuten herein. Dann heißt es nur noch abwaschen, Katzenklo saubermachen und diesen Text fertig schreiben, bevor es pünktlich um 10 “mit Buch ins Bett” geht, wie Herr Buddenbohm zu sagen pflegt.