Ein Wochenende in Budyšin / Bautzen

Ich war dieses Wochenende in der Łužica, der Lausitz, um dem Abiball des Sorbischen Gymnasiums Bautzen beizuwohnen. Da ich gerade zu kaputt bin, gibt es nur schnell ein paar Fotos für die Ironblogger – wer mehr wissen will, lese meine Twitter- und Instagram-Ergüsse der letzten Tage. Ich hoffe ich komme demnächst nochmal dazu, mehr zu erzählen!


#12v12 im Juni – Landpartie mit Ziegen, Bienen und Enten

Immer am 12. eines Monats zeigen viele Blogger*innen 12 Fotos von ihrem Tag. Die anderen findet Ihr wie immer bei Caro, hier sind meine:

Heute sind wir bei der Hasenfamilie auf dem Land. Gleich nach dem Frühstück geht es raus zum Ziegenstreicheln. Die fünf Kleinen kenne ich noch gar nicht, sie sind erst in diesem Frühling geboren. Der flauschigste und kuscheligste ist Juan-Carlos, der die erste Zeit mit der Flasche aufgepäppelt werden musste. Hinten guckt übrigens Papa Ferdinand aus dem Stall, nicht übersehen!

 

Wir laufen durch den Gemüsegarten und schauen, was schon alles wächst und gedeiht. Dann gelangen wir zum Bienenhaus. Hier wird heute gearbeitet: Hasenmama und Hasenbruder tauschen die Rahmen aus den Bienenstöcken aus und schleudern Honig.

 

In diesem alten Schrank liegen die geleerten Rahmen. Das Wachs soll jetzt in der Sonne abschmelzen, so dass die Rahmen wiederverwendet werden können. Das Wachs wird natürlich auch verwertet.

 

Nachdem wir im Garten Salat, Rhabarber und Erdbeeren für Zuhause geerntet haben und der Honig geschleudert ist, fahren wir zum Mittagessen in ein Restaurant und essen auf der Terrasse mit Elbeblick leckere Pasta. Dann spazieren wir am Fluss entlang zum Auto zurück.

 

Wir fahren weiter zu Hasenonkel und Hasentante und schauen uns in deren Garten noch etwas um. Es gibt einen neuen Platz für das Holz, dass aus dem eigenen Wald stammt.

 

Wir ernten von zwei vollbehangenen Kirschbäumen alles was schon reif, vom Boden aus erreichbar und noch nicht von den Staren angepickt ist.

 

Der Hase findet für mich die erste reife Himbeere. Soooo lecker!

 

Am Ende des Gartens ist das Gehege der Enten, die wir natürlich – ebenso wie die Hühner – auch besuchen wollen. Dazu geht es zunächst über den Bach.

 

Hier liegen ein paar Enteneier, vermutlich nicht zu Ende bebrütet und teilweise auch schon angefressen.

 

Und da sind auch schon zwei schöne Enten.

 

Und noch mehr, mit niedlichen kleinen Entenküken.

 

Nicht fotografiert habe ich Hühner und Katzen und jetzt fällt mir auch erst auf, dass wir vergessen haben, die Kaninchen zu besuchen. Beim nächsten Mal dann wieder! Am Nachmittag setzen wir uns in den Zug zurück nach Berlin – vollgepackt mit Eiern, Rhabarber, zwei Sorten Salat, Erdbeeren und Kirschen!

Katzen mit Daumen

Wir liegen auf dem Sofa und es ist schon ganz schön spät. Wir sollten langsam schlafen gehen. Dafür müssten wir allerdings aufstehen, das Katzenklo sauber machen, Zähne putzen und solche Dinge. Noosa springt auf uns, legt sich quer über uns und sieht niedlich aus. Wir streicheln sie verzückt und bleiben liegen.

Ich: Können die Katzen ihr Klo nicht selbst saubermachen?

Hase: Die können die Schippe nicht halten, die haben doch keine Daumen.

Ich: Orrrr. Kann nicht mal jemand Katzen mit Daumen erfinden?

Hase: Oh Gott, das würde total dämlich aussehen.

Ich: Aber dann könnten die ihr Klo selber saubermachen und die Dosen würden sie auch alleine aufkriegen.

Hase: …

Ich: Dann müssten sie allerdings auch gar nicht mehr mit uns kuscheln, das wäre ja blöd.

Hase: Ja.

Wir streicheln weiter, dann stehe ich auf und mache dankbar das Katzenklo sauber. Sie haben uns in der Hand.

Eine öffentliche Beichte

Ich muss das jetzt endlich loswerden, die Schuld nagt schon seit einer ganzen Weile an mir und ich weiß nicht mehr, wie ich damit umgehen soll. Deswegen folgt jetzt hier eine öffentliche Beichte. Die Sache ist nämlich die, seit einigen Jahren mache ich mich in regelmäßigen Abständen wissentlich mitschuldig an Raub und Betrug. Und zwar an den Kindern eines Kollegen, nennen wir sie einfach einmal Tommy und Annika. (Namen von der Redaktion geändert). 

Lieber Tommy, liebe Annika, falls Ihr das hier in ein paar Jahren lest: Es tut mir leid! Ich habe immer wieder für Eure Rechte gekämpft, bin aber kläglich an der Entschlossenheit Eurer Eltern gescheitert. Es ist nämlich so: Jahrelang haben sie immer wieder, zeitweise täglich, Süßigkeiten aus Euren Vorräten entwendet, die Ihr von Familenfesten und Omabesuchen zusammengehortet habt. Heimlich des Nachts wurdet Ihr beraubt und das Diebesgut am nächsten Tag unter uns naschhaften Kollegen verteilt. Der Vorwand war dabei aber immer Euer Wohl, insbesondere das Eurer Zähne!

Solltet Ihr jetzt in der Rückschau dankbar für dieses hintertriebene Verhalten Eurer Erziehungsberechtigten sein, so will ich nichts gesagt haben. Seid Ihr jetzt erzürnt, so bitte ich in aller Form und mit tief empfundenen Bedauern um Verzeihung.

Tagebuch-5 im Juni 2016: Syrisches Essen und Rücken

Es ist mal wieder der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Es ist heiß in Berlin. Gegen 10 wachen wir auf und stehen auch recht bald auf, da wir zum Mittagessen in Neukölln verabredet sind. Duschen, Zähneputzen, Anziehen, Katzen füttern… Zum Frühstück für uns gibts es einen schnellen Smoothie aus Pfirsichen, Aprikosen, Erdbeeren, Bananen und Eiswürfeln.

Smoothie

Dann gehen wir los zur S-Bahn und fahren mit der Ringbahn zum Treptower Park. Hier müssen wir in den Bus umsteigen und kaufen in einem Späti an der Bushaltestelle schnell noch eine Wassermelone. Ich trage sie ein paar Schritte lang (hauptsächlich um später sagen zu können: „Ich habe eine Wassermelone getragen.“), merke aber schnell, dass das meinem bereits schmerzenden Rücken nicht so richtig gut tut.

Melone

Wir fahren weiter nach Neukölln zu unseren syrischen Freunden. Gemeinsam mit einem befreundeten Paar sind wir dort heute zum Essen eingeladen. Während wir auf die beiden anderen warten unterhalten wir uns mit den Gastgebern über ihre Sprachfortschritte. Gerade der Vater ist erstaunlich weit, besonders im Lesen und Schreiben, weniger im Sprechen. Er spricht außer Syrisch und Englisch auch ganz gut Französisch und Spanisch, kein Wunder, dass er mit dem Deutschen so gut vorankommt. Leider wird er trotz sehr guter Leistungen in der Sprachschule eher zurückgehalten als gefördert und ist sehr enttäuscht darüber. Auch die beiden Jungs verstehen uns jetzt schon deutlich besser, aber sie sprechen trotzdem größtenteils Englisch mit uns, während wir versuchen, möglichst auf Deutsch zu antworten. Sprachpraxis ist schließlich alles. Im Fernsehen läuft Panda, Gorilla & Co., das ist schonmal ein guter Schritt 😉

Ich blättere durch die Lehrbücher aus der Sprachschule, finde sowas ja generell immer spannend. Als eines der Bücher droht, zu Boden zu fallen, beuge ich mich schnell vor, um es zu retten. Ab diesem Moment sind meine Bewegungen nur noch sehr eingeschränkt möglich und tun größtenteils weh. Die Kombination aus temperaturbedingtem Flip Flops tragen, Schwimmen am Donnerstag, Kieser Training am Samstag, Melone tragen und dieser plötzlichen Bewegung scheint meiner Lendenwirbelsäule mal wieder den Rest gegeben zu haben.

Da wir zu siebt und damit ein Stuhl zu wenig in der Wohnung vorhanden ist, setzt unsere Freundin auf dem Couchtisch. „Ist das OK?“ fragt sie. Ihr Freund witzelt: „Klar ist das OK, die Ms. sind doch Christen, da ist alles OK.“ T. reagiert prompt lachend: „Yes, we’re not Daesh!“

Mit Mühe schaffe ich es vom Sofa an den Esstisch. G. serviert heute gefüllte geschmorte Zucchini, die sehr interessant gewürzt sind und mit den Fingern gegessen werden, außerdem einen Gericht aus Zuckerschoten und Hackfleisch mit Reis. Zum Nachtisch gibt es unsere Melone sowie zwei verschiedene Süßigkeiten. Kleine runde Pfannkuchen werden an einer Seite zusammengedrückt wie Tüten. Die andere Seite wird gefüllt – einmal mit einer Creme und gehakten Pistazien, einmal mit Walnüssen. Über beide Varianten wird flüssiger Honig gegossen. Irgendwann zeigt G. mir, wie man das alles zubereitet, hat er versprochen.

Zucchini

Zuckerschoten

Syrisch

Walnuss

Pistazie
Während des Essens beginnt es draußen zu Donnern. Die drei Syrer zucken zusammen, bei ihnen löst das Geräusch Erinnerungen an Bomben in Damaskus aus. Sie erzählen uns in wenigen nüchternen Worten, was sie gesehen haben – viele viele Tote, darunter Freunde, Nachbarn, Kollegen, Kinder auf dem Schulweg… Es ist schwer, dazu etwas zu sagen, mehr als unser Mitgefühl und Verständnis auszudrücken, können wir nicht tun. Der Moment geht schnell vorüber und dann scherzen wir schon wieder und reden über die Arbeit. Unser Freund hat einen neuen Job bei einer Firma, die mit „IS…“ anfängt, auch das wieder ein Anlass für ein wenig Galgenhumor.

Nach dem Essen lege ich mich und meinen Rücken ein wenig auf den Fußboden, in der Hoffnung, dass die Schmerzen doch noch nachlassen und ich mit den anderen zum Fußball gehen kann. Sie wollen zum Auswärtsspiel von TeBe beim BSV Hürtükel, hier um die Ecke. Leider macht mein Rücken da nicht mit – ich kann mich nicht gerade auf den Beinen halten. Also beschließe ich, stattdessen nach Hause zu fahren. Wir verabschieden uns alle gemeinsam von G. und bedanken uns für das tolle Essen. Auf dem Weg die Treppe hinunter merke ich, dass es illusorisch ist, mit Bus und Bahn nach Hause zu fahren – jede Treppenstufe ist eine Qual und solange ich stehe, muss ich gebückt bleiben, alles andere tut zu sehr weh.

Also nutze ich die Gelegenheit, endlich mal die myTaxi-App auszuprobieren. Die anderen gehen los zum Spiel und ich setze mich vor die Haustür und warte die fünf Minuten, bis mein Taxi da ist. Der Fahrer ist Türke und wir fachsimpeln über Fußball, den heute beginnenden Ramadan, Ischias-Nerven, Taxifahren in Berlin, die Flüchtlingssituation, den Krieg in Syrien und die Politik Erdogans. Bis auf den letzten Punkt sind wir uns sehr einig über alles, aber er ist überzeugt davon, dass Erdogan kein Diktator ist und die Medien sowohl hier als auch in der Türkei nicht die Wahrheit sagen. Nunja, in meiner Situation möchte ich mich nicht streiten und er bekommt natürlich trotzdem ein gutes Trinkgeld von mir.

Berlin
Ich schleppe mich zuhause die Treppen hoch, bringe meinen neuen Laptop, ein paar Bücher und etwas zu trinken zum Sofa und lege mich hin, eigentlich in der Hoffnung heute nicht noch einmal aufstehen zu müssen. Meine Eltern haben mir das Manuskript für ihr nächstes Buchprojekt geschickt, dass ich jetzt lese und kommentiere. Dabei merke ich schon, dass das Sofa für meine Situation suboptimal ist: Die Katzen lagern um mich herum und schränken meine Bewegungsfreiheit zusätzlich ein. Ich muss aber ab und an mal die Position wechseln, was so nicht gut möglich ist. Ich überlasse den Katzen also den Rest der Wohnung und verziehe mich aufs Bett im Schlafzimmer. Viel besser!

Ich schaue auf Netflix Blue Valentine und dann mehrere Folgen House of Cards. Irgendwann zwischendurch kommt der Hase mit unserem heutigen Übernachtungsbesuch nach Hause, der von einem Wochenendtrip nach Riga zurückgekommen ist und erst morgen weiter nach Hause fährt. Da ich immer noch liegen muss, schauen die beiden alleine einen Film und bringen mir zwischendurch noch ein wenig aufgewärmte Reis-Gemüse-Pfanne.

House of Cards
Solange ich liege, geht es mit den Schmerzen einigermaßen, ich hoffe also, morgen wieder einigermaßen beweglich zu sein. Ansonsten wird wohl diese Woche, ähnlich wie der heutige Tag, ganz anders ablaufen müssen als geplant…

 

Waren im Regen

Als ich am Alex in die Bahn zum Hauptbahnhof steige, beginnt das Gewitter. Der Regen begleitet mich, die ich es mir im oberen Stockwerk des RegionalExpress gemütlich gemacht habe bis zur Landesgrenze von Brandenburg, ab Mecklenburg ist es wieder trocken – vorerst. In Waren verlasse ich schweren Herzens den Zug, der mich früher immer bis nach Rostock gebracht hat. Von hier aus soll es mit dem Shuttle-Service weiter bis in das kleine Nest gehen, in dem unser Tagungshotel ist. Ich steige aus dem Zug, freue mich, dass es an der frischen Luft deutlich wärmer ist als im klimatisierten Zug und halte nach dem Bus mit dem gelben Schriftzug Ausschau. Aber da ist keiner.

Ich überprüfe noch einmal den E-Mail-Verlauf von letzter Woche und erschrecke mich – meine Reservierung für den Shuttle ist für morgen, 30., 31., da kann man (ich) ja mal etwas durcheinanderbringen. Ich rufe also im Hotel an, entschuldige mich für das Versehen und erfahre, dass eine Stunde später der Zug aus der Gegenrichtung kommt, in dem auch Hotelgäste sitzen, die abgeholt werden wollen. Da kann ich mitfahren. Eine knappe Stunde muss ich also am Bahnhof von Waren zubringen. Der Himmel zieht sich bereits bedenklich zu, die Regenfront zieht nach Norden, auf uns zu.

Ich suche nach einem wasserfesten Plätzchen, immerhin habe ich meinen neuen Laptop dabei, der nicht nass werden sollte. Die Bushaltestellenhäuschen sind an drei Seiten offen, das ist mir zu gefährlich. Das Bahnhofsgebäude wird in einer halben Stunde geschlossen und alle von Foursquare empfohlen Cafés sind rund einen Kilometer entfernt – lohnt sich nicht, für die kurze Zeit, zumal die dunklen Wolken immer bedrohlicher aussehen. Aus einer urigen Mecklenburger „Dorfkneipe“ (Waren ist ja eine Stadt), die ich normalerweise weiträumig umfahren würde, schaut der Betreiber heraus und signalisiert, dass bei ihm offen ist. Ich zögere noch kurz, aber da kommen die ersten Tropfen. Na gut, rein da.

Außer mir suchen auch noch drei weitere Reisende, die zumindest den schlimmsten Regen abwarten wollen, Zuflucht in Werners Bierstube. Die Kneipe ist muckelig, mit dunklem Holz ausgekleidet, braunem Teppichboden, Korblampen und rustikalen Holztischen auf denen gehäkelte Deckchen und Kunstblumen drapiert sind. Ein Spielautomat flackert bunt vor sich hin, zwei Stammgäste sitzen am Tresen und im Radio läuft Ostseewelle. Ich beschließe, mich so richtig einheimisch zu fühlen und bestelle mir ein Alster, ist ja schon später Nachmittag und sie haben hier Lübzer. Zigarettengeruch haben sie auch, ist nämlich eine Raucherkneipe. Kaum habe ich mein Bier vor mir stehen geht draußen der Weltuntergang los. Ich hole meinen Laptop raus, benutze ihn, um meinen Handy-Akku aufzuladen (wer weiß, was noch passiert) und beginne diesen Text.

Kneipe in Waren
Der Besitzer erklärt meinen Leidensgenossinnen, wie sie von hier aus zu ihrem Hotel kommen, eine weitere nutzt die Gelegenheit gleich mal fürs Mittagessen. Als der Regen etwas nachlässt, kommen weitere Stammgäste herein, die verdutzt schauen, als sie uns sehen, aber höflich grüßen und schnell weiter zur Theke laufen. Die Damen am Nebentisch tauen auf und finden Gefallen an ihrer Situation. Sie posieren für ein Foto am Spielautomaten.

Ich gehe zurück an die Theke und bezahle mein Alster. Es kostet 1,50 €, ich gebe 2 €. In 10 Minuten kommt der nächste Zug, das Shuttle müsste bald auftauchen und der Regen hat etwas nachgelassen. So kann ich zur Bushaltestelle gehen – möchte ja den Anschluss nicht verpassen.

 

Momente der Woche

Diese Woche war randvoll mit Erledigungen, Abendaktivitäten und Berliner Frühling/Sommer:

  • Sommerschuhkaufmarathon am Montag (und Blasen an den Füßen seit Dienstag)
  • Theaterabend am Dienstag
  • Sport, Koreanische Burger und Craft Beer am Mittwoch
  • Kneipenquiz am Donnerstag
  • Seriengucken und Ausruhen am Freitag
  • Überraschungsausflug mit Eierkuchenfrühstück bei Karl’s Erdbeerhof, Grillsession im Hof und Freiluftkino auf dem Nachbarbalkon am Sonnabend
  • Brunch mit lieben (Ex-)kolleginnen in einem Garten in Rummelsburg – da wir in Berlin sind, begann es gegen 12 und ich war 18 Uhr wieder zuhause

Aus all diesen Gründen liege ich jetzt nur faul auf dem Sofa und bin zu faul zum Bloggen. Aber wenigstens habe ich ein paar Bilder gemacht:

Sommerschuhe
Sommerschuhe
Ein guter Plan
(M)Ein Guter Plan ist angekommen – mit tollen Stickern
Blühende Heckenrosen
Blühende Heckenrosen
Kimchi Poutine
Kimchi Poutine
Ramen Burger und Black Jack Burger
Ramen Burger und Black Jack Burger
Katzenliebe
Katzenliebe
Eierkuchenfrühstück
Eierkuchenfrühstück

Mehr Meer, Abschiedsmenü und der beste Grappa der Welt

Für unseren letzten Tag hieß es, nochmal alles auszukosten, was ging: die Sonne, das Meer, die Landschaft, das Essen. Ordentlich die Italien-Akkus aufladen, bevor es zurück in den hektischen Alltag in Berlin geht. Und möglichst nicht an diesen denken. Mit dieser Reiseroute hat das ganz gut funktioniert.

La Sassa

Zuerst fuhren wir ins Nachbardörfchen Sassa, dass wie Canneto sehr mittelalterlich rüberkommt und natürlich auch auf einem Hügel liegt. (In den Tälern wird es im Sommer einfach zu warm). Wir spazierten durch enge Gassen und bewunderten die pittoresken Häuser, überall wuchsen blühende Blumen und „Vendesi“-Schilder aus den Mauern. Zu verkaufen ist in der Gegend viel, in Sassa scheinbar das halbe Dorf. Eigentlich ein Wunder, bei den vielen Touristen in der Gegend. Ein paar zahlungswillige Aussteiger könnten sich in Sassa ratzfatz eine Kommune zusammenkaufen. Sagt Bescheid, wenn Ihr das macht 😉

 

Bolgheri

Weiter ging es nach Bolgheri, das ein reiner Touristenort zu sein scheint. Bekannt ist er vor allem für Parfüm („Acqua di Bolgheri“) und Wein. Da alles voller Touristenläden war, konnten wir trotz des Sonntags noch Olivenöl verkosten und kaufen (wir nahmen dann zwei verschiedene, da der Hase und ich komplett unterschiedliche Favoriten hatten) und uns Vermentino zulegen, der uns in Florenz so gut geschmeckt hatte. In einem Keramikladen kaufte ich mir dann noch eine handgemalte Tasse für das Italien-Feeling im Büro.

 

Marina di Castagneto Carducci

Weiter geht es dann ans Meer, an das es mich ja eigentlich immer, bei blauem Himmel allerdings besonders zieht. Kaum bin ich ausgestiegen, kann ich meinen Füßen nicht mehr befehlen, stehen zu bleiben und auf die anderen zu warten. Wie aufgezogen laufen sie auf den Strand zu und geraten beim Heruntersteigen von ein paar Stufen sogar ins Hopsen. Schnell noch die Schuhe ausgezogen und die Jeans bis zu den Knien hochgekrempelt und schon stehe ich im Mittelmeer. Anders als eine Woche zuvor ist es nur im allerersten Moment ein wenig kühl. Der Hase findet das nicht und geht nur kurz mit den Füßen hinein, ich hingegen bekomme gar nicht genug vom Wasser, hüpfe durch die Brandung, lasse mich fast vom Wind umwehen und finde es überhaupt nicht schlimm, als mir eine Welle den Hosenboden nass spritzt. Schlimm ist eigentlich nur, dass wir die Badesachen nicht mitgenommen haben. So gehen wir nach einer Weile zurück zum Auto und fahren weiter zu den Stellen, an denen wir letzten Sonntag bereits ohne meine Eltern waren.

 

Baratti 

Papa bittet den Hasen, zu halten, damit er ein Foto genau der Pinienallee machen kann, wegen der der Hase letztes Mal schon halten musste. Mit blauem Himmel sieht sie natürlich noch schöner aus.

 

 

Dieses Mal lassen wir den Strand am Golfo di Baratti aus und schauen uns stattdessen die Etruskergräber auf der anderen Straßenseite an. Viel spannender finde ich ja den Ausblick auf die vielen Segelboote auf dem türkisen tyrrhenischen Meer und ich verliere mich in Tagträumereien. Irgendwann einmal möchte ich an genau so einem Meer wohnen, mit Blick auf weiße Segelboote, mit von der Sonne gewärmten Steinen, auf denen die Katzen schlafen, mit einem Garten voller Zitronen- und Orangenbäume, Olivenhain, Weinberg und Beeten voller Artischocken und Tomaten. Sponsort mir das jemand? Ich würde auch täglich drüber schreiben und Fotos ins Netz stellen und ihr dürftet mich auch besuchen kommen.

 

Piombino

Auch Piombino gewinnt durch die Sonne noch einmal an Charme. Wir zeigen meinen Eltern den Eisladen vom letzten Mal und diesmal esse ich Pistazien-, Zitronen- und Mangoeis.

 

Dann laufen wir weiter zur Mole, bestaunen die Windrose und werfen sehnsüchtige Blicke aufs Meer. Kurz vor Elba liegt eine kleine Insel mit einem Haus darauf, auf die sollten wir ziehen. Das Meer ist so schön, dass es wehtut, aber noch schlimmer ist, wieder davon wegzufahren.

Suvereto

Auf dem Heimweg halten wir noch kurz im Bergstädtchen Suvereto, laufen einmal mehr durch hübsche Gassen und bewundern Gärten – hier mit einem Zitronenbaum vor einer Palme.

 

Abschiedsessen in der Osteria del Ghiotto

Auf dem Heimweg reserviere ich uns schnell einen Tisch in der Osteria. Am Abend vorher war alles überfüllt gewesen, aber heute haben wir gerade so noch Glück. Wir ruhen uns kurz aus und steigen dann den Hügel hinab zum Abschiedsessen.

 

 

Es gibt keine Speisekarte. Brot und Öl landen selbstverständlich auf dem Tisch und auch zum roten Hauswein und dem Wasser brauchen wir nur noch zu nicken. Dann aber wird es komplizierter. Einer der Kellner trägt mir auf Italienisch die Speisenauswahl vor – Antipasti, Primi, Secondi, Contorni, Dessert… und ich übersetze dann für die anderen. Zum Glück gibt es zu jedem Punkt nur maximal vier Gerichte. Auch diesmal entscheiden wir uns wieder gegen die Bistecca Fiorentina, dafür essen wir aber sehr viele andere leckere Sachen.

 

Ribollita

Papardelle mit Wildschwein

Rigatoni mit Kaninchen

Geschmorte Rinderbäckchen

Rinderfilet (Probestückchen oben links) und Salsiccia mit Zitronenblättern. Als Beilagen wählen wir Kartoffeln und Bohnen.

Panna cotta mit einer Sauce aus frischen Erdbeeren

Tiramisù

 

Papa und ich nehmen dann noch einen Kaffee. Auf Hochprozentiges verzichten wir, denn wir haben noch einen Termin in der Pizzeria, wo Gigi noch Grappa für uns hat. Der köstliche Guiducci hatte vor allem dem Hasen so sehr gemundet, dass wir nachfragten, wo man ihn kaufen könne. So einfach ist es leider nicht, wie auch eine kurze Internetrecherche bestätigt. Aber weil wir so nette Gäste sind (und zudem Hausgäste von guten Bekannten der Besitzer), füllt er uns einen Dreiviertelliter von seinem Vorrat ab, zum Freundschaftspreis von 10 €. Zuhause kosten wir natürlich gleich davon und der Hase ist immer noch begeistert: „Wie flüssige Rosinen!“

 

Markttag, Mispeln und mal wieder Pizza

Was macht man so an einem Sonnabend in der Toskana? Richtig, man geht auf den Markt. Hierzu fahren wir nach Volterra, wo der Wochenmarkt direkt neben den Ruinen des römischen Theaters stattfindet. Zu fast 90% besteht er aus Ständen mit Kleidung, Schuhen, Haushaltstextilien und anderem für uns uninteressanten Zeug, aber entlang zweier Seiten finden sich die spannenden Lebensmittelstände.

Bereits seit San Gimignano vor einer Woche gelüstet es dem Hasen nach Porchetta (Spanferkel), heute werden wir endlich fündig (vorher sah es immer entwedernicht so lecker aus oder wir hatten gerade gegessen.) Er nimmt also eine Porchetta im Panino und ich darf kosten. Wir finden es lecker, aber er noch ein bisschen mehr als ich 😉

Am nächsten Stand kaufen wir Wildschweinsalami und pikante Salami, am übernächsten Fenchelsalami (Finocchiona), wie sie Das Nuf immer für ihre Kinder bestellt. Dort kosten wir außerdem noch einen Schinken, entscheiden uns dann aber gegen den Kauf.

Gegenüber fotografiere ich den Fischstand – leider sind wir nicht mehr lange genug hier, um welchen zu verarbeiten. Am Gemüsestand bewundere ich Artischocken und Zucchiniblüten, aber mangels Kochchancen kaufen wir dann doch nur Marmande-Tomaten, Mispeln und Erdbeeren.


Einen Brotstand gibt es nicht, aber wir finden noch einen Bäcker, bei dem es außer Brot und Pizza sogar auch Kuchen und Kekse gibt – in Italien findet man die sonst normalerweise nur in der Pasticceria. Die Verkäuferin ist sehr happy mit unserem Großeinkauf – Brot, Kirsch-Crostata, Nusstorte und Cantuccini für zuhause – dass sie uns noch ein Miniküchlein schenkt und der Hase seinen gewünschten Keks umsonst bekommt.

Der nächste Stopp ist obligatorischerweise der Eisladen. Für mich gibt es heute Curcuma und Pinienkern, letzteres ist vegan, wovor mich der Verkäufer extra warnt. Schmeckt aber trotzdem sehr gut! 😉

Zuhause gibt es Kaffee, Kuchen und Obst und dann eine mehrstündige Siesta zum Schlafen, Dösen, Internet leer lesen und Podcast hören. Abends wollen wir dann wieder in die Pizzeria gehen, aber da es Sonnabend ist, ist alles ausgebucht. Man bietet uns aber an, unsere Pizza als Take-away zu nehmen. Dafür berechnet man uns auch nur einen geringeren Preis und weil unsere „Gastgeber“ gute Bekannte der Inhaber sind, gibt es auch noch einen extra Rabatt. Am Ende gehen wir mit vier sehr leckeren Pizzen für 26 € zurück nach Hause. 

Meine Pizza heißt Lucrezia und ist mit Mascarpone, frischen Tomaten, Grana und Rucola – buonissima!

Florenz mit Insider-Foodie-Tipps 

Heute fahren wir nach Florenz, in die Hauptstadt der Toskana. Zur guten Vorbereitung gehörte es für mich, mir vorher ein paar Insider-Tipps geben zu lassen. Ich fragte also meine Freundin @frannybianco, die ich letztes Jahr beim Language of Food-Workshop auf Sizilien kennengelernt habe und die gerade in Florenz lebt, nach guten Adressen zum Essen und Eisschlecken. Leider hat sie selbst heute keine Zeit für uns, aber ich bekam eine ganze Liste mit Tipps, von denen wir immerhin drei ausprobieren können. Aber eins nach dem anderen…

Wir parken am Piazzale Michelangelo und genießen erstmal den Panoramablick über die Altstadt. Dann steigen wir Richtung Arno durch den Rosengarten hindurch den Berg hinab. Vor einem plötzlichen Regenguss flüchten der Hase und ich uns gleich erstmal ins von Franny empfohlene Il Gelato di FiLo, das zum Glück genau auf dem Weg liegt. Ich entscheide mich für Gianduia und Himbeere, der Hase für Karamell und Apfelkuchen. Wir sind mehr als zufrieden und können den künftigen Schauern jetzt mit größerer Gelassenheit trotzen.

Auf der anderen Arno-Seite angelangt schlendern wir zur Piazza Santa Croce, wo wir die gleichnamige Kirche besichtigen wollen, die wir bei unseren bisherigen Florenz-Besuchen immer ausgelassen haben. Auf der Piazza gibt es viele Touristen, aber auch mindestens eine Wohnung, die uns erstrebenswert erscheint. (In fremden Städten gucken der Hase und ich gerne, wo wir wohnen wollen würden, wenn wir dort lebten.)

Vor der Kirche steht eine Statue von Dante. Innen drinnen sehen wir unter anderem die Gräber von Galileo Galilei, Michelangelo und Macchiavelli sowie Gedenktafeln für Leonardo da Vinci und die italienischen „Entdecker“ Christoforo Colombo, Amerigo Vespucci und Giovanni Caboto.


Von Santa Croce laufen wir weiter zum Dom, wo es noch viel mehr Touristen gibt, so dass wir nur schnell ein Foto knipsen und uns ansonsten nicht länger aufhalten. Der Dom ist so riesig, dass er nicht komplett aufs Foto passt, aber immerhin habe ich einen Blickwinkel gefunden, aus dem das Baptisterium und der Campanile auch mit zu sehen sind.

Vor dem Palazzo Vecchio und an den Uffizien gibt es jede Menge Statuen und Skulpturen zu beschauen, dementsprechend viele Touristen finden sich auch hier. Wir halten uns daher nicht lange auf, aber ein schneller Schnappschuss von David (wenngleich nur in Kopie) muss schon sein.

Ebenso obligatorisch und demzufolge überlaufen ist der Ponte Vecchio. Ein schnelles Foto, einmal drüber laufen und dann sind wir froh, dass wir wieder auf der etwas ruhigeren Arno-Seite sind. Wir spazieren zur Piazza Santo Spirito und lassen uns auf die Stühle vor der gleichnamigen Osteria fallen. Ein Tipp von Franny und eine Bewertung von 9,0 bei Foursquare – das muss gut sein!

Wir werden nicht enttäuscht und snacken erstmal zwei Sorten Brot und köstliche Tapenade, während wir die Karte studieren. Der Hase und ich bestellen je ein Glas Hauswein – er weiß, ich rot. Vor allem der Weiße ist toll, ein Vermentino.

Eigentlich wollen wir ja endlich einmal das berühmte Bistecca Fiorentina probieren und wählen deshalb erstmal nur Primi in reduzierten Portionen. Das erweist sich auch als ganz gute Taktik, in den Foursquare-Bewertungen werden die kleineren Portionen empfohlen und wir sehen an den Nachbartischen, wie riesig die großen sind.


Ich entscheide mich für eine traditionelle toskanische Pappa al Pomodoro, eine Brotsuppe mit Tomaten, Knoblauch und Basilikum. Sehr sehr gut, das werde ich zuhause versuchen, nachzubauen.

Mama bestellt die fluffig-leichten mit Käse überbackenen Gnocchi mit Trüffelöl, ohne zu wissen, dass die in den Bewertungen besonders gut wegkommen. Juhu! Sie sind wirklich so unglaublich lecker, wie alle schreiben. Wir fragen dann auch nochmal nach der Käsesorte – es ist eine Mischung aus Mozzarella, Parmesan, Gorgonzola und Galbanino.

Die Männer bestellen beide die handgemachten Tortellacci in Wallnusscreme, die auch wahnsinnig gut sind. Inzwischen hat sich die Kellnerin in der Küche erkundigt: Die Bistecca ist heute 1,4 kg schwer. Dem sind wir dann leider doch nicht gewachsen, schade. Da wir aber wegen der vorsichtigen Primi noch Platz im Magen haben, können wir uns so noch einmal die Dessertkarte vornehmen. Doppel-juhu!

Der Hase entscheidet sich für eine Ricotta-Creme mit Schokolade und Beeren.

Ich nehme die Brombeer-Crostata mit zwei himmlisch-reifen Brombeeren als Deko. 

Dann laufen wir gemütlich zurück zum Auto, nicht ohne noch an der Gelateria della Passera anzuhalten – immerhin hatten wir gestern kein Eis, das muss unbedingt nachgeholt werden! Ich nehme  Kiwi und Pink Grapefruit, der Hase Schoko-Orange und Zabaione. Wir fahren müde nach Hause und lassen den Abend ein weiteres Mal vor dem Kamin ausklingen.