Heute dann also der große „Ausgehtag“, der Tag im Kurs, an dem wir erstmals mit dem Gelernten rausgehen und versuchen, es anzuwenden. Dafür haben wir uns gestern ein paar Proband*innen überlegt und weil mein erster Proband hier im Haus zu finden ist, stelle ich mir keinen Wecker und starte gemütlich in den Tag.
Was in diesem Fall bedeutet, dass ich trotzdem um 6 aufwache, dann aber eben ohne Hektik den morgendlichen Reboot mache, mir in aller Ruhe Frühstück und das Mittag für unterwegs zubereite, auf dem Balkon frühstücke und erst dann aufbreche, als ich sicher bin, mit allem fertig und gut vorbereitet zu sein.

Dann laufe ich runter ins Stammcafé, nur um festzustellen, dass der Proband noch nicht da ist und auch unklar ist, ob er bald kommt. Hmpf. Das wirft mich in meiner Planung ein wenig zurück. Aber dann laufe ich eben los zur Station 2, einem Ladengeschäft, nicht ohne dabei zu vergessen, dass auf dem Weg eine riesige Baustelle ist und ich einen ziemlichen Umweg machen muss. Als ich ankomme, schnaufe ich erst kurz durch, sammle mich und trete dann ein. Intuitiv suche ich mir die richtige Probandin aus, führe ein mustergültiges Gespräch und laufe dann ganz beflügelt und mit frischen Ideen wieder raus, schreibe ein Gedächtnisprotokoll und schlendere breit grinsend zur U-Bahn.
Mit zwei U-Bahnen geht es dann hinaus nach Alt-Tempelhof. Hier hat die dritte geplante Probandin ihr Büro. Der Methode entsprechend darf ich mich nicht vorher ankündigen, so bin ich nicht überrascht, als ich nach einer kurzen Busfahrt und einem langen Fußmarsch vor einer verschlossenen Bürotür stehe, drinnen ist es dunkel, alle sind ausgeflogen. Aber auch das ist in Ordnung und gehört zum Prozess. Also laufe ich wieder zurück, diesmal ohne den Bus, der natürlich nicht dann kommt, wenn er kommen soll, steige wieder in die U-Bahn und fahre auf einer anderen Route nach Kreuzberg zu der Probandin, die mir Propandin 2 vorhin empfohlen hat.
Als ich an deren Arbeitsstelle ankomme, muss ich feststellen, dass diese erst ab 14 Uhr besetzt ist. Um 14 Uhr muss ich schon wieder zurück im Kurs sein. Das war dann also heute auch nichts, aber auch das darf so sein. Ich laufe auf neuen Routen durch Kreuzberg und fahre dann mit zwei U-Bahnen nach Neukölln, setze mich aufs Sofa und esse mein Mittagessen (Stullen und Obst).
Nach und nach trudeln alle Teilnehmer*innen ein. Wir werden mit leckerem Kuchen zur Belohnung versorgt und berichten uns dann unsere jeweiligen Erlebnisse, vergleichen Erfahrungen, arbeiten Tipps und Strategien fürs nächste Mal aus und vertiefen uns nochmal in die Theorie.

So vergeht die Zeit wie im Fluge und plötzlich ist es schon wieder 18 Uhr. Ich fahre mit der S-Bahn zurück in den Pberg, hole in der Apotheke Bestelltes ab, laufe nach Hause, füttere Noosa, koche mir Abendbrot (und Mittag für morgen) und telefoniere mit dem Liebsten.

Dann bin ich mit der Freundin in Madrid verabredet und wir reden tatsächlich auf die Minute genau zwei Stunden darüber, was in den letzten Wochen seit kurz vor meinem Urlaub (dem ersten, dem in Kanada) in unseren Leben so passiert ist – es ist eine Menge!
Danach nochmal kurzer Check-in mit dem Liebsten, kurzes Versacken auf der Couch und irgendwann kurz nach 11 falle ich dann ins Bett und schlafe sofort tief und fest ein.