Waren im Regen

Als ich am Alex in die Bahn zum Hauptbahnhof steige, beginnt das Gewitter. Der Regen begleitet mich, die ich es mir im oberen Stockwerk des RegionalExpress gemütlich gemacht habe bis zur Landesgrenze von Brandenburg, ab Mecklenburg ist es wieder trocken – vorerst. In Waren verlasse ich schweren Herzens den Zug, der mich früher immer bis nach Rostock gebracht hat. Von hier aus soll es mit dem Shuttle-Service weiter bis in das kleine Nest gehen, in dem unser Tagungshotel ist. Ich steige aus dem Zug, freue mich, dass es an der frischen Luft deutlich wärmer ist als im klimatisierten Zug und halte nach dem Bus mit dem gelben Schriftzug Ausschau. Aber da ist keiner.

Ich überprüfe noch einmal den E-Mail-Verlauf von letzter Woche und erschrecke mich – meine Reservierung für den Shuttle ist für morgen, 30., 31., da kann man (ich) ja mal etwas durcheinanderbringen. Ich rufe also im Hotel an, entschuldige mich für das Versehen und erfahre, dass eine Stunde später der Zug aus der Gegenrichtung kommt, in dem auch Hotelgäste sitzen, die abgeholt werden wollen. Da kann ich mitfahren. Eine knappe Stunde muss ich also am Bahnhof von Waren zubringen. Der Himmel zieht sich bereits bedenklich zu, die Regenfront zieht nach Norden, auf uns zu.

Ich suche nach einem wasserfesten Plätzchen, immerhin habe ich meinen neuen Laptop dabei, der nicht nass werden sollte. Die Bushaltestellenhäuschen sind an drei Seiten offen, das ist mir zu gefährlich. Das Bahnhofsgebäude wird in einer halben Stunde geschlossen und alle von Foursquare empfohlen Cafés sind rund einen Kilometer entfernt – lohnt sich nicht, für die kurze Zeit, zumal die dunklen Wolken immer bedrohlicher aussehen. Aus einer urigen Mecklenburger „Dorfkneipe“ (Waren ist ja eine Stadt), die ich normalerweise weiträumig umfahren würde, schaut der Betreiber heraus und signalisiert, dass bei ihm offen ist. Ich zögere noch kurz, aber da kommen die ersten Tropfen. Na gut, rein da.

Außer mir suchen auch noch drei weitere Reisende, die zumindest den schlimmsten Regen abwarten wollen, Zuflucht in Werners Bierstube. Die Kneipe ist muckelig, mit dunklem Holz ausgekleidet, braunem Teppichboden, Korblampen und rustikalen Holztischen auf denen gehäkelte Deckchen und Kunstblumen drapiert sind. Ein Spielautomat flackert bunt vor sich hin, zwei Stammgäste sitzen am Tresen und im Radio läuft Ostseewelle. Ich beschließe, mich so richtig einheimisch zu fühlen und bestelle mir ein Alster, ist ja schon später Nachmittag und sie haben hier Lübzer. Zigarettengeruch haben sie auch, ist nämlich eine Raucherkneipe. Kaum habe ich mein Bier vor mir stehen geht draußen der Weltuntergang los. Ich hole meinen Laptop raus, benutze ihn, um meinen Handy-Akku aufzuladen (wer weiß, was noch passiert) und beginne diesen Text.

Kneipe in Waren
Der Besitzer erklärt meinen Leidensgenossinnen, wie sie von hier aus zu ihrem Hotel kommen, eine weitere nutzt die Gelegenheit gleich mal fürs Mittagessen. Als der Regen etwas nachlässt, kommen weitere Stammgäste herein, die verdutzt schauen, als sie uns sehen, aber höflich grüßen und schnell weiter zur Theke laufen. Die Damen am Nebentisch tauen auf und finden Gefallen an ihrer Situation. Sie posieren für ein Foto am Spielautomaten.

Ich gehe zurück an die Theke und bezahle mein Alster. Es kostet 1,50 €, ich gebe 2 €. In 10 Minuten kommt der nächste Zug, das Shuttle müsste bald auftauchen und der Regen hat etwas nachgelassen. So kann ich zur Bushaltestelle gehen – möchte ja den Anschluss nicht verpassen.

 

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