Und der Freitag so?

Es ist echt unglaublich, wie schnell die Wochen immer vorbeifliegen. Jetzt ist schon wieder Freitag, Wochenende. Vermutlich sollte ich dankbar sein, dass ich das so empfinde. Andere Leute kämpfen sich ja in zähen Jobs gerne mal von Wochenende zu Wochenende, ich hingegen bin meist auch immer ein wenig traurig, dass die fünf Tage schon wieder vorbei sind. OK, ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken: Natürlich freue auch ich mich auf zwei Tage weitgehend selbstbestimmter Zeiteinteilung! Aber ich hab meistens so viel Spaß in meinem Job, dass er mir gar nicht so sehr wie eine von außen auferlegte Einschränkung vorkommt. Und meistens wache ich auch vor dem Weckerklingeln auf, so dass mir auch das Ausschlafen (im Moment zumindest) nicht wirklich fehlt.

Der heutige Freitag war ein relativ entspannter, obwohl ich schon die dritte neue Aufgabe diese Woche übernommen habe. Das hat für ca. 10 Minuten Nervenflattern gesorgt, als ICH einen fremden Menschen anrufen und mich mit ihm unterhalten musste, um hinterher meine Einschätzung abzugeben, ob er zu uns passt. Ich telefoniere ja grundsätzlich schon ungern mit fremden Menschen und dann auch noch in so einer ungewohnten und verantwortungsvollen Rolle… Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben und eigentlich finde ich es ja auch sehr cool, dass ständig alles anders wird und neue Dinge auf mich einprasseln.

Meetings hatte ich ansonsten heute nur eines, dafür war ich aber mal wieder mit dem Team mittagspausieren. Wir hatten wirklich extrem köstliche vegane Burger mit Pommes und Getränk. Meiner war der Vienna Burger, mit “Schnitzel”, Knoblauch-Sauce, Gemüse und Schnittlauch. Ein Gedicht bis in die Details! (Keine Werbung, ich habe natürlich selbst bezahlt.)

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Nach der Arbeit gab es dann mal wieder eine Date Night mit dem Hasen. Ich glaube, das machen wir jetzt öfter – so lässt sich auch das verflixte 7. Jahr besser überstehen 😉 Erst trafen wir uns zum Abendessen auf eine Poké Bowl (ebenfalls selbst bezahlt). Ein total süßer, unscheinbarer und unprätentiöser Laden in der Stargarder. Sehr zu empfehlen! Ich hatte eine Bowl mit Thunfisch, Mango, Avocado, Rettich, Kaviar und geröstetem Algensalat, die vom Hasen bestand aus Lachs, Gurke, Avocado, Edamame, Algensalat, gerösteten Kichererbsen, knusprigem Mais, knusprigem Knoblauch, und Nüssen. Die Basis für beides war warmer Reis mit Salat und Sojasauce. Wir werden da auf jeden Fall wieder hingehen!

Nach dem Essen lösten wir einen Kino-Gutschein ein (ein Geschenk meines Arbeitgebers) und sahen einen weiteren Oscar-nominierten Film: Green Book. Der war zum Glück besser, als ich ihn nach dem Trailer erwartet hatte, auch wenn er für mich weder an Bohemian Rhapsody noch (vor allem) an Roma heranreicht. (Die anderen Nominierten müssen wir noch gucken.)

Danach ging es schnell durch die Kälte nach Hause, wobei das Hasenfahrrad die eine S-Bahn-Station ausnahmsweise mal schwarz fahren durfte. Jetzt guckt der Hase Biathlon live aus Kanada und ich packe meine Schnupfennase ins Bett.

 

PS: Schon merkwürdig, wenn eine Heinzelfrauchen-Aktion komplett unkommentiert bleibt – jetzt weiß ich gar nicht, ob sie bemerkt und gewürdigt wurde. Aber eigentlich soll man für solche Sachen auch keinen Dank erwarten, sie sind ja schließlich dafür da, anderen eine Freude zu machen und nicht sich selbst. Man muss auch jönne könne.

 

Tagebuch-5 im Februar 2019 #WMDEDGT

Es ist mal wieder der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen wieder: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Ich wache vor dem Weckerklingeln auf, weil irgendwer im Haus findet, es wäre eine gute Idee, jetzt mal ordentlich den Hammer zu schwingen. Als ich mich dazu durchringe, die Augen zu öffnen und mal nach der Uhrzeit zu gucken ist es 7:29, eine Minute vor Klingeln. Ich mache den Wecker aus und lese mich eine halbe Stunde lang gemütlich durchs Internet, während das Hämmern natürlich längst aufgehört hat und der Hase wieder eingeschlafen ist. Um 8 schleiche ich mich leise aus dem Schlafzimmer und lasse den Urlaubshasen weiter träumen.

Morgendliche Badroutine, Katzen füttern und dann bin ich kurz vor halb 9 schon aus dem Haus und fahre mit Tram und U-Bahn ins Büro.

Die Personalabteilung schreibt eine Rundmail über den neuen Feiertag in Berlin. Da wir zwar in Berlin unsere Zentrale, aber eben auch andere Standorte sowie Leute in Remote-Anstellung haben sowie diverse Mitarbeiter*innen, die kein Deutsch sprechen und das vielleicht noch gar nicht mitbekommen haben,1 ist das notwendig. Es geht zunächst darum, für wen der Feiertag alles gilt, dann darum, wie er im System abgebildet wird und was mit bereits bestehenden Urlaubsanträgen geschieht (Der Feiertag kam etwas plötzlich, das hat sich erst vor zwei Wochen oder so endgültig ergeben). Und dann ging es sehr lang und ausführlich um den Frauentag selbst, seine Geschichte, Clara Zetkin, warum der jetzt bei uns ein Feiertag ist usw. Und ein Link mit Veranstaltungen, bei denen man sich an diesem Tag politisch engagieren kann. Hach, ich liebe diese Firma!

Zum Frühstück gibt es klein geschnippeltes Büro-Obst und Milchkaffee, den wir uns wie immer mit der ganzen Kaffee-Crew oben in der Lounge holen. Ich lerne, dass es eine Fluggesellschaft namens Germania gibt und die jetzt pleite ist. Außerdem sprachen wir über das Fliegen im Allgemeinen, Flughäfen in aller Welt und überlegen, ob Fliegen oder Fleisch essen der schlimmere Klimakiller ist. (In meinem Kern-Team von 7 Personen haben wir drei vegan lebende Männer und vier omnivore Frauen. Besonders witzig ist, dass einer der Herren bis vor ungefähr zwei Jahren so ziemlich jeden Tag auf seiner Fleischportion bestand und inzwischen total geläutert ist.)

Zurück am Platz verbringe ich die Zeit bis zum ersten Meeting mit einer Aufgabe, die ich diese Woche für die urlaubende beste Kolleginnenfreundin übernommen habe – ziemlich analytisch mit ein bisschen Glaskugel drin, aber nichtsdestotrotz spannend. Und ich kann Kästchen (Google Sheet Zellen) mit lustigen Farben füllen, das ist ja auch immer schön.

Nach dem Meeting dann Abarbeiten der aufgelaufenen E-Mails und Anfragen, danach Mittagspause mit dem nicht-einfachen Kollegenfreund/Freundkollegen (20 Minuten Spaziergang zum Supermarkt und zurück, Gespräch über Magen-Darm, Valentinststag, Frauenhasser, die Grünen, die FDP, das Wahlverhalten in Ost-Berlin, 3,21 € in kleinen Scheinen und Seelenrettungsversuche). Wieder zurück gibt es für mich einen hochwertigen Mikrowellenmilchreis mit Erdbeerkompott und eine Runde Twitter-Timeline, der NEKFFK* muss direkt zurück an seinen Platz.

Nach der Pause gemütliches Vor-mich-hin-Arbeiten. Ein gutes Feedback für die Aufgabe erhalten, die ich diese Woche vertretungsweise übernommen habe. Eine weitere neue Aufgabe samt zugehöriger Schulung angekündigt bekommen, die spannend klingt und vielleicht längerfristig bei mir bleibt… Das Nachmittagsmeeting blieb dann relativ kurz und ereignislos. Danach tröpfelte der Arbeitstag ziemlich vor sich hin – im Vergleich zur letzten Megastresswoche sind wir jetzt wieder im Alltag angekommen und das ist auch gut so.

So kann ich pünktlich Feierabend machen und Richtung Friedrichshain fahren, um ein paar Dinge zu erledigen und mich dann mit einer meiner besten Freundinnen zum Essen und Quatschen zu treffen. Es gibt Tra Dao (hausgemachten Pfirsich-Eistee), Banh Xeo (einen vietnamesischen Pfannkuchen mit Tofu, Pilzen und Pak Choi), My Quang (eine dickflüssige Reisnudelsuppe mit Pilzen und Sesam-Chips) und Mango in frittiertem Klebreis. Dazu reden wir über alles, natürlich.

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Der Heimweg ab halb 10 ist dann ganz schön kalt, aber die Ringbahn ist warm und zum Glück ist es gar nicht so weit nach Hause. Dort warten zwei hungrige Katzen auf mich. Da der Hase heute auch aushäusig is(s)t, hatten sie noch kein Abendbrot. Dem schaffe ich schnell Abhilfe, dann mache ich noch ihr Klo sauber und mich selbst bettfertig. Halb 11 liege ich im Bett und höre zum Einschlafen die neue Folge Marvelous Mrs Maisel Goys.

*Auch noch nicht das richtige Blog-Synonym für ihn, fürchte ich.

Wochenend-Tagebuch: Freunde, Filme, Feminismus

Dieses war ein sehr schönes Wochenende, mit vielen Freunden, guten Gesprächen und trotzdem genug Zeit, um mich von der Woche zu erholen, den Feedreader leer zu lesen und alle verpassten Serienfolgen aufzuholen. Wir hatten Besuch von einem guten Freund des Hasen (die beiden sind schon sehr niedlich, der Hase schickt dem Freund jeden Tag ein Foto von Streetart, die ihm über den Weg läuft, der Freund revanchiert sich jeweils mit einem Song). Den Sonnabend Abend verbrachten die beiden zusammen auf einem Konzert und ich besuchte zwei liebe Freundinnen, die ich schon seit Monaten nicht mehr gesehen hatte, um Filme zu gucken. Der erste war der ziemlich tolle To Each, Her Own (dicke Empfehlung!), als zweites begannen wir noch Clue, den wir aber nicht mehr geschafft haben, da wir vor und nach dem ersten Film ja auch noch erzählen mussten, wie es uns seit dem heißen Sommer so ergangen ist. Den muss ich auf jeden Fall auch nochmal in Gänze und mit der nötigen Konzentration gucken, der wirkte sehr vielversprechend.

Am Sonntag waren wir wieder bei den Lieblingsnachbar*innen, heute gab es Blaubeer-Muffins, Apfelkuchen und selbstgemachte Panna cotta. Und natürlich wieder jede Menge gute Gespräche und so wie es aussieht, machen wir das jetzt zu einem regelmäßigen Sonntagsritual.

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Zwischen all dem habe ich dann auch noch interessant (und meiner Meinung nach auch recht gelassen und konstruktiv) auf Facebook über Feminismus diskutiert (vor allem über die Außenwirkung) und im Zuge dessen alle Kraft zusammengenommen und mir The Red Pill angesehen, das mir in den letzten Wochen zweimal genannt wurde, wenn ich meinte, dass ich keine Feminist*innen kennen würde, die Männer hassen bzw. sie unterdrücken wollen würden. Aus wissenschaftlichem Interesse und um mitreden zu können, musste ich mir das dann natürlich auch selbst mal aus der Nähe ansehen. (For those who don’t know, es handelt sich um einen Dokumentarfilm einer selbstbezeichneteten Feministin über Männerrechtler in den USA und am Ende des Films bezeichnet sie sich dann nicht mehr als Feministin.) Puh, keine dicke Empfehlung, aber trotzdem ganz interessant. Ich kopiere einfach mal meine Einschätzung (aus der Facebook-Diskussion auf Bitte von Slackwidow) ans Ende dieses Blogeintrags, falls es jemanden interessiert.

Abgesehen davon habe ich dann auch noch zwei weniger aufreibende, aber umso empfehlenswertere Dokus gesehen, nämlich Meschugge, oder was: Jude werden, Jude sein in Deutschland von Dmitrij Kapitelman und Min Herzing, die bekannte Fischfrau aus Warnemünde, eine DEFA-Produktion von 1974, die mein Onkel auf Facebook geteilt hatte. Zum Ausklang des Wochenendes werden der Hase und ich uns jetzt noch einen der Oscar-nominierten Filme ansehen, bevor er zu wieder anderen Freunden aufbricht, um den SuperBowl zu sehen.

 

Über The Red Pill:

So, ich habs mir angesehen und hoffe, dass ich jetzt auch nach 1 Uhr noch einen halbwegs reflektierten und ausgewogenen Bericht abgeben kann.

 

1. Als Beispiel für überzogenen Feminismus finde ich die Dokumentation nicht geeignet, da erstens nur sehr wenige Feminist*innen zu Wort kommen und von denen wiederum nur sehr wenige Meinungen äußern, die sich gegen Männer richten oder tatsächlich in irgendeiner Form radikal sind. Eigentlich geht es immer um das System, um Sexismus, um patriarchale Strukturen. Eine Vertreterin wirkt ein bisschen verbitterter, die ist allerdings auch schon ne Generation älter…

2. Es werden durchaus ein paar wichtige Punkte angesprochen, bei denen Männer “benachteiligt” sind. Die meisten davon lassen sich allerdings relativ eindeutig auf tradierte Geschlechterrollen zurückführen, die der Feminismus ja überwinden möchte, und nicht etwa auf Unterdrückung durch Frauen oder gar durch Feminismus geschaffene Veränderungen.

3. Viele andere Punkte und Probleme, die angesprochen werden, sind tendenziös/biased dargestellt, unsauber recherchiert und/oder es werden Korrelation und Kausalität vermischt (etwa die Boko-Haram-Geschichte, die Opferzahlen in Kriegen oder die ganze Thematik rund um untergeschobene Kinder).

Insgesamt definitiv keine ausgewogene, neutrale Berichterstattung und ziemlich stark mit Emotionen spielend (z.B. Nahaufnahme einer Beschneidung im Säuglingsalter). In sich geschlossen sind viele Argumentationen nachvollziehbar, aber wenn man ein wenig nachrecherchiert, fallen schnell die Ungereimtheiten, falsches Datenmaterial oder schiefen Grundannahmen auf (“Gender Studies are Women’s Studies”, „Women have always been responsible for reproduction and men for production“), ohne die die Argumentation dann nicht mehr funktioniert.

Wer sich mit der Thematik nicht viel auseinandersetzt, findet hier schnell “Beweise” für krude Thesen oder eben ein stimmiges Bild, dass er sich aneignen kann. Und es wird halt auch völlig ausgeblendet, wie stark MRAs (meine Pauschalisierung, in der Doku werden mindestens 3 Gruppierungen unterschieden: eine kritisiert das System der Geschlechterrollen, eine will das System gegen Frauen nutzen, eine dem System entfliehen) gegen Feminist*innen, Aktivist*innen und Frauen im Allgemeinen hetzen und mit welch konzertierten Aktionen sie diese online trollen, stalken, belästigen und damit indirekt zum Schweigen bringen, weil sie sich vor ihnen schützen wollen. Sind natürlich alle ganz harmlos und lieb, wie sie sich dort vor der Kamera präsentieren.

Bin trotzdem froh, dass ich mir das jetzt mal angeschaut habe und verstehe ein bisschen besser, woher manche Argumente kommen, die ich von Leuten gehört habe, bei denen es mich wundert, wie sie dazu gekommen sind. Mein Leben und Denken verändert hat die Doku allerdings nicht 😉

Guy Patterson macht jetzt in Feminismus

Um dieser etwas merkwürdigen Aussage Sinn einzuhauchen, muss ich Euch mit zurücknehmen in meine Vergangenheit, zurück in die Pubertät…

Es ist 1996 und meine (nee, meine Freundin ist nicht weg und bräunt sich) Mama nimmt mich mit ins Kino, um mir einen Film zu zeigen, den sie neulich im Flugzeug schon gesehen hat und dessen Titeltrack in Australien, wo sie und Papa gerade Urlaub gemacht haben, ein Charthit wurde: That Thing You Do! Zack, hatte ich einen neuen Lieblingsfilm. Nun war das damals in Bautzen und dort kamen die guten Nicht-Mainstream-Filme immer genau einmal (wenn überhaupt), nämlich montags im “Kino extra”, also hatte ich keine Chance, den Film ein zweites Mal im Kino zu sehen. Ich wartete also ungeduldig auf den Video-Release.

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Sobald das Video in unserer örtlichen Videothek angekommen war, habe ich es ausgeliehen und zuhause direkt angesehen. Und als der Abspann abgelaufen war, zurückgespult und gleich nochmal von vorn angefangen. Und dann habe ich es an dem Wochenende noch zweimal gesehen. Dann schlug Mama mir eine illegale Raubkopie vor (ich denke, das ist verjährt, Mama ;)) und wir schlossen unsere beiden Videorekorder an den Fernseher an. Leider war ein Kopierschutz auf der Kassette und nur der Ton wurde sauber kopiert, vom Bild war nicht viel zu sehen. Trotzdem hatte ich zumindest die ersten 10 Minuten des Films als Tonspur und auch die habe ich mir ab und zu angehört (und regelmäßig den Film wieder ausgeliehen), bis dann endlich, endlich das Kaufvideo auf dem Markt war, das ich mir direkt am ersten Tag gekauft habe.

Der Film ist wirklich ziemlich großartig (die IMDB-Bewertung ist da nicht ausreichend ;)), hat ein sehr gutes und witziges Drehbuch, tolle Schauspieler, gute Stimmung, super Musik… Ein absoluter Gute-Laune-Film und dabei nicht ohne Tiefgang.

Und That Thing You Do! hat Guy Patterson. Er ist “der Drummer, der den den Takt hält, das Rückgrat”. Er kommt als eigentlicher Jazz-Fan zu einer aufstrebenden Rock’n’Roll-Band hinzu, macht einen okayen Song zu einem Riesenhit, sorgt für beatlesque Erfolge, bleibt dabei die ganze Zeit aber auf dem Boden der Tatsachen und verkraftet so das Ende der Band von allen am Besten. Und er spannt dem karrieregeilen Gitarristen die Frau aus(natürlich erst nachdem sie den verlassen hat natürlich, er ist ja Gentleman) und macht mit ihr zusammen eine Jazz-Schule auf. Guy ist die Hauptfigur in dem Film, auf eine unaufdringlich normale Art gut aussehend, unglaublich lieb, witzig und eben irgendwie “besonders”. Ihr merkt es schon, Klein-loosy war verliebt. (Und ich möchte betonen: In die Filmfigur, nicht den Schauspieler!) Ich glaube tatsächlich, dass mich Guy im Hinblick auf die Männer, die mich interessieren, entscheidend geprägt hat und entdecke in der Rückschau wahrscheinlich bei jedem irgendeine Parallele.

Jedenfalls, “That Thing You Do!” ist immer noch in meiner ewigen Top 5 meiner Lieblingsfilme drin. Ich habe mir natürlich auch die DVD gekauft, auf Englisch und inkl. des deutlich längeren Director’s Cuts. Der macht den Film im Nachhinein nochmal großartiger, aber ich bin ganz froh, dass ich ihn erst Jahre später gesehen habe. Einige der Szenen zeigen Guy in Situationen (Sex ‘n’ Drugs ‘n’ Rock ‘n’ Roll), die meinem 13-jährigen Ich so gar nicht gefallen haben. Mein ca. 23-jähriges Ich fand ihn dadurch nur noch ein bisschen toller und sympathischer. Anyway…

Den Schauspieler hinter Guy, Tom Everett Scott, fand ich schon auch ganz hübsch, aber leider hat er hinterher nie wieder Rollen und Filme gespielt, die mich interessiert hätten. Und dann saß ich vor zwei Jahren mit einer Freundin im Freiluftkino Friedrichshain und schaute La La Land. Wie es sich gehörte, war ich natürlich für die Dauer des Films total in Ryan Goslings Sebastian verknallt. Und dann taucht ganz am Ende plötzlich Tom Everett Scott als der neue Freund von Emma Stones Mia auf, bevor es an die Schlüsselszene des Films geht, in der Sebastian und Mia sich wiedersehen, ihre gemeinsame Zeit heraufbeschworen wird und sie trotz der aufwallenden Gefühle ihren Frieden miteinander machen. Diese Szene ist an sich schon unglaublich und wurde für mich durch “Guy Patterson” nochmal zum absoluten Mindfuck – da Sebastian und Mia, in meinem Kopf ich und Guy… 😉

Ich habe mich dann noch einmal in die Tiefen des Internets bewegt und u. a. herausgefunden, dass sowohl La-La-Land-Regisseur Damien Chazelle als auch Ryan Gosling und Emma Stone riesige That-Thing-You-Do!-Fans sind, dass Sebastian durchaus ein bisschen nach Guys Vorbild geschrieben wurde (das ganze Jazz-Ding!), dass sie in der Vorbereitung des Films sehr viel über That Thing You Do! gesprochen haben und deswegen dann Tom Everett Scott diese Cameo-Rolle angeboten wurde und sie alle hellauf begeistert waren, als er zusagte. In dem Zusammenhang habe ich dann auch gleich noch weiter rumgelesen, alte und neue Interviews mit den TTYD-Schauspieler*innen angesehen und bin einigen von ihnen auf Instagram gefolgt. Unter anderem natürlich auch Tom Everett Scott.

Darüber habe ich dann mitbekommen, dass er jetzt in einer Serie mitspielt und mir die dann natürlich auch gleich angeschaut: In I’m Sorry geht es um eine Comedy-Autorin (Andrea Savage), ihren Mann (Tom Everett Scott), ihre kleine Tochter (Olive Petrucci) und ihre Mutter (Kathy Baker). Es geht um das Leben in Hollywood/LA in der heutigen Zeit, um Feminismus, Gender Equality, #metoo, LGBTQI-Rechte, Political Correctness, Sex Positivity, Erziehung usw. usw. Eine Art “Curb Your Enthusiasm” in jung, weiblich, feministisch und sympathisch. Ziemlich anders auf jeden Fall, als die “Mainstream”-Sitcoms, die so zu uns rüberschwappen und wirklich, wirklich lustig. Super ist außerdem wie selbstverständlich gleichberechtigt die beiden Paarsein und Elternschaft leben. Kann ich Euch allen nur ans Herz legen! (Und der großartige Jason Mantzoukas spielt auch mit.)

Und zum Schluss nochmal ein kleines bisschen That Thing You Do!, den Ihr natürlich ebenso dringend gucken solltet – wer diesen Film liebt, kann kein schlechter Mensch sein und wenn Ihr ihn genau so liebt, wie ich, habt Ihr (aufgrund positiver Erfahrungen) auf jeden Fall einen Stein im Brett bei mir. Für Viewing Parties (deutsch, englisch oder Director’s Cut) bin ich auch jederzeit bereit und zu haben! 🙂

 

Wie der Januar riecht

So, nachdem ich den laut maunzenden und über die Tastatur wetzenden Kater ruhig gestellt habe, kann ich jetzt aufschreiben, wie der Monat für mich gerochen hat. Andere olfaktorische Erinnerungen gibt es zum Beispiel bei Ijuno und bestimmt auch bald beim liebsten Fräulein der Welt, das sich diese Beitragsreihe ausgedacht hat. Für den nervigen Kater riecht der Januar am Ende übrigens nach Katzenminze auf einem Kuschelkissen…

Der Januar riecht zunächst einmal nach eingemummeltem Couchen, Katzenfell und Süßkram. Dann aber riecht er nach freien Ferientagen, Kleinkindköpfen und Erfrischungstüchern. Nach Sardellen, Knoblauch und Bacon duftet der Caesar Salad, mit dem wir beim Mobster Dinner das Jahr einläuten. Der Januar riecht nach den Büchern in den Regalen der Böse Buben Bar,

Nach großer Wiedersehensfreude riecht der Januar ebenso wie nach Unsicherheiten und vorsichtigem Herantasten. Ein Schritt vor, zwei zurück und dann vielleicht doch wieder einer vor? Nach Missverständnissen und unbedachten Worten ebenso wie nach sehr sorgfältig gewählten Worten, klärenden Gesprächen und großer Erleichterung.

Der Januar riecht oft nach Schweiß – in überhitzten Bahnen, Büros, Meetingräumen und Diskussionen ebenso wie beim Sport oder beim schweißgebadeten Aufwachen nach unruhigen Träumen.

Er riecht nach viel Papier und Druckerschwärze und Klebebandresten an den Fingern. Nach köstlichen Pancakes, Blinis, Crêpes und Quesadillas riecht er zum Glück auch. Außerdem nach Zitrusfrüchten, Tee und Thymianhänden. Nach jamaikanischer Küche und einer Brise jamaikanischer Lebensart in der Luft.

Der Januar duftet nach Heimlichkeiten, jeder Menge Organisation und Koordination und glücklich gemachten Menschen. Nach Indien, das sich in den Falten von T-Shirts und Tüchern versteckt gehalten hat. Nach Kuchen und Muffins, nach Schampus und Steak und gutem Wein. Nach regennassem Asphalt riecht der Januar, nach gestohlenen Sonnenstrahlen und ab und zu sogar nach Schnee. Er duftet nach Hochzeitsblumen und Vogelhochzeitssüßigkeiten und den Ledersitzen in einem “was schattigen Auto”.

Nach Angekommensein und Nähe riecht der Januar ebenso wie immer wieder auch nach Fallen und Angst und Ungewissheit. Am Ende riecht er sehr chaotisch, nach Granatapfel-Cupcake und Smoothies, nach Eis und Yogamatten, nach Torte und Bier.

Der Januar ist ein langer Monat und prall gefüllt mit Leben, vieles vom guten und so manches vom schlechten ist darunter. Und ganz am Schluss, da riecht der Januar nach Zuversicht und Lachen und Vorfreude auf alles, was noch kommen mag.

 

PS: 30 Plakate abgeknibbelt, 30 Plakate aufgehängt. For those who count.

Guter Chor ist gut: Die Happy Disharmonists in der Bar jeder Vernunft

Die Demo gestern hat mich aus Gründen ein wenig aus meinem eigentlichen Blogrhythmus hinausgeworfen. Eigentlich soll das ja hier so ein bisschen ein Tagebuch sein und da kommt vor dem Sonnabend natürlich noch der Freitagabend. Den verbrachte ich in netter Begleitung in der Bar jeder Vernunft, beim Konzert der Happy Disharmonists. Gleich vorab: Meine beste Kolleginnenfreundin* singt in diesem Chor mit und hat uns für den Abend Steuerkarten besorgt, diese haben wir aber selbst bezahlt und somit ist auch dieser Text wieder keine Werbung 😉

Insgesamt war das mein drittes Mal Happy Disharmonists, diesmal jedoch lag das letzte Mal bereits so lange zurück, dass das Programm für mich fast komplett neu war. Jedes Mal wieder stelle ich fest, dass ich zu den jüngsten Menschen im Publikum gehöre. Das liegt vermutlich daran, dass ich nur wenig älter bin, als der Chor selbst, in dem auch immer noch einige Mitglieder der Originalbesetzung singen, die ihn damals zu Schulzeiten gegründet haben. Das bedeutet einerseits, dass es natürlich auch Fans gibt, die schon genau so lange dabei sind und andererseits, dass Freund*innen und Familienangehörige der Chormitglieder oftmals auch keine 12 mehr sind (also außer den Chorkindern vielleicht).

Jedes Mal beim Ankommen denke ich also: Hui, wo bin ich denn hier hingeraten, die sind ja hier alle viel älter und gesetzter als ich und dann ist das ja auch noch ein Chor-Konzert und Chor-Konzerte sind ja im Allgemeinen auch eher was für die ein bisschen spießigeres Publikum als ich mich gerne wähne… Und dann singen die los und alle Befürchtungen sind vergessen: Erstens ist das hier ein Pop-Chor und zweitens hat er auch sehr viel Selbstironie. Gleich zu Beginn wird der Pop-Chor-Hype aufs Korn genommen und gezeigt, dass sie von klassischem Chorgesang über A Capella bis hin zu musikalisch höchst anspruchsvollen Covern und Remixen verschiedenster Genres alles drauf haben.

Natürlich gab es auch das eine oder andere Lied, das mich weniger umhaute und den einen oder anderen “Stur lächeln und winken”-Moment, aber die meiste Zeit über konnte ich nur staunen. Besonders über die bereits angesprochenen Cover und Remixe. Da hauen die mal eben ein Mash-up von David Bowies “Major Tom” mit Peter Schillings “Major Tom (Völlig Losgelöst)” hin, verbandeln kleine und große Momente der Pop-Geschichte mit Einsprengseln von “Rule Britannia” und top-aktueller Brexit-Problematik, schummeln ihrem gesetzten älteren Publikum Ärzte-Songs unter, bei denen es Lachanfälle bekommt, untermalen das Märchen vom Froschkönig mit kulturellen Anspielungen und musikalischen Zitaten von “Bohemian Rhapsody” bis “1000 und 1 Nacht”, hauen das eine oder andere politische Statement raus, dass sich gewaschen hat oder treiben meiner Begleitung mit einem Pink-Floyd-Cover unerwartet Tränen in die Augen…

Ein Konzert der Happy Disharmonists sei hiermit jedem anempfohlen, der Spaß an gut und clever gemachter Musik hat. Aber Vorsicht: Sie sind immer sehr schnell ausverkauft – das Drama, bis wir die benötigte Anzahl Karten noch ergattern konnte, wäre einen eigenen Blogbeitrag wert gewesen…

*Es fühlt sich komplett falsch an, hier das Wort Kollegin überhaupt mit einzubringen. Wir sind seit mehr als 16 Jahren sehr enge Freundinnen, haben zusammen studiert und tatsächlich auch mal zusammen in einem Chor gesungen und zusammen arbeiten tun wir erst seit etwas mehr als 8 Jahren 😉 Der Begriff “beste Kolleginnenfreundin” ist hauptsächlich der Unterscheidung zu anderen guten Freundinnen und der offiziellen besten Freundin geschuldet, die ja hier im Blog alle irgendwie ein Pseudoym benötigen.

Vogelhochzeit. Oder: Einmal mit Profis essen

Ich tue ja für gutes Essen bekanntlich eine ganze Menge. Heute bin ich sogar an einem Dienstag nach der Arbeit nach Zehlendorf gefahren (aufgrund eines Polizeieinsatzes sogar mit U-Bahn und insgesamt drei S-Bahnen statt nur einer). Das liegt daran, dass ich – wenn ich nicht gerade Rostockerin oder Berlinerin bin – Lausitzerin bin. Und in der Lausitz ist am Freitag Vogelhochzeit.

Wer dieses Blog schon länger liest, weiß das längst: Wer den ganzen Winter über fleißig die Vögel gefüttert hat, wird von Ihnen dafür am 25. Januar mit leckeren Backwaren beschenkt. In der Lausitz sind diese um diese Jahreszeit überall präsent, in Berlin hingegen ist man auf Care-Pakete aus der Heimat angewiesen. Denn die Vogelhochzeit ist ein sorbischer Brauch und ihre Backtradition reicht nicht über das verbliebene Kernsiedlungsgebiet hinaus.

Zum Glück findet die Grüne Woche jedes Jahr ungefähr zur Vogelhochzeit statt und somit finden Vögel und Nester (aus Keks, Creme, Schokolade, Hefeteig und/oder Baiser) regelmäßige Transporter in die Hauptstadt. Letztes Jahr war meine Cousine zu diesem Ereignis als Gästin in der Stadt und brachte eine breite Auswahl von drei verschiedenen Bautzener Bäckereien. Dieses Jahr stammt meine Lieferung vom Erzeuger selbst, der als Aussteller auf der Grünen Woche ist.

Und so begab es sich also, dass ich nach Zehlendorf fuhr und neben der Vogel- und Nesterübergabe auch noch mit professionellen Nahrungsmittelerzeugern (Handwerksbäckerei, biologische Landwirtschaft samt Hofladen, Schaubrennerei) essen gehen durfte – selbst bezahlt natürlich, es handelt sich auch bei diesem Blogpost nicht um bezahlte Werbung.

Bei Primitivo, Thunfisch-Carpaccio und Pappardelle drehten sich die Tischgespräche um die Feinheiten des Bäckerhandwerks (inkl. Befindlichkeiten ländlicher Kundschaft im Bezug auf z. B. die durch künstliche Zusätze geschaffene Fluffigkeit von Brötchen oder das Geschlecht des Verkaufspersonals), die einzig sinnvolle Art der Haferzubereitung, die Besonderheiten sizilianischen Hartweizens, die Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen italienischen Restaurants in Bautzen und Trinkfreudigkeit des Grüne-Woche-Publikums.

Ein schöner Abend war das! Und Vogelhochzeit können der Hase und ich dann jetzt auch wieder angemessen feiern.