#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 3: Markt, Murano, Burano und jede Menge Wasser

Dass Venedig voller Wasser ist, haben wir ja eigentlich schon vorher gewusst. Irgendwie waren wir dann aber heute deutlich mehr auf dem Wasser als an Land, der Fußboden schwankt immer noch unter unseren Füßen. Und ab dem Nachmittag kam das Wasser dann auch noch von oben… Aber ich berichte mal von Anfang an.

Trotz des Vorhabens, heute früher loszukommen und schön auf den Rialto-Markt zu gehen, wachten wir erst nach 9 auf. Scheinbar haben wir beide – und ganz besonders der Hase – jede Menge Schlaf nachzuholen. Wir standen dann gemütlich auf, checkten den Wetterbericht, packten regenfeste Kleidung (so hofften wir zumindest) ein und fuhren mit dem Vaporetto bis zum Markt, was allerdings schon ganz schön lange dauerte. Bis wir dort waren war es dann auch schon kurz vor 12 und bis auf die Stände mit Obst und Gemüse war alles schon wieder abgebaut (der Markt schließt offiziell um 1). Wir kauften dann noch schnell ein paar Feigen und Weintrauben und setzten uns fürs Frühstück in die nächste Bar. Es gab Caffè latte, für mich ein mit Creme gefülltes Croissant und für den Hasen zwei Mini-Brioches mit Truthahnbrust und Salami.

Dann spazierten wir noch ein wenig durch die Gegend Richtung Vaporetto-Anleger und freuten uns über die im Vergleich zum Sonntag deutlich leerere Stadt. An einer Bäckerei konnte der Hase dann nicht vorbeigehen: Im Schaufenster lockten Cannoncini, gefüllt mit weißer bzw. dunkler Schokolade. Die ließen wir uns schmecken und fuhren dann mit dem Vaporetto und einmal Umsteigen nach Murano hinüber.

Dort ging es zuerst in einen Showroom, wo wir uns ansahen, wie drei Glasbläsermeister im perfekten Zusammenspiel der einzelnen Arbeitsschritte Vasen mit Goldblatt und bunten Blumen-Bausteinen herstellten. Dann bummelten wir durch das Zentrum von Murano und besahen uns die verschiedenen Schaufenster mit Glaskreationen von Kitsch bis Kunst.

Das Glasmuseum sparten wir uns dann und setzten uns direkt in den nächsten Vaporetto, der (wieder mit einmal Umsteigen) zur Insel Burano fuhr. Diese Fahrt dauerte deutlich länger, als wir anhand des Liniennetzplans angenommen hatten, Burano ist dann doch ganz schön weit draußen. Als wir dort ankamen, hatte es bereits zu regnen begonnen. Wir ließen uns davon dann aber gar nicht groß Beirren und spazierten zwischen all den bunten Häusern umher, die mir mit ihren knalligen Farben trotz grauem Regenwetter verlässlich gute Laune machten. Evtl. haben auch Kaffee und Törtchen geholfen. Für den Hasen gab es eine Crostantina mit Marmelade und für mich ein Törtchen alla nonna.

Als nächstes ging es dann mit dem Vaporetto (und einmal Umsteigen…) zum Markusplatz, den wir uns eigentlich noch einmal ohne Touristenmassen und inklusive Dom anschauen wollten. Aber zu diesem Zeitpunkt goss es dann wie aus Kübeln und der Dom hatte auch pünktlich 18 Uhr für Besucher geschlossen.

Also setzten wir dann doch früher als geplant auf die Insel Giudecca über, zu der wir eigentlich gestern schon gewollt hatten. Ursprünglich wollten wir dort ein wenig durch die Gegend flanieren und das Venedig der Einheimischen kennenlernen, denn auf Giudecca gibt es recht wenige bekannte Sehenswürdigkeiten und dafür viel normales Leben. Der Regen trieb uns dann aber sofort in eine echt entspannte Nachbarschaftsbar, in der lauter Venezianer*innen beim Aperitivo saßen und laute Musik lief. Wir genehmigte uns beide je ein Gläschen Soave (der kommt ja aus dem Veneto) und planten mit dem Reiseführer unsere nächsten Tage.

Dann wurde es langsam Zeit fürs Abendessen. Das von uns anvisierte Lokal war nur drei Minuten (durch den Regen) von der Bar entfernt, aber dann doch leider zu. Schnell suchten wir eine Alternative und fanden dann auch ein ziemlich leeres, aber freundliches und wie sich herausstellte leckeres, Restaurant auch nur ein paar Minuten weiter.

Hier trockneten wir ein wenig, wärmten uns auf, und aßen Tintenfischsalat, köstliche Pasta (der Hase mit Zucchini und Scampi, ich mit Sepia) und zum Dessert Torta al limone bzw. Mousse al cioccolato mit Gianduia. Dazu gab es den Weißwein des Hauses und am Ende waren wir nicht nur satt, sondern auch leicht angetüdert und hundemüde. Durch den Regen liefen wir zum Vaporetto-Anleger, wo uns der Wind um die Ohren pfiff. Danach ging es (mit einmal Umsteigen…) nach Hause zum Lido. Während der Fahrt sahen wir dann die ersten Blitze am Himmel. Die 5 Minuten Heimweg vom Anleger waren dann die Anspruchsvollsten – Regenguss, starker Gegenwind und weitere Blitze.

Zuhause angekommen packten wir den Rest Obst in den Kühlschrank, hängten unsere nassen Sachen zum Trocknen auf und kuschelten uns zum Aufwärmen in das warme Bett, in dem ich jetzt diesen Eintrag tippe.

Venedig ist ne feine Sache, aber auf die Dauer dann doch etwas anstrengend. Man ist Wind und Wetter ziemlich ausgesetzt und trotz gutem Liniennetz braucht man sehr viel Zeit, um von A nach B zu kommen, egal ob zu Wasser oder zu Land. Für Tourist*innen ist das sicherlich kein Problem, aber ich ertappte mich immer wieder bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, hier zu wohnen und dann zu allem anderen auch noch all die Touris ertragen zu müssen. Auch barrierefrei ist hier sehr wenig, eine Wheely Map für Venedig sieht wahrscheinlich ziemlich dünne aus. Ich habe auf jeden Fall Lust, mich noch mehr mit dem Alltag hier zu beschäftigen, kennt jemand gute Filme/Serien, die in Venedig spielen (außer Donna Leon und Tod in Venedig)?

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 2: Strand, Ghetto und eine Überdosis Venedig

Zunächst muss ich noch von unserer Ankunft in Venedig berichten, die zwar technisch gesehen an Tag 1 stattfand, allerdings erst nachdem ich bereits vom Zug aus den Text dazu veröffentlicht hatte.

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Wir erreichten den Bahnhof Santa Lucia mit ein paar Minuten Verspätung etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Da ich die Nahverkehrstickets bereits unterwegs über die App gekauft hatte, konnten wir unsere ganze Kraft darauf verwenden, den richtigen Vaporetto (Also richtige Linie, richtige Richtung aka richtiger Ableger) zu finden – was gar nicht so einfach war und auch in den nächsten Tagen nicht reibungslos lief. Dann aber saßen wir in der Linie 5.1 zum Lido und fuhren während des Sonnenuntergangs los, haben aber das Schönste davon verpasst, bis wir das „offene“ Wasser der Lagune erreichten, von wo aus wir ihn perfekt hätten sehen können. Trotzdem gab es ein tolles Licht auf Wasser und Palazzi. Vom Bahnhof aus ist die Tour zum Lido relativ lang, der Vaporetto voll und unser Gepäck war nur so mitteloptimal zu verstauen.

Trotzdem ging alles glatt und als wir am Lido ankamen, fanden wir problemlos unser Domizil, ein 1-Zimmer-B&B im obersten Stockwerk eines Jugendstil-Palazzos zwischen Lagune und Meer. Nach kurzem Schnack mit der Gastgeberin, bei dem sie uns u. a. einlud, morgen mit ihr und ihrer Familie auf dem eigenen Boot an einer Blockade der Kreuzfahrtschiffe teilzunehmen, richteten wir uns häuslich ein und ich suchte uns ein schönes Restaurant für den ersten Abend aus.

Dorthin liefen wir dann durch den recht dunklen Ort und bekamen einen schönen Tisch draußen, an dem es uns erst gegen Ende der Mahlzeit etwas fröstelte. Es gab einen halben Liter Weißwein und eine Flasche Wasser, den Oktopus-Salat, von dem der Hase schon seit Monaten träumt, sautierte Venus- und Miesmuscheln, frittierte Meeresfrüchte mit Polenta und Tintenfisch in einer Tomatensauce, die mit der Tinte gefärbt war, ebenfalls mit Polenta. Als wir das alles bewältigt hatten, war das Nachtischangebot zum Glück schon alle, so dass wir uns mit einem Espresso (ich) bzw. einem Grappa (der Hase) begnügten und dann nach Hause und ins Bett gingen.

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Am nächsten Morgen, und damit wirklich an Tag 2, schliefen wir erst einmal aus und trödelten dann noch eine Weile herum, so dass wir erst gegen 11 aus dem Haus kamen. Als erstes liefen wir zum Strand, wo wir Reste unseres Zugproviants zum Frühstück aßen. Dann ging ich zum ersten Mal in diesem Jahr (Skandal!) im Meer baden und das war außerdem auch das erste Mal in der Adria für mich. Dem Hasen war es zu kalt und außerdem hatte er keine Badehose mitgenommen, also blieb er draußen. Nach dem Baden setzten wir uns noch in ein kleines Café und tranken einen Caffè latte, bevor wir zurück in die Unterkunft gingen und uns stadtfein machten.

Eigentlich wollten wir nur schnell zu den Giardini übersetzen, einem großen Park, der u. a. die Biennale beherbergt. Dort wollten wir ein wenig flanieren und dann von dort aus weiter zum Ghetto laufen. Aber wir hatten natürlich zwar die richtige Vaporetto-Linie, aber die falsche Richtung erwischt, so dass wir stattdessen an der Friedhofsinsel San Michele vorbeifuhren, Ezra Pound und Igor Stravinsky zuwinkten und dann direkt in der Nähe des Ghettos ausstiegen. Als wir auf der Ghetto-Insel und am Jüdischen Museum ankamen, war es gerade 5 Minuten vor Führungsbeginn, so dass wir die Chance ergriffen, einmal eine Synagoge von innen zu sehen. Und zwar nicht nur eine, sondern gleich drei, nämlich die alte deutsche Synagoge, die neue deutsche Synagoge und die levantinische Synagoge, lernten also sowohl aschkenasische als auch sephardische Tradition kennen. In Venedig ist der Unterschied recht frappierend, da aschkenasische Juden mit einer größeren Zahl an Einschränkungen zu kämpfen hatten als die Sephardischen, die Handel trieben und somit Venedig von großem Nutzen waren. Ihre Synagoge war dann auch mit besseren Materialien und von bedeutenderen Künstlern gestaltetet worden. Übrigens wurden die Synagogen natürlich von christlichen Handwerkern gebaut, da Juden diese Handwerke nicht erlernen durften.

Es gibt auch noch die italienische und und die spanische, aber in denen werden gerade die Thora-Rollen aufbewahrt, daher sind sie nicht für Touristen geöffnet. (Demnächst wechseln die Rollen ihren Aufbewahrungsort, dann ändert sich das.) Allen Synagogen gemein ist, dass sie in bestehende Häuser hinein gebaut wurden, weil es den Juden nicht gestattet war, neue Häuser zu bauen. Da zwischen einer Synagoge und dem Himmel aber nichts sein darf, sind sie jeweils im obersten Stockwerk der Häuser integriert. Auch sonst hielten sich die christlichen Baumeister größtenteils an die jüdischen Gebräuche. Dafür durften die Juden dann aber auch bis Napoleon die Stadt einnahm das Ghetto nicht verlassen – eine wirklich winzige Insel mit nur einem großen Platz und einer Straße – auf der zu Hochzeiten 5000 Menschen plus Tiere lebte. Um die alle unterzubringen, wurde in die Höhe gebaut: Eines der Gebäude hat 8 Stockwerke und gehört damit zu den höchsten der Stadt und wird auch venezianischer Wolkenkratzer genannt.

Dass „Ghetto“ einfach „Gießerei“ bedeutet und der Name des Viertels war, schon lange bevor dort Juden lebten und dass dieser Name sich von Venedig aus auf der ganzen Welt verbreitete, wisst Ihr natürlich schon, oder? Wir wussten das tatsächlich schon und schlenderten nach der Tour noch einmal ins Museum zurück, um uns im Shop umzusehen und ein paar jüdisch-venezianische Leckereien zu probieren, nämlich eine Azzima (ungesäuertes Brot, süß und mit deutlicher Anisnote) und eine Impada, eine Art längliche Mandelmakrone, mit Puderzucker bestäubt.

Als nächstes wollten wir ungefähr zum Dogenpalast, um uns die blockierenden Boote in der Lagune zumindest vom Ufer aus anzusehen. Allerdings lief das alles nicht ganz so gut, wie geplant, denn es ist relativ schwer, in Venedig in gerader Linie von A nach B zu kommen. Eigentlich dachten wir, wir laufen zum Canal Grande und dann den entlang bis zur Rialto-Brücke und schlagen uns dann irgendwie Richtung Süden durch. Dann stellten wir fest, dass man direkt am Canal nicht entlang laufen kann, also mussten wir uns doch durchs Innere schlängeln, im wahrsten Sinne des Wortes, denn von einem Schachbrettmuster ist man in Venedig meilenweit entfernt. Die Straßen und Gassen machen Bögen und dann kommt immer mal ein Kanal, den man erst überqueren muss, um weiter in die gewünschte Richtung laufen zu können oder auch gerne eine Sackgasse, aus der man erst einmal wieder um drei Ecken zurück zum Ausgangspunkt laufen muss. Je näher wir der Rialto-Brücke kam, desto touristischer und voller wurde es außerdem, so dass wir uns dann irgendwann nur noch sehr langsam durch die engen Gassen vorwärts schoben und mit den Touristenströmen mitflossen, ob wir wollten oder nicht. Am Ende erreichten wir den Markusplatz von einer völlig anderen Richtung als ich erwartet hatte und standen dann kurz danach am Ufer der Lagune.

Leider waren dort gar nicht so viele Boote am Start. Zwar flitzten mehr Boote herum als wir zuvor dort gesehen hatten, aber eine kritische Masse wurde nicht erreicht. Die Gastgeberin erzählte uns später, dass die Italiener das Problem einfach nicht radikal genug angängen. Zu wenige protestieren und diese Proteste werden auch noch lange vorher öffentlich angekündigt, so dass die Kreuzfahrtschiffe ihre Fahrten entsprechend anpassen können. Die Polizei war in großer Zahl und mit Wasserwerfern vor Ort und machte auch ordentlich Wellen, so dass es für kleinere Boote nicht ungefährlich war.

Wir wollten dann eigentlich als nächstes auf die Insel Giudecca übersetzen und fanden auch die richtige Vaporetto-Linie dafür. Leider am falschen Anleger und damit in der falschen Richtung, was wir aber erst zwei Stationen später bemerkten, da waren wir schon ziemlich weit in der anderen Richtung und hatten keine Lust mehr, zum richtigen Anleger zurückzulaufen. Stattdessen bummelten wir durch die Gegend und suchten uns eine nette Cichetteria für einen Aperitivo. Wir fanden schließlich eine mit guten Bewertungen und außer uns nur italienischen Gästen und tranken ganz klassisch einen Spritz, der ja aus Venedig kommt. Dazu aßen wir drei typisch venezianische Cichetti – süßsauer eingelegte Sardinen, Stockfisch in Tomatensauce und Stockfisch in Sahnesauce, jeweils auf Brot, und zwei nichtvenezianische – meine geliebten frittierten Zucchiniblüten, gefüllt mit Mozzarella und Anchovis und unseren ersten Panzerotto (mit Tomate und Mozarella).

Dann liefen wir zum Canal Grande und setzten uns in die Linie 1, mit der wir bequem wieder bis zum Dogenpalast fuhren und dabei die volle Pracht der venezianischen Palazzi bestaunen konnten. Dann spazierten wir zu dem Ort, wo in den Donna-Leon-Romanen die Questura liegt, in der Commissario Brunetti arbeitet. Tatsächlich befindet sich dort die Staatspolizei. Inzwischen war es dunkel geworden und langsam Zeit fürs Abendbrot. Das Restaurant, das wir uns ursprünglich ausgesucht hatten, war leider komplett ausgebucht, also liefen wir eine Weile herum, ignorierten die Leute, die Touristen von der Straße weg mit besonderen Angeboten in ihre Restaurants locken, und fanden schließlich ein schönes gemütliches Lokal mit maritimem Ambiente und einem lauschigen Hinterhof, in dem wir noch ein Plätzchen ergatterten. Der Hase bestellte Antipasti, die sich als eine riesige Menge Aufschnitt (Bresaola, Parmaschinken, Mortadella und Coppa) und ein paar Oliven entpuppten und danach gab es für ihn eine gemischte Platte mit frittiertem Fisch und Gemüse und für mich Tagliatelle mit Jakobsmuscheln und Kirschtomaten. Danach waren wir pappsatt und hundemüde und fanden zum Glück sofort den richtigen Vaporetto, der uns zurück nach Hause fuhr.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 1: Von Berlin nach Venedig

Mit diesem Text werden gleich zwei Wünsche auf einmal erfüllt. Einmal der mal mehr, mal weniger offen ausgesprochene Wunsch vieler geneigter Leser*innen, ich solle doch mal wieder bloggen. Und zum Anderen der des Hasen, unsere Urlaubshashtags sollten sich doch bitte schön nicht immer nur auf mich beziehen. Aus meinem ursprünglich geplanten #loositalia wird also dann jetzt #ithasien.

Ihr merkt, wir fahren nach bzw. durch Italien. Schon wieder? Ja, schon wieder. Der beziehungsinterne Vorsatz ist ja, einmal im Jahr nach Italien zu fahren und richtig gut zu essen (dafür aber immer wieder neue Ecken erkundend) und einmal im Jahr ein neues Land zu entdecken (mindestens für einen von uns beiden neu). In diesem Jahr haben wir nun drei Wochen Urlaub am Stück und verbinden unsere beiden Vorsätze miteinander: Wir machen einen Roadtrip durch Italien (auf Wunsch des Hasen durch den nordöstlichen Teil) und schauen uns unterwegs einen Tag lang San Marino an. Ja, wir sind gut darin, die Regeln in unserem Sinne zu verbiegen.

Da wir außerdem die Regel aufgestellt haben, aus ökologischen Gründen so oft wie möglich auf das Fliegen zu verzichten, tippe ich diese Zeilen im EuroCity zwischen München und Venedig. Bis jetzt kann ich auch nur gutes vermelden. Wir haben Sitzplatzreservierungen, der ICE aus Berlin war pünktlich, die Sitze sind bequem… Und wir kommen ganz entspannt und allmählich in den Reisemodus. Das einzige Manko war, dass wir schon um 5 aufstehen mussten, um rechtzeitig in Venedig anzukommen, um unsere Unterkunft noch zu beziehen und dann Zeit für ein angemessenes Einstiegsabendessen zu haben. Die reine Fahrtzeit von Berlin Hbf bis Venezia Santa Lucia beträgt trotzdem nur 11,5 Stunden.

Während vor dem Zugfenster Kühe weiden und die Alpen immer näherrücken, schreibe ich mal kurz auf, was uns (und Euch, wenn ich mit dem Bloggen durchhalte) in den nächsten drei Wochen alles so erwartet.

Italien 2018.png

Tag 2-3:

Wir erkunden Venedig. Für mich ist es bereits der vierte Besuch in der Serenissima, für den Hasen allerdings der erste. Da ich vieles schon kenne, hoffe ich, diesmal das Ghetto ausführlicher zu besuchen und außerdem erstmalig nach Murano (und evtl. Burano) zu kommen.

 

Tag 4:

Wir nehmen den Zug nach Padua, wo wir einen Mietwagen gebucht haben. Damit beginnt dann der Roadtrip auch ganz offiziell. Ich freue mich schon wieder auf das Durchzappen durch italienische Radiosender und ein Navi, dass die italienischen Namen sehr amüsant ausspricht und uns in die eine oder andere Sackgasse führt. An diesem Tag geht es bis an den Gardasee, nach Bardolino, wo wir auf jeden Fall den gleichnamigen Wein trinken werden. Mögliche Zwischenstationen sind auch noch Passano del Grappa und Soave, da wird dann aber nur die Beifahrerin trinken können. Evtl. halten wir auch noch in Vicenza an.

 

Tag 5:

Wir verlassen das Veneto und machen einen Abstecher in die Lombardei. Ziel ist die Enoteca des Vaters einer Kollegin vom Hasen in Grumello. Wenn wir es schaffen, machen wir unterwegs in Brescia und Bergamo Station. Der Hasenkolleginnenvater macht auch selbst Olivenöl, davon wollen wir uns etwas mit nach Hause nehmen.

 

Tag 6:

Dieser Tag steht ganz im Zeichen des Essens und führt uns in die Emilia-Romagna. Zuerst geht es nach Parma, wo der gleichnamige Schinken und der Parmigiano Reggiano. Zum Mittagessen haben wir dann einen Tisch im Franceschetta58 in Modena bestellt, dem Bistro von Massimo Bottura, dem Sternekoch, der den meisten vielleicht aus der Pilotfolge von Chef’s Table bekannt ist. Abends erreichen wir dann Bologna.

 

Tag 7:

Das Auto darf sich einen Tag ausruhen, während wir Bologna erkunden. Hier war ich bereits zweimal, einmal kurz im Hochsommer für eine standesamtliche Hochzeit (gefeiert und geschlafen wurde allerdings außerhalb) und einmal über Silvester. Bei beiden Gelegenheiten blieb bei aller Feierei so gar keine Zeit für Sightseeing, das wird jetzt nachgeholt.

 

Tag 8:

Genug vom Stadtleben, jetzt geht es in die Natur, und zwar in die bergigen Wälder des Foreste Casentinesi. Dort lockt unter anderem ein Wasserfall in Portico di Romagna. Einmal tief durchatmen und mehr Grün als Häuser sehen!

 

Tag 9:

Wir entdecken ein für uns beide neues Land – San Marino. Ein Restaurant mit landestypischer Küche für das Mittagessen habe ich bereits ausgesucht. Da San Marino aber sonst relativ teuer ist, fahren wir zum Schlafen bereits weiter nach Urbino, in der Region Marche.

 

Tag 10:

Heute fahren wir auf uns beiden halbwegs bekanntes Gebiet – in die Toskana. Allerdings in eine Gegend, die wir bei unserem gemeinsamen Besuch dort vor zwei Jahren noch nicht bereist haben. Über Gubbio, Montepulciano und Pienza geht es nach Montalcino.

 

Tag 11:

Jetzt geht es in die erste italienische Region, die für uns beide komplett neu ist: Umbrien, genauer: nach Orvieto. Wenn es sich einrichten lässt, baden wir vorher noch in den heißen Quellen von Fosso Bianco. Bis hierhin habe ich auch hoffentlich „Tausend Tage in Orvieto“ von Marlena de Blasi durchgelesen.

 

Tag 12-13:

Es wird wieder Zeit für ein wenig Ruhe und Entspannung, die wir hoffentlich am Lago Trasimeno finden. Der Hase darf angeln und wie ich mich kenne, nutze ich den Tag zum Faulenzen.

 

Tag 14:

Über Spello und Assisi (das vom Franz) fahren wir nach Perugia, den südlichsten Punkt unseres Roadtrips. Leider verpassen wir die Schokoladenmesse Eurochocolate um ein paar Tage, aber wir werden es uns nichtsdestotrotz schokoladig gutgehen lassen.

 

Tag 15:

Heute wird viel Auto gefahren. Von Perugia geht es zunächst nach Fabriano, wo wir die ehemalige Austauschschülerin meiner Tante besuchen und einsammeln, dann fahren wir gemeinsam weiter zu deren Eltern nach Ancona und sind wieder in Marche.

 

Tag 16:

Wir erkunden unter professioneller einheimischer Führung Ancona und genießen den Aufenthalt „bei Freunden“. In der Adria baden wurde uns auch als durchaus machbar angepriesen. Im Oktober. Von einer Italienerin. Da können wir uns natürlich keine Blöße geben.

 

Tag 17:

Von jetzt an geht es hauptsächlich die Adria-Küste hoch. In der ersten Etappe über Pesaro bis nach Rimini, dann wieder in der Emilia-Romagna. Mal schauen, was uns unterwegs noch so über den Weg läuft.

 

Tag 18:

Von Rimini geht es zurück ins Veneto, und zwar nach Ravenna. Wie man merkt, ist der letzte Teil der Reise der am wenigsten durchgeplante. Aber uns wird schon noch etwas einfallen, bis es soweit ist.

 

Tag 19:

Noch ein wenig Natur tanken im Po-Delta und dann geht es abends nach Chioggia, angeblich ja das „schönere Venedig“.

 

Tag 20:

Heute fahren wir wieder nach Padua und geben unseren Mietwagen zurück. Dann geht es mit dem Zug weiter nach Verona.

 

Tag 21:

Wir steigen am späten Vormittag mit Sack und Pack in den Zug und dann geht es über München wieder zurück nach Berlin, wo uns die Katzen samt Sitterin hoffentlich schon sehnsüchtig erwarten.

 

Wer uns kennt, weiß, dass es zwischendurch auf jeden Fall sehr viel zu essen geben wird. Fotos davon und von allem möglichen anderen gibt es dann demnächst unter dem Hashtag #ithasien auf Twitter, Instagram und Facebook. Wenn Ihr was wisst, wo wir unbedingt vorbeischauen oder was wir auf jeden Fall probieren sollten, sagt gerne Bescheid! 🙂

#WMDEDGT – Tagebuch-5 im Mai 2018

In den letzten Wochen habe ich so oft gedacht, dass man das ja bloggen könnte und dann habe ich es doch immer nicht getan. Vielleicht gibt mir die re:publica ja jetzt den nötigen Schwung, wieder in einen regelmäßigen Rhythmus hineinzufinden. Praktisch ist auf jeden Fall, dass ich gerade in der Sonne auf dem Balkon sitze und Kaffee trinke, dass gestern der 5. war und Frau Brüllen deswegen mal wieder fragte: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Die anderen Antworten gibt es dort, meine hier:

Der 5. Mai 2018 ist ein Sonnabend und ich verbringe ihn in Berlin. Er beginnt genau genommen in der Bahn nach Hause von der re:publica Abschluss-Party, aber wir wollen mal nicht pingelig sein. Morgens wache ich etwas unwillig schon gegen 8 auf, während der Hase neben mir noch schläft. Zum Glück zwingt mich ja niemand zum Aufstehen und ich kann erstmal in aller Ruhe das Internet leer lesen (E-Mails, Facebook, Instagram, Twitter, Feedly, Pocket und nochmal von vorn). Kurz vor 10 wird dann auch der Hase wach und wir tauschen uns erst einmal über die letzten Tage aus, an denen wir uns re:pulica-bedingt eigentlich so gut wie nie (wach) gesehen haben. Als nächstes planen wir den heutigen Tag, beziehungsweise das Wochenende. Als wichtigste Aufgaben kristallisieren sich einkaufen, Wäsche waschen, Muffins backen, aufräumen und Bad putzen heraus. (Bleibt dran und schaut, wie viel wir davon geschafft haben…)  Außerdem sind wir zum Mittagessen verabredet, der Hase möchte Nachtangeln gehen und Sonntagabend erwarten wir Besuch.

Da das Mittagsdate schon gefährlich nahegerückt ist, mache ich uns dann Tee und Obstsalat zum Frühstück, während der Hase zum Bäcker radelt (der macht sonnabends um 1 zu) und noch Brot von gestern kauft. Und weil der Hase der Hase ist und ich ich bin, bringt er auch noch zwei Stück Kuchen mit (Pflaume-Streusel und Apfel mit Decke). Die teilen wir uns dann noch zusätzlich zum Obstsalat. Dann mache auch ich mich ausgehfein, hole den Handgepäck-Trolley hervor, den wir unseren Freunden für ihren Urlaub leihen und wir laufen gemeinsam los zum Lecker Song in der Schliemannstraße. Ausgesucht habe ich das aus meiner Foursquare-Liste Berlin nach den Filtern „In meiner Nähe“, „Noch nicht besucht“ und „Sitzplätze draußen“ und meinem persönlichen Filter „Darauf hab ich jetzt Lust“. Es gibt leckeren Tee mit Sesam, Chrysanthemen, Litschis und anderem Zeug drin aus zauberhaften Teeschalen mit Fischen als Relief im Boden.

Teetasse

(Ich musste gerade nach Drinnen wechseln, weil es in der prallen Mai-Sonne draußen einfach zu heiß wurde.)

Wir teilen uns dann vier Vorspeisen (Edamame, Gurkensalat mit Chili, Bohnensalat mit Senfkraut und Ingwer sowie eine Wan-Tan-Suppe) und fünf verschiedene Dumpling-Sorten (Allesamt vegetarisch, aber schon beim Essen können wir nicht mehr alles auseinanderhalten. Kürbis-Curry ist dabei, Wildgemüse-Morcheln, Tofu-Shitake und noch zwei andere.)

Gurkensalat

Dumplings

Alles ist extrem lecker und wir unterhalten uns nebenbei über jede Menge Themen von schlecht gelaunten Menschen über Hip Hop über Antisemitismus über Berlin bis hin zu Waldorfschulen und zurück. Dann entscheiden wir uns gegen noch mehr süße Dumplings zum Dessert und für einen kurzen Verdauungsspaziergang um die Ecke zu Hokey Pokey. Dort gibt es für einen kein Eis, für eine zwei Kugeln und für den Hasen und mich je drei. Meine sind Kokos-Mango, Weiße Schokolade mit gesalzenen Pistazien und Karamell und Blaubeer-Baiser).

Wir schlecken unser Eis im Laufen und bringen die beiden zurück zum S-Bahnhof. Dann geht es ans Einkaufen. In zwei Supermärkten ist der Rhabarber, den ich für die Muffins brauche bereits ausverkauft, im dritten werde ich fündig. Vorher überschlage ich kurz die Alternativen im Kopf und bin dann aber beruhigt: Im Umkreis unserer Wohnung gibt es 13 Supermärkte, die ich innerhalb von 10 Minuten zu Fuß erreichen kann. Drei davon sind Bio-Supermärkte (Hallo, Prenzlauer Berg!). Nichtsdestotrotz leben wir in einer grünen, ruhigen Oase und ich höre zum Beispiel gerade nicht als Vögelgezwitscher und Stühlerücken bei den Nachbarn über uns.

Grün

Wieder zuhause verlangt dann das ganze Essen seinen Tribut und ich werde unglaublich, unglaublich müde. Ich schaffe es gerade noch, eine Waschmaschine anzusetzen, dann muss ich mich zur Siesta hinlegen. Als ich nach über zwei Stunden wieder erwache, ist der Hase bereits zum Angeln aufgebrochen. Ich bin noch nicht wieder so ganz wach und stelle fest, dass da heute bei mir wohl auch nicht mehr viel passieren wird. Also lege ich nur Wäsche zusammen, hänge die frisch gewaschene Wäsche auf, setze eine zweite Maschine an und verziehe mich dann mit Laptop und Miezen auf die Couch. Es müssen ja schließlich noch einige Serienfolgen weggeguckt werden.

Zwischendurch esse ich die Tafel Vollmich-Kardamom-Schokolade zu Ende, die ich auf der re:publica angebrochen habe und mache mir noch eine Stulle mit Fenchelsalami und Tomaten. Außerdem bekommen die Katzen Abendbrot und ein sauberes Klo und die zweite Ladung Wäsche wird aufgehängt. Als ich bei allen Serien wieder auf dem neusten Stand bin (teilweise hinkte ich mehrere Folgen hinterher), ist es schon weit nach Mitternacht. Ich erkundige mich beim Hasen nach seinem Temperaturempfinden. Er ist noch nicht erfroren, sitzt immer noch am Kanal in Baumschulenweg, fängt Fische wie nix Gutes und die Nachtigallen führen einen Gesangswettstreit. Dann kann ich ja beruhigt schlafen gehen. Morgen ist auch noch ein Tag.

Jahresrückblick 2017

Traditionen sind Traditionen und auch wenn dieses Blog in den letzten Monaten so gut wie verwaist ist, so gehört doch ein Jahresrückblick her. Einen Vorsatz zum häufigeren Bloggen im nächsten Jahr spare ich mir aber – das wirkt dann so albern, wenn es doch schon wieder nicht klappt. Und weil ich keine Lust auf das Jahresendstöckchen habe, gehe ich einfach monatsweise vor und konzentriere mich ab dem Februar nur noch auf die positiven Erlebnisse…

Januar

Dieses Jahr brachte schon in den ersten zwei Wochen das größtmögliche emotionale Auf und Ab des Jahres mit sich (Herz schlägt! Herz schlägt nicht mehr…), verbunden mit körperlichen Beschwerden aus der Hölle. Losgelassen hat mich das ganze auch ein knappes Jahr später noch nicht, was wohl auch mit ein Grund dafür ist, warum es im Blog so still war. Ich bin allen sehr dankbar, die in dieser Scheißzeit für mich da waren.

In Woche 3 wurde dann Trump vereidigt, was sich nahtlos in mein seelisches Tief einfügte. Laut dem Hasen war ich wochenlang geladen. Schönes gabs aber dann auch noch: Anti-Trump-Proteste, Vogelhochzeitssüßigkeiten und die Geburt des zweiten Kindes der besten Freundin.

Februar

Im Februar ging es zum ersten Mal in diesem Jahr nach Rostock, wo ein lieber Freund mein neues zweites Wohnzimmer eröffnete, das Törtchenlokal Waldenberger. Am Abend tanzte ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder, bis das Licht anging und am nächsten Morgen lernte ich endlich die Tochter eines alten Freundes kennen und machte mit ihr den Warnemünder Strand unsicher.

Außerdem heiratete im Februar mein Bruder nach über 18 Jahren Beziehung meine Schwägerin. Wir schenkten eine Torte und die Nutzung unserer Wohnung als Partylocation.

März

Ich nenne den März 2017 meine „irischen Wochen“. Direkt am Anfang ging es für mich dienstlich nach Dublin. Dann war ich mit einer lieben Freundin beim Konzert von Jimmy Kelly, verbrachte den St. Patrick’s Day feuchtfröhlich mit dem Hasen im Pub und schließlich erschien die neue Kelly-Family-CD, die aus nostalgischen Gründen natürlich den Rest des Monats rauf und runter lief – so sehr, dass sie in meinen Spotify-Jahrescharts ganz oben landete, auch wenn ich sie in der zweiten Jahreshälfte deutlich seltener gehört habe.

April

Der April war politisch geprägt und ich wurde offiziell in ein Ehrenamt gewählt, das spätestens seitdem einen beachtlichen Teil meiner Zeit und Energie bündelt. Abgesehen davon feierten wir die Wohnungseinweihung zweier lieber Freundinnen, die nun endlich auch in Berlin wohnen, besuchten das Hasenpatenkind in Leipzig und aßen Waffeln im Garten. Am Ende des Monats verbrachten wir ein langes Wochenende auf einem Naturcampingplatz in der Mecklenburgischen Seenplatte. Dort begann ich passend zu den vorgenannten irischen Wochen it der Lektüre von Ulysses – die natürlich auch jetzt noch nicht beendet ist.

Mai

Im Mai fing der Hase seinen neuen Job an, mit dem er noch immer sehr sehr glücklich ist. Ich hatte viel Spaß auf der re:publica und die Erdbeerhäuschen kehrten endlich nach Berlin zurück. Außerdem kam meine geliebte Rostocker Indie Night für einen Abend nach Berlin und ich tanzte zum zweiten Mal in diesem Jahr bis zum Schluss. Und dann fuhren wir selbst nach Rostock, wo es unglaublich heiß war, so dass ich direkt anbaden konnte. Natürlich trafen wir auch viele liebe Freunde und sahen drei Bands live, unter anderem Zen Bison.

Juni

Der Juni brachte ich mich in eine noch ältere Heimat, zum 15-Jahre-Abi-Klassentreffen in Bautzen. Anlässlich meines Geburtstags gab es dann später ein Picknick bei uns im Hof –mit internationalen Gästen, vielen Kindern und sogar einem Hundekampf. Und Live-Musik war auch wieder dabei: Wir tanzten mit den Skatalites im Yaam.

Juli

Gleich zu Beginn des Monats feierten wir den 30. Geburtstag meiner Cousine mit einer großen Gartenparty und ich tankte ganz viel Familienfeeling mit meinen Cousins und Cousinen. Auch das nächste Wochenende wurde sehr flauschig – in einer auf Twitter organisierten Hilfsaktion bearbeiteten wir einen Schrebergarten in Pankow-Rosenthal, lernten dort unter anderem die wundervolle Mademoiselle Read On kennen und bekamen am Ende auch noch zwei Himbeerpflanzen für den Balkon geschenkt. Überhaupt war das ein Sommer voller Obst, der Hase hat literweise Saft, Apfelmus, Marmelade und Kompott hergestellt – komplett mit mundgeraubten Früchten aus den Innenhöfen der Umgebung (die sonst nicht geerntet werden). Achja, ein tolles weiteres Rostock-Wochenende mit der lieben Susanne war ebenfalls noch drin in diesem wunderschönen Sommermonat!

August

Im August fand unser alljähliches Cousins- und Cousinentreffen statt. Wir backten Pizza, schauten Filme, jagten uns um die Tischtennisplatte, schwitzten in der Sauna, tranken jede Menge Mate und quatschten bis tief in die Nacht. Später im Monat verbrachte ich beruflich eine Woche in Timmendorfer Strand und konnte dort nach Feierabend trotz kühlerer Temperaturen ein weiteres Mal in der Ostsee baden (und zum ersten Mal seit langem wieder Minigolf spielen). Zum Monatswechsel ging es dann für 4 Tage mit dem Hasen nach Stockholm.

September

Zurück aus Stockholm ging es mit dem Team direkt wieder aufs Wasser, und zwar bei einer Floßtour auf der Havel. Kurz danach ging es schon wieder nach Rostock, zu einem Kabarett-Abend mit Fiete und Schiete, viel Zeit mit Freunden und natürlich Strand und Törtchen. Als ich heimkam, überraschte mich der Hase mit Unmengen selbst gebackenen schwedischen Zimt- und Kardamomschnecken, die in den Folgetagen noch häufig Neid unter meinen Kolleg*innen hervorriefen. Dann ging es im September noch auf einen weiteren Business-Trip, diesmal nach Brüssel.

Oktober

Das Highlight des Oktobers war unser zweiwöchiger Roadtrip durch Sardinien, bei dem ich so viel gegessen habe, dass ich mir kurz vor Schluss noch den Magen verdarb und ein paar Tage so gut wie gar nichts mehr herunterbekommen habe. Ansonsten gab es viel Meer, Berge, Bäume und Getier zu sehen und vor allem jede Menge Erholung und Abschalten.

November

Anfang November war mein Bruder in Berlin und wir lösten gemeinsam sein Geburtstagsgeschenk ein: Ein Doppelkonzert von Dritte Wahl im Astra. Mitte des Monats besuchte ich eine liebe Freundin in Basel und verbrachte genau einen Tag mit Sightseeing, den Rest der Zeit mit Filme- und Serienschauen und jeder Menge Gesprächen. Am Wochenende drauf ging es wieder einmal nach Rostock, zu 20 Jahre Indie Night mit Live-Auftritten von Mortenson und Das Paradies – die nächste durchtanzte Nacht.

Dezember

Der Dezember war wie jedes Jahr geprägt von einerseits stressiger Arbeit und andererseits stressiger Vorweihnachtszeit – nur unterbrochen vom Geburtstag des Hasen, den wir mit einer spontanen Party doch ziemlich gut gefeiert haben. Dann sahen wir uns Das Paradies noch einmal gemeinsam in Berlin an und feierten den Hasengeburtstag noch ein zweites Mal, nämlich mit seiner Familie. Darauf folgten meine letzte Dienstreise des Jahres, die mich nach Nürnberg führte, die Firmenweihnachtsfeier, die Bescherung mit Bruder und Schwägerin und das Weihnachtsfest mit der Hasenfamilie. Das Jahr endete mit einem spontanen weiteren Rostock-Besuch am zweiten Weihnachtsfeiertag (mit einer weiteren durchtanzten Indie Night und einem Wiedersehen mit Cousins und Onkel) sowie zwei faulen Sofa-Tagen mit dem Hasen, bevor wir uns heute auf den Weg machten, um in einer Ferienwohnung in Vorpommern ganz still und leise zu zweit das Jahr zu verabschieden.

Wenn ich so zurückschaue, hat sich 2017 nach dem miesen Start deutlich gesteigert, jetzt bin ich gespannt, was 2018 bringt!

Silvester

Vier Tage Stockholm – Essen, Sightseeing und Bemerknisse #loostockholm

Mittwoch morgens hinfliegen, Samstag abends zurück – eigentlich sind es nur zwei ganze und zwei halbe Tage, die wir in Stockholm verbringen. Und obwohl wir im Laufe der Zeit einige Punkte aus unserer To-Do-Liste werfen, haben wir in dieser kurzen Zeit wahnsinnig viel erlebt, wie ich beim Durchschauen der Fotos resümiere…

Essen

Da ich bei Facebook vor allem die Fotos vom Essen geteilt habe, kam bei einigen meiner Freunde scheinbar der Eindruck auf, dass wir die ganze Zeit nur mit Essen beschäftigt waren. Wer mir auf Twitter oder Instagram folgt, hat zumindest noch ein bisschen was drumherum mitbekommen. Nichtsdestotrotz war das Essen natürlich wie immer ein Schwerpunkt unserer Reise, gerade wo Stockholm für sein gutes Essen bekannt und die neue nordische Küche gerade so im Trend ist. Wir hielten es denn auch die ganze Zeit nordisch, aber schon eher traditionell als neu. Es gab:

  • Einen typisch schwedischen Lunch in der Gaststätte um die Ecke unseres AirBnBs. Traditionell bieten die meisten Restaurants einen Mittagstisch an, bei dem man ein Tagesgericht samt Salat, Brot, Butter und Kaffee zu einem vergleichsweise günstigen Preis bekommt. Der Hase nahm Fischrouladen in einer Schnittlauch-Sahne-Sauce mit Kartoffelbrei, für mich gab es gepökelten Schweinebauch mit Meerettich-Sauce und Salzkartoffeln. Außerdem gab es für mich einen Erdbeer-Cidre, der Hase begnügte sich mit Wasser.

Lunch

  • Eis im im Reiseführer hochgelobten Café Järntorget in Gamla Stan, das aber nicht so gut war, wie sein Ruf (auch wenn die Sorte Safran-Honig tatsächlich etwas für sich hatte).

Eis

  • Für den Hasen noch einen der allgegenwärtigen Hotdogs, nämlich beim Pølsemannen auf dem Medborgarplatz in Södermalm, genau da wo dieser Tage gegen Abschiebungen nach Afghanistan demonstriert wird und am Tag danach ein Jugendlicher einen Polizisten mit einem Messer angriff. Als wir da waren, war alles recht ruhig und wir freuten uns über die Demonstration. Der Hase wählte weiches Tunnbröd mit Chorizo, Kartoffelbrei, Ketchup, Senf und Röstzwiebeln

Hotdog

  • Ein Frühstück mit dunklem Brot, Västerbotten-Käse, Marmelade, Müsli und Joghurt bei unserer Gastgeberin
  • Traditionelle Fika mit Kaffee und diversen Sorten Kuchen und Gebäck (Blaubeertorte, Mandeltorte, Zimtschnecke…) vom Buffet im Freiluftmuseum Skansen

Fika

  • Ein Menü im Pelikan in Södermalm. Der Hase hatte Heringshappen und Käse zur Vorspeise sowie Rentierbraten mit Pilzen, Kartoffelkuchen und Rowanbeerengelee und ich ließ mir einen klassischen Toast Skagen und einen Krabbensalat mit Avocado und Ei sowie das lokale Pale Ale „100 Watt“ schmecken

Rentier

  • Ein Menü an Bord des Dampfers S/S Storskaer, mit dem wir am Freitag durch einen Teil des Schärengartens schipperten. Hier teilten wir uns zur Vorspeise Heringshappen und eine Västerbotten-Käse-Pie mit Kaviar, dann gab es für mich kaltgeräucherten Lachs mit warmen Sahne-Dill-Kartoffeln und für den Hasen gebratenen Hering mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren. Ich gönnte mir dann noch einen wundervollen Nachtisch mit einem mit Schokolade umwickelten Brownie, Vanille-Eis, Erdbeer-Coulis und frischen Beeren

Lachs

  • Am Freitagabend gab es für mich Filmjölk mit Blåbärssoppa, wie früher immer bei unseren Schwedenaufenthalten (ich war als Kind immer mal „nur kurz auf der Durchreise“ in Schweden und einmal dann auch etwas länger, da hatten wir 38°C im heißesten Sommer der schwedischen Wetteraufzeichnung) und für den Hasen eigentlich nichts mehr.

Filmjölk

  • Dann aber kam unsere Gastgeberin von einer Freundin zurück und brachte uns Surströmming mit, den berühmten fermentierten Fisch, der ganz fürchterlich stinkt, wenn man die Dose öffnet. Den servierte sie uns auf knusprigem Tünnbröd mit gekochten Kartoffeln, Schmand und roten Zwiebeln. Wenn man die Nase beim Essen „zu macht“ schmeckt das ganz lecker, sehr umami. Außerdem sollte man die Dosen unter Wasser öffnen und nach dem Essen Geschirr, Besteck und sich selbst sofort sehr gründlich reinigen, sonst hat man noch tagelang Freude an dem Geruch!

Surströmming

  • Sonntag trafen wir Berliner Freunde, die am Vorabend angekommen waren in einem Café derselben Kette, deren Södermalmer Filiale das Stammcafé von Stieg Larsson war. Dort gab es Kardamomschnecken (nicht ganz so allgegenwärtig wie, aber noch leckerer und traditioneller als Zimtschnecken) und belegte Brote, die unabhängig vom sonstigen Belag alle eine Schicht Kalles Kaviar abbekommen hatten.

Frühstück

  • Mittags holte sich der Hase endlich einen Brathering-Burger von Nystekt Strömming an der Tunnelbana-Station Slussen, nachdem wir schon drei Tage lang unverrichteter Dinge um diesen Brathering-Stand herumgeschlichen waren. Für mich hingegen gab es Blaubeer-Sorbet und Birne-Kardamom-Eis bei StikkiNikki am Mariatorget

Brathering

  • Ganz zum Schluss gab es von unserer Gastgeberin noch Möhren mit auf den Weg, die sie gerade in ihrem Schrebergarten geerntet hatte. Dorthin hatte sie uns eigentlich noch für ein Stündchen einladen wollen, das haben wir dann aber zeitlich nicht mehr geschafft.

 

Sightseeing

Eigentlich waren unsere Sightseeing-Pläne noch viel größer, aber dann haben wir teilweise wegen Wetter, teilweise wegen Unlust und müder Füße doch ziemlich zusammengestrichen und waren zum Beispiel außer in Skansen in keinem einzigen Museum und sahen auch sonst keine Kirchen, Schlösser und ähnliches von innen. Übrig geblieben sind:

  • Spaziergänge rund um den Hafen, durch Gamla Stan, durch Södermalm und Norrmalm und durch den Wald und am Ufer bei unserer Unterkunft

Årstavik

  • Ein ausführlicher Besuch des Freiluftmuseums Skansen mit der Besichtigung von diversen Häusern aus unterschiedlichen Regionen und geschichtlichen Epochen Schwedens, dem Begucken von Elchen, Rentieren, Wölfen, Robben, Ottern und einem Vielfraß und der oben bereits beschriebenen Fika

Skansen

  • Die Millenium-Walking-Tour durch Södermalm, entlang an wichtigen Locations aus den Büchern und Filmen samt spannenden Hintergrundinformationen zu Leben und Werk von Stieg Larsson (nicht nur als Schriftsteller, sondern vor allem auch ls politischer Journalist und Aktivist gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Nationalismus) sowie zur Geschichte des Viertels selbst. Dabei wurde unsere Gruppe von einem französischen Fernsehteam begleitet und demnächst wird man uns dann wohl dort im Fernsehen sehen können – der Hase wurde sogar interviewt! Wir bekommen einen Link zugeschickt, wenn es soweit ist.

Millennium

  • Eine dreieinhalbstündige Dampfertour durch den Schärengarten, bei der wir neben dem Essen viel Zeit darauf verwendeten, uns zu überlegen, auf welcher der Schären und in welchem der Häuser wir denn gerne wohnen würden.

Schären

 

Bemerknisse

  • Ja, in Schweden gibt es tatsächlich überdurchschnittlich viele gut aussehende Menschen, da fühlten wir uns gleich wie zuhause.
  • Was Gleichberechtigung der Geschlechter angeht, ist man dort tatsächlich schon ein wenig weiter. Immer wieder begegneten uns zum Beispiel die Plakate für ein Festival, bei dem an zwei von drei Tagen Frauen die Headlinerinnen waren. Auf Festivals in Deutschland muss man ja hingegen ganz schön suchen, um überhaupt Frauen auf der Bühne zu finden.
  • Dass in Schweden vieles so fortschrittlich läuft, hat natürlich auch damit zu tun, wie gut es dem Land seit langer Zeit geht. Der letzte Krieg ist mehr als 100 Jahre her, nach dem zweiten Weltkrieg wurde man mit dem Wiederaufbau Europas und der großen Nachfrage nach den zwei Hauptressourcen, Holz und Eisen, reich und konnte sich so in aller Ruhe den vielgerühmten Sozialstaat aufbauen. Laut unserer Gastgeberin hat sich das in den letzten 20-30 Jahren allerdings wieder relativiert und auch in Schweden gibt es Gentrifizierung und eine sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich.
  • Religion spielt im Alltag so gut wie keine Rolle und ist in jedem Fall Privatsache. Zitat unserer Walking-Tour-Führerin: „Ich bin in meinem Berufsleben bestimmt viermal öfter danach gefragt worden, was ich verdiene, als ob ich religiös bin.“
  • Kaum ist man aus der Innenstadt raus, gibt es in Stockholm jede Menge Natur: Felsen, Bäume, Flechten… Und das Wasser ist ja sowieso überall, da die Stadt auf 14 Inseln liegt und davor dann noch bis zu 24.000 Schären „im Meer verstreut“ sind.
  • Stockholm ist voller Kunst. Bauprojekte werden nur genehmigt, wenn ein gewisser Prozentsatz des Budgets für öffentlich zugängliche Kunst ausgegeben wird. Die Folge sind Skulpturen überall. Schizophrenerweise sind gleichzeitig Streetart und Graffiti nicht erlaubt und werden innerhalb von 24 Stunden entfernt, wenn sie gemeldet werden. Für das Melden gibt es sogar eine eigene App.
  • Unsere Gastgeberin war ein totaler Glücksgriff und wir hoffen, sie bald hier in Berlin wieder treffen zu können. Solltet Ihr demnächst ein AirBnB in Stockholm suchen, sagt Bescheid, ich empfehle sie gerne weiter!

Tschüß Stockholm

Lebensrealitäten

Dieses Wochenende wird mir trotz G20 in Erinnerung bleiben als eines voller Herzlichkeit, spannender neuer Menschen und extrem gegensätzlicher Lebensrealitäten. 

Am Freitagabend trikontinentales Dinner in einer doppelstöckigen Altbaudachgeschosseigentumswohnung in Ku’dammnähe, gekocht im Schatten einer Kitchen Aid und unter Verwendung von gefühlt der Gesamtkollektion von Le Creuset. Samstags im Schrebergarten Werkeln und Grillen in Pankow-Rosenthal mit DDR-Geschirr. Südafrikanisches Bobotie mit KaDeWe-Chutney und Curcuma-Pulver von Ja! im Dachgeschoss und Milchreis mit Apfelmus, Mandel-Aprikosen-Kuchen, Johannisbeer-Baiser-Kuchen und Kokoswasser im Garten.

Weltbürgertum und Einsatz für Opfer von Ausbeutung, Verfolgung und sexueller Gewalt zum Einen (in Pankow wie in Charlottenburg), Verschwörungstheorien und Angst vor Islamisierung in Deutschland zum Anderen. Linksgrünversiffte unterbezahlte Kunst-Wissenschaft-Sozialberufe-Twitter-Bubble mit viel Flausch auf der einen Seite, Startup-Gründer-nach-Millionen-Exit mit ebenso viel Flausch auf der anderen. 

Der gefühlte aktuelle Stern der deutschen Bloggerszene kennt die Dörfer der Hasenheimat ebenso gut wie indische Slums und sudanesische Kriegsgebiete; der Urberliner CPO volunteert in afrikanischen Schulen und sein ehemaliger Mitschüler und sehr guter Freund arbeitet bei einem Anzeigenblatt in Köpenick. Beim gemeinsamen Unkraut jäten zeigt sich, dass vor den Unbillen von Natur und Medizin alle gleich sind.

Dazwischen viele kleine niedliche Babies und viel zu lachen. Am Ende sind sich alle gar nicht so unähnlich, wie man vermuten würde. Der Islamistenfürchter grillte bereitwillig koschere Grillspieße, obwohl er „noch nie einen Juden gesehen hatte“; Südafrikaner und Australier lachten gemeinsam mit Deutschen über nicht jugendfreie Witze und amerikanische Rednecks und über die Bedeutung von gutem Essen waren sich sowieso alle einig. 

Vielleicht muss man die einfach alle mal zusammenbringen, dann gibt es Hoffnung.

Alles hängt mit allem zusammen
Alles hängt mit allem zusammen

Klassentreffen nach 15 Jahren

Beim Lesen meines Feedreaders stelle ich fest, dass die Kaltmamsell recht hat, “’tis the season„, die Zeit der Abitur-Jubiläen und damit verbundenen Klassentreffen. Frau Nessy war gerade sehr lesenswert beim Zwanzigjährigen, bei mir sind es immerhin 15 Jahre gewesen. Wie wahrscheinlich so gut wie alle Menschen blicke auch ich mit gemischten Gefühlen auf die Schulzeit zurück und ergo auch auf anstehende Klassentreffen. Da es aber vor drei Jahren beim zwanzigjährigen Grundschulabschlusstreffen gar nicht mal so wehgetan hatte, war ich nun einigermaßen entspannt und bereit, mich dem Aufeinandertreffen zu stellen. 

Bautzen
Ich machte mir im Gegensatz zu diversen ehemaligen Mitschüler*innen nicht einmal groß Gedanken darüber, was ich anziehen sollte. Meine Meinung dazu war, dass ich sehen wollte, wer meine ehemaligen Klassenkamerad*innen heute sind, nicht als wär sie gerne rüberkommen wollten. Insofern regte ich an, sich doch bitte nicht in Schale zu werfen, sondern einfach das anzuziehen, was man auch sonst im Alltag trägt. Dass sich alle daran gehalten haben, hat mich positiv überrascht. Die Einzige, die sich extra neue Schuhe zugelegt hatte, ist auch im Alltag sehr auf stimmige Outfits bedacht, so dass das auf jeden Fall klar ging. Ansonsten gab es von kurzen Hosen und Sonnenhut bis barfuß im schwarzen Kleid geballte Individualität und Unverstelltheit, danke dafür!

Um über alle etwas zu lernen und trotzdem dem Klischee „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“ zu entgehen, wurden drei Fragen vorgegeben. „Wo wohnst Du mit wem?“, „Womit verdienst Du Deine Brötchen“ und das unsägliche „Mit welchem Auto fährst Du gerne wohin?“, das dann doch das Thema leicht verfehlte. Dankenswerterweise gab es einige, die noch das gleiche Auto aus der Abizeit fuhren oder wie ich mit Bus und Bahn unterwegs sind, aber trotzdem habe ich während der Vorstellungsrunde mehr über Autos gehört, als sonst in Monaten. (Zum Ende des Statussymbols Auto erschien heute ein erhellender Text von Modeste.) Applaus erhielt dafür die erste in der Runde, die nach ca. 20 Versionen von „mit Ehegatt*in und 1-3 Kindern“ sagte, dass sie weder verheiratet sei, noch Kinder habe. Von den rund 30 Teilnehmern gab es maximal 4 ohne Kinder, die meisten Nicht-Singles waren verheiratet und ein Großteil der Gattinnen hatte den Namen des Mannes angenommen. Das mag allerdings auch daran liegen, dass ein Großteil der Teilnehmenden noch im selben Landkreis oder nur wenig entfernt davon wohnte. Möglicherweise ist die Quote bei den weiter entfernt Lebenden geringer.

Interessant war, dass ich tatsächlich alle auf den spätestens zweiten Blick direkt mit Vor- und Nachnamen zuordnen konnte und dass die Cliquen von damals auch die Cliquen von heute sind, auch wenn die Animositäten sich mittlerweile weitgehend in Luft aufgelöst haben. Wer dem Treffen aufgrund solcherlei Bedenken ferngeblieben ist oder zumindest mit dem Gedanken spielte, kann unbesorgt und beim nächsten Mal dabei sein.

Traurig war, vom Tode zweier Lehrerinnen und einer Mitschülerin zu erfahren – so früh geht es also los.

Sehr schön waren das allgemeine Wohlwollen und die Erfahrung, von Leuten, mit denen man schon in der Schule wenig zu tun hatte auf Details von früher angesprochen zu werden. Das doppelte Abiballkleid (zum Glück in einer anderen Farbe) ist ein Beispiel. Oder als mir ein damaliger Chaot und heutiger Unternehmensberater sagte, ich sähe genau wie damals aus, nur ohne Brille. Oder als ich scherzhaft auf einige frühere Situationen anspielte, in denen ich von den anderen „gedisst“ wurde und sich einer der schon immer sympathischsten männlichen Mitschüler beeilte, mir zu versichern, dass er da nie mitgemacht hätte. 

Auch den Abend und den nächsten Tag mit meiner damals besten Freundin zu verbringen und trotz zwischenzeitlich jahrelanger Funkstille über so viele gemeinsame, auch und vor allem außerschulische Erinnerungen zu reminiszieren war toll, ebenso mit einer durchgehend sehr guten Freundin zwischendurch mal hinauszugehen und aktuelle Lebensereignisse auszutauschen und sich gegenseitig beim Verarbeiten des Abends zu unterstützen (alte Fehden, frühere Schwärmereien, abgekühlte Freundschaften und aufgefrischte Attraktivitätsempfindungen waren unter anderem Thema).

Am Ende bleibt bei allen Teilnehmenden (zumindest nach meinem Empfinden und den Äußerungen in der korrespondierenden WhatsApp-Gruppe) ein sehr positives Gefühl und einiger Enthusiasmus für weitere Treffen. Mal gucken, was wird.

PS: Im Gegensatz zum Grundschultreffen diesmal kein einziger als fremdenfeindlich zu interpretierender Kommentar. Mutmaßungen über den Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Rassismusanfälligkeit drängen sich leider auf…

PPS: Und Kuchen können sie in der Lausitz wirklich hundertmal besser als in Berlin, geschweige denn Rostock, muss neidlos anerkannt werden.

re:publica 17 – Love Out Loud #rp17 – Tag 1

Nur kurz, weil müde:

Außerdem noch: Schön, so viele bekannte Gesichter zu sehen, auch wenn ich nur mit einem bisher unbekannten richtig geredet habe. Zweimal in Sessions aufgefordert worden, die Augen zu schließen. Beide Male mit darauf folgendem Erkenntnisgewinn.

Vorsatz für morgen: 1. mehr mit Leuten reden, 2. mich nicht mit verkürzten Urteilen im Vorbeigehen zwecks Smalltalk zum Löffel machen. 3. 15 Sessions besuchen. Und Karaoke. Mal gucken, wie das alles zusammenpasst…

Tagebuch-5 im Mai 2017 #WMDEDGT

Wie das immer so ist mit den hehren Vorsätzen zum regelmäßigen Bloggen: Es ist mal wieder ein ganzer Monat vergangen. Dabei habe ich einen Post ja schon eine ganze Weile im Hinterkopf und frickele in Gedanken auch immer mal wieder daran herum, aber noch fehlte die Muße des tatsächlichen Aufschreibens. Nun jedenfalls erstmal wieder, und sogar noch um einen Tag verspätet, der 5. des Monats und was ich so gemacht habe. Der Rest findet sich wie immer bei Frau Brüllen.

Die Frühlingsmorgen beginnen dieser Tage eigentlich immer damit, dass unser kleiner Nachbarsjunge, der sein Zimmer praktischerweise genau unter unserem Schlafzimmer zu haben scheint, aufwacht und lautstark nach Mama, Oma oder Papa ruft. Inzwischen baue ich das oft einfach schon in meine Träume ein und werde gar nicht mehr richtig wach. Irgendwann kommt dann aber der Wecker des Hasen dazu und ich kann nicht mehr dagegen ankämpfen, dass die Nacht vorbei ist. Immerhin kann ich aber noch eine ganze Weile liegen bleiben. Der Hase steht auf und ich werfe erste verstohlene Blicke auf das Handy. Es ist kurz nach 7. Ich checke Mitteilungen, scrolle mich durch Timelines, lese Nachrichten und döse dabei immer mal wieder weg, bis dann um 7:30 auch mein Wecker klingelt.  Ein paar Minuten unter der Bettdecke gebe ich mir noch, während ich überschlage, was heute alles auf dem Programm steht und was ich dafür brauche. Der Hase kommt noch einmal kurz rein, um sich ins Büro zu verabschieden und dann öffne ich die Headspace-App und meditiere. Momentan habe ich das Focus-Package am Start, was auch dringend nötig ist. Immerhin schaffe ich es, mir die zehn Minuten täglich auch wirklich zu nehmen.

Kurz nach 8 stehe ich dann auf, gehe ins Bad, lasse mir von den Katzen bei den morgendlichen Verrichtungen zusehen und ziehe mich dann an. Zwischendurch bekommen die Miezen noch ein wenig extra Trockenfutter, weil sie momentan mit dem Nassfutter nur so semizufrieden sind und außerdem leichten Durchfall haben, der sich aber zum Glück schon deutlich gebessert hat. Dann dürfen sie noch einmal kurz auf den Balkon, während ich meine Sachen fürs Büro zusammenpacke, lüfte und das Bett mache. Dann werden die Katzen wieder reingeholt und noch einmal ausgiebig bekuschelt, bevor ich kurz nach halb 8 die Wohnungstür hinter mir zuziehe.

Ich laufe durchs kühle, leicht regnerische aber frühlingsgrüne Berlin voller blühender Blumen zur Tram. Dort erkämpfe ich mir relativ schnell einen Sitzplatz und kann dann in aller Ruhe im Ulysses weiterlesen. Am Alex wechsle ich in die U-Bahn, finde wieder direkt einen Sitzplatz (der Vorteil, wenn man nicht genau zu um 9 ins Büro fährt, sondern 1-2 Bahnen später dran ist) und lese weiter. Im Büro angekommen schnappe ich mir direkt am Empfang ein paar Haribo-Frösche als Wegzehrung bis zu meinem Platz in der fast hintersten Ecke des verwinkelten Gebäudes. Dort angekommen gibt es einen kurzen Plausch mit den Kollegen. Ich koche mir eine Kanne Earl Grey und bereite mir aus Haferflocken, Milch, Banane und Zimt in der Mikrowelle ein Porridge zu. Das esse ich dann am Platz, während ich E-Mails beantworte und ein paar über Nacht eingetroffene Aufgaben abarbeite.

Gegen 11 wechsle ich „nur mal kurz“ hoch ins Betriebsratsbüro und bereite die Übergabe von einigen Tätigkeiten vor, die ich nächste Woche aufgrund meines Bildungsurlaubs re:publica-Besuchs nicht selbst wahrnehmen kann. Dazu bastele ich ein paar Vorlagen, überlege mir, wie ich meine Vertretung (die noch kaum Vorkenntnisse hat) am besten in die Thematik einarbeite und räume mein Archiv auf. Dabei fallen mir direkt noch ein paar Details auf, die uns in einem aktuellen Vorgang weiterhelfen können und stelle nochmal einige Fragen in der Personalabteilung. Aus „nur mal kurz“ wird dann so doch schnell mal wieder eine Stunde, aber die war immerhin sehr produktiv. Zurück an meinem eigentlichen Arbeitsplatz (ich nenne es seit neuestem liebevoll meinen „day job„, gerade weil der andere in den letzten Wochen deutlich an Volumen zugenommen hat, widme ich wieder dem Tagesgeschäft.

Um 13:15 gehe ich mit der besten Kolleginnenfreundin in die Pause. Wir holen uns einen Burrito bei Chupenga und erzählen uns die neuesten Entwicklungen aus unserem Freundeskreis. Es tut gut, zwischendurch mal über was ganz anderes reden zu können als immer nur über die Arbeit. Ich kann jedem und jeder nur empfehlen, sich Freunde an den Arbeitsplatz zu holen…

14:00 bin ich dann mit den anderen wieder im Betriebsratsbüro verabredet. Wir müssen lachen, weil drei von vier Leuten sich ihr Mittagessen (oder in meinem Fall die Reste davon) dazu mitgebracht haben. Über Arbeitspausen und unsere Vorbildwirkung bei der Einhaltung derer müssen wir wohl nochmal ein ernstes Wörtchen reden. Immerhin hat jemand Muffins und Brownies mitgebracht, so dass wir gut durch den Nachmittag kommen. Wir haben einiges zu besprechen und planen, dann halten wir offiziell die heutige Sitzung des Personalausschusses ab. Danach führe ich meine Vertretung in die Geheimnisse der Protokollführung bei Personalausschuss- und Betriebsratssitzungen ein. Drei Tage re:publica bedeuten auch, dass drei Protokolle ohne mich erstellt werden müssen. Am Ende ist es schon 16:45, als ich wieder an meinem Arbeitsplatz bin und nochmal eine Dreiviertelstunde an meinen täglichen Aufgaben sitze.

Zwischendurch schreibt der Hase und fragt, ob wir uns gleich kurz noch treffen können, mein Arbeitsplatz liegt genau auf seinem Weg von seinem neuen Büro zum Ort der heutigen Betriebsfeier und er möchte mir noch schnell Käse und Brot übergeben, die er heute morgen gekauft hat und nicht mit zur Party nehmen will. Um 17:45 verlasse ich das Büro und hole noch schnell Geld am Automaten und neues Duftöl zur Bekämpfung des Katzenklo-Dufts zuhause. Dann treffen wir uns am Alex kurz beim Umsteigen, erzählen uns von unserem Tag und packen Dinge von seinem Rucksack in meinen. Auf dem Heimweg in der Tram lese ich ein wenig im Internet herum.

Kurz vor 19:00 bin ich dann zuhause. Als erstes wollen die Katzen ihr Abendbrot haben, dann mache ich es mir mit Laptop und Katzen auf der Couch bequem. Eigentlich wollte ich jetzt mit einer guten Freundin telefonieren, von der ich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört hatte, aber irgendwie bin ich schon completely talked out heute. Hunger habe ich nach Burrito und Teilchen auch keinen mehr. Also lasse ich mich einfach von meinen Serien berieseln und schaue die in den letzten Wochen verpassten Folgen von The Americans, Modern Family, Speechless, The Big Bang Theory und Scandal (Madam Secretary und Jane the Virgin hatte ich gestern schon „abgearbeitet“). Dann wechsle ich von der Couch in die Badewanne und die Serie zu Crazy Ex-Girlfriend. Als ich schrumplig bin (und das Wasser zu kalt), steige ich aus, putze mir die Zähne, mache das Katzenklo sauber und gehe ins Bett. Ich versuche es noch einmal kurz mit Lesen, muss aber schnell aufgaben und schlafe kurz nach Mitternacht tief und fest.

Keine Fotos heute.