Wie der Januar riecht

So, nachdem ich den laut maunzenden und über die Tastatur wetzenden Kater ruhig gestellt habe, kann ich jetzt aufschreiben, wie der Monat für mich gerochen hat. Andere olfaktorische Erinnerungen gibt es zum Beispiel bei Ijuno und bestimmt auch bald beim liebsten Fräulein der Welt, das sich diese Beitragsreihe ausgedacht hat. Für den nervigen Kater riecht der Januar am Ende übrigens nach Katzenminze auf einem Kuschelkissen…

Der Januar riecht zunächst einmal nach eingemummeltem Couchen, Katzenfell und Süßkram. Dann aber riecht er nach freien Ferientagen, Kleinkindköpfen und Erfrischungstüchern. Nach Sardellen, Knoblauch und Bacon duftet der Caesar Salad, mit dem wir beim Mobster Dinner das Jahr einläuten. Der Januar riecht nach den Büchern in den Regalen der Böse Buben Bar,

Nach großer Wiedersehensfreude riecht der Januar ebenso wie nach Unsicherheiten und vorsichtigem Herantasten. Ein Schritt vor, zwei zurück und dann vielleicht doch wieder einer vor? Nach Missverständnissen und unbedachten Worten ebenso wie nach sehr sorgfältig gewählten Worten, klärenden Gesprächen und großer Erleichterung.

Der Januar riecht oft nach Schweiß – in überhitzten Bahnen, Büros, Meetingräumen und Diskussionen ebenso wie beim Sport oder beim schweißgebadeten Aufwachen nach unruhigen Träumen.

Er riecht nach viel Papier und Druckerschwärze und Klebebandresten an den Fingern. Nach köstlichen Pancakes, Blinis, Crêpes und Quesadillas riecht er zum Glück auch. Außerdem nach Zitrusfrüchten, Tee und Thymianhänden. Nach jamaikanischer Küche und einer Brise jamaikanischer Lebensart in der Luft.

Der Januar duftet nach Heimlichkeiten, jeder Menge Organisation und Koordination und glücklich gemachten Menschen. Nach Indien, das sich in den Falten von T-Shirts und Tüchern versteckt gehalten hat. Nach Kuchen und Muffins, nach Schampus und Steak und gutem Wein. Nach regennassem Asphalt riecht der Januar, nach gestohlenen Sonnenstrahlen und ab und zu sogar nach Schnee. Er duftet nach Hochzeitsblumen und Vogelhochzeitssüßigkeiten und den Ledersitzen in einem “was schattigen Auto”.

Nach Angekommensein und Nähe riecht der Januar ebenso wie immer wieder auch nach Fallen und Angst und Ungewissheit. Am Ende riecht er sehr chaotisch, nach Granatapfel-Cupcake und Smoothies, nach Eis und Yogamatten, nach Torte und Bier.

Der Januar ist ein langer Monat und prall gefüllt mit Leben, vieles vom guten und so manches vom schlechten ist darunter. Und ganz am Schluss, da riecht der Januar nach Zuversicht und Lachen und Vorfreude auf alles, was noch kommen mag.

 

PS: 30 Plakate abgeknibbelt, 30 Plakate aufgehängt. For those who count.

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