Silvesterdinner 2015

Noch liege ich im Bett, weswegen 2016 noch nicht so ganz begonnen hat und ich also ohne schlechtes Gewissen noch einmal schnell zurückblicken kann, bevor dann wirklich alle Sinne nach vorn gerichtet sind, in der Hoffnung, dass dieses Jahr Besserung bringen möge. (Diese Hoffnung hatte ich letztes Jahr um diese Zeit übrigens auch und man sieht ja, was es gebracht hat… Das Leben lebt halt einfach.)

Dieses Jahr hatten wir uns nach all dem Trubel der vergangenen Wochen ein ganz ruhiges, unspektakulären Silvester gewünscht, mit guten Freunden und gutem Essen und ohne viel Trara. Die Gästeliste veränderte sich im Verlauf der letzten zwei Wochen zwar noch ein paar Mal, am Ende saßen dann aber tatsächlich nur fünf sehr liebe Menschen mit uns am Tisch.

Am Dienstag habe ich mir einen Plan für das Essen gemacht, denn natürlich wollte ich auch kulinarisch etwas vom Jahreswechsel haben. Einigermaßen saisonal sollte es sein, außerdem wollte ich einige der Zutaten unterbringen, die ich in den letzten Monaten liebgewonnen habe und mit den Gerichten auch auf das Jahr zurückschauen. Desweiteren war zu beachten, dass wir eine Gästen mit extremer Glutenallergie, eine Vollzeit- und zwei Teilzeitvegetarierinnen dabei hatten (eine davon ich).

Eigentlich wollte ich deswegen komplett vegetarisch bleiben, aber dann starb Lemmy und Donnerstag war auch, weswegen der Hase auf Gehacktem bestand: Er baute also das MotorHACK-Logo nach und verarbeitete die Materialien dann zu stilechten, heimatverbundenen Gehacktesbällchen.

 

 

Dazu musste es natürlich Kartoffelsalat geben, und zwar nach seinem Rezept, weil „Bei Dir schmeckt der ja gar nicht richtig, weil Du den nicht so kennst.“ Beim Rest hatte ich dann aber komplett freie Hand und habe mich so richtig in Laune gekocht.

Ich wollte auf jeden Fall was mit Kichererbsenmehl machen, hatte aber Angst, dass mir die Padelle wieder nicht so gut gelingen würden. Neulich hatte ich bereits mit Kichererbsenpfannkuchen experimentiert, dann habe ich bei der Kaltmamsell von der Socca in Nizza gelesen und schließlich stieß ich im vegetarischen Ottolenghi auf ein Socca-Rezept. Die Entscheidung war gefallen, auch wenn ich das Rezept etwas abwandelte und statt der Zwiebelgrundlage Sesampaste verwendete und zusätzlich zu den (frisch geernteten) Tomaten meine geliebten Artischocken unterbrachte.

 

 

Aus den Green Kitchen Stories stammten die Rezepte für ein Baba Ganoush, für einen rohen Broccoli-Salat mit Granatapfel, Sonneblumenkernen und Rosinen und für einen Teil des Nachtischs, die Bananen-Kokos-Pancakes, die es bei uns ohne Blaubeeren, dafür mit Kaki-Kumquat-Kompott und Schlagsahne gab.

 

Dann gab es noch die Weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist und den neulich schon probierten Fenchel-Orangen-Salat von Rachel, wegen der vielen Esser auf einer Kuchenplatte angerichtet.

 

 

Es wurde ein sehr leckeres Mahl und der Abend dann doch irgendwie spektakulär, was auch mit daran lag, dass der Hase diverse Schätze aus seiner gut sortierten Hausbar holte (Ich sage nur Dinner-for-One-Trinkspiel, es gab aber statt Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein für die drei Mitspieler_innen vier verschiedene Kurze…)

Um Mitternacht dann natürlich großes Geballer draußen und auch drei von uns schossen mit Raketen symbolisch Dinge in die Luft, die sie im alten Jahr zurücklassen wollten. Währenddessen nahm ich mir mit dem Hasen vor, nächstes Jahr noch kleiner, noch ruhiger und nicht in Berlin, sondern irgendwo im Wald Silvester zu begehen.

Und jetzt auf in ein neues Jahr, machen wir das beste daraus! Alles Liebe und Gute für Euch 2016!
(Während des Kochens erfuhr ich hiervon, weswegen ich im Lauf der Vorbereitungen und des Abends immer wieder innehalten und eine Träne verdrücken musste…)

 

Der obligatorische Jahresrückblick

So langsam muss die Schreibfaulheit mal wieder aufhören, die in den letzten Wochen eingesetzt hat und jetzt sogar dafür sorgte, dass ich mal wieder 5 € bei den Iron Bloggern löhnen musste. All diese Termine vor Weihnachten, Geburtstage, eine Hochzeit, Geschenkebesorgungen und dann eben Weihnachten selbst bei den Haseneltern haben dafür gesorgt, dass ich kaum mal Muße hatte, irgendetwas aufzuschreiben und wenn habe ich das nur kurz bei Twitter getan. Gekocht habe ich auch nicht wirklich, was ja sonst immer ein ganz guter Anreiz zum Bloggen ist. So langsam geht es damit wieder los: Übermorgen kommen Silvestergäste und die sollen natürlich verköstigt werden. Deswegen habe ich mich dann heute aufgerafft, in Rezepten gestöbert und ein Büffet zusammengestellt, das auch einiges aufgreift, was dieses Jahr passiert ist. Doch dazu demnächst, erstmal muss noch der obligatorische Jahresrückblick her:

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Darüber habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und hätte spontan irgendwas bei 2 gesagt. Dann sind mir zum Glück noch eine ganze Menge schöne Sachen eingefallen, die auch passiert sind, damit rettet sich das Jahr auf eine 6, würde ich sagen.

Zugenommen oder abgenommen? 

Darüber könnte ich jetzt nur spekulieren, denn ich habe maximal 1-2 Mal in diesem Jahr auf einer Waage gestanden und das war eher irgendwann am Anfang – ich schätze mal, dass ich auf Sizilien ein wenig zugenommen habe, sich das dann aber wieder relativiert hat.

Haare länger oder kürzer? 

Irgendwann im Frühling wurden mal so 10 cm abgeschnitten, seitdem wächst es wieder, keine Ahnung, ob der Vorzustand schon wieder erreicht ist?

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Obwohl ich das Gefühl habe, im Laufe der Jahre graduell etwas kurzsichtiger zu werden, kann ich das auch nicht mit Zahlen belegen, weil ich schon seit Jahren nicht beim Augenarzt war. (Asche über mein Haupt, wohl ein Vorsatz für 2016…)

Mehr Geld oder weniger?

Von Monat zu Monat relativ gleich, da hat sich nicht viel geändert. Allerdings haben die Urlaube dieses Jahr ganz schön reingehauen, so dass der Berg im Geldspeicher um einiges geschrumpft ist.

Mehr ausgegeben oder weniger? 

Durch besagte Urlaube, häufiges Essen gehen usw. wahrscheinlich etwas mehr. Noch ein Vorsatz für 2016: Noch mehr selber kochen und dann mit ins Büro nehmen!

Der hirnrissigste Plan?

Puh – da gab es so einige, die sich im Nachhinein aber doch irgendwie als goldrichtig erwiesen haben – zum Beispiel, für das gleiche Geld, das ich für einen zweiwöchigen Jamaika-Urlaub ausgegeben habe für 5 Tage nach Sizilien zu fliegen. Wer auch so was hirnrissiges machen will – im Juni habt Ihr die Gelegenheit dazu: The Language of Food. Was dabei so rauskommt, kann man hier nachlesen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Trotz mündlicher Warnung vor Strömungen und Schildern auf die eigene Einschätzung (und die der Mitreisenden) zu vertrauen und das flache Wasser zu verlassen. Fünfmal dumme Touristen vorm Ertrinken retten an Strandaufgang 1, bitte!

Die teuerste Anschaffung?

Da ein Urlaub nicht als Anschaffung gilt, würde ich sagen, ein paar Winterstiefeletten für 60 €. Es sind eher die vielen, vielen kleinen Dinge, die meinem Geldspeicher wehtun…

Das leckerste Essen?

Die Frage ist sowas von gemein. Wie soll ich da entscheiden? Weit oben sind definitiv verschiedene sizilianische Köstlichkeiten, etwa die frittierten Artischocken, der Schwertfisch mit Kräuterkruste, die Bruschette mit rohen Sardinen… Und die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist, natürlich. 😉

Das beeindruckendste Buch? 

Das ist immer sehr schwer zu sagen, aber ich finde gerade beeindruckend, dass ich mit 32 immernoch Anne of Green Gables und die Folgebücher lesen kann, ohne mich zu langweilen. Viele andere Bücher haben mich hingegen dieses Jahr nicht so wirklich fesseln können, einiges liegt noch halb angelesen auf dem Nachttisch, aber Anne geht irgendwie immer.

Der ergreifendste Film? 

Besonders oft waren wir dieses Jahr nicht im Kino und viele der großen Hits des Jahres habe ich noch nicht gesehen. Aber schön und aus Gründen auch ergreifend fand ich Pride.

Die beste Serie?

Am schnellsten schaue ich immer die neuesten Folgen von The Good Wife, weil ich da am meisten Angst vor Spoilern habe. Sehr gern gesehen habe ich dieses Jahr aber auch die aktuellen Staffeln von The Americans, Orange is the new Black, Transparent, The Mindy Project, Switched at Birth und überraschenderweise Madam Secretary. Gilmore Girls und Bunheads gehen natürlich in jedem Jahr, ebenso wie Friends, das ich gerade nochmal schaue (9. Staffel inzwischen). Achja und Weissensee haben wir dieses Jahr endlich gesehen und waren auch schwer begeistert.

Die beste CD?

Ich glaube die einzige CD, die ich dieses Jahr physisch gekauft habe, war die Irish Christmas von Angelo Kelly und Family. 😉 Ansonsten höre ich Spotify rauf und runter (jetzt ja endlich auch die Beatles) und da fällt es gar nicht so sehr auf, ob ein Album neu oder alt ist. Und ich höre in letzter Zeit auch wahnsinnig viele Podcasts und Hörbücher… Früher war mehr CD-Lametta, fürchte ich.

Das schönste Konzert?

Hmm… Da muss ich mal kurz rekapitulieren, vermutlich das Abschiedskonzert von Supershirt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Den Katzen. Danach dem Hasen. Danach den Kollegen.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

In den ersten beiden Punkten ähnlich. Dann natürlich dem Rest der Familie, lieben Freunden und den Language of Food-Mädels auf Sizilien.

Vorherrschendes Gefühl 2015? 

Es reicht jetzt langsam.

2015 zum ersten Mal getan?

In Jamaika gewesen (dabei am Mittwoch davon erfahren und am Samstag losgeflogen, beinahe ertrunken, eine Marihuana-Plantage gesehen, Chocho gegessen, aus einer Kokosnuss getrunken…), Gdánsk, Sopot und das polnische Dorf besucht, aus dem meine Uroma stammte, einen Food Writing-Workshop besucht (dabei alleine durchs nächtliche Palermo gelaufen, ein Hostelzimmer mit einem betrunkenen fremden Mann geteilt, jemandem mit meinem Schreiben Tränen in die Augen gezaubert…), alleine in einem Hotelzimmer übernachtet (auf einer Dienstreise und dann neulich bei der Hochzeit), Reutlingen besucht, Heidelberg besucht, Mannheim besucht, Schwetzingen besucht, mich mit dem Thema Massenentlassungen auseinandersetzen müssen, zu einer kirchlichen Beerdigung gegangen (und dann gleich zweimal), einer Erdbestattung beigewohnt, eine längere Paddeltour gemacht, mit Freunden essen gewesen und die einzige Nicht-Elter gewesen, Couchsurfer aufgenommen, Flüchtlingen geholfen.

2015 nach langer Zeit wieder getan?

Eine Pressemitteilung verfasst und veröffentlicht, mich tiefergehend mit HTML befasst (CSS folgt), Hexenbrennen gefeiert, Punkte mit Zahlen dran zu Bildern verbunden, meinen Geburtstag als Gartenparty gefeiert, Urlaub mit den Eltern gemacht, Quarkkeulchen gebacken, in Straßburg und Offenburg gewesen.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Tode unserer Omas, die Beziehungsdramen und Lebenskrisen im Freundeskreis, all den Krieg und Terror

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Den Hasen, dass es OK ist, so viel Geld für Language of Food auszugeben, war dann aber ganz einfach.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Einfach da sein, für so viele Menschen in diesem Jahr. Oder aber die Angelo Kelly-Karte für eine Freundin oder die Paddy-Kelly-Karte für eine andere Freundin 😉

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Als ich am Tag vor meinem Geburtstag aus Sizilien zurückkam, blitzte und strahlte die Wohnung und der Balkon war wunderschön eingerichtet – das haben der Hase und seine „Schwesta“ für mich gemacht und es hat mich umgehauen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Wortwörtlich fällt mir da spontan ein: „Und wer fängt mich auf?“, immer und immer wieder, mit dem süßesten Grinsen der Welt. Das war der Sohn von @leitmedium und @fraumierau. 🙂

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? 

Irgendwas des Inhalts, dass das alles OK ist und ich die Person trotzdem lieb habe, nehme ich an. Zu mehreren.

Besseren Job oder schlechteren?

Den gleichen, auch wenn er sich aufgrund der Umstände im letzten Quartal schlechter anfühlte. Ich hoffe da auf 2016.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Das Kneipenquiz (nur einmal, wir waren aber auch nur sechsmal da), den Oscar-Pool, und sonst glaube ich nichts. Außer Erfahrungen.

Mehr bewegt oder weniger?

Ich mich? Zunächst mehr (regelmäßiges Kieser Training, im Sommer viel geschwommen), danach dann eher weniger (Stress, Krankheiten, keine Lust… muss wieder anfangen).

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Mit Krankmeldung deutlich weniger als die letzten Jahre, vielleicht 3 oder 4. Wenn man allerdings jedes kleine Wehwehchen mitzählt, dann gleichbleibend viele…

Davon war für Dich die Schlimmste?

Da war jetzt, anders als in Vorjahren, nichts Herausragendes dabei, mich nervt eher die Häufigkeit.

Dein Wort des Jahres?

Essen 😉

Dein Unwort des Jahres?

Tod

2015 war mit 1 Wort…?

Anstrengend

#12von12 im Dezember

Schön, wenn der 12. auf ein Wochenende fällt und es nicht nur Bürofotos gibt. Heute ist außer Katzen- sogar auch noch Kinder-Content dabei. Die übrigen Beiträge sammelt wie immer Caro.

  

Als ich aufwache, schläft der Hase noch. Ich bleibe also ganz still und lese mich völlig uneigennützig erstmal durch meine Timeline.
  

Nach dem Aufstehen machen wir erstmal unsere Adventskalender auf. Er hat einen mit Trüffel von Fassbender und Rausch und teilt jeden Morgen mit mir.
  

Deswegen darf er auch von meinem Tee trinken 😉
  

Die Tomatenpflanzen sind proppenvoll mit reifen Früchten. 22 zählen wir.
  

Während der Hase Frühstück holt, meditieren wir drei anderen. 
  

Zum Frühstück gibt es dann für mich den superleckeren Avocado-Bagel aus dem Stammcafé.
  

Danach massiert der Hase den Kater…
  

…während ich ein paar Punkte verbinde.
  

Dieses Geschenk bekommt mein Lieblingszweijähriger nachträglich zum Geburtstag.
  

Er freut sich, findet aber auch den Katzentunnel und vor allem die Katzen spannend.
  

Zum Glück mag er auch meine Plätzchen.
 

Und auf die Tomaten fährt er dann total ab.
Tja, da waren es schon 12, dabei haben wir noch nichtmal Abendbrot  gegessen…

Tagebuch-5 im Dezember – Plätzchen-Edition

Es ist mal wieder der 5. und wie üblich fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Ich wache das erste Mal gegen halb 8 auf, weil der Hase aufstehen muss. Er fährt über das Wochenende zu seinen Eltern. Dort muss der Garten umgegraben werden und die Haseneltern sind wegen Hand bzw. Rücken derzeit nicht selbst dazu in der Lage. Außerdem ist dann wohl auch noch Preisskat vom Angelverein, was man eben so hat, wenn man als Dorfkind aufgewachsen ist. Zum Glück bin ich ja ein Waldkind und habe keine größeren Verpflichtungen dieser Art, so dass ich mich einfach umdrehen und weiterschlafen kann. Für mich steht ein gemütliches Sturmfreie-Bude-Wochenende an.

Gegen 10 wache ich auf wird das Nachbarskind so laut, dass ich es nicht mehr ignorieren kann. Ich lese mich durch meine morgendliche Timeline und stehe erst auf, als die Blase drückt. Dann hole ich den Faulenzer-Tee aus meinem Adventskalender („Wie passend!“ denke ich.) und koche mir eine Tasse davon.

  
Derweil bekommen die Katzen ihr Frühstück verabreicht. Ich setze mich aufs Sofa und verbringe 10 Minuten mit Meditation. Nein, wirklich. Ich hab mir da schon vor einiger Zeit eine App heruntergeladen und werde das jetzt wirklich mal durchziehen – zumindest die 10 Minuten pro Tag, 10 Tage lang, um zu schauen, ob das was für mich ist. Die erste Session war schon mal sehr gut. Der Tee ist inzwischen ausreichend abgekühlt, so dass ich ihn gemütlich trinken kann, während ich mir To-Do-Listen und Einkaufszettel aus den Rippen sauge. Nikolaus, Geburtstage, Redaktionsbrunch, eine Hochzeit, Weihnachten, Silvester… Da kommt einiges zusammen und dieses Wochenende ist eine der wenigen Gelegenheiten, etwas vorzubereiten.

Währenddessen hat die Katze auf meinem Schoß Platz genommen, weswegen ich natürlich nicht sofort mit meinen To-Dos loslegen kann -Ihr kennt das. Ich nehme mir also meine neueste nicht-digitale Lieblingsbeschäftigung hervor und zeichne das Taj Mahal. Diese Punkte-verbinden-Bilder habe ich schon als Kind total gerne gemacht, mit Zahlen bis 400 und mehr und evtl. zusätzlichen Buchstaben-Linien macht das dann auch in meinem Alter noch Spaß. Ich muss mich etwas bremsen, sonst habe ich das Buch bald durch. Mittendrin klingelt es an der Tür und der Paketbote bringt eine neue Jeans für den Hasen. Ein guter Anlass, jetzt doch mal den Arsch hochzukriegen, sich anzuziehen und zu frühstücken.

Es gibt zwei Kartoffelpuffer und Apfelmus, beides selbstgemacht und Reste, und hinterher noch eine Apfelsine. Dazu trinke ich den Holunder-Minze-Tee aus dem 4. Türchen, lese in meinem Feedreader und höre die wunderbaren Talking To Turtles, die übrigens nächsten Freitag im Lido spielen. Als ich schließlich zum Einkaufen aufbreche ist es nach halb 2. Keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist. 😉

Anderthalb Stunden später sind die Einkäufe eingeräumt. Ich habe Back-, Koch- und Smoothie-Zutaten für eine ganze Kompanie gekauft, außerdem Füllung für den Nikolausstiefel des Hasen und Geschenkpapier für die drei Geburtstage nächste Woche. Jetzt bin ich platt und gönne mir erstmal eine Verschnaufpause mit Tee und Schmusekatzen auf dem Sofa. Dazu höre ich das Album von Evil Pink Machine, dem Projekt meines Freundes Igor und seiner Liebsten. Scheinbar ist heute Tag der Pärchenbands… Die Mieze hat sich auf meinem Schoß eingerollt und schläft, der Kater liegt neben mir auf dem Rücken, streckt alle Viere in die Luft und lässt sich laut schnurrend den Bauch kraulen. Wieder aufstehen geht also erstmal nicht. Zum Glück habe ich keinen Termindruck.

Bernd hält die Kräuter frisch, die ich für das Redaktionsbrunch am Dienstag brauche – besonders glücklich sieht er dabei aber nicht aus.
Nach einer Stunde gleite ich vorsichtig unter den kuschelnden Katzen hervor und schleiche mich in die Küche. Die Vorbereitung aufs Plätzchenbacken umfasst drei Schritte: Butter aus dem Kühlschrank holen, Tee kochen (Grüner Tee aus Indien) und Abwaschen. Dann kann die wilde Backerei auch schon losgehen. Ich habe mir für dieses Wochenende zwei Rezepte von Italy On My Mind vorgenommen, nämlich die Taralli al Limone und die Biscotti. Taralli liebe ich ja in jeder Geschmacksrichtung und Zitronen machen mich seit meinen Besuchen an der Amalfi-Küste und auf Sizilien auch zuverlässig glücklich. Es war also klar, dass ich diese beiden Dinge in Kombination definitiv probieren musste:

 

Taralli al Limone

 

Zitroniger Teig, zitroniger Guss, was will man mehr? Sie sind wirklich unglaublich köstlich geworden. Für die Biscotti ging es danach auch zitrussig weiter – je zwei Orangen, Zitronen und Limetten mussten geschält werden, was ganz schön lange gedauert hat. Dazu kamen dann noch Mandeln (für dieses eher rustikale Rezept ausnahmsweise mal ungeknipst), Pistazien, Vanille und ein kräftiger Schluck Strega. (Im Rezept stand Sambuca, aber den hatte ich nicht da und Strega benutzt man eh nur alle Jubeljahre mal zum Backen, da freute ich mich über die Gelegenheit, ihn mal wieder zu verwenden – passte auch sehr gut, denn neben tausend anderen Sachen ist da ja auch Fenchel mit drin, der die Anisnote des Sambuca zumindest nachempfindet.)

 

Nackte Zitrusfrüchte

 

Die Klamotten der Zitrusfrüchte, plus Mandeln und Pistazien

 

Fertige Biscotti – zu Deutsch so viel wie „zweimal gebacken“ – macht aber bisschen mehr her, als ein profaner Zwieback, oder?

 

Weil vom Biscotti-Backen noch zwei Eiklar übrig waren und ich vom Taralli-Verzieren noch einen Rest Puderzucker hatte, verbrauchte ich schnell noch sämtliche Reste mit ein paar leckeren Kokos-Vanille-Makronen. Die brachten mich dann gedanklich noch fix nach Jamaika, was ja im dunklen Dezember auch nicht zu verachten ist.

 

Bei all der Bäckerei samt Kosten bekam ich irgendwie gar keinen richtigen Hunger, so dass ich mir nur schnell zwischendurch noch einen kleinen Rest Nudeln mit Tomatensauce warm machte. Morgen wird dann wieder etwas aufwendiger gekocht, denke ich. Als alles fertig gebacken, die Küche wieder in Ordnung gebracht und dieser Blogpost geschrieben ist, ist es schon 22 Uhr. Ich werde mir jetzt noch ein paar Folgen Friends reinziehen, dabei ein paar weitere Punkte verbinden, und dann nicht allzu spät ins Bett verschwinden. Backen macht müde und morgen muss noch jede Menge gebastelt und verpackt werden!

Wochenende im Wald

Gerade sind wir wieder zuhause in Berlin angekommen, so dass ich schnell noch ein paar Highlights dieses Wochenendes verbloggen kann, bevor die unbarmherzige Iron Blogger-Uhr Mitternacht schlägt. Wieder 5 € gespart… 😉 Wir verbrachten dieses wunderschöne Wochenende mal wieder im Haus am Wald, sozusagen dem Familiensitz, unten in der Oberlausitz, im eigentlichen Failed State Sachsen. Dort trafen wir natürlich jede Menge Familie, vertieften uns in die jahreszeittypischen Traditionen (Kaminfeuer, Waldspaziergang, Stollenbacken, Friedhofsbesuch, Adventskranz winden und Laub rechen…), aßen regionale Köstlichkeiten (Pellkartoffeln mit buntem Quark, Stollenkuchen und Pflaumenknödel) und superleckeren Apfelstrudel, den die Teeniecousine gebacken hatte, streichelten diverse Katzen und genossen die Ruhe abseits des Berliner Großstadtlärms. Speziell über das Stollen- und Stollenkuchen backen wird demnächst noch einmal ausführlicher zu reden sein, jetzt ist nur Zeit für ein paar Eindrücke drum herum…

Der Kamin im Haus vertreibt jede Winterdepression  – an beiden Abenden saßen wir hier gemütlich beisammen und erzählten alte und neue Familiengeschichten.

 

Die Teeniecousine und ihre Freundin hatten das Feuer auch beim Adventskranzwinden an (im Vordergrund übrigens noch ein Rest Vanillesauce vom köstlichen Apfelstrudel.

 

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Diese zwei riesigen Steinpilze wurden am Freitag gefunden.

 

Gestern Abend gab es Pellkartoffeln mit buntem Quark, in den unter anderem Eier, saure Gurken, Äpfel, Tomaten, Zwiebeln und Paprika hingehören.

 

Das Brüderchen bei der Steinpilzzubereitung

 

Und weil sich dieser Blogpost um Wochenende, Familie und Bilder dreht, reihe ich mich direkt noch in Susannes Liste der Wochenenden in Bildern ein 😉

12 von 12 im November

Immer wieder am 12. eines Monats zeigen Blogger ihren Tag in 12 Fotos. Bei mir geht es heute von Zuhause über die Arbeit bis nach Magdeburg. Die anderen Beiträge findet Ihr wie immer bei Caro.

Ingwer-Tee
Ich mache mir einen Ingwer-Tee zum. Mitnehmen
Jamaikanischer Honig
Der jamaikanische Honig geht langsam zur Neige – zum Glück haben wir noch eine Flasche
Kater Nimbin
Kater Nimbin sieht niedlich aus, danit ich ihn auf den Balkon lasse
Noosa und Nimbin
Noosa will auch mit aufs Familienfoto
Balkon-Kater
Der Kater hält im Blumenkasten Wache
Noosa-Katze
Noosa ist es draußen zu kalt, sie passt so lange drinnen auf
Alexanderplatz
Auf dem Alex wird seit ein paar Tagen der Weihnachtsmarkt aufgebaut
Meeting
Im Büro gibt es mal wieder ein längeres Meeting, zum Glück haben wir den gemütlichsten Raum abbekommen
Udon-Suppe
Mittags gönne ich mir und meiner Schnupfennase im Savory Chay eine heiße Udon-Nudelsuppe mit Tofu, Shitake und Pak Choi
Fernbus
Nach der Arbeit nehmen wir den Fernbus und fahren nach Magdeburg
Banu Thali und Lassi mit Rum
Wir gehen mit unserer Gastgeberin Indisch essen. Im Lassi ist Rum.
Couch
Wir beschließen den Abend auf der Couch, mit Internet (ich) und Wrestling (er)

Tagebuch-5 im November

Wie jeden 5. fragt Frau Brüllen auch dieses Jahr wieder WMDEDGT? und ich antworte brav:

Anders als an den letzten Tagen, an denen ich morgens ganz gemächlich in den Tag starten konnte, quäle ich mich heute erst  um 8, also auf den allerletzten Drücker aus dem Bett. Zum Glück steht auf dem Wohnzimmertisch direkt der Quark-Birnen-Kuchen, den der Hase gestern Abend gebacken hat und von dem ich mir ein dickes Stück fürs Frühstück einpacke.

Quark-Birnen-Kuchen

Außerdem wandert auch ein kleines Glas Birnenkompott, das beim Einkochen nicht richtig zugegangen ist, als Nachmittagssnack in meinen Beutel. Wir hatten hier in den letzten Wochen nämlich eine regelrechte Birnenschwemme in der Nachbarschaft. Der Hase hat dreimal Kuchen gebacken, zwei groß angelegte Kompottaktionen durchgeführt und unzählige Liter Saft gepresst, von denen wir vielleicht 5 oder 6 getrunken haben, der Rest gärt gerade fröhlich im Weinballon vor sich hin. Gestern wurde dann allerdings Rasen gemäht und mit Birnen aufsammeln ist dann jetzt wohl Schluss.

Ich ziehe mir den kuscheligen #rp15-Hoodie über, füttere die Katzen und koche mir noch meinen Standard-„Tee“ für unterwegs: frischer Ingwer, überbrüht mit kochendem Wasser und gesüßt mit jamaikanischem Honig, über den ich demnächst nochmal gesondert schreiben muss. Da ich gestern noch Curcuma gekauft habe, wandert auch endlich wieder ein Stück davon in den Tee und ich laufe heute wieder mit gelben Fingern durch die Stadt. Gelb macht ja gute Laune und Curcuma-Gelb ist neben Mango-Gelb meine Lieblingsfarbe (ja, ich bin eine Essensfetischistin, aber das wusstet Ihr ja bereits).

Curcuma-Daumen

Auf dem Alex läuft mir dann übrigens ein Pärchen über den Weg, bei dem beide die gleiche Jacke in eben jenem Gelb tragen. Das scheint ja gerade sehr in zu sein, gelbe Klamotten könnten mir auch gefallen. Wenn der Hase aber dann das Gleiche anziehen wollte, müssten wir uns wohl drum prügeln. Zum Glück ist seine Lieblingsfarbe Blau.

Im Büro angekommen checke ich meine Mails und fange dann an zu arbeiten, während ich den äußerst leckeren Kuchen frühstücke. Ich werde kurz unterbrochen, als ein Kollege und Freund mir sein diesjähriges Geburtstagsgeschenk übergibt – haltet Euch zurück mit Gratulationen, mein Geburtstag war im Juni und die Verspätung angekündigt. Ich habe nun also ein Buch, von dem ich noch nicht genau weiß, was ich damit anstelle. Also, außer lesen natürlich. Es handelt sich um einen dystopischen Roman aus den 70ern, der gerade von der rechten Szene hoch gelobt wird. Mein Freund und Kollege, der sich in seinem Studium auf Dystopien spezialisiert hat, hat es mir sozusagen aus literaturwissenschaftlichen Aspekten geschenkt (und auch, weil er es selbst lesen möchte ;)) und thematisch hat es viel mit der aktuellen Flüchtlingssituation zu tun.

Leider hat er mir nun, ohne es zu bemerken, ein frisch erschienenes Exemplar aus einem Verlag bestellt, der eindeutig der rechten Szene zuzuordnen ist und ärgert sich nun natürlich darüber. Und ich mich auch, denn so ein Buch möchte ich mir nun nicht ins Regal stellen, aber eben auch nicht einfach so weitergeben. Ein zerfleddertes antiquarisches Exemplar wäre uns  beiden lieber gewesen.

Ich werde das Buch nun also erstmal unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten lesen – zuhause, wo es keiner mitbekommt, und nicht etwa in der Bahn. Vielleicht kann man dann ja noch den Kaufpreis für ein Flüchtlingsprojekt spenden, oder direkt der Antifa? 😉 Vielleicht habt Ihr ja noch eine Idee für mich, was ich mit dem Buch hinterher anstellen kann? (Bücherverbrennung ist keine Option, der Hase schlug jedoch Büchervergrabung vor…)

Mit Musik auf den Ohren groove ich mich durch den Vormittag. Mittags gehe ich nach draußen, wo die Sonne am wunderbaren blauen Novemberhimmel strahlt, und hole mir ein leckeres Kichererbsencurry.

Blauer Himmel am Hausvogteiplatz

Dann geht es mit Tee, Schoki und Birnenkompott sowie mehr Musik auf den Ohren in den Nachmittag. Zwischendurch habe ich eine großartige Idee, wie ich relativ spontan ein Konzert besuchen und damit noch mehreren Leuten eine Freude machen kann – das muss ich aber heute Abend noch zu Ende ausbaldowern.

Kurz vor Feierabend besucht mich eine Kollegin, die gerade aus dem Londoner Büro zu Besuch ist und früher zu meinen regelmäßigen Mittagspausenpartnerinnen hier in Berlin gehörte. Wir plauschen kurz und verabreden uns für die morgige Pause. Dann geht es zum quartalsmäßigen Global All Hands Meeting. Hinterher ist der Arbeitstag zwar vorbei, aber eine Freundin und Kollegin hat noch ihre Urlaubsfotos aus Südafrika dabei, so dass wir zu dritt noch „Überstunden“ machen und über Elefanten, Warzenschweine und Giftschlangen staunen.

Als ich zuhause ankomme hat der Hase den Kartoffel-Brokkoli-Auflauf schon fast fertig. Ich mache noch schnell einen Salat dazu und dann essen wir uns erzählen uns von unserem Tag. Unter anderem zeigt er mir das Foto eines Babies, das heute im Freundeskreis geboren wurde und erzählt außerdem von seinem Arbeitseinsatz im Flüchtlingsheim. Dort haben heute drei der Bewohner eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis bekommen, sehr schön! Zum Nachtisch essen wir jeder noch ein Stück vom leckeren Kuchen und zwei Freunde schneien für ein paar Minuten herein. Dann heißt es nur noch abwaschen, Katzenklo saubermachen und diesen Text fertig schreiben, bevor es pünktlich um 10 „mit Buch ins Bett“ geht, wie Herr Buddenbohm zu sagen pflegt.

Sonntagsschnipsel und Ben’s Quitten-Crumble

Wochen, die mit Beerdigungen beginnen, müssen sich hinterher ganz schön anstrengen, um noch irgendwie schön zu werden. Also, „schön“ in dem Sinne, dass man am Ende wieder bessere Laune hat als am Anfang. In diesem Fall war es dann erst das zu Ende gehende Wochenende, das das Ruder einigermaßen herumgerissen hat – vorher war mein Kopf voller trauriger Gedanken und mein Körper voll mit Erkältungssymptomen. Dementsprechend habe ich auch nur ein einziges Mal gekocht, nämlich Pasta mit Auberginen, Zucchini und Tomatensauce für Mama, Bruder und mich, einfach, schnell, lecker und nicht besonders aufregend oder verbloggbar. Allerdings haben wir auch einen sehr leckeren Quitten-Crumble gegessen, den ich zwei Tage vor der Beerdigung gebacken hatte. Das Rezept bekam ich von Ben, der vor einiger Zeit ein Foto von seinem Crumble auf Facebook gepostet hatte. Und lasst Euch sagen: Crumble ist ein wundervolles Trostessen. Das Rezept findet Ihr am Ende dieses Beitrags, hier erstmal ein Foto zum Anteasern:

Quitten-Crumble mit Mango-Sorbet

Scheinbar habe ich mir irgendwo zwischen Kirche und Friedhof die letzte Zutat für eine ausgewachsene Erkältung eingefangen, mit der ich dann die zweite Wochenhälfte über im Bett lag. Dem Anlass entsprechend durchforstete ich noch einmal meine Sockenvorräte und fand tatsächlich noch ein letztes zusammenhängendes Paar Schafwollsocken, dass meine Oma mir geschenkt hatte. Seit ich denken konnte gab es von Oma jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten ein Paar selbst gestrickte Socken – aus selbst gewaschener, kardierter, gesponnener und aufgewickelter Wolle. Über die Jahre sammelte sich so ein beachtlicher Vorrat an, aber obwohl sie immer meinte, ich könnte die Löcher ja stopfen, wurden kaputt gegangene Socken immer entsorgt – es kamen ja immer welche nach… Dieses letzte Paar werde ich also wie meinen Augapfel hüten müssen…

Das letzte vollständige Paar Schaffwollsocken, stilsicher kombiniert

Auch am Freitagabend fühlte ich mich noch nicht wieder so richtig fit, so dass der Hase alleine loszog, um sich mit Freunden zu treffen. Weil er aber der weltbeste Krankenpfleger und Food Stylist überhaupt ist, zauberte er mir vorher noch einen astreinen Halloween-gruseligen Gemüseteller. dazu gab es auch noch Kürbissuppe, aber die sah eben aus, wie Kürbissuppe so aussieht.

Abendbrot am Vorabend von Halloween

Am Sonnabend ging es mir dann schon besser, wozu sicher auch die köstlichen Feigen beigetragen haben, die es beim Frühstück zum Käsebrot gab. Käsebrot und Obst ist ja sowieso einer der schnellsten und einfachsten Genüsse der Welt (und Käse der Hauptgrund, warum ich wohl nie konsequent vegan leben werde…).

Feigen und Käse

Am Samstagabend waren wir dann bei Freunden eingeladen und entgingen so der Verantwortung, Süßigkeiten zu kaufen und den Eingangsbereich der Wohnung in einen halbwegs präsentablen Zustand versetzen zu müssen – Süßes und Saures gab es trotzdem, aber eben zu Gast bei Freunden. Besonders süß war die kleine A., die frisch gestillt und gewickelt auf meinem Schoß platziert wurde und dort den Abend verbrachte.

A. und ich

Am Sonntag morgen dann trafen wir uns mit einem guten Freund, der gerade aus Kalifornien zu Besuch in Berlin war zum Frühstücken. Für mich gab es hochköstliche Pancakes mit Zimtpflaumen und Sahne, auf die alle anderen ganz schön neidisch schienen.

Pancakes mit Zimtpflaumen

Noch beeindruckender war eigentlich nur mein Getränk, eine heiße Schokolade mit Holunderblütensirup und Chilifäden. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie die Kombination aus Schokolade und Holunderblüten schmeckt, war dann aber sehr positiv überrascht – ein vollmundig, runder, fruchtiger Geschmack, immer wieder unterbrochen von feiner Chilischärfe. Definitiv empfehlenswert!

Heiße Schokolade mit Holunder und Chili

Weil das Frühstück so reichhaltig und das Wetter so schön war, liefen wir nach dem Essen einfach zu Fuß zurück in den Prenzlauer Berg. Erst ging es an der Spree entlang bis zum Monbijoupark, unter dieser schönen Weinlaube entlang, und dann kreuz und quer durch das nördliche Mitte und den östlichen Wedding bis zum Mauerpark. Dort verabschiedete sich der Hase zum Handball gucken in der Max-Schmeling-Halle und ich machte mich auf den Heimweg.

Weinlaubengang an der Spree

Und nun für alle, die noch ein wenig Herbstfreude tanken wollen, bevor der November so richtig dunkel und bluesig wird oder auch ein Trostessen brauchen:

 

Ben’s Quitten-Crumble

Für das Quitten-Püree:

1 kg Quitten

176 g Zucker

Saft und Schale von einer halben Zitrone

1 TL Zimt

Für den Boden:

140 g Butter

200 g Mehl (gesiebt)

50 g gemahlene Mandeln

75 g Zucker

1 Ei

1 Eigelb

Für die Streusel:

100 g Mehl (gesiebt)

75 g Haferflocken

75 g Zucker

120 g Butter

Die Quitten etwas zerkleinern und in einem Topf weich kochen, dann durch die Flotte Lotte drehen. Den Zucker, Zitronenschale und -saft und Zimt einrühren und etwas einkochen lassen. Wer keine Flotte Lotte (aka Passiermühle) hat, kann auch vorher Kerne und Kerngehäuse entfernen, genau 350 ml Wasser zum Kochen abmessen, dann pürieren und das Püree dann mit Maismehl andicken, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist, so hat Ben das gemacht.

Erst Butter, Mehl und Mandeln vermischen und dann Zucker, Ei und Eigelb hinzufügen. Gut verrühren und dann in Frischhaltefolie eingeschlagen im Kühlschrank abkühlen lassen. Eine Auflauf- oder Backform einfetten und mit dem Teig auskleiden. Profis können den Teig dann blind backen, Ben und ich haben den Teig beide nur mit einer Gabel eingestochen und schon einmal für 20-25 Minuten bei 160°C backen.

Die Zeit kann mann nutzen, um aus den übrigen Zutaten einen groben Streuselteig herzustellen. Dann das Quittenpüree in die knusprig gebackene Crumble-Hülle einfüllen, das Ganze mit Streuseln bestreuen und bei 180°C noch einmal 25-30 Minuten weiterbacken.

Warm servieren, optional mit einer Kugel Eis dazu.

Die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist

Wie auch schon im letzten Herbst war meine „kleine“ Teenie-Cousine auch dieses Jahr in den Ferien wieder ein paar Tage bei uns in Berlin und dieses Mal konnten wir sogar ihren Geburtstag gemeinsam feiern – 17 Jahre ist sie jetzt schon alt. Anstatt mich einfach nur wie jeder normale Mensch in dieser Situation alt zu fühlen, wurde ich gleich richtig sentimental, als ich ihr um Mitternacht einen „Geburtstagskuchen“ aus Baumkuchen und Macarons überreichte. Ich dachte nämlich zurück an jenen Mittwoch im Oktober 1998, an dem mir meine Mutter nach der Schule eröffnete, dass meine Cousine geboren worden war. Ich erinnere mich noch, wie ich ganz aufgeregt war und sie drängelte, sofort ins Krankenhaus zu fahren. Ein bisschen Zeit haben wir uns noch gelassen, aber etwa vier Stunden nach der Geburt standen wir dann endlich im Zimmer meiner Tante und sie erzählte uns erschöpft, aber glücklich von der Geburt und dass sie als einzige die genaue Uhrzeit registriert hätte – 12:43, ich weiß es noch wie heute. Die genauen Details des Geburtsablaufs waren mir damals natürlich herzlich egal, ich wollte endlich das Baby sehen, das noch im Säuglingszimmer lag und tat das auch kund. Mein Timing war anscheinend ziemlich gut, denn eine Krankenschwester, die gerade im Raum war, nahm die Gelegenheit beim Schopf und mich mit in eben jenes Zimmer. Dort drückte sie mir ein kleines Bündel in die Hand, aus dem ein winziges Gesichtchen herausschaute. So vorsichtig wie noch nie in meinem Leben hielt ich das Bündel fest und trug es zurück zu meiner Tante, bei jedem Schritt befürchtend, ich könnte es fallen lassen. Zurück bei Mama, Tante und Oma übergab ich das Bündel seiner Mutter und brüstete mich von da an damit, die erste in der Familie gewesen zu sein, die meine Baby-Cousine gehalten hatte. Seitdem hatte ich noch einige Babies im Arm, aber dieses Zeitrekord (4 Stunden nach der Geburt!) habe ich bisher noch nie unterbieten können.

Geburtstagskuchen

17 Jahre später ist das kleine Baby ganz schön groß alt jugendlich geworden. Es fährt alleine mit dem Zug durch halb Deutschland, es macht mit einer anderen Cousine zusammen Wochenend-Städtereisen, es macht im Frühling Abitur und fängt nächsten Herbst zu studieren an. Außerdem ist es extrem musikalisch. Was ich ja richtig cool finde, ist dass wir inzwischen einige gemeinsame Interessen haben. Wir sind beide große Fans der Beatles, sie hat auf meine Empfehlung hin alle sieben Staffeln Gilmore Girls verschlungen und seit einigen Monaten ist sie auch vom Koch-Virus angesteckt. Wir haben also während ihres Besuchs sehr viele kulinarische Erlebnisse zusammengehabt, sei es in meinen liebsten Mittagspausenlocations, beim Kochen zuhause oder im I Due Forni zu ihrem Geburtstagsessen. Besonders habe ich mich aber gefreut, dass sie mir ein tolles Rezept mitgebracht hat, dass ich mit offenen Armen in mein Repertoire aufgenommen habe, nämlich die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist. Das Rezept stammt von Schuhbeck, ist aber keineswegs gutbürgerlich, sondern passt eher in die Welt der aktuellen Foodtrends – Superfood meets Fusion und zwar roh, vegan, paleo, gluten- und laktosefrei usw. usw. und in meiner Version auch noch komplett Bio. 😉 Danke, liebe Teenie-Cousine!!

Avocado-Salsa mit Zimt, Knoblauch und Vanille nach Alfons Schuhbeck

  • 1 Schalotte
  • 1 Knoblauchzehe
  • Salz (bei mir grobes Meersalz)
  • 2 reife Avocados
  • 2 EL Zitronensaft (Limette wäre sicher auch hier eine gute Option)
  • 1 EL mildes Olivenöl (bei mir das gute Sizilianische)
  • 1 Msp. geriebener Ingwer (bei mir etwas mehr)
  • Vanillesalz (bei mir einfach mehr Salz und frisch gemahlene Vanille
  • Zimt
  • Cayennepfeffer
  • Bei uns zusätzlich: Geröstete Koriandersamen, gemörsert)

Die Herstellung ist simpel: Avocados schälen und in kleine Würfel schneiden, mit dem Zitronensaft vermischen, damit sie nicht braun werden. Schalotte, Knoblauch und Ingwer zerkleinern und zusammen mit den anderen Gewürzen und dem Öl untermischen. Kurz durchziehen lassen. Mit frischem Baguette servieren.

Diese Menge reicht knapp für drei hungrige Personen und ein Baguette – die Salsa macht allerdings süchtig, es macht also durchaus auch Sinn, eine größere Menge zuzubereiten. Für ein Foto war aufgrund des Fressflashs keine Zeit, aber jeder weiß ja, wie Avocado-Salsa aussieht…

Omas Quarkkeulchen

Eines der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Language of Food-Workshop auf Sizilien war, dass vom Essen zu schreiben bedeutet, über das Leben zu schreiben. Jeder, der sich mal mit verschiedenen Lernmethoden beschäftigt hat, weiß, dass man sich Dinge am besten einprägt, wenn man möglichst viele Sinneseindrücke damit verknüpft – sie also etwa mit der  Hand aufschreibt, sich laut vorsagt oder sich beim Lernen bewegt. Beim Essen werden natürlich sämtliche Sinne angesprochen – wir sehen, riechen und schmecken, wir tasten und hören, was wir uns einverleiben. Und so werden auch unsere Emotionen und Erinnerungen aus diesen Momenten gespeichert und verbinden sich mit bestimmten Gerichten.

Luisa erzählt zum Beispiel in ihrem Buch davon, wie sie sich beim Kochen den Menschen nahe fühlt, die sie mit den Gerichten verbindet, selbst, wenn ein Ozean zwischen Ihnen liegt. Ich selbst habe diese Erfahrung auch schon oft gemacht, deswegen gibt es im Herbst meist ein Thanksgiving-inspiriertes Essen und an manchen Tagen brauche ich dringend Kartoffelsalat nach dem Rezept meiner Oma väterlicherseits.

Gestern habe ich ein Rezept meiner Oma mütterlicherseits zubereitet. Mit dieser Oma verbinden mich sehr viele kulinarischen Erinnerungen, vom gemeinsamen Erbsenpulen übers Kuchen- und Tortenbacken bis hin zur Waldmeisterbowle zu Hexenbrennen. Am allermeisten jedoch denke ich an ihre Quarkkeulchen, die es jahrelang an jedem Donnerstag gab.

Quarkkeulchen mit Apfelmus
Wenn ich mittags zuhause war, bekam ich sie gleich frisch aus der Pfanne. Hatte ich länger Schule oder war nachmittags verabredet, ging ich abends zu ihr und bekam sie aufgewärmt. Dazu gab es immer Apfelmus, je nach Jahreszeit frisch gekocht oder aus dem unerschöpflichen Vorrat an eingewecktem. Am besten schmeckte er aus roten Äpfeln.

Gestern also habe ich das Rezept herausgeholt, das sie mir diktiert hat, als ich zuhause ausgezogen bin, und für mich und den Hasen Quarkkeulchen gemacht. Virtuelle Portionen gingen auch nach Kanada, Kalifornien, Ibiza, Bremen, Leipzig und Bautzen – zu meinen Eltern, meinem Bruder und einigen meiner vielen Cousins und Cousinen. Für einen Moment saßen wir alle wieder gemeinsam an Omas Tisch – mit dem Ozean als Tischdecke. Auf dem Sofa schlief die schwarze Katze, draußen bellte ein Dackel und dann schlug die große Standuhr zur vollen Stunde und das Rommé-Spiel wurde herausgeholt…


Omas Quarkkeulchen (Süßes Hauptgericht für 2-3 Personen)

  • 300-400 g gekochte Kartoffeln vom Vortag*
  • 150 g Quark*
  • 1 Ei*
  • 20 g Zucker*
  • 70 g Mehl*
  • Rosinen nach Belieben
  • Vanillezucker (am besten selbst gemacht)
  • Öl für die Pfanne

Je ein Esslöffel Teig, plattgedrückt, wird ein Quarkkeulchen
Die Kartoffeln fein reiben und mit Quark, Ei und Mehl zu einem dicken Teig verarbeiten, wer möchte, kann noch Zitronenschale hinzugeben.

Rosinen unterrühren, bei uns so viele, dass man bei jedem Bissen eine dabei hat.

Öl in einer Pfanne erhitzen (in meinem Rezept steht, bis blauer Dampf aufsteigt, das habe ich dann nicht eingehalten ;)). Mit einem Esslöffel kleine Portionen des Teigs formen und in die Pfanne geben und dann platt drücken (Die Keulchen sollen ca. einen halben Zentimeter dick sein.)

Von beiden Seiten goldbraun backen, dann in Vanillezucker wälzen und bis zum Servieren warm stellen. Dazu gibt es Apfelmus.

Teig (links), Vanillezuckerteller (unten), fertige Quarkkeulchen (rechts)

*Die Mengenangaben sind ungefähre Richtwerte, je nachdem, wie viele Kartoffeln übrig sind oder Gäste mitessen.