HexenTanzindenMaiDemoKrawall

Verrücktes Jahr, gerade war noch Ostern und wurde aus Arbeits- und Familienfeiergründen bis auf ein relativ spontan gebratenes Lamm so gar nicht begangen und schon ist der 30. April da und ich stehe gefühlsmäßig wieder vor einem Dilemma, dass meiner Biographie entspringt.

18 Jahre lang bedeutete der 30. April Hexenbrennen. Es galt, aus all dem in den Wochen zuvor beiseite geschafftem Holz einen großen Haufen zu errichten, mitunter sogar mit selbstgebastelter Hexe und so hoch, dass man ihn mit einer Leiter erklimmen muss. Beim Bauen des Haufens gab es erhellende Gespräche mit der vergleichsweise jungen Tante und den vergleichsweise alten Cousins und Cousinen und der Blick aufs Wetter spielte eine tragende Rolle. Gartenmöbel, Schläuche, Sandeimer, Saftkisten, Waldmeisterbowle, alkoholfreie Bowle für die Kinder, Zwiebelkuchen und mehr wurden zum Hexenplatz gekarrt und wenn es dämmerte, brannte das Feuer. Je älter ich wurde, desto länger durfte ich dabeibleiben. Der erste Mai begann dann mit dem Rösten von Kartoffeln in der noch heißen Asche, die nur mit Salz und Pfeffer ein perfektes Frühstück draußen wurden. Denke ich an Hexenbrennen und den ersten Mai, habe ich automatisch den Geschmack einer sehr heißen Kartoffel mit feinen Röstaromen, Ascheresten und Salz im Mund und den Sonnenschein im Gesicht – auch wenn es bestimmt auch oft regnete.

Die nächsten sechs Jahre bedeutete der 30. April den Tanz in den Mai – Parties, Maibowle und hintendran einen freien Tag zum Ausschlafen und/oder Demonstrieren zu verschiedenen Themen.

Und jetzt bin ich hier in Berlin und der 30. April bedeutet irgendwie gar nichts, während am 1. Mai regelmäßig die Steine fliegen, es diverse politische Veranstaltungen gibt und in der Karl-Marx-Allee die Erinnerungen an frühere Maidemos wachwerden.

Teilnehmen werde ich keiner einzigen Veranstaltung, weil ich krank zuhause auf der Couch liege, frei ist morgen weil Sonntag ist (und ich krank bin) und jetzt fehlt mir da was.

Ich würde jetzt gerne draußen in der Sonne mit Holz hantieren, mit meiner Oma (die inzwischen in einem Pflegeheim wohnt und sich wahrscheinlich nicht mehr daran erinnert, wie das alles geht) den Kuchen backen und Waldmeisterbowle ansetzen, am Feuer sitzen, danach in den Rostocker Clubs in den Mai tanzen, morgen früh Kartoffeln in der Asche rösten und dann am Strand sitzen und auf die Ostsee schauen. Irgendwie sowas… Geht das?

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