Tagebuch-5 im Januar 2016

Wie an jedem 5. fragt Frau Brüllen (ich wollte erst Brau Früllen schreiben und frage mich jetzt, ob Freud mit damit etwas sagen möchte) wieder: WMDEDGT? Das hier:

Der Wecker klingelt um 7:30 und obwohl es heute immer noch so kalt ist wie gestern schaffe ich den Sprung aus dem Bett schon nach wenigen Minuten. Ich verschwinde kurz im Bad, bemühe mich, beim Lesen meiner Facebook-Benachrichtigungen nicht in eine Diskussion über die Gewalt in Köln am Silvesterabend zu gelangen und stelle das Futter für das Katzenfrühstück ins heiße Wasserbad. Dann mummele ich mich für die heutige Meditation ein – die letzte 15-minütige, ab morgen geht es mit 20 Minuten weiter. So richtig will es mit dem Gedanken loslassen heute nicht klappen, ständig überlege ich, was ich als nächstes mache, was ich nicht vergessen darf und wie ich das Ganze heute beim Tagebuch-5 verbloggen werde. Währenddessen liegt Nimbin neben mir und meditiert mit, während Noosa aufgeregt herumspringt und die Vögel auf dem Hausdach gegenüber anknurrt. Ein schmerzender Rücken, Halsschmerzen und eine leicht verstopfte Nase tun ein Übriges, um meine Meditation zu sabotieren. Trotzdem fühle ich mich nach den 15 Minuten ziemlich ausgeglichen und weniger gestresst als vorher.

Es ist kurz nach 8 und draußen ist es inzwischen hell, so dass ich die leichte Schneeschicht sehen kann, die sich draußen gebildet ist – nur so leichter Puderzucker bisher. Die Katzen bekommen jetzt ihr Frühstück und ich flitze zurück ins Bad, putze mir die Zähne und kämme mir die Haare. Dann ziehe ich mich leise an, um den Hasen nicht zu wecken und nehme mir voller guter Vorsätze den Rucksack mit den Sportsachen hervor. Hinein wandern Portemonnaie, Taschentücher, Ersatzakku und Ladekabel sowie eine Dose mit Haferflocken, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Chiasamen, Sesam, Zimt und Vanille, die später im Büro mit Hilfe von Milch, Honig und Mikrowelle zum Frühstücksbrei werden. Während das Teewasser heiß wird, stecke ich noch schnell Bürokratiekram in einen Umschlag und pappe Briefmarken drauf – zweimal 62 Cent, denn seit 5 Tagen kostet so ein Brief 65 Cent. Da wir pro Jahr etwa 5 Briefe verschicken, haben wir noch einige alte Marken übrig und ich bin zu faul, erst noch einen Briefmarkenautomaten aufzusuchen, das würde Umwege bedeuten, auf die ich bei den Temperaturen verzichten kann.

Stiefel, Schal, Mütze, Handschuhe und Wintermantel an, Tee in den Becher, Schlüssel nicht vergessen und raus aus der Tür. Auf dem Weg zur Tram werfe ich den Brief ein und dann stehe ich erstmal fast zehn Minuten an der Haltestelle, weil eine Bahn ausgefallen ist – muss wohl am Schneechaos liegen 😉 Ich verliere den Humor nicht, wohl aber ist mir kalt – ebenso wie den anderen, weniger gut gelaunten Passagieren um mich herum. Die Tram ist dann auch brechend voll, dafür ergattere ich in der U-Bahn ohne Probleme einen Sitzplatz – bin ja auch später dran als sonst. Im Büro angekommen mache ich mir mein Frühstück warm und sitze dann mit dem Spotify Mix der Woche auf den Ohren vor meinem Rechner, bevor es um 11 zu einem Meeting geht.

Ansonsten tröpfelt der Arbeitstag so vor sich hin. Gegen 14 Uhr bekomme ich langsam Hunger – nach und nach kristallisiert sich heraus, dass es heute Nudeln geben soll. Auf Twitter befrage ich meine Follower, ob ich Asiatisch oder Italienisch essen soll. Kaum habe ich den Tweet abgeschickt, hat sich mein Gaumen schon für Italienisch entschieden – ich habe Appetit auf Olivenöl und brauche nur zwei Minuten, statt mindestens zehn für die asiatische Variante. Die Umfrage, die zu diesem Zeitpunkt für Asiatisch votiert, läuft ja noch bis morgen Mittag und das Ergebnis mir nicht weg.

Ich entscheide mich für eine Pasta Caprese und einen Obstsalat, da im Büro-Obstkorb heute morgen bereits wieder Ebbe war. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit Bloggen und dem Beobachten eines Babys am Nebentisch. Es krakeelt fröhlich vor sich hin und hält zum Glück die Finger nicht in Papas dampfend heiße Lasagne. Dann kommt mein Essen: Frische, mit Tomate und Mozzarella gefüllte Ravioli in Tomaten-Butter-Salbei-Sauce. Mit dem Foto checke ich ein und stoße meinen Chef-Chef vom Mayor-Thron. Ha!

Am Nachmittag höre ich von der Freundin, die über Silvester bei uns zu Besuch war und jetzt wieder zurück in Toulouse ist. Sie hatte am Sonntag ihren Rückflug verpasst, ist dann mit ihren zufälligen Zugbekanntschaften weitergereist und hat spontan noch einen Zwischenstopp in Prag eingelegt und dann gestern von dort zurückgeflogen. Ja, es hat uns beide an Before Sunrise erinnert und ich bin auch ein bisschen neidisch geworden – die Reiselust wächst wieder! Außerdem schreibt mir die Teeniecousine, ich soll mal wieder was für sie bestellen – es geht um ein Faschingskostüm.

Ansonsten ist der Arbeitsnachmittag recht unauffällig, außer dass eine Kollegin vorbeischneit, weil sie das neue Hipsterzöpfchen des Kollegen hinter mir begutachten möchte, von dem ich leider heute kein Foto für Euch habe. Nach der Arbeit stelle ich fest, dass es auch draußen geschneit hat. Sofort ist allgemeine Laune merklich besser und alles wirkt gemütlicher, gedämpfter, pittoresker und sogar wärmer.

Ich fahre ich zum ersten Mal seit wirklich langer Zeit endlich mal wieder zum Sport (was für ein Glück, dass ausgerechnet heute der 5. ist, das sorgt für extra Motivation). Studio-Angestellte und Geräte erkennen mich wieder und das Training selbst geht besser als erwartet. Mein Rücken wird es mir danken (also sobald er sich erholt hat).

Ich stapfe freudig durch die frisch gefallene Schneeschicht nach Hause und fange die eine oder andere Flocke mit dem Mund auf. Ein bisschen bin ich wieder Kind, vor allem als ich dann zuhause die vor zwei Monaten im Sportrucksack vergessene Brotdose auspacke, ihr kennt das.

Der Hase erwartet mich mit heißer Rote Bete-Suppe, die ich mit Wasabi, eingelegtem Ingwer und Koriandergrün verfeinere, während der Kater auf dem Balkon schlittern übt. Zum Essen gib es frisch aufgetauten Ananassaft.

Danach bezwinge ich den seit dem Silvester-Dinner schon mehrfach in Angriff genommenen Abwaschberg endlich komplett (ohne Sauerstoffgerät!). Dann ist es 21:00 und der Hase und ich ziehen uns mit Katzen und Film (der mit den Lichtschwertern) aufs Sofa zurück.

Minus 17 (gefühlt)

Als ich heute morgen noch gemütlich im warmen Bett lag und verschlafen durch meine verschiedenen Timelines scrollte, geschah etwas Unerwartetes: Trotz dicker Decke, dem Wärme ausstrahlenden Hasen neben mir und doppelter Fenster kroch eine fiese Kälte in mich hinein und breitete sich vom Zehen bis zu den Schultern in meinem Körper aus. Ob das nun allein an der tatsächlichen Temperatur im Schlafzimmer lag, oder durch die zahlreichen tiefgefrorenen Tweets noch verstärkt wurde, kann ich nicht sagen. Fakt ist: Es ist kalt in Berlin, gefühlte 17 Grad zeigte meine Wetter-App an.

Das hatte ich zwar gestern auch schon mitbekommen, als wir die nicht hochprozentigen Getränke vom Balkon retteten, aber da musste ich wenigstens nicht noch weiter nach Draußen. Heute jedoch hieß es, wieder den Weg ins Büro zurückzulegen. Nichts mehr mit gemütlichem Homeoffice, eingewickelt in eine Decke und mit Katze(n) auf dem Schoß – heute ging es hinaus in das wirklich wahre, harte (Über-)leben. Ich musste Vorkehrungen treffen.

Normalerweise meditiere ich morgens noch im Schlafanzug, in letzter Zeit mit einer Decke zugedeckt – heute habe ich mich vorher angezogen, denn mich 15 Minuten lang halbnackt nicht zu bewegen erschien mir nicht als gute Idee. Eine weitere Änderung im Tagesablauf war das Anwärmen der kühlschrankkalten Katzenfutterdose im heißen Wasserbad, was von den Katzen freudig begrüßt wurde – in den letzten Tagen hatten sie das Futter eher erstmal verschmäht. Dann goss ich mir noch schnell einen heißen Tee in den Thermobecher, bedeckte meinen Körper mit diversen zusätzlichen Lagen Klamotten, wickelte mir einen Schal um, zog Smartphone-Handschuhe an und setzte mir meine irische Bommel-Wollmütze von den Arran Islands auf.

So angetan verließ ich das Haus und stellte fest: Verdammte Scheiße ist das kalt. Trotz allem. Aber immerhin: Ich war gut vorbereitet, hatte mein möglichstes getan und musste mir zumindest keine Vorwürfe machen. Stattdessen ließ ich den Gedanken an die Kälte los (hach, Meditation hilft!) und beobachtete lieber die Menschen um mich herum. Den Typen, der mit bloßen Händen telefonierte zum Beispiel. Dem war bestimmt noch viel kälter als mir und er war sogar selbst Schuld! Alle, wirklich ausnahmslos alle Menschen sahen aus, als würden sie um ihr Überleben kämpfen – mit zur Faust geballten, grimmigen Gesichtern und zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen bahnten sie sich den Weg durch diesen (Montag-, auch das noch! Und auch noch der erste Arbeitstag seit Langem für die meisten!)Morgen.

Eine ganze Stadt voller miesmutiger Menschen an einem Montagmorgen, normalerweise ein Garant für Ärger, Missgunst und Reibereien. Doch da zeigte dann die Kälte ihre wohltuende Wirkung: Wenn alle Energien auf die Lebenserhaltung ausgerichtet sind, bleibt einfach keine Kraft mehr für blödes Rumgepöbel. Ist ja auch mal was. Wer mehr tun möchte, als nicht zu pöbeln, der kann übrigens den Kältebus anrufen, wenn er Menschen sieht, die bei diesen und anderen unerträglich kalten Temperaturen draußen schlafen müssen – für Berlin ist die Nummer 0178 / 523 58 38, für andere Städte hilft die Suchmaschine Eures Vertrauens (der Hase empfiehlt ausdrücklich Ecosia, wo man beim Suchen noch Bäume pflanzen hilft.)

Im Büro war es dann übrigens überraschenderweise so richtig schön muckelig warm, die Fenster liefen nicht an und keiner schimpfte über zu hohe Heizkosten. Hat sich der Weg also doch gelohnt.

Silvesterdinner 2015

Noch liege ich im Bett, weswegen 2016 noch nicht so ganz begonnen hat und ich also ohne schlechtes Gewissen noch einmal schnell zurückblicken kann, bevor dann wirklich alle Sinne nach vorn gerichtet sind, in der Hoffnung, dass dieses Jahr Besserung bringen möge. (Diese Hoffnung hatte ich letztes Jahr um diese Zeit übrigens auch und man sieht ja, was es gebracht hat… Das Leben lebt halt einfach.)

Dieses Jahr hatten wir uns nach all dem Trubel der vergangenen Wochen ein ganz ruhiges, unspektakulären Silvester gewünscht, mit guten Freunden und gutem Essen und ohne viel Trara. Die Gästeliste veränderte sich im Verlauf der letzten zwei Wochen zwar noch ein paar Mal, am Ende saßen dann aber tatsächlich nur fünf sehr liebe Menschen mit uns am Tisch.

Am Dienstag habe ich mir einen Plan für das Essen gemacht, denn natürlich wollte ich auch kulinarisch etwas vom Jahreswechsel haben. Einigermaßen saisonal sollte es sein, außerdem wollte ich einige der Zutaten unterbringen, die ich in den letzten Monaten liebgewonnen habe und mit den Gerichten auch auf das Jahr zurückschauen. Desweiteren war zu beachten, dass wir eine Gästen mit extremer Glutenallergie, eine Vollzeit- und zwei Teilzeitvegetarierinnen dabei hatten (eine davon ich).

Eigentlich wollte ich deswegen komplett vegetarisch bleiben, aber dann starb Lemmy und Donnerstag war auch, weswegen der Hase auf Gehacktem bestand: Er baute also das MotorHACK-Logo nach und verarbeitete die Materialien dann zu stilechten, heimatverbundenen Gehacktesbällchen.

 

 

Dazu musste es natürlich Kartoffelsalat geben, und zwar nach seinem Rezept, weil „Bei Dir schmeckt der ja gar nicht richtig, weil Du den nicht so kennst.“ Beim Rest hatte ich dann aber komplett freie Hand und habe mich so richtig in Laune gekocht.

Ich wollte auf jeden Fall was mit Kichererbsenmehl machen, hatte aber Angst, dass mir die Padelle wieder nicht so gut gelingen würden. Neulich hatte ich bereits mit Kichererbsenpfannkuchen experimentiert, dann habe ich bei der Kaltmamsell von der Socca in Nizza gelesen und schließlich stieß ich im vegetarischen Ottolenghi auf ein Socca-Rezept. Die Entscheidung war gefallen, auch wenn ich das Rezept etwas abwandelte und statt der Zwiebelgrundlage Sesampaste verwendete und zusätzlich zu den (frisch geernteten) Tomaten meine geliebten Artischocken unterbrachte.

 

 

Aus den Green Kitchen Stories stammten die Rezepte für ein Baba Ganoush, für einen rohen Broccoli-Salat mit Granatapfel, Sonneblumenkernen und Rosinen und für einen Teil des Nachtischs, die Bananen-Kokos-Pancakes, die es bei uns ohne Blaubeeren, dafür mit Kaki-Kumquat-Kompott und Schlagsahne gab.

 

Dann gab es noch die Weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist und den neulich schon probierten Fenchel-Orangen-Salat von Rachel, wegen der vielen Esser auf einer Kuchenplatte angerichtet.

 

 

Es wurde ein sehr leckeres Mahl und der Abend dann doch irgendwie spektakulär, was auch mit daran lag, dass der Hase diverse Schätze aus seiner gut sortierten Hausbar holte (Ich sage nur Dinner-for-One-Trinkspiel, es gab aber statt Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein für die drei Mitspieler_innen vier verschiedene Kurze…)

Um Mitternacht dann natürlich großes Geballer draußen und auch drei von uns schossen mit Raketen symbolisch Dinge in die Luft, die sie im alten Jahr zurücklassen wollten. Währenddessen nahm ich mir mit dem Hasen vor, nächstes Jahr noch kleiner, noch ruhiger und nicht in Berlin, sondern irgendwo im Wald Silvester zu begehen.

Und jetzt auf in ein neues Jahr, machen wir das beste daraus! Alles Liebe und Gute für Euch 2016!
(Während des Kochens erfuhr ich hiervon, weswegen ich im Lauf der Vorbereitungen und des Abends immer wieder innehalten und eine Träne verdrücken musste…)

 

Der obligatorische Jahresrückblick

So langsam muss die Schreibfaulheit mal wieder aufhören, die in den letzten Wochen eingesetzt hat und jetzt sogar dafür sorgte, dass ich mal wieder 5 € bei den Iron Bloggern löhnen musste. All diese Termine vor Weihnachten, Geburtstage, eine Hochzeit, Geschenkebesorgungen und dann eben Weihnachten selbst bei den Haseneltern haben dafür gesorgt, dass ich kaum mal Muße hatte, irgendetwas aufzuschreiben und wenn habe ich das nur kurz bei Twitter getan. Gekocht habe ich auch nicht wirklich, was ja sonst immer ein ganz guter Anreiz zum Bloggen ist. So langsam geht es damit wieder los: Übermorgen kommen Silvestergäste und die sollen natürlich verköstigt werden. Deswegen habe ich mich dann heute aufgerafft, in Rezepten gestöbert und ein Büffet zusammengestellt, das auch einiges aufgreift, was dieses Jahr passiert ist. Doch dazu demnächst, erstmal muss noch der obligatorische Jahresrückblick her:

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Darüber habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und hätte spontan irgendwas bei 2 gesagt. Dann sind mir zum Glück noch eine ganze Menge schöne Sachen eingefallen, die auch passiert sind, damit rettet sich das Jahr auf eine 6, würde ich sagen.

Zugenommen oder abgenommen? 

Darüber könnte ich jetzt nur spekulieren, denn ich habe maximal 1-2 Mal in diesem Jahr auf einer Waage gestanden und das war eher irgendwann am Anfang – ich schätze mal, dass ich auf Sizilien ein wenig zugenommen habe, sich das dann aber wieder relativiert hat.

Haare länger oder kürzer? 

Irgendwann im Frühling wurden mal so 10 cm abgeschnitten, seitdem wächst es wieder, keine Ahnung, ob der Vorzustand schon wieder erreicht ist?

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Obwohl ich das Gefühl habe, im Laufe der Jahre graduell etwas kurzsichtiger zu werden, kann ich das auch nicht mit Zahlen belegen, weil ich schon seit Jahren nicht beim Augenarzt war. (Asche über mein Haupt, wohl ein Vorsatz für 2016…)

Mehr Geld oder weniger?

Von Monat zu Monat relativ gleich, da hat sich nicht viel geändert. Allerdings haben die Urlaube dieses Jahr ganz schön reingehauen, so dass der Berg im Geldspeicher um einiges geschrumpft ist.

Mehr ausgegeben oder weniger? 

Durch besagte Urlaube, häufiges Essen gehen usw. wahrscheinlich etwas mehr. Noch ein Vorsatz für 2016: Noch mehr selber kochen und dann mit ins Büro nehmen!

Der hirnrissigste Plan?

Puh – da gab es so einige, die sich im Nachhinein aber doch irgendwie als goldrichtig erwiesen haben – zum Beispiel, für das gleiche Geld, das ich für einen zweiwöchigen Jamaika-Urlaub ausgegeben habe für 5 Tage nach Sizilien zu fliegen. Wer auch so was hirnrissiges machen will – im Juni habt Ihr die Gelegenheit dazu: The Language of Food. Was dabei so rauskommt, kann man hier nachlesen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Trotz mündlicher Warnung vor Strömungen und Schildern auf die eigene Einschätzung (und die der Mitreisenden) zu vertrauen und das flache Wasser zu verlassen. Fünfmal dumme Touristen vorm Ertrinken retten an Strandaufgang 1, bitte!

Die teuerste Anschaffung?

Da ein Urlaub nicht als Anschaffung gilt, würde ich sagen, ein paar Winterstiefeletten für 60 €. Es sind eher die vielen, vielen kleinen Dinge, die meinem Geldspeicher wehtun…

Das leckerste Essen?

Die Frage ist sowas von gemein. Wie soll ich da entscheiden? Weit oben sind definitiv verschiedene sizilianische Köstlichkeiten, etwa die frittierten Artischocken, der Schwertfisch mit Kräuterkruste, die Bruschette mit rohen Sardinen… Und die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist, natürlich. 😉

Das beeindruckendste Buch? 

Das ist immer sehr schwer zu sagen, aber ich finde gerade beeindruckend, dass ich mit 32 immernoch Anne of Green Gables und die Folgebücher lesen kann, ohne mich zu langweilen. Viele andere Bücher haben mich hingegen dieses Jahr nicht so wirklich fesseln können, einiges liegt noch halb angelesen auf dem Nachttisch, aber Anne geht irgendwie immer.

Der ergreifendste Film? 

Besonders oft waren wir dieses Jahr nicht im Kino und viele der großen Hits des Jahres habe ich noch nicht gesehen. Aber schön und aus Gründen auch ergreifend fand ich Pride.

Die beste Serie?

Am schnellsten schaue ich immer die neuesten Folgen von The Good Wife, weil ich da am meisten Angst vor Spoilern habe. Sehr gern gesehen habe ich dieses Jahr aber auch die aktuellen Staffeln von The Americans, Orange is the new Black, Transparent, The Mindy Project, Switched at Birth und überraschenderweise Madam Secretary. Gilmore Girls und Bunheads gehen natürlich in jedem Jahr, ebenso wie Friends, das ich gerade nochmal schaue (9. Staffel inzwischen). Achja und Weissensee haben wir dieses Jahr endlich gesehen und waren auch schwer begeistert.

Die beste CD?

Ich glaube die einzige CD, die ich dieses Jahr physisch gekauft habe, war die Irish Christmas von Angelo Kelly und Family. 😉 Ansonsten höre ich Spotify rauf und runter (jetzt ja endlich auch die Beatles) und da fällt es gar nicht so sehr auf, ob ein Album neu oder alt ist. Und ich höre in letzter Zeit auch wahnsinnig viele Podcasts und Hörbücher… Früher war mehr CD-Lametta, fürchte ich.

Das schönste Konzert?

Hmm… Da muss ich mal kurz rekapitulieren, vermutlich das Abschiedskonzert von Supershirt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Den Katzen. Danach dem Hasen. Danach den Kollegen.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

In den ersten beiden Punkten ähnlich. Dann natürlich dem Rest der Familie, lieben Freunden und den Language of Food-Mädels auf Sizilien.

Vorherrschendes Gefühl 2015? 

Es reicht jetzt langsam.

2015 zum ersten Mal getan?

In Jamaika gewesen (dabei am Mittwoch davon erfahren und am Samstag losgeflogen, beinahe ertrunken, eine Marihuana-Plantage gesehen, Chocho gegessen, aus einer Kokosnuss getrunken…), Gdánsk, Sopot und das polnische Dorf besucht, aus dem meine Uroma stammte, einen Food Writing-Workshop besucht (dabei alleine durchs nächtliche Palermo gelaufen, ein Hostelzimmer mit einem betrunkenen fremden Mann geteilt, jemandem mit meinem Schreiben Tränen in die Augen gezaubert…), alleine in einem Hotelzimmer übernachtet (auf einer Dienstreise und dann neulich bei der Hochzeit), Reutlingen besucht, Heidelberg besucht, Mannheim besucht, Schwetzingen besucht, mich mit dem Thema Massenentlassungen auseinandersetzen müssen, zu einer kirchlichen Beerdigung gegangen (und dann gleich zweimal), einer Erdbestattung beigewohnt, eine längere Paddeltour gemacht, mit Freunden essen gewesen und die einzige Nicht-Elter gewesen, Couchsurfer aufgenommen, Flüchtlingen geholfen.

2015 nach langer Zeit wieder getan?

Eine Pressemitteilung verfasst und veröffentlicht, mich tiefergehend mit HTML befasst (CSS folgt), Hexenbrennen gefeiert, Punkte mit Zahlen dran zu Bildern verbunden, meinen Geburtstag als Gartenparty gefeiert, Urlaub mit den Eltern gemacht, Quarkkeulchen gebacken, in Straßburg und Offenburg gewesen.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Tode unserer Omas, die Beziehungsdramen und Lebenskrisen im Freundeskreis, all den Krieg und Terror

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Den Hasen, dass es OK ist, so viel Geld für Language of Food auszugeben, war dann aber ganz einfach.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Einfach da sein, für so viele Menschen in diesem Jahr. Oder aber die Angelo Kelly-Karte für eine Freundin oder die Paddy-Kelly-Karte für eine andere Freundin 😉

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Als ich am Tag vor meinem Geburtstag aus Sizilien zurückkam, blitzte und strahlte die Wohnung und der Balkon war wunderschön eingerichtet – das haben der Hase und seine „Schwesta“ für mich gemacht und es hat mich umgehauen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Wortwörtlich fällt mir da spontan ein: „Und wer fängt mich auf?“, immer und immer wieder, mit dem süßesten Grinsen der Welt. Das war der Sohn von @leitmedium und @fraumierau. 🙂

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? 

Irgendwas des Inhalts, dass das alles OK ist und ich die Person trotzdem lieb habe, nehme ich an. Zu mehreren.

Besseren Job oder schlechteren?

Den gleichen, auch wenn er sich aufgrund der Umstände im letzten Quartal schlechter anfühlte. Ich hoffe da auf 2016.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Das Kneipenquiz (nur einmal, wir waren aber auch nur sechsmal da), den Oscar-Pool, und sonst glaube ich nichts. Außer Erfahrungen.

Mehr bewegt oder weniger?

Ich mich? Zunächst mehr (regelmäßiges Kieser Training, im Sommer viel geschwommen), danach dann eher weniger (Stress, Krankheiten, keine Lust… muss wieder anfangen).

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Mit Krankmeldung deutlich weniger als die letzten Jahre, vielleicht 3 oder 4. Wenn man allerdings jedes kleine Wehwehchen mitzählt, dann gleichbleibend viele…

Davon war für Dich die Schlimmste?

Da war jetzt, anders als in Vorjahren, nichts Herausragendes dabei, mich nervt eher die Häufigkeit.

Dein Wort des Jahres?

Essen 😉

Dein Unwort des Jahres?

Tod

2015 war mit 1 Wort…?

Anstrengend

Tagebuch-5 im Dezember – Plätzchen-Edition

Es ist mal wieder der 5. und wie üblich fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Ich wache das erste Mal gegen halb 8 auf, weil der Hase aufstehen muss. Er fährt über das Wochenende zu seinen Eltern. Dort muss der Garten umgegraben werden und die Haseneltern sind wegen Hand bzw. Rücken derzeit nicht selbst dazu in der Lage. Außerdem ist dann wohl auch noch Preisskat vom Angelverein, was man eben so hat, wenn man als Dorfkind aufgewachsen ist. Zum Glück bin ich ja ein Waldkind und habe keine größeren Verpflichtungen dieser Art, so dass ich mich einfach umdrehen und weiterschlafen kann. Für mich steht ein gemütliches Sturmfreie-Bude-Wochenende an.

Gegen 10 wache ich auf wird das Nachbarskind so laut, dass ich es nicht mehr ignorieren kann. Ich lese mich durch meine morgendliche Timeline und stehe erst auf, als die Blase drückt. Dann hole ich den Faulenzer-Tee aus meinem Adventskalender („Wie passend!“ denke ich.) und koche mir eine Tasse davon.

  
Derweil bekommen die Katzen ihr Frühstück verabreicht. Ich setze mich aufs Sofa und verbringe 10 Minuten mit Meditation. Nein, wirklich. Ich hab mir da schon vor einiger Zeit eine App heruntergeladen und werde das jetzt wirklich mal durchziehen – zumindest die 10 Minuten pro Tag, 10 Tage lang, um zu schauen, ob das was für mich ist. Die erste Session war schon mal sehr gut. Der Tee ist inzwischen ausreichend abgekühlt, so dass ich ihn gemütlich trinken kann, während ich mir To-Do-Listen und Einkaufszettel aus den Rippen sauge. Nikolaus, Geburtstage, Redaktionsbrunch, eine Hochzeit, Weihnachten, Silvester… Da kommt einiges zusammen und dieses Wochenende ist eine der wenigen Gelegenheiten, etwas vorzubereiten.

Währenddessen hat die Katze auf meinem Schoß Platz genommen, weswegen ich natürlich nicht sofort mit meinen To-Dos loslegen kann -Ihr kennt das. Ich nehme mir also meine neueste nicht-digitale Lieblingsbeschäftigung hervor und zeichne das Taj Mahal. Diese Punkte-verbinden-Bilder habe ich schon als Kind total gerne gemacht, mit Zahlen bis 400 und mehr und evtl. zusätzlichen Buchstaben-Linien macht das dann auch in meinem Alter noch Spaß. Ich muss mich etwas bremsen, sonst habe ich das Buch bald durch. Mittendrin klingelt es an der Tür und der Paketbote bringt eine neue Jeans für den Hasen. Ein guter Anlass, jetzt doch mal den Arsch hochzukriegen, sich anzuziehen und zu frühstücken.

Es gibt zwei Kartoffelpuffer und Apfelmus, beides selbstgemacht und Reste, und hinterher noch eine Apfelsine. Dazu trinke ich den Holunder-Minze-Tee aus dem 4. Türchen, lese in meinem Feedreader und höre die wunderbaren Talking To Turtles, die übrigens nächsten Freitag im Lido spielen. Als ich schließlich zum Einkaufen aufbreche ist es nach halb 2. Keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist. 😉

Anderthalb Stunden später sind die Einkäufe eingeräumt. Ich habe Back-, Koch- und Smoothie-Zutaten für eine ganze Kompanie gekauft, außerdem Füllung für den Nikolausstiefel des Hasen und Geschenkpapier für die drei Geburtstage nächste Woche. Jetzt bin ich platt und gönne mir erstmal eine Verschnaufpause mit Tee und Schmusekatzen auf dem Sofa. Dazu höre ich das Album von Evil Pink Machine, dem Projekt meines Freundes Igor und seiner Liebsten. Scheinbar ist heute Tag der Pärchenbands… Die Mieze hat sich auf meinem Schoß eingerollt und schläft, der Kater liegt neben mir auf dem Rücken, streckt alle Viere in die Luft und lässt sich laut schnurrend den Bauch kraulen. Wieder aufstehen geht also erstmal nicht. Zum Glück habe ich keinen Termindruck.

Bernd hält die Kräuter frisch, die ich für das Redaktionsbrunch am Dienstag brauche – besonders glücklich sieht er dabei aber nicht aus.
Nach einer Stunde gleite ich vorsichtig unter den kuschelnden Katzen hervor und schleiche mich in die Küche. Die Vorbereitung aufs Plätzchenbacken umfasst drei Schritte: Butter aus dem Kühlschrank holen, Tee kochen (Grüner Tee aus Indien) und Abwaschen. Dann kann die wilde Backerei auch schon losgehen. Ich habe mir für dieses Wochenende zwei Rezepte von Italy On My Mind vorgenommen, nämlich die Taralli al Limone und die Biscotti. Taralli liebe ich ja in jeder Geschmacksrichtung und Zitronen machen mich seit meinen Besuchen an der Amalfi-Küste und auf Sizilien auch zuverlässig glücklich. Es war also klar, dass ich diese beiden Dinge in Kombination definitiv probieren musste:

 

Taralli al Limone

 

Zitroniger Teig, zitroniger Guss, was will man mehr? Sie sind wirklich unglaublich köstlich geworden. Für die Biscotti ging es danach auch zitrussig weiter – je zwei Orangen, Zitronen und Limetten mussten geschält werden, was ganz schön lange gedauert hat. Dazu kamen dann noch Mandeln (für dieses eher rustikale Rezept ausnahmsweise mal ungeknipst), Pistazien, Vanille und ein kräftiger Schluck Strega. (Im Rezept stand Sambuca, aber den hatte ich nicht da und Strega benutzt man eh nur alle Jubeljahre mal zum Backen, da freute ich mich über die Gelegenheit, ihn mal wieder zu verwenden – passte auch sehr gut, denn neben tausend anderen Sachen ist da ja auch Fenchel mit drin, der die Anisnote des Sambuca zumindest nachempfindet.)

 

Nackte Zitrusfrüchte

 

Die Klamotten der Zitrusfrüchte, plus Mandeln und Pistazien

 

Fertige Biscotti – zu Deutsch so viel wie „zweimal gebacken“ – macht aber bisschen mehr her, als ein profaner Zwieback, oder?

 

Weil vom Biscotti-Backen noch zwei Eiklar übrig waren und ich vom Taralli-Verzieren noch einen Rest Puderzucker hatte, verbrauchte ich schnell noch sämtliche Reste mit ein paar leckeren Kokos-Vanille-Makronen. Die brachten mich dann gedanklich noch fix nach Jamaika, was ja im dunklen Dezember auch nicht zu verachten ist.

 

Bei all der Bäckerei samt Kosten bekam ich irgendwie gar keinen richtigen Hunger, so dass ich mir nur schnell zwischendurch noch einen kleinen Rest Nudeln mit Tomatensauce warm machte. Morgen wird dann wieder etwas aufwendiger gekocht, denke ich. Als alles fertig gebacken, die Küche wieder in Ordnung gebracht und dieser Blogpost geschrieben ist, ist es schon 22 Uhr. Ich werde mir jetzt noch ein paar Folgen Friends reinziehen, dabei ein paar weitere Punkte verbinden, und dann nicht allzu spät ins Bett verschwinden. Backen macht müde und morgen muss noch jede Menge gebastelt und verpackt werden!

Sonntagsschnipsel und Ben’s Quitten-Crumble

Wochen, die mit Beerdigungen beginnen, müssen sich hinterher ganz schön anstrengen, um noch irgendwie schön zu werden. Also, „schön“ in dem Sinne, dass man am Ende wieder bessere Laune hat als am Anfang. In diesem Fall war es dann erst das zu Ende gehende Wochenende, das das Ruder einigermaßen herumgerissen hat – vorher war mein Kopf voller trauriger Gedanken und mein Körper voll mit Erkältungssymptomen. Dementsprechend habe ich auch nur ein einziges Mal gekocht, nämlich Pasta mit Auberginen, Zucchini und Tomatensauce für Mama, Bruder und mich, einfach, schnell, lecker und nicht besonders aufregend oder verbloggbar. Allerdings haben wir auch einen sehr leckeren Quitten-Crumble gegessen, den ich zwei Tage vor der Beerdigung gebacken hatte. Das Rezept bekam ich von Ben, der vor einiger Zeit ein Foto von seinem Crumble auf Facebook gepostet hatte. Und lasst Euch sagen: Crumble ist ein wundervolles Trostessen. Das Rezept findet Ihr am Ende dieses Beitrags, hier erstmal ein Foto zum Anteasern:

Quitten-Crumble mit Mango-Sorbet

Scheinbar habe ich mir irgendwo zwischen Kirche und Friedhof die letzte Zutat für eine ausgewachsene Erkältung eingefangen, mit der ich dann die zweite Wochenhälfte über im Bett lag. Dem Anlass entsprechend durchforstete ich noch einmal meine Sockenvorräte und fand tatsächlich noch ein letztes zusammenhängendes Paar Schafwollsocken, dass meine Oma mir geschenkt hatte. Seit ich denken konnte gab es von Oma jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten ein Paar selbst gestrickte Socken – aus selbst gewaschener, kardierter, gesponnener und aufgewickelter Wolle. Über die Jahre sammelte sich so ein beachtlicher Vorrat an, aber obwohl sie immer meinte, ich könnte die Löcher ja stopfen, wurden kaputt gegangene Socken immer entsorgt – es kamen ja immer welche nach… Dieses letzte Paar werde ich also wie meinen Augapfel hüten müssen…

Das letzte vollständige Paar Schaffwollsocken, stilsicher kombiniert

Auch am Freitagabend fühlte ich mich noch nicht wieder so richtig fit, so dass der Hase alleine loszog, um sich mit Freunden zu treffen. Weil er aber der weltbeste Krankenpfleger und Food Stylist überhaupt ist, zauberte er mir vorher noch einen astreinen Halloween-gruseligen Gemüseteller. dazu gab es auch noch Kürbissuppe, aber die sah eben aus, wie Kürbissuppe so aussieht.

Abendbrot am Vorabend von Halloween

Am Sonnabend ging es mir dann schon besser, wozu sicher auch die köstlichen Feigen beigetragen haben, die es beim Frühstück zum Käsebrot gab. Käsebrot und Obst ist ja sowieso einer der schnellsten und einfachsten Genüsse der Welt (und Käse der Hauptgrund, warum ich wohl nie konsequent vegan leben werde…).

Feigen und Käse

Am Samstagabend waren wir dann bei Freunden eingeladen und entgingen so der Verantwortung, Süßigkeiten zu kaufen und den Eingangsbereich der Wohnung in einen halbwegs präsentablen Zustand versetzen zu müssen – Süßes und Saures gab es trotzdem, aber eben zu Gast bei Freunden. Besonders süß war die kleine A., die frisch gestillt und gewickelt auf meinem Schoß platziert wurde und dort den Abend verbrachte.

A. und ich

Am Sonntag morgen dann trafen wir uns mit einem guten Freund, der gerade aus Kalifornien zu Besuch in Berlin war zum Frühstücken. Für mich gab es hochköstliche Pancakes mit Zimtpflaumen und Sahne, auf die alle anderen ganz schön neidisch schienen.

Pancakes mit Zimtpflaumen

Noch beeindruckender war eigentlich nur mein Getränk, eine heiße Schokolade mit Holunderblütensirup und Chilifäden. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie die Kombination aus Schokolade und Holunderblüten schmeckt, war dann aber sehr positiv überrascht – ein vollmundig, runder, fruchtiger Geschmack, immer wieder unterbrochen von feiner Chilischärfe. Definitiv empfehlenswert!

Heiße Schokolade mit Holunder und Chili

Weil das Frühstück so reichhaltig und das Wetter so schön war, liefen wir nach dem Essen einfach zu Fuß zurück in den Prenzlauer Berg. Erst ging es an der Spree entlang bis zum Monbijoupark, unter dieser schönen Weinlaube entlang, und dann kreuz und quer durch das nördliche Mitte und den östlichen Wedding bis zum Mauerpark. Dort verabschiedete sich der Hase zum Handball gucken in der Max-Schmeling-Halle und ich machte mich auf den Heimweg.

Weinlaubengang an der Spree

Und nun für alle, die noch ein wenig Herbstfreude tanken wollen, bevor der November so richtig dunkel und bluesig wird oder auch ein Trostessen brauchen:

 

Ben’s Quitten-Crumble

Für das Quitten-Püree:

1 kg Quitten

176 g Zucker

Saft und Schale von einer halben Zitrone

1 TL Zimt

Für den Boden:

140 g Butter

200 g Mehl (gesiebt)

50 g gemahlene Mandeln

75 g Zucker

1 Ei

1 Eigelb

Für die Streusel:

100 g Mehl (gesiebt)

75 g Haferflocken

75 g Zucker

120 g Butter

Die Quitten etwas zerkleinern und in einem Topf weich kochen, dann durch die Flotte Lotte drehen. Den Zucker, Zitronenschale und -saft und Zimt einrühren und etwas einkochen lassen. Wer keine Flotte Lotte (aka Passiermühle) hat, kann auch vorher Kerne und Kerngehäuse entfernen, genau 350 ml Wasser zum Kochen abmessen, dann pürieren und das Püree dann mit Maismehl andicken, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist, so hat Ben das gemacht.

Erst Butter, Mehl und Mandeln vermischen und dann Zucker, Ei und Eigelb hinzufügen. Gut verrühren und dann in Frischhaltefolie eingeschlagen im Kühlschrank abkühlen lassen. Eine Auflauf- oder Backform einfetten und mit dem Teig auskleiden. Profis können den Teig dann blind backen, Ben und ich haben den Teig beide nur mit einer Gabel eingestochen und schon einmal für 20-25 Minuten bei 160°C backen.

Die Zeit kann mann nutzen, um aus den übrigen Zutaten einen groben Streuselteig herzustellen. Dann das Quittenpüree in die knusprig gebackene Crumble-Hülle einfüllen, das Ganze mit Streuseln bestreuen und bei 180°C noch einmal 25-30 Minuten weiterbacken.

Warm servieren, optional mit einer Kugel Eis dazu.

Omas Quarkkeulchen

Eines der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Language of Food-Workshop auf Sizilien war, dass vom Essen zu schreiben bedeutet, über das Leben zu schreiben. Jeder, der sich mal mit verschiedenen Lernmethoden beschäftigt hat, weiß, dass man sich Dinge am besten einprägt, wenn man möglichst viele Sinneseindrücke damit verknüpft – sie also etwa mit der  Hand aufschreibt, sich laut vorsagt oder sich beim Lernen bewegt. Beim Essen werden natürlich sämtliche Sinne angesprochen – wir sehen, riechen und schmecken, wir tasten und hören, was wir uns einverleiben. Und so werden auch unsere Emotionen und Erinnerungen aus diesen Momenten gespeichert und verbinden sich mit bestimmten Gerichten.

Luisa erzählt zum Beispiel in ihrem Buch davon, wie sie sich beim Kochen den Menschen nahe fühlt, die sie mit den Gerichten verbindet, selbst, wenn ein Ozean zwischen Ihnen liegt. Ich selbst habe diese Erfahrung auch schon oft gemacht, deswegen gibt es im Herbst meist ein Thanksgiving-inspiriertes Essen und an manchen Tagen brauche ich dringend Kartoffelsalat nach dem Rezept meiner Oma väterlicherseits.

Gestern habe ich ein Rezept meiner Oma mütterlicherseits zubereitet. Mit dieser Oma verbinden mich sehr viele kulinarischen Erinnerungen, vom gemeinsamen Erbsenpulen übers Kuchen- und Tortenbacken bis hin zur Waldmeisterbowle zu Hexenbrennen. Am allermeisten jedoch denke ich an ihre Quarkkeulchen, die es jahrelang an jedem Donnerstag gab.

Quarkkeulchen mit Apfelmus
Wenn ich mittags zuhause war, bekam ich sie gleich frisch aus der Pfanne. Hatte ich länger Schule oder war nachmittags verabredet, ging ich abends zu ihr und bekam sie aufgewärmt. Dazu gab es immer Apfelmus, je nach Jahreszeit frisch gekocht oder aus dem unerschöpflichen Vorrat an eingewecktem. Am besten schmeckte er aus roten Äpfeln.

Gestern also habe ich das Rezept herausgeholt, das sie mir diktiert hat, als ich zuhause ausgezogen bin, und für mich und den Hasen Quarkkeulchen gemacht. Virtuelle Portionen gingen auch nach Kanada, Kalifornien, Ibiza, Bremen, Leipzig und Bautzen – zu meinen Eltern, meinem Bruder und einigen meiner vielen Cousins und Cousinen. Für einen Moment saßen wir alle wieder gemeinsam an Omas Tisch – mit dem Ozean als Tischdecke. Auf dem Sofa schlief die schwarze Katze, draußen bellte ein Dackel und dann schlug die große Standuhr zur vollen Stunde und das Rommé-Spiel wurde herausgeholt…


Omas Quarkkeulchen (Süßes Hauptgericht für 2-3 Personen)

  • 300-400 g gekochte Kartoffeln vom Vortag*
  • 150 g Quark*
  • 1 Ei*
  • 20 g Zucker*
  • 70 g Mehl*
  • Rosinen nach Belieben
  • Vanillezucker (am besten selbst gemacht)
  • Öl für die Pfanne

Je ein Esslöffel Teig, plattgedrückt, wird ein Quarkkeulchen
Die Kartoffeln fein reiben und mit Quark, Ei und Mehl zu einem dicken Teig verarbeiten, wer möchte, kann noch Zitronenschale hinzugeben.

Rosinen unterrühren, bei uns so viele, dass man bei jedem Bissen eine dabei hat.

Öl in einer Pfanne erhitzen (in meinem Rezept steht, bis blauer Dampf aufsteigt, das habe ich dann nicht eingehalten ;)). Mit einem Esslöffel kleine Portionen des Teigs formen und in die Pfanne geben und dann platt drücken (Die Keulchen sollen ca. einen halben Zentimeter dick sein.)

Von beiden Seiten goldbraun backen, dann in Vanillezucker wälzen und bis zum Servieren warm stellen. Dazu gibt es Apfelmus.

Teig (links), Vanillezuckerteller (unten), fertige Quarkkeulchen (rechts)

*Die Mengenangaben sind ungefähre Richtwerte, je nachdem, wie viele Kartoffeln übrig sind oder Gäste mitessen. 

Tagebuch-5 im Oktober, langweilige Alltags-Edition

Wie immer am 5. eines Monats fragt Frau Brüllen auch im Oktober wieder: WMDEDGT und ich antworte, auch wie immer. Diesmal ist der 5. seit gefühlt langer Zeit mal wieder ein stinknormaler All- und Arbeitstag…

Der Wecker des Hasen klingelt früh, weil er einen Termin hat. Ich werde so halbwach und entdöse mich so ganz allmählich aus dem Traumland hinaus und in die harte, vor allem kalte – brrr – Realität. Als Augen und Gehirn wach genug sind, checke ich meine Mails auf dem iPhone und lese mich durch meine Timelines und Filterblasen. Gegen 8 stehe ich dann auch auf, füttere die Katzen und mache mich fertig für den Tag. Einen Becher voller weißem Tee mit Zitrone in der Hand laufe ich alsdann durch die buntblättrige Umgebung und freue mich über den hohen Prozentsatz an Ahornbäumen in unserer Nachbarschaft. Solange der Herbst noch bunt und sonnig ist, kann ich die fehlenden Grade auf dem Thermometer einigermaßen verschmerzen.

In der Bahn lese ich dann in meinem Buch weiter. The Duppy von Anthony C. Winkler handelt von einem jamaikanischen Ladenbesitzer, der stirbt und dann in den Himmel kommt. Es ist in der Ich-Perspektive und schönstem jamaikanischen Patois geschrieben und versetzt mich direkt zurück in unseren Jamaika-Trip im Februar. Immer wieder muss ich vor mich hinschmunzeln und einmal fast laut lachen – da beschreibt Winkler wie sein Protagonist Taddeus Baps als frisch verstorbene herumwandernde Seele frohen Mutes über Stock und Stein hüpft „wie eine Ziege, die einen Ganja-Strauch leergefressen hat“ [meine Übersetzung]. Durch diese Metapher beflügelt laufe ich nun deutlich wacher und motivierter ins Büro.

Kurz nach 9 möchte ich runter ins Foyer und mir einen Grießbrei mit Kirschen zum Frühstück kaufen. Das stellt sich als ein langwierigerer Ausflug heraus, als sonst, weil einer der beiden Fahrstühle defekt ist und der andere darauf scheinbar nicht eingestellt. Mehrfach beobachte ich, wie er bis zum Stockwerk unter meinem und dann wieder nach unten fährt. Insgesamt warte ich etwa 7 Minuten, bis er es endlich bis zu mir schafft. Natürlich hätte ich in der Zeit auch die Treppe hinunter und wieder herauf nehmen können, aber ich wollte das Schauspiel weiter beobachten und evtl. hinter den gestörten Rhythmus kommen. Hat aber nicht geklappt.

Mit Grießbrei und mehr Tee gestärkt mache ich mich ans Tagwerk, das relativ ereignislos verläuft und deswegen hier nicht näher beschrieben werden muss. Mittags hole ich mir einen Reisbandnudelsalat mit Frühlingsrollen und dann geht es weiter. Nebenbei höre ich mich weiter durch den Gilmore Guys-Podcast, morgen oder übermorgen spätestens habe ich die Jungs wohl eingeholt und kann die Episoden dann direkt hören, wenn sie erscheinen und mich an den Diskussionen beteiligen. Heute vor 15 Jahren lief übrigens die erste Folge Gilmore Girls im amerikanischen Fernsehen. Am selben Tag bekam ich meinen ersten Kuss, was der Beginn meiner ersten Beziehung war. Zufall? Aber klar doch 😉

Nach der Arbeit gehe ich zur Wohnung meiner Eltern, hole die Post aus dem Briefkasten und gieße die Blumen. Auf dem Heimweg von dort kaufe ich unterwegs noch ein paar leckere Dips. In der Bahn sitzt ein kleines Kind neben mir, dass von einem äußerst wackeligen Pappteller Kartoffeln mit Quark isst, während seine Mutter Taschen und das Kinderfahrrad in Schach hält, indem sie sich einfach draufsetzt.

Zuhause erwartet mich der Hase mit Ofengemüse aus Kartoffeln, Roter Beete, Kohlrabi und Möhren mit Stangenselerie und frischen Kräutern. Die Dips passen gut dazu (außer der mit Feta, Ananas und Datteln – merkwürdige Kombinaton, finden wir beide) und wir haben ein sehr leckeres Abendbrot.

Die Wohnung steht derweil voller Eimer mit Birnen und Äpfeln von den uns umgebenden Hinterhöfen, denn der Hase ist heute groß in die Birnenwein-Produktion eingestiegen. Zehn Liter frisch entsafteter Most gären nun fröhlich im Weinballon vor mich hin.

Ich schreibe schnell diesen Blogpost, dann werde ich noch etwas aufräumen, mit dem Hasen eine Folge Bunheads gucken und mir dann vor dem Schlafengehen noch ein Bad gönnen. Nebenbei durchzieht die Wohnung neben Knoblauch- und Birnenduft nun auch noch eine Brise Brot aus dem Backofen. So lässt es sich leben!

13 Dinge, die ich diese Woche zum ersten Mal gemacht habe…

…Nummer 7 wird Euch von den Socken hauen 😉

Um wieder in einen regelmäßigen Blog-Rhythmus zu kommen, behelfe ich mich manchmal des Listen-Tricks – mal sehen, ob es auch diesmal klappt. Diese Woche habe ich zum ersten Mal

  1. eine Dienstreise kurz vor Abfahrt abgeblasen und bin abends mit Rollkoffer wieder nach Hause gefahren
  2. seit langem mal wieder die Arbeit mit nach Hause genommen (sowohl im Kopf als auch tatsächlich gearbeitet)
  3. seit langem mal wieder eine Pressemitteilung verfasst
  4. mit Leuten von Presseagenturen und Radiosendern telefoniert, für die ich nicht arbeite
  5. vor dem Büro einen Gratis-Kaffee von einem Start-up bekommen, das Leute rekrutieren möchte
  6. mehr Zeit in Meetings verbracht, als am Rechner
  7. einen Doppelgänger von einem Menschen gesehen, mit dem ich Tisch und Bett teile und gruselig lange dafür gebraucht mich zu entscheiden, ob das nun Original oder falscher Hase ist
  8. selbst Birnensaft hergestellt
  9. seit langem mal wieder eine Folge Downton Abbey gesehen
  10. unseren selbstgemachten Kirschwein probiert und für unglaublich gut befunden
  11. seit langem mal wieder Kürbissuppe gegessen (Hallo, Herbst!)
  12. das Restaurant Lao Xiang bei uns um die Ecke ausprobiert und dort neben altbekannten Favoriten wie Morcheln und Pak Choi auch Krabben direkt aus der Schale gekostet
  13. Shiso Burger einen Besuch abgestattet und dort köstlichen Lemon Chili Burger gegessen und Lychee Limo getrunken

Übrigens: Woanders habe ich diese Woche schon gebloggt, nämlich bei SEb über Shepherd’s Pie.

Ein Mutmacher

In diesen Tagen kann man schon einmal ein wenig an der Welt verzweifeln: Es häufen sich die schlechten Nachrichten aus aller Welt, das Leid findet nicht mehr nur in Entwicklungsländern, auf hoher See im Mittelmeer und an den EU-Außengrenzen statt, es ist auch hier in Berlin überall präsent, zum Glück auch endlich in den Medien. Viele engagieren sich, sammeln spenden, helfen. Aber leider liest man immernoch viel zu viele abfällige, fremdenfeindliche, rassistische, zu Gewalt aufrufende Kommentare. Das ganze Internet ist voll davon. Hinzu kommen Debatten über „gute“ und „schlechte“ Flüchtlinge, angebliche „Wirtschaftsflüchtlinge“ und „Asylmissbrauch“. Ermüdend, entmutigend und vor allem enttäuschend.

Zum Glück gibt es eine wachsende Zahl von Leuten, die den Mund aufmachen, die Fluchtgeschichten erzählen und vielleicht irgendwann wieder einen Funken Menschlichkeit in die verstopften Hirne mancher zurückbringen können. Wer die zu Tränen rührende Geschichten lesen möchte, findet sie z.B. bei Andrea Harmonika, Tollabea oder Liisa.

Eine tolle Aufmunterung war für mich gestern Abend der Film Pride im Freiluftkino Friedrichshain. Eigentlich eine historische Komödie, in der es um den Bergarbeiterstreik in Großbritannien und die LGBT-Rechte-Bewegung geht. Gleichzeitig aber auch ein Beweis dafür, was man alles erreichen kann, wenn man zusammenhält, -arbeitet und -kämpft. Solidarität war das Zauberwort. Am Ende verließen wir und auch die anderen Zuschauer den Film mit lächelnden Gesichtern und vermutlich war ich nicht die Einzige, die wieder ein Stück Glauben an die Menschheit und Inspiration für zukünftige Aktionen gewonnen hat. Schaut Euch den Film an, aber vor allem: Helft!

Wie man in Berlin konkret helfen kann, erfährt man unter anderem bei Mit VergnügenBerlin hilft LaGeSo, Lichtenberg hilft oder unter dem Hashtag #einfachmenschsein auf Facebook. (Zu der Aktion gab es gestern ein Porträt bei rbb zibb. An der Aktion sind Freunde von mir beteiligt und der Hase und ich werden auch mitmachen.)