Kartoffelsalat von Oma

Gestern vor drei Jahren ist meine Oma gestorben. Es ist sehr krass, wie diese drei Jahre gleichzeitig so lang und so kurz gewesen sind. Zum Einen ist seitdem wahnsinnig viel passiert, u.a. habe ich den Hasen gefunden, bin mit ihm zusammengezogen und wir haben Noosa und Nimbin adoptiert. Wir waren zusammen in Australien, Italien (2x), Kanada, Irland, Jamaika und Polen. Alleine diese Aufzählung zeigt: Es ist viel Zeit vergangen.

Gleichzeitig ist dieser Tag vom Gefühl her noch nicht weit entfernt und ich kann mich noch sehr gut an die Wochen davor und danach erinnern und auch jetzt muss ich mich manchmal noch daran erinnern, dass ich Oma bestimmte Sachen nicht mehr erzählen werde und wir über aktuelle politische Entwicklungen nicht mehr diskutieren werden. Wobei mich ihre Meinung zu den Feminismus-Debatten der letzten Jahre ja brennend interessieren würde…

Als ich nun also heute überlegte, was es zum Abendessen geben sollte und mir ansah, was noch da war, fiel die Wahl schnell auf das Gericht, dass ich am meisten mit Oma verbinde: Kartoffelsalat. Und zwar weder mit Mayonnaise noch mit Brühe, sondern einfach mit frischer Gurke, Dill, Salz und Pfeffer, Essig und Öl. So habe ich ihn bei einem Besuch in Warnemünde vor nun weit über 20 Jahren das erste Mal gegessen, Portion um Portion, und so gehört er, meistens. Andere Familienmitglieder mischen gerne noch Zwiebeln dazu, aber erstens hab ichs nicht so mit Zwiebeln (genau wie Oma) und zweitens braucht es die gar nicht.

Die einzige Änderung von mir heute: Die Gurke wurde nicht geschält und gehobelt, sondern einfach in Scheiben geschnitten.. Und Zeit zum Ziehen hatte der Salat auch nicht, aber er schmeckt auch so, jedes einzelne Mal. Danke, Oma!

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So viel Früher war selten

Die letzten Tage war ich in meiner alten Heimat, anlässlich des jährlichen Hexenbrennens und des Polterabends eines lieben Freundes. Drumherum wurde viel gelaufen, getanzt, Konzerten und Theater gelauscht, gewandert und vor allem getroffen: Diverse selten gesehene Familienteile (Tanten, Cousins und Cousinen sowie deren Nachwuchs und natürlich Oma), selten gesehene Freund_innen aus Schulzeiten und solche, die ich seit plusminus zehn Jahren überhaupt nicht gesehen habe. 

Es gab also sehr sehr viel zu erzählen und wenig Schlaf, viele erneuerte Kontakte, die gepflegt werden wollen und sollen und einige Ideen für zukünftige Unternehmungen. Und trotz alldem erstaunlicherweise auch viel Ruhe, Grün, Natur und Durchatmen. Ein rundherum gelungenes Wochenende, das jetzt mit zwei Stunden sitzend im Zuggang zuendegeht. Aber man kann ja auch nicht alles haben und lesen und bloggen geht schließlich überall. 

Meine Reise in die Vergangenheit – Ein Wochenende in Rostock

Wie in den #12v12 schon berichtet, war ich am letzten Wochenende endlich mal wieder in Rostock. Es ist fast nicht zu glauben, dass es wirklich zwei Jahre her ist, dass ich in meiner zweiten Heimat, meinem Home away from Home, war. Nichtsdestotrotz ist es wahr und diese unglaublich lange Zeit war dann auch der der Anlass für meinen Besuch. Da ich alleine fuhr, musste ich mich auch gar nicht groß mit touristischen Dingen, der Altstadt, dem Ostermarkt oder der Kröpi aufhalten und konnte mich ganz auf das Alltagsleben in Rostock konzentrieren.
Ich kam zum allerersten Mal mit dem Bus an, leider nicht über meine übliche Strecke durch Brinckmannsdorf und Co von Osten her, sondern langweilig und trist durch die Südstadt. So kam das richtige Rostock-Feeling auch erst auf, als ich am Platz der Freundschaft dem Bus entstieg und mir die Ostseebrise um die Nase wehte. Es war kurz nach zehn Uhr abends an einem Freitag und ich hatte noch ein Stück Weges vor mir, das ich gedachte mit Straßen- oder S-Bahn zu bestreiten. Ich rechnete mit ungefähr einer halben Stunde, hatte aber nicht mit Rostocker Verhältnissen geplant: Sowohl S-Bahn als auch Straßenbahn fuhren überhaupt erst eine halbe Stunde später. Also entschied ich mich spontan, loszulaufen und dabei ungefähr den Straßenbahngleisen zu folgen und mich irgendwann von ihr einholen zu lassen.
Geübten Schrittes verließ ich das Bahnhofsgebäude und lief los in Richtung Innenstadt. Kaum war ich draußen, war ich zuhause. Alles sah so aus und fühlte sich so an, wie in den Jahren, in denen ich nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt gewohnt habe. Mein Herz lief ein wenig über, als mir auffiel, wie ich automatisch genau an derselben Stelle wie immer schräg über die Straße gelaufen war – ohne dass ich in all den Jahren je daran gedacht hätte – und mir genau dieselben Fassaden auffielen und den Weg wiesen, wie damals.
Ich lief an meiner alten Wohnung vorbei und sah, dass in “meinem” Zimmer Licht brannte. Leider standen direkt vor dem Haus Leute und unterhielten sich, sonst hätte ich kurz mal auf die Klingelschilder geguckt, um zu sehen, ob ich noch Namen wieder erkenne. Dann lief ich meinen alten Weg weiter, freute mich über Gleichgebliebenes und wunderte mich über die vielen neu gebauten Häuser – wo früher eine Brache war, über deren Vorhandensein auf meinen nächtlichen Heimwegen meine Eltern nicht sehr erfreut waren,  stehen nun diverse Neubauten. 
Am Friedhofsweg und um die OSPA herum hingen “junge Leute” herum, besonders die Punks vor der Sparkasse belustigten mich doch gar sehr. Dann war ich auch schon am Doberaner Platz und sah, dass es immernoch mehr als eine Viertelstunde dauern würde, bis mich die Straßenbahn einholen könnte. Also dachte ich: Nö. Ich laufe lieber mitten durch die KTV und sehe noch was von der Stadt. Zum Beispiel eine andere alte Wohnung von mir. Und die KTV mit all ihren kleinen Läden und Cafés, den vertrauten Straßen, den wunderschönen bunten Häusern und der entspannten Atmosphäre…
Nach ungefähr 40 Minuten kam ich dann bei meiner Gastgeberin an und bewunderte ihre kleine aber feine Wohnung – mit Bücherzimmer, Plattenzimmer und Schlafzimmer, mit liebevoll und detailreich dekorierten Wänden, Mangosaft, Tee und Bier…
Als ich am Sonnabend erwachte, schien die Sonne, der Himmel war blau und wenn ich aus dem Fenster sah und den Kopf nach links wandte, konnte ich in der Ferne die Warnow erahnen. Nach einem gemütlichen Frühstück mit köstlicher Mango und dem weltschönsten Wasserkocher lief ich wieder los und sog das Wochenendgefühl in der KTV in mich auf.
Am Wochenende sind (zumindest tagsüber) kaum Autos unterwegs und auch Menschen sind nicht allzu viele auf der Straße. Hier und da begegnete ich morgendlichen Brötchenholern, zwei Männer reparierten mit Musikbeschallung auf der Straße vor ihrem Haus ihre Fahrräder und die eine oder andere Familie brach zu Spaziergängen auf. Es herrschte eine entspannte Stimmung, wie ich sie aus Berlin quasi gar nicht kenne und die mich eher an das Leben im sonnigen Süden erinnerte. Wahrscheinlich liegt es am maritimen Erbe. Oder eben daran, dass Rostock deutlich kleiner als Berlin ist. Oder an beidem. Es ist jedenfalls sehr schön.

Mein erster Stopp war Herr Koreander, der Gebrauchtbuchladen einer Bekannten. Nachdem Virginie und ich uns gegenseitig auf den neusten Stand über Berlin, Rostock und gemeinsame Bekannte gebracht hatten, stöberte ich durch den Laden und nahm einige Bücher mit. Dann ging es weiter zur anderen Buchhandlung, wo ich einen ausführlichen Schnack mit einer guten Freundin meines Onkels hielt, bis er zufällig auch vorbeikam. 
Das ist das Schöne an Rostock: Man muss sich gar nicht mit so vielen Leuten verabreden, sie laufen einem meist sowieso über den Weg. Onkelchen und ich verabredeten uns für den Sonntag zum Frühstück, ich kaufte noch ein Buch und ging dann weiter, um endlich mal das Café Liebreiz auszuprobieren, von dem ich schon so viel gutes gehört hatte. Auf dem Weg dorthin (einmal quer über den Doberaner Platz) lief mir mein ehemaliger Chorleiter über den Weg. 
Ich setzte mich mit einem Tee draußen in die Sonne, checkte Twitter, Instagram und Facebook und blätterte durch meine neuen Bücher, als ich eine weitere ehemalige Chorkollegin mit Kind und Kegel vorbeispazieren sah. Das bestätigte wieder eine meiner Weisheiten über Rostock: Ich kann dort nie das Haus verlassen, ohne auf bekannte Gesichter zu stoßen. 
Als nächstes führte mich mein Weg in den Stadthafen. Unterwegs freute ich mich über die abfallenden Gärten einiger Wohnhäuser, in denen die Mieter sich Grillplätze, Strandkörbe und Rutschen über mehrere Ebenen eingerichtet hatten. Dann endlich: der Hafen. Schiffe, der Fluss, die Angler und der Blick über die Altstadt. 
Ich lief ein wenig am Wasser entlang, als meine Gastgeberin anrief und mich fragte, ob ich nicht mit ihr und ihrem Freund auf den Darß fahren wolle. Bei dem Wetter? Aber hallo! So kam ich dann doch schon einen Tag früher als geplant in den Genuss, das beste Meer der Welt wieder zu sehen und sogar meine Füße hineinzuhalten. Auf dem Rückweg gab es dann sogar noch ein überraschend gutes Eis bei Glassissimo in Dierhagen.

Zurück in Rostock warf ich meine Einkäufe zuhause ab und kämpfte mich dann durch typisches Rostocker Regenwetter zur Wohnung meines ehemaligen Mitbewohners, den ich nun nach sieben Jahren zum ersten Mal wieder sehen sollte – zusammen mit seiner Freundin und unseren beiden Katzen, die ich damals bei meinem Umzug in Berlin endgültig seiner Obhut übergeben hatte. Da seine Freundin hochschwanger mit Kind Nummer 2 ist, half ich ihm beim Aufbauen einer IKEA-Couch, während wir uns die Erlebnisse der letzten sieben Jahre erzählten. 
Ganz dem Klischee entsprechend fehlten irgendwann ein paar Schrauben und die falschen Füße waren eingepackt, so dass wir am Ende nur ein Provisorium fertig bekamen. Das gab mir jedoch Gelegenheit, Fotos von den Miezen zu machen, die sich doch seit damals deutlich verändert hatten – wenn auch nicht im Charakter, wie man im Vergleich mit den alten Fotos gut sieht.
Robbie heute und Robbie 2008.

Bienchen heute und Bienchen 2008.

Es war ein sehr schöner Nachmittag, der sich anfühlte als wäre keine Zeit vergangen seit damals. Schade, dass wir uns so lange nicht gesehen hatten, das soll nicht wieder passieren! (Wie leicht man den Kontakt verliert, wenn einer kaum online ist und eine ständig…)

Nach diesem Wiedersehen ging es mit weniger Spektakulärem weiter – ich traf einen Freund und seine Freundin sowie später einen weiteren gemeinsamen Freund zum Abendbrot im Lom. Die beiden Männer sehe ich relativ regelmäßig, mindestens alle 1-2 Jahre, nur die Freundin war neu. 🙂 Nach leckerem Essen und sehr gutem Gespräch verlagerten wir den Abend dann ins Peter-Weiß-Haus, wo an diesem Abend eine 80er-Party, einzig mit Vinyl-Platten, stattfand. 

Auch wenn ich die 80er musikalisch nicht bewusst miterlebt habe und auch nur ausgewählte Teilbereiche der damaligen Musik gerne höre, war es doch ein sehr schöner Abend, nachdem ich erst gegen halb 5 wieder in meinem Bett lag – fast so spät wie nach den unzähligen Rostocker Clubnächten früher…

Vom Sonntag habe ich ja schon einige Bilder gezeigt, was ich da gemacht habe, könnt Ihr beim 12v12 nachlesen. Mir bleibt an dieser Stelle noch, die emotionale Seite etwas genauer zu beleuchten. Neben dem Onkel-Frühstück war das Highlight des Tages natürlich mein Ausflug nach Warnemünde – wieder ein komplettes Heimspiel. 

Je näher mich meine Schritte der Parkstraße 9 brachten, dem Haus, in dem ich meine Großeltern früher immer besuchte, desto nostalgischer wurde ich. Alte Bilder kamen mir vor Augen, wie wir früher im Trabi hier ankamen oder abfuhren und Oma unten an der Straße stand und uns begrüßte bzw. verabschiedete. Wie ich mit Erwachsenenhilfe die Parkstraße überquerte und dann gemeinsam mit meinem Bruder oder später den Cousins von dort aus alleine durch den Park und über die Promenade an den Strand laufen durfte. Wie ich im Garten des Hauses mit den Nachbarskindern gespielt hatte, wie wir hier oft Station machten, bevor wir die Fähre nach Dänemark nahmen und unsere Skandinavien-Urlaube begannen… Als ich schließlich vor dem Haus stand und mir all dies durch den Kopf ging kamen mir dann doch ein wenig die Tränen. Viel besser und emotionaler als jeder Friedhofsbesuch es hätte sein können.
Dann lief ich die alte Route zum Strand und sann darüber nach, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn meine Eltern damals von Berlin aus nicht nach Bautzen, zur einen Oma, sondern nach Warnemünde, zur anderen Oma, gezogen wären und ich statt in der Lausitz an der Ostsee aufgewachsen wäre. Bei genauerer Betrachtung ist das wirklich ein wenig zu bedauern, denn ich liebe das Meer und Mentalität der Leute (oder sagen wir, eines gewissen Kreises an Leuten – Segler_innen, Surfer_innen und Kulturschaffende und deren Umfeld in und um Rostock) und spätestens durch meine Studienzeit in Rostock fühle ich mich dort oben viel mehr zuhause als dort, wo ich die ersten 19 Jahre meines Lebens hauptsächlich verbrachte. 
Wahrscheinlich würde ich heute genauso sehr an diesem Stückchen Land und dieser Stadt hängen, wie viele meiner Rostocker Freunde, die nach Jahren in Berlin oder Hamburg zurückkehren oder das zumindest irgendwann einmal vorhaben. Meine Gastgeberin hat ja da die Theorie, dass so ein Meer einem einfach noch ein Stück mehr Heimat ist, als andere Landschaften.

Nichts gegen meine andere Oma und die anderen Verwandten in der Lausitz und natürlich auch nicht gegen die Freunde fürs Leben, die ich in der Schule getroffen habe 😉 Auch bei denen fühle ich mich zuhause. Aber dorthin zurückziehen? Niemals. Nach Rostock hingegen… Das kann ich mir unter gewissen Umständen durchaus vorstellen. 
Was nun genau der Grund dafür ist, kann ich nicht sagen – ich denke es ist eine Kombination aus dem Meer, den prägenden Erlebnissen der Studienzeit und irgendwie auch der Mentalität der Leute. Auch wenn ich dafür schonmal fast ausgelacht worden bin – ich finde die Rostocker offen, freundlich, hilfsbereit, entspannt, spontan und lebensfroh. Auch wenn Berlin deutlich multikultureller ist als Rostock – mir gefällt beides. Sehr. Und jetzt muss ich aufhören zu schreiben, sonst fang ich gleich wieder an, nach Jobs und Wohnungen da oben zu suchen 😉

#12v12 im April – Rostock-Edition

Schön, wenn eine Blog-Aktion auf einen Tag fällt, an dem man Spannendes erlebt – an normalen Bürotagen fällt es mir mitunter schwer, zwölf Bilder für Draußen nur Kännchen zusammenzubekommen, heute hingegen hab ich noch genug Material für ein paar Bonustracks. 
Streng genommen begann der Tag ja um 0:00, da betraten wir gerade einen Club und wie man weiß ist es in solchen Etablissements immer viel zu dunkel für gute Fotos 😉 Also fange ich erst nach dem Schlafen an – mit dem Blick aus meinem Bett bei einer Freundin. Ihr Musikgeschmack ist unschwer zu erkennen.
Ich packte meine Sachen für die Rückfahrt schonmal zusammen und verstaute meine gestrigen Buch-Einkäufe im Rucksack. Wenn ich in Rostock bin, besuche ich meistens die andere Buchhandlung und den Gebrauchtbuchladen Herr Koreander, in beiden arbeiten Bekannte von mir. Dreimal Essen (das Backbuch hat meine Mama auch und ich benutze meine Abschrift daraus für Waffeln und Plätzchen, dazu je eines aus der alten und eines aus der ganz ganz alten Heimat); ein Roman einer kanadischen Autorin, von der ich schon ein anderes Buch las und toll finde; Geschichten aus südlichen Zipfeln des ehemaligen britischen Kolonialreichs; eine Biographie aus dem westlichen Zipfel desselben – man will ja vorbereitet sein, wenn heute wirklich die Ankündigung kommt; ein Buch für den Hasen, das wir schon von einer Lesung auf der Buchmesse kennen, dessen Kauf wir aber verschoben hatten.
Nach dem Packen besuchte ich meinen Onkel und holte ihn zum gemeinsamen Frühstück im Café Lotte ab. Für ihn war es das zweite Frühstück des Tages, daher fiel es flüssig aus.

Danach besuchten wir, zahlreichen Tipps folgend den veganen Eisladen Veis. Ich hatte Johannisbeere und Haselnuss, das Onkelchen Schokolade, wir waren beide sehr zufrieden. (Das werte ich als Erfolg, erinnere ich mich doch an heftige Veggie-Day-Diskussionen mit ihm. ;))

Der Hauptprogrammpunkt führte mich dann nach Warnemünde. Zunächst wurde auf dem Fischmarkt auf der Mittelmole Räucherfisch für den Hasen gekauft – mit Ausblick auf die Häuserzeile am Alten Strom.
Dann ging es über die Brücke ins alte Fischerdorf Warnemünde und mir wurde gleich ganz maritim zumute.

Die Mühle in der Mühlenstraße – einigen vielleicht noch bekannt aus den 90ern und der ARD-Vorabendserie Tanja.
Die Fernsehfamilie wohnte damals nur wenige Häuser von unserem ehemaligen Familiensitz entfernt. Im ersten Stock, dem mit dem Balkon, wuchsen zwei Generationen auf und machte ich als Kind oft Ferien bei Oma und Opa. 

Ich ging den alten Ferienweg quer durch den Park zur Promenade und erblickte das beste Meer der Welt.

Natürlich musste ich direkt ans Wasser und eine Weile daran entlanggehen. Nebenbei habe ich ein Wahrzeichenfoto mit Strandkörben (in Warnemünde erfunden!), Leuchtturm und Teepott gemacht.
Im flachen Wasser tummelten sich Möwen (die bekanntlich alle Emma heißen), während im Hintergrund die Schwedenfähre Fährt aufnimmt.

Ich setzte mich genau so an die Mole und starrte eine Weile wohlig aufs Wasser und atmete tief die gute Seeluft ein. 
Bonustracks:
Der Tradition folgend, musste noch ein zweites Eis sein, nämlich aus der Eisdiele. Hier entsteht bereits seit 1946 hausgemachtes Eis, das wirklich richtig gut ist und genauso zu einem Warnemünde-Besuch gehört, wie der Strand. 

Heute wurde es ein Früchtebecher mit Nougat- und Pfirsich-Maracuja-Eis und Blaubeeren, aus Gründen des Sättigungsgrads ohne Sahne.

Für die Rückfahrt holte ich mir noch was aus dem Vegangster, ebenfalls auf Empfehlung. Es wurde ein Funghi Burger mit Soja-Bratling. Sehr zu empfehlen!

Fiano di Avellino – Vom Essen, Schreiben und Weintrinken (und von Sizilien)

Auch bei Foodies (oder Foodisten?) wie mir ist die Essensplanung so manches Mal völlig dem Zufall unterworfen. Heute war es ein Bus, der nicht so fuhr, wie er sollte, so dass meine Ma und ich nicht wie sonst am Centro Italia vorbeifuhren, sondern eben liefen. Grund genug, endlich mal wieder vorbeizugehen und meiner Ma vorzuführen, was es dort alles Köstliches gibt. 
Natürlich blieb es nicht beim Gucken und eine Packung Taralli musste mit. Jedes Mal wenn ich im Centro bin denke ich an die kulinarischen Freudenfeste bei meinem Ex-Schwiegervater (ich erwähnte ihn gerade neulich erst) und Taralli gehörten unweigerlich dazu, zum Antipasto oder sogar noch davor, wenn man seinen Magen langsam wieder darauf einstimmen wollte, demnächst Nahrung aufzunehmen… Zum Schluss unseres Rundgangs verschlug es mich noch kurz in die Weinabteilung. Ich gucke mir Weinabteilungen routinemäßig an und untersuche sie darauf, ob es denn Aglianico oder Fiano aus Avellino gibt. Das sind die beiden Rebsorten (eine rot, die andere weiß), die wir dort immer gewohnheitsmäßig getrunken haben und ich könnte schwören, dass der Fiano der beste Weißwein der Welt ist. Aglianico findet man in Berlin ab und zu, wenn auch meistens nicht direkt aus Avellino. Fiano habe ich hier noch nie im Laden (und auch nicht im Restaurant) gesehen. Umso erfreuter war ich, dass im Centro heute beides vorrätig war – und dann auch noch von Mastroberardino, dem Weingut, bei dem mein Ex-Schwager früher gearbeitet hat. 
Nun – Rotwein haben wir noch in rauhen Mengen da, aber der Fiano musste mit, trotz des stolzen Preises von 12,95 € pro Flasche, denn das ist er auf jeden Fall wert. So plante ich dann mein Abendessen um den Wein herum – wie es echte Kenner so machen *hust*. Es gab das selbstgemachte Dinkelbrot vom Mann mit verschiedenen Käsesorten (u.a. tollem Ziegenschnittkäse mit Bockshornklee aus seiner Heimat), Bärlauch, getrockneten Tomaten, Oliven und eben Taralli. Dazu ein gut gefülltes Glas Fiano und ich war im siebten Himmel. Die Rebe wächst fast nur in der Region Avellino, man gewinnt nur geringe Erträge und die Trauben haben auch noch wenig Saft. Deswegen ist er so selten. Lecker ist er umso mehr. Durch den Anbau in Haselnussplantagen sagt man ihm eine leichte Haselnussnote nach. Und nach Honig schmeckt er. Finden auch die Bienen, die gerne von den Trauben naschen, was dem Wein zu Zeiten der Römer den Namen Apiana einbrachte. Und ein wenig moussierend ist er auch, so heißt das doch, wenn ein wenig Kohlensäure drin ist, oder? Ihr merkt, mit Wein kenne ich mich (noch) nicht so gut aus – ich kaufe meist, was mir schon geschmeckt hat, womit ich ja bisher nicht schlecht fahre. 🙂
So viel Geld für eine einzelne Flasche Wein auszugeben, mag dem Einen oder Anderen Verschwendung erscheinen, aber ich habe heute auch etwas zu feiern. Ich habe nämlich noch viel mehr Geld ausgegeben und endlich den Kurs The Language of Food mit Rachel Roddy und Luisa Weiss im Juni in Sizilien gebucht. Eine Woche lang werde ich dort essen, trinken, kochen und schreiben lernen und mich mit anderen austauschen – hier habe ich schon einmal darüber geschrieben. Ich habe lange mit mir gerungen, so viel Geld auszugeben, bin aber schlussendlich meinem Bauchgefühl gefolt, unterstützt von allerlei positiven Schubsern vom Mann und aus dem Freundeskreis. Danke dafür! Ich weiß jetzt schon, dass mich diese Woche sehr glücklich machen wird!
Und weil dieser Blogpost mit meiner Ma begann, endet er auch mit ihr und dem Festmahl, dass sie uns am Ostermontag auftischte – so ein Foodie wird man ja nicht von alleine! (Nicht im Bild: Pizza mit Zucchini bzw. Salami)

Tagebuch-5 im April – Oster-Edition

Schon wieder der 5, schon wieder WMDEDGT bei Frau Brüllen. Und ich schon wieder dabei, natürlich. 🙂 Zwischen all den Osterberichten werde ich heute wohl ein wenig herausstechen, denn zum Einen verbringen wir den Ostersonntag dieses Jahr nicht mit der Familie (Karfreitag, Ostersamstag und Ostermontag hingegen schon), zum Anderen arbeite ich heute mal ganz klassisch einen Feiertagsdienst.

 

Dementsprechend klingelte der Wecker heute trotz Sonn- und Feiertag um 9 und ich schlich in die Küche, um mir dann unter lautem Gedröhn einen Smoothie zu mixen. Hinein kam, was wegmusste (Wildmangos, Bananen, Apfel, Orange), was gut tut (Ingwer, Curcuma und Matcha-Pulver) sowie was flüssig macht (Apfel-Birnen-Saft). Außerdem fütterte ich die Katzen und putzte mir die Zähne. Dann ging es auch schon an den Schreibtisch, dank tollen Wetters immerhin sonnenbeschienen und mit offener Balkontür.

Die Katzen sorgen immer wieder für putzige Unterhaltung zwischendurch. Entweder springen sie mir auf den Schoß oder direkt auf den Schreibtisch, oder sie legen sich einfach dekorativ hin und verlangen danach, fotografiert zu werden. Großraumbüro-Feeling für Zuhause, sozusagen. Als der Mann schließlich aufsteht, gibt es als zweiten Gang eine Schüssel Cornflakes mit Milch – hatten wir extra für unsere amerikanische Couchsurferin vom letzten Wochenende gekauft und der Blogpost von Leitmedium, bzw. mein Kommentar und sein Tweet dazu weckten nun meinen Appetit darauf – außerdem war das Brot verschimmelt und der Mann muss erst neues backen.

Ungefähr zur Hälfte des Arbeitstages passiert genau das, was man im Homeoffice am wenigsten will: Das Internet bricht zusammen – also, unser Anschluss daran. Nach einem hektischen Telefonat mit dem Provider (“Da können Sie jetzt gar nix machen, wir melden uns, wenn’s wieder geht”) und kurzem Überlegen muss ich mich wohl oder übel doch noch anziehen (*hüstel*). Zum Glück wohnt eine liebe Freundin nur eine Straße weiter und wir haben einen Schlüssel. Ich begebe mich also in ein Zweit-Homeoffice, mit Zweitkatze, und arbeite dort weiter. Glück gehabt!
Gerade als ich zu verhungern drohe kommen Freundin und Mann mit Kuchen herein. So gibt es doch noch ein kleines bisschen österliche Festlichkeit. Danach wird aber schnell weitergearbeitet, bis ich um 18 Uhr endlich Feierabend habe.

Wir verabschieden uns und kehren in unsere Internet-lose Wohnung zurück. Für ein Stündchen (oder zwei) setze ich mich an den Rechner des Mannes, um Monkey Island 2 zu spielen. Er benutzt derweil meinen Laptop und zockt Colonization. Ich stelle fest, dass es ein Fehler war, neulich den “leichten” Spielmodus zu wählen. Es geht viel zu schnell und viele Dinge, an die ich mich erinnere, fehlen. Muss ich wohl demnächst nochmal von vorn anfangen. Level 2 ist jedenfalls schnell durchgespielt.

Abends gibt es dann ein Gericht aus meiner Jugend: Pellkartoffeln und bunten Quark. Neben Kräutern aller Art gehören da noch hartgekochte Eier hinein und was eben so da ist – Tomate, Paprika, saure Gurken, Äpfel… Hauptsache bunt eben. In unserem Fall kommen heute Schnittlauch, Petersilie, Dill, Sauerampfer, Gurke, Tomate, Ei und Apfel hinein. Für Kartoffelportion 2 kommt Rollmops auf den Tisch, zum Nachtisch gibt es Schokohasen.

Über Pellkartoffeln können wir uns übrigens trefflich streiten. Von der Zubereitungsmethode über die erwünschte Konsistenz der zu essenden Kartoffeln bis hin zu den Dingen die dazugehören: Der Mann schwört auf den Schnellkochtopf. Die Kartoffeln haben danach so weich zu sein, dass man die mit der Gabel zerdrücken kann. Dazu gibt es eigentlich nur Kräuterquark (und zwar reicht da auch fertiger). Zumindest im letzten Punkt lässt er aber mit sich reden. 
Meine Pellkartoffeln werden hingegen normal in Wasser gekocht und sind dadurch weniger trocken. Sie sind härter, zerfallen nicht, wenn man sie mit der Gabel auf den Teller bugsiert und werden erst so richtig zerdrückbar, nachdem man die Butter, wahlweise das Leinöl, drüber getan hat. Man muss sie aber auch nicht zerdrücken, sondern kann sie auch ganz normal in Stücken essen. Außerdem gehört auf jeden Fall noch Salz dran, evtl. Pfeffer. Gekaufter Kräuterquark ist quasi ein Unding, der Quark wird frisch angerührt – egal ob jetzt mit Kräutern, Leinöl oder eben als bunter Quark. Zerdrückt werden die Kartoffeln nur, wenn es Sahnehering dazu gibt.
Wir werden da niemals auf einen Nenner kommen, fürchte ich. Vielleicht müssen wir eines der beiden Gerichte umbenennen…
Nach dem Essen folgt der Abwasch, danach geht es bei mit Monkey Island weiter – diesmal mit allen Schikanen, so wie früher.

Oster-Futter: Pizza con l’erba

Gestern galt es, etwas für unser Redaktions-Osterbrunch zuzubereiten und meine Wahl fiel auf eine Pizza con l’erba. Das Besondere daran ist, dass es sich um eine gefüllte Pizza, also so ähnlich wie eine Pastete oder eine Calzone handelt, und, dass sie vor allem mit Grünzeug (erba = Kräuter) gefüllt ist. Ich habe dieses typische irpinische Ostergericht bei meinem irpinischen Ex-Schwiegervater kennengelernt, der es uns oft zu Ostern, aber auf besonderen Wunsch auch zu allen anderen Jahreszeiten (dann aus den unerschöpflichen Weiten seiner Tiefkühltruhe) servierte. Traditionell wird es zu Karfreitag gegessen, wer möchte, kann also heute noch schnell die Zutaten besorgen und dann morgen mit etwas echt Italienischem glänzen 😉 (Irpinien ist übrigens die bergige Gegend rund um Avellino in der Region Kampanien und über das Essen meines Ex-Schwiegervaters sollte ich viel öfter bloggen – er ist der beste Koch und Bäcker, den ich je kennengelernt habe.)
Zutaten:
  • Pizzateig aus Hefe (in meinem Fall war er aus Zeitnot gekauft, dünn ausgerollt)
  • Grünzeug nach Wahl, z.B. Spinat, Endivie, Mangold, Cime di Rapa, Puntanelle sowie diverse Frühlingskräuter, z.B. Kerbel und Borretsch (In meinem Fall habe ich genommen, was ich kriegen konnte: Babyspinat, Endivie, Pak Choi, Bärlauch und eine Mischung aus frischen Kräutern für Grüne Sauce, die u.a. aus Kerbel, Borretsch, Estragon und Sauerampfer bestand)
  • Pinienkerne, Sultaninen, grüne Oliven und Anchovis (die Anchovis habe ich durch getrocknete Tomaten, Zwiebeln und etwas Salz ersetzt)
  • Pfeffer, Salz, Olivenöl und in meinem Fall Zitronenzesten

Zubereitung:
Mit der guten Hälfte des Pizzateigs eine Auflaufform auskleiden.
Grünzeug waschen, verlesen und ggf. klein schneiden.
Grünzeug in Olivenöl anbraten und würzen.

Toppings dazugeben und vermischen.

In die Form füllen (sie kann ruhig voll werden, hat bei mir nicht ganz geklappt).
Pizza mit dem Rest Teig zudecken, mit einer Gabel einstechen. Aus etwaigen Teigresten österliche Deko formen (der Beitrag des Mannes) und mit Olivenöl bepinseln.

Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad eine halbe Stunde backen (Je nach Ofen, bei mir waren 25 Minuten schon fast zuviel, aber ganz so dunkel wie auf dem Foto ist die Pizza zum Glück nicht.)

Warm oder kalt servieren – Buon Appetito e Buona Pasqua!

Sonnenfinsternis 1999

In diesen Tagen denke ich oft zurück an den Sommer 1999, die Sonnenfinsternis und an dieses Bild:

Damals war ich mit meiner besten Freundin (in der Mitte, mit dem roten Rucksack) in England auf Sprachreise. Mit drei der anderen bin ich noch bei Facebook befreundet, wir haben uns nach der Reise noch einmal getroffen. Mit einer und mit dem Jungen hatte ich keinen Kontakt mehr.
Damals konnte man die Brillen überall kaufen und wenige hatten ein Handy dabei. Heute gibt es kaum Brillen und ich werde mit dem Smartphone-Display mal einen Blick riskieren.

Zum Frauentag denke ich an…

Am Frauentag denke ich immer zu allererst an meine Oma A., die für mich so ein bisschen den Geist dieses Frauenkampftages symbolisiert und diesen auch immer sehr ernsthaft beging. Sie wurde 1928 in eine kommunistisch geprägte Arbeiterfamilie hineingeboren. Nach der 8. Klasse ging sie von der Schule ab, um ganz klassisch auf einem Gut in der Landwirtschaft zu arbeiten, auf die Kinder aufzupassen und so weiter. Eine weitere Ausbildung hätte sich die Familie nicht leisten können.

Nach dem Krieg kam dann die Möglichkeit an einer Arbeiter- und Bauernfakultät das Abitur nachzuholen und auf Bestreben meines Uropas hin tat sie genau das. Danach studierte sie und lernte in dieser Zeit meinen Opa kennen. Kurz danach wurde geheiratet und ein Jahr später kam mein Papa, das erste von drei Kindern, zur Welt. Da Oma und Opa zu diesem Zeitpunkt an zwei verschiedenen Orten studierten wuchs er die ersten Jahre bei seinen Großeltern mütterlicherseits auf.

Irgendwann war das Studium vorbei, die Familie zog zusammen und wurde größer und Oma wurde schlussendlich Hochschullehrerin. In dieser Tätigkeit lernte sie viele internationale Studenten kennen, die bei ihnen zuhause ein und aus gingen, und fuhr sogar ins nicht-sozialistische Ausland, nach Finnland. Neben ihrer Arbeit kümmerte sich Oma um den kompletten Haushalt und die Kinder und tippte spätabends noch wissenschaftliche Arbeiten für meinen Opa auf der Schreibmaschine ab. (So viel zum Thema Gleichberechtigung in der DDR…) Oma war auch diejenige der beiden, die den Führerschein machte (am Tag als mein Bruder als ihr erstes Enkelkind geboren wurde) und sie von nun an durch die Gegend kutschierte.

Und trotz all der Arbeit, die sie erledigte und meinem Opa damit abnahm – für uns als Enkel war klar, wer in dieser Ehe die Hosen anhatte. 😉 Nachdem mein Opa gestorben war, zog Oma an den Ort zurück, an dem sie am glücklichsten gewesen war. Sie spazierte jeden Tag umher, traf Freunde und Bekannte, trank ihren Espresso mit Blick auf den Strand, las täglich zwei Zeitungen, sah Nachrichten und Polit-Talkshows, ging ins Theater, empfing ihre Kinder und Enkel, versorgte sich größtenteils selbst und unternahm verschiedene Reisen, für die Opa nicht fit genug gewesen wäre, bzw. die er sich nicht zugetraut hätte. Bis dann auch ihre Gesundheit nachließ. Als ihr eine Krankheit nach und nach erst das Rauchen, dann das Reden und die Selbständigkeit nahm, wählte sie ihr Ende selbstbestimmt und stark wie eh und je.

Noch vor drei Jahren hätte ich sie heute angerufen oder mit einer roten Nelke in der Hand besucht – heut bleibt mir nur dieser Text.

Alles Gute zum Frauentag, prost Oma!

Vieles im Kopf und nichts will raus

In den letzten Tagen war mein Blog oft und viel Thema, nicht bei Euch im Internet, sondern hier bei mir zuhause und in der Kommunikation mit Freunden. Ständig fange ich im Kopf Einträge an, die ich dann aber doch nicht schreibe. Es gibt so viele kleine Fitzeligkeiten, über die ich gerne schreiben würde, aber wie ein rundes Etwas fühlt es sich nicht an und so schreibe ich dann besser gar nicht. Muss ja aber auch nicht so sein, denke ich mir. Man kann ja auch schön hin und her mäandern, so macht das zum Beispiel Miz Kitty ja auch gerne. Dann mal los damit.

Zum Einen möchte ich Euch nochmal ganz ausdrücklich auf zwei reisebloggende Freundinnen von mir hinweisen. Susanne (derzeit in Vancouver) schreibt darüber, was Reisen mit einem macht. Mich machen ihre Texte auf jeden Fall immer reisefreudig – und ein bisschen neidisch, weil sie wirklich toll schreibt. Mutzelchen ist seit ein paar Tagen alleine mit ihrem Fahrrad in Südfrankreich unterwegs und schreibt und dichtet über ihre Erlebnisse mit Fahrradfeinden, Couchsurfing-Gastgebern und widrigen Winden. Sie kenne ich übrigens schon seit der 5. Klasse (man traut es sich kaum, das zu schreiben, aber es ist tatsächlich fast 21 Jahre her).

Kurz darauf, in der 6. Klasse und zwar genau jetzt Anfang März, habe ich mich übrigens selbst zum Kelly-Fan gemacht, irgendwie. Ich war bei einer Klassenkameradin und mir fiel ein Video der Kellys auf und da mir die Band grundsätzlich sympathisch war, ich aber kaum etwas von ihnen kannte, bat ich sie, das Video einzulegen. Ab diesem Tag hab ich es rauf und runter gesehen und alles was danach und davor kam natürlich auch. Obwohl ich dieser Jungendliebe heute nur noch ab und zu fröhne (ja, tue ich, immernoch, manchmal!), muss es Anfang März immer irgendwie sein. So auch heute, als ich den Vormittag mit demselben Video – inzwischen aber auf Youtube – verbrachte und es mich irgendwie noch genauso gekriegt hat wie damals. Es ist nicht die Musik, es ist das Gesamtkunstwerk, möchte ich anmerken 😉

Susanne kenne ich aus meiner Rostock-Zeit und da direkt seit dem ersten Semester. An Rostock musste ich am Mittwoch ganz stark denken, als ich auf dem Weg zum Hausarzt durch die Dunckerstraße mit ihren bunten Häusern lief. Der Himmel war blau, die Sonne schien und ein leichtes Lüftchen wehte. Ich fühlte mich direkt in die KTV versetzt und wurde extrem nostalgisch. Spontan fand ich es unerträglich, dass ich nicht einfach noch zehn Minuten bis zum Stadthafen weiterlaufen konnte und dass Berlin eben leider nicht am Meer liegt. Die sofortigen Umzugspläne an die Ostsee sind dann aber doch im Sande verlaufen, als ich an der Danziger ankam und dort dann zum Beispiel den neapolitanischen Pizzaladen sah, in dem wir neulich waren. So etwas gibt es in Rostock nun mal nicht. Trotzdem muss ich ganz bald wieder da hochfahren, aber eben nur zu Besuch.

Eine dritte Nostalgiewelle erreichte mich dann heute Abend, als ich nach einem Essen im Atame noch ein wenig um den Hackeschen Markt spazierte, wo ich früher immer meine Mittagspausen verbrachte. Hachseufz. Und dann gibt es da inzwischen wieder einen Bubble Tea-Laden, und zwar einen richtig guten und auch gut besuchten. Laut Foursquare-Bewertungen ist das Comebuy sehr authentisch taiwanesisch und ich bin guter Hoffnung, dass es sich eine Weile halten wird. An mir soll es nicht liegen, mein Triple Q Maracuja-Tee mit Ananas-Kokos-Gelee, Litschi-Gelee und Tapioka-Perlen war ohne Witz der beste Bubble Tea, den ich je getrunken habe.

So, da habe ich ganz schön was vor mich hin mäandert. Morgen treffen wir uns übrigens zum Wochenausklang noch mit dem Frühen Vogerl, seinen Eltern und dem Schurkenbeardie und dann beginnt nach einer Woche Erkältungsausfall wieder einmal der sogenannte “Ernst des Lebens”. Ernst war heute sogar im Fernsehen. So long!