03.07.2026 – Venezianischer Freitag

Der Tag beginnt als klassischer Rumlümmel-Homeoffice-Freitag. Keine morgendliche Hektik, sondern Frühstück auf dem Balkon und dann entspannt rüber an den Schreibtisch.

Matcha Latte (ohne Iced), Müsli mit Apfel, Brot mit Ziegenkäse, Brot mit Erdnussbutter und Honig, Melone

Am Schreibtisch die üblichen täglichen Dinge, dann ein Call mit Franken, weiterer Kleinkram und dann ein Webinar zu einem Thema, das zum gestrigen Termin passt. Und schon ist wieder Mittagszeit. Es gibt nochmal Brot, diesmal mit Butter, Sardellen, Tomaten und Oregano – irgendwo zwischen Mr. Beans Mittagspause, spanischem Restaurant und sizilianischem Würzverhalten, aber lecker! Dazu eine Mate, denn so richtig wach bin ich nach den Temperaturen der letzten Wochen immer noch nicht.

Den Nachmittag verbringe ich mit beruflichem Recherchieren, Formulieren und Übersetzen – schon ganz schön, diese Momente immer mal wieder. Die englische Übersetzung mache ich selbst, die spanische macht die KI und wird zur Kontrolle nach Mexico geschickt, so viel Zeit muss (noch) sein.

Zum Feierabend versuche ich ein kurzes Schläfchen, aber Noosa legt sich direkt neben mein Gesicht und „Der Atem meiner Katze riecht nach Katzenfutter.“ (Wer kennt das Zitat?), also bleibe ich wach. Muss ja auch bald los! Aber vorher noch in Schale werfen.

Eine Kollegin hat anlässlich ihres Geburtstags zur venezianischen Nacht nach Wilmersdorf geladen. Die Maske und das Mitbringsel habe ich gestern besorgt, beides wandert aber erstmal in den Känguru-Beutel. Dit is zwar Balin, aber ganz alleine fahre ich nicht maskiert mit zwei S-Bahnen in den Westen!

Dort angekommen wird die Maske dann aber aufgesetzt und sowohl vom Geburtstagskind als auch deren Kind gefeiert. Das Kind muss direkt auf meinen Arm und erstmal ne halbe Stunde mit den Federn spielen. Dazu gibt es Bellini und Gegrilltes, während nach und nach immer mehr maskierte und kostümierte Menschen eintrudeln.

Da die Kollegin so großartig ist, überrascht es mich nicht, dass auch die anderen Gäst*innen großartig sind, nicht nur die anderen drei anwesenden Kolleg*innen. Gespräche drehen sich um so prosaisches wie den Berliner Arbeitsmarkt, das Wetter und die KI aber eben auch um „höhere“ Themen, die praktische Umsetzung philosophischer Gedankenexperimente und die Verknüpfung von Shakespeare und Furzwitzen in Letterkenny. Als es dunkel wird, wechseln wir aus dem grünen Innenhof hoch in die Wohnung, die ebenfalls jede Menge venezianische Elemente enthält.

Das Kindelein wird zu Bett gebracht, die Erwachsenen drängen sich um Buffet und Getränke. Ich tausche meine Maske wieder gegen meine Brille und gegen halb 11 läute ich langsam meinen Rückzug ein, nicht ohne noch einen Limoncello aufgedrängt zu bekommen. Gegen 23 Uhr geht es dann wirklich los, den Rückweg bestreite ich mit zwei U-Bahnen und der Straßenbahn. Mitternacht krieche ich in die Federn, Noosa neben mir, und stelle mir für morgen einen frühen Wecker – unverschämt früh für ein reguläres Wochenende, aber immerhin deutlich später als der heute in einer Woche!