Blogger für Flüchtlinge – Unbeholfen helfen im #LaGeSo

Am Mittwoch habe ich endlich einmal ganz konkret und nicht nur mit Worten (oder dem Button und Link rechts an der Seite) den Refugees geholfen. Trotzdem tue ich mich schwer damit, hier darüber zu schreiben, denn ich habe nicht das Gefühl, genug getan zu haben, nicht einmal für die kurze Zeit, die ich vor Ort am LaGeSo war. Allerdings finde ich es wichtig, auch davon zu erzählen, schon alleine um andere zu inspirieren. Und nur weil mein erster Versuch nur so halb befriedigend war, muss das ja nicht heißen, dass es der letzte bleibt.

Mein Einsatz war das Ergebnis einer Aktion meines Arbeitgebers. Wir bekamen ein Kontingent an „Mannstunden“, wie es im deutschen Business-Leben heißt, dass wir darauf verwenden konnten, helfen zu gehen. Die Aktion selbst ist freiwillig, aber da sich sofort so viele Kollegen meldeten, blieben für jeden einzelnen zunächst nur zwei Stunden übrig – ob es nochmal ein zusätzliches Kontingent gibt, wird sich zeigen. Ich legte mir meine zwei Stunden ans Ende des Arbeitstags, um flexibel zu sein und gegebenenfalls länger bleiben zu können. Wir wurden zentral angemeldet und mir wurde gesagt, ich wäre zur Essensausgabe eingeteilt.

Als ich dann vor Ort ankam (und erst einmal das Haus R, in dem der Verein Moabit hilft und die anderen Helfer agieren, finden musste), stellte ich dann schnell fest, dass unsere firmeninterne Organisation und die der Situation vor Ort wenig kompatibel waren. Denn natürlich richtet sich der Bedarf an Helfern nicht unbedingt an den Möglichkeiten und Vorlieben eines Wirtschaftsunternehmens aus. Obschon ich zur verabredeten Zeit vor Ort war, war die nachmittägliche Essensausgabe gerade beendet und die für das Abendbrot sollte erst beginnen, wenn meine Schicht endete. So gab es gerade keine größeren Aufgaben und die Helfer vor Ort ruhten sich eigentlich gerade ein wenig aus, tauschten sich aus und tranken einen Kaffee oder rauchten eine Zigarette. Erst nach mehreren Anläufen fand ich jemanden, der mich ein wenig herumführte, mir alles erklärte und mir zeigte wo ich mich registrieren sollte. Aber zu tun gäbe es im Moment wirklich nichts für mich. Ich sollte mich einfach bereithalten und auf einen „Helfer“-Ruf warten.

So klebte ich mir also einen Zettel mit meinem Namen an und stand dann eine ganze Zeit lang einfach nur herum und beobachtete das Geschehen, hörte den Helfern zu und sah, wie die Schlange an Refugees, die nach warmer Kleidung anstanden immer kürzer wurde. Diese wenigen Personen konnten von den bereits involvierten Helfern gut „abgefertigt“ werden, die sich ja vor allem auch schon besser auskannten als ich. Dann endlich kam mein erster kurzer Einsatz, als zwei Leute mit einem Auto voller Kleidungsspenden auftauchten, das wir ausladen konnten. Ich hoffte, nun vielleicht mit sortieren zu können, aber da kamen mir schon andere Helfer zuvor. Erstaunt beobachtete ich, wie schnell ein gerade angenommener Koffer schon wieder den Weg zu den Refugees fand. Auch ein Kinderwagen wurde aufgepumpt und abgegeben, sowie Spielzeug an die vielen wartenden Kinder verteilt.

Ich kam mit einem der anderen Helfer ins Gespräch, der mich ermunterte, nicht abzuwarten, bis mich jemand konkret ansprach, sondern ganz aktiv sofort anzupacken, wenn mir etwas zum Anpacken auffiele. Ich blieb dennoch zögerlich, denn zum Einen war das ganze eine gut geölte Maschine, bei der jeder Handgriff zu sitzen schien, zum Anderen schienen viele der Helfer längst mit der Materie vertraut und unermüdlich, so dass ich das Gefühl hatte, meine Hilfe eher aufzudrängen. Als dann aber endlich der Ruf zur Vorbereitung der Essensausgabe kam, witterte ich meine Chance und machte mich mit einer Gruppe Helfer auf zum Essenszelt. Hier wurde uns erklärt, auch welchen Wegen die Refugees durchs Zelt gelotst würden. Sobald wir das Zelt betreten hatten, begann sich draußen eine Schlange zu bilden. Es sollte noch sehr sehr lange dauern, bis das Essen ankam. In der Zwischenzeit füllten wir unzählige Bubble Tea-Becher mit Wasser und teilten uns auf die verschiedenen Stationen auf. Und warteten und warteten. Draußen wurde der Andrang immer größer und immer wieder schauten Kinder zu uns herein und lachten. Ich unterhielt mich kurz mit einem Syrer aus der Nähe vom Homs, der in Moskau studiert hatte, jetzt mit seiner Familie nach Deutschland gekommen war und es sehr schade fand, dass ich kein Russisch konnte. Er erzählte mir, dass er die letzte Nacht auf der Straße geschlafen hatte und das wohl auch diese Nacht wieder tun würde und dass es schon sehr kalt, aber machbar sei.

Dann kam das Essen endlich. Es wird vom Freunde der Jugend und Familie e.V. zubereitet und zum LaGeSo gebracht. An diesem Abend gab es Reis mit Gemüse und Gulasch. Ca. 1300 Portionen wurden in kürzester Zeit an die Refugees verteilt – jeden Tag werden es mehr Portionen, was gut ist, denn auch die 1300 Portionen reichten nicht aus, um alle satt zu machen. Verständlicherweise kam es dadurch natürlich auch zu Unmut, gerade wenn Leute Essen für andere Familienmitglieder mitnehmen wollten, oder wegen großen Hungers nach einer zweiten Portion fragten. Die anderen Helfer erzählen, dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, dass Refugees bei der Ausgabe leer ausgehen.

Nach dem Ende der Essensausgabe wurde das Zelt aufgeräumt und ich machte mich auf den Heimweg, vorbei an vielen Refugees, die sich vor den Toren des LaGeSo auf eine lange Nacht einstellten, vorbei an Müll, der herumlag und vorbei an älteren Berlinerinnen, die sich über den Dreck aufregten. Ich ließ meine Erfahrungen Revue passieren. Zum Beispiel war ich erstaunt darüber, wie viele der Helfer selbst kein Deutsch konnten, aber Arabisch oder Farsi sprachen. Eine Helferin war vollverschleiert, aber ansonsten überhaupt nicht klischeehaft – sie alberte mit männlichen Helfern herum und rangelte in einer Pause spielerisch mit einem der Anderen. Ich wunderte mich auch darüber, welch gute Laune im Allgemeinen vorgeherrscht hatte, trotz der unzumutbaren Bedingungen vor Ort. Gleichzeitig war es ernüchternd, zu sehen wie kaltherzig man manchmal sein musste, um sicherzustellen, dass möglichst gerecht verteilt würde.

Mir wurde auch klar, wie schwer es ist, eine Organisation von lauter Freiwilligen am Laufen zu halten und dabei halbwegs strukturiert zu arbeiten. Zum Beispiel hat die Essensausgabe ein ausgeklügeltes System, das aber mal mehr, mal weniger gut umgesetzt wird, je nachdem, ob die anwesenden Helfer das System bereits kennen, oder vielleicht gerade zum ersten Mal da sind. Ich lernte, dass es bessere Zeiten gibt, als den späten Nachmittag, um helfen zu gehen – gerade morgens, tagsüber und später am Abend ist deutlich mehr zu tun. Und ich weiß jetzt, dass ich beim nächsten Mal nicht mehr wie gelähmt dumm herumstehen werde, sondern mir meine Arbeit suchen werde.

Wenn Ihr auch helfen wollt, schaut Euch auf den Seiten von Moabit hilft und den anderen Organisationen um, das Internet ist voll von Möglichkeiten, einen Beitrag zu leisten. Am komfortabelsten ist natürlich eine Spende, denn das Geld wird definitiv immer und überall gebraucht und ermöglicht die Hilfe überhaupt erst. Blogger für Flüchtlinge hat dafür zum Beispiel eine Spendenseite bei Betterplace eingerichtet:

13 Dinge, die ich diese Woche zum ersten Mal gemacht habe…

…Nummer 7 wird Euch von den Socken hauen 😉

Um wieder in einen regelmäßigen Blog-Rhythmus zu kommen, behelfe ich mich manchmal des Listen-Tricks – mal sehen, ob es auch diesmal klappt. Diese Woche habe ich zum ersten Mal

  1. eine Dienstreise kurz vor Abfahrt abgeblasen und bin abends mit Rollkoffer wieder nach Hause gefahren
  2. seit langem mal wieder die Arbeit mit nach Hause genommen (sowohl im Kopf als auch tatsächlich gearbeitet)
  3. seit langem mal wieder eine Pressemitteilung verfasst
  4. mit Leuten von Presseagenturen und Radiosendern telefoniert, für die ich nicht arbeite
  5. vor dem Büro einen Gratis-Kaffee von einem Start-up bekommen, das Leute rekrutieren möchte
  6. mehr Zeit in Meetings verbracht, als am Rechner
  7. einen Doppelgänger von einem Menschen gesehen, mit dem ich Tisch und Bett teile und gruselig lange dafür gebraucht mich zu entscheiden, ob das nun Original oder falscher Hase ist
  8. selbst Birnensaft hergestellt
  9. seit langem mal wieder eine Folge Downton Abbey gesehen
  10. unseren selbstgemachten Kirschwein probiert und für unglaublich gut befunden
  11. seit langem mal wieder Kürbissuppe gegessen (Hallo, Herbst!)
  12. das Restaurant Lao Xiang bei uns um die Ecke ausprobiert und dort neben altbekannten Favoriten wie Morcheln und Pak Choi auch Krabben direkt aus der Schale gekostet
  13. Shiso Burger einen Besuch abgestattet und dort köstlichen Lemon Chili Burger gegessen und Lychee Limo getrunken

Übrigens: Woanders habe ich diese Woche schon gebloggt, nämlich bei SEb über Shepherd’s Pie.

Nothing to write home about…

…aber immerhin waren wir am Wochenende in Magdeburg auf einer Hochzeit, was sehr schön war, und dann noch auf einem Refugees Welcome-Fest und einem Piratenfest. Dieses fand in einem katholischen Gemeindezentrum statt und die Dekoration dort ließ mich dann doch etwas ratlos zurück… 

(Regelmäßige Blog-Beiträge beginnen in naher Zukunft wieder…)

#12v12 – Homeoffice-Edition

Ab und zu sagen Menschen, dass sie Blogs so spannend finden, weil sie einen Einblick in das Leben fremder Leute bieten. Ich hoffe das stimmt, denn passiert ist heute nichts Spannendes. Da aber der 12. ist, bekommt Ihr natürlich trotzdem eine Zusammenfassung meines langweiligen Zuhause-Sonnabends. Hier sind meine #12v12 – die anderen gibt es wie immer hier.

Frühstück mit Haferflocken, Kokosraspel, Blaubeeren, Weintrauben und Pflaumen.
Zu trinken gibt es Jasmintee
Hoodie an und ran an den Schreibtisch
Man könnte mal die Fenster putzen. Könnte…
Noosa schläft auf meiner Maushand
Mit Zuschauern arbeitet es sich schneller
Feierabend, Wäsche abnehmen
Gilmore Guys Podcast hören
Abendbrot 
Mal wieder Fruit Ninja spielen
Nimbin ist meine Wärmflasche
Mein Ausblick heute Abend 

Neues Blog-Zuhause

Ich habe nun endlich den Schritt gewagt und bin mit dem Blog von Blogger zu WordPress umgezogen. Sieht alles noch ein wenig ungewohnt aus und hakt bestimmt noch an der einen oder anderen Stelle. Aber ich hoffe, wir leben uns alle schnell ein hier…

Tagebuch-5 im September – Erkältungsedition

Es ist schon wieder der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: WMDEDGT?

Ich erwache kurz vor 9 und checke mich erstmal kurz durch: Der Rücken tut weh, ich muss wohl merkwürdig gelegen haben. Außerdem lässt mich ein Traum nicht so recht los, den ich eben hatte. Ich bin mit meinen Eltern verabredet, wir wollen zu einem Konzert, aber gerade als ich den Laptop zuklappen will, sehe ich, dass noch Arbeit hereingekommen ist. Und zwar komplizierte, zu kompliziert, um pünktlich loszukommen, zumal die Technik streikt. Meine eine Hälfte ist wach und hat Rückenschmerzen, die andere will noch schnell zu Ende träumen und das Problem lösen, damit es mich nicht den ganzen Tag lang verfolgt. Die wache Hälfte zwingt die andere, einzusehen, dass das nur ein Traum ist und aufwachen keine schlimmen Konsequenzen hat. Also außer die Rückenschmerzen. Oh und Halsschmerzen. Oh und immer noch eine verstopfte Nase samt dickem Kopf. Hmpf. Nach drei Tagen im Bett sollte das jetzt langsam mal ausgestanden sein, finde ich. Ich habe doch so vieles vor!

Die Benutzeroberfläche der Wohnung braucht dringend eine Generalüberholung, alle Haushaltssysteme warten auf einen Reboot. Außerdem möchte ich kochen und backen und mir schöne Sizilien-Erinnerungen zubereiten. Und schließlich Montag wieder fit sein, es warten Arbeit, Blogprojekte, Essensprojekte und unser Vorhaben, unser Gästezimmer für geflüchtete Menschen zur Verfügung zu stellen. Mit Rotzeschädel mag ich mir all das nicht zumuten. Die Aufgabe für heute wird also sein, aktiv weiter zu gesunden. Aber erst, wenn der Hase auch wach ist, der soll davon nicht gestört werden. Ich kuschele mich also nochmal mit meinem Buch ins Bett: Freitags isst man Fisch von Bohnet Pleitgen, nur unterbrochen von gelegentlichem Naseschnauben und Husten. 
Gegen 10 ist man sich in Katzenkreisen einig, das nun Frühstückszeit sei und ich unterbreche meine Lektüre, um eine halbe Dose „Rind und Lamm“ auf die Näpfe zu verteilen und mir eine Lutschtablette zu genehmigen. Kurz danach wacht der Hase auf und macht Frühstück (Rührei, Grapefruit, selbstgebackenes Brot, Ingwertee), während ich das Buch schnell zuende lese. Beim Frühstück hören wir Radio und beobachten die Katzen beim Herumtoben. Danach widme ich mich der Küche und wasche ganze drei Ladungen ab. Dabei höre ich eine Folge Gilmore Guys. Hinterher bin ich rechtschaffen kaputt und ziehe mich mit Pia Ziefles Suna wieder ins Bett zurück. Während ich so liege und lese, ruft eine liebe Freundin an und erzählt, dass sie sich verlobt hat. Leider ist ihr Akku bald alle, so dass wir nur kurz reden. Ich berichte dem Hasen und wir freuen uns sehr.
Auf Seite 38 schlafe ich ein. Als ich nach einer guten Stunde wieder erwache geht es mir eher schlechter als vorher, so dass ich vorerst Tee trinkend im Bett bleibe, weiter lese und zwischendurch den Herbststurm da draußen beobachte. Typisch, dass ich krank werde, wenn der Sommer vorbei ist. (Liegt aber vor allem am Stress und Schlafmangel der vergangenen Wochen und war eigentlich schon lange abzusehen.)
Bei Seite 134 bekomme ich Hunger und mache mir die Reste von gestern Abend warm, es gibt Reisnudeln mit Möhren, Zucchini, Ingwer, Knoblauch und Kokosmilch. Der Hase hat keinen Hunger, die Erklärung liefern eine leere Chipstüte und Schokoladenpapier. Er ist mit Fernsehen, Computerspielen und Mieze streicheln komplett ausgelastet. Der Kater hat das Zweitsofa ganz für sich alleine und schläft. Ich sichere mir schnell ein paar Stücken Schokolade (Plantagenschokolade von Rausch, mit 75, 70, 47 und 43 Prozent Kakao) und kehre zurück zu meinem Buch, während es draußen weiter regnet.
Kurz nach halb 8 habe ich Suna ausgelesen – das zweite Buch heute – und geselle mich zum Hasen und den Miezen aufs Sofa. Wir wollen Filme schauen und einigen uns zunächst auf Pretty in Pink – eine Premiere für den Hasen. Dazu gibt es für ihn Omelette und für mich die Reste des chinesischen „Gurke mit Knoblauch“ von gestern Abend und zum Nachtisch selbst gemachten Apfelmus aus den Äpfeln vom Baum unten im Hof. Wir beschließen den Abend stilecht mit Clueless – vielleicht ist ja dann morgen eine Teeniekomödie mit verrückten Outfits aus den Nuller Jahren dran 😉

Umzugskater

Gestern und heute helfen wir einer Freundin beim Umzug von Berlin nach Süddeutschland und ja, das ist so anstrengend, wie es klingt. Aber nicht nur.

Denn zwischen dem Wohnung-leer-machen und dem andere-Wohnung-voll-machen lagen in unserem Fall gestern (mit Pausen) neun Stunden Autofahrt. Und ja, auch das war anstrengend, viel zu lang und kräftezehrend. Aber ich hatte dabei einen kleinen Vorteil: Meine Aufgabe war der Kater.

Und was soll ich sagen: So etwas habe ich noch nie erlebt. Wo unsere Miezen einen riesigen Terz machen würden, unsere Arme und Beine mit Kratzern verzieren und wahrscheinlich zwischendurch ausbüchsen würden, ließ sich dieser Kater relativ unspektakulär in die Transportbox verfrachten, kletterte dann im Auto anstandslos wieder raus und stand, lag oder saß dann neun Stunden lang tiefenentspannt auf einer Decke auf meinem Schoß. Nur die Pausen, die fand er doof und beängstigend, da verkroch er sich gerne zu den Pedalen oder hinten ins vollgepackte Auto. Aber Autobahnfahren? Voll gechillt, ey!

Und mal ehrlich: In welcher Situation hat man sonst schonmal neun Stunden lang ne Katze aufm Schoß und muss nichts anderes tun, als Streicheln und Genießen? Am liebsten würde ich ihn für den Rückweg nachher wieder mitnehmen!

16 Kuchen, frische Landluft und angenehmste Gesellschaft

Dieses Wochenende verbrachte ich mal wieder in der brandenburgischen Provinz, um mit der Familie den 60. Geburtstag meiner Tante zu feiern. Nun mag man von der brandenburgischen Provinz halten, was man will, landschaftlich ist es dort wunderschön und besonders der tant’sche Garten hat es mir von jeher angetan. Im hintersten Eckchen, am Teich neben der Sauna neben der Mühle, wo man den Blick über unbebaute Felder schweifen lassen kann, dort verbachte ich die meiste Zeit, entweder gepflegt herumlungernd und quatschend, mit den Füßen im kühlen Teich über die Welt sinnierend, bei harten Tischtennis-Matches mit Cousins, Cousinen und Anhängen oder aber essend. Natürlich.
Holländermühle, Reste davon
Direkt nach unserer Ankunft wurde sich darüber unterhalten, wieviel Essen da wäre (Juhu!) und dass ja niemals schaffbar sei (stimmt) und 16 Sorten Kuchen und Torten ja niemand essen könne (stimmt nicht). Ich habe mich meinen Pflichten als Foodistin und Bloggerin gestellt und mich durch sämtliche Sorten süßen Backwerks hindurch gekostet – zwei mal fünf zum Kaffeetrinken, weitere fünf zum Frühstück am Sonntag und eine schließlich am Sonntagabend zurück in Berlin. (Ich hatte die 16. Sorte vergebens gesucht, bis sie in meinem Fresspaket auftauchte…) 
Mein Ehrgeiz wurde bewundert/belächelt, die Erfolgswahrscheinlichkeit angezweifelt und die Verträglichkeit all des Kuchens in Frage gestellt. Ich ließ mich davon natürlich nicht abhalten und kann Euch so stolz präsentieren, was aufgetafelt wurde:
Donauwelle, Pfirsichkuchen, gefüllter Streuselkuchen, Apfelkuchen mit Streuseln und Pflaumenkuchen mit Streuseln
Baiser-Torte mit Himbeercreme, Mohnkuchen, Kirschkuchen mit Streuseln, gefüllter Bienenstich und Quarkkuchen

Baiser-Torte mit Schokoladencreme, Russischer Zupfkuchen, Tiramisu-Torte und Mandarinenkuchen

Schwarzwälder Kirschtorte

Streuselkuchen ohne Extras

Vielleicht war es der ganze Zucker, der mich beim Tischtennisspielen so eine gute Figur machen ließ. Oder das Tischtennisspielen und die frische Luft, die mir erlaubten, auch am Abendbrot essen erfolgreich teilzunehmen. Auf jeden Fall tat es sehr gut, zwei komplette Tage weitestgehend draußen zu verbringen. Danke danke, gerne wieder, jederzeit!

Sonnensegel-Konglomerat, Teich, Sauna, Tischtennisplatte und Mühle

Du denkst immer nur an (neues) Essen!

Am Wochenende hatte ich Besuch von einer lieben Freundin und als wir darüber nachdachten, was wir am Sonntag denn so machen könnten, waren meine Vorschläge zwei bereits erprobte Volltreffer: Pies essen bei Oma Marnie’s und Burger essen bei Marienburger. Stattdessen waren wir selbstgemachtes Vanille-Eis mit in Honig gerösteten Erdnüssen und Karamell essen, bei einem Nachbarn. Ansonsten habe ich mit ihr am Wochenende aber „immerhin“ noch das Osmans Töchter und das Massai neu ausprobiert und war mit beidem sehr zufrieden (wobei das Massai recht teuer ist, aber kann man schon mal machen), achja und im Hokey Pokey und im Eis und Heiß waren wir natürlich auch. „Du denkst immer nur ans Essen!“ hat sie gesagt. Aber so richtig beschwert hat sie sich auch nicht. 😉

Gestern ist mir dann aufgefallen, dass sie durchaus Recht hatte. Aus Gründen hatte ich zweimal kurz Zeit in der Stadt totzuschlagen und meine Default-Idee, wie ich das hätte tun können, war: Neues Essen ausprobieren. Dummerweise war die Zeit totzuschlagen, bevor ich zu einer Essensverabredung gehen konnte, vorher noch was Anderes essen wäre also einigermaßen kontraproduktiv gewesen. Ich löste das Problem im ersten Fall mit einem leckeren Kaffee im Stammcafé, im zweiten Fall spazierte ich zu einem Laden, von dessen Milchbrötchen @leitmedium in den letzten Tagen immer so schwärmt. Die hätte ich dann für später oder heute gekauft. Leider waren keine mehr da…

Nunja, die Gelegenheit für neues Essen kommt diese Woche in jedem Fall noch, denn für morgen Abend steht bereits ein Geburtstagsessen im The Bowl an. Und meine Essensverabredung gestern war im Chay Village, einem vegetarischen vietnamesischen Restaurant, wo ich zum ersten Mal Dumplings aus Reismehl und dunkle Reisnudeln gegessen habe. Es läuft also mit dem Neuen (evtl. sollte ich hier einmal die Woche niederschreiben und dokumentieren, was ich alles Neues gegessen habe.

Immer mal was Neues ist jedenfalls gut, deswegen habe ich dem Blog auch mal wieder ein neues Layout verpasst und ja, die Farbe des Headers, das ist Mangogelb!

Weißensee

Wir wohnen hier ja quasi direkt an der Grenze zu Weißensee. Am Anfang war mir immer noch wichtig, zu sagen, dass das hier „aber schon noch Prenzlauer Berg“ ist. Da fand ich es auch äußerst merkwürdig, außerhalb des S-Bahn-Rings zu ziehen und meine Wohnlage in der Mitte von Mitte aufzugeben. Was mich emotional ein wenig damit versöhnt hat, war zum Einen, dass wir jetzt nur fünf Gehminuten von der Straße entfernt wohnen, in der ich die ersten Wochen meines Lebens verbracht habe – der Kindergarten meines großen Bruders ist auch nicht weit – und zum Anderen natürlich die tolle Wohnung: Groß, riesiger Balkon, Blick auf einen grünen Innenhof mit Obstbäumen und eben bauhausig bunt und Weltkulturerbe. Kann man schon machen. Aber das ist gar nicht so weit ab vom Schuss, das ist nämlich noch Prenzlauer Berg!

Katze in einer kleinstädtisch-dörflichen Straße in Weißensee

Tatsächlich wohnen wir in einer total komfortablen Situation: Nach Süden der Prenzlauer Berg mit seinen Cafés, Läden, Restaurants und dann eben alles, was dahinter kommt (Mitte! Friedrichshain! Kreuzberg! – Mal ehrlich, den Rest von Berlin betritt man ja eh fast nie, es sei denn um liebe Freunde in Schöneberg, Charlottenburg oder Wilmersdorf zu besuchen *wink*…). Und nach Norden kommt gleich Weißensee – grün, der Weiße See, der Orankesee, der Obersee (OK, die gehören offiziell zu Hohenschönhausen), diverse Teiche, Parks, Alleen. Dazu Programmkinos, schöne Architektur und Wochenmärkte fast schon wie im Prenzlauer Berg. Würde es mich arbeitsbedingt nicht jeden Morgen nach Süden ziehen, würde ich den Norden noch viel ausgiebiger erkunden. Aber in den letzten Tagen hat es schon ganz gut geklappt, ich war nämlich schon an drei Tagen hintereinander nach der Arbeit im Weißen See baden.

Der Weiße See kurz vor Sonnenuntergang: Perfekte Badezeit

Das hatte ich mit einer Freundin letztes Jahr schon einmal gemacht und deswegen jetzt als Ausgleich dafür, dass der Urlaub vorbei ist, wieder hervorgeholt. (Und mich prompt geärgert, dass ich das im Urlaub nicht auch ständig gemacht habe, aber da war ich ja zumindest im Krummen See, im Wannsee und im Strandbad Jungfernheide). Der Weiße See ist eine grüne Oase, mit Bäumen drumherum und Schilf am Rand und – ganz wichtig – einer Straßenbahnstation, also auch für Radfaulis wie mich sehr schnell erreichbar, auch vom Büro aus. Es gibt zwar ein Strandbad mit Eintritt, aber drum herum ist es ausreichend schön und selbst wenn viel los ist, sind das alles entspannte, nette Leute, so dass ich kein Problem damit habe, meine Sachen am Ufer liegen zu lassen und mich ins Wasser zu stürzen (aka langsam hinein zu waten, bis es meinen Hals erreicht hat). Gestern zum Beispiel waren vorwiegend Familien da, teilweise mit Tapeziertischen, Klappstühlen und jeder Menge Essen, außerdem Gruppen von jungen Leuten mit Grills, Büromenschen und Vertreter der neuen jungen hippen Berlintouristengeneration. Es gibt ein schönes Sprachengewirr und die Bekleidung der Badenden reicht von oben ohne bis Burkini. Sehr Berlin, sehr entspannt.

Ein Reiher am Kreuzpfuhl in Weißensee

Und das Baden selbst… Hach. Es geht sehr flach rein, der Boden ist angenehm fest und sandig, das Wasser samtweich auf der Haut (wenn auch nicht komplett klar), angenehm temperiert (Kunststück, nach den letzten Wochen) und nur ab und zu schwimmen ein paar anhängliche Wasserpflanzen auf oder kurz unter der Oberfläche. Wenn man es sich zutraut, kann man locker einmal direkt über den See schwimmen, so groß ist er nicht. Ich traute mir gestern zu, bis zur Mitte und zurück zu kommen, ohne pausieren zu müssen, hat geklappt. Lange gedauert hat es nicht gerade, aber die Fahrt lohnt sich schon allein für diesen Moment, bis das Wasser auf einmal bis zum Kinn reicht und man sich frei und leicht darin bewegt, als hätte der Körper den ganzen Tag nichts anderes machen wollen. Eine große Wasserratte (im Sinne von Springen, Kraulen, Tauchen, Kunststücke machen) war ich ja nie. Aber dieses einfach im Wasser sein und gemütlich ein wenig zu schwimmen, das ist so super, das mache ich jetzt noch weiter, so lange das Wetter mitmacht. Und danach vielleicht doch wieder regelmäßig in der Schwimmhalle, auch wenn blaue Fliesen und Chlor viel weniger toll sind.