08.10.2026 – Messetag 2

Schön, wenn man länger schlafen sollte, aber vor lauter Eindrücken im Kopf einfach wieder ungefähr um die gleiche Zeit aufwacht wie sonst. Nicht. Es folgt der morgendliche Reboot im Hotelbett, dann Duschen, in Frühstücksklamotten werfen und runter zum Buffet. Heute insgesamt trotzdem später als gestern und dadurch mit mehr Kolleg*innenbegleitung und Gespräch, während draußen eine krasse Regenfront vorbeizieht.

Danach ziehe ich die sauberen Klamotten an und mache mich gutkapuzt auf den Weg zur Messe. Zum Glück regnet es jetzt nur noch leicht, ich bin aber trotzdem froh, einen großen Teil des Weges unter dem Dach einer Mall zu bewältigen. Dort kaufe ich mir auch gleich noch Lutschtabletten gegen einsetzende Heiserkeit und mit lauter Dingen, die gut für die Abwehr sein sollen. Auf der Messe angekommen hole ich mir einen Gratistee („Matcha Energy“), gebe meine Jacke, laufe zu unserem Stand, trockne meine Brille und starte in den Arbeitstag.

Bald darauf haben mein Team und ich einen Termin mit zwei lieben Geschäftspartnern und bekommen dabei O-Saft und Süßigkeiten. Danach laufe ich ein wenig durch mir noch unbekannte Gebiete der Messe, um zwei ehemalige Kolleg*innen zum ersten Mal zu treffen, zu umarmen und Neuigkeiten auszutauschen, bevor ich einen Bühnenauftritt eines aktuellen Kollegen verfolge und für die sozialen Medien festhalte.

Dann wird es Zeit fürs Mittagessen, ich hole mir einen ungesunden Hot Dog und einen gesunden Smoothie und setze mich kurz raus in die inzwischen auch ihre Aufwartung machende Sonne. Dabei treffe ich zufällig auf zwei Leute, denen ich gestern kurz im Fahrstuhl begegnet bin und wir kommen ins Plaudern. Zufälle gibt’s.

Die nächste Veranstaltung, die ich besuchen will, finde ich nicht – Einladung und Messe-App zeigen unterschiedliche Orte an, den Ort in der Einladung gibt es im Hallenplan nicht… Stattgefunden hat alles aber, ich sehe später auf Instagram Fotos davon. Egal, dafür habe ich während der Suche einen Stand mit Kochbüchern entdeckt, an dem auch Eis nach Ottolenghi-Rezept verteilt wird. Dahin kehre ich noch einmal zurück und stelle mich in die lange Schlange. Die Wartezeit wird durch Wolf Biermann verkürzt, der am Stand nebenan Biermannige Geschichten ins Mikrofon deklamiert.

Die Person vor mir in der Schlange ist dann die letzte, die noch Eis bekommt, ich soll es morgen ab 12 wieder versuchen. Hmpf. Werde ich natürlich.

Also wieder zurück zu den Kolleg*innen, ein paar Absprachen, ein paar Gespräche. Ich treffe auf eine der Teilnehmer*innen des Panels, das ich morgen moderieren werde und kann schon mal persönlich Kontakt aufnehmen.

Dann gibt es Sekt und Häppchen an einem Stand, der zu Jeff Bezos‘ Imperium gehört. Ich beschränke mich auf Häppchen.

Direkt danach gibt’s nämlich nochmal das Gleiche nebenan, bei einer Organisation in der meine Firma Mitglied ist. Dort nehme ich dann ein Glas und freue mich nebenbei sehr, noch eine weitere ehemalige Kollegin treffen und in die Arme schließen zu können.

Dann heißt es, den Stand für heute dicht zu machen (bei der Gelegenheit bekomme ich ein Gratis-Buch, das eine Besucherin mitgebracht hatte – junge Frauen rächen sich an Milliardären und Essen spielt eine Rolle, what’s not to love? – und zur Location für den Abend aufzubrechen, wieder mit der S-Bahn. Wir kommen an, legen unsere Sachen ab, checken kurz die Lage (die Band macht Soundcheck, der DJ ist da, alles sieht gut aus) und gehen dann nebenan endlich wirklich chinesisch (bzw. eigentlich uigurisch) essen. Ich nehme eine Rindersuppe mit handgemachten Nudeln und Pak Choi und dazu einen unchinesischen Matcha Latte mit Erdbeeren und Tapioka, der Abend wird schließlich noch lang.

Dann geht es gerade rechtzeitig zurück zur Location, bevor schon die ersten Gäst*innen eintrudeln.

Ich habe meine frühe Einlassschicht wieder mit einer Kollegin getauscht, diesmal eine, deren Weg nach Hause länger ist und die morgen früher wieder am Stand sein muss. Also habe ich erstmal Zeit, ein wenig zu socializen und immer noch weiter Menschen kennenzulernen – sowohl neue Kolleg*innen als auch generell Leute aus der Branche. Dann folgt meine Einlassschicht, die ebenfalls von vielen Gesprächen begleitet ist. Kurz vor 23 Uhr werde ich abgelöst. Ich setze mich noch ein Weilchen zu ehemaligen Kolleginnen, trinke einen Maracujasaft und lausche der Band, dann schreit mein Körper nach dem Bett und ich laufe durch das Bahnhofsviertel zurück ins Hotel, diesmal auf hell erleuchteten Straßen während noch jede Menge „normale“ Menschen unterwegs sind, das macht es angenehmer. Gegen Mitternacht liege ich im Bett und mache direkt das Licht aus.