Blogger für Flüchtlinge – Unbeholfen helfen im #LaGeSo

Am Mittwoch habe ich endlich einmal ganz konkret und nicht nur mit Worten (oder dem Button und Link rechts an der Seite) den Refugees geholfen. Trotzdem tue ich mich schwer damit, hier darüber zu schreiben, denn ich habe nicht das Gefühl, genug getan zu haben, nicht einmal für die kurze Zeit, die ich vor Ort am LaGeSo war. Allerdings finde ich es wichtig, auch davon zu erzählen, schon alleine um andere zu inspirieren. Und nur weil mein erster Versuch nur so halb befriedigend war, muss das ja nicht heißen, dass es der letzte bleibt.

Mein Einsatz war das Ergebnis einer Aktion meines Arbeitgebers. Wir bekamen ein Kontingent an “Mannstunden”, wie es im deutschen Business-Leben heißt, dass wir darauf verwenden konnten, helfen zu gehen. Die Aktion selbst ist freiwillig, aber da sich sofort so viele Kollegen meldeten, blieben für jeden einzelnen zunächst nur zwei Stunden übrig – ob es nochmal ein zusätzliches Kontingent gibt, wird sich zeigen. Ich legte mir meine zwei Stunden ans Ende des Arbeitstags, um flexibel zu sein und gegebenenfalls länger bleiben zu können. Wir wurden zentral angemeldet und mir wurde gesagt, ich wäre zur Essensausgabe eingeteilt.

Als ich dann vor Ort ankam (und erst einmal das Haus R, in dem der Verein Moabit hilft und die anderen Helfer agieren, finden musste), stellte ich dann schnell fest, dass unsere firmeninterne Organisation und die der Situation vor Ort wenig kompatibel waren. Denn natürlich richtet sich der Bedarf an Helfern nicht unbedingt an den Möglichkeiten und Vorlieben eines Wirtschaftsunternehmens aus. Obschon ich zur verabredeten Zeit vor Ort war, war die nachmittägliche Essensausgabe gerade beendet und die für das Abendbrot sollte erst beginnen, wenn meine Schicht endete. So gab es gerade keine größeren Aufgaben und die Helfer vor Ort ruhten sich eigentlich gerade ein wenig aus, tauschten sich aus und tranken einen Kaffee oder rauchten eine Zigarette. Erst nach mehreren Anläufen fand ich jemanden, der mich ein wenig herumführte, mir alles erklärte und mir zeigte wo ich mich registrieren sollte. Aber zu tun gäbe es im Moment wirklich nichts für mich. Ich sollte mich einfach bereithalten und auf einen “Helfer”-Ruf warten.

So klebte ich mir also einen Zettel mit meinem Namen an und stand dann eine ganze Zeit lang einfach nur herum und beobachtete das Geschehen, hörte den Helfern zu und sah, wie die Schlange an Refugees, die nach warmer Kleidung anstanden immer kürzer wurde. Diese wenigen Personen konnten von den bereits involvierten Helfern gut “abgefertigt” werden, die sich ja vor allem auch schon besser auskannten als ich. Dann endlich kam mein erster kurzer Einsatz, als zwei Leute mit einem Auto voller Kleidungsspenden auftauchten, das wir ausladen konnten. Ich hoffte, nun vielleicht mit sortieren zu können, aber da kamen mir schon andere Helfer zuvor. Erstaunt beobachtete ich, wie schnell ein gerade angenommener Koffer schon wieder den Weg zu den Refugees fand. Auch ein Kinderwagen wurde aufgepumpt und abgegeben, sowie Spielzeug an die vielen wartenden Kinder verteilt.

Ich kam mit einem der anderen Helfer ins Gespräch, der mich ermunterte, nicht abzuwarten, bis mich jemand konkret ansprach, sondern ganz aktiv sofort anzupacken, wenn mir etwas zum Anpacken auffiele. Ich blieb dennoch zögerlich, denn zum Einen war das ganze eine gut geölte Maschine, bei der jeder Handgriff zu sitzen schien, zum Anderen schienen viele der Helfer längst mit der Materie vertraut und unermüdlich, so dass ich das Gefühl hatte, meine Hilfe eher aufzudrängen. Als dann aber endlich der Ruf zur Vorbereitung der Essensausgabe kam, witterte ich meine Chance und machte mich mit einer Gruppe Helfer auf zum Essenszelt. Hier wurde uns erklärt, auch welchen Wegen die Refugees durchs Zelt gelotst würden. Sobald wir das Zelt betreten hatten, begann sich draußen eine Schlange zu bilden. Es sollte noch sehr sehr lange dauern, bis das Essen ankam. In der Zwischenzeit füllten wir unzählige Bubble Tea-Becher mit Wasser und teilten uns auf die verschiedenen Stationen auf. Und warteten und warteten. Draußen wurde der Andrang immer größer und immer wieder schauten Kinder zu uns herein und lachten. Ich unterhielt mich kurz mit einem Syrer aus der Nähe vom Homs, der in Moskau studiert hatte, jetzt mit seiner Familie nach Deutschland gekommen war und es sehr schade fand, dass ich kein Russisch konnte. Er erzählte mir, dass er die letzte Nacht auf der Straße geschlafen hatte und das wohl auch diese Nacht wieder tun würde und dass es schon sehr kalt, aber machbar sei.

Dann kam das Essen endlich. Es wird vom Freunde der Jugend und Familie e.V. zubereitet und zum LaGeSo gebracht. An diesem Abend gab es Reis mit Gemüse und Gulasch. Ca. 1300 Portionen wurden in kürzester Zeit an die Refugees verteilt – jeden Tag werden es mehr Portionen, was gut ist, denn auch die 1300 Portionen reichten nicht aus, um alle satt zu machen. Verständlicherweise kam es dadurch natürlich auch zu Unmut, gerade wenn Leute Essen für andere Familienmitglieder mitnehmen wollten, oder wegen großen Hungers nach einer zweiten Portion fragten. Die anderen Helfer erzählen, dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, dass Refugees bei der Ausgabe leer ausgehen.

Nach dem Ende der Essensausgabe wurde das Zelt aufgeräumt und ich machte mich auf den Heimweg, vorbei an vielen Refugees, die sich vor den Toren des LaGeSo auf eine lange Nacht einstellten, vorbei an Müll, der herumlag und vorbei an älteren Berlinerinnen, die sich über den Dreck aufregten. Ich ließ meine Erfahrungen Revue passieren. Zum Beispiel war ich erstaunt darüber, wie viele der Helfer selbst kein Deutsch konnten, aber Arabisch oder Farsi sprachen. Eine Helferin war vollverschleiert, aber ansonsten überhaupt nicht klischeehaft – sie alberte mit männlichen Helfern herum und rangelte in einer Pause spielerisch mit einem der Anderen. Ich wunderte mich auch darüber, welch gute Laune im Allgemeinen vorgeherrscht hatte, trotz der unzumutbaren Bedingungen vor Ort. Gleichzeitig war es ernüchternd, zu sehen wie kaltherzig man manchmal sein musste, um sicherzustellen, dass möglichst gerecht verteilt würde.

Mir wurde auch klar, wie schwer es ist, eine Organisation von lauter Freiwilligen am Laufen zu halten und dabei halbwegs strukturiert zu arbeiten. Zum Beispiel hat die Essensausgabe ein ausgeklügeltes System, das aber mal mehr, mal weniger gut umgesetzt wird, je nachdem, ob die anwesenden Helfer das System bereits kennen, oder vielleicht gerade zum ersten Mal da sind. Ich lernte, dass es bessere Zeiten gibt, als den späten Nachmittag, um helfen zu gehen – gerade morgens, tagsüber und später am Abend ist deutlich mehr zu tun. Und ich weiß jetzt, dass ich beim nächsten Mal nicht mehr wie gelähmt dumm herumstehen werde, sondern mir meine Arbeit suchen werde.

Wenn Ihr auch helfen wollt, schaut Euch auf den Seiten von Moabit hilft und den anderen Organisationen um, das Internet ist voll von Möglichkeiten, einen Beitrag zu leisten. Am komfortabelsten ist natürlich eine Spende, denn das Geld wird definitiv immer und überall gebraucht und ermöglicht die Hilfe überhaupt erst. Blogger für Flüchtlinge hat dafür zum Beispiel eine Spendenseite bei Betterplace eingerichtet:

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