Im Bett habe ich wieder die zentrale Position, rechts der Liebste im Tiefschlaf, links Noosa, die zwischendurch immer mal wieder Mucks macht. Als so ein Mucks sich mit einer vollen Blase trifft ist es kurz vor 6 und damit eine gute halbe Stunde vor dem Wecker, nochmal einschlafen eher unpraktisch. Also starte ich in den morgendlichen Reboot und koche dann zeitnah Kaffee. Der Wecker des Liebsten klingelt erst 7:15 und bis dahin zieht er wirklich durch. Beneidenswert, aber da spielen auch die Tabletten gegen Noosaallergie eine Rolle, die er für jeden Besuch hier einwerfen muss.
Gegen 8 dann bricht er auf gen Südberlin und ich fange an zu arbeiten und packe nebenbei den Koffer für Süddeutschland und treffe weitere Vorbereitungen für meine Abwesenheit.

Von 10 bis 11 das wahrscheinlich allerletzte Übergabemeeting mit dem abgebenden Kollegen. Wir stellen diverse Dienste auf mich um und schmeißen ihn raus. Danach eine Stunde Teammeeting mit der Geschäftsführung und dann ist es auch schon Zeit, langsam zum Bahnhof aufzubrechen.
Der Zug wird zwar in Gesundbrunnen eingesetzt, steht aber leider noch nicht da, so dass ich trotzdem noch eine Weile warten muss. Dann aber richte ich mich auf meinem Platz ein, esse mein Mittagbrot und klappe den Laptop wieder auf. Verspätung haben wir heute nur sieben Minuten, dafür aber zickt das Zug-WLAN, so dass es mit dem Arbeiten nur sehr träge vorangeht, was ein wenig frustrierend ist. Nicht, weil da riesige dringende Arbeitswege wären, sondern eher viele Kleinigkeiten, für die ständig Daten hin und hergeschoben werden müssen über eine sehr löchrige Datenautobahn. Viele Gelegenheiten zum Ärgern.
Nach guten vier Stunden dann Ankunft in München bei strömendem Regen und während es langsam dunkel wird. Ich nehme eine S-Bahn ein Stück nach Osten, die aber komplett unterirdisch fährt. Muss mich zwischendurch kurz überzeugen, dass ich nicht aus Versehen in der U-Bahn gelandet bin, aber nein, das soll so.
Angekommen geht es im strömenden Regen mit Gepäck, immer nasser werdenden Brillengläsern und durch Nässe funktionell eingeschränktem Touchscreen ganze 400 Meter vom S-Bahnhof zum Hotel. Das reicht, um komplett durchzuweichen. Dann ein widerspenstiger Fahrstuhl und viele lange Gänge bis zu meinem Zimmer. Ich werfe kurz alles ab und recherchiere final meine Abendessenlocation.
Dabei nehme ich doch nicht das vom Kollegen empfohlene bairische Lokal, sondern ein noch näher gelegene böhmisches mit besseren Bewertungen und nur drei statt fünf Minuten Fußweg, diese aber nicht im Dunkeln durch nasse Grünanlagen mit vielen Treppen.
Im Lokal angekommen ist um diese Zeit alles ausgebucht, ich bekomme aber für eine halbe Stunde einen Platz an einem für später reservierten Sechsertisch, als ich verspreche, schnell zu essen. In Windeseile wähle ich aus der Karte – der Schnelligkeit halber die Tagessuppe und einen unkomplizierten Nachtisch – und warte dann zwölf Minuten, bis jemand meine Bestellung aufnimmt. Dann geht es zum Glück relativ schnell mit der Suppe.

Sie ist allerdings sehr heiß und ist daher erst vier Minuten vor der Deadline ausgelöffelt, als bereits die ersten drei Gäst*innen des Sechsertisches sitzen. Dann wieder längere Wartezeit auf den Nachtisch, in der ich die riesige Johannisbeerschorle schonmal runterstürze, damit es nachher schneller geht.

Drei Minuten nach Deadline kommt der Nachtisch und bald darauf der vierte Gast. Ich bemühe mich, schnell zu essen, aber mit noch ein wenig Schorle würde das besser gehen, die Buchteln werden im Mund irgendwie immer mehr. Geschmacklich aber gut, wenn auch oben etwas härter und trockener, als ich sie von zuhause kenne und halt zu wenig Vanillesauce, um alles ordentlich einzuweichen.
Zehn Minuten nach der Deadline habe ich es geschafft und kann sogar noch bezahlen, bevor sich die letzten beiden Stühle füllen. Hätte ich am Anfang also nicht ewig aufs Bestellen warten müssen, wäre ich locker in der Zeit gewesen.
Auf dem Rückweg nieselt es nur noch und ich kann sehen, dass die Gegend hier im Hellen wahrscheinlich sogar ziemlich schön ist, vorher habe ich nur Wasser und Lichter gesehen. Im Münchener Äquivalent eines Spätis hole ich mehr Schorle (Mango und Granatapfel-Zitrone) und dann bin ich kurz nach halb 8 wieder auf meinem Zimmer.
Ich schaue ein paar Folgen The Diplomat, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und dann ist irgendwann Schlafenszeit.