23.10.2026 – München Tag 2

Heute klingelt der Wecker später, weil ich erst ab 10 ins Büro reinkann. Wache natürlich trotzdem früher auf, aber jetzt halt mit mehr Zeit. Auch gut. Kompletter morgendlicher Reboot im Bett, dann tagfein machen, Koffer packen und mit genügend Ruhe das Frühstücksbuffet genießen.

Danach checke ich aus und rollkoffere auf der gleichen Strecke wie gestern zum Viktualienmarkt. Etwa eine Viertelstunde sitze ich im Treppenhaus und beschäftige mich schonmal mit E-Mails und Chats und dann kommt auch schon der Kollege mit dem Schlüssel. Wir machen es uns zu zweit gemütlich, haben Meetings zu zweit und alleine und ansonsten gibt es noch einiges zu tun und zu reden.

Mittags gehen wir indisch essen und ich nutze die Gelegenheit für Panipuri, hier Golgappe genannt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich bisher nur davon gehört habe, oder sie auch schon gegessen habe, es ist aber ein wirklich gutes Erlebnis – heiß und kalt, knusprig und weich, herzhaft und fruchtig, mild und scharf – alles dabei. Muss mal recherchieren, wo es das in Berlin gibt.

Zurück im Büro gibt es Nachmittagskaffee, gemeinsam ausgewählte Begleitmusik und weiteres Arbeiten, bis der Kollege zum Wochenendausflug aufbrechen muss und damit auch mein Wochenende einläutet. Ich rollkoffere in eine andere Richtung aus der Altstadt heraus in die Maxvorstadt und beziehe ein neues, diesmal selbst bezahltes, Hotel. Kurzes Ausruhen mit Liebstentelefonat, dann ist schon wieder Aufbruch zum frühen Abendbrot mit anderen extra für die Bloglesung nach München angereisten Menschen aus dem Internet.

Durch rostockerisch anmutende Straßen (Karlstraße, Augustenstraß) und hopfigen Braugeruch laufe ich zum Abendessen mit zwei Rostockerinnen (und einer Villingen-Schwenningerin (?)). Frau Hafensonne und Gattin kenne ich ja seit Jahren aus diesem Internet, die andere Teilnehmerin ist heute ganz frisch über Mastodon dazugestoßen und bloggt selbst nicht. Wir haben einen schönen Abend bei Tapas und allerlei Gesprächen über Städte, Studien, Politik, Filme und jede Menge Essen.

Danach sind wir alle sehr müde und kehren zurück in unsere Hotels. Ich beende noch The Diplomat (mit West-Wing-ähnlicher Rührung im Finale), dusche lange und ausführlich und schaffe dann tatsächlich 12 Seiten am Stück im neulich schon neu angefangenen Transit von Anna Seghers, bevor mir die Augen zu fallen.

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Der Vollständigkeit halber und bevor ich die Kaltmamsell morgen wieder in echt sehe, meine Antworten zum von ihr neulich geworfenen Stöckchen:

1. Welches war dein erstes Stofftier und was verbindest du damit?

Ich bin nicht ganz sicher, welches das erste war. Es gab eine sehr kleine Katze, ursprünglich wohl mal hellblau gewesen, aber davon war nur noch ein leichter Schimmer übrig. Außerdem einen viel bekuschelten Teddy, der schon Vorbesitzer hatte und den ich irgendwann später erst Taotao genannt habe, nach einer Figur aus dem Fernsehen. Dann einen riesigen Affen, der aber eigentlich meinem Bruder gehörte und damit ich „was eigenes“ in der Größe habe, habe ich mir irgendwann nochmal ein Kuscheltier gewünscht und das wurde dann ein Gepard namens Fridolin Fleck.

2. Wie stelltest du dir als Kind dein Erwachsenenleben vor?

Ziemlich nah dran, an dem wie ich jetzt lebe und doch ganz anders. Ein Haus oder eine Wohnung mit Wänden voller Bücher, ein Beruf der am eigenen Schreibtisch stattfindet, einen Mann und Kinder. Das Ganze wahlweise in einer größeren Stadt oder halt in dem Haus mit riesigem Garten, in dem ich aufgewachsen bin.

3. Warst du ein eher leises oder eher lautes Kind?

Ich vermute da gehen die Meinungen auseinander. Ich habe sehr viel (und ggf. auch sehr laut?) geredet. Aber erst, wenn ich anfängliche Schüchternheit überwunden habe. Ich habe sehr laut Musik und Hörspiele gehört, aber auch stundenlang leise in der Ecke gesessen und gelesen oder Kopfhörer aufgehabt. Wer sich anders erinnert, möge ergänzen.

4. Gab es etwas in deiner Kindheit, das du heute sehnsüchtig vermisst?

Einfach raus in den Garten gehen und Äpfel, Birnen, Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Mirabellen, Stachelbeeren, Tomaten pflücken. Wobei das heute teilweise auch noch geht, aber eben nicht in dieser Fülle und Nähe. Und der gut gefüllte Keller mit selbst gemachten Marmeladen, Kompotts und Säften. Und natürlich das Übliche: Weniger Sorgen, mehr im Moment leben.

5. Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Musik?

Musik war immer präsent, meine Eltern und mein Bruder hörten viel Musik und ich dann natürlich auch, bei den Mahlzeiten und im Auto lief meistens das Radio (bei längeren Autofahrten Kassetten). Wir hatten immer Instrumente im Haus, auch wenn mein Umgang damit eher dilettantisch war. Es gab zwei Jahre lang Blockflötenunterricht, sechs Jahre lang Klavier, aber nie mit der nötigen Begeisterung, um wirklich gut zu werden. Mein erstes Mixtape habe ich mir mit acht oder so gewünscht, auf der einen Seite war Udo Lindenbergs Bunte Republik Deutschland, die andere Seite füllte mein Bruder mit gewünschten Songs (Ärzte, Hosen) und anderen, die er für wichtig hielt. Selbst bestimmte Musik fand für mich hauptsächlich auf Kassetten statt, meinen ersten eigenen CD-Player hatte ich erst mit 14. Also viel Überspieltes und aus dem Radio aufgenommenes… Ich hatte allerdings schon sehr früh einen Plattenspieler im Zimmer, für Hörspiele und Kinderlieder.