Ich bin dann doch erstaunt, wie sehr ich mich freue, dass Freitag ist. Dabei empfand ich die Woche gar nicht als besonders anstrengend oder stressig. Möglicherweise fehlte mir nach München das eigentliche Wochenende, vielleicht habe ich auch zu wenig zusammenhängend geschlafen und evtl. ist vieles am neuen Job einfach immer noch aufregend. Dazu kommt das voreilige Novembergrau draußen – es reicht. Ich bin ganz froh als sich herausstellt, dass die angedachte Abendverabredung für heute sich unkompliziert auf Frühstück morgen verschieben lässt und bleibe heute im Schlafanzug.

Dafür gibt’s extra viel Engagement an der Frühstückszubereitung mit „Tee, Earl Grey, heiß“ und Porridge mit Kokosöl, Cox-Orange-Apfel, Zimt, Walnüssen und Ahornsirup.
Der Arbeitstag lässt sich entspannt an, es gibt nur ein geplantes Meeting (mit Frankfurt) und ein spontanes (mit München), ansonsten bereite ich in aller Ruhe Dinge vor, die ich nächste Woche brauchen werde und organisiere eine unverhoffte und ungeplante Bürosituation nächsten Donnerstag (zusätzlich zu Dienstag).
Zum Mittag gibt es den Rest Bánh Mi von gestern und dann wechseln Noosa und ich mit dem Laptop schon mal ins Soft Office auf dem Sofa. Der zweite Bildschirm wird nicht mehr benötigt, das ist sehr angenehm.
Ich mache dann pünktlich Feierabend, gerade nachdem die Sonne untergegangen ist, was aber wegen der Wolkenlage auch völlig untergegangen ist. Freitag, Sonnenuntergang, Feierabend und Aperitivo Hour ist auch. Ich brainstorme kurz mit mir selbst und mache mir dann einen dem Wetter und der Situation angepassten Sundowner inspiriert vom letzten Hiddensee-Trip – mit Rum, Sanddorn-Vanille-Likör, einem Schuss Johannisbeersirup für Farbe und Süße, Eis und Sprudel.

Und dann nehme ich mir diesmal sofort mein Buch vor und mache schlürfend erstmal ordentlich Strecke. Das Buch ist nicht leicht zu lesen, weil es ein langer, mäandernder Dialog ist, mit vielen unwichtigen Details und dazwischen dann wieder spannenden Aspekten. Spannend auch, weil es eben in den 40ern geschrieben ist und trotzdem sehr modern klingt. Und weil ich ständig Parallelen ziehe zur Situation von Menschen auf der Flucht heute, mit Schrecken, Bürokratie, Unsinnigkeiten, Banalitäten, sehr viel Warterei und Ausgeliefertsein. Erstaunlich, wie viel einfacher man (ich) sich hineinversetzen kann, wenn es um weiße Europäer*innen geht. Und dann das Weiterdenken in eine Zukunft, in der das auch für mich theoretisch relevant werden könnte… Zwischendurch muss ich ständig Sachen googlen und kein Wunder, dass ich so langsam vorankomme.
Die Cremigkeit (wundervolle Wortschöpfung von Mek) vom Sundowner hilft zumindest, sich direkt ins Wochenende fallen zu lassen und nicht mehr über die Arbeitsthemen nachzudenken. Gegen 19 Uhr lege ich das Buch beiseite und koche mir ausführlich eine scharfe Tomatensauce zur Pasta (Linguine, es gibt nicht mehr genügend Spaghetti). Basierend auf Marcella Hazan, aber ich packe zu Butter und Zwiebel noch eine Chilischote und ordentlich Basilikum. Am Ende hole ich dann weder raus noch püriere ich, sondern ich bemühe die Flotte Lotte. Ordentlich Sauerei in der Küche, aber sehr wohlschmeckend.

Beim Kochen und Essen höre ich Podcast, dann gibt es nochmal ein ausführliches Telefonat mit Liebstem und Teilzeitkind, bevor ich noch ein paar Seiten lese. Schnell aber gebe ich dann auf und beriesele mich lieber noch mit Musik, YouTube und TikTok. Als es dann ins Bett geht, ist es schon wieder Mitternacht, als mein Kopf bereit zu schlafen ist bereits gegen 2. Upsi.