Sonntagsschnipsel und Ben’s Quitten-Crumble

Wochen, die mit Beerdigungen beginnen, müssen sich hinterher ganz schön anstrengen, um noch irgendwie schön zu werden. Also, “schön” in dem Sinne, dass man am Ende wieder bessere Laune hat als am Anfang. In diesem Fall war es dann erst das zu Ende gehende Wochenende, das das Ruder einigermaßen herumgerissen hat – vorher war mein Kopf voller trauriger Gedanken und mein Körper voll mit Erkältungssymptomen. Dementsprechend habe ich auch nur ein einziges Mal gekocht, nämlich Pasta mit Auberginen, Zucchini und Tomatensauce für Mama, Bruder und mich, einfach, schnell, lecker und nicht besonders aufregend oder verbloggbar. Allerdings haben wir auch einen sehr leckeren Quitten-Crumble gegessen, den ich zwei Tage vor der Beerdigung gebacken hatte. Das Rezept bekam ich von Ben, der vor einiger Zeit ein Foto von seinem Crumble auf Facebook gepostet hatte. Und lasst Euch sagen: Crumble ist ein wundervolles Trostessen. Das Rezept findet Ihr am Ende dieses Beitrags, hier erstmal ein Foto zum Anteasern:

Quitten-Crumble mit Mango-Sorbet

Scheinbar habe ich mir irgendwo zwischen Kirche und Friedhof die letzte Zutat für eine ausgewachsene Erkältung eingefangen, mit der ich dann die zweite Wochenhälfte über im Bett lag. Dem Anlass entsprechend durchforstete ich noch einmal meine Sockenvorräte und fand tatsächlich noch ein letztes zusammenhängendes Paar Schafwollsocken, dass meine Oma mir geschenkt hatte. Seit ich denken konnte gab es von Oma jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten ein Paar selbst gestrickte Socken – aus selbst gewaschener, kardierter, gesponnener und aufgewickelter Wolle. Über die Jahre sammelte sich so ein beachtlicher Vorrat an, aber obwohl sie immer meinte, ich könnte die Löcher ja stopfen, wurden kaputt gegangene Socken immer entsorgt – es kamen ja immer welche nach… Dieses letzte Paar werde ich also wie meinen Augapfel hüten müssen…

Das letzte vollständige Paar Schaffwollsocken, stilsicher kombiniert

Auch am Freitagabend fühlte ich mich noch nicht wieder so richtig fit, so dass der Hase alleine loszog, um sich mit Freunden zu treffen. Weil er aber der weltbeste Krankenpfleger und Food Stylist überhaupt ist, zauberte er mir vorher noch einen astreinen Halloween-gruseligen Gemüseteller. dazu gab es auch noch Kürbissuppe, aber die sah eben aus, wie Kürbissuppe so aussieht.

Abendbrot am Vorabend von Halloween

Am Sonnabend ging es mir dann schon besser, wozu sicher auch die köstlichen Feigen beigetragen haben, die es beim Frühstück zum Käsebrot gab. Käsebrot und Obst ist ja sowieso einer der schnellsten und einfachsten Genüsse der Welt (und Käse der Hauptgrund, warum ich wohl nie konsequent vegan leben werde…).

Feigen und Käse

Am Samstagabend waren wir dann bei Freunden eingeladen und entgingen so der Verantwortung, Süßigkeiten zu kaufen und den Eingangsbereich der Wohnung in einen halbwegs präsentablen Zustand versetzen zu müssen – Süßes und Saures gab es trotzdem, aber eben zu Gast bei Freunden. Besonders süß war die kleine A., die frisch gestillt und gewickelt auf meinem Schoß platziert wurde und dort den Abend verbrachte.

A. und ich

Am Sonntag morgen dann trafen wir uns mit einem guten Freund, der gerade aus Kalifornien zu Besuch in Berlin war zum Frühstücken. Für mich gab es hochköstliche Pancakes mit Zimtpflaumen und Sahne, auf die alle anderen ganz schön neidisch schienen.

Pancakes mit Zimtpflaumen

Noch beeindruckender war eigentlich nur mein Getränk, eine heiße Schokolade mit Holunderblütensirup und Chilifäden. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie die Kombination aus Schokolade und Holunderblüten schmeckt, war dann aber sehr positiv überrascht – ein vollmundig, runder, fruchtiger Geschmack, immer wieder unterbrochen von feiner Chilischärfe. Definitiv empfehlenswert!

Heiße Schokolade mit Holunder und Chili

Weil das Frühstück so reichhaltig und das Wetter so schön war, liefen wir nach dem Essen einfach zu Fuß zurück in den Prenzlauer Berg. Erst ging es an der Spree entlang bis zum Monbijoupark, unter dieser schönen Weinlaube entlang, und dann kreuz und quer durch das nördliche Mitte und den östlichen Wedding bis zum Mauerpark. Dort verabschiedete sich der Hase zum Handball gucken in der Max-Schmeling-Halle und ich machte mich auf den Heimweg.

Weinlaubengang an der Spree

Und nun für alle, die noch ein wenig Herbstfreude tanken wollen, bevor der November so richtig dunkel und bluesig wird oder auch ein Trostessen brauchen:

 

Ben’s Quitten-Crumble

Für das Quitten-Püree:

1 kg Quitten

176 g Zucker

Saft und Schale von einer halben Zitrone

1 TL Zimt

Für den Boden:

140 g Butter

200 g Mehl (gesiebt)

50 g gemahlene Mandeln

75 g Zucker

1 Ei

1 Eigelb

Für die Streusel:

100 g Mehl (gesiebt)

75 g Haferflocken

75 g Zucker

120 g Butter

Die Quitten etwas zerkleinern und in einem Topf weich kochen, dann durch die Flotte Lotte drehen. Den Zucker, Zitronenschale und -saft und Zimt einrühren und etwas einkochen lassen. Wer keine Flotte Lotte (aka Passiermühle) hat, kann auch vorher Kerne und Kerngehäuse entfernen, genau 350 ml Wasser zum Kochen abmessen, dann pürieren und das Püree dann mit Maismehl andicken, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist, so hat Ben das gemacht.

Erst Butter, Mehl und Mandeln vermischen und dann Zucker, Ei und Eigelb hinzufügen. Gut verrühren und dann in Frischhaltefolie eingeschlagen im Kühlschrank abkühlen lassen. Eine Auflauf- oder Backform einfetten und mit dem Teig auskleiden. Profis können den Teig dann blind backen, Ben und ich haben den Teig beide nur mit einer Gabel eingestochen und schon einmal für 20-25 Minuten bei 160°C backen.

Die Zeit kann mann nutzen, um aus den übrigen Zutaten einen groben Streuselteig herzustellen. Dann das Quittenpüree in die knusprig gebackene Crumble-Hülle einfüllen, das Ganze mit Streuseln bestreuen und bei 180°C noch einmal 25-30 Minuten weiterbacken.

Warm servieren, optional mit einer Kugel Eis dazu.

Die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist

Wie auch schon im letzten Herbst war meine “kleine” Teenie-Cousine auch dieses Jahr in den Ferien wieder ein paar Tage bei uns in Berlin und dieses Mal konnten wir sogar ihren Geburtstag gemeinsam feiern – 17 Jahre ist sie jetzt schon alt. Anstatt mich einfach nur wie jeder normale Mensch in dieser Situation alt zu fühlen, wurde ich gleich richtig sentimental, als ich ihr um Mitternacht einen “Geburtstagskuchen” aus Baumkuchen und Macarons überreichte. Ich dachte nämlich zurück an jenen Mittwoch im Oktober 1998, an dem mir meine Mutter nach der Schule eröffnete, dass meine Cousine geboren worden war. Ich erinnere mich noch, wie ich ganz aufgeregt war und sie drängelte, sofort ins Krankenhaus zu fahren. Ein bisschen Zeit haben wir uns noch gelassen, aber etwa vier Stunden nach der Geburt standen wir dann endlich im Zimmer meiner Tante und sie erzählte uns erschöpft, aber glücklich von der Geburt und dass sie als einzige die genaue Uhrzeit registriert hätte – 12:43, ich weiß es noch wie heute. Die genauen Details des Geburtsablaufs waren mir damals natürlich herzlich egal, ich wollte endlich das Baby sehen, das noch im Säuglingszimmer lag und tat das auch kund. Mein Timing war anscheinend ziemlich gut, denn eine Krankenschwester, die gerade im Raum war, nahm die Gelegenheit beim Schopf und mich mit in eben jenes Zimmer. Dort drückte sie mir ein kleines Bündel in die Hand, aus dem ein winziges Gesichtchen herausschaute. So vorsichtig wie noch nie in meinem Leben hielt ich das Bündel fest und trug es zurück zu meiner Tante, bei jedem Schritt befürchtend, ich könnte es fallen lassen. Zurück bei Mama, Tante und Oma übergab ich das Bündel seiner Mutter und brüstete mich von da an damit, die erste in der Familie gewesen zu sein, die meine Baby-Cousine gehalten hatte. Seitdem hatte ich noch einige Babies im Arm, aber dieses Zeitrekord (4 Stunden nach der Geburt!) habe ich bisher noch nie unterbieten können.

Geburtstagskuchen

17 Jahre später ist das kleine Baby ganz schön groß alt jugendlich geworden. Es fährt alleine mit dem Zug durch halb Deutschland, es macht mit einer anderen Cousine zusammen Wochenend-Städtereisen, es macht im Frühling Abitur und fängt nächsten Herbst zu studieren an. Außerdem ist es extrem musikalisch. Was ich ja richtig cool finde, ist dass wir inzwischen einige gemeinsame Interessen haben. Wir sind beide große Fans der Beatles, sie hat auf meine Empfehlung hin alle sieben Staffeln Gilmore Girls verschlungen und seit einigen Monaten ist sie auch vom Koch-Virus angesteckt. Wir haben also während ihres Besuchs sehr viele kulinarische Erlebnisse zusammengehabt, sei es in meinen liebsten Mittagspausenlocations, beim Kochen zuhause oder im I Due Forni zu ihrem Geburtstagsessen. Besonders habe ich mich aber gefreut, dass sie mir ein tolles Rezept mitgebracht hat, dass ich mit offenen Armen in mein Repertoire aufgenommen habe, nämlich die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist. Das Rezept stammt von Schuhbeck, ist aber keineswegs gutbürgerlich, sondern passt eher in die Welt der aktuellen Foodtrends – Superfood meets Fusion und zwar roh, vegan, paleo, gluten- und laktosefrei usw. usw. und in meiner Version auch noch komplett Bio. 😉 Danke, liebe Teenie-Cousine!!

Avocado-Salsa mit Zimt, Knoblauch und Vanille nach Alfons Schuhbeck

  • 1 Schalotte
  • 1 Knoblauchzehe
  • Salz (bei mir grobes Meersalz)
  • 2 reife Avocados
  • 2 EL Zitronensaft (Limette wäre sicher auch hier eine gute Option)
  • 1 EL mildes Olivenöl (bei mir das gute Sizilianische)
  • 1 Msp. geriebener Ingwer (bei mir etwas mehr)
  • Vanillesalz (bei mir einfach mehr Salz und frisch gemahlene Vanille
  • Zimt
  • Cayennepfeffer
  • Bei uns zusätzlich: Geröstete Koriandersamen, gemörsert)

Die Herstellung ist simpel: Avocados schälen und in kleine Würfel schneiden, mit dem Zitronensaft vermischen, damit sie nicht braun werden. Schalotte, Knoblauch und Ingwer zerkleinern und zusammen mit den anderen Gewürzen und dem Öl untermischen. Kurz durchziehen lassen. Mit frischem Baguette servieren.

Diese Menge reicht knapp für drei hungrige Personen und ein Baguette – die Salsa macht allerdings süchtig, es macht also durchaus auch Sinn, eine größere Menge zuzubereiten. Für ein Foto war aufgrund des Fressflashs keine Zeit, aber jeder weiß ja, wie Avocado-Salsa aussieht…

Omas Quarkkeulchen

Eines der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Language of Food-Workshop auf Sizilien war, dass vom Essen zu schreiben bedeutet, über das Leben zu schreiben. Jeder, der sich mal mit verschiedenen Lernmethoden beschäftigt hat, weiß, dass man sich Dinge am besten einprägt, wenn man möglichst viele Sinneseindrücke damit verknüpft – sie also etwa mit der  Hand aufschreibt, sich laut vorsagt oder sich beim Lernen bewegt. Beim Essen werden natürlich sämtliche Sinne angesprochen – wir sehen, riechen und schmecken, wir tasten und hören, was wir uns einverleiben. Und so werden auch unsere Emotionen und Erinnerungen aus diesen Momenten gespeichert und verbinden sich mit bestimmten Gerichten.

Luisa erzählt zum Beispiel in ihrem Buch davon, wie sie sich beim Kochen den Menschen nahe fühlt, die sie mit den Gerichten verbindet, selbst, wenn ein Ozean zwischen Ihnen liegt. Ich selbst habe diese Erfahrung auch schon oft gemacht, deswegen gibt es im Herbst meist ein Thanksgiving-inspiriertes Essen und an manchen Tagen brauche ich dringend Kartoffelsalat nach dem Rezept meiner Oma väterlicherseits.

Gestern habe ich ein Rezept meiner Oma mütterlicherseits zubereitet. Mit dieser Oma verbinden mich sehr viele kulinarischen Erinnerungen, vom gemeinsamen Erbsenpulen übers Kuchen- und Tortenbacken bis hin zur Waldmeisterbowle zu Hexenbrennen. Am allermeisten jedoch denke ich an ihre Quarkkeulchen, die es jahrelang an jedem Donnerstag gab.

Quarkkeulchen mit Apfelmus
Wenn ich mittags zuhause war, bekam ich sie gleich frisch aus der Pfanne. Hatte ich länger Schule oder war nachmittags verabredet, ging ich abends zu ihr und bekam sie aufgewärmt. Dazu gab es immer Apfelmus, je nach Jahreszeit frisch gekocht oder aus dem unerschöpflichen Vorrat an eingewecktem. Am besten schmeckte er aus roten Äpfeln.

Gestern also habe ich das Rezept herausgeholt, das sie mir diktiert hat, als ich zuhause ausgezogen bin, und für mich und den Hasen Quarkkeulchen gemacht. Virtuelle Portionen gingen auch nach Kanada, Kalifornien, Ibiza, Bremen, Leipzig und Bautzen – zu meinen Eltern, meinem Bruder und einigen meiner vielen Cousins und Cousinen. Für einen Moment saßen wir alle wieder gemeinsam an Omas Tisch – mit dem Ozean als Tischdecke. Auf dem Sofa schlief die schwarze Katze, draußen bellte ein Dackel und dann schlug die große Standuhr zur vollen Stunde und das Rommé-Spiel wurde herausgeholt…


Omas Quarkkeulchen (Süßes Hauptgericht für 2-3 Personen)

  • 300-400 g gekochte Kartoffeln vom Vortag*
  • 150 g Quark*
  • 1 Ei*
  • 20 g Zucker*
  • 70 g Mehl*
  • Rosinen nach Belieben
  • Vanillezucker (am besten selbst gemacht)
  • Öl für die Pfanne

Je ein Esslöffel Teig, plattgedrückt, wird ein Quarkkeulchen
Die Kartoffeln fein reiben und mit Quark, Ei und Mehl zu einem dicken Teig verarbeiten, wer möchte, kann noch Zitronenschale hinzugeben.

Rosinen unterrühren, bei uns so viele, dass man bei jedem Bissen eine dabei hat.

Öl in einer Pfanne erhitzen (in meinem Rezept steht, bis blauer Dampf aufsteigt, das habe ich dann nicht eingehalten ;)). Mit einem Esslöffel kleine Portionen des Teigs formen und in die Pfanne geben und dann platt drücken (Die Keulchen sollen ca. einen halben Zentimeter dick sein.)

Von beiden Seiten goldbraun backen, dann in Vanillezucker wälzen und bis zum Servieren warm stellen. Dazu gibt es Apfelmus.

Teig (links), Vanillezuckerteller (unten), fertige Quarkkeulchen (rechts)

*Die Mengenangaben sind ungefähre Richtwerte, je nachdem, wie viele Kartoffeln übrig sind oder Gäste mitessen. 

Sizilianisches Couscous mit gebackener Zucchini und Tasca Leone

Der zweite hier versprochene Blogpost bezog sich auf das Essen, dass ich uns am Sonntag nach der Paddelei gekocht habe. Im Prinzip hatte ich mir schon auf den Mecklenburger Seen Gedanken darüber gemacht, was ich kochen will: Wir haben noch riesengroße Zucchini aus Hasebruders Garten, die verarbeitet werden wollen und ansonsten war nicht allzu viel im Haus. Was macht man in solchen Fällen? Richtig, Ofengemüse und was dazu. Und weil wir schon Besuch hatten, wollte ich endlich mal eine Flasche Wein trinken, die ich aus Sizilien mitgebracht hatte.

Die Zucchini landete in “handliche” Stücke geschnitten zusammen mit einem Zweig Rosmarin, zwei Zehen Knoblauch, Olivenöl, Salz und Pfeffer auf einem Blech im Ofen und übernahm das gar werden freundlicherweise selbst, so dass ich mich um das “dazu” kümmern konnte.

Es sollte Couscous geben, den hatte ich noch da, aber er sollte etwas aufregender schmecken, als sonst, wenn es dazu schon nur profanes Ofengemüse gab. Deswegen habe ich ihn nicht einfach mit kochendem Wasser übergossen, sondern in dem Wasser vorher noch einen Esslöffel von Fabrizias Estratto hineingerührt und das Ganze mit Oregano aus ihrem Garten gewürzt. Darin quoll der Couscous dann auf und wurde nochmal ein wenig gesalzen und gepfeffert. Oben drauf kamen mehrere Zweige Basilikum und die Zesten einer kompletten Zitrone. Dazu gab es sizilientypisch nicht Parmesan (hätten wir ja auch nicht da gehabt), sondern Ricotta salata, den man in Berlin zum Beispiel im Centro Italia bekommt.

Dann der Wein – ich hatte mir aus Regaleali eine Flasche Leone und eine Flasche Lamùri mitgebracht. (Auf dem Bild außerdem zu sehen: Besagtes Estratto, Bergamotte-Marmelade, gesalzene Kapern, Kichererbsenmehl und 5 Liter Olivenöl…) Diesen köpften wir nun zum Essen, wobei ich sehr froh war, zu sehen, dass ich auch den im Centro Italia nachkaufen kann – zu einem stolzen Preis von ca. 11 € die Flasche, aber was tut man nicht ab und zu für einen Schluck Sizilien.

Der Leone ist eine Komposition aus Cabernet Sauvignon und Cataratto-Trauben, letzteres eine Rebsorte, die es nur auf Sizilien gibt. Er ist ein sehr fruchtiger, mineralischer Weißwein mit jeder Menge Körper, der mich vor allem an Honig und weißen Traubensaft erinnert – die anderen Mittrinker wiesen auf Zitrusnoten hin. Wir behaupten ja alle nicht, Weinkenner zu sein, aber ich habe ihnen von meiner Weinprobe in Sizilien erzählt und so gingen wir die einzelnen Schritte durch: Erst das Glas schräg halten und die Farbe und Struktur inspizieren. Dann herumwirbeln, um Luft hineinzubringen. Dann eine volle Nase nehmen und schauen, welche Assoziationen aufkommen. Dann einen Schluck trinken und im Mund herumspülen, um die verschiedenen Geschmacksnoten zu erkennen. Dann den nächsten Schluck mit etwas zu essen probieren und schauen, ob sich der Geschmack verändert. Am Ende braucht man eigentlich nur 5 Charakteristika, um den Wein zu beschreiben: rot, weiß, rosé, mag ich, mag ich nicht. Alles andere ist subjektiv. Beim Leone einigten wir uns alle vier auf “mag ich”. 🙂
Rezept

  • Zucchini für 4 Personen
  • 400 g Couscous
  • 1 EL Tomatenextrakt (bei Tomatenmark vermutlich mehr, weil es nicht so stark im Geschmack ist)
  • 100 g Ricotta salata
  • Schale einer Zitrone
  • Oregano, Basilikum, Rosmarin oder andere Kräuter
  • 2 Zehen Knoblauch
  • Olivenöl für das Blech
  • Salz und Pfeffer
Die Zucchini in Stücke schneiden und auf einem mit Backpapier ausgelegtem Blech oder in einer Auflaufform anrichten. Großzügig mit Olivenöl betröpfeln, und einen Zweig Rosmarin über das Blech verteilen. Zwei Zehen Knoblauch mit dem Messer zerquetschen und ebenfalls auf dem Blech verteilen. Salzen und Pfeffern und im vorgeheizten Backofen bei 180°C für etwa 25-30 Minuten backen.
Den Couscous in eine Schüssel geben und die doppelte Menge Wasser zum Kochen bringen. In das Wasser einen EL Tomatenextrakt hineinrühren und die Mischung mit Oregano würzen. Die kochende Brühe über den Couscous geben und dann für 10 Minuten ziehen lassen. 
In der Zwischenzeit die Blätter von einem Zweig Basilikum abzupfen und die Schale einer Zitrone mit dem Zestenreißer abreißen (mit einer Reibe abreiben geht auch, sieht aber weniger schön aus und matscht mehr). Den Ricotta mit der Käsereibe in große Streifen reiben.
Den Couscous mit Salz und Pfeffer würzen und nochmal ordentlich umrühren, dann mit Basilikum und Zitronenzesten dekorieren, mit den Zucchini und dem Ricotta servieren.

Couscous mit frittierten Artischocken und Kapern

Ich habe bis auf ein paar wenige Stunden nächstes Wochenende gerade zwei Wochen lang sturmfreie Bude – der Hase ist auf Reisen in Familienangelegenheiten. Damit mir nicht langweilig wird (ha, haha, hahahaha…), habe ich mir unter anderem vorgenommen, tolle Sachen zu essen. Zum Einen kann ich in dieser Zeit ohne schlechtes Gewissen Sachen kochen, die der Hase nicht mag (gestern gabs direkt Pilze, nämlich mit Reisbandnudeln und Pak Choi) und zum Anderen nach Herzenslust Neues ausprobieren und mir dabei alle Zeit der Welt lassen, weil außer meinem eigenen Magen keiner drängelt. (Nicht, dass der Hase ein Drängler wäre, aber allein die Anwesenheit einer zweiten Person verführt dazu, schnell fertig werden zu wollen, weswegen hier manchmal auch Kartoffeln auf den Tisch kommen, die noch nicht ganz durch sind. *hust*)
Ich habe mir am Montag eine Artischocke gekauft, gabs hier schon lange nicht mehr und ist auch etwas langwierig in der Zubereitung. Außerdem hatte ich in Sizilien ja gerade einen kleinen Kurs in der Vor- und Zubereitung von Artischocken und wollte testen, ob ich das auch alleine hinkriege. Geht ganz gut, ich hab es mir aber auch insofern erleichtert, dass ich anders als in Case Vecchie auf den Kichererbsenteig verzichtete und die Dinger direkt frittierte. Die Artischocke im Kopf ging ich heute in Gedanken immer wieder mein Inspirationsrepertoire und die Vorräte durch und hatte dann, als ich das Büro verließ, einen konkreten Plan: Zu der frittierten Artischocke würde es Couscous geben (allerdings nicht aus dem rohen Weizen zubereitet, sondern faul in der Wasser-drauf-und-ziehen-lassen-Variante), außerdem Ricotta (leider nicht frischen aus Schafsmilch, sondern die Kuhmilch-Version aus dem Kühlregal), Kapern (ich hatte mir gesalzene aus Case Vecchie mitgebracht) und Zitrone – echt sizilianisch eben.
Die Zubereitung hat dann auch eine knappe Stunde gedauert, aber das war es auf jeden Fall wert. Beim nächsten Mal würde ich noch ein Dressing dazu machen, evtl. mit mehr Zitronensaft, Olivenöl und Kräutern, und mich trauen, die Kapern noch ein bisschen länger zu frittieren, damit noch etwas Knusprigeres dabei ist. Ansonsten aber: Top!
Rezept für 2 Portionen:

  • 1 große Artischocke
  • Saft und Schale einer halben Zitrone
  • 2 Esslöffel gesalzene Kapern (nicht sauer eingelegte!)
  • 100 g Couscous
  • 1 Schale Ricotta
  • Ausreichend Olivenöl zum Frittieren (ca. 1-2 Tassen*)
Als erstes habe ich ausgiebig das Salz von den Kapern gespült und diese dann in kaltes Wasser gelegt. Im Laufe der nächsten 45 Minuten habe ich das Wasser zweimal gewechselt und am Ende nochmal gespült.

Dann wurde die halbe Zitrone mit dem Zestenreißer bearbeitet und danach ausgepresst. Die Zesten habe ich beiseite gestellt, den Saft in eine breite Schüssel voller Wasser gekippt.
Dann kam die Artischocke dran. Zunächst habe ich den Stiel gekürzt, um sie handlicher zu machen. Dann wurden ringsum die Blätter abgezupft, bis nur noch die ganz feinen übrig waren. Die habe ich mit einem Dreh herausgezogen. Dann habe ich die Artischocke geviertelt und die Viertel, die ich gerade nicht bearbeitet habe, in das Zitronenwasser gelegt. Eins nach dem anderen nahm ich sie heraus, entfernte das Stroh mit einem Löffel und schälte alles ab, was hart und holzig war. Dann wurden die Viertel in dünne Scheiben geschnitten und wieder ins Zitronenwasser verfrachtet.
Ich habe 100 g Couscous abgewogen und 200 ml (also die doppelte Menge) Wasser zum Kochen gebracht. Das Wasser habe ich dann auf den Couscous geschüttet und das Ganze ziehen gelassen.

Dann habe ich in einer großen, tiefen, schweren Pfanne mein Frittieröl erhitzt und in der Wartezeit die Cherrytomaten halbiert.

Als das Fett heiß war, habe ich die Artischockenscheiben in zwei Schichten langsam und vorsichtig frittiert, bis sie erst weich und dann leicht braun wurden. Während die auf Papier abtropften, warf ich noch die gewässerten Kapern ins heiße Fett. Als eine Probekaper schön knusprig war, holte ich schnell alle Kapern heraus und ließ sie abtropfen.
Dann habe ich die Hälfte des Couscous auf einem großen Teller verteilt, die halbe Packung Ricotta als Berg in die Mitte gesetzt und die Hälfte der frittierten Artischocke drumherum arrangiert. Auf den Ricotta kamen die Kapern und die Zitronenzesten und drumherum die Cherrytomaten, verziert mit Basilikumblättern und Aceto Balsamico. Die andere Hälfte von allem kommt morgen mit ins Büro.

*Frittieren mit Olivenöl, fragt Ihr Euch? Ja! Nach einem eindringlichen Appell von Fabrizia bin ich überzeugt: Das ist es wert. Zum Einen frittiert man ja nicht so oft und kann außerdem das Öl 2-3 mal verwenden, so dass sich der finanzielle Aufwand in Grenzen hält. Zum Anderen schmeckt es mit Olivenöl besser und wenn man sich an Fabrizias Anweisungen hält und eben “frittiert, wenn man frittiert” und nicht in der Gegend herumscharwenzelt, dann raucht da auch nichts und das Öl bleibt verträglich. 

Make the best of summer (and save some for winter): Das Kirsch-Massaker

Manchmal passt einfach alles zusammen. Zu meinem Geburtstag letzten Sonntag brachten Freunde uns einen Korb voll Kirschen mit. Wir freuten uns und naschten die ganze Woche davon. Ich dachte an Fabrizias Kirschkuchen in Case Vecchie und las von Marisa McClennans Kirschbutter in Luisas Blog und der Hase dachte an den Weinballon, der nun nach dem Abfüllen des Holunderweins endlich wieder leer war. Gleichzeitig wurde der Korb immer leerer und ich verwarf meine Gedanken schon bald wieder. Nicht so der Hase. Er checkte gestern die Kirschsituation in unserer Umgebung auf mundraub.org und ging dann mit zwei Eimern los, um ein paar Straßen weiter in einen Baum voller reifer Schwarzkirschen zu klettern. Als ich heimkam, erwarteten mich also neben einem besoffenen Kater auch zwei Eimer voller saftiger, süßer Kirschen. Ich durfte mir Kirschen für die Kirschbutter (die zu Hases Enttäuschung gar keine Butter ist) und einen Kuchen abfüllen. Der Rest wird jetzt zu Wein verarbeitet.

Kirschbutter nach Marisa McClennan, gefunden bei Luisa

Kirschen abwiegen – ich nehme nur die Hälfte von Luisas Menge, da wir noch so viel Marmelade haben.

Dann geht es mit dem Entsteinen los – mehr oder weniger effektiv mit diesem Entsteiner.
Sieht aus wie nach einem Mord.

Kirschen und Zucker kommen in einen Topf und werden zum Kochen gebracht.

Danach darf die Mischung eine Stunde lang auf kleiner Flamme köcheln, ab und zu wird umgerührt.
Am Ende wird püriert, Zitronensaft hinzugegeben und wieder aufgekocht. Zum Auspressen der Zitrone benutzte ich meine neue Zitruspresse, die wirklich unglaublich toll ist. Dickes Dankeschön ans Tantchen für den Tipp!

Gläser bis ganz nach oben füllen, Deckel drauf, umkippen und abkühlen lassen.

Ein Foto mit Kirschbutter und Noosa machen.

***
Torta di Mandorle e Olio d’Oliva – mit Kirschen
Ich wollte direkt mal das wundervolle Mandel-Olivenöl-Kuchen-Rezept ausprobieren, das wir letzte Woche gebacken haben, ergänzt um eine Runde Kirschen, denn ich finde, dass jeder Kuchen durch etwas Obst nur gewinnen kann. 

Ich pinnte Fabrizias Rezept an den Kühlschrank, so hatte ich immer alles im Blick und nichts wurde dreckig. (Ich distanziere mich hiermit von den Bayern-Magneten ;))

Nochmal Kirschen entsteinen – ich nehme die letzten, nicht so süßen, Geburtstagskirschen und fülle nur ein wenig mit Schwarzkirschen auf.

Eine ganze “Cup” Olivenöl kommt in den Teig.
Ebenso die Schale von einer Zitrone.

Und eine “Cup” Orangensaft – wieder mit der tollen Zitruspresse gepresst.

Außerdem im Teig: Mehl, gemahlene Mandeln, Backpulver, Salz, Eier, Zucker und Vanille. Laut Rezept gehört eigentlich noch Mandelaroma, darauf habe ich aber verzichtet (hätte ich auch nicht da gehabt).

Nach dem Backen muss der Kuchen abkühlen, bevor der Zuckerguss (aus Puderzucker und Zitronensaft) draufkommt. Zuletzt wird mit gerösteten Mandelsplittern dekoriert.

Rhabarber Pie

Der Hase brachte gestern frischen Rhabarber aus der Heimat mit und da ich morgen für eine Woche auf Dienstreise fahre, wollte er direkt heute verarbeitet werden. Ganz habe ich es nicht geschafft – der Hase isst nämlich selbst keinen Rhabarber, so dass die Aufgabe allein mir zu fällt und ich einen Teil der Stangen eingefroren habe. Aus dem Rest und dem, was noch so da war, habe ich Pies gemacht. Eigentlich sollten beide gedeckt sein, aber dafür reichten die Teigzutaten nicht aus, also bekam die eine nur ein Gitter.

Rhabarber Pie

-Mürbeteig herstellen (in meinem Fall aus einer Mischung aus Dinkelvollkorn- und Maismehl, was anderes war nicht da)
-Während der Teig im Kühlschrank ruht, Rhabarber ggf. schälen und in kurze Stücke schneiden, zuckern und mit Vanille verfeinern.
-Den Teig dünn ausrollen, eine gebutterte Backform damit auslegen und dann mit einer Gabel einstechen.
-Rhabarber darauf verteilen.
-Mit einer zweiten Teigschicht bedecken, den Rand mit einer Gabel verzieren und wieder Löcher einstechen.
-Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad etwa 30 Minuten backen.
-Etwas abkühlen lassen und noch warm servieren.

Meine Foodie-Woche: re:publica, Erdbeeren und Green Kitchen Stories (vorsicht, lang!)

Hach, was war das für eine großartige Zeit auf der re:publica. Wie im letzten Jahr ging das alles viel, viel, viel zu schnell vorbei und ich bin froh, dass ich mir diesmal den Freitag frei genommen habe und so noch ein paar Tage Zeit hatte, das Erlebte nachwirken zu lassen, bevor wieder der reguläre Büro-Alltag losging…
Normalerweise bin ich ja sehr faul, was das Mitschreiben in Vorträgen, Seminaren und Workshops angeht, aber dieses Mal habe ich an den drei Tagen so viel notiert, wie wahrscheinlich an keinen drei aufeinanderfolgenden Uni-Tagen meines Lebens. Die ganzen Anregungen, Links und Denkanstöße muss ich auf jeden Fall nochmal in Ruhe durchgehen, ebenso wie ich noch eine Menge Talks nachgucken muss, die ich verpasst habe. Dabei habe ich mir – wie letztes Jahr – ein sehr straffes Programm jeweils von 10 bis 20.45 Uhr auferlegt und habe insgesamt nur zweimal kurzfristig eine Session ausfallen lassen, um mich mit Leuten zu treffen, bzw. etwas zu essen.
Meinen kompletten Session-Plan mit Links findet Ihr am Ende dieses Beitrags – ausführlich soll es ja hier um meine Foodie-Erlebnisse gehen, speziell Tag 2 war ja sehr ergiebig für Menschen wie mich. Es standen nämlich ganze 3 (in Worten: drei) essensthematische Sessions auf dem Plan. Los ging es mit Blick über den Tellerrand – Food Blogging 2.0, (Audio) einer Diskussionsrunde mit Malin Elmlid, Hendrik Haase, Carmen Hillebrand und Eva Schulz. Kernthese war, dass es bei dieser “neuen” Art von Foodblogs um mehr als reines Rezepte-Posten, Restaurant-Kritisieren und Mund-wässrig-Machen geht, sondern zusätzlich eine gehörige Portion Aktivismus vorhanden ist: Für gutes Essen, regional, nachhaltig und sozialverträglich. Malin Elmlid kommt aus Schweden und war sehr überrascht, dass es in Deutschland, dem Land des Brotes, schwer ist, gutes Sauerteig-Brot zu finden. Sie lernte also selbst backen und begann, ihre Brote gegen Geld, Sachen oder Erfahrungen zu tauschen. Zu Beginn bekam sie für ein Brot vielleicht 2 €, inzwischen kann es auch schonmal ein Wochenende in einem Luxus-Hotel sein. Ihr Blog The Bread Exchange erzählt die Tauschgeschichten, die den eigentlichen Wert guten Brotes sichtbar machen. (Passend zum Thema könnt Ihr übrigens derzeit in der MDR-Mediathek noch meinen guten Freund Stefan Richter bei Unter Uns über seine Kampagne #lidllohntnicht reden hören und sehen – irgendwo in der zweiten Hälfte der Sendung.)
Hendrik Haase ist dem Internet als Wurstsack bekannt – er beschäftigt sich vordergründig mit gutem Fleisch, guter Wurst und dem Fleischerhandwerk. Drumherum ist er aber auch mal als Ein-Mann-Lobby beim Ministerium für Verbraucherschutz unterwegs und engagiert sich ganz allgemein für gute, regionale Produkte sowie traditionelle Lebensmittel und Zubereitungen. Ihm ist es zu verdanken, dass ich jetzt möglichst schnell mal bei Nobelhart und Schmutzig essen gehen will, deren Küche “brutal lokal” ist und nur Produkte verwendet, die in und um Berlin hergestellt werden. Was ich sonst noch aus dem Panel mitgenommen habe:
  • In Schweden geben die Menschen inzwischen mehr Geld für Essen, als für Mode aus. (Yay! Willkommen in meiner Welt ;))
  • Foodblogger konkurrieren tendenziell nicht miteinander, sondern unterstützen einander im Kampf um die gute Sache – als Beispiel der “Dishstorm” gegen Bertolli (Würde mich interessieren, ob da alle zustimmen?)
  • Es gibt einen gravierenden Wissens- und damit Identitätsverlust, was unser Essen angeht.
  • Rohmilchbutter mit Wasser aufgeschlagen ist unheimlich cremig – das muss ich demnächst probieren.
  • Industrie und Politik nehmen die Foodblogs durchaus wahr. Praktikanten und Pressemitarbeiter haben zum Beispiel die Aufgabe, die relevanten Blogs zu studieren – Foodblogging kann also durchaus ganz konkret Verbesserungen bewirken.
  • Blogs sollten als Innovationsmotor für die Foodbranche genutzt werden – ein Silicon Valley für Food sozusagen.
  • Die Spargel-Saison zeigt, dass Produkte nicht immer verfügbar sein müssen, um profitabel zu sein. Ich hasse Spargel, aber als Argument taugt er.
Zum Schluss gab es Wurstsack-Wurst und Bread Exchange-Brot – das Craft Beer, das Enthusiastin Carmen Hillebrand mitgebracht hatte, habe ich mir geschenkt – es gab dann später aber noch welches für mich 😉

Die nächste Food-Session war ein Workshop mit zwei Leuten von chefkoch.de – Chefkoch.de ist Pornokuchen und Partizipation (Video) – der brechend voll war. Ob das am Thema oder dem versprochenen und auch ausgeschenkten Gin lag, vermag ich nicht zu entscheiden. Interessant was, dass die Mehrzahl der Teilnehmer die Seite nutzt, aber nur ein Bruchteil in der Community registriert ist. Ich gehöre zu diesem Bruchteil, auch wenn ich meistens nur drin herum lese und Rezepte sammle und mich in all den Jahren bisher nur selten selbst zu Wort gemeldet habe. Das liegt unter anderem an den strengen Regeln, die sich die User dort auferlegen und auch durchsetzen, z.B. dem Besten auf einer formalen Begrüßung und Verabschiedung bei jedem Post oder dem Verbot von Links zu externen Seiten im ersten Post eines Threads – auch auf Produkte und andere Kochseiten darf nicht verlinkt werden. Das hat mit Web2.0 oder Social Networks nichts zu tun, was daran liegt, dass es die Seite nun schon seit 18 Jahren gibt und durchschnittliche User und Userinnen um die 60 Jahre alt sind. Man hat es sich gemütlich gemacht, stellt sich morgens ein Käffchen in den Thread und verschläft die Entwicklung draußen.
Genau das wollen die Betreiber der Seite jetzt ändern und sie baten auf der re:publica um unseren Input – scheinbar Teil einer großangelegten Change-Strategie, zumindest fielen die Begriffe SCRUM und Agile mehrfach. Grob gesagt ist das Ziel, die Community, die Rezeptdatenbank und den Magazinbereich besser miteinander zu vernetzen und auch offline einen gewissen Impact zu haben. Auch wenn die Präsentation des ganzen etwas merkwürdig war, evtl. dem gegen das Lampenfieber getrunkenen Gin geschuldet, bin ich gespannt, was aus den Ansätzen und Previews in Zukunft wird.
Direkt im Anschluss fand das Panel My Edible Jetpack statt, bei dem Karyn Riegel das Aufkommen und die Verbreitung von Food Trends durch die sozialen Netzwerke analysierte. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden mit Hilfe von IBM Chef Watson, einer App, die einem aus bestimmten Zutaten Rezepte zusammenstellt, Gerichte kombiniert, die wir dann gemeinsam verkosteten. Lernen und essen – so lobe ich mir das.
Grünkohl-Chips und Pale Ale gab es gekauft dazu.
Veganer Bürger mit Laugenbrötchen, Feldsalat, mariniertem Tofu und einem Relish aus eingelegten Zitronen, Tomate und Fenchel.

Veganer Bürger mit Laugenbrötchen, Feldsalat, mariniertem Tofu und Cole Slaw aus Chinakohl. Die dritte Variante war übrigens mit in Mezcal geschmorten süß-sauren Zwiebeln. Da Zwiebeln und ich uns nicht so gut vertragen, hab ich davon nur eine Fingerkuppe voll gekostet und kann sagen: Interessant. Das Relish und der Cole Slaw waren hingegen superlecker. In der Auswertung über Twitter und Instagram hat am Ende laut Karyn das Relish gewonnen – auch mein persönlicher Favorit. Ich bin also erstens Mainstream, zweitens würde mich nicht wundern, wenn das Relish demnächst bei einem der zahlreichen Street Food Markets dieser Stadt auftaucht.

Noch während mein Foodie-Herz über diese tollen Sessions lachte, erreichte mich über Instagram die Einladung, am Samstag einer Präsentation von David von Green Kitchen Stories, moderiert von Luise von The Wednesday Chef, über die Green Kitchen Stories-App und ihre Integration mit der Apple Watch im Apple Store zu besuchen. Natürlich bin ich hingegangen – weniger wegen App und Uhr, als um der Gelegenheit willen, David live zu sehen und Luisa mal persönlich kennen zu lernen, bevor ich in 5 Wochen ihren Workshop in Sizilien besuche. 

Beim Betreten des Raums, der als eine lange Tafel arrangiert war, fiel mir als erstes das Mise en Place auf:

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Tatsächlich hat David während der Präsentation ein Dessert zubereitet – leider nur zwei Portionen davon und wer sie am Ende gegessen hat, weiß ich gar nicht. Entstanden ist ein Chia-Himbeer-Dessert mit Cashew-Butter, Hanfsamen, Kokosraspel, Vanille, Nussmilch, Kiwi und Minze. Neben der Inspiration und dem netten Gespräch mit Luisa nahm ich noch einige Tipps für Essensfotos mit dem iPhone mit nach Hause.

Apropos nach Hause: Zuhause gab es foodie-technisch auch ein paar Highlights in der letzten Woche! Der Hase hat aus dem mitgebrachten Bärlauch eine sehr intensive Bärlauchbutter gemacht, die seitdem auf Brot und Brezel, in der Béchamel-Sauce und im Blumenkohl-Auflauf gelandet ist. Soooooo gut! Außerdem zu empfehlen: Der Stachelbeer-Trunk rechts im Bild.

Inspiriert von Davids Chia-Dessert habe ich dann noch versucht, Rhabarber-Kompott mit Chia-Samen anzudicken. Das sah vor allem gut aus – evtl. sollte ich die Samen nicht direkt ins heiße Kompott einrühren. War trotzdem schön rhabarberig.

Die Erdbeer-Saison (so viel wichtiger als Eure blöde Spargel-Saison!) ist endlich, endlich, endlich eröffnet und so wird es jetzt bis mindestens zu meinem Geburtstag in 6 Wochen hoffentlich keinen einzigen erdbeerlosen Tag für mich geben!

Am Sonntag beschlossen wir die Foodie-Woche mit unserem Premierenbesuch bei Bun Bao.

Bun Bao Burger mit scharfem Hähnchen und eingelegtem Rettich bzw. für mich vegan mit einem Mungobohnen-Patty, Mango und Spinat. Dazu Pommes, Süßkartoffel-Pommes, Avocado-Salsa, Minztee und Chia-Limetten-Zitronengras-Shake

Und weil Instagram mich quasi gezwungen hat, gab es dann noch ein Hokey Pokey-Eis für den Hasen und für Rhabarber-Crème Fraîche und Blaubeere-Baiser. Hachz.

Tagebuch-5 im April – Oster-Edition

Schon wieder der 5, schon wieder WMDEDGT bei Frau Brüllen. Und ich schon wieder dabei, natürlich. 🙂 Zwischen all den Osterberichten werde ich heute wohl ein wenig herausstechen, denn zum Einen verbringen wir den Ostersonntag dieses Jahr nicht mit der Familie (Karfreitag, Ostersamstag und Ostermontag hingegen schon), zum Anderen arbeite ich heute mal ganz klassisch einen Feiertagsdienst.

 

Dementsprechend klingelte der Wecker heute trotz Sonn- und Feiertag um 9 und ich schlich in die Küche, um mir dann unter lautem Gedröhn einen Smoothie zu mixen. Hinein kam, was wegmusste (Wildmangos, Bananen, Apfel, Orange), was gut tut (Ingwer, Curcuma und Matcha-Pulver) sowie was flüssig macht (Apfel-Birnen-Saft). Außerdem fütterte ich die Katzen und putzte mir die Zähne. Dann ging es auch schon an den Schreibtisch, dank tollen Wetters immerhin sonnenbeschienen und mit offener Balkontür.

Die Katzen sorgen immer wieder für putzige Unterhaltung zwischendurch. Entweder springen sie mir auf den Schoß oder direkt auf den Schreibtisch, oder sie legen sich einfach dekorativ hin und verlangen danach, fotografiert zu werden. Großraumbüro-Feeling für Zuhause, sozusagen. Als der Mann schließlich aufsteht, gibt es als zweiten Gang eine Schüssel Cornflakes mit Milch – hatten wir extra für unsere amerikanische Couchsurferin vom letzten Wochenende gekauft und der Blogpost von Leitmedium, bzw. mein Kommentar und sein Tweet dazu weckten nun meinen Appetit darauf – außerdem war das Brot verschimmelt und der Mann muss erst neues backen.

Ungefähr zur Hälfte des Arbeitstages passiert genau das, was man im Homeoffice am wenigsten will: Das Internet bricht zusammen – also, unser Anschluss daran. Nach einem hektischen Telefonat mit dem Provider (“Da können Sie jetzt gar nix machen, wir melden uns, wenn’s wieder geht”) und kurzem Überlegen muss ich mich wohl oder übel doch noch anziehen (*hüstel*). Zum Glück wohnt eine liebe Freundin nur eine Straße weiter und wir haben einen Schlüssel. Ich begebe mich also in ein Zweit-Homeoffice, mit Zweitkatze, und arbeite dort weiter. Glück gehabt!
Gerade als ich zu verhungern drohe kommen Freundin und Mann mit Kuchen herein. So gibt es doch noch ein kleines bisschen österliche Festlichkeit. Danach wird aber schnell weitergearbeitet, bis ich um 18 Uhr endlich Feierabend habe.

Wir verabschieden uns und kehren in unsere Internet-lose Wohnung zurück. Für ein Stündchen (oder zwei) setze ich mich an den Rechner des Mannes, um Monkey Island 2 zu spielen. Er benutzt derweil meinen Laptop und zockt Colonization. Ich stelle fest, dass es ein Fehler war, neulich den “leichten” Spielmodus zu wählen. Es geht viel zu schnell und viele Dinge, an die ich mich erinnere, fehlen. Muss ich wohl demnächst nochmal von vorn anfangen. Level 2 ist jedenfalls schnell durchgespielt.

Abends gibt es dann ein Gericht aus meiner Jugend: Pellkartoffeln und bunten Quark. Neben Kräutern aller Art gehören da noch hartgekochte Eier hinein und was eben so da ist – Tomate, Paprika, saure Gurken, Äpfel… Hauptsache bunt eben. In unserem Fall kommen heute Schnittlauch, Petersilie, Dill, Sauerampfer, Gurke, Tomate, Ei und Apfel hinein. Für Kartoffelportion 2 kommt Rollmops auf den Tisch, zum Nachtisch gibt es Schokohasen.

Über Pellkartoffeln können wir uns übrigens trefflich streiten. Von der Zubereitungsmethode über die erwünschte Konsistenz der zu essenden Kartoffeln bis hin zu den Dingen die dazugehören: Der Mann schwört auf den Schnellkochtopf. Die Kartoffeln haben danach so weich zu sein, dass man die mit der Gabel zerdrücken kann. Dazu gibt es eigentlich nur Kräuterquark (und zwar reicht da auch fertiger). Zumindest im letzten Punkt lässt er aber mit sich reden. 
Meine Pellkartoffeln werden hingegen normal in Wasser gekocht und sind dadurch weniger trocken. Sie sind härter, zerfallen nicht, wenn man sie mit der Gabel auf den Teller bugsiert und werden erst so richtig zerdrückbar, nachdem man die Butter, wahlweise das Leinöl, drüber getan hat. Man muss sie aber auch nicht zerdrücken, sondern kann sie auch ganz normal in Stücken essen. Außerdem gehört auf jeden Fall noch Salz dran, evtl. Pfeffer. Gekaufter Kräuterquark ist quasi ein Unding, der Quark wird frisch angerührt – egal ob jetzt mit Kräutern, Leinöl oder eben als bunter Quark. Zerdrückt werden die Kartoffeln nur, wenn es Sahnehering dazu gibt.
Wir werden da niemals auf einen Nenner kommen, fürchte ich. Vielleicht müssen wir eines der beiden Gerichte umbenennen…
Nach dem Essen folgt der Abwasch, danach geht es bei mit Monkey Island weiter – diesmal mit allen Schikanen, so wie früher.

Oster-Futter: Pizza con l’erba

Gestern galt es, etwas für unser Redaktions-Osterbrunch zuzubereiten und meine Wahl fiel auf eine Pizza con l’erba. Das Besondere daran ist, dass es sich um eine gefüllte Pizza, also so ähnlich wie eine Pastete oder eine Calzone handelt, und, dass sie vor allem mit Grünzeug (erba = Kräuter) gefüllt ist. Ich habe dieses typische irpinische Ostergericht bei meinem irpinischen Ex-Schwiegervater kennengelernt, der es uns oft zu Ostern, aber auf besonderen Wunsch auch zu allen anderen Jahreszeiten (dann aus den unerschöpflichen Weiten seiner Tiefkühltruhe) servierte. Traditionell wird es zu Karfreitag gegessen, wer möchte, kann also heute noch schnell die Zutaten besorgen und dann morgen mit etwas echt Italienischem glänzen 😉 (Irpinien ist übrigens die bergige Gegend rund um Avellino in der Region Kampanien und über das Essen meines Ex-Schwiegervaters sollte ich viel öfter bloggen – er ist der beste Koch und Bäcker, den ich je kennengelernt habe.)
Zutaten:
  • Pizzateig aus Hefe (in meinem Fall war er aus Zeitnot gekauft, dünn ausgerollt)
  • Grünzeug nach Wahl, z.B. Spinat, Endivie, Mangold, Cime di Rapa, Puntanelle sowie diverse Frühlingskräuter, z.B. Kerbel und Borretsch (In meinem Fall habe ich genommen, was ich kriegen konnte: Babyspinat, Endivie, Pak Choi, Bärlauch und eine Mischung aus frischen Kräutern für Grüne Sauce, die u.a. aus Kerbel, Borretsch, Estragon und Sauerampfer bestand)
  • Pinienkerne, Sultaninen, grüne Oliven und Anchovis (die Anchovis habe ich durch getrocknete Tomaten, Zwiebeln und etwas Salz ersetzt)
  • Pfeffer, Salz, Olivenöl und in meinem Fall Zitronenzesten

Zubereitung:
Mit der guten Hälfte des Pizzateigs eine Auflaufform auskleiden.
Grünzeug waschen, verlesen und ggf. klein schneiden.
Grünzeug in Olivenöl anbraten und würzen.

Toppings dazugeben und vermischen.

In die Form füllen (sie kann ruhig voll werden, hat bei mir nicht ganz geklappt).
Pizza mit dem Rest Teig zudecken, mit einer Gabel einstechen. Aus etwaigen Teigresten österliche Deko formen (der Beitrag des Mannes) und mit Olivenöl bepinseln.

Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad eine halbe Stunde backen (Je nach Ofen, bei mir waren 25 Minuten schon fast zuviel, aber ganz so dunkel wie auf dem Foto ist die Pizza zum Glück nicht.)

Warm oder kalt servieren – Buon Appetito e Buona Pasqua!