Ein Mutmacher

In diesen Tagen kann man schon einmal ein wenig an der Welt verzweifeln: Es häufen sich die schlechten Nachrichten aus aller Welt, das Leid findet nicht mehr nur in Entwicklungsländern, auf hoher See im Mittelmeer und an den EU-Außengrenzen statt, es ist auch hier in Berlin überall präsent, zum Glück auch endlich in den Medien. Viele engagieren sich, sammeln spenden, helfen. Aber leider liest man immernoch viel zu viele abfällige, fremdenfeindliche, rassistische, zu Gewalt aufrufende Kommentare. Das ganze Internet ist voll davon. Hinzu kommen Debatten über “gute” und “schlechte” Flüchtlinge, angebliche “Wirtschaftsflüchtlinge” und “Asylmissbrauch”. Ermüdend, entmutigend und vor allem enttäuschend.

Zum Glück gibt es eine wachsende Zahl von Leuten, die den Mund aufmachen, die Fluchtgeschichten erzählen und vielleicht irgendwann wieder einen Funken Menschlichkeit in die verstopften Hirne mancher zurückbringen können. Wer die zu Tränen rührende Geschichten lesen möchte, findet sie z.B. bei Andrea Harmonika, Tollabea oder Liisa.

Eine tolle Aufmunterung war für mich gestern Abend der Film Pride im Freiluftkino Friedrichshain. Eigentlich eine historische Komödie, in der es um den Bergarbeiterstreik in Großbritannien und die LGBT-Rechte-Bewegung geht. Gleichzeitig aber auch ein Beweis dafür, was man alles erreichen kann, wenn man zusammenhält, -arbeitet und -kämpft. Solidarität war das Zauberwort. Am Ende verließen wir und auch die anderen Zuschauer den Film mit lächelnden Gesichtern und vermutlich war ich nicht die Einzige, die wieder ein Stück Glauben an die Menschheit und Inspiration für zukünftige Aktionen gewonnen hat. Schaut Euch den Film an, aber vor allem: Helft!

Wie man in Berlin konkret helfen kann, erfährt man unter anderem bei Mit VergnügenBerlin hilft LaGeSo, Lichtenberg hilft oder unter dem Hashtag #einfachmenschsein auf Facebook. (Zu der Aktion gab es gestern ein Porträt bei rbb zibb. An der Aktion sind Freunde von mir beteiligt und der Hase und ich werden auch mitmachen.)

Lackierte Pflaumentarte nach Mme. Grain de Sel

Auf dieses Rezept stieß ich auf der Suche nach neuen, anderen Pflaumenkuchen, als der Hase mit einem 5-l-Eimer voller frisch gepflückter Pflaumen nach Hause kam. (In den Höfen hier stehen jede Menge Obstbäume, an denen man sich frei bedienen kann – daher stammen auch unser diesjähriger Kirschwein und der Apfelmus vom letzten Jahr.) Ich habe ja überhaupt nichts gegen den alten Klassiker Hefeteig-Pflaumen-Streusel, wirklich. Aber neue Wege zu gehen, reizte mich dann doch mehr, zumal ich in diversen Foodblogs (die ich genauso gerne wie Elternblogs lese ;)) ja ständig neue Inspirationen bekomme. 
Das Rezept für die lackierte Pflaumentarte habe ich bei Mme. Grain de Sel entdeckt, bei deren Essensbildern mir immer sofort das Wasser im Munde zusammenläuft und sich meine Seele unter südfranzösischer Sonne wähnt. Ich besorgte mir also einen fertigen Blätterteig (Hab mir sagen lassen, dass das völlig OK ist, den nicht selbst zu machen…) und Sahne und dann konnte es losgehen.

Rezept

1 Blätterteig
1 Becher Sahne
400 g Pflaumen für die Tarte (hab ich nicht abgewogen, von meinen großen habe ich etwa 12 gebraucht)
2 TL Rohrzucker und 1 TL Zimt für die Tarte
100 g Pflaumen für den Lack (die hab ich abgewogen, um die richtige Konsistenz hinzukriegen)
40 g Rohrzucker für den Lack
Zunächst einmal soll der Teig etwas ausgerollt werden, dann wird ringsherum etwa ein Zentimeter abgeschnitten. Der neue Rand wir mit Wasser eingepinselt und dann mit den Abschnitten erhöht – umklappen geht bestimmt auch ganz gut. Danach kommt die Sahne zum Einsatz, mit der der Boden eingestrichen wird.

Dann sieht das Rezept vor, aus Rohrzucker und frisch gemahlenem Zimt eine Zimt-Zucker-Mischung herzustellen. Eigentlich hätte ich sowas auch fertig gemischt da, bzw. auch fertig gemahlenen Zimt um neu zu mischen. Aber ich halte mich ja gerne ans Rezept und Zimtstangen habe ich auch vorrätig, also rieb ich sie fleißig über meine kleinste Reibe und es roch wirklich toll. Ob es den Aufwand geschmacklich wert ist, kann ich nicht sagen, aber haptisch und olfaktorisch war es wirklich ein Erlebnis. Die Hälfte der Zimt-Zucker-Mischung wird auf dem Tarteboden verteilt. (Ja, das Foto habe ich mit den Augen gemacht ;))

Als nächstes kam die feinmotorische Herausforderung, die sehr saftigen, weichen Pflaumen nach dem Halbieren in feine Scheiben zu Schneiden und diese dachziegelartig auf dem Teig auszulegen. War aber dann erstaunlich meditativ und hinterher war ich stolz wie Bolle auf mein Pflaumendach, vor allem, weil sich die Sonne die ganze Zeit auf dem rot-gelben-Wunderwerk ergosss – nach haptischen und olfaktorischen Highlights nun also auch noch Streicheleinheiten für Augen und Seele, mit Zucker obendrauf. Also, Zimtzucker, der zweiten Hälfte, Ihr versteht…

Während die Tarte dann im Ofen vor sich hinbuk, stellte ich den Lack her. Noch einmal 100 g Pflaumen wurden sehr klein geschnitten, mit 40 g Zucker vermengt und auf kleiner Flamme geköchelt, bis sie schön matschig waren und jede Menge Saft entstanden war. Dann passierte ich die Masse durch ein Sieb und stellte sie beiseite, bis die Tarte aus dem Ofen kam. Am Ende wurden die Teigränder mit dem Pflaumenlack bestrichen (und der Rest davon noch über den Pflaumen verteilt) – fertig!
Mme. Grain de Sel empfiehlt das Essen in noch warmem Zustand und mit Schlagsahne. Uns hat es angesichts der hohen Temperaturen auch kalt (kalt ist ja in dem Fall ein dehnbarer Begriff) und ohne Schlagsahne geschmeckt. Das kann man also halten, wie man will.

So summer, much love

Gestern war ein wundervoller Sommerferientag für mich. Obwohl ich wirklich die ganze Zeit unterwegs war und heute zum Ausgleich erstmal ein wenig Ruhe brauche, waren die vielen Dinge, die ich erlebt habe, jedes für sich wirklich toll und ganz unspontan war das ganze auch nicht, denn von den sechs Programmpunkten waren nur drei vorher verabredet, die anderen drei ergaben sich im Laufe des Tages.
Gleich morgens traf ich mich mit der lieben @fraumierau, um mir meine Kuchenform wieder abzuholen, die am Sonntag bei ihr gelandet war. Zusammen mit den beiden Kindern, von denen ich ja spätestens seit Sonntag riesiger Fan bin, gingen wir ein Eis essen und dann auf den Spielplatz, wo ich von den Kiddies vielseitig eingesetzt wurde: zum Wasser bringen, Kuchen backen, Burgen bauen und beim Klettern auffangen. Hätte ich nicht noch andere Verabredungen gehabt, ich wäre am liebsten den ganzen Tag geblieben (und der Hase scheint mir jetzt ein wenig eifersüchtig zu sein, denn er hat starke knapp 3-jährige Konkurrenz bekommen!). 
Als die Mittagszeit heranrückte, riss ich mich dann allerdings doch los, klopfte mir Sand und Matsch von der Hose und fuhr mit S- und U-Bahn raus zum Strandbad Jungfernheide, wo ich mit dem Mann und einer lieben Freundin ein paar Stunden mit Baden, Sonnen, Picknicken und Quatschen verbrachte. Die Verabredung dazu entstand übrigens morgens auf dem Weg zu den Mieraus. Spontanität können wir. Ich war ja zunächst ein wenig skeptisch und fragte mich, warum ich denn für Baden mit Eintritt bis tief in den Westen fahren sollte, wo wir doch Weißen See, Orankesee und Co. quasi um die Ecke haben. Dann war das Bad aber doch sehr schön und nicht einmal besonders voll, so dass wir vielleicht demnächst nochmal die Strecke auf uns nehmen. 
Der nächste Termin war dann wieder von langer Hand geplant und hatte eigentlich überhaupt nichts mit Urlaub zu tun: Ein Gespräch mit meinem Bankberater. Allerdings hatte ich diesmal zum ersten Mal den Hasen dabei und weiß jetzt, dass solche Gespräche auch extrem lustig sein können. Innerhalb von zwei Minuten fing der Hase an, meinen Bankberater zu duzen. Dann gaben sie sich relativ schnell Döner- und Clubtipps und tauschten sich über ihre Anlageerfahrungen aus. Am Ende verließen wir die Filiale allesamt per Du miteinander und mit wertvollen Tipps und ohne etwas unterschrieben zu haben. Kann man so machen. Ich glaube demnächst nehme ich den Hasen auch mit, wenn ich mit Ärzten oder meinem Chef rede und setze Telefonkonferenzen mit Finanzamt und Versicherungsheinis und ihm an. 
Wir machten einen kurzen Zwiscchenstopp zuhause, fütterten die Katzen, hängten die Wäsche auf und der Hase kaufte sich Tickets fürs Reggae Jam im nächsten Jahr. Dann war es auch schon wieder Zeit für den letzen regulären Termin des Tages: Das Hochzeitstag-Essen (39 Jahre!) mit meinen Eltern im Gorki Park. Wir futterten uns durch eine gigantische Vorspeisenplatte mit eingelegten Pilzen, Rote Beete-, Möhren- und Rettich-Apfel-Salat, Ei mit Kaviar, Heringstatar, Schinken und mehr und kämpften uns dann im Hauptgang durch verschiedene Varianten von Pelmeni und Wareniki – alles bei sommerlicher Hitze, wohlgemerkt. Deswegen verzichteten wir auch auf Vodka und schwere Desserts und holten uns lieber noch schnell ein veganes Sorbet bei Süße Sünde nebenan – ich hatte Himbeer-Ingwer und war sehr zufrieden mit meiner Wahl.

Als nächstes folgte ein Besuch bei unserem Stamm-Katzensitter (vormittags auf dem Spielplatz verabredet), dessen Mieze unser Nimbin neulich Blut gespendet hatte. Das Tierchen ist inzwischen deutlich gesünder und fideler, so dass unser Freund mal für ein paar Tage wegfahren kann und wir in der Zwischenzeit die Fütterung übernehmen werden. Ein bisschen herzerweichend sieht das Kätzchen allerdings doch aus – mit nur noch einem Auge, nachwachsendem Haar an den ehemals rasierten Hinterbeinen und verbundenem Sonden-Schnitt am Hals. Aber es geht aufwärts und wir werden sie in den nächsten Tagen auf jeden Fall ordentlich füttern, damit sie wieder zu Kräften kommt.

Diesen wundervollen Tag mit lauter netten Menschen, Kindern, Katzen, Sonne, Eis, Baden, gutem Essen und viel Gelächter ließen wir dann noch mit lieben Nachbarn in deren Garten ausklingen – eine Verabredung, die wir im Strandbad getroffen hatten. Erst nach Mitternacht liefen wir dann durch die dunklen Gärten zurück nach Hause, wo uns unsere eigenen Miezen schon sehnsüchtig und mit Appetit auf einen kleinen Betthupferlsnack erwarteten.

Ein wundervoller Sommertag mit viel mehr Programm als ursprünglich gewollt und geplant, aber eben auch genau richtig, um leere Akkus ordentlich aufzutanken. Danke an alle Beteiligten!

#12v12 im Juli

Diesen zwölften habe ich ohne Internet-Empfang in der anhaltinischen Pampa verbracht, wo wir für einen Geburtstag weilten. daher kommt mein Blogpost auch einen Tag zu spät. Die vielen Millionen anderen Posts gibt es wie immer bei Caro.
Zum Frühstück im Garten gibt es frischen Honig von den Milchbienen des Hasenbruders. So lecker!
Bereits vor dem Frühstück hat die Hasenmama diesen Bienenstich gebacken, nach dem Frühstück helfe ich ihr.

Es gibt einen schokoladigen Butterkuchen…

…und einen Marmorkuchen.

Nebenbei entsteht das Mittagessen, komplett ostig mit Emailletopf, gebratenen Jagdwurstscheiben und Apfelschorle aus dem Senfglas (nur Shaun das Schaf hätte es so vor 30 Jahren noch nicht gegeben.)

Die vegetarische Variante für mich: Blumenkohl mit weißer Soße und Salzkartoffeln.

Zum Nachtisch gibt es Kirschen, die der Hasenpapa gepflückt hat, während wir in der Küche waren.

Dann verziehe ich mich bis zum Abendbrot mit Buch in die Horizontale – erst draußen im Garten, mit Regenbeginn dann auf dem Sofa. Das tolle Lesezeichen hat mir der Hase geschenkt.

Zum Geburtstagsabendessen sitzt mir John Lennon gegenüber (in Gestalt des Hasengroßcousins).

Ich entscheide mich für Bandnudeln mit gebratenem Lachs und Knoblauchsoße. Die drei vegetarischen Gerichte auf der Karte hatte ich alle schon mehrfach…

Dann gibt es noch ein heißes Bad gegen meine Rückenschmerzen, bevor auch dieser 12. zu Ende geht.

Couscous mit frittierten Artischocken und Kapern

Ich habe bis auf ein paar wenige Stunden nächstes Wochenende gerade zwei Wochen lang sturmfreie Bude – der Hase ist auf Reisen in Familienangelegenheiten. Damit mir nicht langweilig wird (ha, haha, hahahaha…), habe ich mir unter anderem vorgenommen, tolle Sachen zu essen. Zum Einen kann ich in dieser Zeit ohne schlechtes Gewissen Sachen kochen, die der Hase nicht mag (gestern gabs direkt Pilze, nämlich mit Reisbandnudeln und Pak Choi) und zum Anderen nach Herzenslust Neues ausprobieren und mir dabei alle Zeit der Welt lassen, weil außer meinem eigenen Magen keiner drängelt. (Nicht, dass der Hase ein Drängler wäre, aber allein die Anwesenheit einer zweiten Person verführt dazu, schnell fertig werden zu wollen, weswegen hier manchmal auch Kartoffeln auf den Tisch kommen, die noch nicht ganz durch sind. *hust*)
Ich habe mir am Montag eine Artischocke gekauft, gabs hier schon lange nicht mehr und ist auch etwas langwierig in der Zubereitung. Außerdem hatte ich in Sizilien ja gerade einen kleinen Kurs in der Vor- und Zubereitung von Artischocken und wollte testen, ob ich das auch alleine hinkriege. Geht ganz gut, ich hab es mir aber auch insofern erleichtert, dass ich anders als in Case Vecchie auf den Kichererbsenteig verzichtete und die Dinger direkt frittierte. Die Artischocke im Kopf ging ich heute in Gedanken immer wieder mein Inspirationsrepertoire und die Vorräte durch und hatte dann, als ich das Büro verließ, einen konkreten Plan: Zu der frittierten Artischocke würde es Couscous geben (allerdings nicht aus dem rohen Weizen zubereitet, sondern faul in der Wasser-drauf-und-ziehen-lassen-Variante), außerdem Ricotta (leider nicht frischen aus Schafsmilch, sondern die Kuhmilch-Version aus dem Kühlregal), Kapern (ich hatte mir gesalzene aus Case Vecchie mitgebracht) und Zitrone – echt sizilianisch eben.
Die Zubereitung hat dann auch eine knappe Stunde gedauert, aber das war es auf jeden Fall wert. Beim nächsten Mal würde ich noch ein Dressing dazu machen, evtl. mit mehr Zitronensaft, Olivenöl und Kräutern, und mich trauen, die Kapern noch ein bisschen länger zu frittieren, damit noch etwas Knusprigeres dabei ist. Ansonsten aber: Top!
Rezept für 2 Portionen:

  • 1 große Artischocke
  • Saft und Schale einer halben Zitrone
  • 2 Esslöffel gesalzene Kapern (nicht sauer eingelegte!)
  • 100 g Couscous
  • 1 Schale Ricotta
  • Ausreichend Olivenöl zum Frittieren (ca. 1-2 Tassen*)
Als erstes habe ich ausgiebig das Salz von den Kapern gespült und diese dann in kaltes Wasser gelegt. Im Laufe der nächsten 45 Minuten habe ich das Wasser zweimal gewechselt und am Ende nochmal gespült.

Dann wurde die halbe Zitrone mit dem Zestenreißer bearbeitet und danach ausgepresst. Die Zesten habe ich beiseite gestellt, den Saft in eine breite Schüssel voller Wasser gekippt.
Dann kam die Artischocke dran. Zunächst habe ich den Stiel gekürzt, um sie handlicher zu machen. Dann wurden ringsum die Blätter abgezupft, bis nur noch die ganz feinen übrig waren. Die habe ich mit einem Dreh herausgezogen. Dann habe ich die Artischocke geviertelt und die Viertel, die ich gerade nicht bearbeitet habe, in das Zitronenwasser gelegt. Eins nach dem anderen nahm ich sie heraus, entfernte das Stroh mit einem Löffel und schälte alles ab, was hart und holzig war. Dann wurden die Viertel in dünne Scheiben geschnitten und wieder ins Zitronenwasser verfrachtet.
Ich habe 100 g Couscous abgewogen und 200 ml (also die doppelte Menge) Wasser zum Kochen gebracht. Das Wasser habe ich dann auf den Couscous geschüttet und das Ganze ziehen gelassen.

Dann habe ich in einer großen, tiefen, schweren Pfanne mein Frittieröl erhitzt und in der Wartezeit die Cherrytomaten halbiert.

Als das Fett heiß war, habe ich die Artischockenscheiben in zwei Schichten langsam und vorsichtig frittiert, bis sie erst weich und dann leicht braun wurden. Während die auf Papier abtropften, warf ich noch die gewässerten Kapern ins heiße Fett. Als eine Probekaper schön knusprig war, holte ich schnell alle Kapern heraus und ließ sie abtropfen.
Dann habe ich die Hälfte des Couscous auf einem großen Teller verteilt, die halbe Packung Ricotta als Berg in die Mitte gesetzt und die Hälfte der frittierten Artischocke drumherum arrangiert. Auf den Ricotta kamen die Kapern und die Zitronenzesten und drumherum die Cherrytomaten, verziert mit Basilikumblättern und Aceto Balsamico. Die andere Hälfte von allem kommt morgen mit ins Büro.

*Frittieren mit Olivenöl, fragt Ihr Euch? Ja! Nach einem eindringlichen Appell von Fabrizia bin ich überzeugt: Das ist es wert. Zum Einen frittiert man ja nicht so oft und kann außerdem das Öl 2-3 mal verwenden, so dass sich der finanzielle Aufwand in Grenzen hält. Zum Anderen schmeckt es mit Olivenöl besser und wenn man sich an Fabrizias Anweisungen hält und eben “frittiert, wenn man frittiert” und nicht in der Gegend herumscharwenzelt, dann raucht da auch nichts und das Öl bleibt verträglich. 

#12v12 im Mai

Wie gut ich wirklich in Mathe bin, merke ich ja jeden Monat wieder, wenn ich mich wundere, dass 12 von 12 so kurz nach dem Tagebuch-5 ist. Hab dann auch fleißig Fotos von meinem Tag gemacht, die anderen findet Ihr bei Caro.
Der Duschvorhang ist derzeit eines der Lieblingsspielzeuge von Nimbin und wird bis aufs Blut – bzw. bis auf das Durchstechen des Öko-Kunststoffs mit den Krallen – bekämpft.
Heute soll es warm werden, ich ziehe mich also luftig an.
Fürs Frühstück werden die letzten Erdbeeren in Joghurt geschnippelt, das heißt, ich muss spätestens morgen neue kaufen – kein Tag ohne Erdbeeren, solange Saison ist!
Am Alex weckt dieses Plakat starke Brombeer-Cider-Gelüste in mir. Als ich es Instagramme, sehe ich, dass Alu von Grosse KöPfe auch gerade ein Bild vom U2-Bahnsteig gepostet hat. Ich blicke auf  und, richtig, da ist sie. Dank 12 von 12 haben wir ja auch beide heute Morgen schon gesehen, was die andere trägt, so dass ein Erkennen auch dann möglich gewesen wäre, hätten wir uns nicht letzte Woche auf der re:publica zum ersten Mal die Hand geschüttelt. So wird die Fahrt mit der U-Bahn zu einem impromptu Bloggerinnentreffen. 

Im Büro angekommen wähle ich für den Weg in den 5. Stock mal wieder faul den Fahrstuhl. (Andere machen das mit dem 1. und 2. Stock, das würde mir nur einfallen, wenn ich (temporär) gehbehindert wäre oder wirklich viel Gepäck dabei hätte.)

Weil ich heute sehr müde bin, gibt es zusätzlich zum Tee noch eine Tasse Kaffee.
Beim Betreten des Meetingraumes noch Getränke der Vorgänger vorfinden ist eine schöne Abwechslung.

Nach der Sitzung geht es mit Nudelsalat, Aloe Vera-Drink und Buch raus in den sonnigen Park – Mittagspause.

Beim Lesen Salat essen macht lustige Ölflecken auf der Hose.

Einen Teil des Nachmittags verbringe ich mit dem Durcharbeiten dieses riesigen Stapels an Unterlagen, die ich mir gestern ausgedruckt habe. Da ich normalerweise keinen Arbeitslaptop habe und benötige, die Unterlagen aber mobil nutzen will, passiert das ganz klassisch mit Stift und Papier und nicht ohne schlechtem Gewissen ob der für mich gestorbenen Bäume.
Nach Feierabend findet heute ein informeller Umtrunk in der Büroküche statt.

Dabei bekomme ich auch feierlich meine 5-Jahre-Groupon-Jacke und ein Fläschchen Prosecco überreicht.
Bonustracks:

Die Jacke und ich, seitenrichtig vor passendem Hintergrund.

Nimbin bräsig auf der schleudernden Waschmaschine.

Tagebuch-5 im Mai – re:publica 15 Edition

5. Mai, wisster Bescheid, ne? Frau Brüllen fragt: WMDEDGT? Und ich sage:

Meine innere Uhr (oder das Kind unten) weckt mich eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln, um die Zeit, zu der der Wecker an Arbeitstagen klingeln würde. Heute ist jedoch alles anders, denn ich habe Bildungsurlaub und verbringe ihn wie letztes Jahr auf der re:publica.

Doch erstmal geht alles ganz profan los – aufstehen, ins Bad gehen, Zähne putzen, Anziehen, Katzen füttern. Zwischendurch stellt sich heraus, dass der Hase sich meine Erkältung von letzter Woche zu Herzen genommen hat und heute im Bett bleiben darf. Ich koche ihm noch einen Tee und mache einen Obstteller. Dann schmiere ich mir selbst ein paar Stullen (u.a. mit dem Bärlauch aus der Heimat – dies als Warnung an alle, die mir auf der #rp15 noch begegnen werden), packe Schreibzeug, Ladekabel und mobilen Akku ein und gehe los. Unterwegs kaufe ich noch schnell einen Smoothie für den Weg und ein paar Stangen Schokolade als Icebreaker für die Zusammentreffen mit diesen Leuten.

Kaum auf dem Gelände angekommen, treffe ich schon auf den Herrn Skizzenblog, den ich noch vom letzten Jahr kenne. Dann schaue ich mir die Eröffnung an und direkt hinten dran das Panel Say it loud! Say it clear? Refugees are welcome here?!. Danach lerne ich beim Sketchnotes für Einsteiger-Workshop die Grundlagen visueller Notizen und bekomme das Blind-Porträt signiert und geschenkt, dass mein Sitznachbar von mir zeichnete:

Meine nächste Session war Finding Inclusion in Digital Europe von Raúl Aguayo-Krauthausen und Mareice Kaiser. Dann ging es bei Juliane Leopold und Max Hoppenstedt um Neue Journalismusformate für neue Zielgruppen. Danach brauchte ich dringend eine Pause und es traf sich gut, dass mir draußen auf dem Hof die Damen Mierau und Frische Brise begegneten, die ich mit Hilfe der Schokolade in ein Gespräch verwickeln konnte. 😉 Alu von Große Köpfe und Cloudette stießen dann auch noch dazu.

Nach ein wenig Durchatmen und Sonne tanken begab ich mich dann zum Gespräch zwischen Holm Friebe und Thorsten Hübschen über Den Weg von Digitaler Bohème bis #outofoffice. Hinterher kam es in der kurzen Pause zwischen zwei Sessions bei einem veganen Paletas-Eis (Mango-Kokos) zu einem Speed-Date mit einem Timeline-Kollegen. Auf der Mainstage versuchte ich dann, dem Talk To be your own Captain in Chaos von Johanna Frelin zu folgen, bekam aber zwischendurch einen Anruf und muss ihn mir dann wohl nochmal in aller Ruhe anhören, sobald er online ist. Was ich gehört habe, klang sehr interessant.

Als nächstes standen die Machenschaften der Neonazis in den sozialen Netzwerken von Julia Schramm und Laura Piotrowski auf dem Plan. Und weil ich grad so schön am Aufregen war, passten die Hoax Kampagnen: Opium fürs Empörervolk von Deef Pirmasens und Christian Schiffer auch noch schnell in den Kopf. Danach dann aber erstmal wieder Frischluft und ein Veggie Burger in der Gesellschaft des gesamten Mierau-Clans, inklusive Kindern und Mann von Frau Mierau. Feine Familie, ich lass mich da nochmal irgendwann adoptieren, schon des Frühstücks wegen.

Zum Nachtisch gab es von Anne Schüssler noch eine Systematik des Twitter-Humors mit Ceci n´est pas un tweet. Danach war ich müde und sehnte mich nach Hase, Katzen und Bett, so dass ich mich im aufkommenden Regen auf den Weg nach Hause machte.

Schnell noch ein Telefonat mit dem Bruder geführt und diesen Blog-Eintrag getippt, dann bastele ich mir noch meinen Session-Plan für morgen zusammen und dann wird schnell tief und fest geschlafen!

Sind wir am Ende selbst die Trolle?

Trolle, Hetzkampagnen, Hatespeech… Ein allzu bekanntes Thema im Netz, leider und immer wieder. Zu Hatespeech hat Leitmedium übrigens gerade gestern was geschrieben. Die Idee zu diesem Text hier entstand allerdings bereits davor, ich frage mich im Moment nämlich, ob ein Teil des Problems nicht wir selbst sind. Eine kleine Reflektion zum Wochenende…

In letzter Zeit sind mir gehäuft Situationen aufgefallen in denen sich Menschen, die ich kenne, online so ganz anders verhalten als im direkten Gespräch. Zumindest kommt es mir so vor, vielleicht nehme ich ihre Online-Äußerungen nur ganz anders war, weil mir Stimme, Tonfall, Mimik und Gestik fehlen, um das Gesagte in den richtigen Kontext zu setzen. Jedenfalls liest sich einiges von ihnen wirklich extrem trollig.
Da gibt es zum Beispiel Leute, die im Alltag schon auch eine Menge Bemerkungen und “Witze” fallen lassen, die unter die Gürtellinie gehen oder gezielt provozieren sollen. Meistens sorgt dann aber die Stimmung oder der hochironische Tonfall dafür, dass ich das Gesagte nicht für bare Münze nehme oder zumindest nicht für so bedenklich einordne, wie ich es von den reinen Worten her wahrscheinlich manchmal tun sollte. Kommen die gleichen Kommentare von den gleichen Personen aber online, wirken sie wesentlich härter, böser und *istischer und die Verwendung von diskriminierenden Begriffen lässt sich nicht mehr so leicht weg ignorieren. Würde ich nur das Online-Leben dieser Personen kennen, würde ich sie ganz klar als Trolle, Hater, Maskus einsortieren, so aber bin ich immer wieder hin und her gerissen.
Andere Menschen sind live die liebsten überhaupt und man kann stundenlang mit ihnen über über Dies und Jenes quatschen und sich über das Leben und gemeinsame Interessen austauschen, ohne dass einem irgendetwas negativ aufstoßen würde. Zurück in der Online-Welt aber fallen einem auf einmal Kommentare als abfällig oder abwertend, Fragen als zu direkt oder gar übergriffig auf. Liegt es an der verknappten Sprache und dem Mangel an Kontext? Oder überspielt der Real Life-Kontext die Trolligkeit dieser Personen nur?
Ein dritter Fall sind Personen, die im normalen Alltag sehr “normale” Gespräche führen oder sogar eher zurückhaltend sind, während im geschriebenen Wort online alle Kommunikation sofort sexualisiert wird, mal auf einer locker-leichten flirtigen Ebene, mal richtiggehend derbe und belästigend.
Übrigens, bevor jetzt alle versuchen, herauszulesen, wen ich mit diesen Charakterisierungen meine: Ich habe für jedes Beispiel nicht eine konkrete Person im Kopf, sondern mehrere, deren persönliche Verhaltensweisen sich hier mischen. Entschlüsselung zwecklos, es geht mir auch hier nicht um einen Pranger, sondern eher um allgemeine Fragen.
Wie verändert die Online-Kommunikation unser Verhalten? Reden wir wirklich online anders und nimmt Online uns nur die schützenden Filter? Sind die ganzen Trollkommentatoren, Hater, Maskus, Aluhüte und Pegidisten am Ende keine armen Irren, sondern ganz “normale” Leute, Kollegen, Nachbarn, Freunde gar? Sind wir in Wahrheit alle irre? Wird meine eigene Art der Online-Kommunikation von anderen als ebenso nervig, provokant, trollig wahrgenommen, wie ich es oben beschrieben habe? Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, in Zukunft noch genauer zu überlegen, ob und wie ich Dinge kommentiere. Ist der Kommentar nur für mich selbst lustig? Dann reicht es auch, ihn zu denken und ich muss ihn anderen nicht zur – gegebenenfalls falschen – Interpretation hinstellen. Wir haben sicherlich alle schon erlebt, wie missverständlich Schreiben sein kann, selbst zwischen Leuten, die sich sehr gut kennen. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. 
Ich werde darauf sicherlich noch eine Weile herumdenken und mich und andere beobachten und hinterfragen und möchte Euch ermutigen, das auch zu tun. Nicht “Don’t feed the trolls!” – denn manchmal muss man seinen Mund aufmachen, aber “Don’t be the trolls!”, nicht einmal unbeabsichtigt.

Ergänzung zum Gehacktestag

Ich schrob ja neulich über das kreative Hobby des Hasen. Scheinbar ist mir da ein Fehler in der Recherche unterlaufen, wie auch direkt in den Kommentaren bemängelt wurde. Wer die ganze Geschichte über die Ursprünge des Mett-Exzesses lesen möchte, kann das bei seinem guten Freund Seb nachlesen – auch dieser Link wieder mit einer Triggerwarnung 😉

#12v12 im April – Rostock-Edition

Schön, wenn eine Blog-Aktion auf einen Tag fällt, an dem man Spannendes erlebt – an normalen Bürotagen fällt es mir mitunter schwer, zwölf Bilder für Draußen nur Kännchen zusammenzubekommen, heute hingegen hab ich noch genug Material für ein paar Bonustracks. 
Streng genommen begann der Tag ja um 0:00, da betraten wir gerade einen Club und wie man weiß ist es in solchen Etablissements immer viel zu dunkel für gute Fotos 😉 Also fange ich erst nach dem Schlafen an – mit dem Blick aus meinem Bett bei einer Freundin. Ihr Musikgeschmack ist unschwer zu erkennen.
Ich packte meine Sachen für die Rückfahrt schonmal zusammen und verstaute meine gestrigen Buch-Einkäufe im Rucksack. Wenn ich in Rostock bin, besuche ich meistens die andere Buchhandlung und den Gebrauchtbuchladen Herr Koreander, in beiden arbeiten Bekannte von mir. Dreimal Essen (das Backbuch hat meine Mama auch und ich benutze meine Abschrift daraus für Waffeln und Plätzchen, dazu je eines aus der alten und eines aus der ganz ganz alten Heimat); ein Roman einer kanadischen Autorin, von der ich schon ein anderes Buch las und toll finde; Geschichten aus südlichen Zipfeln des ehemaligen britischen Kolonialreichs; eine Biographie aus dem westlichen Zipfel desselben – man will ja vorbereitet sein, wenn heute wirklich die Ankündigung kommt; ein Buch für den Hasen, das wir schon von einer Lesung auf der Buchmesse kennen, dessen Kauf wir aber verschoben hatten.
Nach dem Packen besuchte ich meinen Onkel und holte ihn zum gemeinsamen Frühstück im Café Lotte ab. Für ihn war es das zweite Frühstück des Tages, daher fiel es flüssig aus.

Danach besuchten wir, zahlreichen Tipps folgend den veganen Eisladen Veis. Ich hatte Johannisbeere und Haselnuss, das Onkelchen Schokolade, wir waren beide sehr zufrieden. (Das werte ich als Erfolg, erinnere ich mich doch an heftige Veggie-Day-Diskussionen mit ihm. ;))

Der Hauptprogrammpunkt führte mich dann nach Warnemünde. Zunächst wurde auf dem Fischmarkt auf der Mittelmole Räucherfisch für den Hasen gekauft – mit Ausblick auf die Häuserzeile am Alten Strom.
Dann ging es über die Brücke ins alte Fischerdorf Warnemünde und mir wurde gleich ganz maritim zumute.

Die Mühle in der Mühlenstraße – einigen vielleicht noch bekannt aus den 90ern und der ARD-Vorabendserie Tanja.
Die Fernsehfamilie wohnte damals nur wenige Häuser von unserem ehemaligen Familiensitz entfernt. Im ersten Stock, dem mit dem Balkon, wuchsen zwei Generationen auf und machte ich als Kind oft Ferien bei Oma und Opa. 

Ich ging den alten Ferienweg quer durch den Park zur Promenade und erblickte das beste Meer der Welt.

Natürlich musste ich direkt ans Wasser und eine Weile daran entlanggehen. Nebenbei habe ich ein Wahrzeichenfoto mit Strandkörben (in Warnemünde erfunden!), Leuchtturm und Teepott gemacht.
Im flachen Wasser tummelten sich Möwen (die bekanntlich alle Emma heißen), während im Hintergrund die Schwedenfähre Fährt aufnimmt.

Ich setzte mich genau so an die Mole und starrte eine Weile wohlig aufs Wasser und atmete tief die gute Seeluft ein. 
Bonustracks:
Der Tradition folgend, musste noch ein zweites Eis sein, nämlich aus der Eisdiele. Hier entsteht bereits seit 1946 hausgemachtes Eis, das wirklich richtig gut ist und genauso zu einem Warnemünde-Besuch gehört, wie der Strand. 

Heute wurde es ein Früchtebecher mit Nougat- und Pfirsich-Maracuja-Eis und Blaubeeren, aus Gründen des Sättigungsgrads ohne Sahne.

Für die Rückfahrt holte ich mir noch was aus dem Vegangster, ebenfalls auf Empfehlung. Es wurde ein Funghi Burger mit Soja-Bratling. Sehr zu empfehlen!