#12von12 im Juli 2016

An jedem 12. eines Monats machen Bloggerinnen und Blogger 12 Fotos von ihrem Tag, gesammelt wird das Ganze hier bei Caro.

 

Das erste Foto mache ich gleich morgens im Bett. Erst hinterher fällt mir auf, dass da ein Zettel auf dem Boden liegt. Es ist meine Gelato Card vom Wochenende. Übrigens haben Nummer 1 und 3 gewonnen und treten im September beim Finale in Florenz an)!

 

Erste Amtshandlung: Nimbin streicheln. Meine Teeniecousine fragte zu dem Bild an, seit wann ich mir denn die Fingernägel lackiere. Mache ich eigentlich gar nicht, aber wegen der indischen Hochzeit neulich, bei der wir alle barfuß waren, bin ich dann doch mal zur Pediküre gegangen, sollte ja festlich aussehen.

 

Noosa ist nicht in Streichelstimmung, sie muss Fliegen jagen. Hier ist sie kurz davor, die Fliege erstmal böse anzumeckern, deswegen ist das Foto etwas verwackelt, aber immernoch schärfer als alle weiteren. Agiles Kätzchen, das.

Ich trage heute endlich mal wieder meinen gelben Rock und dazu ein blaues Shirt – die Farben von Bautzen, Schweden, IKEA und leider auch der FDP.

 

Bei unserer wöchentlichen Betriebsratssitzung bin ich immer diejenige, die sich ein Getränk mitbringt. Heute gibt es Kräutertee in meiner schönen Tasse aus Bolgheri.

 

In der Mittagspause arbeite ich weiter an der Urlaubsplanung. Im August geht es für uns zwei Wochen nach Birmingham (meinen Bruder besuchen), Wales (Roadtrip!) und Liverpool (Meinen Freund Evil Pink Machine besuchen). Die Idee hatten wir natürlich schon vor Brexit und EM, aber der Urlaub macht mehr und mehr Sinn – schnell nochmal rüber, bevor es vielleicht komplizierter wird!

 

Um das Nachmittagstief zu überstehen, schmeiße ich mir ein Spotify-Radio an, so komme ich beschwingt bis in den Feierabend.

 

Auf dem Heimweg wird fürs Abendbrot eingekauft – mir steht der Sinn nach Gemüse.

 

Um die Ecke (und auch noch an anderen Stellen in Berlin) gibt es ein neues Streetart-Motiv. Vielleicht weiß ja jemand mehr darüber? Eine Kollegin kommentierte dieses Foto damit, dass sie mal hinter dem kleinen Fenster neben der Streetart gewohnt hat, das ist doch mal sehr cool!

 

Katzenfutter und Katzengras stehen auch noch auf dem Einkaufszettel.

 

Zuhause angekommen, suche ich erst einmal meinen Impfausweis heraus, den ich morgen brauchen werde. Auf Twitter entspannt sich gleich eine heftige Debatte über sein Äußeres.

 

Fertig ist das Abendbrot, es gibt einen Gnocchi-Salat mit Zucchini, Tomaten und Scamorza und einem Dressing aus Kapern-Fenchel-Pesto, Olivenöl, Balsamico, Knoblauch, Zitronensaft und Bärlauchsalz.

Neun Eise beim Gelato Festival

Endlich mal wieder ein Sonntag, an dem ich Blogbares zu berichten habe und auch noch die Zeit habe, das etwas ausführlicher auszuformulieren. Liegt wahrscheinlich auch mit daran, dass ich während der Woche krankheitsbedingt mal wieder sehr wenig erlebt habe, bis auf die Krankenbesuche lieber Freundinnen natürlich. Von denen abgesehen habe ich hauptsächlich geschlafen, gelesen und Gilmore Girls geguckt, so dass ich gar keine Gelegenheit hatte, in Stress zu verfallen. Aber eigentlich soll es hier ja nicht um Stress-, sondern um Eis-Assessment gehen. Derzeit findet nämlich auf dem Gelände der Arena das Gelato Festival statt, bei dem man nach Zahlen des Eintrittspreises an zehn Ständen verschiedene Eiskreationen probieren kann und dann am Ende seinen Favoriten aus den sechs am Wettbewerb teilnehmenden Sorten küren kann. Das Festival tourt durch diverse Städte in Europa, bevor dann die besten Zwei aus jeder Stadt beim großen Finale in Florenz gegeneinander antreten. Eise essen und bewerten? Genau die richtige Veranstaltung für den Hasen und mich!

Ich hatte jobbedingt schon vor ein paar Wochen von dem Festival erfahren und direkt vergünstigte Tickets gekauft, der Termin stand also felsenfest im Kalender und war selbst von meiner hartnäckigen Sinusitis nicht mehr daraus verdrängbar. Wir nahmen also gestern ein eher spartanisches Frühstück zu uns und fuhren dann gemeinsam mit einer lieben Freundin, deren Kollegin und deren (der Kollegin) Mann zur Arena. Dort wandelten wir an einem Automaten unsere Ticketcodes in eine Gelato Card um und schon konnte der Spaß beginnen. Deutsch, korrekt und wissenschaftlich orientiert, wie wir sind (zumindest, wenn es ums Essen geht), nahmen wir uns die Stände der Reihe nach vor – evtl. nicht ganz optimal, wie wir noch feststellen sollten.

Eis Nummer 1 war die „Seduzione di Aphrodite“, die Verführung der Aphrodite, mit einer Basis aus griechischem Joghurt, Moosbeeren und Nüssen. Hat uns sehr gut geschmeckt, war schön cremig und joghurtig-säuerlich und wurde vom Hasen als seine Nummer 1 gekürt. Die Kreation stammt vom Eiscafé Venezia in Kirn (von Berlin ausgesehen: irgendwo in Rheinland-Pfalz).

 

Nummer 2 war „Valle dei Templi“, das Tal der Tempel. Natürlich hatten wir daran sehr große Erwartungen, denn das Tal der Tempel in Agrigento zählt zu unseren gemeinsamen und einzelnen schönsten Urlaubserinnerungen. Diese Kreation vereinte Mandeln, Pistazien und Zitronen, also drei der vorstechendsten sizilianischen Aromen, ging mir aber ein kleines bisschen zu sehr in Richtung Marzipan. Gut, aber hinter den – zugegebenermaßen sehr hohen – Erwartungen zurückbleibend. Diese Kreation stammte aus der Gelateria Cristallino in Bad Tölz (von Berlin aus gesehen: irgendwo in Bayern).

 

Nummer 3 hieß schlicht und einfach „Ginger Lemon“ enthielt aber außer köstlichem Ingwer-Zitrone-Eis auch noch Preiselbeeren. Sehr lecker, fruchtig frisch, zitrussig, scharf und ein bisschen süß-bitter. Der Favorit des Mannes der Kollegin der Freundin war der erste Lokalmatador vom Fantasia del Gelato in den Spandauer Arkaden (von Berlin ausgesehen: da hinten in Spandau).

 

Nummer 4 war ein weiteres Heimspiel, „EisQueen Summer Garden“ von der EisQueen in Rangsdorf (von Berlin ausgesehen: da unten bei Schönefeld) und die wohl spannendste Kreation im Wettbewerb: Limetteneis mit kandierten Karotten. Hätte man es bei dieser wirklich wohlschmeckenden Kombination belassen, hätte das Eis echte Chancen auf einen Preis gehabt, leider gab es aber obendrauf noch eine irgendwie nach Babybrei schmeckende pürierte Möhrensauce und riesige Stücken gefrorener Möhre, die das Essen unnötig erschwerten. Die (schwangere) Kollegin der Freundin hat das Eis sehr schnell entsorgt, wir anderen haben versucht, die Sauce schnell hinter uns zu bringen oder unterzurühren, danach gings dann. Schade um die schöne Idee!

 

Nummer 5, „Crazy Choc“ wurde mit italienischem Akzent immer wieder marktschreierisch angepriesen als würden nicht der Charakter des Festivals und die Kombination aus Schokoladeneis, Himbeersorbet, Brownie, Himbeer- und Schokoladensauce sowie gefrorener Sahne ohnehin für freudige Abnehmer sorgen. Es war aber auch wirklich superlecker und der Hase und ich überlegten beide krampfhaft, wo wir schon einmal so eine Schokohimbeer-Kombination gegessen hatten. Eingefallen ist es uns nicht, aber sei’s drum. Auch Nummer 5 war übrigens wieder das Produkt eines Eiscafé Venezia (hat ja auch jede Stadt), diesmal aus Birkenfeld (von Berlin aus: auch irgendwo in Rheinland Pfalz).

 

Direkt daneben und deutlich ruhiger dann Nummer 6, der Favorit von mir und der Freundin: das „Mediterraneo“ vom Erste Sahne in Neukölln (von Berlin aus: im In-Bezirk, südlich der Hasenheide). Ein veganes Sorbet aus Bronté-Pistazien, parfümiert mit Orangenblütenwasser, mit kalabrischem Olivenöl aus der Produktion des Vaters des Gelatiere, Karamellsauce und getoasteten Mandeln. Wundervoll, leicht, cremig, unglaublich aromatisch und auch der klare Sieger der beiden Pistazieneis-Variationen. Wie schön, dass mein Favorit auch der für mich am verkehrsgünstigsten gelegene ist, da schauen wir demnächst nochmal vorbei!

 

Nach den sechs Wettbewerbseisen waren wir schon ganz schön platt, aber es gab nun einmal noch mehr Stände und wir hatten sowohl Appetit als auch Ehrgeiz genug, sie alle abzugrasen. Nummer 7 gab es Cookies Eis in zwei Variationen – Original und Black. Ich entschied mich für Black, kostete aber bei der Freundin auch die Original-Sorte, die ein wenig an Pudding erinnerte. Beides nett, aber nicht preisverdächtig.

 

Nummer 8, Buontalenti, eine „Spezialität aus Sahne und Rahm“ von der Florentiner Eisdiele Badliani und benannt nach dem angeblichen Erfinder des Gelato, war skandalöserweise leer (später habe ich über Instagram erfahren, dass nachmittags wieder aufgefüllt wurde, aber da war ich schon lange wieder zuhause in Stars Hollow…). So mussten wir wohl oder übel ein Eis auslassen und gingen direkt zum Trüffeleis von Savitar über. Nicht was wir uns unter Trüffeleis vorstellen, sondern wirklich Eis aus weißen, toskanischen Trüffeln. Eine überraschende und erstmal fremde Mischung aus herzhaftem Trüffelgeschmack (evtl. auch Knoblauch?) und normal-süßem Sahneeis. Nachdem wir uns daran gewöhnt hatten, war das Eis doch erstaunlich lecker und der Hase und ich aßen ohne zu Murren und mit Genuss auf – die anderen hatten in Erwartung des letzten Eisstands ausgesetzt.

 

Dort, bei Pernigotti, gab es nämlich fünf verschiedene wundervolle Schokoladeneissorten mit herkunftsreinem Kakao aus Santo Domingo, Ecuador, Peru, Sao Tomé oder Kuba. Ich entschied mich mit Peru für die dunkelste Schokolade aus 80%igem Kakao und wurde nicht enttäuscht. Enttäuscht war ich eher darüber, dass man uns Nummer 8 vorenthalten hatte, obwohl uns angeboten wurde, einfach noch eine weitere Portion eines anderen Eises zu kosten, was wir aufgrund mangelnder Magenkapazitäten dann doch abgelehnt haben. Ich hätte gerne zum Abschluss nochmal ein leichtes, fruchtiges und nicht zu saures Sorbet gehabt, um eine Balance zur Schokolade zu schaffen. Aprikose, weiße Traube oder Feige wäre toll gewesen. So ein ausgleichendes Eis fehlte mir auch insgesamt ein bisschen in der Auswahl und ich war fast versucht, auf dem Heimweg noch irgendwo anzuhalten. Die Vernunft siegte dann aber doch und so stimmten wir nur noch schnell ab und rollten dann unsere eisigen Bäuche nach Hause.

Das Festival geht heute zu Ende, aber Ihr habt ja noch den ganzen Sonntagnachmittag, um vorbeizuschauen, wozu wir hiermit ausdrücklich raten!

Edit: Die Eise 1 und 3 belegten die beiden ersten Plätze und werden am Finale in Florenz teilnehmen.

Obligatorische Wochenfotos, diesmal mit indischer Hochzeit

…wieder keine Zeit/Muße/Kraft zum Bloggen gehabt. Diese Woche begann mit Waffelbechern gefüllt mit Pudding und Erdbeeren als meine Nachgeburtstagslage im Büro. Dann gab es köstlichen Mocktail mit Maracuja beim Teamevent und ab Donnerstag Abend dann wieder viel Katzenkuschelei dank erneutem Kranksein (jetzt Sommererkältung) und als Highlight eine indische Hochzeit im Freundeskreis, samt anwesendem Bollywood-Schauspieler. Leider konnte ich nur an der Zeremonie tagsüber und dem Abendessen teilnehmen, den Großteil der Party habe ich schniefend, niesend und hustend dann wieder im Bett verbracht. Muss ein ernstes Wörtchen mit meinem Körper reden, das geht so nicht weiter!

Auch heute bleibt die Blogküche kalt

Nach einer Woche mit krankheitsbedingtem Schonungsgebot (samt ärztlicher Anweisung, möglichst wenig zu lesen und „fernzusehen“), meinem Geburtstag, Brexit-Schockstarre und der gestrigen Nachfeier im Volkspark Friedrichshain, habe ich heute wieder nur ein paar Fotos für Euch – der Iron Blogger wegen. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich demnächst auch mal wieder etwas mehr zu schreiben habe…

Noosa
Noosa beim Lage checken
Geburtstag
Geburtstagsfrühstück im Bett
Geschenke
Geburtstagsgeschenke I
Gutschein
Geburstagsgeschenke II
Post
Geburtstagspost
Geburtstag
Sizilianische Geschenke
Rucksack
Neuer Rucksack
Europeada
Doch mal kurz „ferngesehen“
Miezen
Hungrige Miezen
Grill
Heiße Sounds auf dem Grill
Gäste
Süße Geburtstagsgäste

Ein Wochenende in Budyšin / Bautzen

Ich war dieses Wochenende in der Łužica, der Lausitz, um dem Abiball des Sorbischen Gymnasiums Bautzen beizuwohnen. Da ich gerade zu kaputt bin, gibt es nur schnell ein paar Fotos für die Ironblogger – wer mehr wissen will, lese meine Twitter- und Instagram-Ergüsse der letzten Tage. Ich hoffe ich komme demnächst nochmal dazu, mehr zu erzählen!


#12v12 im Juni – Landpartie mit Ziegen, Bienen und Enten

Immer am 12. eines Monats zeigen viele Blogger*innen 12 Fotos von ihrem Tag. Die anderen findet Ihr wie immer bei Caro, hier sind meine:

Heute sind wir bei der Hasenfamilie auf dem Land. Gleich nach dem Frühstück geht es raus zum Ziegenstreicheln. Die fünf Kleinen kenne ich noch gar nicht, sie sind erst in diesem Frühling geboren. Der flauschigste und kuscheligste ist Juan-Carlos, der die erste Zeit mit der Flasche aufgepäppelt werden musste. Hinten guckt übrigens Papa Ferdinand aus dem Stall, nicht übersehen!

 

Wir laufen durch den Gemüsegarten und schauen, was schon alles wächst und gedeiht. Dann gelangen wir zum Bienenhaus. Hier wird heute gearbeitet: Hasenmama und Hasenbruder tauschen die Rahmen aus den Bienenstöcken aus und schleudern Honig.

 

In diesem alten Schrank liegen die geleerten Rahmen. Das Wachs soll jetzt in der Sonne abschmelzen, so dass die Rahmen wiederverwendet werden können. Das Wachs wird natürlich auch verwertet.

 

Nachdem wir im Garten Salat, Rhabarber und Erdbeeren für Zuhause geerntet haben und der Honig geschleudert ist, fahren wir zum Mittagessen in ein Restaurant und essen auf der Terrasse mit Elbeblick leckere Pasta. Dann spazieren wir am Fluss entlang zum Auto zurück.

 

Wir fahren weiter zu Hasenonkel und Hasentante und schauen uns in deren Garten noch etwas um. Es gibt einen neuen Platz für das Holz, dass aus dem eigenen Wald stammt.

 

Wir ernten von zwei vollbehangenen Kirschbäumen alles was schon reif, vom Boden aus erreichbar und noch nicht von den Staren angepickt ist.

 

Der Hase findet für mich die erste reife Himbeere. Soooo lecker!

 

Am Ende des Gartens ist das Gehege der Enten, die wir natürlich – ebenso wie die Hühner – auch besuchen wollen. Dazu geht es zunächst über den Bach.

 

Hier liegen ein paar Enteneier, vermutlich nicht zu Ende bebrütet und teilweise auch schon angefressen.

 

Und da sind auch schon zwei schöne Enten.

 

Und noch mehr, mit niedlichen kleinen Entenküken.

 

Nicht fotografiert habe ich Hühner und Katzen und jetzt fällt mir auch erst auf, dass wir vergessen haben, die Kaninchen zu besuchen. Beim nächsten Mal dann wieder! Am Nachmittag setzen wir uns in den Zug zurück nach Berlin – vollgepackt mit Eiern, Rhabarber, zwei Sorten Salat, Erdbeeren und Kirschen!

Katzen mit Daumen

Wir liegen auf dem Sofa und es ist schon ganz schön spät. Wir sollten langsam schlafen gehen. Dafür müssten wir allerdings aufstehen, das Katzenklo sauber machen, Zähne putzen und solche Dinge. Noosa springt auf uns, legt sich quer über uns und sieht niedlich aus. Wir streicheln sie verzückt und bleiben liegen.

Ich: Können die Katzen ihr Klo nicht selbst saubermachen?

Hase: Die können die Schippe nicht halten, die haben doch keine Daumen.

Ich: Orrrr. Kann nicht mal jemand Katzen mit Daumen erfinden?

Hase: Oh Gott, das würde total dämlich aussehen.

Ich: Aber dann könnten die ihr Klo selber saubermachen und die Dosen würden sie auch alleine aufkriegen.

Hase: …

Ich: Dann müssten sie allerdings auch gar nicht mehr mit uns kuscheln, das wäre ja blöd.

Hase: Ja.

Wir streicheln weiter, dann stehe ich auf und mache dankbar das Katzenklo sauber. Sie haben uns in der Hand.

Eine öffentliche Beichte

Ich muss das jetzt endlich loswerden, die Schuld nagt schon seit einer ganzen Weile an mir und ich weiß nicht mehr, wie ich damit umgehen soll. Deswegen folgt jetzt hier eine öffentliche Beichte. Die Sache ist nämlich die, seit einigen Jahren mache ich mich in regelmäßigen Abständen wissentlich mitschuldig an Raub und Betrug. Und zwar an den Kindern eines Kollegen, nennen wir sie einfach einmal Tommy und Annika. (Namen von der Redaktion geändert). 

Lieber Tommy, liebe Annika, falls Ihr das hier in ein paar Jahren lest: Es tut mir leid! Ich habe immer wieder für Eure Rechte gekämpft, bin aber kläglich an der Entschlossenheit Eurer Eltern gescheitert. Es ist nämlich so: Jahrelang haben sie immer wieder, zeitweise täglich, Süßigkeiten aus Euren Vorräten entwendet, die Ihr von Familenfesten und Omabesuchen zusammengehortet habt. Heimlich des Nachts wurdet Ihr beraubt und das Diebesgut am nächsten Tag unter uns naschhaften Kollegen verteilt. Der Vorwand war dabei aber immer Euer Wohl, insbesondere das Eurer Zähne!

Solltet Ihr jetzt in der Rückschau dankbar für dieses hintertriebene Verhalten Eurer Erziehungsberechtigten sein, so will ich nichts gesagt haben. Seid Ihr jetzt erzürnt, so bitte ich in aller Form und mit tief empfundenen Bedauern um Verzeihung.

Tagebuch-5 im Juni 2016: Syrisches Essen und Rücken

Es ist mal wieder der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT?

Es ist heiß in Berlin. Gegen 10 wachen wir auf und stehen auch recht bald auf, da wir zum Mittagessen in Neukölln verabredet sind. Duschen, Zähneputzen, Anziehen, Katzen füttern… Zum Frühstück für uns gibts es einen schnellen Smoothie aus Pfirsichen, Aprikosen, Erdbeeren, Bananen und Eiswürfeln.

Smoothie

Dann gehen wir los zur S-Bahn und fahren mit der Ringbahn zum Treptower Park. Hier müssen wir in den Bus umsteigen und kaufen in einem Späti an der Bushaltestelle schnell noch eine Wassermelone. Ich trage sie ein paar Schritte lang (hauptsächlich um später sagen zu können: „Ich habe eine Wassermelone getragen.“), merke aber schnell, dass das meinem bereits schmerzenden Rücken nicht so richtig gut tut.

Melone

Wir fahren weiter nach Neukölln zu unseren syrischen Freunden. Gemeinsam mit einem befreundeten Paar sind wir dort heute zum Essen eingeladen. Während wir auf die beiden anderen warten unterhalten wir uns mit den Gastgebern über ihre Sprachfortschritte. Gerade der Vater ist erstaunlich weit, besonders im Lesen und Schreiben, weniger im Sprechen. Er spricht außer Syrisch und Englisch auch ganz gut Französisch und Spanisch, kein Wunder, dass er mit dem Deutschen so gut vorankommt. Leider wird er trotz sehr guter Leistungen in der Sprachschule eher zurückgehalten als gefördert und ist sehr enttäuscht darüber. Auch die beiden Jungs verstehen uns jetzt schon deutlich besser, aber sie sprechen trotzdem größtenteils Englisch mit uns, während wir versuchen, möglichst auf Deutsch zu antworten. Sprachpraxis ist schließlich alles. Im Fernsehen läuft Panda, Gorilla & Co., das ist schonmal ein guter Schritt 😉

Ich blättere durch die Lehrbücher aus der Sprachschule, finde sowas ja generell immer spannend. Als eines der Bücher droht, zu Boden zu fallen, beuge ich mich schnell vor, um es zu retten. Ab diesem Moment sind meine Bewegungen nur noch sehr eingeschränkt möglich und tun größtenteils weh. Die Kombination aus temperaturbedingtem Flip Flops tragen, Schwimmen am Donnerstag, Kieser Training am Samstag, Melone tragen und dieser plötzlichen Bewegung scheint meiner Lendenwirbelsäule mal wieder den Rest gegeben zu haben.

Da wir zu siebt und damit ein Stuhl zu wenig in der Wohnung vorhanden ist, setzt unsere Freundin auf dem Couchtisch. „Ist das OK?“ fragt sie. Ihr Freund witzelt: „Klar ist das OK, die Ms. sind doch Christen, da ist alles OK.“ T. reagiert prompt lachend: „Yes, we’re not Daesh!“

Mit Mühe schaffe ich es vom Sofa an den Esstisch. G. serviert heute gefüllte geschmorte Zucchini, die sehr interessant gewürzt sind und mit den Fingern gegessen werden, außerdem einen Gericht aus Zuckerschoten und Hackfleisch mit Reis. Zum Nachtisch gibt es unsere Melone sowie zwei verschiedene Süßigkeiten. Kleine runde Pfannkuchen werden an einer Seite zusammengedrückt wie Tüten. Die andere Seite wird gefüllt – einmal mit einer Creme und gehakten Pistazien, einmal mit Walnüssen. Über beide Varianten wird flüssiger Honig gegossen. Irgendwann zeigt G. mir, wie man das alles zubereitet, hat er versprochen.

Zucchini

Zuckerschoten

Syrisch

Walnuss

Pistazie
Während des Essens beginnt es draußen zu Donnern. Die drei Syrer zucken zusammen, bei ihnen löst das Geräusch Erinnerungen an Bomben in Damaskus aus. Sie erzählen uns in wenigen nüchternen Worten, was sie gesehen haben – viele viele Tote, darunter Freunde, Nachbarn, Kollegen, Kinder auf dem Schulweg… Es ist schwer, dazu etwas zu sagen, mehr als unser Mitgefühl und Verständnis auszudrücken, können wir nicht tun. Der Moment geht schnell vorüber und dann scherzen wir schon wieder und reden über die Arbeit. Unser Freund hat einen neuen Job bei einer Firma, die mit „IS…“ anfängt, auch das wieder ein Anlass für ein wenig Galgenhumor.

Nach dem Essen lege ich mich und meinen Rücken ein wenig auf den Fußboden, in der Hoffnung, dass die Schmerzen doch noch nachlassen und ich mit den anderen zum Fußball gehen kann. Sie wollen zum Auswärtsspiel von TeBe beim BSV Hürtükel, hier um die Ecke. Leider macht mein Rücken da nicht mit – ich kann mich nicht gerade auf den Beinen halten. Also beschließe ich, stattdessen nach Hause zu fahren. Wir verabschieden uns alle gemeinsam von G. und bedanken uns für das tolle Essen. Auf dem Weg die Treppe hinunter merke ich, dass es illusorisch ist, mit Bus und Bahn nach Hause zu fahren – jede Treppenstufe ist eine Qual und solange ich stehe, muss ich gebückt bleiben, alles andere tut zu sehr weh.

Also nutze ich die Gelegenheit, endlich mal die myTaxi-App auszuprobieren. Die anderen gehen los zum Spiel und ich setze mich vor die Haustür und warte die fünf Minuten, bis mein Taxi da ist. Der Fahrer ist Türke und wir fachsimpeln über Fußball, den heute beginnenden Ramadan, Ischias-Nerven, Taxifahren in Berlin, die Flüchtlingssituation, den Krieg in Syrien und die Politik Erdogans. Bis auf den letzten Punkt sind wir uns sehr einig über alles, aber er ist überzeugt davon, dass Erdogan kein Diktator ist und die Medien sowohl hier als auch in der Türkei nicht die Wahrheit sagen. Nunja, in meiner Situation möchte ich mich nicht streiten und er bekommt natürlich trotzdem ein gutes Trinkgeld von mir.

Berlin
Ich schleppe mich zuhause die Treppen hoch, bringe meinen neuen Laptop, ein paar Bücher und etwas zu trinken zum Sofa und lege mich hin, eigentlich in der Hoffnung heute nicht noch einmal aufstehen zu müssen. Meine Eltern haben mir das Manuskript für ihr nächstes Buchprojekt geschickt, dass ich jetzt lese und kommentiere. Dabei merke ich schon, dass das Sofa für meine Situation suboptimal ist: Die Katzen lagern um mich herum und schränken meine Bewegungsfreiheit zusätzlich ein. Ich muss aber ab und an mal die Position wechseln, was so nicht gut möglich ist. Ich überlasse den Katzen also den Rest der Wohnung und verziehe mich aufs Bett im Schlafzimmer. Viel besser!

Ich schaue auf Netflix Blue Valentine und dann mehrere Folgen House of Cards. Irgendwann zwischendurch kommt der Hase mit unserem heutigen Übernachtungsbesuch nach Hause, der von einem Wochenendtrip nach Riga zurückgekommen ist und erst morgen weiter nach Hause fährt. Da ich immer noch liegen muss, schauen die beiden alleine einen Film und bringen mir zwischendurch noch ein wenig aufgewärmte Reis-Gemüse-Pfanne.

House of Cards
Solange ich liege, geht es mit den Schmerzen einigermaßen, ich hoffe also, morgen wieder einigermaßen beweglich zu sein. Ansonsten wird wohl diese Woche, ähnlich wie der heutige Tag, ganz anders ablaufen müssen als geplant…

 

Waren im Regen

Als ich am Alex in die Bahn zum Hauptbahnhof steige, beginnt das Gewitter. Der Regen begleitet mich, die ich es mir im oberen Stockwerk des RegionalExpress gemütlich gemacht habe bis zur Landesgrenze von Brandenburg, ab Mecklenburg ist es wieder trocken – vorerst. In Waren verlasse ich schweren Herzens den Zug, der mich früher immer bis nach Rostock gebracht hat. Von hier aus soll es mit dem Shuttle-Service weiter bis in das kleine Nest gehen, in dem unser Tagungshotel ist. Ich steige aus dem Zug, freue mich, dass es an der frischen Luft deutlich wärmer ist als im klimatisierten Zug und halte nach dem Bus mit dem gelben Schriftzug Ausschau. Aber da ist keiner.

Ich überprüfe noch einmal den E-Mail-Verlauf von letzter Woche und erschrecke mich – meine Reservierung für den Shuttle ist für morgen, 30., 31., da kann man (ich) ja mal etwas durcheinanderbringen. Ich rufe also im Hotel an, entschuldige mich für das Versehen und erfahre, dass eine Stunde später der Zug aus der Gegenrichtung kommt, in dem auch Hotelgäste sitzen, die abgeholt werden wollen. Da kann ich mitfahren. Eine knappe Stunde muss ich also am Bahnhof von Waren zubringen. Der Himmel zieht sich bereits bedenklich zu, die Regenfront zieht nach Norden, auf uns zu.

Ich suche nach einem wasserfesten Plätzchen, immerhin habe ich meinen neuen Laptop dabei, der nicht nass werden sollte. Die Bushaltestellenhäuschen sind an drei Seiten offen, das ist mir zu gefährlich. Das Bahnhofsgebäude wird in einer halben Stunde geschlossen und alle von Foursquare empfohlen Cafés sind rund einen Kilometer entfernt – lohnt sich nicht, für die kurze Zeit, zumal die dunklen Wolken immer bedrohlicher aussehen. Aus einer urigen Mecklenburger „Dorfkneipe“ (Waren ist ja eine Stadt), die ich normalerweise weiträumig umfahren würde, schaut der Betreiber heraus und signalisiert, dass bei ihm offen ist. Ich zögere noch kurz, aber da kommen die ersten Tropfen. Na gut, rein da.

Außer mir suchen auch noch drei weitere Reisende, die zumindest den schlimmsten Regen abwarten wollen, Zuflucht in Werners Bierstube. Die Kneipe ist muckelig, mit dunklem Holz ausgekleidet, braunem Teppichboden, Korblampen und rustikalen Holztischen auf denen gehäkelte Deckchen und Kunstblumen drapiert sind. Ein Spielautomat flackert bunt vor sich hin, zwei Stammgäste sitzen am Tresen und im Radio läuft Ostseewelle. Ich beschließe, mich so richtig einheimisch zu fühlen und bestelle mir ein Alster, ist ja schon später Nachmittag und sie haben hier Lübzer. Zigarettengeruch haben sie auch, ist nämlich eine Raucherkneipe. Kaum habe ich mein Bier vor mir stehen geht draußen der Weltuntergang los. Ich hole meinen Laptop raus, benutze ihn, um meinen Handy-Akku aufzuladen (wer weiß, was noch passiert) und beginne diesen Text.

Kneipe in Waren
Der Besitzer erklärt meinen Leidensgenossinnen, wie sie von hier aus zu ihrem Hotel kommen, eine weitere nutzt die Gelegenheit gleich mal fürs Mittagessen. Als der Regen etwas nachlässt, kommen weitere Stammgäste herein, die verdutzt schauen, als sie uns sehen, aber höflich grüßen und schnell weiter zur Theke laufen. Die Damen am Nebentisch tauen auf und finden Gefallen an ihrer Situation. Sie posieren für ein Foto am Spielautomaten.

Ich gehe zurück an die Theke und bezahle mein Alster. Es kostet 1,50 €, ich gebe 2 €. In 10 Minuten kommt der nächste Zug, das Shuttle müsste bald auftauchen und der Regen hat etwas nachgelassen. So kann ich zur Bushaltestelle gehen – möchte ja den Anschluss nicht verpassen.