Tsts und Noni und sehr viele Gespräche

Hui, was für ein Tag. Nach der extremen Ruhe von gestern und vorgestern hatte ich heute gleich drei (in Worten: drei) Treffen mit Menschen. Ich weiß selbst noch nicht, ob ich mich jetzt leer- oder warmgeredet habe – das werden die nächsten Tage zeigen, an denen es an sozialen Unternehmungen nicht mangeln wird.

Zunächst einmal besuchte ich ein befreundetes Paar – ihr Kind war endlich wieder in der Kita – im hippen Teil von Lichtenberg. Die Gespräche drehten sich viel um Kommunikation, Beziehungskram, Vereinbarkeit, Reise- und Freizeitpläne sowie gemeinsame Bekanntschaften.

Danach spazierte ich Richtung Friedrichshain und wollte da eigentlich nach einem Geburtstagsgeschenk sehen, rief aber dann doch auf blauen Dunst einfach mal meine beste Freundin an und fragte nach ihrem Befinden. Wie sich herausstellte, war sie heftig erkältet und dank Kitaferien mit den beiden Kindern (eins davon ebenfalls krank) allein zuhause und ihr Mann noch bis morgen früh arbeiten. Ich verschob das Shoppen also auf unbestimmte Zeit und stattete einen Krankenbesuch ab. Wir tranken Tee, erzählten von den Tücken des Erwachsenenlebens und bespaßten mit vereinten Kräften die Kinder, die vom kleinen Kind als Tsts und Noni bezeichnet werden. Dazu gehörte auch mein erster Besuch in einem Kindercafé und eieiei, das ist wahrlich kein Spaß, vor allem, wenn man so erkältet ist, wie die beste Freundin. Aber was tut man nicht alles, um die Kinder gegen 7 ins Bett zu kriegen und dann immerhin den Abend über selbst krank sein zu dürfen.

Ich verließ die Szenerie dann als genau dieser Punkt erreichbar und fuhr weiter nach Kreuzberg, wo ich mich mit einigen Twittermenschen traf und einen sehr schönen Abend mit der Art von Gesprächen hatte, die man so mit Twittermenschen führt (gemeinsame Bekannte, Lieblingsblogs, Gesprächskultur auf Twitter und lauter Sachen, die man aus dem Leben der anderen bereits kennt und gerne mal ausführlicher beleuchtet hätte). Schön wars!

Neues Jahr dann erst morgen!

Der Plan für heute war, das Sofa nicht zu verlassen und genau das habe ich getan – mit Ausnahme eines Aufenthalts in der Badewanne, während der Hase das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee gesehen hat. Drumherum wurde gegessen (indisch-nepalesische Reste von gestern), geschlafen, gekuschelt und im Internet herumgelesen. Pläne wurden für die nächsten, für mich noch freien, Tage geschmiedet und diverse Folgen The Affair und Marvelous Mrs Maisel gesehen.

Jetzt noch eine Nacht Familienbett mit beiden Katzen, ab morgen geht das normale Leben wieder los – für den Hasen im Büro, für mich zum Glück noch im Urlaub. Aber angezogen!

2018 – Rückblick auf ein stacheliges Jahr

Wie schon im letzten Jahr recherchiere ich für diesen Text vornehmlich in den Fotos auf meinem Telefon, das ist zuverlässiger als jeder Kalender (und als dieses Blog sowieso). Tatsächlich gab es dieses Jahr sehr viel Tolles aber auch sehr viel Scheiße, die das Tolle überlagert. Durch das Durchsehen der Fotos habe ich mich gerade wieder an die Highlights erinnert, das war sehr schön. Insgesamt bin ich aber doch recht froh, dass es jetzt vorbei ist und wünsche mir für nächstes Jahr mehr Zeiten wie den März-Juni und weniger von den Kann-Weg-Monaten wie Februar und August, bittedanke. Aber jetzt das Jahr in Monaten und am Ende – weil ich endlich einmal durchgehalten habe – eine Liste der in diesem Jahr beendeten Bücher und im Kino gesehenen Filme:

Januar

Wir beginnen das Jahr tiefenentspannt und ruhig in der vorpommerschen Einöde und besuchen dann noch Susanne bei ihrer Familie in Greifswald (und sagen dem Bodden „Hallo!“, bevor es zurück nach Berlin geht. In den ersten Wochen des Jahres tagebuchblogge ich täglich (allerdings nicht hier), aber dann schläft das wieder ein. Auch andere Vorsätze, wie das tägliche Meditieren, klappen Anfang des Jahres noch gut, später dann schnell weniger. Davon abgesehen ist der Monat geprägt von Medikamenten, Arztbesuchen und einer dicken Erkältung. Kurz vor Schluss treffe ich allerdings das zauberhafte Fräulein wieder – definitiv ein Highlight. (Außerdem: Witzige Arbeits- und Abendveranstaltungen mit Kolleg*innen, mehrere liebe Besuche von Verwandten, Treffen mit Freundinnen, die Rückkehr der Eltern aus Kanada und einmal war ich auch tanzen.)

Februar

Vom Februar bleiben mir außer einem erneuten Treffen mit dem Fräulein, das wirklich wirklich wundervoll ist, keine positiven Bemerknisse zurück. Selbst die Fotos geben wenig her, ich habe fast keine gemacht und verbrachte einen großen Teil des Monats unter einer dunklen Wolke.

März

Der März beginnt mit dem Bemerknis, dass uns beim Lüften wegen starkem Wind die Balkontür kaputtgeht. Bis zur Reparatur ist es ein weiter Weg (Hausverwaltung, Handwerkerbesichtigung, Denkmalschutz…) Aber der Knall beim Zufallen der Tür hat mich vielleicht ein wenig aufgeweckt und zurück ins Leben geholt. Es geht aufwärts mit dem Jahr. Zunächst mit dem Konzert der Kelly Family in der Mercedes-Benz Arena (wenn auch etwas vergällt durch pöbelnde Idioten in der Reihe hinter uns). Dann folgt der Geburtstag zweier Freundinnen, bei dem wir über zugefrorene Berliner Seen spazieren, und bereits eine Woche später sitze ich mit der besten Freundin samt Familie im Stammcafé wieder draußen – es wird langsam Frühling. Mitte des Monats geht es für mich beruflich nach Hamburg, München und Bochum, was durchaus spannend ist. Dann kommt der St. Patrick’s Day, an dem der Hase und ich schon vormittags so viel irische Gemütlichkeit in uns aufnehmen, dass wir die zweite Hälfte des Tages schlafend auf dem Sofa verbringen und es abends nicht mehr ins Pub schaffen. Ein Wochenende in Rostock, mit Konzerten von Feine Sahne Fischfilet und Kat Frankie, einer tollen Indie Night, einem Strandbesuch und viel Familienflausch ist dann auch noch drin. Und ganz am Ende des Monats lerne ich Baby 2 einer lieben Freundin kennen. Jo, der März war ziemlich toll!

April

Im April werden wir französisch-vegan bekocht, der Grill im Büro wird eingeweiht und die Betriebsratswahl findet statt. Das bedeutet zunächst einmal Wahlkampf und Wahlorganisation, später dann den Wahltag selbst. Nach der Wahl setze ich mich in den Bus und erlebe in Magdeburg das nächste wundervolle Konzert – Shout Out Louds. Außerdem bringt der April Frühlingswetter und viel Zeit mit Freund*innen und Familie. Am Ende des Monats gibt es das erste kurzärmelige Balkonfrühstück für mich. Und weitere tolle Konzerte: Talking To Turtles (einmalig schönes Konzert zum zehnjährigen Band-Jubiläum), Das Paradies und La Suite Bizarre (inkl. Wiedersehen nach immerhin 6 Jahren, die Band hatte ich damals im Urlaub in Andalusien kennengelernt). Und eine Lesung mit Sabine Wirsching, deren zweiten Roman ich danach in Rekordzeit durchlese.

Mai

Der Mai ist der Festival-Monat. Er beginnt mit der re:publica und endet mit dem Immergut. Auf der re:publica erlebe ich Chelsea Manning live, lerne vier Akkorde auf der Ukulele, treffe neue und alte Internet-Bekanntschaften und genieße draußen die Sonne. Die Erdbeerhäuschen sind wieder da und ich feiere mein 8-jähriges Dienstjubiläum. Es folgen Familiengeburtstage und der Männertag in der Hasenheimat sowie ausgiebiges Bekuscheln der frisch geborenen Geißlein. Ab Mitte Mai ist es draußen schon so heiß, dass ich im kurzen Kleid herumlaufe und beim Konzert von Mike Friedman den ersten Sonnenbrand bekomme. Und kurz danach fahre ich dann zum Immergut – ganz alleine mit Rucksack, Zelt, Schlafsack, Isomatte und Verpflegungsbeutel mit dem Bus. Es wird ein wundervolles Festival-Wochenende nach 6 Jahren Abstinenz. Wichtigste musikalische (Neu-)Entdeckungen sind dabei Torpus & The Art Directors und Sam Vance-Law, deren Musik mich auch weiterhin durch das Jahr begleitet. Und natürlich bin ich nicht alleine geblieben, sondern habe jede Menge Leute (wieder-)getroffen. Hach war das toll. Und zurück in Berlin folgte dann mit Tex direkt noch ein Konzert.

Juni

Es ist und bleibt heiß. Der Juni beginnt mit Kindertag im Büro (alles voller Kolleg*innenkinder) und einem Wochenende in Rostock. Dort sehe ich Funny van Dannen live (wenn auch nur die zweite Hälfte des Konzerts, weil mein Bus Verspätung hat), hänge am Strand rum, esse Törtchen und Streetfood, und sehe auf KTV- und Brauereihoffest weitere Bands live (gut: Kudde & die Kudders, Les Bummms Boys, schräg: Christian Steifen) und am Ende gibts die nächste Indie Night, die jetzt wieder bis nach Sonnenaufgang dauert. Kurz danach eröffnen wir in Berlin die Freiluftkinosaison und schauen Loving Vincent. Einen Tag verbringe ich mit Kolleg*innen beim Müllaufsammeln im Tiergarten, danach geht es zum späten Anbaden in den Weißen See. Die WM beginnt und gleichzeitig wieder eine Zeit der vielen Arztbesuche. Zwischendurch ist mein Geburtstag und hui, 35 klingt schon echt ganz schön alt. Wir feiern wieder groß im Innenhof und es gibt jede Menge tolles Essen und schöne Menschen.

Juli

Obwohl mich eine Erkältung plagt ziehe ich ein mehrtägiges wichtiges Arbeitsmeeting durch und falle danach dann mit einer Kehlkopfentzündung und zehntägigem Sprechverbot aus. Es ist immer noch heiß draußen, aber ich verbringe die meiste Zeit drinnen auf der Couch, trinke Unmengen Tee und kuriere mich aus. Dann geht es Mitte des Monats zum runden Geburtstag des Hasenbruders, der groß gefeiert wird. MTS spielen live, und trotz Alte-Weiße-Männer-Humor ist doch noch der eine oder andere Lacher für mich dabei. Ein weiteres Highlight ist dann im Juli wieder ein Treffen mit dem Fräulein. Die dauernden Arztbesuche halten jedoch an, die Hitze ist zwar schön, aber auch sehr anstrengend für mich. Sie kulminiert Ende des Monats in einem Platzregen beim Konzert der Kelly Family in der Waldbühne (das nicht nur deswegen viel toller und legendärer ist als das im März drinnen).

August

Der August beginnt mit Sushi, großem Mist, langer Krankschreibung und vielen dunklen Wolken – obwohl es draußen immer noch die ganze Zeit heiß ist. Schön sind immerhin die Treffen mit Freund*innen und deren Kindern und das Babysitten beim großen Sohn der Freundin, die dieser Tage ihr zweites Kind bekommt. Erst in der letzten Augustwoche nehme ich wieder am normalen Leben teil und wir laden unsere lieben Katzensitter*innen zu einem italienischen Festmahl ein. Es folgen noch der Zug der Liebe und eine Anti-Nazi-Demo in Neukölln, die auf die Ereignisse in Chemnitz reagiert. Alles in allem kann der August aber – ähnlich wie der Februar – weg.

September

Der September verläuft zunächst unspektakulär, dann gibt es die große Sommerparty im Büro und im Anschluss ein Kurztrip in die Mecklenburger Seenplatte mit lieben Freunden. Wir gammeln viel rum, spazieren, reden und essen gut. Kurz danach geht es für ein Wochenende nach Sachsen-Anhalt auf eine Hochzeit, die ungeplant mit einer Nacht im Auto endet. Das Wochenende drauf verbringe ich mit den Cousins und Cousinen dann wieder in Rostock. Und dann sind nur noch ein paar Tage bis zum Urlaub, in denen lasse ich mir noch einen toten Zahn überkronen, mache eine Dienstreise nach Dortmund, und dann kann das Fressfest starten.

Oktober

Die ersten drei Wochen sind wir auf unserem Roadtrip durch Nord- und Mittelitalien, der südlichste Punkt ist der Lago di Bolsena. Über den Urlaub habe ich ja ausführlichst gebloggt, da gibt es jetzt nicht viel mehr zu zu sagen, außer, dass er superschön und trotzdem nicht unanstrengend war. Wieder zurück in Berlin treffe ich alte Schulfreund*innen wieder und besuche ein zauberschönes Konzert von Sam Vance-Law im Lido.

November

Den November beginne ich wieder mit einem Rostock-Wochenende voller Tanzen, Törtchen und Ostsee. Und dann wird schon langsam das Jahresende eingeläutet. Gänseessen mit der Hasenfamilie, diverse After-Work-Aktivitäten im Büro und beginnende Einigelung meinerseits. Bevor der November allzu grau wird, nehme ich mir spontan einen Tag frei und verbringe den im Vabali. Das war eine der besten Ideen seit langem! Ansonsten wird viel gegessen und wieder gut gekocht, wir treffen Fabrizia in Berlin bei einem sizilianischen Abend, gehen mit Freunden brunchen… Trotzdem ist die Stimmung gedrückt.

Dezember

Eine Nachhochzeitsfeier in Magdeburg, Zeit mit Freunden und Familie dort und ein Besuch auf dem schwedischen Weihnachtsmarkt in Wilmersdorf läuten den Dezember ein. Es folgen diverse Weihnachtsmarktbesuche in den unterschiedlichsten Konstellationen, viel Arbeit und Nach-Arbeits-Events, Geschenkebesorgerei, der Hasengeburtstag mit einem russischen Brunch und Theaterbesuch, ein Ausflug nach Wittenberg zu Familie und noch mehr Weihnachtsmarkt, die legendäre Weihnachtsfeier der Firma, dann Weihnachten in Familie und whoahistdasschonwiederalleszuvielgrad. Danach ein paar ruhige und entspannte Tage in Rostock zum Runterkommen. Mit Tanzen, lieben Freundinnen, viel Familie, Meer, Stadthafen, Spazierengehen, Durchatmen. Jetzt noch Silvester (Couch und Filme zu zweit) und dann ist es geschafft, dieses Jahr.

Kinobesuche 2018 (allesamt großartig):

  • Wildes Herz (2x)
  • Loving Vincent
  • Die Familie Brasch
  • Gundermann
  • Bohemian Rhapsody
  • Astrid

Beendete Bücher 2018 (wieder mehr gelesen als auch schon, nächstes Jahr mehr Frauen!):

  • Jane Gloriana Villanueva: Snow Falling (E-Book)
  • David Lagercrantz (nach Stieg Larsson): Verschwörung (Softcover)
  • Sven Regener: Wiener Straße (Hardcover)
  • Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich. (Hörbuch)
  • Rob Sheffield: On Bowie (Softcover)
  • Volker Kutscher: Moabit (Hardcover)
  • Dmitrij Kapitelman: Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters (Softcover)
  • Sven Regener: Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt (Softcover)
  • Wolfgang Herrndorf: Bilder Deiner großen Liebe (Softcover)
  • Ulrich Schacht: Grimsey (Hardcover)
  • Giovanni Frazzetto: Nähe (E-Book)
  • Nino Harataschwili: Das achte Leben (Für Brilka) (E-Book)
  • Amulya Malladi: Song of the Cuckoo Bird (E-Book)
  • André Aciman: Call me by your Name (Softcover)
  • Trevor Noah: Born a Crime (Softcover)
  • Ian McEwan: Nutshell (Softcover)
  • Stephan Thome: Gegenspiel (Softcover)
  • Thomas Lindemann: Keine Angst, hier gibts auch Deutsche. Unser neues Leben im Problemkiez (Softcover)
  • Mike Gayle: The Man I Think I Know (E-Book)
  • Robert Menasse: Die Hauptstadt (Hardcover)
  • Klaus Mann: Der Wendepunkt (Hörbuch)
  • Theodor Fontane: Cécile (Hörbuch)
  • Marlena di Blasi: 1000 Tage in Orvieto (Softcover)
  • Theodor Fontane: Stine (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Das nasse Fisch (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Der stumme Tod (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Goldstein (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Die Akte Vaterland (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Märzgefallene (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Lunapark (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Marlow. (Hardcover)

Tagebuch-5 im November – Unter der Käseglocke #wmdedgt

Es ist der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT? Die anderen Beiträge gibt es wie immer hier, mein Tag sah so aus:

Den Wecker des Hasen verschlafe ich einfach, denn ich bin von meinem Rostock-Trip immer noch wahnsinnig müde. Als meiner halb 8 dran ist, werde ich zumindest wach(er), brauche dann aber noch eine gute halbe Stunde, bis ich mich aus dem Bett schäle. Katzen auf den Balkon lassen, duschen, Zähne putzen, Rostock-Gepäck aus- und verräumen, Sportsachen einpacken, Besuch verabschieden und dann geht es ins Büro. Die Tram ist nach den Ferien wieder voll, dafür gibt es erstaunlicherweise in der U-Bahn einen Sitzplatz.

Viertel 10 bin ich im Büro. Zum Frühstück gibt es zwei Orangen und einen Milchkaffee. Ich bin den ganzen Tag über schrecklich müde und fühle mich wie unter einer Käseglocke. Zum Glück stehen keine besonderen Termine an und ich kann einfach in Ruhe Dinge abarbeiten. Dazu gibt es das neue Hanson-Album auf die Ohren, das dieser Tage erscheinen wird. Um 12 ergattere ich eines der Early Bird Tickets für die re:publica im nächsten Jahr. Mittags gehe ich mit Kolleg*innen an die Salattheke des nächsten Supermarkts und stelle mir mein Mittagessen zusammen.

Dann esse ich mit der besten Kolleginnenfreundin zu Mittag und berichte ihr von meinen Rostock-Erlebnissen und den Treffen mit gemeinsamen Freunden.

Den immer noch müden Nachmittag überstehe ich mit viel Tee und einer Unterbrechung durch eine Videokonferenz. Nebenbei verschiebe ich die Sportverabredung auf morgen: Heute muss ich wirklich früh ins Bett. Außerdem wird mit dem Hasen das Abendbrot besprochen und ein Treffen mit einer Freundin für nächste Woche ausgemacht.

Viertel 7 mache ich Feierabend und fahre auf direktem Weg nach Hause. Kurz vor 7 komme ich an. Erst einmal bekommen die Katzen ihr Futter und ich ziehe mich diskret aufs Sofa zurück, damit sie in Ruhe essen können. Dann mache ich mich an die Zubereitung des Abendbrots. Es gibt Nudeln mit Mangold (aus dem Garten der Haseneltern), Stracchino (aus dem italienischen Supermarkt) und Walnüssen (aus dem Innenhof).

Pünktlich um 8 steht das Essen auf dem Tisch. Dazu gibt es einen Lacrima di Morro d’Alba, den wir aus Marche mitgebracht haben (ein Geschenk der Eltern der italienischen Cousine). Während des Essens erzählen wir uns gegenseitig die letzten Tage und dann wird es für mich auch schon Zeit fürs Bett. Um 9 liege ich drin.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 22: Die Rückfahrt

Morgens wurde es etwas hektisch, da ich zwar den Wecker gestellt hatte, aber vergessen habe, dass er „nur an Wochentagen“ klingeln würde. Zum Glück wurde ich trotzdem gegen 8 wach, so dass wir es noch locker geschafft haben, unsere Sachen zu packen, zum Bahnhof zu laufen und dort auch noch einen Kaffee zu trinken, bevor wir in den Zug nach München stiegen. Das war dann übrigens auch der Moment, an dem der Hase lernte, dass München auf italienisch Monaco heißt und kurz verunsichert ob unserer Reiseroute war.

Diesmal hatten wir leider keine Plätze im Abteil, sondern ganz normal zwei Fensterplätze mit Tisch in einem Vierersitz. Trotzdem war der Eurocity immer noch deutlich bequemer als später der ICE. Ich nutzte die ersten Stunden zum Verbloggen der beiden vergangenen Tage, dann schaute ich aus dem Fenster wehmütig zu, wie die Landschaft immer alpiner und weniger typisch italienisch wurde. Dann waren wir auch schon in Österreich und nur etwas über eine Stunde später auch schon wieder in Bayern. Wahnsinn, wie nah das alles beieinander liegt. Würde ich in Bayern wohnen (und da sei Gott vor, auch wenn ich nicht an sie glaube), würde ich wahrscheinlich regelmäßig nach Italien fahren und nicht an die Ostsee. Aber ich hörte, das macht man in Bayern auch so.

 

In München hatten wir diesmal eine gute Stunde Aufenthalt. Das reichte genau, um mal wieder beim Uiguren vorbei zu schauen, Schnittlauch-Lagman zu essen, Tee zu trinken, festzustellen, dass wir nicht mehr genug Bargeld haben, zum Geldautomaten zu sprinten, Bargeld abzuheben, die Rechnung zu zahlen und wieder rechtzeitig am Gleis zu stehen. Dieses entpuppte sich kurzfristig als das Falsche, da die Bahn beschloss, einmal kräftig durchzuwürfeln und mehrere Züge einfach zu tauschen. So rannten von mindestens vier Gleisen des Kopfbahnhofs Fahrgäste samt Gepäck hektisch und kopflos durch die Gegend, Wagenbezeichnungen stimmten nicht, Reservierungen waren nicht eingelesen und selbst das Zugpersonal wusste zeitweise nicht, wer jetzt wohin fährt. Es ruckelte sich dann aber alles zurecht und wir fanden zwei Plätze, die sich auch nachdem die Reservierungen plötzlich angezeigt wurden bis Berlin freibleiben sollten. Während sich die anderen Fahrgäste noch lange über das Chaos unterhielten, las der Hase in seinem Buch und ich hörte mehrere Folgen des „Punch Up The Jam„-Podcasts.

 

Und dann waren wir auch schon wieder in Berlin, nahmen vom Hauptbahnhof die S-Bahn zum Alex und dann die Tram nach Hause. Kurz nach 22:00 nahmen uns die Wohnungssitterin, Nimbin und Noosa in Empfang. Während die Sitterin uns erwartet hatte, waren die beiden Miezen sichtlich überrascht uns wiederzusehen. Aber schon nach wenigen Minuten hatten sie sich daran gewöhnt, dass wir zurück sind und tobten freudig auf uns herum. Zuhause. ❤

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 21: Abschiedstag und Verona

Unser letzter ganzer Tag in Italien war ein Tag voller letzter Male. Zunächst begann er aber in einem Palazzo in Chioggia, wo wir vom nebenstehenden Glockenturm geweckt wurden. Wir frühstückten in einer Bar am Corso und dann führen wir über diverse Brücken, die über Flüsse, Kanäle und Lagune führten, zurück aufs Festland und nach Padua. Dort machten wir unseren Mietwagen, den zuverlässigen Baobao, abgabefertig und verteilten unsere Habe final auf unsere beiden Reiserucksäcke, meine Handtasche, den Tagesrucksack des Hasen und zwei Leinenbeutel. Dann gaben wir die Autoschlüssel ab und fuhren mit dem Regionalexpress nach Verona. Den ersten Teil der Zugfahrt verbrachten wir stehend, denn gefühlt Milliarden Student*innen wollten nach Vicenza. Direkt nach Vicenza hatten wir dann Sitzplätze und jede Menge Platz für unsere verschiedenen Gepäckstücke. In Verona checkten wir in unserem Quartier ein, machten uns einen Plan für den Rest des Tages und liefen dann los in die Stadt.

 

Zunächst ging es zum Schloss und der daran angrenzenden Ponte Scaligero, auf der wir den Adige/die Etsch überquerten. Dann liefen wir am Fluss entlang, der das historische Zentrum auf drei Seiten umschließt. Bereits gestern waren wir (kurz nach dem Po) über die Etsch gefahren, die uns bisher vor allem aus nationalistischem Liedgut ein Begriff war. „Living on the Edge“ ist da die viel angenehmere Assoziation. Oder man sagt halt einfach Adige. Auf jeden Fall kann man verstehen, warum die Deutschen früher gerne Anspruch auf diesen Fluss erhoben, er und Verona selbst sind nämlich ganz schön schön.

 

 

Mit einem letzten italienischen Eis gestärkt ging es dann zum Dom, den wir uns mal wieder nur von außen ansahen. Sieht auch so beeindruckend genug aus!

 

Wir entschieden uns dann dagegen, mit der Standseilbahn nach oben zum Amphitheater zu fahren, um für viel Geld einen Blick auf die Stadt zu erhaschen, den sämtliche andere Besucher*innen auch haben, und spazierten stattdessen lieber durch die Altstadt.

 

 

Auf einem Markt – der erste, den wir erlebten, der auch am späten Nachmittag noch frisches Obst und Gemüse anbot, kauften wir Trauben, Tomaten und Gurken als Reiseproviant sowie einen schönen großen Granatapfel als Mitbringsel für unsere Wohnungssitterin. Den ganzen Urlaub über hatten wir immer wieder Granatapfelbäume gesehen, aber leider immer hinter Gartenzäunen, so dass wir nicht wie letztes Jahr in Sardinien einfach einen mundrauben konnten.

 

Dann kamen wir zum Touristenmagnet schlechthin, dem Balkon, den man an ein altes Haus angebaut hat und als Julias Balkon deklariert hat. Romantik-Fans aller Altersklassen machten dort Fotos, hinterließen Liebesbriefe und träumten von Romeo und Julia. Der Hase tat sich das Spektakel gar nicht erst an. Ich schlenderte für zwei Minuten näher heran und machte ein Foto von den Massen. Sehr süß fand ich ein älteres schwules Pärchen aus dem asiatischen Raum, das ein Selfie vorm Balkon machte, sehr creepy hingegen den Typen, der sich hinter die Julia-Statue stellte und sich dabei fotografieren ließ, wie er ihre Brüste angrabschte. Schnell wieder weg hier!

 

 

Wir kauften noch Proviantbrötchen und fotografierten ein wenig Streetart und dann machten wir uns auf Richtung Arena. In deren Nähe nahmen wir unseren letzten Aperitivo zu uns – der Hase mit Südtiroler Bier, ich mit einem alkoholfreien Fruchtcocktail. Das kostete jeweils um die 4 € und dazu konnte man sich am Snackbuffet einen Teller voll Leckereien zusammenstellen. Unser letzter Aperitivo war damit nicht nur der günstigste, sondern auch der Leckerste.

 

Hinterher ging es fürs letzte Abendmahl in eine Pizzeria, die uns die Hasenschwägerin empfohlen hatte. Sie hat regelmäßig beruflich in Verona zu tun und ihre Kolleg*innen sind der Meinung, dort gäbe es die beste Pizza Veronas. Nun was soll ich sagen, es war schon ganz lecker, aber Norditalien ist einfach nicht der Ort für neapolitanische Pizza. Die beste Pizza Berlins schlägt die beste Pizza Veronas definitiv. Trotzdem genoss der Hase seine Boscaiola mit diversen Pilzen und meine Friarielli mit Rübstielen und süßer Salsiccia war auch sehr schmackhaft. Danach ging es schnell ins Bett, denn ein langer Reisetag lag vor uns.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 20: Po-Delta und Chioggia

Wir schlafen in Ruhe aus und dann beginnt der Tag begann mit einem ähnlichen Frühstücksszenario wie der davor: Ich gönnte mir bereits in der Unterkunft eine Tasse Tee und ein paar Kekse, der Hase bekam sein herzhaftes Frühstück in der Bar nebenan. Für ihn gab es Zucchini-Pizza und für mich dann auch noch eine Piadina und zwar mit Pilzcreme und rohem Schinken, schließlich verließen wir das Piadina-Land Emilia-Romagna nun wieder Richtung Veneto.

Als erstes wollten wir noch ein bisschen Natur und Weite genießen und so fuhren wir zurück an die Küste, besser gesagt ins Delta des Po. (Man stelle sich diverse Heiterkeitsausbrüche meinerseits vor, jedes Mal wenn der Po erwähnt wird.) Wir folgen einer relativ einsamen Straße immer am Wasser entlang, von dem sich schwer sagen lässt, wo der Po aufhöhrt (hihihi) und das Delta, die Lagune oder die Adria selbst anfängt. Das Wasser ist größtenteils flach und relativ ruhig, wo es fluss- oder kanalähnlich ist, hängen Senknetze an Masten, wo es weiter ist, stehen Reusen. Die einzigen anderen Menschen hier sind Fischer und Angler, die sich an Bootshäusern, auf Booten, an den Netzen oder eben mit der Angel am Ufer stehend zu schaffen machen. Wir fragen einen der Angler, was man denn hier so fangen kann und erhalten „branzini, orate, anguille“ zur Antwort, also Wolfsbarsche, Doraden und Aale. Dem Hasen läuft bereits das Wasser im Munde zusammen.

An Tieren sehen wir zum Einen jede Menge Vögel, vor allem Möwen und Kormorane, wobei letztere sehr witzig immer mal wieder in Reihe irgendwo sitzen und die Flügel zum Trocknen ausbreiten. Zum Anderen ist die Straße voller totgefahrener Bisamratten in unterschiedlichen Verwesungszuständen. Die waren uns gestern schon auf dem Weg von Ravenna nach Ferrara aufgefallen, der uns weiter im Landesinneren ebenfalls durch das Po-Delta führte.

In Porto Viro machen wir Rast und gönnen uns ein schönes Eis in der örtlichen Gelateria. Dann fahren wir weiter zu unserem heutigen Tagesziel. Chioggia steht nicht in unserem Reiseführer, wurde uns aber von mehreren Stellen als „das schönere Venedig“ empfohlen. Es liegt größtenteils auf Inseln in der Lagune, an der auch Venedig selbst liegt und man kann mit dem Vaporetto von der einen Stadt zur anderen fahren. Auch Chioggia hat einige Kanäle und Architektur und Stadtbild sind daher recht ähnlich wie in der Serenissima. Da hören die Gemeinsamkeiten dann aber schon auf. Chioggia ist viel kleiner, zieht weit weniger Tourist*innen an und es gibt seit einigen Jahrzehnten auch eine Verbindung zum Festland und Autos in der Stadt. Parken dürfen im historischen Zentrum trotzdem nur die Einheimischen, daher müssen wir auf einer Nachbarinsel das Parkhaus benutzen.

Von dort aus laufen wir mit Sack und Pack zu dem Treffpunkt, den unser Gastgeber uns genannt hat. Da werden wir bereits von seiner halben Familie erwartet. Sie laden unser Gepäck ins Auto und während seine Eltern das Auto zur Wohnung fahren spazieren wir mit dem Gastgeber selbst am Wasser entlang dorthin und bekommen eine erste Einführung in die Geographie der Stadt. Wir bekommen das Fischgrätenmuster der Gassen erklärt, erfahren etwas vom Kampf der Einheimischen gegen das Aufstellen riesiger Gastanks nur wenige hundert Meter von bewohnten Häusern und über die angeblich älteste Uhr der Welt, die den Glockenturm von Chioggia ziert.

Unsere Unterkunft befindet sich in einem traditionellen Palazzo und umfasst auch eine Dachterrasse, von der aus man bei gutem Wetter bis nach Venedig schauen kann. Heute ist es leider etwas diesig, so dass selbst der Sonnenuntergang unspektakulär ausfällt.

Wir spazieren also einfach nur gemütlich durch die Altstadt und sparen uns den Fahrradausflug entlang der Lagune oder zum Strand. Stattdessen finden wir bald eine kleine Osteria, aus der laut Bob Marley schallt und bekommen da einen Aperitivo mit einem Spritz mit Vermouth, gerösteten Kartoffeln, Crostine mit süßsauren Sardinen und Chips. Danach laufen wir weiter die Gassen ab auf der Suche nach einem Restaurant, dass lokale Küche serviert und weder zu touristisch, noch zu teuer aussieht. Das von unserem Gastgeber empfohlene Nachbarschaftslokal ist nämlich heute leider geschlossen. Die Osteria, die wir schließlich finden, ist dann auch schön versteckt und voller italienischer Familien, allerdings gibt es auch eine deutsche direkt am Nebentisch und eine zweisprachige Karte. Nun ja, man kann nicht alles haben. Geschmeckt hat es trotzdem. Es gab für den Hasen gebackene Sardinen, für mich gebackene Jakosmuscheln, für ihn Spaghetti mit cozze und vongole und für mich Bigoli mit Sardinen. Dazu gibt es einen Pinot Grigio (den vino bianco della casa) und zum Nachtisch gönne ich mir noch ein Blätterteigtörtchen („scriglio“) mit Creme und frischen Früchten, der Hase hingegen ist müde und möchte nur noch ins Bett.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 19: Mosaike in Ravenna, Radeln und Schlemmen in Ferrara

Es war immer noch grau und hat ab und zu genieselt, als wir am Morgen durch Ravenna spazierten. Ich hatte bereits in unserer Unterkunft süß und mit Tee gefrühstückt, der Hase aber braucht morgens etwas herzhaftes – idealerweise ein Käsebrot – und so fanden wir uns recht schnell in einer Bar wieder, wo er ein Focaccia-Sandwich zum Milchkaffee aß, während ich an einem Smoothie nippte. Dann liefen wir weiter durch die Altstadt Ravennas und begegneten schon überall den Mosaiken, für die die Stadt bekannt ist.

 

 

 

 

Um diese etwas genauer zu ergründen und weil wir weder Zeit noch Geld oder fitte Füße genug hatten, um in alle Kirchen und ähnliche Orte reinzugehen, wo die Originale zu finden sind, gingen wir ins sehr interessante Mosaik-Museum in einem alten Palazzo. Dort gab es eine Ausstellung über die Mosaike, die man direkt dort gefunden hat, über das Restaurieren von alten Mosaiken im Allgemeinen, über die Entwicklung der Mosaik-Kunst über Jahrtausende (von verschiedenfarbigen Kieseln hin zu speziell hergestellten farbigen Scherben) und schließlich sehr aktuelle Werke, die Szenen aus Dantes Göttlicher Komödie darstellen.

 

 

 

 

 

Dann verließen wir Ravenna und fuhren wieder mehr ins Landesinnere, nach Ferrara. In der Unterkunft erwarteten uns leckere Kekse und zwei Fahrräder.

Da Ferrara in der Po-Ebene liegt und eine ausgesprochene Fahrrad-Stadt ist und weil des Hasen Füße nach wochenlangem Bergauf und -ab einfach nicht mehr konnten (er ist da aufgrund jugendlicher Eskapaden etwas vorbelastet), war ich einverstanden, Ferrara auf zwei Rädern zu erkunden. Schon nach wenigen Minuten waren wir im Zentrum angekommmen, holten uns ein paar heiße Maroni und ließen die Szenerie auf uns wirken. Wir saßen an der Kathedrale, deren Front gerade restauriert wird, aber der Glockenturm aus rosa-weißem Marmor war schon recht schön. Ganz in der Nähe steht das von einem Burggraben umgebene Schloss der Este, der ehemaligen Herrscherfamilie Ferraras. Hier guckten wir lange ins Wasser, in dem riesige Schuppenkarpfen schwammen, die laut Fischfreund Hase bestimmt schon 30 Jahre alt waren.

Dann radelten wir an den Rand der Innenstadt, erst durch einen kleinen Park und dann auf dem Stadtwall entlang, der als grüner Gürtel fast die gesamte Innenstadt umschließt. Sowohl innerhalb als auch außerhalb dieses Rings ist Ferrara sehr grün und erscheint uns daher als sehr lebenswert. Mir fiel beim Herumradeln dort ein, dass ich mal ein Buch gelesen hatte, dass in solch einer sehr grünen Stadt im Norden Italiens spielt und richtig, das war Ferrara und das Buch war „Die Gärten der Finzi-Contini“ von Giorgio Bassani. Ich glaube, das werde ich mir demnächst nochmal vornehmen, jetzt wo ich die Schauplätze kenne.

Den Abend verbrachten wir dann im ehemaligen Ghetto von Ferrara. Hier hatten die jüdischen Bürger jahrhundertelang relativ frei gelebt, bis sich irgendwann der Kirchenstaat einmischte und das Viertel mit fünf Toren von der Außenwelt abschloss. An der letzten verbliebenen Synagoge fanden wir eine Gedenktafel für die in der Shoah umgekommenen Ferrareser Juden und entdeckten dort tatsächlich auch einige Finzi.

Ein paar Ecken weiter fanden wir eine gemütliche Kneipe, die lokales Craftbeer anbot. Wir probierten ein IPA und ein Bock und snackten dazu – es war bereits Aperitivo-Zeit – Chips, Taralli, Gürkchen und mehr. Solchermaßen auf die Nahrungsaufnahme eingestimmt, ging es in die von Rachel vor ein paar Tagen empfohlene Trattoria. Als Vorspeise ließen wir uns frittierte Zucchiniblüten, gefüllt mit Mozzarella, schmecken – eines meiner absoluten Lieblingsgerichte, auch wenn hier der Teig etwas dick war. Danach gab es für mich mit Kürbispüree gefüllte Capellacci in Salbeibutter und für den Hasen Pasticcio di maccheroni, eine Art Pie gefüllt mit Maccheroni und Käse, beides typische Spezialitäten Ferraras. Dazu tranken wir einen sehr sehr leckeren, spritzigen und tiefroten Lambrusco aus der Gegend. Zum Nachtisch gab es dann für mich Zuppa Inglese (ebenfalls typisch für Ferrara) und für den Hasen Tiramisu. Und weil es ein paar Probleme im Service gab (der von uns gewählte Hauptgang war aus, was man uns allerdings erst beim Servieren der Pasta mitteilte, meine Pasta wurde erst mit der falschen Sauce gebracht, das vom Hasen gewählte Dessert war noch nicht fertig und unsere Flasche Wasser wurde vergessen) gab es dann noch eine Torta di tagliatelle sowie einen Limoncello für mich und einen Whisky für den Hasen aufs Haus. Satt und zufrieden radelten wir danach nach Hause und fielen erschöpft ins Bett.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 18: Strandspaziergang, Salzstadt Cervia und Faulenzen in Ravenna

Wenn man nach dem Aufwachen aus dem Fenster guckt und vom Bett aus Strand und Meer sehen kann, dann fällt das Aufstehen gar nicht mehr so schwer. Doch bevor wir ans Wasser kamen, standen erst das reichhaltige Frühstücksbüffet des Hotels (die volle Palette des italienischen Frühstücks plus Zugeständnisse an internationale Gäste wie Käse, Wurst, Ei und Würstchen) und das Auschecken auf dem Plan. Dann aber liefen wir endlich über den Sand ans – ziemlich kühle – Wasser. Da das Wetter auch eher gräulich war und Regen drohte, wurde es auch heute nichts mit dem Baden und stattdessen spazierten wir eine ganze Weile an Strand und Marina entlang und beobachteten Fische, Muscheln, Krebse und Krabben bei ihren alltäglichen Verrichtungen.

Dann setzten wir uns gerade bevor die ersten Tropfen fielen ins Auto und fuhren weiter, nämlich die Adriaküste nordwärts nach Cervia. Diese Stadt ist für ihr so genanntes „süßes Salz“ bekannt. Wir folgten einem sehr informativen und gut gemachtem Pfad durch die Altstadt und entlang von Salzlagern und Kanälen und lernten vieles über die salzige Geschichte der Stadt. Unterwegs kamen wir auch noch an diesem besonders schönen Exemplar eines Erdbeerbaums vorbei:

Dann waren wir etwas fußlahm und nahmen in einer Bar Platz. Es gab Caffè latte („Meinst Du etwas anderes als Cappucino?!“) und eine Cedrata, also eine Limonade aus der Frucht, aus der man Zitronat macht. Außerdem legten wir hier noch Geld in Postkarten und salzige Souvenirs an. Dann verließen wir die Stadt entlang der Salinen, leider ohne dabei auf Flamingos zu treffen.

Kurz hinter den Salinen bot ein Paar die Früchte seines Gartens zum Verkauf an und da wir heute Abend eine eigene Küche zur Verfügung haben, schlugen wir zu. Für vier große Kartoffeln, vier Möhren, zwei Zucchini und zwei Handvoll Tomaten bezahlten wir… zwei Euro!

Dann fuhren wir weiter nach Ravenna und weil wir fußlahm, geschafft und faul waren, beschlossen wir, die Stadtbesichtigung auf morgen zu verschieben. Stattdessen verbrachten wir den späten Nachmittag und frühen Abend mit Internet leer lesen, Bloggen und anderen Dingen, für die es eine stabile Internetverbindung braucht. Dazu gab es schonmal einen leichten Nachmittagssnack und gleich wird dann gekocht…

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 17: Senigallia, Gradara und Rimini

Wir verabschiedeten uns am Morgen von unserer italienischen Familie – nicht ohne dass der Hund mir noch ein paar Pfotenabdrücke auf die frisch angezogene Hose verpasst hätte – und begaben uns auf die letzte Etappe unseres Roadtrips, am letzten Montag dieses Urlaubs. Zunächst ging es nach Senigallia, eigentlich weil ich der Empfehlung von Luisa folgend dort ein Eis essen wollte. Leider war das nun sehr ungünstig geplant, denn Senigallia liegt viel zu nahe an Ancona und so waren wir schon am späten Vormittag dort und die Eisdiele noch zu. So setzten wir uns stattdessen ins Café daneben und tranken einen zusätzlichen Kaffee, müde genug waren wir beide. Es ist übrigens recht erstaunlich, was für unterschiedliche Getränke man bekommt, wenn man in Italien einen Caffè latte bestellt. Meistens ist es eine Art Milchkaffee, aber außerhalb der Touristenhochburgen dann zum Beispiel auch mal ein Glas warme Milch mit einem Espresso, das dann als Latte Macchiato abgerechnet wird und 1,40 € kostet. Prenzlauer-Berg-Eltern seufzen an diese Stelle ob der italienischen Preise laut auf.

Ziemlich hip war dafür dann das Waschbecken, zum Glück konnte ich gut genug Italienisch, um zu verstehen, wie ich meine Hände trocken bekomme. Das Gerät ist übrigens von Dyson, was auch Nicht-Italophonen eine Vorstellung geben dürfte.

Zum Kaffee lasen wir in der Lokalpresse eine Einschätzung der Bayernwahl.

Dann spazierten wir noch ein wenig durch Senigallia und fuhren dann auf Empfehlung der italienischen Cousine nach Gradara. Hier spielte sich in der göttlichen Komödie die Geschichte von Francesca und Paolo ab, die in Italien scheinbar jedes Kind kennt. Für uns wichtiger war die Burg auf dem Foto, die komplett erhalten ist und in deren Inneren sich die komplette Altstadt von Gradara, inkl. Kirchen, Wohnhäusern, Geschäften und Restaurants befindet.

Von Gradara ging es weiter nach Rimini. In Viserba, quasi dem Warnemünde von Rimini, bezogen wir unser AirBnB-Zimmer, das sich als Hotelzimmer entpuppte, direkt am Strand und mit Blick auf die Adria. Dann fuhren wir in die Stadt hinein und bummelten über Augustus-Bogen, Corso und Tiberius-Brücke in den Stadtteil Borgo San Giuliano, der einst das Fischerviertel und heutzutage gentrifiziertes Kneipenviertel ist. Hier aßen wir Piadine, denn schließlich waren wir wieder in der Emilia-Romagna angekommen. Die eine war mit Salsiccia und Radicchio, die andere mit Squaquerone und gegrilltem Gemüse. Danach ging es für uns früh ins Bett. Eigentlich hätten wir ja noch einen Fellini-Film oder zumindest eine Doku über den größten Sohn der Stadt gucken müssen, aber dank Schnecken-WLAN blieb es dann doch beim Lesen und frühen Schlafen.