Fußball, Google Maps und der Ford Anglia

Ich hab heute Nacht mal wieder sehr plastisch geträumt und weils so skurril war, nebenbei schon gedacht: Ach cool, da hab ich was schönes zum Bloggen heut Abend. Dann bin ich dummerweise aufgewacht und hab das alles gar nicht wirklich erlebt. Mist. Und dann fiel mir ja ein, dass ich ja TROTZDEM drüber bloggen könnte. So here goes…

Foto: Michael Paul Gollmer (Mipago),CC-BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

In meinem Traum bin ich in Rostock, der Stadt in der ich knappe sechs Jahre lang gelebt und studiert habe und die sowas wie meine zweite Heimat geworden ist. (Im Traum bin ich da auch noch ziemlich oft, meistens zu Besuch, oder um mir eine Zweit- oder Wochenendwohnung zuzulegen. Fertig bin ich mit der Stadt jedenfalls noch nicht.) 

Ich bin dort und möchte scheinbar eine Art Übersichtskarte oder Draufsicht der Innenstadt zusammenstellen, mit Markierungen für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Brauerei, Kröpeliner Tor, Universität, Marienkirche, Rathaus, Nikolaikirche, Petrikirche. Dazu gucke ich mir das Ganze auf Google Maps in Satellitenansicht an. Und weil es ein Traum ist, ist das kein Foto, sondern eine Art Video – man kann reinzoomen und ist dann mitten drin im Geschehen – aufgenommen wurde der 4. Juli 2004. 
Meine Freundin MuTZ – ihres Zeichens Stadtführerin, deswegen hilft sie mir wohl – sagt, als wir so durch die Lange Straße scrollen: “Guck mal, mitten am Tag läuft da Fußball!” Ich so im Klugscheißermodus: “Ja, da war ja auch EM!” Ich zoome näher heran an das Gebäude und bin erleichtert, dass in dem Raum wirklich eine Leinwand aufgebaut ist, auf der die EM läuft – allerdings spielt gerade ein afrikanisches Team gegen ein karibisches – die genauen Länder sind mir entfallen, waren aber auch nicht real. Mein Traum-Ich erinnert sich, das Spiel dort gesehen zu haben (ich selbst habe nie in der Langen Straße Fußball geschaut*, wüsste auch nicht, wo man es dort öffentlich tun sollte…) und richtig: Beim näheren Heranzoomen entdecken wir einige meiner Freunde und mich selbst, allerdings nur verschwommen, denn sooo nah kam Google uns dann wohl doch nicht.
Dann bekomme ich Hunger und mache mich auf den Weg zurück in die KTV. Scheinbar bin ich jetzt aber selbst in dieser Aufnahme vom 4. Juli 2004, denn auf einmal fliegt über mir ein Auto und ich muss schmunzeln: Es ist der Ford Anglia aus Harry Potter, mit dem Harry und Ron nach Hogwarts fliegen, scheinbar von Rostock aus und genau an diesem Tag, denn Google hat diesen Insiderwitz hier in seinen Maps augenzwinkernd versteckt. Dann ertönt ein Vogelschrei, der nicht von den Möwen kommt: Ein Hipogriff folgt dem Ford Anglia.
Langsam wird es dunkel und ich hole mir am Doberaner Platz etwas vom (fiktiven) karibischen Imbiss (es gibt in dem Traum zwei direkt nebeneinander). Irgendwas mit Früchten und Curry und Yams, zum Teil lustig in Vogelform gepresst, aber komplett vegan. Die Verkäuferin spricht sehr leise und mit starkem Akzent, so dass wir uns nur schwer über den Preis verständigen können. Am Ende bezahle ich zu viel: 9 Euro und ein paar Kastanien, die ich noch in der Hosentasche hatte (die sind echt) und die dort dann sofort in der Pfanne landen.
Zuhause angekommen, lese ich im Internet, dass die Verkäuferin eigentlich eine bekannte feministische Reggae-Sängerin ist, die sich aus dem Business zurückgezogen hat, weil ihr alles zu viel wurde. Dann bin ich aufgewacht.

* Das ist nicht ganz korrekt, es kann durchaus sein, dass ich mal bei @johnny_cash von aptgetupdate Fußball geguckt habe, der wohnte damals dort, allerdings nicht in dem Haus aus dem Traum.

Gefüllte Papaya verhilft Oranje zum Sieg

Vorgestern musste ich erst mehrere Läden durchstöbern, um noch an ein paar Rhabarber-Stangen zu kommen. Dabei lachten mich beim Späti des Vertrauens goldgelbe, riesige Papayas an. Eine hüpfte mir direkt unter den Arm, denn sie sind in dieser Größe perfekt für eines meiner Lieblingsgerichte.

Zum ersten Mal aß ich gefüllte Papaya irgendwann in den frühen Nuller Jahren in einem kubanischen Restaurant in Rostock, dass es leider nicht mehr gibt – in meinem Herzen wird es auch wegen seines Wahnsinns-Brunches für 9,90 inkl. Säfte, Sekt und Wein für immer ein Plätzchen haben. Damals gab es eine Papaya-Hälfte gefüllt mit Reis, Hackfleisch und schwarzen Bohnen, überbacken mit Käse. Ich war hin und weg. Die Kombination von herzhaften Zutaten mit Obst ist seit jeher eine meiner Liebsten. Statt Reis funktioniert übrigens auch Couscous sehr gut, man kann bei großen Papayas die Sättigungsbeilage aber auch einfach weglassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Butterweich glitt das Messer durch die perfekt gereifte Frucht und auch der Löffel musste die Papaya nur ganz zart streicheln, um die Kerne herauszuholen. Die dunklen Stellen unten am Stiel habe ich auch noch weggeschnitten. Die Kerne kann man übrigens essen, sie sind nur in der Menge ganz schön scharf. Ein paar davon habe ich kleingehackt und in die Bohnenmasse gerührt, der Rest trocknet jetzt und wandert dann in die Gewürzsammlung.
Statt Hackfleisch und schwarzen Bohnen nehme ich seit dem Kanada-Aufenthalt im letzten Jahr Refried Beans – ich muss mir da noch ein Rezept für besorgen, dann wird’s beim nächsten Mal komplett vegetarisch – in den Dosen ist Schmalz mit drin. Dafür ist die Konsistenz fast hackfleischartig und die Mischung ist bereits gut gewürzt. Dazu kamen noch zwei meiner “Mexikanisch-mach-Tricks”: Koriandergrün und Limette.
Die beiden Papaya-Hälften passten zusammen perfekt in die große IKEA-Auflaufform. Solange sie nicht kippeln reicht aber auch ein Blech.
Käse drüber (in diesem Fall ein Pecorino, Cheddar ist aber auch eine gute Wahl) und fertig ist das Gartenhäuschen. Diesmal waren sie bei 200 Grad für ne halbe Stunde im Backofen – der Käse war geschmolzen und ein wenig gebräunt, die Bohnen hatten oben eine schöne Kruste bekommen. Zeit und Temperatur sind aber variabel. Hauptsache, die Papaya ist weich genug zum Auslöffeln – das war sie in diesem Fall ja schon vorher.

Rechtzeitig zum Anpfiff stand das gute Stück auf dem Tisch und bot gemeinsam mit dem Schöfferhofer Grapefruit farblich die perfekte Grundlage für einen fulminanten 5:1-Sieg der Oranjes. Ich koche dann in den nächsten Wochen noch öfter orange!

Hostelsuche in Rostock – Einheimische vs. Touristin vs. Berlinerin

Ostern soll es nach Rostock gehen, seit langer Zeit mal wieder. Inzwischen sind schon so viele meiner Freunde dort weggezogen (nach dem Studium beschränken sich die beruflichen Möglichkeiten im geisteswissenschaftlichen Bereich schon sehr), dass es langsam eng wird, wenn man irgendwo kostenlos sein Haupt betten will. Wer noch in Rostock wohnt, hat meistens eine sehr kleine Wohnung oder WG und wenn man dort dann zu zweit (und auch noch als Paar) anrückt, dann wird es schon schwierig.

Deswegen habe ich mir heute Mal die Option angesehen, stattdessen in ein Hostel zu gehen. Mit Hostels habe ich seit Spanien im letzten und Australien in diesem Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht und es ist immernoch cooler billiger, als ins Hotel zu gehen (zu Ostern! an der Ostsee!).

Witzig ist, dass ich diese Hostelsuche eben nicht als Touristin in einer fremden Stadt erledige, sondern quasi als Einheimische. Gibt man “hostel” und “rostock” bei Google Maps ein, sieht man schnell, dass sich die meisten Treffer im Zentrum der Stadt befinden – logisch und für den Touristen eine Supersache. Ich als Exil-Rostockerin denke dabei nur: Ui, das ist ja alles total weit vom Schuss.

Was ich weiß, und die Touristen nicht, ist dass das Leben der Stadt (kulturell, szenig, alternativ) sich eben nicht (oder nur zu einem sehr geringen Teil) in der Innenstadt abspielt, sondern in der KTV und die ist, wie der Name schon sagt, eben nicht im geographischen Zentrum, der Innenstadt oder Altstadt, sondern DAVOR, in diesem Fall westlich davon. Da will man hin, als Rostocker. Dort werden wir abends ausgehen, dort werden wir morgens frühstücken, da will ich dem Mann alles zeigen. (Ja ok, die Touri-Attraktionen wird er auch zu sehen bekommen.)

Die Rostockerin in mir findet also nur zwei der Hostels wirklich akzeptabel, beide unweit von ehemaligen Wohnungen von mir. Die anderen sind ja viel zu weit weg, da läuft man ja ewig, um irgendwohin zu kommen, denkt sie sich. Und dann klopft die Berlinerin in mir an und sagt: Wie, ewig? Ne Viertelstunde läuft man da. Das ist doch direkt um die Ecke, das is ja wie von zuhause bis zum Alex. Was willst Du denn bitte?

Ach Rostock, ich bin Dir entwachsen 😦 Zumindest was die Entfernungen angeht. Also gut, sollte es ein Hostel werden, wird nicht die Lage das entscheidenen Kriterium sein. Man wird ja erwachsen.

Familie

In den letzten Tagen gab es diverse Ereignisse, die meine Gedanken immer wieder auf meine Familie brachten. Ich denke viel an früher™, als ich noch klein war. An das Haus, in dem wir wohnten, an die Geschichten, die mir meine Oma erzählt hat. Überhaupt an meine Oma, an typische Redewendungen und Bewegungen, ans Stricken und Spinnen und an den Garten voller Obst, Gemüse und Kräuter. An Pflaumenknödel, Schinkenhörnchen, Müslikuchen und Nusstorte. (Seltsam, dass die meisten Menschen ihre Omas mit gutem Essen assoziieren. Wird das unseren Kindern auch noch so gehen?)

Von der einen Oma denke ich zur anderen, zur Familie meines Vaters, zu vergangenen Sommern an der Ostsee. Zu meiner eigenen Zeit in Rostock, die nun schon beinahe so lange zurückliegt, wie sie überhaupt dauerte und die trotzdem in meiner Erinnerung viel mehr Raum und gefühlte erlebte Zeit einnimmt, als die Jahre hier in Berlin seitdem. Neulich war ich in Potsdam beim Konzert einer Rostocker Band und im Publikum waren einige Leute, die ich noch von früher kannte und auf einmal war ich wieder dort und wieder Studentin und wieder, ja was, jung? Frei? (Ohje, sind solche Gedanken nicht bereits ein Zeichen des Alt-und-gesetzt-werdens? Mein Studentinnen-Ich würde mich belächeln!)

Meine kleine Cousine, die geboren wurde, als ich 15 war und in meinen Gedanken immer erst maximal 9 ist, bis ich mich mit Nachrechnen korrigiere, ist jetzt selbst fast 15. Seit Neuestem skypen wir und heute hat sie mir zum ersten Mal einen YouTube-Link geschickt. Äußerst merkwürdig, das.

Mein jüngster Onkel wird morgen 53. Vor einigen Jahren glaubten mir Kommilitonen noch nicht, dass er wirklich mein Onkel ist und nicht etwa mein Cousin. Mein ältester Onkel ist heute 80 geworden. Wie muss sich das anfühlen, den eigenen Bruder anzurufen, um ihn dazu zu gratulieren, dass er 80 geworden ist? Meine Mutter ist zum Glück sehr viel jünger als er, aber seltsam muss es doch trotzdem gewesen sein.

Ich denke an ganz viel Vergangenheit, an die Gegenwart mit großen und kleinen Wehwehchen bei so vielen in meiner Familie gerade. Und fühle mich irgendwie immer mehr erwachsen, sowohl im positiven, als im negativen Sinne. So langsam möchte ich lieber wieder an die Zukunft denken.

Das Web vergisst nicht

Gestern habe ich für den Besuch von M. einige neue Gerichte ausprobiert und den Kochprozess zum Teil fotografisch dokumentiert. Der Gedanke dahinter war natürlich, das Ganze auch hier ins Blog zu stellen. Nun musste ich allerdings feststellen, dass es nicht möglich ist, Bilder vom iPad direkt hier einzubinden. (Vom Laptop (kein Apple-Produkt) geht es, wie ich gerade gemerkt habe, nur sind da die Bilder leider nicht drauf – ein Problem, um dass ich mich wohl mal kümmern muss.)

Jedenfalls gab es vom iPad aus nur die Möglichkeit, Bilder über eine URL oder aus einem Picasa-Album einzubinden. Mit Picasa hatte ich mich noch nie beschäftigt, also wollte ich mir das eben mal genauer anschauen und musste feststellen: Hatte ich doch. Unbewusst. Denn da Blogspot und Picasa beide zu Google gehören hat dieser Webdienst heimlich still und leise sämtliche Fotos, die ich je in diesem Blog hatte, gespeichert – sogar, als ich den Blog zwischenzeitlich komplett gelöscht hatte und ihn später, mit derselben URL neu erstellt habe, blieben diese Bilder erhalten – und sie haben unzählige Views – OMG. Ich sehe gerade, dass sie von meinem nie genutzten Google+-Profil einzusehen sind. Man lernt doch nie aus…

Ich möchte mir da jetzt eigentlich keine allzu großen Gedanken über die Implikationen machen – was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß und so. Aber das Durchwühlen der alten Bilder, die ich nach einem Festplatten-Crash auch nirgendwo anders mehr habe, hat doch zu einem wahren Nostalgie-Flash geführt.

Deswegen hier noch einmal ein paar Erinnerungen aus den letzten Jahren und der Geschichte dieses Blogs von “früher” – weil ich es kann.

Dieses Foto von drei Mitgliedern von Madsen machte ich im Protestcamp Reddelich gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 nach ihrem Konzert (gemeinsam mit Kettcar übrigens).

Eine Anti-G8-Demo in Rostock, fotografiert von meinem WG-Fenster aus.

Cat Content!!! Bienchen sonnt sich im Küchenfenster.

Der wunderschöne Stadthafen in Rostock. Unbedingt dieses Jahr wieder hinfahren und dem Mann zeigen!

Noch mehr Cat Content. Gotta love Robbie.

Besagte M., die mich gestern besuchen kam. Ich habe sie damals zum regelmäßigen Mango-Konsum gebracht. Man beachte außerdem ihr wundervolles T-Shirt und das Bücherregal – ich hatte schon total vergessen, wie ich das ohne Buchstützen hinbekommen hatte. Leider gibts wohl kein Foto mehr vom Gesamtkunstwerk, sonst wäre es was für Book Porn.

Auch 2007 hatte ich schon eine Schwäche fürs Kochen und Ausprobieren. Das war eine kalte Melonensuppe und eine Art Sushi-Salat – Forellenfilets, Möhren, Avocado, Gurken und Reis.

Dieses Foto habe ich während eines Drehs für eine rbb-Doku vom Haus des Lehrers aus gemacht. Genauer gesagt vom Dach. Unten rechts sieht man noch das Bauloch, wo inzwischen das Gebäude mit Saturn, dm, promod etc. drin ist. Damals war ich in Berlin nur für ein Praktikum zu Besuch, heute gehört der Alex zu meinem Kiez. (Und aus dem Saturn habe ich schon so manche Tüte voller DVDs getragen…)

Cat Content!!!! (Und Schafs-Content)

Ohne Worte.

Kochen und Filme, sag ich doch. Übrigens war das eine Session mit C., die heute Abend zum Krankenbesuch hier reinschneien wird. Es wird gekocht werden…

Ich vergesse immer, was in diesem Gebäude ist, es befindet sich aber in unmittelbarer Nähe des Arbeitsamts Mitte, in dem ich 2008 ein paar Mal zu tun hatte – übrigens nur ein paar Gehminuten von meinem heutigen Büro entfernt.

Die Plantsche hier um die Ecke, im Berliner Hochsommer. Ach, Sommer…

Das Wordle zu meiner Master-Arbeit.

Eine Ladung Weihnachtsplätzchen, 2008.

Osterstrauß 2009, mit selbst verzierten Eiern und Forsythien aus dem Garten meiner Tante M.

Ein Oster-Fresspaket aus Italien. Besonders zu beachten unten links die Pastiera – muss ich dieses Jahr unbedingt mal selbst backen.
Der Springbrunnen am Strausberger Platz.

Cora, bester Hund ever. RIP

Tequila-Sunrise-Bowle…

Geburtstagsgeschenke, ca. 2009. Kochen, Filme, Konzerte… Und meine Oma (90) hat damals noch Schafwollsocken gestrickt. Hach.

Getting all soppy on Christmas Eve

Ich bin ja sonst nicht übermäßig sentimental, glaube ich. Aber wenn man so kurz vor Weihnachten krank ist und viel Zeit zum Nachdenken hat, dann kommt da doch ganz schnell ein warm fuzzy feeling ins Bäuchlein, das jetzt einfach mal hier in den Blog wandern muss.

Dieses Jahr war insgesamt eher durchwachsen für mich und trotzdem geht es mir gerade (also außer gesundheitlich) ziemlich doll gut. Das liegt an Euch, liebe Mitmenschen! Ich habe unheimlich viele tolle Sachen erlebt in diesem Jahr, so dass die nicht so tollen einfach irgendwie mit durchgerutscht sind.

Vieles hat mit den Leuten zu tun, mit denen ich Tag für Tag im Büro hocke und von denen einige mir extrem ans Herz gewachsen sind. Und einige von denen waren ja schon vorher meine Freunde und ich sehe sie jetzt jeden Tag. Großartig! Thanks for being sooooo awesome.

Ein weiterer großer Batzen sind die Leute mit denen ich Tag für Tag über das Internet verbandelt bin. Das großartige Netz schafft es, dass auch die Freunde, die weit weg leben immer ganz nah sind und Freud und Leid mit mir teilen. Und so ganz lässt sich das ja alles nicht trennen, auch die Kollegen und die Freunde hier in Berlin gehören ja zu meinem Internet-Bekanntenkreis, dem großen flauschigen Netz, das immer da ist und mich auffängt und sich ständig vergrößert.

Und mitunter lernt man über das Netz ja auch Menschen kennen, die rein virtuell zu Freunden werden. You know who you are, danke!

Ach am Liebsten würde ich hier eine Liste mit allen diesen großartigen Menschen aufstellen, aber erstens mögen einige die Publicity nicht und zweitens könnte es sein, dass ich im Eifer des Gefechts jemanden vergesse.

Also nochmal ein ganz allgemeines Danke an alle, die dieses Jahr mit mir verbracht, bequatscht, ausgewertet und belacht haben; mit denen ich die Oscar-Verleihung durchwacht habe; mit denen ich philosophierend durch Städte gelaufen bin; die mich in ihren Wohnungen bzw. Häusern empfangen und bewirtet haben; mit denen ich großartige Konzerte erlebt habe; mit denen ich gekocht, gegessen und getanzt habe; mit denen ich Filme und Serien geschaut habe; die großartig zu mir waren, auch nachdem wir uns jahrelang nicht gesehen haben; mit denen ich gechattet, gemailt, gesmst, gemmst, geskyped und telefoniert habe; mit denen ich Texte diskutiert habe; mit denen ich Minigolf gespielt habe; mit denen ich heftige, aber nicht unsanfte Wortgefechte geführt habe; die mit mir an Gewässern gesessen haben; die mich in meiner Bubble Tea-Sucht unterstützt haben; die mir verrückte Geschenke geschenkt haben; die an mich gedacht und mich besucht haben; mit denen ich Musik gehört habe; mit denen ich von alten Zeiten geschwärmt habe; die mir das Gefühl gegeben haben, dass alles gut ist und sein wird.

Danke auch dafür, dass dieses Beziehungsende so glimpflich und mit wenig schlechten Gefühlen vonstatten gegangen ist.

Danke dafür, dass Ihr lieb zu mir seid, auch wenn ich Euch auf die Nerven gehe. Danke, dass Ihr mich in Ruhe lasst und nicht nachbohrt, wenn ich keine Lust habe, emotional zu sein. Danke, dass Ihr mir Eure Sorgen anvertraut. Danke, dass Ihr mir auch bei der 20. Krankheitsmeldung auf Facebook immernoch gute Besserung wünscht. Danke, dass Ihr in meinem Leben drin seid und bleiben werdet!

Und, nicht zu vergessen: Danke dafür, dass ich dieses Weihnachten nicht allein sein werde! Danke, Familie 🙂

Adventskalender 02.12.

Dieses Lied passt eigentlich zu einem Gespräch vom Dienstag, als ich mit Kollegen in der Mittagspause war und man darüber sprach, dass einige am Wochenende zu einem Konzert besagter Band gehen. Das erinnerte mich an meinen Konzertbesuch im März 2006 in Hamburg, im Grünspan (?) laut Google in der Fabrik. Eines meiner ersten Konzerte, bei denen ich auf der Gästeliste stand. Und demzufolge konnten wir es uns auch leisten, einfach schon etwas früher abzuhauen. Ich mag die Musik, aber das Konzert konnte uns nicht mitreißen. Wir waren müde und hatten Kopfschmerzen, hatten nichts bezahlt und eine lange Heimfahrt nach Rostock vor uns. Die wurde dann noch viel länger – irgendwo auf dem Weg zur Autobahn (ich glaube es gab eine Umleitung) haben wir uns verfahren und sind dann stundenlang durch niedersächsische und mecklenburgische Dörfer geirrt (eines davon hieß Mechow). Wir hörten CDs von Motorpsycho, sprachen über dies und das, pausierten an der einzigen Raststätte zwischen Lübeck und Rostock und kamen irgendwann spät nachts wieder in der Heimat an – später als diejenigen unserer Bekannten, die das Konzert bis zum Ende sahen. Naja, das war’s wert. 🙂 
Danko Jones – Sticky Situation

Adventskalender 01.12.

Ein bisschen Leben in die Blog-Bude bringen, dachte ich mir. Und: Ich poste soviel Musik überall hin, warum nicht auch als Adventskalender? Ab jetzt also die nächsten 24 Tage lang jeweils einen Song – passend zur Stimmung, mit aktuellem Bezug, mit historischem Bezug, mit Weihnachtsbezug oder einfach nur so. Wenn ichs schaffe, kommt auch noch eine Erklärung dazu – wie heute.

Dieses Lied hat mir DJ Shuffle gestern morgen zum Aufstehen (Aufstehen um 12, wegen Spätschicht… *pfeif*) beschert und es hat mich auf einen Schlag hellwach und einsatzbereit gemacht. Eins von den vielen Liedern, die ich aus meiner Rostocker Zeit mitgenommen habe in mein Leben. Zuerst gehört bei Lohro oder im MAU, live gesehen auf dem allerliebsten Lieblingsfestival zu Gantikow und auf dem Immergut. Gerade neulich noch wie wild dazu getanzt. Die Band gibts nicht mehr, aber dieses Lied wird immer mein sein 😉 (Wer die Anspielung im letzten Satz korrekt in einem Kommentar identifiziert, gewinnt etwas, das ich mir noch überlegen muss).

Kate Mosh – Kick Nave And The Sad Beats

Leider nicht als Video, dafür aber bei Grooveshark

Social Media at its best

Ich bin ja ein Geek, so sagte mir das zumindest ein Praktikant bei uns letzte Woche, als ich mein “Tweet Tweet Hashtag Retweet”-T-Shirt im Büro trug. Unser Social-Media-Mensch hingegen fand es toll und meinte, Geeks seien sowieso die besseren  Menschen. Auf jeden Fall sind Geeks wie ich (nicht Zocken, sondern eben so Web2.0-Sachen – inkl. Smartphone – und zudem noch im richtigen Leben nicht ganz sozial inkompetent), Menschen, denen mit diesen Spielzeugen lustige Dinge passieren.

Am Wochenende war ich wieder in Rostock, meiner alten Heimat. Der Anlass war das 14. Jubiläum der Indie Night mit Konzerten von Durango Riot, I Heart Sharks und Kraftclub. Ein schöner Nebeneffekt war, dass der Besuch mir die Gelegenheit gab, noch ein paar der Menschen wiederzusehen, mit denen es beim letzten Mal nicht geklappt hat. (Und was waren das für tolle Treffen!!!)

Doch zurück zum Web2.0-Dings. Als ich im M.A.U. ankam, habe ich über Foursquare dort eingecheckt und das auch auf Twitter und Facebook mit anzeigen lassen. Danach dachte ich mir einfach nix mehr dabei und mischte mich unters Konzert- und Partyvolk. Irgendwann im Laufe der Nacht passierten dann die folgenden Dinge:

1. Ein flüchtiger Bekannter kam zu mir, umarmte mich zur Begrüßung und sagte, er solle mir schöne Grüße von meiner ehemaligen Mitbewohnerin ausrichten. Sie lebt in den USA und hat bei Facebook gesehen, dass ich im M.A.U. bin und da sie gerade mit ihm gechattet hatte und von seiner Abendplanung hörte, hat sie ihm Grüße an mich aufgetragen.

2. Auf einmal standen zwei Menschen vor mir und meinen Begleitern, mit denen wir vor acht (!) Jahren regelmäßig unterwegs waren und die wir dann irgendwie aus den Augen verloren haben. Mit einem von den beiden bin ich über Twitter und Facebook vernetzt, aber direkt miteinander gesprochen hatten wir ewig nicht. Wir leben zwei völlig verschiedene Leben in zwei völlig verschiedenen Städten und waren zufällig beide gerade in Rostock. Besagter Herr stand also da rum, sah mich und war sich nicht ganz sicher, ob ichs wirklich bin. (“Dein Tanzstil kam mir bekannt vor.”) Also checkte er nochmal kurz Facebook, um herauszufinden, ob ich vielleicht gerade in Rostock sei, bekam seine Meinung bestätigt und wagte sich zu uns vor und wir waren einigermaßen platt, auf einmal wieder alle beisammen zu sein.

Und weil alles so schön war, jetzt hier noch ein Lied, das zur Indie Night einfach dazugehört: Finn. – Electrify – viel Spaß 🙂

Zwei Welten

Am Wochenende war ich in Rostock. Vor drei Jahren zog ich weg aus der Stadt, in der ich – mehr oder weniger – erwachsen geworden bin. Sechs Jahre lang habe ich dort gelebt – und wie. Es gibt unendlich viele Geschichten, Menschen, Erfahrungen und Erlebnisse aus dieser Zeit, die ich wahrscheinlich auch noch mit 80 erzählen werde.

Das Verrückte ist, dass ich, sobald ich dort bin, zuhause bin. Als wäre ich nie weg gewesen. Ich treffe die Leute von damals und bin wieder genau in dieser Zeit. Es fühlt sich total natürlich und normal an und ist gleichzeitig so weit weg von meinem Alltag. Es ist als würde man in zwei verschiedenen Welten leben. Innerhalb von zweieinhalb Stunden war ich von meinem aktuellen Leben, dem Büro, den Kollegen, dem Arbeitsstress und dem Rumgealber in meine Vergangenheit versetzt. Und beides war völlig normal, beides war ich. Und obwohl es einige Berührungspunkte zwischen den beiden Welten gibt, könnte man sie absolut nicht miteinander vereinbaren.

So bleibt nur, sich zu wünschen, dass Berlin eines schönen Morgens plötzlich doch an der Ostsee liegen möge. Denn Meer muss sein, jeder braucht ein Meer an Lebensqualität, das einzige, was diese Stadt noch verbessern könnte, wäre MEER DAVON: