Tagebuch-5 im Mai – Reise-Edition: Von Berlin ins Stubaital

Schon wieder ein 5. und wie immer fragt Frau Brüllen: WMDEDGT? Das hier:

Kurz nach 6 wache ich das erste Mal auf. Das ist etwas ungünstig, denn ich war erst halb 1 im Bett und bin noch total zerschossen von den vergangenen 3,5 Tagen re:publica, die wie immer großartig, aber eben auch anstrengend waren. Scheinbar ist mein Körper durch den täglichen Hasenwecker nun schon so krass auf um 6 eingestellt, dass selbst größte Erschöpfung ihn nicht daran hindern kann, aufzuwachen. Der Wecker soll allerdings erst um 8 klingeln, die Zeit bis dahin vertreibe ich mir mit lesen, Timeline checken und immer mal wieder eindösen.

Kurz nach 8 stehe ich dann wirklich auf, der Hase ist schon eine Weile auf und gerade dabei, alle seine Pflanzen auf unseren Urlaub einzustellen. Ich ziehe mich schnell an, packe letzte Sachen ein, räume den Geschirrspüler aus und wasche ein paar letzte Dinge ab, während er den Müll runterbringt und das Auto packt. Dann werden die Katzen noch einmal ordentlich durchgekuschelt und wir machen uns auf den Weg.

Zuerst fahren wir zur nächsten Notapotheke. Wegen des Feiertags hat ja sonst alles zu und da wir beide erkältet sind brauchen wir noch Nasenspray und eine Großpackung Taschentücher. Als nächstes holen wir meine Eltern in Mitte ab, halten dort noch einmal an einer Bank zum Geldabheben und dann fahren wir raus aus Berlin, auf die A9 und immer weiter nach Süden.

Wir pausieren kurz am Hermsdorfer Kreuz und später noch einmal, um eine Biene aus dem Kofferraum zu schmeißen. Kurz vor München wechseln der Hase und ich auf die Rückbank. Papa übernimmt das Steuer, Mama die Kontrolle über das Radio. Zum Glück haben die beiden mitgedacht und wir kaufen noch rechtzeitig vor der österreichischen Grenzen eine Vignette. Ich hätte das völlig übersehen.

Ebenso wie ich die Grenze selbst irgendwie übersehen haben muss. Irgendwann gegen 16 Uhr müssen wir sie überfahren haben, denn kurz danach sagte das Navi uns die österreichischen Höchstgeschwindigkeiten und Vodafone informierte mich darüber, dass ich jetzt 2,99 € am Tag zahle und dafür die gleichen Tarifkonditionen wie zuhause habe. Viel mehr haben wir von Landwechsel nicht mitbekommen. Schon verrückt, traurig und schlichtweg abstrus, dass das von der anderen Seite aus für so viele so viel schwerer ist.

Kurz vor 18 Uhr erreichten wir unser heutiges Etappenziel, das Stubaital. Wir bezogen unsere Hotelzimmer und stellten fest, dass wir dabei den Jackpot gezogen haben. Balkon mit Bergblick, Waschbecken aus einem Naturstein ausgehöhlt und Badewanne. Da grade Nebensaison ist, ist es auch nicht mal teuer. Wir machen noch einen kurzen Spaziergang durch den Ort und entdecken ein Denkmal für Gregor Schlierenzauer und andere ortsansässige Skihelden (oder Schihelden, wie man hier schreibt).

Zum Abendbrot kehren wir im Dorfkrug ein und essen lokale Spezialitäten. Für mich gibt es Schlutzkrapfen, Spinatknödel, Kasnudeln und Schiwasser. Zum Nachtisch teilen wir uns paarweise je einen Kaiserschmarrn. Passt. Grade noch so in den Bauch, nämlich.

Um 20 Uhr verteilen wir uns müde auf die Zimmer. Ich blogge noch fix und steige dann gleich in die Badewanne, in der Hoffnung, danach wie ein Murmeltier zu schlafen. Die wohnen doch auch in den Alpen? Morgen früh geht es über den Brenner nach Schmackofatzien.

Blick vom Balkon

Blutorangenrisotto

Auf dem Heimweg aus dem Büro fragte ich den Hasen per WhatsApp, ob ich noch irgendwas einkaufen soll. Seine Antwort: „Vielleicht. Du darfst Dir aussuchen, was wir kochen. Ich helf Dir auch und mecker nicht.“ Was für eine vollends perfekte Antwort, oder? Ohne Rücksichtnahme etwas aussuchen können, worauf ich gerade Lust habe, die Zusage von zusätzlicher Arbeitskraft und der vorherige vertraglich (Ich hab das schriftlich!) zugesicherte Verzicht auf Genöle. Das einzige Problem: Ich hatte keine Ahnung, was ich kochen sollte und irgendwie keinen Appetit.

Das änderte sich allerdings schlagartig, als ich den riesigen Berg Moro-Blutorangen im Supermarkt sah. Ich liebe Blutorangen über alles, vor allem seit meinen regelmäßigen Italienaufenthalten, bei denen es für mich zu jedem Bar-Frühstück frisch gepresste spremuta für n Appel und n Ei gab. 

Mir fiel dann auch direkt das richtige Rezept ein, dass ich vor Jahren mal von einem Netz Orangen italienischer Herkunft abgeschnitten und schon einmal unter Aufbietung all meiner Italienischkenntnisse zubereitet hatte. In den Korb wanderten dann also noch Risotto-Reis (Vollkorn-Arborio) und ein schönes Stück Parmesan.

Zuhause angekommen begann ich das Kochen mit etwas Aromatherapie: Drei kleine Blutorangen wurden mit dem Zestenreißer bearbeitet, was die ganze Küche und meine Hände nachhaltig olfaktorisch verzauberte. Ich war direkt zurück in Sizilien, im Giardino della Kolymbetra und sprang jauchzend von Baum zu Baum. Dann presste ich die nackigen Orangen aus und erfreute mich an dem satten Rotton des Saftes.

  
Der Hase kümmerte sich in der Zwischenzeit ums Zwiebeln schneiden, Parmesan reiben und Gemüsebrühe anrühren und dann konnte es direkt losgehen – mit jeder Menge Olivenöl und wie Papa Dan Kelly zu sagen pflegte: „Viel Geduldigkeit.“ Am Ende stand ein hocharomatisches, schlonzig-cremiges Risotto mit einem Extra-Vitaminkick – genau das richtige für kalte Winterabende wie diesen!

Rezept: (Blut-)Orangenrisotto

  • 3 unbehandelte Saftorangen (oder 1-2 große Orangen)
  • 200 g Risotto-Reis
  • 1 Zwiebel
  • 200 ml Weißwein
  • Ca. 1 Liter Brühe
  • Ca. 50 g Parmesan
  • Viel gutes Olivenöl

Die Orangenschale abreiben und danach den Saft auspressen. Die Zwiebel fein würfeln und den Parmesan reiben.

Die Zwiebeln in einem Topf in reichlich Olivenöl anschwitzen (bei mir stand das Öl gut einen halben Zentimeter hoch im Topf). Dann den Reis dazugeben und kurz anbraten. Mit dem Wein ablöschen  – das Rezept spricht davon, den Reis im Wein zu baden und wir wollen diesem malerischen Ausdruck nicht widersprechen.

Den Wein unter gelegentlichem Rühen verkochen lassen, dann zwei Kellen Brühe dazugeben. Wenn diese verkocht sind, die Orangenschale und eine weitere Kelle Brühe hinzugeben.

So geht es weiter: Rühren und verkochen lassen, wieder eine Kelle zugeben und dann von vorn – so lange, bis der Reis weich und das Risotto cremig ist. Das kann schon so 40-50 Minuten dauern. In Piemonteser Restaurants gibt es für Risotto immer eine angegebene Wartezeit und man muss mindestens zu zweit bestellen. Dort nähme man auch Butter statt Olivenöl, aber ich finde, zu Blutorangen passt eine südliche Zubereitung besser.

Ist die gewünschte Schlonzigkeit erreicht, den Topf vom Herd nehmen und den Parmesan einrühren. Ganz zum Schluss den Saft hinzugeben, ebenfalls unterrühren und dann direkt servieren.

  

Der obligatorische Jahresrückblick

So langsam muss die Schreibfaulheit mal wieder aufhören, die in den letzten Wochen eingesetzt hat und jetzt sogar dafür sorgte, dass ich mal wieder 5 € bei den Iron Bloggern löhnen musste. All diese Termine vor Weihnachten, Geburtstage, eine Hochzeit, Geschenkebesorgungen und dann eben Weihnachten selbst bei den Haseneltern haben dafür gesorgt, dass ich kaum mal Muße hatte, irgendetwas aufzuschreiben und wenn habe ich das nur kurz bei Twitter getan. Gekocht habe ich auch nicht wirklich, was ja sonst immer ein ganz guter Anreiz zum Bloggen ist. So langsam geht es damit wieder los: Übermorgen kommen Silvestergäste und die sollen natürlich verköstigt werden. Deswegen habe ich mich dann heute aufgerafft, in Rezepten gestöbert und ein Büffet zusammengestellt, das auch einiges aufgreift, was dieses Jahr passiert ist. Doch dazu demnächst, erstmal muss noch der obligatorische Jahresrückblick her:

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Darüber habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und hätte spontan irgendwas bei 2 gesagt. Dann sind mir zum Glück noch eine ganze Menge schöne Sachen eingefallen, die auch passiert sind, damit rettet sich das Jahr auf eine 6, würde ich sagen.

Zugenommen oder abgenommen? 

Darüber könnte ich jetzt nur spekulieren, denn ich habe maximal 1-2 Mal in diesem Jahr auf einer Waage gestanden und das war eher irgendwann am Anfang – ich schätze mal, dass ich auf Sizilien ein wenig zugenommen habe, sich das dann aber wieder relativiert hat.

Haare länger oder kürzer? 

Irgendwann im Frühling wurden mal so 10 cm abgeschnitten, seitdem wächst es wieder, keine Ahnung, ob der Vorzustand schon wieder erreicht ist?

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Obwohl ich das Gefühl habe, im Laufe der Jahre graduell etwas kurzsichtiger zu werden, kann ich das auch nicht mit Zahlen belegen, weil ich schon seit Jahren nicht beim Augenarzt war. (Asche über mein Haupt, wohl ein Vorsatz für 2016…)

Mehr Geld oder weniger?

Von Monat zu Monat relativ gleich, da hat sich nicht viel geändert. Allerdings haben die Urlaube dieses Jahr ganz schön reingehauen, so dass der Berg im Geldspeicher um einiges geschrumpft ist.

Mehr ausgegeben oder weniger? 

Durch besagte Urlaube, häufiges Essen gehen usw. wahrscheinlich etwas mehr. Noch ein Vorsatz für 2016: Noch mehr selber kochen und dann mit ins Büro nehmen!

Der hirnrissigste Plan?

Puh – da gab es so einige, die sich im Nachhinein aber doch irgendwie als goldrichtig erwiesen haben – zum Beispiel, für das gleiche Geld, das ich für einen zweiwöchigen Jamaika-Urlaub ausgegeben habe für 5 Tage nach Sizilien zu fliegen. Wer auch so was hirnrissiges machen will – im Juni habt Ihr die Gelegenheit dazu: The Language of Food. Was dabei so rauskommt, kann man hier nachlesen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Trotz mündlicher Warnung vor Strömungen und Schildern auf die eigene Einschätzung (und die der Mitreisenden) zu vertrauen und das flache Wasser zu verlassen. Fünfmal dumme Touristen vorm Ertrinken retten an Strandaufgang 1, bitte!

Die teuerste Anschaffung?

Da ein Urlaub nicht als Anschaffung gilt, würde ich sagen, ein paar Winterstiefeletten für 60 €. Es sind eher die vielen, vielen kleinen Dinge, die meinem Geldspeicher wehtun…

Das leckerste Essen?

Die Frage ist sowas von gemein. Wie soll ich da entscheiden? Weit oben sind definitiv verschiedene sizilianische Köstlichkeiten, etwa die frittierten Artischocken, der Schwertfisch mit Kräuterkruste, die Bruschette mit rohen Sardinen… Und die weltbeste Avocado-Salsa, die keine Guacamole ist, natürlich. 😉

Das beeindruckendste Buch? 

Das ist immer sehr schwer zu sagen, aber ich finde gerade beeindruckend, dass ich mit 32 immernoch Anne of Green Gables und die Folgebücher lesen kann, ohne mich zu langweilen. Viele andere Bücher haben mich hingegen dieses Jahr nicht so wirklich fesseln können, einiges liegt noch halb angelesen auf dem Nachttisch, aber Anne geht irgendwie immer.

Der ergreifendste Film? 

Besonders oft waren wir dieses Jahr nicht im Kino und viele der großen Hits des Jahres habe ich noch nicht gesehen. Aber schön und aus Gründen auch ergreifend fand ich Pride.

Die beste Serie?

Am schnellsten schaue ich immer die neuesten Folgen von The Good Wife, weil ich da am meisten Angst vor Spoilern habe. Sehr gern gesehen habe ich dieses Jahr aber auch die aktuellen Staffeln von The Americans, Orange is the new Black, Transparent, The Mindy Project, Switched at Birth und überraschenderweise Madam Secretary. Gilmore Girls und Bunheads gehen natürlich in jedem Jahr, ebenso wie Friends, das ich gerade nochmal schaue (9. Staffel inzwischen). Achja und Weissensee haben wir dieses Jahr endlich gesehen und waren auch schwer begeistert.

Die beste CD?

Ich glaube die einzige CD, die ich dieses Jahr physisch gekauft habe, war die Irish Christmas von Angelo Kelly und Family. 😉 Ansonsten höre ich Spotify rauf und runter (jetzt ja endlich auch die Beatles) und da fällt es gar nicht so sehr auf, ob ein Album neu oder alt ist. Und ich höre in letzter Zeit auch wahnsinnig viele Podcasts und Hörbücher… Früher war mehr CD-Lametta, fürchte ich.

Das schönste Konzert?

Hmm… Da muss ich mal kurz rekapitulieren, vermutlich das Abschiedskonzert von Supershirt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Den Katzen. Danach dem Hasen. Danach den Kollegen.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

In den ersten beiden Punkten ähnlich. Dann natürlich dem Rest der Familie, lieben Freunden und den Language of Food-Mädels auf Sizilien.

Vorherrschendes Gefühl 2015? 

Es reicht jetzt langsam.

2015 zum ersten Mal getan?

In Jamaika gewesen (dabei am Mittwoch davon erfahren und am Samstag losgeflogen, beinahe ertrunken, eine Marihuana-Plantage gesehen, Chocho gegessen, aus einer Kokosnuss getrunken…), Gdánsk, Sopot und das polnische Dorf besucht, aus dem meine Uroma stammte, einen Food Writing-Workshop besucht (dabei alleine durchs nächtliche Palermo gelaufen, ein Hostelzimmer mit einem betrunkenen fremden Mann geteilt, jemandem mit meinem Schreiben Tränen in die Augen gezaubert…), alleine in einem Hotelzimmer übernachtet (auf einer Dienstreise und dann neulich bei der Hochzeit), Reutlingen besucht, Heidelberg besucht, Mannheim besucht, Schwetzingen besucht, mich mit dem Thema Massenentlassungen auseinandersetzen müssen, zu einer kirchlichen Beerdigung gegangen (und dann gleich zweimal), einer Erdbestattung beigewohnt, eine längere Paddeltour gemacht, mit Freunden essen gewesen und die einzige Nicht-Elter gewesen, Couchsurfer aufgenommen, Flüchtlingen geholfen.

2015 nach langer Zeit wieder getan?

Eine Pressemitteilung verfasst und veröffentlicht, mich tiefergehend mit HTML befasst (CSS folgt), Hexenbrennen gefeiert, Punkte mit Zahlen dran zu Bildern verbunden, meinen Geburtstag als Gartenparty gefeiert, Urlaub mit den Eltern gemacht, Quarkkeulchen gebacken, in Straßburg und Offenburg gewesen.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Tode unserer Omas, die Beziehungsdramen und Lebenskrisen im Freundeskreis, all den Krieg und Terror

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Den Hasen, dass es OK ist, so viel Geld für Language of Food auszugeben, war dann aber ganz einfach.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Einfach da sein, für so viele Menschen in diesem Jahr. Oder aber die Angelo Kelly-Karte für eine Freundin oder die Paddy-Kelly-Karte für eine andere Freundin 😉

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Als ich am Tag vor meinem Geburtstag aus Sizilien zurückkam, blitzte und strahlte die Wohnung und der Balkon war wunderschön eingerichtet – das haben der Hase und seine „Schwesta“ für mich gemacht und es hat mich umgehauen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Wortwörtlich fällt mir da spontan ein: „Und wer fängt mich auf?“, immer und immer wieder, mit dem süßesten Grinsen der Welt. Das war der Sohn von @leitmedium und @fraumierau. 🙂

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? 

Irgendwas des Inhalts, dass das alles OK ist und ich die Person trotzdem lieb habe, nehme ich an. Zu mehreren.

Besseren Job oder schlechteren?

Den gleichen, auch wenn er sich aufgrund der Umstände im letzten Quartal schlechter anfühlte. Ich hoffe da auf 2016.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Das Kneipenquiz (nur einmal, wir waren aber auch nur sechsmal da), den Oscar-Pool, und sonst glaube ich nichts. Außer Erfahrungen.

Mehr bewegt oder weniger?

Ich mich? Zunächst mehr (regelmäßiges Kieser Training, im Sommer viel geschwommen), danach dann eher weniger (Stress, Krankheiten, keine Lust… muss wieder anfangen).

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Mit Krankmeldung deutlich weniger als die letzten Jahre, vielleicht 3 oder 4. Wenn man allerdings jedes kleine Wehwehchen mitzählt, dann gleichbleibend viele…

Davon war für Dich die Schlimmste?

Da war jetzt, anders als in Vorjahren, nichts Herausragendes dabei, mich nervt eher die Häufigkeit.

Dein Wort des Jahres?

Essen 😉

Dein Unwort des Jahres?

Tod

2015 war mit 1 Wort…?

Anstrengend

Vom Paddeln und Schlemmen

Man darf ja so Blogthemen nicht zu lange liegen lassen, ansonsten sind sie irgendwann einfach weg und man hat nicht darüber geschrieben (Vor wenigen Tagen habe ich genau dazu einen tollen Text gelesen, den ich jetzt leider nicht mehr finde. Es kam immer ein sehr passendes „Wuuuusch!“ drin vor, vielleicht erinnert sich ja jemand – ich muss mir dringend so ne Gelesene-Sachen-Aufheb-App zulegen…). Deswegen folgt jetzt hier der bereits angekündigte Post zu unserem Paddelwochenende auf der Mecklenburger Seenplatte.
Letztes Weihnachten habe ich ja erstmal zur Probe eingeführt, lieber Zeit als Dinge zu verschenken. Mit meinen Eltern waren wir deswegen Anfang Juni in Sopot und Gdánsk. Letztes Wochenende folgte dann die Einlösung des Geschenks für meinen Bruder und seine Freundin und wir fuhren paddeln. Von Berlin aus ging es mit dem Zug bis Fürstenberg, wo wir relativ lange auf unser bestelltes Taxi warten mussten, das uns dann aber mit vollem Komfort mitten rein in die Seenlandschaft zum Kanuverleih Kanatu in Priepert brachte. Dann ging alles recht schnell und uns wurden die bestellten Kajaks samt Zubehör (Paddel, Wertsachentonnen, Spritzdecken etc.) ausgeteilt und wir konnten packen. Unser Gepäck wurde in die „Packlöcher“ (so nenne ich sie jetzt mal, keine Ahnung, ob das wirklich so heißt) vorne und hinten im Kajak verteilt, Portemonnaies, elektronische Geräte etc. kamen in die Wertsachentonne und diese in Fußraum der vorn sitzenden Person. Für mein Smartphone und seine Kamera hatte mein Bruder uns wasserdichte Beutel mitgebracht, die er auf Exkursionen benutzt, um Eisproben zu nehmen – die Proben können dann im Notfall ruhig schmelzen, aber der zu untersuchende Inhalt geht ihm nicht verloren, es fließt nämlich nichts heraus. Hinein spritzte zum Glück auch nichts, so dass mein iPhone unversehrt blieb. Allerdings musste man es immer recht umständlich aus- und wieder einpacken, so dass ich fast nur während der Pausen Fotos gemacht habe.
Wasserflasche, Regenjacke und Karte kamen in ein Netz vorn auf dem Kajak, dann zogen wir uns Schwimmwesten (eine Vorschrift für Leihkajaks) und Spritzdecken über, stiegen ein und stießen uns vom Steg ab. Es konnte losgehen und wir paddelten über den Ellbogensee. Meine letzte und bis dahin einzige Kajak-Erfahrung hatte ich 15 Jahre früher auf dem Lac à Pic in Nova Scotia, Kanada gehabt. Es dauerte also erstmal einen Moment, bis ich mich wieder daran gewöhnt hatte, nicht wie beim Kanu ab und an die Seite zu wechseln und damit auch zu steuern, sondern eine möglichst runde und gleichmäßige Bewegung auszuführen und den Hasen, der hinter mir saß, mit den Füßen steuern zu lassen. Ich habe auch bis zum Ende des Trips immer wieder etwas variiert und herumprobiert, wo ich das Paddel am besten halte, in welchem Winkel ich es ins Wasser einsteche und ob und wann ich es leicht drehen muss, ohne aus dem Takt zu kommen und mir Blasen an den Händen zu holen. Es klappte allerdings gut genug, um ziemlich schnell voran zu kommen.
Erstaunlich schnell kamen wir an unsere erste Schleuse (und stellten bei der Gelegenheit fest, dass wir uns direkt zu Beginn verpaddelt hatten und unsere 2-Tages-Route nun im statt gegen den Uhrzeigersinn fuhren, nunja…). Die Schleusen waren immer mit viel Warten verbunden, während die Gegenseite bedient wurde, dann konnte man einfahren (Motorboote zuerst, Kajaks und Kanus zuletzt), hielt sich irgendwo am Rand fest und wartete, dass das Wasser stieg, bzw. fiel. Die ganze Prozedur dauerte gut und gerne eine Dreiviertelstunde, so dass ich am Ende ganz froh war, dass auf unserer Tour nur zwei Schleusen lagen. Hinter der Schleuse lag der Große Pälitzsee, an dessen Ufer wir eine kurze Rast machten, ein paar der mitgebrachten Brötchen verdrückten und dem Gebüsch einen Besuch abstatteten. Dann ging es über den Kleinen Pälitzsee und den Canower See zur nächsten Schleuse, die uns zum Labussee brachte. Dort folgte eine längere Pause „Beim Fischer in Canow“, wo wir Fischbrötchen und Co (ich hatte Kartoffelsalat und gebeizte Lachsforelle) aßen und ängstlich das Wetter beäugten. Eigentlich war Gewitter und starker Regen vorausgesagt, das wir dann gerne dort an Land abgewartet hätten. Obwohl der Himmel zwischenzeitlich immer wieder sehr bedrohlich aussah, blieb alles ruhig, so dass wir in Ruhe aufaßen und uns dann wieder zurück in die Kajaks begaben.

Der nächste spannende Abschnitt war die Dollbek, eine enge Wasserstraße, die uns vom Labussee in den Gobenowsee brachte und sehr eng und relativ flach war (entgegenkommenden Kanus und Kajaks musste man schon einige Aufmerksamkeit entgegenbringen, um sie nicht zu touchieren) und gleichzeitig das pure Naturidyll war. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir erstmal keine Motorboote mehr um uns herum, so dass alles etwas ruhiger und langsamer ablief und um einen herum wirklich nur noch Wasser und Wald waren (und ab und zu Seeadler und Milane über uns am Himmel). Spätestens jetzt wähnte ich mich immer mal wieder in Kanada oder wahlweise auf dem Silbersee, auf der Suche nach dem Schatz. Und jedes Mal, wenn ich gedanklich dort angekommen war, fiel mir ein, dass die Indianer ja Kanus hatten, während Kajaks das Fortbewegungsmittel der Inuit waren. Und dann grübelte ich darüber nach, ob sie, wenn sie ein Baby auf den Rücken gebunden hatten, auch Kajak fuhren und ob das rein vom Platz her möglich gewesen wäre, geschweige denn bei der so kolonialistisch benannten „Eskimo-Rolle“ [sic]. Überhaupt fand ich schon jedes Fitzelchen Wind, Regen und Welle so aus dem Takt bringend, dass ich mir ein Paddeln auf dem Arktischen Ozean eher ungemütlich, anstrengend und wenig entspannend vorstelle. Dann lieber weiter durch die Mecklenburgische Seenplatte: Über den Gobenowsee und den Klenzsee gelangten wir nach Wustrow, wo wir unsere Kajaks an Land zogen und entluden – das Tagesziel war erreicht. 
Bevor uns der Besitzer unserer gebuchten Pension Waldlust abholen konnte, saßen wir noch ein wenig an einer Badestelle und erholten unsere müden Arme. Also, vor allem meine. Denn neben einem bisschen Muskelkater in Schultern und Nacken, auf den man ja eher stolz sein kann und der nicht ganz so sehr nervt, taten mir plötzlich die Arme wie Hölle weh. Wahrscheinlich war da eine Sehne gereizt oder so, ich konnte jedenfalls kaum die Bierflasche zum Mund heben und die Arme gerade auszustrecken war auch eher unschön. So verbrachte ich den Rest des Abends mit angewinkelten Armen und schmierte sie mir vor dem Schlafengehen ordentlich mit Voltaren ein – am nächsten Tag war der Schmerz wie weggeblasen. Doch man soll den Morgen nicht vor dem Vorabend loben, denn der hatte es in sich. Bei unserer Suche nach einem guten Abendessen in Wustrow landeten wir nämlich im Kaminrestaurant Diogenes, das sich völlig unverhofft als wahrer Glückstreffer entpuppte.
Während die beiden anderen Lokalitäten vor Ort gähnend leer waren, brach das Diogenes aus allen Nähten und vor uns gingen schon wieder Leute, nachdem ihnen der Besitzer eröffnet hatte, dass sie wohl bis zu anderthalb Stunden auf ihr Essen würden warten müssen. Zum Glück waren unsere Bäuche noch ganz gut vom Mittag gesättigt, so dass uns die Ansage nicht schocken konnte, lieber ein gutes Essen mit Warten als ein durchschnittliches sofort. Das Leben ist ja schließlich zu kurz für nur so mittel Essen. Wir nahmen zunächst draußen auf der Terrasse Platz, konnten aber dann recht schnell in den gemütlichen Innenraum wechseln, indem es neben Esstischen und Schränken voller Spirituosen auch Regale mit regionalen Lebensmitteln und insgesamt vier ungarische Kamine gab. Das Bier kam auch in annehmbarer Zeit bei uns an, mit der Warnung, dass die Gläser einem schon vor dem Trinken „einen im Tee haben“ lassen würden. Nun gut, wir hatten ja nichts mehr vor und erfreuten uns daher unbesorgt am guten Störtebeker aus Stralsund (Mittags hatte es Lübzer gegeben, man will ja schließlich die lokale Wirtschaft ankurbeln, zum Glück hatten sie nirgends Rostocker…). Der Hase hat dann auch das Atlantic Ale der Störtebekers ausprobiert, das sehr frisch und leicht schmeckte und in der Karte als Alternative zu „Weißwein zum Fisch“ angeboten wurde.

Fisch sollte es natürlich geben, wegen Seenplatte und so. Mein Bruder und ich entschieden uns für eine Vorspeise, nämlich ein Edelfischsüppchen, das wirklich umwerfend lecker war – selbst wenn man keine Fischfanatikerin ist. Man schmeckte heraus, dass da keine Fertigbrühe in die Nähe gekommen war und die Würzung war alles andere als langweiliger Einheitsbrei. Danach gab es für den Bruder und seine Freundin einen großen Salatteller mit Fisch und der Hase versuchte sich an einer Räucherforelle mit Meerettich. Das Bauernbrot mit Butter dazu verschmähte er allerdings, weil wir vorher am Tag zu viel über Pommes geredet hatten… Nunja. Für mich gab es Havelzander mit Kräuterbutter und Zitrone und dazu Petersilienkartoffeln. Wahrlich ein Gedicht, auch wenn man keine Fischfanatikerin ist (Ich wiederhole mich hier gerne) und ich habe auch noch nie so gut gemachte profane Petersilienkartoffeln gegessen. Leider war die Dessertempfehlung des Tages, Mousse au Chocolat mit Kirschragout und Schlagsahne bereits alle. Ansonsten gab es nur eine Eiskarte mit Langnese-Eisspezialitäten, auf die wir nicht so wirklich Lust hatten. Zum Glück entdeckten wir aber noch Ben & Jerry’s-Fähnchen, so dass drei von uns sich noch an einem Becherchen davon gütlich tun konnten.



Die Toilette war sauber und seriös eingerichtet, aber scheinbar fehlte doch irgendetwas und so konnte ich mich an diesen Fotos erfreuen. Überhaupt hingen viele spannende Dinge an der Wand des Diogenes, unter anderem Briefe, Autogramme und Fotos von diversen bekannten Köchen (Lafer, Lichter, Kleeberg, Poletto…) und Zertifikate von Spirituosen-Workshops. Die zweite große Leidenschaft des Besitzers neben dem Essen (oder die dritte, neben den Kaminen), ist nämlich Hochprozentiges. Wir durchstöberten die ausufernde Karte und probierten dann Holunderblütenlikör, Honig-Kräuter-Whisky-Likör, Borowicka und Palinka. Und netterweise gab es dann nach dem Bezahlen noch einen aufs Haus – zweimal Wacholdergeist und zweimal Sauerkirsch-Obstbrand, Fachsimpeleien über deutsche, österreichische und japanische Whisky-Sorten zwischen dem Hasen und dem Gastronom inklusive. Also: Absolute Empfehlung für das Diogenes, für wenn Ihr mal nach Wustrow kommt!

Am nächsten Morgen mussten wir dann unsere Kajaks umtragen, um unsere Tour auf dem Plätlinsee fortsetzen zu können. Während der Nacht hatten es sich Schnecken mit und ohne Haus sowie eine Eidechse in unseren Booten gemütlich gemacht. Die Schnecken konnten wir weitestgehend absammeln, die Eidechse versteckte sich hingegen unter einem der Sitze und krabbelte mir während der Tour immer mal auf den Beinen herum. Dann kam bald das anspruchsvollste Stückchen Weg, die Schwaanhavel, ein sehr sehr flaches Stückchen Wasser, sehr eng und oft mit überhängenden Bäumen versehen, so dass die Navigation uns doch ab zu vor Herausforderungen stellte, besonders bei Gegenverkehr. Schön wars aber auch sehr, wie man auf dem Foto sehen kann.
Danach folgte ein Stück echte Havel – jetzt wieder im vollen Alltagsverkehr mit Partyfloßen, Motoryachten und Junggesellenabschiedsbooten mit dekorativen Gummipuppen. An einer alten überdachten Holzbrücke, wo die Havel in den Finowsee fließt, machten wir noch einmal Station beim Fischer – mit dem gleichen Kartoffelsalat wie am Vortag (scheinbar gehören die Lokale zusammen oder es gibt ein Convenience-Produkt für Fischläden, das „Hausgemachter Kartoffelsalat“ heißt), diesmal allerdings mit Matjessalat dazu.

Dann paddelten wir über ein weiteres Stück Havel und den kleinen und den großen Priepertsee zurück nach Priepert und gaben unser Kajak wieder ab – nicht ohne für 70 € eine Spritzdecke zu kaufen, die leider irgendwie einen kleinen Riss bekommen hatte. Wir waren deutlich früher angekommen, als geplant und hatten für die Rückfahrt ein Berlin-Brandenburg-Nacht-Ticket, das erst ab 18 Uhr galt. So mussten wir noch etwas Zeit totschlagen, warfen unser letztes Bargeld zusammen und kehrten im Yachthafen-Restaurant ein. Die Freundin meines Bruders und ich hatten jeweils einen dieser wundervollen Windbeutel, gefüllt mit Vanilleeis, Schlagsahne und Roter Grütze:

Irgendwann kam dann das Taxi, das uns zurück nach Fürstenberg brachte. Auf dem Bahnsteig sprach uns eine Frau an, die mit ihrem kleinen Sohn reiste und der die endlos lange Schlange am Fahrkartenautomat zu lang war. Wir ließen sie auf unserem Ticket mitfahren, bekamen dafür trotz Proteste unverhältnismäßig viel Geld und verbrachten dann eine gute Stunde in einem völlig überfüllten Zug voller Ostsee- und Seenplatte-Touristen zurück nach Berlin. Der kleine Junge entpuppte sich schnell als astreine Unterhaltung für den gesamten Zug und wären wir nicht so müde und kaputt gewesen, hätten wir uns bestimmt noch mehr darüber freuen können – ein kleines bisschen anstrengend war das laute Heulen, Schreien und Kreischen und die Wiederholung der immer gleichen Wortgruppen in anschwellender Lautstärke dann aber doch und so waren wir froh, als wir endlich wohlbehalten zuhause ankamen, wo uns die Katzen freudig erwarteten.

Fazit: Paddeln ist ne extrem gute Sache, vor allem bei schönem Wetter. Nächstes Mal können wir uns ruhig eine längere Tour vornehmen, denn wir sind wirklich sehr viel schneller vorangekommen als gedacht und bis auf die Armschmerzen am ersten Abend habe ich keine bleibenden Schäden behalten – also zumindest keine, die sich auf das Paddeln zurückführen ließen 😉 Das war ne tolle Sache und wird auf jeden Fall wiederholt. Kommt ja nicht oft vor, dass ich eine tolle Aktivität finde, die man bei näherer Betrachtung auch als Sport durchgehen lassen kann, und vielleicht kann mich der Reisezweier ja demnächst noch ein wenig inspirieren 😉

Vorschau: Paddeln und Leone

Heute bleibt wenig Zeit zum Bloggen, denn das Wochenende war sehr voll. Voll mit Paddeln und gutem Essen und guten Getränken, zum Beispiel dem Tasca Leone, den ich aus Sizilien mitgebracht habe. Über all das wird in den nächsten Tagen zu berichten sein, heute gibt es nur ein Foto als Teaser 😉

Tagebuch-5 im Juli – Ostsee-Edition

Wie jeden 5. fragte Frau Brüllen heute wieder WMDEDGT? Bei mir sah das so aus:
Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr erwache ich am 5. in Rostock. Diesmal in einer anderen Wohnung, in der Südstadt, bei anderen Freunden. Außerdem bin ich nicht alleine, sondern teile mir das Zimmer mit dem Hasen und zwei lieben Freundinnen. Es dauert ein Weilchen, bis die Isomatten und die Couch wieder verpackt und alle sechs durchs Bad hindurch sind. In der Zwischenzeit erzählen wir, lungern auf dem Balkon rum und ich bekomme ein ziemlich cooles Geschenk:
Die Inspiration dazu kam von hier. 😉
Dann ging es in die Altstadt und wir frühstückten ausführlich und gemütlich in der Likörfabrik.
Währenddessen stieg und stieg das Thermometer und mit ihm die Luftfeuchtigkeit, so dass wir meine geplante Stadtführung hauptsächlich nach Drinnen verlegten – in die Petri- und die Marienkirche.
Dann musste ich allerdings endlich noch die andere neue Rostocker Eisdiele, von der mir auf Facebook so vorgeschwärmt wird testen und aß in der Eiswerkstatt einen Guaven-Frozen Yoghurt mit Brombeeren.

Irgendwann wurde es uns dann zu bunt mit der Hitze und wir flohen aus der Stadt. In Heiligendamm sprangen wir in die herrlich kalte Ostsee und schliefen dann am Strand einfach mal für 1,5 Stunden ein. Zum Glück war es bewölkt, so dass keiner einen schlimmen Sonnenbrand bekommen hat.

Nach dem Aufwachen – Huch, so spät schon? – aßen wir ein gemütliches Abendbrot-Picknick am Strand, mit Hummus, Kichererbsensalat, Erdbeeren von Karl’s und leicht surrealem Käse.
Dann liefen wir noch ein wenig durch die weiße Stadt und überlegten, welche der Villen wir uns demnächst kaufen wollen. Zum Abschied gab es noch ein Johannisbeer-Eis für mich.

Die Heimfahrt dauerte dann wahnsinnige 3,5 Stunden, weil die ersten beiden für uns in Frage kommenden Ausfahrten vom Berliner Ring komplett verstopft waren – die Autos standen schon auf der Autobahn. So fuhren wir also immer weiter gen Süden und enterten die Stadt schließlich via Marzahn. Durch das aufkommende Gewitter fuhren wir dann nach Hause, wo uns die Katzen schon sehnsüchtig erwarteten.

Geburtstagswoche 2015 – Olivenöl, Wein und Estratto

Heute Morgen wachte ich mit der Frage auf, was wir diesmal kochen würden. Dann fiel mir ein, dass meine Zeit in Case Vecchie zu Ende ist und wir nach dem Mittagessen aufbrechen würden. 😦 Bis dahin gab es aber noch viele schöne Momente, Gelächter, Fotoknipserei, Souvenirkäufe (Öl, Wein, Kichererbsenmehl, Kapern und Tomatenextrakt) und natürlich zwei wundervolle Mahlzeiten:

Geburtstagswoche 2015 – Couscous und Artischocken

Wir hatten gerade eine Art Abschlussdinner mit vier verschiedenen Weinen, Limoncello und Nocino, deswegen (und weil wir heute Morgen schon vor dem Frühstück mit dem Schreiben begonnen haben) beschränke ich mich heute wieder auf Fotos. Ein (oder mehrere?) längere Posts über diese wundervolle Woche reiche ich irgendwann demnächst nach.

Kirschkuchen zum Frühstück

Zibbibo-Elixir und Mandelhonig

Frittierte Salbeiblätter

Pasta alle Sarde

Zitronencreme mit Sauerkirschen

Couscous-Zubereitung: Unten ein Topf mit kochendem Wasser, darauf ein Tontopf mit Löchern für den Dampf. Der Übergang wird mit Brotteig abgedichtet. Über die Dampflöcher kommen Lorbeerblätter, darauf der leicht angefeuchtete rohe Couscous. Hineingesteckte Löffel sorgen dafür, dass der Dampf entweichen kann.

Artischocken putzen mit Fabrizia und Luisa
Artischocken in Zitronenwasser, Safran und Kalamari

Zwei Sorten rohe Kichererbsen

Cassatelle werden mit Ricotta-Creme gefüllt.
Aperitivo mit Ben, Fabrizia, Virginia und Gry.

Couscous mit Kichererbsen, Kartoffeln und Käse

Gefüllte Kalamari und Safran-Kartoffeln

Cassatelle

Geburtstagswoche 2015 – Agrigento und Regaleali

Ich hab mich eben im Spiegel gesehen und war total überrascht, wie glücklich ich aussehe. Also, ich weiß ja, dass ich es gerade absolut bin, aber dass man mir das einfach so von außen ansieht und wie groß der Unterscheid zu meinem mir vertrauten Spiegelbild ist (nicht, dass ich zuhause explizit unglücklich wäre), das hätte ich nicht erwartet.
Dieser Trip ist alles, was ich mir davon versprochen habe und mehr. Die Sonne, die Landschaft und das Essen sind das Eine und damit habe ich gerechnet, das andere sind die Menschen, die wahnsinnig tollen Gespräche, die Atmosphäre, die Ideen, das Feedback und die Gedankenwanderungen. Ich habe dem Hasen versprochen, möglichst viel davon zu behalten und ich hoffe, man wird es auch hier im Blog merken können.
Heute ging es zunächst nach Agrigento, ich habe schon letztes Jahr darüber gebloggt, als der Hase und ich auf unserem Roadtrip im Tal der Tempel halt machten und auch über den wundervollen Garten der Kolymbetra, der inzwischen mein Happy Place geworden ist (Links folgen, wenn ich wieder zuhause bin). Und auch heute hat der Garten seine Wirkung getan, auch wenn es dort im Juni leider keine reifen Früchte mehr gibt. Vielleicht reicht eine überwältigende Erfahrung aus, um einen Ort für immer ins Herz zu schließen…
Der Juno-Tempel und im Hintergrund das Meer
Mandeln am Baum
Eine riesige Agave

Siesta-Ziege

Ruinen

Artischocke in voller Blüte

Unser Picknick: Sandwich mit Frittata, eingelegte getrocknete Tomaten, Artischocken, Oliven und gefüllte Peperoncini, Käse und später zum Nachtisch Kirschen und Melone. Dazu gibt es Weißwein und Wasser.
Francesca, Luisa und Gayle – drei Foodbloggerinnen beim Material sammeln.
Zurück in Case Vecchie gingen wir für eine tolle Writing Session in den Pavillon im Garten.
Danach fuhren wir nach Regaleali, erhielten eine Führung durch das Weingut und machten eine Weinprobe. Wichtigste Erkenntnis: Man braucht nur fünf Wörter, um Wein zu beschreiben: Red, White, Rosé, Like und Dislike.

Zum Aperitivo im Hof des Gutshaused gab es zwei verschiedene Jahrgänge eines Schaumweins und dazu frittierte Bohnen, mit Bêchamel gefüllte Kartoffelkroketten und Reisbällchen.

Schließlich speisten wir in großer Tafelrunde bei Grafens und aßen Ravioli gefüllt mit Ricotta und Minze, Kotelett und Kartoffeln, Caponnata und Salat sowie den besten Cannolo, den ich je gegessen habe – begleitet von weißem, rotem und Dessertwein.

Geburtstagswoche 2015 – Panelle, Cassata und der Garten

Heute ging es fast direkt nach dem Frühstück mit Kochen los. Wir sahen zu und legten teilweise auch mit Hand an.

Für Panelle wird Kichererbsenmehl in Wasser gekocht (gewürzt mit Salz, Pfeffer und Oregano) und dann flach ausgestrichen:

Nach dem Erkalten erhält man einen flachen Fladen, den es dann gilt, heil abzulösen:
Danach werden die Panelle zurechtgeschnitten und in Olivenöl frittiert:
Soooo lecker:

Nebenbei wurde Pastateig zubereitet, mit einem Schlag Ricotta:
Die Cavatelli-Maschine in Aktion:

Warme Tomatensauce mit Ricotta:
Und zusammen:

Blanchierter Mangold mit Bêchamel püriert und Spiegeleier, im Ofen gebacken:

Aus einem Sauerrest-Teig entstanden nebenbei Piadine:
Selbstgemachtes Marzipan aus Mandelmehl, Zucker und Honig (und grüner Lebensmittelfarbe):

Kandierte Früchte für die Deko der Cassata:
Das fertige Kunstwerk:

Ein Rundgang durch den Garten:
Suppe aus Zucchini lunghi, inkl. Blättern:

Salat aus Gartenkräutern mit einer konfierten und einer getrockneten Tomate:

Bianco Mangiare: