Reisetagebuch 1. September 2019 – Von Berlin nach Genua #loosinterrail

Der Wecker klingelt morgens um 4 und reißt mich unverhofft aus meinen Träumen – dabei war ich doch zwischendurch schon dreimal wach, seit ich gegen 21 Uhr ins Bett gegangen bin. Sei’s drum, jetzt wird es ernst! Ich kuschele kurz mit Nimbin, der wie immer morgens neben mir liegt und sammle meine Gedanken. Dann stehe ich auf, mache mich fertig, verstaue letzte Utensilien im Rucksack und schmiere mir eine Stulle für den Weg. Dann noch Katzen füttern, Blumen gießen, Noosa verabschieden und schon geht es los – vollbepackt mit großem Reiserucksack auf dem Rücken, kleinem Tagesrucksack vor der Brust und schwerem Proviantbeutel – 3 l Getränk plus 0,5 l Grießbrei mit Rosinen, Käsestulle, Gurken, Tomaten, Studentenfutter – in der Hand. Der Sommer ist so langsam vorbei, es ist noch stockdunkel in Berlin. Allerdings bin ich nicht alleine auf den Straßen, denn in Berliner Zeitrechnung ist es natürlich noch Samstagnacht und nicht etwa Sonntagmorgen. Am S-Bahnhof und in der Ringbahn begegne ich Partymenschen auf dem Weg zur nächsten Location oder nach Hause ins Bett, während mein großes Abenteuer gerade beginnt.

Am Gesundbrunnen steige ich mit wenigen anderen Leuten in einen leeren ICE ein und suche mir ein gemütliches, nicht reserviertes Plätzchen. Eigentlich wollte ich ja noch eine Weile schlafen, aber der Zug hält erstmal noch am Hauptbahnhof und in Südkreuz, wo jeweils viele Menschen zusteigen und dann ist in der Dreiviertelstunde bis Wittenberg auch noch Fahrscheinkontrolle. Also wird es erst einmal nichts mit dem Schlafen. Stattdessen lese ich (Stefan Zweig – „Schachnovelle“) und denke an das Fräulein, dem ich vom Wittenberger Bahnhof aus hinüber zum Friedhof zuwinke. In Gedanken nehme ich es mit auf die Reise, denn bei unserem letzten Treffen im März hatten wir noch darüber gesprochen, ob wir nicht ein paar Stationen davon gemeinsam befahren wollen…

Ungefähr bei Leipzig hole ich dann mein Essen heraus, nach drei Stunden Wachsein kann man ruhig mal frühstücken. Erstaunlicherweise ist mir eher nach dem herzhaften Teil des Proviants, gibts den Grießbrei eben später. In den nächsten Wochen werde ich ja sowieso vorwiegend süß frühstücken. Kurz nach dem Essen ist die Novelle ausgelesen, stattdessen schnappe ich mir den Reiseführer und lese mich ein wenig zu Genua und Ligurien ein und überlege, wie es danach weitergehen soll auf meinem Interrail-Trip durch Italien. Als ich genug vom Lesen habe, schaue ich nach draußen und befinde mich ganz offensichtlich im „grünen Herzen Deutschlands“. Ein kurzer Blick auf die Karte verrät mir, dass wir Thüringen dabei sogar schon verlassen haben und uns bereits in Hessen befinden. Wie erwartet, überkommen mich dabei ein paar traurige Gedanken an jemand anderen, der mich eigentlich auf zumindest einen Teil dieser Reise begleiten wollte, bis dann doch alles anders kam. Bevor ich zu sehr ins Grübeln verfalle, schnappe ich mir meinen Laptop und schreibe diesen ersten Teil des Reisetagebuchs – nicht ohne dabei auch ein bisschen Licht und Liebe nach Wo-auch-immer-Du-gerade-bist zu senden.* Vielleicht liest Du ja hier noch ab und zu mit, das wäre schön!

In Frankfurt wird es ein bisschen spannend: Wir fahren mit fünf Minuten Verspätung los, die sich bis Mannheim noch auf acht Minuten ausdehnen. Dabei habe ich doch in Mannheim planmäßig nur neun Minuten Umsteigezeit! Die Schaffnerin meint, das würde wahrscheinlich klappen, da der Zug nach Basel direkt vom Nachbargleis fahre und auch „der halbe Zug“ den nehmen möchte. Na gut. Kurz vor Mannheim dann Alarm: Auf dem Display im Zug steht, der Anschlusszug warte nicht. Ich wundere mich nicht, fährt er doch in die Schweiz und wir wissen ja alle, wie wenig die Schweizer*innen Verspätungen schätzen. Das Gute: Der nächste Zug nach Basel fährt nur zehn Minuten später und mit dem erreiche ich immer noch meinen Anschlusszug, auch wenn sich dafür dann die Umsteigezeit in Basel auf sportliche acht Minuten reduziert. Doch es kommt alles anders – der Anschlusszug steht noch da, als wir in Mannheim einfahren und da sofort alle rüber sprinten, kann man wohl nicht anders, als sie an Bord zu nehmen. Am Ende fährt der Zug mit knapp zehn Minuten in Mannheim los, holt diese aber bis Basel fast vollständig auf.

Auf dem Weg fahren wir übrigens durch Offenburg, wo ich in Gedanken an eine tolle Hochzeit schwelge und den beiden Bräuten, die inzwischen ja auch in Berlin leben, Grüße sende. In Basel begrüßt mich dann zunächst eine SMS, dass ich für jeden Tag, an dem ich mein Telefon nutze, automatisch 5,99 € Roaming-Gebühren zahle. Ach richtig, da war ja was. Hallo Schweiz, hallo Nicht-EU-Ausland! Ich bleibe nur vier Stunden, aber da ich ansonsten heute recht sparsam lebe, zahle ich die Gebühren gerne und bleibe weiterhin mit den lieben Menschen nah und fern verbunden. Auch hier steht mein Anschlusszug bereits wieder auf dem Nachbargleis, dabei hätte ich diesmal eine Viertelstunde Umsteigezeit gehabt. Ich dachte ja, dass das alles ganz schön knapp ist, aber scheinbar ist die App, die zum Interrail-Ticket gehört ganz schön clever und stellt mir keine Verbindungen zusammen, die man nicht schaffen kann. Im nächsten Abschnitt geht es im gemütlichen Vierersitz, den ich ganz für mich allein habe (sehr angenehm, nachdem ich mir im letzten Zug das Abteil mit drei Erfurter Wandervögeln teilte), mit Panoramablick einmal quer durch die Schweiz – bis nach Lugano. Schnell stelle ich fest, dass schräg gegenüber dafür jetzt vier Aachener Wanderfreundinnen sitzen, die sich in schönem Dialekt über Diät-Tipps austauschen. Ich löffele stumm meinen halben Liter Grießbrei mit Rosinen und schaue aus dem Fenster in die Schweizer Landschaft.

Die wird irgendwann nach Luzern dann richtig alpin. Schroffe Felswände, wolkenverhangene Gipfel, riesige Gletscherseen. Irgendwo am Vierwaldstädtersee (kurzer Gedanke ans Exil der Familie Mann und mit den Manns auch wieder ans Fräulein – ach…) ist mein 2-l-Tetrapak Eistee alle, es ist gerade einmal kurz nach 15 Uhr und ich habe bereits 2/3 meines Getränkevorrats geleert. Zusätzlich zu dem halben Liter Wasser, den ich morgens nach dem Aufstehen getrunken habe. Ein wichtiges Learning für die Rückfahrt, bei der ich allerdings ingesamt 27 Stunden unterwegs sein werde – keine Ahnung, wie ich das dann löse, aber darüber kann sich Zukunftsloosy Gedanken machen. Gegenwartsloosy hat noch einen Liter Wasser in ihrer Trinkflasche und teilt sich den jetzt am besten gut ein, dann muss sie auch nicht so oft auf Zugtoiletten. Mit der Alpiniizität kommen neben schönen Bergen und Seen leider auch viele Tunnel, so dass das Hinausschauen zwischendurch immer wieder wenig ergiebig wird. Gelegenheit, hier weiter zu schreiben und außerdem auch weiter zu lesen. Ich bleibe erstmal bei Stefan Zweig, jetzt sind die „Sternstunden der Menschheit“ dran. Merke: Wer alleine reist, kann viel lesen. Und wer wenig schleppen will, der kann sich für den E-Reader diverse Klassiker der Weltliteratur für umsonst oder einen schmalen Taler besorgen.

Nach einem besonders langen Tunnel, der fast für eine komplette Sternstunde reicht, sind alle Beschriftungen vor dem Zugfenster auf einmal auf Italienisch – wir haben das Tessin erreicht! Ab jetzt fühlt sich diese Reise wirklich nach Urlaub an. Nur noch einmal umsteigen vor Italien, und zwar in Lugano. Auch jetzt sind es wieder nur neun Minuten Zeit, aber diesmal mache ich mir keine Sorgen, denn noch sind wir in der Schweiz und bei der SBB CFF FFS gibt es keine Verspätungen! In Lugano war ich übrigens schonmal – irgendwann in den 90ern auf der Durchreise nach Frankreich, meine ich, wirklich erinnern kann ich mich nicht mehr – nur an einen großen See, das kann aber auch der Lago Maggiore gewesen sein, denn übernachtet haben wir damals in Locarno. Lugano ist auf jeden Fall bereits südlich der Alpen, das merke ich beim Aussteigen sofort – die Sonne hat eine ganz andere Kraft, die Luft fühlt sich anders an und der Himmel ist irgendwie viel blauer. Zeit, die Sonnenbrille rauszuholen! Nach den angepeilten neun Minuten geht es gemütlich mit dem Bummelzug (17 Stationen in 75 Minuten) über die Grenze und nach Mailand.

Genau am Grenzbahnhof in Chiasso höre ich das erste charakteristische „Allora…“ von einer Mitreisenden und merke, wie ich mich instantan entspanne. Italien, da bin ich wieder! Für einen Moment fallen alle Lasten der letzten Wochen von mir ab und ich fühle mich ausgeglichen und angekommen. Gleich fange ich an, meine nächsten Mahlzeiten zu planen und der Gedanke, dass ich in den nächsten drei Wochen täglich nur drei Dinge klären muss (Wo schlafe ich? Was esse ich? Wann sehe ich das Meer?), malt mir ein dickes Grinsen ins Gesicht. Ich fange an, um mit Eat Pray Love (siehe *) zu sprechen, mit meiner Leber zu lächeln und das scheinen mir beste Voraussetzungen für diesen Urlaub zu sein.

Eigentlich wollte ich ja in Mailand die 35 Minuten Aufenthalt nutzen, um gemütlich einen Aperitivo zu trinken und die Wahlprognosen aus Sachsen und Brandenburg zu verarbeiten. Allerdings bin ich ja jetzt in Italien und damit sind die Züge wieder nicht so pünktlich. Außerdem muss ich bis zum allerletzten Gleis laufen, um meinen kleinen regionalen Bummelzug zu finden und dann wird es mir doch zu hektisch. Ich sitze also im Zug, als ich die Wahlprognosen lese, ohne Alkohol. Im ersten Moment freue ich mich, dass die AfD in keinem der beiden Länder stärkste Kraft geworden ist. Im zweiten wird mir klar, wie viele Menschen sie gewählt haben und was das für die Landtage, die Parteienfinanzierung und das allgemeine Lebensgefühl in Sachsen und Brandenburg bedeutet. Heidewitzka. Kleiner Lichtblick: Die wahrscheinlichste Koalition bedeutet in beiden Ländern, dass die Grünen demnächst mitregieren. In noch zwei Ländern. Im Osten. Und Brandenburg wird das nächste R2G-Land. Perspektivisch eigentlich eine ganz schöne Aussicht… Wenn dann bei der nächsten Wahl die Protestwählenden wieder umschwenken (sollten), dann sind die AfD-Ergebnisse bestimmt immer noch viel zu hoch, aber vielleicht dreht sich der Trend dann trotzdem deutlich. Immer optimistisch bleiben!

Apropos optimistisch, bei der Ausfahrt aus Mailand habe ich keine Sorge mehr, heute Abend nicht mehr ausreichend Essen in mich hineinschaufeln zu können. Reisen macht hungrig. Oder in Italien sein. Jetzt muss ich nur noch ein nettes Lokal in Hostelnähe finden, das am Sonntagabend geöffnet hat. In Genua angekommen ist es bereits dunkel. Google Maps bringt mich zuverlässig zu meinem Hostel, das abseits der Via di Prè liegt, einer langen, sich windenden Gasse, in der auch am Sonntagabend das Leben tobt. Ein kleines Lädchen liegt hier neben dem anderen, dazwischen Imbisse, Restaurants und Cafés. Vor allem Schwarze Menschen in traditionellen afrikanischen Gewändern prägen das Straßenbild und scheinen dabei perfekt italienisiert: Stehen vor den Geschäften und unterhalten sich mit Passant*innen und Nachbarinnen, während ihre Kinder noch im Dunkeln draußen auf der Gasse spielen. Mal gucken, ob der Rest von Genua auch so multikulturell ist! Unterwegs werde ich von einer weiteren Backpackerin angesprochen, die ebenfalls mein Hostel sucht, aber kein Datenpaket für ihr Handy hat. Da kann ich helfen – danke EU! Im Hostel geht dann alles italienisch langsam, der Typ an der Rezension hat alle Zeit der Welt, als er mich eincheckt, nebenbei telefoniert, meinen Personalausweis abschreibt, Bezahlung, Kurtaxe und Schlüsselpfand verlangt, Bettwäsche heraussucht, meinen Schlüssel heraussucht, die Hostel-Regeln erklärt und mir dann mein Zimmer zeigt. Währenddessen drückt der Rucksack immer mehr auf meine Schultern und mein Magen hängt in den Kniekehlen.

Mein Zimmer ist dann überraschend nett, ich habe ein Doppelbett mit fester Matratze und eine Klimaanlage mit akustisch angenehmem Schlafmodus. Das Bad ist gleich um die Ecke und ich teile es mir nur mit den Bewohner*innen des 4er-Zimmers nebenan. Kann man machen! Nach kurzem Frischmachen laufe ich dann mit leichtem Gepäck hinaus in die Genueser Nacht – es wird Zeit für das Einstandsdinner! Bereits im Vorfeld habe ich mir eine gut bewertete Trattoria mit ligurischer Küche in der Nähe ausgesucht. Interessant und auch schon woanders in Italien so gesehen: Von der Straße aus blickt man erst einmal in einen sehr kleinen, familiären Gastraum, in dem gefühlt nur die Familie der Betreiber*innen sitzt und freut sich, dass man so ein authentisches Lokal gefunden hat. Kommt man aber dann hinein, wird man durch einen Bogen in den weitaus größeren Gastraum geleitet, an dem dann deutlich mehr Menschen sitzen und es gastronomisch professionell zugeht. War aber trotzdem immer noch sehr nett da und neben Tourist*innen waren auch viele Italiener*innen am Start.

Ich beginne meinen „Eatalien“-Urlaub mit Antipasti vom Meer und einem Viertel vom weißen Hauswein, die beide gleich beim ersten Mundkontakt überzeugten. Im Ernst, wie kann etwas ganz einfaches gleich so viel besser schmecken als zuhause? Nun gut, das Meeresgetier ist sicher fangfrisch, die Tomaten italiensonnengereift und das Olivenöl von guter Qualität. Beim Wein spielt vielleicht auch das Urlaubsgefühl eine Rolle. Das muss ich in den nächsten Tagen mal beobachten. Als Hauptgang gönne ich mir dann noch die Trofie al pesto genovese, denn wenn ich schon in Genua bin, muss ich auch echtes Pesto essen! Und wow, ja, jetzt weiß ich, wie das eigentlich gedacht ist! Herrlich aromatischer Basilikum-Geschmack, eine sehr sämige Konsistenz, die aus der Verbindung mit viel stärkehaltigem Pastakochwasser kommen muss und interessanterweise gab es darin noch ein paar grüne Bohnen und Kartoffelstücke, die traditionell wohl eher nicht hineingehören, aber sehr köstlich waren und das Ganze noch aufwerteten.

Ich spare mir Nachtisch, Espresso und Digestif und gehe schnellen Schrittes und ganz ohne digitale Navigationshilfe zurück ins Hostel und direkt ins Bett. Nach 20 Stunden Wachsein schlafe ich recht unproblematisch zum weißen Rauschen der Klimaanlage ein.

 

*Gestern ganz klischeemäßig noch „Ich bin dann mal weg“ und „Eat Play Love“ auf Netflix gesehen. In letzterem gelernt: Es ist OK, jemanden zu vermissen. Dann einfach Licht und Liebe dorthin senden und weitermachen.

Noch zweimal Arbeiten bis Urlaub #loosinterrail

So langsam wird es wirklich ernst… Morgen und übermorgen geht es nochmal ins Büro und es ist auch noch eine ganze Menge zu tun, fertigzustellen und zu übergeben, aber dann habe ich meinen ersten richtigen Urlaub seit Weihnachten (Frauentag, Osterfeiertage, re:publica, Immergut und vor allem Beerdigung nicht mitgerechnet).

Morgen Abend treffe ich meinen Bruder, der von einer Expedition vom Yukon und aus den Northwest Territories zurückkehrt. Freitag Abend verabschieden wir eine liebe Kollegin mit einem rauschenden Fest. Am Sonnabend dann letzte Einkäufe und Vorbereitungen und Sonntag in aller Frühe geht es dann so ganz richtig ernsthaft los.

Ich und mein Rucksack, drei Wochen auf Schienen unterwegs, immer dorthin, wohin uns der Wind treibt. Das wird auf jeden Fall aufregend und nochmal etwas völlig anderes. Das Einzige, was halbwegs steht, sind Hin- und Rückfahrt. Sonntag geht es über Mannheim, Basel, Lugano und Mailand bis nach Genua, wo ich in einem Hostel einkehren und hoffentlich lecker essen gehen werde.

Ganz am Ende bin ich aller Voraussicht nach an einem der schönsten und magischsten Orte der Welt im Landesinneren von Sizilien, bevor ich mich auf die 27-stündige Fahrt zurück nach Berlin mache – vom Provinzdorf in die Provinzstadt, weiter nach Catania und von dort über Neapel, Bologna und München wieder zurück nach Hause. Ich komme in einer Samstagnacht wieder in Berlin an, habe den Sonntag um mich zu regenerieren und Montag geht das wahre Leben wieder mit voller Macht los.

Was zwischen Genua und dem Paradies auf Sizilien liegt, weiß ich noch nicht genau. Ich habe ein paar grobe Ideen und Anhaltspunkte – Orte, die auf meiner persönlichen Bucket List stehen ebenso wie Orte, die ich nach Jahren gerne einmal wiedersehen möchte. Welche davon ich tatsächlich besuche, wird von Lust und Laune, dem Wetter und diversen anderen Umständen abhängen, die ich jetzt noch nicht voraussehen kann. Wichtig ist: Ich will so oft wie möglich am Meer sein und so oft wie möglich gut essen. Alles andere wird sich zeigen…

Nägel mit Köpfen

Manchmal muss man so einer Erkältung auch einfach eine Kampfansage machen. Sie ist schon deutlich auf dem Rückzug und ich habe jetzt einfach beschlossen, dass sie mich ab morgen mal kreuzweise kann. Und dann habe ich Tickets in die Herzheimat gebucht, meine Schlafgelegenheit beim Bootsbauer eingetütet und ein paar ersten Leuten Bescheid gesagt: Morgen geht es – nach immerhin drei Monaten – endlich mal wieder nach Rostock.

Musik, Tanzen, Törtchen, Familie, Freunde und die gute Ostseeluft werden dafür sorgen, dass ich mich deutlich besser fühle – sowie körperlich als auch seelisch. Da bin ich ganz unbesorgt, das hat noch jedes Mal geklappt. Hach, ich freu mich. Und jetzt gehe ich mit meinem Ingwer-Kurkuma-Tee in die heiße Badewanne und dann ab ins kuschelige Bettchen mit schnurrender Begleitung für tiefen, erholsamen Genesungsschlaf.

Morgen ist Fri-yay!

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 22: Die Rückfahrt

Morgens wurde es etwas hektisch, da ich zwar den Wecker gestellt hatte, aber vergessen habe, dass er “nur an Wochentagen” klingeln würde. Zum Glück wurde ich trotzdem gegen 8 wach, so dass wir es noch locker geschafft haben, unsere Sachen zu packen, zum Bahnhof zu laufen und dort auch noch einen Kaffee zu trinken, bevor wir in den Zug nach München stiegen. Das war dann übrigens auch der Moment, an dem der Hase lernte, dass München auf italienisch Monaco heißt und kurz verunsichert ob unserer Reiseroute war.

Diesmal hatten wir leider keine Plätze im Abteil, sondern ganz normal zwei Fensterplätze mit Tisch in einem Vierersitz. Trotzdem war der Eurocity immer noch deutlich bequemer als später der ICE. Ich nutzte die ersten Stunden zum Verbloggen der beiden vergangenen Tage, dann schaute ich aus dem Fenster wehmütig zu, wie die Landschaft immer alpiner und weniger typisch italienisch wurde. Dann waren wir auch schon in Österreich und nur etwas über eine Stunde später auch schon wieder in Bayern. Wahnsinn, wie nah das alles beieinander liegt. Würde ich in Bayern wohnen (und da sei Gott vor, auch wenn ich nicht an sie glaube), würde ich wahrscheinlich regelmäßig nach Italien fahren und nicht an die Ostsee. Aber ich hörte, das macht man in Bayern auch so.

 

In München hatten wir diesmal eine gute Stunde Aufenthalt. Das reichte genau, um mal wieder beim Uiguren vorbei zu schauen, Schnittlauch-Lagman zu essen, Tee zu trinken, festzustellen, dass wir nicht mehr genug Bargeld haben, zum Geldautomaten zu sprinten, Bargeld abzuheben, die Rechnung zu zahlen und wieder rechtzeitig am Gleis zu stehen. Dieses entpuppte sich kurzfristig als das Falsche, da die Bahn beschloss, einmal kräftig durchzuwürfeln und mehrere Züge einfach zu tauschen. So rannten von mindestens vier Gleisen des Kopfbahnhofs Fahrgäste samt Gepäck hektisch und kopflos durch die Gegend, Wagenbezeichnungen stimmten nicht, Reservierungen waren nicht eingelesen und selbst das Zugpersonal wusste zeitweise nicht, wer jetzt wohin fährt. Es ruckelte sich dann aber alles zurecht und wir fanden zwei Plätze, die sich auch nachdem die Reservierungen plötzlich angezeigt wurden bis Berlin freibleiben sollten. Während sich die anderen Fahrgäste noch lange über das Chaos unterhielten, las der Hase in seinem Buch und ich hörte mehrere Folgen des “Punch Up The Jam“-Podcasts.

 

Und dann waren wir auch schon wieder in Berlin, nahmen vom Hauptbahnhof die S-Bahn zum Alex und dann die Tram nach Hause. Kurz nach 22:00 nahmen uns die Wohnungssitterin, Nimbin und Noosa in Empfang. Während die Sitterin uns erwartet hatte, waren die beiden Miezen sichtlich überrascht uns wiederzusehen. Aber schon nach wenigen Minuten hatten sie sich daran gewöhnt, dass wir zurück sind und tobten freudig auf uns herum. Zuhause. ❤

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 21: Abschiedstag und Verona

Unser letzter ganzer Tag in Italien war ein Tag voller letzter Male. Zunächst begann er aber in einem Palazzo in Chioggia, wo wir vom nebenstehenden Glockenturm geweckt wurden. Wir frühstückten in einer Bar am Corso und dann führen wir über diverse Brücken, die über Flüsse, Kanäle und Lagune führten, zurück aufs Festland und nach Padua. Dort machten wir unseren Mietwagen, den zuverlässigen Baobao, abgabefertig und verteilten unsere Habe final auf unsere beiden Reiserucksäcke, meine Handtasche, den Tagesrucksack des Hasen und zwei Leinenbeutel. Dann gaben wir die Autoschlüssel ab und fuhren mit dem Regionalexpress nach Verona. Den ersten Teil der Zugfahrt verbrachten wir stehend, denn gefühlt Milliarden Student*innen wollten nach Vicenza. Direkt nach Vicenza hatten wir dann Sitzplätze und jede Menge Platz für unsere verschiedenen Gepäckstücke. In Verona checkten wir in unserem Quartier ein, machten uns einen Plan für den Rest des Tages und liefen dann los in die Stadt.

 

Zunächst ging es zum Schloss und der daran angrenzenden Ponte Scaligero, auf der wir den Adige/die Etsch überquerten. Dann liefen wir am Fluss entlang, der das historische Zentrum auf drei Seiten umschließt. Bereits gestern waren wir (kurz nach dem Po) über die Etsch gefahren, die uns bisher vor allem aus nationalistischem Liedgut ein Begriff war. “Living on the Edge” ist da die viel angenehmere Assoziation. Oder man sagt halt einfach Adige. Auf jeden Fall kann man verstehen, warum die Deutschen früher gerne Anspruch auf diesen Fluss erhoben, er und Verona selbst sind nämlich ganz schön schön.

 

 

Mit einem letzten italienischen Eis gestärkt ging es dann zum Dom, den wir uns mal wieder nur von außen ansahen. Sieht auch so beeindruckend genug aus!

 

Wir entschieden uns dann dagegen, mit der Standseilbahn nach oben zum Amphitheater zu fahren, um für viel Geld einen Blick auf die Stadt zu erhaschen, den sämtliche andere Besucher*innen auch haben, und spazierten stattdessen lieber durch die Altstadt.

 

 

Auf einem Markt – der erste, den wir erlebten, der auch am späten Nachmittag noch frisches Obst und Gemüse anbot, kauften wir Trauben, Tomaten und Gurken als Reiseproviant sowie einen schönen großen Granatapfel als Mitbringsel für unsere Wohnungssitterin. Den ganzen Urlaub über hatten wir immer wieder Granatapfelbäume gesehen, aber leider immer hinter Gartenzäunen, so dass wir nicht wie letztes Jahr in Sardinien einfach einen mundrauben konnten.

 

Dann kamen wir zum Touristenmagnet schlechthin, dem Balkon, den man an ein altes Haus angebaut hat und als Julias Balkon deklariert hat. Romantik-Fans aller Altersklassen machten dort Fotos, hinterließen Liebesbriefe und träumten von Romeo und Julia. Der Hase tat sich das Spektakel gar nicht erst an. Ich schlenderte für zwei Minuten näher heran und machte ein Foto von den Massen. Sehr süß fand ich ein älteres schwules Pärchen aus dem asiatischen Raum, das ein Selfie vorm Balkon machte, sehr creepy hingegen den Typen, der sich hinter die Julia-Statue stellte und sich dabei fotografieren ließ, wie er ihre Brüste angrabschte. Schnell wieder weg hier!

 

 

Wir kauften noch Proviantbrötchen und fotografierten ein wenig Streetart und dann machten wir uns auf Richtung Arena. In deren Nähe nahmen wir unseren letzten Aperitivo zu uns – der Hase mit Südtiroler Bier, ich mit einem alkoholfreien Fruchtcocktail. Das kostete jeweils um die 4 € und dazu konnte man sich am Snackbuffet einen Teller voll Leckereien zusammenstellen. Unser letzter Aperitivo war damit nicht nur der günstigste, sondern auch der Leckerste.

 

Hinterher ging es fürs letzte Abendmahl in eine Pizzeria, die uns die Hasenschwägerin empfohlen hatte. Sie hat regelmäßig beruflich in Verona zu tun und ihre Kolleg*innen sind der Meinung, dort gäbe es die beste Pizza Veronas. Nun was soll ich sagen, es war schon ganz lecker, aber Norditalien ist einfach nicht der Ort für neapolitanische Pizza. Die beste Pizza Berlins schlägt die beste Pizza Veronas definitiv. Trotzdem genoss der Hase seine Boscaiola mit diversen Pilzen und meine Friarielli mit Rübstielen und süßer Salsiccia war auch sehr schmackhaft. Danach ging es schnell ins Bett, denn ein langer Reisetag lag vor uns.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 20: Po-Delta und Chioggia

Wir schlafen in Ruhe aus und dann beginnt der Tag begann mit einem ähnlichen Frühstücksszenario wie der davor: Ich gönnte mir bereits in der Unterkunft eine Tasse Tee und ein paar Kekse, der Hase bekam sein herzhaftes Frühstück in der Bar nebenan. Für ihn gab es Zucchini-Pizza und für mich dann auch noch eine Piadina und zwar mit Pilzcreme und rohem Schinken, schließlich verließen wir das Piadina-Land Emilia-Romagna nun wieder Richtung Veneto.

Als erstes wollten wir noch ein bisschen Natur und Weite genießen und so fuhren wir zurück an die Küste, besser gesagt ins Delta des Po. (Man stelle sich diverse Heiterkeitsausbrüche meinerseits vor, jedes Mal wenn der Po erwähnt wird.) Wir folgen einer relativ einsamen Straße immer am Wasser entlang, von dem sich schwer sagen lässt, wo der Po aufhöhrt (hihihi) und das Delta, die Lagune oder die Adria selbst anfängt. Das Wasser ist größtenteils flach und relativ ruhig, wo es fluss- oder kanalähnlich ist, hängen Senknetze an Masten, wo es weiter ist, stehen Reusen. Die einzigen anderen Menschen hier sind Fischer und Angler, die sich an Bootshäusern, auf Booten, an den Netzen oder eben mit der Angel am Ufer stehend zu schaffen machen. Wir fragen einen der Angler, was man denn hier so fangen kann und erhalten “branzini, orate, anguille” zur Antwort, also Wolfsbarsche, Doraden und Aale. Dem Hasen läuft bereits das Wasser im Munde zusammen.

An Tieren sehen wir zum Einen jede Menge Vögel, vor allem Möwen und Kormorane, wobei letztere sehr witzig immer mal wieder in Reihe irgendwo sitzen und die Flügel zum Trocknen ausbreiten. Zum Anderen ist die Straße voller totgefahrener Bisamratten in unterschiedlichen Verwesungszuständen. Die waren uns gestern schon auf dem Weg von Ravenna nach Ferrara aufgefallen, der uns weiter im Landesinneren ebenfalls durch das Po-Delta führte.

In Porto Viro machen wir Rast und gönnen uns ein schönes Eis in der örtlichen Gelateria. Dann fahren wir weiter zu unserem heutigen Tagesziel. Chioggia steht nicht in unserem Reiseführer, wurde uns aber von mehreren Stellen als “das schönere Venedig” empfohlen. Es liegt größtenteils auf Inseln in der Lagune, an der auch Venedig selbst liegt und man kann mit dem Vaporetto von der einen Stadt zur anderen fahren. Auch Chioggia hat einige Kanäle und Architektur und Stadtbild sind daher recht ähnlich wie in der Serenissima. Da hören die Gemeinsamkeiten dann aber schon auf. Chioggia ist viel kleiner, zieht weit weniger Tourist*innen an und es gibt seit einigen Jahrzehnten auch eine Verbindung zum Festland und Autos in der Stadt. Parken dürfen im historischen Zentrum trotzdem nur die Einheimischen, daher müssen wir auf einer Nachbarinsel das Parkhaus benutzen.

Von dort aus laufen wir mit Sack und Pack zu dem Treffpunkt, den unser Gastgeber uns genannt hat. Da werden wir bereits von seiner halben Familie erwartet. Sie laden unser Gepäck ins Auto und während seine Eltern das Auto zur Wohnung fahren spazieren wir mit dem Gastgeber selbst am Wasser entlang dorthin und bekommen eine erste Einführung in die Geographie der Stadt. Wir bekommen das Fischgrätenmuster der Gassen erklärt, erfahren etwas vom Kampf der Einheimischen gegen das Aufstellen riesiger Gastanks nur wenige hundert Meter von bewohnten Häusern und über die angeblich älteste Uhr der Welt, die den Glockenturm von Chioggia ziert.

Unsere Unterkunft befindet sich in einem traditionellen Palazzo und umfasst auch eine Dachterrasse, von der aus man bei gutem Wetter bis nach Venedig schauen kann. Heute ist es leider etwas diesig, so dass selbst der Sonnenuntergang unspektakulär ausfällt.

Wir spazieren also einfach nur gemütlich durch die Altstadt und sparen uns den Fahrradausflug entlang der Lagune oder zum Strand. Stattdessen finden wir bald eine kleine Osteria, aus der laut Bob Marley schallt und bekommen da einen Aperitivo mit einem Spritz mit Vermouth, gerösteten Kartoffeln, Crostine mit süßsauren Sardinen und Chips. Danach laufen wir weiter die Gassen ab auf der Suche nach einem Restaurant, dass lokale Küche serviert und weder zu touristisch, noch zu teuer aussieht. Das von unserem Gastgeber empfohlene Nachbarschaftslokal ist nämlich heute leider geschlossen. Die Osteria, die wir schließlich finden, ist dann auch schön versteckt und voller italienischer Familien, allerdings gibt es auch eine deutsche direkt am Nebentisch und eine zweisprachige Karte. Nun ja, man kann nicht alles haben. Geschmeckt hat es trotzdem. Es gab für den Hasen gebackene Sardinen, für mich gebackene Jakosmuscheln, für ihn Spaghetti mit cozze und vongole und für mich Bigoli mit Sardinen. Dazu gibt es einen Pinot Grigio (den vino bianco della casa) und zum Nachtisch gönne ich mir noch ein Blätterteigtörtchen (“scriglio”) mit Creme und frischen Früchten, der Hase hingegen ist müde und möchte nur noch ins Bett.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 19: Mosaike in Ravenna, Radeln und Schlemmen in Ferrara

Es war immer noch grau und hat ab und zu genieselt, als wir am Morgen durch Ravenna spazierten. Ich hatte bereits in unserer Unterkunft süß und mit Tee gefrühstückt, der Hase aber braucht morgens etwas herzhaftes – idealerweise ein Käsebrot – und so fanden wir uns recht schnell in einer Bar wieder, wo er ein Focaccia-Sandwich zum Milchkaffee aß, während ich an einem Smoothie nippte. Dann liefen wir weiter durch die Altstadt Ravennas und begegneten schon überall den Mosaiken, für die die Stadt bekannt ist.

 

 

 

 

Um diese etwas genauer zu ergründen und weil wir weder Zeit noch Geld oder fitte Füße genug hatten, um in alle Kirchen und ähnliche Orte reinzugehen, wo die Originale zu finden sind, gingen wir ins sehr interessante Mosaik-Museum in einem alten Palazzo. Dort gab es eine Ausstellung über die Mosaike, die man direkt dort gefunden hat, über das Restaurieren von alten Mosaiken im Allgemeinen, über die Entwicklung der Mosaik-Kunst über Jahrtausende (von verschiedenfarbigen Kieseln hin zu speziell hergestellten farbigen Scherben) und schließlich sehr aktuelle Werke, die Szenen aus Dantes Göttlicher Komödie darstellen.

 

 

 

 

 

Dann verließen wir Ravenna und fuhren wieder mehr ins Landesinnere, nach Ferrara. In der Unterkunft erwarteten uns leckere Kekse und zwei Fahrräder.

Da Ferrara in der Po-Ebene liegt und eine ausgesprochene Fahrrad-Stadt ist und weil des Hasen Füße nach wochenlangem Bergauf und -ab einfach nicht mehr konnten (er ist da aufgrund jugendlicher Eskapaden etwas vorbelastet), war ich einverstanden, Ferrara auf zwei Rädern zu erkunden. Schon nach wenigen Minuten waren wir im Zentrum angekommmen, holten uns ein paar heiße Maroni und ließen die Szenerie auf uns wirken. Wir saßen an der Kathedrale, deren Front gerade restauriert wird, aber der Glockenturm aus rosa-weißem Marmor war schon recht schön. Ganz in der Nähe steht das von einem Burggraben umgebene Schloss der Este, der ehemaligen Herrscherfamilie Ferraras. Hier guckten wir lange ins Wasser, in dem riesige Schuppenkarpfen schwammen, die laut Fischfreund Hase bestimmt schon 30 Jahre alt waren.

Dann radelten wir an den Rand der Innenstadt, erst durch einen kleinen Park und dann auf dem Stadtwall entlang, der als grüner Gürtel fast die gesamte Innenstadt umschließt. Sowohl innerhalb als auch außerhalb dieses Rings ist Ferrara sehr grün und erscheint uns daher als sehr lebenswert. Mir fiel beim Herumradeln dort ein, dass ich mal ein Buch gelesen hatte, dass in solch einer sehr grünen Stadt im Norden Italiens spielt und richtig, das war Ferrara und das Buch war “Die Gärten der Finzi-Contini” von Giorgio Bassani. Ich glaube, das werde ich mir demnächst nochmal vornehmen, jetzt wo ich die Schauplätze kenne.

Den Abend verbrachten wir dann im ehemaligen Ghetto von Ferrara. Hier hatten die jüdischen Bürger jahrhundertelang relativ frei gelebt, bis sich irgendwann der Kirchenstaat einmischte und das Viertel mit fünf Toren von der Außenwelt abschloss. An der letzten verbliebenen Synagoge fanden wir eine Gedenktafel für die in der Shoah umgekommenen Ferrareser Juden und entdeckten dort tatsächlich auch einige Finzi.

Ein paar Ecken weiter fanden wir eine gemütliche Kneipe, die lokales Craftbeer anbot. Wir probierten ein IPA und ein Bock und snackten dazu – es war bereits Aperitivo-Zeit – Chips, Taralli, Gürkchen und mehr. Solchermaßen auf die Nahrungsaufnahme eingestimmt, ging es in die von Rachel vor ein paar Tagen empfohlene Trattoria. Als Vorspeise ließen wir uns frittierte Zucchiniblüten, gefüllt mit Mozzarella, schmecken – eines meiner absoluten Lieblingsgerichte, auch wenn hier der Teig etwas dick war. Danach gab es für mich mit Kürbispüree gefüllte Capellacci in Salbeibutter und für den Hasen Pasticcio di maccheroni, eine Art Pie gefüllt mit Maccheroni und Käse, beides typische Spezialitäten Ferraras. Dazu tranken wir einen sehr sehr leckeren, spritzigen und tiefroten Lambrusco aus der Gegend. Zum Nachtisch gab es dann für mich Zuppa Inglese (ebenfalls typisch für Ferrara) und für den Hasen Tiramisu. Und weil es ein paar Probleme im Service gab (der von uns gewählte Hauptgang war aus, was man uns allerdings erst beim Servieren der Pasta mitteilte, meine Pasta wurde erst mit der falschen Sauce gebracht, das vom Hasen gewählte Dessert war noch nicht fertig und unsere Flasche Wasser wurde vergessen) gab es dann noch eine Torta di tagliatelle sowie einen Limoncello für mich und einen Whisky für den Hasen aufs Haus. Satt und zufrieden radelten wir danach nach Hause und fielen erschöpft ins Bett.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 18: Strandspaziergang, Salzstadt Cervia und Faulenzen in Ravenna

Wenn man nach dem Aufwachen aus dem Fenster guckt und vom Bett aus Strand und Meer sehen kann, dann fällt das Aufstehen gar nicht mehr so schwer. Doch bevor wir ans Wasser kamen, standen erst das reichhaltige Frühstücksbüffet des Hotels (die volle Palette des italienischen Frühstücks plus Zugeständnisse an internationale Gäste wie Käse, Wurst, Ei und Würstchen) und das Auschecken auf dem Plan. Dann aber liefen wir endlich über den Sand ans – ziemlich kühle – Wasser. Da das Wetter auch eher gräulich war und Regen drohte, wurde es auch heute nichts mit dem Baden und stattdessen spazierten wir eine ganze Weile an Strand und Marina entlang und beobachteten Fische, Muscheln, Krebse und Krabben bei ihren alltäglichen Verrichtungen.

Dann setzten wir uns gerade bevor die ersten Tropfen fielen ins Auto und fuhren weiter, nämlich die Adriaküste nordwärts nach Cervia. Diese Stadt ist für ihr so genanntes “süßes Salz” bekannt. Wir folgten einem sehr informativen und gut gemachtem Pfad durch die Altstadt und entlang von Salzlagern und Kanälen und lernten vieles über die salzige Geschichte der Stadt. Unterwegs kamen wir auch noch an diesem besonders schönen Exemplar eines Erdbeerbaums vorbei:

Dann waren wir etwas fußlahm und nahmen in einer Bar Platz. Es gab Caffè latte (“Meinst Du etwas anderes als Cappucino?!”) und eine Cedrata, also eine Limonade aus der Frucht, aus der man Zitronat macht. Außerdem legten wir hier noch Geld in Postkarten und salzige Souvenirs an. Dann verließen wir die Stadt entlang der Salinen, leider ohne dabei auf Flamingos zu treffen.

Kurz hinter den Salinen bot ein Paar die Früchte seines Gartens zum Verkauf an und da wir heute Abend eine eigene Küche zur Verfügung haben, schlugen wir zu. Für vier große Kartoffeln, vier Möhren, zwei Zucchini und zwei Handvoll Tomaten bezahlten wir… zwei Euro!

Dann fuhren wir weiter nach Ravenna und weil wir fußlahm, geschafft und faul waren, beschlossen wir, die Stadtbesichtigung auf morgen zu verschieben. Stattdessen verbrachten wir den späten Nachmittag und frühen Abend mit Internet leer lesen, Bloggen und anderen Dingen, für die es eine stabile Internetverbindung braucht. Dazu gab es schonmal einen leichten Nachmittagssnack und gleich wird dann gekocht…

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 17: Senigallia, Gradara und Rimini

Wir verabschiedeten uns am Morgen von unserer italienischen Familie – nicht ohne dass der Hund mir noch ein paar Pfotenabdrücke auf die frisch angezogene Hose verpasst hätte – und begaben uns auf die letzte Etappe unseres Roadtrips, am letzten Montag dieses Urlaubs. Zunächst ging es nach Senigallia, eigentlich weil ich der Empfehlung von Luisa folgend dort ein Eis essen wollte. Leider war das nun sehr ungünstig geplant, denn Senigallia liegt viel zu nahe an Ancona und so waren wir schon am späten Vormittag dort und die Eisdiele noch zu. So setzten wir uns stattdessen ins Café daneben und tranken einen zusätzlichen Kaffee, müde genug waren wir beide. Es ist übrigens recht erstaunlich, was für unterschiedliche Getränke man bekommt, wenn man in Italien einen Caffè latte bestellt. Meistens ist es eine Art Milchkaffee, aber außerhalb der Touristenhochburgen dann zum Beispiel auch mal ein Glas warme Milch mit einem Espresso, das dann als Latte Macchiato abgerechnet wird und 1,40 € kostet. Prenzlauer-Berg-Eltern seufzen an diese Stelle ob der italienischen Preise laut auf.

Ziemlich hip war dafür dann das Waschbecken, zum Glück konnte ich gut genug Italienisch, um zu verstehen, wie ich meine Hände trocken bekomme. Das Gerät ist übrigens von Dyson, was auch Nicht-Italophonen eine Vorstellung geben dürfte.

Zum Kaffee lasen wir in der Lokalpresse eine Einschätzung der Bayernwahl.

Dann spazierten wir noch ein wenig durch Senigallia und fuhren dann auf Empfehlung der italienischen Cousine nach Gradara. Hier spielte sich in der göttlichen Komödie die Geschichte von Francesca und Paolo ab, die in Italien scheinbar jedes Kind kennt. Für uns wichtiger war die Burg auf dem Foto, die komplett erhalten ist und in deren Inneren sich die komplette Altstadt von Gradara, inkl. Kirchen, Wohnhäusern, Geschäften und Restaurants befindet.

Von Gradara ging es weiter nach Rimini. In Viserba, quasi dem Warnemünde von Rimini, bezogen wir unser AirBnB-Zimmer, das sich als Hotelzimmer entpuppte, direkt am Strand und mit Blick auf die Adria. Dann fuhren wir in die Stadt hinein und bummelten über Augustus-Bogen, Corso und Tiberius-Brücke in den Stadtteil Borgo San Giuliano, der einst das Fischerviertel und heutzutage gentrifiziertes Kneipenviertel ist. Hier aßen wir Piadine, denn schließlich waren wir wieder in der Emilia-Romagna angekommen. Die eine war mit Salsiccia und Radicchio, die andere mit Squaquerone und gegrilltem Gemüse. Danach ging es für uns früh ins Bett. Eigentlich hätten wir ja noch einen Fellini-Film oder zumindest eine Doku über den größten Sohn der Stadt gucken müssen, aber dank Schnecken-WLAN blieb es dann doch beim Lesen und frühen Schlafen.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 16: Monte Conero, Ancona und kulinarische Entdeckungen

Wir schliefen aus, schließlich haben wir Urlaub und Sonntag war es außerdem. Nach dem Aufwachen entdeckten wir im Garten einen Baum mit den Früchten, die wir schon die ganze Reise über immer wieder auf den Märkten gesehen hatten. Jetzt konnten wir danach fragen und sie in Ruhe verkosten. Es waren also Giuggiole! Dann ging es nach dem Frühstück raus in die Natur, und zwar zum Monte Conero. Der ist, wenn man ganz streng nach italienischen Maßstäben geht, kein Berg, sondern nur ein Hügel, da nur 572 m hoch. Diverse deutsche (und sorbische) Berge schreien an dieser Stelle auf, aber wenn man in Mittelitalien lebt und sein ganzes Leben lang von Bergen, Tunneln und Serpentinen lebt, dann ist man da ein wenig anspruchsvoller. Meine italienische Cousine führt uns einen Wanderweg entlang bis zu der Stelle, an der man von oben die “zwei Schwestern” sehen kann. Das Wetter ist so merkwürdig, dass das Blau des Meeres und das des Himmels irgendwie verwischt ineinander übergehen und man ohne die Kameralinse dazwischen noch viel schwieriger unterscheiden kann, wo das eine auf- und das andere anfängt.

Deswegen wollten wir uns das Meer dann nochmal aus der Nähe ansehen und fuhrten an den Strand in Portonovo. Ich stand schließlich auch bis zu den Knien drin, aber da es einerseits nicht so warm und ein wenig windig war und andererseits die Steine etwas nervten, bin ich nicht baden gegangen. Ich wäre bei 22 Grad Luft- und 20 Grad Wassertemperatur auch die einzige gewesen…

Also guckten wir nur aufs bzw. warfen Steine ins Wasser und erzählten. Dann fuhren wir nach Ancona hinein, hielten aber nochmal an einem Stand, an dem die Cousine Paccacassi entdeckt hatte, eine Pflanze, die zwischen den Steinen wächst und dieser Gegend als Delikatesse gilt. Wir nahmen ein kleines Glas eingelegte Paccacassi mit und werden sie zuhause mal probieren – z. B. auf Bruschetta. Als nächstes gingen wir in die Eisdiele, die direkt um die Ecke von der Oma der italienischen Cousine ist. Der Hase aß endlich sein Eis aus einer Brioche und auch wir anderen beiden gönnten uns jeweils drei Kugeln, wenn auch in der Waffel.

Es folgte ein kurzer Besuch bei der Oma – alle mussten einmal aufs Klo und unsere Führerin ließ sich dann noch Profitipps geben, wie man Besuchern Ancona am besten zeigen sollte. Dann ging es zunächst nach unten, zum Passeto, und dann hoch hinauf, zur Cattedrale di San Ciriaco, die fast ganz oben über der Stadt thront und von der aus man einen beinahe 360-Grad-Meerblick hat. Wir besichtigten die Kathedrale und liefen dann hinunter in die Altstadt, wo es diverse Kirchen, Paläste und römische Ruinen zu besichtigen gab. Auf dem Weg erfuhren wir natürlich auch einiges über die Geschichte von Ancona und es wurde ein Tisch fürs Abendessen reserviert.

Wir hatten dann noch etwas Zeit totzuschlagen und so stiegen wir noch höher hinauf als bis zum Dom, nämlich bis zum Leuchtturm am Parco del Cardeto. Dort gab es eine Art Biergarten und Livemusik und wir setzten uns mit einem Südtiroler Bier hin und plauderten, bis es dunkel und kühler wurde.

Dann ging es zum Abendessen in eine Trattoria, die sich auf Fischgerichte spezialisiert hat. Wir teilten uns eine Flasche Weißwein aus der Gegend und gemischte Antipasti des Hauses (marinierte frische Sardinen, Oktopus-Salat, geräucherter Lachs, Scampi, Mies- und Venusmuscheln in Tomatensauce, Seeschnecken in einer Tomaten-Fenchel-Sauce, Jakobsmuscheln, gratinierte Entenmuscheln, kleine Tintenfische…). Dann gab es für die Cousine und mich Stockfisch mit Kartoffeln und Tomaten (eigentlich DAS Gericht in Ancona, aber hier leider nicht traditionell zubereitet) und für den Hasen diverse geröstete Fisch(-filets). Wir Mädels gönnten uns danach noch einen Nachtisch (Crema Catalana bzw. Zuppa Inglese) und dann ging es sehr vollgefressen und müde wieder zurück nach Hause und ins Bett.