Improvisiertes, superleckeres Spinat-Linsen-Curry mit Reis

Ich muss dieses „Rezept“ jetzt mal fix notieren und warum dann nicht gleich im Blog? Eben.

Ich kam vom Sonntagskuchenessen bei den Eltern zurück und hatte eigentlich vor, einen Kartoffel-Spinat-Auflauf zu machen. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass zeitgleich ein Brot im Ofen backen würde. Da ich zwar Knoblauch liebe, aber nicht ein komplettes Brot einknoblauchen wollte, disponierte ich um. Ich wollte Spinat und passierte Tomaten kombinieren und ordentlich Knoblauch sollte auch noch dran. Nudeln waren alle, aber beim Durchwühlen der Vorräte fand ich noch jede Menge Reis (Basmati) und Linsen (u.a. rote). Also wurde es ein indisch angehauchtes (Dhal-)Curry.

  

Ich bin kein Profi, was indisches Kochen angeht (indisch essen kann ich dafür sehr gut), daher kann ich nicht garantieren, dass dieses Rezept optimal ausgeführt oder authentisch ist. Aber es ist in jedem Fall wahnsinnig lecker und da ich selbst überrascht war, gehört es aufgehoben:

Rezept: Spinat-Linsen-Curry mit passierten Tomaten und Reis (reicht für mindestens 4 Personen)

  • Frischer Spinat (so 4-6 Handvoll)
  • Kokosöl
  • Koriandersamen, Bockshornkleesamen, Senfsamen, Kardamom-Kapseln, getrocknete Chili-Schoten, Gewürznelken (Zusammensetzung nach Gefühl)
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • Knoblauch (2 Zehen waren etwas zu wenig)
  • Ein Stück Ingwer
  • 200 g rote Linsen
  • 400 ml passierte Tomaten
  • 150 ml Naturjoghurt
  • Eine Handvoll Rosinen
  • 2 Tassen Basmati-Reis
  • Salz
  • 4 getrocknete Limettenblätter

Zuerst die Gewürze (außer Salz) in der Pfanne anrösten, dann zermörsern (Schalen der Kardamom-Kapseln raus sammeln).

In einem breiten Topf zwei Esslöffel Kokosöl schmelzen lassen und den gewaschenen Spinat hinzugeben. Spinat andünsten und dann noch einmal zur Seite stellen.

Klein gehackte Zwiebel, Knoblauch und Ingwer in den Topf geben und anschwitzen.

Linsen hinzugeben und kurz mit anrösten, dann mit den passierten Tomaten ablöschen, Gewürze aus dem Mörser hinzugeben und kochen lassen.

Nach einer Weile den Joghurt, den Spinat und die Rosinen zugeben, salzen und mit geschlossenem Deckel weiter köcheln lassen, bis die Linsen gar sind. (Insgesamt etwa 10-15 Minuten)

In der Zwischenzeit Reis mit der doppelten Menge Wasser aufkochen. Limettenblätter hinzugeben und bei geschlossenem Deckel köcheln lassen, bis das Wasser verdampft ist. 

Den Reis salzen und beides zusammen servieren (Limettenblätter nicht mitessen.)

Dazu würde noch gut Garlic Naan passen, aber wir hatten ja nischt.

Tagebuch-5 im April 2016

Es ist mal wieder der 5. und Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

Der Hasenwecker klingelt um 6, aber da er ganz leise ist, schlafe ich heute wieder ein und wache erst eine Stunde später auf. Das lässt mir genug Zeit, um noch ordentlich das Internet leer zu lesen, bis mein eigener Wecker halb 8 klingelt. So startet es sich doch recht entspannt in den Tag und ich kann in Ruhe duschen, Frühstück einpacken, Katzen kuscheln und den Müll runterbringen.

In der Bahn stelle ich mal wieder fest, dass Passagierkompetenz nicht gleichverteilt ist, aber andererseits ist ja auch der wärmste Tag des Jahres und eindeutig Frühling und da lasse ich mir die Laune nicht von Idioten, die im Weg stehen verderben. Der nächste Versuch kommt dann vom Bürofahrstuhl, der einfach mal morgens zur Rush Hour den Geist aufgibt. Hat aber auch nicht funktioniert – ich laufe hoch in den 5. Stock. Allerdings bin ich nach der Anstrengung auf leeren Magen so außer Puste, dass ich beschließe, dringend etwas an meiner Fitness machen zu müssen. Ab jetzt gilt Fahrstuhl- und Rolltreppenverbot (bis auf Widerruf). Während der Rechner hochfährt koche ich mir die erste Kanne Tee des Tages, schäle mir eine Papaya und kippe nach dem Fotomachen Aprikosen-Rosen-Joghurt darüber. Der Joghurt hilft über die pfeffrige Schärfe der Kerne hinweg, die ich so in all ihrer gesundheitsfördernden Pracht mitessen kann.

 

Ich arbeite eine Weile fleißig vor mich hin und höre dabei den neulich bei der Kaltmamsell eingesammelten Podcast Schwester Doris – Braumeisterin, in dem sich Holgi mit einer bayerischen Nonne und Bierbrauerin unterhält. Sehr hörenswert mit interessanten Einblicken ins Klosterleben und Hintergundinformationen zur bayerischen Biertradition und ihrem Verhältnis zum aktuellen Craft Beer-Trend.

Um 11 wird es Zeit für die Betriebsratssitzung, bei der ich heute aufgrund der Krankheit meiner Kollegin Protokoll führe. Ich schaffe es gleich am Anfang, meinen Tee über Laptop, Handy, Anwesenheitsliste, Tagesordnung und Anträge zu verteilen, aber zum Glück bleibt die Technik innerlich trocken und der Papierkram kann durch auf-die-Heizung-legen gerettet werden. Der Rest der Sitzung verläuft dann unspektakulär (und vertraulich).

Kurz nach 12 bin ich zurück an meinem Arbeitsplatz und wurschtele dort weiter fleißig vor mich hin. Zwei Stunden später gehe ich dann mit einer guten Freundin (und Kollegin) zum ersten Mal dieses Jahr für die Mittagspause in den Park. Ich habe Reste von gestern dabei (Nudeln mit Spinat, Fava-Bohnen, Bärlauch und Ricotta) und für hinterher gibt es ein Erdbeertörtchen – die Saison fängt ja schließlich bald an, da kann ich mich schon mal fast guten Gewissens ein bisschen einstimmen. Zwischendurch geht mir auf, dass ja heute der 5. ist und ich wohl mal bisschen aufpassen muss, was ich heute so tue.

 

Nach der Pause verlege ich meinen Arbeitsplatz ins Betriebsratsbüro und stelle das Protokoll fertig, das dann anschließend ausgedruckt und mit Kopien der Einladung, Tagesordnung, Anwesenheitsliste, Anträgen und Beschlüssen abgeheftet werden muss. Die deutsche Gesetzgebung sorgt so dafür, dass ich im Büro regelmäßig Papier in die Hand nehme und ab und zu auch an Drucker und Kopierer stehe. Für meinen eigentlichen Job braucht es all das nämlich nicht. Als das Protokoll fertig ist, bespreche ich noch meine Aufgaben für den Rest der Woche mit dem Vorsitzenden. Da diese recht umfangreich sind, ist es fast 18 Uhr, als ich zurück an meinen Schreibtisch komme – Zeit für den Feierabend. Ich frage den Hasen, was er heute Abend gerne essen möchte und fahre dann nochmal schnell einkaufen.

 

In der Tram ist wieder ein sehr intelligente Mitfahrer unterwegs. Erst regt er sich lautstark (und allein) über die zwei Fahrradfahrer auf, die ihre Gefährte in der Tram untergebracht haben, dann holt er eine Packung Tsatsiki hervor und verzehrt sie vor unseren Augen. Ich bin nicht traurig, die Tram dann zu verlassen, auch wenn ich selbst vermutlich auch ein wenig nach Bärlauch rieche. Am Planetarium ist der Frühling ausgebrochen und in der BioCompany gibt es heute Mispeln.

 

Zuhause angekommen füttere ich als erstes die Katzen. Dann räume ich die Einkäufe weg, setze eine Waschmaschinenladung an und mixe mir einen Spritz. Den gibt es dann zusammen mit ein paar Taralli als Aperitivo auf dem Balkon. Es ist nämlich der kurze Moment im Jahr, an dem es abends noch warm genug zum Draußensitzen ist, aber der Hase den Balkon noch nicht in einen unbegehbaren Dschungel verwandelt hat. Die vorgezogenen Tomaten, Paprika und Chilis warten noch brav drinnen aufs Auspflanzen.

 

Während ich draußen sitze mache ich die Post auf, die sehr vielversprechend aussah. Ich war schon in freudiger Erwartung einer Nachbarschaftsparty oder Hausgeburtsankündigung, aber in dem handschriftlichen Umschlag befand sich dann doch nur ein Gutschein. Immerhin ist der für das neue Kosmetikstudio bei uns im Haus, aber ich bin da nicht Zielgruppe. Möchte vielleicht jemand von Euch den lokalen Handel in der Wohnstadt Carl Legien stärken?

 

Die Katzen finden die Post ebenfalls langweilig und zeigen das durch desinteressierte Gesichter und demonstratives Blumenerdepinkeln. Immerhin dorthin, wo noch nichts gepflanzt ist und die Erde noch zusätzlichen Dünger gebrauchen kann.

 

Als der Hase nach Hause kommt, bereiten wir uns ein schnelles Abendessen aus Salat, Spiegelei, Käse und Taralli und bringen uns auf den neusten Stand über das Tagesgeschehen. Zum Nachtisch gibt es Mispeln, eine Premiere für den Hasen. Danach kümmert er sich um das Ziehen weiterer Chilipflanzen (er hat neun verschiedene Samensorten aus dem Pfefferhaus am Alex mitgebracht. Ich mache indes den Abwasch und hänge die Wäsche auf. Dann noch schnell das hier bloggen, während er das Katzenklo saubermacht und dann fallen wir um halb 11 ins Bett…

Die sorbische Reconquista

Seit drei Wochen lerne ich nun (wieder) Sorbisch und da ich sowohl auf Twitter als auch im echten Leben schon gefragt wurde, warum ich das tue, die Antwort aber nicht in 140 Zeichen oder einen Satz passt, habe ich mir gedacht, ich blogge einfach darüber.

Tatsächlich gibt es auf diese Frage drei sehr verschiedene Antworten – eine linguistische, eine persönliche und eine politische.

 

Die linguistische Antwort

Die oberflächlichste ist, dass ich gerne Sprachen lerne, relativ sprachbegabt bin und schon des Öfteren einmal „einfach so“ angefangen habe, Sprachen zu lernen. Zu Schulzeiten war das Niederländisch, während der Uni Schwedisch und jetzt im Arbeitsleben Spanisch. Englisch und Französisch gab es in der Schule gratis dazu und Italienisch ergab sich durch Urlaub, familiäre Beziehungen und schließlich die Liebe. Vielleicht war es, da in Liebesdingen nun seit über 3,5 Jahren wieder Deutsch gesprochen wird, einfach Zeit für eine neue Herausforderung für meine innere Linguistin?

Allerdings musste ich bisher feststellen, dass Erfolgserlebnisse anders als bei den germanischen und romanischen Sprachen beim Sorbisch lernen leider deutlich seltener gesät sind. Das Sorbische hat drei Geschlechter und sieben Fälle, in denen Substantive und Adjektive dekliniert werden müssen. Hinzu kommt neben dem Singular und dem Plural auch noch der Dual und für manche Wörter gibt es evangelische und katholische Übersetzungen sowie weitere regionale Varianten, etwa für (völlig überraschend) die Kartoffel, die bei evangelischen Sorben běrna, bei katholischen Sorben nepl und bei den Sorben rund um Schleife kulka heißt.

Zwischen all den Endungen und Konsonantenwechseln fallen die Konjugationen der Verben dann ja kaum noch ins Gewicht, aber all das will erstmal im Kopf ankommen und verarbeitet werden und sollte ich diesen Zustand irgendwann einmal erreicht haben, dann war das ja auch erst die Gegenwart. Ich gehe mal davon aus, dass mich später noch diverse Zeitformen und Modi ereilen werden. Heidewitzka, bzw. owowow und ajajaj! 🙂

Jedenfalls muss man sich diesen grammatikalischen Grundstock erst einmal zurechtzimmern, bevor man ganz entspannt Konversation betreiben oder Texte lesen kann und das ist, wie ich höre, wohl bei allen slawischen Sprachen so. Allerdings wurde mir heute auch gesagt, dass es beim Englischen z.B. ja so sei, dass es immer schwerer wird, je länger man es lernt (Kann ich bestätigen: Selbst wenn ich persönlich da inzwischen sämtliche grammatischen Hürden genommen habe und im Schlaf anwenden kann, lerne ich doch in der täglichen Arbeit immer noch komplizierte Redewendungen und x-silbige juristische Begriffe hinzu.) Beim Sorbischen hingegen (oder invece, wie der Italiener sagt), gäbe es erst einen steilen Berg (obersorbisch hora) zu erklimmen, bevor es dann angeblich leichter würde. Im Moment jedenfalls befinde ich mich noch ganz am Fuß dieses Berges und wenn ich nicht noch andere Motivationen als das linguistische Interesse hätte, würde ich meine Zeit vermutlich eher für die Vervollkommnung anderer angefangener Sprachen verwenden.

 

Die persönliche Antwort

Zum Glück gibt es ja aber noch andere Motivationen. Ich bin in der (Ober-)Lausitz aufgewachsen und mütterlicherseits zu einem Sechzehntel Sorbin. Meine Oma hat in ihrem Elternhaus noch Sorbisch gesprochen, meine Mutter und ihre Geschwister haben es nur noch in der Schule gelernt. Bei meinem Bruder und mir blieb dann nur noch etwas Grundschulsorbisch übrig, auch weil es später auf dem Gymnasium nicht angeboten wurde (wobei es in Bautzen auch ein Sorbisches Gymnasium gibt, auf das jetzt zumindest meine Cousine geht). Nun kann man sich vorstellen, dass Sorbisch-Unterricht in der 4. Klasse nicht besonders effektiv ist. In der ersten Klasse war ich mit der Lehrerin allein, weil niemand sonst in meiner Klasse Sorbisch lernen wollte. Die anderen hatten also nach der 4. Stunde Schluss, während ich noch mit der Lehrerin im Lehrerzimmer hockte. Ein paar Vokabeln habe ich da durchaus mitbekommen, aber noch nicht wirklich etwas von Grammatik, darauf war das Lehrbuch bei Erstklässlern gar nicht ausgelegt.

In der zweiten bis vierten Klasse gab es dann jahrgangsübergreifenden Sorbischunterricht, so dass wir irgendwann, meine ich, zu viert und später sogar zu fünft oder sechst waren – aber eben auf völlig unterschiedlichen Lernniveaus und mit den neuen Erstklässlern waren auch immer Kinder dabei, die noch nicht lesen konnten. Dafür haben wir relativ viel über die sorbische Kultur gelernt, durften Sprachspiele in der sorbischen Kinderzeitschrift Płomjo machen und Ausflüge zu sorbischen Veranstaltungen machen. Ich erinnere mich, in der 4. Klasse auf einem Kulturfestival (?) in Radibor ein Gedicht vorgetragen zu haben, dessen Inhalt mir kaum bekannt war. Aber ich konnte es auswendig und bestimmt war meine Aussprache total super.

Auch wenn sprachlich also nicht allzu viel bei rumkam, wurde ich so doch zumindest ein wenig für die sorbische Kultur und Geschichte sensibilisiert und war stolz auf die Zweisprachigkeit meiner Region. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, über Sorben zu lästern oder ihnen zu unterstellen, sie sprächen nur Sorbisch, um nicht verstanden zu werden – solche Vorurteile hörte ich mitunter durchaus von Deutschen. Meine Eltern waren außerdem mit zwei sorbischen Familien (bzw. einer sorbischen und einer sorbisch-kirgisischen) befreundet, so dass ich auch ab und an mal Alltagssorbisch hören konnte, was in der Lausitz trotz offizieller Zweisprachigkeit nicht so oft vorkommt, es sei denn man hält sich in den entsprechenden sorbischen Dörfern oder im Umfeld von sorbischen Schulen auf. In Bautzen auf der Straße hörte ich eigentlich fast immer Deutsch.

Ich fand es immer ein wenig schade, dass dieser Aspekt meiner Familiengeschichte ein wenig untergegangen war. Besonders bewusst wurde mir das, als letztes Jahr meine Oma starb, nachdem sie in den letzten Jahren immer dementer geworden war. Im Alter werden ja die Kindheitserinnerungen wieder präsenter und gerade demente Menschen wechseln ja in ihrem Bewusstsein relativ unverhofft zwischen ihren verschiedenen Lebensphasen hin und her. Meine Oma begann jedenfalls in ihren letzten Tagen, immer öfter Dinge auf Sorbisch zu sagen und niemand verstand sie. Meine Tante hat dann das „Gedicht“, dass meine Oma deklamierte mit dem Handy aufgenommen und dem (sorbischen) Pfarrer der Kirchengemeinde vorgespielt. Der identifizierte es sofort als das Vater Unser und kurz danach stellte er fest, dass meine Oma einen sorbischen Dialekt sprach, den er schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gehört hatte – in unserem Dorf und der Umgebung ist das Sorbische nämlich wirklich so gut wie ausgestorben. Auch ich habe meine Oma nie Sorbisch reden hören.

Auf ihrer Beerdigung wurde das Vater Unser dann jedenfalls auf Sorbisch gebetet. Ich selbst bin Atheistin und lese normalerweise nur still mit. Den deutschen (und englischen) Text kenne ich trotzdem auswendig. Vom Sorbischen erkannte ich genau ein Wort: Amen. OK, nach näherem Nachdenken kam mir auch noch naš (unser) bekannt vor und der Hase, der in der Schule Russisch hatte, erkannte chlěb (Brot).

Edit: Jetzt mit der korrekten evangelischen Fassung, die ursprüngliche aus der Wikipedia kopierte war katholisch und kann hier nachgelesen werden (wo die evangelische Fassung inzwischen auch ergänzt wurde).

Wótče naš, kiž sy w njebjesach.
Swjećene budź twoje mjeno.
Přińdź k nam twoje kralestwo.
Twoja wola so stań
kaž na njebju, tak tež na zemi.
Naš wšědny chlěb daj nam dźensa.

A wodaj nam naše winy,
jako my wodawamy našim winikam.
A njewjedź nas do spytowanja,
ale wumóž nas wot złeho.
Přetož twoje je kralestwo a móc
a česć hač do wěčnosće.
Hamjeń.

Irgendwie machte es mich traurig, dass meine Oma die Sprache ihrer Kindheit scheinbar verlernt hatte, oder sie zumindest nicht an ihre Kinder und Enkel weitergeben wollte. In den Wochen und Monaten vor und nach ihrem Tod habe ich versucht, möglichst viel von ihr in meinem Alltag wieder präsent zu machen. Ich habe die Schafwollsocken herausgeholt, die sie uns immer gestrickt hat und trage sie nun jede Nacht. Und ich habe gekocht – Quarkkeulchen und Pflaumenknödel. Aber das ist die Oma meiner Kindheit, die die Deutsch sprach. Ans Sorbische ihrer Kindheit habe ich mich erstmal noch nicht wieder herangewagt.

 

3. Die politische Antwort

Das kam erst, als ein Bekannter über Twitter einen privaten Sorbischkurs hier in Berlin initiierte und ich mich spontan anschloss. Da kamen neben dem linguistischen und persönlichen Interesse sowie der einfach guten, unkomplizierten Gelegenheit noch eine politische Motivation hinzu. Die Lausitz hat sich ja in den letzten Wochen nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Bisher kam ich im gesamtdeutschen Zusammenhang ja immer noch ganz gut damit weg, dass ich eben aus der Lausitz komme und nicht aus Sachsen (ein Gefühl, dass ich seit frühester Kindheit habe, während viele meiner Bautz’ner Freunde sich als Sachsen sehen – evtl. ist das auch das sorbische Erbe in mir?). Als dann aber ausgerechnet in Bautzen ein zukünftiges Asylbewerberheim angezündet und auf lange Zeit unbrauchbar gemacht wurde, während der braune Mob das bejubelte und teilweise sogar die Polizei bei den Löscharbeiten behinderte, da war es aus mit der schönen Herausrederei. Was hilft es, sich auf die schöne, zweisprachige Heimat zu berufen, wenn man die zweite Sprache nicht spricht? Völlig abgesehen, dass auch zwischen Sorben und Deutschen bei weitem nicht alles so in Ordnung ist, wie es mein Sorbischbuch aus DDR-Zeiten suggerierte und die Touristenbroschüren verbreiten.

Je brauner die Heimat wurde, desto schwieriger fiel es mir in den letzten Jahren, mich mit mir zu identifizieren (zumal ich ja auch noch einige andere Heimat-Anwärter in meiner Biographie mir mir herumtrage, in einem davon wohne ich sogar). Und um so trötzer (um mal Olaf Schubert zu zitieren) wollte ich die Zweisprachigkeit, die Bikulturalität dieser Heimat betonen. Dem braunen Mob nicht das Feld überlassen. (Was nicht heißen soll, dass nicht auch Sorben etwas gegen Geflüchtete haben können…)

Also nun: Sorbisch lernen gegen deutschen Einheitsbrei, für Rückbesinnung auf die eigene Geschichte und auf das relative Zusammenleben verschiedener Kulturen. Die Motivation meiner Mitlernenden und des so idealistisch und ehrenamtlich Lehrenden ist ähnlich, politisch und humoristisch liegen wir auf einer Wellenlänge. So entstehen zum Üben so schöne Sätze wie „Ich gebe der Katze mit der Hand Suppe.“ oder „Ich spreche wegen der grünen Flasche mit dem Frosch.“ oder „Der Pfarrer schlägt die beiden sorbischen Frauen mit der Rute.“ Nunja…

 

Besonders schön ist neben dem Lernen dann auch das ganze Geplänkel drumherum. Die sorbische Community ist klein, im Grunde kennt jeder jeden und so höre ich vieles über die Hintergründe des sorbischen Medien- und Kulturbetriebs. Zudem gibt es ganz nebenbei Lektionen in sorbischer Geschichte und Literatur (wir befinden uns mit unserem privaten Sorbischzirkel in sehr guter Tradition), zur Sprachpolitik, zu Germanismen im Sorbischen (z.B. farar, der Pfarrer) und Bezüge zu anderen slawischen und/oder Minderheitensprachen. Und dazu die Lausitzer Sprachfärbung, die jeden dieser Abende zu einem kleinen Heimaturlaub macht (und mit Sächsisch zum Glück nicht allzu viel zu tun hat).

Heute haben wir das Ganze dann noch mit sorbischer Osterdekoration und dem sorbischen „Nationalgericht“ (Quark mit Leinöl und Pellkartoffeln) auf die Spitze getrieben. Dabei wurden zwei Bio-Leinöle verkostet – eins aus dem Spreewald und eins aus einer Kreuzberger Ölmühle. Unser Lehrer erzählte dann noch vom hohen Leinölverbrauch bei ihm zuhause, was mich wieder einmal ermunterte, noch viel mehr Rezepte mit Leinöl auszuprobieren – ein passendes Kochbuch dafür habe ich schon.

Und wenn dann alle, die es verlernt haben, wieder Sorbisch können und die deutschen Lausitzer in der Zwischenzeit alle ausgewandert oder weggestorben sind, dann, ja dann holen wir uns die Łužica zurück und teilen sie gerne mit Geflüchteten aus aller Welt – Platz genug ist ja.

#12von12 im März 2016

12 Bilder vom 12., diesmal sämtlich aus den eigenen vier Wänden. Den Rest gibt es wie immer hier.

 

Ich wache früher auf als der Hase und bin in seiner Umarmung auch etwas bewegungseingeschränkt. Aber es reicht, um zum Handy zu greifen, das Internet leer zu lesen und dieses Foto zu machen.

  
Ich habe mal wieder Lust auf diesen Schwarztee mit Mango. Den haben mir meine Eltern ursprünglich mal aus Malaysia mitgebracht – inzwischen habe ich ihn natürlich schon mehrfach nachbestellt.

 

Auf dem Tisch sammeln sich Blumen – rechts der Frauentagsstrauß, den der Hase mir geschenkt hat, links die Lilien, die er für sich selbst gekauft hat.

 Frühstück für Zwei…
  
…oder Drei?

  
Später dann ausgiebiges Couchen – eigentlich wollte ich ganz viel schaffen, aber dann sagte mein Körper „Nein!“ und ich entschied mich, auf ihn zu hören.

  
Nachmittags bringt der Hase Kuchen mit – deutsche Spritzringe und italienische Patisserie aus dem Café um die Ecke.

  
So gestärkt klappten die Sorbisch-Hausaufgaben gleich nochmal so gut – nur mit dem Instrumental habe ich noch Probleme, also schreibt am besten nicht ab!

  
Ich nutze die Gelegenheit, endlich die zweite Staffel Transparent zu gucken.

  
Die Mieze findet Ihre Schattenspiele spannender.

 

Zum Late-Night-Snack gönne ich mir eine übrig gebliebene Kartoffel und einige Scamorzette.

 Und dann geht es früh ins Bett.

Blutorangenrisotto

Auf dem Heimweg aus dem Büro fragte ich den Hasen per WhatsApp, ob ich noch irgendwas einkaufen soll. Seine Antwort: „Vielleicht. Du darfst Dir aussuchen, was wir kochen. Ich helf Dir auch und mecker nicht.“ Was für eine vollends perfekte Antwort, oder? Ohne Rücksichtnahme etwas aussuchen können, worauf ich gerade Lust habe, die Zusage von zusätzlicher Arbeitskraft und der vorherige vertraglich (Ich hab das schriftlich!) zugesicherte Verzicht auf Genöle. Das einzige Problem: Ich hatte keine Ahnung, was ich kochen sollte und irgendwie keinen Appetit.

Das änderte sich allerdings schlagartig, als ich den riesigen Berg Moro-Blutorangen im Supermarkt sah. Ich liebe Blutorangen über alles, vor allem seit meinen regelmäßigen Italienaufenthalten, bei denen es für mich zu jedem Bar-Frühstück frisch gepresste spremuta für n Appel und n Ei gab. 

Mir fiel dann auch direkt das richtige Rezept ein, dass ich vor Jahren mal von einem Netz Orangen italienischer Herkunft abgeschnitten und schon einmal unter Aufbietung all meiner Italienischkenntnisse zubereitet hatte. In den Korb wanderten dann also noch Risotto-Reis (Vollkorn-Arborio) und ein schönes Stück Parmesan.

Zuhause angekommen begann ich das Kochen mit etwas Aromatherapie: Drei kleine Blutorangen wurden mit dem Zestenreißer bearbeitet, was die ganze Küche und meine Hände nachhaltig olfaktorisch verzauberte. Ich war direkt zurück in Sizilien, im Giardino della Kolymbetra und sprang jauchzend von Baum zu Baum. Dann presste ich die nackigen Orangen aus und erfreute mich an dem satten Rotton des Saftes.

  
Der Hase kümmerte sich in der Zwischenzeit ums Zwiebeln schneiden, Parmesan reiben und Gemüsebrühe anrühren und dann konnte es direkt losgehen – mit jeder Menge Olivenöl und wie Papa Dan Kelly zu sagen pflegte: „Viel Geduldigkeit.“ Am Ende stand ein hocharomatisches, schlonzig-cremiges Risotto mit einem Extra-Vitaminkick – genau das richtige für kalte Winterabende wie diesen!

Rezept: (Blut-)Orangenrisotto

  • 3 unbehandelte Saftorangen (oder 1-2 große Orangen)
  • 200 g Risotto-Reis
  • 1 Zwiebel
  • 200 ml Weißwein
  • Ca. 1 Liter Brühe
  • Ca. 50 g Parmesan
  • Viel gutes Olivenöl

Die Orangenschale abreiben und danach den Saft auspressen. Die Zwiebel fein würfeln und den Parmesan reiben.

Die Zwiebeln in einem Topf in reichlich Olivenöl anschwitzen (bei mir stand das Öl gut einen halben Zentimeter hoch im Topf). Dann den Reis dazugeben und kurz anbraten. Mit dem Wein ablöschen  – das Rezept spricht davon, den Reis im Wein zu baden und wir wollen diesem malerischen Ausdruck nicht widersprechen.

Den Wein unter gelegentlichem Rühen verkochen lassen, dann zwei Kellen Brühe dazugeben. Wenn diese verkocht sind, die Orangenschale und eine weitere Kelle Brühe hinzugeben.

So geht es weiter: Rühren und verkochen lassen, wieder eine Kelle zugeben und dann von vorn – so lange, bis der Reis weich und das Risotto cremig ist. Das kann schon so 40-50 Minuten dauern. In Piemonteser Restaurants gibt es für Risotto immer eine angegebene Wartezeit und man muss mindestens zu zweit bestellen. Dort nähme man auch Butter statt Olivenöl, aber ich finde, zu Blutorangen passt eine südliche Zubereitung besser.

Ist die gewünschte Schlonzigkeit erreicht, den Topf vom Herd nehmen und den Parmesan einrühren. Ganz zum Schluss den Saft hinzugeben, ebenfalls unterrühren und dann direkt servieren.

  

Das ess ich n…euerdings doch!

Ich weiß nicht, ob es etwas mit dem zunehmendem Alter (*hüstel*), dem sich angeblich alle sieben Jahre verändertem Geschmack (das hab ich mal in einem Vampir-Hörspiel gelernt, das ist also ein Fakt) oder einfach der ständigen Beschäftigung mit gutem Essen liegt, aber ich habe in den letzten Wochen gleich drei Lebensmittel-Abneigungen abgelegt, die ich vorher über Jahrzehnte kultiviert hatte.

Ich mochte zum Beispiel keinen Rucola, nie. Manchmal konnte ich ihn mitessen, wenn sich ein paar Blätter irgendwo hineingemogelt hatten, aber meistens musste ich meine Teller großflächig von Rucola säubern, bevor ich genussvoll essen konnte – besonders schwierig, wo doch gerade in den letzten Jahren wirklich auf jedes Essen beim Italiener mehrere Hände Rucola verteilt werden! Neulich dann hatte ich mal wieder so eine Rucola-„verseuchte“ Pizza vor mir, aber irgendetwas sagte mir, ich solle doch diesmal in den sauren Apfel das bittere Kraut beißen und siehe da – es hat geschmeckt! Ich war verwundert und erfreut, testete es in den nächsten Wochen noch ein paar Mal und kann jetzt bestätigen: Ja, ich esse Rucola.

Mit Fenchel hatte ich ein nicht ganz so großes Problem und wenn sich ein paar Stücken davon in mein Essen verirrt hatten, habe ich die halt mitgegessen, wenn auch nicht mit großer Begierde. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, welchen zu kaufen, zuzubereiten oder im Restaurant zu bestellen. Fenchel und Fenchel-Tee waren als „schmeckt mir nicht“ abgespeichert. Fenchelsamen gingen, merkte dann ich irgendwann in Italien, als ich feststellte, dass sie es waren, die meinen geliebten Taralli diesen tollen Geschmack verliehen. Aber noch im Juni auf Sizilien habe ich großspurig erzählt, dass ich weder Fenchel noch Anis mag. Dann kam Rachels Rezept für den Fenchel-Orangen-Salat und mein Gaumen sagte mir, dass das was sein müsse. Ich probierte es aus und: Bingo! Zumindest in dieser Kombination wahnsinnig lecker. Ich habe jetzt noch eine große Knolle im Kühlschrank liegen, die ich demnächst nochmal in anderer Kombination ausprobieren werde. Die Fenchel-Abneigung ist jedenfalls weg. (Ähnlich erging es mir mit Grünkohl, wenn der richtig zubereitet, aka nicht sauer, ist, schmeckt mir der jetzt auch.)

  

Durch den tollen Tee-Adventskalender, den der Hase mir geschenkt hatte, konnte ich dann auch gleich noch ein anderes Problem aufdecken: Fenchel im Tee ist durchaus OK und Anis auch (man höre und staune!). Was Tee für mich hingegen wirklich eklig macht, immernoch, ist Süßholz. Pfui, Geier! wie Opa immer zu sagen pflegte, wenn er seine Tropfen nahm. Wenn Süßholz in einer Teemischung ist, muss ich nach spätestens einer (sehr langsam getrunkenen) Tasse aufgeben, sonst bekomme ich einen Würgreiz. Fenchel und Anis hingegen: Kein Problem mehr. Letzteres wird meinen Bruder freuen, jetzt kann ich mit ihm Sambuca trinken.

Der Hase scheint übrigens von mir angesteckt worden zu sein: Vor wenigen Wochen beschloss er, jetzt doch Pilze zu essen. Den Geschmack mochte er sowieso und  jetzt hat er ein paar Mal Exemplare in einer für ihn okayen Konsistenz probiert und dann einfach eine Entscheidung getroffen. Darüber freue ich mich sehr und hoffe, dass der Rhabarber vielleicht bald auch „gerettet“ wird. Nur den Spargel, den darf er weiterhin hassen, da sind wir uns sehr einig.

Mir bleiben trotzdem noch einige Abneigungen übrig: Lauch, Rosenkohl (wobei es auch da wohl gute Rezepte gibt, mit denen ich mir den schmackhaft machen kann, das ist ja dann vielleicht ein Projekt für 2016…), Zwiebeln in großen Mengen (kleine Mengen sind OK und manchmal einfach notwendig), Garnelen, Kaninchen, Zunge, Leber und andere Innereien und eben Süßholz und alles, was daraus hergestellt wird. Überschaubar, oder? Meine Eltern mussten mit mir früher ganz anderes durchmachen.

Drauf gekommen bin ich heute übrigens über einen sehr lesenswerten und inspirierenden Guardian-Artikel zum erlernten Geschmack und anderen (gesunden) Essgewohnheiten: No diet, no detox: how to relearn the art of eating, in dem ich mich oft wiedergefunden habe – hauptsächlich als einer dieser Sonderlinge, die eine Tüte Chips oder Tafel Schokolade weglegen können, bevor sie alle ist – auch das übrigens eine Fähigkeit, die ich als Kind und Teenie noch nicht hatte…

Tagebuch-5 im Januar 2016

Wie an jedem 5. fragt Frau Brüllen (ich wollte erst Brau Früllen schreiben und frage mich jetzt, ob Freud mit damit etwas sagen möchte) wieder: WMDEDGT? Das hier:

Der Wecker klingelt um 7:30 und obwohl es heute immer noch so kalt ist wie gestern schaffe ich den Sprung aus dem Bett schon nach wenigen Minuten. Ich verschwinde kurz im Bad, bemühe mich, beim Lesen meiner Facebook-Benachrichtigungen nicht in eine Diskussion über die Gewalt in Köln am Silvesterabend zu gelangen und stelle das Futter für das Katzenfrühstück ins heiße Wasserbad. Dann mummele ich mich für die heutige Meditation ein – die letzte 15-minütige, ab morgen geht es mit 20 Minuten weiter. So richtig will es mit dem Gedanken loslassen heute nicht klappen, ständig überlege ich, was ich als nächstes mache, was ich nicht vergessen darf und wie ich das Ganze heute beim Tagebuch-5 verbloggen werde. Währenddessen liegt Nimbin neben mir und meditiert mit, während Noosa aufgeregt herumspringt und die Vögel auf dem Hausdach gegenüber anknurrt. Ein schmerzender Rücken, Halsschmerzen und eine leicht verstopfte Nase tun ein Übriges, um meine Meditation zu sabotieren. Trotzdem fühle ich mich nach den 15 Minuten ziemlich ausgeglichen und weniger gestresst als vorher.

Es ist kurz nach 8 und draußen ist es inzwischen hell, so dass ich die leichte Schneeschicht sehen kann, die sich draußen gebildet ist – nur so leichter Puderzucker bisher. Die Katzen bekommen jetzt ihr Frühstück und ich flitze zurück ins Bad, putze mir die Zähne und kämme mir die Haare. Dann ziehe ich mich leise an, um den Hasen nicht zu wecken und nehme mir voller guter Vorsätze den Rucksack mit den Sportsachen hervor. Hinein wandern Portemonnaie, Taschentücher, Ersatzakku und Ladekabel sowie eine Dose mit Haferflocken, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Chiasamen, Sesam, Zimt und Vanille, die später im Büro mit Hilfe von Milch, Honig und Mikrowelle zum Frühstücksbrei werden. Während das Teewasser heiß wird, stecke ich noch schnell Bürokratiekram in einen Umschlag und pappe Briefmarken drauf – zweimal 62 Cent, denn seit 5 Tagen kostet so ein Brief 65 Cent. Da wir pro Jahr etwa 5 Briefe verschicken, haben wir noch einige alte Marken übrig und ich bin zu faul, erst noch einen Briefmarkenautomaten aufzusuchen, das würde Umwege bedeuten, auf die ich bei den Temperaturen verzichten kann.

Stiefel, Schal, Mütze, Handschuhe und Wintermantel an, Tee in den Becher, Schlüssel nicht vergessen und raus aus der Tür. Auf dem Weg zur Tram werfe ich den Brief ein und dann stehe ich erstmal fast zehn Minuten an der Haltestelle, weil eine Bahn ausgefallen ist – muss wohl am Schneechaos liegen 😉 Ich verliere den Humor nicht, wohl aber ist mir kalt – ebenso wie den anderen, weniger gut gelaunten Passagieren um mich herum. Die Tram ist dann auch brechend voll, dafür ergattere ich in der U-Bahn ohne Probleme einen Sitzplatz – bin ja auch später dran als sonst. Im Büro angekommen mache ich mir mein Frühstück warm und sitze dann mit dem Spotify Mix der Woche auf den Ohren vor meinem Rechner, bevor es um 11 zu einem Meeting geht.

Ansonsten tröpfelt der Arbeitstag so vor sich hin. Gegen 14 Uhr bekomme ich langsam Hunger – nach und nach kristallisiert sich heraus, dass es heute Nudeln geben soll. Auf Twitter befrage ich meine Follower, ob ich Asiatisch oder Italienisch essen soll. Kaum habe ich den Tweet abgeschickt, hat sich mein Gaumen schon für Italienisch entschieden – ich habe Appetit auf Olivenöl und brauche nur zwei Minuten, statt mindestens zehn für die asiatische Variante. Die Umfrage, die zu diesem Zeitpunkt für Asiatisch votiert, läuft ja noch bis morgen Mittag und das Ergebnis mir nicht weg.

Ich entscheide mich für eine Pasta Caprese und einen Obstsalat, da im Büro-Obstkorb heute morgen bereits wieder Ebbe war. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit Bloggen und dem Beobachten eines Babys am Nebentisch. Es krakeelt fröhlich vor sich hin und hält zum Glück die Finger nicht in Papas dampfend heiße Lasagne. Dann kommt mein Essen: Frische, mit Tomate und Mozzarella gefüllte Ravioli in Tomaten-Butter-Salbei-Sauce. Mit dem Foto checke ich ein und stoße meinen Chef-Chef vom Mayor-Thron. Ha!

Am Nachmittag höre ich von der Freundin, die über Silvester bei uns zu Besuch war und jetzt wieder zurück in Toulouse ist. Sie hatte am Sonntag ihren Rückflug verpasst, ist dann mit ihren zufälligen Zugbekanntschaften weitergereist und hat spontan noch einen Zwischenstopp in Prag eingelegt und dann gestern von dort zurückgeflogen. Ja, es hat uns beide an Before Sunrise erinnert und ich bin auch ein bisschen neidisch geworden – die Reiselust wächst wieder! Außerdem schreibt mir die Teeniecousine, ich soll mal wieder was für sie bestellen – es geht um ein Faschingskostüm.

Ansonsten ist der Arbeitsnachmittag recht unauffällig, außer dass eine Kollegin vorbeischneit, weil sie das neue Hipsterzöpfchen des Kollegen hinter mir begutachten möchte, von dem ich leider heute kein Foto für Euch habe. Nach der Arbeit stelle ich fest, dass es auch draußen geschneit hat. Sofort ist allgemeine Laune merklich besser und alles wirkt gemütlicher, gedämpfter, pittoresker und sogar wärmer.

Ich fahre ich zum ersten Mal seit wirklich langer Zeit endlich mal wieder zum Sport (was für ein Glück, dass ausgerechnet heute der 5. ist, das sorgt für extra Motivation). Studio-Angestellte und Geräte erkennen mich wieder und das Training selbst geht besser als erwartet. Mein Rücken wird es mir danken (also sobald er sich erholt hat).

Ich stapfe freudig durch die frisch gefallene Schneeschicht nach Hause und fange die eine oder andere Flocke mit dem Mund auf. Ein bisschen bin ich wieder Kind, vor allem als ich dann zuhause die vor zwei Monaten im Sportrucksack vergessene Brotdose auspacke, ihr kennt das.

Der Hase erwartet mich mit heißer Rote Bete-Suppe, die ich mit Wasabi, eingelegtem Ingwer und Koriandergrün verfeinere, während der Kater auf dem Balkon schlittern übt. Zum Essen gib es frisch aufgetauten Ananassaft.

Danach bezwinge ich den seit dem Silvester-Dinner schon mehrfach in Angriff genommenen Abwaschberg endlich komplett (ohne Sauerstoffgerät!). Dann ist es 21:00 und der Hase und ich ziehen uns mit Katzen und Film (der mit den Lichtschwertern) aufs Sofa zurück.

Minus 17 (gefühlt)

Als ich heute morgen noch gemütlich im warmen Bett lag und verschlafen durch meine verschiedenen Timelines scrollte, geschah etwas Unerwartetes: Trotz dicker Decke, dem Wärme ausstrahlenden Hasen neben mir und doppelter Fenster kroch eine fiese Kälte in mich hinein und breitete sich vom Zehen bis zu den Schultern in meinem Körper aus. Ob das nun allein an der tatsächlichen Temperatur im Schlafzimmer lag, oder durch die zahlreichen tiefgefrorenen Tweets noch verstärkt wurde, kann ich nicht sagen. Fakt ist: Es ist kalt in Berlin, gefühlte 17 Grad zeigte meine Wetter-App an.

Das hatte ich zwar gestern auch schon mitbekommen, als wir die nicht hochprozentigen Getränke vom Balkon retteten, aber da musste ich wenigstens nicht noch weiter nach Draußen. Heute jedoch hieß es, wieder den Weg ins Büro zurückzulegen. Nichts mehr mit gemütlichem Homeoffice, eingewickelt in eine Decke und mit Katze(n) auf dem Schoß – heute ging es hinaus in das wirklich wahre, harte (Über-)leben. Ich musste Vorkehrungen treffen.

Normalerweise meditiere ich morgens noch im Schlafanzug, in letzter Zeit mit einer Decke zugedeckt – heute habe ich mich vorher angezogen, denn mich 15 Minuten lang halbnackt nicht zu bewegen erschien mir nicht als gute Idee. Eine weitere Änderung im Tagesablauf war das Anwärmen der kühlschrankkalten Katzenfutterdose im heißen Wasserbad, was von den Katzen freudig begrüßt wurde – in den letzten Tagen hatten sie das Futter eher erstmal verschmäht. Dann goss ich mir noch schnell einen heißen Tee in den Thermobecher, bedeckte meinen Körper mit diversen zusätzlichen Lagen Klamotten, wickelte mir einen Schal um, zog Smartphone-Handschuhe an und setzte mir meine irische Bommel-Wollmütze von den Arran Islands auf.

So angetan verließ ich das Haus und stellte fest: Verdammte Scheiße ist das kalt. Trotz allem. Aber immerhin: Ich war gut vorbereitet, hatte mein möglichstes getan und musste mir zumindest keine Vorwürfe machen. Stattdessen ließ ich den Gedanken an die Kälte los (hach, Meditation hilft!) und beobachtete lieber die Menschen um mich herum. Den Typen, der mit bloßen Händen telefonierte zum Beispiel. Dem war bestimmt noch viel kälter als mir und er war sogar selbst Schuld! Alle, wirklich ausnahmslos alle Menschen sahen aus, als würden sie um ihr Überleben kämpfen – mit zur Faust geballten, grimmigen Gesichtern und zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen bahnten sie sich den Weg durch diesen (Montag-, auch das noch! Und auch noch der erste Arbeitstag seit Langem für die meisten!)Morgen.

Eine ganze Stadt voller miesmutiger Menschen an einem Montagmorgen, normalerweise ein Garant für Ärger, Missgunst und Reibereien. Doch da zeigte dann die Kälte ihre wohltuende Wirkung: Wenn alle Energien auf die Lebenserhaltung ausgerichtet sind, bleibt einfach keine Kraft mehr für blödes Rumgepöbel. Ist ja auch mal was. Wer mehr tun möchte, als nicht zu pöbeln, der kann übrigens den Kältebus anrufen, wenn er Menschen sieht, die bei diesen und anderen unerträglich kalten Temperaturen draußen schlafen müssen – für Berlin ist die Nummer 0178 / 523 58 38, für andere Städte hilft die Suchmaschine Eures Vertrauens (der Hase empfiehlt ausdrücklich Ecosia, wo man beim Suchen noch Bäume pflanzen hilft.)

Im Büro war es dann übrigens überraschenderweise so richtig schön muckelig warm, die Fenster liefen nicht an und keiner schimpfte über zu hohe Heizkosten. Hat sich der Weg also doch gelohnt.

Spritzer, Schlieren und ein lachender Buddha

Heute habe ich gemerkt, dass das tägliche Meditieren und das Nichtstun der letzten Tage durchaus positive Nebeneffekte haben (also außer genug Schlaf und Zeit für aufwendige BBC-Literaturverfilmungen): Ich werde so langsam tatsächlich entspannter. Der heutige Morgen hätte mich zum Beispiel auch komplett aus dem Takt bringen und mir den Tag versauen können.

Beim Betreten des Bads stellte ich fest, dass sich vom Besuch verspritztes Duschwasser auf ungute Weise mit von den Katzen verteiltem Katzenstreu vermengt hatte und der Boden nun voller grauer, festgetrockneter, schlammiger Schlieren war. Was ich nicht feststellte, war, dass sich dazwischen auch ein recht frisches, noch weiches Stückchen Katzenkacke befand, in das ich trat, während ich versuchte, der Situation putzend Herrin zu werden. 

Also erstmal Ersatzhausschuhe holen, die dreckigen Hausschuhe Saubermachen und zum Trocknen auf den Wäscheständer legen und dann zusätzlich zu den grauen auch noch die braunen Schlieren aufwischen, die ich überall verteilt hatte. Dann spülte ich den Wischlappen in der Badewanne aus und stellte währenddessen fest, dass mir mein iPhone in die Wanne gerutscht war und es jetzt Gefahr lief, ebenfalls gespült zu werden. Ich konnte es noch gerade rechtzeitig herausfischen und die ganze Misere twittern.

Zum Frühstück gab es dann den letzten Silvesterpfannkuchen, den der Hase fein säuberlich teilte. Spätestens bei diesem Anblick war ich mit dem Tag versöhnt:   

    

Die Ruhe vor dem Sturm

Diese ersten Tage des Jahres fühlen sich dank Wochenende und Freundinnenbesuch noch ein kleines bisschen wie Ferien an, obwohl hier tatsächlich auch gearbeitet wird – saisonal bedingt jedoch nur in gedämpfter Intensität und außerdem im Schlafanzug.

Draußen ist es ungewohnt kalt, die Scheiben sind beschlagen und obwohl so ein wenig frische Luft bestimmt gut tun würde, zieht mich heute noch nichts dorthin – ab und zu die Balkontür aufreißen und stoßlüften reicht auch. Denn selbst nach den vielen Tagen relativer Ruhe rund um Weihnachten und den Jahreswechsel habe ich noch immer das Bedürfnis, auszuruhen und zu verschnaufen. Es wird schon noch genug Aufregendes und Anstrengendes passieren in den nächsten Wochen.

 

Symbolfoto

 

Da kann ich jetzt ruhig noch ein wenig innehalten, mich verkriechen, mit den Katzen und dem Hasen kuscheln, das Internet leer lesen, Zahlen miteinander verbinden und ordentlich viel schlafen. Außerdem wird heute noch die Special-Folge von Sherlock geguckt, da ich gestern irgendwie zu doof war, den Livestream über Proxy zum Laufen zu bekommen. Aber ansonsten: Keine Pläne. Und morgen auch nur den ungefähren Vorsatz, mal wieder im Sportstudio des Vertrauens vorbeizuschauen. Wobei das so zum Jahresanfang bestimmt ganz schön voll ist, oder? Vielleicht also dann doch erst am Montag…

In der Zwischenzeit mache ich mir darüber Gedanken darüber, was dieses Jahr auf dem Plan steht. Besonders viel ist das noch nicht, aber obwohl ich sonst total auf Planung und Vorfreude stehe, finde ich das gerade sehr entspannend…

 

Januar

Der Januar wird beruflich wahrscheinlich relativ turbulent und ganz am Ende des Monats bin ich dann auch mal dienstlich unterwegs. Privat steht hingegen nicht viel an, außer noch einige aus dem hektischen Dezember verschobene Treffen mit Freund_innen und der Rückkehr meiner Eltern aus Kanada.

 

Februar

Meine Ma feiert einen runden Geburtstag und wir werden uns bis dahin noch etwas schönes einfallen lassen, wie wir diesen Tag begehen.

 

März

Im März werden wohl drei Kinder im Familien- und Bekanntenkreis geboren werden. Eines davon ist das erste Kind meiner Cousine, das eine neue Generation in unserer Familie begründet. (Was war bloß letzten Sommer los? Ich kenne im Moment drei Schwangere und alle „ferkeln im März“, wie der Hase sagen würde.)

 

April

Mein Pa feiert einen halbrunden Geburtstag, ansonsten ist der Kalender für diesen Monat noch erfrischend leer.

 

Mai

Meine dritte re:publica ist wahrscheinlich das Highlight im Mai – weitere Termine habe ich nicht.

 

Juni

Ich habe Geburtstag und ansonsten nicht viel vor. Sollte ich rechtzeitig im Lotto gewinnen, feiere ich den Geburtstag beim diesjährigen Language of Food-Workshop, aber die Chancen dafür stehen wohl eher schlecht (zumal ich kein Lotto spiele). Ansonsten ist mal wieder Fußball-EM und wahrscheinlich gucken wir uns das eine oder andere Spiel im Fernsehen an.

 

Juli

Immernoch Fußball-EM. Und am 30. findet dann die kirchliche Trauung zu der Hochzeit statt, bei der ich am 4. Adventswochenende war, wir werden also noch einmal quer durchs Land fahren und deutsch-französisch feiern.

 

August

Traditionell findet im August ein Treffen mit meinen Cousins und und Cousinen statt, dieses Jahr dann aufgrund des Babys wahrscheinlich „nur“ hier in Berlin/Potsdam.

 

September

Gähnende Leere im Kalender.

 

Oktober

Noch mehr Leere.

 

November

Und noch mehr Leere.

 

Dezember

Und noch mehr Leere. Achja, der Hase hat natürlich Geburtstag und Weihnachten ist auch noch.

 

Das Jahr ist also tatsächlich noch eine leere Leinwand, mit viel Platz für Spontanität. Jetzt gilt es, diesen Zustand so lange wie möglich zu erhalten. Und: Reisen zu planen. Wahrscheinlich besuche ich im Herbst eine Freundin in Bordeaux. Wahrscheinlich gibt es einen Trip nach England. Und eigentlich haben wir noch eine ganze Menge Ziele auf der Liste, von denen doch zumindest eines in diesem Jahr abgearbeitet werden könnte… Aber auch das überlegen wir uns demnächst. Ooooooommmm.