Japanisch voran mit KonMari und Sokoban

Die Zeiten gerade sind ein wenig herausfordernd. Da ist auf der einen Seite die sehr große Entscheidung, die vor zwei Wochen getroffen wurde und die bis jetzt in ihren Auswirkungen erstaunlich glimpflich abgegangen ist. Auf der anderen Seite sind da eine Menge verlockender Pläne, deren Umsetzung aber aus Gründen noch einige Wochen warten müssen. Dieses “dazwischen” Sein, das hat mir in den letzten Tagen mehr und mehr zugesetzt. Was dabei hilft, sind unter anderem diverse Freizeitaktivitäten. Erlebnisse und Gespräche mit denen sich die Zeit füllen lässt, bis ich soweit bin und die Umstände soweit sind, dass ich richtig mit den Plänen loslegen kann. Meine gesamte nächste Woche ist zum Beispiel nach Feierabend bereits komplett ausgebucht, kein Tag an dem noch nichts im Kalender stünde.

Heute allerdings war dann ausnahmsweise doch mal kein Termin, zum ersten Mal seit vielen Tagen und auch zum letzten Mal für eine ganze Weile. Und wie ich so in den Tag startete, vor mich hin überlegte, was ich denn mit dem großen Batzen unverplanter Zeit so anstellen könnte und den Katzen dabei zusah, wie sie sich neue Räume eroberten, da formte sich in meinem Kopf langsam ein kleines Projekt. Ein Etappenziel nur und erstmal auch nur ein Provisorium. Aber trotzdem würde es einige Stunden Arbeit bedeuten, einiges von der To-Do-Liste nehmen, die sich für mich “in einigen Wochen” bedrohlich lang und länger vor meinem geistigen Auge aufbaut, mir eine neue Perspektive ermöglichen und schonmal einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft gehen.

 

Um mich in die richtige Stimmung zu bringen, schaute ich eine Marie-Kondo-Folge auf Netflix – ich bin ja von bewegten Bildern immer leicht zu beeinflussen und heute machte ich mir das zu Nutze*… Dann habe ich mir schöne Musik angemacht, laut mitgesungen und NICHT alle meine Klamotten auf einen großen Haufen geschmissen und nach Freudefunken bewertet, sondern in dem Raum, in dem ich gerade am meisten Zeit und vor allem auch die Nächte verbringe, neue Zeiten eingeläutet. Ich habe Dinge entsorgt, zum Weggeben bereitgestellt und jede Menge Zeug wenigstens schon einmal vorsortiert. Dann habe ich Sokoban-style einiges aus dem Zimmer heraus- und kreuz und quer durch die Wohnung geschafft, um Platz zum Rangieren zu haben. Und dann habe ich tatsächlich schonmal die Mehrzahl der Möbel in diesem Zimmer verrückt, komplett neu angeordnet und dann teilweise wieder neu mit Dingen bestückt.

Provisorisch ist das Ganze weiterhin, denn einige der Möbel werden hier bald ausziehen, ebenso wie viel Kram, der sich immer noch im Zimmer befindet. Und einige der jetzigen Möbel sind auch nur Ideen im platonschen Sinne für die tatsächlichen Möbel, die hier in einigen Wochen dann stehen werden. Aber so kann ich schon einmal ausprobieren, wie mir diese neue Raumverteilung so zusagt, meine Sichtweise auf dieses Zimmer verändern (das hat sofort und sehr radikal schon gut geklappt) und auch für mich selbst ein Zeichen setzen: Ich muss nicht abwarten, ich kann auch jetzt schon aktiv werden und Dinge so anpassen, wie sie für mich am besten funktionieren. Und ich kann zum Beispiel ganz alleine Schränke, Kommoden, Regale und Betten bewegen, und zwar ohne mir wehzutun und ohne dass die Katzen Sorgen haben müssen, ich würde danach nicht mehr aufstehen können.

Nach der großen Sokoban-Aktion bleibt ein kleiner Schrank jetzt schon einmal permanent draußen, der hätte nur im Weg rumgestanden und und ich habe sogar einen Platz gefunden, wo er das nicht tut und thematisch gut aufgehoben ist. Dafür sind der Schaukelstuhl und ein bunter Läufer eingezogen, der in einem anderen Raum in letzter Zeit nicht genug Wertschätzung erfahren hatte. Natürlich alles erst, nachdem jede Menge Staub gewischt und gesaugt und das Bett neu bezogen wurde. Bis jetzt gefällt mir meine neue Sichtweise auf die Welt sehr gut – ich sehe jetzt vom Bett aus noch viel mehr von dem wunderschönen Blau, das ich vor über 5 Jahren für einen Teil der Wände hier ausgesucht habe, dass ich aber dann die meiste Zeit vor allem im Rücken hatte. Und stünde gegenüber nicht gleich das nächste Haus, dann könnte ich jetzt abends vom Bett aus direkt in den Sternenhimmel gucken…

 

*Ich folge der Methode nicht, lasse mich aber von den Folgen gerne zu etwas Aktionismus in Sachen Haushalt motivieren. Klappt auch gut mit der FlyLady, aber die hat weniger Action, da weniger Bewegtbilder.

Schlemmereien aus dem Salento

Am Donnerstag war ich auf Vermittlung der lieben Claudia von Holy Fruit Salad! bei einer Pressekonferenz in einem italienischen Restaurant in Kreuzberg 61 eingeladen. Bei leckeren Weinen, Olivenöl, Käse, Honig, Pizza und diversen anderen Leckereien aus dem Salento, der “Stiefelspitze” Italiens im äußersten Südosten der Region Apulien, erfuhren die anwesenden Journalist*innen, Blogger*innen, Instagramer*innen & Co. einiges über die touristisch interessanten Orte dieser Gegend. Im Rahmen der ITB hatten die Kultur- und Tourismuszeitschrift Spiagge und verschiedene Vertreter der Provinz und einzelner Städte wie Otranto, Melendugno und Gallipoli zu diesem Abend eingeladen. Unter anderem stellten sich dort dann auch verschiedene Produzenten typischer Produkte des Salento vor.

Für mich versprach der Abend die Verbindung dreier meiner Leidenschaften: Bloggen und neue liebe Menschen aus der Blogosphäre zu treffen, Reisen und neue Gegenden kennenzulernen (Apulien steht schon lange auf meiner To-Do-Liste!) und natürlich italienisches Essen und Wein. Der perfekte Abend also, der in allen drei Bereichen glänzte und Lust auf mehr machte. Besonders gefreut habe ich mich übrigens über den Fiano, den es als Aperitif während der Vorträge gab – eine meiner liebsten Weißweinsorten, auch wenn ich ihn bisher nur aus Avellino und nicht aus dem Salento kannte. Der Negroamaro, den es dann zum Essen selbst gab, war übrigens auch extrem gut und ich werde demnächst mal versuchen, von beiden ein Fläschchen zu ergattern. Wir verkosteten auch zwei verschiedene Olivenöle und besonders das zweite (neue Ernte, sehr grün, dickflüssig, grasig und mild, von einer Sorte, die ursprünglich aus Frankreich stammt) war der Hammer.

Ein toller Abend, von dem mir außer den leckeren Flüssigkeiten vor allem die guten Gespräche in Erinnerung bleiben werden, und aus dem sich hoffentlich noch viele weitere kulinarische Gelegenheiten für die Zukunft entwickeln werden…

Frauenkampftag 2019

Heute war es soweit: Zum ersten Mal ist der Internationale Frauentag in Berlin gesetzlicher Feiertag. Und da ich ja nun dieses Wochenende doch nicht in Prag bin, konnte ich den Tag auch gut für feministische Zwecke nutzen. Die ersten Stunden verbrachte ich damit, gut für mich selbst zu sorgen (ein nicht zu vernachlässigender Aspekt!): lange im Bett liegen bleiben, meditieren, gesund frühstücken, guten Tee trinken (schwarzer Tee mit frischem Ingwer, frischem Kurkuma und jamaikanischem Honig), Katzen kuscheln, Serien gucken, gesundes Mittag essen…

Die nächsten Stunden verbrachte ich gemeinsam mit meinen beiden Berliner Cousinen, dem Lieblingsnachbar und jeweils noch Freundinnen der drei auf der großen Demo zum Frauenkampftag. Vermutlich lag es daran, dass Feiertag war (und dass der Regen auch pünktlich zur Startzeit aufhörte), aber diese Demo war richtig groß und voll – zwischendurch sprachen die Veranstalter*innen von über 20.000 Teilnehmer*innen. Was mir außerdem aufgefallen ist: Es waren für mich überraschend viele Männer am Start. Natürlich verschätzt man sich da auch schnell, aber ich würde sagen das waren schon mindestens 30% und eher ein paar mehr – gerade bei den jüngeren Teilnehmer*innen.

Und das macht dann doch auch wieder ganz schön viel Mut und gibt Hoffnung für die Zukunft – trotz allem, was ich in den letzten Wochen darüber diskutiert habe, dass echte Gleichberechtigung nur gemeinsam erreicht werden kann und es eben nicht reicht, wenn man den Frauen “seinen Segen gibt”, aber selbst den Arsch nicht hochbekommt. Auch trotz der Tatsache, dass ich vor zwei Tagen tatsächlich vorargumentiert bekam, dass es doch wohl zu viel verlangt wäre, sich diskriminierungsfreie Schimpfwörter zu überlegen, wenn man seinen Frust über anstrengende Menschen, die zufällig Frauen sind, loswerden möchte und dass es doch völlig normal und quasi alternativlos ist, dann von einer dummen F*tze zu sprechen. Und natürlich trotz allem, was in letzter Zeit mal wieder durch die Medien gegangen ist und die Gemüter erregt hat. Trotz $218 und $219a, trotz AKK, trotz all der AltenWeißenMänner und des aktuell hochkochenden Backlashes:

Irgendwann werden wir in einer Gesellschaft leben, die noch diverser, inklusiver und gleichberechtigter ist als unsere heutige, und zwar für Menschen aller Gender, Geschlechter, sexuellen Orientierungen usw. Feminismus ist für alle da! Und wenn wir das endlich verstanden haben, dann lösen wir alle anderen Probleme auch irgendwie – gemeinsam!

1000 Fragen zwischen Arbeit und Abendprogramm

Heute ist die Zeit mal wieder knapp, da nach der Arbeit noch eine spannende Veranstaltung ansteht – deswegen lasse ich einfach die nächste Runde der 1000 Fragen hier…

 

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

131. Mit welcher berühmten Person würdest du gerne einmal einen Tag verbringen?

Um ehrlich zu sein fallen mir da gar nicht so viele ein, weil ich immer die Angst hätte, dass es awkward wird. Ich neige ja schon sehr zum Fangirlen, ganz besonders aber bei Menschen, die ich – in meiner Wahrnehmung/Filterblase – für berühmt halte. Und das wird dann wohl für keine*n von uns ein entspannter Tag.
132. Warst du schon einmal in eine (unerreichbare) berühmte Person verliebt?

Ja, mit 13. 😉
133. Was ist dein Traumberuf?

Es wäre schön, wenn man mich fürs Reisen, Faulenzen, Essen oder Serien gucken bezahlen würde. Da das eher unwahrscheinlich ist, finde ich meinen jetzigen Job eigentlich schon ziemlich nah dran. Man streiche einige der eher drögen oder anstrengenden Aufgaben oder schwierigeren Personenkonstellationen und schon bin ich eigentlich traumhaft happy.
134. Fällt es dir leicht, um Hilfe zu bitten?

An sich ja, aber es kommt ein bisschen darauf an, wobei und wen. Bei anstrengenden körperlichen Tätigkeiten habe ich da zum Beispiel gar keinen Stolz und frage gerne, oft und viel 😉
135. Was kannst du nicht wegwerfen?

Bücher sind extrem schwer. Und Kuscheltiere/Spielzeug aus der Kindheit. Tatsächlich befinden sich in meinem Schrank auch eine ganze Reihe Klamotten, die ich wahrscheinlich nie wieder anziehen werde, aber die Gewissheit, dass sie da sind, falls wirklich mal nichts anderes mehr sauber ist, gibt mir eine gewisse Sicherheit.
136. Welche Seite im Internet besuchst du täglich?

SPON – Ich sollte wirklich langsam mal andere Nachrichtenquellen automatisieren. Die meisten anderen regelmäßig aufgesuchten Web-Angebote nutze ich als App, wenn ich nicht am Rechner sitze, die zählen also hier nicht. Achja, falls sich jemand fragt: Eure Blogs lese ich über Feedly, deswegen suche ich die nicht täglich auf.

 

137. Sind die besten Dinge im Leben gratis?

Bei irgendeiner anderen Fragenbeantworterin die Tage gelesen und für gut befunden: Nicht unbedingt gratis, aber unbezahlbar.
138. Hast du schon mal was gestohlen?

Ja.
139. Was kochst du, wenn du Gäste hast?

Kommt drauf an, auf wieviel Aufwand ich Lust habe. Wenn es schnell und alltäglich sein soll, wahrscheinlich einfach Pasta mit Tomatensauce oder Pellkartoffeln. Wenn ich Lust auf was Besonderes habe, dann probiere ich gerne neue Rezepte aus oder lasse die Gäste an einer Küche teilhaben, die ich für mich entdeckt habe. Etwa die sizilianische oder die jamaikanische.
140. In welchem Laden möchtest du am liebsten einmal 1 Minute lang gratis einkaufen?

Der italienische Supermarkt bei uns im Kiez oder der Mittelmeer-Spezialitätenladen, ebenfalls bei uns im Kiez. Überall sonst würde ich länger als eine Minute brauchen, um die Dinge zu finden, für die sich das lohnt.

Farbcodes und blinde Flecken, Nostalgie und 1000 Fragen

Heute habe ich auf Arbeit an einem Respectful Workplace Training teilgenommen. Der interessanteste Teil davon war, dass uns Situationen präsentiert wurden, die wir per Farbcode einschätzen sollten – Grün für unproblematisch, Gelb für potenziell kritisch und Rot für ein “No-No” (das Ganze fand auf Englisch statt). Aus den individuellen Einschätzungen ergaben sich dann spannende Diskussionen, deren Grundtenor war: Es kommt halt immer auf die Umstände und den Kontext an, trotzdem ist es wichtig, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass jeder Mensch in jeder Situation andere persönliche Schwellen hat, ab denen es für ihn*sie problematisch wird und deswegen dann besonders im professionellen Kontext (aber natürlich auch überall sonst) mit Bedacht zu kommunizieren. In den allermeisten Punkten war meine Einschätzung konform mit der der Trainerin, ich glaube ich bin durch fast 11 Jahre Twitter schon ziemlich gut sensibilisiert. 😉 Interessant war es dann, diese Thematik mit in die Pause zu nehmen und Kolleg*innen davon zu berichten, die nicht am Training teilgenommen hatten. Der Farbcode fand dann sofort auch in den Pausengesprächen Anwendung und da musste ich dann feststellen, dass trotz aller Sensibilisierung auch ich blinde Flecken habe – mindestens ein Gelb und sogar ein Rot (allerdings ging es dabei um keinen der üblichen -ismen) wurden mir berechtigterweise entgegengebracht und ich bin da sehr dankbar für, da es mich wachsam und achtsam hält.

*

Heute vor genau 23 Jahren besuchte ich nach der Schule eine Klassenkameradin und wir sahen uns das folgende Video (natürlich auf VHS) an, das mich sofort, nachhaltig und für immer in Sachen Street Credibility versaut hat. Was soll ich sagen: 23 Jahre später bin ich noch da, die Band ist noch da, und auch dieses Jahr werde ich sie wieder live sehen, da hilft es auch nicht, dass mein erstes selbstgekauftes Album Planet Punk von Die Ärzte war.

*

Nach einer ganzen Woche täglichen Bloggens gibt es dann heute endlich die nächste Runde der 1000 Fragen.

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

 

121. Gibst du der Arbeit manchmal Vorrang vor der Liebe?

Beides ist schon vorgekommen, manche Zeiten verlangen, dass man die Arbeit über der Liebe etwas vernachlässigt, manche Zeiten verlangen auch mal das Gegenteil. Zum Glück war ich nie in der Situation, mich ganz absolut für eines von beiden entscheiden zu müssen, das stelle ich mir sehr schwer vor (zumindest in meiner Situation, in der ich eben auch meinen Job sehr liebe).

 

122. Wofür bist du deinen Eltern dankbar?

Dafür, relativ behütet und sorgenfrei aufgewachsen zu sein. Dafür, dass ich mein Studium und die erste Zeit danach dank ihrer Unterstützung unbelastet von finanziellen Zwängen leben und mich ausprobieren konnte (und nach meinen Interessen studieren konnte, ohne mich von wirtschaftlichen Überlegungen einschränken zu lassen). Dafür, dass sie in jeder Situation bedingungslos für mich da sind und zu mir stehen. Und für die seltenen Momente, in denen sie einsehen, dass ich spätestens jetzt mit Mitte 30 auch einfach Entscheidungen treffen darf, ohne dass sie diese gutheißen müssen 😉

 

123. Sagst du immer, was du denkst?

Fast immer. Es gibt Situationen, in denen es besser ist, die Klappe zu halten, gerade im beruflichen Kontext. Im Privaten hingegen nehme ich meist kein Blatt vor den Mund und das Leben beweist mir immer wieder (zum Beispiel in den letzten paar Tagen sehr deutlich), dass das das richtige Vorgehen ist.

 

124. Läuft dein Fernsehgerät häufig, obwohl du gar nicht schaust?

Nein. Manchmal nutze ich gleichzeitig auch noch einen Second (Handy) oder gar Third Screen (Laptop oder Tablet), aber wenn mich das, was der Fernseher zeigt so wenig interessiert, dann mache ich ihn einfach aus, ich brauche ihn nicht als Hintergrundrauschen.

 

125. Welchen Schmerz hast du nicht überwunden?

Da gibt es tatsächlich mehrere. Solche, die schon viele Jahre zurückliegen und solche, die erst in den letzten paar Monaten und Jahren hinzukamen. Das wird auch eine Aufgabe für die nächste Zeit, mich damit intensiv auseinanderzusetzen.

 

126. Was kaufst du für deine letzten zehn Euro?

Was zu essen.

 

127. Verliebst du dich schnell?

Ja, nicht immer ernsthaft und nicht immer nachhaltig, aber das Grundgefühl erreiche ich sehr schnell.

 

128. Woran denkst du, bevor du einschläfst?

Meistens lese, höre oder schaue ich dabei etwas, damit ich eben gerade nicht denke, sonst wird es schwer mit dem Einschlafen. Ansonsten ist natürlich alles im Zusammenhang mit Frage 127 immer gern genommen. Oder Urlaubserinnerungen.

 

129. Welcher Tag der Woche ist dein Lieblingstag?

Es war lange der Sonnabend (ausschlafen UND lange aufbleiben und dann auch noch so viel freie Zeit!), dann lange der Dienstag (während des Studiums, Club-Programm-bedingt). Seit einigen Jahren habe ich da aber keinen Favoriten mehr und selbst Montage jagen mir keinen Schrecken ein.

 

130. Was würdest du als deinen grössten Erfolg bezeichnen?

Gut durchs Leben gekommen zu sein, ohne mich allzu sehr zu verbiegen oder von Schicksalsschlägen gebrochen zu werden.

 

Tagebuch-5 im März 2019 #WMDEDGT

Es ist mal wieder der 5. des Monats und Frau Brüllen fragt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Die anderen Antworten gibt es drüben, meine steht hier:

Ich wache, wie eigentlich immer dieser Tage, viel zu früh auf. Schon um 5 Uhr morgens ist die Nacht vorbei, der Kopf ist an, die Gedankenspirale dreht sich. Ich lese mich durch Messages, Feeds und Timelines, grüble ewig über gestern und in den letzten Tagen Gesagtes, kuschle mit den Katzen (die links und rechts an mir dran klebend die Nacht verbracht haben) und schaue, ob mich die Müdigkeit noch einmal übermannt. Als das ausbleibt, gebe ich kurz nach 6 auf, werfe den Laptop an und beginne diesen Blogpost. Um die Zeit bis zum Aufstehen weiter sinnvoll zu nutzen, mache ich mich an das Aufsetzen eines Untermietvertrags, denn voraussichtlich ab Mitte April werde ich eine neue Mitbewohnerin haben. Dann sortiere ich noch ein paar wichtige Gedanken in eine Nachricht und stehe dann gegen halb 8 auf.

Ich mache mich und die Katzen fertig für den Tag, stecke mir ein wenig Kuchen vom Wochenende als Frühstück fürs Büro ein und mache mich zunächst auf den Weg zu einer ärztlichen Routineuntersuchung. Für mich überraschend ist Schienenersatzverkehr angesagt, so dass ich sowohl zeit- als auch streckentechnisch einen ziemlichen Umweg mache – wäre ich mal auf meiner Stammstrecke geblieben und wäre einfach paar Meter weiter gelaufen als sonst. So aber wirkt sich das ja wenigstens mit auf mein Tagesschrittziel aus und dass ich später ins Büro komme als sonst hatte ich sowieso eingeplant. Leider verpasse ich so unsere morgendliche Team-Kaffeerunde, aber irgendwas ist ja immer. Noch im Wartezimmer erreicht mich eine sehr aufmunternde Reaktion auf meine vorhin formulierte Nachricht und auf einmal ist der Tag viel sonniger.

Der Arztbesuch verläuft unspektakulär, danach geht es noch kurz in die Apotheke und dann ins Büro. Dort erwartet mich bereits ein Päckchen: Am Wochenende habe ich mir Visitenkarten designt und bestellt, die ich demnächst im privaten bzw. virtuellen Rahmen brauchen werde. Sie sehen toll aus und sind mangogelb. ❤

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Auf eine abgespeckte Kaffeerunde zu dritt folgt erst normales Arbeiten, dann ein längeres Meeting mit Vor- und Nachbereitung und dann ist es schon Mittag und ich gehe  mit der besten Kolleginnenfreundin nach draußen in die Pause. Der März hat sich am Faschingsdienstag als April verkleidet: Blauer Himmel, Sonne, Regen, Graupel… Alles innerhalb der einen Stunde, die wir draußen verbringen. Den Teil mit der Sonne nutzen wir für leckere Pasta auf einer Bank am Gendarmenmarkt. Der Nachmittag im Büro plätschert recht ereignislos vor sich hin, begleitet von vielen E-Mails und Abstimmungen mit Kolleg*innen vor Ort und in diversen anderen Ländern. Die vielen internationalen Kolleg*innen, die wegen der ITB in der Stadt sind, bringen etwas zusätzliche Farbe in den Büroalltag, ebenso das gesharete Dokument mit Bild und Text, an dem ich zusammen mit diversen anderen Kolleg*innen gleichzeitig arbeite.

Am späteren Nachmittag wird ein zweiter Kaffee nötig, weil der Tag ja doch recht früh begann. Nebenbei koordinieren der Hase und ich unsere Abendplanung und wer wann was mit der Waschmaschine anstellen sollte, damit er für seinen Wochenendtrip nach Prag saubere und trockene Klamotten hat – die Freuden des neuen Beziehungs- bzw. WG-Status’. Den Feierabend verbringe ich dann mit einer lieben Kollegin zunächst mit Heißgetränken und Baklava, dann mit vietnamesischen Tapas und einem Cocktail – kein einziges Foto wird davon gemacht. Natürlich wird auch wieder sehr viel geredet, aber das ist trotz teilweise schwierigen Inhalts sehr sehr angenehm und toll. Wir wohnen ungefähr in derselben Gegend, deswegen haben wir noch eine ganze Strecke Heimweg zusammen und auch sie kennt jetzt mein Stammcafé und weiß, wo mein Haus wohnt 😉

Gegen 11 bin ich zuhause, kaufe mir schnell noch ein Tickets fürs diesjährige 20. Immergut (Boah bin ich alt!) und gehe dann hundemüde ins Bett.

 

So viel Reden

Dieser Tage wird unheimlich viel geredet. Ich habe gefühlt noch nie so viele emotionale Gespräche geführt, während der normale Alltag einfach weiterlief. Bleibt nur die Hoffnung, dass am Ende der Gespräche eine bessere Zukunft steht.

Gleich kommt noch jemand zum Reden, deswegen reicht es heute nicht einmal für die 1000 Fragen.

Ab morgen dann wieder ausführliches Tagebuchbloggen, ja?

Sonntagsschnipsel: Long lost cousins & Eigen- vs. Fremdwahrnehmung

Long Lost Cousins

Was ich ja bei den London-Bemerknissen gestern noch völlig vergessen habe, ist die absurde Begegnung am Flughafen. Leider war ich am Montag noch ziemlich durch den Wind von den Ereignissen des Wochenendes, daher habe ich nicht ganz so reagiert, wie ich es mir im Nachhinein gewünscht hätte, als die Beamtin bei der Einreise völlig ungläubig auf meinen Perso schaute und es dann aus ihr herausplatzte: “I have the same surname! I can’t believe it, that has never happened to me, ever!” Zunächst dachte mein Kopf nur: Ja, mir auch nicht, witziger Zufall. Dann: Oh, sie hat den gleichen Nachnamen wie ICH! Und sie wohnt in England! Ich brachte also ebenso meine Verwunderung und erfreute Überraschung zum Ausdruck. Dann wurde es aber noch cooler: Sie erzählte mir, wie vor vier Generationen einer ihrer Vorfahren von Frankfurt nach Parma ausgewandert sei und den Nachnamen dann immer weiter vererbt hatte. Dabei zählte sie die Namen ihres italienischen Vaters, Großvaters, Urgroßvaters und Urgroßvaters auf. Familie ist ja in Italien sehr wichtig und ich kann mir gut vorstellen, wie diese Geschichte seit Jahr und Tag herumgereicht wird, wenn jemand eines der Familienmitglieder auf den ungewöhnlichen Nachnamen anspricht (Wie, ein Name ohne Vokal am Ende? Und dann ist der Konsonant nichtmal ein N?!).

Ich stellte dann also (müde und ein bisschen dumm) fest, dass sie ja gar keine Engländerin, sondern Italienerin sei. Sie bestand auf 15/16 Italienerin und 1/16 Deutsche und fragte mich dann, ob wir denn entfernte Cousinen sein könnten und ob wir mit dem Autohersteller verwandt seien. Ich bestätigte, dass meine Vorfahren vor diversen Generationen ungefähr aus dieser Ecke des Landes kämen und die vom Autohersteller auch. Dann meinte sie noch einmal, dass sie völlig überwältigt sei und wie schade es sei, dass sie mich nie mehr wiedersehen würde. Sie nannte mir noch ihren Vornamen (typisch italienisch und leider habe ich ihn nicht einmal genau gemerkt, denn er klang so ähnlich wie der meiner italienischen Ex-Schwiegermutter, so dass ich nicht nochmal nachfragte, um mich rückzuversichern) und gab mir meinen Perso zurück. Ich habe seitdem versucht, sie zu googlen, bin aber leider erfolglos geblieben. Wenn also jemanden meines Nachnamens in London (oder Parma oder sonst irgendwo in Italien) kennt: Lasst es mich wissen, ich hätte große Lust, das weiter zu verfolgen (und hoffe ein bisschen, dass sie mich vielleicht googlet, meine Daten hat sie ja).

 

Eigen- und Fremdwahrnehmung

In den letzten Tagen habe ich in den verschiedensten Zusammenhängen immer wieder viel über Eigen- und Fremdwahrnehmung nachgedacht, speziell im zwischenmenschlichen Bereich. Besonders augenfällig wurde das natürlich, wenn ich oder der Hase anderen von den neuesten Entwicklungen berichteten und uns dann hinterher die jeweiligen Reaktionen aus dem Umfeld erzählten. Diese reichten von Aussagen à la “Hmm, das war ja abzusehen.” bis “WAS?!!?? Wieso DAS DENN?!?”, ich glaube wir beide liegen mit unserer eigenen Wahrnehmung von innen irgendwo zwischen den beiden Extremen, wenn auch deutlich näher am Abzusehen-Rand. Aber das ist nicht das einzige Thema, in dem dieses Spannungsfeld eine Rolle spielte.

Neulich beim Karaoke zum Beispiel. Es war ein grandioser Abend, von dem ich heute immer noch zehre und ich freue mich schon unglaublich auf die angedachte Wiederholung in zwei Wochen. Nun war dieser Abend aber auch nicht komplett nur joy-sparking und neben dem Wundervollen war auch einiges anderes mit im Raum. Je nachdem, wie viel die Beteiligten im Vorhinein wussten, wurden von ihnen ganz unterschiedliche Stimmungen und Schwingungen im Bezug auf verschiedene Situationen wahrgenommen. So bekam ich im Laufe des Abends und auch im Nachgang zum Beispiel sehr viel Mitgefühl wegen einer Sache ausgesprochen, von der meine lieben Freund*innen dachten, sie würde mir sehr zu Herzen gehen und mir den Abend versauen. In Wirklichkeit war mir diese spezielle Sache hingegen total Banane. Meine Grundstimmung war halt nicht ganz wolkenfrei und es gab stattdessen auch noch etwas völlig anderes, das mich immer mal wieder ein wenig herunterzog, aber abgesehen davon war mein Abend – wie schon gesagt – grandios.

In noch einer dritten Angelegenheit tauchte das Thema auch wieder auf: eine Situation, die von außen relativ eindeutig nach einer bestimmten Deutung aussieht, sich von innen und für die direkt Beteiligten aber völlig anders anfühlt. Nicht immer einfach und auch nicht unbedingt eindeutig, aber doch deutlich anders, als vom Umfeld immer wieder unterstellt. Trotzdem scheint es, als müsse man sich auch mit der Fremdwahrnehmung auseinandersetzen, wobei ich persönlich die Leute ja gerne einfach reden lassen würde.

Meine eigene Wahrnehmung von mir selbst ist übrigens, dass ich eher zu den Oversharern gehöre, ziemlich frei heraus jedem ungefähr alles von mir erzähle und mich den Leuten eher zu viel als zu wenig öffne. Ich bekam jetzt aber von mehreren Seiten das Feedback, dass ich ja eher still und verschlossen sei und die Dinge eher mit mir selbst ausmache. Darüber möchte ich mal ausführlicher nachdenken, deswegen schreibe ich das auch mit auf.

Und schlussendlich erfuhr ich noch von noch einer weiteren Sache, in der eine völlig harmlose Begebenheit von Menschen mit einem völlig anderen Mindset und Erfahrungshorizont zu einem riesigen Problem aufgebauscht wurde, das dann wiederum Auswirkungen auf den Umgang miteinander hatte, die völlig unnötig gewesen wären. Spätestens in diesem letzten Punkt finde ich es dann nicht mehr ganz so egal, was die Leute reden und denken.

London-Bemerknisse

Anfang der Woche weilte ich, wie bereits bekannt, aus beruflichen Gründen für drei Tage in London. Der Großteil der Zeit war vollgepackt mit kleinen und großen Meetings mit Kolleg*innen aus Deutschland, Polen, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Irland, Mexiko, Indien, den USA und natürlich Großbritannien – über diverse Hierarchieebenen hinweg bis eine Stufe unter dem CEO unseres international agierenden, börsennotierten Unternehmens. Verkehrssprache war Englisch, mit kürzeren Ausflügen ins Französische, Italienische, Niederländische und natürlich ins Deutsche. Zwischendurch schwirrte mir also ganz schön der Kopf, auch gesamtsituationsbedingt natürlich.

Trotzdem habe ich es auch noch geschafft, an diesen drei Tagen meine beiden Londoner Must-haves unterzubringen: Einen Besuch beim Stamminder und ein Großeinkauf der besten Kekse der Welt.

Den Stamminder habe ich 2008 entdeckt, als ich mit Freund*innen im Sommer einen Roadtrip durch Südengland machte. Eine in England lebende Bekannte mit indischen Wurzeln hatte mir die Drummond Street als Adresse für authentische indische Küche empfohlen und als wir dort hindurch spazierten, war es der Name Ravi Shankar, der mir natürlich sofort ins Auge sprang und mich zum Hineingehen verführte. Es war wirklich sehr lecker und so kehrte ich dann auch 2012, als ich das nächste Mal in London war (übrigens kurz nachdem der Hase und ich zusammengekommen waren, Ironie des Schicksals), gleich zweimal wieder dort ein. Und eben jetzt am Montag. Es war wieder großartig!

Die Kekse hingegen kenne ich bereits seit über 20 Jahren (aua, jetzt fühle ich mich alt), seit meiner ersten Sprachreise 1998. Damals entdeckte ich den Laden in den Lanes in Brighton und weil ich mich nicht entscheiden konnte, bestellte ich einfach einen (oder zwei?) von jeder Sorte – für sehr sehr viele Pfund, vor allem für mein 15-jähriges Ich. Seit damals sind diese weichen, köstlich gewürzten und mit raffinierten Toppings versehenen Cookies mein Gold Standard, was Kekse angeht. 1999 und 2000 war ich wieder dort und kaufte wieder. Und dann natürlich auch 2008 und 2012. In den letzten Jahren brachte mir mein Bruder regelmäßig die Kekse mit, wenn er aus England zu Besuch kam – mir fällt gerade ein, dass wir bei unserem letzten England-Besuch 2016 gar keine essen konnten, weil unsere Reiseroute zu weit ab von jeglichen Filialen lag. Aber da hatten wir ja schon die regelmäßige Quelle aufgetan. Diese Woche jedenfalls habe ich mich selbst wieder mit den Keksen versorgt – und auch schon mit einigen ausgewählten Menschen geteilt.

Ansonsten fand ich an London noch spannend, dass es immer noch sehr viel internationaler ist, als Berlin – obwohl Berlin in den letzten Jahren schon deutlich aufgeholt hat. Das Büro ist sowieso international, die U-Bahnen sind voll mit Menschen, denen man den Migrationshintergrund auf den ersten Blick ansieht und in der Gastronomie abseits des Stamminders dominierten Servicekräfte aus östlichen EU-Ländern. Angesichts all dessen wirkt diese ganze Brexit-Scheiße noch viel absurder und beängstigender als sonst schon.

Das zweite Spannende: Ich habe absolut null Bargeld benötigt. Überall konnte man kontaktlos mit der Kreditkarte bezahlen – im Supermarkt, im Keksladen, im Restaurant, an der Pub-Theke… sogar beim Bahnfahren fiel dadurch der lästige Ticketkauf komplett aus – einfach Kreditkarte an die Sensoren halten, die sonst für die Monatskarten da sind und fertig. Ist sogar deutlich günstiger, als die normalen Tickets, zumindest bei mehreren Fahrten am Tag.

So fühlt sich also diese “Zukunft” an. Berlin, Du hast noch viel aufzuholen. Aber wenigstens bleibst Du in der EU!

Im März werde ich…

  • mir vor allem sehr viel Gutes tun, in jeglicher Hinsicht, und gut auf mich achtgeben
  • ein mir sehr wichtiges Gespräch führen und dabei die besten Kekse der Welt teilen (Check)
  • viel Organisatorisches zu klären haben (erste Schritte sind bereits gemacht)
  • viel sortieren – Gefühle, Gedanken, Gegenstände, Geldangelegenheiten…
  • endlich Georgisch essen gehen
  • drei weitere Tierarztbesuche absolvieren (lassen)
  • evtl. eine Pressekonferenz besuchen
  • nicht nach Prag fahren
  • den Frauentag in irgendeiner anderen Form begehen
  • mit zwei meiner Cousinen ihre Geburtstage nachfeiern
  • hoffentlich noch ein weiteres Mal konspirativ musizieren, bzw. dabei zuhören
  • das beste Fräulein der Welt endlich wiedertreffen
  • ein weiteres Mal Karaoke singen gehen – hoffentlich wird es genauso großartig wie beim letzten Mal
  • den St. Patrick’s Day in irgendeiner Form begehen
  • viel arbeiten – im Job, im Ehrenamt und auch zuhause
  • viele Freunde treffen, bzw. mit ihnen kommunizieren
  • vielleicht mal ein Wochenende wegfahren
  • weiterhin die Nächte mit den zwei schnurrenden Fellknäueln verbringen

 

(Inspiriert von Frische Brise, die diese Tradition meines Erachtens angefangen hat. In meinem Feedreader macht das außerdem auch Frau Brüllen regelmäßig.)