Von neuen Betten und alten Träumen

Ich habe sogar bis um 6 geschlafen, in der ersten Nacht im neuen Bett. Das klingt nicht lange, aber erstens schlafe ich ja sonst gerade nur bis 5 und zweitens war ich schon halb 11 im Bett und habe geschlafen. Voll gut also. Und da ja ab morgen Abend erstmal Ostern ist und ich unterwegs sein und länger aufbleiben werde, verschiebt sich mein Schlaffenster hoffentlich auch wieder in humanere Gefilde… Sehr toll war übrigens auch, dass ich genau in der Mitte des 1,60 m breiten Betts aufgewacht bin und nicht auf nur einer Seite. Das Bett sieht ja eh wie die riesige Version eines Einzelbetts aus und ich gedenke, es für lange Zeit genau als solches zu nutzen. Dann genau in der Mitte zu liegen fühlt sich unglaublich luxuriös und irgendwie empowernd an. Yay!

Ansonsten war der Tag heute mental deutlich weniger aufreibend als der gestrige und die Wogen haben sich wieder geglättet. Dafür war es aber auf Arbeit relativ stressig und ohne all das zusätzliche Adrenalin von gestern bin ich heute einfach nur noch müde. Deswegen geht es jetzt nach begeistertem Lesen des Bärenbuchs – das einige Fragen beantwortet und viele neue aufgeworfen hat – und einem ausführlichen Schwumm in der Badewanne einfach ins Bett – Akkus aufladen!

PS: Als ich heute im Büro erzählte, dass ich über Ostern in Rostock bin, wurde ich gefragt ob ich dort eigentlich noch eine Wohnung habe. Ja, manchmal fühlt es sich wirklich so an und ich träume auch nach 11 Jahren in Berlin immer wieder davon, dass es da ja noch diese Wohnung in Rostock gibt. Übrigens eine, in der ich nie gelebt habe – eine kleine 1-Zimmer-Wohnung irgendwo zwischen Dobi, Lindenpark und Schröderplatz und mit hellgrün gestrichenen Wänden, in der ich im Traum normalerweise meine Wochenenden verbringe. Verrückte Sache das. Zum Glück gibt es viele Wohnungen in Rostock, in denen ich immer wieder willkommen bin, sonst müsste ich anfangen, Lotto zu spielen… (Und gewönne ich, hätte ich natürlich eine Wohnung viel näher am Törtchenlokal, manchmal verstehe ich mein Traum-Ich nicht!)

Über Betten und Spiegel und Lösungen

Heute war schon wieder so ein produktiver Tag. Es galt, neben den normalen samstäglichen Verpflichtungen wie Wäsche waschen, Geschirrspüler laufen lassen und leeren und Müll runterbringen auch, dem Kater sein Schmerzmittel zu verabreichen, meine Schlafstatt der letzten Tage zusammenzuräumen und ein Zimmer weiter zu bugsieren (die Matratze muss sich 72 Stunden ausdehnen, deswegen schlafe ich weiter auf dem Sofa – allerdings jetzt dann im Wohnzimmer) und dann mein neues Bett aufzubauen.

Bei den letzten beiden Programmpunkten halfen mir Mama und Bruder und von der Koordination der Uhrzeit über das Verteilen und Durchführen der Arbeitsschritte bis hin zum fertigen Bett war ich gereizt. Eigentlich lieg alles wie am Schnürchen, aber ich war ungeduldig, gestresst und im Kopf immer schon drei Schritte weiter. Heraus kam der eine oder andere ungewollt scharfe Ton und der hielt mir dann gleich mal den Spiegel vor. Genau das, was ich mitunter so schlimm finde und an anderen kritisiere, habe ich selbst gemacht. Ekelig. Tut mir leid!

Ich weiß aber auch, was und warum mich so gestresst hat und am Ende war das alles gar nicht nötig – ich habe nämlich gut alles geschafft und hatte dann noch über eine Stunde Couchzeit, bis ich zu meinem Abendtermin losmusste. Alles easy. Eigentlich. Muss ich mir fürs nächste Mal merken.

Apropos fürs nächste Mal merken: Wenn man eine milchige Lösung in den Kater bekommen will, ist es eine gute Idee, sie in einer anderen milchigen Lösung (aka Milch) zu verstecken. Gut, dass ich ausnahmsweise welche da hatte!

#12v12 im April 2019

An jedem 12. machen Blogger*innen zwölf Fotos von ihrem Alltag. Die anderen gibt es drüben bei Caro, meine sind hier:

Puh, war das ein Tag. Selten war ein 12. so prädestiniert dafür, vertagebuchbloggt zu werden. Und selten habe ich mich vor einem Tag im Homeoffice so ob der Logistik gestresst. Am Ende ist dann allerdings fast alles gut gegangen und jetzt bin ich extrem erleichtert, rechtschaffen müde und sowas von bereit fürs Wochenende…

Der Tag begann mit einem Zahnarzttermin für Nimbin, dem Zahnstein entfernt und ein kleiner Zahn gezogen werden musste. So gesehen begann der Tag schon gestern Abend, denn vor der Narkose durfte er 12 Stunden lang nichts essen. Das bedeutete auch für Noosa und mich mitfasten, und zwar ab 21 Uhr. Morgens war ich dann etwas nervös, was die Katzen zum ausbleibenden Frühstück sagen würden – zum Glück war der Termin schon um 9.

Nachdem mich Nimbin gegen halb 7 geweckt hatte, tat ich ganz lange so, als würde ich noch weiterschlafen, um zu suggerieren es sei noch gar nicht Frühstückszeit.

 

Als dann auch mein tatsächlicher Wecker geklingelt hatte und die Blase drückte, musste ich zwangsläufig aufstehen, lenkte Nimbin aber mit einer Fensterrentner-Session ab, das liebt er.

 

Dann verklickerte ich ihm, dass er heute zum Zahnarzt muss – der Blick spricht Bände!

 

Die Transportkiste wurde mit Kuscheldecke und Katzeninze präpariert und während ich versuchte, Nimbin willenlos zu streicheln, wurde Noosa zwischenzeitlich sehr neugierig.

 

Dann ging alles sehr schnell, Kater in die Box, Box in die Tram, ab zum Tierarzt.

 

Wieder zuhause fragt Noosa aufgebracht, wo ich denn ihren Bruder gelassen hätte.

 

Ich fahre den Arbeitslaptop hoch und setze mich ins Schaukelstuhl-Office, bis es Zeit wird, Nimbin wieder abzuholen. Auf dem Heimweg passiert mein Alptraum: Die Transportkiste geht kaputt und knallt auf den Boden. Oben und an der Seite liegen die Türen jetzt locker auf und lassen sich nicht mehr verschließen. Zum Glück ist Nimbin noch so benommen und ängstlich, dass er sich nicht unter seiner Kuscheldecke hervorwagt und ich ihn sicher nach Hause bringen kann. Die Box ist jedoch hin und bis zur Kontrolle in zwei Wochen muss ich Ersatz besorgen. Außerdem bekommt der kleine Racker jetzt morgens ein paar Tage Schmerzmittel.

 

Ich arbeite weiter, bis es klingelt. Erst wird mein neuer Kühlschrank geliefert…

 

…und zwei Stunden später dann mein neues Bett, dass morgen noch mit vereinten Kräften zusammengebaut wird.

 

Nach Feierabend gehe ich noch kurz etwas einkaufen, so ein Kühlschrank will ja auch gefüllt werden, und dann gibt es Abendbrot: Warmes Naan aus dem Ofen mit Avocado und Tomaten. Hinterher wird noch ein wenig geräumt – der Hase und einer seiner zukünftigen Mitbewohner sind da, um schon mal einen kleinen Teil des Auszugs anzugehen.

 

Später am Abend ist der neue Kühlschrank einsatzbereit und wird von mir bestückt. Der vom Hasen darf jetzt abtauen und in zwei Wochen dann ausziehen in sein neues Quartier.

 

Und jetzt geht es in die wohlverdiente Badewanne und danach für eine letzte Nacht ins provisorische Sofa-Bett!

London-Bemerknisse

Anfang der Woche weilte ich, wie bereits bekannt, aus beruflichen Gründen für drei Tage in London. Der Großteil der Zeit war vollgepackt mit kleinen und großen Meetings mit Kolleg*innen aus Deutschland, Polen, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Irland, Mexiko, Indien, den USA und natürlich Großbritannien – über diverse Hierarchieebenen hinweg bis eine Stufe unter dem CEO unseres international agierenden, börsennotierten Unternehmens. Verkehrssprache war Englisch, mit kürzeren Ausflügen ins Französische, Italienische, Niederländische und natürlich ins Deutsche. Zwischendurch schwirrte mir also ganz schön der Kopf, auch gesamtsituationsbedingt natürlich.

Trotzdem habe ich es auch noch geschafft, an diesen drei Tagen meine beiden Londoner Must-haves unterzubringen: Einen Besuch beim Stamminder und ein Großeinkauf der besten Kekse der Welt.

Den Stamminder habe ich 2008 entdeckt, als ich mit Freund*innen im Sommer einen Roadtrip durch Südengland machte. Eine in England lebende Bekannte mit indischen Wurzeln hatte mir die Drummond Street als Adresse für authentische indische Küche empfohlen und als wir dort hindurch spazierten, war es der Name Ravi Shankar, der mir natürlich sofort ins Auge sprang und mich zum Hineingehen verführte. Es war wirklich sehr lecker und so kehrte ich dann auch 2012, als ich das nächste Mal in London war (übrigens kurz nachdem der Hase und ich zusammengekommen waren, Ironie des Schicksals), gleich zweimal wieder dort ein. Und eben jetzt am Montag. Es war wieder großartig!

Die Kekse hingegen kenne ich bereits seit über 20 Jahren (aua, jetzt fühle ich mich alt), seit meiner ersten Sprachreise 1998. Damals entdeckte ich den Laden in den Lanes in Brighton und weil ich mich nicht entscheiden konnte, bestellte ich einfach einen (oder zwei?) von jeder Sorte – für sehr sehr viele Pfund, vor allem für mein 15-jähriges Ich. Seit damals sind diese weichen, köstlich gewürzten und mit raffinierten Toppings versehenen Cookies mein Gold Standard, was Kekse angeht. 1999 und 2000 war ich wieder dort und kaufte wieder. Und dann natürlich auch 2008 und 2012. In den letzten Jahren brachte mir mein Bruder regelmäßig die Kekse mit, wenn er aus England zu Besuch kam – mir fällt gerade ein, dass wir bei unserem letzten England-Besuch 2016 gar keine essen konnten, weil unsere Reiseroute zu weit ab von jeglichen Filialen lag. Aber da hatten wir ja schon die regelmäßige Quelle aufgetan. Diese Woche jedenfalls habe ich mich selbst wieder mit den Keksen versorgt – und auch schon mit einigen ausgewählten Menschen geteilt.

Ansonsten fand ich an London noch spannend, dass es immer noch sehr viel internationaler ist, als Berlin – obwohl Berlin in den letzten Jahren schon deutlich aufgeholt hat. Das Büro ist sowieso international, die U-Bahnen sind voll mit Menschen, denen man den Migrationshintergrund auf den ersten Blick ansieht und in der Gastronomie abseits des Stamminders dominierten Servicekräfte aus östlichen EU-Ländern. Angesichts all dessen wirkt diese ganze Brexit-Scheiße noch viel absurder und beängstigender als sonst schon.

Das zweite Spannende: Ich habe absolut null Bargeld benötigt. Überall konnte man kontaktlos mit der Kreditkarte bezahlen – im Supermarkt, im Keksladen, im Restaurant, an der Pub-Theke… sogar beim Bahnfahren fiel dadurch der lästige Ticketkauf komplett aus – einfach Kreditkarte an die Sensoren halten, die sonst für die Monatskarten da sind und fertig. Ist sogar deutlich günstiger, als die normalen Tickets, zumindest bei mehreren Fahrten am Tag.

So fühlt sich also diese “Zukunft” an. Berlin, Du hast noch viel aufzuholen. Aber wenigstens bleibst Du in der EU!

Ein langer Abend und 1000 Fragen

Der Abend heute wird etwas länger werden, deshalb bleibt wohl keine Zeit für einen schönen Text über Piraten am Arbeitsplatz und konspirative musikalische Ereignisse. Stattdessen haue ich einfach die nächsten zehn der 1000 Fragen an mich selbst raus und vertage eine etwaige Berichterstattung auf morgen.

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

 

41. Trennst du deinen Müll?

Ich wollte gerade “nicht sklavisch” schreiben, weiß aber aus vergangenen Auslandserfahrungen, das schon das halbherzige Mülltrennen in Deutschland recht sklavisch wirken kann. Grundsätzlich trenne ich Müll, aber spüle keine Joghurtbecher aus und trenne nicht jedes Stück Verpackung in seine einzelnen Bestandteile auf. Der Teebeutel landet vollständig im Bio-Müll, der Milchkarton in der gelben Tonne, die Flasche mit Etikett im Altglas und der Briefumschlag trotz Fenster im Papiermüll. Dafür versuche ich aber, daran zu denken, dass Kassenbons in den Restmüll gehören.

 

42. Warst du gut in der Schule?

Am Anfang sehr gut, dann viele Jahre lang gut, dann kurz mehr so mittelgut und am Ende wieder ziemlich gut. Der Wechsel aufs Gymnasium und die heiße Phase der Pubertät hinterließen jeweils ihre Spuren, kurz vorm Abi habe ich dann nochmal angezogen und kam am Ende mit einer 2,1 da raus.

 

43. Wie lange stehst du normalerweise unter der Dusche?

Normalerweise kürzer als ein herkömmlicher Popsong – der Hase ist immer völlig von den Socken, wie schnell das geht. Wenn ich Haare waschen muss oder sonstige Dinge zu erledigen habe, kann es auch mal etwas länger dauern (aber maximal 5 Minuten). Für alles Längere gibt es die Badewanne, das liegt mir mehr. (Pun intended)

 

44. Glaubst du, dass es außerirdisches Leben gibt?

Leben bestimmt. Wie weit dieses entwickelt ist, wage ich nicht zu spekulieren. Und selbst wenn es irgendwo weit entwickeltes und bewusstes Leben gibt, halte ich die Wahrscheinlichkeit für sehr gering, das wir ihm begegnen werden. Weil ist ja groß, das Draußen.

 

45. Um wie viel Uhr stehst du in der Regel auf?

Während der Woche um 8, am Wochenende stark schwankend, aber sicher nicht vor 9.

 

46. Feierst du immer deinen Geburtstag?

Aber sowas von! Der wichtigste und schönste und außerdem längste Tag des Jahres! (Und Sommeranfang ist außerdem.) Eigentlich halte ich es gerne mit Lorelai Gilmore und Nilz Bokelberg und feiere meine Geburtstagswoche!

 

47. Wie oft am Tag bist du auf Facebook?

Der Tab ist eigentlich immer offen, was aber nicht heißt, dass ich da ständig aktiv bin. Nur, dass es schwer zu quantifizieren ist. Unterwegs hängt es vom Grad meiner Langeweile und der Frequenz meiner Notifications ab. Auf meinem Handy waren es laut Bildschirmzeit-Bericht letzte Woche 2 Stunden 40 min, verteilt auf 7 Tage.

 

48. Welchen Raum in deiner Wohnung magst du am liebsten?

Im Moment ist es das Wohnzimmer, da stehen meine Lieblingscouch, der Esstisch, das Klavier, der Fernseher… Und man kann durchs große Fenster auf den Balkon und nach draußen gucken. Eigentlich soll die Bibliothek mal der Lieblingsraum werden (Bücherwände! Sessel! Schaukelstuhl! Noch ein Sofa!), aber die ist gerade noch mehr Rumpelkammer als alles andere…
49. Wann hast du zuletzt einen Hund (oder ein anderes Tier) gestreichelt?

Heute morgen beide Katzen.
50. Was kannst du richtig gut?

Mir wird öfters unterstellt, ich könne gut schreiben bzw. Dinge formulieren (und dann auch noch mit “so unglaublich viel Fingerspitzengefühl”!). Da ich mich aber – wie wohl alle – immer mit denen vergleiche, die es besser können, traue ich dieser Art Komplimenten nicht immer. Mein Englisch ist auch ganz in Ordnung, mein Italienisch reicht für Gespräche über das Essen und das mit der Tomatensauce habe ich inzwischen auch einigermaßen raus 😉 (Der Hase findet auch, ich könnte unglaublich gut still liegen und mich nicht bewegen, deswegen schlafen die Katzen so gerne auf mir.)

Wie der Januar riecht

So, nachdem ich den laut maunzenden und über die Tastatur wetzenden Kater ruhig gestellt habe, kann ich jetzt aufschreiben, wie der Monat für mich gerochen hat. Andere olfaktorische Erinnerungen gibt es zum Beispiel bei Ijuno und bestimmt auch bald beim liebsten Fräulein der Welt, das sich diese Beitragsreihe ausgedacht hat. Für den nervigen Kater riecht der Januar am Ende übrigens nach Katzenminze auf einem Kuschelkissen…

Der Januar riecht zunächst einmal nach eingemummeltem Couchen, Katzenfell und Süßkram. Dann aber riecht er nach freien Ferientagen, Kleinkindköpfen und Erfrischungstüchern. Nach Sardellen, Knoblauch und Bacon duftet der Caesar Salad, mit dem wir beim Mobster Dinner das Jahr einläuten. Der Januar riecht nach den Büchern in den Regalen der Böse Buben Bar,

Nach großer Wiedersehensfreude riecht der Januar ebenso wie nach Unsicherheiten und vorsichtigem Herantasten. Ein Schritt vor, zwei zurück und dann vielleicht doch wieder einer vor? Nach Missverständnissen und unbedachten Worten ebenso wie nach sehr sorgfältig gewählten Worten, klärenden Gesprächen und großer Erleichterung.

Der Januar riecht oft nach Schweiß – in überhitzten Bahnen, Büros, Meetingräumen und Diskussionen ebenso wie beim Sport oder beim schweißgebadeten Aufwachen nach unruhigen Träumen.

Er riecht nach viel Papier und Druckerschwärze und Klebebandresten an den Fingern. Nach köstlichen Pancakes, Blinis, Crêpes und Quesadillas riecht er zum Glück auch. Außerdem nach Zitrusfrüchten, Tee und Thymianhänden. Nach jamaikanischer Küche und einer Brise jamaikanischer Lebensart in der Luft.

Der Januar duftet nach Heimlichkeiten, jeder Menge Organisation und Koordination und glücklich gemachten Menschen. Nach Indien, das sich in den Falten von T-Shirts und Tüchern versteckt gehalten hat. Nach Kuchen und Muffins, nach Schampus und Steak und gutem Wein. Nach regennassem Asphalt riecht der Januar, nach gestohlenen Sonnenstrahlen und ab und zu sogar nach Schnee. Er duftet nach Hochzeitsblumen und Vogelhochzeitssüßigkeiten und den Ledersitzen in einem “was schattigen Auto”.

Nach Angekommensein und Nähe riecht der Januar ebenso wie immer wieder auch nach Fallen und Angst und Ungewissheit. Am Ende riecht er sehr chaotisch, nach Granatapfel-Cupcake und Smoothies, nach Eis und Yogamatten, nach Torte und Bier.

Der Januar ist ein langer Monat und prall gefüllt mit Leben, vieles vom guten und so manches vom schlechten ist darunter. Und ganz am Schluss, da riecht der Januar nach Zuversicht und Lachen und Vorfreude auf alles, was noch kommen mag.

 

PS: 30 Plakate abgeknibbelt, 30 Plakate aufgehängt. For those who count.

So viel Flausch

Das war ein toller Tag heute und da ich sogar trotz allem, was gerade los ist, schon um 7 zuhause war, kann ich heute auch wieder in ganzen Sätzen bloggen. Jemand wird sich bestimmt darüber freuen. 😉

Nach endlich mal wieder einer normal großen Portion Schlaf ging heute alles etwas leichter von der Hand als gestern. Auf dem Weg ins Büro hörte ich den gestern begonnenen Podcast zu Ende. Auf Arbeit jagte dann wieder eine Aufgabe die nächste, aber zwischendurch gab es immer wieder schöne Unterbrechungen.

Zunächst stand unser monatliches Team-Brunch an und eine Kollegin in Elternzeit besuchte uns dazu mit ihrem Baby. Die Stimmung in unserem Team ist im Moment sowas von flauschig und familiär, dass sich das Arbeiten mal wieder so anfühlt, wie mit Freunden abzuhängen. Ähnliches schrieb ich glaube ich auch schon vor 8 Jahren über den gleichen Job und es ist toll, dass diese Phasen auch jetzt immer noch wieder auftreten! Kurz nach dem Brunch verabschiedeten wir dann eine liebe Kollegin, die uns morgen in Richtung Bald-nicht-mehr-EU verlässt, aber als Kollegin erhalten bleiben wird. Und wenn dann so an die 50 Leute zusammenstehen, die sich irgendwie doch sehr gerne mögen, dann flauscht es doch sehr ordentlich.

Später verbrachte ich eine sehr schöne Mittagspause – nachdem sie schon vorgestern und gestern verschoben werden musste – mit lieben Menschen* (und aufgrund des Brunchs fast ganz ohne Essen) und tollen Gesprächen, die uns von den aktuellen Geschehnissen auf Arbeit über soziale Medien bis hin zu einer kleinen Geschichtslektion und der Erkenntnis brachten, dass wer in unserer Generation in Westdeutschland aufwuchs ohne Verwandtschaft in Ostdeutschland zu haben, so ungefähr gar nichts über das Alltagsleben in der DDR weiß. Muss auch ich mir immer wieder vor Augen führen, weil das natürlich auch im Umgang mit westdeutsch Sozialisierten immer wieder zu Mentalitäts- und Befindlichkeitskonflikten führt. Direkt im Anschluss an die Pause konnte ich dann noch ein Thema ansprechen, das mir schon seit Tagen unter den Nägeln brannte und bekam darauf ziemlich genau die bestmögliche Antwort.

Dann hatte ich die Gelegenheit, einem ganz besonderen Treffen beizuwohnen, das mir einen weiteren Aspekt meiner Arbeit näherbrachte. Hinterher gab es Craft Beer für alle und eine Menge Event-Tickets wurde verlost, wobei ich völlig entgegen meiner Interessen Karten für die Volleyball-Bundesliga gewann. Da ich aber bei weitem nicht die einzige war, kann ich mir durchaus vorstellen, dort dann auch in netter Gesellschaft hinzugehen und eine gute Zeit zu haben.

Mitten während der Verlosung meldete sich dann auch noch der Hase mit super Nachrichten, die uns beiden jede Menge Geröll vom Herzen plumpsen und entspannter in die Zukunft schauen lassen. Jetzt hoffe ich sehr, in spätestens einem Monat nochmal ähnliche Nachrichten aus einer anderen Richtung zu hören, dann bin ich sehr optimistisch, dass das Jahr ebenso flauschig weitergeht, wie es angefangen hat.

 

Und jetzt zum Schluss doch noch eine kleine Liste, bevor ich mich mit Serien und Katzen auf die Couch verziehe:

  • auch heute wieder meditiert, läuft mit den Vorsätzen
  • auch heute wieder kein Fleisch gegessen (immer noch nicht wieder nach dem großen Fleisch-Fest vor anderthalb Wochen, allerdings gab es ab und an Fisch, was sich aber irgendwie weniger schlimm anfühlt)
  • 30 Plakate abgeknibbelt, 30 Plakate aufgehängt
  • Red Lager, Pale Ale und Berliner Weiße verkostet

 

*All diese Menschen waren Kolleg*innen, nicht alle diese Kolleg*innen sind “nur” Kolleg*innen für mich. Labels sind doof, Menschen ist ein schöner Überbegriff. So.

Noch ne Liste

Auch heute ist wieder so ein Tag, der nur mit einer schnellen Liste zu fassen ist. Es wird bald auch wieder ausformuliertere Blogposts geben, ich schwör!

  • Kurz nach 3 aufgewacht und dann erstmal gute zwei Stunden wachgelegen, den Kopf voll mit tausend Dingen (To-Do-Liste für heute, Sorgen, Menschen, Zeug…), Buch ausgelesen (Anne Stern: Das Glück ist ein flüchtiger Vogel), auf Toilette gewesen, neues Buch angefangen (Stefan Zweig: Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers – Das goldene Zeitalter der Sicherheit), darüber dann wieder eingeschlafen, wüst geträumt und erst mit dem Weckerklingeln 7:30 wieder munter geworden
  • Meditiert (die Pause neulich dauerte wirklich nur die zwei Wochenendtage), fertig gemacht und zur Arbeit gefahren, unterwegs die neue Folge Marvelous Mrs Maisel Goys gehört
  • Im Büro angekommen, gehört dass ein Sorgen-Meeting auf den Nachmittag verschoben wurde, erstmal mit dem Team Kaffee geholt und unterwegs eine große Portion Kollegenstrahlen abgeholt
  • Einstündiger Call mit Dublin zu einem neuen Projekt
  • Mit dem Team Smoothies getrunken (wir feiern immer noch) und nach dem Kollegenstrahlen noch eine Kollegenumarmung abgesahnt
  • Etwas vor mich hin gearbeitet, dann das Sorgen-Meeting, dass zum Glück nicht ein befürchtetes Worst-Case-Szenario, sondern das absolute Best-Case-Szenario brachte inklusive Team-Jubel und weiteren Umarmungen
  • Mittagspause mit der besten Kollegenfreundin und dem besten Team, es gab Reste vom gestrigen Kartoffelauflauf
  • Call mit Warschau, London und Paris in Vorbereitung auf eine Dienstreise im Februar
  • Zweiwöchentliches Meeting und deswegen leider die Yoga-Session verpasst
  • Die Hälfte eines riesigen Stückes Schwarzwälder Kirschtorte gegessen und die andere Hälfte an bedürftigere Kollegen verteilt
  • Meditationskurs (zweite Meditation des Tages) mit ca. 15 anderen Kolleg*innen und es hat erstaunlich gut funktioniert, auch wenn meine Gedanken immer noch Achterbahn fuhren
  • Ende eines Calls mit Chicago noch mitbekommen – da war eigentlich schon Feierabend
  • 20 Plakate abgeknibbelt und 30 Plakate aufgehängt
  • Mit einer Überstunde das Büro verlassen und zu den Ellis spaziert, dort dann der ganzen Familie und dem Hasen Pellkartoffeln gegessen, erzählt und mit einem halben Ohr die Nachrichten aus England verfolgt
  • Heimweg, Bloggen, Bett – dringend!

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Vier Tage Stockholm – Essen, Sightseeing und Bemerknisse #loostockholm

Mittwoch morgens hinfliegen, Samstag abends zurück – eigentlich sind es nur zwei ganze und zwei halbe Tage, die wir in Stockholm verbringen. Und obwohl wir im Laufe der Zeit einige Punkte aus unserer To-Do-Liste werfen, haben wir in dieser kurzen Zeit wahnsinnig viel erlebt, wie ich beim Durchschauen der Fotos resümiere…

Essen

Da ich bei Facebook vor allem die Fotos vom Essen geteilt habe, kam bei einigen meiner Freunde scheinbar der Eindruck auf, dass wir die ganze Zeit nur mit Essen beschäftigt waren. Wer mir auf Twitter oder Instagram folgt, hat zumindest noch ein bisschen was drumherum mitbekommen. Nichtsdestotrotz war das Essen natürlich wie immer ein Schwerpunkt unserer Reise, gerade wo Stockholm für sein gutes Essen bekannt und die neue nordische Küche gerade so im Trend ist. Wir hielten es denn auch die ganze Zeit nordisch, aber schon eher traditionell als neu. Es gab:

  • Einen typisch schwedischen Lunch in der Gaststätte um die Ecke unseres AirBnBs. Traditionell bieten die meisten Restaurants einen Mittagstisch an, bei dem man ein Tagesgericht samt Salat, Brot, Butter und Kaffee zu einem vergleichsweise günstigen Preis bekommt. Der Hase nahm Fischrouladen in einer Schnittlauch-Sahne-Sauce mit Kartoffelbrei, für mich gab es gepökelten Schweinebauch mit Meerettich-Sauce und Salzkartoffeln. Außerdem gab es für mich einen Erdbeer-Cidre, der Hase begnügte sich mit Wasser.

Lunch

  • Eis im im Reiseführer hochgelobten Café Järntorget in Gamla Stan, das aber nicht so gut war, wie sein Ruf (auch wenn die Sorte Safran-Honig tatsächlich etwas für sich hatte).

Eis

  • Für den Hasen noch einen der allgegenwärtigen Hotdogs, nämlich beim Pølsemannen auf dem Medborgarplatz in Södermalm, genau da wo dieser Tage gegen Abschiebungen nach Afghanistan demonstriert wird und am Tag danach ein Jugendlicher einen Polizisten mit einem Messer angriff. Als wir da waren, war alles recht ruhig und wir freuten uns über die Demonstration. Der Hase wählte weiches Tunnbröd mit Chorizo, Kartoffelbrei, Ketchup, Senf und Röstzwiebeln

Hotdog

  • Ein Frühstück mit dunklem Brot, Västerbotten-Käse, Marmelade, Müsli und Joghurt bei unserer Gastgeberin
  • Traditionelle Fika mit Kaffee und diversen Sorten Kuchen und Gebäck (Blaubeertorte, Mandeltorte, Zimtschnecke…) vom Buffet im Freiluftmuseum Skansen

Fika

  • Ein Menü im Pelikan in Södermalm. Der Hase hatte Heringshappen und Käse zur Vorspeise sowie Rentierbraten mit Pilzen, Kartoffelkuchen und Rowanbeerengelee und ich ließ mir einen klassischen Toast Skagen und einen Krabbensalat mit Avocado und Ei sowie das lokale Pale Ale “100 Watt” schmecken

Rentier

  • Ein Menü an Bord des Dampfers S/S Storskaer, mit dem wir am Freitag durch einen Teil des Schärengartens schipperten. Hier teilten wir uns zur Vorspeise Heringshappen und eine Västerbotten-Käse-Pie mit Kaviar, dann gab es für mich kaltgeräucherten Lachs mit warmen Sahne-Dill-Kartoffeln und für den Hasen gebratenen Hering mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren. Ich gönnte mir dann noch einen wundervollen Nachtisch mit einem mit Schokolade umwickelten Brownie, Vanille-Eis, Erdbeer-Coulis und frischen Beeren

Lachs

  • Am Freitagabend gab es für mich Filmjölk mit Blåbärssoppa, wie früher immer bei unseren Schwedenaufenthalten (ich war als Kind immer mal “nur kurz auf der Durchreise” in Schweden und einmal dann auch etwas länger, da hatten wir 38°C im heißesten Sommer der schwedischen Wetteraufzeichnung) und für den Hasen eigentlich nichts mehr.

Filmjölk

  • Dann aber kam unsere Gastgeberin von einer Freundin zurück und brachte uns Surströmming mit, den berühmten fermentierten Fisch, der ganz fürchterlich stinkt, wenn man die Dose öffnet. Den servierte sie uns auf knusprigem Tünnbröd mit gekochten Kartoffeln, Schmand und roten Zwiebeln. Wenn man die Nase beim Essen “zu macht” schmeckt das ganz lecker, sehr umami. Außerdem sollte man die Dosen unter Wasser öffnen und nach dem Essen Geschirr, Besteck und sich selbst sofort sehr gründlich reinigen, sonst hat man noch tagelang Freude an dem Geruch!

Surströmming

  • Sonntag trafen wir Berliner Freunde, die am Vorabend angekommen waren in einem Café derselben Kette, deren Södermalmer Filiale das Stammcafé von Stieg Larsson war. Dort gab es Kardamomschnecken (nicht ganz so allgegenwärtig wie, aber noch leckerer und traditioneller als Zimtschnecken) und belegte Brote, die unabhängig vom sonstigen Belag alle eine Schicht Kalles Kaviar abbekommen hatten.

Frühstück

  • Mittags holte sich der Hase endlich einen Brathering-Burger von Nystekt Strömming an der Tunnelbana-Station Slussen, nachdem wir schon drei Tage lang unverrichteter Dinge um diesen Brathering-Stand herumgeschlichen waren. Für mich hingegen gab es Blaubeer-Sorbet und Birne-Kardamom-Eis bei StikkiNikki am Mariatorget

Brathering

  • Ganz zum Schluss gab es von unserer Gastgeberin noch Möhren mit auf den Weg, die sie gerade in ihrem Schrebergarten geerntet hatte. Dorthin hatte sie uns eigentlich noch für ein Stündchen einladen wollen, das haben wir dann aber zeitlich nicht mehr geschafft.

 

Sightseeing

Eigentlich waren unsere Sightseeing-Pläne noch viel größer, aber dann haben wir teilweise wegen Wetter, teilweise wegen Unlust und müder Füße doch ziemlich zusammengestrichen und waren zum Beispiel außer in Skansen in keinem einzigen Museum und sahen auch sonst keine Kirchen, Schlösser und ähnliches von innen. Übrig geblieben sind:

  • Spaziergänge rund um den Hafen, durch Gamla Stan, durch Södermalm und Norrmalm und durch den Wald und am Ufer bei unserer Unterkunft

Årstavik

  • Ein ausführlicher Besuch des Freiluftmuseums Skansen mit der Besichtigung von diversen Häusern aus unterschiedlichen Regionen und geschichtlichen Epochen Schwedens, dem Begucken von Elchen, Rentieren, Wölfen, Robben, Ottern und einem Vielfraß und der oben bereits beschriebenen Fika

Skansen

  • Die Millenium-Walking-Tour durch Södermalm, entlang an wichtigen Locations aus den Büchern und Filmen samt spannenden Hintergrundinformationen zu Leben und Werk von Stieg Larsson (nicht nur als Schriftsteller, sondern vor allem auch ls politischer Journalist und Aktivist gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Nationalismus) sowie zur Geschichte des Viertels selbst. Dabei wurde unsere Gruppe von einem französischen Fernsehteam begleitet und demnächst wird man uns dann wohl dort im Fernsehen sehen können – der Hase wurde sogar interviewt! Wir bekommen einen Link zugeschickt, wenn es soweit ist.

Millennium

  • Eine dreieinhalbstündige Dampfertour durch den Schärengarten, bei der wir neben dem Essen viel Zeit darauf verwendeten, uns zu überlegen, auf welcher der Schären und in welchem der Häuser wir denn gerne wohnen würden.

Schären

 

Bemerknisse

  • Ja, in Schweden gibt es tatsächlich überdurchschnittlich viele gut aussehende Menschen, da fühlten wir uns gleich wie zuhause.
  • Was Gleichberechtigung der Geschlechter angeht, ist man dort tatsächlich schon ein wenig weiter. Immer wieder begegneten uns zum Beispiel die Plakate für ein Festival, bei dem an zwei von drei Tagen Frauen die Headlinerinnen waren. Auf Festivals in Deutschland muss man ja hingegen ganz schön suchen, um überhaupt Frauen auf der Bühne zu finden.
  • Dass in Schweden vieles so fortschrittlich läuft, hat natürlich auch damit zu tun, wie gut es dem Land seit langer Zeit geht. Der letzte Krieg ist mehr als 100 Jahre her, nach dem zweiten Weltkrieg wurde man mit dem Wiederaufbau Europas und der großen Nachfrage nach den zwei Hauptressourcen, Holz und Eisen, reich und konnte sich so in aller Ruhe den vielgerühmten Sozialstaat aufbauen. Laut unserer Gastgeberin hat sich das in den letzten 20-30 Jahren allerdings wieder relativiert und auch in Schweden gibt es Gentrifizierung und eine sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich.
  • Religion spielt im Alltag so gut wie keine Rolle und ist in jedem Fall Privatsache. Zitat unserer Walking-Tour-Führerin: “Ich bin in meinem Berufsleben bestimmt viermal öfter danach gefragt worden, was ich verdiene, als ob ich religiös bin.”
  • Kaum ist man aus der Innenstadt raus, gibt es in Stockholm jede Menge Natur: Felsen, Bäume, Flechten… Und das Wasser ist ja sowieso überall, da die Stadt auf 14 Inseln liegt und davor dann noch bis zu 24.000 Schären “im Meer verstreut” sind.
  • Stockholm ist voller Kunst. Bauprojekte werden nur genehmigt, wenn ein gewisser Prozentsatz des Budgets für öffentlich zugängliche Kunst ausgegeben wird. Die Folge sind Skulpturen überall. Schizophrenerweise sind gleichzeitig Streetart und Graffiti nicht erlaubt und werden innerhalb von 24 Stunden entfernt, wenn sie gemeldet werden. Für das Melden gibt es sogar eine eigene App.
  • Unsere Gastgeberin war ein totaler Glücksgriff und wir hoffen, sie bald hier in Berlin wieder treffen zu können. Solltet Ihr demnächst ein AirBnB in Stockholm suchen, sagt Bescheid, ich empfehle sie gerne weiter!

Tschüß Stockholm

Tagebuch-5 im Mai 2017 #WMDEDGT

Wie das immer so ist mit den hehren Vorsätzen zum regelmäßigen Bloggen: Es ist mal wieder ein ganzer Monat vergangen. Dabei habe ich einen Post ja schon eine ganze Weile im Hinterkopf und frickele in Gedanken auch immer mal wieder daran herum, aber noch fehlte die Muße des tatsächlichen Aufschreibens. Nun jedenfalls erstmal wieder, und sogar noch um einen Tag verspätet, der 5. des Monats und was ich so gemacht habe. Der Rest findet sich wie immer bei Frau Brüllen.

Die Frühlingsmorgen beginnen dieser Tage eigentlich immer damit, dass unser kleiner Nachbarsjunge, der sein Zimmer praktischerweise genau unter unserem Schlafzimmer zu haben scheint, aufwacht und lautstark nach Mama, Oma oder Papa ruft. Inzwischen baue ich das oft einfach schon in meine Träume ein und werde gar nicht mehr richtig wach. Irgendwann kommt dann aber der Wecker des Hasen dazu und ich kann nicht mehr dagegen ankämpfen, dass die Nacht vorbei ist. Immerhin kann ich aber noch eine ganze Weile liegen bleiben. Der Hase steht auf und ich werfe erste verstohlene Blicke auf das Handy. Es ist kurz nach 7. Ich checke Mitteilungen, scrolle mich durch Timelines, lese Nachrichten und döse dabei immer mal wieder weg, bis dann um 7:30 auch mein Wecker klingelt.  Ein paar Minuten unter der Bettdecke gebe ich mir noch, während ich überschlage, was heute alles auf dem Programm steht und was ich dafür brauche. Der Hase kommt noch einmal kurz rein, um sich ins Büro zu verabschieden und dann öffne ich die Headspace-App und meditiere. Momentan habe ich das Focus-Package am Start, was auch dringend nötig ist. Immerhin schaffe ich es, mir die zehn Minuten täglich auch wirklich zu nehmen.

Kurz nach 8 stehe ich dann auf, gehe ins Bad, lasse mir von den Katzen bei den morgendlichen Verrichtungen zusehen und ziehe mich dann an. Zwischendurch bekommen die Miezen noch ein wenig extra Trockenfutter, weil sie momentan mit dem Nassfutter nur so semizufrieden sind und außerdem leichten Durchfall haben, der sich aber zum Glück schon deutlich gebessert hat. Dann dürfen sie noch einmal kurz auf den Balkon, während ich meine Sachen fürs Büro zusammenpacke, lüfte und das Bett mache. Dann werden die Katzen wieder reingeholt und noch einmal ausgiebig bekuschelt, bevor ich kurz nach halb 8 die Wohnungstür hinter mir zuziehe.

Ich laufe durchs kühle, leicht regnerische aber frühlingsgrüne Berlin voller blühender Blumen zur Tram. Dort erkämpfe ich mir relativ schnell einen Sitzplatz und kann dann in aller Ruhe im Ulysses weiterlesen. Am Alex wechsle ich in die U-Bahn, finde wieder direkt einen Sitzplatz (der Vorteil, wenn man nicht genau zu um 9 ins Büro fährt, sondern 1-2 Bahnen später dran ist) und lese weiter. Im Büro angekommen schnappe ich mir direkt am Empfang ein paar Haribo-Frösche als Wegzehrung bis zu meinem Platz in der fast hintersten Ecke des verwinkelten Gebäudes. Dort angekommen gibt es einen kurzen Plausch mit den Kollegen. Ich koche mir eine Kanne Earl Grey und bereite mir aus Haferflocken, Milch, Banane und Zimt in der Mikrowelle ein Porridge zu. Das esse ich dann am Platz, während ich E-Mails beantworte und ein paar über Nacht eingetroffene Aufgaben abarbeite.

Gegen 11 wechsle ich “nur mal kurz” hoch ins Betriebsratsbüro und bereite die Übergabe von einigen Tätigkeiten vor, die ich nächste Woche aufgrund meines Bildungsurlaubs re:publica-Besuchs nicht selbst wahrnehmen kann. Dazu bastele ich ein paar Vorlagen, überlege mir, wie ich meine Vertretung (die noch kaum Vorkenntnisse hat) am besten in die Thematik einarbeite und räume mein Archiv auf. Dabei fallen mir direkt noch ein paar Details auf, die uns in einem aktuellen Vorgang weiterhelfen können und stelle nochmal einige Fragen in der Personalabteilung. Aus “nur mal kurz” wird dann so doch schnell mal wieder eine Stunde, aber die war immerhin sehr produktiv. Zurück an meinem eigentlichen Arbeitsplatz (ich nenne es seit neuestem liebevoll meinen “day job“, gerade weil der andere in den letzten Wochen deutlich an Volumen zugenommen hat, widme ich wieder dem Tagesgeschäft.

Um 13:15 gehe ich mit der besten Kolleginnenfreundin in die Pause. Wir holen uns einen Burrito bei Chupenga und erzählen uns die neuesten Entwicklungen aus unserem Freundeskreis. Es tut gut, zwischendurch mal über was ganz anderes reden zu können als immer nur über die Arbeit. Ich kann jedem und jeder nur empfehlen, sich Freunde an den Arbeitsplatz zu holen…

14:00 bin ich dann mit den anderen wieder im Betriebsratsbüro verabredet. Wir müssen lachen, weil drei von vier Leuten sich ihr Mittagessen (oder in meinem Fall die Reste davon) dazu mitgebracht haben. Über Arbeitspausen und unsere Vorbildwirkung bei der Einhaltung derer müssen wir wohl nochmal ein ernstes Wörtchen reden. Immerhin hat jemand Muffins und Brownies mitgebracht, so dass wir gut durch den Nachmittag kommen. Wir haben einiges zu besprechen und planen, dann halten wir offiziell die heutige Sitzung des Personalausschusses ab. Danach führe ich meine Vertretung in die Geheimnisse der Protokollführung bei Personalausschuss- und Betriebsratssitzungen ein. Drei Tage re:publica bedeuten auch, dass drei Protokolle ohne mich erstellt werden müssen. Am Ende ist es schon 16:45, als ich wieder an meinem Arbeitsplatz bin und nochmal eine Dreiviertelstunde an meinen täglichen Aufgaben sitze.

Zwischendurch schreibt der Hase und fragt, ob wir uns gleich kurz noch treffen können, mein Arbeitsplatz liegt genau auf seinem Weg von seinem neuen Büro zum Ort der heutigen Betriebsfeier und er möchte mir noch schnell Käse und Brot übergeben, die er heute morgen gekauft hat und nicht mit zur Party nehmen will. Um 17:45 verlasse ich das Büro und hole noch schnell Geld am Automaten und neues Duftöl zur Bekämpfung des Katzenklo-Dufts zuhause. Dann treffen wir uns am Alex kurz beim Umsteigen, erzählen uns von unserem Tag und packen Dinge von seinem Rucksack in meinen. Auf dem Heimweg in der Tram lese ich ein wenig im Internet herum.

Kurz vor 19:00 bin ich dann zuhause. Als erstes wollen die Katzen ihr Abendbrot haben, dann mache ich es mir mit Laptop und Katzen auf der Couch bequem. Eigentlich wollte ich jetzt mit einer guten Freundin telefonieren, von der ich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört hatte, aber irgendwie bin ich schon completely talked out heute. Hunger habe ich nach Burrito und Teilchen auch keinen mehr. Also lasse ich mich einfach von meinen Serien berieseln und schaue die in den letzten Wochen verpassten Folgen von The Americans, Modern Family, Speechless, The Big Bang Theory und Scandal (Madam Secretary und Jane the Virgin hatte ich gestern schon “abgearbeitet”). Dann wechsle ich von der Couch in die Badewanne und die Serie zu Crazy Ex-Girlfriend. Als ich schrumplig bin (und das Wasser zu kalt), steige ich aus, putze mir die Zähne, mache das Katzenklo sauber und gehe ins Bett. Ich versuche es noch einmal kurz mit Lesen, muss aber schnell aufgaben und schlafe kurz nach Mitternacht tief und fest.

Keine Fotos heute.