Tagebuch-5 im Januar 2016

Wie an jedem 5. fragt Frau Brüllen (ich wollte erst Brau Früllen schreiben und frage mich jetzt, ob Freud mit damit etwas sagen möchte) wieder: WMDEDGT? Das hier:

Der Wecker klingelt um 7:30 und obwohl es heute immer noch so kalt ist wie gestern schaffe ich den Sprung aus dem Bett schon nach wenigen Minuten. Ich verschwinde kurz im Bad, bemühe mich, beim Lesen meiner Facebook-Benachrichtigungen nicht in eine Diskussion über die Gewalt in Köln am Silvesterabend zu gelangen und stelle das Futter für das Katzenfrühstück ins heiße Wasserbad. Dann mummele ich mich für die heutige Meditation ein – die letzte 15-minütige, ab morgen geht es mit 20 Minuten weiter. So richtig will es mit dem Gedanken loslassen heute nicht klappen, ständig überlege ich, was ich als nächstes mache, was ich nicht vergessen darf und wie ich das Ganze heute beim Tagebuch-5 verbloggen werde. Währenddessen liegt Nimbin neben mir und meditiert mit, während Noosa aufgeregt herumspringt und die Vögel auf dem Hausdach gegenüber anknurrt. Ein schmerzender Rücken, Halsschmerzen und eine leicht verstopfte Nase tun ein Übriges, um meine Meditation zu sabotieren. Trotzdem fühle ich mich nach den 15 Minuten ziemlich ausgeglichen und weniger gestresst als vorher.

Es ist kurz nach 8 und draußen ist es inzwischen hell, so dass ich die leichte Schneeschicht sehen kann, die sich draußen gebildet ist – nur so leichter Puderzucker bisher. Die Katzen bekommen jetzt ihr Frühstück und ich flitze zurück ins Bad, putze mir die Zähne und kämme mir die Haare. Dann ziehe ich mich leise an, um den Hasen nicht zu wecken und nehme mir voller guter Vorsätze den Rucksack mit den Sportsachen hervor. Hinein wandern Portemonnaie, Taschentücher, Ersatzakku und Ladekabel sowie eine Dose mit Haferflocken, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Chiasamen, Sesam, Zimt und Vanille, die später im Büro mit Hilfe von Milch, Honig und Mikrowelle zum Frühstücksbrei werden. Während das Teewasser heiß wird, stecke ich noch schnell Bürokratiekram in einen Umschlag und pappe Briefmarken drauf – zweimal 62 Cent, denn seit 5 Tagen kostet so ein Brief 65 Cent. Da wir pro Jahr etwa 5 Briefe verschicken, haben wir noch einige alte Marken übrig und ich bin zu faul, erst noch einen Briefmarkenautomaten aufzusuchen, das würde Umwege bedeuten, auf die ich bei den Temperaturen verzichten kann.

Stiefel, Schal, Mütze, Handschuhe und Wintermantel an, Tee in den Becher, Schlüssel nicht vergessen und raus aus der Tür. Auf dem Weg zur Tram werfe ich den Brief ein und dann stehe ich erstmal fast zehn Minuten an der Haltestelle, weil eine Bahn ausgefallen ist – muss wohl am Schneechaos liegen 😉 Ich verliere den Humor nicht, wohl aber ist mir kalt – ebenso wie den anderen, weniger gut gelaunten Passagieren um mich herum. Die Tram ist dann auch brechend voll, dafür ergattere ich in der U-Bahn ohne Probleme einen Sitzplatz – bin ja auch später dran als sonst. Im Büro angekommen mache ich mir mein Frühstück warm und sitze dann mit dem Spotify Mix der Woche auf den Ohren vor meinem Rechner, bevor es um 11 zu einem Meeting geht.

Ansonsten tröpfelt der Arbeitstag so vor sich hin. Gegen 14 Uhr bekomme ich langsam Hunger – nach und nach kristallisiert sich heraus, dass es heute Nudeln geben soll. Auf Twitter befrage ich meine Follower, ob ich Asiatisch oder Italienisch essen soll. Kaum habe ich den Tweet abgeschickt, hat sich mein Gaumen schon für Italienisch entschieden – ich habe Appetit auf Olivenöl und brauche nur zwei Minuten, statt mindestens zehn für die asiatische Variante. Die Umfrage, die zu diesem Zeitpunkt für Asiatisch votiert, läuft ja noch bis morgen Mittag und das Ergebnis mir nicht weg.

Ich entscheide mich für eine Pasta Caprese und einen Obstsalat, da im Büro-Obstkorb heute morgen bereits wieder Ebbe war. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit Bloggen und dem Beobachten eines Babys am Nebentisch. Es krakeelt fröhlich vor sich hin und hält zum Glück die Finger nicht in Papas dampfend heiße Lasagne. Dann kommt mein Essen: Frische, mit Tomate und Mozzarella gefüllte Ravioli in Tomaten-Butter-Salbei-Sauce. Mit dem Foto checke ich ein und stoße meinen Chef-Chef vom Mayor-Thron. Ha!

Am Nachmittag höre ich von der Freundin, die über Silvester bei uns zu Besuch war und jetzt wieder zurück in Toulouse ist. Sie hatte am Sonntag ihren Rückflug verpasst, ist dann mit ihren zufälligen Zugbekanntschaften weitergereist und hat spontan noch einen Zwischenstopp in Prag eingelegt und dann gestern von dort zurückgeflogen. Ja, es hat uns beide an Before Sunrise erinnert und ich bin auch ein bisschen neidisch geworden – die Reiselust wächst wieder! Außerdem schreibt mir die Teeniecousine, ich soll mal wieder was für sie bestellen – es geht um ein Faschingskostüm.

Ansonsten ist der Arbeitsnachmittag recht unauffällig, außer dass eine Kollegin vorbeischneit, weil sie das neue Hipsterzöpfchen des Kollegen hinter mir begutachten möchte, von dem ich leider heute kein Foto für Euch habe. Nach der Arbeit stelle ich fest, dass es auch draußen geschneit hat. Sofort ist allgemeine Laune merklich besser und alles wirkt gemütlicher, gedämpfter, pittoresker und sogar wärmer.

Ich fahre ich zum ersten Mal seit wirklich langer Zeit endlich mal wieder zum Sport (was für ein Glück, dass ausgerechnet heute der 5. ist, das sorgt für extra Motivation). Studio-Angestellte und Geräte erkennen mich wieder und das Training selbst geht besser als erwartet. Mein Rücken wird es mir danken (also sobald er sich erholt hat).

Ich stapfe freudig durch die frisch gefallene Schneeschicht nach Hause und fange die eine oder andere Flocke mit dem Mund auf. Ein bisschen bin ich wieder Kind, vor allem als ich dann zuhause die vor zwei Monaten im Sportrucksack vergessene Brotdose auspacke, ihr kennt das.

Der Hase erwartet mich mit heißer Rote Bete-Suppe, die ich mit Wasabi, eingelegtem Ingwer und Koriandergrün verfeinere, während der Kater auf dem Balkon schlittern übt. Zum Essen gib es frisch aufgetauten Ananassaft.

Danach bezwinge ich den seit dem Silvester-Dinner schon mehrfach in Angriff genommenen Abwaschberg endlich komplett (ohne Sauerstoffgerät!). Dann ist es 21:00 und der Hase und ich ziehen uns mit Katzen und Film (der mit den Lichtschwertern) aufs Sofa zurück.

Minus 17 (gefühlt)

Als ich heute morgen noch gemütlich im warmen Bett lag und verschlafen durch meine verschiedenen Timelines scrollte, geschah etwas Unerwartetes: Trotz dicker Decke, dem Wärme ausstrahlenden Hasen neben mir und doppelter Fenster kroch eine fiese Kälte in mich hinein und breitete sich vom Zehen bis zu den Schultern in meinem Körper aus. Ob das nun allein an der tatsächlichen Temperatur im Schlafzimmer lag, oder durch die zahlreichen tiefgefrorenen Tweets noch verstärkt wurde, kann ich nicht sagen. Fakt ist: Es ist kalt in Berlin, gefühlte 17 Grad zeigte meine Wetter-App an.

Das hatte ich zwar gestern auch schon mitbekommen, als wir die nicht hochprozentigen Getränke vom Balkon retteten, aber da musste ich wenigstens nicht noch weiter nach Draußen. Heute jedoch hieß es, wieder den Weg ins Büro zurückzulegen. Nichts mehr mit gemütlichem Homeoffice, eingewickelt in eine Decke und mit Katze(n) auf dem Schoß – heute ging es hinaus in das wirklich wahre, harte (Über-)leben. Ich musste Vorkehrungen treffen.

Normalerweise meditiere ich morgens noch im Schlafanzug, in letzter Zeit mit einer Decke zugedeckt – heute habe ich mich vorher angezogen, denn mich 15 Minuten lang halbnackt nicht zu bewegen erschien mir nicht als gute Idee. Eine weitere Änderung im Tagesablauf war das Anwärmen der kühlschrankkalten Katzenfutterdose im heißen Wasserbad, was von den Katzen freudig begrüßt wurde – in den letzten Tagen hatten sie das Futter eher erstmal verschmäht. Dann goss ich mir noch schnell einen heißen Tee in den Thermobecher, bedeckte meinen Körper mit diversen zusätzlichen Lagen Klamotten, wickelte mir einen Schal um, zog Smartphone-Handschuhe an und setzte mir meine irische Bommel-Wollmütze von den Arran Islands auf.

So angetan verließ ich das Haus und stellte fest: Verdammte Scheiße ist das kalt. Trotz allem. Aber immerhin: Ich war gut vorbereitet, hatte mein möglichstes getan und musste mir zumindest keine Vorwürfe machen. Stattdessen ließ ich den Gedanken an die Kälte los (hach, Meditation hilft!) und beobachtete lieber die Menschen um mich herum. Den Typen, der mit bloßen Händen telefonierte zum Beispiel. Dem war bestimmt noch viel kälter als mir und er war sogar selbst Schuld! Alle, wirklich ausnahmslos alle Menschen sahen aus, als würden sie um ihr Überleben kämpfen – mit zur Faust geballten, grimmigen Gesichtern und zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen bahnten sie sich den Weg durch diesen (Montag-, auch das noch! Und auch noch der erste Arbeitstag seit Langem für die meisten!)Morgen.

Eine ganze Stadt voller miesmutiger Menschen an einem Montagmorgen, normalerweise ein Garant für Ärger, Missgunst und Reibereien. Doch da zeigte dann die Kälte ihre wohltuende Wirkung: Wenn alle Energien auf die Lebenserhaltung ausgerichtet sind, bleibt einfach keine Kraft mehr für blödes Rumgepöbel. Ist ja auch mal was. Wer mehr tun möchte, als nicht zu pöbeln, der kann übrigens den Kältebus anrufen, wenn er Menschen sieht, die bei diesen und anderen unerträglich kalten Temperaturen draußen schlafen müssen – für Berlin ist die Nummer 0178 / 523 58 38, für andere Städte hilft die Suchmaschine Eures Vertrauens (der Hase empfiehlt ausdrücklich Ecosia, wo man beim Suchen noch Bäume pflanzen hilft.)

Im Büro war es dann übrigens überraschenderweise so richtig schön muckelig warm, die Fenster liefen nicht an und keiner schimpfte über zu hohe Heizkosten. Hat sich der Weg also doch gelohnt.

12 von 12 im November

Immer wieder am 12. eines Monats zeigen Blogger ihren Tag in 12 Fotos. Bei mir geht es heute von Zuhause über die Arbeit bis nach Magdeburg. Die anderen Beiträge findet Ihr wie immer bei Caro.

Ingwer-Tee
Ich mache mir einen Ingwer-Tee zum. Mitnehmen
Jamaikanischer Honig
Der jamaikanische Honig geht langsam zur Neige – zum Glück haben wir noch eine Flasche
Kater Nimbin
Kater Nimbin sieht niedlich aus, danit ich ihn auf den Balkon lasse
Noosa und Nimbin
Noosa will auch mit aufs Familienfoto
Balkon-Kater
Der Kater hält im Blumenkasten Wache
Noosa-Katze
Noosa ist es draußen zu kalt, sie passt so lange drinnen auf
Alexanderplatz
Auf dem Alex wird seit ein paar Tagen der Weihnachtsmarkt aufgebaut
Meeting
Im Büro gibt es mal wieder ein längeres Meeting, zum Glück haben wir den gemütlichsten Raum abbekommen
Udon-Suppe
Mittags gönne ich mir und meiner Schnupfennase im Savory Chay eine heiße Udon-Nudelsuppe mit Tofu, Shitake und Pak Choi
Fernbus
Nach der Arbeit nehmen wir den Fernbus und fahren nach Magdeburg
Banu Thali und Lassi mit Rum
Wir gehen mit unserer Gastgeberin Indisch essen. Im Lassi ist Rum.
Couch
Wir beschließen den Abend auf der Couch, mit Internet (ich) und Wrestling (er)

Tagebuch-5 im November

Wie jeden 5. fragt Frau Brüllen auch dieses Jahr wieder WMDEDGT? und ich antworte brav:

Anders als an den letzten Tagen, an denen ich morgens ganz gemächlich in den Tag starten konnte, quäle ich mich heute erst  um 8, also auf den allerletzten Drücker aus dem Bett. Zum Glück steht auf dem Wohnzimmertisch direkt der Quark-Birnen-Kuchen, den der Hase gestern Abend gebacken hat und von dem ich mir ein dickes Stück fürs Frühstück einpacke.

Quark-Birnen-Kuchen

Außerdem wandert auch ein kleines Glas Birnenkompott, das beim Einkochen nicht richtig zugegangen ist, als Nachmittagssnack in meinen Beutel. Wir hatten hier in den letzten Wochen nämlich eine regelrechte Birnenschwemme in der Nachbarschaft. Der Hase hat dreimal Kuchen gebacken, zwei groß angelegte Kompottaktionen durchgeführt und unzählige Liter Saft gepresst, von denen wir vielleicht 5 oder 6 getrunken haben, der Rest gärt gerade fröhlich im Weinballon vor sich hin. Gestern wurde dann allerdings Rasen gemäht und mit Birnen aufsammeln ist dann jetzt wohl Schluss.

Ich ziehe mir den kuscheligen #rp15-Hoodie über, füttere die Katzen und koche mir noch meinen Standard-„Tee“ für unterwegs: frischer Ingwer, überbrüht mit kochendem Wasser und gesüßt mit jamaikanischem Honig, über den ich demnächst nochmal gesondert schreiben muss. Da ich gestern noch Curcuma gekauft habe, wandert auch endlich wieder ein Stück davon in den Tee und ich laufe heute wieder mit gelben Fingern durch die Stadt. Gelb macht ja gute Laune und Curcuma-Gelb ist neben Mango-Gelb meine Lieblingsfarbe (ja, ich bin eine Essensfetischistin, aber das wusstet Ihr ja bereits).

Curcuma-Daumen

Auf dem Alex läuft mir dann übrigens ein Pärchen über den Weg, bei dem beide die gleiche Jacke in eben jenem Gelb tragen. Das scheint ja gerade sehr in zu sein, gelbe Klamotten könnten mir auch gefallen. Wenn der Hase aber dann das Gleiche anziehen wollte, müssten wir uns wohl drum prügeln. Zum Glück ist seine Lieblingsfarbe Blau.

Im Büro angekommen checke ich meine Mails und fange dann an zu arbeiten, während ich den äußerst leckeren Kuchen frühstücke. Ich werde kurz unterbrochen, als ein Kollege und Freund mir sein diesjähriges Geburtstagsgeschenk übergibt – haltet Euch zurück mit Gratulationen, mein Geburtstag war im Juni und die Verspätung angekündigt. Ich habe nun also ein Buch, von dem ich noch nicht genau weiß, was ich damit anstelle. Also, außer lesen natürlich. Es handelt sich um einen dystopischen Roman aus den 70ern, der gerade von der rechten Szene hoch gelobt wird. Mein Freund und Kollege, der sich in seinem Studium auf Dystopien spezialisiert hat, hat es mir sozusagen aus literaturwissenschaftlichen Aspekten geschenkt (und auch, weil er es selbst lesen möchte ;)) und thematisch hat es viel mit der aktuellen Flüchtlingssituation zu tun.

Leider hat er mir nun, ohne es zu bemerken, ein frisch erschienenes Exemplar aus einem Verlag bestellt, der eindeutig der rechten Szene zuzuordnen ist und ärgert sich nun natürlich darüber. Und ich mich auch, denn so ein Buch möchte ich mir nun nicht ins Regal stellen, aber eben auch nicht einfach so weitergeben. Ein zerfleddertes antiquarisches Exemplar wäre uns  beiden lieber gewesen.

Ich werde das Buch nun also erstmal unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten lesen – zuhause, wo es keiner mitbekommt, und nicht etwa in der Bahn. Vielleicht kann man dann ja noch den Kaufpreis für ein Flüchtlingsprojekt spenden, oder direkt der Antifa? 😉 Vielleicht habt Ihr ja noch eine Idee für mich, was ich mit dem Buch hinterher anstellen kann? (Bücherverbrennung ist keine Option, der Hase schlug jedoch Büchervergrabung vor…)

Mit Musik auf den Ohren groove ich mich durch den Vormittag. Mittags gehe ich nach draußen, wo die Sonne am wunderbaren blauen Novemberhimmel strahlt, und hole mir ein leckeres Kichererbsencurry.

Blauer Himmel am Hausvogteiplatz

Dann geht es mit Tee, Schoki und Birnenkompott sowie mehr Musik auf den Ohren in den Nachmittag. Zwischendurch habe ich eine großartige Idee, wie ich relativ spontan ein Konzert besuchen und damit noch mehreren Leuten eine Freude machen kann – das muss ich aber heute Abend noch zu Ende ausbaldowern.

Kurz vor Feierabend besucht mich eine Kollegin, die gerade aus dem Londoner Büro zu Besuch ist und früher zu meinen regelmäßigen Mittagspausenpartnerinnen hier in Berlin gehörte. Wir plauschen kurz und verabreden uns für die morgige Pause. Dann geht es zum quartalsmäßigen Global All Hands Meeting. Hinterher ist der Arbeitstag zwar vorbei, aber eine Freundin und Kollegin hat noch ihre Urlaubsfotos aus Südafrika dabei, so dass wir zu dritt noch „Überstunden“ machen und über Elefanten, Warzenschweine und Giftschlangen staunen.

Als ich zuhause ankomme hat der Hase den Kartoffel-Brokkoli-Auflauf schon fast fertig. Ich mache noch schnell einen Salat dazu und dann essen wir uns erzählen uns von unserem Tag. Unter anderem zeigt er mir das Foto eines Babies, das heute im Freundeskreis geboren wurde und erzählt außerdem von seinem Arbeitseinsatz im Flüchtlingsheim. Dort haben heute drei der Bewohner eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis bekommen, sehr schön! Zum Nachtisch essen wir jeder noch ein Stück vom leckeren Kuchen und zwei Freunde schneien für ein paar Minuten herein. Dann heißt es nur noch abwaschen, Katzenklo saubermachen und diesen Text fertig schreiben, bevor es pünktlich um 10 „mit Buch ins Bett“ geht, wie Herr Buddenbohm zu sagen pflegt.

Sonntagsschnipsel und Ben’s Quitten-Crumble

Wochen, die mit Beerdigungen beginnen, müssen sich hinterher ganz schön anstrengen, um noch irgendwie schön zu werden. Also, „schön“ in dem Sinne, dass man am Ende wieder bessere Laune hat als am Anfang. In diesem Fall war es dann erst das zu Ende gehende Wochenende, das das Ruder einigermaßen herumgerissen hat – vorher war mein Kopf voller trauriger Gedanken und mein Körper voll mit Erkältungssymptomen. Dementsprechend habe ich auch nur ein einziges Mal gekocht, nämlich Pasta mit Auberginen, Zucchini und Tomatensauce für Mama, Bruder und mich, einfach, schnell, lecker und nicht besonders aufregend oder verbloggbar. Allerdings haben wir auch einen sehr leckeren Quitten-Crumble gegessen, den ich zwei Tage vor der Beerdigung gebacken hatte. Das Rezept bekam ich von Ben, der vor einiger Zeit ein Foto von seinem Crumble auf Facebook gepostet hatte. Und lasst Euch sagen: Crumble ist ein wundervolles Trostessen. Das Rezept findet Ihr am Ende dieses Beitrags, hier erstmal ein Foto zum Anteasern:

Quitten-Crumble mit Mango-Sorbet

Scheinbar habe ich mir irgendwo zwischen Kirche und Friedhof die letzte Zutat für eine ausgewachsene Erkältung eingefangen, mit der ich dann die zweite Wochenhälfte über im Bett lag. Dem Anlass entsprechend durchforstete ich noch einmal meine Sockenvorräte und fand tatsächlich noch ein letztes zusammenhängendes Paar Schafwollsocken, dass meine Oma mir geschenkt hatte. Seit ich denken konnte gab es von Oma jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten ein Paar selbst gestrickte Socken – aus selbst gewaschener, kardierter, gesponnener und aufgewickelter Wolle. Über die Jahre sammelte sich so ein beachtlicher Vorrat an, aber obwohl sie immer meinte, ich könnte die Löcher ja stopfen, wurden kaputt gegangene Socken immer entsorgt – es kamen ja immer welche nach… Dieses letzte Paar werde ich also wie meinen Augapfel hüten müssen…

Das letzte vollständige Paar Schaffwollsocken, stilsicher kombiniert

Auch am Freitagabend fühlte ich mich noch nicht wieder so richtig fit, so dass der Hase alleine loszog, um sich mit Freunden zu treffen. Weil er aber der weltbeste Krankenpfleger und Food Stylist überhaupt ist, zauberte er mir vorher noch einen astreinen Halloween-gruseligen Gemüseteller. dazu gab es auch noch Kürbissuppe, aber die sah eben aus, wie Kürbissuppe so aussieht.

Abendbrot am Vorabend von Halloween

Am Sonnabend ging es mir dann schon besser, wozu sicher auch die köstlichen Feigen beigetragen haben, die es beim Frühstück zum Käsebrot gab. Käsebrot und Obst ist ja sowieso einer der schnellsten und einfachsten Genüsse der Welt (und Käse der Hauptgrund, warum ich wohl nie konsequent vegan leben werde…).

Feigen und Käse

Am Samstagabend waren wir dann bei Freunden eingeladen und entgingen so der Verantwortung, Süßigkeiten zu kaufen und den Eingangsbereich der Wohnung in einen halbwegs präsentablen Zustand versetzen zu müssen – Süßes und Saures gab es trotzdem, aber eben zu Gast bei Freunden. Besonders süß war die kleine A., die frisch gestillt und gewickelt auf meinem Schoß platziert wurde und dort den Abend verbrachte.

A. und ich

Am Sonntag morgen dann trafen wir uns mit einem guten Freund, der gerade aus Kalifornien zu Besuch in Berlin war zum Frühstücken. Für mich gab es hochköstliche Pancakes mit Zimtpflaumen und Sahne, auf die alle anderen ganz schön neidisch schienen.

Pancakes mit Zimtpflaumen

Noch beeindruckender war eigentlich nur mein Getränk, eine heiße Schokolade mit Holunderblütensirup und Chilifäden. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie die Kombination aus Schokolade und Holunderblüten schmeckt, war dann aber sehr positiv überrascht – ein vollmundig, runder, fruchtiger Geschmack, immer wieder unterbrochen von feiner Chilischärfe. Definitiv empfehlenswert!

Heiße Schokolade mit Holunder und Chili

Weil das Frühstück so reichhaltig und das Wetter so schön war, liefen wir nach dem Essen einfach zu Fuß zurück in den Prenzlauer Berg. Erst ging es an der Spree entlang bis zum Monbijoupark, unter dieser schönen Weinlaube entlang, und dann kreuz und quer durch das nördliche Mitte und den östlichen Wedding bis zum Mauerpark. Dort verabschiedete sich der Hase zum Handball gucken in der Max-Schmeling-Halle und ich machte mich auf den Heimweg.

Weinlaubengang an der Spree

Und nun für alle, die noch ein wenig Herbstfreude tanken wollen, bevor der November so richtig dunkel und bluesig wird oder auch ein Trostessen brauchen:

 

Ben’s Quitten-Crumble

Für das Quitten-Püree:

1 kg Quitten

176 g Zucker

Saft und Schale von einer halben Zitrone

1 TL Zimt

Für den Boden:

140 g Butter

200 g Mehl (gesiebt)

50 g gemahlene Mandeln

75 g Zucker

1 Ei

1 Eigelb

Für die Streusel:

100 g Mehl (gesiebt)

75 g Haferflocken

75 g Zucker

120 g Butter

Die Quitten etwas zerkleinern und in einem Topf weich kochen, dann durch die Flotte Lotte drehen. Den Zucker, Zitronenschale und -saft und Zimt einrühren und etwas einkochen lassen. Wer keine Flotte Lotte (aka Passiermühle) hat, kann auch vorher Kerne und Kerngehäuse entfernen, genau 350 ml Wasser zum Kochen abmessen, dann pürieren und das Püree dann mit Maismehl andicken, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist, so hat Ben das gemacht.

Erst Butter, Mehl und Mandeln vermischen und dann Zucker, Ei und Eigelb hinzufügen. Gut verrühren und dann in Frischhaltefolie eingeschlagen im Kühlschrank abkühlen lassen. Eine Auflauf- oder Backform einfetten und mit dem Teig auskleiden. Profis können den Teig dann blind backen, Ben und ich haben den Teig beide nur mit einer Gabel eingestochen und schon einmal für 20-25 Minuten bei 160°C backen.

Die Zeit kann mann nutzen, um aus den übrigen Zutaten einen groben Streuselteig herzustellen. Dann das Quittenpüree in die knusprig gebackene Crumble-Hülle einfüllen, das Ganze mit Streuseln bestreuen und bei 180°C noch einmal 25-30 Minuten weiterbacken.

Warm servieren, optional mit einer Kugel Eis dazu.

Blogger für Flüchtlinge – Unbeholfen helfen im #LaGeSo

Am Mittwoch habe ich endlich einmal ganz konkret und nicht nur mit Worten (oder dem Button und Link rechts an der Seite) den Refugees geholfen. Trotzdem tue ich mich schwer damit, hier darüber zu schreiben, denn ich habe nicht das Gefühl, genug getan zu haben, nicht einmal für die kurze Zeit, die ich vor Ort am LaGeSo war. Allerdings finde ich es wichtig, auch davon zu erzählen, schon alleine um andere zu inspirieren. Und nur weil mein erster Versuch nur so halb befriedigend war, muss das ja nicht heißen, dass es der letzte bleibt.

Mein Einsatz war das Ergebnis einer Aktion meines Arbeitgebers. Wir bekamen ein Kontingent an „Mannstunden“, wie es im deutschen Business-Leben heißt, dass wir darauf verwenden konnten, helfen zu gehen. Die Aktion selbst ist freiwillig, aber da sich sofort so viele Kollegen meldeten, blieben für jeden einzelnen zunächst nur zwei Stunden übrig – ob es nochmal ein zusätzliches Kontingent gibt, wird sich zeigen. Ich legte mir meine zwei Stunden ans Ende des Arbeitstags, um flexibel zu sein und gegebenenfalls länger bleiben zu können. Wir wurden zentral angemeldet und mir wurde gesagt, ich wäre zur Essensausgabe eingeteilt.

Als ich dann vor Ort ankam (und erst einmal das Haus R, in dem der Verein Moabit hilft und die anderen Helfer agieren, finden musste), stellte ich dann schnell fest, dass unsere firmeninterne Organisation und die der Situation vor Ort wenig kompatibel waren. Denn natürlich richtet sich der Bedarf an Helfern nicht unbedingt an den Möglichkeiten und Vorlieben eines Wirtschaftsunternehmens aus. Obschon ich zur verabredeten Zeit vor Ort war, war die nachmittägliche Essensausgabe gerade beendet und die für das Abendbrot sollte erst beginnen, wenn meine Schicht endete. So gab es gerade keine größeren Aufgaben und die Helfer vor Ort ruhten sich eigentlich gerade ein wenig aus, tauschten sich aus und tranken einen Kaffee oder rauchten eine Zigarette. Erst nach mehreren Anläufen fand ich jemanden, der mich ein wenig herumführte, mir alles erklärte und mir zeigte wo ich mich registrieren sollte. Aber zu tun gäbe es im Moment wirklich nichts für mich. Ich sollte mich einfach bereithalten und auf einen „Helfer“-Ruf warten.

So klebte ich mir also einen Zettel mit meinem Namen an und stand dann eine ganze Zeit lang einfach nur herum und beobachtete das Geschehen, hörte den Helfern zu und sah, wie die Schlange an Refugees, die nach warmer Kleidung anstanden immer kürzer wurde. Diese wenigen Personen konnten von den bereits involvierten Helfern gut „abgefertigt“ werden, die sich ja vor allem auch schon besser auskannten als ich. Dann endlich kam mein erster kurzer Einsatz, als zwei Leute mit einem Auto voller Kleidungsspenden auftauchten, das wir ausladen konnten. Ich hoffte, nun vielleicht mit sortieren zu können, aber da kamen mir schon andere Helfer zuvor. Erstaunt beobachtete ich, wie schnell ein gerade angenommener Koffer schon wieder den Weg zu den Refugees fand. Auch ein Kinderwagen wurde aufgepumpt und abgegeben, sowie Spielzeug an die vielen wartenden Kinder verteilt.

Ich kam mit einem der anderen Helfer ins Gespräch, der mich ermunterte, nicht abzuwarten, bis mich jemand konkret ansprach, sondern ganz aktiv sofort anzupacken, wenn mir etwas zum Anpacken auffiele. Ich blieb dennoch zögerlich, denn zum Einen war das ganze eine gut geölte Maschine, bei der jeder Handgriff zu sitzen schien, zum Anderen schienen viele der Helfer längst mit der Materie vertraut und unermüdlich, so dass ich das Gefühl hatte, meine Hilfe eher aufzudrängen. Als dann aber endlich der Ruf zur Vorbereitung der Essensausgabe kam, witterte ich meine Chance und machte mich mit einer Gruppe Helfer auf zum Essenszelt. Hier wurde uns erklärt, auch welchen Wegen die Refugees durchs Zelt gelotst würden. Sobald wir das Zelt betreten hatten, begann sich draußen eine Schlange zu bilden. Es sollte noch sehr sehr lange dauern, bis das Essen ankam. In der Zwischenzeit füllten wir unzählige Bubble Tea-Becher mit Wasser und teilten uns auf die verschiedenen Stationen auf. Und warteten und warteten. Draußen wurde der Andrang immer größer und immer wieder schauten Kinder zu uns herein und lachten. Ich unterhielt mich kurz mit einem Syrer aus der Nähe vom Homs, der in Moskau studiert hatte, jetzt mit seiner Familie nach Deutschland gekommen war und es sehr schade fand, dass ich kein Russisch konnte. Er erzählte mir, dass er die letzte Nacht auf der Straße geschlafen hatte und das wohl auch diese Nacht wieder tun würde und dass es schon sehr kalt, aber machbar sei.

Dann kam das Essen endlich. Es wird vom Freunde der Jugend und Familie e.V. zubereitet und zum LaGeSo gebracht. An diesem Abend gab es Reis mit Gemüse und Gulasch. Ca. 1300 Portionen wurden in kürzester Zeit an die Refugees verteilt – jeden Tag werden es mehr Portionen, was gut ist, denn auch die 1300 Portionen reichten nicht aus, um alle satt zu machen. Verständlicherweise kam es dadurch natürlich auch zu Unmut, gerade wenn Leute Essen für andere Familienmitglieder mitnehmen wollten, oder wegen großen Hungers nach einer zweiten Portion fragten. Die anderen Helfer erzählen, dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, dass Refugees bei der Ausgabe leer ausgehen.

Nach dem Ende der Essensausgabe wurde das Zelt aufgeräumt und ich machte mich auf den Heimweg, vorbei an vielen Refugees, die sich vor den Toren des LaGeSo auf eine lange Nacht einstellten, vorbei an Müll, der herumlag und vorbei an älteren Berlinerinnen, die sich über den Dreck aufregten. Ich ließ meine Erfahrungen Revue passieren. Zum Beispiel war ich erstaunt darüber, wie viele der Helfer selbst kein Deutsch konnten, aber Arabisch oder Farsi sprachen. Eine Helferin war vollverschleiert, aber ansonsten überhaupt nicht klischeehaft – sie alberte mit männlichen Helfern herum und rangelte in einer Pause spielerisch mit einem der Anderen. Ich wunderte mich auch darüber, welch gute Laune im Allgemeinen vorgeherrscht hatte, trotz der unzumutbaren Bedingungen vor Ort. Gleichzeitig war es ernüchternd, zu sehen wie kaltherzig man manchmal sein musste, um sicherzustellen, dass möglichst gerecht verteilt würde.

Mir wurde auch klar, wie schwer es ist, eine Organisation von lauter Freiwilligen am Laufen zu halten und dabei halbwegs strukturiert zu arbeiten. Zum Beispiel hat die Essensausgabe ein ausgeklügeltes System, das aber mal mehr, mal weniger gut umgesetzt wird, je nachdem, ob die anwesenden Helfer das System bereits kennen, oder vielleicht gerade zum ersten Mal da sind. Ich lernte, dass es bessere Zeiten gibt, als den späten Nachmittag, um helfen zu gehen – gerade morgens, tagsüber und später am Abend ist deutlich mehr zu tun. Und ich weiß jetzt, dass ich beim nächsten Mal nicht mehr wie gelähmt dumm herumstehen werde, sondern mir meine Arbeit suchen werde.

Wenn Ihr auch helfen wollt, schaut Euch auf den Seiten von Moabit hilft und den anderen Organisationen um, das Internet ist voll von Möglichkeiten, einen Beitrag zu leisten. Am komfortabelsten ist natürlich eine Spende, denn das Geld wird definitiv immer und überall gebraucht und ermöglicht die Hilfe überhaupt erst. Blogger für Flüchtlinge hat dafür zum Beispiel eine Spendenseite bei Betterplace eingerichtet:

Du denkst immer nur an (neues) Essen!

Am Wochenende hatte ich Besuch von einer lieben Freundin und als wir darüber nachdachten, was wir am Sonntag denn so machen könnten, waren meine Vorschläge zwei bereits erprobte Volltreffer: Pies essen bei Oma Marnie’s und Burger essen bei Marienburger. Stattdessen waren wir selbstgemachtes Vanille-Eis mit in Honig gerösteten Erdnüssen und Karamell essen, bei einem Nachbarn. Ansonsten habe ich mit ihr am Wochenende aber „immerhin“ noch das Osmans Töchter und das Massai neu ausprobiert und war mit beidem sehr zufrieden (wobei das Massai recht teuer ist, aber kann man schon mal machen), achja und im Hokey Pokey und im Eis und Heiß waren wir natürlich auch. „Du denkst immer nur ans Essen!“ hat sie gesagt. Aber so richtig beschwert hat sie sich auch nicht. 😉

Gestern ist mir dann aufgefallen, dass sie durchaus Recht hatte. Aus Gründen hatte ich zweimal kurz Zeit in der Stadt totzuschlagen und meine Default-Idee, wie ich das hätte tun können, war: Neues Essen ausprobieren. Dummerweise war die Zeit totzuschlagen, bevor ich zu einer Essensverabredung gehen konnte, vorher noch was Anderes essen wäre also einigermaßen kontraproduktiv gewesen. Ich löste das Problem im ersten Fall mit einem leckeren Kaffee im Stammcafé, im zweiten Fall spazierte ich zu einem Laden, von dessen Milchbrötchen @leitmedium in den letzten Tagen immer so schwärmt. Die hätte ich dann für später oder heute gekauft. Leider waren keine mehr da…

Nunja, die Gelegenheit für neues Essen kommt diese Woche in jedem Fall noch, denn für morgen Abend steht bereits ein Geburtstagsessen im The Bowl an. Und meine Essensverabredung gestern war im Chay Village, einem vegetarischen vietnamesischen Restaurant, wo ich zum ersten Mal Dumplings aus Reismehl und dunkle Reisnudeln gegessen habe. Es läuft also mit dem Neuen (evtl. sollte ich hier einmal die Woche niederschreiben und dokumentieren, was ich alles Neues gegessen habe.

Immer mal was Neues ist jedenfalls gut, deswegen habe ich dem Blog auch mal wieder ein neues Layout verpasst und ja, die Farbe des Headers, das ist Mangogelb!

Weißensee

Wir wohnen hier ja quasi direkt an der Grenze zu Weißensee. Am Anfang war mir immer noch wichtig, zu sagen, dass das hier „aber schon noch Prenzlauer Berg“ ist. Da fand ich es auch äußerst merkwürdig, außerhalb des S-Bahn-Rings zu ziehen und meine Wohnlage in der Mitte von Mitte aufzugeben. Was mich emotional ein wenig damit versöhnt hat, war zum Einen, dass wir jetzt nur fünf Gehminuten von der Straße entfernt wohnen, in der ich die ersten Wochen meines Lebens verbracht habe – der Kindergarten meines großen Bruders ist auch nicht weit – und zum Anderen natürlich die tolle Wohnung: Groß, riesiger Balkon, Blick auf einen grünen Innenhof mit Obstbäumen und eben bauhausig bunt und Weltkulturerbe. Kann man schon machen. Aber das ist gar nicht so weit ab vom Schuss, das ist nämlich noch Prenzlauer Berg!

Katze in einer kleinstädtisch-dörflichen Straße in Weißensee

Tatsächlich wohnen wir in einer total komfortablen Situation: Nach Süden der Prenzlauer Berg mit seinen Cafés, Läden, Restaurants und dann eben alles, was dahinter kommt (Mitte! Friedrichshain! Kreuzberg! – Mal ehrlich, den Rest von Berlin betritt man ja eh fast nie, es sei denn um liebe Freunde in Schöneberg, Charlottenburg oder Wilmersdorf zu besuchen *wink*…). Und nach Norden kommt gleich Weißensee – grün, der Weiße See, der Orankesee, der Obersee (OK, die gehören offiziell zu Hohenschönhausen), diverse Teiche, Parks, Alleen. Dazu Programmkinos, schöne Architektur und Wochenmärkte fast schon wie im Prenzlauer Berg. Würde es mich arbeitsbedingt nicht jeden Morgen nach Süden ziehen, würde ich den Norden noch viel ausgiebiger erkunden. Aber in den letzten Tagen hat es schon ganz gut geklappt, ich war nämlich schon an drei Tagen hintereinander nach der Arbeit im Weißen See baden.

Der Weiße See kurz vor Sonnenuntergang: Perfekte Badezeit

Das hatte ich mit einer Freundin letztes Jahr schon einmal gemacht und deswegen jetzt als Ausgleich dafür, dass der Urlaub vorbei ist, wieder hervorgeholt. (Und mich prompt geärgert, dass ich das im Urlaub nicht auch ständig gemacht habe, aber da war ich ja zumindest im Krummen See, im Wannsee und im Strandbad Jungfernheide). Der Weiße See ist eine grüne Oase, mit Bäumen drumherum und Schilf am Rand und – ganz wichtig – einer Straßenbahnstation, also auch für Radfaulis wie mich sehr schnell erreichbar, auch vom Büro aus. Es gibt zwar ein Strandbad mit Eintritt, aber drum herum ist es ausreichend schön und selbst wenn viel los ist, sind das alles entspannte, nette Leute, so dass ich kein Problem damit habe, meine Sachen am Ufer liegen zu lassen und mich ins Wasser zu stürzen (aka langsam hinein zu waten, bis es meinen Hals erreicht hat). Gestern zum Beispiel waren vorwiegend Familien da, teilweise mit Tapeziertischen, Klappstühlen und jeder Menge Essen, außerdem Gruppen von jungen Leuten mit Grills, Büromenschen und Vertreter der neuen jungen hippen Berlintouristengeneration. Es gibt ein schönes Sprachengewirr und die Bekleidung der Badenden reicht von oben ohne bis Burkini. Sehr Berlin, sehr entspannt.

Ein Reiher am Kreuzpfuhl in Weißensee

Und das Baden selbst… Hach. Es geht sehr flach rein, der Boden ist angenehm fest und sandig, das Wasser samtweich auf der Haut (wenn auch nicht komplett klar), angenehm temperiert (Kunststück, nach den letzten Wochen) und nur ab und zu schwimmen ein paar anhängliche Wasserpflanzen auf oder kurz unter der Oberfläche. Wenn man es sich zutraut, kann man locker einmal direkt über den See schwimmen, so groß ist er nicht. Ich traute mir gestern zu, bis zur Mitte und zurück zu kommen, ohne pausieren zu müssen, hat geklappt. Lange gedauert hat es nicht gerade, aber die Fahrt lohnt sich schon allein für diesen Moment, bis das Wasser auf einmal bis zum Kinn reicht und man sich frei und leicht darin bewegt, als hätte der Körper den ganzen Tag nichts anderes machen wollen. Eine große Wasserratte (im Sinne von Springen, Kraulen, Tauchen, Kunststücke machen) war ich ja nie. Aber dieses einfach im Wasser sein und gemütlich ein wenig zu schwimmen, das ist so super, das mache ich jetzt noch weiter, so lange das Wetter mitmacht. Und danach vielleicht doch wieder regelmäßig in der Schwimmhalle, auch wenn blaue Fliesen und Chlor viel weniger toll sind.

Ein Mutmacher

In diesen Tagen kann man schon einmal ein wenig an der Welt verzweifeln: Es häufen sich die schlechten Nachrichten aus aller Welt, das Leid findet nicht mehr nur in Entwicklungsländern, auf hoher See im Mittelmeer und an den EU-Außengrenzen statt, es ist auch hier in Berlin überall präsent, zum Glück auch endlich in den Medien. Viele engagieren sich, sammeln spenden, helfen. Aber leider liest man immernoch viel zu viele abfällige, fremdenfeindliche, rassistische, zu Gewalt aufrufende Kommentare. Das ganze Internet ist voll davon. Hinzu kommen Debatten über „gute“ und „schlechte“ Flüchtlinge, angebliche „Wirtschaftsflüchtlinge“ und „Asylmissbrauch“. Ermüdend, entmutigend und vor allem enttäuschend.

Zum Glück gibt es eine wachsende Zahl von Leuten, die den Mund aufmachen, die Fluchtgeschichten erzählen und vielleicht irgendwann wieder einen Funken Menschlichkeit in die verstopften Hirne mancher zurückbringen können. Wer die zu Tränen rührende Geschichten lesen möchte, findet sie z.B. bei Andrea Harmonika, Tollabea oder Liisa.

Eine tolle Aufmunterung war für mich gestern Abend der Film Pride im Freiluftkino Friedrichshain. Eigentlich eine historische Komödie, in der es um den Bergarbeiterstreik in Großbritannien und die LGBT-Rechte-Bewegung geht. Gleichzeitig aber auch ein Beweis dafür, was man alles erreichen kann, wenn man zusammenhält, -arbeitet und -kämpft. Solidarität war das Zauberwort. Am Ende verließen wir und auch die anderen Zuschauer den Film mit lächelnden Gesichtern und vermutlich war ich nicht die Einzige, die wieder ein Stück Glauben an die Menschheit und Inspiration für zukünftige Aktionen gewonnen hat. Schaut Euch den Film an, aber vor allem: Helft!

Wie man in Berlin konkret helfen kann, erfährt man unter anderem bei Mit VergnügenBerlin hilft LaGeSo, Lichtenberg hilft oder unter dem Hashtag #einfachmenschsein auf Facebook. (Zu der Aktion gab es gestern ein Porträt bei rbb zibb. An der Aktion sind Freunde von mir beteiligt und der Hase und ich werden auch mitmachen.)

#12v12 im August – Von Röcken, Antifaschisten und dem Weißen See

Wieder ein Zwölfter, wieder zwölf Bilder, die anderen gibt es wie immer bei Caro.
Die Katzen wünschen einen guten Morgen!
In unserem Kiez sind die Straßen nach Antifaschisten benannt, seit ein paar Tagen hängen überall auf meinem Weg zur Tram diese Texte über Erich Weinert.

Wie lange wird es wohl noch Erdbeeren geben? Ich kaufe gleich mal ein Kilo. Die Frau da trägt den gleichen Rock, den ich gestern anhatte.

Im Konferenzraum im Büro läuft grad ein Video vom Auftritt der Beatles im Shea Stadium. Wahrscheinlich nur, um den Sound zu testen, aber hey, so kann der Tag doch gut anfangen.
Ich kaufe mir beim Brötchenmann eine Quark-Stulle mit Gemüse und einen Grießbrei mit Kirschgrütze

In der Mittagspause laden mich die Eltern auf ihren Balkon ein. Es gibt Zucchini mit Ei und zum Nachtisch frisch gebackenen Pflaumenkuchen.

Feierabend-Fahrstuhl-Füße

In der U-Bahn noch ein Rock, den ich mal besessen habe (also das Modell), wer mich aus Rostocker oder Torontoer Zeiten kennt, erinnert sich vielleicht noch.

Ich fahre vom Büro aus wie gestern an den Weißen See und gehe schwimmen.

Nach einer knappen halben Stunde werden mir die Arme schwer – temperaturmäßig hätte ich noch gekonnt, das Wasser war toll! Ich setze mich noch mit ein paar Erdbeeren ans Ufer und blicke auf den See hinaus.

Im Park am Weißen See stehen diese beiden Arbeiter rum, muss mal recherchieren, wer die sind…

Diese kleine niedliche Apotheke in der Berliner Allee ist mir gestern schon aufgefallen. Direkt gegenüber befindet sich übrigens der Kinderladen Miekematze.

Zuhause gibt es ein schnelles, sehr leckeres Abendbrot: Spaghetti mit Tomatensaucenresten, Pecorino fresco, Oliven und Artischocken.