Ein Königreich für ein Lama

So ein Lama hätte uns nämlich super nach Hause oder zumindest bis zur U-Bahn tragen können, nachdem wir gestern das peruanische Restaurant Serrano in Wilmersdorf quasi leergefressen haben. Wie es uns nach Wilmersdorf verschlagen hat? Google war Schuld. Irgendwann letztes Jahr sahen wir etwas über Peru im Fernsehen und setzten das Land danach auf unsere Reise-To-Do-Liste für „irgendwann“. Als Reminiszenz daran schenkte ich dem Mann zu Weihnachten einen Gutschein für ein Essen in einem peruanischen Restaurant – Google machte das Serrano daraus. Als wir nun einen guten Feieranlass hatten – unser Zweijähriges – packten wir sozusagen das Lama bei der Zunge und machten uns auf gen Westen.

Zu trinken gab es für mich überraschend leckeren Blaumaissaft, der gar nicht besonders nach Mais, sondern auch relativ fruchtig schmeckte – so ungefähr in die Pflaumenrichtung. Der Mann entschied sich für Inca Kola, die noch gelber aussah als auf dem Bild, und später ein alkoholhaltiges Maisgetränk – beides war mehr so semilecker. Aber den Blaumaissaft würde ich jederzeit empfehlen.
Als Vorspeise teilten wir uns eine Piceos-Auswahl. Das sind sozusagen peruanische Tapas. So hatten wir Gelegenheit, möglichst viele verschiedene Dinge zu kosten. Darunter waren u.a.:
  • Das peruanische Nationalgericht „Cevice de Rodaballo“ (Kaltes mariniertes weißes Heilbuttfilet mit Limettensaft, Zwiebeln und Rocoto (peruanische Chili))
  • Causa (kalte Kartoffel-Limetten-Masse)
  • Gegrilltes Kalbsherz
  • Papas a la Huancaína (Kartoffeln mit einer Sauce aus Frischkäse, gelber Chili und Cracker)
  • Wantan mit Maishähnchen
  • Bohnen mit Käse
  • Tintenfisch
  • Scampi mit Quinoa-Puffs
  • Gefülltes Palmherz

Mein Hauptgang war bunter Quinoa mit Gemüse, eine Krokette aus rotem Quinoa gefüllt mit grünem Spargel und Koriandercreme. (Statt der Krokette gibt es im Original rosa gebratene Entenbrust, ich hatte die vegetarische Variante. Ich wusste nicht, dass da Spargel dabei sein würde, aber in der grünen Variante habe ich ihn ganz gut herunterbekommen).
Der Mann hatte Maishähnchenbrust in einer Sauce aus gelber Chili, Walnuss und Parmesankäse an mehligen Blaukartoffeln. Wir fanden beide beides lecker und waren aber auch der Meinung, das jeweils eigene sei das bessere – so soll es sein.
Zum Nachtisch gab es dann wieder eine Variation – zum Glück, ich hätte nichts davon verpassen wollen:
  • Lucuma-Eis mit Schokoladensauce und Johannesbeeren
  • Mangoschaum mit Kiwi
  • Brownie mit einer Johannisbrotbaumsirupcreme und Quinoa-Pops
  • Maracujacreme mit Erdbeeren und gerösteten Mandeln
  • „Milchcreme aus Lima“ mit Zimt und Physalis
Es war alles wahnsinnig lecker und selbst Dinge, von denen ich sonst Abstand nehmen würde, wie das Kalbsherz und der grüne Spargel, sind mir nicht unangenehm aufgefallen. Wir kommen auf jeden Fall wieder – am besten wieder zu einem wichtigen Anlass oder mit solventen Gastgebern, ganz billig ist es nämlich nicht – mit Trinkgeld haben wir zu zweit fast 90 € bezahlt…
Drinnen waren einige der Zutaten ausgestellt, ich habe das natürlich dokumentiert:

Diese dummen, dummen Menschen

So lange diese WM noch nicht ganz vorbei ist, kann ich ja nochmal so richtig vom Leder lassen über alles, was mich in den letzten Wochen aufgeregt hat. Die Überschrift ist übrigens ein Zitat von einer lieben Kollegin, das im Arbeitsalltag immer mal wieder Anwendung findet, etwa, wenn Vertreter anderer Abteilungen auch beim drölfzigsten Mal noch die selben Fehler machen und man sie dann wieder darauf hinweisen muss. Aber so ist es nunmal: Wir leben alle in unseren Blasen und auf unseren Tellern und kennen uns da super aus, haben aber wenig Einsicht darüber, welche Wellen unsere Taten über dem Tellerrand so schlagen. Also, vollstes Verständnis für diese typischen Arbeitssituationen!

Kein Verständnis hingegen für die Welle des dummdreisten Nationalismus, der seit Wochen überall herrscht. Ich habe ja überhaupt nix dagegen, dass man sich freut, wenn die deutsche Elf guten Fußball spielt und damit auch noch erfolgreich ist. Aber muss man deswegen so eine militaristische Rhetorik, gewaltverherrlichende Bilder und Symboliken aus den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte wieder hervorholen? Nein, muss man nicht, das war eine rhetorische Frage.

Ebenso unverständlich finde ich es, wenn diese angeblichen „Fußballfans“ ganz schnell die schweren Geschütze auffahren, sobald man mal eine andere Mannschaft als die deutsche gut findet. Das war wirklich auffällig: Als ich am Tag des Halbfinales zwischen den Niederlanden und Argentinien im Oranje-Trikot unterwegs war, erlebte ich alles von abschätzigen Blicken, eingefrorenem Lächeln, interessiertem oder kritischen Nachfragen bis hin zu indirekten Drohungen. Da wurde mein Freund gefragt, warum er mich so aus dem Haus gehen lässt (Das öffnet ja auch nochmal ne ganz andere Schublade an *istischer Kackscheisse). Es wurde vorgeschlagen, das Trikot zu verbrennen, falls die Niederländer Weltmeister würden. Es wurde über mich gesagt, ich würde Hochverrat begehen. Ich meine, gehts noch? Es ist Fußball. Ein Spiel. Und angeblich geht es Euch doch um den Sport und nicht um Nationalismus? Die ganzen Fahnen schwenkt Ihr doch nur aus purem Fandom und nicht etwa, weil ihr so endlich mal wieder Herrenmenschen spielen könnt, oder?

Interessant zu beobachten war übrigens, dass einige Kollegen, die ich auch im Nicht-WM-Alltag als Fußballkenner erlebe, den ganzen Blödsinn nicht mitmachen. Da wird vielleicht mal im Spaß ein Spruch gemacht, dann aber auch gleich relativiert und über die Stärken und Schwächen der verschiedenen Mannschaften geredet. Als echter Fußballfan ist man schon auch mal für Argentinien oder die Niederlande, evtl. sogar Italien, wenn einem die deutsche Mannschaft nicht stark genug ist (oder der Trainer immer die Falschen aufstellt). Diese Leute sind wahrscheinlich auch ganz froh, wenn der ganze WM-Trubel vorbei ist und der „echte“, der Vereinsfußball, wieder das Geschehen bestimmt.

In dieser Welt ist man über plumpen Nationalismus dann auch einfach schon weit hinaus. So wie viele in meinem Umfeld von einer Welt ohne Nationalstaaten träumen, so dass so eine WM irgendwie auch ein Anachronismus ist – auch wenn es Spaß macht zuzusehen, aber für mich könnten dort eben auch einfach die Lilanen gegen die Gelben spielen, der Effekt wäre der Gleiche und die fantasievolle Kostümierung der Fans wahrscheinlich ebenso spannend.

Die gleichen Leute übrigens, die sich brachialer und martialischer Rhetorik bedienen und für die heute Abend die Welt unterginge, wenn Argentinien gewinnt, die zeigen diese Einstellung noch auf eine ganz andere hässliche Weise. Als ich diese Woche die Meldung über den von Asylbewerbern besetzten Fernsehturm auf Facebook postete, erbrachen sie ihre Meinung zu dieser relativ harmlosen, aber effektive Form des Zivilen Ungehorsams in meine Timeline. Was sich diese Leute erlauben würden und sie sollten doch bitte vom Turm springen, damit die armen armen Menschen, die wegen ihnen nicht raufkönnten, Genugtuung bekämen. Überhaupt sollten sie einfach mal die Fresse halten und abwarten und nicht aufmucken, wenn sie schon in diesem Land sein wollen. Und sie würden doch für nachfolgende Bewerber, die es „ehrlich meinen“ (HÄ?) alles nur schwerer machen. Da kotzte ich dann beinahe auch.

Nicht erst seit diesem Tag frage ich mich, ob man ehemalige Klassenkameraden, entfernte Verwandte und aktuelle Kollegen einfach entfreunden sollte. Oder ist das dann wieder irgendwie intolerant, die Augen vor der Realität verschließend oder feige, weil man eben nicht versucht, diese dummen, dummen Menschen zu überzeugen?

Leerer Luftballon

Ich hänge auf der Couch wie ein Luftballon, der die ganze Woche lang gute bunte Laune machte und aus dem jetzt so langsam alle Luft herausgewichen ist. Uff, war diese Woche viel los…

Am Montag hatte ich Spätschicht und traf mich danach mit meinem Bruder zum Essen. Danach musste ich noch dringend baden. Schlafenszeit: So gegen 1. Aufwachzeit: So gegen 5 Uhr. Aus Gründen, über die ich des häuslichen Friedens wegen einen Mantel des Schweigens breite. Ihr versteht.
Der Dienstag brachte das Deutschland-Brasilien-Spiel, dass wir bei Freunden sahen. Schlafenszeit: So gegen 2.
Am Mittwoch hatte ich wieder Spätschicht und war dann das einzige Mal diese Woche abends zuhause. Es lief ja aber trotz allem Fußball und zwar bis zum Elfmeterschießen. Schlafenszeit: So gegen 2.
Donnerstag dann keine Spätschicht, denn nach der Arbeit fuhr ich mit einer Freundin zu einem Konzert nach Potsdam. Da muss man dann abends auch erstmal wieder heimkommen. Schlafenszeit: So gegen halb 2.
Um wenigstens ein bisschen Schlaf nachzuholen nahm ich am Freitag die Mittelschicht. Nach der Arbeit war es dann Zeit für meinen ersten Junggesellinnenabschied (zu diesem Thema evtl. demnächst mehr). Schlafenszeit: So gegen 4.
Heute morgen klingelte mein Wecker dann aus unerfindlichen Gründen nicht. Zum Glück wachte ich pünktlich um 10 auf, klappte meinen Laptop auf und konnte mit der Arbeit beginnen.
6 Tage, viel Zeug (großartiges Zeug!) und gigantisch wenig Schlaf. Dieses Wochenende jetzt habe ich mir aber mal sowas von verdient. Vielleicht leiste ich mir auch gleich noch ein Nickerchen vor dem Spiel um Platz 3.
Erstmal tief durchatmen, damit der Luftballon sich wieder füllt…

Tagebuch-5 im Juli

Gestern war es wieder soweit, Frau Brüllen fragte: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Wir stehen trotz Sonnabend früh auf, da wir zum Mittagessen bei den Eltern des Mannes sein wollen – das sind ca. anderthalb Stunden mit dem Auto und einiges muss vorher noch erledigt werden. Ich lege zum Beispiel Wäsche zusammen und packe endlich mal mein Urlaubsgepäck von letzter Woche aus und weg. Der Mann gießt die Balkonpflanzen und erntet unten Brennesseln, die in die Blumentöpfe kommen, damit das Gießwasser nicht so schnell verdunstet. Unser Balkon ist inzwischen ein richtiger Garten und die Tomaten brauchen nicht mehr lange, bis sie rot sind.
Dann packen wir unseren Kram zusammen, holen uns noch einen Kaffee im Stammcafé inklusive ausführlichem Schnack mit dem Besitzer (Geht alle ins Café Eckstern!!), halten kurz am Buchladen um die Ecke, um den bestellten Irland-Reiseführer für unseren diesjährigen Sommerurlaub abzuholen und dann geht es on the road dorthin, wo es kein Internet gibt.

Nach dem Mittagessen machen wir uns recht bald auf zur Hauptattraktion dieses Wochenendes: Der Sohn unserer Freunde wird drei und es steht eine Cars-Geburtstagsparty im Garten an. Die Kinder machen ordentlich Radau, es gibt Unmengen zu essen und nette Gespräche. Ich bin scheinbar super im Schaukel anschubsen und beim Rutschen assistieren. Nach noch mehr Essen räumen wir dann kurz nach 21 Uhr alles zusammen und setzen uns vor den Fernseher. Holland gewinnt, mit Hängen und Würgen.

Dann fahren wir wieder zurück zu den so-called Schwiegereltern und schlafen laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange. Am nächsten Morgen (es ist inzwischen der 6., aber das muss noch mit rein) finde ich in der Küche ungefähr ein halbes Kilo Himbeeren vor, dass beim Kuchenbacken übrig geblieben ist. Ich esse so schnell ich kann, aber leider schaffe ich es nicht mehr, bevor wir zum Mittagessen aufbrechen müssen 😉

Mein Geburtstagsgeschenk

Dieses Jahr schenkte ich mir selbst etwas: Eine Woche on the road (oder eher on the tracks), mit dem Ziel diverse Freundinnen in diversen deutschen Städten zu besuchen. Anders als beim Sizilien-Urlaub (dessen Berichtestattung ich immernoch nicht abgeschlossen habe), möchte ich versuchen, die gesamte Reise in einem Post zu verbraten – ich muss mich also kurzfassen. Here goes:

1. Bremen und Bremerhaven
Hier wohnt und arbeitet mein Bruder samt Freundin und es ist mein zweiter Besuch in der Hansestadt. Bremerhaven ist neu für mich. Interessant: Die vielen Deutschland-Flaggen wegen der WM. Bestätigen mein Klischee und es sind die meisten auf der Reise. Ansonsten schön maritim und das Auswandererhaus ist großartig gemacht. Da könnte man bei mehr Zeit auch locker mal einen Tag verbringen. So machte ich einen Schnelldurchlauf durch die verschiedenen Schiffstypen inkl. Bordklo, Ellis Island, die Grand Central Station und das Deutschland der 70er Jahre. Spannend und lebensnah!

In Bremen selbst ist dann weniger Urlaub als Familienbesuch: Es wird Fußball geschaut, Pizza bestellt und Bürokratiekram erledigt. 
Am nächsten Tag dann aber doch noch: Bremer Uni angeguckt, Innenstadt durchschlendert, Osterdeich und Viertel abgewandert und Rollo gegessen. 

Und schon geht’s weiter nach
2. Münster
Hier promoviert eine Freundin. Wir gehen zunächst in den Schlosspark und haben ein aufregendes Erlebnis mit einem Obdachlosen, wie man es sonst nur aus Filmen kennt: Er kommt fröhlich singend und leicht angetüdert auf einem Fahrrad angefahren und braucht etwa drei Minuten, um das Fahrrad sicher anzuschließen. Dann legt er Rucksack, Jacke und Mütze auf dem Pavillon ab, über dessen Brüstung er nun klettert. Mit einigen Schwierigkeiten kommt er hoch und setzt nun zunächst die Mütze wieder auf, bevor er übers Geländer klettert – an dieser Stelle liegen wir vor Lachen fast auf dem Boden. Dann räumt er den Pavillon ein wenig auf, schnappt sich einen Besen und kehrt seine Schlafstätte sauber, bevor er seinen Schlafsack ausbreitet. Wir ziehen uns diskret zurück.
Zuhause kochen wir aus Weißkohl, dicken Bohnen, frischem Kurkuma und Kokosmilch ein köstliches Curry, dann wird es Zeit, ins Bett zu gehen.

Den nächsten Vormittag verbringe ich lesend und schlafend im Bett, während meine Freundin arbeitet. Zum Mittag treffen wir uns mit ihrem Mitbewohner, einigen Kollegen und deren Angehörigen. Bei deutsch-englisch-italienisch-spanisch-katalanischen Gesprächen Essen wir Flammkuchen und sardische Pizza. Danach bummeln wir noch ein wenig durch die Stadt und ich bekomme die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gezeigt. 

Und zack, ist es Zeit für meinen Zug nach
3. Bielefeld
Auch hier promoviert eine Freundin. Ich treffe sie nach einem Vortrag, den sie gerade bei der Eröffnung einer Fotoausstellung gehalten hat und wir schauen uns die Bilder an und schnorren Schnittchen. Dann plündern wir einen Supermarkt und setzen uns zum Picknick auf den Siegfriedplatz – das macht man hier so. (In anderen Städten sitzt man bequem im Park, in Bielefeld bevorzugt man das harte Pflaster.)
Morgens muss meine Freundin früh aufstehen und ich darf wieder liegenbleiben. Nutze das Nicht-wieder-einschlafen-können für 1,5 Folgen Orange is the New Black (bei der Zweiten kann ich’s doch). Dann Frühstück Stadtbummel mit schwerem Gepäck. Brauche alle 20 Minuten eine kurze Pause. Die längste mache ich im Park der Menschenrechte.

Die lange Zugfahrt verbringe ich hauptsächlich mit dem Beobachten und Bespaßen zweier Kinder an meinem Tisch: Amos und Malena (nicht verschwistert) – so komme ich kaum zum Lesen. Erst als auch Malena ausgestiegen ist, hole ich ein wenig Schlaf nach, dann bin ich auch schon in
4. Tübingen
Auf einmal ist Sommer und dazu noch hat Deutschland gerade das Achtelfinale erreicht. Die Stadt begrüßt mich kurzbeinlich und mit Autokorso. Meine Freundin, die hier gerade ein Traineeship absolviert, holt mich ab und gemeinsam besuchen wir eine weitere Freundin, S. Ich habe S. ca. 1997 oder 98 im Internet kennengelernt. Damals hatten wir recht engen, später eher losen Kontakt. Heute treffen wir uns zum ersten Mal im „Real Life“ und es ist großartig. Wir haben eine Menge gemeinsam und einen höchst kompatiblen Humor. Auf S.‘ Terrasse wird dann gegrillt. Da meine Freundin früh aufstehen muss (Das Muster zieht sich durch die Woche) brechen wir dann aber recht früh auf in das Dorf, in dem sie eine WG in einem alten Bauernhof bewohnt.
Am nächsten Tag treffe ich S. in der Stadt zum Mittagessen (Kässpätzle und Holunderwunder) und Sightseeing. Tübingen ist wunderschön und bei aller Kleinstädtischkeit sehr international. Für eine Weile könnte ich es hier sicher gut aushalten. Wir treffen einen Bekannten von S., der uns noch mit einigen lustigen Anekdoten versorgt.

Dann muss S. los und ich treffe meine Freundin für unsere Mitfahrgelegenheit nach
5. München
Die Autofahrt ist interessant bis lebensbedrohlich, da der 20-jährige Fahrer auch bei 170 km/h einen sehr lockeren Fahrstil pflegt. Zwischendurch rückt meine Freundin sehr nah an mich heran und wir überlegen, uns absetzen zu lassen. Wir halten dann aber doch durch und starten erleichtert in unser München-Wochenende zu viert – eine Fortsetzung des Nürnberg-Wochenendes von letztem Oktober.

Nach einem ruhigen Abend in der 1-Zimmer-Wohnung von C. starten wir am Samstag recht gemütlich ins Wochenende. Wir frühstücken köstlich und in aller Ruhe im Glockenbachviertel und bummeln dann größtenteils durch die Innenstadt. Im Englischen Garten statten wir dem Eisbach einen Besuch ab und liegen später noch eine Weile auf einer Wiese. Wie immer bei uns ist der Tag geprägt von Gesprächen und Diskussionen – von gesellschaftspolitischen Themen über unsere privaten Zukunftspläne, Beziehungen und Befindlichkeiten bis zu den großen philosophischen Fragen. Da alle gern und viel durcheinander reden, kann das durchaus auch anstrengend werden. 

Aber frisch gepresster Saft, Zuckerwatte, Kressebrezn und ein Wolkenbruch heitern die Stimmung zwischendurch immer wieder auf. Zum Abendbrot und fürs Eisessen danach geht es in die Maxvorstadt und danach schlafe ich zum ersten Mal in einer Woche wieder einmal zwei Nächte in derselben Stadt.

Am Sonntag lassen wir das Wochenende in einer Kakaobar ausklingen: Man bezahlt 10 € Mindestumsatz für köstliche Schokoladenvariationen (und andere Getränke) und kann dafür nach Herzenslust das Büffet plündern. Genau richtig für uns. Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass Lavendel großartig zu heißer Schokolade passt.

Den Abschluss meines Urlaubs bildet eine schön lange verregnete Zugfahrt zurück nach Berlin – Gelegenheit für Lektüre, Reflexion und das Bloggen. 
Erkenntnisse: 

  • Drei Bücher für eine Woche sind zwei zu viel, wenn man lauter tolle Menschen trifft
  • Ich packe ansonsten relativ gut, hätte ich ein wenig mehr gekleckert, hätte ich alle Klamotten gebraucht
  • Menschen, die einem im Internet sympathisch sind, sind es in aller Regel offline auch (andersherum trifft das nicht immer zu…). Die Erkenntnis ist nicht neu, aber hat sich wieder bestätigt
  • Mein Freundeskreis ist wundervoll. Außerdem auch sehr kosmopolit. Und er enthält überdurchschnittlich viele Promovenden und Post-Docs. Ich darf trotzdem mitspielen
  • Andere Regionen Deutschlands können sich wie Ausland anfühlen, im positiven, wie im negativen Sinne
  • München ist nett, aber keine Stadt für mich
  • Berlin hingegen ist genau meine Stadt – alles richtig gemacht. 🙂

Fast wie Sommerferien

Den Großteil der letzten Woche habe ich mit einer Schulung zugebracht. Mit Ferien kann man das natürlich nicht wirklich vergleichen, aber die Abwechslung vom Büroalltag ist nicht zu unterschätzen: Statt 8 Stunden mehr oder weniger gleichförmiger Schreibtischarbeit mit den üblichen Unterbrechungen, Meetings und Küchengängen eine Reise zurück in die Vergangenheit: Vier 90-Minuten-Blöcke am Tag, ein Dozent und 17 Mit-Teilnehmer, dazwischen mehrere kurze Pausen und eine lange – das fühlte sich fast wie früher an der Uni an. Ich bin in der letzten Woche also mal eben ein paar Jahre jünger geworden, sozusagen. Ohje, wie „früher an der Uni“ schon klingt. Aber es ist jetzt auch wirklich schon sechs Jahre her, dass ich meinen Abschluss gemacht habe. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, mal wieder gezielt und systematisch etwas zu lernen, ich finde, das kommt im Arbeitsalltag zu kurz.

Auf diese überaus erfrischende und lehrreiche Schulungswoche folgt nun eine noch entspannendere: Ich habe nämlich tatsächlich Urlaub. Morgen früh geht es los: Mein Rucksack und ich reisen eine Woche lang quer durch Deutschland und besuchen erst meinen Bruder und danach diverse Freundinnen. Die Reise geht von Berlin nach Bremerhaven und Bremen, nach Münster und Bielefeld, nach Tübingen (wo ich eine Internetbekanntschaft zum ersten Mal live treffen werde, die ich jetzt schon seit über 15 Jahren pflege) und zum Schluss nach München. Auch hier freue ich mich über viele neue Eindrücke, das Rauskommen aus dem Alltag und das relativ freie In-den-Tag-hineinleben. Alleine durch fremde Städte laufen, hoffentlich ein paar regionale Gerichte probieren, im Zug viel lesen und an den Abenden spannende Gespräche führen… Das wird gut.

Ich weiß allerdings auch schon jetzt, dass ich meine drei langhaarigen Mitbewohner – also den Mann, Noosa und Nimbin 😉 – zwischenzeitlich auch ganz schrecklich vermissen werde. Aber so soll es ja sein beim Reisen: Sich freuen, wenn man losfährt UND wenn man zurückkommt. Na dann los…

Gefüllte Papaya verhilft Oranje zum Sieg

Vorgestern musste ich erst mehrere Läden durchstöbern, um noch an ein paar Rhabarber-Stangen zu kommen. Dabei lachten mich beim Späti des Vertrauens goldgelbe, riesige Papayas an. Eine hüpfte mir direkt unter den Arm, denn sie sind in dieser Größe perfekt für eines meiner Lieblingsgerichte.

Zum ersten Mal aß ich gefüllte Papaya irgendwann in den frühen Nuller Jahren in einem kubanischen Restaurant in Rostock, dass es leider nicht mehr gibt – in meinem Herzen wird es auch wegen seines Wahnsinns-Brunches für 9,90 inkl. Säfte, Sekt und Wein für immer ein Plätzchen haben. Damals gab es eine Papaya-Hälfte gefüllt mit Reis, Hackfleisch und schwarzen Bohnen, überbacken mit Käse. Ich war hin und weg. Die Kombination von herzhaften Zutaten mit Obst ist seit jeher eine meiner Liebsten. Statt Reis funktioniert übrigens auch Couscous sehr gut, man kann bei großen Papayas die Sättigungsbeilage aber auch einfach weglassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Butterweich glitt das Messer durch die perfekt gereifte Frucht und auch der Löffel musste die Papaya nur ganz zart streicheln, um die Kerne herauszuholen. Die dunklen Stellen unten am Stiel habe ich auch noch weggeschnitten. Die Kerne kann man übrigens essen, sie sind nur in der Menge ganz schön scharf. Ein paar davon habe ich kleingehackt und in die Bohnenmasse gerührt, der Rest trocknet jetzt und wandert dann in die Gewürzsammlung.
Statt Hackfleisch und schwarzen Bohnen nehme ich seit dem Kanada-Aufenthalt im letzten Jahr Refried Beans – ich muss mir da noch ein Rezept für besorgen, dann wird’s beim nächsten Mal komplett vegetarisch – in den Dosen ist Schmalz mit drin. Dafür ist die Konsistenz fast hackfleischartig und die Mischung ist bereits gut gewürzt. Dazu kamen noch zwei meiner „Mexikanisch-mach-Tricks“: Koriandergrün und Limette.
Die beiden Papaya-Hälften passten zusammen perfekt in die große IKEA-Auflaufform. Solange sie nicht kippeln reicht aber auch ein Blech.
Käse drüber (in diesem Fall ein Pecorino, Cheddar ist aber auch eine gute Wahl) und fertig ist das Gartenhäuschen. Diesmal waren sie bei 200 Grad für ne halbe Stunde im Backofen – der Käse war geschmolzen und ein wenig gebräunt, die Bohnen hatten oben eine schöne Kruste bekommen. Zeit und Temperatur sind aber variabel. Hauptsache, die Papaya ist weich genug zum Auslöffeln – das war sie in diesem Fall ja schon vorher.

Rechtzeitig zum Anpfiff stand das gute Stück auf dem Tisch und bot gemeinsam mit dem Schöfferhofer Grapefruit farblich die perfekte Grundlage für einen fulminanten 5:1-Sieg der Oranjes. Ich koche dann in den nächsten Wochen noch öfter orange!

12 von 12 im Juni

Man hangelt sich so von 5 zu 12, wa? Im Moment ist aber auch immens wenig Zeit zum Bloggen. Ständig feiert irgendwer irgendwas oder man muss zu Konzerten, Essensverabredungen oder ins Büro. Vielleicht wird es ab nächster Woche etwas besser, ich hab da noch einiges auf Halde. Jetzt aber erstmal 12 von 12. Die anderen gibt es bei Draußen nur Kännchen.
Zum Frühstück meine beiden Lieblingsfrüchte: Erdbeeren mit Mango-Joghurt. Ich halte es mit den Erdbeeren so wie Frau Schnips:
Im Büro sind alle im WM-Fieber, wenn auch nicht unbedingt immer aus sportlicher/fußballerischer Sicht. Die Kolleginnen kleben sich zum Beispiel Panini-Bildchen auf die Telefone… Und irgendwer meinte, wir müssten alle diese Fahnen irgendwo hinkleben. Ich wollte erst nicht, aber Frau Teamlead hat dann eigenmächtig meine Tastatur verschönert. Immerhin mit dem richtigen Winkelement – sie kennt mich gut. Ich könnte wohl mal meine Tastatur putzen…
Zum Mittag hatte ich Lust auf Chinesisch und ging daher mit @rammc zu China City und bestellte mir all das, was ich an der chinesischen Küche am liebsten habe: Gedünsteten Pak Choi mit ordentlich Knoblauch und dazu Glasnudeln, Morcheln und Bambussprossen. Mjam.
Danach machten wir einen Abstecher zum Lidl, der sehr ertragreich war, fotografisch gesehen… Pringoals hat also merkwürdige WM-Sorten…

…während hier jemand augenscheinlich Arizona Ice Tea kopiert…
…und diese Aktion wohl eher „Beef and Grief“ heißen sollte.

Zurück im Büro gab es dann doppelten Nachtisch: Das Goods-Team spendierte uns eine Runde Eis…

…und von Frau Teamlead gabs Muffins in Fußballform als Dankeschön für unseren Sondereinsatz letzte Woche.

Kurz vor Feierabend fiel zwei Kolleginnen auf, dass sie quasi gleichgemustert herumliefen.

Auf dem Rückweg las ich diese schöne Szene über Opa Kevin.
Zuhause bereitete ich mich auf einen Fußball-Abend allein vor – der Mann boykottiert diese WM aufgrund all der Dinge, die fragwürdig bis unwürdig gelaufen sind in der Organisation. Ich bewundere diese Haltung, kann mich aber der Tradition nicht ganz erwehren. So fährt der Mann also angeln (und hört dort das Spiel, weil Béla Réthys Kommentar über den ganzen See schallt… Und ich darf endlich mal wieder Rhabarber essen. Das Rezept in Kürze: Rhabarber in Ahornsirup marinieren, dann Wasser dazu und kurz aufkochen. Dazu gibts Vanille-Kokospudding aus Vanillepuddingpulver, Kokosmilch und Palmzucker. Nochmal Mjam.

Und dann geht das Spiel los – hier im Bild eine Aktion für den Frieden und wie es aussieht auch die Diversität. Immerhin etwas.

Tagebuch-5 im Juni

Und Zack ist wieder ein Monat rum und Fr. Brüllen fragt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Die anderen Beiträge findet man hier.
Hier so:

Der Tag beginnt mal wieder viel zu früh. Gestern wurde es spät und da wir Besuch haben und die Katzen daher nachts ausnahmsweise ins Wohnzimmer dürfen, weckte mich Maunzen und Getrappel schon eine Dreiviertelstunde vor dem Wecker. Zum Glück bin ich noch einmal eingeschlafen, aber müde und kaputt bin ich dennoch.

Ich nehme mir die letzten Erdbeeren vom Wochenende, ein paar Aprikosen und einen Apfel mit ins Büro fürs Frühstück. Heute wird ein langer Tag, es gibt nach dem etwas chaotischen Wocheneinstieg mit Betriebsratssitzungen, einem Videocall,  dem Einarbeiten der Kollegen in ein neues Tool mit den dazugerigen Hickups und einem langen Meeting am Vortag noch viel abzuarbeiten vor dem nächsten Feiertag.
Heute ist hingegen nicht viel los, so dass ich eine Menge schaffe. Nur einmal sorgt ein etwas komplexeres Problem für Aufregung und Abwechslung: Jemand hat eine Anweisung zu korrekt ausgeführt und plötzlich ist ein Teil unserer Seite nicht zu erreichen. Aber auch das geht vorüber. 
Zum Mittag gibt es bei Pasta Deli eine köstliche „California Light“-Pastavariante mit Stangenselleriepesto, Zitronengras, Mandeln und Parmesan. Ich bin verliebt.
Der Mann feiert zeitgleich wie jeden Donnerstag den Gehacktestag. Diesmal bezieht er sich auf den Maya-Kalender. Seine Illustration dazu:

Zum Nachmittag hin und als Durchhaltetrick gönne ich mir Obst in Kuchen- und leider auch Flaggenform, schmeckte aber trotzdem:

Dann ist irgendwann Feierabend und ich kaufe auf dem Heimweg noch schnell etwas für die Suppe ein. Der letzte Mangold soll verwendet werden. Es wird eine Mangold-Kokos-Suppe mit Ingwer, Zitronengras und Koriander, die ich gemeinsam mit dem Besuch, @Fiann von Copper, boom! verzehre. Dabei reden wir über dieses und jenes und solches und einige von Euch.

Ich bin sehr stolz, dass ich es nicht vergessen habe, Waldmeister vom Balkon für die Bowle am Wochenende zu ernten. Den Rest werde ich auspflanzen oder demnächst per Sirup haltbar machen – so oft braucht man ja Waldmeister nicht. Das wichtige Büschel hängt in der Bibliothek aka Gästezimmer und beschert @Fiann hoffentlich schöne Träume.

Spätschicht-Smoothie

Dieser Post sollte eigentlich Montag erscheinen, aber meine App hat Mist gebaut und ich habe es nicht einmal gemerkt. Dafür dann jetzt:

Da die BSR leider keine Rücksicht darauf nimmt, dass ich montags Spätschicht habe, hat das mit dem Ausschlafen mal wieder nur so semigut funktioniert. Hat aber den Vorteil, dass ich die Sonnenstunden auf dem Balkon für ein gemütliches Smoothie-Frühstück nutzen kann.

Mangold, Wassermelone und Aprikose, dazu für Gesundheit und Farbe Curcuma sowie für Gesundheit und Süße Honig. Ich glaube morgen probiere ich es dann mal mit Äpfeln und Erdbeeren zum Mangold.