Die erste Tüte

Gestern haben wir nach viel zu langer Zeit mal wieder eines unseres Lieblingsbabies gesehen, wobei, mit fast 1,5 Jahren ist es jetzt wohl ein Kleinkind. Und prompt haben wir einer Premiere beigewohnt: Zum ersten Mal bekam es gestern eine Kugel Eis für sich ganz allein – „die erste Tüte“. Vanille nämlich, obwohl das Mango-Eis von Mama natürlich deutlich besser schmeckte.

Es war toll zu sehen, wie Kinder in dem Alter die Welt begreifen. Dass man Eis isst, war irgendwie klar, nur wie genau nochmal? Zunächst wurde es etwas schief in der Hand gehalten, dann entsann man sich der kleinen Schaufel, die in der anderen Hand war und löffelte Eis darauf. Das Schaufeleis wurde dann genüsslich geschleckt. Schaufeln sind eben auch Löffel, von Prinzip her!
Schritt zwei war dann, die Malqualitäten von so einer Eistüte auszuprobieren. Erst auf der eigenen Hose, dann auf der von Mama, dann auf meiner. Funktioniert ganz gut, schmilzt aber leider viel zu schnell weg.
Am Ende dann die Spitze der Tüte abknabbern, die passt immerhin in den Mund! Das Eis wurde noch rechtzeitig in willige Erwachsenenmünder gestopft, dann wurde die Tüte endgültig als Spielzeug freigegeben und prompt wie ein richtig fetter Joint zwischen Daumen, Zeige- und Ringfinger gehalten. Die erste Tüte eben.
Ein wundervoller Nachmittag, auch wenn sich das Kind später unter meiner Aufsicht noch in einer Spielplatzpfütze auf den Hosenboden setzte. War nicht schlimm, ein bisschen Modder gehört dazu und Eisflecken gehen schon beim ersten Waschen raus. Finden die Eltern zum Glück auch.

Auf Schulung in Bremen

Ich bin diese Woche beruflich in Bremen, was aus zweierlei Gründen ein merkwürdiges Timing ist – zum Einen streikt nicht nur die GDL, weswegen auch meine Rückfahrt etwas komplizierter wird, sondern auch DHL, weswegen unsere Arbeitsmaterialien erst heute an Tag 3 ankamen – zum zweiten lebt mein Bruder ja hier, ist aber ausgerechnet in dieser Woche beruflich unterwegs – in Potsdam!


Aber immerhin ist mir die Stadt ja nun keine Unbekannte und ich freue mich, Sie auch mal ein wenig auf eigene Faust zu erkunden. Eine weitere Besonderheit dieser Woche ist, dass ich zum ersten Mal ganz allein auf einer Dienstreise bin, zum ersten Mal ein Hotelzimmer ganz für mich allein habe (letztes Mal nächtigte ich bei einer Freundin) und auch zum ersten Mal gleich vier Nächte am Stück überhaupt in einem Hotel bin. Sonst bleibe ich auf Reisen nie länger als 1-2 Nächte am selben Ort und wenn, dann eben irgendwo privat bei Freunden. 

Alles neu und alles anders diesmal. Aber einige Bremen Must-haves habe
Ich trotzdem schon absolviert: Durch die Altstadt spaziert (diesmal mit Stadtführer), am Osterdeich entlanggelaufen, durchs Viertel geschlendert und im Eislabor ein Eis (unter 3 Kugeln geht da nichts!) gegessen.

Drumherum merke ich, wie wichtig mir nach einem Seminartag mit fremden Menschen ein wenig Zeit ganz allein mit mir ist. Gestern war ich nach der Stadtführung eben noch ganz allein unterwegs, heute seilte ich mich nach dem Seminar ab und ging erst zum Kieser Training (auch das zum ersten Mal in einer anderen Stadt) und lief dann flotte sechs Kilometer durch Hastedt, Viertel und Contrescarpe zurück ins Hotel. Immer ist Wasser oder Park mit am Start – wahrscheinlich zieht es mich morgen in den Bürgerpark und/oder nochmal zum Eislabor. 

An jedem Abend bin ich spätestens um 10 auf dem Zimmer und freue mich über die Gelegenheit, einfach gemütlich im Bett zu liegen und Bücher und das Internet leer zu lesen. Und morgens… bleibe ich bis kurz vor knapp liegen, husche in letzter Minute runter zum Frühstück und esse möglichst allein – erstmal auftauen, bevor es wieder ins Seminar geht. Mir fehlt scheinbar wirklich der lange Anfahrtsweg ins Büro 😉
Beim Herumlaufen läuft mir mehrfach ein Schauer über den Rücken, wenn mir wieder einfällt, dass wir auf der Rückfahrt vom letzten Bremen-Ausflug den Autounfall hatten – wirklich verarbeitet ist das wohl noch lange nicht. Aber ein kleines Stück des Weges habe ich wohl mit meinem erneuten Aufenthalt hier zurückgelegt. (Insofern waren die drei Kugeln Eis heute wohl auch therapeutisch, die hatten wir damals vor unserer Abfahrt nämlich auch…)

Rhabarber Pie

Der Hase brachte gestern frischen Rhabarber aus der Heimat mit und da ich morgen für eine Woche auf Dienstreise fahre, wollte er direkt heute verarbeitet werden. Ganz habe ich es nicht geschafft – der Hase isst nämlich selbst keinen Rhabarber, so dass die Aufgabe allein mir zu fällt und ich einen Teil der Stangen eingefroren habe. Aus dem Rest und dem, was noch so da war, habe ich Pies gemacht. Eigentlich sollten beide gedeckt sein, aber dafür reichten die Teigzutaten nicht aus, also bekam die eine nur ein Gitter.

Rhabarber Pie

-Mürbeteig herstellen (in meinem Fall aus einer Mischung aus Dinkelvollkorn- und Maismehl, was anderes war nicht da)
-Während der Teig im Kühlschrank ruht, Rhabarber ggf. schälen und in kurze Stücke schneiden, zuckern und mit Vanille verfeinern.
-Den Teig dünn ausrollen, eine gebutterte Backform damit auslegen und dann mit einer Gabel einstechen.
-Rhabarber darauf verteilen.
-Mit einer zweiten Teigschicht bedecken, den Rand mit einer Gabel verzieren und wieder Löcher einstechen.
-Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad etwa 30 Minuten backen.
-Etwas abkühlen lassen und noch warm servieren.

#12v12 im Mai

Wie gut ich wirklich in Mathe bin, merke ich ja jeden Monat wieder, wenn ich mich wundere, dass 12 von 12 so kurz nach dem Tagebuch-5 ist. Hab dann auch fleißig Fotos von meinem Tag gemacht, die anderen findet Ihr bei Caro.
Der Duschvorhang ist derzeit eines der Lieblingsspielzeuge von Nimbin und wird bis aufs Blut – bzw. bis auf das Durchstechen des Öko-Kunststoffs mit den Krallen – bekämpft.
Heute soll es warm werden, ich ziehe mich also luftig an.
Fürs Frühstück werden die letzten Erdbeeren in Joghurt geschnippelt, das heißt, ich muss spätestens morgen neue kaufen – kein Tag ohne Erdbeeren, solange Saison ist!
Am Alex weckt dieses Plakat starke Brombeer-Cider-Gelüste in mir. Als ich es Instagramme, sehe ich, dass Alu von Grosse KöPfe auch gerade ein Bild vom U2-Bahnsteig gepostet hat. Ich blicke auf  und, richtig, da ist sie. Dank 12 von 12 haben wir ja auch beide heute Morgen schon gesehen, was die andere trägt, so dass ein Erkennen auch dann möglich gewesen wäre, hätten wir uns nicht letzte Woche auf der re:publica zum ersten Mal die Hand geschüttelt. So wird die Fahrt mit der U-Bahn zu einem impromptu Bloggerinnentreffen. 

Im Büro angekommen wähle ich für den Weg in den 5. Stock mal wieder faul den Fahrstuhl. (Andere machen das mit dem 1. und 2. Stock, das würde mir nur einfallen, wenn ich (temporär) gehbehindert wäre oder wirklich viel Gepäck dabei hätte.)

Weil ich heute sehr müde bin, gibt es zusätzlich zum Tee noch eine Tasse Kaffee.
Beim Betreten des Meetingraumes noch Getränke der Vorgänger vorfinden ist eine schöne Abwechslung.

Nach der Sitzung geht es mit Nudelsalat, Aloe Vera-Drink und Buch raus in den sonnigen Park – Mittagspause.

Beim Lesen Salat essen macht lustige Ölflecken auf der Hose.

Einen Teil des Nachmittags verbringe ich mit dem Durcharbeiten dieses riesigen Stapels an Unterlagen, die ich mir gestern ausgedruckt habe. Da ich normalerweise keinen Arbeitslaptop habe und benötige, die Unterlagen aber mobil nutzen will, passiert das ganz klassisch mit Stift und Papier und nicht ohne schlechtem Gewissen ob der für mich gestorbenen Bäume.
Nach Feierabend findet heute ein informeller Umtrunk in der Büroküche statt.

Dabei bekomme ich auch feierlich meine 5-Jahre-Groupon-Jacke und ein Fläschchen Prosecco überreicht.
Bonustracks:

Die Jacke und ich, seitenrichtig vor passendem Hintergrund.

Nimbin bräsig auf der schleudernden Waschmaschine.

Meine Foodie-Woche: re:publica, Erdbeeren und Green Kitchen Stories (vorsicht, lang!)

Hach, was war das für eine großartige Zeit auf der re:publica. Wie im letzten Jahr ging das alles viel, viel, viel zu schnell vorbei und ich bin froh, dass ich mir diesmal den Freitag frei genommen habe und so noch ein paar Tage Zeit hatte, das Erlebte nachwirken zu lassen, bevor wieder der reguläre Büro-Alltag losging…
Normalerweise bin ich ja sehr faul, was das Mitschreiben in Vorträgen, Seminaren und Workshops angeht, aber dieses Mal habe ich an den drei Tagen so viel notiert, wie wahrscheinlich an keinen drei aufeinanderfolgenden Uni-Tagen meines Lebens. Die ganzen Anregungen, Links und Denkanstöße muss ich auf jeden Fall nochmal in Ruhe durchgehen, ebenso wie ich noch eine Menge Talks nachgucken muss, die ich verpasst habe. Dabei habe ich mir – wie letztes Jahr – ein sehr straffes Programm jeweils von 10 bis 20.45 Uhr auferlegt und habe insgesamt nur zweimal kurzfristig eine Session ausfallen lassen, um mich mit Leuten zu treffen, bzw. etwas zu essen.
Meinen kompletten Session-Plan mit Links findet Ihr am Ende dieses Beitrags – ausführlich soll es ja hier um meine Foodie-Erlebnisse gehen, speziell Tag 2 war ja sehr ergiebig für Menschen wie mich. Es standen nämlich ganze 3 (in Worten: drei) essensthematische Sessions auf dem Plan. Los ging es mit Blick über den Tellerrand – Food Blogging 2.0, (Audio) einer Diskussionsrunde mit Malin Elmlid, Hendrik Haase, Carmen Hillebrand und Eva Schulz. Kernthese war, dass es bei dieser „neuen“ Art von Foodblogs um mehr als reines Rezepte-Posten, Restaurant-Kritisieren und Mund-wässrig-Machen geht, sondern zusätzlich eine gehörige Portion Aktivismus vorhanden ist: Für gutes Essen, regional, nachhaltig und sozialverträglich. Malin Elmlid kommt aus Schweden und war sehr überrascht, dass es in Deutschland, dem Land des Brotes, schwer ist, gutes Sauerteig-Brot zu finden. Sie lernte also selbst backen und begann, ihre Brote gegen Geld, Sachen oder Erfahrungen zu tauschen. Zu Beginn bekam sie für ein Brot vielleicht 2 €, inzwischen kann es auch schonmal ein Wochenende in einem Luxus-Hotel sein. Ihr Blog The Bread Exchange erzählt die Tauschgeschichten, die den eigentlichen Wert guten Brotes sichtbar machen. (Passend zum Thema könnt Ihr übrigens derzeit in der MDR-Mediathek noch meinen guten Freund Stefan Richter bei Unter Uns über seine Kampagne #lidllohntnicht reden hören und sehen – irgendwo in der zweiten Hälfte der Sendung.)
Hendrik Haase ist dem Internet als Wurstsack bekannt – er beschäftigt sich vordergründig mit gutem Fleisch, guter Wurst und dem Fleischerhandwerk. Drumherum ist er aber auch mal als Ein-Mann-Lobby beim Ministerium für Verbraucherschutz unterwegs und engagiert sich ganz allgemein für gute, regionale Produkte sowie traditionelle Lebensmittel und Zubereitungen. Ihm ist es zu verdanken, dass ich jetzt möglichst schnell mal bei Nobelhart und Schmutzig essen gehen will, deren Küche „brutal lokal“ ist und nur Produkte verwendet, die in und um Berlin hergestellt werden. Was ich sonst noch aus dem Panel mitgenommen habe:
  • In Schweden geben die Menschen inzwischen mehr Geld für Essen, als für Mode aus. (Yay! Willkommen in meiner Welt ;))
  • Foodblogger konkurrieren tendenziell nicht miteinander, sondern unterstützen einander im Kampf um die gute Sache – als Beispiel der „Dishstorm“ gegen Bertolli (Würde mich interessieren, ob da alle zustimmen?)
  • Es gibt einen gravierenden Wissens- und damit Identitätsverlust, was unser Essen angeht.
  • Rohmilchbutter mit Wasser aufgeschlagen ist unheimlich cremig – das muss ich demnächst probieren.
  • Industrie und Politik nehmen die Foodblogs durchaus wahr. Praktikanten und Pressemitarbeiter haben zum Beispiel die Aufgabe, die relevanten Blogs zu studieren – Foodblogging kann also durchaus ganz konkret Verbesserungen bewirken.
  • Blogs sollten als Innovationsmotor für die Foodbranche genutzt werden – ein Silicon Valley für Food sozusagen.
  • Die Spargel-Saison zeigt, dass Produkte nicht immer verfügbar sein müssen, um profitabel zu sein. Ich hasse Spargel, aber als Argument taugt er.
Zum Schluss gab es Wurstsack-Wurst und Bread Exchange-Brot – das Craft Beer, das Enthusiastin Carmen Hillebrand mitgebracht hatte, habe ich mir geschenkt – es gab dann später aber noch welches für mich 😉

Die nächste Food-Session war ein Workshop mit zwei Leuten von chefkoch.de – Chefkoch.de ist Pornokuchen und Partizipation (Video) – der brechend voll war. Ob das am Thema oder dem versprochenen und auch ausgeschenkten Gin lag, vermag ich nicht zu entscheiden. Interessant was, dass die Mehrzahl der Teilnehmer die Seite nutzt, aber nur ein Bruchteil in der Community registriert ist. Ich gehöre zu diesem Bruchteil, auch wenn ich meistens nur drin herum lese und Rezepte sammle und mich in all den Jahren bisher nur selten selbst zu Wort gemeldet habe. Das liegt unter anderem an den strengen Regeln, die sich die User dort auferlegen und auch durchsetzen, z.B. dem Besten auf einer formalen Begrüßung und Verabschiedung bei jedem Post oder dem Verbot von Links zu externen Seiten im ersten Post eines Threads – auch auf Produkte und andere Kochseiten darf nicht verlinkt werden. Das hat mit Web2.0 oder Social Networks nichts zu tun, was daran liegt, dass es die Seite nun schon seit 18 Jahren gibt und durchschnittliche User und Userinnen um die 60 Jahre alt sind. Man hat es sich gemütlich gemacht, stellt sich morgens ein Käffchen in den Thread und verschläft die Entwicklung draußen.
Genau das wollen die Betreiber der Seite jetzt ändern und sie baten auf der re:publica um unseren Input – scheinbar Teil einer großangelegten Change-Strategie, zumindest fielen die Begriffe SCRUM und Agile mehrfach. Grob gesagt ist das Ziel, die Community, die Rezeptdatenbank und den Magazinbereich besser miteinander zu vernetzen und auch offline einen gewissen Impact zu haben. Auch wenn die Präsentation des ganzen etwas merkwürdig war, evtl. dem gegen das Lampenfieber getrunkenen Gin geschuldet, bin ich gespannt, was aus den Ansätzen und Previews in Zukunft wird.
Direkt im Anschluss fand das Panel My Edible Jetpack statt, bei dem Karyn Riegel das Aufkommen und die Verbreitung von Food Trends durch die sozialen Netzwerke analysierte. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden mit Hilfe von IBM Chef Watson, einer App, die einem aus bestimmten Zutaten Rezepte zusammenstellt, Gerichte kombiniert, die wir dann gemeinsam verkosteten. Lernen und essen – so lobe ich mir das.
Grünkohl-Chips und Pale Ale gab es gekauft dazu.
Veganer Bürger mit Laugenbrötchen, Feldsalat, mariniertem Tofu und einem Relish aus eingelegten Zitronen, Tomate und Fenchel.

Veganer Bürger mit Laugenbrötchen, Feldsalat, mariniertem Tofu und Cole Slaw aus Chinakohl. Die dritte Variante war übrigens mit in Mezcal geschmorten süß-sauren Zwiebeln. Da Zwiebeln und ich uns nicht so gut vertragen, hab ich davon nur eine Fingerkuppe voll gekostet und kann sagen: Interessant. Das Relish und der Cole Slaw waren hingegen superlecker. In der Auswertung über Twitter und Instagram hat am Ende laut Karyn das Relish gewonnen – auch mein persönlicher Favorit. Ich bin also erstens Mainstream, zweitens würde mich nicht wundern, wenn das Relish demnächst bei einem der zahlreichen Street Food Markets dieser Stadt auftaucht.

Noch während mein Foodie-Herz über diese tollen Sessions lachte, erreichte mich über Instagram die Einladung, am Samstag einer Präsentation von David von Green Kitchen Stories, moderiert von Luise von The Wednesday Chef, über die Green Kitchen Stories-App und ihre Integration mit der Apple Watch im Apple Store zu besuchen. Natürlich bin ich hingegangen – weniger wegen App und Uhr, als um der Gelegenheit willen, David live zu sehen und Luisa mal persönlich kennen zu lernen, bevor ich in 5 Wochen ihren Workshop in Sizilien besuche. 

Beim Betreten des Raums, der als eine lange Tafel arrangiert war, fiel mir als erstes das Mise en Place auf:

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Tatsächlich hat David während der Präsentation ein Dessert zubereitet – leider nur zwei Portionen davon und wer sie am Ende gegessen hat, weiß ich gar nicht. Entstanden ist ein Chia-Himbeer-Dessert mit Cashew-Butter, Hanfsamen, Kokosraspel, Vanille, Nussmilch, Kiwi und Minze. Neben der Inspiration und dem netten Gespräch mit Luisa nahm ich noch einige Tipps für Essensfotos mit dem iPhone mit nach Hause.

Apropos nach Hause: Zuhause gab es foodie-technisch auch ein paar Highlights in der letzten Woche! Der Hase hat aus dem mitgebrachten Bärlauch eine sehr intensive Bärlauchbutter gemacht, die seitdem auf Brot und Brezel, in der Béchamel-Sauce und im Blumenkohl-Auflauf gelandet ist. Soooooo gut! Außerdem zu empfehlen: Der Stachelbeer-Trunk rechts im Bild.

Inspiriert von Davids Chia-Dessert habe ich dann noch versucht, Rhabarber-Kompott mit Chia-Samen anzudicken. Das sah vor allem gut aus – evtl. sollte ich die Samen nicht direkt ins heiße Kompott einrühren. War trotzdem schön rhabarberig.

Die Erdbeer-Saison (so viel wichtiger als Eure blöde Spargel-Saison!) ist endlich, endlich, endlich eröffnet und so wird es jetzt bis mindestens zu meinem Geburtstag in 6 Wochen hoffentlich keinen einzigen erdbeerlosen Tag für mich geben!

Am Sonntag beschlossen wir die Foodie-Woche mit unserem Premierenbesuch bei Bun Bao.

Bun Bao Burger mit scharfem Hähnchen und eingelegtem Rettich bzw. für mich vegan mit einem Mungobohnen-Patty, Mango und Spinat. Dazu Pommes, Süßkartoffel-Pommes, Avocado-Salsa, Minztee und Chia-Limetten-Zitronengras-Shake

Und weil Instagram mich quasi gezwungen hat, gab es dann noch ein Hokey Pokey-Eis für den Hasen und für Rhabarber-Crème Fraîche und Blaubeere-Baiser. Hachz.

Tagebuch-5 im Mai – re:publica 15 Edition

5. Mai, wisster Bescheid, ne? Frau Brüllen fragt: WMDEDGT? Und ich sage:

Meine innere Uhr (oder das Kind unten) weckt mich eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln, um die Zeit, zu der der Wecker an Arbeitstagen klingeln würde. Heute ist jedoch alles anders, denn ich habe Bildungsurlaub und verbringe ihn wie letztes Jahr auf der re:publica.

Doch erstmal geht alles ganz profan los – aufstehen, ins Bad gehen, Zähne putzen, Anziehen, Katzen füttern. Zwischendurch stellt sich heraus, dass der Hase sich meine Erkältung von letzter Woche zu Herzen genommen hat und heute im Bett bleiben darf. Ich koche ihm noch einen Tee und mache einen Obstteller. Dann schmiere ich mir selbst ein paar Stullen (u.a. mit dem Bärlauch aus der Heimat – dies als Warnung an alle, die mir auf der #rp15 noch begegnen werden), packe Schreibzeug, Ladekabel und mobilen Akku ein und gehe los. Unterwegs kaufe ich noch schnell einen Smoothie für den Weg und ein paar Stangen Schokolade als Icebreaker für die Zusammentreffen mit diesen Leuten.

Kaum auf dem Gelände angekommen, treffe ich schon auf den Herrn Skizzenblog, den ich noch vom letzten Jahr kenne. Dann schaue ich mir die Eröffnung an und direkt hinten dran das Panel Say it loud! Say it clear? Refugees are welcome here?!. Danach lerne ich beim Sketchnotes für Einsteiger-Workshop die Grundlagen visueller Notizen und bekomme das Blind-Porträt signiert und geschenkt, dass mein Sitznachbar von mir zeichnete:

Meine nächste Session war Finding Inclusion in Digital Europe von Raúl Aguayo-Krauthausen und Mareice Kaiser. Dann ging es bei Juliane Leopold und Max Hoppenstedt um Neue Journalismusformate für neue Zielgruppen. Danach brauchte ich dringend eine Pause und es traf sich gut, dass mir draußen auf dem Hof die Damen Mierau und Frische Brise begegneten, die ich mit Hilfe der Schokolade in ein Gespräch verwickeln konnte. 😉 Alu von Große Köpfe und Cloudette stießen dann auch noch dazu.

Nach ein wenig Durchatmen und Sonne tanken begab ich mich dann zum Gespräch zwischen Holm Friebe und Thorsten Hübschen über Den Weg von Digitaler Bohème bis #outofoffice. Hinterher kam es in der kurzen Pause zwischen zwei Sessions bei einem veganen Paletas-Eis (Mango-Kokos) zu einem Speed-Date mit einem Timeline-Kollegen. Auf der Mainstage versuchte ich dann, dem Talk To be your own Captain in Chaos von Johanna Frelin zu folgen, bekam aber zwischendurch einen Anruf und muss ihn mir dann wohl nochmal in aller Ruhe anhören, sobald er online ist. Was ich gehört habe, klang sehr interessant.

Als nächstes standen die Machenschaften der Neonazis in den sozialen Netzwerken von Julia Schramm und Laura Piotrowski auf dem Plan. Und weil ich grad so schön am Aufregen war, passten die Hoax Kampagnen: Opium fürs Empörervolk von Deef Pirmasens und Christian Schiffer auch noch schnell in den Kopf. Danach dann aber erstmal wieder Frischluft und ein Veggie Burger in der Gesellschaft des gesamten Mierau-Clans, inklusive Kindern und Mann von Frau Mierau. Feine Familie, ich lass mich da nochmal irgendwann adoptieren, schon des Frühstücks wegen.

Zum Nachtisch gab es von Anne Schüssler noch eine Systematik des Twitter-Humors mit Ceci n´est pas un tweet. Danach war ich müde und sehnte mich nach Hase, Katzen und Bett, so dass ich mich im aufkommenden Regen auf den Weg nach Hause machte.

Schnell noch ein Telefonat mit dem Bruder geführt und diesen Blog-Eintrag getippt, dann bastele ich mir noch meinen Session-Plan für morgen zusammen und dann wird schnell tief und fest geschlafen!

So viel Früher war selten

Die letzten Tage war ich in meiner alten Heimat, anlässlich des jährlichen Hexenbrennens und des Polterabends eines lieben Freundes. Drumherum wurde viel gelaufen, getanzt, Konzerten und Theater gelauscht, gewandert und vor allem getroffen: Diverse selten gesehene Familienteile (Tanten, Cousins und Cousinen sowie deren Nachwuchs und natürlich Oma), selten gesehene Freund_innen aus Schulzeiten und solche, die ich seit plusminus zehn Jahren überhaupt nicht gesehen habe. 

Es gab also sehr sehr viel zu erzählen und wenig Schlaf, viele erneuerte Kontakte, die gepflegt werden wollen und sollen und einige Ideen für zukünftige Unternehmungen. Und trotz alldem erstaunlicherweise auch viel Ruhe, Grün, Natur und Durchatmen. Ein rundherum gelungenes Wochenende, das jetzt mit zwei Stunden sitzend im Zuggang zuendegeht. Aber man kann ja auch nicht alles haben und lesen und bloggen geht schließlich überall. 

Krankheitsbedingt…

…war es diese Woche sehr ruhig hier. Zum Glück geht es inzwischen bergauf, so dass die nächste Woche hoffentlich blogintensiver wird. Bis dahin ein paar Bilder:

Ein verzweifelter Versuch, die Erkältung abzuwehren letzten Sonntag. Drei Tage später war alles umsonst.

Ein Aufmunterungsdessert auf dem Balkon.

Samstäglicher Arztbesuch nach einer schrecklich kurzen Nacht voller Schmerzen.

Spaßige Übersetzungsskills auf der Arzttoilette.

Sind wir am Ende selbst die Trolle?

Trolle, Hetzkampagnen, Hatespeech… Ein allzu bekanntes Thema im Netz, leider und immer wieder. Zu Hatespeech hat Leitmedium übrigens gerade gestern was geschrieben. Die Idee zu diesem Text hier entstand allerdings bereits davor, ich frage mich im Moment nämlich, ob ein Teil des Problems nicht wir selbst sind. Eine kleine Reflektion zum Wochenende…

In letzter Zeit sind mir gehäuft Situationen aufgefallen in denen sich Menschen, die ich kenne, online so ganz anders verhalten als im direkten Gespräch. Zumindest kommt es mir so vor, vielleicht nehme ich ihre Online-Äußerungen nur ganz anders war, weil mir Stimme, Tonfall, Mimik und Gestik fehlen, um das Gesagte in den richtigen Kontext zu setzen. Jedenfalls liest sich einiges von ihnen wirklich extrem trollig.
Da gibt es zum Beispiel Leute, die im Alltag schon auch eine Menge Bemerkungen und „Witze“ fallen lassen, die unter die Gürtellinie gehen oder gezielt provozieren sollen. Meistens sorgt dann aber die Stimmung oder der hochironische Tonfall dafür, dass ich das Gesagte nicht für bare Münze nehme oder zumindest nicht für so bedenklich einordne, wie ich es von den reinen Worten her wahrscheinlich manchmal tun sollte. Kommen die gleichen Kommentare von den gleichen Personen aber online, wirken sie wesentlich härter, böser und *istischer und die Verwendung von diskriminierenden Begriffen lässt sich nicht mehr so leicht weg ignorieren. Würde ich nur das Online-Leben dieser Personen kennen, würde ich sie ganz klar als Trolle, Hater, Maskus einsortieren, so aber bin ich immer wieder hin und her gerissen.
Andere Menschen sind live die liebsten überhaupt und man kann stundenlang mit ihnen über über Dies und Jenes quatschen und sich über das Leben und gemeinsame Interessen austauschen, ohne dass einem irgendetwas negativ aufstoßen würde. Zurück in der Online-Welt aber fallen einem auf einmal Kommentare als abfällig oder abwertend, Fragen als zu direkt oder gar übergriffig auf. Liegt es an der verknappten Sprache und dem Mangel an Kontext? Oder überspielt der Real Life-Kontext die Trolligkeit dieser Personen nur?
Ein dritter Fall sind Personen, die im normalen Alltag sehr „normale“ Gespräche führen oder sogar eher zurückhaltend sind, während im geschriebenen Wort online alle Kommunikation sofort sexualisiert wird, mal auf einer locker-leichten flirtigen Ebene, mal richtiggehend derbe und belästigend.
Übrigens, bevor jetzt alle versuchen, herauszulesen, wen ich mit diesen Charakterisierungen meine: Ich habe für jedes Beispiel nicht eine konkrete Person im Kopf, sondern mehrere, deren persönliche Verhaltensweisen sich hier mischen. Entschlüsselung zwecklos, es geht mir auch hier nicht um einen Pranger, sondern eher um allgemeine Fragen.
Wie verändert die Online-Kommunikation unser Verhalten? Reden wir wirklich online anders und nimmt Online uns nur die schützenden Filter? Sind die ganzen Trollkommentatoren, Hater, Maskus, Aluhüte und Pegidisten am Ende keine armen Irren, sondern ganz „normale“ Leute, Kollegen, Nachbarn, Freunde gar? Sind wir in Wahrheit alle irre? Wird meine eigene Art der Online-Kommunikation von anderen als ebenso nervig, provokant, trollig wahrgenommen, wie ich es oben beschrieben habe? Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, in Zukunft noch genauer zu überlegen, ob und wie ich Dinge kommentiere. Ist der Kommentar nur für mich selbst lustig? Dann reicht es auch, ihn zu denken und ich muss ihn anderen nicht zur – gegebenenfalls falschen – Interpretation hinstellen. Wir haben sicherlich alle schon erlebt, wie missverständlich Schreiben sein kann, selbst zwischen Leuten, die sich sehr gut kennen. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. 
Ich werde darauf sicherlich noch eine Weile herumdenken und mich und andere beobachten und hinterfragen und möchte Euch ermutigen, das auch zu tun. Nicht „Don’t feed the trolls!“ – denn manchmal muss man seinen Mund aufmachen, aber „Don’t be the trolls!“, nicht einmal unbeabsichtigt.

Meine Reise in die Vergangenheit – Ein Wochenende in Rostock

Wie in den #12v12 schon berichtet, war ich am letzten Wochenende endlich mal wieder in Rostock. Es ist fast nicht zu glauben, dass es wirklich zwei Jahre her ist, dass ich in meiner zweiten Heimat, meinem Home away from Home, war. Nichtsdestotrotz ist es wahr und diese unglaublich lange Zeit war dann auch der der Anlass für meinen Besuch. Da ich alleine fuhr, musste ich mich auch gar nicht groß mit touristischen Dingen, der Altstadt, dem Ostermarkt oder der Kröpi aufhalten und konnte mich ganz auf das Alltagsleben in Rostock konzentrieren.
Ich kam zum allerersten Mal mit dem Bus an, leider nicht über meine übliche Strecke durch Brinckmannsdorf und Co von Osten her, sondern langweilig und trist durch die Südstadt. So kam das richtige Rostock-Feeling auch erst auf, als ich am Platz der Freundschaft dem Bus entstieg und mir die Ostseebrise um die Nase wehte. Es war kurz nach zehn Uhr abends an einem Freitag und ich hatte noch ein Stück Weges vor mir, das ich gedachte mit Straßen- oder S-Bahn zu bestreiten. Ich rechnete mit ungefähr einer halben Stunde, hatte aber nicht mit Rostocker Verhältnissen geplant: Sowohl S-Bahn als auch Straßenbahn fuhren überhaupt erst eine halbe Stunde später. Also entschied ich mich spontan, loszulaufen und dabei ungefähr den Straßenbahngleisen zu folgen und mich irgendwann von ihr einholen zu lassen.
Geübten Schrittes verließ ich das Bahnhofsgebäude und lief los in Richtung Innenstadt. Kaum war ich draußen, war ich zuhause. Alles sah so aus und fühlte sich so an, wie in den Jahren, in denen ich nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt gewohnt habe. Mein Herz lief ein wenig über, als mir auffiel, wie ich automatisch genau an derselben Stelle wie immer schräg über die Straße gelaufen war – ohne dass ich in all den Jahren je daran gedacht hätte – und mir genau dieselben Fassaden auffielen und den Weg wiesen, wie damals.
Ich lief an meiner alten Wohnung vorbei und sah, dass in „meinem“ Zimmer Licht brannte. Leider standen direkt vor dem Haus Leute und unterhielten sich, sonst hätte ich kurz mal auf die Klingelschilder geguckt, um zu sehen, ob ich noch Namen wieder erkenne. Dann lief ich meinen alten Weg weiter, freute mich über Gleichgebliebenes und wunderte mich über die vielen neu gebauten Häuser – wo früher eine Brache war, über deren Vorhandensein auf meinen nächtlichen Heimwegen meine Eltern nicht sehr erfreut waren,  stehen nun diverse Neubauten. 
Am Friedhofsweg und um die OSPA herum hingen „junge Leute“ herum, besonders die Punks vor der Sparkasse belustigten mich doch gar sehr. Dann war ich auch schon am Doberaner Platz und sah, dass es immernoch mehr als eine Viertelstunde dauern würde, bis mich die Straßenbahn einholen könnte. Also dachte ich: Nö. Ich laufe lieber mitten durch die KTV und sehe noch was von der Stadt. Zum Beispiel eine andere alte Wohnung von mir. Und die KTV mit all ihren kleinen Läden und Cafés, den vertrauten Straßen, den wunderschönen bunten Häusern und der entspannten Atmosphäre…
Nach ungefähr 40 Minuten kam ich dann bei meiner Gastgeberin an und bewunderte ihre kleine aber feine Wohnung – mit Bücherzimmer, Plattenzimmer und Schlafzimmer, mit liebevoll und detailreich dekorierten Wänden, Mangosaft, Tee und Bier…
Als ich am Sonnabend erwachte, schien die Sonne, der Himmel war blau und wenn ich aus dem Fenster sah und den Kopf nach links wandte, konnte ich in der Ferne die Warnow erahnen. Nach einem gemütlichen Frühstück mit köstlicher Mango und dem weltschönsten Wasserkocher lief ich wieder los und sog das Wochenendgefühl in der KTV in mich auf.
Am Wochenende sind (zumindest tagsüber) kaum Autos unterwegs und auch Menschen sind nicht allzu viele auf der Straße. Hier und da begegnete ich morgendlichen Brötchenholern, zwei Männer reparierten mit Musikbeschallung auf der Straße vor ihrem Haus ihre Fahrräder und die eine oder andere Familie brach zu Spaziergängen auf. Es herrschte eine entspannte Stimmung, wie ich sie aus Berlin quasi gar nicht kenne und die mich eher an das Leben im sonnigen Süden erinnerte. Wahrscheinlich liegt es am maritimen Erbe. Oder eben daran, dass Rostock deutlich kleiner als Berlin ist. Oder an beidem. Es ist jedenfalls sehr schön.

Mein erster Stopp war Herr Koreander, der Gebrauchtbuchladen einer Bekannten. Nachdem Virginie und ich uns gegenseitig auf den neusten Stand über Berlin, Rostock und gemeinsame Bekannte gebracht hatten, stöberte ich durch den Laden und nahm einige Bücher mit. Dann ging es weiter zur anderen Buchhandlung, wo ich einen ausführlichen Schnack mit einer guten Freundin meines Onkels hielt, bis er zufällig auch vorbeikam. 
Das ist das Schöne an Rostock: Man muss sich gar nicht mit so vielen Leuten verabreden, sie laufen einem meist sowieso über den Weg. Onkelchen und ich verabredeten uns für den Sonntag zum Frühstück, ich kaufte noch ein Buch und ging dann weiter, um endlich mal das Café Liebreiz auszuprobieren, von dem ich schon so viel gutes gehört hatte. Auf dem Weg dorthin (einmal quer über den Doberaner Platz) lief mir mein ehemaliger Chorleiter über den Weg. 
Ich setzte mich mit einem Tee draußen in die Sonne, checkte Twitter, Instagram und Facebook und blätterte durch meine neuen Bücher, als ich eine weitere ehemalige Chorkollegin mit Kind und Kegel vorbeispazieren sah. Das bestätigte wieder eine meiner Weisheiten über Rostock: Ich kann dort nie das Haus verlassen, ohne auf bekannte Gesichter zu stoßen. 
Als nächstes führte mich mein Weg in den Stadthafen. Unterwegs freute ich mich über die abfallenden Gärten einiger Wohnhäuser, in denen die Mieter sich Grillplätze, Strandkörbe und Rutschen über mehrere Ebenen eingerichtet hatten. Dann endlich: der Hafen. Schiffe, der Fluss, die Angler und der Blick über die Altstadt. 
Ich lief ein wenig am Wasser entlang, als meine Gastgeberin anrief und mich fragte, ob ich nicht mit ihr und ihrem Freund auf den Darß fahren wolle. Bei dem Wetter? Aber hallo! So kam ich dann doch schon einen Tag früher als geplant in den Genuss, das beste Meer der Welt wieder zu sehen und sogar meine Füße hineinzuhalten. Auf dem Rückweg gab es dann sogar noch ein überraschend gutes Eis bei Glassissimo in Dierhagen.

Zurück in Rostock warf ich meine Einkäufe zuhause ab und kämpfte mich dann durch typisches Rostocker Regenwetter zur Wohnung meines ehemaligen Mitbewohners, den ich nun nach sieben Jahren zum ersten Mal wieder sehen sollte – zusammen mit seiner Freundin und unseren beiden Katzen, die ich damals bei meinem Umzug in Berlin endgültig seiner Obhut übergeben hatte. Da seine Freundin hochschwanger mit Kind Nummer 2 ist, half ich ihm beim Aufbauen einer IKEA-Couch, während wir uns die Erlebnisse der letzten sieben Jahre erzählten. 
Ganz dem Klischee entsprechend fehlten irgendwann ein paar Schrauben und die falschen Füße waren eingepackt, so dass wir am Ende nur ein Provisorium fertig bekamen. Das gab mir jedoch Gelegenheit, Fotos von den Miezen zu machen, die sich doch seit damals deutlich verändert hatten – wenn auch nicht im Charakter, wie man im Vergleich mit den alten Fotos gut sieht.
Robbie heute und Robbie 2008.

Bienchen heute und Bienchen 2008.

Es war ein sehr schöner Nachmittag, der sich anfühlte als wäre keine Zeit vergangen seit damals. Schade, dass wir uns so lange nicht gesehen hatten, das soll nicht wieder passieren! (Wie leicht man den Kontakt verliert, wenn einer kaum online ist und eine ständig…)

Nach diesem Wiedersehen ging es mit weniger Spektakulärem weiter – ich traf einen Freund und seine Freundin sowie später einen weiteren gemeinsamen Freund zum Abendbrot im Lom. Die beiden Männer sehe ich relativ regelmäßig, mindestens alle 1-2 Jahre, nur die Freundin war neu. 🙂 Nach leckerem Essen und sehr gutem Gespräch verlagerten wir den Abend dann ins Peter-Weiß-Haus, wo an diesem Abend eine 80er-Party, einzig mit Vinyl-Platten, stattfand. 

Auch wenn ich die 80er musikalisch nicht bewusst miterlebt habe und auch nur ausgewählte Teilbereiche der damaligen Musik gerne höre, war es doch ein sehr schöner Abend, nachdem ich erst gegen halb 5 wieder in meinem Bett lag – fast so spät wie nach den unzähligen Rostocker Clubnächten früher…

Vom Sonntag habe ich ja schon einige Bilder gezeigt, was ich da gemacht habe, könnt Ihr beim 12v12 nachlesen. Mir bleibt an dieser Stelle noch, die emotionale Seite etwas genauer zu beleuchten. Neben dem Onkel-Frühstück war das Highlight des Tages natürlich mein Ausflug nach Warnemünde – wieder ein komplettes Heimspiel. 

Je näher mich meine Schritte der Parkstraße 9 brachten, dem Haus, in dem ich meine Großeltern früher immer besuchte, desto nostalgischer wurde ich. Alte Bilder kamen mir vor Augen, wie wir früher im Trabi hier ankamen oder abfuhren und Oma unten an der Straße stand und uns begrüßte bzw. verabschiedete. Wie ich mit Erwachsenenhilfe die Parkstraße überquerte und dann gemeinsam mit meinem Bruder oder später den Cousins von dort aus alleine durch den Park und über die Promenade an den Strand laufen durfte. Wie ich im Garten des Hauses mit den Nachbarskindern gespielt hatte, wie wir hier oft Station machten, bevor wir die Fähre nach Dänemark nahmen und unsere Skandinavien-Urlaube begannen… Als ich schließlich vor dem Haus stand und mir all dies durch den Kopf ging kamen mir dann doch ein wenig die Tränen. Viel besser und emotionaler als jeder Friedhofsbesuch es hätte sein können.
Dann lief ich die alte Route zum Strand und sann darüber nach, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn meine Eltern damals von Berlin aus nicht nach Bautzen, zur einen Oma, sondern nach Warnemünde, zur anderen Oma, gezogen wären und ich statt in der Lausitz an der Ostsee aufgewachsen wäre. Bei genauerer Betrachtung ist das wirklich ein wenig zu bedauern, denn ich liebe das Meer und Mentalität der Leute (oder sagen wir, eines gewissen Kreises an Leuten – Segler_innen, Surfer_innen und Kulturschaffende und deren Umfeld in und um Rostock) und spätestens durch meine Studienzeit in Rostock fühle ich mich dort oben viel mehr zuhause als dort, wo ich die ersten 19 Jahre meines Lebens hauptsächlich verbrachte. 
Wahrscheinlich würde ich heute genauso sehr an diesem Stückchen Land und dieser Stadt hängen, wie viele meiner Rostocker Freunde, die nach Jahren in Berlin oder Hamburg zurückkehren oder das zumindest irgendwann einmal vorhaben. Meine Gastgeberin hat ja da die Theorie, dass so ein Meer einem einfach noch ein Stück mehr Heimat ist, als andere Landschaften.

Nichts gegen meine andere Oma und die anderen Verwandten in der Lausitz und natürlich auch nicht gegen die Freunde fürs Leben, die ich in der Schule getroffen habe 😉 Auch bei denen fühle ich mich zuhause. Aber dorthin zurückziehen? Niemals. Nach Rostock hingegen… Das kann ich mir unter gewissen Umständen durchaus vorstellen. 
Was nun genau der Grund dafür ist, kann ich nicht sagen – ich denke es ist eine Kombination aus dem Meer, den prägenden Erlebnissen der Studienzeit und irgendwie auch der Mentalität der Leute. Auch wenn ich dafür schonmal fast ausgelacht worden bin – ich finde die Rostocker offen, freundlich, hilfsbereit, entspannt, spontan und lebensfroh. Auch wenn Berlin deutlich multikultureller ist als Rostock – mir gefällt beides. Sehr. Und jetzt muss ich aufhören zu schreiben, sonst fang ich gleich wieder an, nach Jobs und Wohnungen da oben zu suchen 😉