Wie der Oktober riecht

Regelmäßig schreibt das beste Fräulein von Allen, die Godmother der Tastatur, auf, wie ihr Monat roch und lädt ein, selbst olfaktorische Erinnerungen zu notieren. Und wie immer, wenn das Fräulein etwas anpackt, finden sich schnell Gleichgesinnte, diesen Monat u. a. in Indien und Hamburg, in Chile und in Brandenburg. Ich will mich nun auch einmal daran versuchen, denn beim Lesen und kurzen Überlegen sind mir erstaunlich viele Gerüche des Oktobers wieder eingefallen…

Der Oktober riecht zuerst einmal nach salziger Lagunenluft, nach Feuchte, Schimmel, Algen und jeder Menge Regen. Nach viel zu vielen enggedrängten nassen Menschen im Vaporetto und nach gutem Kaffee zu touristischen Preisen. Nach süßem Gebäck und überreifen Feigen, nach geschmolzenem Glas und Torta della Nonna. Er riecht nach Meeresgetier auf dem Teller und nach dunkler Schokolade.

Der Oktober riecht nach alten Gemäuern und jahrhundertealter Weisheit, duftet nach tropischen Blüten und schwerer, feuchter Luft ebenso wie nach verbranntem Gummi und Benzin. Der Duft von Schafskäse zieht sich durch den kompletten Monat, den von Trüffeln hingegen lassen wir nach einigen Tagen hinter uns. Trauben frisch von der Rebe gepflückt riechen im Oktober manchmal schon leicht vergoren und künden von dem Wein, zu dem sie werden.

Der Oktober riecht nach Oma, nach Zuhause, nach Kindheitserinnerungen und Kaminfeuer zwischen dicken Steinwänden, nach Jahrzehnten voller Bücher und Gemälden ebenso wie nach einem Hühnerstall und gleichzeitig nach den Zitronen, die C. für uns pflückt. Der Oktober riecht immer noch nach Tomaten.

Nach Wein riecht er wochenlang, in den verschiedensten Herstellungsstufen, Mischungen und Aromen. Nach Prosecco, Spumante und Lambrusco, nach Soave und Bardolino, Sangiovese, Brunello und Verdicchio, Pinot Grigio und Vinsanto.

Er riecht nach Eichenfässern, Kellerstaub und Trester. Nach frischem Brot und rohem Fleisch. Nach Pasta und Brühe und Pfeffer und noch mehr Käse. Nach Schinken, Salami, Salsiccia und Bacon. Nach zu flüssigen Frühstückseiern und aufgewärmter Lasagne. Er umschmeichelt die Nase mit Squaquerone und karamellisierten Feigen und fordert sie mit Schwefelquellen und gechlortem Wasser heraus.

In den Bergen riecht der Oktober schon nach tiefstem Herbst, nach Holzfeuer und Gebirgsbächen und nach Abendbrot im Bett. Er riecht nach Aprikosenmarmelade und cremigem Gelato, nach Frittiertem und jeder Menge Caffè, nach angekohltem Hefeteig und Schokoladenfabrik. Und nach Gianduia riecht er auch.

Der Oktober riecht nach Knoblauch und Kakis, nach Eseln und Ziegen, nach frisch gepflügter Erde und verbrannten Weinstöcken. Er riecht nach nassem Hund und schlammigen Pfoten auf neuen Hosen.

Nach blauem Meer und blauem Himmel, sanfter Brise und weißen Kieseln riecht der Oktober. Nach Meerfenchel und salziger Seife, nach Honig und nach Rosenblättern. Nach Neuem und Altem und der schwierigen Zeit dazwischen. Nach Puderzucker und Maroni, geschmolzenem Käse, Kürbis und Mandeln.

Er riecht nach Ledersitzen im Zug und Zugtoiletten. Nach uiguirischem, irischem und irgendwie modernem Essen. Nach Selbstgekochtem und endlich wieder deutschem Kuchen. Nach Aufbruch und Neuanfang und einer Ahnung vom Schweren.

Nach bunten Blättern und abgemähten Hagebuttenhecken, nach Asphalt und Alltag, Bürofußbodenbelag und erstem Glühwein, nach Katzenschnurren und jeder Menge Tee – und immer noch nach Rattenkot. So riecht der Oktober.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 22: Die Rückfahrt

Morgens wurde es etwas hektisch, da ich zwar den Wecker gestellt hatte, aber vergessen habe, dass er “nur an Wochentagen” klingeln würde. Zum Glück wurde ich trotzdem gegen 8 wach, so dass wir es noch locker geschafft haben, unsere Sachen zu packen, zum Bahnhof zu laufen und dort auch noch einen Kaffee zu trinken, bevor wir in den Zug nach München stiegen. Das war dann übrigens auch der Moment, an dem der Hase lernte, dass München auf italienisch Monaco heißt und kurz verunsichert ob unserer Reiseroute war.

Diesmal hatten wir leider keine Plätze im Abteil, sondern ganz normal zwei Fensterplätze mit Tisch in einem Vierersitz. Trotzdem war der Eurocity immer noch deutlich bequemer als später der ICE. Ich nutzte die ersten Stunden zum Verbloggen der beiden vergangenen Tage, dann schaute ich aus dem Fenster wehmütig zu, wie die Landschaft immer alpiner und weniger typisch italienisch wurde. Dann waren wir auch schon in Österreich und nur etwas über eine Stunde später auch schon wieder in Bayern. Wahnsinn, wie nah das alles beieinander liegt. Würde ich in Bayern wohnen (und da sei Gott vor, auch wenn ich nicht an sie glaube), würde ich wahrscheinlich regelmäßig nach Italien fahren und nicht an die Ostsee. Aber ich hörte, das macht man in Bayern auch so.

 

In München hatten wir diesmal eine gute Stunde Aufenthalt. Das reichte genau, um mal wieder beim Uiguren vorbei zu schauen, Schnittlauch-Lagman zu essen, Tee zu trinken, festzustellen, dass wir nicht mehr genug Bargeld haben, zum Geldautomaten zu sprinten, Bargeld abzuheben, die Rechnung zu zahlen und wieder rechtzeitig am Gleis zu stehen. Dieses entpuppte sich kurzfristig als das Falsche, da die Bahn beschloss, einmal kräftig durchzuwürfeln und mehrere Züge einfach zu tauschen. So rannten von mindestens vier Gleisen des Kopfbahnhofs Fahrgäste samt Gepäck hektisch und kopflos durch die Gegend, Wagenbezeichnungen stimmten nicht, Reservierungen waren nicht eingelesen und selbst das Zugpersonal wusste zeitweise nicht, wer jetzt wohin fährt. Es ruckelte sich dann aber alles zurecht und wir fanden zwei Plätze, die sich auch nachdem die Reservierungen plötzlich angezeigt wurden bis Berlin freibleiben sollten. Während sich die anderen Fahrgäste noch lange über das Chaos unterhielten, las der Hase in seinem Buch und ich hörte mehrere Folgen des “Punch Up The Jam“-Podcasts.

 

Und dann waren wir auch schon wieder in Berlin, nahmen vom Hauptbahnhof die S-Bahn zum Alex und dann die Tram nach Hause. Kurz nach 22:00 nahmen uns die Wohnungssitterin, Nimbin und Noosa in Empfang. Während die Sitterin uns erwartet hatte, waren die beiden Miezen sichtlich überrascht uns wiederzusehen. Aber schon nach wenigen Minuten hatten sie sich daran gewöhnt, dass wir zurück sind und tobten freudig auf uns herum. Zuhause. ❤

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 21: Abschiedstag und Verona

Unser letzter ganzer Tag in Italien war ein Tag voller letzter Male. Zunächst begann er aber in einem Palazzo in Chioggia, wo wir vom nebenstehenden Glockenturm geweckt wurden. Wir frühstückten in einer Bar am Corso und dann führen wir über diverse Brücken, die über Flüsse, Kanäle und Lagune führten, zurück aufs Festland und nach Padua. Dort machten wir unseren Mietwagen, den zuverlässigen Baobao, abgabefertig und verteilten unsere Habe final auf unsere beiden Reiserucksäcke, meine Handtasche, den Tagesrucksack des Hasen und zwei Leinenbeutel. Dann gaben wir die Autoschlüssel ab und fuhren mit dem Regionalexpress nach Verona. Den ersten Teil der Zugfahrt verbrachten wir stehend, denn gefühlt Milliarden Student*innen wollten nach Vicenza. Direkt nach Vicenza hatten wir dann Sitzplätze und jede Menge Platz für unsere verschiedenen Gepäckstücke. In Verona checkten wir in unserem Quartier ein, machten uns einen Plan für den Rest des Tages und liefen dann los in die Stadt.

 

Zunächst ging es zum Schloss und der daran angrenzenden Ponte Scaligero, auf der wir den Adige/die Etsch überquerten. Dann liefen wir am Fluss entlang, der das historische Zentrum auf drei Seiten umschließt. Bereits gestern waren wir (kurz nach dem Po) über die Etsch gefahren, die uns bisher vor allem aus nationalistischem Liedgut ein Begriff war. “Living on the Edge” ist da die viel angenehmere Assoziation. Oder man sagt halt einfach Adige. Auf jeden Fall kann man verstehen, warum die Deutschen früher gerne Anspruch auf diesen Fluss erhoben, er und Verona selbst sind nämlich ganz schön schön.

 

 

Mit einem letzten italienischen Eis gestärkt ging es dann zum Dom, den wir uns mal wieder nur von außen ansahen. Sieht auch so beeindruckend genug aus!

 

Wir entschieden uns dann dagegen, mit der Standseilbahn nach oben zum Amphitheater zu fahren, um für viel Geld einen Blick auf die Stadt zu erhaschen, den sämtliche andere Besucher*innen auch haben, und spazierten stattdessen lieber durch die Altstadt.

 

 

Auf einem Markt – der erste, den wir erlebten, der auch am späten Nachmittag noch frisches Obst und Gemüse anbot, kauften wir Trauben, Tomaten und Gurken als Reiseproviant sowie einen schönen großen Granatapfel als Mitbringsel für unsere Wohnungssitterin. Den ganzen Urlaub über hatten wir immer wieder Granatapfelbäume gesehen, aber leider immer hinter Gartenzäunen, so dass wir nicht wie letztes Jahr in Sardinien einfach einen mundrauben konnten.

 

Dann kamen wir zum Touristenmagnet schlechthin, dem Balkon, den man an ein altes Haus angebaut hat und als Julias Balkon deklariert hat. Romantik-Fans aller Altersklassen machten dort Fotos, hinterließen Liebesbriefe und träumten von Romeo und Julia. Der Hase tat sich das Spektakel gar nicht erst an. Ich schlenderte für zwei Minuten näher heran und machte ein Foto von den Massen. Sehr süß fand ich ein älteres schwules Pärchen aus dem asiatischen Raum, das ein Selfie vorm Balkon machte, sehr creepy hingegen den Typen, der sich hinter die Julia-Statue stellte und sich dabei fotografieren ließ, wie er ihre Brüste angrabschte. Schnell wieder weg hier!

 

 

Wir kauften noch Proviantbrötchen und fotografierten ein wenig Streetart und dann machten wir uns auf Richtung Arena. In deren Nähe nahmen wir unseren letzten Aperitivo zu uns – der Hase mit Südtiroler Bier, ich mit einem alkoholfreien Fruchtcocktail. Das kostete jeweils um die 4 € und dazu konnte man sich am Snackbuffet einen Teller voll Leckereien zusammenstellen. Unser letzter Aperitivo war damit nicht nur der günstigste, sondern auch der Leckerste.

 

Hinterher ging es fürs letzte Abendmahl in eine Pizzeria, die uns die Hasenschwägerin empfohlen hatte. Sie hat regelmäßig beruflich in Verona zu tun und ihre Kolleg*innen sind der Meinung, dort gäbe es die beste Pizza Veronas. Nun was soll ich sagen, es war schon ganz lecker, aber Norditalien ist einfach nicht der Ort für neapolitanische Pizza. Die beste Pizza Berlins schlägt die beste Pizza Veronas definitiv. Trotzdem genoss der Hase seine Boscaiola mit diversen Pilzen und meine Friarielli mit Rübstielen und süßer Salsiccia war auch sehr schmackhaft. Danach ging es schnell ins Bett, denn ein langer Reisetag lag vor uns.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 20: Po-Delta und Chioggia

Wir schlafen in Ruhe aus und dann beginnt der Tag begann mit einem ähnlichen Frühstücksszenario wie der davor: Ich gönnte mir bereits in der Unterkunft eine Tasse Tee und ein paar Kekse, der Hase bekam sein herzhaftes Frühstück in der Bar nebenan. Für ihn gab es Zucchini-Pizza und für mich dann auch noch eine Piadina und zwar mit Pilzcreme und rohem Schinken, schließlich verließen wir das Piadina-Land Emilia-Romagna nun wieder Richtung Veneto.

Als erstes wollten wir noch ein bisschen Natur und Weite genießen und so fuhren wir zurück an die Küste, besser gesagt ins Delta des Po. (Man stelle sich diverse Heiterkeitsausbrüche meinerseits vor, jedes Mal wenn der Po erwähnt wird.) Wir folgen einer relativ einsamen Straße immer am Wasser entlang, von dem sich schwer sagen lässt, wo der Po aufhöhrt (hihihi) und das Delta, die Lagune oder die Adria selbst anfängt. Das Wasser ist größtenteils flach und relativ ruhig, wo es fluss- oder kanalähnlich ist, hängen Senknetze an Masten, wo es weiter ist, stehen Reusen. Die einzigen anderen Menschen hier sind Fischer und Angler, die sich an Bootshäusern, auf Booten, an den Netzen oder eben mit der Angel am Ufer stehend zu schaffen machen. Wir fragen einen der Angler, was man denn hier so fangen kann und erhalten “branzini, orate, anguille” zur Antwort, also Wolfsbarsche, Doraden und Aale. Dem Hasen läuft bereits das Wasser im Munde zusammen.

An Tieren sehen wir zum Einen jede Menge Vögel, vor allem Möwen und Kormorane, wobei letztere sehr witzig immer mal wieder in Reihe irgendwo sitzen und die Flügel zum Trocknen ausbreiten. Zum Anderen ist die Straße voller totgefahrener Bisamratten in unterschiedlichen Verwesungszuständen. Die waren uns gestern schon auf dem Weg von Ravenna nach Ferrara aufgefallen, der uns weiter im Landesinneren ebenfalls durch das Po-Delta führte.

In Porto Viro machen wir Rast und gönnen uns ein schönes Eis in der örtlichen Gelateria. Dann fahren wir weiter zu unserem heutigen Tagesziel. Chioggia steht nicht in unserem Reiseführer, wurde uns aber von mehreren Stellen als “das schönere Venedig” empfohlen. Es liegt größtenteils auf Inseln in der Lagune, an der auch Venedig selbst liegt und man kann mit dem Vaporetto von der einen Stadt zur anderen fahren. Auch Chioggia hat einige Kanäle und Architektur und Stadtbild sind daher recht ähnlich wie in der Serenissima. Da hören die Gemeinsamkeiten dann aber schon auf. Chioggia ist viel kleiner, zieht weit weniger Tourist*innen an und es gibt seit einigen Jahrzehnten auch eine Verbindung zum Festland und Autos in der Stadt. Parken dürfen im historischen Zentrum trotzdem nur die Einheimischen, daher müssen wir auf einer Nachbarinsel das Parkhaus benutzen.

Von dort aus laufen wir mit Sack und Pack zu dem Treffpunkt, den unser Gastgeber uns genannt hat. Da werden wir bereits von seiner halben Familie erwartet. Sie laden unser Gepäck ins Auto und während seine Eltern das Auto zur Wohnung fahren spazieren wir mit dem Gastgeber selbst am Wasser entlang dorthin und bekommen eine erste Einführung in die Geographie der Stadt. Wir bekommen das Fischgrätenmuster der Gassen erklärt, erfahren etwas vom Kampf der Einheimischen gegen das Aufstellen riesiger Gastanks nur wenige hundert Meter von bewohnten Häusern und über die angeblich älteste Uhr der Welt, die den Glockenturm von Chioggia ziert.

Unsere Unterkunft befindet sich in einem traditionellen Palazzo und umfasst auch eine Dachterrasse, von der aus man bei gutem Wetter bis nach Venedig schauen kann. Heute ist es leider etwas diesig, so dass selbst der Sonnenuntergang unspektakulär ausfällt.

Wir spazieren also einfach nur gemütlich durch die Altstadt und sparen uns den Fahrradausflug entlang der Lagune oder zum Strand. Stattdessen finden wir bald eine kleine Osteria, aus der laut Bob Marley schallt und bekommen da einen Aperitivo mit einem Spritz mit Vermouth, gerösteten Kartoffeln, Crostine mit süßsauren Sardinen und Chips. Danach laufen wir weiter die Gassen ab auf der Suche nach einem Restaurant, dass lokale Küche serviert und weder zu touristisch, noch zu teuer aussieht. Das von unserem Gastgeber empfohlene Nachbarschaftslokal ist nämlich heute leider geschlossen. Die Osteria, die wir schließlich finden, ist dann auch schön versteckt und voller italienischer Familien, allerdings gibt es auch eine deutsche direkt am Nebentisch und eine zweisprachige Karte. Nun ja, man kann nicht alles haben. Geschmeckt hat es trotzdem. Es gab für den Hasen gebackene Sardinen, für mich gebackene Jakosmuscheln, für ihn Spaghetti mit cozze und vongole und für mich Bigoli mit Sardinen. Dazu gibt es einen Pinot Grigio (den vino bianco della casa) und zum Nachtisch gönne ich mir noch ein Blätterteigtörtchen (“scriglio”) mit Creme und frischen Früchten, der Hase hingegen ist müde und möchte nur noch ins Bett.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 19: Mosaike in Ravenna, Radeln und Schlemmen in Ferrara

Es war immer noch grau und hat ab und zu genieselt, als wir am Morgen durch Ravenna spazierten. Ich hatte bereits in unserer Unterkunft süß und mit Tee gefrühstückt, der Hase aber braucht morgens etwas herzhaftes – idealerweise ein Käsebrot – und so fanden wir uns recht schnell in einer Bar wieder, wo er ein Focaccia-Sandwich zum Milchkaffee aß, während ich an einem Smoothie nippte. Dann liefen wir weiter durch die Altstadt Ravennas und begegneten schon überall den Mosaiken, für die die Stadt bekannt ist.

 

 

 

 

Um diese etwas genauer zu ergründen und weil wir weder Zeit noch Geld oder fitte Füße genug hatten, um in alle Kirchen und ähnliche Orte reinzugehen, wo die Originale zu finden sind, gingen wir ins sehr interessante Mosaik-Museum in einem alten Palazzo. Dort gab es eine Ausstellung über die Mosaike, die man direkt dort gefunden hat, über das Restaurieren von alten Mosaiken im Allgemeinen, über die Entwicklung der Mosaik-Kunst über Jahrtausende (von verschiedenfarbigen Kieseln hin zu speziell hergestellten farbigen Scherben) und schließlich sehr aktuelle Werke, die Szenen aus Dantes Göttlicher Komödie darstellen.

 

 

 

 

 

Dann verließen wir Ravenna und fuhren wieder mehr ins Landesinnere, nach Ferrara. In der Unterkunft erwarteten uns leckere Kekse und zwei Fahrräder.

Da Ferrara in der Po-Ebene liegt und eine ausgesprochene Fahrrad-Stadt ist und weil des Hasen Füße nach wochenlangem Bergauf und -ab einfach nicht mehr konnten (er ist da aufgrund jugendlicher Eskapaden etwas vorbelastet), war ich einverstanden, Ferrara auf zwei Rädern zu erkunden. Schon nach wenigen Minuten waren wir im Zentrum angekommmen, holten uns ein paar heiße Maroni und ließen die Szenerie auf uns wirken. Wir saßen an der Kathedrale, deren Front gerade restauriert wird, aber der Glockenturm aus rosa-weißem Marmor war schon recht schön. Ganz in der Nähe steht das von einem Burggraben umgebene Schloss der Este, der ehemaligen Herrscherfamilie Ferraras. Hier guckten wir lange ins Wasser, in dem riesige Schuppenkarpfen schwammen, die laut Fischfreund Hase bestimmt schon 30 Jahre alt waren.

Dann radelten wir an den Rand der Innenstadt, erst durch einen kleinen Park und dann auf dem Stadtwall entlang, der als grüner Gürtel fast die gesamte Innenstadt umschließt. Sowohl innerhalb als auch außerhalb dieses Rings ist Ferrara sehr grün und erscheint uns daher als sehr lebenswert. Mir fiel beim Herumradeln dort ein, dass ich mal ein Buch gelesen hatte, dass in solch einer sehr grünen Stadt im Norden Italiens spielt und richtig, das war Ferrara und das Buch war “Die Gärten der Finzi-Contini” von Giorgio Bassani. Ich glaube, das werde ich mir demnächst nochmal vornehmen, jetzt wo ich die Schauplätze kenne.

Den Abend verbrachten wir dann im ehemaligen Ghetto von Ferrara. Hier hatten die jüdischen Bürger jahrhundertelang relativ frei gelebt, bis sich irgendwann der Kirchenstaat einmischte und das Viertel mit fünf Toren von der Außenwelt abschloss. An der letzten verbliebenen Synagoge fanden wir eine Gedenktafel für die in der Shoah umgekommenen Ferrareser Juden und entdeckten dort tatsächlich auch einige Finzi.

Ein paar Ecken weiter fanden wir eine gemütliche Kneipe, die lokales Craftbeer anbot. Wir probierten ein IPA und ein Bock und snackten dazu – es war bereits Aperitivo-Zeit – Chips, Taralli, Gürkchen und mehr. Solchermaßen auf die Nahrungsaufnahme eingestimmt, ging es in die von Rachel vor ein paar Tagen empfohlene Trattoria. Als Vorspeise ließen wir uns frittierte Zucchiniblüten, gefüllt mit Mozzarella, schmecken – eines meiner absoluten Lieblingsgerichte, auch wenn hier der Teig etwas dick war. Danach gab es für mich mit Kürbispüree gefüllte Capellacci in Salbeibutter und für den Hasen Pasticcio di maccheroni, eine Art Pie gefüllt mit Maccheroni und Käse, beides typische Spezialitäten Ferraras. Dazu tranken wir einen sehr sehr leckeren, spritzigen und tiefroten Lambrusco aus der Gegend. Zum Nachtisch gab es dann für mich Zuppa Inglese (ebenfalls typisch für Ferrara) und für den Hasen Tiramisu. Und weil es ein paar Probleme im Service gab (der von uns gewählte Hauptgang war aus, was man uns allerdings erst beim Servieren der Pasta mitteilte, meine Pasta wurde erst mit der falschen Sauce gebracht, das vom Hasen gewählte Dessert war noch nicht fertig und unsere Flasche Wasser wurde vergessen) gab es dann noch eine Torta di tagliatelle sowie einen Limoncello für mich und einen Whisky für den Hasen aufs Haus. Satt und zufrieden radelten wir danach nach Hause und fielen erschöpft ins Bett.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 18: Strandspaziergang, Salzstadt Cervia und Faulenzen in Ravenna

Wenn man nach dem Aufwachen aus dem Fenster guckt und vom Bett aus Strand und Meer sehen kann, dann fällt das Aufstehen gar nicht mehr so schwer. Doch bevor wir ans Wasser kamen, standen erst das reichhaltige Frühstücksbüffet des Hotels (die volle Palette des italienischen Frühstücks plus Zugeständnisse an internationale Gäste wie Käse, Wurst, Ei und Würstchen) und das Auschecken auf dem Plan. Dann aber liefen wir endlich über den Sand ans – ziemlich kühle – Wasser. Da das Wetter auch eher gräulich war und Regen drohte, wurde es auch heute nichts mit dem Baden und stattdessen spazierten wir eine ganze Weile an Strand und Marina entlang und beobachteten Fische, Muscheln, Krebse und Krabben bei ihren alltäglichen Verrichtungen.

Dann setzten wir uns gerade bevor die ersten Tropfen fielen ins Auto und fuhren weiter, nämlich die Adriaküste nordwärts nach Cervia. Diese Stadt ist für ihr so genanntes “süßes Salz” bekannt. Wir folgten einem sehr informativen und gut gemachtem Pfad durch die Altstadt und entlang von Salzlagern und Kanälen und lernten vieles über die salzige Geschichte der Stadt. Unterwegs kamen wir auch noch an diesem besonders schönen Exemplar eines Erdbeerbaums vorbei:

Dann waren wir etwas fußlahm und nahmen in einer Bar Platz. Es gab Caffè latte (“Meinst Du etwas anderes als Cappucino?!”) und eine Cedrata, also eine Limonade aus der Frucht, aus der man Zitronat macht. Außerdem legten wir hier noch Geld in Postkarten und salzige Souvenirs an. Dann verließen wir die Stadt entlang der Salinen, leider ohne dabei auf Flamingos zu treffen.

Kurz hinter den Salinen bot ein Paar die Früchte seines Gartens zum Verkauf an und da wir heute Abend eine eigene Küche zur Verfügung haben, schlugen wir zu. Für vier große Kartoffeln, vier Möhren, zwei Zucchini und zwei Handvoll Tomaten bezahlten wir… zwei Euro!

Dann fuhren wir weiter nach Ravenna und weil wir fußlahm, geschafft und faul waren, beschlossen wir, die Stadtbesichtigung auf morgen zu verschieben. Stattdessen verbrachten wir den späten Nachmittag und frühen Abend mit Internet leer lesen, Bloggen und anderen Dingen, für die es eine stabile Internetverbindung braucht. Dazu gab es schonmal einen leichten Nachmittagssnack und gleich wird dann gekocht…

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 17: Senigallia, Gradara und Rimini

Wir verabschiedeten uns am Morgen von unserer italienischen Familie – nicht ohne dass der Hund mir noch ein paar Pfotenabdrücke auf die frisch angezogene Hose verpasst hätte – und begaben uns auf die letzte Etappe unseres Roadtrips, am letzten Montag dieses Urlaubs. Zunächst ging es nach Senigallia, eigentlich weil ich der Empfehlung von Luisa folgend dort ein Eis essen wollte. Leider war das nun sehr ungünstig geplant, denn Senigallia liegt viel zu nahe an Ancona und so waren wir schon am späten Vormittag dort und die Eisdiele noch zu. So setzten wir uns stattdessen ins Café daneben und tranken einen zusätzlichen Kaffee, müde genug waren wir beide. Es ist übrigens recht erstaunlich, was für unterschiedliche Getränke man bekommt, wenn man in Italien einen Caffè latte bestellt. Meistens ist es eine Art Milchkaffee, aber außerhalb der Touristenhochburgen dann zum Beispiel auch mal ein Glas warme Milch mit einem Espresso, das dann als Latte Macchiato abgerechnet wird und 1,40 € kostet. Prenzlauer-Berg-Eltern seufzen an diese Stelle ob der italienischen Preise laut auf.

Ziemlich hip war dafür dann das Waschbecken, zum Glück konnte ich gut genug Italienisch, um zu verstehen, wie ich meine Hände trocken bekomme. Das Gerät ist übrigens von Dyson, was auch Nicht-Italophonen eine Vorstellung geben dürfte.

Zum Kaffee lasen wir in der Lokalpresse eine Einschätzung der Bayernwahl.

Dann spazierten wir noch ein wenig durch Senigallia und fuhren dann auf Empfehlung der italienischen Cousine nach Gradara. Hier spielte sich in der göttlichen Komödie die Geschichte von Francesca und Paolo ab, die in Italien scheinbar jedes Kind kennt. Für uns wichtiger war die Burg auf dem Foto, die komplett erhalten ist und in deren Inneren sich die komplette Altstadt von Gradara, inkl. Kirchen, Wohnhäusern, Geschäften und Restaurants befindet.

Von Gradara ging es weiter nach Rimini. In Viserba, quasi dem Warnemünde von Rimini, bezogen wir unser AirBnB-Zimmer, das sich als Hotelzimmer entpuppte, direkt am Strand und mit Blick auf die Adria. Dann fuhren wir in die Stadt hinein und bummelten über Augustus-Bogen, Corso und Tiberius-Brücke in den Stadtteil Borgo San Giuliano, der einst das Fischerviertel und heutzutage gentrifiziertes Kneipenviertel ist. Hier aßen wir Piadine, denn schließlich waren wir wieder in der Emilia-Romagna angekommen. Die eine war mit Salsiccia und Radicchio, die andere mit Squaquerone und gegrilltem Gemüse. Danach ging es für uns früh ins Bett. Eigentlich hätten wir ja noch einen Fellini-Film oder zumindest eine Doku über den größten Sohn der Stadt gucken müssen, aber dank Schnecken-WLAN blieb es dann doch beim Lesen und frühen Schlafen.