Geburtstagswoche 2015 – Agrigento und Regaleali

Ich hab mich eben im Spiegel gesehen und war total überrascht, wie glücklich ich aussehe. Also, ich weiß ja, dass ich es gerade absolut bin, aber dass man mir das einfach so von außen ansieht und wie groß der Unterscheid zu meinem mir vertrauten Spiegelbild ist (nicht, dass ich zuhause explizit unglücklich wäre), das hätte ich nicht erwartet.
Dieser Trip ist alles, was ich mir davon versprochen habe und mehr. Die Sonne, die Landschaft und das Essen sind das Eine und damit habe ich gerechnet, das andere sind die Menschen, die wahnsinnig tollen Gespräche, die Atmosphäre, die Ideen, das Feedback und die Gedankenwanderungen. Ich habe dem Hasen versprochen, möglichst viel davon zu behalten und ich hoffe, man wird es auch hier im Blog merken können.
Heute ging es zunächst nach Agrigento, ich habe schon letztes Jahr darüber gebloggt, als der Hase und ich auf unserem Roadtrip im Tal der Tempel halt machten und auch über den wundervollen Garten der Kolymbetra, der inzwischen mein Happy Place geworden ist (Links folgen, wenn ich wieder zuhause bin). Und auch heute hat der Garten seine Wirkung getan, auch wenn es dort im Juni leider keine reifen Früchte mehr gibt. Vielleicht reicht eine überwältigende Erfahrung aus, um einen Ort für immer ins Herz zu schließen…
Der Juno-Tempel und im Hintergrund das Meer
Mandeln am Baum
Eine riesige Agave

Siesta-Ziege

Ruinen

Artischocke in voller Blüte

Unser Picknick: Sandwich mit Frittata, eingelegte getrocknete Tomaten, Artischocken, Oliven und gefüllte Peperoncini, Käse und später zum Nachtisch Kirschen und Melone. Dazu gibt es Weißwein und Wasser.
Francesca, Luisa und Gayle – drei Foodbloggerinnen beim Material sammeln.
Zurück in Case Vecchie gingen wir für eine tolle Writing Session in den Pavillon im Garten.
Danach fuhren wir nach Regaleali, erhielten eine Führung durch das Weingut und machten eine Weinprobe. Wichtigste Erkenntnis: Man braucht nur fünf Wörter, um Wein zu beschreiben: Red, White, Rosé, Like und Dislike.

Zum Aperitivo im Hof des Gutshaused gab es zwei verschiedene Jahrgänge eines Schaumweins und dazu frittierte Bohnen, mit Bêchamel gefüllte Kartoffelkroketten und Reisbällchen.

Schließlich speisten wir in großer Tafelrunde bei Grafens und aßen Ravioli gefüllt mit Ricotta und Minze, Kotelett und Kartoffeln, Caponnata und Salat sowie den besten Cannolo, den ich je gegessen habe – begleitet von weißem, rotem und Dessertwein.

Geburtstagswoche 2015 – Panelle, Cassata und der Garten

Heute ging es fast direkt nach dem Frühstück mit Kochen los. Wir sahen zu und legten teilweise auch mit Hand an.

Für Panelle wird Kichererbsenmehl in Wasser gekocht (gewürzt mit Salz, Pfeffer und Oregano) und dann flach ausgestrichen:

Nach dem Erkalten erhält man einen flachen Fladen, den es dann gilt, heil abzulösen:
Danach werden die Panelle zurechtgeschnitten und in Olivenöl frittiert:
Soooo lecker:

Nebenbei wurde Pastateig zubereitet, mit einem Schlag Ricotta:
Die Cavatelli-Maschine in Aktion:

Warme Tomatensauce mit Ricotta:
Und zusammen:

Blanchierter Mangold mit Bêchamel püriert und Spiegeleier, im Ofen gebacken:

Aus einem Sauerrest-Teig entstanden nebenbei Piadine:
Selbstgemachtes Marzipan aus Mandelmehl, Zucker und Honig (und grüner Lebensmittelfarbe):

Kandierte Früchte für die Deko der Cassata:
Das fertige Kunstwerk:

Ein Rundgang durch den Garten:
Suppe aus Zucchini lunghi, inkl. Blättern:

Salat aus Gartenkräutern mit einer konfierten und einer getrockneten Tomate:

Bianco Mangiare:

Geburtstagswoche 2015 – Ricotta, Pecorino und Kräuter

Ich habe heute wahnsinnig viele Fotos gemacht, die ich aus Zeitgründen hauptsächlich für sich selbst sprechen lasse… Mit ein paar Erklärungen hier und da 😉
Morgens um 7 ist schon eine Menge los in den Weinbergen.
Der riesige Esstisch in der Küche, bereit fürs Frühstück.

Kaffee, frisch gepresster O-Saft, hausgemachtes Brot, hausgemachte Marmeladen, Aprikosen und Melonen aus dem Garten – später auch noch Kuchen. So geht ein Foodie-Tag los!
Wir besuchen einen Schäfer und lassen uns zeigen, wie er Ricotta und Pecorino herstellt. Zweimal am Tag werden die Schafe gemolken, dann darf sich die Milch ein paar Stunden lang setzen, bevor sie bei 36 Grad mit Lab versetzt wird und beginnt, zu verklumpen. Die dabei entstehende Molke wird aufgefangen und benutzt, um aus weiterer Milch bei 76 Grad Ricotta herzustellen. Währenddessen tropft der Pecorino ab und wird immer fester. Dann wird er mit der Molke, die beim Ricottamachen übrigbleibt begossen, was eine Art Garprozess auslöst. Danach wird eingesalzen und gelagert, je nach gewünschtem Härte- und Reifegrad. Der Ricotta hingegen wird idealerweise am gleichen Tag gegessen – noch warm als Frühstück der Schäfer oder dann abends kalt.
Sowohl Pecorino als auch Ricotta werden in diesen Körben hergestellt.
Zwischendurch wird umgelagert, um durch den Druck Luftlöcher zu verschließen.
Schäferfrühstück
Ricotta in the making
Schafshorn und Schafwolle
Traditionelle Werkzeuge

Frischer Pecorino
Die Schafe kommen

Ricotta abschöpfen
Verschiedene Pecorino-Zubereitungen werden verkostet
Reifender Pecorino
Käseprobe als Vorspeise zum Mittagessen

Alle Käsesorten auf einen Blick
Gegrillte Zucchini und Kartoffel-Bohnen-Salat mit Kapern und Oliven
Minzsorbet mit Obstsalat
Sauerteig zum Brotbacken


The tasting table – wir probieren verschiedene Dinge und suchen nach den perfekten Worten, um sie zu beschreiben
Rohe Kichererbsen, frisch aus der Schale
Mispel

Tomaten-Extrakt
Frischer Oregano
Spaziergang durch die Weinberge

Aperitivo mit Sardinen-Ceviche auf Brot
Kräuterrisotto für alle

Kräuterrisotto für mich (eine von zwei Portionen 😉

Eine Scheibe Schwertfisch frisch aus dem Ofen

Schwertfisch mit Knoblauch und Minze, dazu Kartoffel

Fior di Latte-Eis mit Rosmarin, Olivenöl und schwarzem Pfeffer

Geburtstagswoche 2015 – Palermo 2 und Ankunft in Case Vecchie

Die Nacht verlief leider weniger angenehm als erwartet – zum Einen schallte bis etwa 3 Uhr morgens laute Musik durch die Gassen (und dann wieder ab 8) – an einem Sonntag im katholischen Sizilien – zum Anderen äußerte sich mein Zimmergenosse gegen 2 Uhr nachts laut aus dem Bett kotzend und verbrachte dann etwa eine halbe Stunde damit, relativ verstrahlt und vor sich hinbrabbelnd, irgendwie mit der Situation klarzukommen, aufzuwischen usw. Ich lag dann natürlich erstmal wach (ohne mir etwas anmerken zu lassen) und brauchte zwei Podcast-Folgen, um wieder einschlafen zu können…
Wesentlich angenehmer war der Morgen im Hostel, mit Katze und frisch (oder auf-) gebackenem Gebäck. Dann kam auch schon die Nachricht meiner Mit-Kursteilnehmerin Gayle, dass sie im Bus zum Bahnhof säße – mein Zeichen, aufzubrechen.
Ich traf Gayle am Bahnhof, wir gaben unser Gepäch auf und liefen dann ein paar Stunden lang durch Palermo. Als wahre Foodies waren die Märkte natürlich unser erstes Ziel. An einem der Obststände gerieten wir sehr schnell vom Probieren (Feige mit Nutella, Erdbeere mit Nutella, Kirschen) zum Zum-Kauf-Gedrängt-Werden und 10 €-Ausgeben. (Wechselgeld? Nee, nehmt mehr Obst!!)
Ein anderer Punkt auf der To Do-Liste waren Granitá und Eis in einer Brioche – typisches sizilianisches Sommerfrühstück übrigens. 

Wir trafen eine weitere Kursteilnehmerin, Gry aus Stockholm am Bahnhof und fuhren dann gemeinsam mit dem Zug nach Vallelunga, im Zentrum der Insel, zur Anna Tasca Lanza Cooking School. Es ist verrückt – alles, was ich vorher über diesen Ort gelesen habe ist wahr. Idylle pur, malerische Gebäude, wahnsinnige bis kitschige Ausblicke auf den Garten, die Weinberge und die Umgebung… Dazu das sizilianische Wetter und das Licht, das alles erstrahlen lässt wie in einer romantischen Komödie mit Essensthematik… Mein erster Impuls war, den Hasen und die Katzen nachzuholen und für immer zu bleiben.

Nach und nach trudelten sämtliche Kursteilnehmerinnen ein und wir begannen mit einer Vorstellungsrunde, die alleine schon extrem inspirierend war. Übrigens sind außer dem englischen Gärtner und einem der Köche im Prinzip nur Frauen hier vor Ort – es wird sich wohl noch herausstellen, ob das Zufall oder strukturell bedingt ist.

Zum Aperitivo gab es Champagner und Crostini mit verschiedenen Pasten – aus getrockneten Tomaten oder Kapern und entweder Mandeln oder wildem Fenchel.

Als ersten Gang bekamen wir Macco serviert, eine köstliche Suppe aus Fava-Bohnen, die dann nach Gusto mit scharfem Olivenöl, gesalzenem Ricotta und Rosa Beeren garniert wurde. 

Der Hauptgang (sorry für die Bildqualität, in Sizilien geht die Sonne eine Stunde früher unter als in Berlin und man isst deutlich später) bestand aus Hühnchen aus eigener Zucht, Kartoffeln und wahnsinnig aromatischem Salat. Zum Essen gab es natürlich auch Wein und zumindest von dem Weißwein werde ich mir mindestens eine Flasche mitnehmen.
Der Nachtisch war ein luftiges Gebäck namens Sfince – die Rezepte bekommen wir übrigens alle mit nach Hause, zum Glück.
Während des Essens ergaben sich Gespräche über die Mailänder Expo, nachhaltige Landwirtschaft, Feminismus und das Bloggen – endlich normale Leute, würde ich sagen 😉 Jetzt geht es ab ins Bett, denn morgen haben wir viel vor – ich werde berichten!

Geburtstagswoche 2015 – Ein halber Sonntag in Palermo

Heute Morgen bin ich um 6 aufgestanden, nach viel zu kurzer, weil unruhig und aufgeregt verbrachter Nacht. Bis ich in Palermo war, war es 10 Stunden später. Nochmal 7 Stunden später liege ich jetzt völlig kaputt auf meinem Hostelbett, voll von Eindrücken und Essen, müde und mit schmerzenden Füßen. Denn nur, weil ich erst nachmittags hier ankomme, heißt das ja nicht, dass ich kein Palermo-Programm durchziehe. Immerhin 12 km bin ich laut App danach noch gelaufen, straßauf, straßab sozusagen.
Zuerst zieht es mich ans Wasser, wie fast immer und überall. Die Marina fand ich ja letztes Jahr schon so schön:

Dann begebe ich mich auf Eis-Suche und sehe unterwegs einen verwunschen Baum im Giardino Garibaldi:

Ich werde eismäßig fündig und suche mir die drei sizilianischsten Sorten aus, die es gibt: Pistazie, Maulbeere und Cassata.

Das Eis ist so unglaublich cremig und aromatisch, dass ich mich hinsetzen muss, um es in aller Ruhe zu genießen. Mit dieser Aussicht:

Die ersten Orden für fleißiges Eisessen habe ich auf Hose und Top jedenfalls anbringen können. Erstes Sizilien-To Do erledigt.
Ich mache Halt am Bahnhof und schaue, wo wir morgen Vormittag unser Gepäck parken können und ob man die Tickets, die wir für die Weiterreise brauchen am Automaten bekommt. Läuft. Dann schlendere ich weiter durch Straßen und Gassen:

Gegen 8 wird es Zeit für Punkt 2 auf meiner To Do-Liste: Den Aprritivo. Ich laufe an diversen Bars vorbei, bis ich eine finde, deren Snack-Auswahl auf den Tischen mir zusagt. Leider waren das mit den Pizza- und Sandwichstücken wohl Mehrpersonentische, ich bekomme jedenfalls “nur” Chips und Nüsschen zum Spritz. Schmeckt aber auch.

Über Foursquare habe ich mir ein Restaurant ausgesucht: Gute Bewertungen, nahe beim Hostel, Slow Food, Bio, lokale Zutaten und Rezepte. Auch hier ist man als Einzelperson insofern benachteiligt, dass man nur drinnen sitzen darf. Ist aber nicht so schlimm, die Sonne ist bereits untergegangen (eine Stunde früher als in Berlin) und es wird langsam frischer.

Das Essen ist sehr sehr gut. Es gibt:

Erdnüsse und Kürbiskerne zum Snacken

Auberginentörtchen (Gegrillte Aubergine und Cacciocavallo geschichtet mit Tomatensauce und Pesto)

Spaghetti mit frittierter Zucchini und Ricotta

Cannolo, heute mal umgefüllt
Es ist superlecker, aber ich bin inzwischen so vollgefressen, dass ich mich überwinden muss, aufzuessen und danach erstmal sehr viel Wasser trinke, bevor ich aufstehen kann. Schnell bezahlen (21 € inkl. Wasser und Coperta) und die zum Glück nur 7 Minuten ins Hostel laufen.
Hier treffe ich noch auf den Betreiber und seine Mutter, die einen Teil ihres Hauses zum Hostel umfunktioniert haben, aber auch selbst noch die Räume mitnutzen. Sehr gemütliche Atmosphäre! Mein Zimmernachbar (zwei der vier Betten sind  heute Nacht frei geblieben) ist noch unterwegs, so habe ich das Zimmer erst einmal für mich und kann mich ungestört erholen. Mir fallen aber auch schon die Augen zu…

Fiano di Avellino – Vom Essen, Schreiben und Weintrinken (und von Sizilien)

Auch bei Foodies (oder Foodisten?) wie mir ist die Essensplanung so manches Mal völlig dem Zufall unterworfen. Heute war es ein Bus, der nicht so fuhr, wie er sollte, so dass meine Ma und ich nicht wie sonst am Centro Italia vorbeifuhren, sondern eben liefen. Grund genug, endlich mal wieder vorbeizugehen und meiner Ma vorzuführen, was es dort alles Köstliches gibt. 
Natürlich blieb es nicht beim Gucken und eine Packung Taralli musste mit. Jedes Mal wenn ich im Centro bin denke ich an die kulinarischen Freudenfeste bei meinem Ex-Schwiegervater (ich erwähnte ihn gerade neulich erst) und Taralli gehörten unweigerlich dazu, zum Antipasto oder sogar noch davor, wenn man seinen Magen langsam wieder darauf einstimmen wollte, demnächst Nahrung aufzunehmen… Zum Schluss unseres Rundgangs verschlug es mich noch kurz in die Weinabteilung. Ich gucke mir Weinabteilungen routinemäßig an und untersuche sie darauf, ob es denn Aglianico oder Fiano aus Avellino gibt. Das sind die beiden Rebsorten (eine rot, die andere weiß), die wir dort immer gewohnheitsmäßig getrunken haben und ich könnte schwören, dass der Fiano der beste Weißwein der Welt ist. Aglianico findet man in Berlin ab und zu, wenn auch meistens nicht direkt aus Avellino. Fiano habe ich hier noch nie im Laden (und auch nicht im Restaurant) gesehen. Umso erfreuter war ich, dass im Centro heute beides vorrätig war – und dann auch noch von Mastroberardino, dem Weingut, bei dem mein Ex-Schwager früher gearbeitet hat. 
Nun – Rotwein haben wir noch in rauhen Mengen da, aber der Fiano musste mit, trotz des stolzen Preises von 12,95 € pro Flasche, denn das ist er auf jeden Fall wert. So plante ich dann mein Abendessen um den Wein herum – wie es echte Kenner so machen *hust*. Es gab das selbstgemachte Dinkelbrot vom Mann mit verschiedenen Käsesorten (u.a. tollem Ziegenschnittkäse mit Bockshornklee aus seiner Heimat), Bärlauch, getrockneten Tomaten, Oliven und eben Taralli. Dazu ein gut gefülltes Glas Fiano und ich war im siebten Himmel. Die Rebe wächst fast nur in der Region Avellino, man gewinnt nur geringe Erträge und die Trauben haben auch noch wenig Saft. Deswegen ist er so selten. Lecker ist er umso mehr. Durch den Anbau in Haselnussplantagen sagt man ihm eine leichte Haselnussnote nach. Und nach Honig schmeckt er. Finden auch die Bienen, die gerne von den Trauben naschen, was dem Wein zu Zeiten der Römer den Namen Apiana einbrachte. Und ein wenig moussierend ist er auch, so heißt das doch, wenn ein wenig Kohlensäure drin ist, oder? Ihr merkt, mit Wein kenne ich mich (noch) nicht so gut aus – ich kaufe meist, was mir schon geschmeckt hat, womit ich ja bisher nicht schlecht fahre. 🙂
So viel Geld für eine einzelne Flasche Wein auszugeben, mag dem Einen oder Anderen Verschwendung erscheinen, aber ich habe heute auch etwas zu feiern. Ich habe nämlich noch viel mehr Geld ausgegeben und endlich den Kurs The Language of Food mit Rachel Roddy und Luisa Weiss im Juni in Sizilien gebucht. Eine Woche lang werde ich dort essen, trinken, kochen und schreiben lernen und mich mit anderen austauschen – hier habe ich schon einmal darüber geschrieben. Ich habe lange mit mir gerungen, so viel Geld auszugeben, bin aber schlussendlich meinem Bauchgefühl gefolt, unterstützt von allerlei positiven Schubsern vom Mann und aus dem Freundeskreis. Danke dafür! Ich weiß jetzt schon, dass mich diese Woche sehr glücklich machen wird!
Und weil dieser Blogpost mit meiner Ma begann, endet er auch mit ihr und dem Festmahl, dass sie uns am Ostermontag auftischte – so ein Foodie wird man ja nicht von alleine! (Nicht im Bild: Pizza mit Zucchini bzw. Salami)

Tagebuch-5 im März

Wie gut, dass ich Frau Brüllen in meinem Feedreader habe, so wurde ich direkt morgens daran erinnert, dass heute der 5. ist. Da ich krank bin, spielt das Datum nämlich in meinem Alltag gerade eine untergeordnetere Rolle, als es das im Büro tun würde. So aber kann ich mich trotzdem der Frage widmen: WMDEDGT?

Ich erwache kurz vor 9 aus Urlaubsträumen (Sizilien, Sonne, Essen!) und kann natürlich erstmal ganz in Ruhe liegen bleiben und die Nachrichtenlage checken. Dabei stelle ich fest, dass es auch heute wieder ein Schnupfentag wird – seufz. Irgendwann wären freies Durchatmen und ein Alltag ohne lauter durchgeweichte Taschentücher auch mal wieder schön – ich beneide jeden, der eine Erkältung einfach innerhalb von 1-2 Tagen wegschwitzen bzw. ausschlafen kann. Bin jetzt bei Tag 6, trotz jeder Menge Schlaf, Ruhe, Flüssigkeit und Vitaminen.
Gegen 10 stehe ich auf, füttere die Katzen, nehme meine Medizin und koche die erste Kanne Tee des Tages. Dann mache ich einen Smoothie aus tiefgefrorenen Pflaumen (Danke an Pia für die Inspiration!), Banane, Blutorange, Ingwer, frisch gepresstem Mandarinensaft (die Schale geht so schwer ab…) und Sauerkirschsaft.

Die Beatsteaks übernehmen radioeins freundlich, während ich mir den Abwasch vorknöpfe. Dann frühstücken wir ausführlich und ab kurz vor 12 liege ich auf dem Sofa und ruhe mich aus. Ich schaue ein paar Serienfolgen und lese mich durchs Internet, dann machen die Kopfschmerzen nicht mehr mit und ich schmökere stattdessen in meinen Kochbüchern.

Wenig überraschend macht mich das hungrig und so landen Reste auf dem Teller. Es gibt jamaikanisches “Rice and Peas”, Cassava und frittierte Bananen mit einem ordentlichen Klecks Chili-Sauce drauf. Danach bin ich satt und schläfrig und als die Katzen sich zu mir aufs Sofa gesellen stehen alle Zeichen auf Mittagsschlaf.

Als ich wieder aufwache, ist mir kalt und meine Beine schmerzen: Die Katzen haben sich einfach zu breit gemacht und als braver Mensch wickelt man sich natürlich drumherum und zieht dem Kater nicht die Decke weg. Ich mummele mich also schnell warm ein und fange dann an, mit einer Freundin zu chatten, deren Blog ich Euch ausdrücklich ans Herz legen möchte. Sie ist derzeit in Vancouver und macht sich bald über Maui, Singapur und Thailand auf den Rückweg in ihre Wahlheimat Hamburg. An dieser Stelle passt es auch ganz gut, endlich mal wieder zu MuTZ zu verlinken, einer anderen Freundin, die gerade mit dem Fahrrad durch Südfrankreich unterwegs ist und sehr vergnüglich darüber bloggt. Meine Reiselust ist übrigens auch wieder entfacht: Seit gestern ist meine Teilnahme am Blog-und-Koch-Workshop in Sizilien bestätigt. Das Bezahlen hat zum Glück noch ein Weilchen Zeit, aber ich kümmere mich dann jetzt schon mal um einen Flug (danke, Flugmeilen!).

So langsam sind die Miezen im Abendbrot-Modus, so dass wir da bestimmt bald nachgeben werden. Unser Abendbrot besteht heute dann aus selbst gemachtem Sushi – mit Ingwer und Wasabi gegen die verstopften Nebenhöhlen! 

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 6: Palermo

Nachdem das Essen am Vortag ja eher enttäuschend war, rettete das Frühstücksbüffet ein wenig die Ehre des Etablissements. Neben dem üblichen Süßkram gab es diverse Antipasti, Käse, Aufschnitt und eine Cassata – nicht so gut wie selbst gemacht, aber immerhin. Nach dem Aufbruch hieß unser erstes Ziel Erice. Dieses mittelalterliche Städtchen, dass sich um ein Kloster herum entwickelte, liegt auf dem gleichnamigen Berg in rund 750 Meter luftiger Höhe. Um dorthin zu gelangen, folgt man eine gefühlte halbe Stunde lang engen Serpentinen, mit immer wieder großartigen Ausblicken aufs Meer (und eine Schafherde). 


Oben angekommen wollte Tommy uns mal wieder mit dem Kopf durch die Wand führen. Buchstäblich, denn wir mussten unser Auto dann an der Stadtmauer zurücklassen und zu Fuß die letzten Treppen nehmen. Es muss aber auch andere Wege geben, denn oben gab es auch wieder vereinzelte Autos. Wir schlenderten durch die Gassen auf der Suche nach einer Pasticceria, die in unserem Reiseführer hochgelobt wurde. Sie war natürlich proppenvoll und wir kauften dort Köstlichkeiten als Mitbringel für Zuhause. Dann aßen wir ein Eis und beguckten die Schaufenster. Als wir Pistaziencreme entdeckten, mussten wir ein Souvenir- und Delikatessengeschäft betreten und sie mitnehmen (nicht ohne dass uns die Inhaberin zwang diverse Pestosorten auf vollen Frühstück- und Eismagen zu verkosten und dann sichtlich enttäuscht waren, dass wir wirklich nur die Pistaziencreme kauften.

Von Erice ging es dann weiter nach Palermo. Vor der Stadt hatte ich im Vorfeld ne Menge Respekt und habe sie mir “chaotisch und kriminell” wie Neapel, nur nochmal schlimmer vorgestellt. Tatsächlich war ich damit, bis auf den Straßenverkehr zu Stoßzeiten, zumindest in der Innenstadt schief gewickelt. Zu keinen Zeitpunkt war mir irgendwie mulmig, auch das Auto bekam bis auf einen Parkkratzer nichts weiter ab (obwohl eine Zeitlang nicht abgeschlossen war *pfeif*) und die Stadt bezauberte uns mit gutem Wetter und vor allem den täglich stattfindenden Straßenmärkten.

Es gab die ersten “Monatserdbeeren” des Jahres (zweimal eine 250 g-Schale voll für jeweils 1 € bzw. 1,50 €, gekochte Artischocken frisch aus dem Topf, frittierte Sardellen und Auberginen und eine Menge zu sehen.

Auch sonst hatte die Stadt eine Menge an Architektur, Street Art und Flair zu bieten. Den Sonnenuntergang verbrachten wir in guter Tradition in Wassernähe. Dann spazierten wir noch zum sizilianischen Parlament und dem Theater, in dem Teile des Paten gedreht wurden und dann beschlossen wir den Abend in einer kleinen Osteria voller Einheimischer. Die Kellner waren zwar etwas hektisch, das Essen jedoch sehr solide, wenn auch nicht besonders raffiniert. Gut bürgerlich eben, würde man hier sagen. Dazu was vom offenen Roten, das ist doch mehr als zufriedenstellend.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 5: Guarrato (Trapani)

Man müsste mal wissenschaftlich untersuchen, ob nach dem Höhepunkt-Tag eines Urlaubs immer ein nicht so guter Tag folgt und wenn ja, ob das dann nur gefühlt so ist, oder statistisch doch irgendwie zu rechtfertigen. So im Nachhinein betrachtet war dieser Tag jedenfalls im Vergleich irgendwie lasch. Dabei fing es richtig gut an – mit einem gemütlichen Frühstück im Wohnzimmer, inklusive frisch gebackener Croissants und hausgemachter Marmelade. Danach ließen wir uns vom Sohn des Hauses noch einmal durch Hof und Garten führen und von Oregano bis Hühnerstall alles zeigen. Er schenkte uns dann einen Rosmarinzweig sowie einen Zweig eines Strauches, aus dessen Blättern man einen Tee gegen Magenbeschwerden kochen kann (Inzwischen schon zweimal probiert und durchaus lecker und bekömmlich. Leider habe ich den Namen nicht verstanden und bisher durch Googlen auch nicht herausbekommen können.)

Dann kauften wir noch eine Flasche des hauseigenen Olivenöls und machten uns noch einmal auf den Weg nach Agrigento, in kulinarischer Mission. Wir hatten nämlich in einem fast 20 Jahre alten Reiseführer gewesen, dass man, wenn man an einer bestimmten Tür an einem Zisterzienserinnenkloster klopft, dort von den Nonnen hergestellte Paste di Mandorle, also Mandelkekse, kaufen kann, und wollten herausfinden, ob das immernoch so ist. Die kurze Antwort ist: Ja. 
Die lange Antwort ist, dass die Nonnen inzwischen keinem Schweigegelübde mehr folgen und uns fast ein Ohr abgekaut wurde. Wir sollten uns noch das Kloster oder zumindest die Kapelle zeigen lassen. Leider ist unser Interesse an Religion deutlich geringer als das an gutem Essen und da wir es auch etwas eilig hatten, mussten wir die gute Dame enttäuschen. Die Kekse waren hingegen recht lecker, aber es gab sie nur in einer festen, etwas überteuerten Zusammenstellung für 10 Euro. Nunja, haben wir eben auch mal die katholische Kirche unterstützt. Dafür können die sich jetzt zwei Heiligsprechungen auf einmal leisten.
Der nächste Programmpunkt war ein kleines Naturreservat, bei dem man sich sogenannte “Vulcanelle”, also kleine Vulkane anschauen konnte. Ich hatte als Island-vorgeprägte an so etwas wie Solfataren oder Fumarolen gedacht, mit ein wenig Blubber, Rauch und Schwefelgeruch. Tatsächlich handelte es sich aber nur um winzige Löchlein am Boden von Pfützen aus denen ab und zu mal kleine Gasbläschen aufstiegen. Nichtmal gerochen haben die. Und dafür fährt man nun extra ne halbe Stunde Umweg. Irgendwie… Underwhelming. Beim nächsten Sizilienbesuch müssen wir auf jeden Fall zum Stromboli, damit der Mann auch mal etwas Vulkan-Action zu sehen bekommt.

Als nächstes wurde die Scala dei Turchi abgehakt, ein großer, weißer, Treppenartiger Felsen direkt am Strand. Allerdings sah der von weitem auch nicht so spektakulär aus, so dass wir uns damit beschieden, endlich mal die Füße ins Mittelmeer zu tauchen, ein paar Muscheln einzusammeln und uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.
Weiter ging die Fahrt dann Richtung Trapani, einen Ort, den ich vor allem als den Herkunftsort des Mannes einer ehemaligen Italienischkurskollegin kannte. Wir hatten die Wahl gehabt zwischen einer Übernachtung in Marsala oder einer in Trapani und uns dann für Trapani entschieden. Im Nachhinein wäre Marsala wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen, denn Trapani war irgendwie langweilig und hässlich. Es gab zwar einen Weg am Meer entlang und wahnsinnig gutes Eis, aber verzehrt haben wir es inmitten von Müll, der direkt am Ufer herumlag. Ein paar nette Gässchen gab es dann doch noch, aber alles in allem ist Trapani keine Reise wert. 
Passend dazu war auch die Übernachtung nicht schön. Laut Webseite ein gemütlich-uriger Agriturismo inmitten von Oliven und Zitronen, mit afrikanisch angehauchter Küche nach Großmutters Rezepten entpuppte er sich eher als Landgasthof und Ausflugslokal, in dem Touristengruppen mit mittelmäßigem Essen abgespeist werden. Ich habe meinen Hauptgang kaum angerührt, weil ich ihn vor lauter Salz (und Haaren) gar nicht essen konnte. Auch die Vorspeisen und der Wein waren nichts besonderes und so endete der Abend früh und unbefriedigend in einem auch noch lauten Zimmer. Möp.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 4: Montaperto (Agrigento)

Nach dem Hostelfrühstück mit Cappuccino und frisch gebackenen Croissants machten wir uns auf, die zweite große Sehenswürdigkeit Siracusas zu besichtigen: Den archäologischen Park. Hier kann man durch das “Ohr des Dyonisos” spazieren, griechische Altare und ein römisches Amphitheater sehen. Leider wurde es gerade für die sommerlichen Aufführungen griechischer Dramen hergerichtet, so dass die Bauarbeiten den antiken Charakter übertönten. So brachen wir recht schnell wieder auf gen Süden, zur barocken Stadt Noto.

Einen kurzen Spaziergang entlang des Boulevards mit sonnengelben, rötlich schimmernden Palazzi und ein Eis der angeblich besten Gelateria der Welt (Lonely Planet) später setzten wir uns wieder ins Auto und ließen uns von Tommy durch wunderschöne, wildmalerische Berge und Täler nach Agrigento leiten – zum Tal der Tempel.

Hier spazierten wir bei strahlendstem Sonnenschein zwischen den griechischen Tempelruinen umher. Durchaus beeindruckend, aber das Highlight des Tages fanden wir erst, als wir einem unscheinbaren Schild zum Garten der Kolymbetra folgten. Er ist das Ergebnis von Bewässerungsanlagen, die hier in antiker Zeit angelegt wurden und aus Agrigento eine der bedeutendsten griechischen Siedlungen machten. Heute ist der Garten eine Art botanische Ausstellung, vor allem von allen Zitrusbäumen von Kumquat bis Pampelmuse, aber auch Mandeln, Artischocken, Kakteen und anderen typisch sizilianischen Gewächsen. Der Clou: Man bezahlt 4 € Eintritt und darf sich dafür nach Herzenslust bei den Früchten bedienen. 

Wir pflückten Mandarinen, Apfelsinen, Blutorangen und  Zitronen direkt vom Baum oder sammelten sie aus dem Gras auf. Alles wurde verkostet (und danach noch pfundweise eingepackt). Bevor wir in den Garten kamen, hatte mein Kreislauf mir zu schaffen gemacht und ich wollte nur noch zu unserer Unterkunft. Nach dem Garten war ich rundherum glücklich und aufgedreht – Vitamin C-Überschuss wahrscheinlich 😉
An diesem Abend ging es dann auch zur besten Unterkunft, die wir auf dieser Reise hatten, dem Agriturismo Due Ganée. Der Biobauernhof ist bereits seit Jahrzehnten im Besitz der Familie und lebt vor allem von den Olivenbäumen und dem daraus hergestellten Olivenöl. Aber auch diverse Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter werden hier angebaut. Wir bekamen unser Abendbrot, ein Menü aus  hausgemachten Antipasti, Pasta mit Kirschtomaten und Ricotta, einem Schweinesteak und köstlichen Orangen, Wein, Espresso und selbstgemachten Limoncello im Wohnzimmer der Familie serviert. Vater Salvatore ist der Koch, sein Sohn spielte den Kellner und versorgte uns mit Smalltalk und Informationen zur Gegend. Vollgestopft und glücklich fielen wir danach gegen zehn Uhr todmüde ins Bett.