San Galgano, Siena, Asciano und Sommertrüffel 

Wir nutzen den auf absehbare Zeit letzten relativ sonnensicheren Tag für unseren Ausflug nach Siena und verbinden diesen direkt noch mit der Besichtigung der Abteiruine San Galgano und einem Besuch bei einer lieben entfernten Verwandten (Familie geht auch ohne gemeinsame Gene) in der Pecorino-Hauptstadt Asciano.

Die Abtei San Galgano hat infolge eines Blitzeinschlags mit dazugehörigem Feuer seit Jahrhunderten kein Dach und keine Fenster mehr und wurde bereits 1789 (?) entweiht. Seitdem steht sie romantisch in der Gegend herum und inspiriert Künstler und Literaten. Und auch wir sind bereits zum mindestens dritten Mal hier (bis auf den Hasen, der hat heute seine San Galgano-Premiere, aber er war eben auch noch nie in der Toskana).

 

Nach einer ausführlichen Begehung und unzähligen Fotos fahren wir weiter nach Siena und erinnern uns an die letzten Male hier, bei denen wir noch meine Großeltern dabei hatten. Für sie war der Aufstieg in die Stadt besonders anstrengend, auch für uns ist er kein leichtes. Da kommt es uns natürlich unwahrscheinlich entgegen, dass in den letzten 20 Jahren auch ein entspannterer Weg nach oben – über diverse Rolltreppen – eingerichtet wurde. So kommen wir beinahe im Vollbesitz unserer Kräfte an. Zuerst zieht es uns natürlich zur berühmten Piazza Il Campo.

 

Draufklicken zum Größermachen – Panorama-Spielerei 😉

 

Wir nehmen einen leichten Mittagssnack zu uns (Caprese mit Büffelmozzarella, Bresaola-Carpaccio bzw. Parmigiana di Melanzane) und gönnen uns danach das obligatorische Eis bei Nannini, der Familie der gleichnamigen Sängerin Gianna Nanini. Dann spazieren wir durch die Gassen hinüber zum beeindrucken, für meine Begriffe äußerlich ganz schön überladenen, Dom. Ausnahmsweise kaufen wir uns auch Tickets und sehen uns das Ganze auch von Innen an. Für Kunsthistoriker_innen gibt es hier bestimmt eine Menge zu entdecken, da ich aber Kopfschmerzen habe, laufe ich nur einmal kurz überall entlang und setze mich dann und lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Dankenswerterweise wurde heute kein Weihrauch angezündet – der hat mir in meinem ersten Toskana-Urlaub vor 25 Jahren sämtliche Kirchen durch Kopfschmerzen vermiest.

 

 

Am späten Nachmittag fahren wir durch weite Weizenfelder weiter nach Asciano. Die Stadt liegt an einem Fluss, an dem früher diverse Mühlen standen, die die Gegend mit Mehl versorgten. Neben dem Getreide ist Asciano heute vor allem als Hauptstadt des Pecorino bekannt. Den Markt haben wir laut unserer Gastgeberin leider um zwei Tage verpasst. Trotzdem können wir auf unserem Stadtbummel noch einen halben frischen Pecorino für die nächsten Tage und einen kompletten, reiferen für Zuhause erstehen. Den Rest des Abends verbringen wir mit Essen, Weintrinken und Erzählen. Immerhin haben wir uns seit über 20 Jahren nicht gesehen. Es gibt ein tolles frühlingshaftes Menü, guten Wein aus der Gegend und so wird es beinahe Mitternacht, bis wir uns auf den zweistündigen Heimweg machen…

Hier noch unser Frühlingsmenü in Bildern:

 

Zum Aperitivo gibt es rohe Artischocke, in Olivenöl und Essig gedippt, und dazu Salami, Schinken und Knabberkram

Zur Vorspeise gibt es frischen, weichen Pecorino mit Fave und zum Kosten einen weiteren Käse mit Rotweinadern und dazu ein Aprikosensößchen

Den Hauptgang bilden Taglietelline mit einem Hieb Butter, einem Schluck Olivenöl und frisch gehobelten Sommertrüffeln

Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren, die mit Weißwein, Zucker, Minze und Pfeffer mariniert sind

 

Parco Geotermico delle Biancane, Massa Marittima und ein wild-frittiertes Menü

Eine entfernte Verwandte hatte uns auf Facebook empfohlen, den nahegelegenen geothermischen Park zu besuchen. Da unsere Familie ja ein Faible für vulkanische Dinge hat, nahmen wir uns das direkt für den nächsten Tag vor. Die Fahrt durch weitestgehend menschenleeres Gebiet wird vor allem dadurch unterhaltsam, dass der Straßenatlas von vor 25 Jahren die Strada Provinciale noch nicht kennt, die das Navi präferiert. Das sorgt für Verwirrung und Unsicherheit bei der Generation 60 Plus. Allerdings ist die Straße uns dann auch nicht mehr ganz so geheuer, als wir an die Stelle kommen, wo sie laut Navi über einen Fluss, in der Realität aber eher mitten hindurch führt. Zum Glück ist aber gerade kein Hochwasser und wir kommen sicher auf die andere Seite. Natürlich müssen wir aber trotzdem anhalten und fotografieren. Nicht zum letzten Mal heute fühlen wir uns wie auf Island.

Der Stopp hat auch noch einen schönen Nebeneffekt: Am Straßenrand finde ich jede Menge wilden Fenchel, von dem ich mir einen dicken Strauß pflücke. Gedanklich bin ich damit schon vormittags beim Abendessen, aber wir sind ja nun mal in Italien. “Zuhause” um unsere Ferienwohnung herum blüht und duftet der Holunder, die Blüten zu frittieren haben wir uns gleich von Anfang an vorgenommen. Ein roter Faden für das heutige Menü ist also gefunden: Essbare Wildpflanzen.

Erstmal riecht es jedoch eher nach faulen Eiern, von den Schwefeldämpfen der Fumarolen. Nur 7-8 km unter uns ist eine Magmakammer, gräbt man nur 100 m tief, ist es gleich 9 Grad wärmer. An einigen Stellen ist der Abstand deutlich geringer, man fühlt die Wärme im Vorbeigehen und es tritt auch Dampf aus.

Ein kleines Video mit dem Originalton:

Es gibt einen kleinen Rundweg zum Wandern. Leider verlieren wir die Route ziemlich schnell und laufen dann eher durch einen Wald voller Esskastanien und Korkeichen, als durch vulkanisches Gebiet. Ist aber auch spannend und schön und wir sehen die ersten Eidechsen dieses Urlaubs, die es sich in der Sonne bequem machen (bis wir kommen).

Nach etwa anderthalb Stunden Natur pur fahren wir weiter nach Massa Marittima und schlendern dort zur Piazza Garibaldi mit dem beeindruckenden Dom samt architektonisch spannender Treppe. Hier saßen wir vor 25 Jahren und sahen den Fahnenschwingern und Armbrustschützen des Ballestro del Girifalco zu. Heute ist es hier deutlich ruhiger und leerer. Als wir genug geguckt haben, suchen wir uns ein Café mit WLAN, damit meine Eltern auch endlich mal wieder in Ruhe ihre E-Mails checken und auf Facebook rumhängen können.  Der Kellner stammt aus Südtirol und so können wir kompliziertere Vorgänge wie das Einwählen ins WLAN und die gleichzeitige Bestellung aus Speisekarte, Pasticceria-Auswahl und von der Eistheke – alles auf einer Rechnung – in schönstem deutsch-italienischem Kauderwelsch organisieren.

Crostini mit Artischocken und Grana Padano
Cioccolato nero, fragola, icricotta e fichi


Auf dem Weg zurück zum Auto entdecken wir noch den Brunnen der Fruchtbarkeit mit entsprechendem Fresco.


Auf dem Heimweg halten wir noch an einem Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen und noch einige Zutaten fürs Abendbrot zu kaufen. Die Zucchiniblüten sind dann einfach irgendwie mit in den Wagen gehüpft – frittieren stand ja eh schon auf dem Plan und so ergab sich dann spontan noch eine tolle Vorspeise.

Teig für Fritti nach Rachel Roddy

  • 150 g Mehl
  • 2 EL Olivenöl
  • 200 ml Wasser
  • 2 Eiweiß
  • Salz

Mehl, Öl und Wasser gut vermischen und für eine, besser zwei Stunden in den Kühlschrank stellen. Direkt vor dem Frittieren wieder herausholen und Eischnee unterheben – fertig. Zum Frittieren haben wir natürlich Olivenöl genommen (extra verginge, aber nicht das teuerste), schmeckt am besten und man gönnt sich ja sonst nichts. Die Menge Teig reicht für 6 gefüllte Zucchiniblüten, 48 Zucchinistifte (ca 1 cm Durchmesser und 7 cm Länge) und etwa 10 große Holunderdolden.

Gefüllte Zucchiniblüten und Zucchinistifte

  • 6 junge Zuchini mit Blüten
  • 6 Anchovifilets
  • 1 Mozzarella
  • Teig für Fritti (siehe oben)

Den Mozzarella in sechs Teile schneiden. Blüten von den Zucchini abschneiden (einen kleinen Strunk dranlassen) und vorsichtig auseinanderziehen. Mit je einem Stück Mozzarella und einem Anchovifilet füllen und wieder verschließen/zudrehen – es passt viel mehr hinein, als man denkt! In den Teig tauchen und frittieren. Die Zucchini halbieren und jede Hälfte der Länge nach vierteln. Ebenfalls in den Teig tauchen und frittieren. Die heißen Fritti salzen und sofort servieren. Mit den Fingern essen!

Fertig befüllte Blüten, fertig zum Frittieren




Pasta mit Salsiccia und wildem Fenchel nach Eric Lissner

  • 1 großer Bund wilder Fenchel, gewaschen
  • 500 g Penne rigate
  • 2 Salsicce
  • 3 Zehen Knoblauch, in Scheiben
  • Peperoncino
  • Salz

Einen Pastatopf mit Wasser zum Kochen bringen. Den Fenchel darin 5 Minuten simmern lassen und dann herausfischen. Das Wasser großzügig salzen, die Pasta dazugeben und al dente kochen. In der Zwischenzeit die Salsicce von ihren Häuten befreien. In einer Pfanne den Knoblauch langsam in Olivenöl andünsten, dann die Scheiben herausfischen. Die Salsicce hinzugeben, mit dem Pfannenwender zerkleinern und mit Peperoncino würzen. Das Fleisch gut durchbraten. Währenddessen den Fenchel kleinhacken und dann zur Salsiccia geben. 1-2 Kellen Pastawasser dazugeben, um eine gleichmäßige Sauce zu erhalten. Die fertige Pasta dazugeben und alles vermischen, bei Bedarf mit mehr Pastawasser nachhelfen. Servieren.


Frittierte Holunderblüten mit gezuckerten Erdbeeren

  • 10 Holunderdolden
  • Teig für Fritti (siehe oben)
  • 250 g Erdbeeren
  • Zucker

Die Dolden verlesen, Blätter entfernen und eventuelle Insekten etc. absammeln (nicht waschen!). Erdbeeren putzen, kleinschneiden und zuckern. Die Dolden am Stiel festhalten, in den Teig tauchen und gut abtropfen lassen. Über das Frittierfett halten und mit einer Schere so abschneiden, dass nur die vom Teig bedeckten dünnen Zweige ins Fett fallen. Nach und nach alles goldbraun frittieren, dann zuckern und noch heiß mit den Erdbeeren servieren.
 

Vom Stubaital in die Toskana

Am Morgen hatten wir noch einmal fetzigen Bergblick aus dem Bett. Da wir versäumt hatten, uns am Vorabend zum Bio-Frühstücksbüffet mit regionalen Spezialitäten anzumelden, frühstückten wir schon echt italienisch beim Bäcker und machten uns dann auf den Weg über den Brenner, durch Südtirol und in die Po-Ebene. (Hihihi)

Schon faszinierend, da setzt man sich mal kurz (in unserem Fall zwei Tage, aber wenn man sehr ambitioniert ist, geht das auch in einem) ins Auto und zack ist man in Italien. Vor dem Autofenster fliegen Zypressen vorbei, alles ist grün und nach und nach schleichen sich auch Pinien ins Bild. Wir halten an einer Raststätte und ich bestelle uns “un caffè, un caffè americano e un tè. “Fünf zwanzig!” Hmpf, der wollte wohl sein Deutsch üben. Wir begutachteten dann noch die Essenssituation, hatten aber (leider) noch Stullen dabei.


Papa fuhr heute wieder und hatte somit die undankbare Aufgabe, mit dem nur Italienisch sprechenden Mautautomaten zu kommunizieren. Danach musste er sich nur noch mit dem Navi streiten, dass fieserweise die schnellste Strecke fahren wollte, während er die schönere über Florenz und Siena bevorzugte. Natürlich hat er gewonnen und so haben wir schon eine ganze Menge Hügel, Weinberge und Olivenhaine gesehen.

In Volterra kauften wir im Supermarkt ein und dann schlängelten wir uns weiter die Serpentinen entlang, bis wir in unser Ferienwohnung in Canneto ankamen, die Freunden von uns gehört. Sie liegt in einem über 400 Jahre alten, entsprechend verwinkelten und ungeradem Haus auf – natürlich – einem Hügel. Zuletzt waren wir vor über 25 Jahren hier (ohne den Hasen ;)). Einiges ist noch genau gleich, anderes doch irgendwie anders.

Ich koche und Fusilli mit Zucchini und Ricotta, während Mama einen Antipastiteller vorbereitet, der Hase die Betten bezieht und Papa das Auto am Fuße des Hügels parkt. Die “Straßen” hier oben sind mehr so Gassen, die in der wir wohnen ist nicht einmal breit genug für ein Auto. Trotzdem heißt sie “via” und nicht etwa “vicolo” oder so, wie ich amüsiert feststelle. Natürlich sind die Straßen nach den üblichen Verdächtigen benannt: Garibaldi, Vittorio Emanuele (III), Umberto (I) und eine Via Roma gibt es natürlich auch.

Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Spaziergang, während Papa das Kaminfeuer zum Laufen bringt. Wir sitzen mit Wein und Erdbeeren davor, bis uns die Augen langsam zufallen und wir uns in die Betten verziehen. Benvenuti in Toscana!

#12v12 im Oktober

Pünktlich am 12. eines Monats machen Hunderte Blogger 12 Fotos ihres Tages und zeigen diese in ihrem Blog. Eine Bloggerin hat es gestern nicht mehr geschafft, den Post online zu bringen und muss das deswegen heute nachholen. Die Fotos sind aber wirklich vom 12. Mehr #12v12 wie immer hier.

Es ist gemein kalt draußen und ich hole meine Winterjacke aus dem Schrank, dazu auch Schal und Handschuhe.

Zum Frühstück im Büro gibt es Nuss-Brioche, Kakao und Obst. Der Apfel stammt vom Hinterhof.
 
Es gibt wie immer die Bento-Box, heute mit laotischem Curry, vietnamesischen Bun Bo Nam Bo, einem Mango-Curry und heißem Zitronengras-Limetten-Tee.

Abends starten die Teeniecousine, die auch eine Foodiecousine ist, und ich eine langersehnte Koch-Session. Ich rühre Kichererbsen-Teig an und bereite eine Artischocke aufs Frittieren vor.

Bis alles fertig ist, ruhen die Artischockenscheiben in Zitronenwasser.

 gewässerten Kapern sind hinterher dran, ohne Teig.

Die Katzen fragen sich, wann wir endlich aufs Sofa kommen.

Aber erstmal wird gegessen: Carciofi fritti als Vorspeise und dann Maccheroni mit Tomatensauce und frittierten Kapern.

Schön einsaugen und schlürfen, die Teeniecousine machts vor.

Zum Nachtisch gibt es Mango-Lassi.

Da der gemahlene Zimt nach der Lassi-Herstellung alle ist, mörsert mir die Teenie-Cousine noch ein paar Zimtstangen klein.