Reisetagebuch 2. September 2019 – Genua #loosinterrail

27.879 Schritte, sagt die App (ich muss aber gleich nochmal ins Bad), das sind 18,8 km und 23 Stockwerke bin ich auch hoch- oder runtergelaufen. Dazu habe ich noch lokal begrenzten Sonnenbrand am Dekolleté, an Oberarmen und Oberschenkeln. Das mit dem Eincremen üben wir dann also morgen noch einmal. Reicht eigentlich als Zusammenfassung des Tages, oder?

Na gut. Ähnlich wie zuletzt in Berlin auch fast immer, wache ich viel zu früh auf, nämlich um halb 6. Dabei ist es weder im Hostel noch draußen auf der Straße laut. Ich bin halt einfach wach. Versuche zunächst mit einem Podcast und später mit Lesen wieder einzuschlafen, aber das ist mal wieder nicht von Erfolg gekrönt. Zumal ich ja auch in einer mir neuen Stadt bin, die entdeckt werden will! Zunächst gönne ich aber meinem müden Körper noch etwas Ruhe und schreibe meinen Blogeintrag fertig, lese mich durchs Internet, schreibe mit ein paar Freund*innen… Gegen halb 9 stehe ich auf, dusche und mache mich fertig für den Tag. Kurz nach 9 verlasse ich dann das Hostel und laufe zunächst einmal schnurstracks ans Meer, in diesem Fall an den Hafen, der nur wenige Fußminuten entfernt liegt. Leider ist der schöne Naturhafen zugebaut mit Hafenzeugs und der so genannte antike Hafen steht voller moderner Gebäude und Amüsement-Zubehör. Vom Wasser sieht man so gut wie nix. Aber ich wollte ja eh eine ganze Weile laufen und den Corso Italia entlang zum Vor- und Badeort Boccadasse promenieren.

Nur muss ich den Corso erstmal finden. Direkt am Wasser gibt es nur eine hässliche und viel befahrene Hochstraße, also muss ich erstmal quer durch die Stadt. Blöderweise geht quer in Genua nicht gut, zumal besagtes Stadtviertel irgendwie auf einem Berg liegt. Es geht also viel nach links und rechts und vor allem sehr viel hoch und runter und ich mache hunderte Umwege. Hoch über dem Meer auf einem Aussichtspunkt nehme ich an einer Bar erstmal das obligatorische Frühstück – Cappuccino und süßes Teilchen – ein.

Dann suche ich mir wieder einen Weg nach unten und nach vielem Herumgeirre bin ich dann tatsächlich irgendwann auf dem Corso Italia, der wirklich sehr schön ist und direkt am Meer entlangführt. Es handelt sich dabei vor allem um eine breite Promenade, ohne viel Schatten oder Kioske oder Eisstände oder… Aber halt mit Aussicht auf blaugrünes, glitzerndes tyrrhenisches Meerwasser. Immer geradeaus geht es nach Boccadasse, an dessen Eingang mich die Kirche des Heiligen Antonio von Boccadasse mit einer geöffneten Seitentür und dem Blick auf ein maritim-blaues Kirchenfenster, durch das die Sonne gerade hindurchscheint, empfängt. Fasziniert trete ich ein – normalerweise bin ich ja keine Kirchenguckerin – und mache Fotos vom Kirchenfenster. Dann verlasse ich die Kirche auf der gegenüberliegenden Seite und sehe, dass ich nur ein paar Schritte nach unten gehen muss und schon am Wasser stehe.

Die Piazza Nettuno ist ein Kuriosum. Eine winzig kleine Piazza, umgeben von Wohnhäusern, einer Bar und einer Gelateria, und in der Mitte statt Piazza eben ein Kieselstrand, der voller (vermutlich einheimischer) Leute ist, die dort liegen, sich sonnen und im Wasser baden. Ich habe Lust, ein bisschen da zu bleiben und vor allem, etwas Kaltes zu trinken. In der Bar bestelle ich mit Blick auf die herumliegenden Zitronen eine Limonade, bekomme aber nur ein Fertiggetränk angeboten. Ich ändere also zu frisch gepresster Zitrone mit Wasser und werde ungläubig angeschaut. Dann presst man mir 1,5 (!) Zitronen in ein Whiskyglas (!), schmeißt Eiswürfel dazu und einen Schluck Wasser und das Ganze kostet dann 3,50 €. Zum Glück habe ich ja meine Wasserflasche dabei und kann nach dem Abtrinken der ersten sauren Schlucke immer nachfüllen, solange, bis am Ende ein wirklich wohlschmeckendes Getränk dabei herauskommt. Mit dieser improvisierten Limonade setze ich mich auf einen Stuhl am Kieselstrand und schaue auf Wasser und Menschen. Nach einer Weile habe ich genug, gebe mein Glas wieder ab, fülle meine Wasserflasche am Brunnen auf und laufe weiter.

Es gibt hier nämlich noch deutlich mehr Strand. Also, irgendwo, in der nächsten Bucht. Und dazwischen wieder ein enges Straßen- und Gassengewirr mit viel rechts und links, hoch und runter. Kein Wunder, dass ich auf so viele Kilometer komme! Der richtige Strand ist dann sogar noch einen Ort weiter, in Sturla. Inzwischen bratzt die Sonne ordentlich vom Himmel, es ist kurz nach 12. Ich möchte mich in den Schatten legen, aber der Strand hat keinen, außer man bringt ihn sich mit oder mietet ihn sich. Also gebe ich 5 € aus, um den bewirtschafteten Strand zu betreten und noch einmal 5 € für eine Liege mit Sonnendach, die ich mir dann nah ans Wasser rücke. Mein Kopf ist im Schatten (wichtige weitere Körperteile nicht so, siehe oben), das Meer rauscht und ich liege gemütlich rum, genieße das Leben und plane meine nächsten Tage.

Kurz nach 2 wird es mir zu heiß und trotz mehrfachen Eincremens merke ich, dass der Sonnenbrand naht. Außerdem verspüre ich ein Hüngerchen. Ich setze mich also auf einen unbequemen Plastikstuhl unter das Sonnendach der Strandbar, schlürfe eine Granità mit Minzgeschmack, snacke eine kleine Tüte Kartoffelchips und lese weiter in den „Sternstunden der Menschheit“. Das Meer rauscht weiterhin fröhlich vor sich hin und je später der Tag, desto mehr Wind und damit auch Wellen kommen auf. Gegen 15:30 kommen die ersten Italiener*innen zurück an den Strand, scheinbar ist die größte Mittagshitze offiziell vorbei. Da ich aber weder Flip Flops noch Badesachen dabei habe und also weder ans noch ins Wasser komme, breche ich auf und laufe auf ähnlichen, aber nicht ganz den gleichen Wegen, zurück ins Zentrum. Immerhin kann ich jetzt ab und zu die Schattenseite der Straße nutzen und ein leichtes Lüftchen weht auch, zumindest, wenn ich schnell genug laufe. Die Wellen schwappen schäumend über die Steine am Ufer und alles fühlt sich schön meerig-maritim an auf dem Corso Italia. Meer macht allerdings auch Gedanken, solche, wegen derer ich wieder viel Licht und Liebe nach Irgendwo schicken muss und dann den Schritt noch etwas beschleunigen, damit sie sich nicht festsetzen können.

Am Ende des Corso angekommen, wähle ich diesmal eine andere Route und hoffe so, allzu viel Auf und Ab vermeiden zu können. Das klappt auch einigermaßen. Ich laufe stattdessen breite Prachtstraßen unter schönen Platanen entlang, schnurgerade und auch weitestgehend flach. Am Triumpfbogen vorbei geht es unter einem Berg hindurch durch einen Tunnel. Puh. Ich bin ja eigentlich nicht ängstlich, aber so ein sehr langer, glatter Tunnel ist schon etwas beklemmend. Laut, stinkend und eben laaaaaaang. Aber da auch andere Fußgänger*innen dort hindurchliefen, soll das wohl so und irgendwann war auch der Tunnel zu Ende und ich wieder einigermaßen im Zentrum. Dort lief ich vorbei am angeblichen Geburtshaus von Columbus, dem ollen Verbrecher, hinein (und hinauf, leider) in die Altstadt.

Wieder enge Gassen und niedliche Lädchen und dann große, offene Plätze. Auf der Piazza di Ferrari setze ich mich zunächst an einen riesigen rauschenden Springbrunnen. Doch mit dem sich drehenden Wind bläst der Brunnen plötzlich lauter Wassertröpfchen auf mein Telefon-Display und das ist mir dann doch etwas zu anstrengend. Also setze ich mich dem Brunnen gegenüber auf die Stufen vor dem Palazzo Ducale. Drinnen gibt es kostenlose Kunstausstellungen, gerade unter anderem von De Chirico. Mein Ex-Ex-Freund hätte seine helle Freude daran gehabt, aber da er nicht mit ist, fühle ich mich nicht verpflichtet, hineinzugehen. Stattdessen sitze ich gemütlich auf den Stufen und lese die „Sternstunden der Menschheit“ zu Ende.

Dann flaniere ich, immer müder werdend, noch ein wenig durch die Straßen auf der Suche nach einem abendlichen Imbiss. Obwohl ich heute wenig gegessen habe und viel gelaufen bin, habe ich keinen richtigen Hunger. Eigentlich hätte ich gerne eine Farinata (Kichererbsenpfannkuchen) mit ordentlich Gemüse, aber sowas finde ich irgendwie nicht auf die Schnelle. Irgendwann habe ich genug vom Herumgelaufe und hole mir schnell entschlossen ein großes Stück Focaccia mit Tomaten für 2 € und in einem Laden um die Ecke vom Hostel noch ein halbes Kilo Tomaten, ein halbes Pfund Trauben und einen Liter Pfirsichsaft, für zusammen 2,80 €. Supergünstiges Abendbrot ist schließlich auch gut fürs Urlaubsbudget. Die Tomaten veredle ich dann in der Hostel-Küche noch mit Meersalz und Olivenöl. Ich esse, während andere Hostel-Bewohner Brownies backen. Einen Rest Trauben und den Rest Saft nehme ich mit hoch auf mein Zimmer – zum Snacken beim Bloggen. Bevor es ans Bloggen geht, wird allerdings erstmal der Sonnenbrand mit Aloe Vera versorgt. Zum Glück habe ich da noch ein angebrochenes Fläschchen dabei…

Reisetagebuch 1. September 2019 – Von Berlin nach Genua #loosinterrail

Der Wecker klingelt morgens um 4 und reißt mich unverhofft aus meinen Träumen – dabei war ich doch zwischendurch schon dreimal wach, seit ich gegen 21 Uhr ins Bett gegangen bin. Sei’s drum, jetzt wird es ernst! Ich kuschele kurz mit Nimbin, der wie immer morgens neben mir liegt und sammle meine Gedanken. Dann stehe ich auf, mache mich fertig, verstaue letzte Utensilien im Rucksack und schmiere mir eine Stulle für den Weg. Dann noch Katzen füttern, Blumen gießen, Noosa verabschieden und schon geht es los – vollbepackt mit großem Reiserucksack auf dem Rücken, kleinem Tagesrucksack vor der Brust und schwerem Proviantbeutel – 3 l Getränk plus 0,5 l Grießbrei mit Rosinen, Käsestulle, Gurken, Tomaten, Studentenfutter – in der Hand. Der Sommer ist so langsam vorbei, es ist noch stockdunkel in Berlin. Allerdings bin ich nicht alleine auf den Straßen, denn in Berliner Zeitrechnung ist es natürlich noch Samstagnacht und nicht etwa Sonntagmorgen. Am S-Bahnhof und in der Ringbahn begegne ich Partymenschen auf dem Weg zur nächsten Location oder nach Hause ins Bett, während mein großes Abenteuer gerade beginnt.

Am Gesundbrunnen steige ich mit wenigen anderen Leuten in einen leeren ICE ein und suche mir ein gemütliches, nicht reserviertes Plätzchen. Eigentlich wollte ich ja noch eine Weile schlafen, aber der Zug hält erstmal noch am Hauptbahnhof und in Südkreuz, wo jeweils viele Menschen zusteigen und dann ist in der Dreiviertelstunde bis Wittenberg auch noch Fahrscheinkontrolle. Also wird es erst einmal nichts mit dem Schlafen. Stattdessen lese ich (Stefan Zweig – „Schachnovelle“) und denke an das Fräulein, dem ich vom Wittenberger Bahnhof aus hinüber zum Friedhof zuwinke. In Gedanken nehme ich es mit auf die Reise, denn bei unserem letzten Treffen im März hatten wir noch darüber gesprochen, ob wir nicht ein paar Stationen davon gemeinsam befahren wollen…

Ungefähr bei Leipzig hole ich dann mein Essen heraus, nach drei Stunden Wachsein kann man ruhig mal frühstücken. Erstaunlicherweise ist mir eher nach dem herzhaften Teil des Proviants, gibts den Grießbrei eben später. In den nächsten Wochen werde ich ja sowieso vorwiegend süß frühstücken. Kurz nach dem Essen ist die Novelle ausgelesen, stattdessen schnappe ich mir den Reiseführer und lese mich ein wenig zu Genua und Ligurien ein und überlege, wie es danach weitergehen soll auf meinem Interrail-Trip durch Italien. Als ich genug vom Lesen habe, schaue ich nach draußen und befinde mich ganz offensichtlich im „grünen Herzen Deutschlands“. Ein kurzer Blick auf die Karte verrät mir, dass wir Thüringen dabei sogar schon verlassen haben und uns bereits in Hessen befinden. Wie erwartet, überkommen mich dabei ein paar traurige Gedanken an jemand anderen, der mich eigentlich auf zumindest einen Teil dieser Reise begleiten wollte, bis dann doch alles anders kam. Bevor ich zu sehr ins Grübeln verfalle, schnappe ich mir meinen Laptop und schreibe diesen ersten Teil des Reisetagebuchs – nicht ohne dabei auch ein bisschen Licht und Liebe nach Wo-auch-immer-Du-gerade-bist zu senden.* Vielleicht liest Du ja hier noch ab und zu mit, das wäre schön!

In Frankfurt wird es ein bisschen spannend: Wir fahren mit fünf Minuten Verspätung los, die sich bis Mannheim noch auf acht Minuten ausdehnen. Dabei habe ich doch in Mannheim planmäßig nur neun Minuten Umsteigezeit! Die Schaffnerin meint, das würde wahrscheinlich klappen, da der Zug nach Basel direkt vom Nachbargleis fahre und auch „der halbe Zug“ den nehmen möchte. Na gut. Kurz vor Mannheim dann Alarm: Auf dem Display im Zug steht, der Anschlusszug warte nicht. Ich wundere mich nicht, fährt er doch in die Schweiz und wir wissen ja alle, wie wenig die Schweizer*innen Verspätungen schätzen. Das Gute: Der nächste Zug nach Basel fährt nur zehn Minuten später und mit dem erreiche ich immer noch meinen Anschlusszug, auch wenn sich dafür dann die Umsteigezeit in Basel auf sportliche acht Minuten reduziert. Doch es kommt alles anders – der Anschlusszug steht noch da, als wir in Mannheim einfahren und da sofort alle rüber sprinten, kann man wohl nicht anders, als sie an Bord zu nehmen. Am Ende fährt der Zug mit knapp zehn Minuten in Mannheim los, holt diese aber bis Basel fast vollständig auf.

Auf dem Weg fahren wir übrigens durch Offenburg, wo ich in Gedanken an eine tolle Hochzeit schwelge und den beiden Bräuten, die inzwischen ja auch in Berlin leben, Grüße sende. In Basel begrüßt mich dann zunächst eine SMS, dass ich für jeden Tag, an dem ich mein Telefon nutze, automatisch 5,99 € Roaming-Gebühren zahle. Ach richtig, da war ja was. Hallo Schweiz, hallo Nicht-EU-Ausland! Ich bleibe nur vier Stunden, aber da ich ansonsten heute recht sparsam lebe, zahle ich die Gebühren gerne und bleibe weiterhin mit den lieben Menschen nah und fern verbunden. Auch hier steht mein Anschlusszug bereits wieder auf dem Nachbargleis, dabei hätte ich diesmal eine Viertelstunde Umsteigezeit gehabt. Ich dachte ja, dass das alles ganz schön knapp ist, aber scheinbar ist die App, die zum Interrail-Ticket gehört ganz schön clever und stellt mir keine Verbindungen zusammen, die man nicht schaffen kann. Im nächsten Abschnitt geht es im gemütlichen Vierersitz, den ich ganz für mich allein habe (sehr angenehm, nachdem ich mir im letzten Zug das Abteil mit drei Erfurter Wandervögeln teilte), mit Panoramablick einmal quer durch die Schweiz – bis nach Lugano. Schnell stelle ich fest, dass schräg gegenüber dafür jetzt vier Aachener Wanderfreundinnen sitzen, die sich in schönem Dialekt über Diät-Tipps austauschen. Ich löffele stumm meinen halben Liter Grießbrei mit Rosinen und schaue aus dem Fenster in die Schweizer Landschaft.

Die wird irgendwann nach Luzern dann richtig alpin. Schroffe Felswände, wolkenverhangene Gipfel, riesige Gletscherseen. Irgendwo am Vierwaldstädtersee (kurzer Gedanke ans Exil der Familie Mann und mit den Manns auch wieder ans Fräulein – ach…) ist mein 2-l-Tetrapak Eistee alle, es ist gerade einmal kurz nach 15 Uhr und ich habe bereits 2/3 meines Getränkevorrats geleert. Zusätzlich zu dem halben Liter Wasser, den ich morgens nach dem Aufstehen getrunken habe. Ein wichtiges Learning für die Rückfahrt, bei der ich allerdings ingesamt 27 Stunden unterwegs sein werde – keine Ahnung, wie ich das dann löse, aber darüber kann sich Zukunftsloosy Gedanken machen. Gegenwartsloosy hat noch einen Liter Wasser in ihrer Trinkflasche und teilt sich den jetzt am besten gut ein, dann muss sie auch nicht so oft auf Zugtoiletten. Mit der Alpiniizität kommen neben schönen Bergen und Seen leider auch viele Tunnel, so dass das Hinausschauen zwischendurch immer wieder wenig ergiebig wird. Gelegenheit, hier weiter zu schreiben und außerdem auch weiter zu lesen. Ich bleibe erstmal bei Stefan Zweig, jetzt sind die „Sternstunden der Menschheit“ dran. Merke: Wer alleine reist, kann viel lesen. Und wer wenig schleppen will, der kann sich für den E-Reader diverse Klassiker der Weltliteratur für umsonst oder einen schmalen Taler besorgen.

Nach einem besonders langen Tunnel, der fast für eine komplette Sternstunde reicht, sind alle Beschriftungen vor dem Zugfenster auf einmal auf Italienisch – wir haben das Tessin erreicht! Ab jetzt fühlt sich diese Reise wirklich nach Urlaub an. Nur noch einmal umsteigen vor Italien, und zwar in Lugano. Auch jetzt sind es wieder nur neun Minuten Zeit, aber diesmal mache ich mir keine Sorgen, denn noch sind wir in der Schweiz und bei der SBB CFF FFS gibt es keine Verspätungen! In Lugano war ich übrigens schonmal – irgendwann in den 90ern auf der Durchreise nach Frankreich, meine ich, wirklich erinnern kann ich mich nicht mehr – nur an einen großen See, das kann aber auch der Lago Maggiore gewesen sein, denn übernachtet haben wir damals in Locarno. Lugano ist auf jeden Fall bereits südlich der Alpen, das merke ich beim Aussteigen sofort – die Sonne hat eine ganz andere Kraft, die Luft fühlt sich anders an und der Himmel ist irgendwie viel blauer. Zeit, die Sonnenbrille rauszuholen! Nach den angepeilten neun Minuten geht es gemütlich mit dem Bummelzug (17 Stationen in 75 Minuten) über die Grenze und nach Mailand.

Genau am Grenzbahnhof in Chiasso höre ich das erste charakteristische „Allora…“ von einer Mitreisenden und merke, wie ich mich instantan entspanne. Italien, da bin ich wieder! Für einen Moment fallen alle Lasten der letzten Wochen von mir ab und ich fühle mich ausgeglichen und angekommen. Gleich fange ich an, meine nächsten Mahlzeiten zu planen und der Gedanke, dass ich in den nächsten drei Wochen täglich nur drei Dinge klären muss (Wo schlafe ich? Was esse ich? Wann sehe ich das Meer?), malt mir ein dickes Grinsen ins Gesicht. Ich fange an, um mit Eat Pray Love (siehe *) zu sprechen, mit meiner Leber zu lächeln und das scheinen mir beste Voraussetzungen für diesen Urlaub zu sein.

Eigentlich wollte ich ja in Mailand die 35 Minuten Aufenthalt nutzen, um gemütlich einen Aperitivo zu trinken und die Wahlprognosen aus Sachsen und Brandenburg zu verarbeiten. Allerdings bin ich ja jetzt in Italien und damit sind die Züge wieder nicht so pünktlich. Außerdem muss ich bis zum allerletzten Gleis laufen, um meinen kleinen regionalen Bummelzug zu finden und dann wird es mir doch zu hektisch. Ich sitze also im Zug, als ich die Wahlprognosen lese, ohne Alkohol. Im ersten Moment freue ich mich, dass die AfD in keinem der beiden Länder stärkste Kraft geworden ist. Im zweiten wird mir klar, wie viele Menschen sie gewählt haben und was das für die Landtage, die Parteienfinanzierung und das allgemeine Lebensgefühl in Sachsen und Brandenburg bedeutet. Heidewitzka. Kleiner Lichtblick: Die wahrscheinlichste Koalition bedeutet in beiden Ländern, dass die Grünen demnächst mitregieren. In noch zwei Ländern. Im Osten. Und Brandenburg wird das nächste R2G-Land. Perspektivisch eigentlich eine ganz schöne Aussicht… Wenn dann bei der nächsten Wahl die Protestwählenden wieder umschwenken (sollten), dann sind die AfD-Ergebnisse bestimmt immer noch viel zu hoch, aber vielleicht dreht sich der Trend dann trotzdem deutlich. Immer optimistisch bleiben!

Apropos optimistisch, bei der Ausfahrt aus Mailand habe ich keine Sorge mehr, heute Abend nicht mehr ausreichend Essen in mich hineinschaufeln zu können. Reisen macht hungrig. Oder in Italien sein. Jetzt muss ich nur noch ein nettes Lokal in Hostelnähe finden, das am Sonntagabend geöffnet hat. In Genua angekommen ist es bereits dunkel. Google Maps bringt mich zuverlässig zu meinem Hostel, das abseits der Via di Prè liegt, einer langen, sich windenden Gasse, in der auch am Sonntagabend das Leben tobt. Ein kleines Lädchen liegt hier neben dem anderen, dazwischen Imbisse, Restaurants und Cafés. Vor allem Schwarze Menschen in traditionellen afrikanischen Gewändern prägen das Straßenbild und scheinen dabei perfekt italienisiert: Stehen vor den Geschäften und unterhalten sich mit Passant*innen und Nachbarinnen, während ihre Kinder noch im Dunkeln draußen auf der Gasse spielen. Mal gucken, ob der Rest von Genua auch so multikulturell ist! Unterwegs werde ich von einer weiteren Backpackerin angesprochen, die ebenfalls mein Hostel sucht, aber kein Datenpaket für ihr Handy hat. Da kann ich helfen – danke EU! Im Hostel geht dann alles italienisch langsam, der Typ an der Rezension hat alle Zeit der Welt, als er mich eincheckt, nebenbei telefoniert, meinen Personalausweis abschreibt, Bezahlung, Kurtaxe und Schlüsselpfand verlangt, Bettwäsche heraussucht, meinen Schlüssel heraussucht, die Hostel-Regeln erklärt und mir dann mein Zimmer zeigt. Währenddessen drückt der Rucksack immer mehr auf meine Schultern und mein Magen hängt in den Kniekehlen.

Mein Zimmer ist dann überraschend nett, ich habe ein Doppelbett mit fester Matratze und eine Klimaanlage mit akustisch angenehmem Schlafmodus. Das Bad ist gleich um die Ecke und ich teile es mir nur mit den Bewohner*innen des 4er-Zimmers nebenan. Kann man machen! Nach kurzem Frischmachen laufe ich dann mit leichtem Gepäck hinaus in die Genueser Nacht – es wird Zeit für das Einstandsdinner! Bereits im Vorfeld habe ich mir eine gut bewertete Trattoria mit ligurischer Küche in der Nähe ausgesucht. Interessant und auch schon woanders in Italien so gesehen: Von der Straße aus blickt man erst einmal in einen sehr kleinen, familiären Gastraum, in dem gefühlt nur die Familie der Betreiber*innen sitzt und freut sich, dass man so ein authentisches Lokal gefunden hat. Kommt man aber dann hinein, wird man durch einen Bogen in den weitaus größeren Gastraum geleitet, an dem dann deutlich mehr Menschen sitzen und es gastronomisch professionell zugeht. War aber trotzdem immer noch sehr nett da und neben Tourist*innen waren auch viele Italiener*innen am Start.

Ich beginne meinen „Eatalien“-Urlaub mit Antipasti vom Meer und einem Viertel vom weißen Hauswein, die beide gleich beim ersten Mundkontakt überzeugten. Im Ernst, wie kann etwas ganz einfaches gleich so viel besser schmecken als zuhause? Nun gut, das Meeresgetier ist sicher fangfrisch, die Tomaten italiensonnengereift und das Olivenöl von guter Qualität. Beim Wein spielt vielleicht auch das Urlaubsgefühl eine Rolle. Das muss ich in den nächsten Tagen mal beobachten. Als Hauptgang gönne ich mir dann noch die Trofie al pesto genovese, denn wenn ich schon in Genua bin, muss ich auch echtes Pesto essen! Und wow, ja, jetzt weiß ich, wie das eigentlich gedacht ist! Herrlich aromatischer Basilikum-Geschmack, eine sehr sämige Konsistenz, die aus der Verbindung mit viel stärkehaltigem Pastakochwasser kommen muss und interessanterweise gab es darin noch ein paar grüne Bohnen und Kartoffelstücke, die traditionell wohl eher nicht hineingehören, aber sehr köstlich waren und das Ganze noch aufwerteten.

Ich spare mir Nachtisch, Espresso und Digestif und gehe schnellen Schrittes und ganz ohne digitale Navigationshilfe zurück ins Hostel und direkt ins Bett. Nach 20 Stunden Wachsein schlafe ich recht unproblematisch zum weißen Rauschen der Klimaanlage ein.

 

*Gestern ganz klischeemäßig noch „Ich bin dann mal weg“ und „Eat Play Love“ auf Netflix gesehen. In letzterem gelernt: Es ist OK, jemanden zu vermissen. Dann einfach Licht und Liebe dorthin senden und weitermachen.

Noch zweimal Arbeiten bis Urlaub #loosinterrail

So langsam wird es wirklich ernst… Morgen und übermorgen geht es nochmal ins Büro und es ist auch noch eine ganze Menge zu tun, fertigzustellen und zu übergeben, aber dann habe ich meinen ersten richtigen Urlaub seit Weihnachten (Frauentag, Osterfeiertage, re:publica, Immergut und vor allem Beerdigung nicht mitgerechnet).

Morgen Abend treffe ich meinen Bruder, der von einer Expedition vom Yukon und aus den Northwest Territories zurückkehrt. Freitag Abend verabschieden wir eine liebe Kollegin mit einem rauschenden Fest. Am Sonnabend dann letzte Einkäufe und Vorbereitungen und Sonntag in aller Frühe geht es dann so ganz richtig ernsthaft los.

Ich und mein Rucksack, drei Wochen auf Schienen unterwegs, immer dorthin, wohin uns der Wind treibt. Das wird auf jeden Fall aufregend und nochmal etwas völlig anderes. Das Einzige, was halbwegs steht, sind Hin- und Rückfahrt. Sonntag geht es über Mannheim, Basel, Lugano und Mailand bis nach Genua, wo ich in einem Hostel einkehren und hoffentlich lecker essen gehen werde.

Ganz am Ende bin ich aller Voraussicht nach an einem der schönsten und magischsten Orte der Welt im Landesinneren von Sizilien, bevor ich mich auf die 27-stündige Fahrt zurück nach Berlin mache – vom Provinzdorf in die Provinzstadt, weiter nach Catania und von dort über Neapel, Bologna und München wieder zurück nach Hause. Ich komme in einer Samstagnacht wieder in Berlin an, habe den Sonntag um mich zu regenerieren und Montag geht das wahre Leben wieder mit voller Macht los.

Was zwischen Genua und dem Paradies auf Sizilien liegt, weiß ich noch nicht genau. Ich habe ein paar grobe Ideen und Anhaltspunkte – Orte, die auf meiner persönlichen Bucket List stehen ebenso wie Orte, die ich nach Jahren gerne einmal wiedersehen möchte. Welche davon ich tatsächlich besuche, wird von Lust und Laune, dem Wetter und diversen anderen Umständen abhängen, die ich jetzt noch nicht voraussehen kann. Wichtig ist: Ich will so oft wie möglich am Meer sein und so oft wie möglich gut essen. Alles andere wird sich zeigen…

Hallo?

Ist hier noch wer? Ich war so lange nicht mehr auf meinem Blog, dass ich nicht einmal bemerkt habe, wie sich vor mehreren Wochen ein alter angefangener Entwurf als veröffentlichter Beitrag hier hereingeschlichen hat – wohl ein Synchronisationsproblem zwischen App und Web… Auch sonst werde ich gerade immer wieder gefragt, ob es mir gut geht und warum ich so still bin. Stimmt auch irgendwie, ich bin grad ganz schön still, aber vielleicht kann ich das ja jetzt auch mal wieder ändern, dachte ich mir.

Gründe fürs Stillsein gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel bin ich mit vielen Dingen beschäftigt, die sich nicht als Inhalt für ein öffentliches Blog unter Klarnamen eignen. Und da ich seit August einen neuen Job habe und jetzt hauptberuflich den ganzen Tag kommuniziere, sind meine Kommunikationsakkus abends dann auch so ausgebrannt, dass mir Energie, Inspiration und Muße fehlen, um die blogbaren Momente des Alltags in schöne Worte zu kleiden. Zudem haben mich die Ereignisse um den Tod einer Freundin, die in den Medien weite Kreise zogen, auch ein wenig verstummen lassen. Ich war ein wenig abgeschreckt, ein wenig verunsichert über Sinn und Unsinn der Bloggerei… Und mir fehlt jetzt auch einfach eine der Säulen, die stets für neue Inspiration sorgten.

Ich hoffe, dass ich trotz des neuen Jobs jetzt aber wieder öfter dazu komme, etwas hier hinein zu schreiben – vielleicht nicht jeden Tag, wie Anfang des Jahres großspurig angefangen und auch sehr lange Zeit komplett durchgezogen, aber doch möglichst ein wenig häufiger als zuletzt.

Was mir dabei durchaus helfen könnte, ist der Urlaub, den ich heute in zwei Wochen antreten werde. Dann geht es mit dem Interrail-Ticket drei Wochen lang auf große Fahrt und es gibt wahrscheinlich auch vieles zu berichten und erzählen. Einen genau fixierten Plan habe ich noch nicht im Kopf, anders als bisher will ich versuchen, mich ein wenig mehr treiben zu lassen. Daher verrate ich hier erstmal nur die erste Station, die einzige auch, für die ich tatsächlich schon eine Unterkunft gebucht habe: Die ersten beiden Septembernächte werde ich in Genua verbringen.

Ich bin sehr gespannt, was es mit mir macht, drei Wochen lang auf eigene Faust und ganz alleine unterwegs zu sein. Meine letzten Alleinreisen beschränkten sich immer auf wenige Tage und meist besuchte ich dabei Leute. Das längste waren mal zehn Tage, vor sieben Jahren in Spanien. Diese Reise endete allerdings damit, dass ich effektiv nur zwei oder drei Tage wirklich alleine war, weil ich jeweils zwei bis drei Tage mit Freundinnen verbrachte und in der Zeit, die dazwischen lag, auch noch neue Freund*innen kennenlernte und dann halt viel mit denen herumhing. Möglicherweise passiert mir das ja diesmal auch so, man wird sehen.

Wenn nicht, freue ich mich tatsächlich darauf, Zeit mit mir alleine zu verbringen und dabei nicht auf der Couch zu hängen oder in Berlin herumzulaufen, sondern tatsächlich unterwegs zu sein. Es gibt eine Menge zu sortieren in meinem Kopf und ich stelle mir das als eine gute Gelegenheit vor…

1000 Fragen vor dem Kino

Heute Abend geht es mit der Mitbewohnerin ins Kino, deswegen bleibt keine Zeit, aus den Ereignissen des Tages einen ansprechenden Text zu klöppeln. Stattdessen gibt es wieder die nächsten der 1000 Fragen.

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

 

481. Bei welcher Fernsehsendung schaltest du sofort um?

Lange Antwort: Ich gucke ja so gut wie nie lineares Fernsehen. Die letzten regelmäßigen Fernsehtermine sind mit dem Hasen ausgezogen. Seitdem schaue ich vor allem Netflix oder ausgewählte Sachen aus den Mediatheken. Insofern habe ich keinen Grund, sofort umzuschalten, da ich mir das Programm ja selbst auswähle.

Kurze Antwort: Tatort.
482. Wann hast du zuletzt jemandem vorgelesen?

Ich lese ab und zu mal Sachen vor, in Meetings oder so. Wenn es aber darum geht, wann ich zuletzt ein Buch vorgelesen habe, dann ist das schon etwas länger her. Ich glaube das war Anfang des Jahres, als ich die Goldkind-Familie besucht habe.
483. Bist du gut in Small Talk?

Je nach Stimmung. Wenn mich gerade andere Dinge beschäftigen eher nicht, dann mag ich mich nicht auf scheinbar Belangloses einlassen. Ansonsten geht es aber oft auch ganz gut.
484. Welche Nachricht hat dich in letzter Zeit stark berührt?

News oder Message?
485. Welche Sprache würdest du gerne gut beherrschen?

Sorbisch, aber ich bin zu faul, es wirklich zu lernen. Ansonsten Italienisch, da werde ich zum Glück jedes Jahr ohne großen Aufwand besser drin.
486. Kannst du Kaugummiblasen machen?

Nein, da fehlt mir wohl ein entscheidendes Puzzlestück frühkindlicher Erziehung. manchmal kriege ich die Vorstufe hin, aber eine große Blase schaffe ich nicht.
487. Welcher deiner Geburtstage hat dir am besten gefallen?

Auf die Gefahr hin, langweilig zu klingen: Der letzte war schon ganz schön toll.
488. Welche Floskel benutzt du zu oft?

„Irgendwie“, „oder so“ und „ein bisschen“ – alles relativierende Floskeln, merke ich gerade. Ob das was bedeutet?
489. Kannst du dich leicht in Zeichentrickfilme hineinversetzen?

Ich guck die relativ selten. Würde aber sagen, dass es für mich keinen allzu großen Unterschied macht, ob die Filmfiguren gezeichnet oder real sind.
490. Suchst du dein Waschmittel nach dem Duft aus?

Nö. Eher nach ökologischen Kriterien.

1000 Fragen zum Wochenstart

Nachdem ich heute in der Mittagspause zwischen Burrito und dem Reden über vergangene Zeiten darauf angesprochen wurde, dass ich ja täglich bloggen würde, muss ich das jetzt auch wieder ein bisschen durchziehen. Da heute aber außer besagter Mittagspause gar nichts Spannendes passiert ist, gibt es erstmal einfach die nächsten der 1000 Fragen.

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

 

471. Würdest du bei deinem Partner bleiben, wenn deine Umgebung ihn ablehnen würde?

Das kommt sicherlich auf den Grund der Ablehnung an. Wenn der dafür sorgt, dass ich ihn auch ablehne, dann natürlich nicht. Wenn ich den Grund der Ablehnung nicht nachvollziehen oder nachempfinden kann, dann kann mir die Meinung meiner Umgebung natürlich herzlich egal sein.

 

472. Wann hast du zuletzt etwas gebacken?

Ich habe gerade Blätterteigtaschen mit Crème fraiche und Zucchini im Ofen.

 

473. Für welche Gelegenheit warst du zuletzt schick angezogen?

Das kommt darauf an, wie man schick interpretiert. Besondere Gedanken über das, was ich anziehe, habe ich mir zuletzt letzten Freitag gemacht, als mein neuer Job vor der ganzen Firma verkündet wurde. Aber das war nichts besonders Schickes. Ich glaube das letzte Mal bewusst schick gemacht habe ich mich für die letzte Weihnachtsfeier. Ansonsten schaue ich schon, dass meine Klamotten halbwegs zusammen, zu meiner Stimmung und zu mir passen.

 

474. Welche Redensart magst du am liebsten?

Spontan fällt mir als erstes ein: „Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus kriegt den Käse.“

 

475. Was ist auf dem Foto zu sehen, das du als Letztes aufgenommen hast?

Der Burrito von heute Mittag, auch das heutige Beitragsbild.

 

476. Findest du es wichtig, an besonderen Jahrestagen innezuhalten?

Zu einigen historisch bedeutenden Ereignissen, ja. Bei persönlich bedeutsamen Jahrestagen fände ich es meistens gar nicht so wichtig, aber das geschieht dann automatisch.

 

477. Was würdest du in einen Guckkasten kleben?

Bilder vom Meer.

 

478. Welche Cremes verwendest du?

An den meisten Tagen eine Tagescreme (meist die günstigste Bio-Hausmarke der umliegenden Drogerien), ganz selten wenn ich dran denke auch eine Nachtcreme (dito).

 

479. Wärst du gern körperlich stärker?

Manchmal schon, aber oft merke ich auch, dass ich körperlich stärker bin, als ich denke.

 

480. Findest du, dass jeder Tag zählt?

Im großen Ganzen und philosophisch betrachtet schon. Die Zeit geht so schnell vorbei, dass es sich gut anfühlt, aus jedem Tag etwas zu machen. Kleinteiliger betrachtet sind manche Tage aber auch einfach gar nicht so wichtig und wenn mal einer nicht so gut läuft, kommt halt zum Glück in den allermeisten Fällen irgendwann der nächste.

Ein neues Kapitel

Verrückt, mein letzter Blogpost hier war am 1. Juli und beinhaltete meine Pläne und Voraussagen für den Juli. Dafür, dass ich eigentlich schon seit Anfang des Jahres jeden Tag gebloggt habe, habe ich es in den letzten Wochen wirklich erstaunlich schlimm schleifen lassen. Es ist aber auch wahnsinnig viel passiert und vieles davon war und ist nicht blogbar. Jedenfalls hatte ich ganz selten mal sowohl die Muße, was aufzuschreiben und dann auch noch Inhalte, mit denen das Sinn machte. Vielleicht schaffe ich das jetzt ja wieder besser – es würde mich freuen.

Obwohl es jedenfalls gerade einmal Mitte Juli ist (Andererseits: Wo ist bitte die Zeit schon wieder hin? Der Sommer fliegt nur so vorbei!), hänge ich gedanklich schon mit mindestens einem Bein im August, denn der bringt Veränderungen mit sich, von denen ich mir noch vor wenigen Wochen nicht habe träumen lassen. Oder eigentlich seit Jahren nicht. Nachdem es jetzt seit Freitag endlich offiziell ist (Von der allerersten Idee über diverse Vorgespräche, die Entscheidungsfindung die offizielle Bewerbung, ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren und dann noch das Aushandeln der Details bis hin zur Unterschrift des Vertrags und dem Verkünden der Neuigkeit im Unternehmen vergingen fast anderthalb Monate.), kann ich es ja jetzt auch hier im Blog verkünden: Ich fange im August einen neuen Job an. Ja, immer noch in der gleichen Firma – die wird mich so schnell nicht los -, aber nach nunmehr neun Jahren in einem mehr oder weniger kontinuierlichen Team und Aufgabenfeld kommt jetzt etwas völlig Neues auf mich zu.

Neues Team, neue Aufgaben, neue Verantwortung, neue Inhalte, neue Herausforderungen, neue Begleitumstände, neue Dienstreisenziele und neuer Gehaltszettel. Das ist super aufregend und schön, aber auch ein kleines bisschen einschüchternd, muss ich zugeben. Emotional nimmt mich dabei allerdings am meisten mit, nicht mehr offiziell Teil des besten Teams der Welt zu sein. Aber mir wurde eindrücklich versichert, dass ich das inoffiziell trotzdem bleiben werde und da mein neuer Schreibtisch nur wenige Meter von meinem alten entfernt steht, ist das gar nicht soooo unrealistisch. Zum Glück!

Vor dem Rest der Veränderungen stehe ich ziemlich ehrfürchtig. Gerade die ersten Wochen und Monate werden bestimmt ganz schön anstrengend. Deswegen versuche ich gerade, vorher noch möglichst viele Dinge zu erledigen, damit ich mich dann voll und ganz auf Arbeit und entsprechende Regenerationsmaßnahmen konzentrieren kann. Soeben habe ich meine Steuererklärung fürs letzte Jahr fertig gemacht und wenn das alles so korrekt ist, ist mein Urlaubsbudget dann auch gesichert. Im September habe ich nämlich gleich erstmal drei Wochen frei und kann nach dem ersten Monat in der neuen Position ein wenig durchatmen. Was ich dann genau mache, steht noch ein wenig in den Sternen, aber es wird auf jeden Fall wieder ziemlich viele Schienenkilometer, Zeit am Meer und gutes Essen beinhalten und ich werde bestimmt hier darüber berichten.

Außerdem habe ich noch einen Zahnarzttermin für vor August ausgemacht, in der Hoffnung, dass der keine wochenlangen Folgetermine nach sich zieht, und dann habe ich die lästigen Pflichten des Jahres eigentlich alle hinter mich gebracht, glaube ich.

Aufregende Zeiten werden das!

Im Juli werde ich…

Traditionell kommen hier ja am Monatsanfang immer die Pläne, Vorsätze und Vorhersagen für den Monat. Heute habe ich allerdings den Kalender umgeblättert und dann gleich noch durchgeblättert und festgestellt, dass ich so gut wie keine Pläne habe. Zum ersten Mal seit gefühlt immer stehen da keine Termine und ich werde mich da wohl irgendwie von Woche zu Woche durch hangeln und den Sommer genießen. Ist ja vielleicht auch mal ganz schön. Also, im Juli werde ich…

  • wenn es nicht zu heiß ist wieder regelmäßiger zum Sport gehen – morgen zum Beispiel
  • mit einer Freundin essen gehen
  • den Geburtstag vom Lieblingsnachbarn feiern (also wenn er den denn feiert und dazu einlädt – you know who you are!)
  • mit dem Betriebsrat in den Biergarten gehen
  • mit einer ehemaligen Mitschülerin die Mittagspause verbringen

 

Das war es an mehr oder weniger festen Terminen. Alles andere lasse ich auf mich zukommen. Schön wäre zum Beispiel:

  • Wochenenden außerhalb der Stadt zu verbringen – in Rostock, am Meer, am See…?
  • Ins Freiluftkino gehen
  • Einen Abend mit der besten Freundin verbringen
  • Freund*innen wieder treffen, die ich schon viel zu lange nicht gesehen habe, obwohl wir in der gleichen Stadt leben
  • Irgendwas mit Musik – Party oder Konzert? Diesen Monat steht bisher noch nichts an, das ist angesichts der letzten Monate mehr als unbefriedigend…
  • Vielleicht mal wieder beim Mobster Dinner vorbeischauen

 

Gucken wir mal, was der Monat bringt, wa? Ich hoffe ja auf sowas:

 

Eddie Vedder und Glen Hansard in der Max-Schmeling-Halle

Wow! Das war mal ein würdiger Abschluss der Geburtstagsfeierlichkeiten. Nachdem ich ja vor einer Woche, direkt an meinem Geburtstag, bereits ein absolut großartiges Bloc-Party-Konzert erleben durfte, gab es gestern dann noch einmal eine Steigerung mit dem Geschenk, das mir meine Eltern zum Geburtstag machten (Danke! <3): Ein Solokonzert von Eddie Vedder mit Support von Glen Hansard. Dass Letzterer dabei sein würde, erfuhr ich erst, nachdem die Karten schon lange gekauft waren und es steigerte meine Vorfreude auf den Abend immens. Ich mag zwar Pearl Jam echt gerne und auch die Solosachen von Eddie Vedder selbst – seine Coverversion von Masters of War und Without You vom Ukulelenalbum gehören zu meinen absoluten Lieblingssongs – aber ein richtiger Fan bin ich nun auch nicht. Dass dann also auch noch Glen Hansard dabei war – mir seit den frühen Neunzigern bekannt als Gitarrist der Commitments und natürlich später auch noch aus Once, von The Swell Season und als Solokünstler – verlieh dem Abend nochmal eine zweite, tiefere Ebene für mich. Leider durften keine Fotos und Videos gemacht werden, überhaupt sollten die Telefone das ganze Konzert über in der Tasche bleiben und andere Geräte waren gar nicht erst in der Halle erlaubt. Deswegen gibts auch kein Foto vom Konzert, sondern nur eins von davor:*

 

Es passiert ja glaube ich fast nie, dass schon der Support Act von den ersten Takten an frenetisch bejubelt wird, bei Glen Hansard war es allerdings so. Er stand ganz alleine auf der Bühne, meist mit einer Gitarre bewaffnet, bei einem Song an den Tasten und bei einem Song (Grace Beyond The Pines, Greta Thunberg gewidmet) sang er sogar A-capella. Trotzdem nahm er den ganzen Raum in seinen Bann. Sein Spiel, seine Stimme und seine Leidenschaft sind einfach atemberaubend. Leider gab es keine Zugabe, sondern dann eine langwierige Umbaupause, bis der zweite Wahnsinnssänger und -spieler des Abends die Bühne betrat. Auch bei Eddie Vedder selbst war die Stimmung natürlich von Anfang an am Kochen, allerdings begann das Konzert mit einem Instrumentalsolo des mitgebrachten Streichquartetts aus Amsterdam, das mit „Even Flow“ die Show einleitete. Dann kam Eddie selbst und sobald seine Stimme den Raum erfüllte konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, was für eine Ehre und was für ein besonderer Augenblick es ist, mit zwei solch einmaligen Stimmen im selben Raum sein zu dürfen.

Mal mit Streichern, mal alleine mit Gitarre, E-Gitarre, Ukulele, E-Ukulele oder Tasteninstrument spielte sich Eddie Vedder durch Solo- und Pearl-Jam-Songs sowie diverse tolle Covers. Zwischendurch erzählte er immer wieder Geschichten, gab politische Statements ab (bei Glen Hansard ging es da vor allem um den Klimawandel und gegen G8, Eddie Vedder äußerte sich auch sehr explizit gegen Trump, für Geflüchtete und gegen die unerträgliche Situation an der mexikanischen Grenze, wo Kinder von ihren Eltern getrennt festgehalten werden, many fucks were given…). Ich bin wie gesagt keine Pearl-Jam-Expertin, aber einige Lieder habe ich natürlich trotzdem zweifelsfrei identifizieren können, wie etwa Wishlist und Better Man. Alive gab es auch – allerdings wieder vom Streichquartett gespielt und vom Publikum gesungen. Überhaupt wurde sehr viel mitgesungen und gefeiert, was Eddie Vedder sich auch explizit gewünscht hatte – einen Abend voller Freude und Zusammengehörigkeitsgefühl im Lichte all der schlimmen Dinge, die draußen vor sich gehen. Zwischendurch war er sogar zu Tränen gehört, als das Publikum nach einem Song gar nicht mehr aufhören wollte mit dem Wiederholen der Hookline – wäre ich eine bessere Pearl-Jam-Kennerin könnte ich auch sagen, wie er hieß, gekannt habe ich ihn auf jeden Fall…**

Großartig war dann, als Glen Hansard immer wieder zurück auf die Bühne kehrte und mit Eddie gemeinsam performte – teils sangen sie im Duett (z. B. ihren gemeinsamen Ukulele Song Sleepless Nights), teils übernahm Glen die Gitarre und ließ Eddie singen und im Publikum baden. Weil die Stimmung so großartig war, sangen sie dann auch noch gemeinsam Falling Slowly, was meine Glen-Hansard-Bucket-List von vorher noch abhakte und mich sehr glücklich machte. Auch sonst waren die „Cover“-Versionen ein Highlight. Gemeinsam performten sie den R.E.M.-Song It Happened Today, den sie gemeinsam mit Eddie in den Hansastudios aufgenommen haben und bei dem er immer an Berlin denken muss. Weitere Covers waren Wildflowers von Tom Petty, Should I Stay Or Should I Go von The Clash (auf der E-Ukulele), Here Comes The Sun von den Beatles und Isn’t It A Pity von George Harrison. Vor Here Comes The Sun erzählte Eddie von seiner engen Freundschaft mit Olivia Harrison, die angeblich auch da war. Was für ein Moment. Am Ende gab es dann noch Rockin‘ In The Free World, das die Halle zum Kochen brachte (obwohl es wie alle anderen Songs auch ohne Schlagzeug und Bass performt wurde) und für meine Eltern der bestmögliche Abschluss war, da sie nächste Woche als nächstes gleich noch Neil Young live sehen werden.

Vorher habe ich von mehreren Seiten Bedenken gehört, ob sich Eddie Vedder solo – und dann auch noch bestuhlt – lohnt, hinterher kann ich sagen: Absolut! Gerne immer wieder!

*Natürlich konnte ich es mir doch nicht nehmen lassen, heimlich ein paar Songs aufzunehmen – allerdings rein akustisch und damit relativ blogungeeignet…

**Es war Black.

1000 Fragen nach der Hitze

Nach der Hitze ist vor der Hitze, wenn ich so auf den Wetterbericht schaue. Deswegen geht es heute nach nachhitzigen Erledigungen dann früh ins Bett, man muss jede Schlafgelegenheit nutzen. Für Euch aber wieder 1000 Fragen.

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

 

461. Für wen bist du eine Inspirationsquelle?

Puh, das weiß ich gar nicht so genau. Ab und zu habe ich Menschen im Internet dazu inspiriert, etwas bestimmtes zu kochen oder zu essen. Zählt das?

462. Wann hast du zuletzt einen Sonnenaufgang beobachtet?

Der letzte, an den ich mich bewusst erinnere, war im Februar 2013 am Strand in Noosa, Australien. Danach habe ich bestimmt auch noch ein paar andere mehr oder weniger wach und munter erlebt, aber nicht konkret beobachtet.

463. Wie hoch war das höchste Gebäude, das du je besucht hast?

Das war der CN Tower in Toronto, im Dezember 2005. Der ist 553,3 Meter hoch, sagt Wikipedia.

464. Können andere auf dich bauen?

Ja.

465. Was ist das Verrückteste, das du jemals getan hast?

Irgendwie kommt mir die Frage bekannt vor, die gab es schon mal oder? Jedenfalls habe ich darauf auch nach Jahren die gleiche Antwort: Es war 2005 in Toronto, ich war 22 und seit gerade einmal ein paar Wochen in der Stadt. Hauptsächlich hing ich mit zwei Engländern rum, von denen ich den einen über eine Freundin und von seinem Blog kannte. Eines Tages fragten sie mich, ob ich gemeinsam mit ihnen und noch zwei anderen Engländern, die ich noch nicht kannte, für eine Geburtstagsparty nach Chicago fahren wollen würde. Ich nahm mir einen Arbeitstag in meinem Praktikumsbetrieb frei und dann fuhren wir Donnerstagabend gegen 22 Uhr zu fünft im Auto los. Die beiden mir schon bekannten Engländer wechselten sich mit dem Fahren ab. Gegen 2 Uhr nachts kamen wir bei Detroit an die Grenze zu den USA und mussten eine sehr kritische Befragung über uns ergehen lassen. Freitagmorgen gegen 8 kamen wir in Chicago bei der Freundin der beiden an, die die Party geben würde. Wir schliefen ein paar Stunden, machten dann ein wenig Sightseeing und dann stieg die Party. Am Sonnabend grillten wir auf dem Dach, schauten ein Football- und ein Baseball-Match im Fernsehen und gingen abends in eine Bar. Am Sonntagvormittag machten wir uns auf den Weg zurück, zehn Stunden bei Tageslicht bis Toronto und mit einem sehr freundlichen Willkommen von den kanadischen Grenzbeamten. Mit den vier Jungs habe ich dann auch in den nächsten Wochen in Toronto noch einiges Lustiges erlebt, aber das gehört nicht hierher…

466. Kaufst du häufig etwas Neues zum Anziehen?

So 2-3 mal im Jahr bekomme ich einen Rappel und kaufe mir ein paar neue Klamotten, meistens zu Beginn einer neuen Jahreszeit (also zum Sommer hin z. B. Kleider und Röcke, Flipflops oder einen neuen Bikini, zum Winter hin Stiefel und warme Sachen…). Ansonsten kaufe ich nur das Nötigste, wenn etwas irreparabel kaputt gegangen ist, und lasse sonst auch viel reparieren.

467. Würdest du einen Teil deiner Intelligenz gegen ein sensationelles Aussehen eintauschen?

Auf keinen Fall. Außerdem sehe ich doch schon sensationell genug aus. 😉

468. Weisst du, ob du jemals einen heimlichen Verehrer hattest?

Ich habe einen Verdacht, der war aber gar nicht so heimlich, sondern das haben außer mir auch einige andere bemerkt. Wieviel da aber wirklich dran war, kann ich auch im Nachhinein leider nicht mehr erfragen, weil die betreffende Person nicht mehr lebt.

469. Welches Schmuckstück trägst du am liebsten?

Festivalbändchen.

470. Was würdest du dein zukünftiges Ich fragen wollen?

Ob die Entscheidungen, vor denen ich gerade stehe, sich auf lange Sicht als die richtigen herausstellen werden.