58.000 Menschen und ich

So viele Leute passten gestern beim Konzert von Bruce Springsteen & The E-Street Band ins Olympia-Stadion. Mein erstes Mal in diesem Stadion, mein zweites Stadion-Konzert überhaupt (nach Paul McCartney im Zentralstadion in Leipzig) und wahrscheinlich eines der größten (publikumsmäßig) auf denen ich je war – Konkurrenz kann es da eigentlich nur noch von den Rolling Stones und der Kelly Family geben – beides Konzerte, die fürs Zentralstadion in Leipzig geplant waren, dann aber (aus Platzgründen?) auf die Festwiese verlegt wurden. Aber ich schweife ab…

Es war mein zweites Konzert vom Boss, nach einem 1999 in der Wuhlheide. Damals kamen mein Bruder und ich mehr oder weniger aus Höflichkeit mit meinen Eltern mit. Das Konzert war ganz nett, ich habe es aber nicht als überragend in Erinnerung. Dafür erinnere ich mich, dass mein Bruder und ich beide etwas von der übertriebenen Poser-Show abgeschreckt waren, bei der sich der Boss halt wirklich „like a boss“ aufführte und das Publikum ihm ab der ersten Minute huldigte, obwohl seine tatsächliche Leistung, unserer bescheidenen Meinung nach, das nicht in diesem Maße rechtfertigte.

Damals verband ich Springsteen vor allem mit langen Autofahrten mit meinen Eltern (und davon gab es viele), bei denen einige seiner Alben rauf und runter liefen. So kannte ich diverse Songs irgendwie vom Halbmithören und -summen, aber nicht wirklich mit Namen. Dann gab es dann noch ein oder zwei Bilder von Springsteen an meiner Kinderzimmer-Wand, die da wahrscheinlich hingen, seit meine Eltern 1988 beim legendären 160.000-Menschen-Konzert auf der Radrennbahn Weißensee waren. Die Tragweite dieses Konzerts war mir damals noch nicht so wirklich bewusst.

Seit 1999 ist dann aber irgendwie doch viel passiert. Zum einen stiegen die frühen musikalischen Kindheitserinnerungen in meiner Wertschätzung irgendwie auf und ich verbinde mit dieser Musik heute eben nicht nur elend lange Autofahrten, sondern auch ein ganzes Stück wohlig warme Nostalgie. Zum Anderen  ist mir die historische Bedeutung des 1988-Konzerts inzwischen um einiges klarer und wichtiger, vielleicht auch, seitdem ich in Berlin lebe und diese Stadt inzwischen als tatsächliche Heimat und nicht mehr nur als Geburtsort betrachte, dem man ab und zu einen Besuch abstattet.

Dann kam hinzu, dass ein mir sehr wichtiger Freund, der mein Leben in den letzten Jahren ganz schön geprägt hat, damals auch auf diesem Konzert auf der Radrennbahn war – und außerdem sein erstes Westgeld für eine Bruce Springsteen-Platte und einen frisch gepressten O-Saft ausgegeben hat. Zudem spielt Bruce Springsteen in den Büchern von Nick Hornby immer wieder eine Rolle (High Fidelity!, 31 Songs!). Und wie das so ist mit persönlichen Bezügen /die sich nicht nur auf die eigenen Eltern beschränken ;)) – auf einmal hört man dann doch nochmal genauer hin.

Und so gab ich die 73 € für die Konzertkarte dann doch gerne aus, um mir und dem Boss live nochmal eine neue Chance zu geben. Gute Entscheidung würde ich sagen – ich fühlte mich drei Stunden lang großartig unterhalten, habe gelacht, gesungen, getanzt und ein-/zweimal fast geweint. Ich habe bemerkt, dass der alte Mann ein unglaublich guter Sänger ist – war mir vorher nie so aufgefallen und dass er richtig Spaß hat, bei dem, was er da tut. Mit 62 Jahren drei Stunden lang mit vollem Einsatz rocken und am Ende acht Zugaben spielen („Are your pants rocked off? No? OK, One, two, three, four…“) kann halt auch nicht jeder. Und: Mir sind keine unangenehmen/-angemessenen Posen aufgefallen, die nicht zur Musikqualität gepasst hätten. (Kurz nachdenklich wurde ich bei den Fahne-schwenkenden Fans während Born In The USA…)

Bin ich jetzt altersmilde geworden? Oder kommt es eben doch auf die Größe der Location, die Menge der Menschen und vor allem eben auch der persönlichen Einstellung an? Well who knows. Vielleicht hat auch dazu beigetragen, dass so viele Menschen, die ich kannte (teils direkt, teils über Twitter) an diesem Abend ebenfalls irgendwo im Stadion waren und das dem Ganzen so ein Gemeinschaftsgefühl verliehen hat. Es war auf jeden Fall ein großartiges Konzert.

Detaillierte Infos für echte Fans gibts u.a. hier.

Und hier ein Video von Born To Run. Nicht von mir, aber man nimmt, was man findet 😉

Edit: Begonnen hat das Konzert damit…

Mein Foto wird berühmt

Drüben in den Strichmännchenszenarien wurde heute ein Foto von mir bei den Picture Twins verwendet. es ist das vom Roten Rathaus…

Holt Igor nach Berlin

Der Sommer ist in Berlin angekommen – auch wenn die nächsten Tage wieder etwas kälter werden – aber Ihr wisst, was ich meine. Das Gefühl zählt. Das hier ist die beste Jahreszeit in der tollsten Stadt der Welt und wir sollten uns alle glücklich schätzen, hier zu sein.

Ich habe da einen Freund, der dieses Glück gerne mit uns teilen würde, dafür aber noch ein klein wenig finanzielle Unterstützung braucht. Keine Sorge, Ihr sollt ihm kein Geld geben – aber vielleicht könnt Ihr ihm einen Job oder ein paar hilfreiche Kontakte verschaffen?

Schaut Euch mal bitte diese Seite an und bringt den Jungen nach Berlin 🙂

A Summer Job For Igor

Am Fluss

Wir saßen auf der Wiese am Fluss und redeten über dieses und jenes. Rissen Grashalme aus und warfen sie aufs Wasser. Sangen uns gegenseitig unsere Ohrwürmer vor und erzählten vom Leben im allgemeinen und im besonderen. Auf einmal hieltest Du mir Deine Hand in, auf der ein seltsames, großes gelbliches Insekt saß. Wir hatten so etwas beide noch nie gesehen und waren irritiert. Du machtest Anstalten, es wegzuschnipsen und ich dachte: „Mach, dass er es nicht tötet. Ich möchte nicht, dass er so jemand ist.“ Du setztest das Tier vorsichtig ins Gras neben uns. Ich lächelte von außen und innen und bemerkte eine winzige Spinne auf meiner Hand. „Schau, was ich hier habe!“ Du zucktest angeekelt zusammen und schütteltest Dich, während ich das Tierchen unauffällig und schnell außer Sichtweite schaffte. Dann beschlossen wir, weiterzulaufen, da Deine Pollenallergie sich bemerkbar machte. Man kann halt einfach nicht alles haben…

Bye Bye Berlin

Es ist soweit, in vier Stunden breche ich auf zum Flughafen. Jetzt noch schnell Sachen packen, bisschen aufräumen, den Müll runterbringen und all diese Dinge und dann fahre ich zum letzten Mal zum Flughafen Schönefeld (bald BBI!). Auf dem Rückweg komme ich übrigens in Tegel an – auch zum letzten Mal. Aber soweit ist es noch nicht – erst einmal liegen vor mir:

  • 6 Tage Barcelona
  • 4 Tage Sevilla
  • 2 Tage Cadiz
  • 3 Tage Malaga

Mit alten und neuen Freunden, mit ganz viel Meer, gutem Essen und hoffentlich einer Menge Sonne und neuen Eindrücken.

Und bis dahin:

Tele – Bye Bye Berlin

Fremdgebloggt

Und zwar hier: http://blog.groupon.de/2012/03/06/groupons-gesichter-susanne/

Noch zehnmal arbeiten, dann ist Urlaub

So langsam rückt der Urlaub näher und endlich, endlich nimmt das Ganze etwas Formen an. Es ist das erste Mal, dass ich mir meinen Urlaub komplett allein und sozusagen „from scratch“ organisiere. Meine einzigen Prämissen waren, dass ich irgendwo hin will, wo es schon etwas wärmer ist als in Berlin, dass ich das Meer sehen (und vielleicht sogar bebaden) will und dass es gutes Essen geben muss. Dann schaute ich mich auf Google Maps um und entschied mich aus dem Blauen heraus für Spanien und bestellte einen dicken Reiseführer.

Innerhalb der nächsten Wochen kristallisierte sich dann ein grober Plan heraus. Das Ticket für den Hinflug am 17. März wurde gebucht – es geht nach Barcelona. Für ein paar Tage bekomme ich dort Gesellschaft von Fabi und unsere Pläne bisher reichen von „Tapas und Wein“ über – natürlich – Gaudí bis hin zum Besuch des Strandes. Auch ein Hostel haben wir bereits gebucht – hauptsächlich, weil die Fotos auf der Webseite so sympathisch waren. Der Anfang der Reiseplanung war gemacht.

Als nächstes ergab sich das Ende der Reise – ich muss nämlich am 2. April wieder arbeiten, also am 1. April zurückfliegen. Da MuTZ zu diesem Zeitpunkt in Malaga weilen wird, buchte ich meinen Rückflug also von dort und vorher werden wir zwei Nächte und einen Tag lang die Stadt unsicher machen. Dass wir das gut können, haben wir schon in Kopenhagen und auf einem Niederlande-Roadtrip vor 11 Jahren bewiesen.

Nun blieben noch 6 Tage dazwischen zu füllen und wochenlang konnte ich mich nicht entscheiden – so viele Namen von Städten und Landschaften, die irgendwie bekannt und verheißend sind, aber relativ wenig Hintergrundwissen dazu. Es gab Madrid-Gedankenspiele, Baskenland-Träumereien, Valencia-Ideen.. Aber heute habe ich einen weiteren Planungsschritt vollendet und einen Flug von Barcelona nach Sevilla gebucht.

Ein paar Klicks auf der Webseite der spanischen Bahn machte den Rest der Entscheidungen relativ einfach: Ein kurzer Abstecher nach Cadiz (historische Hafenstadt!) und ein Zwischenstopp in Granada (Alhambra!) sind angedacht und die Vorfreude wächst und wächst. Mindestens einmal täglich checke ich den Wetterbericht für die geplanten Städte und reibe mir die Hände – Sevilla meldet heute Höchsttemperaturen von 24°C!

Für Insidertipps zu Übernachtungsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Highlights bin ich jederzeit zu haben!

Der Countdown läuft…

Kulinarisches Erweckungserlebnis

Um mich dafür zu belohnen, dass ich vorhin tatsächlich noch rausgegangen bin, kaufte ich mir drei Filme. Den ersten, Martin Scorceses George Harrison: Living In The Material World, habe ich gerade gesehen – großartig übrigens! Man kann keinen Film über das Leben von George Harrison sehen, ohne dabei Lust auf indisches Essen zu bekommen. Also bestellte ich etwas bei Pooja und es war wirklich verdammt gut. Aber das Wahnsinnserlebnis war das Eis.

Bei den meisten Lieferservices kann man die üblichen amerikanischen Eissorten bestellen, die meisten indischen Restaurants haben Mango- und Lycheekompott und vielleicht noch Gulab Jamun oder ähnliches… In diesem Fall machte mich die Eiskarte neugierig: Zimtapfeleis, Vanille-Eis mit in Honig gebratenen Cashew-Nüssen… Das klang schon etwas anders. Also bestellte ich Mango-Eis (Überraschung!) und bekam eines der besten Mango-Eise [sic] geliefert, die ich je gegessen habe. Wundervoll cremig, mit Fruchtstücken, absolut natürlicher Geschmack und wunderschöne Farbe. Zudem wird es in einem Keramikbehältnis geliefert, das einerseits für die richtige Temperatur sorgt und andererseits sehr dekorativ ist und auf jeden Fall aufgehoben wird..

Selbstverständlich habe ich mal gegooglet – zum Glück stand der Name des Eisherstellers auf dem Gefäß – und es ist scheinbar eine Berliner Firma, die das Eis herstellt. Ich denke, ich werde nach und nach noch viele der tollen Keramiktöpfe (Matkas!) sammeln können. Und Ihr solltet das auch tun! (Mmmmhhhmmm… Die ganze Wohnung riecht nach Mango!)

(Klick führt auf die Webseite, auf der sich auch das Bild befindet, ich hoffe, die kostenlose Werbung stört niemanden ;))

Einmurmeln

Ich habe heute schon unheimlich viel geschafft. Es ist gerade mal halb 1, an einem Sonnabend(!) und ich habe bereits:

  • zwei 45-minütige Serienfolgen gesehen
  • ein Erkältungsbad genommen
  • gefrühstückt
  • die gesamte Wohnung aufgeräumt
  • Wäsche zusammengelegt, Wäsche gewaschen und Wäsche aufgehangen
  • abgewaschen
  • Post sortiert, Mails geschrieben und Überweisungen getätigt
  • meinen Feedreader abge“arbeitet“
  • Twitter und Facebook durchgeforstet
  • mit zwei Freunden länger gechattet
  • drei Alben gehört

Jetzt aber erstmal: Pause mit warmem Tee, mindestens bis die Haare endlich trocken sind. Denn die nächsten Punkte auf meiner inneren To-Do-Liste führen mich nach draußen und da sind gerade immernoch -8° C.  Bin mir noch nicht sicher, ob meine Motivation (köstlichen Chai vom Postamt abholen, Krankschreibung in den Briefkasten werfen und einkaufen) ausreicht, um meine Murmelstellung aufzugeben…

Allzeit vom Austag

Im Büro sind Phrasen wie „eine Auszeit vom Alltag nehmen“ oder „die Seele baumeln lassen“ verpönt, denn sie tauchen leider viel zu oft auf und müssen ausgemerzt, abgewandelt oder ausgetauscht werden. Deswegen konnte dieser Eintrag auch nicht einfach Auszeit heißen, dabei beschreibt er genau das – ich habe gerade eine mehr oder weniger unfreiwillige Auszeit vom Alltag: Rekonvaleszenz nach einer Wurzelspitzenresektion.

Bisher nutze ich die freien Tage hauptsächlich zum Schlafen, Lesen und im Internet rumgurken. Man sollte kaum glauben, dass ich NOCH MEHR ZEIT online verbringen könnte, als ich es eh schon immer tue. Aber dadurch dass die lästigen Wege durch die Stadt entfallen und mich die Arbeit nicht vom Wesentlichen ablenkt, lassen sich tatsächlich noch ein paar wenige Minuten mehr herausschlagen. Ich habe allerdings den festen Vorsatz, ab morgen auch ein wenig Papierkram zu erledigen, die Wohnung weiter zu entrümpeln und so weiter. Aber das ist ja morgen, bis dahin lausche ich weiter auf die Geräusche hier im „Rentnerhaus“ und von denen gibt es reichlich.

Die meisten davon sind nicht identifizierbar, einige sind ganz klar Türen, Gespräche im Treppenhaus oder knackende Heizungsrohre. Andere klingen wie Schneeschieben, kommen aber vom Dach oder aus den Wohnungen um mich herum. Dazu wird gehämmert und – das ist neu – es gibt laute Musik. Scheinbar bin ich doch nicht mehr die einzige U40-Mieterin hier. Manchmal gibts sogar wummernde Technobässe. Nach 3,5 Jahren strikter Hausruhe von 12 bis 15 Uhr ist das eine schöne Abwechslung.

Was aber dann so gar nicht geht, ist dieser eine Basslauf, der eben an mein Ohr drang. Zwei Noten, immer abwechselnd. Zwei Noten, die ich in den letzten Wochen und Monaten einfach viel zu oft gehört habe. Die wir alle viel zu oft gehört haben. Mehr höre ich nicht von dem Lied, aber diese zwei Noten reichen, um sich in meinem Kopf festzusetzen. Ich muss schnell irgendwas radikal anderes anmachen, sonst höre ich den ganzen Abend nur noch „Someone that I used to know“.

Zum Glück postete ein Freund heute etwas, dass genügend WTF-Faktor besitzt, um mich abzulenken:

1. Warum kann der das, und wenn er das kann, warum macht er keine richtige Musik?
2. Wofür ist der Zweite da?
3. Wenn augenscheinlich sogar Jürgen Drews und Dieter Bohlen die Musik mögen, warum zur Hölle sind die deutschen Charts nicht wesentlich niveauvoller?
4. Wie kann man bitte dazu auf 1, 2, 3 UND 4 klatschen?
5. Was machen die ganzen jungen Leute da an den Tischen?

Fragen über Fragen. Zum Glück hab ich genügend Zeit, darüber nachzudenken.