Immergut-Bemerknisse Donnerstag 2019

  • Wieder meinen Stammzeltplatz bekommen – der gleiche seit so vielen Jahren (meinem dritten Immergut, dem ersten als “Nur Gast”)
  • Komposttoilette und Emaillebecher statt Dixis und Müll – yeah!
  • Aus der Hausordnung: “Damit der immergute Festivalbesuch ein schönes Erlebnis mit tollen Erinnerungen wird, bitten wir alle Festivalbesucher*innen um Toleranz, Rücksichtnahme, Zivilcourage und Hilfe in Notfällen. Daher wird bei uns rassistisches, menschenverachtendes, sexistisches und homophobes Verhalten nicht toleriert, zur Anzeige gebracht und führt zum sofortigen Aufdiestraßesetzen.” ❤ Dazu gibt es noch ein Awareness-Team, das man ansprechen kann, wenn einem was Blödes passiert ist. Mit Symbol Gürteltier, das für “Verständnis für persönliche Grenzen und Respekt für die Grenzen anderer” steht und “Verwundbarkeit, Empathie und Urteilsvermögen” steht. Wusste ich auch noch nicht.
  • Leckere vegane Pelmeni mit georgischer Sauce – aus Sohland/Spree und mit Bautzener Kennzeichen 😮
  • Die Frau am Cider-Stand (nicht viel jünger als ich, schätze ich) hat mich gesiezt und ich fühlte mich plötzlich sehr alt
  • Monako wirken auf der großen Bühne noch toller als neulich im Marie Antoinette
  • Some Sprouts waren ganz schön gut
  • Bei Kala Brisella gabs die ersten Crowdsurfer – mit Gruß an Fancy Lenzi, dessen Füße ich zweimal in der Hand hatte
  • Überhaupt viele bekannte Rostocker Gesichter am Start – wie erwartet
  • Eine Sonnenbrille geschenkt bekommen (naja, ein Werbegeschenk, das ich weitergereicht bekam, kann ich mich auf meine also doch wieder drauflegen)
  • Karies und Leoniden waren auch ziemlich super
  • Bei Frittenbude nach der Hälfte im Zelt verschwunden und dort weiter gehört – der Vorteil meines Stamm-Zeltplatzes
  • Grundgefühl: Ganz viel Hachz!

Immer gut

Als ich gestern um 18 Uhr das Büro verließ, traf ich draußen auf einen blauen Himmel mit ein paar Wolken, schönsten Sonnenschein und eine leichte Brise. Das ist allein schon deshalb bemerkenswert, weil es viele Monate im Jahr gibt, in denen es einfach mal dunkel oder zumindest dämmrig ist, wenn ich Feierabend habe. Diese Zeit jetzt – von dem Tag an dem die Erdbeerhäuschen aufmachen bis zu dem, an dem man merkt, dass der Herbst den Sommer endgültig abgelöst hat, irgendwann Anfang/Mitte September, ist einfach die allerbeste, tollste, schönste und wichtigste Zeit des Jahres!

Das andere, was bemerkenswert war, dass ich sofort dachte: Es ist Immergut-Wetter! Ich sah mich sofort irgendwo zwischen den Kiefern und Birken auf der Mecklenburgischen Wiese stehen, mich über das Grün und all die normalen Menschen freuen und der Musik lauschen. Was total passend ist, denn heute fahre ich endlich los zum 20. Immergut, das dieses Jahr sogar drei komplette Tage geht. Letztes Jahr war ich zum ersten mal seit 6 Jahren wieder dabei. Von 2006 bis 2011 war das Immergut ein Pflichttermin in meinem Jahren, egal ob von Rostock oder von Berlin aus und egal, wer sich gerade als Begleitung anbot. 2012 hatte ich dann genau zu dieser Zeit leider ganz andere Sachen im Kopf und um die Ohren und damit riss der Running Streak ab.

Irgendwas zog mich dann aber letztes Jahr wieder hin, ein Teil der vielen Veränderungen, die sich zugetragen haben oder ihre Schatten vorauswarfen und mich zu dem Leben brachten, das ich jetzt führe. Letztes Jahr fuhr ich ganz alleine – ich wusste, ich würde dort auf bekannte Gesichter treffen, hatte aber auch einfach Lust darauf, für mich zu sein und einfach zu tun, wozu ich gerade Lust hatte – eine Band sehen oder nicht, zum Zelt zurückgehen oder nicht, essen und trinken wann und was ich mag und auf niemanden warten oder Rücksicht nehmen müssen. Ganz bei mir selbst sein, also. Und es war großartig. Allerschönstes Immergut-Wetter, mit tagsüber in der Sonne schwitzen und nachts im Zelt ein bisschen frieren und keinen oder kaum Regentropfen. Wundervolle neue Musik, nostalgische Momente mit alter Musik und jede Menge Erinnerungen.

Natürlich bin ich dieses Jahr wieder dabei und wieder fahre ich alleine hin und schaue vor Ort, ob ich lieber für mich bleibe oder Anschluss bei den bekannten Gesichtern suche (diesmal ist zum Beispiel auch noch eine Kollegin vor Ort, außerdem die üblichen Verdächtigen mit Rostocker (Migrations-)Hintergrund). Und all die nostalgischen Momente werden natürlich auch wieder hochkommen.

Wie ich 2006 bei Tomtes “Warum Ich Hier Stehe” unter dem einen großen Baum (der nicht mehr da ist) saß und bitterlich weinte und in der Nacht dann einen geliehenen Hoodie fest umklammert hielt. Wie ich 2007 auf einem Matratzenlager in einem überhitzten Bauwagen die direkt nach ihrem Auftritt verschwitzten, halbnackten und betrunkenen Friska Viljor interviewte. Wie es 2008 so heiß war, dass wir die Vormittage an und im See verbrachten und noch Tage nach dem Ende des Festivals schwarzer Schnodder von den zu Staub verbrannten Wiesen aus meiner Nase kam. Wie 2009 beim 10. Immergut Kemper sich für seinen Abschied einfach alle seine Lieblingsbands buchte und das Festival noch mehr als sonst zum Klassentreffen wurde. Wie 2010 mit Talking To Turtles zum ersten Mal “welche von uns” auf dem Immergut spielten – vor auf der Wiese sitzenden Publikum im neu eröffneten Birkenhain und nur einer stand mitten drin und tanzte. Wie 2011 Kuttners Videoschnipselvortrag zum Immergut kam und für mich zwei Welten kollidierten und sich die ganze Wiese in die Volksbühne verwandelte und mit Cindy und Bert den Hund von Baskerville sang. Und wie ich letztes Jahr beim Fußball zwischen den kommentierenden Fiete und Schiete Schutz vor der Sonne suchte und mich freute, dass ich auch mitten in der Pampa in Neustrelitz ein kleines Zuhause habe – zumindest einmal im Jahr.

Neuer Pass, neue Vorsätze

Gestern habe ich meinen neuen Pass abgeholt und den alten – natürlich! – “entwertet” wieder mit nach Hause genommen. All die schönen Stempel will ich doch behalten! In den zehn Jahren, die ich diesen Pass hatte, war ich in:

  • Italien (Kampanien, mehrfach)
  • Tschechien
  • den USA
  • Kanada
  • China (auf der Durchreise)
  • Australien (dahin nämlich)
  • nochmal Italien (Rom, Neapel)
  • nochmal Kanada
  • nochmal Italien (Sizilien)
  • Irland
  • Jamaika
  • Polen
  • nochmal Italien (nochmal Sizilien)
  • England
  • Wales
  • Belgien (dienstlich)
  • nochmal Irland (dienstlich)
  • nochmal Italien (Toskana)
  • Spanien (Ibiza)
  • Schweden
  • nochmal Italien (Sardinien)
  • der Schweiz
  • nochmal Belgien (dienstlich)
  • Österreich (auf der Durchreise)
  • nochmal Italien (dahin nämlich, Norden-Mitte)
  • nochmal England (dienstlich)

Reihenfolge ohne Gewähr.

Natürlich gibt es nur für einen Bruchteil dieser Länder Stempel in meinem Pass, zum Glück! Es lebe die EU, es lebe Schengen usw. Aber was mir da beim Nachdenken auch eingefallen ist: Das sind auch ganz schön viele Flüge (obwohl nicht jede dieser Auslandsreisen eine mit Flug war, die meisten schon). Inzwischen habe ich es immerhin schon anderthalb Jahre ohne privaten Flug geschafft, dienstlich klappt es leider noch nicht so gut. Und ich möchte Fernreisen auch nicht komplett aufgeben. Aber der Plan ist, innerhalb Europas nur noch so selten wie möglich zu fliegen. Ihr ahnt sicher, wieso.

Talked out

Heute hatte ich einen 6-stündigen Workshop zum Thema Inclusion & Diversity und danach noch fast ohne Atempausen drei Calls mit teilweise schwierigen Themen und teilweise einfach vielen vielen Leuten. Zwischendurch dachte ich ab und zu mal, dass das ja ganz viel Blogcontent gibt, aber jetzt bin ich einfach talked out und möchte mich einfach nur noch berieseln lassen.

Hier eines der Beispielbilder aus dem Workshop – diesen Fail haben wirklich alle erkannt, bei anderen brauchten die Teilnehmenden mehr Kontext, bis der/die (?) Facepalm kam:

 

 

 

Ein Wirbelwind von einem Tag

Gerade habe ich jemandem auf Englisch von meinem Tag erzählt – der Whirlwind traf es irgendwie noch ein bisschen besser. Heute war so ein Tag, an dem ich irgendwann in der Büroküche stand und mich fragte, ob ich den Wasserkocher nun eigentlich befüllt und angeschaltet hatte – zwei Sekunden vorher. Heidewitzka, war was los im Büro und in meinem Kopf. 1000 Dinge gleichzeitig, mehrere Rollen ausfüllen gleichzeitig, sensible Gespräche führen und nebenbei diversen Kram abarbeiten… Der Abend wurde dann aber deutlich entspannter, deswegen kann ich mich insgesamt gar nicht so sehr beschweren. Stattdessen hier wieder, was heute schön war:

  • Vergangenheitsloosy hatte Overnight Oats vorbereitet und Himbeeren aufgetaut, die Gegenwartsloosy sich dann mit Joghurt, Leinsamen und Kokosraspeln zum Frühstück einhelfen konnte
  • Konstruktive Gespräche geführt
  • Sehr bestärkt worden in einer Idee, die ich bisher eigentlich nur vorsichtig überhaupt angedacht hatte (schon die zweite seit gestern, ich habe scheinbar gerade Ideen mit Potenzial)
  • Heute schon zu sechst beim Meditieren, ich glaube das war die bisher größte Gruppe, seit wir das selbstbestimmt einfach machen
  • Zweigeteilte Mittagspause, da ich direkt nach dem Meditieren noch keinen Hunger hatte, zweimal ne halbe Stunde ist auch ziemlich gut, muss ich mir merken
  • Zwischendurch ein Frühstücksdate fürs Wochenende ausgemacht
  • Nach der Arbeit gemütlich durch den erweiterten Kiez spaziert und dann köstlichen Mangosalat, Sake-Avocado-Maki und Aloe-Vera-Nektar verzehrt
  • In entspannter Atmosphäre, bei guter Musik und heimischem (Lübzer) Bier ordentlich rumgerostockert
  • 21 Uhr die Kneipe verlassen und durch den noch hellen Prenzlauer Berg (mit ordentlich rotem Nach-Sonnenuntergangshimmel) nach Hause gelaufen und mich sehr wie in Rostock gefühlt
  • Badewanne
  • Katzenkuscheln

 

Läuft doch!

Und was heute schön war…

  • Wieviel Liebe im (Chat-)raum war – für das Kind vom Lieblingschef
  • Dass die Meditationsgruppe in der Mittagspause immer größer wird und heute wieder jemand dabei eingeschlafen ist
  • Der Gedanke, dass ich vielleicht noch nie so sehr im Moment gelebt habe, wie jetzt gerade – mit einem Planungshorizont von etwa 10 Tagen plus 2-3 Leuchtturmterminen später im Jahr – und wie gut sich das anfühlt
  • Für jemanden im passenden Moment da sein können und dabei alles richtig machen
  • Bei vier gemachten Unconscious-Bias-Tests für zwei attestiert bekommen, dass ich keinen habe und bei einem nur einen relativ leichten
  • Lecker improvisierte Pasta zum Abendbrot mit einer Sauce aus Butter, Knoblauch, Shiitake-Aufstrich, Tomatenmark, veganer Fleischwurst, Erbsen, passierten Tomaten, Pecorino und Pfeffer
  • Noosa, die in meinem Schoß eingerollt liegt und schnurrt/döst

 

Und dieser großartige Kurzfilm:

Schönes Zeugs heute

Heute war auch wieder ne ganze Menge schön, vorhin hatte ich noch eine ziemlich lange Liste im Kopf – mal sehen, ob ich die noch zusammenbekomme…

  • Dass Nimbin mich heute erst sehr spät geweckt hat, weil er von der Mitbewohnerin schon gefüttert worden war
  • Nimbin heute morgen gleich in drei sehr fotogenen Posen zu sehen
  • Wieder ne gute Meditation in der Mittagspause
  • Danach Picknick im Park mit gutem Gespräch und einer Verabredung zum Kochen
  • Kommunikative Erfolge
  • Dass Glen Hansard der Support Act für Eddie Vedder ist, bei dem Konzert, zu dem mir meine Ellis ein Ticket zum Geburtstag schenken*
  • Dass bei einer Schulung ein Rote-Bete-Salat von Barcomi’s übrig geblieben ist, der zusammen mit Mazarnino-Tomaten und Falafel mein Abendbrot (und morgiges Mittagessen wurde)
  • Über Instagram den Language of Food Workshop 2019 verfolgen zu können – extremes Fernweh nach Case Vecchie inklusive… Vielleicht muss ich mich da doch nochmal einladen dieses Jahr.

 

*Bester Film mit Glen Hansard, übrigens? Nicht der, den Ihr denkt, sondern: