In fremden Küchen

Gestern besuchte ich eine Freundin und wir haben zusammen etwas vom Kochhaus gekocht. Wer es nicht kennt – das sind Läden, in denen man sich verschiedene Rezepte nebst den benötigten Zutaten kaufen kann, genau in der Menge, die man benötigt. Der Gedanke dahinter ist wohl, spontan und abwechslungsreich kochen zu können, ohne dass Reste übrig bleiben (und die Rezepte sind recht idiotensicher beschrieben).

Meine Freundin nutzt das öfter, da sie meist für sich allein kocht und nicht zwei Tage lang das Gleiche essen will. Und ich wollte es auch schon immer mal ausprobieren. Als ich ankam, erwartete mich das hier in der Küche:


Futzelig klein abgepackter Grana Padano, exakt abgewogene Mandeln, Penne und Artischockenherzen, eine Packung Ziegenfrischkäse (Nach der hat man wohl das Rezept bemessen? War etwas enttäuscht, dass der nicht auch kleiner war und freue mich auf Original Unverpackt) und ein Mini-Bund Petersilie.

Die Mandeln wurden geröstet und gehackt, der Grana gerieben, Artischocken und Petersilie zerkleinert und dann alles vermixt, wie man es tun würde, wenn man schon mal nem Italiener beim Pastakochen zugesehen hat.

Es war ganz lecker, aber irgendwie hat mir noch ein Kick gefehlt – Cherrytomaten-Tomaten, Salbei oder Rosinen vielleicht. Gekostet hat der Spaß ca. 9 €, wir sind beide gut satt geworden und es war noch etwas übrig (Ha, Fail! Allerdings weiß ich nicht genau, für wieviele Personen das Rezept gedacht war.) – aber nicht genug, um eine volle Mahlzeit für den nächsten Tag zu haben – schade!

Fazit: Kann man mal machen, ist aber eher was für Menschen, die nur selten zum Kochen kommen und trotzdem mal was „anständiges“ essen bzw. servieren wollen. Bestimmt gut, wenn man als Koch-Newbie ein Date beeindrucken möchte oder jobmäßig ständig auf Reisen ist und Vorräte nur vergammeln würden. Für mich und mein derzeitiges Leben ist es mir ein wenig zu durchstrukturiert, festgelegt und teuer. 

Ich kann aber demnächst noch weiter testen, da der Mann noch einen 30 €-Gutschein von dem Laden besitzt (vor zwei Jahren zum Geburtstag bekommen) und werde berichten, wenn sich meine Meinung ändert.

EDIT: Ich habe gerade nochmal durch die Rezepte geschmökert – evtl. ist das auch ne gute Idee, wenn man mal bestimmte Zutaten ausprobieren will, bevor man sich da Mengen von kauft – Bsp. Soba-Nudeln oder Coppa.

Alltag Nr. 1

Heute ging es wieder los mit der Arbeit – zum Glück mit der Spätschicht. Ich beglückwünsche mich ja jede Woche, dass ich nach dem Wochenende (und nun auch nach dem Urlaub!) erst um 11 anfangen muss.

Mit dem Direkt-Nach-dem-Aufstehen-Anziehen hat es auch geklappt, wenn man statt Schnürschuhen meine Hausschuhe zählt und nicht einkalkuliert, dass ich vor dem Aufstehen noch etwa eine halbe Stunde im Bett liege und Mails, Facebook, Twitter, Instagram etc. checke.

Aber sobald ich einmal aus dem Bett war, legte ich sofort richtig los. So konnte ich heute morgen noch die restlichen Sachen auspacken, ein wenig aufräumen, die Reste vom gestrigen Abendbrot für die Arbeit einpacken und in Ruhe zuhause frühstücken. Es gab Haferflocken mit warmen Pflaumen, Leinsamen und Sonnenblumenkernen und zwei Tassen Jasmintee.

Im Büro lief es, wie erste Tage nun einmal so laufen – viele E-Mails nachlesen, viel Neues, das auf einen reinprasselt. Dazu kamen dann noch drei verschiedene Sitzungen und mein erster Einsatz als Schriftführerin beim Betriebsrat – die Kollegin, die das sonst macht, ist im Urlaub. Morgen darf ich mich dann gleichmal an einer ordentlichen Sitzung versuchen.

Die durch das „Essen von zuhause“ freigewordene Mittagspause verbrachte ich mit dem Leveln bei Ingress – jetzt Level 5 – und dem Kauf eines neuen Deos. Das war dann auch das einzige Geld, dass ich heute ausgegeben habe.

Nach der Arbeit habe ich dann weiter aus den Vorräten gekocht. Begonnen hat es mit einer vagen Idee von Zucchini, Knoblauch und Couscous, angereichert mit eingekochten Tomaten aus dem Keller. Am Ende wanderten noch getrocknete Feigen in die Pfanne, gemeinsam mit einem guten Schuss Rotwein, Kräutern der Provence, Cumin, Zimt und Petersilie. Es wurde also irgendwie eine Art marrokanischer Pamps daraus, der sehr lecker war und auch noch für morgen Mittag reicht. \o/

Danach dann noch mehr Produktivität: Neuen Router installieren (bis zu dem Punkt, an dem ich morgen mit dem Provider telefonieren muss, weil man mir scheinbar die WLAN-Funktion geklaut hat), sowie weiter Post und E-Mails bearbeiten.

Am Ende wieder FlyLady: Das Waschbecken in der Küche ist wieder „shiny“. Der morgige Babystep ist das Wiederholen der bereits getanen: Sink shinen und Anziehen, sobald man aufsteht. Das krieg ich hin!

Tagebuch-5 im September

Wegen Urlaubs fast verpasst: Gestern war wieder der 5. und Frau Brüllen fragte wieder WMDEDGT?
Der Wecker klingelte um 8 und wir erwachten in einem Hotelzimmer in Belfast. Entgegen unserer Gewohnheit standen wir relativ schnell auf, machten uns fertig und packten unsere Sachen. Dann holten wir unser Mietauto aus dem Parkhaus um die Ecke und fuhren in die Werkstatt um die andere Ecke. Hier zog man uns den bereits bezahlten neuen Reifen auf und umarmte uns zum Abschied nochmal herzlich. (Fragt nicht, ich weiß auch nicht – Iren halt.)
Danach ging es zum Frühstück ins Maggie Mays das mir ein in Belfast lebender Bekannter empfohlen hatte. Der Mann aß Baked Beans auf Toast mit Käse überbacken und ein Sandwich. Ich begnügte mich mit einem köstlichen Porridge mit Banane, Rosinen und Ahornsirup. Nach dem Frühstück machten wir uns dann auf den Weg Richtung Dublin.
Zuerst hielten wir nochmal an einem See in der Nähe, der mit dem Meer verbunden ist und schön algig roch. Leider hatten wir nicht genug Zeit, um bis an den Übergang zum Meer zu fahren, so dass wir keine Seelöwen gesehen haben. (Auf der ganzen Reise nicht, dafür aber einen Delfin.)

Wir hatten es so eilig, weil wir das Mietauto abgeben mussten und vorher noch die berühmten steinzeitlichen Passage Tombs im Tal des Boyne besichtigen wollten. Leider hat es auch da nur für eine der beiden zugänglichen Stellen gereicht. Man kann sie nämlich nur mit geführten Bustouren besuchen und ist daher an feste Zeiten gebunden. So sahen wir uns eben nur Knowth an, das natürlich trotzdem sehr beeindruckend war.

Auf dem Parkplatz packten wir dann alles, was sich in den letzten zwei Wochen so im Auto angesammelt hatte in unsere Rucksäcke: Meine Wanderschuhe, die Mütze von den Aran Islands, den Schal von Slieve League, den Whisky aus Bushmills und die Tin Whistle aus Cobh. Dann fuhren wir erst einmal zu unserem Hostel, um das Gepäck abzuladen und danach zum Flughafen, um das Auto abzugeben. Was wir nicht bedacht hatten, war, dass wir natürlich direkt zur Rush Hour in Dublin ankamen und daher zweimal mit dem ganzen Stop-And-Go zu kämpfen hatten. Da kam schon ein wenig Frust auf.

Zum Glück gab es mit dem Auto dann keine bösen Überraschungen mehr und so waren wir ratzfatz mit dem Bus zurück in der Innenstadt. Wir holten uns an der Touristeninformation einen Stadtplan und liefen dann ein wenig durch die Straßen, beschlossen aber schnell, direkt Essen zu gehen. Im Govinda’s, das vom Hare Krishna betrieben wird, gab es für vergleichsweise wenig Geld köstliches vegetarisches indisches Essen. 

Danach waren wir pappsatt und rollten nur noch ins Hostel. Hier teilen wir uns ein Zimmer mit zwei anderen, so dass der Abend leise lesend ausklang.

Tagebuch-5 im August

Ich wache nach einer erwartbar relativ unruhigen Nacht im fremden Bett auf und muss mich erstmal kurz sortieren: Was muss ich tun, wieviel Zeit hab ich dafür usw. Kurze Runde durchs Bad und dann ein schnelles Frühstück mit Müsli, Mangojoghurt, Pfirsichsaft und Yogitee von gestern Abend.

Und schwups bin ich auf der Straße und laufe durch das noch recht ruhige Münster zu dem Hotel, in dem unsere Schulung stattfindet. Immer wieder faszinierend, dass das in so kleinen, kompakten Städten überhaupt nicht lange dauert. Nach guten zehn Minuten bin ich da, hole mir noch einen Tee und dann geht es los – mit Modellen, Analysen, Gruppenarbeiten und Diskussionen. Zwischendurch gibt es Pausen auf der sonnigen Terasse.
Nach dem Seminar kaufe ich noch schnell eine Hochzeitskarte fürs Wochenende und kehre dann zu meiner Unterkunft zurück. Ich helfe der WG, vom Hochwasser versaute Dinge aus dem Keller raus auf den Gehweg zu schaffen, damit sie als Sperrmüll abgeholt werden können.
Danach holen wir uns ein Eis und setzen uns in den Schlosspark zum Quatschen, Lesen und Entspannen. Dabei finde ich auf den ersten Blick ein vierblättriges Kleeblatt. Es landet natürlich sofort auf Facebook und Twitter und bringt mir diverse Likes, u.a. einen inklusive Kommentar von unserem Head of Editorial EMEA. Scheint also direkt zu wirken. Kurz danach kippt die Jelly Belly Packung um und alles landet im Gras. Nun ja.
Zuhause wird dann gekocht: Frischer Ingwer und frische Curcuma, Mangold, Linsen, Rosinen. Gewürze, Kokosmilch und Reis verbinden sich zu einem mehrstrophigen Gedicht. Hinterher gibt es eine perfekt reife Mango, mehr Yogitee und Zeit fürs Netz und zum Bloggen. Auf Twitter schlugen die Wogen heute hoch und auch am Ende des Tages habe ich noch nicht alle Ebenen überblickt und eingeordnet.
Kurz vor 11 sind wir so müde, dass wir uns mit Buch ins Bett verziehen. Gute Nacht allerseits!

Previously in dieser Woche

Die App sagt, ich bin diese Woche mehr als 40 km gegangen. Augmented Reality sei Dank. Das Ingress-Spielen macht, dass ich meine Vorsätze vom Anfang des Jahres wieder aufnehme: Jeden Tag spazieren gehen, in der Mittagspause herumlaufen, ergo Mitgebrachtes während der Arbeit essen, ergo kochen. Und da sage noch einer, Smartphones und Spiele wären ungesund. Mal gucken, wann die Portale ihren Reiz verlieren…

Räucherfisch vom Ostseewochenende mit Kartoffel-Rote Bete-Salat

Ofengemüse mit Basilikum, Minze und Petersilie

Linsen-Möhren-Pilz-Kokos-Eintopf

Außerdem endlich beim Streetfood Thursday gewesen. Zu viele Menschen an diesem Regentag, aber gutes Essen. Besser wäre: Kleinere Portionen und kleinere Preise für mehr Auswahl. Ich hatte:

Nigerianisches: Kokosreis, Bohnen, Kochbananen und Melonenkernsauce

Belgisches: Brüsseler Waffel mit heißen Kirschen und Sahne

Berlinisches: Gurken-Zitronen-Eis
Und noch so: Auf dem Balkon gibt es jetzt Tomaten, Gurke und Paprika. Biokiste und Besuch des Mannes beim Elterngarten Sorgen für einen vollen Kühlschrank. Es kann also so weitergehen…
Ansonsten gab es noch die Bowie-Ausstellung mit den entsprechenden anzunehmenden Ohrwürmern. Kann ich sehr empfehlen und man kann auch ohne Schwierigkeiten alleine hingehen – man bekommt von seinen Mitmenschen sowieso nichts mehr mit, sobald man erst einmal drin ist. Und: Zeit lassen, es war dann viel zu schnell vorbei, weil ich mich so beeilt habe. Dachte die anderen sind alle vor mir, am Ende war ich als erste draußen…
Und: Katzen natürlich.

Baywatch-Nimbin

Noosa und ich haben gestern 30 Rock zuende gesehen. Nächste Projekte: Parks and Recreation und Father Ted (letzteres zur Urlaubsvorbereitung – noch 26 Tage bis Irland.

Ein Königreich für ein Lama

So ein Lama hätte uns nämlich super nach Hause oder zumindest bis zur U-Bahn tragen können, nachdem wir gestern das peruanische Restaurant Serrano in Wilmersdorf quasi leergefressen haben. Wie es uns nach Wilmersdorf verschlagen hat? Google war Schuld. Irgendwann letztes Jahr sahen wir etwas über Peru im Fernsehen und setzten das Land danach auf unsere Reise-To-Do-Liste für „irgendwann“. Als Reminiszenz daran schenkte ich dem Mann zu Weihnachten einen Gutschein für ein Essen in einem peruanischen Restaurant – Google machte das Serrano daraus. Als wir nun einen guten Feieranlass hatten – unser Zweijähriges – packten wir sozusagen das Lama bei der Zunge und machten uns auf gen Westen.

Zu trinken gab es für mich überraschend leckeren Blaumaissaft, der gar nicht besonders nach Mais, sondern auch relativ fruchtig schmeckte – so ungefähr in die Pflaumenrichtung. Der Mann entschied sich für Inca Kola, die noch gelber aussah als auf dem Bild, und später ein alkoholhaltiges Maisgetränk – beides war mehr so semilecker. Aber den Blaumaissaft würde ich jederzeit empfehlen.
Als Vorspeise teilten wir uns eine Piceos-Auswahl. Das sind sozusagen peruanische Tapas. So hatten wir Gelegenheit, möglichst viele verschiedene Dinge zu kosten. Darunter waren u.a.:
  • Das peruanische Nationalgericht „Cevice de Rodaballo“ (Kaltes mariniertes weißes Heilbuttfilet mit Limettensaft, Zwiebeln und Rocoto (peruanische Chili))
  • Causa (kalte Kartoffel-Limetten-Masse)
  • Gegrilltes Kalbsherz
  • Papas a la Huancaína (Kartoffeln mit einer Sauce aus Frischkäse, gelber Chili und Cracker)
  • Wantan mit Maishähnchen
  • Bohnen mit Käse
  • Tintenfisch
  • Scampi mit Quinoa-Puffs
  • Gefülltes Palmherz

Mein Hauptgang war bunter Quinoa mit Gemüse, eine Krokette aus rotem Quinoa gefüllt mit grünem Spargel und Koriandercreme. (Statt der Krokette gibt es im Original rosa gebratene Entenbrust, ich hatte die vegetarische Variante. Ich wusste nicht, dass da Spargel dabei sein würde, aber in der grünen Variante habe ich ihn ganz gut herunterbekommen).
Der Mann hatte Maishähnchenbrust in einer Sauce aus gelber Chili, Walnuss und Parmesankäse an mehligen Blaukartoffeln. Wir fanden beide beides lecker und waren aber auch der Meinung, das jeweils eigene sei das bessere – so soll es sein.
Zum Nachtisch gab es dann wieder eine Variation – zum Glück, ich hätte nichts davon verpassen wollen:
  • Lucuma-Eis mit Schokoladensauce und Johannesbeeren
  • Mangoschaum mit Kiwi
  • Brownie mit einer Johannisbrotbaumsirupcreme und Quinoa-Pops
  • Maracujacreme mit Erdbeeren und gerösteten Mandeln
  • „Milchcreme aus Lima“ mit Zimt und Physalis
Es war alles wahnsinnig lecker und selbst Dinge, von denen ich sonst Abstand nehmen würde, wie das Kalbsherz und der grüne Spargel, sind mir nicht unangenehm aufgefallen. Wir kommen auf jeden Fall wieder – am besten wieder zu einem wichtigen Anlass oder mit solventen Gastgebern, ganz billig ist es nämlich nicht – mit Trinkgeld haben wir zu zweit fast 90 € bezahlt…
Drinnen waren einige der Zutaten ausgestellt, ich habe das natürlich dokumentiert:

Mein Geburtstagsgeschenk

Dieses Jahr schenkte ich mir selbst etwas: Eine Woche on the road (oder eher on the tracks), mit dem Ziel diverse Freundinnen in diversen deutschen Städten zu besuchen. Anders als beim Sizilien-Urlaub (dessen Berichtestattung ich immernoch nicht abgeschlossen habe), möchte ich versuchen, die gesamte Reise in einem Post zu verbraten – ich muss mich also kurzfassen. Here goes:

1. Bremen und Bremerhaven
Hier wohnt und arbeitet mein Bruder samt Freundin und es ist mein zweiter Besuch in der Hansestadt. Bremerhaven ist neu für mich. Interessant: Die vielen Deutschland-Flaggen wegen der WM. Bestätigen mein Klischee und es sind die meisten auf der Reise. Ansonsten schön maritim und das Auswandererhaus ist großartig gemacht. Da könnte man bei mehr Zeit auch locker mal einen Tag verbringen. So machte ich einen Schnelldurchlauf durch die verschiedenen Schiffstypen inkl. Bordklo, Ellis Island, die Grand Central Station und das Deutschland der 70er Jahre. Spannend und lebensnah!

In Bremen selbst ist dann weniger Urlaub als Familienbesuch: Es wird Fußball geschaut, Pizza bestellt und Bürokratiekram erledigt. 
Am nächsten Tag dann aber doch noch: Bremer Uni angeguckt, Innenstadt durchschlendert, Osterdeich und Viertel abgewandert und Rollo gegessen. 

Und schon geht’s weiter nach
2. Münster
Hier promoviert eine Freundin. Wir gehen zunächst in den Schlosspark und haben ein aufregendes Erlebnis mit einem Obdachlosen, wie man es sonst nur aus Filmen kennt: Er kommt fröhlich singend und leicht angetüdert auf einem Fahrrad angefahren und braucht etwa drei Minuten, um das Fahrrad sicher anzuschließen. Dann legt er Rucksack, Jacke und Mütze auf dem Pavillon ab, über dessen Brüstung er nun klettert. Mit einigen Schwierigkeiten kommt er hoch und setzt nun zunächst die Mütze wieder auf, bevor er übers Geländer klettert – an dieser Stelle liegen wir vor Lachen fast auf dem Boden. Dann räumt er den Pavillon ein wenig auf, schnappt sich einen Besen und kehrt seine Schlafstätte sauber, bevor er seinen Schlafsack ausbreitet. Wir ziehen uns diskret zurück.
Zuhause kochen wir aus Weißkohl, dicken Bohnen, frischem Kurkuma und Kokosmilch ein köstliches Curry, dann wird es Zeit, ins Bett zu gehen.

Den nächsten Vormittag verbringe ich lesend und schlafend im Bett, während meine Freundin arbeitet. Zum Mittag treffen wir uns mit ihrem Mitbewohner, einigen Kollegen und deren Angehörigen. Bei deutsch-englisch-italienisch-spanisch-katalanischen Gesprächen Essen wir Flammkuchen und sardische Pizza. Danach bummeln wir noch ein wenig durch die Stadt und ich bekomme die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gezeigt. 

Und zack, ist es Zeit für meinen Zug nach
3. Bielefeld
Auch hier promoviert eine Freundin. Ich treffe sie nach einem Vortrag, den sie gerade bei der Eröffnung einer Fotoausstellung gehalten hat und wir schauen uns die Bilder an und schnorren Schnittchen. Dann plündern wir einen Supermarkt und setzen uns zum Picknick auf den Siegfriedplatz – das macht man hier so. (In anderen Städten sitzt man bequem im Park, in Bielefeld bevorzugt man das harte Pflaster.)
Morgens muss meine Freundin früh aufstehen und ich darf wieder liegenbleiben. Nutze das Nicht-wieder-einschlafen-können für 1,5 Folgen Orange is the New Black (bei der Zweiten kann ich’s doch). Dann Frühstück Stadtbummel mit schwerem Gepäck. Brauche alle 20 Minuten eine kurze Pause. Die längste mache ich im Park der Menschenrechte.

Die lange Zugfahrt verbringe ich hauptsächlich mit dem Beobachten und Bespaßen zweier Kinder an meinem Tisch: Amos und Malena (nicht verschwistert) – so komme ich kaum zum Lesen. Erst als auch Malena ausgestiegen ist, hole ich ein wenig Schlaf nach, dann bin ich auch schon in
4. Tübingen
Auf einmal ist Sommer und dazu noch hat Deutschland gerade das Achtelfinale erreicht. Die Stadt begrüßt mich kurzbeinlich und mit Autokorso. Meine Freundin, die hier gerade ein Traineeship absolviert, holt mich ab und gemeinsam besuchen wir eine weitere Freundin, S. Ich habe S. ca. 1997 oder 98 im Internet kennengelernt. Damals hatten wir recht engen, später eher losen Kontakt. Heute treffen wir uns zum ersten Mal im „Real Life“ und es ist großartig. Wir haben eine Menge gemeinsam und einen höchst kompatiblen Humor. Auf S.‘ Terrasse wird dann gegrillt. Da meine Freundin früh aufstehen muss (Das Muster zieht sich durch die Woche) brechen wir dann aber recht früh auf in das Dorf, in dem sie eine WG in einem alten Bauernhof bewohnt.
Am nächsten Tag treffe ich S. in der Stadt zum Mittagessen (Kässpätzle und Holunderwunder) und Sightseeing. Tübingen ist wunderschön und bei aller Kleinstädtischkeit sehr international. Für eine Weile könnte ich es hier sicher gut aushalten. Wir treffen einen Bekannten von S., der uns noch mit einigen lustigen Anekdoten versorgt.

Dann muss S. los und ich treffe meine Freundin für unsere Mitfahrgelegenheit nach
5. München
Die Autofahrt ist interessant bis lebensbedrohlich, da der 20-jährige Fahrer auch bei 170 km/h einen sehr lockeren Fahrstil pflegt. Zwischendurch rückt meine Freundin sehr nah an mich heran und wir überlegen, uns absetzen zu lassen. Wir halten dann aber doch durch und starten erleichtert in unser München-Wochenende zu viert – eine Fortsetzung des Nürnberg-Wochenendes von letztem Oktober.

Nach einem ruhigen Abend in der 1-Zimmer-Wohnung von C. starten wir am Samstag recht gemütlich ins Wochenende. Wir frühstücken köstlich und in aller Ruhe im Glockenbachviertel und bummeln dann größtenteils durch die Innenstadt. Im Englischen Garten statten wir dem Eisbach einen Besuch ab und liegen später noch eine Weile auf einer Wiese. Wie immer bei uns ist der Tag geprägt von Gesprächen und Diskussionen – von gesellschaftspolitischen Themen über unsere privaten Zukunftspläne, Beziehungen und Befindlichkeiten bis zu den großen philosophischen Fragen. Da alle gern und viel durcheinander reden, kann das durchaus auch anstrengend werden. 

Aber frisch gepresster Saft, Zuckerwatte, Kressebrezn und ein Wolkenbruch heitern die Stimmung zwischendurch immer wieder auf. Zum Abendbrot und fürs Eisessen danach geht es in die Maxvorstadt und danach schlafe ich zum ersten Mal in einer Woche wieder einmal zwei Nächte in derselben Stadt.

Am Sonntag lassen wir das Wochenende in einer Kakaobar ausklingen: Man bezahlt 10 € Mindestumsatz für köstliche Schokoladenvariationen (und andere Getränke) und kann dafür nach Herzenslust das Büffet plündern. Genau richtig für uns. Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass Lavendel großartig zu heißer Schokolade passt.

Den Abschluss meines Urlaubs bildet eine schön lange verregnete Zugfahrt zurück nach Berlin – Gelegenheit für Lektüre, Reflexion und das Bloggen. 
Erkenntnisse: 

  • Drei Bücher für eine Woche sind zwei zu viel, wenn man lauter tolle Menschen trifft
  • Ich packe ansonsten relativ gut, hätte ich ein wenig mehr gekleckert, hätte ich alle Klamotten gebraucht
  • Menschen, die einem im Internet sympathisch sind, sind es in aller Regel offline auch (andersherum trifft das nicht immer zu…). Die Erkenntnis ist nicht neu, aber hat sich wieder bestätigt
  • Mein Freundeskreis ist wundervoll. Außerdem auch sehr kosmopolit. Und er enthält überdurchschnittlich viele Promovenden und Post-Docs. Ich darf trotzdem mitspielen
  • Andere Regionen Deutschlands können sich wie Ausland anfühlen, im positiven, wie im negativen Sinne
  • München ist nett, aber keine Stadt für mich
  • Berlin hingegen ist genau meine Stadt – alles richtig gemacht. 🙂

12 von 12 im Juni

Man hangelt sich so von 5 zu 12, wa? Im Moment ist aber auch immens wenig Zeit zum Bloggen. Ständig feiert irgendwer irgendwas oder man muss zu Konzerten, Essensverabredungen oder ins Büro. Vielleicht wird es ab nächster Woche etwas besser, ich hab da noch einiges auf Halde. Jetzt aber erstmal 12 von 12. Die anderen gibt es bei Draußen nur Kännchen.
Zum Frühstück meine beiden Lieblingsfrüchte: Erdbeeren mit Mango-Joghurt. Ich halte es mit den Erdbeeren so wie Frau Schnips:
Im Büro sind alle im WM-Fieber, wenn auch nicht unbedingt immer aus sportlicher/fußballerischer Sicht. Die Kolleginnen kleben sich zum Beispiel Panini-Bildchen auf die Telefone… Und irgendwer meinte, wir müssten alle diese Fahnen irgendwo hinkleben. Ich wollte erst nicht, aber Frau Teamlead hat dann eigenmächtig meine Tastatur verschönert. Immerhin mit dem richtigen Winkelement – sie kennt mich gut. Ich könnte wohl mal meine Tastatur putzen…
Zum Mittag hatte ich Lust auf Chinesisch und ging daher mit @rammc zu China City und bestellte mir all das, was ich an der chinesischen Küche am liebsten habe: Gedünsteten Pak Choi mit ordentlich Knoblauch und dazu Glasnudeln, Morcheln und Bambussprossen. Mjam.
Danach machten wir einen Abstecher zum Lidl, der sehr ertragreich war, fotografisch gesehen… Pringoals hat also merkwürdige WM-Sorten…

…während hier jemand augenscheinlich Arizona Ice Tea kopiert…
…und diese Aktion wohl eher „Beef and Grief“ heißen sollte.

Zurück im Büro gab es dann doppelten Nachtisch: Das Goods-Team spendierte uns eine Runde Eis…

…und von Frau Teamlead gabs Muffins in Fußballform als Dankeschön für unseren Sondereinsatz letzte Woche.

Kurz vor Feierabend fiel zwei Kolleginnen auf, dass sie quasi gleichgemustert herumliefen.

Auf dem Rückweg las ich diese schöne Szene über Opa Kevin.
Zuhause bereitete ich mich auf einen Fußball-Abend allein vor – der Mann boykottiert diese WM aufgrund all der Dinge, die fragwürdig bis unwürdig gelaufen sind in der Organisation. Ich bewundere diese Haltung, kann mich aber der Tradition nicht ganz erwehren. So fährt der Mann also angeln (und hört dort das Spiel, weil Béla Réthys Kommentar über den ganzen See schallt… Und ich darf endlich mal wieder Rhabarber essen. Das Rezept in Kürze: Rhabarber in Ahornsirup marinieren, dann Wasser dazu und kurz aufkochen. Dazu gibts Vanille-Kokospudding aus Vanillepuddingpulver, Kokosmilch und Palmzucker. Nochmal Mjam.

Und dann geht das Spiel los – hier im Bild eine Aktion für den Frieden und wie es aussieht auch die Diversität. Immerhin etwas.

Tagebuch-5 im Juni

Und Zack ist wieder ein Monat rum und Fr. Brüllen fragt: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Die anderen Beiträge findet man hier.
Hier so:

Der Tag beginnt mal wieder viel zu früh. Gestern wurde es spät und da wir Besuch haben und die Katzen daher nachts ausnahmsweise ins Wohnzimmer dürfen, weckte mich Maunzen und Getrappel schon eine Dreiviertelstunde vor dem Wecker. Zum Glück bin ich noch einmal eingeschlafen, aber müde und kaputt bin ich dennoch.

Ich nehme mir die letzten Erdbeeren vom Wochenende, ein paar Aprikosen und einen Apfel mit ins Büro fürs Frühstück. Heute wird ein langer Tag, es gibt nach dem etwas chaotischen Wocheneinstieg mit Betriebsratssitzungen, einem Videocall,  dem Einarbeiten der Kollegen in ein neues Tool mit den dazugerigen Hickups und einem langen Meeting am Vortag noch viel abzuarbeiten vor dem nächsten Feiertag.
Heute ist hingegen nicht viel los, so dass ich eine Menge schaffe. Nur einmal sorgt ein etwas komplexeres Problem für Aufregung und Abwechslung: Jemand hat eine Anweisung zu korrekt ausgeführt und plötzlich ist ein Teil unserer Seite nicht zu erreichen. Aber auch das geht vorüber. 
Zum Mittag gibt es bei Pasta Deli eine köstliche „California Light“-Pastavariante mit Stangenselleriepesto, Zitronengras, Mandeln und Parmesan. Ich bin verliebt.
Der Mann feiert zeitgleich wie jeden Donnerstag den Gehacktestag. Diesmal bezieht er sich auf den Maya-Kalender. Seine Illustration dazu:

Zum Nachmittag hin und als Durchhaltetrick gönne ich mir Obst in Kuchen- und leider auch Flaggenform, schmeckte aber trotzdem:

Dann ist irgendwann Feierabend und ich kaufe auf dem Heimweg noch schnell etwas für die Suppe ein. Der letzte Mangold soll verwendet werden. Es wird eine Mangold-Kokos-Suppe mit Ingwer, Zitronengras und Koriander, die ich gemeinsam mit dem Besuch, @Fiann von Copper, boom! verzehre. Dabei reden wir über dieses und jenes und solches und einige von Euch.

Ich bin sehr stolz, dass ich es nicht vergessen habe, Waldmeister vom Balkon für die Bowle am Wochenende zu ernten. Den Rest werde ich auspflanzen oder demnächst per Sirup haltbar machen – so oft braucht man ja Waldmeister nicht. Das wichtige Büschel hängt in der Bibliothek aka Gästezimmer und beschert @Fiann hoffentlich schöne Träume.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 6: Palermo

Nachdem das Essen am Vortag ja eher enttäuschend war, rettete das Frühstücksbüffet ein wenig die Ehre des Etablissements. Neben dem üblichen Süßkram gab es diverse Antipasti, Käse, Aufschnitt und eine Cassata – nicht so gut wie selbst gemacht, aber immerhin. Nach dem Aufbruch hieß unser erstes Ziel Erice. Dieses mittelalterliche Städtchen, dass sich um ein Kloster herum entwickelte, liegt auf dem gleichnamigen Berg in rund 750 Meter luftiger Höhe. Um dorthin zu gelangen, folgt man eine gefühlte halbe Stunde lang engen Serpentinen, mit immer wieder großartigen Ausblicken aufs Meer (und eine Schafherde). 


Oben angekommen wollte Tommy uns mal wieder mit dem Kopf durch die Wand führen. Buchstäblich, denn wir mussten unser Auto dann an der Stadtmauer zurücklassen und zu Fuß die letzten Treppen nehmen. Es muss aber auch andere Wege geben, denn oben gab es auch wieder vereinzelte Autos. Wir schlenderten durch die Gassen auf der Suche nach einer Pasticceria, die in unserem Reiseführer hochgelobt wurde. Sie war natürlich proppenvoll und wir kauften dort Köstlichkeiten als Mitbringel für Zuhause. Dann aßen wir ein Eis und beguckten die Schaufenster. Als wir Pistaziencreme entdeckten, mussten wir ein Souvenir- und Delikatessengeschäft betreten und sie mitnehmen (nicht ohne dass uns die Inhaberin zwang diverse Pestosorten auf vollen Frühstück- und Eismagen zu verkosten und dann sichtlich enttäuscht waren, dass wir wirklich nur die Pistaziencreme kauften.

Von Erice ging es dann weiter nach Palermo. Vor der Stadt hatte ich im Vorfeld ne Menge Respekt und habe sie mir „chaotisch und kriminell“ wie Neapel, nur nochmal schlimmer vorgestellt. Tatsächlich war ich damit, bis auf den Straßenverkehr zu Stoßzeiten, zumindest in der Innenstadt schief gewickelt. Zu keinen Zeitpunkt war mir irgendwie mulmig, auch das Auto bekam bis auf einen Parkkratzer nichts weiter ab (obwohl eine Zeitlang nicht abgeschlossen war *pfeif*) und die Stadt bezauberte uns mit gutem Wetter und vor allem den täglich stattfindenden Straßenmärkten.

Es gab die ersten „Monatserdbeeren“ des Jahres (zweimal eine 250 g-Schale voll für jeweils 1 € bzw. 1,50 €, gekochte Artischocken frisch aus dem Topf, frittierte Sardellen und Auberginen und eine Menge zu sehen.

Auch sonst hatte die Stadt eine Menge an Architektur, Street Art und Flair zu bieten. Den Sonnenuntergang verbrachten wir in guter Tradition in Wassernähe. Dann spazierten wir noch zum sizilianischen Parlament und dem Theater, in dem Teile des Paten gedreht wurden und dann beschlossen wir den Abend in einer kleinen Osteria voller Einheimischer. Die Kellner waren zwar etwas hektisch, das Essen jedoch sehr solide, wenn auch nicht besonders raffiniert. Gut bürgerlich eben, würde man hier sagen. Dazu was vom offenen Roten, das ist doch mehr als zufriedenstellend.