12 von 12 im März

Es ist der 12. und fast alles, was ein_en Blog hat, zeigt heute 12 Fotos aus seinem_ihrem Alltag. Ich also auch. Die anderen Teilnehmer findet Ihr hier.
Halb 8 klingelt der Wecker. Draußen ist es zum Glück schon hell, die Vorhänge halten trotzdem erfreulich dicht.
Für Nimbin und Noosa hingegen ist der Tag schon schrecklich alt und wäre ich nicht aufgestanden, wären sie wohl elendig verhungert.
Was mir morgens hilft, gute Laune zu bekommen, sind auch fast 1,5 Jahre nach unserem Einzug die Farben – besonders der sonnen- bzw. mangogelbe Flur macht, dass es mir warm ums Herz wird.

Auf dem Weg zur Arbeit steige ich am Alex um und wundere mich derzeit jeden Morgen, wer auf die Idee gekommen ist, „Jeder kann backen!“ direkt neben einem Bäcker zu platzieren.

Beim Betreten des Bürogebäudes Empfängen mich die Diversity-Segel (heißen die so?).

Der Kollege begrüß mich mit den Worten „Na, bist Du heute im Gryffindor-Outfit unterwegs?“ (Die Bilder im Hintergrund sind seine…)

Auf in die Küche und Getränke organisiert. Es gibt derzeit den ganzen Tag über Ingwertee. In der zweiten Tasse mache ich mir wechselnde andere Tees (hier im Bild weißer Tee Vanille-Pfirsich). Und für die Zeit bis der Tee Trinktemperatur erreicht hat, gibt es Apfel- und Johannisbeer-Konzentrat mit Wasser verdünnt. Das Glas wird in Laufe des Tages noch zweimal aufgefüllt, aus den Tassen trinke ich insgesamt zwei Liter Tee. Läuft 😉

Vormittags haben wir ein kurzes Meeting – leider im deutlich unattraktivsten Besprechungsraum des Gebäudes – die anderen sind deutlich schöner!
Ein spätes Mittagessen aus Kartoffeln von gestern mit Kräuterquark, saurer Gurke, Radieschen und Tomate.
Gegen das Nachmittagstief hilft GEPA-Vollmilchschokolade mit Kardamom. So gehen die restlichen Stunden doch recht flott vorbei.

Auf dem Heimweg erstehe ich unter anderem einen Topf Koriander, mal sehen, wie lange er uns erhalten bleibt. Eigentlich sollte es heute selbstgemachte Burritos geben, dann entschieden wir uns spontan um und bestellten Pizza 😉 Dazu gibt es zum ersten Mal seit langem mal wieder eine Folge Inspektor Barnaby – auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herren.

Jamaikanisches Essen – Woche 2

Dieses war der erste Streich und der zweite folgt zugleich. Da ich gerade total erkältet bin und nur noch in die Wanne, bzw. ins Bett möchte, fasse ich mich mal kurz und wünsche Euch viel Spaß beim Nach-Jamaika-Träumen…

Mandarinen frisch aus dem Garten.
Ebenso wie diese Sour Oranges, die wir dann ausgespresst haben und mit Wasser und Zucker zu Limonade verarbeitet haben:

Im Garten standen aber auch Kokospalmen, so dass wir es für einen Drink und einen kleinen Snack zwischendurch nicht weit hatten:

Ein Bild des Ital-Stews, für dass es demnächst nochmal eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Fotos gibt.
Red Snapper, mariniert für den Grillabend
Jerk Chicken und Red Snapper auf dem Jerk-Grill

Ein Soursop, auch Sauersack und Guanabana genannt. Angeblich kann der sogar Krebs heilen. Wir versuchten es mal traditionell mit dem Saft daraus, vermischt mit Kondensmilch und Muskat:

So sieht eine Jackfruit frisch aus – bisher kannte ich die nur als Chips oder im Curry.  Das Essen ist eine sehr klebrige Angelegenheit, aber dafür mal was Anderes und fruchtig lecker. Gegessen wird das die Kerne umgebende Fruchtfleisch, so dass es ein bisschen ist, als würde man Litschis naschen.

Yam, grüne Bananen und Dumplings

Curry Goat und Bammy (Cassava-Kokos-Puffer)

Eine Ladung Breadfruits

Das Pendant zum Soursop: Der Sweetsop. Kennt man auch als Zimtapfel oder Custard Apple und wird ebenso gegessen wie eine Jackfruit.

Auf dem Teller liegen noch Papaya, Mango und Sweetsop. In der Hand halte ich die Naseberry, die wir in der ersten Woche gefunden hatten. Reif schmeckt sie ein bisschen wie eine getrocknete Feige und sieht dabei aus wie eine Kiwi.

Breadfruit, frittierte Bananen und Callaloo
Mit Kokosflocken panierte Garnelen mit Mango-Chutney kurz vor dem Rückflug

Was wir so mitgebracht haben: Honig, zwei Sorten Rum, Kaffee, diverse Marmeladen, Chilisauce, Tees, Zimtblätter, Muscheln und viele, viele Rezepte…

Jamaikanisches Essen – Woche 1

Was ist das Wichtigste an so einem Urlaub? Richtig: das Essen. Also zumindest, wenn man nicht über Wochen in der Wildnis wandert und sich freut, wenn es den Kartoffelbrei mal warm statt kalt gibt. Und ja, das Meer, die Sonne, die Natur usw. sind auch wichtig. Sagen wir, das Essen ist das Tüpfelchen auf dem i. Und wie immer habe ich fleißig dokumentiert und kann Euch nun ein wenig über jamaikanisches Essen berichten. Zunächst Woche 1, damit wir uns nicht übernehmen…
Das Frühstück am ersten Morgen wartete neben ordinären hart gekochten Eiern mit allerlei landestypischen Leckereien auf. Da wäre ganz oben das Spice Bun, eine Art Bananenbrot mit diversen Gewürzen der Region. Deutsche Gaumen haben sofort weihnachtliche Assoziationen, aber in der Karibik sind Piment, Muskat, Zimt, Nelken etc. ganz alltäglich. Dazu gab es frittierte Breadfruit und Bammy, eine Art Reibekuchen aus Cassava (Maniok) und Kokosmilch. Unten rechts seht Ihr Callaloo, ein Gericht aus gedünstetem Blattgemüse mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Chili. Callaloo gibt es in vielen Ländern, das Blattgemüse ist aber ja nach Region ein anderes. Wenn ich dem Internet glauben kann, bezeichnet man in Jamaika so die Blätter der Amaranth-Pflanze.
Am Abend gab es zum Beispiel frittiertes Hähnchen in einer süß-scharfen Sauce, dazu Rice and Peas (Reis mit Kidneybohnen und Kokosraspel), Gemüse (hier Mangold mit Möhren, Chili usw.) und Salat.
Das war ein typisches Frühstück: Spiegelei (eher frittiert als gebraten) mit Callaloo, Dumplings, frittierter Banane, Brot und Erdnussbutter.
Darf ich vorstellen: Festival, ein frittiertes Teigdings aus Maismehl.
Ein Roots-Drink. Wurzeln, Obst, Pflanzenteile und Gewürze werden zu einem heilsamen Getränk verwurstet, in diesem Fall schmeckte es ähnlich wie amerikanisches Root Beer, aber ohne Kohlensäure, dafür mit einem deutlichen Guaven-Anteil. Mehr gesund als lecker, aber durchaus trinkbar.

Otaheiti Apples – schmecken wie irgendwas zwischen Birne, Stern- und Drachenfrucht.

DAS jamaikanische Frühstück überhaupt: Ackee und Saltfish, dazu in diesem Fall Pancakes.

Ackees dürfen erst verkauft werden, wenn sie sich geöffnet haben und ein für den Menschen giftiges Gas entfleucht ist. Danach kann man das gelbe Fruchtfleisch herauslösen und verarbeiten.
Pancakes mit frischer Ananas und Sirup. Der „Saft“ im Hintergrund wäre in Deutschland ein Fruchtsaftgetränk (Mango-Karotte mit ordentlich Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen)

Zuckerrohr wird geschält und der Länge nach geviertelt. Dann kann man darauf herumkauen, bis der Zuckersaft raus ist. Die holzigen Fasern werden ausgespuckt.
Getränke sind im allgemeinen süß. Viel zu süß für unseren Geschmack. Die einzigen, die man auch in größerer Menge gut trinken kann sind Cranberry Wata und die Grapefruit-Limonade Ting.

Grüne Bananen im Supermarkt. Bananen werden sowohl grün als auch reif verkauft, verarbeitet und verzehrt. Dabei werden die Grünen hauptsächlich gekocht. Unsere Kochbananen sind das aber nicht, die heißen Plantains und ihr werdet sie weiter unten nochmal sehen.
Das ist eine Naseberry, noch nicht ganz reif. Wir haben sie ein paar Tage liegen lassen und im zweiten Post seht Ihr dann, was daraus geworden ist.

Ein Rum Punch. Als ich nach dem Rezept fragte bekam ich die Antwort: Du kaufst Fruit Punch und machst Rum rein (und Limetten, Zucker und Eis. Ist das Ergebnis nicht rot, kommt noch Lebensmittelfarbe dazu). Man darf also experimentieren…

Frittiertes Hähnchen mit Dumplings

Hausgemachte Chili-Sauce in einer Saftflasche
Papayas und eine Mango

Einmal vegetarisch bitte: Wir lassen das Fleisch weg und haben dann nur noch Rice and Peas und Gemüse
Kaffeebeeren direkt am Strauch

Frisch geerntete Plantain-Staude fürs Frühstück

Fritters über dem offenen Feuer ausgebacken. Der Koch von Welt greift statt zum Weinglas zum Spliff.

Frühstück: Fritters, frittierte Plantain und Chocho.
Grapefruit – deutlich süßer und weniger bitter als hier bei uns

Juneplum-Juice mit Zucker, Limette und Ingwer

Gedünsteter Fisch, Rice and Peas und Gemüse
Frittierter Fisch, Plantain und Festival
Das Essen der zweiten Woche zeige ich Euch demnächst, u.a. I-Tal Stew, Jerk Chicken und frische Kokosnuss…

12 von 12 im Juni

Man hangelt sich so von 5 zu 12, wa? Im Moment ist aber auch immens wenig Zeit zum Bloggen. Ständig feiert irgendwer irgendwas oder man muss zu Konzerten, Essensverabredungen oder ins Büro. Vielleicht wird es ab nächster Woche etwas besser, ich hab da noch einiges auf Halde. Jetzt aber erstmal 12 von 12. Die anderen gibt es bei Draußen nur Kännchen.
Zum Frühstück meine beiden Lieblingsfrüchte: Erdbeeren mit Mango-Joghurt. Ich halte es mit den Erdbeeren so wie Frau Schnips:
Im Büro sind alle im WM-Fieber, wenn auch nicht unbedingt immer aus sportlicher/fußballerischer Sicht. Die Kolleginnen kleben sich zum Beispiel Panini-Bildchen auf die Telefone… Und irgendwer meinte, wir müssten alle diese Fahnen irgendwo hinkleben. Ich wollte erst nicht, aber Frau Teamlead hat dann eigenmächtig meine Tastatur verschönert. Immerhin mit dem richtigen Winkelement – sie kennt mich gut. Ich könnte wohl mal meine Tastatur putzen…
Zum Mittag hatte ich Lust auf Chinesisch und ging daher mit @rammc zu China City und bestellte mir all das, was ich an der chinesischen Küche am liebsten habe: Gedünsteten Pak Choi mit ordentlich Knoblauch und dazu Glasnudeln, Morcheln und Bambussprossen. Mjam.
Danach machten wir einen Abstecher zum Lidl, der sehr ertragreich war, fotografisch gesehen… Pringoals hat also merkwürdige WM-Sorten…

…während hier jemand augenscheinlich Arizona Ice Tea kopiert…
…und diese Aktion wohl eher „Beef and Grief“ heißen sollte.

Zurück im Büro gab es dann doppelten Nachtisch: Das Goods-Team spendierte uns eine Runde Eis…

…und von Frau Teamlead gabs Muffins in Fußballform als Dankeschön für unseren Sondereinsatz letzte Woche.

Kurz vor Feierabend fiel zwei Kolleginnen auf, dass sie quasi gleichgemustert herumliefen.

Auf dem Rückweg las ich diese schöne Szene über Opa Kevin.
Zuhause bereitete ich mich auf einen Fußball-Abend allein vor – der Mann boykottiert diese WM aufgrund all der Dinge, die fragwürdig bis unwürdig gelaufen sind in der Organisation. Ich bewundere diese Haltung, kann mich aber der Tradition nicht ganz erwehren. So fährt der Mann also angeln (und hört dort das Spiel, weil Béla Réthys Kommentar über den ganzen See schallt… Und ich darf endlich mal wieder Rhabarber essen. Das Rezept in Kürze: Rhabarber in Ahornsirup marinieren, dann Wasser dazu und kurz aufkochen. Dazu gibts Vanille-Kokospudding aus Vanillepuddingpulver, Kokosmilch und Palmzucker. Nochmal Mjam.

Und dann geht das Spiel los – hier im Bild eine Aktion für den Frieden und wie es aussieht auch die Diversität. Immerhin etwas.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 6: Palermo

Nachdem das Essen am Vortag ja eher enttäuschend war, rettete das Frühstücksbüffet ein wenig die Ehre des Etablissements. Neben dem üblichen Süßkram gab es diverse Antipasti, Käse, Aufschnitt und eine Cassata – nicht so gut wie selbst gemacht, aber immerhin. Nach dem Aufbruch hieß unser erstes Ziel Erice. Dieses mittelalterliche Städtchen, dass sich um ein Kloster herum entwickelte, liegt auf dem gleichnamigen Berg in rund 750 Meter luftiger Höhe. Um dorthin zu gelangen, folgt man eine gefühlte halbe Stunde lang engen Serpentinen, mit immer wieder großartigen Ausblicken aufs Meer (und eine Schafherde). 


Oben angekommen wollte Tommy uns mal wieder mit dem Kopf durch die Wand führen. Buchstäblich, denn wir mussten unser Auto dann an der Stadtmauer zurücklassen und zu Fuß die letzten Treppen nehmen. Es muss aber auch andere Wege geben, denn oben gab es auch wieder vereinzelte Autos. Wir schlenderten durch die Gassen auf der Suche nach einer Pasticceria, die in unserem Reiseführer hochgelobt wurde. Sie war natürlich proppenvoll und wir kauften dort Köstlichkeiten als Mitbringel für Zuhause. Dann aßen wir ein Eis und beguckten die Schaufenster. Als wir Pistaziencreme entdeckten, mussten wir ein Souvenir- und Delikatessengeschäft betreten und sie mitnehmen (nicht ohne dass uns die Inhaberin zwang diverse Pestosorten auf vollen Frühstück- und Eismagen zu verkosten und dann sichtlich enttäuscht waren, dass wir wirklich nur die Pistaziencreme kauften.

Von Erice ging es dann weiter nach Palermo. Vor der Stadt hatte ich im Vorfeld ne Menge Respekt und habe sie mir „chaotisch und kriminell“ wie Neapel, nur nochmal schlimmer vorgestellt. Tatsächlich war ich damit, bis auf den Straßenverkehr zu Stoßzeiten, zumindest in der Innenstadt schief gewickelt. Zu keinen Zeitpunkt war mir irgendwie mulmig, auch das Auto bekam bis auf einen Parkkratzer nichts weiter ab (obwohl eine Zeitlang nicht abgeschlossen war *pfeif*) und die Stadt bezauberte uns mit gutem Wetter und vor allem den täglich stattfindenden Straßenmärkten.

Es gab die ersten „Monatserdbeeren“ des Jahres (zweimal eine 250 g-Schale voll für jeweils 1 € bzw. 1,50 €, gekochte Artischocken frisch aus dem Topf, frittierte Sardellen und Auberginen und eine Menge zu sehen.

Auch sonst hatte die Stadt eine Menge an Architektur, Street Art und Flair zu bieten. Den Sonnenuntergang verbrachten wir in guter Tradition in Wassernähe. Dann spazierten wir noch zum sizilianischen Parlament und dem Theater, in dem Teile des Paten gedreht wurden und dann beschlossen wir den Abend in einer kleinen Osteria voller Einheimischer. Die Kellner waren zwar etwas hektisch, das Essen jedoch sehr solide, wenn auch nicht besonders raffiniert. Gut bürgerlich eben, würde man hier sagen. Dazu was vom offenen Roten, das ist doch mehr als zufriedenstellend.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 5: Guarrato (Trapani)

Man müsste mal wissenschaftlich untersuchen, ob nach dem Höhepunkt-Tag eines Urlaubs immer ein nicht so guter Tag folgt und wenn ja, ob das dann nur gefühlt so ist, oder statistisch doch irgendwie zu rechtfertigen. So im Nachhinein betrachtet war dieser Tag jedenfalls im Vergleich irgendwie lasch. Dabei fing es richtig gut an – mit einem gemütlichen Frühstück im Wohnzimmer, inklusive frisch gebackener Croissants und hausgemachter Marmelade. Danach ließen wir uns vom Sohn des Hauses noch einmal durch Hof und Garten führen und von Oregano bis Hühnerstall alles zeigen. Er schenkte uns dann einen Rosmarinzweig sowie einen Zweig eines Strauches, aus dessen Blättern man einen Tee gegen Magenbeschwerden kochen kann (Inzwischen schon zweimal probiert und durchaus lecker und bekömmlich. Leider habe ich den Namen nicht verstanden und bisher durch Googlen auch nicht herausbekommen können.)

Dann kauften wir noch eine Flasche des hauseigenen Olivenöls und machten uns noch einmal auf den Weg nach Agrigento, in kulinarischer Mission. Wir hatten nämlich in einem fast 20 Jahre alten Reiseführer gewesen, dass man, wenn man an einer bestimmten Tür an einem Zisterzienserinnenkloster klopft, dort von den Nonnen hergestellte Paste di Mandorle, also Mandelkekse, kaufen kann, und wollten herausfinden, ob das immernoch so ist. Die kurze Antwort ist: Ja. 
Die lange Antwort ist, dass die Nonnen inzwischen keinem Schweigegelübde mehr folgen und uns fast ein Ohr abgekaut wurde. Wir sollten uns noch das Kloster oder zumindest die Kapelle zeigen lassen. Leider ist unser Interesse an Religion deutlich geringer als das an gutem Essen und da wir es auch etwas eilig hatten, mussten wir die gute Dame enttäuschen. Die Kekse waren hingegen recht lecker, aber es gab sie nur in einer festen, etwas überteuerten Zusammenstellung für 10 Euro. Nunja, haben wir eben auch mal die katholische Kirche unterstützt. Dafür können die sich jetzt zwei Heiligsprechungen auf einmal leisten.
Der nächste Programmpunkt war ein kleines Naturreservat, bei dem man sich sogenannte „Vulcanelle“, also kleine Vulkane anschauen konnte. Ich hatte als Island-vorgeprägte an so etwas wie Solfataren oder Fumarolen gedacht, mit ein wenig Blubber, Rauch und Schwefelgeruch. Tatsächlich handelte es sich aber nur um winzige Löchlein am Boden von Pfützen aus denen ab und zu mal kleine Gasbläschen aufstiegen. Nichtmal gerochen haben die. Und dafür fährt man nun extra ne halbe Stunde Umweg. Irgendwie… Underwhelming. Beim nächsten Sizilienbesuch müssen wir auf jeden Fall zum Stromboli, damit der Mann auch mal etwas Vulkan-Action zu sehen bekommt.

Als nächstes wurde die Scala dei Turchi abgehakt, ein großer, weißer, Treppenartiger Felsen direkt am Strand. Allerdings sah der von weitem auch nicht so spektakulär aus, so dass wir uns damit beschieden, endlich mal die Füße ins Mittelmeer zu tauchen, ein paar Muscheln einzusammeln und uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.
Weiter ging die Fahrt dann Richtung Trapani, einen Ort, den ich vor allem als den Herkunftsort des Mannes einer ehemaligen Italienischkurskollegin kannte. Wir hatten die Wahl gehabt zwischen einer Übernachtung in Marsala oder einer in Trapani und uns dann für Trapani entschieden. Im Nachhinein wäre Marsala wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen, denn Trapani war irgendwie langweilig und hässlich. Es gab zwar einen Weg am Meer entlang und wahnsinnig gutes Eis, aber verzehrt haben wir es inmitten von Müll, der direkt am Ufer herumlag. Ein paar nette Gässchen gab es dann doch noch, aber alles in allem ist Trapani keine Reise wert. 
Passend dazu war auch die Übernachtung nicht schön. Laut Webseite ein gemütlich-uriger Agriturismo inmitten von Oliven und Zitronen, mit afrikanisch angehauchter Küche nach Großmutters Rezepten entpuppte er sich eher als Landgasthof und Ausflugslokal, in dem Touristengruppen mit mittelmäßigem Essen abgespeist werden. Ich habe meinen Hauptgang kaum angerührt, weil ich ihn vor lauter Salz (und Haaren) gar nicht essen konnte. Auch die Vorspeisen und der Wein waren nichts besonderes und so endete der Abend früh und unbefriedigend in einem auch noch lauten Zimmer. Möp.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 4: Montaperto (Agrigento)

Nach dem Hostelfrühstück mit Cappuccino und frisch gebackenen Croissants machten wir uns auf, die zweite große Sehenswürdigkeit Siracusas zu besichtigen: Den archäologischen Park. Hier kann man durch das „Ohr des Dyonisos“ spazieren, griechische Altare und ein römisches Amphitheater sehen. Leider wurde es gerade für die sommerlichen Aufführungen griechischer Dramen hergerichtet, so dass die Bauarbeiten den antiken Charakter übertönten. So brachen wir recht schnell wieder auf gen Süden, zur barocken Stadt Noto.

Einen kurzen Spaziergang entlang des Boulevards mit sonnengelben, rötlich schimmernden Palazzi und ein Eis der angeblich besten Gelateria der Welt (Lonely Planet) später setzten wir uns wieder ins Auto und ließen uns von Tommy durch wunderschöne, wildmalerische Berge und Täler nach Agrigento leiten – zum Tal der Tempel.

Hier spazierten wir bei strahlendstem Sonnenschein zwischen den griechischen Tempelruinen umher. Durchaus beeindruckend, aber das Highlight des Tages fanden wir erst, als wir einem unscheinbaren Schild zum Garten der Kolymbetra folgten. Er ist das Ergebnis von Bewässerungsanlagen, die hier in antiker Zeit angelegt wurden und aus Agrigento eine der bedeutendsten griechischen Siedlungen machten. Heute ist der Garten eine Art botanische Ausstellung, vor allem von allen Zitrusbäumen von Kumquat bis Pampelmuse, aber auch Mandeln, Artischocken, Kakteen und anderen typisch sizilianischen Gewächsen. Der Clou: Man bezahlt 4 € Eintritt und darf sich dafür nach Herzenslust bei den Früchten bedienen. 

Wir pflückten Mandarinen, Apfelsinen, Blutorangen und  Zitronen direkt vom Baum oder sammelten sie aus dem Gras auf. Alles wurde verkostet (und danach noch pfundweise eingepackt). Bevor wir in den Garten kamen, hatte mein Kreislauf mir zu schaffen gemacht und ich wollte nur noch zu unserer Unterkunft. Nach dem Garten war ich rundherum glücklich und aufgedreht – Vitamin C-Überschuss wahrscheinlich 😉
An diesem Abend ging es dann auch zur besten Unterkunft, die wir auf dieser Reise hatten, dem Agriturismo Due Ganée. Der Biobauernhof ist bereits seit Jahrzehnten im Besitz der Familie und lebt vor allem von den Olivenbäumen und dem daraus hergestellten Olivenöl. Aber auch diverse Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter werden hier angebaut. Wir bekamen unser Abendbrot, ein Menü aus  hausgemachten Antipasti, Pasta mit Kirschtomaten und Ricotta, einem Schweinesteak und köstlichen Orangen, Wein, Espresso und selbstgemachten Limoncello im Wohnzimmer der Familie serviert. Vater Salvatore ist der Koch, sein Sohn spielte den Kellner und versorgte uns mit Smalltalk und Informationen zur Gegend. Vollgestopft und glücklich fielen wir danach gegen zehn Uhr todmüde ins Bett.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 2: Randazzo

Wir erwachten in unserem Hostel und machten uns direkt auf den Weg in die Stadt. Zwar hätte es dort Frühstück gegeben, aber wir waren uns sicher, dass es nicht so gut werden würde, wie in der nächsten Bar. Da sind wir verwöhnt von unserem Rom-Trip letztes Jahr. Wir besahen uns die Stadt also nun im Sonnenschein und bestaunten die Architektur die traditionell mit sehr viel schwarzem Lavagestein vom Ätna arbeitet.

Dann gönnten wir uns den ersten Cappuccino des Urlaubs und dazu ein Cannolo (er) und ein Mandeltörtchen (ich) sowie einen frisch gepressten Blutorangensaft (natürlich auch ich).

Da es Sonntag war und an diesem Tag der berühmte Fischmarkt zu hatte, machten wir uns nun direkt auf den Weg Richtung Ätna – mit einem Zwischenstopp am Eisladen und dem Vorsatz, den Fischmarkt am Abreisetag noch zu erkunden.

Zunächst ging es zwischen Orangen- und Zitronenhainen (voll behangen mit Früchten) auf unserer Tour rund um den Ätna bis nach Paternò, wo wir einen kleinen Spaziergang durch die Stadt machten und bis zu einer normannischen Burg emporstiegen. Die nächste Station war dann Adrano, wo wir aber nur kurz Rast machten – wir hatten ständig das Gefühl, dass unser Weg noch so weit wäre. Tatsächlichlich waren wir den ganzen Urlaub über aber meist viel kürzer unterwegs, als wir gedacht haben. In Bronte schließlich, einer Stadt, die für ihre Pistazien bekannt ist, wollten wir ein paar Leckereien als Mitbringel für Zuhause kaufen – immerhin hatten wir extra meinen riesigen und nur halbvollen Koffer mitgeschleppt. Vielleicht lag es am Sonntag, vielleicht an der noch nicht begonnenen Touristensaison – wir haben keinen einzigen Souvenirladen oder ähnliches gefunden. Dafür hat unser liebes Navi Tommy uns auf abenteuerliche Weise durch engste Gassen geführt und wir konnten es nur mit Mühe davon überzeugen, dass eine Kopfsteinpflastergasse mit Treppenstufen nicht der richtige Weg für unser Auto sein konnte.

Als letzter Programmpunkt stand das mittelalterliche Städtchen Randazzo für diesen Tag auf dem Plan, das wir uns aber für den Montag aufhoben. Ganz in der Nähe befand sich auch unsere Unterkunft, inmitten von Lavafeldern, Olivenhainen und Mandelbäumen. Wir bezogen unser Zimmer und veranstalteten erstmal eine kleine Siesta. Danach spazierten wir ein wenig durch die Gegend, machten Fotos vom Ätna und dem gegenüberliegenden Gebirgszug, streichelten ein Pferd und aßen eine Olive vom Baum (nicht nachmachen, die sind roh wahnsinnig bitter!). Irgendwann bekam ich Hunger und die Zeit bis zum Abendbrot schien sich noch endlos zu strecken. So ging der Mann los um mit seinen kaum vorhandenen Italienischkenntnissen den Mann an der Rezeption, der so gut wie gar kein Englisch sprach nach einem kleinen Snack zu fragen. Vielleicht ein bisschen Brot mit Käse und Tomaten oder so etwas. Nach einer Weile klopfte es dann an der Tür und ich bekam den ersten Zimmerservice meines Lebens serviert:

Der „kleine Snack“ war unwahrscheinlich lecker und wir danach pappensatt. So gingen wir dann auch erst zu einer für Süditalien annehmbaren Zeit hinüber ins Restaurant und hatten dort gar nicht mehr so wahnsinnig viel Hunger. Da ich wusste, dass die Gegend für ihre Pilze bekannt ist, bestellte ich nach den Antipasti einen Pilz-Grillteller und der Mann Kalbsschnitzel mit gegrilltem Gemüse. Wir waren so vollgefuttert danach, aber ich bestellte mir trotzdem noch ein paar Erdbeeren zum Nachtisch. Man musste ja ausnutzen, dass die Erdbeersaison dort schon begonnen hatte. Danach fielen wir sehr sehr müde ins Bett.

Reisetagebuch Kanada 2013 – Teil 3

Eins vorab: Elche haben wir nicht mehr gesehen, ebensowenig wie Bären, obwohl Schilder uns vor beidem warnten. Dafür gab es unzählige Eichhörnchen (in Grau-Braun oder Schwarz), Stachelschweine sowie einige Stinktiere und Waschbären (Roadkill) und Chipmunks. Die wuseln genau so zu zweit herum, wie man es aus einschlägigen Trickfilmen kennt und ich hatte danach ewig das Chip & Chap-Lied als Ohrwurm.
Doch zurück zum Reiseverlauf. Vom Fjord aus ging es dann, entlang des klassischen Korridors um den St.-Lorenz-Strom Schlag auf Schlag: Innerhalb von drei Tagen besuchten wir Québec City, Montréal und Ottawa.

Québec ist hundertprozentig die europäischste Stadt in Nordamerika und dazu die einzige mit einer erhaltenen historischen Stadtmauern. Die meisten späteren Gründungen wurden ohnehin direkt ohne geplant.
In Montréal waren wir in China Town essen und ich konnte mit Freuden feststellen, dass der Bubble Tea (ebenso wie in Toronto) hier immernoch und wie schon seit Jahren ein ungestörtes Leben führen kann. Schön, dass es solche Reservate gibt, in Berlin zweifelt man ja immer mal.
In Ottawa hat es leider geregnet, aber wir wollten ja sowieso ins Museum of Civilization, hier im Bildmitte dem Parlamentsgebäude im Hintergrund. Am nächsten Tag trafen wir uns dann mit lieben Freunden im Tyendinaga Mohawk Territory am Ufer des Lake Ontario und bekamen eine persönliche historisch-soziale Führung durch eines der größten Reservate Nordamerikas.
Danach war es wieder Zeit für Wildnis – zwei Stunden nördlich von Tyendinaga beginnt der Algonquin-Nationalpark und hier hatte der Indian Summer tatsächlich voll eingesetzt. Die Blätter waren so knallebunt, dass es fast wehtat beim Hinsehen. Wenn man das nicht gewöhnt ist, weiß man tatsächlich kaum, wo man all die Emotionen hinstecken soll, die allein durch das Sehen der Farben aufwallen. Nach jeder Straßenbiegung kam ein neues „Nee, oder?! Noch mehr?“ Man staunt fassungslos. Und nebenbei fühlt man sich wie in einem CGI-animierten Märchenfilm. Ist aber alles echt, glaube ich. (Fun Fact: Indian Summer bezeichnet tatsächlich nur das Phänomen von warmen Temperaturen tagsüber und Temperaturen um den Gefrierpunkt in der Nacht. Dass sich gerade zu dieser Zeit die Blätter färben spielt für die Kanadier sprachlich keine Rolle, heißt einfach nur „The leafs are turning“…)
Der nächste Tag führte uns auf die Niagara Peninsula. Das heißt natürlich, zumindest beim für den Mann ersten Mal: Ab zu den Fällen.
Sind ja auch echt beeindruckend. Drumherum nieselt es übrigens die ganze Zeit, weil der nach oben steigende Wasserdampf abkühlt und wieder nach unten fällt. Bei Sonne macht das supi Regenbögen. Also: Niagarafälle bitte gerne, aber man sollte sich nicht umdrehen, alles, was dahinterliegt, möchte man nicht wissen. But you can’t unsee it 😦
Den Rest der Zeit, immerhin 3,5 Tage verbrachten wir im großartigen Toronto, das fast so toll wie Berlin ist, aber dabei ganz anders.
Ein Besuch bei den Beaches lässt einen dann auch vergessen, dass das Meer mehrere 1000 Kilometer entfernt ist – größer und welliger als der Lake Ontario ist die Ostsee auch nicht wirklich. Und so endete unser Urlaub wo er begann: Am Wasser…