10.05.2023 – The longest day

Gestern erzählte ich den Freundinnen auf dem Weg zur S-Bahn noch, dass die Katzen mich jede Nacht mindestens einmal wecken, weil ihnen langweilig ist und dass ich froh bin, wenn was vor 5 Uhr passiert, weil ich dann nochmal einschlafen kann, ansonsten bleibe ich oft wach. Prompt wecken mich die Katzen heute kurz vor 5 und ich kann nicht wieder einschlafen. Möglicherweise bin ich aufgeregt vor dem langen Tag, vielleicht auch, weil mein Laptop im Büro ist und ich damit komme was wolle ins Büro muss und das alles schon wieder so viel logistischer Aufwand ist, der durch meinen Kopf wabert.

Jedenfalls gebe ich irgendwann das wieder Einschlafen auf und beginne mein übliches Morgenprogramm. Beim Anziehen denke ich, ich müsste heute etwas seriöser aussehen als das Indiemädchen, das ich gestern war, schließlich habe ich heute einen wichtigen Außentermin. Ich ziehe an, was mir dazu und zum Wetter passend erscheint und muss dann doch lachen, weil ich in Sneakers, Leggings, Flatterkleid, Ringelshirt und Trainingsjacke vor dem Spiegel stehe. Ringelshirt und Trainingsjacke, mehr Indiemädchen geht gar nicht. Aber ist egal, für den Außentermin geht das so. Dafür nehme ich eine Handtasche mit statt des Turnbeutels von gestern Abend, das muss an Seriosität reichen.

Das Müsli muss heute in einem Glas mit, denn auch mein Müslibecher ist ja noch im Büro. Außerdem habe ich meine Sporttasche für den Abend dabei, eine Mate für den Weg und Papier- und Restmüll für den Müllplatz, als ich die Wohnung verlasse. Muss insgesamt ein interessanter Anblick sein. Nachdem ich den Müll losgeworden bin, telefoniere ich auf dem Weg zur Tram mit dem Liebsten. In der Tram recherchiere ich etwas für ihn und schicke ihm zwei Links, dann ist das schonmal erledigt.

Kurz vor 9 bin ich dann im Büro, wo es heute voller wird als gestern, dafür aber nur ein Meeting ansteht. Ich komme also erstmal wieder ganz in Ruhe dazu, meine eingeschlossenen Sachen von gestern hervorzuholen, meinen Arbeitsplatz einzurichten, mein Müsli zuzubereiten, meine Wasserflasche aufzufüllen und an der Kaffeemaschine einen ausführlichen Plausch mit Kolleg*innen zu halten – über Stadtnatur, koreanische Fernsehserien und andere wichtige Dinge.

Dann lese ich Müsli löffelnd und Cappuccino trinkend meine E-Mails, arbeite am Großprojekt weiter, stimme mich dazu mit Leuten vor Ort ab, schicke eine Rundmail zu Gesundheitsangeboten, beantworte Fragen von Kolleg*innen, die auf dem Weg zum Klo alle an mir vorbei müssen, beantworte Fragen von Kolleg*innen über Chat, schreibe eine E-Mail an ein globales Team… Um 13:30 Uhr starte ich in meine Mittagspause und da keine*r der Kolleg*innen vor Ort zeitgleich Zeit und Hunger hat, nutze ich die Gelegenheit mal für etwas Abwechslung und fahre direkt mit der U-Bahn in Richtung meines Außentermins. Im Foodcourt der Mall am Leipziger Platz hole ich mir eine Pokébowl mit Lachs, die ich dann am Potsdamer Platz draußen sitzend verspeise. Idyllisch ist anders, aber wenigstens bewegt sich hier die Luft, anders als in der Mall.

Als ich fertig bin, spaziere ich rüber zum Termin und habe dort noch eine gute Viertelstunde, um auf einer Bank zu sitzen und in mein nicht-Diensthandy zu schauen. Dann trudeln nach und nach die anderen Teilnehmer*innen ein, einige kenne ich, andere noch nicht. Wir smalltalken und gehen dann nach drinnen in einen Seminarraum, wo die nächsten gut anderthalb Stunden eine Präsentation mit Q+A-Session stattfindet. Einer der Präsentierenden spricht sehr langsam, das ist in Kombination mit meinem verdauenden Magen und dem Umstand, dass ich zu diesem Zeitpunkt nach weniger als 5 Stunden Schlaf schon mehr als 10 Stunden wach bin etwas unglücklich, ich werde sehr müde, und muss meine ganze Kraft aufbringen, das nicht zu zeigen und trotzdem konzentriert zuzuhören. Zum Glück sind die anderen Präsentierenden und die Fragen der Zuhörenden lebhafter, so komme ich insgesamt gut durch.

Als der Termin vorbei ist, muss ich mich sputen, zurück ins Büro zu kommen, für das einzige Meeting des heutigen Tages. In der U-Bahn telefoniere ich mit dem Liebsten, ansonsten marschiere ich flinken Fußes und komme nur 4 Minuten zu spät zum Meeting mit einem Teil meines Teams. Dieser Teil hat heute sozusagen Großkampftag und es gilt, letzte Dinge abzusprechen und den Zeitplan zu koordinieren. Zum Glück habe ich meine Aufgaben dazu schon gestern abgeschlossen und kann mich da heute weitestgehend rausnehmen. Als das Meeting vorbei ist, ist es 18 Uhr und ich bin die letzte im Büro. Ich beantworte, was während meines Außentermins aufgelaufen ist, schreibe eine Zusammenfassung meiner Erkenntnisse des Termins für mein Team und packe dann alles zusammen, was ich in den letzten beiden Tagen ins Büro getragen habe und verteile es sinnig auf Laptoprucksack und Sporttasche.

Ich verlasse das Büro voll bepackt gegen 20 vor 7 und fahre mit der S-Bahn ins Fitnessstudio. Auf dem Weg esse ich den Schokoriegel, den ich gestern in der Mittagspause gekauft und dann vergessen hatte und telefoniere mit meinen Eltern. Es gibt halbgute Nachrichten aus dem Gesundheitsbereich und das ist ja immerhin schon mal besser als schlechte. Im Fitnessstudio angekommen habe ich Mühe, all meine Habseligkeiten im Spind unterzubekommen, aber irgendwie geht es und ich bin pünktlich 5 Minuten vor Kursbeginn im Wasser. Die Musikauswahl des heutigen AquaFitness-Kurses ist extrem gut, nur habe ich Mühe, meine diversen Gliedmaßen und die verschiedenen Bewegungsabläufe zu koordinieren und gleichzeitig korrekt mitzusingen. Irgendwas ist ja immer. Der Kurs ist gut und genau richtig anstrengend.

Nach den 45 Minuten lasse ich mich noch kurz im Wasser treiben und schüttele mich aus, dann geht es direkt weiter in die Sauna. Ich liege erst über die volle Sanduhrzeit von 15 Minuten in der weniger heißen Sauna, die ich über einen großen Teil sogar für mich alleine habe. Einmal kommt ein Mann rein und geht direkt wieder, als er mich alleine da sieht. Ich unterstelle in diesem speziellen Fall mal ein anderes Schamgefühl wegen Migrationshintergrund. Später kommt dann eine Gruppe von Männern dazu und bleibt. Immer wieder interessante Sozialstudien da.

Nach dem Saunagang brause ich mich kalt ab und ruhe mich kurz in einem Liegestuhl aus, dann geht es noch einmal in die ganz heiße Sauna, die heute auch leerer ist als sonst, was mir erlaubt, eine Stufe höher zu sitzen als sonst. Nach 5 Minuten ist mein Puls bei 140 und da es gerade wieder voller wird, nutze ich die offene Tür, um rauszugehen. Irgendwie traue ich mich noch nicht richtig, da aufs Ganze zu gehen. Ich brause mich kalt ab und gehe dann direkt in die Damenumkleide, wo ich dusche, mich anziehe, die Badesachen durch die Trockenschleuder jage und mir die Haare föhne.

Kurz nach 9 mache ich mich zu Fuß und mit der S-Bahn auf den Heimweg. Zuhause angekommen bekommen erstmal die Katzen ihr Abendessen, dann hänge ich die nassen Sachen auf und packe meinen Rucksack aus. Zum Abendbrot mache ich mir eine Frittata mit Mozzarella, die ich in Bärlauchbutter brate und dazu gibt es Tomatensalat und eine Orange-Vanille-„Feierabendlimo“.

Um 22 Uhr gibt es Essen und ein weiteres Telefonat mit dem Liebsten. Danach hänge ich auf dem Sofa rum und schaue mit Nimbin und Noosa Katzenvideos auf TikTok, bis um 23 Uhr der Call anfängt, für den mein Team in den letzten Tagen so viel vorbereitet hat. Im Vorfeld bekomme ich ständige Benachrichtigungen, weil To Do‘s fällig werden, die sind aber alle für andere Kolleg*innen, ich bin nur mit auf dem Verteiler. Der Call geht bis kurz nach halb, dann klappe ich den Laptop endgültig zu, trinke noch meine Limo aus und mache mich bettfertig. Kurz vor Mitternacht heißt es Augen zu, nach mehr als 19 Stunden Aktivität.

09.05.2023 – Ein lang erwartetes Fest

Dieser Dienstag ist so ein Tag, in den gleich mehrere hineinpassen. Ich erwache erst kurz vor dem Weckerklingeln, was für das Müdigkeitslevel gut ist, aber auch bedeutet, dass ich mich heute morgen sputen muss. Weil mein letztes Meeting heute erst 19 Uhr zu Ende ist, will ich zwar erst um zehn anfangen, muss da aber bereits pünktlich im Büro am Platz sitzen, idealerweise bereits mit Frühstück und Kaffee bereit, wegen Meetingmarathon und weiter Wege in die Büroküche.

Ich absolviere also die übliche Morgenroutine (Internet leer lesen, Niederländisch, Tschechisch, Italienisch, Bloggen, mit dem Liebsten telefonieren, Pflanzen gießen, Katzen füttern, anziehen) und muss dann unter Zeitdruck strategisch meinen Rucksack packen. Kurz nach 9 laufe ich mit einer Mate in der Hand los zur Tram (diesmal die richtige, schnellere). An der vorletzten Station erreicht mich die Nachricht, dass das 10-Uhr-Meeting auf den Nachmittag verschoben ist. So kann ich erstmal durchatmen und dann ganz entspannt den Büro-Tag beginnen. Kolleg*innen begrüßen (wir sind heute zu 8), Milch in mein mitgebrachtes Müsli schütten, Cappuccino aus der Maschine holen, Laptop anschließen, E-Mails überfliegen, auf Dringendes reagieren und nebenbei das Müsli essen), bis 10:30 Uhr der nächste Call ansteht – mit Warschau. Danach hintereinander ein anderthalbstündiges und ein halbstündiges Meeting – beide hybrid. Einer der Kollegen erzählt, dass er heute noch 3 Meetings hat und dann in den Urlaub startet. Zu diesem Zeitpunkt stehen für mich noch 7 Meetings an, ohne den Urlaub danach.

Um 13 Uhr verabschiede ich mich direkt in die Mittagspause – Hunger habe ich zwar noch nicht so richtig, aber das ist der einzige Zeitslot, der mir heute dafür bleibt. Ich hole mir im Supermarkt nebenan zwei kleine vegane Salate, einen Smoothie und einen Schokoriegel. Den ersten Salat (Couscous mit Hummus und Zitrone) und den Smoothie (irgendwas mit tropischen Früchten in einer Glasflasche und mit humanitärer Botschaft, mit Absicht nicht von True Fruits) verzehre ich dann doch direkt noch in der Büroküche, im Gespräch mit einem Kollegen. Wir vergleichen unsere sehr ähnlichen, aber von unterschiedlichen Symptomen geprägten (Long-)Covid-Historien. Das tut ganz gut, nachdem der Kollege in Warschau mir am Morgen, nachdem er sich besorgt nach meiner Erholung nach Covid No. 2 erkundigt hatte, erstmal sagte, dass er sich ja nur wegen der Reiserestriktionen habe impfen lassen und auch nur die dafür vorgeschriebenen zwei Male, da seiner Meinung nach ja nur alte Menschen an Covid erkranken. Das Gespräch war danach sehr schnell beendet.

Um 14 Uhr dann der nächste Call mit Warschau, thematisch unschön, aber menschlich sehr viel angenehmer als der am Morgen. Abseits vom Beruflichen vergleichen die Kollegin und ich unsere Erfahrungen mit Bob-Dylan-Konzerten. 14:30 Uhr dann Catch-up mit der Kollegin in Paris, die ihren ersten Arbeitstag nach Urlaub und Feiertag hat und von mir auf den neusten Stand gebracht wird. Der 15-Uhr-Call mit Georgia wird auf später am Tag verschoben und schlussendlich ganz abgesagt, was aber nichts macht, da wir noch später am Tag sowieso Team-Meeting haben. Ich nutze die unverhoffte Zeit für das Korrekturlesen eines wichtigen Dokuments, um das mich meine Managerin während der Mittagspause gebeten hatte, da sie inzwischen durch das viele Überarbeiten betriebsblind geworden war.

15:30 Uhr Catch-up mit der Kollegin in Südengland, danach weiter im Dokument bzw. in Projektmanagement-Tool, 16:30 Uhr ein Nur-Zuhören-Meeting in globaler Runde, 17 Uhr globale Gesprächsrunde mit der Women@-ERG mit sehr schönem Austausch zu Schwangerschaft und Elternschaft im Arbeitskontext sowie zu Menstruationsprodukten auf Büro-Toiletten. Sehr interessant, die verschiedenen Erfahrungen aus den USA, verschiedenen europäischen Standorten und Indien miteinander zu vergleichen, außerdem zumindest beim ersteren Thema auch je nach Hierarchieebene. Ein schöner menschlicher Moment in einem langen Arbeitstag.

Danach löffele ich schnell den zweiten Salat (Nudeln mit Pesto) während ich auf letzte Nachrichten reagiere und sich das Büro um mich rasch leert. Von 18 bis 19 Uhr ist dann schließlich unser Team-Meeting, bei dem es thematisch ausschließlich um die Aufgaben des heutigen und morgigen Tages geht. Was ist bereits erledigt, wo stehen wir bei den anderen Sachen, von wem brauchen wir noch Inputs und Approvals, wer macht wann was? Zwischendrin erinnert uns unsere Managerin daran, dass sie gerade fast rund um die Uhr arbeitet und das ihre eigene Entscheidung sei. Wir sollen sie ermahnen, wenn sie deshalb etwas von uns erbittet, das außerhalb unserer Arbeitszeiten liegt und uns schlicht weigern, das dann zu tun bzw. es an jemanden delegieren, in dessen Zeitzone es besser passt. Ich mag meine Managerin.

Nach dem Meeting schließe ich meinen Laptop und diverse andere Dinge weg und packe mir nur einen winzigen Rucksack mit Portemonnaie, Ladekabel, Kopfhörern, Diensthandy und Ticket, den ich mit in den Feierabend nehme. Es geht „mit dem Fuß und mit der S-Bahn“ ins Lido. Dort ist heute endlich, endlich das wegen der Pandemie dreimal verschobene Konzert der wundervollen Talking To Turtles. Ich komme kurz vor offiziellem Konzertbeginn an und treffe direkt vor der Tür die Freundin, die ich neulich zufällig beim Schwimmen wieder getroffen habe und die bei diesem Konzert aus Gründen auf der Freundeliste steht. Kurz danach kommt auch meine beste Freundin dazu, der ich das Ticket zum Geburtstag geschenkt habe.

Das Lido ist noch sehr leer. Wir holen uns ein Getränk an der Bar und setzen uns noch raus in den Hof, bis wir die ersten Töne der Vorband Sorry Gilberto hören und aus Höflichkeit und Respekt natürlich reingehen. Die Musik ist schön, aber noch nicht so richtig mitreißend, sie passt aber als Einstimmung sehr gut zur musikalischen Farbe des Abends. Wir holen uns ein zweites Getränk und dann wird es auch schon Zeit für den Haupt-Act, der wir jedes verdammte Mal einfach unfuckingfassbar gut und schön ist. Ich habe darüber glaube ich schon öfter gebloggt. Vom allerallerersten Gig bei einer Gartenparty im Brandenburgischen über Festivalauftritte, prall gefüllte Berliner Clubs und das 10-Jahre-Jubiläumskonzert im ehemaligen DDR-Fernsehstudio vor 5 Jahren bis heute Abend – nie ein enttäuschendes Konzert, immer glücklich strahlende Gesichter, bei mir, beim Rest vom Publikum und bei der Band. Hachz.

Auf dem Heimweg höre ich sie dann direkt noch weiter, eigentlich bis ich gegen halb 12 ins Bett krabbele, wo mich die Katzen schon sehnsüchtig erwarten und erstmal ausgiebig bekuschelt werden wollen, bevor ich schlafen darf.

08.05.2023 – Sunny Monday

Ich habe gut und lange geschlafen und wache zwei Minuten vor dem Wecker auf, so soll es sein! Ein weiterer Tag im Homeoffice steht an und so finde ich mich nach der Morgenroutine mit dem Laptop auf dem Balkon wieder. Der Arbeitstag verspricht, ruhig zu werden: Ein großer Teil meines Teams hat Feiertag, entweder, um den Tag der Befreiung zu begehen, oder zu feiern, dass man sich erneut einen gekrönten Haupt unterworfen hat. Der Rest von meinem Team schläft noch den Schlaf der Gerechten, ehemalig Kolonialisierten. Ich bin also ganz für mich und auch sonst sind heute insgesamt nur drei Meetings geplant, von denen noch zwei abgesagt werden.

Ich hake ganz produktiv Dinge von meiner To-Do-Liste ab, dann kommt doch noch eine dringliche Anfrage herein, um die ich mich mit voller Konzentration und ohne von der Sonne geblendet zu werden kümmern muss. Ich wechsle also nach drinnen an den Schreibtisch und höre meinen „Mix der Woche“, während ich mich in die Aufgabe vertiefe. Dann ist auch schon Mittagspausenzeit und ich gehe wieder nach draußen. Erst bringe ich aussortierte Kleidung zur Altkleidersammlung, dann hole ich mir ein Banh Mi. In dem Imbiss bestellt und bezahlt man direkt an einem Display an der Theke und wartet dann auf seine Bestellung – Zukunft und so. Ich nehme das Banh Mi in einer Mehrwegdose mit nach Hause und verzehre es rechtzeitig vor dem einzigen Meeting des Tages am Schreibtisch – sehr lecker!

Nach dem Meeting geht es weiter mit der Aufgabe und dann melden sich auch schon bald die amerikanischen Kolleg*innen zum Dienst und übernehmen nach einer kurzen Absprache. Ich kümmere mich noch um einen kleinen Zwischenfall im Großprojekt und verwende danach einige Zeit für eine wichtige E-Mail, die wohlformuliert werden will. Kurz vor 18 Uhr kann ich Feierabend machen. Ich nehme mir eine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel) und mein altes Küchenradio und gehe auf einen Abendspaziergang zum Wertstoffhof. Das Radio (mit Kassettendings) habe ich zu Grundschulzeiten geschenkt bekommen und es leistete mir lange Jahre treue Dienste, vor allem im Hörspielbereich, abends neben dem Bett und zum Kassetten aufnehmen. Irgendwann wurde dann die Stereoanlage wichtiger und erst Jahre später, als das Haus aufgegeben wurde, nahm ich es als Küchenradio mit nach Berlin. Inzwischen streame ich aber auch beim Radiohören meist und das Radio verklebte und verstaubte immer mehr. Heute wird es verabschiedet – witzigerweise während ich über Bluetooth-Kopfhörer Musik auf meinem Handy streame.

Wieder zuhause, mache ich mir Abendbrot. Es gibt gebackene Pastinaken mit Bärlauchbutter und Rinderschinken (alles in den Ofen, bis die Pastinaken weich und der Schinken knusprig sind), dazu grünen Salat mit Zitronendressing und hinterher Rhabarberpudding. Zum Essen gibt es TikTok, danach noch die beiden letzten Folgen Firefly Lane und dann wird auch schon wieder geschlafen.

07.05.2023 – Spielplatz und Schaumbad

Diese Nacht schlafe ich keine drei mal drei Stunden, aber trotzdem ausreichend aus. Kurz vor 9 ist die Nacht endgültig vorbei und das trifft sich ganz gut, denn ich habe noch viel vor. Mein Bruder ist ganz erstaunt, als ich schon halb 11 ein Foto von meinem Frühstück schicke – und das am Sonntag!

Das grüne da auf dem Brot ist übrigens Pistaziencreme. Beim Frühstücken telefoniere ich mit dem Liebsten, danach habe ich ein paar Hauselfendinge zu erledigen, während Nimbin weiter die Sonne genießt.

Ich räume die Spülmaschine aus und ein, siebe das Katzenklo durch (gotta scoop the poop!, wie ich auf TikTok gelernt habe), beziehe mein Bett neu, wische Staub, sauge die Wohnung und wische die Böden. Dann sitze ich wieder kurz auf dem Balkon, während die Böden trocknen. Ich ziehe mich an, nehme noch Müll mit herunter (Mein vorletztes Daunenkissen, das durch ein Loch seit einiger Zeit massiv Federn lässt, jetzt habe ich aktuell erstmal nur noch synthetische in Benutzung, bei den ganzen Allergiker*innen um mich herum vielleicht gar nicht so falsch.) und fahre dann mit einer Putz-Feierabendlimo (Pflaume-Kardamom) nach Charlottenburg.

Hier bin ich mit einer langjährigen Freundin (schon 21 Jahre, seit der ersten Uni-Woche) und ihren beiden Söhnen auf dem Spielplatz verabredet. Der große ist fast zweieinhalb, aber wegen der Pandemie habe ich ihn ingesamt erst so vier-, fünfmal gesehen. Der kleine ist vier Monate alt und wir haben heute Premiere. Beide sind blonde, blauäugige Bullerbü-Kinder und echte Berliner, sowohl Mamas als auch Papas Familie sind seit Generationen hier verwurzelt, nix mit zugezogen.

Wir holen uns in einem Café Kaffee (sie koffeinfrei, wegen des Stillens) und Kekse (Hafer- und Zitrone-Mandel) und setzen uns auf eine Bank, während der „Große“ buddelt. Dann verlagern wir das Gespräch an die Schaukel, dann an das Kletterhäuschen und schließlich wieder an den Sand. Der „Kleine“ schläft die meiste Zeit, hat aber zwischendurch mehrmals Durst und will strampeln, so dass ich auch ihn aus nächster Nähe sehen und halten kann.

Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Heimweg, meine Freundin muss zur Chorprobe und den Großen vorher noch dem Papa übergeben, der den Nachmittag für ein ausgedehntes Nickerchen genutzt hat. Vor der Verabschiedung gibt es aber noch E-I-S. Für mich dunkle Schokolade und Orange-Basilikum.

Wieder zuhause mache ich mir direkt Abendbrot (die Reste von gestern) und falle dann sehr erschöpft in die Badewanne. Danach lege ich mich direkt ins Bett, es ist aber erst kurz vor 8. Ich schaue noch die ersten vier Folgen des zweiten Batches der zweiten Staffel von Firefly Lane und mache dann kurz vor Mitternacht das Licht aus.

06.05.2023 – Die Erdbeeren sind da

Wie gestern schon verbloggt, habe ich diese Nacht drei mal drei Stunden geschlafen, mir quasi die Woche aus den Knochen geschlafen. Das tut gut! Für heute habe ich eine kleine To-Do-Liste, die ich aber schnell auf zwei Tage Wochenende verteile und dann kann ich ganz entspannt in den Tag starten. Nach dem normalen Teil der Morgenroutine mache ich mir und den Katzen Frühstück und nehme meins direkt wieder mit ins Bett. Es gibt Banana Pancakes aus zwei überreifen Bananen, zwei Eiern, zwei gehäuften Esslöffeln Mehl und Mineralwasser zum Verdünnen des Teigs, dazu Ahornsirup, einen Apfel und Schwarztee mit Milch.

Zum und nach dem Frühstück schaue ich mir – kritisch! – im Livestream der BBC die Krönungsfeierlichkeiten in London an. Als Anglistin, Politikwissenschaftlerin und popkulturell Interessierte ist es ja durchaus nicht uninteressant anzusehen, auch wenn es sich insgesamt ganz schön zieht. Beeindruckende Musik, archaische Rituale, fragwürdige religiöse Bezüge, symbolhafte Auftritte von Gospelchören, indigene Trachten tragende Vertreter*innen der einst kolonialisierten Völker, die Ernsthaftigkeit, mit der gewählte Volksvertreter den Quatsch mitmachen, der mutmaßliche Sexualstrafstäter in der 5. Reihe neben dem, der sich einfach nur weigert, weiter mitzuspielen und trotzdem einen Teil des Geburtstags seines Sohnes für das hier verpasst… Es gibt viel zu sehen, entdecken und durchdenken bei diesem Spektakel, dass für viele „once in a lifetime” sein dürfte. Ich hoffe ja persönlich, dass ich für mindestens noch eins davon am Leben bin, allerdings noch mehr, dass der Kram noch vorher abgeschafft wird.

Dann ist es auch schon 16 Uhr und langsam mal Zeit, aufzustehen. Draußen ist es kalt und grau, sonst hätte ich mir den Tag vielleicht auch anders vertrieben. Jetzt gehe ich aber doch raus – bei 8 Grad im Wintermantel! – und mache die geplanten Erledigungen, für die es geöffnete Läden braucht. Ich bringe zwei Pfanddosen vom Russischbestellen am Montag zurück, kaufe mir ein paar Übertöpfe für die Balkonpflanzen im Haushaltswarenladen, hole noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt und nehme unterwegs die ersten richtigen Erdbeeren des Jahres am Erdbeerhäuschen mit. Sie sind noch teuer (aber nicht teurer als letztes Jahr) und nicht süß genug, aber duften und schmecken schon original aromatisch. Das wird in den nächsten Wochen alles noch besser und günstiger, aber Rituale sind Rituale!

Wieder zuhause mache ich mich ans Abendessen. Während die Ofenkartoffeln vor sich hin backen, bereite ich eine Bärlauchbutter zu, schnipple Salat (Lollo bionda mit Radieschen und Joghurt-Dressing mit Kräutern vom Balkon), zuckere die Erdbeeren, mische Almdudler-Sirup mit Mineralwasser und brate vegane „Frikadellen“ an. Mir war zu diesem Essen nach Buletten gewesen, ich wollte aber keine selbst machen und fertige gab es nicht in Bio-Qualität, also griff ich zu den veganen, die aber leider viel zu süß schmecken. Naja, wieder was gelernt. Zum und nach dem Essen schaue ich die letzten beiden Folgen „The Diplomat“.

Danach beginne ich mit der neuen Staffel „Bridgerton“ und nutze die Gelegenheit, die kuscheligen Katzen ordentlich zu bürsten und jede Menge Haare herauszuholen. Jetzt im Frühling Haaren sie noch mehr als sonst und da sowohl der Mitbewohner als auch der Liebste allergisch sind, ist das nicht nur ein rein optisches Problem. Gegen 23 Uhr mache ich mich bettfertig und kaum liege ich, schlafe ich auch schon wieder ein.

05.05.2023 – Schritte, physische und andere #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Ach guck, 5.5.23. Das Datum ist mir auch erst aufgefallen, als ich Frau Brüllens Blogeintrag heute morgen las – ein Insider für Leser*innen der Illuminatus-Trilogie und ihrer Derivate. Nun aber…

Ich schlafe bis zum Weckerklingeln halb 8 und beginne die gewöhnliche Morgenroutine. Internet leer lesen, Niederländisch und Tschechisch auf Duolingo, Italienisch auf Babbel, mit dem Liebsten telefonieren, Balkonpflanzen begießen, Katzen füttern, mich tagfein machen. Der Arbeitstag fängt so richtig um halb 10 an, mit der monatlichen virtuellen Kaffeerunde der deutschen Kolleg*innen und Gesprächen über die Meisterschaft von Neapel, die Pläne fürs Wochenende, neue Strategien des neuen CEO, was sich im Marketing gerade tut… Ein lockerer Austausch an der virtuellen Kaffeemaschine, den wir aus der Pandemie in die neue Remote-/Hybridarbeitswelt mitgenommen haben.

Das Meeting danach verschiebe ich auf später am Tag, denn ich will noch rechtzeitig in meine Hausarztpraxis kommen, um eine Überweisung abzuholen. Die liegt da seit Dienstag, aber bisher hatte ich keine Chance, während der Öffnungszeiten dort zu sein. Bei schönem Frühlingswetter spaziere ich also dort hin und höre nebenbei auf radioeins einer Debatte über die häufigen Streiks der letzten Zeit zu. Sehr schön: Weder Moderatorin noch Hörer*innen sagen irgendetwas negatives über Streiks oder die Streikenden, stattdessen geht es um Verbesserungen des Streikrechts und wie mehr Arbeitende in Gewerkschaften und tarifgebundene Arbeitsverhältnisse kommen können, um überhaupt ein Streikrecht zu haben.

Zurück aus der Praxis mache ich mir dann endlich ein Müsli mit Apfel zum späten Frühstück. Ich arbeite To Do‘s ab, beantworte Fragen und koordiniere Abläufe im Großprojekt (dies auch schon von unterwegs auf dem Handy). um 12 ist das nächste Meeting, wieder mit deutschen Kolleg*innen, aber in kleinerer Runde, bei dem wir uns über unsere Fortschritte in einem Projekt auf dem Laufenden halten und nächste Schritte beraten. Danach habe ich das vom Vormittag verschobene Meeting mit einem Kollegen hier in Deutschland.

Jetzt braucht mein Kopf eine kurze Pause, auch wenn mein Bauch noch nicht wieder Hunger hat. Ich setze mich für eine halbe Stunde aufs Sofa, kuschelt mit den Katzen und gucke, was die sozialen Medien sagen. Es kommen aber schnell wieder Großprojekt-Nachrichten rein und ich gehe zurück an den Schreibtisch. Ich kläre letzte Ungereimtheiten und organisiere mit Hilfe von Kolleg*innen in Großbritannien, Spanien, Indien und den USA, das alle Schritte, die bis heute Abend amerikanischer Zeit zu erledigen sind, auch getan werden können. Nebenbei räume ich in dem Google Doc auf, das wir gemeinsam für das Projekt nutzen und trage außerdem Schritte in das Projektmanagement-Tool ein, zu dem nicht alle Teilnehmenden Zugang haben. Da steht dann als Aufgabe von mir sowas drin wie: „Mit X über Y gesprochen und Z entschieden.“

Um 15 Uhr ist wöchentliches Teammeeting, allerdings sind drei von uns nicht da. Ich spreche mit meiner Managerin in Nordengland und der Teamkollegin in Georgia letzte Dinge ab und wir entwerfen einen Notfallplan für den Fall, dass der Kollege an der amerikanischen Westküste, dessen Zuarbeit wir dringend noch benötigen und der aber noch schläft, seinen Part nicht rechtzeitig abliefern kann. Nach dem Meeting schreibe ich meinen Wochenbericht und telefoniere nochmal kurz mit dem Liebsten, bevor ich um 17 Uhr das potenziell wichtigste Meeting der Woche mit einer Kollegin in Illinois habe. Es wird dann aber deutlich weniger aufregend als vorher möglich schien und so kann ich 17:30 Uhr entspannt Feierabend machen.

Ich rufe wieder den Liebsten an und berichte ihm, dann schnappe ich mir eine Feierabendlimo (Blaubeere-Salbei) und treffe mich mit dem Lieblingsnachbarn auf einen ausgedehnten Spaziergang. Gegen 19 Uhr meldet der Kollege von der Westküste Vollzug und ich kann meinem Team Entwarnung geben.

Wieder zuhause bekommen die Katzen Abendbrot und ich koche mir Spaghetti mit Tomatensauce, in die heute ein paar eingelegte Peperoncini wandern. Seit ich heute Morgen im Italienischkurs von den peperoni cruschi in Matera gelesen habe, ist mir nach etwas warmer Schärfe. Das Foto zeigt den ersten Teller, der zweite hatte mehr Sauce.

Für die Abendunterhaltung habe ich heute mal Lust auf etwas ganz anderes. Auf Netflix gibt es (neuerdings?) „Kein Pardon“ und weil das einer dieser deutschen Kultfilme ist, die ich noch nie gesehen habe, aus denen aber recht häufig zitiert wird, schaue ich mir den an. Ist ganz witzig, aber wahrscheinlich hätte man ihn damals gucken müssen, um die Begeisterung zu verstehen.

Danach überfällt mich eine furchtbare Müdigkeit, ob das das Spaghetti-Koma, die über 12.000 Schritte, die anstrengende Woche, Long Covid oder einfach Frühjahrsmüdigkeit ist, weiß ich nicht. Ich liege aber Punkt 22 Uhr im Bett und schlafe dann – mit den üblichen Unterbrechungen durch gelangweilte Katzen – drei mal drei Stunden.

04.05.2023 – Balkon-Office und Gespräche

Nachdem es ja gestern spät wurde, lasse ich mir heute Zeit mit dem Wach- und Fertigwerden. Außerdem freue ich mich, nach zwei Tagen im Büro wieder im Homeoffice zu sein und zum Beispiel vormittags auf dem Balkon arbeiten zu können und in der Mittagspause die Waschmaschine anzuschmeißen. Nach dem üblichen Morgenprogramm sitze ich also kurz vor 10 Uhr mit Müsli, Tee, Laptop, Katze und Sonnenbrille auf dem Balkon in der Sonne und beginne zu arbeiten.

Aus einem Chat mit einer Kollegin in Warschau wird schnell ein Videotelefonat, da sie mir einen etwas komplexeren Vorgang erklären möchte. Das zieht sich dann über eine halbe Stunde, bis der nächste Call ansteht, ein regelmäßiger Catch-up mit einer Kollegin in Dublin. Der geht dann fließend über in ein Kick-Off-Meeting zu einem neuen Thema, diesmal nur mit drei deutschen Kollegen und somit das erste Mal heute – bis auf das Telefonat mit dem Liebsten – dass ich Deutsch spreche (mit dem Mitbewohner Englisch, mit den Katzen meist Miauisch). Während dieses Calls ruft eine Kollegin per Telefon an, die ich nach dem Meeting zurückrufe. Wir telefonieren, während ich den Laptop nach drinnen auf den Schreibtisch umziehe, da die Sonne jetzt um die Hausecke herum ist und im Schatten nur 11 Grad sind.

Dann koordiniere ich noch fix ein paar Dinge mit Kolleginnen in London und Valencia per Chat, bevor es in die Mittagspause geht. Ich mache mir die Reste der roten und gelben Bete von Dienstag warm, dazu gibt es den Rest Heringssalat. Das esse ich auf dem Sofa sitzend, während ich schaue, was in der Welt heute sonst so los ist. Eine halbe Stunde später bin ich zurück am Schreibtisch. So langsam sind die Kolleg*innen in den USA wach und auch mit denen gibt es viel zu klären.

Vorher dann noch schnell ein spontaner Call mit meiner Managerin, die in Nordengland auf einem Bauernhof wohnt und mir interessante Neuigkeiten überbringt. Das Gespräch beginnt mit „So this is a strange one…“ und endet mit „So this is your Thursday thing to think about.“ Indeed… Aber erst später. Zuerst habe ich ein Meeting mit meiner Kollegin in Smyrna bei Atlanta. Es beginnt mit ihren Erzählungen und Sorgen über den „active shooter“, der gestern in ihrer Nachbarschaft von der Polizei aufgegriffen wurde, während sie mit ihrem kleinen Sohn im Auto unterwegs war und über die unsäglichen Waffengesetze in den USA. Danach sprechen wir über das Großprojekt und ich gebe ihr eine Einführung in das Tool, das sie dafür benutzen muss.

Mit kurzer Pause geht es dann weiter in den nächsten Call, mit einer Kollegin in der ältesten Stadt Englands. Wir reden über die anstehenden Krönungsfeierlichkeiten und die Beerdigung, auf die sie morgen geht und dann führt sie mich in ein Tool ein, dass ich zukünftig benutzen werde.

Dann ist es 17 Uhr. Ich mache noch ein paar Abstimmung mit verschiedenen Leuten im Rahmen des Großprojekts und verabrede mich nebenbei mit einer Freundin (und Kollegin, aber beruflich haben wir keine Berührungspunkte mehr) im ländlichen Frankreich zu einem Walk and Talk. Kurz vor 18 Uhr nehme ich mir eine Wostok-Feierabendlimo (Estragon-Ingwer), ziehe die Kopfhörer auf und gehe nach draußen. Nach ein paar Metern ruft sie an und wir telefonieren die nächsten zwei Stunden, während ich durch den Kiez spaziere. In einem Park setze ich mich nochmal kurz und beantworte auf dem Diensthandy zwei Anfragen zum Großprojekt. Außerdem im Park: Vier deutlich erwachsene Menschen, mindestens Ende 20, die oben in einem Ahornbaum sitzen und kiffen. Berlin…

Gegen 8 bin ich schon längst wieder drinnen, als der Liebste anruft und ich nahtlos den Gesprächspartner wechsele. Das sind dann aber nur so zehn Minuten. Danach gehe ich in die Küche, wo der Mitbewohner am Kochen für sich und einen Freund ist. Wir erzählen uns die neusten Neuigkeiten, während ich mein Abendbrot zubereite. Es gibt ein Sandwich mit Rinderschinken, Ziegengouda, saurer Gurke und körnigem Senf und dazu eingelegte Artischocken und Tomaten und den Rest vom Salat von Dienstag.

Zum Essen und danach schaue ich eine Folge „The Diplomat“. Dann hänge ich noch die Wäsche auf, die ich über die ganzen Gespräche vergessen hatte, und mache mich bettfertig. Im Bett gibt es noch ein wenig TikTok zum Runterkommen und dann ist kurz nach 22 Uhr Schlafenszeit.

03.05.2023 – 13 Jahre

Ich hatte ja durchaus geplant, dass der Wecker schon um 7 klingelt, weil es wieder ein Bürotag wird, aber dass ich dann schon kurz vor halb 6 wach werde (danke Nimbin!) und dann nicht wieder einschlafen kann, das war so nicht geplant. Immerhin kann ich so ganz in Ruhe wach werden, das Internet leer lesen, Katzenfutter nachbestellen, als mein Mund wach genug ist auch Niederländisch, Tschechisch und Italienisch (heute Sizilianisch, damit endet die Reise durch die Regionalsprachen) machen und bloggen. Kurz vor 8 stehe ich dann auf.

Der Bürorucksack ist noch von gestern gepackt, das gestern vergessene Müsli kommt direkt dazu. Dann nur noch Anziehen, Balkon gießen und Katzen füttern, den Liebsten anrufen (aka als seine Weckerin fungieren, da er seinen eigenen Wecker verschlafen hat) und dann kann es auch schon losgehen, wieder mit der Mate in der Hand, ganz lässige Berliner Digitalworkerin. Diesmal gehe ich auch direkt zur „richtigen“ Tramhaltestelle, nur um dann festzustellen, dass auf einem Teil der Strecke ausgerechnet diese Woche Schienenersatzverkehr ist. Allerdings erst ab 9 und da ich früh unterwegs bin, komme ich zum Glück noch durch. Bis auf das letzte Stück, denn an der vorletzten Haltestelle gibt es ein Problem mit den Schaltsignalen, die Tram steht länger und viele Menschen steigen aus. So auch ich, dann bekomme ich auch noch ein paar mehr Schritte rein – bald will ich auch wieder ins Büro laufen.

Ich komme kurz nach 9 im Büro an und hole mir als erstes Milch für mein Müsli und einen Cappuccino. Dabei laufe ich direkt zwei Kollegen in die Arme, die mir gratulieren. Ich habe nämlich heute 13jähriges Firmenjubiläum. Damit bin ich in der Berliner Digitalworker*innenszene definitiv eine Rarität, bei uns in der Firma global gesehen auch, aber hier in Deutschland gibt es durchaus noch eine Handvoll Leute, die dieses Jahr die 13 Jahre knacken (und zwei, die das sogar schon vor mir getan haben). Deutsche Arbeitsgesetze sei Dank, würde ich mal sagen. Und ein sehr familiäres Arbeitsumfeld trägt natürlich auch dazu bei.

Eigentlich beginnt der Mittwoch ja immer mit drei Stunden Fokuszeit, in der man ohne Meetings ungestört Dinge abarbeiten kann. Das gilt aber leider nicht mehr für alle Abteilungen und die, für die das am wenigsten gilt, hat ausgerechnet mittwochs ihren Bürotag. Von daher fällt das konzentrierte Arbeiten direkt mal hinten runter, ich werde ständig angesprochen, nach Dingen gefragt oder einfach so in Gespräche verwickelt. Als es gar nicht mehr geht, muss ich mir Kopfhörer aufsetzen und die Musik sehr laut machen. Großraumbüro eben… Aber genau dadurch bekomme ich auch überhaupt erst mit, dass einer der Stakeholder in meinem Großprojekt den Rest der Woche Urlaub hat und kann schnell noch mit seinem Manager das Nötigste klären, um diese für mich überraschende Abwesenheit aufzufangen und ein loses Ende festzuzurren.

Dann ziehe ich mich für den ersten Call des Tages in einen Meeting-Raum zurück. Mir wird wieder gratuliert, es wird ein wenig strategisiert und dann verabschiede ich einen lang(11,5-)jährigen Kollegen, der heute seinen letzten Tag in der Firma hat. Damals haben wir interessanter Weise im gleichen Team angefangen, dann schlug er einen anderen Weg ein. Zunächst waren wir räumlich noch eng beieinander und er war dadurch ein enger Begleiter der ersten Beziehungsmonate zwischen mir und dem Hasen (auch das ist jetzt schon fast 11 Jahre her) und dann ging seine Karriere steil und bis heute hat er es zu einem Global-Director- und einem Geschäftsführertitel geschafft. Wir verabschieden uns recht emotional.

Danach gehe ich mit einem Kollegen in die Mittagspause. Wir holen uns Döner (ich vegetarisch) und setzen uns damit in die Frühlingssonne. Die Gespräche drehen sich heute hauptsächlich um Musik und Musikkultur. Nach dem Döner gibt es noch ein Eis aus dem Supermarkt und dann geht es zurück an den Schreibtisch. Jetzt habe ich wirklich mal kurz etwas Zeit für konzentriertes Arbeiten bis nach einer Stunde das nächste Meeting ansteht. Diesmal geht es um ein kreatives Brainstorming zu dritt und ich merke, wie es meinen gestressten Kopf entlastet. Das hat Spaß gemacht!

Dann folgen erst anderthalb Stunden wilde Projektkoordination mit zwischendurch einem schnellen Übersetzungsauftrag und danach wieder eine Stunde Call, diesmal innerhalb meines eigenen Teams, von dem derzeit zwei Leute im Urlaub sind und eine der Anwesenden „nebenbei“ Corona hat, aber trotzdem arbeitet, mit kleinem, ebenfalls Corona-positivem Kind daneben. Es gilt also, Aufgaben sinnvoll umzuverteilen und uns gegenseitig auf den dafür nötigen Stand zu bringen. Kurz vor 18 Uhr sind wir fertig und ich schreibe dann noch eine zusammenfassende, übersichtliche und hoffentlich nicht überwältigende E-Mail an die Corona-Kollegin mit den Dingen, die sie bis zum Ende des amerikanischen Arbeitstages für mich im Auge behalten soll und außerdem eine zweite an die Brainstorming-Kollegin von vorhin mit dem Input, dem meine Chefin uns gerade noch gegeben hat.

Kurz nach halb 7 verlasse ich dann endlich das Büro und mache mich auf Richtung Fitnessstudio. Viertel 8 bin ich im Wasser und schwimme gemächlich ein paar Bahnen, bevor halb 8 der AquaFitness-Kurs losgeht. Eine Dreiviertelstunde wird intensiv trainiert (also ich so intensiv, wie mein Körper es gerade zulässt), danach geht es noch in zwei verschiedene Saunen. Auf dem Heimweg trinke ich eine „Trinkmahlzeit“ mit „Erdbeergeschmack“. Die gab es heute kostenlos im Büro. Sie dient mir sowohl als Feierabendgetränk als auch als proteinreiches Abendbrot und schmeckt wie flüssiger Erdbeerpudding oder dickflüssiges Kabafit. Genuss ist jedenfalls anders.

Währenddessen schaue ich in der S-Bahn, was es Neues in Sachen Projekt gibt. Ich muss noch einen Kommentar in einem Dokument beantworten und außerdem lese ich von der Bombenentschärfung in der Nähe unseres Büros morgen und schreibe eine Nachricht an die Belegschaft. Leider kann ich beides nicht abschicken. In der Umkleidekabine ist mein Diensthandy runtergefallen und dabei ist die SIM-Karte verrutscht. Also erstmal nach Hause. Dort angekommen füttere ich die Katzen und hänge meine nassen Sachen auf. Dann hole ich die SIM-Karte aus dem Handy und setze sie neu ein. Jetzt geht alles wieder. Ich erledige die beiden Sachen, schreibe noch eine Nachricht an die Corona-Kollegin und habe dann um 22 Uhr wirklich Feierabend.

Ich telefoniere nochmal kurz mit dem Liebsten, der mich mit „Na, Sporty Spice?“ begrüßt, und trinke dann Schluck für Schluck meine Trinkmahlzeit zu Ende aus, während ich meine abendliche Runde durchs Internet drehe. Während der Arbeit komme ich ja aktuell zu so gut wie nix! Die Biokistenbestellung für Freitag muss noch raus und dann mache ich mich bettfertig. Kurz nach 23 Uhr schlafe ich zu den ersten Minuten eines Podcasts („Halbe Katoffl“ mit Gast Paul Bokowski) ein. Morgen werde ich definitiv Muskelkater haben!

02.05.2023 – Montagsdienstag im Büro

Mein Wecker klingelt heute früher, da ich im Büro verabredet bin. Ich lese das Internet leer, mache Niederländisch, Tschechisch und Italienisch (heute: Neapolitanisch), blogge und telefoniere mit dem Liebsten. Dann stehe ich auf, begieße den Balkon, ziehe mich an, füttere die Katzen und packe meinen Rucksack. Bei Frühlingswetter und mit der entsprechenden Kleidung (inkl. Sonnenbrille), verlasse ich mit Musik auf den Ohren und Mate in der Hand die Wohnung. Ganz automatisch laufe ich zur Tramstation, erst beim Einsteigen fällt mir ein, dass die andere, mit dem schnelleren Weg, ja inzwischen auch wieder fährt. Das kommt davon, wenn man so selten im Büro ist!

Ich nehme also den etwas längeren Weg, bin aber trotzdem fast pünktlich im Büro. Als erstes geht es in die Küche. Ich hole mir einen Cappuccino und stelle fest, dass ich mein Müsli zuhause auf der Küchentheke habe stehen lassen. Ein Kollege hilft mir mit ein paar Haferflocken aus, die ich mit Hilfe der Mikrowelle und etwas Honig und Zimt in Porridge verwandle. Dann gehe ich an meinen Schreibtisch, begrüße zwei andere Kollegen (insgesamt sind wir heute zu sechst, von um die 50 in Berlin) und baue meinen Laptop auf.

Ich frühstücke, lese E-Mails und bringe mich bei meinem Großprojekt auf den neusten Stand. Da bis auf die amerikanischen Kolleg*innen alle anderen Beteiligten auch gestern Feiertag hatten, habe ich nicht allzuviel verpasst. Um 10 verschwinde ich in einem Meetingraum und komme da knapp drei Stunden nicht wieder raus. Eigentlich bin ich wegen dieses Meetings extra ins Büro gekommen, aber der Kollege, den ich hier hatte treffen wollen, ist noch erkältet und deshalb zuhause geblieben. Hmpf. Am Ende ist es aber doch ganz gut, dass ich vor Ort bin, so kann ich ein paar Dinge in Akten nachschlagen, die wir schon seit ein paar Tagen klären wollten.

Nach dem Meeting schwirrt mir der Kopf. Ich beantworte nur noch schnell ein paar Chatnachrichten und mache dann Mittagspause. Im Foodcourt nebenan hole ich mir einen vegetarischen Burrito mit Extra-Guacamole, den ich in der Büroküche im Gespräch mit einem Kollegen esse. Außerdem konferiere ich mit der Sportfreundinnengruppe über die Pläne für morgen und schaue was in der Cousins- und Cousinengruppe zu unseren Plänen für den Sommer und Herbst abgeht.

Danach scanne ich die Akten ein, die ich gefunden habe. Unterbrochen von vier weiteren Meetings am Nachmittag arbeite ich weiter am Großprojekt. Zwischendurch ruft auch noch meine Hausärztin mit den Ergebnissen der Blutuntersuchung vom Freitag an – soweit alles im Normbereich, ich werde mir aber diese Woche noch eine Überweisung für weitere Untersuchungen abholen gehen. Kurz nach halb 6 verlasse ich dann das Büro (als Vorletzte) und beschließe, mal wieder so weit ich es schaffe, nach Hause zu laufen.

Ich höre die ersten drei Folgen des Podcasts „Boys Club“ über Springer und die Reichelt-Affäre und laufe wieder bei schönem, aber kühlem Frühlingswetter. Glück gehabt, tagsüber war es ganz schön grau! Zwischendrin beantworte ich auch noch eine E-Mail zum Großprojekt (die vielen Zeitzonen…). Außerdem hat der Mitbewohner geschrieben, dass die Spülmaschinentabs alle sind. Ich kehre also auch noch beim Bio-Supermarkt ein und kaufe bei der Gelegenheit auch noch Kartoffeln und MSC-zertifizierten Sahneheringssalat (Ich dachte, es gibt keinen Hering mehr mit Zertifikat?? Muss ich recherchieren).

Die letzten 10 Minuten laufe ich dann schwerfällig, da schwer bepackt, ansonsten ging es gut zu Fuß. Zuhause angekommen (schon nach 7) stelle ich als erstes die Waschmaschine an und werfe dann zwei gelbe und zwei rote Beten in den Backofen. Dann hole ich mir ein Feierabend-Wostok vom Balkon (Tannenwald), plausche mit dem Mitbewohner über seinen ersten Arbeitstag im neuen Job, telefoniere mit dem Liebsten und mache den Rest vom Essen fertig. Zu den Beten gibt es Heringssalat und saure Gurken, außerdem Kopfsalat aus der Biokiste mit Zitronen-Ahornsirup-Dressing.

Dann schaue ich die neue (und letzte) Staffel „Workin‘ Moms“ zu Ende – 13 Folgen à 22 Minuten gehen hier easy an zwei Abenden über die Bühne. Als die Waschmaschine durch ist, mache ich noch eine weitere Folge „Boys Club“ an und höre sie beim Wäsche aufhängen, Katzenklo durchsieben und Zähne putzen. Gegen halb 12 mache ich das Licht aus.

01.05.2023 – Heraus zum ersten Mai

Ich war schon wieder vor 7 wach und lese erstmal das Internet leer, bis des Liebsten Wecker klingelt und er Kaffee bringt. Das Teilzeitkind wird um 9 abgeholt, wir bleiben noch bis halb 11 liegen. Dann deckt der Liebste den Frühstückstisch, während ich die beiden kleinen Waldmeistersträußchen, die ich gestern Mittag aufgehängt hatte, in die beiden Mate-Flaschen, die ich vorgestern gesäubert hatte, hänge und eine Flasche Riesling auf die beiden Flaschen verteile. Dann kommen jeweils noch 100 ml Sekt hinzu und das Ganze bleibt während des ausgedehnten Frühstücks so stehen.

Beim Essen unterhalten wir uns über den ersten Mai, über Berliner Lokalpolitik, Beziehungsdynamiken zwischen uns (Ich glaube ich war noch nie in einer so entspannten Beziehung, was diese Art Gespräche angeht.) und unsere Pläne für den Tag. Als wir gerade fertig sind, kam die Mitbewohnerin des Liebsten von ihrem Spanienurlaub zurück und erzählt uns noch ein wenig von ihrer Reise. Dann machen der Liebste und ich uns ausgehfein, der Waldmeister landet im Biomüll und die Flaschen werden mit etwas Wasser aufgefüllt und zugeschraubt. Sie kommen mit einem weiteren Piccolo Sekt und einem Bier in den Beutel. Ich leihe mir eine Sonnenbrille vom Teilzeitkind (die ihm zu groß ist) und dann fahren wir mit der U-Bahn nach Kreuzberg.

Am Kotti treffen wir die beste Freundin des Liebsten und überreichen ihr eine Bowle. Ich nehme die zweite und der Liebste den Piccolo. Die Freundin verteilt noch metallene, goldfarbene Strohhalme und dann flanieren wir durchs Geschehen. Zwischendurch setzen wir fußlahmen Mädels und eine Weile auf eine Bank am Oranienplatz, während der Liebste schnell bei meinen Eltern vorbeigeht, um meinen Schlüssel abzuholen, den ich gestern dort vergessen hatte. Dann ziehen wir zu dritt weiter zum Mariannenplatz, wo wir auf weitere Freundinnen des Liebsten samt Anhang treffen.

Wir besorgen weitere Getränke und Chips und lassen uns dann auf dem Rasen nieder. Ich war ja am 1. Mal noch nie in Kreuzberg, obwohl ich seit 15 Jahren in Berlin lebe. Meine Traditionen sind da andere und oftmals war ich gar nicht da, weil eben Hexenbrennen oder Tanz in den Mai angesagt war. Nachdem ich aber nun gestern den Abend mit lauter Ossis verbracht habe, die mit dem 1. Mai eher andere Demonstrationen etc. verbinden, bin ich heute nun unter Wessis, die aus dem Westen nach Kreuzberg gezogen sind und für die der 1. Mai Kultstatus hat. Ich finde es recht klischeehaft, als jemand mit dem Fahrrad vorbeifährt und aus seinen Lautsprechern „Keine Macht für Niemand“ dröhnen lässt, für die anderen gehört es genau so.

Neben uns fängt eine Musikduo an zu spielen – mit Congas und Drums zu Musik vom Band. Wir sitztanzen zu „In da Club“, „Freestyler“ und Punjabi MC und amüsieren uns gut. Nach dreieinhalb Stunden Menschengewimmel bricht der Liebste auf an den heimischen Rechner und ich fahre zurück nach Hause. Bereits unterwegs beginne ich die Überlegungen zum Abendessen, aber irgendwie ist der Wurm drin und ich entscheide mich erst bei einer „Feierabend“-Limo (Wostock Dattel-Granatapfel) auf dem Balkon für Wareniki mit Sauerkraut und Sirniki, die ich mir dann liefern lasse.

Ein Kollege hat meine Instastory von der Band gesehen und schreibt mir, dass er auch am Mariannenplatz war. Zum Beweis schickt er ein Foto, auf dem ich mich und meine Begleitung entdecke. Ist aber Zufall, gesehen hat er mich nicht. Wir amüsieren uns über die Dorfigkeit Berlins.

Ich verbringe den Abend mit Essen, Katzen kuscheln und „Workin‘ Moms“ gucken, dann geht es in die Badewanne und gegen halb 11 ist Schlafen angesagt.